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Türken türken

5. August 2010

Dimmi-Daves Schleimspur, die er in der Türkei hinterlassen hatte, wurde am 1. August von Klaus-Dieter Frankenberger in der FAZ beleuchtet. Frankenberger stellte die großen Differenzen zwischen der deutschen und britischen Position gegenüber einem EU-Beitritt der Orks dar und schrieb sodann:

„(…) Nicht zu bestreiten ist, dass die Türkei eine große wirtschaftliche Dynamik erlebt mit quasi „chinesischen“ Wachstumsraten. Die islamische Regierung Erdogan legt außen- und regionalpolitisch ein Machtbewusstsein und einen Gestaltungsehrgeiz an den Tag, wie man sich das auch von Europa öfter wünschte. Nicht zu leugnen ist allerdings auch, dass sie sich damit wiederholt in Gegensatz zur westlichen Politik gebracht hat. Was auf der „arabischen Straße“ populär ist, lässt Leute andernorts die Stirn runzeln. Die Türkei ist jedenfalls ein Land, das sich im Aufstieg wähnt und dessen Führung sich entsprechend selbstbewusst verhält.

Wie würde sich dieses Land in der EU verhalten? Frohgemut Kompetenzen abtreten, wo es doch machtpolitisch viele Trümpfe in der Hand zu haben scheint und historisch wieder groß rauskommt? Das kann man sich kaum vorstellen. Es würde den Trend verstärken, dass die Großen Entscheidendes unter sich ausmachen. Und wie würden die Leute in der EU reagieren?

Akzeptanz- und Begeisterungsverlust, unter denen die EU schon heute leidet, würden gewiss nicht geringer. Die EU-Mitgliedschaft der Türkei wäre vielleicht der Tropfen, der das Fass der Euro-Skepsis zum Überlaufen bringt. Und das politische Projekt „Europa“ zum Stillstand. Es ist schleierhaft, warum auch Leute den Beitritt forcieren, die sonst gar nicht genug Integration haben können. Und wenn die britischen Konservativen für Referenden bei Vertragsänderungen sind, werden sie ein Wählervotum auch bei weiteren Aufnahmen akzeptieren müssen (mit möglicherweise für sie unerfreulichen Resultaten).“

Soweit nachvollziehbar und auf den Punkt gebracht schloss Frankenberger jedoch mit folgenden Sätzen:

„Auf der anderen Seite – das ist das entscheidende Argument, auf das sich die Türkei berufen kann – haben die Europäer Aufnahmeverhandlungen zugestimmt. Seit 2005 werden sie geführt. Nicht aus Jux und Tollerei, sondern mit dem Ziel des Beitritts. Anderes ist Augenwischerei.

Es erhöht aber die Sehfähigkeit, wenn man sich ab und zu den Schleim aus den Augen wischt.

Zudem haben sich die Voraussetzungen geändert: Sie sind z.B. in Verhandlungen über den Kauf eines Gebrauchwagens. Sie merken, dass der Verkäufer gar kein Auto besitzt, sondern nur ein defektes Mofa. Wer kann Sie mit welchem Argument zwingen, die Verhandlungen fortzusetzen? Als die Verhandlungen mit der Türkei begannen, erschien die Türkei als laizistischer Staat auf dem Weg nach Westen. Seit dem Jihad-Fanal vom 11. September und der Machtübernahme durch die mohammedanistische AKP-Partei wandert die Türkei unaufhaltsam Schritt um Schritt ins Lager der Jihad-Staaten. Wesentliche Voraussetzungen für die Verhandlungen haben sich geändert, und daher ist es für unsere Seite unsinnig geworden, sie weiter zu führen. Wir müssen bremsen und – bitte – wenden.

