Was hat er vor mit Ephesos?

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Sabine Ladstätter leitet die Ausgrabungen in Ephesos

Die Torks haben archäologische Forschungen in Ephesos unterbunden, die seit über 120 Jahren von Österreich durchgeführt werden. Als Begründung werden „diplomatischen Spannungen“ angegeben, aber wenn man daran denkt, dass der Sohn vom Fuhrergan sein Kontaktmann zum IS-IS ist, und seine Tochter ein Krankenhaus für IS-IS-Schlächter leitet, ist die Vorstellung wahrscheinlich, dass Ephesos das gleiche Schicksal erleiden soll wie Palmyra (1).

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Grabungsstopp in Ephesos: Wissenschafter „fassungslos“

Das türkische Außenministerium hat die Grabungen aufgrund der diplomatischen Spannungen mit Österreich einstellen lassen. Bereits 1908 gab es einen Grabungsstopp.

Mit „Fassungslosigkeit und großer Empathie“ sei die vom türkischen Außenministerium angeordnete vorzeitige Einstellung der archäologischen Arbeiten in Ephesos aufgenommen worden, erklärte die Leiterin der österreichischen Grabungen in der antiken Stadt, Sabine Ladstätter, am Montag. Der Schritt wird auch von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) bedauert.

Am Sonntag wurde bekannt, dass das türkische Außenministerium die Einstellung der Grabungen mit Ende August angeordnet hatte. Als Grund dafür nannte die türkische Nachrichtenagentur Dogan die Spannungen zwischen Wien und Ankara.

Nachdem der österreichische Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) und Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) einen Abbruch der EU-Beitrittsgespräche gefordert hatten, gab es heftige Kritik aus Ankara. Im August wurde der türkische Botschafter aus Wien zurückgerufen.

Mitterlehner: „Politik und Wissenschaft vermischt“

Wissenschaftsminister Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) stellte am Sonntagabend in einer Stellungnahme zum Grabungsstopp fest: „Ich bedaure diese Entscheidung sehr, weil sie Politik und Wissenschaft vermischt und im Widerspruch zur partnerschaftlichen Zusammenarbeit steht, die wir über viele Jahre in Ephesos gepflegt haben. Mit diesem Schritt wird die Freiheit der Wissenschaft weiter eingeschränkt.“

Angesichts der langen Zusammenarbeit zwischen der Türkei und Österreich in Ephesos sei es der ÖAW „ein wichtiges Anliegen, diesen für alle Seiten gewinnbringenden internationalen wissenschaftlichen Austausch auch in Zukunft weiterzuführen“, erklärte ÖAW-Präsident Anton Zeilinger. Das für die Grabung zuständige Österreichische Archäologische Institut (ÖAI) ist eine Einrichtung der ÖAW.

Zuversicht, bis 2017 Lösung gefunden zu haben

„Wir sind mit allen Beteiligten im Gespräch, um die Grabungsarbeiten in Ephesos im kommenden Jahr fortsetzen zu können und ich bin zuversichtlich, dass wir eine gemeinsame Lösung finden“, sagte ÖAI-Direktorin Ladstätter. Die österreichischen Archäologen müssen jährlich die Grabungslizenz in Ephesos in der Türkei beantragen. Bevor dies gegen Ende des Jahres wieder geschehen könne, müsse die Angelegenheit „natürlich im Vorfeld politisch gelöst werden“, sagte Ladstätter.

Nachdem die Anordnung zur Einstellung vom türkischen Außenministerium gekommen sei, müsse man das Gespräch sicher auf dieser Ebene suchen.

Die vergangenen Tage seien für sie „emotional sehr schwierig“ gewesen, sagte Ladstätter. Sie hätten aber auch gezeigt, „wie stark das Grabungsteam hier integriert ist und dass mein Weg der intensiven Zusammenarbeit türkischer und österreichischer Kollegen auf einer internationalen Basis der richtige ist“. Diesen Weg müsse man weitergehen und nun „einfach Durchtauchen“.

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Rund ein Dutzend Mitarbeiter betroffen

Rund ein Dutzend Mitarbeiter des ÖAI sowie Forscher aus anderen Ländern, die in Ephesos tätig sind, seien von der Entscheidung betroffen und haben laut Akademie die Heimreise angetreten. „Durch das nahe Saisonende halten sich die Auswirkungen in Grenzen“, sagte Ladstätter.

Mit Ende August hätten ohnehin alle Grabungen aufgehört. Weil es dafür im Sommer zu heiß und zu trocken sei, würden aber im Herbst üblicherweise die Restaurierungsprojekte einsetzen. Ladstätter will deshalb nun alles versuchen, dass alle notwendigen Schutzmaßnahmen für die Ruine getroffen werden, „damit die Monumente, die gerade in Bearbeitung sind, über den Winter kommen“.

Bereits 1908 gab es einen Grabungsstopp

Die Einstellung der österreichischen Ausgrabungen hat ein historisches Pendant. Bereits 1908 gab es eine ähnliche Situation. Damals verweigerte das Osmanische Reich vorübergehend die Lizenzen für die 1895 gestarteten Arbeiten österreichischer Archäologen in Ephesos. Aus Protest gegen die Annexion von Bosnien-Herzegowina durch Österreich-Ungarn.

Die formelle Annexion des Balkanlandes nach 30 Jahren Okkupation Anfang Oktober 1908 beschwor eine gefährliche Krise herauf, weil dieser Schritt Wiens auf den Widerspruch fast aller Mächte auf dem Kontinent gestoßen war, ganz besonders von Russland und Serbien. Auch das Osmanische Reich protestierte, boykottierte vorübergehend österreichische Waren und stoppte die Grabungen in Ephesos für eine Weile.

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Time am 6. November 2016
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1) http://diepresse.com/home/science/5080374/Grabungsstopp-in-Ephesos_Wissenschafter-fassungslos

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Eine Antwort to “Was hat er vor mit Ephesos?”

  1. Sophist X Says:

    Wenn einer in seinem Land stationierte deutsche Soldaten für politische Erpressungen benutzt (Incirlik), ohne dafür den geringsten Gegenwind zu bekommen, dann ist das eine weitere Einladung, mit allem so zu verfahren, was sich anbietet.

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