Gravierende Unterschiede

19. September 2016

integrationschance

Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach, hat einen längeren Beitrag für „FAZ.NET“ verfasst (1).

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Folgen der Flüchtlingskrise

Erosion des Vertrauens

Die Bürger sind skeptisch, ob ihr Land die massenhafte Einwanderung verkraftet. Der Politik trauen sie die Lösung des Problems nicht zu.

Die Stimmungslage der Bürger ist zurzeit von einer ungewöhnlichen Konstellation geprägt: Die Zufriedenheit mit der eigenen materiellen Lage steigt seit Jahren kontinuierlich an, die Konsumfreude ist groß, und Sorgen um die Sicherheit des eigenen Arbeitsplatzes treiben nur noch eine Minderheit um – ganz anders als noch vor zehn Jahren. Gleichzeitig ist der Zukunftsoptimismus der Bürger in den letzten zwölf Monaten regelrecht zusammengebrochen. Nur 36 Prozent der Bevölkerung sehen den kommenden zwölf Monaten hoffnungsvoll entgegen, die Mehrheit mit Skepsis oder sogar ausgeprägten Befürchtungen. Ähnlich düster war die Stimmung der Bevölkerung in den letzten Jahrzehnten nur in Zeiten gravierender ökonomischer oder politischer Krisen, wie während der Ölkrisen, inmitten der Wirtschafts- und Finanzmarktkrise 2008, nach den New Yorker Anschlägen oder Anfang der neunziger Jahre, als eine Rezession und die Flüchtlingswelle vom Balkan zusammentrafen.

Willkommenskultur weit von der Gemütslage der Mehrheit entfernt

Was die Bürger heute verunsichert, sind vor allem der Flüchtlingszustrom, die Häufung von Terrorakten, die internationalen Krisen, die unkalkulierbar und auch fast unbeherrschbar erscheinen, und die innere Sicherheit in Deutschland. Inmitten der wirtschaftlichen Prosperität und robusten Konjunktur wächst das Bedrohtheitsgefühl der Bürger kontinuierlich an.

Der Zeitpunkt, zu dem der Optimismus zusammenbrach und einer tiefen Besorgnis wich, lässt sich eindeutig auf den Spätsommer des vergangenen Jahres datieren. Die Flüchtlingskrise, die zu diesem Zeitpunkt eskalierte, erschütterte und alarmierte die Bevölkerung. Dass eine Regierung die Kontrolle über die eigenen Grenzen verliert und Hunderttausende unregistriert ins Land strömen, war zuvor für die Bürger kaum vorstellbar. Die anfangs von Medien und Politik gefeierte Willkommenskultur war weit von der Gemütslage der Mehrheit entfernt, die schockiert und beklommen war.

Jeder Fünfte ist zuversichtlich

Mit den Flüchtlingszahlen bildete sich in diesem Jahr zwar auch die Beunruhigung der Bürger zurück. Die Mehrheit ist jedoch skeptisch, ob der Rückgang der Flüchtlingszahlen wirklich nachhaltig ist. Gleichzeitig sieht die Bevölkerung in den Flüchtlingen, die sich bereits im Land befinden und anerkannt oder zumindest geduldet sind, eine enorme Herausforderung, die die Herkulesaufgabe der ersten Unterbringung und Versorgung bei weitem übersteigt. 71 Prozent beurteilen die Integrationschancen skeptisch, lediglich jeder Fünfte ist hier zuversichtlich.

Das hat wenig mit Ausländerfeindlichkeit zu tun. Deutschland hat seit Jahrzehnten Millionen Bürger mit Migrationshintergrund. Die Mehrheit der Bevölkerung zählt aus anderen Ländern Zugewanderte zu ihrem Freundes- oder Bekanntenkreis; das gilt insbesondere für die junge Generation, von denen die große Mehrheit mit ausländischstämmigen Kindern zur Schule gegangen ist. Die große Mehrheit zieht in Bezug auf diese Zugewanderten eine positive Bilanz, stuft sie als überwiegend gut integriert sein.

Fremde Wertvorstellungen

In Bezug auf die Flüchtlinge ist die große Mehrheit jedoch überzeugt, dass die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Integration eher ungünstig sind. Zu unterschiedlich sind nach der Einschätzung der Bürger die kulturellen Prägungen, zu groß der Rückstand an schulischer und beruflicher Bildung.

Dass vor allem gut Gebildete ins Land strömen und helfen, den Mangel an Fachkräften in einigen Branchen zu mildern, hielt die große Mehrheit zu keinem Zeitpunkt für plausibel. Die kulturellen Prägungen und Wertvorstellungen werden als völlig anders und fremd wahrgenommen. 90 Prozent der Bevölkerung sind überzeugt, dass sich Kultur und Wertvorstellungen der meisten Flüchtlinge gravierend von der deutschen Kultur und den anerkannten gesellschaftlichen Grundprinzipien unterscheiden. Die meisten denken hier nicht nur an die Gleichstellung von Mann und Frau oder die religiösen Überzeugungen, sondern auch an die Haltung zum Staat und die Bereitschaft, die Gesetze einzuhalten. Auch in Bezug auf die Kindererziehung und die Leitvorstellungen für das Familienleben unterscheiden sich nach der Einschätzung der großen Mehrheit die Vorstellungen gravierend.

Gleichstellung von Mann und Frau

Diejenigen, die in den letzten zwölf Monaten häufiger Kontakte zu Flüchtlingen hatten, sehen dies nicht wesentlich anders als der Durchschnitt der Bevölkerung. Sie betonen die unterschiedlichen Prägungen teilweise sogar noch stärker; dies gilt insbesondere in Bezug auf die Leitideen für das Familienleben und die Kindererziehung. Lediglich in Bezug auf die Einstellungen zum Staat und die Bereitschaft, sich an den geltenden Gesetzen und Regeln zu orientieren, sehen diejenigen, die in den letzten Monaten häufiger Kontakte zu Flüchtlingen hatten, tendenziell weniger Schwierigkeiten als der Durchschnitt der Bevölkerung. 61 Prozent der gesamten Bevölkerung, 55 Prozent der Bürger, die häufiger Kontakte zu Flüchtlingen hatten, gehen von signifikanten Unterschieden bei der Einstellung zum Staat und der Bereitschaft, Gesetze und Regeln einzuhalten, aus. In Bezug auf die Gleichstellung von Mann und Frau sehen 93 Prozent der gesamten Bevölkerung, 95 Prozent derjenigen mit Kontakten zu Flüchtlingen gravierende Unterschiede zwischen den Prägungen der Flüchtlinge und der deutschen Bevölkerung.

„Leitkultur“ ist kein Reizwort

Die Bevölkerung hat klare Vorstellungen von den Voraussetzungen einer erfolgreichen Integration: rascher Erwerb von Sprachkenntnissen, Integrationsbereitschaft, die Akzeptanz der Grundprinzipien der deutschen Gesellschaft, insbesondere der Gleichstellung von Männern und Frauen, Bildungsinteresse und die Bereitschaft, unter Deutschen zu leben, und sich nicht abzuschotten.

Die Bürger verstehen unter Integration nicht Assimilierung. Sie halten es jedoch für wichtig, dass bei ernsten Konflikten zwischen den kulturellen Prägungen aus dem Herkunftsland und der deutschen Kultur die Letztere den Vorrang hat. Der Begriff der Leitkultur, der in der öffentlichen Diskussion immer wieder zu Kontroversen führte, ist für die große Mehrheit kein Reizwort, sondern eine Selbstverständlichkeit. Ob Integration gelingt, hängt nach Überzeugung der meisten auch von der Entschiedenheit ab, mit der wesentliche Grundprinzipien im Alltag durchgesetzt werden. Dass beispielsweise weibliche Ärzte zurückgewiesen werden oder Frauen der Handschlag verweigert wird, ist nach Überzeugung der großen Mehrheit nicht tolerierbar.

Mehrheit nicht von Anschlägen überrascht

Die Beunruhigung über die noch lange nicht erfolgreich bewältigte Flüchtlingswelle ist jedoch nicht die einzige Quelle von Verunsicherung. Die Terroranschläge und Attentate in Frankreich, Belgien und neuerdings auch Deutschland unterminieren das Sicherheitsgefühl der Bürger.

Die Anschläge kamen für die Mehrheit keineswegs überraschend. Schon vor der Anschlagsserie fürchteten drei Viertel der Bevölkerung, dass es in absehbarer Zeit zu einem Terroranschlag in Deutschland kommt. Nach den Anschlägen waren ebenfalls drei Viertel überzeugt, dass dies erst der Anfang ist und weitere Anschläge drohen. 58 Prozent fürchten, dass man in Deutschland nie mehr so sicher leben kann wie zuvor. Knapp zwei Drittel haben sogar das Gefühl, dass Terror und Gewalt mittlerweile zu unserem Alltag gehören. Die Gefahren, die von radikalen islamistischen Gruppierungen für Deutschland ausgehen, treten immer mehr ins Bewusstsein der Bürger. Vor zehn Jahren veranschlagten 45 Prozent diese Gefahren als groß, im letzten Jahr bereits 68 Prozent, jetzt 77 Prozent.

Vertrauen in die Politik gesunken

Die wachsenden Sorgen über Terrorgefahren treffen auf ein gesellschaftliches Klima, das ohnehin von wachsender Besorgnis um die innere Sicherheit geprägt ist. Schon seit Jahren nimmt die Besorgnis über die Entwicklung von Gewalt und Kriminalität zu. Der Anteil der Bevölkerung, der sich in diesem Zusammenhang Sorgen macht, stieg seit 2014 von 52 auf 82 Prozent. Insbesondere Frauen haben heute den Eindruck, dass sie sich nicht mehr in ihrem Umfeld so frei bewegen können wie früher, ohne sich Risiken auszusetzen. Auch Einbruchdiebstähle beunruhigen der Bürger zunehmend. Zu diesen Risiken im Nahbereich kommt die Sorge, dass Deutschland in internationale militärische Konflikte hineingezogen werden könnte. Für zwei Drittel der Bürger ist dies eine reale Gefahr.