Von den Türken ist nichts als Betrug und Täuschung zu erwarten, solange sie Mohammedanisten sind. Dies zeigt auch ein weiteres mal das Beispiel der von Orkverstehern als beispielhaft integrativ gelobten, weit verzweigten und anwachsenden „Gülen-Bewegung“, die tatsächlich Meister der Takija ausbildet mit dem Ziel, für alle die Scharia durchzusetzen. Lesen Sie über diese türkenden Türken zunächst einen Aufsatz von Friedmann Eißler (1), wissenschaftlicher Referent bei der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, aus „ZEITzeichen“ (7/2010):

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Für die Scharia

Die Gülen-Bewegung gibt sich modern – und ist antiwestlich eingestellt. Dialog der Kulturen oder Scharia-Islam? Friedmann Eißler, wissenschaftlicher Referent bei der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, untersucht die Motivation der Anhänger des türkischen Predigers Fethullah Gülen, die auch in Deutschland immer mehr Verantwortung in Wirtschaft, Medien und Bildung übernehmen.

Sie wollen Frieden zwischen den Völkern, Dialog zwischen den Kulturen und Versöhnung zwischen Glaube und Wissenschaft. Sie gelten als Reformer modern, liberal, unpolitisch und dialogisch. Ihr gesellschaftliches Engagement wird meist mit einer Mischung aus Staunen, Neugier und Respekt wahrgenommen, und dies zunehmend von einer breiteren Öffentlichkeit. Die Rede ist von den Anhängern des türkischen Predigers Fethuilah Gülen (geboren 1938), der seit 1999 in den USA lebt und lnspirator und geistiger Kopf eines weltweit erfolgreichen Netzwerkes ist.

Nicht nur in Deutschland übernehmen die überwiegend männlichen, mit Anzug und Krawatte gepflegt auftretenden Aktivisten immer mehr Verantwortung in Wirtschaft, Medien und Bildung. Aber allein hier betreiben sie inzwischen rund 150 Nachhilfezentren, knapp zwanzig Schulen, viele Kindertagesstätten, eine Reihe von Dialoginstitutionen wie das Institut für Information über Islam und Dialog in Hamm (INID), das Forum für Interkulturellen Dialog Berlin (FID) und das Interkulturelle Dialogzentrum in München (IDIZEM). Auch „ein kleines Medienimperium“, wie es die taz nennt, das unter dem Dach der Worid Media Group AG Zeitungen, Zeitschriften, Radio- und Fernsehsender vereint – Tendenz in allen Bereichen: wachsend.

Das Netzwerk besteht aus einem inneren Kreis von engagierten freiwilligen Mitarbeitern, soll aber weltweit bis zu fünf Millionen Anhänger zählen. Es versteht sich nicht als politische oder ideologische Organisation, ebenso wenig als religiöser Orden oder Bruderschaft, sondern als „eine einmalige und einzigartige moderne soziale Bewegung“ (M. Enes Ergene: Das neue Gesicht des Islams). Die freilich ist keineswegs säkular, sondern religiös motiviert. Denn die treibende Kraft hinter ihren uneigennützigen Aktivitäten ist die Religion, und zwar in Form eines durchaus konservativ geprägten, an der Scharia ebenso wie an den Lehren des Sufismus orientierten Islamverständnisses. Bis vor kurzem versuchte man die religiöse Motivation wie überhaupt die Zugehörig keit zum Gülen-Netzwerk in der Öffentlichkeit eher zu verbergen. Dies hat sich geändert, so dass eine Potsdamer Konferenz mit dem Titel „Muslime zwischen Tradition und Moderne – Die Gülen-Bewegung als Brücke zwischen den Kulturen“ vom Mai 2009 in der ZEIT geradezu als „Coming-out der Fethullahcis, also der Anhänger, in Deutschland“ bezeichnet werden konnte.

