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Im Interview: Tendzin Gyatsho

1. Juni 2016

Dalai Lama

Till Fähnders interviewte für „FAZ.NET“ den Dalai Lama (1).

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„Flüchtlinge sollten nur vorübergehend aufgenommen werden“

Der 14. Dalai Lama findet zur Flüchtlingskrise unerwartete Worte: Es seien so viele Menschen geflohen, dass es in der Praxis schwierig werde. Deutschland könne kein arabisches Land werden.

Eure Heiligkeit, Sie reisen sehr viel durch die Welt. Haben Sie eigentlich einen Reisepass?

Die indische Regierung gibt uns ein Registrierungszertifikat, das uns erlaubt, in Indien zu leben. Wer ausreisen möchte, kann ein Identitätszertifikat beantragen. Dies ist ein Reisedokument, das besagt, dass man ein tibetischer Flüchtling ist, der in Indien lebt. Normalerweise ist das kein Problem, nur manche Länder akzeptieren dieses Zertifikat nicht und geben uns kein Visum.

Das heißt, Sie sind nach all den Jahren immer noch ein Flüchtling. Wie empfinden Sie die gegenwärtige Flüchtlingskrise in Europa?

Wenn wir in das Gesicht jedes einzelnen Flüchtlings schauen, besonders bei den Kindern und Frauen, spüren wir ihr Leid. Ein Mensch, dem es etwas besser geht, hat die Verantwortung, ihnen zu helfen. Andererseits sind es mittlerweile zu viele. Europa, zum Beispiel Deutschland, kann kein arabisches Land werden. Deutschland ist Deutschland. (lacht) Es sind so viele, dass es in der Praxis schwierig ist. Auch moralisch gesehen finde ich, dass diese Flüchtlinge nur vorübergehend aufgenommen werden sollten. Das Ziel sollte sein, dass sie zurückkehren und beim Wiederaufbau ihrer eigenen Länder mithelfen.

In Europa gibt es eine zunehmend islamfeindliche Stimmung. Wie bewerten Sie das?

Es sind muslimische Individuen und kleine Gruppen, die sich in ihren eigenen Ländern gegenseitig umbringen. Schiiten, Sunniten. Sie repräsentieren nicht den gesamten Islam und nicht alle Muslime. Die Liebe ist bei jeder Religion die Kernbotschaft, auch im Islam. Bösartige Leute gibt es auch bei den Buddhisten, den Christen, den Juden und den Hindus. Nur aufgrund von einigen traurigen Ereignissen, die von einer kleinen Zahl Muslime ausgehen, sollten wir nicht die gesamte muslimische Welt verurteilen.

Wir sind hier in Dharamsala im Norden Indiens, wo Sie seit mehr als 50 Jahren im Exil leben. Ist dies auch der Ort, an dem Ihr Leben enden wird?

Das weiß niemand. Wie Sie wissen, hat sich die Volksrepublik China im Vergleich zum China vor 30, 40 Jahren sehr verändert. Die Kulturrevolutionäre hatten dazu aufgerufen, die „vier Alten“ zu zerstören, darunter die Religion. Heute hat China die größte buddhistische Bevölkerung. Ein kommunistisches Land mit der größten Zahl Buddhisten! Viele Parteimitglieder sind nur im Kopf Atheisten, aber von der Brust an abwärts sind sie gläubige Buddhisten. Freiheit wird zum nationalen Interesse, damit jeder individuelle Bürger seine Kreativität voll ausnutzen kann. Mehrere hunderttausend Studenten, die in Amerika, Europa, auch Deutschland studieren und auch in Japan, Australien und Indien. Sie erleben, was Freiheit und Demokratie sind, Redefreiheit, Gedankenfreiheit, eine freie Presse. China, so mächtig es auch sein mag, kann nicht zu der früheren rigiden, abgeschlossenen Gesellschaft zurückkehren.

Und dann wollen Sie zurückkehren?

Vielleicht in ein paar Jahren. Wenn die Gelegenheit für meine Rückkehr kommt oder wenigstens einen kurzen Besuch, wäre das ein Anlass zur Freude. Die Leute, die aus Tibet hierherkommen, sagen immer: Bitte, komm. Sie wollen mein Gesicht sehen, bevor sie sterben. Millionen Tibeter in Tibet warten darauf. Auch einige Chinesen vom chinesischen Festland. Sie sagen: Bitte, vergiss uns nicht. Auf der anderen Seite gibt es ein tibetisches Sprichwort: Wo immer du glücklich bist, da ist dein Zuhause. In Indien habe ich über 57 Jahre in völliger Freiheit gelebt. Die Freiheit hat mir erlaubt, Menschen unterschiedlichster Hintergründe zu treffen, unterschiedlichen Glaubens, unterschiedlicher Berufe. Wenn ich das Gefühl habe, hier aus Indien mehr zu bewirken, dann bleibe ich hier. Es ist das Land Buddhas. Und wenn ich hier irgendwann sterbe, bin ich froh. Aber bitte nicht in einem Krankenhaus an irgendeiner Fernbedienung hängend. (lacht)

Sie haben angedeutet, dass Sie der letzte Dalai Lama sein könnten. Wollen Sie überhaupt wiedergeboren werden?

Ja. Solange Menschen leiden, werde ich ihnen weiter dienen. Als der erste Dalai Lama sehr alt war, sagte einer seiner gelehrtesten Schüler: Nun bist du bereit, in den Himmel zu kommen. Er antwortete, im Himmel bin ich überflüssig. Ich möchte dort wiedergeboren werden, wo ich etwas Sinnvolles tun kann, wo es Leiden gibt. Aber die Frage ist, bleibt der Name Dalai Lama. Schon im Jahr 1969 habe ich in einer offiziellen Stellungnahme gesagt, die Entscheidung, ob die Institution des Dalai Lamas weitergeführt werden soll oder nicht, hängt vollkommen vom tibetischen Volk ab. Wenn also eine Situation aufkommen sollte, in der die Institution an Relevanz verloren hat, dann braucht man sie nicht mehr aufrechtzuerhalten. Außerdem habe ich schon im Jahr 2001 einen Teil der politischen Führung abgegeben. Seit dem Jahr 2011 bin ich von allen politischen Aufgaben zurückgetreten. Für 400 Jahre war der Dalai Lama automatisch der weltliche und spirituelle Führer. Die weltliche Führung habe ich freudig, freiwillig und mit Stolz abgegeben. Nur die Chinesen haben das noch nicht verstanden. Um die Zukunft des Dalai Lamas machen sich die chinesischen Kommunisten mehr Gedanken als ich.

Die chinesische Regierung will die Institution unter ihre Kontrolle bringen. Deshalb hat sie ihre Äußerungen über die Reinkarnation sogar als „Blasphemie“ bezeichnet.

Ich kann mit Gewissheit sagen, dass mein Wissen über den Buddhismus um einiges besser ist als das ihrige. (lacht)

In Ihren Instruktionen zur Wiedergeburt haben Sie festgelegt, dass die Tibeter darüber entscheiden sollen, wenn Sie das Alter von 90 Jahren erreicht haben. Halten Sie an dem Zeitplan fest?

Wir beginnen jetzt schon mit der Arbeit. Wahrscheinlich Ende dieses Jahres werden einige Diskussionen geführt werden. Wir werden Leute zusammenbringen und ihre Meinung hören. Dann nach einem oder zwei Jahren werden wir fertig sein, und ich werde mit den höchsten Geistlichen zusammentreffen, um auch ihre Meinung anzuhören. Als 14. Dalai Lama bin ich populär und habe nie Schande über mich gebracht. Mir wäre es lieber, wenn die Tradition des Dalai Lamas mit einem solchen populären und recht guten Dalai Lama enden würde.

Aber einige Ihrer Anhänger dürften traurig sein, wenn Sie das hören. Lassen Sie nicht die tibetischen Buddhisten im Stich?

Nein. Ich sage immer: Es gibt auch keine Reinkarnation Buddhas, aber seine Lehre ist nach 2600 Jahren noch hier. Das gilt auch für viele tibetische Meister. Keine Reinkarnation, keine Institution, aber ihre Lehren gelten immer noch. Es braucht dazu keine Institution.

Aber emotional wird es schwierig für die tibetischen Buddhisten.

Das ist, ehrlich gesagt, ein feudalistisches Denken. Aber das wird sich ändern. Am Anfang werden sie emotional sein. Aber solange ich lebe, kann ich ihnen noch das Gehirn waschen. Mit Argumenten, nicht mit Unterdrückung, wie es die Kommunisten tun. (lacht)

Sie haben die Kulturrevolution erwähnt, die vor fast genau 50 Jahren begann. Sie haben einmal von einer „halben Kulturrevolution“ gesprochen, die in Tibet herrsche. Was meinten Sie damit?

Das war vor der Krise im Jahr 2008, als der damalige Parteisekretär scharfe Kontrollen des Glaubens und der Religion eingeführt hat und politische Umerziehung in den Klöstern. Wegen der starken Kontrolle gab es viel geistigen Widerstand.

Und wie ist die Situation jetzt, im Vergleich zu 2008?

Im Vergleich dazu ist die Situation allgemein besser. Aber die Autonome Region Tibet steht immer noch unter strikter Kontrolle. In den Gebieten Amdo und Kham, also in Siedlungsgebieten der Tibeter in den benachbarten Provinzen, ist die Lage besser. Aber das spiegelt nicht immer die Anweisungen der Zentralregierung wider. Sogar von Bezirk zu Bezirk kann die Lage unterschiedlich sein. Manchmal kommt ein neuer Funktionär, und die Lage ändert sich schlagartig. Es ist sehr schwer vorauszusehen.

Was halten Sie von Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping?

