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Sieg des Counterjihad: Ägypten

7. Januar 2019

Lesen Sie einen Artikel aus der „kleinen Zeitung“ (1).

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Ägypten eröffnete riesige koptische Kathedrale

Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi hat eine neue riesige Kathedrale für die christliche Minderheit im Land eröffnet. Am Vorabend des koptischen Weihnachtsfestes nahm Sisi östlich von Kairo in der im Bau befindlichen neuen Hauptstadt mit zahlreichen geladenen Gästen an einem Gottesdienst teil. Nach Abschluss der letzten Bauarbeiten sollen in dem Gotteshaus mehr als 8.000 Gläubige Platz finden.

Damit soll es die größte Kirche im Nahen Osten sein. Der Kopten-Papst Tawadros II. nannte die Eröffnung „in der Geschichte beispiellos“. Anlässlich des Gottesdienstes veröffentlichte der Vatikan eine Video-Botschaft von Papst Franziskus. „Möge der Friedensfürst Ägypten, dem Mittleren Osten und der ganzen Welt Frieden und Wohlstand spenden“, sagte das Katholiken-Oberhaupt. Die koptische Kirche habe auch in den schwierigsten Momenten „ein wahres Zeugnis des Glaubens und der Nächstenliebe“ abgeben können. „Liebe Brüder und Schwestern, ihr habt Märtyrer, die eurem Glauben Stärke verleihen. Danke für euer Beispiel.“ US-Präsident Donald Trump schrieb auf Twitter, er freue sich über die Eröffnung: „Präsident Al-Sisi bewegt sein Land in eine inklusivere Zukunft“.

Etwa zehn Prozent der knapp 100 Millionen Ägypter sind Kopten. Unter dem Eindruck von Spannungen mit der muslimischen Mehrheit des Landes vor allem unter der Regierung des Islamisten Mohammed Mursi (2012-2013) sehen viele Kopten in Sisi einen Schutzherrn ihrer Rechte.

In Ägypten sind die Sicherheitsmaßnahmen in den vergangenen Wochen mit Blick auf die koptischen Weihnachtsfeiern stark erhöht worden. Erst in der Nacht auf Sonntag berichtete die staatliche Zeitung „Al-Ahram“, dass ein Polizist in Kairo beim Versuch einer Bombenentschärfung nahe einer Kirche getötet wurde. Der Sprengsatz habe sich in einer Tasche auf einem Dach in einem Slum der ägyptischen Hauptstadt befunden.

Die Sicherheitslage in Ägypten ist seit den arabischen Aufständen 2011 fragil. Auch wenn sich die Situation in den vergangenen Jahren gebessert hat, kommt es immer wieder zu Anschlägen. Häufig waren Sicherheitskräfte oder Kopten das Ziel von extremistischen Attacken. Sisi, selbst Muslim, hatte den Bau der Kathedrale 2016 verkündet. Kurz davor waren bei einem schweren Anschlag auf die Kirche St. Peter und Paul bei der Kairoer Kathedrale 27 Christen getötet worden.

Als Ort für die Kirche wurde die neue Verwaltungshauptstadt in der Wüste östlich Kairos bestimmt. Die neue Hauptstadt ist momentan noch eine riesige Baustelle, soll aber in den kommenden Jahren zum Regierungssitz und zur Heimat von Millionen Menschen werden. Das Megaprojekt wurde angesichts der Überbevölkerung und der infrastrukturellen Überforderung der Hauptstadt gestartet. In Kairo leben Schätzungen zufolge mehr als 20 Millionen Menschen.

Experten sehen trotz des neuen Symbols für religiöse Toleranz in Ägypten tiefgreifende Probleme für die Freiheit der Millionen Kopten. So gebe es weiterhin Benachteiligungen der Gläubigen durch den Sicherheitsapparat und ungesetzliche Kirchenschließungen, schrieb das „Project on Middle East Democracy“ (Pomed) im Dezember. Nötig sei ein gesetzlicher Rahmen, der gleichberechtigt für alle in Ägypten ausgeübten Religionen gelte. „Das Regime Al-Sisi ist daran gescheitert, einen wirklichen Fortschritt bei den systematischen Problemen zu erzielen, die die christliche Glaubensfreiheit einschränken“, so Pomed.

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Time am 7. Januar 2019

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1) https://www.kleinezeitung.at/service/newsticker/5556261/Aegypten-eroeffnete-riesige-koptische-Kathedrale

Verlegt sie lieber morgen

22. Januar 2018

Die amerikanische Botschaft in Israel soll wesentlich früher als geplant nach Jerusalem verlegt werden.

Das ist eine ausgesprochen gute Idee, denn der angebliche „Friedensprozess“ war immer ein selbsthypnotisierendes Hirngespinst der Dimmies. Tatsächlich reagieren die Orks nur auf Stärke, Entschlossenheit und Kompromisslosigkeit.

Lesen Sie einen Bericht aus dem „Spiegel“ (1).

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Netanyahu empfängt Pence

„Jerusalem ist die Hauptstadt von Israel“

Während seiner Nahost-Reise erntete US-Vizepräsident Pence wegen der Jerusalem-Entscheidung viel Kritik. Anders in Israel: Dort kündigte er den Umzug der Botschaft für 2019 an – zur Freude von Premier Netanyahu.

US-Vizepräsident Mike Pence hat bei seinem Israel-Besuch die Hoffnung auf neue Verhandlungen mit den Palästinensern geäußert. Er wurde mit militärischen Ehren in der Residenz des Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu empfangen, später sprach er vor dem israelischen Parlament. „Jerusalem ist die Hauptstadt von Israel“, sagte Pence – Präsident Donald Trump habe das Außenministerium angewiesen, mit den Planungen für den Umzug von Tel Aviv nach Jerusalem zu beginnen.

Die Botschaft solle vor dem Ende des kommenden Jahres eröffnet werden. Ein genaues Datum nannte Pence nicht. US-Präsident Donald Trump sei überzeugt, dass seine Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels eine Gelegenheit für neue Friedensverhandlungen schaffen werde.

Er hoffe auf eine „neue Ära“ in den Friedensgesprächen zwischen Israelis und Palästinensern, sagte Pence. Netanyahu erklärte, „Amerika hat keinen engeren Freund als Israel, und Israel hat keinen engeren Freund als die Vereinigten Staaten von Amerika“.

