Klo H. Metzel = Selim = Hitler

selim

Florian Stark berichtete in der „Welt“ über den Massenmörder und Kriegsverbrecher Selim I., den die Torks heiß verehren (1). Sie sind der Ansicht, dass die von ihm angerichtete Blutspur Alla sehr gefallen hat, und deshalb benennen sie sehr viele Alla-Häuser nach ihm (2).

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Dieser grausame Welteroberer ist Erdogans Held

Nicht nur Luther veränderte 1517 die Welt. Durch einen Sieg vor Kairo schwangen sich die Osmanen zur Hegemonialmacht der islamischen Welt auf. Der türkische Präsident Erdogan knüpft daran an.

Dass der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan ein großer Freund der osmanischen Geschichte ist, machte er auch bei der Eröffnung der dritten Bosporus-Brücke Ende August 2016 deutlich. So wurde die Feier auf den 26. August gelegt, den Jahrestag der Schlacht von Manzikert, in der die Türken 1071 das byzantinische Zentralanatolien eroberten. Noch deutlicher verweist der Name des 3,5 Milliarden Euro teuren Bauwerks auf die Geschichte: Die Yavuz-Sultan-Selim-Brücke ist nach Sultan Selim I. benannt, „der das Osmanische Reich in alle Richtungen vergrößert hat, der großartige Eroberungen eingefahren und zahlreiche islamische Relikte nach Istanbul geholt hat“, wie es in der offiziellen Begründung heißt.

In der Tat gilt Selim I. als einer der Architekten des osmanischen Weltreichs. Als er 1512 seinen Vater Bayezid II. vom Thron verdrängte, umfasste das Reich rund 2,3 Millionen Quadratkilometer. Als er acht Jahre später starb, waren es fast dreimal so viel. Sein großer Sohn Süleyman I., „der Prächtige“, sollte in seiner langen Regierung die Grenzen noch bis vor Wien und Algier vorschieben. Aber die Grundlagen dafür hatte Selim geschaffen.

Seine welthistorische Rolle beschreibt jetzt der Berliner Historiker Heinz Schilling in seinem Buch „1517. Weltgeschichte eines Jahres“. Denn nicht allein die Reformation markierte einen entscheidenden Wandel, sondern auch die Schlacht, die Selim am 22./23. Januar vor den Toren Kairos gegen die Mamluken schlug. „Es ging um nichts weniger als um die letzte Entscheidung im Konkurrenzkampf der drei großen muslimischen Mächte der Perser, Osmanen und Mamluken; es ging um die Vorherrschaft in der muslimischen Welt“, schreibt Schilling. Selim siegte und führte hinfort den Titel eines Kalifen und Verteidigers der Heiligen Stätten Mekka und Medina.

Der Sultan, der die Eroberungen seiner acht Vorgänger auf dem Osmanen-Thron vollendete, war alles andere als eine freundliche Lichtgestalt. Selbst seine an Grausamkeiten gewöhnten Zeitgenossen nannten ihn den „Strengen“ oder „Grausamen“. Den Beinamen verdiente sich Selim kaum mit dem ersten Befehl nach seiner Thronbesteigung, alle Brüder und Neffen zu ermorden. Das war in der osmanischen Dynastie bis dahin die Regel gewesen. Aber die Brutalität, mit der der überzeugte Sunnit gegen vermeintliche Ketzer vorging, verschlug schon vielen seiner Untertanen die Sprache.

Den Iran, in dem die Safawiden die Schia zur Staatsreligion machten, überzog er mit Krieg und plünderte 1514 ihre Hauptstadt Täbris. Und die Anhänger der alevitischen Auslegung des Korans massakrierte er zu Zehntausenden. Nicht umsonst kritisieren Sprecher der Aleviten die Namensgebung der neuen Bosporus-Brücke als „ganz bewusste politische Entscheidung“, die die „Aleviten verletzen soll“.

Aber Selims eigentliches Ziel war Ägypten. Hier residierten nach ihrer Flucht aus Bagdad die Abbasiden als Kalifen, die sich auf ihre Herkunft von Mohammed berufen konnten. Die eigentliche Macht aber lag in den Händen der Mamluken. Das waren ursprünglich Militärsklaven gewesen, die viele muslimische Herrscher in den Steppen Asiens erwarben und als persönliche Garden ausbilden ließen. In der Regel dauerte es nicht lange, und ihre Kommandeure (Sultane) übernahmen selbst die Macht. Bei den Mamluken kam hinzu, dass sie Ägypten 1260 gegen eine Invasion der Mongolen verteidigt hatten und sich seitdem als Verteidiger des Islams präsentierten. Sie kontrollierten das reiche Nilland und die Levante bis nach Syrien.