Die Zusammenballung von Risiken hat nicht nur das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung unterminiert, sondern auch das Vertrauen in die Politik. Insbesondere die Reaktion der etablierten Parteien auf die Flüchtlingskrise hat zu einer tiefen Entfremdung und zu Misstrauen geführt, ob sich die Ziele und Vorstellungen der Politik überhaupt noch näherungsweise mit denen der Bürger decken. Die politische Reaktion auf die Eskalation der Flüchtlingskrise war und ist teilweise noch von einem bemerkenswerten Konsens der im Parlament vertretenen Parteien geprägt. Von der Linken über die Grünen bis zu CDU und SPD wurde die Flüchtlingspolitik im letzten Jahr weitgehend mitgetragen – eine ungewöhnliche Konstellation bei einem Ereignis von derartiger Tragweite und Sprengkraft.

Renaissance der AfD

Der Schock, die Besorgnis der Mehrheit, hatte im Parlament kaum eine Stimme und wurde so politisch nicht aufgefangen. Dazu kam zeitweise eine Medienberichterstattung, die im Verbund mit dem breiten Konsens im Parlament ein gesellschaftliches Klima beförderte, in dem die Mehrheit der Bevölkerung plötzlich den Eindruck hatte, dass man vorsichtig sein müsse, sich überhaupt mit seiner Meinung zur Flüchtlingssituation zu exponieren. Die Berichterstattung der Medien zu diesem Thema wurde im letzten Jahr überwiegend kritisiert bis hin zum Vorwurf der „Lügenpresse“, der weit über den Kreis der Pegida- und AfD-Anhänger hinaus erhoben wurde.

Eine Folge des Eindrucks, weder in Medien noch in der Politik mit den eigenen Sorgen und Positionen Verständnis zu finden, war die Renaissance und Stärkung der AfD. Noch im Frühsommer letzten Jahres war sie durch die Abspaltung des Lucke-Flügels und die internen Querelen so geschwächt, dass sie deutlich unter 5 Prozent lag. Mit der Flüchtlingskrise und der Reaktion der im Parlament vertretenen Parteien auf diese Herausforderung nahm die Unterstützung für die AfD steil zu. In diesem Jahr bewegen sich die Zweitstimmenwahlabsichten zugunsten der AfD bisher zwischen 10 und annähernd 13 Prozent. Sämtliche Landtagswahlen sind zurzeit von diesem Höhenflug geprägt. Die Reaktion vieler Bürger auf die Erfolge der AfD bei Landtagswahlen zeigt eine Verbitterung über die im Parlament vertretenen Parteien, die weit über den Kreis der AfD-Anhänger hinausreicht. Nach den Landtagswahlen von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz begrüßten 46 Prozent der Bürger das Abschneiden der AfD mit dem Argument, dass die etablierten Parteien einen derartigen Denkzettel brauchen.

Vertrauenserosion schwächt besonders CDU

In der öffentlichen Diskussion wurde in den letzten Monaten immer wieder die AfD als das eigentliche Problem und Risiko dargestellt. Das eigentliche Problem ist jedoch der Vertrauensverlust der etablierten Parteien, die AfD das Ergebnis dieser Vertrauenserosion. Die Mehrheit der Bevölkerung kann bei keiner Partei überzeugende Konzepte für den Umgang mit der Flüchtlingssituation erkennen.

Dies schwächt besonders die Partei, die in der Verantwortung ist und die immer weitaus mehr als andere Parteien als Garant von Sicherheit gesehen wurde und in abgeschwächter Form auch noch gesehen wird – die CDU. War bei der letzten Bundestagswahl sogar die absolute Mehrheit in Reichweite, schwankt sie zurzeit in der Bandbreite zwischen 33 und 35 Prozent. Die anderen im Bundestag vertretenen Parteien profitieren davon kaum, sondern müssen auch kämpfen, um das Vertrauen der Bürger zurückzugewinnen. Das ist angesichts der zahlreichen Krisen, für die es keine einfachen Lösungen gibt, nicht leicht. Gerade in diesem Umfeld wird Vertrauen rasch zerstört, aber nur schwer restauriert.

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Time am 19. September 2016

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1) http://www.faz.net/aktuell/politik/denk-ich-an-deutschland-1/erosion-des-vertrauens-14436667.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

Chaim Noll: Bibel vs. Kloran (#3)

18. September 2016

monsterkloran

Lesen Sie Teil fünf, sechs und sieben der Reflexionen des deutsch-israelischen Schriftstellers Chaim Noll über Bibel und Kloran, die ich auf der „Achse“ gefunden habe.

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Nähe und Unvereinbarkeit von Bibel und Koran

Den Status von Gott geduldeter, sogar in die Gottesliebe einbezogener Fremder gibt es im Islam nicht. Der Begriff des „Andersgläubigen“ ist im Koran unbekannt, folglich gibt es auch keine Toleranz ihm gegenüber. Die Menschheit ist dort getrennt in Gläubige, denen die Gnade, Barmherzigkeit und Anleitung Allahs gelten, und Ungläubige, die nicht nur davon ausgeschlossen sind, sondern die der Gott des Islam in leitmotivischer Eindringlichkeit zu strafen und von der Erde zu vertilgen verlangt. Die Bestrafung soll sowohl durch Allah erfolgen als auch durch Muslime. Neben zahlreichen Stellen im Koran, die von Gott auferlegte Strafen und Torturen für Ungläubige beschreiben (Sure 2, Vers 189ff., Sure 3,103 und 126, Sure 4, 45, 50, 59, Sure 8,12, Sure 9, 5 u..a), gibt es auch die direkte Aufforderung an die Muslime, etwa in Sure 8 Vers 12: „Trefft sie oberhalb des Nackens und schlagt ihnen jeden Finger ab“. Oder den in Sure 4, Vers 105 ergehenden Aufruf zur Jagd auf Ungläubige: „Und lasst nicht nach, die Ungläubigen aufzuspüren.“

Wo es keine von Gott tolerierten Andersgläubigen gibt und keine anderen Wege zu Gott als den des Islam, kann es auch keine Gleichwertigkeit der Menschen vor dem Schöpfer geben. Das Konzept des Koran vom menschlichen Zusammenleben ist eine klare, sozusagen heilige Hierarchie, eine Unterteilung der Menschheit in zwei Klassen. Mensch erster Klasse ist nach Mohameds Lehre der gläubige muslimische Mann, neben ihm werden sowohl Frauen als auch Nicht-Muslime zu Menschen zweiter Klasse.

Die Frauen werden es dadurch, dass im Koran die Gottgewolltheit der männlichen Superiorität wieder eingeführt wird, jene archaische Vorstellung der frühen Völker, aus welcher das biblische Gesetz herauszuführen sucht. Die in der Bibel entwickelte Idee einer Gleichwertigkeit der Geschlechter wird von Mohamed nicht aufgegriffen, das in den mosaischen Büchern ausgearbeitete System zur Sicherung der Rechte der Frauen fast völlig ignoriert. In Mohameds Gesetz gilt eine Frau nicht einmal als selbständige juristische Person. Allah hätte, heißt es in Sure 4,38, den Männern Vorrang verliehen, auch das Recht, alle Angelegenheiten der Frauen zu bestimmen, und erwarte von den Frauen Gehorsam. Werde dieser verweigert, solle der Mann die Frau züchtigen.

Ein Koran-Vers als Aufruf zur Vergewaltigung

Die der Frau zugedachte Rolle beschreibt Sure 2, Vers 223: „Eure Frauen sind euch ein Saatfeld. Geht zu diesem Saatfeld, wann immer ihr wollt.“ Bereits die metaphorische Gleichsetzung eines Menschen mit einem Saatfeld, dem Inbegriff des Passiven und Wehrlosen, ist mit unserem Menschenbild unvereinbar. Sie wird noch übertroffen durch die Aufforderung zu vollständiger Willkür im Umgang mit dem zu passiver Hinnahme verurteilten Wesen. Nicht einmal so viel Recht soll der Frau gelassen werden, dass sie wenigstens den Zeitpunkt der männlichen Beiwohnung bestimmen darf. Nach westlichem Rechtsverständnis ist dieser Koran-Vers ein Aufruf zur Vergewaltigung. Die Metapher vom Saatfeld mit dem Zusatz „Wann immer ihr wollt“ ist die sprachliche Formel für völlige die Entrechtung, in unseren Augen Enthumanisierung der Frauen.

Wie wenig eine Frau im Koran als Persönlichkeit und Einzelwesen verstanden wird, belegt der Umstand, dass einzelne Frauen – jenseits der Sammelbezeichnung al-nisa, Frauen – im gesamten Text nicht in Erscheinung treten. Im Koran wird nur eine einzige Frau namentlich erwähnt, und diese Einzige ist auch noch der Bibel entnommen: Maria, die Mutter Jesu. Wenn man bedenkt, welche prominente Rolle Frauen in der Bibel spielen, als Prophetinnen, Königinnen, Führerinnen des Volkes, als Mütter und Partnerinnen, als Symbole der Tapferkeit, Klugheit und Retterinnen in der Not, welchen Reichtum an unvergesslichen Frauengestalten die Bibel entfaltet, dann vertritt der Koran, in dem es überhaupt keine Frauenfiguren gibt (außer einer einzigen, der Bibel entliehenen) hier das diametrale Konzept zum biblischen.

Das Menschenbild des Koran ist kein freies, sondern ein hierarchisches, von vornherein politisch geprägtes. Die viel zitierte Toleranz islamischer Herrscher, etwa zur Zeit der Okkupation Spaniens, kann nur vor dem Hintergrund dieser Hierarchie verstanden werden. Es ist keine Toleranz unter Gleichen, eher Indifferenz gegenüber Unterworfenen. Da der jihad, der Heilige Kampf, wie er der „Gemeinschaft der Gläubigen“ geboten ist, nicht primär die Missionierung der Ungläubigen zum Ziel hat, sondern die territoriale Ausdehnung des Reiches der Gläubigen, des dar al-islam, verhält sich die herrschende muslimische Männerkaste, wenn das fremde Gebiet einmal erobert ist, weitgehend indifferent gegenüber den Unterworfenen. Diese müssen das Steueraufkommen des Gebiets erbringen und andere Kontributionen und Menschenopfer entrichten, wie etwa im Osmanischen Reich den Knabentribut, und solange sie es tun, lässt man sie weitgehend bei ihren Sitten und Gebräuchen.

