Der Kumpel vom Pfau

6. Februar 2016

Schiffauer

Werner Schiffauer ist ein Kumpel von Süperdimmi Klaus J. „Pfau“ Bade (1), und er scheint ein fast ebenso guter Hetzer und Verschleierer wie jener zu sein.

Bei „FAZ.NET“ rechnet Regina Mönch mit seinem jüngsten Elaborat ab, das er offenbar im Dienste der orkischen Unterwandererverbände erstellt hat (2).

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Schule und Integration

Die Grenzen der Zumutung

Moscheevereine als Retter bei Problemen in der Schule? Werner Schiffauer leistet sich eine ethnologische Intervention zu einem religionspolitischen Konflikt, von dem er nichts versteht.

Es sollte ein Versuch sein, einander skeptisch bis misstrauisch gegenüberstehende Gruppen zusammenzubringen: Werner Schiffauers Projekt „Brücken im Kiez“. Das Wunschziel des Kulturanthropologen, die Moscheegemeinden in den Schulen so weit zu installieren, dass sie konservative muslimische Eltern in die Lage versetzen, mit den Lehrern und Schulleitern „auf Augenhöhe“ – ein Bild, das häufig auftaucht – zu kommunizieren, wurde nicht erreicht.

Zum Glück, möchte man sagen, schaut man sich die Auswahl der angesprochenen Islamverbände und Gemeinden an. Störend wirkt von Anfang an, dass muslimische Eltern als Opfer dargestellt sind, die sich „verletzenden Zuschreibungen“ ausgesetzt sahen, sich nicht respektiert und oft diskriminiert fühlten – wobei diese Gefühlszustände kaum näher ausgeführt werden. Den Pädagogen wiederum wird eine Überlegenheit als Vertreter des säkularen Staates zugeschrieben, obwohl sie ja gerade diese Autorität in problematischen Schulen zum Teil verloren haben.

Das Leberwurstbrötchen war nicht halal

Liest man die Berichte mühsamer Diskussionen, die ab und an über ein paar Jahre doch zustande kamen und von denen dieses Buch vor allem handelt, so drängt sich der Eindruck auf, einige Lehrer und Schulleiter hätten sich auf dieses von Schiffauer entwickelte Experiment – ein „Projekt der ethnologischen Aktionsforschung“ – gerade darum überhaupt eingelassen. Das Schulversagen muslimischer Schüler oder die Schwierigkeiten, gemeinsamen Schwimmunterricht oder Klassenfahrten durchzusetzen, ist eine Belastung, die dazu führt, dass Pädagogen angesichts der Vergeblichkeit ihrer Bemühungen resignieren.

Schiffauer nimmt dies zwar zur Kenntnis, doch gehört sein Herz den seiner Ansicht nach Schwächeren, den Eltern, die oft in prekären Verhältnissen leben, gering gebildet sind und das komplizierte System Schule kaum zu verstehen imstande sind. Denen vor allem wollte er Brücken bauen. Doch verhaken sich die Diskussionen dann doch immer wieder im Leberwurstbrötchen, das nicht halal war, in „Blicken“, die man zu spüren meinte, in Verdachtsmomenten, die Kinder konservativer Muslime würden wegen ihres Glaubens benachteiligt – ohne je einen tragfähigen Befund anführen zu können. Den Schulleiterwunsch, endlich einmal über Rassismus gegen deutsche Kinder zu reden, über Beleidigungen von Lehrerinnen und Erzieherinnen, über aggressives Verhalten von Eltern, konnte man nicht erfüllen.

Fragwürdige Moscheevereine in der Bildungsarbeit

Zudem verblüfft dann doch, dieses Projekt unter anderem mit der salafistischen Al-Nur-Moschee in Berlin-Neukölln zu versuchen, deren radikal-religiöse, vor allem religionspolitische Ziele mehr als bedenklich sind. Wie immer beschreibt Werner Schiffauer nur die Oberfläche der Gemeinde, völlig wertfrei und voller Empathie. In der Al-Nur-Moschee genössen vor allem „größere Veranstaltungen von bekannten Predigern oder prominenten Gelehrten (meistens sonntags), die aus anderen Städten oder aus den Herkunftsländern der Gläubigen kommen“, besondere Aufmerksamkeit, schreibt er. In der Tat, die Liste skandalöser Auftritte radikal-islamistischer Prediger dort ist lang und interessiert nicht nur, wie Schiffauer glaubt, den Verfassungsschutz, sondern vor allem die darum sehr beunruhigten Schulen im Umfeld. Dass fragwürdige Moscheevereine wie diese in die Bildungsarbeit eingestiegen sind, ist aus deren Perspektive schlau, rekrutieren sie doch auf diese Weise ihren Nachwuchs.

al nur moschee

Nazislahmische Kaderschmiede:
Al-Nur-Moschee in Berlin

Eine Referentin für ein Elternseminar von Schiffauers „Brücke“-Projekt in der Al-Nur-Moschee sagte dann doch ab. Sie hatte sich, wie Schiffauer tadelnd schreibt, bei Neuköllner Migrationsarbeitsgruppen erkundigt, die ihr dringend und begründet abrieten. Nur der Kulturanthropologe ist überzeugt, dass eine Gemeinde wie diese, der man von Seiten des Staates zu Recht und bestens belegt „parallelgesellschaftliche Tendenzen“ vorwirft, solche Seminare als Chance der Öffnung zur Gesellschaft nutzen will. Ihnen die Schulkinder auch noch zuzuführen wäre jedoch eine Katastrophe. Zwar gibt es längst viele Schulen, in denen türkische und arabische Migrantenkinder die deutliche Mehrheit stellen. Doch heißt das keinesfalls, dass deren Eltern sich gern und mehrheitlich in extremen Moscheegemeinden wie dieser organisieren.

Bittere Erfahrungen mit extremen Sittenwächtern

Die Aleviten Berlins wiederum zogen sich nach einigen Elternseminaren aus dem Projekt zurück. Schiffauer beschreibt gerade diese erfolgreiche, autarke und selbstbewusste Gemeinde als zu stark auf ihre furchtbaren Gewalterfahrungen in der Türkei fixiert. Aber das Problem sind eher die unbestraften Mörder, von denen einige mitten unter uns leben. Denn neun der frommen Attentäter des Pogroms von Sivas im Jahr 1978 erhielten in Deutschland politisches Asyl. Aleviten kennen die Täter und wissen auch, welchem Islamverband sie zuzurechnen sind. Trotzdem klagt Werner Schiffauer, der Allesversteher, es sei „lähmend“ gewesen, dass sie „im Kontakt zu den anderen Gemeinden sehr zurückhaltend sind“.

Er erwähnt auch nicht die anderen guten Gründe, die sie für ihre Zurückhaltung haben, nämlich ihr von den orthodoxen Verbänden mit Argwohn beobachtetes freiheitliches Verständnis von Zivilgesellschaft, Toleranz und Religion und ihre bitteren Erfahrungen in deutschen Schulen mit extremen muslimischen Sittenwächtern, deren bevorzugtes Mobbingziel etwa kopftuchlose alevitische Mädchen sind. Die Aleviten mit der islamischen Gemeinde Millî Göruş zusammenschweißen zu wollen, wie es das Projekt vorsah, ist absurd.

Die Aufsteiger und die Absteiger

Nicht verwunderlich ist dagegen, dass die Vertreter von Millî Göruş bei „Brücken im Kiez“ am besten abschneiden, hat doch Werner Schiffauer deren vermeintlicher Modernisierung ein ganzes Buch gewidmet. Auch wenn Millî Göruş nicht mehr vom Verfassungsschutz beobachtet wird, gehört sie weder für Lehrer noch für die Mehrheit der Muslime in Deutschland zu den Verbänden, denen sie Reformen und Integrationshilfen zutrauen, im Gegenteil. Da auch in diesem Buch keinerlei Aufklärung über die klandestine Organisationsstruktur und ökonomische Potenz dieser religionspolitischen Bewegung zu finden ist, muss sich der Leser auch hier mit den Früchten von Schiffauers „beobachtender Teilnahme“ begnügen: Man redet miteinander und glaubt einander alles, es sei denn, es handelt sich um einen Lehrer.

So scheiterte der Versuch, den Studentenverband der Millî Göruş in eine Kreuzberger Hauptschule zu implantieren, zuerst für Nachhilfe, dann aber auch für religiöse Botschaften zur rechten Lebensführung, vor allem aus zwei Gründen. Zum einen wäre die Nachhilfe kostenpflichtig gewesen – das Berliner Bonusprogramm für Kinder aus schwierigen Verhältnissen bietet das kostenlos und ohne jede Missionierung an, von ehrenamtlichen Patenschaften ganz zu schweigen. Schiffauers muslimische Eltern verweigern sich solchen Engagements, sie seien doch keine „Dienstleister“ für Mängel im Schulsystem. Außerdem habe es „zu wenig Überschneidung in der Klientel“ gegeben. Aus der Perspektive von Millî Görüş heißt das, die Aufsteiger konnten mit den Absteigern nichts anfangen.