Nachdem er zunächst einen neuen Feldzug gegen den Iran vorgetäuscht hatte, rückte Selim im Sommer 1516 in Syrien vor. Er hatte alle Janitscharen und die Ehrentruppe seines Hofs sowie Tausende berittene Spahis dabei, wie die türkischen Feudalkrieger genannt wurden. „Einem solchen Heere, seinen Fußtruppen und Geschützen gegenüber hatte die hartnäckige, mehr als heroische Tapferkeit der Mamluken schweren Stand“, schreibt Nicolae Jorga in seiner großen „Geschichte des Osmanischen Reiches“.

Beim Marj Dabik, dem „Grab Davids“, unweit Aleppos kam es zur Schlacht. Wie schon gegen die Safawiden erwies sich die osmanische Kombination aus Infanterie, Kavallerie und Artillerie den mamlukischen Reitern als deutlich überlegen. Die Türken siegten und marschierten weiter nach Süden, eroberten Damaskus und Jerusalem und schlugen vor Gaza ein weiteres Heer der Mamluken in die Flucht.

Diese errichteten in aller Eile bei Raydaniya eine befestigte Stellung, die den Weg nach Kairo blockieren sollte. Die Bastion wurde auch mit antiquierten Kanonen bestückt, die sich im Arsenal von Kairo fanden. Am 22./23. Januar 1517 marschierte Selims Heer vor Raydaniya auf. Da die osmanischen Kanoniere deutlich bessere Schützen waren als ihre unerfahrenen Gegner, setzten diese wieder auf ihre überkommene Taktik und attackierten das türkische Zentrum mit ihrer Kavallerie. Aber die Schützen der Janitscharen stoppten den Angriff, und leichte Reiterei ging gegen die Flanken der Ägypter vor. Selim siegte.

Die Reste des mamlukischen Heeres retteten sich nach Kairo, wo der neue Sultan Tuman Bay beschloss, bis zum letzten Mann zu kämpfen. Selim nahm die Herausforderung an, und ein entsetzliches Gemetzel begann. Um jedes Haus, jede Straße wurde gekämpft. „Während dreier Tage und Nächte“ flossen „Ströme von Blut“, schreibt Jorda. Dann fiel Tuman Bay den Türken in die Hände. Selim ließ ihn zum Spott auf einem Esel durch die Hauptstraßen führen und anschließend vor den Toren der Stadt ermorden.

Bald wurden ganz Ägypten bis in den Sudan und die Arabische Halbinsel erobert. „Die Prophezeiung eines venezianischen Diplomaten, dass Selim ,sich, wenn Gott es nicht verhüte, zum Herrn aller Muselmanen machen werde‘, war in Erfüllung gegangen“, schreibt Jorda. Geografisch stimmte das sicher nicht. Aber der Besitz Syriens und vor allem Ägyptens legte die ökonomische Grundlage für die Eroberungen, die Süleyman I. nach dem Tod seines Vaters 1520 machen sollte: Ungarn, Nordafrika bis ins heutige Algerien, der Jemen, weite Teile Mesopotamiens, des Irans und des Kaukasus. Damit wurde das osmanische Imperium zur Hegemonialmacht in der muslimischen Welt, die für mehr als eine Generation auch weite Teile des Mittelmeers kontrollierte.

Zu einer Epochenwende wurde das Jahr 1517, weil diese Macht seitdem religiös legitimiert war. Der abbasidische „Scheinkalif“ al-Mutawakkil III., der mit den Mamluken auch seine Beschützer verloren hatte, wurde nach Istanbul gebracht. Schon in Kairo soll er Selim Schwert und Umhang des Propheten übergeben und ihn zum „Kalifen“ erklärt haben.

Das war zunächst nur ein schöner Titel, dem die rechte Basis, die Abstammung von Mohammed, fehlte. Das machte der Scherif von Mekka wett, indem er Selim zum „Beschützer der Heiligen Städte von Mekka und Medina“ erhob. Zusammen mit den Ehrentiteln „Befehlshaber der Gläubigen“ und „Nachfolger des Propheten als Beherrscher der Welt“ erhielten die osmanischen Sultane von nun an eine Legitimation, die sie über Jahrhunderte hinweg als Beherrscher der sunnitischen Welt des Islams erscheinen ließen.

Im 18. Jahrhundert nahmen die Osmanen auch den förmlichen Titel des Kalifen an, bezogen sich dabei aber auf die Nachfolge der Abbasiden-Kalifen im Jahr 1517. Erst 1924, zwei Jahre nach dem Ende des Osmanischen Reiches und der Gründung der Türkischen Republik durch Mustafa Kemal „Atatürk“, erklärte die Große Türkische Nationalversammlung das osmanische Kalifat für aufgelöst, offenbar sehr zum Leidwesen von Präsident Erdogan.

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Time am 25. Januar 2017

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1) https://www.welt.de/geschichte/article161368466/Dieser-grausame-Welteroberer-ist-Erdogans-Held.html
2) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/12/08/kennen-sie-die-hitlerkirche/

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