Es sei das erste Mal, dass er bei einem Staatsbesuch zusammen mit seinem Gast die Worte „Israels Hauptstadt, Jerusalem“ aussprechen könne. Am Nachmittag wollte Pence in der Knesset eine Rede halten. Arabische Abgeordnete hatten angekündigt, die Sitzung zu boykottieren.

Mit der Entscheidung, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen und die US-Botschaft dorthin zu verlegen, hatte Trump im Dezember internationale Kritik auf sich gezogen und wütende Proteste in muslimischen Ländern provoziert.

Pence hatte seine ursprünglich für Dezember geplante Nahost-Reise am Samstag in Ägypten begonnen. Gespräche mit Palästinenserführern sind nicht geplant. Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas hatte es aus Ärger über die Jerusalem-Entscheidung abgelehnt, Pence zu treffen.

Die Palästinenserführung sieht Ost-Jerusalem als künftige Hauptstadt eines unabhängigen Staates Palästina. Die Israelis beanspruchen hingegen die ganze Stadt für sich.

Bei seinen vorherigen Reisestationen wurde Trumps Vize mit Kritik an der Jerusalem-Entscheidung konfrontiert. Der jordanische König Abdullah II. brachte am Sonntag seine „Sorgen“ über den Schritt zum Ausdruck. Ägyptens Staatschef Abd al-Fattah al-Sisi pochte bei einem Gespräch mit Pence darauf, dass die Palästinenser das Recht auf einen eigenen „Staat mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt“ hätten.

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Time am 22. Januar 2018

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1) http://www.spiegel.de/politik/ausland/mike-pence-in-israel-benjamin-netanyahu-lobt-beziehungen-zu-den-usa-a-1189168.html

Ein interessanter Plan

16. Dezember 2017

Mohammedanistisches Naturschutzgebiet:
Wadi Arbai

Aus Sicht des Counterjihad gibt es die „Palästinenser“ nicht. Sie sind vielmehr die Nachkommen der Araber, die seit der Zerschlagung des Osmanischen Reiches ideologisch motiviert massenhaft in der Region eingesickert waren, und von dort dann 1949 und 1967 wieder vertrieben wurden bzw. auf Geheiß ihrer arabischen Verwandten flohen, als diese Israel angriffen und es vernichten wollten (1).

Die liebe Familie hält sie in einem Status der Unentschiedenheit, verweigert ihnen Bürgerrechte und nutzt sie als Jihadisten gegen Israel.

Dennoch sind sie zweifellos da, zählen an die vier Millionen und nerven.

Rainer Hermann stellt bei „FAZ.NET“ einen Plan vor, wie es damit ein Ende haben könnte (2).

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Jahrhundertdeal im Nahen Osten

Steht der Auszug der Palästinenser bevor?

Nicht nur in Israel ist davon die Rede, auch in arabischen Ländern wird darüber seit Jahren spekuliert: Was dafür spricht, dass der Nordsinai zu einem Ersatzland für die Palästinenser werden könnte.

Die Freude der ägyptischen Regierung währte nur kurz. Am 29. November besuchte seit Jahren endlich wieder ein Mitglied des israelischen Kabinetts Ägypten. Gila Gamliel, Ministerin für soziale Gleichheit, nahm an einer UN-Konferenz zur Förderung der Gleichheit der Geschlechter teil. Dort sagte die Tochter jüdischer Einwanderer aus dem Jemen und aus Libyen, was den ägyptischen Machthabern gar nicht gefiel.

Sie sprach vom Sinai als dem besten und geeignetsten Ort für einen Staat der Palästinenser. Das ägyptische Außenministerium bat Israel um Klärung, und das israelische Außenministerium antwortete, die Äußerung von Gila Gamliel entspreche nicht der offiziellen Position der Regierung. Ein Dementi war das nicht.

Gamliels Äußerung war nicht spontan. Sie selbst hatte das bereits in den Wochen zuvor in israelischen Medien gesagt und dabei wirtschaftliche Hilfen an Ägypten in Aussicht gestellt, die im Gegenzug geleistet würden. Ihre Äußerungen bedeuten, dass der Sinai der Ersatz für die Heimat der Palästinenser, das Westjordanland, werden soll. Denn die rasch expandierenden jüdischen Siedlungen schließen dort immer mehr die Gründung eines eigenen palästinensischen Staates aus, zumal Israel dieses Gebiet, das es Judäa und Samaria nennt, als biblisches Land für sich beansprucht.

Nicht nur in Israel ist davon die Rede, dass der Sinai als Ersatzland für die Palästinenser in Frage kommt. Auch in arabischen Ländern wird darüber seit Jahren spekuliert, und dazu wird der Begriff „Jahrhundertdeal“ verwendet. Nahrung hat diesen Diskussionen der ägyptische Präsident Abd al Fattah al Sisi gegeben, als er am 4. April im Weißen Haus Präsident Donald Trump traf.

Er sagte arabischen Medien, er werde mit Trump über einen Frieden zwischen den Palästinensern und Israel sprechen und in diesem Rahmen auch über den „Jahrhundertdeal“. Keiner der arabischen Reporter hakte nach, was er damit genau meint. Die israelische Zeitung „Haaretz“ berichtete danach, Trump habe seinen Gast gebeten, Initiativen für diesen Deal zu starten und dabei Saudi-Arabien einzubeziehen.

Der modernste Technologiepark der Welt

Das hat Ägypten zwei Monate später auch getan. Denn am 14. Juni 2017 billigte das ägyptische Parlament die Abtretung der zwei Inseln Tiran und Sanafir, die im Eingang in den Golf von Aqaba liegen, an Saudi-Arabien. Sisi hatte das Abkommen bereits im April 2016 unterzeichnet und damit in Ägypten, das sich diese Abtretung gut bezahlen lässt, einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.

Mit der Abtretung der beiden Inseln ist die Einfahrt in den Golf – und damit zur israelischen Hafenstadt Eilat – kein ägyptisches Hoheitsgewässer mehr, sondern ein internationales, und Saudi-Arabien übernimmt eine Mitverantwortung für den Sinai. Nun stellte der saudische Kronprinz Muhammad Bin Salman am 24. Oktober das Projekt Neom vor, bei dem, unter Einschluss der beiden Inseln, in dem Dreiländereck von Saudi-Arabien, Ägypten und Jordanien der modernste Technologiepark der Welt entstehen soll.