Auch er ist schwer zu durchschauen. Er kommt aus einer buddhistischen Familie. Ich kannte seinen Vater, Xi Zhongxun. Er war ein guter Freund des damaligen Pantschen Lamas. Auch er musste während der Kulturrevolution Leid ertragen. Xi Jinpings Denken ist realistischer, aber es gibt eine Menge Widerstand im Establishment. Vor zwei Jahren hat er öffentlich gesagt, Buddhismus sei ein wichtiger Teil der chinesischen Kultur. Etwas Ähnliches sagte er auch in Neu-Delhi. Das ist überraschend, ein kommunistischer Anführer, der etwas Nettes über eine Religion sagt, oder nicht?

Also ist die Lage in China nicht so schlecht?

Die wirtschaftliche Situation ist im Vergleich zu der Zeit vor 1959 besser. Aber innerlich sind die Menschen sehr unglücklich. Sie leben in ständiger Angst.

Befürchten Sie, dass die Tibeter ohne Ihre Führung zu Gewalt greifen könnten?

Das ist möglich. Tatsächlich hat ein Tibeter mir schon vor 15 bis 20 Jahren gesagt, dass die Leute über 40 das Gefühl hätten, es ginge ihnen besser etwa im Vergleich zur Zeit der Kulturrevolution. Viele unter 40 seien unglücklich. Sie sagten, solange der Dalai Lama da ist, müssen wir uns an sein Prinzip der Gewaltlosigkeit halten. Danach müssen wir selbst denken. Dann erklärte ich ihm, es gehe nicht darum, meinem Rat zu folgen. Mein Denken folgt nur der Realität. Gewalt ist unberechenbar und hat negative Folgen.

In der Vergangenheit war der Widerstand der Tibeter schon einmal gewalttätig. Die CIA bildete einst Tibeter für den bewaffneten Widerstand aus. Auch Sie wurden in der Presse damit in Verbindung gebracht. Wie rechtfertigen Sie das?

Als ich im Jahr 1956 in Indien war, bestanden meine älteren Brüder darauf, dass ich nicht zurückkehren sollte. Dann hörte ich, dass mein ältester Bruder, der ein paar Jahre in Amerika verbracht hatte, Verbindungen zu einem CIA-Agenten hatte. Ich entschied mich zurückzukehren. Das war im Jahr 1957. Dann gab es im Jahr 1958 einen Aufstand in Tibet. Ich hörte, dass einige Leute von der CIA ausgebildet worden waren. Ich hatte damit nichts zu tun. Als ich im März 1959 Südtibet erreichte, sah ich einige Tibeter mit Bazookas und anderen Waffen. Ich dachte, ein paar Bazookas bringen nicht viel. (lacht) Als ich Indien erreichte, hörte ich wieder, dass in dem Gebiet von Mustang sich eine Art Guerrilla-Organisation gebildet hatte. Das war strikt geheim. Ich war da außen vor. Mein älterer Bruder, eine recht kontroverse Figur, machte das. Ich hatte damit nichts zu tun.

Gibt es Umstände, unter denen die Anwendung von Gewalt Ihrer Ansicht nach legitim ist?

Wenn die Umstände so sind, dass es keine andere Wahl gibt, und Mitgefühl die Motivation ist. Es gibt solche Geschichten in Buddhas eigener Historie. Um 499 Händlern das Leben zu retten, tötete er einen Händler. Er kalkulierte: Die Sünde, eine Person getötet zu haben, kann ich aushalten. Wenn ich es nicht tue, dann wird er 499 töten. Erstens werden so 499 Menschen sterben, zweitens wird er die Sünde tragen, 499 Menschen getötet zu haben. Also entschloss Buddha sich, die Person zu töten. Es sieht aus wie Gewalt. Aber die Motivation ist Mitgefühl. Diese Unterscheidung machen wir also. Theoretisch können wir das zwar erklären, praktisch ist es aber besser, jede Gewalt zu vermeiden. Das ist sicherer. Wie mein Freund George W. Bush: Seine Motivation war sehr aufrichtig. Er wollte Demokratie in den Irak bringen. Eine Person eliminieren. Er benutzte Gewalt. Die Folgen waren negativ. Gewalt ist unberechenbar. Deshalb besser keine Gewalt.

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Time am 1. Juni 2016

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1) http://www.faz.net/aktuell/politik/interview-tenzin-gyatso-der-letzte-dalai-lama-14260431.html?printPagedArticle=true#aufmacherBildJumpTarget

Beruf: Speichellecker

26. Mai 2016

Baumgarten

Stefan Frank hat einen besonders widerwärtigen Speichellecker der naziranischen Machthaber in den deutschen MSM ausfindig gemacht (1).

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Die Stimme Teherans im deutschen Radio

Reinhard Baumgarten arbeitet für den SWR als Korrespondent in Teheran. Er leidet an einer Berufskrankheit: übermäßiger Faszination für das Studienobjekt. So, wie mancher Virologe ins Schwärmen gerät, wenn er von der Wunderwelt der Viren und deren verblüffenden Fähigkeiten spricht, so findet Baumgarten, wann immer er das Ajatollah-Regime unter seinem Elektronenmikroskop betrachtet, ständig neue, bislang unbekannte Demokratiemoleküle, Freiheitspartikel und Pluralismusproteine, die noch nie zuvor ein Mensch gesehen hat und die ihm das Gefühl geben, auf wichtiger Mission zu sein: das Image eines antisemitischen Folter- und Mordregimes aufzupolieren.

Der unsichtbare Reformismus

Reinhard Baumgarten ist ein Entdecker; seine politischen Berichte aus dem Iran ähneln den Romanen von Jules Verne. Zwar sind sie weniger exakt, doch was ihm an Wissenschaftlichkeit und Wissen abgeht, macht er durch Phantasie wieder wett. Vor wenigen Monaten, wir erinnern uns, beschrieb Baumgarten das imposante Naturphänomen der iranischen Wahlen. Diese sind, erfuhren seine Zuhörer, „bedingt demokratisch“. Anders als in manch europäischem Land bekämen die „Hardliner“ im Iran bei Abstimmungen nie einen Fuß auf den Boden, seit Jahren schon eilten die Softliner von Erfolg zu Erfolg.

Die Hardliner nämlich sind ganz schön dumm: Obwohl sie im Iran scheinbar jede Haarsträhne und jeden Urankern kontrollieren, sitzen „gemäßigte Konservative und reformorientierte Kandidaten“ insgeheim an den Hebeln der Macht und drehen ihnen eine lange Nase. Quo vadis, theokratische Diktatur? So wird das nichts mit der Wiederkunft des Mahdis.

Holocaust? Heikel.

Zeit, einmal einen Blick auf die vibrierende iranische Kulturszene zu werfen. Schon vor ihrer Eröffnung konnte Baumgarten einen Blick auf die neueste Holocaustkarikaturenausstellung werfen. Darum interviewte ihn letzte Woche der NDR, den die Frage umtrieb, was Kunst dürfe. Damit ist das Diskursfeld abgesteckt: Wer antisemitische Karikaturen zeichnet, ist in jedem Fall ein Künstler.

„Was darf Kunst? Eine Frage, die immer wieder – vor allem wenn es um Satire und Karikaturen geht – gestellt wird. In Teheran wird nun zum zweiten Mal ein Karikaturenwettbewerb zum Thema Holocaust veranstaltet. Eine heikle Angelegenheit.“

Heikel, ja. Wie leicht kann man sich an der Tür zum Krematorium die Finger verbrennen – und hat das iranische Regime nicht einen Ruf zu verlieren? Kennt die Welt es nicht als moderat, besonnen, stets darauf bedacht, keines Menschen Gefühle zu verletzen? Das ist zumindest das Bild, das ARD und ZDF gerne zeichnen: der Iran, ein Baumgarten Eden der Bürgerrechte.

Wenn da nun eine heikle Ausstellung stattfindet, ist es gut, einen Spezialisten vor Ort zu haben, der in der Lage ist, den Subtext zu lesen und die drolligen Auschwitzbilder ins rechte Licht zu rücken, ein pluralistisches Helldunkel, in dem alle neunschwänzigen Katzen grau sind, Ajatollah Khamenei nichts gegen Juden und „der Westen“ wie immer Unrecht hat. – Doch spannen wir die Leser nicht länger auf die Folter und hören, ob Baumgarten findet, dass es sich lohnt, die Holocaustkarikaturenausstellung zu besuchen:

„NDR Kultur: Herr Baumgarten, können Sie kurz beschreiben, was in der Ausstellung zu sehen ist? Was sind das für Arbeiten?

Reinhard Baumgarten: Man sieht zum Beispiel Netanjahu, den israelischen Regierungschef, und aus seinem Kopf heraus wächst ein Kopf von Adolf Hitler. Oder man sieht Bahngleise, die in Richtung Lager Auschwitz führen, oben drüber steht ‚Arbeit macht frei‘, und unter den Schienen liegen Menschen aus Syrien, aus dem Irak, aus dem Gaza-Streifen. Eine andere Karikatur zeigt diese Trennmauer, die Israel errichtet hat, oben drüber wieder der Spruch des Lagers Auschwitz: ‚Arbeit macht frei‘. So ist der Versuch eine Verbindung herzustellen zwischen dem Unrecht der Nazis und den Juden mit dem Unrecht, das den Palästinensern widerfahren ist.“

Man kann nur raten, welches Unrecht den Palästinensern widerfahren sein mag, merkt aber, dass der Versuch, eine Verbindung zu den Nazis herzustellen – die, wir erinnern uns vage, auch mal Unrecht hatten –, bei diesem Probanden bereits geglückt ist. Die „Trennmauer“, die Israel von Terroristen trennt, ist wie die Schwarze Wand von Auschwitz, und dass Netanjahu Iraker und Syrer in Viehwaggons pfercht, ist für Baumgarten so klar wie das Gewissen eines iranischen Reformers.

Judenhass? Künstlerische Freiheit!