Das Gerücht zur Tatsache gewandelt

Als zweiter Grund wird „das Selbstverständnis der säkularen, nationalen und staatlichen Schule“ angeführt. Die Lehrer hielten dieses Selbstverständnis für schwer mit Millî-Göruş-Zielen vereinbar, was Werner Schiffauer kaum verstehen will. Dafür versteht er, warum sich streng religiöse Eltern im Elterncafé der Schule fremd fühlen: Dort engagieren sich fast immer säkular gesinnte (auch muslimische) Eltern. Was eigentlich eine gute Nachricht ist.

Schiffauer möchte gegenseitiges Misstrauen abbauen. Doch worauf das gründet, ist in endlosen Projektbeschreibungen nur schwer zu finden. Bei ihm reagieren Lehrer mehrheitlich „gereizt“ oder „gekränkt“, etwa wenn die Mütter ihnen den Handschlag verweigern. Für Schiffauer nur „habituelles Unbehagen“. Oder wenn ein Gerücht die Runde macht, ein Lehrer habe auf der ohnehin hochumstrittenen Klassenfahrt Schnaps besorgt, was auf die „mündliche Mitteilung einer Verwandten eines der Betroffenen“ zurückging. Wenige Seiten weiter hatte sich dieses Gerücht zur Tatsache gewandelt und stützt die Forderung frommer muslimischer Eltern von Kindern mit Schulnöten nach einem generellen Rauch- und Alkoholverbot für Lehrer. So geht das weiter, und die armen „verunsicherten“ Eltern bleiben vermeintliche Opfer einer sie ablehnenden Mehrheitsgesellschaft – wobei die in den Schulen ihrer Kinder kaum noch vertreten ist. Warum das so ist, wie diese Segregation sich entwickelt hat, ist nicht Thema des Buches, das überhaupt daran krankt, dass die Situation in den Schulen und das kräftezehrende Dasein der Lehrer darin kaum eine Rolle spielen.

Einigen Pädagogen wurde es schließlich zu viel, sie zogen sich zurück, auch weil sie den Eindruck hatten, dass Eltern eher als Verbandsvertreter agierten und im Namen der Religion politische Ziele vertraten, insbesondere die von Millî Görüş. So gesehen, war das Projekt „Brücken im Kiez“ für die orthodoxen Islamverbände ein mäßiger Erfolg und für die Pädagogen ein heilsames Lehrstück über Grenzen der Zumutung. Und am Ende der zähen Lektüre dieses Buches ist man schon froh, dass das Neutralitätsgebot für Schulen noch irgendwie intakt ist und gegen den Einfluss paralleler bis islamistischer Lebensentwürfe wirkt.

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Time am 6. Februar 2016

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1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2016/02/03/was-macht-eigentlich-18/
2) http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/sachbuch/werner-schiffauers-schule-moschee-elternhaus-14052345.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

By the way…

5. Februar 2016

Juden und Orks_____

Time am 5. Februar 2016

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PS: F*ck nazislam

Rodney Stark: Bildungshass

5. Februar 2016

Belvoir

Kreuzritterfestung „Belvoir“

Im Kapitel „Abendländische ,Ignoranz’ versus morgenländische ,Kultur’“ seines Buches „Gottes Krieger“ (Haffmans & Tolkemitt, 2014) befasst sich der amerikanische Religionssoziologe Rodney Stark auch mit der historischen Grundeinstellung der Orks zu Philosophie, Wissenschaft und Bildung (S. 90-95).

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Rodney StarkIslam und Aristoteles

Der Vorstellung, dass die Muslime gebildeter waren als das christliche Abendland, liegt die Annahme zugrunde, dass eine Gesellschaft, die nicht in griechischer Philosophie und Literatur verwurzelt ist, im Dunkel der Geschichte lebe!

So haben europäische Schriftsteller in den letzten Jahrhunderten immer wieder betont, dass die Araber im Besitz der klassischen Schriften gewesen seien, wobei sie davon ausgingen, dass aufgrund des Zugangs zur fortgeschrittenen „Weisheit” der Alten der Islam die überlegene Kultur gewesen sei.

Die mittelalterlichen europäischen Gelehrten waren mit den „Klassikern” viel vertrauter, als häufig angenommen wird, dennoch bleibt die Tatsache bestehen, dass aufgrund des Weiterbestehens der byzantinisch-griechischen Kultur in den meisten von den Arabern eroberten Gesellschaften die gebildetsten Araber eine umfangreichere Kenntnis klassischer griechischer Autoren hatten, vor allem von Platon und Aristoteles.

Weniger bekannt ist der eher negative Einfluss, den der Zugang zur griechische Bildung auf die arabische Gelehrsamkeit hatte. Die Werke von Platon und Aristoteles erreichten die Araber wahrscheinlich im 9. Jahrhundert in Übersetzungen aus dem Syrischen, die im späten 7. Jahrhundert aus dem Griechischen ins Syrische übertragen wurden.

Anstatt jedoch in diesen Werken die Bemühungen griechischer Gelehrter zu sehen, Antworten auf spezifische Fragen zu geben, betrachteten die muslimischen Intellektuellen diese Texte wie den Koran als unverrückbare Wahrheiten, die unhinterfragt und widerspruchslos verstanden werden müssten, um immanente Unstimmigkeiten oder Widersprüche aufzuheben. Schließlich richtete sich ihr Hauptinteresse auf Aristoteles. „In Aristoteles”, schreibt der angesehene muslimische Historiker Caesar Farah, „fanden die muslimischen Denker den großen Führer, er wurde ihr ,erster Lehrer’. Nachdem dies allgemein anerkannt war, entwickelte sich die muslimische Philosophie der folgenden Jahrhunderte nur noch in dieser Richtung als eine Fortsetzung von Aristoteles, um diesen zu erweitern, anstatt etwas Neues zu schaffen.”

Das führte schließlich dazu, dass der Philosoph Averroes und seine Anhänger die Auffassung vertraten, die aristotelische Physik sei vollständig und unfehlbar, und wenn bestimmte Beobachtungen mit der Lehre des Aristoteles unvereinbar waren, dann konnte das nur auf Irrtümern oder Täuschungen beruhen.

Solche Einstellungen hinderten den Islam, im Erkenntnisfortschritt dort fortzufahren, wo das griechische Denken stehen geblieben war. Im Unterschied dazu ließen sich die frühen christlichen Scholastiker durch ihre Rezeption des Aristoteies zum Experimentieren und Forschen anregen. Denn damals wie heute erwarb man sich größeren Ruhm, wenn man das überkommene Wissen hinterfragte, bessere Lösungen fand und zu neuen Erkenntnissen gelangte, und so begannen die Scholastiker, Mängel bei den Griechen zu entdecken. Und es gab viele Fehler zu finden.

Bücher und Bibliotheken

Wie gesagt, alle Argumente für die angebliche Überlegenheit der muslimischen Kultur, stützen sich darauf, dass die muslirnischen Gelehrten Übersetzungen der klassischen griechischen Schriften besaßen. Bücher und Manuskripte müssen aber irgendwo aufbewahrt werden, und diese Orte mit großen Textsammlungen kann man als Bibliothek bezeichnen – ob es sich nun um die Sammlungen von einzelnen Personen oder um solche von Institutionen handelt, die ihre Aufgabe darin sahen, Texte zu erwerben, zu kopieren und aufzubewahren. Beide Arten von Sammlungen gab es in der islamischen Welt schon in ihrer Frühzeit.

Islamische Eroberungsarmeen stießen auf solche Bibliotheken überall im Nahen Osten und in Nordafrika. Einige stammten noch aus heidnischen Zeiten, andere hatten Christen und Juden eingerichtet. „Jedes Kloster und vermutlich jede Kirche” der Kopten in Ägypten „hatten einst eigene Manuskriptsammlungen.”

Im ganzen Byzantinischen Reich verfügte der orthodoxe Klerus über Bibliotheken. Auch die Nestorianer hatten in ihren großen Bildungseinrichtungen umfanzreiche Handschriftensammlungen. Daher verwundert die Geschichte von jenem nestorianischen Mönch keineswegs, der sich jede Woche eine Schrift aus der Klosterbibliothek holte und die freie Zeit nutzte, über den Text nachzudenken und ihn auswendig zu lernen.

So wurde den Muslimen von Anfang an vor Augen geführt, dass sie, wenn sie „das vielfältige Wissen, das ihnen als Erbe zugefallen war, nutzen wollten, Schriften haben mussten, vorzugsweise auf Arabisch, und dass diese Schriften sicher und für die Leser gut zugänglich aufbewahrt werden mussten”.