Der Verkauf der Inseln rief eine Äußerung des früheren israelischen Knessetabgeordneten Hiob Kara in Erinnerung. So berichtete der Nachrichtensender Al Dschazira, Kara, ein Druse und Mitglied im Likud, habe am 12. Februar 2017 gesagt, mit Ministerpräsident Benjamin Netanjahu treibe er das Projekt eines palästinensischen Staats auf dem Sinai voran. Kara setzte hinzu, der Vorschlag befinde sich im Einklang mit „dem Sisi-Plan“. Das Ganze diene dazu, den Weg zu einem umfassenden Frieden mit Hilfe einer Koalition sunnitischer Staaten zu erweitern.

Der Plan liegt schon länger in der Schublade

Diese Ideen seien, so Al Dschazira, bereits bei einem Treffen am 21. Februar 2016 in Aqaba erörtert worden. Zunächst war das Treffen geheim gehalten worden. Teilgenommen haben Netanjahu, Sisi, der jordanische König Abdullah und der damalige amerikanische Außenminister Kerry. Al Dschazira berichtete ferner, Pläne zur Ansiedlung von Palästinensern auf dem Sinai gebe es bereits seit 2003. Damals habe Israel erstmals die Verlängerung des Gazastreifens um 50 Kilometer bis zur Stadt al Arish angeregt. Im Jahr darauf schlug der damalige Vorsitzende des israelischen Nationalen Sicherheitsrats, der frühere General Giora Eiland, Ägypten vor, vom Nordsinai 60.0000 Quadratkilometer abzutreten, um dort Palästinenser anzusiedeln.

Diese Berichte lösten keine Kontroverse aus, anders als eine Dokumentation von BBC Ende November. Die BBC berichtete auf der Grundlage von Dokumenten aus den achtziger Jahren, dass 1982 der damalige ägyptische Präsident Husni Mubarak Israel angeboten habe, Palästinenser, die aufgrund der israelischen Belagerung von Beirut fliehen mussten, auf dem Sinai anzusiedeln.

In jenem Jahr erhielt Ägypten den letzten Teil des Sinai von Israel, das die Halbinsel im Sechstagekrieg von 1967 erobert hatte. Mubarak ließ diesen Bericht dementieren und hinzufügen, er habe noch 2010, im Jahr vor seinem Sturz, einen Vorschlag Israels zurückgewiesen, Palästinenser auf dem Sinai anzusiedeln.

Als Ägypten 1982 die Souveränität über den Sinai zurückerhalten hatte, begann der Ausbau der Südspitze um Scharm al Scheich zur Tourismusdestination. Der Nordteil der Halbinsel blieb jedoch eine der am wenigsten entwickelten Regionen Ägyptens. Die Regierung genehmigte keine Entwicklungsprojekte, und die Stämme, die dort siedelten, erhielten keine ägyptischen Pässe, sie durften auch nicht in den boomenden Urlaubsorten arbeiten. Muhammad Mursi, 12 Monate Präsident, begann mit der Entwicklung der Halbinsel, die nach dem Putsch vom Juli 2013 aber wieder eingestellt wurde.

Kommt der „Jahrhundertdeal“?

Seither zeigt sich auch ein anderes Muster. Die Stämme, die Kairo nie wirklich unter Kontrolle bekam, verbündeten sich mit islamistischen Extremisten. Die Häufigkeit von Anschlägen nahm zu, und nach jedem Anschlag werden Bewohner der betroffenen Orte – auch als Strafmaßnahme – umgesiedelt. Es entstehen Siedlungsflächen.

Eine Umsiedlung erfolgt auch im arabischen Osten Jerusalems, wo palästinensische Immobilien enteignet werden. Für Verunsicherung sorgt auch eine Äußerung des amerikanischen Präsidenten Trump, Muslime sollen weiter das Recht haben, im Felsendom und in der Aqsa-Moschee zu beten. Das wird so verstanden, dass sie dann nicht mehr in Jerusalem wohnen können.

In al Arish wohnen bereits Palästinenser. Mehrere hundert Angehörige der Sicherheitskräfte von Muhammad Dahlan, des früheren starken Manns im Gazastreifen und Gegenspieler des palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas, wurden dort angesiedelt. Unterstützt und finanziert wird Dahlan von den Vereinigten Arabischen Emiraten, die auch Ägypten finanziell unter die Arme greifen. In der arabischen Welt gilt das als ein weiteres Indiz dafür, dass der „Jahrhundertdeal“ kommen wird.

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Time am 16. Dezember 2017

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1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2011/06/24/pallie-besatzer/
2) http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/israel-und-palaestina-was-koennte-die-loesung-des-konflikts-sein-15342741.html?printPagedArticle=true#pageIndex_0

Islam? Welcher Islam? Kein Islam!

12. Juni 2015

Al Azhar

Markus Bickel berichtete auf „FAZ.NET“ über „innermohammedanistische“ „Auseinandersetzungen“ (1).

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Azhar-Universität in Kairo

Islam? Welcher Islam?

Auf den Siegeszug des „Islamischen Staats“ reagiert die Azhar-Universität in Kairo, der „Vatikan des Islam“, mit schrillen Tönen. Für einige westliche Gelehrte haben die Lehrenden nur Hohn und Spott übrig.

Osama al Azharis Waffe sind seine Bücher. Eines nach dem anderen hält der sunnitische Scheich mit dem weißen Turban in die Höhe und fordert die Zuhörer im prall gefüllten Hörsaal auf, sie zu lesen. Und übersetzt werden sollten sie selbstverständlich auch: ins Englische und Französische, ins Spanische, Urdu, Farsi und Russische, um dann in die ganze Welt verschickt zu werden.

Strengen Blickes hört der in schwarzem Gewand gekleidete al Azhari mit dem akkurat gestutzten Backenbart gar nicht mehr auf, für seine Mission zu werben: Erst wenn die Toleranz und Mäßigung lehrenden Schriften der Azhar ihren festen Platz in den Bibliotheken des Westens gefunden hätten, würden die Ungläubigen endlich aufwachen und nicht mehr dem Atheismus anheimfallen, ruft Azhari seinen Zuhörern zu, während sich die Ventilatoren an der hohen Decke langsam drehen. Inschallah, so Gott will!

Eigentlich sollte das Mitglied des Präsidialrats für Sozialdienste der altehrwürdigen Al-Azhar-Universität an diesem Mittag über „Motive und Ziele von Diffamierungskampagnen gegen die Azhar“ sprechen. Doch der junge Professor dreht den Spieß einfach um – und teilt kräftig aus. Für Stephen Hawking, den Astrophysiker, hat er nur Spott und Verachtung übrig; eine stets willkommene Zielscheibe ist außerdem der britische Autor Christopher Hitchens, der Bücher wie „Der Herr ist kein Hirte: Wie Religion die Welt vergiftet“ geschrieben hat und kritische Essays über einen rückwärtsgewandten „Islamofaschismus“.