Gefragt, ob „eine solche Ausstellung nicht jetzt ein Rückschritt, eine Provokation“ sei, findet Baumgarten fünf Wörter der Zustimmung („Ja, natürlich ist es das.“), um dann mit 118 Wörtern zu erklären, warum Bilder des Judenhasses dem Pluralismus dienen:

„Andererseits herrscht auch im Iran eine gewisse Pluralität. Sie haben es angesprochen: Was darf Kunst, was darf der Karikaturist? Und hier sagt Massoud Shojaii: Wir kratzen an Tabu- und an Reizthemen, die im Westen so nicht akzeptiert werden. So wie ihr euch mit dem Propheten Mohammed in Karikaturen, in Witzen und in Satiren beschäftigt, so nehmen wir uns jetzt die künstlerische Freiheit heraus, auch das Thema Holocaust von einer anderen Seite zu beleuchten. Auf die Nachfrage, was mit dem Holocaust sei, wird immer wieder betont, auch von Shojaiis Seite: Wir verleugnen das nicht. Das hat es gegeben und wir sind gegen Rassismus und Völkermord. Wir wollen nur den Finger von einer anderen Seite auf die Wunde legen.“

Es ist erstaunlich, wie viel Gutes, Wahres und Schönes ein einziger Holocaustkarikaturenwettbewerb auf engem Raum versammeln kann. Haben Sie mitgezählt? „Pluralität“, „an Tabus kratzen“, „künstlerische Freiheit“, „das Thema Holocaust von einer anderen Seite beleuchten“, „gegen Rassismus“, „den Finger auf die Wunde legen“ usw. – jede Stadt der Welt sollte einen solchen Wettbewerb veranstalten, das gebietet die Humanität. Es wäre schlicht rassistisch, es nicht zu tun. Jahrzehntelang haben wackere Geschichtsrevisionisten uns ermahnt, das „Thema Holocaust“ mal von einer anderen Seite zu beleuchten, doch wir waren blind. Der Prophet Horst Mahler galt nichts im eigenen Land, da muss erst der persische Holocaustleugner kommen und „den Finger auf die Wunde legen“ (also auf einen bislang ignorierten Missstand hinweisen). Man merkt deutlich, dass Baumgarten den Charlie Hebdo-Karikaturisten ihren Verstoß gegen islamische Blasphemiegesetze nie verziehen hat, nun freut er sich darüber, dass es ihnen heimgezahlt wird. Wären sie nicht von Islamisten ermordet worden, würden sie jetzt was lernen.

Wer malt Juden im „Stürmer“-Stil? Wir!

Für Baumgarten ist die Ausstellung ein klarer Veranstaltungstipp: Wenn Sie an Tabus kratzen wollen, gehen Sie hin. Wo kriegen Sie das sonst geboten? Wird das Thema Holocaust nicht im künstlerisch unfreien Westen immer noch sehr einseitig dargestellt, mit den Juden als Opfern? Wir müssen endlich die jüdische Verschwörung aufzeigen, die den Mythos des Holocaust benutzt, um die Weltherrschaft zu erlangen, die Menschheit auszurotten und Al-Aksa in die Luft zu sprengen – in Baumgartens Worten: den Finger auf die Wunde legen.

Wie sehr sich Baumgarten mit den Zeichnern der Juden- und Holocaustkarikaturen identifiziert, zeigt seine Wortwahl: Irgendwann fängt er an, von denen, die heute noch Juden im „Stürmer“-Stil zeichnen, in der ersten Person Plural zu sprechen: „Wir verleugnen das nicht. Das hat es gegeben und wir sind gegen Rassismus und Völkermord. Wir wollen nur den Finger von einer anderen Seite auf die Wunde legen“, sagt er und meint wohlgemerkt die Organisatoren des Holocaustkarikaturenwettbewerbs. Ist Baumgarten ihr Pressesprecher?

Gleichwohl sieht er die Gefahr, dass die lustigen Darstellungen jüdischer Monster den Westen vergrätzen könnten, den er ja für sehr intolerant und judenfreundlich hält. Darum fügt er hinzu:

„Die Regierung hat sich distanziert und es gibt keine Regierungsgelder für die Ausstellung, die im Haus der Karikaturen stattfindet. Es wird ein hohes Preisgeld ausgelobt: 8.000 Dollar extra für denjenigen, der Netanjahu ‚am treffendsten’ darstellt. Diese 8.000 Dollar kommen von den Pasdaran, das sind die Revolutionswächter im Iran.“

Die Revolutionswächter sind für ihre Staatsferne bekannt – das hat nichts mit der Regierung zu tun. Alles geschieht hinter deren Rücken

Baumgarten, der iranische Außenminister

Wie informiert sich eigentlich ein Teheran-Korrespondent des öffentlich-rechtlichen deutschen Rundfunks? Baumgarten liest offenbar den New Yorker. Dort erschien Ende April nämlich ein Interview mit Mohammed Javad Zarif, dem iranischen Außenminister. Zarif ist übrigens selbst jemand, der, was die Frage betrifft, ob der Holocaust stattgefunden hat, recht unentschieden ist, wie dieses Video aus dem Jahr 2006 zeigt.

Vom New Yorker auf die vom Iran veranstaltete Ausstellung der Holocaustkarikaturen angesprochen, sagt er: „Das ist nicht der Iran. Es ist eine NGO, die nicht von der iranischen Regierung kontrolliert wird. Die iranische Regierung unterstützt sie auch nicht.“ Man könne ja, sagte der Außenminister, auch nicht die US-Regierung für den Ku-Klux-Klan verantwortlich machen. Der Iran ist nämlich ein freies Land; jeder kann dort tun und lassen, was er will, und für eine weltweit beachtete Ausstellung politischer Karikaturen braucht man doch keine Genehmigung der Regierung. „Betrachten Sie den Iran nicht als Monolith“, so Zarif.

Was Israel nicht kapiert

Das hat sich Baumgarten eingeprägt und tadelt unvermittelt die Juden dafür, dass sie dem Iran nicht den vollen Lohn für seinen inneren Pluralismus gäben: Israel, so Baumgarten, „kapiert nicht, dass es im Iran selbst Machtkämpfe gibt, und dass diese Ausstellung Teil dieser Machtkämpfe ist“. Wie Baumgarten, nach antijüdischen Karikaturen gefragt, zu einer Schelte der israelischen Regierung kommt? Das macht wohl die Teheraner Luft, der Genius loci – wobei der Vorwurf, dass „Israel“ die behaupteten Machtkämpfe im Iran nicht kapiere, zugegebenermaßen etwas seltsam ist; ist Israel eine Person? Es erinnert ein wenig an den Mann, der einmal sagte: „Die Amerikaner verallgemeinern immer.“

Verschwörung gegen Ruhani

Worauf es Baumgarten ankommt, ist aber vor allem dies: Für das, was im Iran passiert, darf man nicht die iranische Regierung verantwortlich machen. Die Ausstellung der Holocaustkarikaturen sei vielmehr eine Verschwörung gegen die Regierung:

„Sie wollen die Regierung Ruhani desavouieren, sie wollen den Eindruck erwecken, es hat sich überhaupt nichts bewegt im Iran, der Iran ist nach wie vor antisemitisch, der Iran ist nach wie vor darauf erpicht, Israel zu zerstören. Es gab jüngst auch Raketentests, und auf den Mittelstreckenraketen stand auf Persisch: Israel muss zerstört werden. Das kommt alles aus der gleichen Ecke jener, die keinen Ausgleich, keine Versöhnung mit der Welt wollen, sondern sehr gut mit der Krise leben können.“

Der Wandel im Iran schreitet zügig voran: Die Antisemiten sind bereits in die Ecke gedrängt. Auch Raketentests müssen heimlich, hinter dem Rücken der Regierung, stattfinden. Hätte Ruhani von ihnen Wind bekommen, hätte er höchstpersönlich Botschaften der Toleranz auf die Mittelstreckenraketen geschrieben, bestimmt aber nichts gegen Israel.

Unterdessen meldet das United States Holocaust Memorial Museum in Washington, dass uns der iranische Minister nicht ganz die Wahrheit gesagt hat:

„Das Museum weist daraufhin, dass die Organisationen, die den Wettbewerb veranstalten, von der Regierung unterstützt werden, darunter die Islamischen Revolutionären Garden und das Ministerium für Islamische Führung. … Berichten in der iranischen Presse zufolge hat das Kulturministerium seine Unterstützung für den bevorstehenden Wettbewerb mitgeteilt.“

Und die von einem iranisch-kanadischen Journalisten gegründete englischsprachige Website IranWire schreibt:

„Die Befehlskette lässt keinen Zweifel daran, dass die Regierung der Islamischen Republik den Holocaustcartoonwettbewerb direkt unterstützt. … Zarif sagte dem New Yorker, die Ausstellung benötige keine Genehmigung; in Wahrheit muss jede Ausstellung oder Konferenz im Iran vom Ministerium für Kultur und Islamische Führung genehmigt werden. Eine Bedingung für die Erteilung einer solchen Genehmigung ist, dass die Ausstellung oder Konferenz nicht den Glauben verletzen darf, ‚weder durch Anblick, Ton, Gemälde oder Karikaturen’. Nach Zarifs Äußerung gefragt, sagte der Karikaturist und Organisator Shojaei Tabatabaei der Nachrichtenagentur Nasim: ‚Wir koordinieren [den Wettbewerb] mit dem Kulturministerium, und Offizielle … wurden über die Veranstaltung informiert.“

Das zeigt: Die ganze iranische Regierung ist Teil der von Baumgarten beschriebenen Verschwörung zur Diskreditierung von Präsident Ruhani. Es scheint, als hätte Ruhani nur noch ein einziges verlässliches Sprachrohr für seine Regierungspropaganda: Reinhard Baumgarten und den SWR.

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Time am 26. Mai 2016

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1) http://www.mena-watch.com/mena-analysen-beitraege/die-stimme-teherans-im-deutschen-radio/

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PS: Ich werde mich für einige Tage aus der Blog-Sphäre zurückziehen.