Loyal nur dem Sultan gegenüber

Der Knabentribut (devsirme) ist ein Beispiel für die im Osmanischen Reich üblichen Opfer der unterworfenen Völker: „Alle paar Jahre gingen die Osmanen in ein, sagen wir, serbisches Dorf und griffen sich dort die kräftigsten und klügsten Jugendlichen (…) In der Türkei absolvierten diese eine anstrengende sieben Jahre dauernde Ausbildung: schwere körperliche Arbeit zur Kräftigung ihrer Körper, Unterweisung im Islam und in der Türkischen Sprache. Jene, die sich in Sport und Kriegskunst hervortaten, wurden als Kadetten des Janitsharen-Korps ausgesucht, als ‚Männer des Schwertes‘. Ihrer Familienbindungen beraubt, kannten sie keinen Interessen-Konflikt und waren loyal nur dem Sultan gegenüber.“ Max Weber nannte eine auf Sklavendienst basierende Herrschaftsform folglich „Sultanismus“: „Im Sultanismus rekrutiert der Herrscher seinen Stab aus Ausländern und Sklaven. Weil diese in der Gesellschaft, die zu regieren sie helfen, wenig Rückhalt haben, sind sie auf die Gnade ihres Herrn angewiesen. Deshalb sind Ausländer und Sklaven die besten Werkzeuge für Willkürherrschaft.“

Doch die Ausbildung zu Werkzeugen des Herrschaftsapparates ließ die herrschende muslimische Männerkaste nur wenigen angedeihen. Gegenüber der großen Masse der Unterworfenen blieb sie, was deren Glauben betraf, relativ gleichgültig. Der Historiker Henri Pirenne nennt den wohl wichtigsten Grund: „Allah ist der Einzige Gott“, heißt es in seinem Buch „Mohammed et Charlemagne“ über die islamische Invasion Europas, „und daher wäre es logisch, dass seine Diener (die muslimischen Männer – Ch.N.) es als ihre Pflicht verstehen, die Ungläubigen zum Gottesgehorsam zu zwingen. Was sie jedoch beabsichtigten war nicht, wie man denken könnte, deren Konversion, sondern ihre Unterwerfung.“

In den vom Islam eroberten Ländern bestand das vorrangige Interesse der neuen Herrscher in der Einführung der islamischen Zwei-Klassen-Ordnung, eines Systems von Tributzahlungen und Sklaverei. Anders verhält es sich in nicht islamisch beherrschten Gebieten: Hier ist das Gewinnen von Konvertiten „eine permanente Pflicht“ des gläubigen Muslim, der individuelle Teil des Gebots vom jihad. Solange die muslimische Männerkaste nicht die politische und militärische Herrschaft des Gebietes gesichert hat, zählt jeder einzelne Proselyt. Ob im Falle von Sklaven mit der Konversion ihre Freilassung verbunden ist, bleibt im Koran unausgesprochen. Anders im biblischen Text: Der Eintritt eines Sklaven in die biblische Religion (ger zedek) führte automatisch zu der (in 2 Moses 21,2 und 5 Moses 15,12-18) gebotenen Freilassung.

In den humanen Gesetzen gegenüber Unfreien und Fremden lag einer der revolutionären Aspekte, die den jüdischen, später christlichen Glauben so anziehend für die Sklaven des römischen Imperiums machten, welche ihm in großen Scharen zuströmten. Dagegen schafft der Koran durch das „gottgewollte“ Privileg der Gläubigen gegenüber den Ungläubigen einen unangreifbaren Vorwand für das Prinzip lebenslanger Versklavung. „Mit dem Islam“, findet der deutsche Orientalist Hans-Peter Raddatz, „wird der Herrschaftsanspruch des Menschen über den Menschen welthistorisch reaktiviert“.

Die im dar al islam „gottgewollt“ herrschende muslimische Männerkaste fühlt sich zur Unterwerfung aller Anderen legitimiert, weil sie selbst ihr Leben in totaler Unterwerfung verbringt, unter den Willen Allahs, wie es im Wort islam zum Ausdruck kommt. Aus der Forderung bewusster Selbstaufgabe ergibt sich eine weitere Unvereinbarkeit des koranischen Konzepts mit dem biblischen: die Frage betreffend, ob dem Menschen von Gott die Freiheit der Entscheidung zugestanden wird. Schon frühe jüdische und christliche Quellen weisen auf diesen Unterschied zwischen biblischem und islamischem Denken hin, etwa der Dialog des Johannes von Damaskus mit einem Sarazenen, ein christlicher Text aus dem 8.Jahrhundert. Der Christ Johannes von Damaskus erklärt den biblischen Standpunkt, wie in 5 Moses 30, 19 dargelegt: dass Gott dem Menschen die „freie Wahl“ zwischen dem Guten und dem Bösen überlassen hätte.

Direkte Folge einer religiös motivierten Hoffnungslosigkeit ist die Vernachlässigung des individuellen Menschenlebens

Darüber zeigt sich sein muslimischer Gesprächspartner erstaunt: nach seinem Dafürhalten sind alle Handlungen der Menschen, gute wie böse, bis ins Detail von Allah vorherbestimmt. Sein Erstaunen reflektiert die Haltung der orthodoxen islamischen Theologie. Das Gegenargument des Johannes war, dass der Mensch, falls ihm Gott nicht freien Willen zugestanden hätte, auch nicht für seine Untaten verantwortlich gemacht werden könne. „Dann würden auch alle menschlichen Pläne und Bemühungen um Verbesserung und Fortschritt vergeblich sein“, heißt es dazu summarisch in der Lehre Buddhas, die den jüdisch-christlichen Standpunkt teilt und den islamischen verwirft. „Es ist kein Wunder, dass Menschen, die dieser Vorstellung verhaftet sind, alle Hoffnung verlieren und ihre Bemühungen vernachlässigen, weise zu handeln und Böses zu vermeiden“.

Direkte Folge einer religiös motivierten Hoffnungslosigkeit ist die Vernachlässigung des individuellen Menschenlebens, zunächst der Qualität des Lebens, dann des Lebens selbst. Sie zeigt sich nicht nur in den Selbstmordattentätern, die sich offenbar freudig für eine in unseren Augen sinnlose Sache opfern wie das Zünden von Bomben und Töten anderer Menschen (Muslime wie „Ungläubige“), sondern – noch unbegreiflicher – in der seltsamen Schicksalsergebenheit großer Menschenmassen, die über Jahrhunderte despotische Herrscher, Gewalt und Korruption, ein Leben in Elend und Bevormundung ohne Widerstand erduldet haben.

In der Geringschätzung des eigenen Lebens liegt nach biblischer Vorstellung eine Missachtung der Werke des Schöpfers. Daher wird in der Bibel der Selbstmord abgelehnt: unter Berufung auf 1 Moses 9,5 gilt Selbsttötung als Tötung menschlichen Lebens, der Selbstmörder folglich – von wenigen Ausnahmefällen abgesehen – als Mörder. Im Islam wird dagegen für ein mit der Tötung anderer Menschen verbundenes Selbstopfer „gewaltiger Lohn“ verheißen, es wird sogar einem Sieg gleichgesetzt (Sure 4,74). Diese Art Märtyrertum, shahid, ist mit dem biblischen Menschenbild unvereinbar, auch wenn es im Christentum, vor allem in seiner frühen Phase, zahlreiche Martyrien gegeben hat: sie galten jedoch nicht, wie im Islam, der Tötung anderer, sondern waren, im Gegenteil, zu deren Rettung gedacht.

Das Martyrium des shahid ist die intimste Form des Menschenopfers. Die Geringschätzung des eigenen Lebens impliziert die Geringschätzung von menschlichem Leben überhaupt, das Selbstopfer verschafft dem Opfernden eine Pseudo-Legitimation zum Opfern anderer. Diese Haltung wird vom Koran gepriesen. Im Gegensatz dazu lehnt der Gott der Bibel jegliches Menschenopfer ab. Als Abraham seinem Gott den eigenen Sohn opfern wollte, eine in der Alten Welt übliche Praxis, sandte der biblische Gott einen Engel, um ihn daran zu hindern (1 Moses 22, 1-19). Hierin lag die erste revolutionäre Botschaft der Bibel, der Grundstein des humanen Zeitalters. Mit der Belohnung des shahid – zumal, wo es mit der Tötung anderer verbunden ist – hat der Islam die Rückkehr zum Menschenopfer vollzogen und den humanen Ansatz der Bibel aufgehoben.

Krieg und Frieden: Die in unseren Augen geringe Wertschätzung des einzelnen Menschenlebens liegt im jihad begründet, dem der islamischen Glaubensgemeinschaft gebotenen heiligen Kampf zur weltweiten Durchsetzung des Islam. Der Prophet lässt keinen Zweifel daran, dass dieser Kampf erst dann zu Ende sein kann, wenn alle Menschen Allah anbeten und die Gebote erfüllende Muslime sind (Suren 8,39; 61,9 u.a.). Während es missionierenden Christen erklärtermaßen um das Gewinnen von Individuen geht – Jesus bezeichnete seine Jünger als „Menschenfischer“ (Matthäus 4,19) – geht es dem Islam um die Ausweitung des dar al Islam, also um die Beherrschung von Völkern und Territorien.

Das biblische Volk führte eine Reihe von Kriegen zur Gewinnung und Sicherung des ihm versprochenen Landes, wobei dieses Land per definitionem begrenzt ist und seine Grenzen mehrmals im Text genau bezeichnet werden (2 Moses 23,31; 4 Moses 34,3 u.a.) Kein einziger dieser antiken Kriege wurde mit einem generellen Vorrecht des biblischen Volkes begründet, „Gläubige“ zu sein und daher Anspruch auf „ungläubiger“ Völker Land zu haben. Für das biblische Volk tritt ein Gefühl des Friedens bereits ein, wenn das Gebiet zwischen Dan und Beer Sheva gesichert ist (1 Könige 5,5), nicht erst, wie im Koran, wenn sich das Reich des Islam über die ganze Welt ausgebreitet hat.