Auch der Kolumnist Ayman al Sayad, der am anderen Ende des Podiums sitzt, bleibt nicht verschont. Der Journalist hatte die im Jahr 972 von den Fatimiden gegründete älteste Hochschule der Welt gerade in den höchsten Tönen gelobt. Einen Blick von außen sollte er in seinem Vortrag „Al Azhar und die Medien“ auf eine Einrichtung werfen, die einerseits Universität, andererseits religiöses Zentrum für Millionen Muslime auf der ganzen Welt ist. Doch das reicht dem strengen Scheich Azhari nicht. „Leider war er hier nicht Student“, kanzelt er seinen Vorredner ab und steckt damit zugleich die engen Grenzen des Azhar-Universums ab. „Jeder, der einen großen Namen trägt, sollte die Azhar besucht haben.“

Beifall brandet auf, vor allem junge Männer haben sich im großen Hörsaal der Fakultät für Massenkommunikation zusammengefunden, aber auch eine Handvoll Frauen. Die Azhariten sind die Lebensversicherung ihrer Familien, denn trotz überfüllter Räume und hoffnungslos veralteter Curricula bringt der Besuch der „Blühenden“, wie Azhar auf Arabisch heißt, noch immer Renommee und Respekt ein. Mehr als 450.000 Studenten besuchen die Universität, die in 18 ägyptischen Provinzhauptstädten und überall auf der Welt ihre Ableger hat, in den Vereinigten Staaten und Großbritannien, in Indonesien und Indien, Sudan und Somalia. Gelehrt wird an 62 natur- und geisteswissenschaftlichen Fakultäten. Frauen und Männer getrennt.

Von wissenschaftlicher Freiheit freilich lässt sich spätestens seit 1961 nicht mehr sprechen: Der nach dem Sturz der Monarchie 1952 an die Macht gelangte Offizier Gamal Abd al Nasser nahm die Gelehrten an die kurze Leine und bestimmte den Großscheich der Universität fortan selbst. Im Gegenzug sicherte der Staat die Finanzierung zu. An dieser Ordnung wurde über Jahrzehnte nicht gerüttelt, ehe nach der Revolution gegen Husni Mubarak ein sanfter Hauch des Wandels auch die Azhar erfasste: In Zukunft dürfen die Scheichs selbst über ihren obersten Sprecher entscheiden – freilich erst, wenn der amtierende Großimam Ahmad al Tayyeb verstirbt oder sich entscheidet, freiwillig abzutreten.

Am Stolz der Azhariten, der wichtigsten Autorität der muslimischen Welt anzugehören, haben die Machtkämpfe, die Aufstieg und Fall des im zweiten Revolutionsjahr an die Macht gelangten Muslimbruders Muhammad Mursi mit sich brachten, nichts geändert. Salafisten und konservative Theologen, die traditionell über großen Einfluss in der Azhar verfügten, setzten in den zwölf Monaten der Islamistenherrschaft zwar alles daran, die Scharia-Gesetzgebung auszuweiten. Doch ihr Aufstieg wurde durch den Staatsstreich des damaligen Armeechefs Abd al Fattah al Sisi im Juli 2013 jäh gestoppt. Großscheich al Tayyeb gab dem Militärputsch seinen Segen, als er mit Sisi vor die Kameras trat. Zu einem Aufschrei führte das nicht: Staatstreu sind die Azhar-Führer seit Nasser immer gewesen, im Gegenzug genießen sie weitgehend Immunität.

Professor al Azhari ist gerade wieder voll in Fahrt gekommen, nur ein religiös-folkloristisches Beiprogramm kann ihn noch aufhalten, Koran-Rezitationen und salbungsvoll vorgetragene Verse eines als „großer Dichter“ angekündigten Poeten. Zahllose Kameras der Mobiltelefone halten das Geschehen auf dem Podium im Ibrahim-Hamrosch-Saal fest, benannt nach einem ehemaligen Großscheich der Universität. Dann aber, um kurz nach zwölf, geben die Telefone den Ruf zum Mittagsgebet von sich, der Berater des Großscheichs, Muhammad Muhanna, der das Wort ergriffen hat, muss seine Rede unterbrechen. Gottes Wille kommt per App.

Mit grünen Schärpen über den Schultern hatte ein Dutzend stolzer Studienanfänger am Vormittag vor dem Gebäude der Medienwissenschaftler in der islamischen Altstadt Kairos die Azhar-Größen empfangen: Sowohl der Vizepräsident der Universität, Ibrahim al Hodhod, als auch der Stellvertreter des Großscheichs, Abbas Shouman, sind gekommen, außerdem Dutzende Professoren, Fotografen, Kameramänner und Reporter. Roter Teppich und Plakate mit dem Hinweis, dass es sich bei der Veranstaltung „Die Botschaft der Azhar und die Verantwortung der Medien“ um ein „wissenschaftliches Seminar“ handele, sollen die Bedeutung der Zusammenkunft unterstreichen.

Seit Ende 2014 jagt eine solche Veranstaltung die nächste. Der Erfolg der sunnitischen Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) hat die Lehranstalt im Herzen Kairos aufgeschreckt – wenn auch mit einiger Verzögerung. Wochen vergingen, ehe al Tayyeb die Greuel der Mörderbande in Mossul und anderen irakischen Städten verurteilte. Dann aber so: Bei den „Terroristen“ handele es sich um eine „zionistische Verschwörung“. Äußerungen einzelner Azhar-Scheichs, die sich weigerten, die IS-Kämpfer als Gottlose zu bezeichnen, trugen ebenfalls nicht gerade dazu bei, dass sich die Universität, die mitunter als „islamischer Vatikan“ bezeichnet wird, als Hort vernünftiger Antifundamentalisten einen Namen machen könnte.

Seit ein paar Monaten hat sich der Ton verändert. Auch auf dem Podium im Ibrahim-Hamrosch-Saal. Der strenge Scheich Azhari legt großen Wert darauf, dass schon im Dezember zweihundertfünfzig Gelehrte aus aller Welt dem Aufruf der Azhar folgten, nach Kairo zu kommen, um gemeinsam eine Stellungnahme gegen den IS zu verabschieden. „Mehr als eine halbe Million Exemplare wurden davon gedruckt“, sagt er stolz. Bücher sind Azharis Waffe, Auflage seine Währung.