Selbstverständlich paradox

25. Mai 2016

FAZ

Seitdem die menschliche Zivilisation in den Endkonflikt mit ihrer bisher gefährlichsten Herausforderung, dem Nazislahm, getreten ist, nimmt die Verwirrung durch die Propaganda dieser verdrehten Lügenideologie ungeahnte Ausmaße an.

Wie das zweifellos beste deutsche MSM Deutschlands, die „FAZ“, mitteilt, habe die „Terrorgruppe“ Taliban, die ihren Sinn darin sieht, Unschuldige zu ermorden und Schrecken zu verbreiten, einen „religiösen Führer“ und „Richter“ zu ihrem neuen Führer erwählt (1).

Der Führer einer Mörderbande ist also der Führer in religiösen Angelegenheiten, und er spricht auch Recht und schlichtet Streitigkeiten. Was ist das für eine Religion, die von dem Führer einer Mörderbande geführt werden kann, was ist das für eine Gerechtigkeit, die er durchsetzen will?

Was könnte besser die Abartigkeit, Perversion und Verdorbenheit des Mohammedanismus beschreiben als diese „Wahl“?

Nazislahm ist der Antagonismus zu allem, was uns lieb und gut ist, er ist die Leere Satans.

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Time am 25. Mai 2016

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1) http://www.faz.net/aktuell/politik/terrorgruppe-religioeser-fuehrer-und-richter-wird-neuer-talibanchef-14251934.html

Eine völlig normale Angelegenheit

24. Mai 2016

Dreieinigkeits-Gemeinde

Reinhard Bingener und Friederike Böge berichten auf „FAZ.NET“ über die Evangelisch-Lutherische Dreieinigkeits-Gemeinde in Berlin Steglitz, in der besonders viele Orks zum Christentum konvertieren (1).

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Flüchtlingskrise

Gehet hin und lehret alle Völker

Wer sich als Flüchtling christlich taufen lässt, hat bessere Aussichten auf Asyl. Oft aber ist das nicht der Grund, warum viele Muslime konvertieren.

Vor fünf Jahren saß Pastor Gottfried Martens bei seinen Bibelstunden noch einer Handvoll älterer Herrschaften gegenüber. Wegen der geringen Mitgliederzahl gab es nur einen Gottesdienst pro Woche, ansonsten stand die Kirche leer. Inzwischen aber ist die Dreieinigkeitskirche im Berliner Stadtteil Steglitz vermutlich die am schnellsten wachsende Gemeinde Deutschlands. Zu den älteren Herrschaften sind inzwischen 850 Persisch-sprachige Konvertiten hinzugekommen. Weitere 350 Anwärter befinden sich derzeit in einem der viermonatigen Kurse zur Vorbereitung auf die Taufe. Fast alle Mitglieder und Taufwilligen sind Flüchtlinge, größtenteils aus Iran und in geringerem Maße aus Afghanistan, geboren und aufgewachsen als Muslime. Sie sind erst seit einigen Monaten oder wenigen Jahren in Deutschland, mehrheitlich leben sie noch in Migrantenunterkünften.

An einem Mittwoch haben sich in der schlichten Steglitzer Kirche rund 200 Taufschüler versammelt, die Holzbänke sind fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Es sind vor allem junge Männer und eine Handvoll Frauen. Viele tragen zum Zeichen ihrer Gläubigkeit einen Kreuzanhänger an einer Kette oder einem Armband. Sie lauschen den Worten von Pastor Martens, der zwischen den Bänken auf- und abschreitet, gefolgt von einem Übersetzer, der jeden seiner Sätze in persischer Sprache wiederholt. „Es gibt einige unter euch, die sich bei der Taufe zwischen Gott und ihren Eltern entscheiden müssen“, sagt Martens. In seinen Erklärungen über die zehn Gebote bemüht sich der Pfarrer, Bezüge zur Lebenswelt der Taufschüler herzustellen. Er spricht scherzhaft von „haram“ und erklärt, dass es trotz der großen Bedeutung von Träumen in der persischen Kultur fragwürdig sei, wenn einem Jesus Christus im Traum erscheine und etwas anvertraue, was mit der Bibel nicht vereinbar sei. Ab und zu wirft er augenzwinkernd ein: „Das ist eine typische Frage, wie sie auch in der Taufprüfung vorkommen kann.“

Protestreligion gegen das Diktat des islamistischen Regimes

Wie kann es sein, dass Hunderte Iraner und Dutzende Afghanen allein im Großraum Berlin plötzlich ihre Liebe zum Christentum entdecken? Die Vermutung liegt nah, dass manche von ihnen die Hoffnung treibt, ihre Chancen auf Asyl zu verbessern. Doch wer sich mit den Taufschülern in Steglitz unterhält, merkt schnell, dass diese Erklärung zu kurz greift – und dass die Grenze zwischen Opportunisten und Erweckten nicht so leicht zu ziehen ist. Das, was sich da in Steglitz vollzieht, wirft zudem Fragen an die Kirchen in Deutschland auf. Über ihr Verhältnis zum Islam und zum biblischen Missionsbefehl.

Vor dem schmucklosen Büro von Pastor Martens hat sich eine Traube von jungen Leuten gebildet, die den Geistlichen unbedingt sprechen wollen. Martens begrüßt sie mit Handschlag, Umarmung oder persischen Begrüßungsformeln. Manche brauchen seine Unterschrift, um aus ihren Brandenburger Unterkünften nach Berlin kommen zu dürfen. Andere wollen Termine, um ihre Taufprüfung abzulegen. Doch bis zum späten Abend ist der Pastor voll beschäftigt. Nachts, so sagt er, bekomme er derzeit häufig nur noch vier Stunden Schlaf. „Kommt mal so um neun heute Abend“, sagt Martens in einer Mischung aus Deutsch und Persisch. Eigentlich hat er um die Zeit noch eine Mitarbeitersitzung.

Den großen Andrang in seiner Gemeinde erklärt sich Martens auch mit Entwicklungen außerhalb Deutschlands: „Wir haben es mit einer ganz bemerkenswerten, geistlich gesprochen, Erweckung im Iran zu tun, mit einer Ausbreitung des christlichen Glaubens in der jüngeren Bevölkerung in Form von Hausgemeinden.“ Tatsächlich ist das Christentum unter städtischen Jugendlichen im Moment ein viel diskutiertes Thema. Das bestätigten dieser Zeitung mehrere iranische Beobachter. Das Christentum gilt demnach als eine Art Protestreligion gegen das Diktat des islamistischen Regimes, gegen Kopftuchzwang, Sittenpolizei und korrupte, machthungrige Mullahs – eine andere Ausprägung dieses Protests ist der unter jungen Iranern verbreitete Atheismus. Das Christentum wird im Vergleich zum politischen Islam, der von vielen als Grund für die Rückständigkeit vieler Staaten der islamischen Welt betrachtet wird, als freier, weniger repressiv betrachtet.

Im Fall von Iranern, die eine Migration oder Flucht nach Europa planen, könne eine Hinwendung zum Christentum auch Ausdruck einer „vorweggenommenen Anpassung an die ‚Leitreligion‘ der westlichen Welt sein, sagt einer der iranischen Gesprächspartner. Verlässliche Informationen über die Zahl der Konvertiten in Iran gibt es nicht, von evangelikalen Kirchen verbreitete Zahlen schwanken erheblich. Eine Prüfung ist unmöglich, weil die Konvertiten sich nur im Untergrund bewegen und im Fall einer Entdeckung mit langen Haftstrafen und Misshandlung in den Gefängnissen rechnen müssen. Im jüngsten Religionsfreiheits-Bericht der amerikanischen Regierung werden zahlreiche solcher Fälle geschildert; zudem ist von 90 Christen die Rede, die Anfang 2015 wegen ihres Glaubens im Gefängnis oder angeklagt waren.

Pastor Martens sagt, etwa die Hälfte seiner iranischen Gemeindemitglieder habe sich schon in Iran mit dem Christentum befasst. „Viele unserer Gemeindeglieder hatten vorher Kontakt zu armenischen Christen, die sie in Hauskirchen vermittelt haben.“ Ethnischen Armeniern und Assyrern in Iran ist die Ausübung ihres christlichen Glaubens erlaubt. Manche ihrer Kirchen können auch von Touristen besucht werden; wie etwa die armenische Vank-Kathedrale in Isfahan, in deren Umfeld sich – nicht zufällig – die angesagten Cafés der Stadt angesiedelt haben. Die Aufnahme von Konvertiten ist ihnen ebenso streng verboten wie Gottesdienste auf Persisch.

Anders ist die Situation für Flüchtlinge aus Afghanistan, wo der Hass auf Konvertiten und vermeintlich Ungläubige nicht nur staatlich verordnet, sondern noch stärker als in Iran gesellschaftlich verankert ist. Die einzige Kirche Afghanistans ist die Kapelle in der italienischen Botschaft. Zwar betreiben auch missionsorientierte evangelikale Christen aus den Vereinigten Staaten und Südkorea in Afghanistan Hilfsprojekte, doch eine Missionierung ist ihnen streng verboten. Viele der afghanischen Gemeindemitglieder, sagt Pastor Martens, hätten auf ihrer Flucht in Griechenland zum christlichen Glauben gefunden, wo amerikanische Missionare aktiv sind. Konvertieren würden vor allem Angehörige der schiitischen Minderheit der Hazara, die sich von der sunnitischen Mehrheit diskriminiert fühlen. Die Mehrzahl der afghanischen Konvertiten in Deutschland ist allerdings im Nachbarland Iran aufgewachsen, wohin schon ihre Eltern flüchteten. Ihr Verhältnis zur Religion ist deshalb geprägt durch die starke Politisierung des Islams dort.