Dialog der Kulturen oder SchariaIslam? Was bewegt die Bewegung, die als Träger von „Traumschulen“ der Integration auftritt (ZEIT-online), an denen die Unterrichtssprache Deutsch ist und Ethik anstatt Religionstunterricht angeboten wird, der aber zugleich mangelnde Transparenz vorgeworfen wird, was die religiösen Ziele angeht? Kommunale und kirchliche Beauftrage geben Entwarnung, auch der Journalist Rainer Hermann stellt der Gülen-Bewegung ein gutes Zeugnis aus. Kritiker sprechen dagegen im Blick auf die inneren Zirkel der Bewegung von einer „verschlossenen Welt“ und befürchten gleichsam eine Islamisierung mit den Mitteln eines säkularen Bildungsdiskurses. Sieht man die Eigenwerbung, sollte man denken, es handle sich um einen modernen, weltoffenen, reformorientierten Islam, der hier propagiert wird. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich allerdings, dass unter zeitgemäßem Gewand nicht Reformen, sondern Positionen eines streng konservativen Islam vertreten werden, die nicht in staatlich anerkannte Bildungseinrichtungen gehören. Drei Aspekte spielen dabei eine besonders hervorgehobene Rolle: Naturwissenschaft, gesellschaftspolitische und -kritische Themen sowie das Koranverständnis.

Jede Nummer der Gülen-Zeitschrift „Die Fontäne“ führt das vor Augen. Die „Vierteljahreszeitschrift für Religion, Kultur und Wissenschaft“ ist relativ aufwändig und ansprechend gemacht. Auf den ersten Blick springt der hohe Anteil an naturwissenschaftlichen Themen ins Auge. Es geht zum Beispiel in Nummer 45/2009 um die Funktion der Bauchspeicheldrüse, den hohen Gesundheitswert der Kirsche und die Wunder des Kosmos, um Mathematik und das Sterben des Aralsees. Über solche Themen sollen auch nichtreligiöse junge Menschen angesprochen und für den Islam interessiert werden.

Grundtenor der Wissenschaftsbeiträge ist, die Schöpfung als einzigartiges Kunstwerk Gottes nahezubringen und so auf die wahre Religion aufmerksam zu machen. Dabei ist nicht unwichtig zu wissen, dass Fethullah Gülen neben Adnan Oktar alias Harun Yahya einer der führenden Vertreter eines islamischen Kreationismus ist, der gerade in der Türkei in einen umfassenderen antisäkularistischen, antiwestlichen Diskurs eingebettet ist, der damit einen ideologischen Import aus dem Westen gegen „den Westen“ wendet. Die Evolutionstheorie wird als atheistisch abgelehnt, die „materialistische Weltanschauung“ der Säkularisten angeprangert. Wissenschaftliche Erkenntnisse werden regelmäßig auf Koranstellen zurückgeführt beziehungsweise dort vorgezeichnet gefunden.

Klimaschutz, Ökologie, moderne Medizin und technische Errungenschaften werden mehr oder weniger direkt mit der im Koran niedergelegten göttlichen Offenbarung in Verbindung gebracht. Steht die einzigartige Weisheit des Koran und die von ihm durchdrungene Harmonie des Kosmos fest, so erscheint der Islam nachgerade als natürliches Bezugssystem des Menschen, das bei Gülen durch geistige Ausflüge in glorreiche Zeiten des Osmanentums und in den Sufismus reichlich ausstaffiert wird.

Krisen und Übel in der Welt entstehen durch die Verabschiedung des individualisierten, autonomen Menschen aus diesem System. Damit sind die gesellschaftlichen Probleme im Blick. Atheismus und Materialismus führen zu Werte- und Orientierungslosigkeit und innerer Leere mit unabsehbaren Folgen für familiäre Strukturen wie für die gesamte Gesellschaft. Die Analyse des Amoklaufs eines Schülers zielt genau darauf ab. Auch von Sünde ist die Rede. Der Begriff besitze in Konsumgesellschaften keinerlei Stellenwert mehr. Freilich werden dem nicht etwa Sündenvergebung und die Verantwortlichkeit des Menschen vor Gott gegenübergestellt, vielmehr wird betont, dass sich der Mensch vor neuen Katastrophen nur durch Einhalten der Scharia schützen kann: „Der Mensch ist ein Geschöpf, dem ein Mittelweg in den Grenzen von ,Erlaubtem und Verbotenem‘ aufgezeigt werden muss.“ Individuelle Freiheit hingegen ist ein westliches Produkt, auf die Befriedigung sinnlicher Begierden aus und letztlich eine tödliche Gefahr für die ohnehin moralisch degenerierte (westliche) Gesellschaft. Es ist konsequent, wenn unmissverständiich gesagt wird, dass das westliche und das islamische Freiheitsverständnis unvereinbar sind.

