Bleibt alles anders?

Nazislahmische Fake-Demo gegen den Jihad

Mathias Müller von Blumencron reflektiert bei „FAZ.NET“ über den nazislahmischenTerror (1) und Möglichkeiten, ihn zu bekämpfen.

Selbstverständlich fasst er nicht ins Auge, z.B. wenigstens das Tragen der Zeichen der nazislahmischen Bewegung (Kopftuch etc.) in der Öffentlichkeit zu verbieten, so wie dies bei den Zeichen der nationalsozialistischen Bewegung selbstverständlich ist.

Bleibt alles anders, oder wird es so, wie es war?

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Saat der Angst

Wie immun ist die westliche Gesellschaft gegen den Terror der radikalen Islamisten? Was geschehen muss, damit die Saat nicht aufgeht.

Nach den schrecklichen Attacken in London wird die Sprachlosigkeit wieder mit Appellen durchbrochen: Wir dürfen uns nicht spalten lassen, wir dürfen den Terroristen keinen Erfolg präsentieren, das Leben muss weitergehen. „Keep calm and carry on“ pflegen die Briten seit jeher auch in größten Notlagen Ruhe und kühlen Kopf zu bewahren. Amerikaner, Spanier, Franzosen, Belgier, Dänen, Niederländer und Deutsche, alle in den vergangenen Jahren und Monaten vom islamistischen Terror Betroffene, haben das Lebensmotto der Briten entsprechend für sich adaptiert. Je mehr Morde geschehen, je mehr Terroristen mit den zunächst im Nahen und Mittleren Osten praktizierten Methoden auch in Europa zuschlagen, umso stärker wird der Impuls, sich diesem Gift entgegenzustemmen, mit einem „Trotzdem“ oder „Gerade jetzt“, mit einem Aufschrei des Lebens gegen die Todessehnsüchtigen.

So richtig und wichtig die Appelle sind: Es kann nicht so weitergehen wie bisher, weil es schon in den Köpfen der Menschen im Westen nicht mehr so weitergeht. Angst ist ein schleichendes Gift, dass die Terroristen streuen, dessen Wirkung sie herbeimorden. Aber langsam zieht es ein, beginnt zu wirken. Ein paar Böller führen zu einer Massenpanik beim Public Viewing des Champions League-Finales in Turin, mit mindestens 1500 Verletzten. Eltern fragen sich, ob sie ihre Kinder noch auf Rockkonzerte lassen dürfen. Auf viel begangenen Fußwegen am Rande großer Straßen beschleicht einen der Gedanke: „Könnte es auch hier passieren?“

Islamistischer Terror hat einen religiösen Kontext, zieht seine Rechtfertigung aus einem vermeintlich heiligen Krieg gegen Ungläubige. „This is for Allah“ sollen die Attentäter in London gerufen haben. Der selbsternannte Islamische Staat, der regelmäßig die Verantwortung für die schlimmsten Mordtaten übernimmt, versteht sich als religiöse Institution. Daran ändert auch nichts, dass etliche der Täter zuvor mit ihrem Leben als Kleinkriminelle eine Spur der Gottlosigkeit durch die Gesellschaft gefurcht haben, die in der gottlosesten aller Taten kulminierte, der heimtückischen Tötung von Mitmenschen. Gerade die bis ins Unvorstellbare gesteigerte Heimtücke kennzeichnet den terroristischen Mord – und ganz besonders den islamistischen.

In der islamisch geprägten Welt, wo die meisten Attentate stattfinden, die meisten Opfer zu beklagen sind, trifft es die Menschen in ihrem Alltag auf Märkten, wie kürzlich in Kabul im morgendlichen Berufsverkehr. Oder er richtet sich gegen die Obrigkeit. Doch immer wahllos und mit dem einzigen Ziel, in einer sich entwickelnden Zivilgesellschaft den größtmöglichen Horror zu erzeugen. Taten, die im übrigen allesamt zeigen, wie absurd ein Generalverdacht gegen Muslime ist, der so viele rechtspopulistische Gruppen in Europa und den Vereinigten Staaten prägt.

Orte der Lebensfreude als Terrorzielscheiben

Im Westen wählten die Attentäter in jüngster Zeit oftmals Momente, in der sich Kultur und Freiheit am populärsten äußerten, in der sich eine Gesellschaft besonders entspannt, besonders vergnüglich, besonders lebensfreudig zeigt: Popkonzerte, Fußball, Bummel durch Bars, Cafés und Pubs.