Anthropologischer Prozess: Anthropologisch gesehen, ist der in den Mosaischen Büchern für das Volk der Hebräer vorgeführte Prozess, wie Morris S.Seale formuliert, „ein Wechsel in der Lebensweise von revolutionärem Ausmaß. Sie ließen die Gesetzlosigkeit der Wüste hinter sich, für die Gesetzlichkeit einer niedergelassenen Gesellschaft. Die Mosaischen Bücher können daher als Übungsbuch (im englischen Original: training manual) für ein Volk verstanden werden, das sich auf den schweren Weg in Richtung Humanität und Zivilisation begibt.“ Die nomadische Lebensweise ist dagegen der Zwang zu ständiger Expansion. Nomadisch lebende Völker – in ihrem notgedrungenen Kampf um die elementaren Subsidien des Lebens wie Wasserstellen und Weideland – sind per se kriegerisch.

Daher ist die im Gesetz vom Sinai regulierte Gesellschaftsform eine sesshafte. Die Feste der Juden sind landwirtschaftliche Feste, angeordnet im Zyklus von Saat, Reife, Ernte, symbolisiert in drei Pilgerreisen zum Tempel zur Darbringung von Erstfrüchten. Auch Jesus bewegte sich in dieser landwirtschaftlichen Welt, fast alle seine Gleichnisse sind ihr entnommen. Die Feste der Christen folgen dem alten landwirtschaftlichen Zyklus der jüdischen, unter Hinzufügung einer weiteren, nun mit der Gestalt Jesus verbundenen Komponente.

Im Koran ist dagegen kaum irgendwo von Angelegenheiten der Landwirtschaft und sesshaften Lebens die Rede. Das dort propagierte Bild vom Muslim ist das Bild eines Kämpfers und Kriegers. Auch im späteren Schrifttum genießt die Arbeit in der Landwirtschaft (überhaupt in irgendeiner Form friedlicher Wirtschaft) kein großes Ansehen. Die Überlieferung des Hadit, schreibt ein muslimischer Geistlicher, Maulana Muhammad Ali, „spricht davon als von einer verdienstvollen Handlung, warnt aber zugleich davor, dass jene, die sich ganz der Wirtschaft widmen, nicht fähig sind zu großen und glorreichen Taten“.

Beide Bücher, Bibel und Koran, lassen sich als Anleitung verstehen, wie Völker aus wildem Nomadentum, Faustrecht und Stammeskriegen herausfinden können. Doch sie zeigen verschiedene Wege und Ziele. Ein früher Unterschied liegt im Verhältnis zum Land: in der Bibel ein fest umrissenes Gebiet, das intensiv kultiviert werden soll, um die darauf Lebenden zu ernähren, im Koran ein – nun aus religiösem Grund – ständig zu erweiterndes Territorium. Der Koran enthält einen erneuten Aufruf zum Nomadentum, diesmal zu einem globalen, von der „Gemeinschaft der Gläubigen“ gemeinsam unternommenen. „Das Wandeln auf dem Weg Allahs bedeutet die Ausbreitung des Islam durch den Glaubenskrieg“, schreibt Franz Rosenzweig. „In dem gehorsamen Beschreiten dieses Weges (…) findet die Frömmigkeit des Muslim ihren Weg in die Welt.“

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Time am 18. September 2016
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Chaim Noll: Bibel vs. Kloran (#2)

17. September 2016

Lesen Sie Teil drei und vier der Reflexionen Chaim Nolls über Bibel und Kloran, die ich bei der „Achse“ gefunden habe.

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Nähe und Unvereinbarkeit von Bibel und Koran

Eine Besonderheit von Mohammeds Vortrag mögen die krampfartigen Zustände gewesen sein, die ihn in visionärem Zustand befielen und die von seinen Zuhörern in Ehrfurcht abgewartet wurden. Man wertete sie als Augenblicke der Inspiration, der höheren Beseeltheit, des Empfangens der Botschaft. Sie können einer der Gründe für den in manchen Suren auffallend abrupten, verwirrenden Wechsel des Themas, der Stimmung, des Erzähl-Duktus sein, für die oft erstaunlichen Abweichungen von einem „plausiblen“ Erzählverlauf. „The Suras“, findet der englische Arabist Arthur J.Arberry, „are not arranged in any chronological order“. Der Koran ist nach abendländischem Verständnis eindeutig ein Werk der Dichtkunst, eher inspirativ und irrational gewachsen als in absichtsvoller Systematik. „Der größte Dichter bist Du, oh großer Prophet von Mekka…“, schrieb Heinrich Heine. Einige Jahrzehnte später schildert ihn Rilke als Analphabeten und „innen verwirrten Kaufmann“.

Einer der am häufigsten erhobenen Einwände gegen Mohameds Botschaft ist der unbestreitbare Tatbestand, dass ihre Adressaten, die mit „ihr“ angeredeten Empfänger des Textes, ausschließlich Männer sind. Das Männerparadies des Koran, die „immerjungen Mädchen“ und „Fontänen von Wasser“, sind Beleg für die Mittel, mit denen der Text arbeitet, um seine Leser zur Aktion zu bewegen (…) Außer Versprechen und Verheißung benutzt er dazu noch andere: Warnung, Drohung, Ankündigung von Strafe. Das harte Nebeneinander sanft gewinnender und aggressiv-polemischer Passagen wurde zum stilistischen Prinzip, da der Koran ein Buch der Abgrenzung ist. Die üppigen Darstellungen vom Paradies erweisen sich als notwendiger kompositorischer Ausgleich in einem Text, der auf dieser Welt vor allem eines fordert: absolute Unterwerfung. „Es ist ein Weg des Gehorsams“, schreibt Franz Rosenzweig. „Das unterscheidet ihn, mehr als sein Inhalt, von der Liebe des Nächsten“.

Verbindlichkeit des Textes (textus receptus): Die für Europäer ohnehin schwierige Rezeption des Koran wird noch schwieriger durch die nicht gesicherte Eindeutigkeit des Textes. Bis heute variieren seine „Lesarten“ (tafsir al koran) so erheblich, dass bereits das Lesen des Textes eine erste Interpretation darstellt. „Es gibt keinen uniformen Koran-Text“, schreibt Ignaz Goldziher in seinem Standardwerk „Die Richtungen der Islamischen Koranauslegung“. Unter den Ursachen für die Mehrdeutigkeit des Textes sind sprachliche, vor allem die „Eigentümlichkeit der arabischen Schrift, in der dasselbe grafische Skelett je nach der Verschiedenheit und der Anzahl der über oder unter dasselbe gesetzten Punkte verschiedene Lautwerte darstellt.“

Der inner-islamische Hass ist oft stärker
als der auf die „Ungläubigen“

Hinzukommen zahlreiche andere Gründe für die Strittigkeit einzelner Worte und Passagen des Koran-Textes, nicht zuletzt politische. So hat die schiitische Richtung des Islam seit der frühesten Zeit ihres Auftretens die Integrität der othmanischen Textgestaltung bezweifelt und abgelehnt. Diese enthalte, behaupten die Schiiten, gegenüber dem echten Koran Mohameds unzulässige Änderungen und Zusätze, während andere Passagen des authentischen Textes durch Weglassung getilgt worden seien.

Allerdings können sich auch die Schiiten nicht auf einen „von ihnen bedingungslos anerkannten und integren Korantext“ einigen, daher nichts zur Überwindung des Problems beitragen. Der inner-islamische Krieg um die Nachfolge des Propheten, begonnen im siebenten Jahrhundert, hat bis heute kein Ende gefunden. Er nährt sich aus dem unheilbaren Schisma, das bereits mit der jeweils für heilig erklärten arabischen Fassung des Korantextes beginnt und seit Jahrhunderten ein unerschöpfliches Potential für inner-islamische Spaltung, Sektenbildung und politische Fragmentierung darstellt, einen Vorwand für Kriege und blutige Gewalt.

Letztlich lassen sich inner-islamische Kämpfe im Mittleren Osten, wie sie heute etwa zwischen Schiiten und Sunniten im Irak, im Libanon, Jemen, oder zwischen dem schiitischen Iran und dem sunnitischen Saudi-Arabien in einer die ganze Region entflammenden Erbitterung und Grausamkeit ausgebrochen sind, bei Bedarf immer auf diese Jahrhunderte alten Uneinigkeiten in der Textfassung zurückführen. Der inner-islamische Hass ist oft stärker als der auf die „Ungläubigen“. Die Unfähigkeit der islamischen Fraktionen, sich auf eine verbindliche Textfassung zu einigen, deutet auf eine gering entwickelte Kultur der Konsensfindung, eine geringe Bereitschaft zu sinnvollen Kompromissen, die sich auch auf andere Bereiche des Lebens auswirken muss.

„Zäune für die Tora“

Für die Bibel besteht ein solches Problem nicht. Spätestens seit der Synode von Javne um 90 unserer Zeit ist der hebräische (in einigen Abschnitten aramäische) Original-Text in bis heute verbindlicher Eindeutigkeit fixiert. Seit dem dritten bis zweiten vorchristlichen Jahrhundert existiert zudem eine von Juden verfertigte, später von den Christen übernommene griechische Übersetzung, die Septuaginta (in die auch einige nicht-masoretische Texte aufgenommen wurden, die sogenannten Apokryphen). Sie liegt in der leicht bearbeiteten Version des Origines, der Hexapla, den meisten späteren Übersetzungen zugrunde, auch der lateinischen Vulgata-Fassung des Hieronymus, die für die katholische Kirche verbindlich ist. Einen eigenen Weg ging die syrische Kirche, die im Aramäischen blieb und einer aus dieser Sprache kommenden, peshita („die Einfache“) genannten Fassung folgt.

Unbestreitbar hat es auch im Judentum verderblichen Fanatismus gegeben und im Christentum Kreuzzüge, Hexenwahn und Inquisition. Doch im Unterschied zum Koran sind solche Missbräuche nicht durch den biblischen Text selbst geboten. Zudem hat, wo das Missverständnis lebensgefährlicher Interpretation im biblischen Text bestehen mag, die über Jahrtausende gewachsene Text-Betrachtung dem biblischen Kanon ein ergänzendes Gesetzeswerk von Adaptionen, Diskussionen und Spezifizierungen zur Seite gestellt, „Zäune für die Tora“, wie man im rabbinischen Judentum sagt, die den Missbrauch des Textes ins Lebensbedrohliche verhindern sollen. Ähnliches unternahm die christliche Theologie. Die ständige Analyse und Auslegung des Ur-Textes im Sinne humaner Lebbarkeit ist in Juden- und Christentum seit langem ein selbstverständliches Vorgehen.