Dass den Terroristen und ihren Anhängern mit Worten allein nicht beizukommen ist, geht im Redeschwall der Gelehrten auf dem Podium allerdings unter. Von „entscheidenden Phasen“, „wichtigen Wendepunkten“ und „schwerwiegenden Herausforderungen“ ist in einem fort die Rede und davon, dass die Azhar – „das Minarett der Wissenschaft“ – stark genug sei, sich allein gegen Angriffe zu wehren.

Tayyebs Stellvertreter Shouman, der zuletzt Schlagzeilen machte, als er die Aufforderung an die Frauen zurückwies, das Kopftuch abzulegen, fordert die Medien dazu auf, ihrer Rolle gerecht zu werden – und „ein sehr gutes Bild des Islams“ zu vermitteln. Muhammad Muhanna, der Berater des Großscheichs, wagte sogar die Behauptung, dass es sich bei den Kämpfern des „Kalifen“ Abu Bakr al Bagdadi gar nicht um Muslime handele.

Das wurde dann zum Mantra der Azhar-Gelehrten, seit jedes Gespräch über den Islam unweigerlich bei den Greueltaten von Bagdadis Männern endet. Keine Muslime, lautet ihre Devise, um das Phänomen in den Griff zu bekommen. Kein Wort darüber, dass sich die Sunnitenmiliz in den von ihr eroberten Gebieten auf eine breite gesellschaftliche Basis stützen kann. Kein Wort davon, dass sich die IS-Fanatiker ebenso wie die Azhar-Gelehrten auf dieselben Wurzeln berufen: den Koran.

Als sich die Extremisten im Februar zur Verbrennung des jordanischen Kampffliegers Moaz Kasabeh bei lebendigem Leibe bekannten, erhob Großscheich Tayyeb Einspruch: Der Koran empfehle für solche Fälle doch die Kreuzigung und das Abhacken der Gliedmaßen! Amerikas Außenminister John Kerry muss andere Stellungnahmen im Kopf gehabt haben, als er im vergangenen Herbst vorschlug, die Azhar solle die ideologische Speerspitze moderater Muslime im Kampf gegen den IS bilden.

Aus dem modernen Palast auf einer Anhöhe in der Innenstadt von Kairo, wo Tayyeb residiert, dringen stattdessen schrille Töne und werden Intrigen gegen reformerische Kräfte gesponnen. Den Azhar-kritischen Kulturminister Gaber Asfour soll Tayyeb im März aus dem Amt gedrängt haben; bei der Absetzung der beliebten Fernseh-Talkshow „Ma Islam“ („Mit dem Islam“) ein paar Wochen später hatte er ebenfalls seine Finger im Spiel. Der Vorwurf an den Moderator Islam al Beheiry: Mit seiner Kritik an der Texttreue des traditionellen sunnitischen Establishments habe er den Islam beleidigt. Als Tayyeb im April dann das „barbarische Vorgehen“ schiitischer Milizen im Irak anprangerte, bestellte die Regierung in Bagdad den ägyptischen Botschafter ein.

Auch Volker Kauder erlebte bei seinem Treffen mit dem Großscheich in Kairo alles andere als einen nachdenklichen Gesprächspartner – geschweige denn einen „islamischen Luther“. Er habe einen „intensiven Vortrag“ über eine zionistisch-amerikanische Verschwörung anhören müssen, erzählt der Vorsitzende der Unionsfraktion in der Residenz des deutschen Botschafters, eine Verschwörung, die zur Entstehung des IS geführt habe und deren Opfer nun in erster Linie Muslime seien. Außerdem habe es längere Tiraden über die verderbliche Rolle Homosexueller und den Abfall Europas vom Glauben gegeben. Das nüchterne Fazit Kauders: „Wir sind viel weiter voneinander entfernt, als ich geglaubt habe.“

An einer schmucklosen Ausfallstraße Kairos liegt der weitläufige Campus der Azhar-Universität. Direkt gegenüber dem Denkmal für den unbekannten Soldaten. Im Oktober 1981 hatte hier eine Gruppe bewaffneter Islamisten den damaligen Präsidenten Anwar al Sadat umgebracht. Unmittelbar danach verhängte dessen Nachfolger Mubarak den Ausnahmezustand, der erst nach seinem Rücktritt 2011 aufgehoben wurde. Von dem Gefühl des Aufbruchs, das in den Tagen des Aufstands gegen den autoritären Herrscher Ägypten erfasste, ist heute nichts mehr übrig. Bleierne Zeiten sind eingekehrt vier Jahre nach der Revolution, ein Klima der Ausgrenzung und Einschüchterung beherrscht das Land.

Taschen und Metallgegenstände muss abgeben, wer den streng bewachten Eingang passieren will. Wie am Flughafen wird alles kontrolliert. Ein Mannschaftswagen der Bereitschaftspolizei steht hinter der hohen Pforte, ein Englischstudent weist den Weg zum Büro des Dekans der fremdsprachlichen Fakultät. Das Schlimmste sei längst vorbei, sagt der junge Mann und meint damit die Monate nach der Machtergreifung Sisis. Sicherheitskräfte rückten damals ein, viele seiner Kommilitonen wurden verhaftet. Zwanzig Studenten kamen seit Sommer 2013 bei Protesten ums Leben, allein sieben davon auf dem Azhar-Campus.

Über diese Vorkommnisse reden möchte Said Attia nicht, ebenso wenig über die Anzahl der Muslimbrüder, die heute noch Posten in der Azhar-Hierarchie besetzen. Hunderte sollen es sein. Er sei Forscher und kein Politiker, sagt der Dekan. Auch nähere Auskünfte über die Ansprache, die Sisi im Januar vor Professoren und Geistlichen hielt, wehrt er ab. „Ich habe geklatscht“, sagt er knapp und weist darauf hin, dass auch ein Sohn des Präsidenten an seiner Fakultät immatrikuliert gewesen sei.

Azhar als „Hort eines moderaten Islams“

In der vielbeachteten Rede hatte Sisi eine radikale Erneuerung islamischen Denkens gefordert und die Azhar-Lehrenden in die Pflicht genommen. Eine schonungslose Auseinandersetzung mit dem eigenen System müssten diese führen, um weiteres „Verderben“ zu verhindern: Es sei „undenkbar“, dass die 1,6 Milliarden Muslime dem Rest der Menschheit das Gefühl gäben, sie töten zu wollen. „Die ganze Welt wartet auch deshalb auf Ihre Worte, weil die muslimische Nation zerrissen und zerstört wird und auf ihren Untergang zusteuert.“ Wieder machte das Wort von der Azhar als dem „Hort eines moderaten Islams“ die Runde.