Das persische Wort für Ostern

Freilich haben auch die Schlepper das Thema für sich entdeckt. In der afghanischen Hauptstadt zum Beispiel ist es gerade Stadtgespräch, dass ein Bekenntnis zum Christentum die Chancen auf Asyl in Europa angeblich erhöhe. Das berichtet Alexey Yusupov, der Direktor des Landesbüros der Friedrich-Ebert-Stiftung in Kabul. Oft werde die Idee verbreitet, man solle am besten behaupten, man sei Christ und schwul. In Kabul wird gewitzelt, die Europäer seien sicher verwundert, wenn sich Tausende Afghanen bald als schwul erwiesen. Mit solchen Überlegungen würden die Afghanen versuchen, sich einen Reim auf die ihnen unklare Rechtslage in Europa zu machen, sagt Yusupov. Vielen Afghanen sei bewusst, dass die EU mit allen Mitteln versuche, Asylbewerber aus Afghanistan abzuhalten. „Es ist ein Wettbewerb gegen den Rechtsstaat im Finden von Regelungslücken.“

Wer sich als Flüchtling christlich taufen lässt, hat bessere Aussichten auf Asyl. Der einzige Grund?

Pastor Martens leugnet nicht, dass manche Taufwillige opportunistische Motive haben, sieht sie aber in der Minderheit. Im Taufunterricht spreche er das Thema an und in den Taufprüfungen überzeuge er sich, „ob es tatsächlich eine ernsthafte Hinwendung zum christlichen Glauben gegeben hat“. Etwa 20 Prozent der Teilnehmer bestünden diese Prüfung nicht. Schließlich wolle er nicht, dass seine Gemeinde – etwa beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) – in den Ruf gerate, Schnelltaufen durchzuführen – wie er sie manch anderer Gemeinde vorhält. Schließlich müsse man die schützen, die es ernst meinten. In Berlin hätten die Mitglieder seiner Gemeinde eine Anerkennungsquote als Flüchtlinge von hundert Prozent, sagt Martens. In Brandenburg liege die Quote etwas niedriger – weil manche Bamf-Mitarbeiter in Eisenhüttenstadt „kein Verständnis für so etwas Abenteuerliches wie Religion haben“. In den Befragungen müssen die Konvertiten glaubhaft machen, dass das Christentum für sie lebensprägend ist. Darüber hinaus werden häufig Wissensfragen gestellt, was laut Martens Probleme aufwirft, wenn etwa der muslimische Übersetzer das persische Wort für Ostern nicht kenne. Ein Asylgrund kann aber auch dann vorliegen, wenn die Konversion nicht glaubhaft, jedoch bereits im Heimatland öffentlich geworden ist, so dass eine Verfolgung aus religiösen Gründen droht.

Schwester aus dem Haus geworfen

Christ oder nicht Christ – so einfach ist es freilich nicht. Immer wieder komme es vor, sagt Martens, „dass Leute sagen, dass sie am Anfang wegen Asyl in die Kirche gekommen sind, und als sie die Botschaft gehört haben, hat das ihr Leben verändert“. So ist es mutmaßlich auch Tofigh Abdullahi ergangen. „Ich bin ursprünglich nur wegen der Aufenthaltsgenehmigung hierher gekommen“, sagt der Iraner, ein eloquenter junger Mann. Er sitzt nach dem Taufunterricht im Hof der Dreieinigkeitskirche in Steglitz und scrollt durch die Einträge auf seiner Instagram-Seite. Dort wimmelt es von Jesus-Bildern und Kirchenfotos, mit denen er allen Bekannten in Iran seinen Sinneswandel vor Augen geführt hat. Abdullahi zeigt auch E-Mails, in denen er beleidigt oder zur Umkehr aufgefordert wird. Sie stammen von seinen früheren Lehrern an einer islamischen Hochschule in Yazd. Ursprünglich, so erzählt der Iraner, habe er selbst ein islamischer Geistlicher werden wollen. Doch in seinem Seminar sei ihm bewusst geworden, wie „verlogen und leer“ die Welt des iranischen Klerus sei. „Sie glauben nur an Geld, an sonst nichts.“ Im Gegensatz dazu habe er den christlichen Glauben als ehrlich und befreiend empfunden. Ohne Zwang und Bevormundung durch bräsige, engstirnige Mullahs.

Warum er nach Deutschland kam, kann er selbst nicht genau sagen. Verfolgt wurde er jedenfalls nicht. „Ich war müde“, sagt er achselzuckend. Fünf Wochen vor ihm war seine Schwester aufgebrochen; sie übrigens sei schon in Iran Christin gewesen, und er habe sie deshalb – fügt er grinsend hinzu – aus dem Haus geworfen. Und seine Frau, die mit ihm nach Deutschland kam, habe ihn nun wegen seines geplanten Religionswechsels verlassen. Es ist eine Geschichte voller Wirrungen und Widersprüche, wie sie in vielen Flüchtlingsbiographien zu finden sind. Man kann sich durchaus vorstellen, dass ein nach Sinn suchender junger Mann, dessen Leben in Unordnung geraten ist, in der Gemeinde unter Gleichgesinnten neuen Halt findet.

Konservative Abspaltung von den großen Landeskirchen

Erleichtert wird den iranischen Konvertiten der Übertritt zum Christentum wohl auch dadurch, dass im Alten Testament viel von Persern die Rede ist; zum Beispiel von Kyros dem Großen, der in der Bibel ziemlich gut wegkommt. Er erfreut sich unter Iranern heute großer Beliebtheit, gerade bei jenen, die aus Frust über die Herrschaft der Turbanträger und wegen ihrer Abneigung gegenüber der arabischen Welt nach Identifikationsfiguren in der vorislamischen Zeit suchen. Kyros ist ein beliebter Taufname unter iranischen Christen. Pastor Martens weiß all das natürlich und verweist gern auf entsprechende Bibelstellen. Etwa jene aus der Apostelgeschichte des Lukas in der in Martens‘ Worten heißt: „Die ersten, die sich taufen ließen, waren mal wieder die Perser.“ Auch die Leidensgeschichte Jesu ist Schiiten leicht zu vermitteln. Im iranisch dominierten Kirchenvorstand wurde jüngst vorgeschlagen, das schlichte Kirchenkreuz gegen eine blutüberströmte Jesus-Figur zu ersetzen. Vielleicht empfinden die Konvertiten sein Leiden mit der gleichen Leidensfrömmigkeit, mit der sie früher den aussichtslosen Kampf des Prophetenenkels Hussein in der Schlacht von Kerbala beweint haben.

Dass die Gemeinde in Steglitz, die der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche, einer konservativen Abspaltung von den großen Landeskirchen angehört, so schnell wächst, hat freilich auch damit zu tun, dass die bereits konvertierten früheren Muslime in den Heimen eifrig über ihre Erfahrungen sprechen. Das ist durchaus im Sinne vom Pastor Martens. Im Pfarrbrief der Gemeinde wird zum Gebet „für alle Muslime“ aufgefordert, „dass sie den Weg zu ihrem Retter Jesus Christus finden mögen“.

„Das ist ja eine völlig normale Angelegenheit.“

So offensiv würden vermutlich nur die wenigsten Pfarrer in Deutschland diesen Wunsch formulieren, ganz gleich ob sie für eine evangelische Landeskirche oder ein katholisches Bistum tätig sind, auch wenn es bei den großen Kirchen in dieser Frage sehr unterschiedliche Positionen gibt. In einer Arbeitshilfe der Evangelischen Kirche im Rheinland heißt es zum Beispiel, „eine Begegnung mit Muslimen in Konversionsabsicht bedroht den innergesellschaftlichen Frieden und widerspricht dem Geist und Auftrag Jesu Christi und ist entschieden abzulehnen“. Der Missionsbefehl am Ende des Matthäus-Evangeliums, alle Völker zu taufen, müsse man heutzutage eher als „innerkirchlichen Auftrag“ verstehen. Hingegen heißt es in einer neuen Handreichung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), mittlerweile könne man bei Asylsuchenden „erfreulich oft“ ihre Taufe feiern. Zahlen dazu gibt die EKD jedoch keine heraus. Aus der württembergischen Landeskirche heißt es immerhin, für das vergangene Jahr zeichne sich bei den Erwachsenentaufen ein „deutlicher Zuwachs“ ab, der höchstwahrscheinlich auf konvertierende Asylbewerber zurückzuführen sei. In der Handreichung wird auch erörtert, wie ernst solche Konversionen zu nehmen sind und welche asylrechtlichen Fragen sich daraus ergeben. Eine einheitliche Linie indes existiert nicht. Die Praxis dürfte sich vielmehr von Ort zu Ort unterscheiden. Zu hören ist von Pastoren großer Landeskirchen, die Taufbegehren von Asylbewerbern teils ähnlich unbesehen nachkommen wie mancher Prediger aus dem Bereich der Pfingstkirchen.

Für Martens jedenfalls steht fest, dass auch aktive Missionierung in Flüchtlingsheimen wünschenswert ist: „Sollte man allen Ernstes unsere Leute daran hindern zu erzählen, was sie selbst für sich entdeckt haben? Das ist ja eine völlig normale Angelegenheit.“

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Time am 24. Mai 2016

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1) http://www.faz.net/aktuell/politik/fluechtlingskrise/konvertierung-von-muslimischen-fluechtlingen-zum-christentum-14247113.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

Vom Terror paralysiert

23. Mai 2016

Bataclan

„Achgut“ brachte Ausführungen von Vera Lengsfeld zu einem längeren Interview von Gavin McInnes mit Jesse Hughes von der Band „Eagles of Death Metal“, der die Ermordung von 89 Rockfans mitansehen musste, als nazislahmische Avantgardisten das Pariser „Bataclan“ überfielen (1).