Im Islam sind text-analytische Ansätze traditionell behindert. Der Prophet selbst hat vor derlei „Mutwillen“ gewarnt: „Und wenn du solche siehst, die über unsere Zeichen grübeln, so wende dich von ihnen ab.“ (Sure 6,68) Mohameds Freund und Nachfolger (im Amt des ersten Khalifen) Abu Bekr wird der Spruch zugeschrieben: „Wie könnte mich die Erde tragen oder der Himmel beschatten, wenn ich über den Koran nach meiner subjektiven Meinung spräche, als über etwas, wovon ich nichts verstehe.“ Noch strikter lehnt der maßgebliche Theosoph at-Tirmidi jede nicht durch muslimische Autoritäten gebilligte Beschäftigung mit den „heiligen Texten“ ab: „Wer den Koran nach Gutdünken erklärt, ist dadurch ein Ungläubiger.“

Das Menschenbild: „Gott ist gütig gegen alle, und sein Erbarmen waltet über all seinen Geschöpfen“, heißt es in Psalm 145,9. In dieser Textstelle wird – stellvertretend für viele – das entscheidende Kriterium des biblischen Menschenbildes ausgesprochen: die Gleichwertigkeit aller Menschen vor dem Schöpfer. Das Volk der Bibel hält sich nicht für besser oder moralischer als andere Völker und Religionen. Die hebräische Bibel versucht nirgendwo, Israel zu glorifizieren. Eher das Gegenteil: alle seine Schwächen und Verfehlungen werden in einer manchmal erschreckenden Offenheit dargestellt.

Die „Erwähltheit“ des biblischen Volkes ist als Verpflichtung gemeint, als kritischer Anspruch an sich selbst, nicht als Erhöhung über andere. Der Text betont, dass die Flüchtlinge aus Ägypten, die am Berg Sinai das Gesetz empfingen, nur zu einem Teil Hebräer waren, zum anderen Teil Unterdrückte und Verzweifelte anderer Völker, die sich ihnen angeschlossen hatten, im hebräischen Original erev rav (a mixed multitude in der King James Bible, fremdes Volk in der Luther-Bibel), und diese Fremden „stiegen mit Israel auf“, wie das Verb alah im Hebräischen wörtlich meint, sie nahmen das Gesetz an wie die Hebräer, und schon von daher ist das Sein und Wesen Israels seit seiner eigentlichen Geburtsstunde mit Fremden verbunden.

Den Fremden sollt ihr nicht bedrücken, heißt es immer wieder in den Mosaischen Büchern, denn ihr seid selbst Fremde gewesen in Ägypterland. Die für die Völker der alten Welt unübliche Wertschätzung des „Anderen“ – gemeint im Sinne von „Anderssein“ – begann bei den Frauen. Die zunächst in 1 Moses 3,16 ausgesprochene, von den frühen Völkern als „gottgewollt“ angesehene Superiorität des Mannes gegenüber der Frau wird schon wenig später im selben Buch für die hebräischen Patriarchen korrigiert. In der Abraham-Sarah-Geschichte wird dem Stammvater von seinem Gott geboten, fortan auf seine Frau zu hören: „In allem, was dir Sarah sagt, höre auf ihre Stimme“ (1 Moses 21,12). Die Aufforderung erfolgt in derselben sprachlichen Formel – im Hebräischen sh’ma b kolah – mit der sonst geboten wird, auf das Wort Gottes oder seiner Sendboten zu hören.

Die Unterwerfung der Frau konnte nicht mehr
für „gottgewollt“ erklärt werden

Von da an ist in der biblischen Sphäre die Unterwerfung der Frau unter den Willen des Mannes aufgehoben, zumindest in Frage gestellt. Wo sie dennoch gesellschaftliche Gepflogenheit blieb, konnte sie jedenfalls nicht mehr für „gottgewollt“ erklärt werden. Die Behauptung der Gottgewolltheit eines solchen Vorrechts wird in der Bibel nirgendwo mehr erhoben. Zwei Stellen im Neuen Testament, in Briefen des Paulus, die einen Aufruf zur Unterordnung der Frau enthalten, berufen sich gleichfalls nicht auf Gottes Wort, sondern geben ausdrücklich die Ansicht des Apostels wieder.

Auch über den Fremden oder Andersgläubigen besteht nach biblischem Verständnis kein gottgewolltes Vorrecht des „Gläubigen“ – so wie kein gottgewolltes Vorrecht des Mannes gegenüber der Frau besteht. Beide Relationen werden oft im biblischen Text verknüpft, das Verhältnis zu den Fremden und das zu den Schwächeren im eigenen Volk, zu den Frauen und Kindern, den ökonomisch Abhängigen und Unfreien, meist in der Metapher ihrer ohnmächtigsten, schutzbedürftigsten Gruppe, der „Witwen und Waisen“.

Im Besonderen wird in der Bibel das Verhältnis zu denen geregelt, die anderen Glaubens sind. Schon zu antiken Zeiten lebten sie zahlreich unter den Juden, als „dein Fremder, der in deinen Toren wohnt“ und wurden (und werden bis heute) in jüdische Segenssprüche eingeschlossen, sogar in den Shabat-Segen. Die biblische Toleranz gegenüber allen Andersgläubigen wird im Buch des Propheten Micha 4,5 verbindlich formuliert: „Mag jedes Volk im Namen seines Gottes wandeln, während wir im Namen unseres Gottes wandeln werden für immer“. Der Bund des biblischen Volkes mit Gott gilt nur für die, die durch Geburt darin einbezogen sind oder sich freiwillig anschließen, die übrige Menschheit mag andere Zugänge zu Gott oder Göttern finden, sie gilt als gerechtfertigt durch die noachidischen Gesetze oder die Disziplin ihrer jeweiligen Religionen.

Unter Berufung auf andere Stellen der hebräischen Bibel ermutigt das Neue Testament zu einer friedlichen Mission unter Andersgläubigen. Diese entwickelte sich aus ihren noch ganz auf inner-jüdische Mission bezogen Anfängen zu jenem „Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker“ (Matthäus 28,19). Alle der Mission geltenden Textstellen im Neuen Testament meinen ohne Zweifel die Bekehrung von Individuen, nicht ihre massenhafte Unterwerfung oder das Erobern von Gebieten. Der Text der Evangelien äußert keine Drohungen oder Strafen gegenüber denen, die sich der Bekehrung entziehen. Missbräuche seitens der Kirchen ändern nichts an der ursprünglichen christlichen Idee einer spirituellen Überzeugungsarbeit ohne gewaltsamen Nachdruck.

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Time am 17. September 2016

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http://www.achgut.com/artikel/naehe_und_unvereinbarkeit_von_bibel_und_koran_3
http://www.achgut.com/artikel/naehe_und_unvereinbarkeit_von_bibel_und_koran_4

Chaim Noll: Bibel vs. Kloran (#1)

16. September 2016

kloran01

Lesen Sie die beiden ersten von sieben ausführlichen Reflexionen des deutsch-israelischen Schriftstellers Chaim Noll zum Thema Bibel/Kloran, die ich von der „Achse des Guten“ habe.

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Nähe und Unvereinbarkeit von Bibel und Koran

Als Europäer stehen wir im Bann von Lessings berühmter Ring-Parabel, welche die drei monotheistischen Konzepte Judentum, Christentum und Islam drei einander zum Verwechseln ähnlichen Ringen vergleicht und in dieser Metapher die tiefen Gegensätze und Widersprüche zwischen ihnen zu relativieren sucht. Da sie alle drei einander zum Verwechseln ähnlich sind, so die Logik der Ring-Parabel, könne es sich bei den in ihrem Namen ausgefochtenen Konflikten und Kriegen nur um Missverständnisse handeln, die durch geistigen Austausch, Aufklärung und Toleranz zu überwinden sind.

Die Ring-Parabel nimmt ihre Legitimation aus dem gemeinsamen Ursprung der drei monotheistischen Religionen aus einer nahöstlich-nomadischen Welt, symbolisiert in der Gestalt des biblischen Patriarchen Abraham, eines Flüchtlings aus dem babylonischen Ur, wandernden Herdenfürsten und Propheten, auf den sich alle drei Religionen als Urvater berufen. Aus diesem Grund und wegen ihrer weltweiten Wirkung ist es üblich geworden, Judentum, Christentum und Islam summarisch als die „drei abrahamitischen Religionen“ zu bezeichnen.

Diese Sicht hat sich das moderne, weitgehend säkulare Europa des 19.und 20. Jahrhunderts zu eigen gemacht. Die Kategorie „abrahamitische Religionen“ bedeutet eine Pluralisierung, damit auch relative Entwertung. Wie sich in Lessings Ringparabel nicht ermitteln lässt, welcher der drei Ringe der echte, ursprüngliche ist, soll folglich auch keine der drei Religionen die wahre, ursprüngliche sein. Und da keine der drei Religionen die wahre, ursprüngliche ist, meinte man sie fortan in einem Plural zusammenfassen zu können, der ihre tiefgreifenden Unterschiede verwischt.

Bei genauerem Hinsehen erweist sich Lessings Parabel von den drei gleichen Ringen als verfehltes Bild. Die Metapher von den drei Ringen, die einander zum Verwechseln ähneln, so dass sich angeblich nicht mehr feststellen ließe, welcher der ursprüngliche war und welcher der nachgeahmte, ist schon deshalb falsch, weil bei den drei in Frage stehenden Religionen ganz zweifelsfrei eine Reihenfolge ihrer Entstehung und damit der Originalität ihrer Ideen feststellbar ist.

Das Judentum ist der erste in der historischen Reihenfolge

Schon von daher sind die „drei abrahamitischen Religionen“ von Grund auf verschieden: das Judentum ist in der Reihenfolge die erste, das Christentum die zweite, unmittelbar aus dem Judentum hervorgegangene – Jesus war Jude – , während der Islam eine wesentlich spätere, außerhalb oder am Rand der jüdisch-christlichen Sphäre entstandene Bewegung ist, deren Textwerk, eine Sammlung von Gesängen, genannt Koran, sich der beiden vorhergegangenen bedient und zugleich ihre Vertreter bekämpft.