Der Fall ist klar: Wir müssen zurück zur Einheit von Glaube und Naturwissenschaft, die im Koran grundgelegt ist, so wie man auch zurückkehren muss zur Einheit von Religion und Politik, von Moral und Gesellschaft. Der Islam ist die Lösung. Zumindest erscheinen die geistigen Werte der Scharia als notwendige Ergänzung zum geist- und gottlosen Materialismus der westlichen Hemisphäre.

Scharia und moderne Wissenschaft stehen demnach in keinem Widerspruch, im Gegenteil: „Die Wissenschaft ist ein Weg, Gott kennenzulernen“, so steht es in der Fontäne. Diese Überzeugung ist für die Gülen-Philosophie grundlegend. In der Türkei war der Islam seit Atatürk aus den öffentlichen Institutionen gedrängt worden. Folgerichtig erschien säkulare Bildung als geeignetes Mittel für eine zeitgemäße und effektive Mitgestaltung der modernen Welt im Sinne einer (Re-)Islamisierung der Gesellschaft. Dies erkannte schon der Begründer der Nurculuk-Bewegung, Said Nursi (1879-1960), ein Lehrer Fethuliah Gülens. Und dies spiegelt sich in den Aktivitäten der Gülen-Bewegung. Der Islam als allumfassendes System soll auf diese Weise in der Mitte der Gesellschaft und damit in der Gegenwart ankommen.

Auf dieser Linie wird auch der Dschihad mehr oder weniger unverblümt als Verteidigung der Religion gepriesen, die von Muslimen zu verlangen sei. Wer im Dschihad stirbt, ist ein Märtyrer. Und nicht genug: Der moderne Katalog der Menschenrechte wird auf das friedfertige Bemühen um solche Bewahrung der Religion zurückgeführt. Dschihad ist plötzlich der Einsatz für Menschenrechte, genauer die Verantwortung, sich für „die unveräußerlichen Rechte der Geschöpfe“ einzusetzen und sie zu bewahren. Diese zumindest aus westlicher Sicht doch etwas verquere Einbindung der Menschenrechte in den Kontext der Scharia, die übergreifend und bestimmend bleibt, ist typisch für die Debatte, wie sie hier geführt wird. Der Islam erscheint nicht nur als in Einklang mit den universalen Menschenrechten, sondern geradezu als deren Ursprung und Garant. Dies alles ist zwar nicht neu, kommt aber im neuen Gewand des naturwissenschaftlich ausgerichteten Bildungsdiskurses daher. Für Gülen gehört Bildungsarbeit zu den Bemühungen, „die Muster, auf denen die moderne Weit aufgebaut ist, Stück für Stück auf ihre Vereinbarkeit mit dem Islam zu untersuchen“ – was er“Dschihad“ nennt.

Auf diese und viele andere Positionen stößt man auch in den anderen Gülen nahen Publikationen, die in immer größerer Zahl auf den Markt gebracht werden – ein aktueller internationaler Katalog bewirbt allein auf Deutsch über fünfzig Titel. Einer davon ist die jüngst auf Deutsch erschienene Koranübersetzung mit Kommentar von Ali Ünal. Damit berühren wir eine tragende Säule der Bewegung, das Koranverständnis. Auffallend und sicher nicht zufällig ist die öffentliche Zurückhaltung in Sachen Koran, etwa in der Zeitschrift „Die Fontäne“. Man will offenbar nicht fromm oder gar traditionalistisch wirken, indem man mit Koranzitaten um sich wirft. Vieles des bisher Gesagten wird gleichwohl deutlicher oder erst im Zusammenhang plausibel, wenn man sich vor Augen führt, wie in Teilen der Gülen-Bewegung der Koran gelesen wird. Nun gibt der bibliophil ausgestattete, über 1600 Seiten starke Band viel mehr her, als in wenigen Sätzen und in der hier eingenommenen Perspektive gesagt werden kann.