„Wir glauben daran, dass wir uns erneuern müssen“, sagt Said Attia und erwähnt einen Hadith aus der Sammlung der überlieferten Gebräuche und Aussagen Mohammeds, der alle hundert Jahre einen religiösen Reformer gefordert habe. Dem Kern von Sisis Rede freilich, mit veralteten Texten und Denkweisen zu brechen, die über Jahrhunderte ungeprüft weitergegeben wurden, stimmt er nicht zu. „Es geht nicht um die Grundlagen“, sagt er. Schließlich sei doch jedem klar, dass nicht alles, was zu Zeiten des Propheten vor 1400 Jahren gegolten habe, eins zu eins auf heute übertragbar sei. Und der IS? „Sie behaupten, sie seien Muslime“, betet Attia die Azhar-Mainstream-Haltung herunter. „Meiner Meinung nach sind sie das aber gar nicht.“ Man müsse sich doch nur die Enthauptung der 21 ägyptischen Kopten an einem Strand in Libyen im Februar anschauen. So etwas habe weder der Prophet erlaubt noch der Koran. Islam? „Der Islam hat nichts damit zu tun.“

Doch was denn nun den „moderaten Islam“ ausmache, kann Attia auch nicht so recht erklären. „Harmonie“ nennt er als Stichwort, „Frieden“, „Liebe“ und „Gleichheit“ und zitiert den Koran, der fordere, dass Muslime gemäßigt auftreten sollten. Seiner Fakultät kommt dabei eine besondere Rolle zu. Ein eigener Satellitensender der Universität soll künftig in zehn Sprachen über den „wahren Islam“ aufklären. Attias Professoren werden unter den Übersetzern sein. Schon jetzt hätten sie begonnen, die Reden des Wafq-Ministers für religiöse Angelegenheiten zu übersetzen. „Die Bedeutung des Islams und Fehler von Muslimen: Hin zu einer Korrektur“, hieß die letzte Konferenz, die seine Behörde ausrichtete.

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Time am 12. Juni 2015

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1) http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/azhar-universitaet-in-kairo-is-sind-gar-keine-muslime-13631203.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

Eine 2.000 Jahre alte Geschichte…

31. Juli 2014

BesseralsKlohamett

ISIS-Schlächter haben 1.500 junge Männer exekutiert und somit ihren „Propheten“ Klo H. Metzel in den Schatten gestellt, der es im Fall des jüdischen Stammes Banu Quraiza auf „nur“ 900 brachte (1). Dürfen die das? Dürfen die ihren Propheten übertrumpfen? Dann ist er doch gar nicht mehr der „beste Mensch aller Zeiten“…

Auf „FAZ.net“ beleuchtete Rainer Hermann gestern die Ausrottung des Christentums im Orient, in dem es 2.000 Jahre lang heimisch war (2).

Der Mohammedanismus wütet unter der menschlichen Zivilisation weit schlimmer als die Seuche Ebola (3). Er ist indessen noch nicht einmal als Problem erkannt worden. Schuld seien die „Islamisten“, die „SA-lafisten“ usw. usf., bei denen es sich jedoch durchgängig um Typen handelt, die nicht mehr oder weniger grausam und pervers sind als ihr hochverehrtes Vorbild Klo.

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Christen im Mittleren Osten

Auf der Abschussliste der Islamisten

Die orientalischen Kirchen sind der Ursprung des Christentums. Jetzt werden sie von Terrorgruppen wie dem „Islamischen Staat“ ausgelöscht. Bald wird es im Mittleren Osten keine Christen mehr geben.

Das Christentum ist heute in Syrien und im Irak, also an den Stätten, wo es in der Spätantike seine erste Blüte entfaltet hatte, in seiner Existenz bedroht. In Damaskus findet man immer noch die Gerade Straße, auf der Saulus zum Paulus wurde. Doch ganz in der Nähe, in der Ortschaft Maalula, wo noch bis vor kurzem die Sprache Jesu, Aramäisch, gesprochen wurde, haben islamistische Extremisten das Kloster der Heiligen Thekla aus dem vierten Jahrhundert geschändet und zerstört. In der Hügellandschaft um Aleppo hatten Säulenheilige wie Simeon erstmals eine strenge Askese praktiziert. Dort haben Krieger des Islamischen Staats, an deren Spitze ein selbsternannter Kalif steht, zwei Bischöfe entführt und mutmaßlich getötet. Die Evangelisten Matthäus und Lukas berichten, wie das Volk von Ninive, dem heutigen Mossul, durch Jonas von allem Bösen erlöst worden sei. Doch soeben haben in Mossul die Krieger des Dschihad die Christen vertrieben und das Grabmal des Jonas vernichtet.

Die meisten von uns halten das Christentum für eine westliche Religion. Bestenfalls ist uns das Schisma des Jahres 1054 bewusst, das die Trennung von Rom und Konstantinopel, von der römisch-katholischen Kirche und den orthodoxen Kirchen vollzogen hat. Doch schon viel früher, im vierten und fünften Jahrhundert, führten machtpolitische Interessen, theologische Kontroversen und unterschiedliche philosophische Traditionen zur Trennung der alten orientalischen Kirchen von Konstantinopel und der zentralistischen Kirche von Byzanz.

Die aufgefächerte Kirche

Das Urchristentum und die Urgemeinde hatten ihre Blüte im Morgenland, das dem Abendland kulturell und zivilisatorisch damals weit voraus war. Von den fünf frühchristlichen Patriarchaten, der Pentarchie, lagen drei – Alexandria, Antiochien und Jerusalem – im Orient. Rom lag im Westen, Konstantinopel zwischen Ost und West. Alexandria wurde zur Kirche der Kopten und Afrikas, Antiochien zur Kirche des Ostens, und auf Jerusalem erheben alle Anspruch. Große Theologen aus dem Osten – wie Origines (185–251), Ephräm der Syrer (306–373) oder Gregor von Nyssa (335–394) – brachten die Entwicklung der christlichen Dogmatik voran.