Die über Jahrtausende auseinander liegende Entstehungszeit der drei Religionen ist ein weiterer Grund, die Konklusionen der Ring-Parabel zu bezweifeln. Noch in der Renaissance-Version dieser uralten, seit der Spätantike bekannten Erzählung, in der Novellensammlung „Decamerone“ des Italieners Boccaccio, war die Ring-Parabel nichts als ein listiges „Geschichtchen“ (im italienischen Original „una novelletta“), mit dem sich ein reicher alexandrinischer Jude einer Fangfrage des Sultans Saladin zu entziehen suchte. Erst durch Lessings Adaption wurde sie zu einem fundamentalen Axiom modernen europäischen Denkens.

Bibel und Koran sollen in dieser Serie in gebotener Kürze und Konzentration unter folgenden Aspekten gegenüber gestellt werden: Genealogie, Textstruktur, Menschenbild, das Verhältnis zu Krieg und Frieden, der im Text dargestellte anthropologische Prozess.

Der Koran ist zu weiten Teilen Bibel-Exegese

Zur Genealogie: Der Koran ist mehr als ein Jahrtausend nach der hebräischen und fünf bis sechs Jahrhunderte nach der christlichen Bibel entstanden, in einer Umgebung, die bereits weitgehend von biblischem Denken geprägt war. Der Überlieferung nach lebte und wirkte Mohamed am Rande des oströmischen Reiches, das rund drei Jahrhunderte zuvor das Christentum als Staatsreligion angenommen hatte, in geographischer Nähe zu den Zentren der byzantinischen und syrischen Kirche einerseits und den großen talmudischen Schulen des babylonischen Judentums, Sura und Pumbedita, andererseits. Der Inhalt der Bibel war ihm bekannt, er war mit Christen und Juden in alltäglichem Kontakt und sprach als Kaufmann aramäisch, die lingua franca der antiken nahöstlichen Welt, zugleich die Sprache, in der sowohl die Werke der syrischen Kirche als auch der babylonische Talmud geschrieben wurden.

Vielleicht behauptet deshalb der Hadit, die Sammlung der Berichte über Worte und Taten Mohameds, dass der Prophet Analphabet gewesen sei: um den bereits im Umfeld Mohameds erhobenen Vorwurf, es handle sich beim Koran um ein Plagiat, von vornherein zu entkräften. Dieses Wort ist dennoch immer wieder gefallen, gerade in den Untersuchungen von Kennern der hebräischen, griechischen, aramäischen und arabischen Originaltexte, auch in neuerer Zeit, etwa in Franz Rosenzweigs Buch „Der Stern der Erlösung“.

Der Koran ist zu weiten Teilen Bibel-Exegese. Er beschäftigt sich ganze Suren hindurch mit biblischen Figuren und erzählt ihre aus der Bibel bekannten Geschichten nach, wobei talmudische Midrashim oder christliche Legenden einfließen. Nacherzählt, paraphrasiert oder leitmotivisch erwähnt werden Lebensweg, Taten und Bedeutung von Adam, Noah, Abraham, Isaak und Jakob, in einer ganzen Sure von Joseph, in einem summarischen Abschnitt von Moses und Aharon, dann nochmals von Abraham und Noah, David, Salomon, Hiob, Jona und Sachariah, in einer eigenen Sure wiederum von David, in einer anderen nochmals ausführlich von Moses, Lot, Elias und noch anderen Gestalten der hebräischen Bibel. Auch aus den christlichen Evangelien übernahm Mohamed auf diese Weise Erzählstoff und Personen, etwa Jesus, Johannes und Maria.

Nähme man vom Koran alles hinweg, was biblischer Stoff, jüdisch-talmudisches oder christlich-theologisches Denken ist, bliebe nur noch ein schmaler Text übrig. Fast alles, was der Koran an Fakten mitteilt, ist biblischer Stoff. Wie ist bei dieser Abhängigkeit von jüdisch-christlichem Gedankengut die antijüdische und antichristliche Polemik des Textes zu erklären, die ein stilistisches Leitmotiv der 114 Suren bildet?

Die Polemik des Koran ist zunächst auf christlich-jüdische und inner-christliche Feindseligkeiten des 5. und 6. Jahrhundert zurück zu führen. Der Aufstieg der Lehre Mohameds und des Islam wurde durch innere Zerrissenheit des Christentums und christlichen Judenhass begünstigt. Die Vehemenz der Kämpfe zwischen den verschiedenen Kirchenfraktionen und zwischen diesen und den Juden stand in offensichtlichem Widerspruch zu der in der Bibel geforderten Nächstenliebe.

Der neue Prophet gerierte sich als Verteidiger der Lehre gegen ihre ungehorsamen Schüler. Im selben Maß, in dem er einem bisher unwissenden, beduinischen Publikum die Essenz biblischer Gedanken als eigene Botschaft verkündete, vollzog er die Abgrenzung von Juden und Christen, denen er sie verdankte. In Sure 2, Vers 59 wird Juden und Christen zwar noch zugestanden, dass sie an der göttlichen Gnade teilhaben können, doch schon in Vers 107 der selben Sure wird beiden die Berechtigung abgesprochen, die Orte des Gebets zu Gott überhaupt noch aufzusuchen.

Sure 2, Vers 110 verwirft das christliche Konzept vom Gottessohn. Sure 5 setzt sich mit den Juden auseinander, die frühere Inhaber der Lehre und „Volk des Buches“ genannt werden, jedoch durch Ungehorsam Gott erzürnt hätten, und kommt in Vers 85 zu dem Ergebnis: „Du wirst mit Sicherheit entdecken, dass die größten Feinde der Gläubigen die Juden und die Götzenanbeter sind“. In Vers 56 derselben Sure werden die Christen in das verächtliche Verdikt einbezogen: „Oh Gläubige, nehmt euch nicht Juden und Christen zu Freunden, denn sie sind untereinander befreundet. Wer sie zu seinen Freunden macht, wird einer von ihnen“.

Ein Prozess der Selbstaufwertung auf der Grundlage
einer Schmähung von Juden und Christen

Diese Abgrenzung von den früheren Inhabern des Buches ist zugleich ein Akt der Besitzergreifung, wie Sure 5, Vers 62 zu erkennen gibt: „Oh Gläubige, nehmt euch niemals die zu Freunden, denen das Buch vor euch gegeben wurde“. Die Religion des Buches ist hier bereits in den Besitz der Anhänger Mohameds übergegangen, während ihre früheren Eigentümer von nun an „Ungläubige“ sind. Sure 48 (betitelt „Sieg“) erklärt Torah und Evangelien zu Büchern, in denen die Anhänger Mohameds dargestellt würden (Vers 29). Auch einzelne Gestalten wie Stammvater Abraham werden dieserart übereignet. Sure 3, Vers 60 behauptet, er sei „weder Jude noch Christ, sondern Muslim“ gewesen. Der Prozess der eigenen Selbstaufwertung auf der Grundlage einer Schmähung von Juden und Christen ist von nun an ein Leitmotiv des Koran.

Der Verurteilung der früheren Völker der Bibel folgte ihre im Koran geforderte Bestrafung. Noch zu Lebzeiten, im Jahre 627, ließ Mohamed alle Juden der Stadt Medina niedermetzeln, weil sie sich weigerten, ihn als den Propheten Gottes anzuerkennen und gegen die Übernahme der Stadt durch ihn Widerstand leisteten. Mohameds Version der monotheistischen Botschaft gab den nomadischen Beduinenstämmen der arabischen Wüste eine Selbstgefühl schaffende, einende Identität. Jahrhunderte lang hatten sie sich gegenseitig bekriegt und vernichtet, hatten sie raubend, plündernd, um Wasserstellen und Weideland kämpfend die arabische Halbinsel durchstreift, in einem Zustand, den die islamische Tradition jahiliya nennt, „das Zeitalter der Ignoranz“.

Schon wenige Jahre nach Mohameds Tod eroberten sie erste Gebiete des römischen Imperiums, 634 die Byzanz vorgelagerte Festung Bosra, dann die großen christlichen Städte des Ostens, Damaskus, Aleppo, Antiochia, nach der Schlacht am Yarmok ganz Syrien, wenig später, 637 oder 638, Jerusalem, sodann Alexandria und Ägypten, das östliche Mittelmeer und Nordafrika, wodurch schon wenig später die islamische Invasion gegen Europa selbst, die spanische Halbinsel, Süditalien und Frankreich, möglich wurde.

Der Koran ist ein Monolog

Zur Text-Struktur und -konsistenz: Der Koran ist ein Monolog. Er besteht aus 114 Suren oder Gesängen in Versform. Es gibt nur einen einzigen Sprecher, den Propheten Mohamed, der die göttliche Wahrheit zu besitzen erklärt und sie einem schweigenden Publikum mitteilt. Der Koran unterscheidet sich daher generell von der Bibel, die viele literarische Formen, zahlreiche Sprecher und immer andere Erzählweisen kennt.

Die biblischen Darstellungsweisen betonen, schon durch ihre textliche Strukur, den Dialog, die Interaktion zwischen verschiedenen Größen. Es ist sozusagen das dualistische Prinzip des Monotheismus. Immer wieder in der Bibel ist das Aufweisen und Überwinden von Widersprüchen – bis hin zum offenen Streitgespräch – die vorgeführte Methode der Erkenntnis- und Wahrheitssuche, in den Mosaischen Büchern, bei den Propheten, im Buch Hiob, im Kohelet, in der Sammlung der Sprüche oder in den zahlreichen Debatten des Neuen Testaments.

Mohameds Vortragsstil poetischer Verdichtung und Verkürzung, durch welchen Zusammenhang und Informationsgehalt des Textes Einbuße erlitten, löste Widerspruch von Seiten jüdischer und christlicher Schriftgelehrter aus, was zwischen ihm und diesen einen Bruch hervorrief und allmählich vertiefte. Im Wesentlichen übernahm Mohamed die gesetzlichen Forderungen seines Koran den Fünf Büchern Mose. Doch je mehr Material er der Bibel entnahm, um so größer wurden auch seine Abweichungen. Er adaptierte Elemente in seine Lehre, die mit jüdischen und christlichen Konzepten der Welt unvereinbar sind, etwa das Paradies als Ort des Sinnenrauschs und irdischer Vergnügungen, das generelle Verbot Wein zu trinken oder die sprachliche Suggestion seiner, Mohammeds, eigenen Gottnähe.