Es ist eine perfide Strategie. Der islamistische Terror ist so gefährlich für unsere Gesellschaft, weil er sie in ihren Alltagsverrichtungen, in ihrer Lebensfreude dort trifft, wo sich Kultur, Freiheit und auch gerade Freiheit von Religion manifestieren. Dies ist anders als der politische Terror, der Westeuropa über Jahrzehnte geprägt hat, der Terror der RAF, der Roten Brigaden, der Eta. Genau deshalb muss er auch anders bekämpft werden. Hier steht das Konzept einer freiheitlichen Gesellschaft gegen eine fanatische, totalitäre und lebensfeindliche Weltsicht, die mit brutalster Gewalt in vermeintlich göttlichem Auftrag Rache vollzieht. Rache an einer Gesellschaft, die in den Augen der Extremisten mit ihrer Lebensweise Gottlosigkeit demonstriere. Aber auch Rache an einer Gesellschaft, die ihre Freiheit und ihre Sicherheit mit militärischen Mitteln jenseits ihrer Grenzen verteidigt.

Radikale Überwachung von Gefährdern

Was also ist zu tun? Auf drei Feldern ist mehr zu tun als bisher. Es bedarf einer radikalen Überwachung des gewaltbereiten islamistischen Umfelds. Gerade hier braucht es ein neues Verständnis, eine neue vertragliche Übereinkunft zwischen Gesellschaft und den Sicherheitsbehörden. Ein neues Austarieren zwischen den Freiheiten der digitalen Welt und den Notwendigkeiten, die freiheitliche Gesellschaft vor ihrer schlimmsten Bedrohung zu schützen. Ein funktionierender – aber auch kontrollierbarer – Geheimdienst gehört zu einem funktionierenden Sicherheitsapparat. Der Zugang zur digitalen Kommunikation auch – allerdings ohne damit die wichtigste Parallelsphäre der modernen Welt Kriminalität, Sabotage oder militärischen Angriffen zu opfern. Also keine Schwächung der Verschlüsselung, wohl aber erleichterter Zugang zu Geräten verdächtiger Nutzer und den Servern der digitalen Infrastrukturunternehmen.

Es bedarf aber auch einer klaren Ächtung der Täter, gerade durch das religiöse Milieu des Islam. Keine Toleranz für Hassprediger und ihre als Moscheen getarnten Wirkungsstätten.So wie es in den siebziger Jahren eine klammheimliche Sympathie im linksextremen Milieu mit den Taten der RAF gab, so strahlen auch die Terrorakte der Islamisten in eine radikal-islamische Szene aus und sorgen mit ihrer Freiheitsablehnung und Todessehnsucht für eine absurd erscheinende Faszination. Nur eine klare Ächtung der Gewaltbereiten und ihrer Sympathisanten kann helfen, wenn dies auch ein langwieriger Prozess ist, der die ins Terror-Milieu Abrutschenden oft kaum erreicht. So dient die missverstandene Religion zwar vielen als inneres Vehikel, um die Hemmschwellen gegen das Töten zu überwinden. Doch speist sich der Hass auf die westliche Gesellschaft oft mehr aus dem persönlichen Scheitern und der dadurch empfunden Ausgrenzung.

Und es bedarf einer Zivilgesellschaft, die vorübergehende Einschränkungen hinnimmt, gerade um ihren Kern, ein durch Freiheit und Toleranz geprägtes Selbstverständnis zu bewahren. Dies ist eine der schwierigsten Aufgaben.

Denn zum einen ist dies genau das Ziel des Terrors. Zum anderen darf genau dies nicht geschehen, darf die Saat von Schrecken und Angst nicht dazu führen, dass Kultur und Freiheit überwuchert werden. So wie sich die Fans bei der Unterbrechung des Kultereignisses „Rock am Ring“ nicht haben beirren lassen.

Keine Maßnahme bietet perfekten Schutz gegen Terror. Aber eine Gesellschaft hat das Recht darauf, dass alles getan wurde, um zukünftige Anschläge zu verhindern. Nur dann haben „Trotzdem“ und „Gerade jetzt“ einen Sinn.

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Time am 5. Juni 2017

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1) http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/faz-kommentar-zum-london-anschlag-saat-der-angst-15047128.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

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