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Die unerzählte Geschichte der Pariser Attentate

Kürzlich wurde mir von einem Freund ein Intervie mit dem Sänger Jesse Hughes der Band „Eagles of Death Metal“ zugeschickt. Hughes, der auf der Bühne stand, als bei dem Überfall auf das Bataclan 89 seiner Fans ermordet wurden, spricht in diesem Interview Klartext. Was er zu sagen hat, verdient weite Verbreitung.

Hughes beginnt damit, dass die Qualitätsmedien seine Einlassungen nach dem Attentat nur verzerrt wiedergegeben haben, teilweise so verdreht, dass die Leser den Eindruck gewinnen mussten, dass Hughes das Gegenteil dessen geäußert hätte, was er wirklich gesagt hat Seine Darstellung, wie sich der Überfall abgespielt hat, passt nicht ins politisch korrekte Schema. Von den Medien wurde weitgehend verschwiegen, dass die Attentäter sich schon vor Beginn des Konzerts in der Halle befanden. Einige gehörten sogar zum Wachschutz.

Zwei verhüllte Frauen blieben unkontrolliert

Hughes bekam Schwierigkeiten, als er das zu Protokoll gab, obwohl er mehrere Personen identifizieren konnte, die ihm vor der Attacke im Publikum und Backstage aufgefallen waren. Unter den Attentätern befanden sich zwei Frauen in traditioneller muslimischer Verhüllung, die sicher sein konnten, dass sie nicht näher kontrolliert werden würden. Beide Frauen sind Tage später verhaftet worden. Schlussfolgerung: Die Furcht, Muslime zu beleidigen, ist die größte Waffe der Terroristen.

Was hat der Glaube mit Rassismus zu tun, fragt Hughes. „Ersetze das Wort ‚Islam‘ mit ‚Kommunismus‘. Es ist eine Ideologie. So wie die Rosenbergs nukleare Geheimnisse aus dem Inneren Amerikas verraten konnten, können muslimische Terroristen uns von innen attackieren“. Deshalb wäre es ok, wachsam gegenüber Muslimen zu sein.

Hughes verweist auf das arabische Geld, das im Westen viele werbewirksame Dinge, wie Sportveranstaltungen, finanziert. Damit wird auch die öffentliche Diskussion beeinflusst. Viele Hollywoodfilme werden mit arabischem Geld gedreht. Hughes: „George Clooney küsst den Arsch der Araber nicht ohne Grund.“ Die Bösewichter in Hollywoodfilmen sind kaum muslimische Terroristen, sondern konservative, christliche Rednecks, die mittlerweile für alles verantwortlich gemacht werden, sogar für die globale Erwärmung.

Der Batlacan als Metapher der westlichen Zivilisation

Die Medien hatten gehört, es wären Geiseln genommen worden, also blieb die Polizei anfangs draussen, um zu verhandeln. Drinnen ging das Morden weiter. Die Attentäter kontrollierten sogar, ob die am Boden Liegenden wirklich tot waren. Sie schlugen mit den Gewehren auf sie ein. Wer sich rührte, bekam noch eine Kugel. „Ein Mädchen stand auf und sagte, sie hätte Angst. Der Typ sagte: ‚Hab keine Angst, Du bist in zwei Minuten tot‘ und dann erschoss er sie.“

Die meisten Opfer reagierten völlig ahnungs- und hilflos. Hughes sah sieben Menschen neben einer Barriere stehen. Sie hätten sich nur fallen lassen müssen, um zu überleben, aber sie rührten sich nicht. „Sie waren die ahnungsloseten, unschuldigsten Opfer, die man sich vorstellen kann – Menschen, die so von dem Terror paralysiert waren, dass sie sich nicht bewegen konnten“.

Der Batlacan erscheint wie eine Metapher der westlichen Zivilisation. „Wenn man den Leuten sagt, dass sie sich nicht selbst helfen können, sie wie Kinder behandelt, dann schwächt man sie so, dass sie nicht mehr sehen können, dass sie nur wenige Schritte vom Leben entfernt sind, weil sie zu verängstigt sind.“ Der Angriff auf den Batlacan war kein Zufall. Aber der Westen will das anscheinend nicht wahrhaben. „Ich lief durch Paris und war angewidert vom Ausbleiben des Zorns. Man verurteilte nicht den Islam. Tatsächlich gaben viele den Juden die Schuld. Sie schienen besorgter zu sein, dass Fremdenhass gefördert werden könnte, als die Terroristen zu verurteilen.“

450 Moscheen – und in allen Werbematerial für Terroristen

„Wahrscheinlich ist der Grund dafür, dass Polizisten der Gefahr pragmatischer in die Augen sehen, weil sie diejenigen sind, die in die Banlieus gehen und diesen Leuten begegnen müssen. Naivität ist ein Luxus, den sie sich nicht leisten können.“

Nach dem Überfall durchsuchte die Polizei etwa 450 Moscheen. Sie fanden in allen Werbematerial für die Terroristen. Der Vorwurf der Islamophobie wird von den Islamisten benutzt, um die Öffentlichkeit ruhig zu stellen und uns zu einer leichten Beute zu machen, ist Hughes überzeugt.

„Sie wissen, es gibt eine ganze Gruppe von Weißen, die dumm und blind sind. Es gibt diese wohlhabenden weißen Kids, die in einer liberalen Umwelt aufgewachsen sind, seit sie im Kindergarten waren. Sie wurden überflutet mit diesen erhabenen Begriffen, die nicht mehr als heiße Luft sind. Jetzt sieht man, wohin das führt.“

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Time am 23. Mai 2016

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1) http://www.achgut.com/artikel/die_unerzaehlte_geschichte_der_pariser_attentate

Islamisierung? Sie träumen! (#23)

22. Mai 2016

FAZ_____

Time am 22. Mai 2016

„Bereits sechs“

20. Mai 2016

Orkhetze

Mit diesem lächerlichen Bild wollen die Ork-Kommissare suggerieren, dass überall in Deutschland die Moscheen brennen.

In regelmäßigen Abständen winseln die Orkverbände über angebliche „Anschläge“ auf Moscheen in Deutschland (1). Dabei sind die sogenannten Anschläge im Gegensatz zu Anschlägen der mohammedanistischen Avantgarde z.B. auf Christen nie mit Toten oder Verletzten verbunden, sondern es handelt sich um das Ausbringen von Schweineblut und dergleichen.

Stets wird eine Steigerung der Anschlagsrate postuliert, dabei ist die Zahl eigentlich immer gleich, es gibt nämlich zwischen 20 und 30 dieser läppischen Vorfälle pro Jahr.

Zudem wird eine große wenn nicht die überwiegende Anzahl von Vorfällen von den Orks zu Propagandazwecken selbst verübt, wie sie unter

https://madrasaoftime.wordpress.com/2016/04/11/fluechtlinge-und-brandstifter/
https://madrasaoftime.wordpress.com/2015/04/19/wer-standig-lugt/
https://madrasaoftime.wordpress.com/2014/09/26/wann-ist-ein-anschlag-ein-anschlag/
https://madrasaoftime.wordpress.com/2014/09/04/finger-weg-von-euren-moscheen/
https://madrasaoftime.wordpress.com/2014/08/25/anschlage-2/
https://madrasaoftime.wordpress.com/2013/02/23/entsetzlicher-anschlag-auf-moschee/
https://madrasaoftime.wordpress.com/2012/10/13/auch-propagandalugen-haben-kurze-beine/
https://madrasaoftime.wordpress.com/2012/05/25/hort-auf-zu-flennen/
https://madrasaoftime.wordpress.com/2012/09/08/aus-der-orkischen-propagandamaschine/
https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/12/10/sie-mussen-sich-entscheiden/

lesen können.

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Islamfeindlichkeit

Sechs Moschee-Anschläge im ersten Quartal

Im ersten Quartal 2016 wurden bereits sechs Angriffe auf Moscheen in Deutschland registriert.

Im ersten Quartal dieses Jahres sind sechs Moschee-Anschläge gemeldet worden. Das geht aus einer am Montag in Berlin veröffentlichten Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken hervor. Tatmotiv war nach Angaben der Regierung zumeist Fremdenfeindlichkeit.

Zwar stellten die Schändung von Moscheen oder Anschläge auf die Glaubensorte kein eigenständiges Delikt dar, so die Regierung, die Taten würden aber vom kriminalpolizeilichen Meldedienst thematisch erfasst und vom Bundeskriminalamt nach Angriffszielen katalogisiert. Unter anderem gebe es das Ziel „Religionsstätte/Moschee“.

Dazu Kommentatorin Mareike:

„Soll mit der Bezeichnung des Beschmierens einer Moschee als Anschlag selbiges dramatisiert werden oder geht es darum, echte Anschläge durch Islamisten, bei denen Gotteshäuser in die Luft gesprengt und Menschen getötet werden, zu verharmlosen?“

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Time am 20. Mai 2016

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1) http://www.islamiq.de/2016/05/10/sechs-moschee-anschlaege-im-ersten-quartal/

Sieg des Counterjihad: Israel

19. Mai 2016

Eiserne Kuppel

„N-TV“ berichtet heute über die Vervollständigung des israelischen Raketenabwehrsystems (1).

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Neue Waffe gegen Hamas

Israel feiert neue Raketenabwehr

Um Raketen aus dem Gazastreifen abzufangen, aktiviert Israel ein Raketenabwehrsystem. Dieses ist offenbar sehr treffsicher: Öffentlichkeitswirksam präsentiert der Staat, wie gut er fortan Kurzstreckenraketen zerstören kann.

Israel hat den erfolgreichen Test eines Raketenabwehrsystems auf See gemeldet. Das System habe mehrere Raketen abgefangen und zerstört, sagte Marine-Einsatzleiter Ariel Schir. Die Übung vor zwei Wochen habe gezeigt, dass Israel seine maritimen Einrichtungen gegen Angriffe mit Kurzstreckenraketen aus dem Gazastreifen schützen könne. Getauft wurde das System auf den Namen „Eiserne Kuppel des Meeres“.