Uns interessieren angesichts der einseitigen Wahrnehmung hierzulande, die sich zumeist auf den Reformislam und Kulturdialog bezieht, Grundhaltungen der religiösen Motivation bei Gülen-Anhängern, die offenbar dazugehören und in ihrer Tragweite kaum beachtet, jedenfalls nicht diskutiert werden. Einige davon aber sind – und es geht hier nota bene nicht um die Freiheit der persönlichen Religionsausübung, sondern um den Bildungsauftrag an öffentlichen Schulen – im Blick auf ihre mittelbare gesellschaftliche Auswirkung etwa durch den Schulunterricht durchaus kritisch zu diskutieren.

Ausgehend von der genannten Koranausgabe seien vier Bereiche genannt. So wird etwa ein krudes Geschichtsbild vermittelt, das unbeeindruckt von allgemein anerkannten historischen Erkenntnissen den Islam hemmungslos idealisiert und mit antiwestlichen, auch explizit antijüdischen und antichristlichen Affekten durchsetzt ist. Politische und soziale Konflikte werden religiös gedeutet, Totalitarismen, Imperialismus, Sklavenhandel und vieles andere einlinig dem Westen angelastet, während der Islam frei davon sei. Die „ganzheitliche Weltsicht“ des Islam habe mit „universeller Gültigkeit“ auch gesellschaftliche Relevanz, ja, der Islam übertrage alle Aufgaben, die von modernen Regierungssystemen wahrgenommen werden, der muslimischen Gemeinschaft selbst. Rechtstreue und Geselischaftsform stehen daher grundsätzlich unter Schariavorbehalt.

Dem Frauenbild widmet sich die Koranausgabe an vielen Stellen mit besonderer apologetischer Aufmerksamkeit. Der Schutz der Frau, ihre bevorzugte Behandlung, ihre Rechte und ihre Besserstellung im Vergleich zu anderen „Systemen“ werden hervorgehoben. Wie sich dies mit den konkreten Auslegungen zu einschlägigen Koranversen verträgt, bleibt ein Geheimnis. Denn Frauen werden als den Männer unterlegen beschrieben, und dies nicht nur in sozialen oder sonst erlernbaren Fähigkeiten, sondern in Charaktereigenschaften wie Zuverlässigkeit, Gerechtigkeit und Unparteilichkeit.

Die Mehrehe wird mehrere Seiten lang wortreich als das gegenüber der „modernen Zivilisation“ überlegene Konzept verteidigt und die Sklaverei von Frauen relativiert. Explizite Benachteiligungen werden als Privilegierung der Frau im Islam und als Schutz der Frau vor Tyrannei und Ausbeutung ausgegeben. Zudem finden sich nicht wenige diskriminierende Aussagen, etwa: „Eine Frau verliert das Anrecht auf Respekt, wenn sie sich unsittlich benimmt.“ Schließlich hat der Mann, wie es die Tradition vorsieht, das Erziehungs- und das Züchtigungsrecht über seine Frau, wenn es um „eine eindeutig uneinsichtige Frau geht, die sich nicht korrekt verhält“.

Die Aussagen zu Krieg und Gewalt sind stellenweise nicht weniger irritierend. Ein Grundübel in der Gesellschaft sei „fitna“, das ist die Unordnung, die aus der Auflehnung gegen Gott und der Missachtung der Gesetze hervorgeht. Wo solche Unordnung entstehe, müsse sie bekämpft und ihr jeglicher Boden entzogen werden, zur Not auch mit Gewalt. Wer dabei getötet wird, „stirbt als Märtyrer“. In Anbetracht des westlichen Demokratieverständnisses und insbesondere der hiesigen Integrationsbemühungen sind vielleicht Aussagen besonders beunruhigend, wie sie zu Sure 2,193 gemacht werden: „Das Leben des Menschen muss im Einklang mit Gottes Geboten stehen. Wenn irgendwelche Menschen (…) den Versuch unternehmen, die Autorität Gottes an sich zu reißen und eine Gesellschaftsordnung nach eigenem Gutdünken einzuführen und andere darüber hinaus zu zwingen, sich dieser unterzuordnen, dann ist genau dies die fitna, die zu bekämpfen den Muslimen aufgetragen ist.“

Angesichts dessen verwundert es nicht, dass die baden-württembergischen Aleviten entsetzt sind, „wie blauäugig man mit dem Thema Fethullah Gülen hier im Lande umgeht“. Dem ist nichts hinzuzufügen.