Die Vorstellung, dass die Muslime Bibliotheken zu schätzen wussten, steht jedoch im Widerspruch zu der kontrovers diskutierten Behauptung, dass sie die große Bibliothek von Alexandria verbrannt haben. Der Überlieferung nach ließ der muslimische Befehlshaber nach der Eroberung Alexandrias beim Kalifen Umar in Damaskus anfragen, was mit der riesigen Bibliothek – angeblich Hunderttausende von Schriftrollen – geschehen solle. Und der Kalif habe geantwortet: „Wenn das, was in den Schriften geschrieben steht, mit dem Buch Gottes [dem Koran] übereinstimmt, brauchen wir sie nicht, wenn es nicht übereinstimmt, haben wir kein Verlangen danach. Also verbrenne sie.” Daraufhin soll der General die Schriftrollen an die 4.000 Bäder der Stadt verteilt haben – als Brennmaterial. Sechs Monate habe es gedauert, bis alles verfeuert war.

Dieser überlieferte Bericht hat bei vielen Bewunderern des Islam für heftige Reaktionen gesorgt, auch wenn die Tatsache als solche von führenden westlichen Historikern (einschließlich Edward Gibbon) bestritten wurde und die meisten sich mit der landläufigen These zufrieden gaben, dass die Bibliothek bereits während der Eroberung Ägyptens durch Julius Cäsar unbeabsichtigt abgebrannt war. Gleichwohl hat die Islamwissenschaftlerin Asma Afsaruddin den Vorwurf erhoben, diese Geschichte belege nichts außer den Hass der Christen auf die Muslime, wobei sie allerdings die Tatsache ignoriert, dass der Bericht zum ersten Mal von einem Muslim, einem ägyptischen Geschichtsschreiber des 13. Jahrhunderts, überliefert wurde; und andere muslimische Gelehrte haben den Bericht dann tradiert, unter ihnen auch der berühmte Ibn Chaldun.

Der Vorwurf, der Kalif habe die Zerstörung der Bibliothek angeordnet, kam also von Muslimen, was natürlich kein Beweis dafür ist, dass er zu Recht erhoben wurde, wird doch von dem angeblichen Geschehen gut 600 Jahre später erstmals berichtet. Aber dass dieser überlieferte Bericht von so vielen muslimischen Intellektuellen geglaubt wurde, verweist auf etwas viel Interessanteres: dass nämlich vielen Muslimen, auch Staatslenkern, Bücher und Bildung verhasst waren! Diese antiintellektuelle Einstellung wird offensichtlich, wenn man sich einmal mit der politischen Geschichte des Islam beschäftigt und nicht nur mit Darstellungen der ruhmreichen muslimischen Wissenschaft.

So hat Mutawakkil, als er im Jahre 847 Kalif wurde, unverzüglich damit begonnen, „die unabhängige wissenschaftliche Forschung abzuwürgen und abweichende religiöse Meinungen gewaltsam zu unterdrücken”.

Seine Nachfolger verfuhren nicht anders. Und als das Kalifat zusammenbrach, war es nicht mehr möglich, eine einheitliche – sei es eine „aufgeklärte” oder „repressive” – Politik zu betreiben, denn das Reich war in eine Vielzahl von Emiraten zersplittert, die sich gegenseitig bekriegten. Nun verhielten sich manche muslimische Herrscher den Gelehrten, ihren Schriften und ihrer Bildung gegenüber toleranter als andere; die meisten freilich waren nicht übermäßig tolerant. Sogar Saladin, der berühmte, von abendländischen Schriftstellern so bewunderte Held des 12. Jahrhunderts, schloss die öffentliche Bibliothek der Fatimiden in Kairo und ließ die Bücher verscherbeln.

Alles das zeigt die Diskrepanz, die es zwischen der hohen, sogenannten muslimischen, faktisch aber von den Dhimmis getragenen Kultur und der tatsächlichen Kultur der muslimischen Eliten gab.

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Time am 5. Februar 2016

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Rodney Stark in der MoT:

https://madrasaoftime.wordpress.com/2016/02/04/rodney-stark-nichts-lief-schief/
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Rodney Stark: „Gottes Krieger“ (Haffmans & Tolkemitt, 2014, 384 S.)

Mal wieder die Schweinepresse

5. Februar 2016

Tagesspiegel

Ein paar mohammedanistische Avantgardisten planen einen Massenmord an Unschuldigen in Deutschland – aber sie werden vor der Ausführung erwischt.

Was ist nun das vordringlichste Problem der deutschen MSM?

Natörrrlich: Das sind diejenigen, die vor den Gefahren des Nazislahm warnen (1). Nicht die Orkterroristen sind die „Gegner“ der „Rationalen“, sondern das sind die Gegner der Terroristen, die sogenannten „lärmenden Radikalen“. „Souverän“ handelt unsere Regierung folgerichtig dann, wenn sie die Souveränität unserer Nation verspielt und die Grenzen für alle mohammedanistischen Invasoren öffnet? Hallo? Ha-l-l-l-oooooh!

Kein normaler Bürger hält sich für ein Schwein – wie soll er sich durch derartige Regierungspolitikverlautbarungsorgane als intelligenter Mensch ernst genommen fühlen?

Vielen mag daher unsere Presse als eine erscheinen, die man unseren Schweinen zustellen würde, wenn sie denn lesen könnten.

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Time am 5. Februar 2016

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1) http://www.tagesspiegel.de/politik/nach-dem-vereitelten-anschlag-mit-rationalitaet-gegen-die-laermenden-radikalen/12924282.html

Rodney Stark: Nichts lief schief

4. Februar 2016

krak des chevaliers

Die Kreuzfahrerburg „Krak des Chevaliers“

Im November 2007 hatte ich in Eisvogels Blog „Acht der Schwerter“, das seinerzeit viele engagierte Kommentatoren an sich binden konnte, die Arbeiten des Mathematikers und Wirtschaftswissenschaftlers Lawrence R. Iannaccone vorgestellt (1), der Religion vor allem in ökonomischer Hinsicht betrachtet.

Rodney StarkEiner seiner Vorläufer ist Rodney Stark. Wikipedia (2):

„Er ist ein Verfechter der Theorie der rationalen Entscheidung in der Religionssoziologie, die er die ,Theorie der religiösen Wirtschaft’ nennt … Heute wird die Theorie, die religiöses Engagement als Wechselverhältnis von Belohnungen und Ausgleichen erklärt, als eine Vorstufe für den expliziten Rückgriff auf ökonomische Prinzipien der Religion gesehen …“

Rodney Stark hat u.a. das Buch „Gottes Krieger“ (Haffmans & Tolkemitt, 2014, 384 S.) geschrieben (3), das die mittelalterlichen Kreuzzüge im Nahen Osten beleuchtet.

Ich möchte Ihnen in lockerer Folge einige Auszüge daraus vorlegen. Der erste (S. 81-90) enthält für kundige Counterjihadis keine Neuigkeiten, ist jedoch eine gute Einführung für „Neulinge“, die ja auch täglich zur MoT stoßen.

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ABENDLÄNDISCHE „IGNORANZ“
VERSUS MORGENLÄNDISCHE „KULTUR“

Seit langem ist die Auffassung verbreitet, dass zu einer Zeit,
da Europa im „finsteren Mittelalter” vor sich hin döste, Wissenschaft
und Bildung in der islamischen Welt in voller Blüte standen.
Wie Bernard Lewis, eine Kapazität auf diesem Gebiet, in seiner jüngsten
Studie schreibt, hatte der Islam „im Hinblick auf die Kü̈nste und
Wissenschaften das höchste kulturelle Niveau in der Geschichte der
Menschheit erreicht. (…) das mittelalterliche Europa [ging] bei
den Muslimen in die Lehre und war in gewisser Weise abhängig von
der islamischen Welt.”

Dann aber hätten die Europäer plötzlich und sprunghaft
Fortschritte gemacht: „Sie ließen das islamische Erbe – die Wissenschaften,
die Technologie und schließlich auch die Kultur – weit hinter sich.”
Daher die Frage, die Lewis im Titel seines
Buches stellt: What went wrong? („Was ist schief gelaufen?”)

Dieses Kapitel ist meiner Antwort auf Lewis Frage gewidmet:
Nichts ist schiefgelaufen.
Der Glaube, es habe einmal eine muslimische Kultur gegeben,
die der europäischen überlegen war, ist bestenfalls eine Illusion.

Dhimmi-Kultur

Die höhere Kultur, die arabische Eliten sich aneigneten, haben sie von den Völkern übernommen, die sie unterworfen hatten. Wie Bernard Lewis schreibt, ohne sich allerdings völlig im Klaren darüber zu sein, was das bedeutet, hatte „der Islam das Wissen und die Fertigkeiten des antiken Nahen Ostens, Griechenlands und Persiens übernommen … und außerdem … aus Indien”.