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Time am 16. September 2016

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http://www.achgut.com/artikel/naehe_und_unvereinbarkeit_von_bibel_und_koran_1
http://www.achgut.com/artikel/naehe_und_unvereinbarkeit_von_bibel_und_koran_2

Ja, aber…

15. September 2016

frauke

An Frau Petrys These ist sicher was dran (sie hat übrigens vier Kinder), aber seltsam ist m.E. vor allem Frau Merkels plötzlicher Sinneswandel vor etwa zwei Jahren von einer eher mohammedanismuskritischen Position (z.B „previlegierte Partnerschaft“ statt EU für die Torkei) zur heutigen Dimmie-Dienerin.

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Time am 15. September 2016

Sieg des Counterjihad: Bielefeld

15. September 2016

1000lichter

Lesen Sie einen Bericht aus der „Neuen Westfälischen“ von Ansgar Mönter (1).

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Shitstorm im Netz:
Seekrug-Wirt wirft Vollverschleierte aus seinem Lokal

Weil der Wirt des Ausflugslokals „Seekrug“ eine Nikab-Trägerin bittet zu gehen, wird er verbal angegriffen, aber auch verteidigt.

Zahlreiche Kenner des Seekrugs am Obersee wundern sich seit Tagen über negative Urteile des Ausflugslokals und Beschimpfungen des Wirts auf Plattformen im Internet, vor allem Facebook. Mit neu angelegten Profilen, teilweise mit ausländisch klingenden Namen, werden Personal und Essen verunglimpft. Ursache ist offensichtlich ein Streit mit einer voll verschleierten Frau. Die wurde am vergangenen Samstag des Lokals verwiesen.

Auf Facebook hat sich zugleich eine Gegenbewegung geformt. Weit mehr als 50 Beiträge anderer Nutzer verteidigen Wirt Christian Schulz, loben das Lokal und raten ihm sogar, gegen die „Schmutzkampagne“ juristisch vorzugehen.

Der Vorfall ereignete sich vor dem Lichterfest. Die Frau, nach Angaben des Wirtes eine Deutsche, trug einen so genannten Nikab. Der bietet nur einen schmalen Augenschlitz. Vom Gesicht ist ansonsten nichts zu sehen. Der Nikab wird – wie Burka und Tschador – in westlichen Ländern vor allem von Musliminen getragen, die einer fundamentalistischen, oft salafistischen Islam-Interpretation folgen.

Wirt Schulz und seine Frau baten die Frau, das Gesicht zu zeigen. Ihnen war unwohl mit einem solchen Gast kurz vor einem großen Fest im Seekrug. Es ängstigte sie sogar. „Daraufhin schimpfte sie gleich los“, berichten Christian und Rita Schulz. Da die Frau der Bitte der Gastronomen nicht nachkam, musste sie gehen. „Mein Haus, meine Regeln“, sagt Christian Schulz. Auch Gäste in Kleidung der Marke Thor Steinar, Insignien der Neonaziszene, habe er schon mal rausgeworfen. „Auf der Straße kann ich nichts machen, aber in meinem Lokal muss ich sie nicht dulden.“

Kurz nach dem Disput mit der Nikab-Trägerin brach laut Wirt der virtuelle „Shitstorm“ aus. Worte wie „rassistisch“, „ausländerfeindlich“ und „menschenverachtend“ werden in Beiträgen gegen den Seekrug verwendet. Das wiederum sorgt für Kopfschütteln und Gegenrede bei anderen Besuchern der Seekrug-Seite. „Der Wirt ist alles andere als ausländerfeindlich“, schreibt ein User, wissend, dass dort unter anderem Köche aus Nigeria, Ghana, Pakistan und Portugal angestellt sind. Auch das Personal und das Essen werden vor den teilweise rüde formulierten Schmähungen von den Seekrug-Unterstützern in Schutz genommen.

Einige haben zudem gleich bemerkt, dass es sich um eine organisierte Kampagne handeln müsse, da zahlreiche Facebook-Profile der Schimpfer frisch angelegt wurden und kaum einer realen Person zugeordnet werden können.

Wirt Schulz ist besorgt, will sich allerdings keine Angst einjagen lassen. Die Unterstützung seiner Gäste hilft ihm dabei. „Sie ist überwältigend“, sagt er.

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Time am 15. September 2016

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1) http://www.nw.de/lokal/bielefeld/mitte/mitte/20916259_Shitstorm-auf-Facebook-Seekrug-Wirt-wirft-Vollverschleierte-aus-seinem-Lokal.html

Keine Presse – sondern schweinisch

14. September 2016

ntv

Die deutschen MSM sehen ihre Aufgabe in der Mehrheit nicht in der Lieferung von Fakten und objektiver Information, sondern sie sehen sich als Kumpane der herrschenden Eliten mit dem Willen zur Politikgestaltung.

Dabei stehen sie überwiegend links, was in Bezug auf die USA eine Propagandamission pro Kerry, pro B. Hussein O., pro Schrillary bedeutet.

In Bezug auf den Counterjihadi Mr. Trump, der die Wahl gewinnen wird, was die deutschen MSM in der Art eines mitternächtlichen Hühnerknochen-über-die-Schulter-werfen-Zaubers wegzuschreiben suchen, ist ihnen jedes noch so plumpe Mittel recht. So bemüht „N-TV“ eine „britische Beratungsfirma“, die – Üüüberrraschung!!! – zu dem Schluss kommt, dass die US-Wirtschaft zusammenbrechen wird, wenn die Republikaner die Wahl gewinnen sollten.

Dümmer geht’s nümmer!

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Time am 14. September 2016

Bravo, Bibi! (#4)

14. September 2016

bibi

Benjamin Netanjahu hat eine US-Militärhilfe von 38 Milliarden Dollar für Israel erzielt (1).

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Amerika hilft Israels Armee mit mehr als 30 Milliarden Dollar

Israels Regierungschef Netanjahu hat sich bei den Vereinigten Staaten mit seiner Forderung nach mehr Militärhilfe durchgesetzt. In den kommenden Jahren stellen die Amerikaner einen Rekordbetrag zur Verfügung.

Die Vereinigten Staaten haben Israel Militärhilfe in Rekordhöhe zugesagt. Wie das Außenministerium am Dienstag in Washington mitteilte, wurde eine Rahmenvereinbarung für den Zeitraum 2019 bis 2028 geschlossen. Das exakte Finanzvolumen des Milliardendeals wurde offiziell nicht genannt, allerdings sprach das Ministerium von der „umfassendsten Zusage für bilaterale Militärhilfe in der Geschichte der Vereinigten Staaten“. Aus israelischen Delegationskreisen hieß es, das Abkommen belaufe sich auf 38 Milliarden Dollar, umgerechnet knapp 34 Milliarden Euro.

Das neue Militärabkommen soll bereits am Mittwoch unterzeichnet werden. Der derzeit gültige Zehn-Jahres-Vertrag zwischen beiden Staaten läuft bis zum Jahr 2018. Er hatte einen Umfang von 30 Milliarden Dollar. Die Zahlungen Washingtons kommen über den Kauf von amerikanischen Militärgütern durch Israel zu großen Teilen der amerikanischen Rüstungsindustrie zugute.

Israel begründet Forderung mit Gefahr durch Iran

Die Regierung des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu hatte für das neue Abkommen eine deutliche Aufstockung gefordert – und setzte sich damit durch. Netanjahu begründete seine Forderung unter anderem mit der internationalen Einigung über das iranische Atomprogramm. Diese werde dazu führen, dass Iran als „Erzfeind“ Israels finanziellen Spielraum für seine Aufrüstung erhalte.

Israel ist der wichtigste Verbündete der Amerikaner im Nahen Osten. Die Beziehungen zwischen beiden Regierungen waren aber in den vergangenen Jahren gespannt, unter Präsident Barack Obama kritisierte die Regierung in Washington immer wieder die israelische Siedlungspolitik in den Palästinensergebieten. Obama warf Netanjahu vor, Friedensgespräche massiv zu behindern.

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Time am 14. September 2016

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1) http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/naher-osten/naher-osten-amerika-hilft-israels-armee-mit-mehr-als-30-milliarden-dollar-14434575.html

Im Dienste des Nazislahm

13. September 2016

asselborn

Durch die vielen Geldkoffer aus mohammedanistischen Ländern ist die europaweite Durchsetzung der Scharia zum alleinigen Projekt eines Großteils der europäischen Eliten geworden. Lesen Sie einen Beitrag von Christoph B. Schiltz von der „Welt“ (1).

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Asselborn fordert Ausschluss Ungarns aus der EU

Der Ausschluss sei „die einzige Möglichkeit, um den Zusammenhalt und die Werte der Europäischen Union zu bewahren“. Hintergrund der Forderung ist der Umgang Ungarns mit Flüchtlingen.

Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn hat den Ausschluss Ungarns aus der Europäischen Union gefordert. „Wir können nicht akzeptieren, dass die Grundwerte der Europäischen Union massiv verletzt werden. Wer wie Ungarn Zäune gegen Kriegsflüchtlinge baut oder wer die Pressefreiheit und die Unabhängigkeit der Justiz verletzt, der sollte vorübergehend oder notfalls für immer aus der EU ausgeschlossen werden“, sagte Asselborn der „Welt“ wenige Tage vor dem mit Spannung erwarteten EU-Sondergipfel zur Zukunft der Union in Bratislava.