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In der gestrigen FAZ hat sich auch der Islamwissenschaftler Ralph Ghadban (Princeton) dieses Themas angenommen und dabei besonderes Augenmerk auf Gülens Mentor Said Nursi gelegt.

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Vernunft nur im  Dienst des Glaubens

Sind Gülen-Schulen tatsächlich ein Beitrag zur Integration? Informationen über diese islamische Bewegung sparen deren ideologische Grundlagen und alle Widersprüche aus.

Auf einer großen Konferenz, gemeinsam organisiert mit der Universität Potsdam im Mai 2009, trat die Fethullah-Gülen-Bewegung an das Licht der Öffentlichkeit. Mit einer zweiten Konferenz an der Ruhr-Universität Bochum im Juni dieses Jahres hat sie ihre Informationsoffensive in Deutschland fortgesetzt. Trotzdem bleibt ein Unbehagen, immer noch kann man diese Bewegung schwer einordnen. Ist sie modern oder traditionell, liberal oder fundamentalistisch, pietistisch, calvinistisch, kreationistisch oder doch islamistisch? Es fehlt nach wie vor an Transparenz, und das Unbehagen, vor allem unter jenen, die sich der Integration verschrieben haben, ist groß.

Die Gülen-Bewegung legt ihren Schwerpunkt auf die profane Bildung und scheint an ihrem Dutzend privaten Eliteschulen in Deutschland die Religion zu vermeiden. Gülens Bewunderer und Anhänger, die nur diese Schulen im Blick haben, sehen darin vor allem einen Beitrag zur Integration muslimischer Migrantenkinder in unseren säkularen Staat. Sie übersehen aber dabei oder unterschätzen die Bedeutung der Arbeitsteilung in Gülens Netzwerk, in dem die Vermittlung der Religion woanders, insbesondere in den „Lichthäusern“, stattfindet. Daher ist es sinnvoll, einen Blick auf das ideologische Gerüst zu werfen, das dieses Netzwerk trägt. Die ideologische Grundlage der Gülen-Bewegung bildet die Lehre von Said Nursi (1876 bis 1960), die sich mit der Wissenschaftsdebatte des neunzehnten Jahrhunderts auseinandersetzte.

Ausgelöst hatte diese Debatte der Orientalist Ernest Renan. In seiner Rede an der Sorbonne in Paris im Jahr 1883 über „den Islam und die Wissenschaft“, die eine eurozentristische, überlegene Haltung Europas in jener Zeit reflektierte, hatte Renan kategorisch die Vereinbarkeit des Islams mit den Wissenschaften ausgeschlossen. Er behauptete unter anderem: „Der Islam,… , ist unter den verschiedenen Formen des semitischen Monotheismus tausend Meilen von alle dem entfernt, was man Rationalismus oder Wissenschaft zu nennen pflegt.“

Die weltweiten muslimischen Reaktionen auf Renans Rede unterstrichen alle die beachtlichen wissenschaftlichen Leistungen der mittelalterlichen islamischen Zivilisation; sie waren aber nicht einig über die Art ihrer Wiederbelebung. So übernahmen zum Beispiel im Osmanischen Reich die nationalistischen Modernisierer das gesamte westliche Modell einschließlich der Naturwissenschaften, verdrängten, ja vertrieben die Religion aus dem öffentlichen Raum und gründeten schließlich mit Atatürk 1922 die laizistische Türkei.

