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Mögen Sie Krieg?

8. September 2009

Als ich Jugendlicher war, gehörte es zu meinen Aufgaben, darauf zu achten, dass mein kleiner Bruder nicht die Nachrichten sah, die vor oder nach seinen Kinderserien a la „Daktari“, „die Jetsons“ usw. gesendet wurden. Meine Eltern wollten ihm die von den Amerikanern auf Vietnam ausgebrachten Bombenteppiche ersparen. Mich selbst haben diese Bilder der Gewalt, die in diesem Krieg in großer Zahl publiziert wurden, quasi selbstverständlich begleitet, ebenso wie Bilder aus Nazizeit und Zweitem Weltkrieg. Für mich, meine Familie und vor allem meine Freunde bestand nie ein Zweifel daran, dass Kriegsdasein noch vor dem Gefängnisdasein das Dasein ist, das wir unbedingt vermeiden wollten. Wir haben Krieg nie als Former edlen Charakters gesehen, sondern stets als ein Fatum, aus dem lebend oder gar unverletzt zu entkommen größtes und Gott gegenüber zu tiefstem Dank verpflichtendes Glück sei.

Es zeigt sich mE. die hohe Meisterschaft von Bob Dylan darin, wie differenziert er dieses Thema betrachtet. Während meine Stadt zB. zZ. mit unsinnigen bis verbrecherisch dummen Slogans der Partei „die Linke“ zugepflastert ist – von „Reichtum für alle“ bis „Raus aus Afghanistan“ – schildert Sir Bob in seiner zutiefst berührenden Ballade „JOHN BROWN“, die gewissermaßen eine Ergänzung zur Hymne „Glory Halleluja“ ist (1 + 2), einen allzu leichtfertigen oder egozentrischen Umgang mit den Themen Soldatentum und Krieg, ohne sich anzumaßen, diese gleichermaßen bedeutsamste wie furchtbarste Variante des Verhaltens von Menschengruppen gegenüber Menschengruppen im Ganzen beurteilen zu können. Hier die Performance als Cover von „Radfordsdoor“:

http://www.youtube.com/user/radfordsdoor#p/a/u/0/9LJGCo2VCPw

Hier der Text:

John Brown

John Brown went off to war to fight on a foreign shore.
His mama sure was proud of him!
He stood straight and tall in his uniform and all.
His mama’s face broke out all in a grin.

„Oh son, you look so fine, I’m glad you’re a son of mine,
You make me proud to know you hold a gun.
Do what the captain says, lots of medals you will get,
And we’ll put them on the wall when you come home.“

As that old train pulled out, John’s ma began to shout,
Tellin‘ ev’ryone in the neighborhood:
„That’s my son that’s about to go, he’s a soldier now, you know.“
She made well sure her neighbors understood.

She got a letter once in a while and her face broke into a smile
As she showed them to the people from next door.
And she bragged about her son with his uniform and gun,
And these things you called a good old-fashioned war.

Oh! Good old-fashioned war!

Then the letters ceased to come, for a long time they did not come.
They ceased to come for about ten months or more.
Then a letter finally came saying, „Go down and meet the train.
Your son’s a-coming home from the war.“

She smiled and went right down, she looked everywhere around
But she could not see her soldier son in sight.
But as all the people passed, she saw her son at last,
When she did she could hardly believe her eyes.

Oh his face was all shot up and his hand was all blown off
And he wore a metal brace around his waist.
He whispered kind of slow, in a voice she did not know,
While she couldn’t even recognize his face!

Oh! Lord! Not even recognize his face.

„Oh tell me, my darling son, pray tell me what they done.
How is it you come to be this way?“
He tried his best to talk but his mouth could hardly move
And the mother had to turn her face away.

„Don’t you remember, Ma, when I went off to war
You thought it was the best thing I could do?
I was on the battleground, you were home… acting proud.
You wasn’t there standing in my shoes.“

„Oh, and I thought when I was there, God, what am I doing here?
I’m a-tryin‘ to kill somebody or die tryin‘.
But the thing that scared me most was when my enemy came close
And I saw that his face looked just like mine.“

Oh! Lord! Just like mine!