Die Blüte des frühen Christentums im Orient war möglich, weil im Reich der persischen Parther, das religionspolitisch liberal war, die Christen ihren Glauben zu einer Zeit ungehindert praktizieren konnten, da sie die Römer noch verfolgten. Erst 380 wurde das Christentum im Römischen Reich Staatsreligion. Zudem überlappten sich im Osten Anatoliens der römische und der persische Kulturkreis. In Städten wie Edessa (heute Urfa) und Nisibis (heute Nusaybin) pulsierte das geistige Leben, theologische Grundfragen wurden kontrovers diskutiert. In der christlichen Grenzstadt Edessa gab es viele Sekten, die ihre Dogmen noch nicht festgelegt hatten. Die Kirche, die sich später durchsetzen sollte, war noch in der Minderheit. Nisibin war ein Zentrum für die Übersetzung griechischer Philosophie. Viele Häretiker fanden dort Schutz. Es wurde ein Zentrum für die nestorianischen Christen, die von Byzanz verstoßen waren, weil sie die Lehre von den zwei Naturen Christi ablehnten.

In den Jahrhunderten vor der Eroberung durch die muslimischen Araber konsolidierte sich das Christentum im Großraum Levante, Mesopotamien und Anatolien. Die unterschiedlichen kulturellen Einflüsse brachten viele altorientalische Kirchen hervor, die bis heute das Christentum bereichern. Etwa die Assyrische Kirche des Ostens oder die syrisch-orthodoxe Kirche, aber auch mit Rom unierte Kirchen wie die der Chaldäer oder der Melkiten. Die Republik Irak erkennt vierzehn Kirchen an, aber auch andere nichtmuslimische religiöse Minderheiten wie die Yeziden, die Schabak oder die Sabäer. Auch sie stehen, wie die Christen, auf der Abschussliste der Krieger des Islamischen Staats.

Missionare in China

Die alten orientalischen Kirchen sind uns, die wir in den lateinischen Kirchen des Westens groß geworden sind, mit ihrer archaischen Liturgie und ihrer Theologie, die nicht intellektuell das Wort Gottes auslegt, sondern den hymnischen Lobpreis Gottes in den Mittelpunkt stellt, fremd. Würde ein Christ aus der Zeit des frühen Christentums heute wieder auf die Erde kommen, wäre ihm der Islam vertrauter als die modernen lateinischen Kirchen, von den evangelikalen Christen Amerikas ganz zu schweigen. Viele byzantinische Christen sahen in der jungen Religion des Islams nur eine weitere Häresie. Der große Theologe Johannes Damascenus (650– 754) aus Damaskus begrüßte die Konversion der vormals heidnischen Araber, er betrachtete den Islam als eine Häresie, die aus dem Arianismus erwachsen sei. Die frühchristliche Sekte der Arianer lehnte nämlich die Trinitätslehre ab und erkannte nur Gottvater als Gott an.

Vom vierten Jahrhundert an lebten sich die orientalischen und westlichen Christen auseinander. Zu den großen theologischen Streitpunkten gehörten die Natur Marias und die Jesu Christi. Im Orient setzte sich die Lehre von Maria als der „Mutter Christi“ durch, der Westen inklusive der Orthodoxen verehrt sie indes als „Mutter Gottes“. Die orientalischen Kirchen sprechen zudem Christus nur eine Natur zu, für sie gehen die menschliche und göttliche Natur in ihm eine Synthese ein. Im Unterschied zur Lehre der westlichen Kirchen, die die Zweiheit von Gottheit und Menschheit in Jesus Christus hervorheben. Hinzu kam, dass viele Christen im Orient gegen die Zentralisierungsversuche der byzantinischen Reichskirche aufbegehrten und dass Bischöfe, die unter persischer Herrschaft lebten, nur an den ersten zwei Konzilen, denen in Nizäa (325) und Konstantinopel (381), teilnehmen konnten. Da sie die Debatten der folgenden Konzile nicht mehr beeinflussen konnten, lehnten sie deren Ergebnisse ab.

Auf dem Konzil von Ephesus (431) wurde ein doppelter Disput ausgetragen. Es ging vordergründig darum, ob dem Patriarchen von Konstantinopel oder dem von Alexandria der Vorrang zustehe; überlagert wurde der kirchenpolitische Machtkampf von der Frage nach Marias Natur. Der Patriarch von Konstantinopel, Nestor, vertrat die Position, Maria sei „Christotokos“ (Christgebärerin). Nestor verlor gegen den Patriarchen von Alexandria, Cyrill, und wurde exkommuniziert. Die „assyrische Kirche des Ostens“ von Antiochien folgte aber Nestor, spaltete sich ab und wurde fortan nestorianisch genannt. Ihre Missionare waren in Indien aktiv und kamen bis nach China.

Ein tragisches Ende ist in Sicht

Das Konzil von Chalzedon (451) vertiefte die Spaltung. Der Patriarch von Alexandrien wurde in die Verbannung geschickt, so dass Konstantinopel wieder Vorrang hatte. Theologisch entschied es, Christus sei zugleich wahrer Gott und wahrer Mensch, und erhob die Trinität zum Dogma. Die Kirchen des Orients aber beharrten auf der Position, Christus habe nur eine Natur. Ihre Kritiker belegten sie mit dem Schimpfwort „Monophysiten“, was die „Einzigheit der Natur“ in den Vordergrund stellt. Sie selbst nennen sich aber „Miaphysiten“, sie betonen damit die „Einheit“ der zwei Naturen Christi. Diese Miaphysiten machten einen bedeutenden Teil der frühen Christen aus. 484 nahm die „Kirche des Ostens“, die sich 424 für unabhängig erklärt hatte, die Lehre Nestors als verbindlich an. Damit solidarisierten sie sich auch politisch mit ihrem Persischen Reich, das mit Konstantinopel im Kriegszustand war. Die byzantinische Reichskirche verfolgte ihrerseits alle Christen, die die Konzilien nicht anerkannten.

Die Angst der Christen im Irak

Von diesen orientalischen Christen haben die frühen Muslime viele Praktiken übernommen. Etwa die Prostration, das Sich-Niederwerfen beim Gebet. Auch das Minarett als Turm, von wo zum Gebet in einen Innenhof gerufen wird, geht auf Vorbilder in alten syrischen Kirchen zurück. Außerdem hatten alte Klöster, wie etwa Mar Saba bei Bethlehem, eine Gebetsnische nach Osten; daraus wurde die Kibla der Moschee. Das Gebet auf dem Teppich stammt von den armenischen Christen, die seit 301 die erste Staatskirche überhaupt gründeten und unter Berufung auf den brennenden Dornbusch (2. Buch Mose 3: „Zieh deine Sandalen aus, denn du stehst auf heiligem Boden.“) zum Gebet die Schuhe abstreiften. In der Archäologie bleibt die arabische Eroberung des siebten Jahrhunderts unsichtbar. Die Herrscher wechselten, das Leben ging weiter wie zuvor. Viele christliche Meisterwerke, etwa Mosaiken, entstanden erst nach der arabischen Eroberung. Die arabischen Konquistadoren verfolgten keine Christen und zerstörten keine Kirchen.