Während des Gaza-Kriegs vor zwei Jahren hatte Israel bereits sein Raketenabwehrsystem „Eiserne Kuppel“ aktiviert, um Raketen aus dem Gazastreifen abzufangen. Ein vergleichbares System für die Abwehr von Angriffen auf Ziele auf See wurde nun der Öffentlichkeit präsentiert. Auf einem Militärvideo war zu sehen, wie eine Rakete von einem Schiff startet und dann ein Geschoss am Himmel zerstört.

Israel hat einige wichtige Anlagen vor seiner Küste – insbesondere eine Gasbohrinsel 16 Seemeilen vor dem Gazastreifen, die einen großen Teil des israelischen Strombedarfs deckt. Die radikalislamische Hamas hat schon versucht, die Bohrinsel anzugreifen, allerdings ohne Erfolg.

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Time am 19. Mai 2016

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1) http://www.n-tv.de/politik/Israel-feiert-neue-Raketenabwehr-article17724436.html

Hoffnungslose Ignoranz

18. Mai 2016

Christinnen

Drastische Worte über die Vernichtung aller Nichtmohammedanisten im Orient fand Michael Hanfeld anlässlich einer TV-Kritik (1) bei „FAZ.NET“. Es ist die Rede von „1.500-jähriger Verfolgung“ und einer „Katastrophe der (menschlichen) Zivilisation“.

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Christen im Orient

Nichts von Menschenrechten erzählen

Flucht, Vertreibung, Vernichtung: Arte schildert die verzweifelte Lage der Christen in der arabischen Welt. Doch leider bietet die hiesige Ignoranz wenig Grund zur Hoffnung.

Knapp zwanzig Prozent der Bewohner des Nahen Ostens waren zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts Christen. Wie viele sind es heute, nach dem Völkermord an den Armeniern und den assyrischen Christen, nach hundert Jahren Verfolgung, Vertreibung und Unterdrückung? Elf Millionen Christen gibt es noch, unter 320 Millionen Muslimen. Dass an der Wiege des Christentums überhaupt noch Christen leben, kann einem wie ein Wunder erscheinen, hat man die Dokumentation „Christen in der arabischen Welt“, die heute Abend bei Arte läuft, bis zum Ende gesehen.

Denn nach 1500 Jahren der Verfolgung haben die Christen im Nahen Osten fast keine Möglichkeit mehr, sich zu wehren. Darauf läuft einer der abschließenden Sätze des beeindruckenden Films von Didier Martiny hinaus, dessen französischer Originaltitel die Lage genauer benennt, als es die Übertragung ins Deutsche tut: „La fin des chrétiens d’orient?“.

Martiny schildert die Lage der Christen und anderer von Islamisten verfolgter Minderheiten wie der Jesiden. Er berichtet aus dem Irak, aus Syrien, der Türkei, dem Libanon und aus Ägypten, womit er zugleich die verschiedenen Stadien eines Ethnozids schildert – die Vertreibung einer religiösen Minderheit, ihre physische Vernichtung und die Auslöschung ihrer Kultur. Im Irak und in Syrien leistet das im Augenblick vor allem die Barbarenmiliz IS. Was diese anrichtet, wurde im Westen lange nicht zur Kenntnis genommen. Hört man die Zeugnisse derer, die den Mördern knapp entkommen sind, tritt einem dieses Versagen des Westens und des vermeintlich sich christlich geprägt dünkenden Europas noch einmal schmerzlich vor Augen.

Nicht einmal mehr Bürger zweiter Klasse

„Ihr habt eure Glaubwürdigkeit verloren. Erzählt mir nie wieder etwas von Demokratie und Menschenrechten“, sagt Bischof Diman, der in Ägypten das koptisch-orthodoxe Kloster des Erzengels Michael führt. Zuvor hat er auf die Verfolgung der Christen in Nigeria verwiesen, die Angriffe auf Kopten seit den neunziger Jahren in Ägypten oder den vor laufender Kamera vollzogenen Massenmord an 21 koptischen jungen Männern in Libyen, die von IS-Leuten geköpft wurden. Das sind nur einige der Beispiele, die er nennt.

In Ägypten versuchen sich die koptischen Gemeinden zu behaupten, im Libanon haben die christlichen Maroniten, welche mit 43 Prozent die größte Bevölkerungsgruppe stellen, ihren einst prägenden Einfluss verloren und suchen ihr Heil als Bündnispartner entweder der sunnitischen oder der schiitischen Radikalen. In der Türkei, deren sultanesken Präsidenten Erdogan die EU in der Flüchtlingskrise als Partner zu brauchen glaubt, führen Christen als Bürger nicht einmal mehr zweiter Klasse eine prekäre Randexistenz.

„Eine Katastrophe der Zivilisation“

Ob sie überhaupt noch eine Zukunft haben, „auf ihrem angestammten Boden“, hängt, das hören wir in diesem Film immer wieder, entscheidend davon ab, wie sich der Westen verhält. Für diesen, sagt Martiny, haben die Christen in der arabischen Welt strategisch keine Bedeutung mehr. Und sie haben keine Zukunft mehr, wenn sich an dieser „strategischen“ Haltung nichts ändert, die zu Bündnissen mit ausgerechnet denen führt, welche die Verfolgung nicht nur einer Religionsgemeinschaft, sondern aller Andersdenkenden betreiben – mit Saudi-Arabien und dem Regime Erdogan.

Wenn das so weitergeht, da sind sich die Geistlichen verschiedener Konfessionen, die Experten und überhaupt alle, die Martiny in seinem Film hört, einig, werden nicht nur die Christen aus der arabischen Welt verschwinden. Es wird sich „eine Katastrophe der Zivilisation“ vollenden. Sieht man sich an, wie ignorant Politik und Amtskirchen bei uns selbst auf die Verfolgung von nach Deutschland geflüchteten Christen reagieren, die hier, im Exil, neuen Peinigungen ausgesetzt sind, vor denen man die Augen nicht verschließen darf, kommt nicht viel Hoffnung auf.

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Time am 18. Mai 2016

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1) http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/tv-kritik/tv-kritik-christen-in-der-arabischen-welt-arte-14236024.html

Alles wird weggeredet

13. Mai 2016

Musa Schmitz

Der Mohammedanist Dominic Musa Schmitz hält den SA-lafismus heute für eine faschistische Ideologie. Er ist es, aber der für ALLE Orks „beste Mensch aller Zeiten“ war auch SA-lafist.

Michael Hanfeld fand auf „FAZ.NET“ ungewohnt deutliche Worte in einer TV-Kritik (1).

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Religion und „Sexual-Druck“

Das Motto ist provokant: „Mann, Muslim, Macho – Was hat das mit dem Islam zu tun?“. Die Debatte führt zu dem Punkt, an dem niemand mehr mit nichts zu tun hat. Alles wird weggeredet. Keine Verantwortung, keine Zusammenhänge, nirgends.

„Es ist ein bisschen durcheinander gegangen“, sagt Sandra Maischberger am Ende ihrer Sendung. Aber dafür sei es differenziert gewesen. „Es bleiben Fragen offen, die diskutieren wir beim nächsten Mal.“

Ein „bisschen“ Durcheinander? Ein „paar“ Fragen offen? Sagen wir doch lieber: Es ist alles ein einziges Durcheinander und es bleiben – um mit Marcel Reich-Ranicki und Bertolt Brecht zu sprechen – alle Fragen offen, als der Vorhang fällt.

Wir sehen eine Stunde und fünfzehn Minuten lang einem Theaterstück mit dem Titel „Mann, Muslim, Macho: Was hat das mit dem Islam zu tun?“, an dessen Ende klar ist: Nichts hat mit niemandem zu tun, der Islam hat nichts mit einem negativen Frauenbild, Muslime haben nichts mit den sexuellen Angriffen in der Silvesternacht in Köln zu tun, bei den Tätern mag es sich um Machos der übelsten Sorte gehandelt haben, aber waren es auch Männer?

So zynisch könnte man die Quintessenz einer Rederunde ausdrücken, die zu keinem Zeitpunkt zu einer Debatte wird, weil drei von fünf Diskutanten den anderen nicht zuhören wollen, niemand den anderen ausreden lässt, Argumente des Gegenübers ignoriert werden und auf Fragen nicht zum Erfragten, sondern lieber über etwas anderes gesprochen wird.

„Sexismus hat keine Religion“

Die Essenz der Beiträge der Grünen-Bundesvorsitzenden Simone Peter erschöpft sich in einem Wort: Differenzierung. Ihr fällt zu den 1170 Anzeigen wegen sexuellen Angriffen und anderen Straftaten in Köln an Silvester als erstes ein, dass es für Frauen generell bitter sei, wenn sie sähen, dass Straftäter vor Gericht nicht überführt und verurteilt werden. „Sexismus hat keine Religion“, sagt Simone Peter, und Flüchtlinge seien unter den Tätern von Köln keine gewesen. Wichtig sei auch die Frage: „Hatten sie Zugang zu Integrationsmaßnahmen? Spätestens an dieser Stelle merkt man: Die „Differenzierung“ von Simone Peter ist Relativierung.

Dem früheren Nordafrika-Korrespondenten Samuel Schirmbeck lastet sie an, wie die Vertreter der AfD zu reden, nur weil er seine jahrzehntelangen Erfahrungen aus dem Alltagsleben in Algerien und in Marokko geschildert hat. Diese Erfahrung lautet, dass Frauen permanent sexuellen Übergriffen von Männergruppen ausgesetzt sind, die einen Grund in der rigiden Keuschheitslehren des Koran haben und in einem gesellschaftlichen Klima, in dem, wie Schirmbeck sagt, die Religion eine „Virulenz“ besitzt. Sie gilt als definitorische Größe und wird als solche auch durchgesetzt. Dies, verbunden mit dem „erniedrigenden Frauenbild“ und dem Druck unausgelebter Sexualität, führe zu dem Phänomen, das in Deutschland an Silvester nicht nur in Köln angekommen ist. Darüber müsse man reden, meint Schirmbeck, auch und gerade im Interesse der Muslime.