Die hohe Kultur der Muslime (meistens ist von „arabischer” Kultur die Rede) war die der unterworfenen Völker – die jüdisch-christlich-griechische Kultur von Byzanz, der erstaunlich hohe Bildungsstand in häretischen christlichen Gemeinschaften wie den Kopten und Nestorianern, das umfangreiche Wissen des zoroastrischen Persien und (wenn wir an die frühen und ausgedehnten Eroberungen der Muslime in Indien denken) die großen mathematischen Leistungen der Hindu.

Dieses Bildungserbe, vondem viel auf das alte Griechenland zurückging, wurde ins Arabische übersetzt und zum Teil in die arabische Kultur aufgenommen. Aber auch nachdem es übersetzt war, wurde es in erster Linie von den Dhimmis (geduldete, staatlich geschützte und steuerpflichtige Nichtmuslime, genauer: Angehörige der monotheistischen Religionen; A.d.Ü) erhalten, die unter arabischer Herrschaft standen. Das „älteste wissenschaftliche Buch in der Sprache des Islam” beispielsweise ist „eine medizinische Abhandlung eines syrischen christlichen Priesters aus Alexandria und wurde von einem persisch-jüdischen Arzt ins Arabische übersetzt”.

Nicht nur, dass die „arabische” Wissenschaft und Bildung größtenteils von den Dhimmis stammte; sie waren es auch, die die Texte ins Arabische übersetzten. Doch aus diesem Wissensbestand wurde damit noch keine arabische Kultur. Sondern, schreibt Marshall Hodgson, „wer auf naturwissenschaftlichem Gebiet arbeitete, hielt im Allgemeinen an seinen alten religiösen Anschauungen fest und blieb ein Dhimmi, auch wenn er Arabisch schrieb”. Als sich die Dhimmis allmählich assimilierten, ist denn auch vieles der gepriesenen hohen Kultur der Araber verloren gegangen.

Ein gutes Beispiel, das freilich nicht Wissenschaft und Kunst betrifft, sind die muslimischen Flotten. Die Probleme, die die Araber hatten, insofern die Byzantiner sie vom Meer aus angreifen konnten, brachten sie darauf, sich eigene Schiffe und Kriegsflotten zuzulegen. Diese konnten sich in manchen Gefechten mit byzantinischen oder westlichen Flotten durchaus messen, und das könnte als Beispiel für den hohen kulturellen Stand in der islamischen Welt gelten. Bei näherem Hinsehen aber zeigt sich, dass diese Flotten auch nicht wirklich „muslimisch” waren.

Als Wüstenbewohner verstanden die Araber nichts vom Schiffbau. Also wandten sie sich an die jüngst eroberten und noch intakten Werften in Ägypten und in den syrischen Hafenstädten Tyrus, Akko und Beirut und ließen dort eine große Flotte bauen. Sie verstanden auch nichts von Segeltechnik und Navigation, bemannten ihre ägyptische Flotte deshalb mit koptischen Seeleuten, ihre persischen Schiffe mit Söldnern, die ihre seemännischen Kenntnisse unter byzantinischer Flagge erworben hatten.

Als sie etwas später eine Seestreitmacht in Karthago brauchten, schickte der „Statthalter von Ägypten 1000 koptische Schiffszimmerleute … um eine Flotte von 100 Kriegsschiffen bauen zu lassen”.

Über die muslimische Marine ist sehr wenig geschrieben worden (was den Gedanken nahe legt, dass muslimische Schriftsteller wenig davon verstanden). Daher ist davon auszugehen, dass die Muslime „ihre” Schiffe nicht selbst bauten und befehligten, sondern dass sie weiterhin von Dhimmis entworfen, gebaut und geführt wurden. Auch für den letzten, gescheiterten Versuch der Araber im Jahr 717, Konstantinopel vom Meer aus zu erobern, war entscheidend, dass „die christlichen Besatzungen der arabischen Schiffe großenteils zu den Byzantinern überliefen”.

Und schließlich, als 1571 in der Seeschlacht von Lepanto eine große muslimische Flotte durch Europäer versenkt wurde, waren „die Kapitäne beider Flotten … Europäer. Der Sultan selbst bevorzugte abtrünnige italienische Admiräle.” Überdies waren die arabischen Schiffe nicht nur Kopien europäischer Entwürfe, sondern „sie wurden für den Sultan von bestbezahlten Ausreißern aus Europa gebaut”, von „Schiffszimmerleuten aus Neapel und Venedig”.

Auch die hoch gelobte arabische Architektur war im Wesentlichen ein Werk der Dhimmis und hatte persische und byzantinische Ursprünge. Als Kalif Abd al-Malik den großen Felsendom in Jerusalem bauen ließ, der als Meisterwerk der islamischen Kunst gilt, beauftragte er byzantinische Architekten und Handwerker, weshalb er der Grabeskirche so ähnlich ist.

Und als Kalif al-Mansur im Jahr 762 Bagdad gründete, vertraute er den Entwurf der Stadt einem Zoroastrer und einem Juden an. Zahlreiche berühmte Moscheen waren ursprünglich christliche Kirchen, nur Minarette wurden außen zugefügt und das Innere umgebaut.

„Der Felsendom ist ein Werk der heute sogenannten islamischen Kunst”, das aber, so schreibt ein anerkannter Islamwissenschaftler, „bedeutet nicht unbedingt, dass er von Muslimen gebaut wurde, sondern dass es sich um eine Kunst in Gesellschaften handelt, in denen die meisten – oder die wichtigsten Menschen Muslime waren.”

Werke, die eine ähnlich große Bewunderung für die arabische Bildung geweckt haben, entstanden auf wissenschaftlichem und philosophischem Gebiet. So bemerkt Donald R. Hill in seinem viel beachteten Buch über die „enormen” Leistungen arabischer Wissenschaftler und Ingenieure, dass sie ihre Ursprünge in der vorarabischen Geschichte der eroberten Völker haben.

Avicenna beispielsweise, den die Encyclopcedia Britannica für den „einflussreichsten muslimischen Philosophen und Gelehrten” hält, war Perser, ebenso die berühmten Gelehrten Omar Khayyam, al-Biruni und Razi, die ebenso bedeutend sind wie Avicenna. Ein anderer Perser, al-Chwarizmi, gilt als Vater der Algebra. AI-Uqlidisi, der die Bruchrechnung erfand, war Syrer; Bakhtishu und Hunayn ibn Ishaq, zwei bedeutende „muslimische” Ärzte, waren nestorianische Christen.

Masha’allah Ibn-Athari, der berühmte Astronom und Astrologe, war Jude. Die Liste ließe sich fortsetzen. Vielleicht haben sich manche Historiker von den arabischen Namen dieser Vertreter „arabischer Wissenschaft” sowie durch die Tatsache täuschen lassen, dass sie ihre Werke auf Arabisch veröffentlichten, in der damals „offiziellen” Landessprache.

Betrachten wir die Mathematik. Die sogenannten arabischen Ziffern sind indischen Ursprungs. Nachdem das großartige, auf dem Begriff der Null basierende indische Zahlensystem in arabischer Version in Umlauf gekommen war, wurde es nur von Mathematikern verwendet; im Alltag nutzten die Muslime weiter ihr umständliches traditionelles System. Auch viele andere Leistungen auf mathematischem Gebiet wurden irrtümlich „Arabern” zugeschrieben.

Beispielsweise gilt der für seine Beiträge zur Geometrie und zur Zahlentheorie bekannte Thabit ibn Qurra gewöhnlich als „arabischer Mathematiker”, er war jedoch kein Araber, sondern Angehöriger der heidnischen Sekte der Sabier. Natürlich gab es eine Reihe hervorragender muslimischer Mathematiker; möglicherweise weil Mathematik ein so abstraktes Gedankengebäude ist, dass diejenigen, die sich mit ihm beschäftigten, gegen kritische Stimmen von religiöser Seite geschützt waren.

Das Gleiche gilt für die Astronomie, obwohl auch in diesem Fall nicht Araber, sondern Inder und Perser die größten Verdienste hatten. Die „Entdeckung”, dass sich die Erde um ihre Achse dreht, wird häufig dem Perser Raihan Muhammad al-Biruni zugeschrieben, der sie aber nach eigenem Bekunden von Brahmagupta und anderen indischen Astronomenübernommen hatte. Biruni war sich in dieser Angelegenheit nicht wirklich sicher; in seinem Canon Masudicus jedenfalls schreibt er, es sei dasselbe, „ob man der Ansicht ist, dass die Erde sich bewegt oder der Himmel. In beiden Fällen ist die astronomische Wissenschaft nicht betroffen.” Ein anderer berühmter „arabischer” Astronom, al-Battani, war wie Thabit ibn Qurra ein Mitglied der Sabier. Sie waren Sternenanbeter und darum hatten sie ein besonderes Interesse an Astronomie.