Der große Exodus setzte erst nach dem Zweiten Weltkrieg ein. Er beschleunigte sich im 21. Jahrhundert, zumal durch die Invasion im Irak unter George W. Bush 2003. Die irakischen Christen wurden Geiseln. Zum Verhängnis wird den orientalischen Christen auch, dass sie nur unter säkularen Diktaturen eine Zukunft für sich sehen, wie heute in Ägypten unter Abd al Fattah al Sisi und in Syrien unter Baschar al Assad. In diesen Staaten bringt das viele gegen sie auf. Die jüngste Vertreibung im Juli wurde im Norden des Iraks durch den in seiner Intoleranz einzigartigen Islamischen Staat in Gang gesetzt. Die 2.000 Jahre alte Geschichte des orientalischen Christentums nähert sich ihrem Ende.

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Time am 31. Juli 2014

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1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/22/sira-1-einfuhrung-und-massenmord/
2) http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/christen-im-mittleren-osten-auf-der-abschussliste-der-islamisten-13072603.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2
3) http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/ebola-seuche-elfenbeinkueste-bereitet-sich-auf-ebola-vor-13074421.html

Orkas bei der Wahl

9. Juni 2014

Ägypten_01

In Ägypten und Syrien sind unlängst Wahlen abgehalten worden, und es gewannen erwartungsgemäß jeweils die militärischen Machthaber. Dennoch gab es einen bemerkenswerten Unterschied.

Das oben stehende Foto bezüglich der Wahl in Ägypten auf der Dimmi-Seite „Qantara“ (1) machte mich stutzig. Warum will der Fotograf die Schleiereule, nicht aber die unverschleierte Wählerin zeigen? Ich schaute mich ein bisschen um. Man zeigte solche Ägypterinnen…

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… und solche:

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Solche

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und solche

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und solche

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und natürlich jede Menge Vetteln vom Schlage Meryemsdergehirnamputierten (2):

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Offenbar sehen die MSM-Sesself*rzer die Zukunft Ägyptens untrennbar mit dem Mohammedanismus verbunden. Fast hatte ich sogar den Eindruck, als ob männliche Redakteure durch die Präsentation besonders hässlicher Uhus gegen das Frauenwahlrecht opponieren wollten.

 Aber es gibt doch auch die…

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und die…

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und die…

Ägypten_13

und die…

Egyptians vote in second day of presidential election

… und überhaupt ziemlich viele Frauen, die wählen wollten!

Ägypten_x

Bei der syrischen Wahl war das Verhältnis übrigens umgekehrt. Es gab solche:

Syrien_01

und solche…

Syrien_02

und solche…

Syrien_03

und solche…

Women vote at a polling station for a parliamentary election, in Damascus

… aber kaum solche,

Syrien_07

was mir u.a. ein deutliches Indiz dafür zu sein scheint, dass Assad in Anbetracht der Möglichkeiten, die der real existierende Sozialismus Mohammedanismus nun einmal nur bietet, das geringste Übel für das syrische Volk ist.

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Time am 9. Juni 2014
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1) http://de.qantara.de/inhalt/praesidentschaftswahlen-am-nil-aegypten-hat-keine-wahl
2) http://meryemdeutschemuslima.wordpress.com/2013/08/20/deutsche-muslima-studiert-atombombenbau-im-iran-iran-reisebericht-2013-teil-1/

Das einzige, was dort geht

21. Dezember 2013

Ägypten

Unser Mitstreiter Tangsir ist m.E. derzeit arg auf Nebenschauplätze des Counterjihad abgeglitten, so wie ich es in der Szene schon häufiger beobachtet habe (1). Kann es sein, dass dies ein psychischer Schutzmechanismus angesichts der Konfrontation mit einem scheinbar nicht zu bewältigenden Problem ist?

So wie Leo-the-dimmi die Arbeit mit mohammedanistischen Texten verweigert, so lässt auch Tangsir in seinen Angriffen auf „das“ Christentum übrigens die Evangelien selbst nicht zu Wort kommen.

Recht hat er jedoch mit seiner Behauptung, dass es viel zu häufig zu Allianzen zwischen Christen und Mohammedanisten gegen Atheisten, Säkularisten oder gegen Menschen kommt, die ihrem gesunden Menschenverstand folgen und einfach nicht von den Angelegenheiten anderer belästigt werden wollen.

In Ägypten beispielsweise haben die von den Orks verfolgten und unterdrückten Kopten gemeinsam mit den Nazislahmisten der Azar-„Universität“ in der neuen Verfassung die Beschränkung der Religionsfreiheit auf Orks, Juden und Christen sowie den Straftatbestand der „Religionsbeleidigung“ durchgesetzt. Lesen Sie einen Bericht von Hannes Bode aus der linken Wochenzeitung „Jungle-World“ (2).

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Der Autor hat mich darum gebeten, den Artikel zu entfernen sowie seinen Namen aus der Tagliste zu streichen. Offenbar will er nicht mit counterjihadischen Kreisen in Verbindung gebracht werden.

Gerne hätte er es nach seinen Worten gesehen, wenn ich weiterhin auf seinen Text verlinkt hätte, das hätte die Zugriffe darauf erhöht, ohne ihn zu „diskreditieren“.

Der Text war tagesaktuell aber ansonsten wenig bedeutsam. Auch scheint Bode nichts von politischer oder wissenschaftlicher Debatte zu halten. Die Debatte in der MoT (s.u.) hingegen ging am Artikel vollständig vorbei.

Es fällt mir darum leicht, der Bitte des Autoren weitgehend zu entsprechen, allerdings werde ich auch nicht auf ihn verlinken. Mach’s gut Hannes!

Time am 7. Februar 2014

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Time am 21. Dezember 2013

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1) http://tangsir2569.wordpress.com/2013/12/20/warum-es-wichtig-ist-das-christentum-zu-kritisieren/