Ist das islamfeindlich?

Ist das islamfeindlich? Ist das AfD? Wenn das so ist, dann hat nicht die AfD ein Problem, sondern alle anderen Parteien haben eins, wenn sie reden wie Simone Peter an diesem Abend. (Die Grünen sollten zu solchen Runden besser Cem Özdemir schicken.) So verschafft man der AfD am Ende noch Mehrheiten. Man müsse endlich aufhören, Islam-Kritiker als Islam-Hasser zu denunzieren, sagt Schirmbeck. Doch das geschieht in der Sendung von Sandra Maischberger fortwährend.

Mehr noch als Simone Peter ist dafür freilich Murat Kayman von dem von der Türkei finanzierten Religionsverband Ditib zuständig. Er dreht den Spieß um und schickt allem, was da noch kommen mag, eine Grundsatzbemerkung voraus, an der schon zu erkennen ist, dass er nichts von dem, was Samuel Schirmbeck an diesem Abend sagen wird, gelten lässt, und das, was Alice Schwarzer zu sagen hat, selbstverständlich auch nicht. Wir seien im Verhältnis zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen in diesem Land in den vergangenen Jahrzehnten nicht vorangekommen, sagt Kayman, wir hätten „mehr Islamexperten als Muslime“, betrachteten das Verhalten der überwiegenden Mehrheit der Muslime nicht, in den Talkshows gebe es immer nur „Ankläger und Pflichtverteidiger“, das gemeinsame Merkmal der Täter von Köln sei allein, „dass sie Kriminelle sind“. Diese gäben „kein Exempel für muslimisches Verhalten“, allenfalls seien soziale Umstände der Grund für diese Straftaten.

Dem ARD-Journalisten Schirmbeck hält Kayman im Laufe der Debatte vor, er argumentiere „nahe an biologistischen Argumenten“ – womit der Ditib-Vertreter die brutalstmögliche Verunglimpfung des Abends vom Stapel lässt.

Alice Schwarzer hält dagegen

Alice Schwarzer versucht dem tapfer entgegenzutreten, indem sie sich – wie Schirmbeck – vor eben jenen Verallgemeinerungen hütet, die Kayman ihnen anlastet. Doch leider gelingt es ihr nicht einmal zu verdeutlichen, was sie – auch in dem Buch, das sie gerade geschrieben hat – mit dem „Scharia-Islam“ meint, vor dem sie warnt und als dessen Wortführer sie auch die Ditib versteht.

Deren Vertreter redeten im Übrigen, sagt Alice Schwarzer, wenn sie unter sich seien, ganz anders als bei Auftritten in Talkshows. Das wiederum hält Murat Kayman für eine perfide Unterstellung.

Als Alice Schwarzer dafür ein Beispiel nennen will – mit der Art und Weise, in der Kayman nach den sexuellen Angriffen auf einen Zeitungsbeitrag der Publizistin, Psychotherapeutin und ehemaligen SPD-Politikerin Lale Akgün reagiert hat, würgt Sandra Maischberger den Exkurs ab.

Schlagen wir nach bei Murat Kayman

Dabei wäre gerade dieses Beispiel interessant und hätte Murat Kayman aus der Reserve locken müssen. Denn wenn es sich bei dem Murat Kayman, der bei Maischberger sitzt, um denselben handelt, der seit Januar unter murat-kayman.de im Netz publiziert, hätte man ihm den Eintrag vorhalten können, der sich dort mit Datum vom 7. Januar unter der (geschmacklosen) Rigoletto-Überschrift „La donna è mobile“ (Die Frau ist launisch) findet und Passagen wie die folgenden enthält:

„Wir driften zusehend in ein gesellschaftliches Klima der rassistischen Stigmatisierung. Die öffentliche Diskussion über die Ereignisse in Köln wird zur nächsten Eskalationsstufe in der Desensibilisierung für unser Verständnis einer demokratischen Gesellschaft. Wir müssen uns die Entwicklungslinie der antimuslimischen Debatte noch einmal vor Augen führen, um erfassen zu können, an welchem Punkt wir angelangt sind. Wir haben begonnen bei einer kulturellen Negativmarkierung der Knoblauchfresser und Kümmel-Türken während der Gastarbeitermigration. Danach wollten wir unbedingt im Zuge der Diskussionen um die doppelte Staatsangehörigkeit ‚gegen Türken unterschreiben‘. Zwischendurch verbrannten türkischstämmige Frauen und Kinder in Mölln und Solingen – der Preis der ‚Asylantenflut‘-Hysterie nach der Wiedervereinigung. (…)

Dann – endlich, endlich – durfte einmal laut gesagt werden, was weite Teile unserer Gesellschaft offenbar denken, als wir den Niedergang unseres Landes beweinen durften, das sich wegen der inzuchtbedingten Minderintelligenz der Kopftuchmädchen abschafft. Mittlerweile bekommt die kollektive Pathologisierung und Kriminalisierung der Muslime nicht mehr den gesellschaftlichen Abscheu, den eine solche Ausgrenzung von ganzen Bevölkerungsgruppen allein aufgrund ihrer Herkunft oder ihres Glaubens in einer aufgeklärten Gesellschaft eigentlich verdient.

Nein, ein solcher Rassismus bekommt mittlerweile den besten Sendeplatz im öffentlich-rechtlichen Fernsehen und heftet sich – es wird endlich abgerechnet – das Prädikat einer harten aber fairen Debatte ans Revers.“

Damit war Frank Plasbergs Sendung „hart aber fair“ gemeint.

Am 11. Januar notiert murat-kayman.de:

„Nach den Ereignissen der Silvesternacht in Köln und anderswo muss man leider konstatieren: wir sind nicht überrascht. Die Reaktionen auf die verübten Straftaten fallen – leider – nicht aus dem Rahmen des Erwarteten. Zeitungen und „Nachrichtenmagazine“, die ihr Motto wohl bald in „Hetze, Hetze, Hetze“ umwidmen werden, machen mit sexistischen und rassistischen Titelseiten auf. Damit wird die unterschwellige Phantasterei von gefährlicher, überwältigender Omnipotenz des Fremden befördert. Was „der Muslim“ über seinen vermeintlichen „Geburtendschihad“ als Projekt der demographischen Landnahme betreibt, flankiert er nun auch mit der Übergriffigkeit auf „unsere Frauen“. Und unsere Medien machen sich auch noch freiwillig zum Instrument dieser rassistischen Pöbelei. Mal wieder gilt: Auflage vor Anstand. Man kann froh sein, dass auf Titelseiten keine Kreuze brannten. Wir können aber noch nicht sicher sein, ob es nicht bald Berichte über Muslime geben wird, die vermeintlich Brunnen vergiften.“

Ein Zitat, ein O-Ton von murat-kayman.de, hätte bei Sandra Maischberger vielleicht einiges verdeutlicht.

Der Koran als Vaterersatz

Zu dem Trauerspiel in 75 Minuten trägt freilich auch bei, dass die zweite muslimische Stimme erst nach rund einer halben Stunde zu hören ist. Es ist die des Konvertiten Dominic Musa Schmitz; eines jungen Mannes, der einmal Katholik war, dann bei den Salafisten landete und heute ein ebensolcher aufgeklärter, toleranter, kritischer und zugleich tief religiöser Muslim ist, über den im Fernsehen so oft nur geredet wird, aber nicht mit ihm.

Den Salafismus hält Dominic Musa Schmitz heute für eine faschistische Ideologie. Kennengelernt hat er die radikale Ausprägung der Religion als reine Lehre: „Das war für mich der Islam“, sagt er, der ihm „Richtig und Falsch vorgegeben“ habe . Das war genau das, was er suchte. Der Koran war ihm eine „Art Vaterersatz“.

Doch dann habe er begriffen, dass dem Menschen durch diese Ideologie eigenständiges „Denken, Handeln und Fühlen“ abgenommen werde. Man beurteile alles „nur anhand eines Dogmas“. Doch was brachte ihn dazu? Die Suche nach Geborgenheit, nach einer Familie. „Mir hat einfach Liebe gefehlt“, sagt Dominic Musa Schmitz. Irgendwann sei er sogar durch Möbelhäuser gelaufen und habe sich in Gedanken das Heim für seine eigene Familie zusammenfantasiert. Dann wurde er mit einer jungen Frau verheiratet, die er gar nicht kannte.

So einfach ist das. So einfach und ergreifend und so vielsagend, wenn man erkennen will, worüber alle in diesem Land, worüber insbesondere die Politik, die demokratischen Parteien, die Kirchen und ganz besonders intensiv die muslimischen Gemeinden (und eben nicht nur die Erdogan-Ditib) nachdenken müssen, wenn sie verhindern wollen, dass ein Großteil der vielen jungen Männer aus muslimischen Ländern, die seit dem vergangenen September in die Bundesrepublik gekommen sind, bei denen landet, die Dominic Musa Schmitz als Siebzehnjährigen eingefangen haben. Derselbe Dominic Musa Schmitz, der sich vom Salafismus lossagte, fordert heute, dass Muslime aus eigenem Antrieb heraus den ersten Schritt auf die Gesellschaft zu, in die Gesellschaft hinein gehen, und dass in den Moscheen in Deutschland auch selbstverständlich auf deutsch gepredigt wird – damit das vor allem die Jungen verstehen.

Murat Kayman sagt dazu so etwas wie: Wir arbeiten dran.

Noch Fragen? Ja, einige. Aber die werden wohl kaum bei Sandra Maischberger beantwortet.

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Time am 13. Mai 2016

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1) http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/tv-kritik/debatte-bei-sandra-maischberger-ueber-islam-sexismus-14228482.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

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PS: Ich werde mich über Pfingsten aus der Bloggerszene zurückziehen:)


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