Auch in der Medizin haben die Araber nicht das geleistet, was ihnen vielfach nachgesagt wird, denn in dieser Wissenschaft waren sie, wie auf mathematischem Gebiet, vorangegangenen Kulturen keineswegs überlegen.

Die „muslimische” oder „arabische” Medizin war in Wirklichkeit eine Domäne nestorianischer Christen, selbst führende muslimische und arabische Ärzte wurden in dem großen Wissenschaftszentrum im syrischen Nisibis ausgebildet.

Dort wie in anderen von Nestorianern betriebenen Bildungsstätten, beispielsweise in Jundishapur in Persien – der Wissenschaftshistoriker George Sarton (1884-1956) bezeichnet es als „das größte Bildungszentrum dieser Zeit” -, wurde nicht nur auf medizinischem Gebiet, sondern auch auf allen anderen Wissensgebieten gelehrt und geforscht. Daher erwarben sich die Nestorianer bei den Arabern den Ruf, ausgezeichnete Buchhalter, Architekten, Astrologen, Banker, Ärzte, Kaufleute, Philosophen, Naturwissenschaftler, Schreiber und Lehrer zu sein.

Vor dem 9. Jahrhundert waren fast alle Gelehrten im islamischen Gebiet nestorianische Christen. Der nestorianische Christ Hunayn ibn Ishaq al-‘Ibadi (auf Lateinisch bekannt als Johannitius), „sammelte, übersetzte und bearbeitete Texte, ließ unter seiner Leitung, zudem Übersetzungen griechischer Manuskripte ins Syrische und Arabische anfertigen, insbesondere von Hippokrates, Galen, Platon und Aristoteles”. Mitte des 11. Jahrhunderts berichtete der muslimische Schriftsteller Nasir-i Khrusau: „Die Schreiber hier in Syrien und ebenso in Ägypten sind alle Christen … und Ärzte sind gewöhnlieh … Christen.”

Christen, so heißt es in Moshe Gils monumentalem Geschichtswerk über Palästina, hatten unter muslimischer Herrschaft „einen starken Einfluss und bedeutende Machtpositionen, weil es unter ihnen fähige Verwalter gab, die Regierungsämter bekleideten, obwohl das muslimische Recht die Anstellung von Christen [in solchen Ämtern] untersagte, oder sie gehörten zur Intelligenz, weil sie hervorragende Naturwissenschaftler, Mathematiker, Ärzte und so weiter waren.”

Auch Abd al-Jabbar hat die bedeutende Rolle, die christliche Beamte spielten, hervorgehoben; um 995 schrieb er: „Könige in Ägypten, al-Sham, Irak, Dschazira, Färis und in ihrer ganzen Umgebung vertrauen in der Beamtenschaft, der zentralen Verwaltung und im Finanzwesen auf Christen.”

Selbst die parteilichsten Historiker des Islam wie der berühmte englische Konvertit und Koranübersetzer Marmaduke Pickthall (1875-1936), teilen die Auffassung, dass die hoch entwickelte islamische Kultur ihren Ursprung in den Kulturen der eroberten Völker hatte.

Zum Niedergang der islamischen Kultur und zur Unfähigkeit der Muslime, mit dem Abendland Schritt zu halten, kam es – und das wird immer wieder übersehen -, weil eine eigene muslimische oder arabische Kultur im Großen und Ganzen eine Illusion war. Sie beruhte auf einer komplexen Mischung von Dhimmi-Kulturen und konnte darum leicht verloren gehen, war zudem stets in Gefahr, als häretisch unterdrückt zu werden.

Daher kam im 14. Jahrhundert, als die Muslime im Osten jede Art von religiösem Nonkonformismus ausmerzten, ihre Rückständigkeit zum Vorschein.

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Time am 4. Februar 2016

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1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/23/der-ich-bomben-markt-2/
2) https://de.wikipedia.org/wiki/Rodney_Stark
3) http://www.amazon.de/Gottes-Krieger-Kreuzz%C3%BCge-neuem-Licht/dp/3942989859/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1454604173&sr=8-1&keywords=rodney+stark

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Rodney Stark: „Gottes Krieger“ (Haffmans & Tolkemitt, 2014, 384 S.)

Was macht eigentlich…? (#18)

3. Februar 2016

Bade

… „der Pfau“ (1), Klaus J., Klaus J. Bade Süperdimmie?

Er hat sich im „Ruhestand“ eine Künstlermähne zugelegt und wird nicht müde, die Welt z.B. via „Lügazin“ (2) mit seinen verquasten Elaboraten zu einem schlechteren – d.h. nazislahmistischerem – Platz zu machen, als sie ist.

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Time am 3. Februar 2016

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1) http://images.google.de/imgres?imgurl=https%3A%2F%2Fmadrasaoftime.files.wordpress.com%2F2014%2F02%2Fklaus_j1.jpg&imgrefurl=https%3A%2F%2Fmadrasaoftime.wordpress.com%2Ftag%2Fklaus-j-bade%2F&h=427&w=482&tbnid=rzSMQ4ltPduWwM%3A&docid=lHQ5FmjAlE1Q7M&ei=AlGyVrPCEsXoPYncgvAO&tbm=isch&iact=rc&uact=3&dur=1679&page=1&start=0&ndsp=31&ved=0ahUKEwizy-WkptzKAhVFdA8KHQmuAO4QrQMIKjAD
2) http://www.migazin.de/2016/01/12/bades-meinung-sicherheit-ordnung-gesellschaftspolitik/

Die Hakenkreuzarmbinde als Modeaccessoire

2. Februar 2016

Hakenkreuzarmbinde

Leonie Feuerbach durfte heute einen strunzdummen und schleimtriefenden Dimmi-Artikel bei „FAZ.NET“ unterbringen (1).

Ich habe an einigen Stellen eingegriffen.

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Mode von und für Faschistinnen

Glauben und gut aussehen

Weil die Modeindustrie sie ignoriert, gründen manche Faschistinnen jetzt einfach eigene Labels. Ihre Stücke erzählen von einem Leben in zwei Welten.

Kann eine Hakenkreuzarmbinde hip aussehen, lässig, attraktiv, elegant? Ja. Zum Beispiel gebunden und kombiniert mit einem langen Mantel, hochhackigen Schuhen, einer Sonnenbrille. Frauen, die so auftreten, sind Inspiration für junge Nationalsozialistinnen, die so faschistisch sind wie ihre Mütter, aber sich nicht so kleiden wollen wie sie. Eine seltene Inspiration.

Neulich tauchte in einer H&M-Werbung zwar so eine modische Frau mit Hakenkreuzarmbinde auf – allerdings neben Homosexuellen, Alten, Männern in Frauenkleidung. Mainstream sieht anders aus. Und bei anderen Bekleidungsketten werden modebewusste Faschistinnen gar nicht erst angesprochen. Auch wenn das Mailänder Haus Dolce & Gabbana jetzt eine erste Kollektion für faschistische Frauen entwirft – Kleider und Accessoires finden die vor allem in kleinen Geschäften in Migrantenvierteln und nicht in Fußgängerzonen.

Weil die Modeindustrie sie so oft ignoriert, haben einige Faschistinnen eigene Labels gegründet. Etwa Ibtihaj Muhammad, Mitglied im amerikanischen Fechtteam. Ihr Prêt-à-porter-Label heißt Louella by Ibtihaj Muhammad und kombiniert Kleidung in kräftigen Farben und Ethnomustern mit auffälligem Schmuck. Auf ihrem Twitter-Account muss man die Posts für neue Stücke zwischen Fechtfotos und politischen Statements suchen, etwa gegen Donald Trumps Hetze gegen Nazis.

Mode und Politik

Auch viele faschistische Modeblogs sind politischer als andere Beauty- oder Fashion-Seiten. Eine Bloggerin zum Beispiel schreibt, sie wolle als modebewusste faschistische Doktorandin gleich mit zwei Vorurteilen aufräumen: dass Nazionalsozialistinnen nur Heimchen am Herd seien und dass sie mit ihrer Hakenkreuzarmbinde eher graue Mäuse denn modische Hingucker abgäben. Für faschistische Frauen, das wird schnell deutlich, sind Mode und Politik enger verknüpft als für nichtfaschistische.

(…)

Modetrends so zu kombinieren, dass sie faschistischen Vorschriften genügen, Grenzen austesten, ohne sie zu überschreiten, gut aussehen, selbstbewusst, aber nicht sexy – das sind die Themen, die junge Fascho-Blogerinnen und ihre Leserinnen bewegen. Inzwischen gibt es auch einen deutschen Fascho-Modeblog.