Die EU könne ein „solches Fehlverhalten“ wie im Fall Ungarns nicht tolerieren. Der Ausschluss sei „die einzige Möglichkeit, um den Zusammenhalt und die Werte der Europäischen Union zu bewahren“. Asselborn forderte zugleich, die bei einer Suspendierung der Mitgliedschaft nötige Einstimmigkeit im EU-Vertrag zu ändern: „Es wäre hilfreich, wenn die Regeln so geändert würden, dass die Suspendierung der Mitgliedschaft eines EU-Landes künftig keine Einstimmigkeit mehr erfordert.“

„Schlimmer behandelt als wilde Tiere“

Konkret wirft der dienstälteste EU-Außenminister der Regierung von Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán schwere Fehler im Umgang mit Flüchtlingen vor: „Hier werden Menschen, die vor dem Krieg fliehen, fast schlimmer behandelt als wilde Tiere.“

Zugleich kritisierte Asselborn den Zaun an der ungarischen Grenze zur Abwehr von Flüchtlingen scharf: „Der Zaun, den Ungarn baut, um Flüchtlinge abzuhalten, wird immer länger, höher und gefährlicher. Ungarn ist nicht mehr weit weg vom Schießbefehl gegen Flüchtlinge. Jeder, der den Zaun überwinden will, muss mit dem Schlimmsten rechnen.“

Ungarn, so der Minister aus Luxemburg weiter, „hätte heute keine Chance mehr, EU-Mitglied zu werden“. Mit Blick auf die Person des ungarischen Ministerpräsidenten erklärte Asselborn: „Typen wie Orbán haben uns eingebrockt, dass die EU in der Welt dasteht wie eine Union, die sich anmaßt, nach außen Werte zu verteidigen, aber nach innen nicht mehr fähig ist, diese Werte auch aufrechtzuerhalten.“

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Time am 13. September 2016

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1) https://www.welt.de/politik/ausland/article158094135/Asselborn-fordert-Ausschluss-Ungarns-aus-der-EU.html

Seit jeher ein und derselbe

11. September 2016

ntv

Heute, am 11. September 2016, gedenkt man der Opfer des grauenhaften mohammedanistischen Massenmordes von New York, der 15 Jahre zurückliegt.

Das Attentat wird von den MSM als Fanal gehandelt. Tatsächlich ist es nur einer von unzähligen Massenmorden (1), die der Mohammedanismus seit seiner Gründung begangen hat, und die nach neueren Schätzungen an die 670 Millionen Opfer forderten (2).

Lesen Sie einen Aufsatz von Boris Kálnoky von der „Welt“ (3).

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„Wie damals drängen die Muslime nach Europa“

450 Jahre nach dem Tod Süleymans I. sehen Historiker, wie Neo-Osmanismus Europa ins Visier nimmt. Speziell in Ungarn rufe die Flüchtlingskrise Erinnerungen an die Türkenkriege ins Bewusstsein.

Als der osmanische Sultan Süleyman I. am 6. September 1566 in seinem Feldlager in Südungarn an der Ruhr starb, hatte die Besatzung der von ihm belagerten Festung Szigetvár noch zwei Tage zu leben. Ohne Nachschub und Hoffnung auf Entsatz unternahm ihr Kommandant, der ungarische Graf Nikola Šubić Zrinski, mit den wenigen Hundert Überlebenden seiner Truppe einen Ausfall. Am Ende schmückte sein Kopf die Spitze einer türkischen Lanze.

Es war der letzte Sieg des Sultans, der schon den Zeitgenossen als „der Prächtige“ erschienen war. In seiner langen Regierungszeit von 46 Jahren hatte er das Osmanische Reich in den Rang einer Weltmacht geführt, die von Ungarn bis in den Sudan, vom Maghreb bis nach Mesopotamien reichte. Grund genug für zahlreiche Historiker, zu Süleymans 450. Todestag zu einer Konferenz in Szigetvár zusammenzukommen und seine Herrschaft, ihre Erfolge, aber auch ihre Hypotheken einer umfassenden Revision zu unterziehen.

Die Wissenschaftler begutachteten dabei auch die lange Spur, die Süleyman hinterlassen hat. So hatten seine 13 großen Kriegszüge, die allein zehn Jahre seiner Regierung ausmachten, den Staatshaushalt nicht nur in eine gefährliche Schieflage gebracht. Ihre Erfolge hinterließen seinen Nachfolgern auch ein gefährliches Erbe. Die riesige Armee, vor allem die stehende Elitetruppe der Janitscharen, verschlang Unsummen, die kaum mehr durch neue Kriege und Beutezüge aufgebracht werden konnten. Das machte diese Kriegersklaven zum Staat im Staate und damit zu einer gefährlichen Prätorianergarde, zumal wenn die Sultane sich lieber im Harem vergnügten, als die Regierungsgeschäfte selbst in die Hand zu nehmen.

wien

1683: Die Wiener Stadtmauern hielten den
Kanonenschüssen der Torks stand.

Dennoch begann nicht schon damals der Niedergang des Reiches. Die Modernisierungsleistungen des Barocks setzten Europas Staaten noch keineswegs in den Stand, erfolgreich gegen die Osmanen Krieg zu führen. Noch 1683 hätte eine türkische Armee beinahe Wien eingenommen. Erst 150 Jahre nach Süleymans Tod gingen Ungarn und Teile Serbiens verloren. Weitere 100 Jahre später gelang mit Serbien dem ersten unterworfenen Land in Europa ein erfolgreicher Aufstand. Und weitere 100 Jahre sollten ins Land gehen, bis das osmanische Imperium im Ersten Weltkrieg unterging – zusammen mit seinen traditionellen Gegnern Russland und Österreich.

Die zweite Belagerung Wiens im Jahr 1683

Auf ihrer Tagung, organisiert vom geisteswissenschaftlichen Forschungszentrum der ungarischen Akademie der Wissenschaften und der Universität Pécs, widmeten sich die Historiker auch den historischen Bezügen zur aktuellen politischen Lage. „Es ist in gewisser Weise wie im 16. Jahrhundert“, sagt der Osmanologe Pál Fodor. „Wie damals drängen die Muslime nach Europa, wollten damals und wollen heute mehr Macht und Einfluss – und die Europäer sind heute, wie damals, in ihrer Reaktion darauf zerstritten und ratlos.“

Speziell in Ungarn rufe die Flüchtlingskrise die kollektive Erinnerung an die Türkenkriege ins Bewusstsein, sagt Fodor, als Leiter des Akademie-Instituts einer der Gastgeber. „Die ungarische Identität stützt sich unter anderem auf die Überzeugung, dass wir in jener Zeit die Verteidiger Europas waren und dass Europa uns in dieser Lage immer im Stich gelassen hat. Das ist eine Art verletztes, beleidigtes Erinnern. Und in der heutigen Flüchtlingskrise sehen die Ungarn etwas ganz Ähnliches. Dass sie erneut Europa gegen eine ,Invasion‘ aus der Richtung der Türkei verteidigen und dass ein undankbares Europa ihnen erneut den Rücken zukehrt.“

Die Verbindungen zur Gegenwart liegen für Fodor auf der Hand: „Ohne die Osmanen kein Habsburgerreich, zumindest nicht in der Gestalt, die es wegen der Türkenkriege annahm. Und ohne die Flüchtlingskrise gäbe es wohl nicht das heute sehr ausgeprägte Bündnis der Visegrád-Staaten Ungarn, Polen, Slowakei, Tschechien.“ Noch klarer komme die Ähnlichkeit zum Ausdruck in einer Forderung der österreichischen FPÖ nach einem engen Bündnis zwischen Österreich, Slowenien, Kroatien und den Visegrád-Ländern.

Zwar vermag auch Cemal Kafadar von der amerikanischen Harvard-Universität historische „Parallelen zu sehen“, verweist zugleich aber auch auf beträchtliche Unterschiede: „Habsburger und Osmanen dachten universell, es ging im Grunde um Weltherrschaft.“ Davon könne heute keine Rede sein. Zudem sei es gefährlich, Emotionen mit Verweisen auf die Vergangenheit zu schüren, etwa durch Warnungen vor einer neuen Türkengefahr oder – wie in der Türkei – durch die Glorifizierung längst vergangener Eroberungen.

Tatsächlich gebe es „eine Rehabsburgisierung und Reosmanisierung politischer Konzepte in Europa und in der Türkei“, sagt Kafadar. Der Professor für Türkische Studien hat die Namen von mehr als 1000 Fußballklubs in der Türkei analysiert und fand, „dass in den letzten zehn Jahren mehr als 50 ihren Namen geändert haben. Die neuen Namen nehmen alle Bezug auf osmanische Motive.“

Es gebe einen neoosmanischen Diskurs in der Türkei, durchaus auch mit dem Anspruch auf „Einflussgebiete, Gebiete nationalen Interesses für die Türkei überall dort, wo einst die Osmanen herrschten“, warnt Kafadar. Dabei gehe es allerdings mehr über aktuelle Politik als um Geschichte: „Das sind nur Lippenbekenntnisse zur osmanischen Tradition. Im Namen der Wiedererweckung osmanischer Glorie wird oft Kitsch gebaut, Projekte, die das kulturelle Erbe der Osmanen mehr zerstören als restaurieren. Der Umgang mit dieser Vergangenheit ist teilweise manipulativ und verzerrend im Interesse politischer Zielsetzungen.“

„Es ist nicht sicher, ob das Bestand hat“

Das zeigt sich für Pál Fodor auch in den Debatten über Geografie in der Türkei seit dem Ende der 90er-Jahre und Forderungen, man müsse sich stärker mit „dem osmanischen Raum“ beschäftigen. Cemal Kafadar mahnt jedoch: „Diese modernen neoosmanischen oder neohabsburgischen Reflexe sind vielleicht nur ein Strohfeuer. Die Herausbildung der jeweiligen Identitäten in der Osmanen-Zeit dauerte über Jahrhunderte an, jetzt haben wir es mit Entwicklungen weniger Jahre zu tun. Es ist nicht sicher, ob das Bestand hat.“

Wie aber äußert sich der „Neo-Osmanismus“ in Europa? In einer „kulturellen Offensive“, meint Fodor. Überall in Südosteuropa restauriere die Türkei mit viel Geld Kulturdenkmäler aus der Osmanenzeit. „Eine selbstbewusstere Türkei will heute eine ähnlich starke Rolle spielen in Europa wie damals die Osmanen.“ Und er verweist auf die Leistung Süleymans und seiner Nachfolger: „Die Osmanen waren damals sehr erfahren darin, wie man auf dem Pulverfass Balkan Frieden und Stabilität sichern kann.“

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Time am 11. September 2016

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1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/04/23/unvollstandige-chronologie/
2) https://themuslimissue.wordpress.com/2013/06/19/muslims-have-killed-over-590-million-non-muslims-since-the-birth-of-mohammed/
3) http://www.welt.de/geschichte/article158028248/Wie-damals-draengen-die-Muslime-nach-Europa.html