Islamreformer wie Afghani (1838 bis 1897) und Abdu (1849 bis 1905), die auch zu den Modernisierern zählen, vertraten wiederum die Ansicht, dass eine effektive Modernisierung zuerst mit einer Reform der Religion beginnen müsse. Dies geschehe durch die Wiederbelebung der Vernunft, mit deren Hilfe die heiligen Schriften neu gelesen werden sollen. Wie die Altvordern die heiligen Texte gelesen und verstanden haben, steht es nun den Muslimen zu, diese Texte im Lichte ihrer Zeit, der Moderne, selbst zu lesen und neu zu interpretieren. Damit könnten, so ihre Überzeugung, die scheinbaren Widersprüche zwischen Religion und rationaler Wissenschaft aufgehoben werden.

Eine dritte Gruppe bildeten die Pseudomodernisten, die nur die Übernahme der westlichen Wissenschaften erlauben wollten. Ihre Hauptfigur war der bereits erwähnte Said Nursi. Sein Leben teilte Nursi selbst in zwei Phasen. Die erste betrifft die Zeit unter der osmanischen Herrschaft, in der er eher kämpferisch-agitatorisch war, und die zweite beginnt für ihn 1922 mit dem säkularen Kemalismus, in der er aufklärerisch-subversiv auftrat.

In beiden Phasen, sein ganzes Leben lang, hat Said Nursi den Säkularismus bekämpft. Er wollte immer das islamische Wertesystem im Staat und in der Gesellschaft wiederherstellen: in der ersten Phase durch die Restauration der schariagemäßen Macht des Sultans, in der zweiten Phase, als die Repression von Seiten des kemalistischen Staates zunahm, durch die Erhaltung einer an der Scharia ausgerichteten Religiosität in der Gesellschaft. Anders als die Islamreformer, die auf die Wiederbelebung der autonomen Vernunft setzen, um die Religion zu modernisieren, versucht Nursi, die Moderne in die seiner Ansicht nach unveränderliche Welt der Religion zu integrieren.

Dafür bekämpft er die autonome Vernunft und versucht, deren Operationsfeld einzuschränken. Vernunft, so Nursi, dürfe nur im Dienst des Glaubens eingesetzt werden. Der Islam habe alles, was ein Mensch braucht, vom Westen sollten Muslime nur naturwissenschaftliche und technische Erkenntnisse übernehmen, damit sie wieder mächtig werden und den Westen übertrumpfen können. Er behauptet, die Naturwissenschaften selbst seien bereits im Koran begründet, und er versucht mit seiner Koranexegese, dies zu beweisen. Flugzeuge, Elektrizität, Eisenbahn, Telegraph und dergleichen seien alle schon im Koran erwähnt; sein geistiger Schüler Fethullah Gülen glaubt sogar, im Koran die Mondlandung entdeckt zu haben.

Das Studium und Erlernen der Naturwissenschaften verwandelt Nursi in einen Gottesdienst, weil sie, wie er meint, über den Schöpfer und seine im Koran erwähnten neunundneunzig Namen unterrichten. Nursi schreibt: „Dieses Universum zeigt mit allem, was in ihm ist, wie viele verborgene geistige Schätze sich in jedem seiner schönen Namen (Esma-i husna) finden und wie viel Subtiles in jeder Bezeichnung seiner Heiligkeit verborgen ist. Es zeigt auf diese Weise, dass alle Wissenschaften, mit all ihren Prinzipien dieses kosmische Buch seit Adams Zeiten studieren.“

Diese Methode stellt ganz offensichtlich keine Modernisierung dar, sie ist eher eine Islamisierung der Moderne, so werden die Wissenschaften von der Offenbarung und die Rationalität vom Glauben vereinnahmt. Die religiösen Grundlagen werden in keiner Weise berührt, weil der Islam nach Nursi die Moderne gewissermaßen vorweggenommen hat, er ist ewig gültig und braucht darum keine Modernisierung und Reform. Das ist eine islamistische und traditionelle Ideologie, mit einem pseudomodernistischen Lack überzogen.