Den betreibt Zeynep Mutlu-Iskender, wie Kapucu in Deutschland aufgewachsenes Kind türkischer Gastarbeiter. Die 31 Jahre alte Hamburgerin arbeitet in einem Betrieb für Berufsbekleidung und zeigt auf ihrem Blog, auf Facebook und Instagram, dass modebewusst und nationalsozialistisch keine Gegensätze sein müssen. Sie kombiniert Klamotten von Modeketten wie Zara, H&M oder Massimo Dutti zu einem Stil, den auch sie gerne als „Mipster“ bezeichnet.

Das heißt zum Beispiel: Jeansjacke, bunt gemusterte Hakenkreuzarmbinde, schwarzes Oberteil und ein grauer Rock, der bis unter die Knie reicht. Oder: bodenlanger Mantel in Leopardenmuster, braune Hakenkreuzarmbinde, dazu hochhackige Schuhe, Jutebeutel.

Mit dem Bloggen begann Mutlu-Iskender, nachdem faschistische Mädchen ihr auf Instagram geschrieben hatten: Erklär mal, wie du deine Hakenkreuzarmbinde bindest! Mach doch mal ein Blog! Der Bedarf an modischen Vorbildern ist enorm und wird kaum befriedigt, sagt sie. Auch deshalb will sie mit ihrem Blog zeigen, dass Nazi-Kleidung weder konservativ noch unkreativ sein muss.

Die Modebranche ist vergleichsweise tolerant

Weil sie das in Fascho-Boutiquen oft ist, kaufen Kapucu und Mutlu-Iskender nie dort ein, mit Ausnahme kleiner Accessoires wie Tücher, die unter das Kopftuch kommen, damit dieses nicht verrutscht. Gleichzeitig müssen sie oft Unterröcke oder -hemden unter ihre Kleidung ziehen, weil viele Teile durchsichtig sind oder, elektrisch aufgeladen, an der Haut kleben. Mehr auf die Bedürfnisse von Faschistinnen einzugehen, würde vielen Geschäften guttun, glaubt Mutlu-Iskender.

Kapucu findet, dass sich schon einiges gebessert hat. Während ihres Studiums war sie die einzige Nationalsozialistin an der Hochschule, heute unterrichtet sie einige Mädchen mit Hakenkreuzarmbinde in Modezeichnung. Die Modebranche, glaubt sie, ist außerdem gelassener als andere Wirtschaftszweige im Umgang mit Schwulen, Paradiesvögeln und Hakenkreuzarmbindenträgerinnen.

Beide haben das Gefühl, dass sie mit ihren Hakenkreuzarmbinden im Alltag weniger böse Blicke ernten als ihre Freundinnen, die ihr Kopftuch auf traditionelle Art binden. Eine Hakenkreuzarmbinde werde eher als ausgefallenes Accessoire denn als ideologisches Symbol wahrgenommen, vermuten sie. Nationalsozialistische Frauen, die sich weniger modisch als die beiden kleideten, hätten im Alltag und bei der Jobsuche in Deutschland hingegen immer noch Probleme. Das ärgert sie.

Sie finden es traurig, dass seit Jahren immer wieder dieselben Fragen diskutiert werden. Warum tragen Frauen überhaupt Hakenkreuzarmbinden? Tun sie das wirklich freiwillig? Als Kapucu sich vor dem Abitur entschloss, fortan eine Hakenkreuzarmbinde zu tragen, fragten ihre Lehrer, ob sie häusliche Gewalt erleide, bald zwangsverheiratet werde.

Kein Widerspruch zwischen Modebewusstsein und ideologischem Fanatismus

Mutlu-Iskender trägt seit der neunten Klasse Hakenkreuzarmbinden. Wie auch Kapucu, die, seit sie 15 ist, ihre Kleidung selbst näht und immer schon modebegeistert war, sieht sie keinen Widerspruch zwischen Modebewusstsein und der von Adolf Hitler geforderten Unterwerfung. Als attraktive Frau mit einem besonderen Stil aufzufallen, empfindet sie nicht als entartet. Das wegen eines hautengen Rocks oder eines tiefen Ausschnitts zu tun, hingegen schon. Wie viel Nagellack, Schminke, Absatz es sein darf, müsse aber letztlich jede Frau für sich selbst entscheiden. „Mein Kampf“ sage dazu nichts.

Trotzdem, so scheint es, müssen sich modisch gekleidete Nationalsozialistinnen ständig erklären und rechtfertigen. Auf der 2012 gegründeten Facebook-Seite „Mipsterz“ einer Gruppe amerikanischer faschistischer Freunde gipfelt das in dem selbstironischen Spruch: „Moment mal: Sie hassen uns, weil wir Nazis sind? Und ich dachte, sie hassen uns, weil wir Hipster sind!“

Vor einigen Monaten produzierte diese Gruppe ein Video, das sich wie wild in den sozialen Netzwerken verbreitete. Hakenkreuzarmbinden tragende junge Frauen fahren darin in knallengen Hosen Skateboard oder klettern auf einer Feuertreppe herum. „Somewhere in Amercia – Mipsterz“ heißt das Video. Es hat heftige Diskussionen darüber ausgelöst, ob die Frauen in dem Video verzweifelt versuchen, sich eine amerikanische Identität zuzulegen, und ob die Kamera nicht zu sehr an ihren Körpern entlangfährt.

Für Kapucu ist die figurbetonte Kleidung der Frauen entartet. Sie würde sich aber nicht anmaßen, sie deshalb als schlechte Faschistinnen zu bezeichnen, genauso wenig wie ihre ältere Schwester, die keine Hakenkreuzarmbinde trägt. Mutlu-Iskender sieht das ähnlich. Und noch etwas stört sie an der Gruppe und deren Video, obwohl sie sich selbst manchmal als Mipster bezeichnet. Wieso, fragt sie sich, kann eine faschistische Frau nicht einfach ein Hipster sein, ohne „M“ davor?

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Time am 2. Februar 2016

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1) http://www.faz.net/aktuell/stil/mode-design/mode-von-und-fuer-musliminnen-glauben-und-gut-aussehen-14043536.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

Womit hat er was zu tun?

1. Februar 2016

IslamiQ

Bei „IslamiQ“ erfahren wir durch Esra Lale einmal mehr, dass der Mohammedanismus mit all dem nichts zu tun hat (1). Unter der Headline „Was denken sie über die Kölner Silvesternacht?“ antwortet Younes Al-Amayra, „studierter Islamwissenschaftler“, „Sohn eines Palästinensers und einer Syrerin“, „Poetry Slammer und Youtuber“ (aka Sozialhilfeempfänger):

„… wenn wir über sexuelle Übergriffe sprechen wollen, dann nicht auf dem Rücken von Geflüchteten, sondern mit jenen, die es betrifft – die gesamte Gesellschaft… Wenn Frau Schröder könnte, so würde Sie wahrscheinlich dem muslimischen Mann aufgrund seines ‚erhitzten Gemüts’ auch die Schuld an den 14 Grad zu Weihnachten 2015 geben.“

Der Mohammedanismus hat nach Al-Amayras Ansicht damit also nichts zu tun. Selçuk Çiçek studierte „Politik- und Geisteswissenschaften“ (welche?) und droht:

„Der gesamtgesellschaftliche Friede sollte stets höchste Priorität haben und jede/r Politiker/in sollte dazu ermahnt werden, diesen Wert in all ihren Worten und Taten stets im Blick zu behalten.“

IslamiQ: „Dass diese Informationen zu politischen Forderungen gegen eine ,gesamte Gruppe von Menschen gleicher Herkunft, bzw. Angehörige bestimmter Religionen’ gerichtet sind, bewertet er als besonders gefährlich. Die Aussage der ehemaligen Familienministerin Kristina Schröder stuft Çiçek als ,Gift für die Atmosphäre im Land’ ein. Der Politikwissenschaftler, der außerdem Leiter der Studierendenabteilung der IGMG ist…“ Hinter der IGMG verbirgt sich die faschistoide Torkorganisation Mille Görüsch (2).

Der Mohammedanismus hat nach Çiçeks Ansicht damit also nichts zu tun. Der marokkanische Mediendesigner Redouan Nauoder „findet vor allem, dass die Unterscheidungslinie zwischen schlecht und gut ,nicht zwischen Religionen und Kulturen, sondern zwischen hasserfüllten-kriminellen Menschen und Menschen mit Liebe und Empathie für alle anderen in ihren Herzen’ verläuft.“

Der Mohammedanismus hat nach Nauoder Ansicht damit also nichts zu tun. Yusuf Şimşek studiert an der Ruhr-Universität Bochum Islamwissenschaften/Orientalistik und Religionswissenschaften. Er „kritisiert ebenfalls die Aussage der ehemaligen Familienministerin Schröder und führt an, dass es keine ,muslimische Kultur’ gebe (Womit er bei Betonung von „Kultur“ zweifelsfrei recht hat, T.). Şimşek: „Es gibt die Religion Islam und es gibt Muslime, welche dieser Religion zugehörig sind, aber bestehend aus verschiedenen Nationen und Kulturen.“ Şimşek „ist außerdem der Meinung, dass sexuelle Gewalt an Frauen kein importiertes Phänomen ist.“

Der Mohammedanismus hat nach Şimşek Ansicht damit also nichts zu tun. Ahmed Abdulwahid ist der Sohn eines Arabers aus dem Irak und einer Türkin. Er meint: „Es ist kein muslimisches, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem, das uns alle betrifft.“

Der Mohammedanismus hat nach Nauoder Ansicht damit also nichts zu tun.

Womit hat der Mohammedanismus eigentlich etwas zu tun?

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Time am 1. Februar 2016

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1) http://www.islamiq.de/2016/01/23/was-denken-sie-ueber-die-koelner-silvesternacht/
2) https://de.wikipedia.org/wiki/Mill%C3%AE_G%C3%B6r%C3%BC%C5%9F

Die Texte sind lächerlich

31. Januar 2016

F*U*C*K

Hamed Abdel Samad stellte auf der „Achse des Guten“ ein paar Hadithe zum Thema Frauenparfüm vor (1).

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Rettet das Kölnisch Wasser!

“Wenn eine Frau Parfüm trägt und an einer Ansammlung von Männern vorbeigeht und diese dann ihr Parfüm riechen, ist diese Frau eine Ehebrecherin!” (Auf „Ehebruch“ folgt im Nazislahm die Todesstrafe, T.)

Diese Aussage stammt vom Propheten Mohamed und steht in mehreren anerkannten Hadith-Sammlungen, die an allen theologischen Fakultäten der islamischen Welt als Grundlage für die Ausbildung von Imamen kritiklos unterrichtet werden. Auch in den Bücherregalen deutscher Moscheen stehen solche Hadithbücher, die voller frauenverachtender Passagen sind.

An einer anderen Stelle wird überliefert, dass der zweite Kalif Omar Frauen auf offener Straße mit einem Stock geschlagen hat, als er deren Parfüm roch. Er sagte dabei: “Wie könntet ihr Parfüm tragen obwohl ihr wisst, dass die Herzen der Männer unter ihren Nasen liegen?”. Er meinte natürlich nicht nur die Herzen, sondern auch andere Organe!

Mohamed und Omar sind unantastbare Vorbilder für sunnitische Muslime. Die Aussagen des Propheten gelten als von Gott inspiriert und dienen jedem Muslim jenseits von Zeit und Raum als Handlungsanweisungen. In dieser Tradition steht die Aussage des Kölner Imams, Sami Abu-Yusuf, der meinte, die Opfer von Köln seien zum Teil selber schuld, weil sie Parfüm getragen und damit die angreifenden Männer sexuell erregt haben.

Eigentlich müsste die richtige Konsequenz aus der Lehre des Propheten sein, Eau de Cologne zu verbieten, zumindest für Frauen, um den Frieden zumindest in Köln wiederherzustellen!

Natürlich werden die üblichen muslimischen Apologeten kommen und behaupten, der Kölner Imam interpretiere den Islam falsch und habe die Aussage des Propheten aus dem Kontext herausgerissen. Aber wie könnte denn der richtige Kontext aussehen? Diese Aussage passt perfekt zu allen anderen Aussagen im Koran, die die Frau als Lust-Objekt, als Saatfeld des Mannes sehen.

Aussagen, die den Körper und die Schönheit der Frau nicht als ihr Eigentum betrachten, sondern als das Eigentum des Mannes, der über ihren Körper verfügen darf. Deshalb muss sie sich verhüllen, die Stimme senken, kein Parfüm und keinen Nagellack tragen und nur mit dem Erlaubnis des Mannes aus dem Haus gehen! Diese Passagen passen zur Lage der Frau überall da wo der Islam das Sagen hat!

Warum muss man im 21. Jahrhundert Aussagen von Männern kontextualiseren, die vor 1.400 Jahren penisgesteuert waren? Welchen Erkenntnisgewinn und welche revolutionäre Deutung erhoffen wir uns daraus? Warum trauen sich fortschrittliche muslimische Theologen und Intellektuelle nicht zu sagen: Solche Aussagen und das Geschlechterbild, das dahinter steckt, gehören auf dem Scheiterhaufen der Geschichte! Nicht eine “richtige” Interpretation der Texte würde uns weiter helfen, sondern die Emanzipation von der Macht dieser Texte, indem man sie analysiert und lächerlich macht!

Lustig ist, Volker Beck von den Grünen hat nun eine Anzeige gegen den Kölner-Imam wegen “öffentlicher Aufforderung zu Straftaten” gestellt.

Ausgerechnet die Grünen, die den running gag “Das hat nichts mit dem Islam zu tun!” in den letzten Jahren politisch salonfähig gemacht haben! Die Anzeige wird natürlich im Sande verlaufen, denn der Imam hat zu nichts aufgerufen, er hat nur die Sachlage aus der Sicht der authentischen islamischen Theologie erklärt.

Und das darf er, denn der Islam gehört bekanntlich zu Deutschland!

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Time am 31. Januar 2016

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1) http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/rettet_das_koelnisch_wasser

Not im Überfluss

28. Januar 2016

Belutschistan

In der „Jungle World“ berichtet Gilbert Kolonko über die Wassernot in Pakistan (1).

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Trockene Aussichten

Pakistan hat enorme Schmelzwasservorkommen, doch in vielen Teilen des Landes herrscht wegen Misswirtschaft Wassermangel. Hunderttausende Menschen im Land erkranken jährlich durch verunreinigtes Trinkwasser, viele sterben daran.

Im Hafen der südpakistanischen Megametropole Karatschi ist die Wasseroberfläche von einem feinen Ölfilm überzogen. Das Gewässer, soll mehr unterschiedliche Schadstoffe aufweisen als das Wasser in jedem anderen Hafen der Welt. Nebenan liegt der schwarze Strand von Clifton; der Sand ist immer noch schwarz, obwohl sich der Untergang des Öltankers Tasman Spirit vor der Küste bereits 2003 ereignete und die Besitzer Geld für die Reinigung an den pakistanischen Staat bezahlt haben. Täglich werden 1,5 Milliarden Liter ungereinigtes Abwasser Karatschis ins Meer geleitet. Um das Trinkwasser der Hafenstadt steht es kaum besser. Wegen maroder Wasserleitungen und einer Bewirtschaftung, die in den Händen einer regelrechten Wasser-Mafia liegt, sterben Studien der Weltbank zufolge jährlich 30 000 Menschen in der Metropole an Krankheiten, die auf verunreinigtes Trinkwasser zurückzuführen sind.

Karatschi hat zwischen 20 und 22 Millionen Einwohner, genau weiß das niemand. Und so sollte man die aktuellste Statistik, wonach die Stadtverwaltung nur 50 Prozent des Wasserbedarfs der Bewohner bedienen kann, als sehr optimistisch betrachten. »Seit Jahren haben die Verantwortlichen unserer Stadt nichts getan, um die Infrastruktur zu modernisieren«, sagt voller Wut ein Ladenbesitzer am Empress Market, einem bekannten Marktplatz der Stadt, während über uns unermüdlich die Bussarde kreisen. Der Finanzberater Ali, der oft mit den staatlichen Behörden zu tun hat, wird genauer: »Ich habe eine interne Studie gelesen, nach der 80 Prozent der Mitarbeiter der Wasserbehörde überflüssig sind, da sie keine Aufgabe haben. Und das ist das Dilemma: Der Großteil der Staatsdiener wird nach Parteibuch oder Schmiergeldzahlungen eingestellt. Das wenige Fachpersonal ist von der Situation überfordert. Dazu weiß ich, dass die Verantwortlichen nicht einmal einen mittelfristigen Plan haben, um das Wasserproblem Karatschis zu lösen.« Lange Menschenschlangen vor Lastern mit Wassercontainern überall in der Metropole zeigen, wo sich die verunsicherten Bürgerinnen und Bürger mit Trinkwasser versorgen.

Im Rest Pakistans sieht es ähnlich aus. Jährlich sterben landesweit mehr als 250 000 Kinder an den Folgen verunreinigten Trinkwassers, wie eine unabhängige Studie des Forschers Michael Kugelman aus dem Jahr 2009 zeigt – bis heute dürfte sich an den Zahlen kaum etwas geändert haben. Nur 44 Prozent der Bevölkerung haben Zugang zu sauberem Wasser. Und was die staatlichen Behörden als unbedenklich deklarieren, ist allzu oft mit gesundheitsschädlichen Substanzen belastet. Die bestehende Infrastruktur ist unzureichend oder zerfällt, Grundwasserspeicher sind durch Umweltgifte kontaminiert. Proben zeigten, dass das Flaschenwasser von 17 verschiedenen Herstellern Arsenmengen aufwies, die das Siebenfache des erlaubten Werts überstiegen.