Fethullah Gülen setzt die Arbeit von Nursi fort, verschiebt aber den Schwerpunkt auf die Bereiche Netzwerk und Bildung. Das Bildungsziel Gülens ist der Dienst an Gott, hizmet, der zugleich die Erhöhung von Gottes Wort bedeutet. Und wer hizmet leiste, verrichte daawa-Arbeit – darunter wird die islamische Mission verstanden. Sie erfolgt durch Verbreitung der islamischen Botschaft, tebligh, und Rechtleitung, irschâd. Vor einem nichtreligiösen Publikum allerdings spricht Gülen nur von temsil, das heißt: den Islam vorleben, wie Agai Bekim in seinem ausgezeichneten Buch über das Bildungsnetzwerk der Bewegung („Zwischen Netzwerk und Diskurs“, Schenefeld 2004) schreibt.

Diese verborgene Art, den Islam zu vermitteln, verleiht dem Gülen-Netzwerk seine große Flexibilität. So hat Gülen in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts als Erster Lehrpläne für seine Nachhilfezentren, dersanes, und andere Bildungsstätten entwickelt, die keine religiöse Unterweisung vorsehen. Später folgte die Gründung säkularer Schulen, die keinen Religionsunterricht anbieten. Diese Einrichtungen schaffen ein günstiges Umfeld für die Rekrutierung von Unterstützern und Mitgliedern für die Bewegung und stimmen die Öffentlichkeit positiv.

Das Netzwerk der Nurculuk, der Anhänger Nursis, entstand in der Phase der forcierten Säkularisierung der Türkei, die bis 1950 andauerte und in der die Religion aus dem öffentlichen Raum verdrängt wurde. Das Nurculuk-Netzwerk war deshalb ziemlich geschlossen und konzentrierte sich hauptsächlich auf die religiöse Erziehung seiner Anhänger. Fethullah Gülen dagegen profitierte bereits von der 1950 einsetzenden Liberalisierung, die das Eindringen der Religion in die säkulare Gesellschaft erlaubte, und gründete ein offenes Netzwerk. Es ermöglichte auf verschiedene Art Beziehungen zu seiner Umwelt, darunter auch mit scheinbar säkularen Formen. Gülen entwickelte außerdem mehrere Diskurse, die sich an unterschiedliche Gruppen wenden. Neben dem islamischen finden wir auch einen nationalistischen Diskurs, der seit dem Exil Gülens in den Vereinigten Staaten, seit 1999, um einen universellen Diskurs, gerichtet an die Christen im Westen, ergänzt wird.

Diese Erweiterung der Diskursstränge hat die ideologischen Grundlagen der Bewegung nicht berührt. Die traditionelle Haltung Fethullah Gülens zum Ddschihad, zur Apostasie, zur Frau, zur Demokratie hat sich nicht geändert. Es wurde nicht einmal versucht, die scheinbaren Widersprüche in den verschiedenen Diskursen zu klären, mit dem Ergebnis, dass viele Menschen angesichts der Offensive der Fethullaci seit zwei Jahren verwirrt und unentschieden dastehen; sie wissen nicht, was sie davon halten sollen.

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So unheimlich die Dimension dieses krakenden Netzwerkes und seine Ausrichtung auf die Scharia ist, so kann auch gehofft werden, dass die reine Auseinandersetzung mit Teilen der westlichen Philosophie der Vernunft einen Funken dieser in den Ork-Hirnen entzünden wird. Während sie noch dabei sind, Handys, Fußball und Pommes als Erfindung Klo H. Metzels herbeizufantasieren, entzündet dieser Funke so den Brand, der den ebenfalls frei geborenen aber zwischen morschen Balken gefangenen Geist der Adepten befreit, diese begreifen die Lügen des Mohammedanismus und werden von Sklaven zu aufrichtigen Bürgern…

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Time am 5. August 2010

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1) Friedmann Eißler: Islamisierung profaner Arbeit als Dienst an der Menschheit. Zum Bildungsideal Fethullah Gülens. In: Reinhard Hempelmann (Hg.): Religionsdifferenzen und Religionsideale. 5o Jahre EZW. EZW-Texte, Berlin 2010.