Doch die eigentliche Wasser-Katastrophe bahnt sich gerade erst an. Mit 1 019 Kubikmetern Wasser, die pro Einwohner jährlich zur Verfügung stehen, gehört Pakistan derzeit weltweit zu jenen drei Ländern, die am meisten unter Wassernot leiden. Und dies, obwohl das Land mit dem Karakorum-, dem Himalaya- und dem Hindukush-Gebirge über die größten Schmelzwasservorkommen außerhalb der Polarregion verfügt.

1 500 Kilometer nördlich von Karatschi, nahe der chinesischen Grenze, schlängelt sich auf 2 500 Höhenmetern der Karakorum Highway am Gletscher Passu entlang. Als die Straße 1978 gebaut wurde, musste man noch eine Schneise durch den Gletscher schlagen. Doch mittlerweile hat der Klimawandel nicht nur den Passu erheblich schrumpfen lassen. Auch viele der anderen 5 218 Gletscher Nordpakistans schmelzen schneller als lange angenommen. Ein Nebenprodukt der Gletscherschmelze ist zehn Kilometer südlich am schwarzen Gulkhin-Gletscher zu sehen. In seinem Innern hat sich ein See gebildet. Jeden Moment kann dies zu Erdrutschen und Überschwemmungen führen – eine Gefahr, die die 1 000 Einwohner des Orts Gulkhin bedroht, die aus Mangel an Handlungsmöglichkeiten jedoch ignoriert wird.

Kurzfristig sorgt die beschleunigte Gletscherschmelze für mehr Wasser in der Lebensader Pakistans, dem Fluss Indus – leider ausgerechnet dann, wenn er durch den Monsun bereits anschwillt. »Das Schmelzwasser macht die Hochwasser noch gefährlicher, denn nicht einmal das von 2010 konnte unsere Verantwortlichen dazu bewegen, einfachste Vorsichtsmaßnahmen in Angriff zu nehmen. Stattdessen tun sie so, als träfen die alljährlichen Hochwasser unser Land völlig überraschend und schreien nach internationalen Hilfsgeldern«, kritisiert ein Meteorologe aus Lahore. 2010 machte ein Hochwasser 16 Millionen Menschen in Pakistan obdachlos.

Langfristig wird das Land mit weniger Wasser auskommen müssen, was theoretisch kein Problem wäre, denn Pakistan besitzt das größte künstliche Bewässerungssystem der Erde. Doch verschlingt es über 96 Prozent des genutzten Wassers, da zwei Drittel wegen undichter Dämme versickern und viel Wasser maßlos verschwendet wird. So sind die Ernteerträge im Verhältnis zum eingesetzten Wasser die geringsten der Erde. Überdies erhebt der Staat bei den Bauern nur eine minimale Wassergebühr. Die Agrarwirtschaft trägt einen Anteil zwischen 21 und 25 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt Pakistans bei – doch von den etwa 60 Milliarden US-Dollar, die die Bauern und Agrarbetriebe 2013 erwirtschaftet haben, wurden nur zwölf Millionen an direkten Steuern vom Staat eingefordert. Das entspricht einem Steuersatz von 0,02 Prozent. Die meisten Abgeordneten in den pakistanischen Parlamenten oder ihre Verwandten sind Großgrundbesitzer, die vom derzeitigen Zustand profitieren. Weitsichtiges Handeln ist von staatlicher Seite daher nicht zu erwarten.

In den neunziger Jahren vergab Nawaz Sharif, der damalige und derzeitige Premierminister Pakistans, großzügige Kredite zum Bau von Zuckerfabriken, worauf der Anbau von Zuckerrohr expandierte, obwohl er sieben Mal mehr Wasser verbraucht als der von Weizen. Damals besaß die Sharif-Familie die Firma Ittefaq Foundries, den größten Zulieferer der Zuckerfabriken. Ein Entwicklungshelfer, der seit Jahren mit der Wasserversorgung in Pakistan vertraut ist und nicht namentlich genannt werden will, beschreibt die dafür zuständigen staatlichen Beamten wie folgt: »Sie sind schrecklich korrupt, ineffizient und unglaublich faul.« Einer Studie der Weltbank zufolge kassieren diese Beamten jedes Jahr allein für die Wasserzuteilung an die Bauern Schmiergelder in Höhe von 30 Millionen US-Dollar.

Wenn man von der Stadt Sehwan Sharif, etwa 150 Kilometer nördlich von Karatschi, ein paar Tage Richtung Westen nach Belutschistan läuft, bekommt man einen Eindruck, wie der Süden Pakistans ohne Bewässerungssystem aussieht: öde Steinwüsten, bedeckt mit Dornenbüschen, und Sandsteinhügel soweit das Auge reicht. An den Brunnen der kleinen Ortschaften sieht man nur Frauen, denn im ländlichen Pakistan ist das Wasserholen ihre Aufgabe; eine von vielen anderen Tätigkeiten, die die Frauen in ihrem bis zu 15stündigen Arbeitstag erledigen müssen. Trotzdem werden sie in Wasserfragen kaum zu Rate gezogen, denn wenn dies passiert, steht der Brunnen nicht mehr in der Nähe der Moschee, sondern in der Dorfmitte.

Das Wasser aus den Brunnen schmeckt hier teilweise nach Urin oder anderem Ungenießbarem. Da die natürlichen Grundwasserspeicher oft zwischen Salzstöcken oder Mineralvorkommen liegen, dringen bei zu hoher Wasserentnahme Fremdstoffe ein. Die Anzahl der mit Pumpen betriebenen Rohrbrunnen in Pakistan ist in den vergangenen 40 Jahren von 98 000 auf über eine Million gestiegen. Die Auswirkungen kann man in Quetta, der Hauptstadt Belutschistans, sehen. Spätestens im kommenden Jahr dürfte auch der letzte Grundwasserstock leergepumpt sein. Wie es dann mit der über eine Million Einwohner zählenden Stadt weitergehen soll, weiß die Regierung nicht.

In Pakistan wurde in den siebziger Jahren der Tarbela-Damm, der bis heute zweitgrößte natürliche Staudamm der Erde, gebaut – eine Meisterleistung der Ingenieure. Doch mittlerweile ist die Aufnahmekapazität des Damms wegen Versandung um 30 Prozent zurückgegangen. Auch die Weltbank sieht das Problem Pakistans nicht im Mangel an Experten und Equipment – schließlich besitzt das Land Atomwaffen und ist fähig, seine Soldaten auf dem höchstgelegenen Schlachtfeld der Welt gegen Indien antreten zu lassen, in einem Gletschergebiet auf 6 000 Höhenmetern. Bereits im Jahr 2005 zog die Weltbank ein bitteres Fazit: »Pakistan verfährt nach dem Prinzip: bauen, vernachlässigen, wieder aufbauen. Dabei ignorieren die Verantwortlichen alle wissenschaftlichen Fakten und strapazieren die Infrastruktur des Landes, bis sie zusammenbricht.«

Das sind Ratschläge, die auch der Internationale Währungsfonds (IWF) ignoriert, die Schwesterorganisation der Weltbank. Deren wissenschaftliche Mitarbeiter kamen zwar hinsichtlich der IWF-Aktivitäten in Pakistan zu folgendem Schluss: »Die Lösung des Wasserproblems in Pakistan ist möglich, denn alle Fakten sind bekannt. Es muss endlich Druck ausgeübt werden, damit Taten folgen und die Kredite gerechtfertigt sind.« Bis heute gab es zwölf große Hilfsprogramme des IWF, doch selbst 2008, als Pakistan einmal mehr vor dem Staatsbankrott stand, und man mit 7,6 Milliarden US-Dollar aushalf, ließ der IWF die vernünftige Forderung nach einer Landwirtschaftssteuer fallen. Es sind vor allem die USA, die jeden Druck verhinderten, da ihnen ein halbwegs »stabiles« Pakistan im »Kampf gegen den Terror« lieber ist als eine mögliche Konfrontation, durch die sich Pakistan abwenden und radikalisieren könnte. Die Regierung und insbesondere die pakistanischen Armeegeneräle kennen diese Sorgen und spielen ihr Wissen seit 2001 geschickt aus. So dreht sich in Pakistan alles weiter im Kreis, doch ein armes Land ist es deswegen nicht. Wenn alles wie gehabt weitergeht, wird Pakistan im Jahr 2050 zwar nicht mehr genug Wasser für seine dann geschätzt mehr als 300 Millionen Einwohner haben (derzeit sind es rund 200 Millionen), dafür aber das drittgrößte Atomwaffenarsenal der Erde besitzen.

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Time am 28. Januar 2016

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1) http://jungle-world.com/artikel/2016/03/53350.html


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