„And I couldn’t help but think, through the thunder rolling and stink,
That I was just a puppet in a play.
And through the roar and smoke, this string is finally broke,
And a cannon ball blew my eyes away.“

As he turned away to walk, his Ma was still in shock
At seein‘ the metal brace that helped him stand.
But as he turned to go, he called his mother close
And he dropped his medals down into her hand.

Wenn die Linke schmettert: „Reichtum für alle“, dann fühle ich mich nicht als Bürger bzw. Geist ernstgenommen, weil ich mich weder von Glasperlen noch von der Gigantonomie unerfüllbarer Forderungen beeindrucken lasse. Genauso abstoßend finde ich die Parole „Raus aus Afghanistan“. Wissen Sie, die verlausten Afghanenmännchen, für die Kinderschändung ein wichtiges Kulturgut ist, interessieren mich im Grunde überhaupt nicht (ihre armen Kinder schon eher), ich war dort nicht und werde nie dorthin gehen. Aber es ist vielmehr so, dass die Orks zu uns kommen. Sie sickern ein in unsere Sozialsysteme, sie kommen über das Meer, sie sprengen Hochhäuser und töten Tausende von uns, sie töten uns in U-Bahnen und Bussen und Flugzeugen. Es geht darum, das teuflische Heroin draußen zu halten und den Jihad in seinen Ursprungsländern! Wir sind geboren zu leben und zu Gott zu streben, nicht geboren zum Fraß für Großkatzen, Würgeschlangen und Orks! Niemand von uns mag Krieg und niemand sollte sich anmaßen, uns über seine Schrecken aufklären zu müssen, wir wissen nämlich Bescheid!

Von einer besonders abstoßenden, nein, widerwärtig-egoistischen Anmaßung – ebenso wie andererseits von bürgerlich-soldatischem Heldentum – berichtet Matthias Rüb in der heutigen FAZ (080909):

„Obergefreiter Joshua Bernard hatte keine Chance. Die Granate, abgefeuert von den Taliban aus einem Hinterhalt, riss ihm ein Bein ab und verstümmelte sein anderes. Joshua Bernards Kameraden … kämpften zwar noch Stunden um sein Leben, in ‚Camp Leatherneck‘ aber, wohin er geflogen wurde, starb er während der Notoperation. Joshua Bernard aus New Portland im Bundesstaat Maine wurde 21 Jahre alt. (…)

Montesquiou und Jacobson sowie der AP-Mitarbeiter Glenn Adams aus Maine, der die Eltern des Gefallenen in deren Haus interviewte, haben die Geschichte des Obergefreiten Joshua Bernard im Krieg am Hindukusch in allen Einzelheiten und teils arg luftiger Agenturprosa erzählt. Und die Agentur AP hat sich entschlossen, ein Foto des schwer verwundeten, um sein Leben ringenden Soldaten zu veröffentlichen. An der Veröffentlichung dieser Aufnahme von Julie Jacobson hat sich ein heftiger Streit entzündet, der nicht nur die Problematik der Arbeit ‚eingebetteter‘ Reporter beleuchtet, sondern grundsätzliche Fragen der journalistischen Ethik berührt.

Denn die Eltern Joshua Bernards hatten ausdrücklich gebeten, die Fotografie nicht zu veröffentlichen – aus Rücksicht auf die Privatsphäre ihres gefallenen Sohnes und auch auf ihre eigene Trauer. Verteidigungsminister Robert Gates hatte zudem in einem Brief an AP-Chef Thomas Curley diesen inständig gebeten, das Foto aus Rücksicht auf die Gefühle der Hinterbliebenen nicht zu publizieren. Nachdem seine Bitten und jene der Familie nichts gefruchtet hatten, schrieb Gates abermals an Curley: ‚Es ist jenseits meiner Vorstellungskraft, warum Sie absichtsvoll den Wunsch der Familie missachtet und wissentlich deren Schmerzen vermehrt haben.‘ AP hat seine Entscheidung damit begründet, es sei ‚Journalistenpflicht, die Wirklichkeit des Krieges zu zeigen‘. Man kann sich aber fragen, ob hier nicht statt der Wahrheit dem Voyeurismus gedient wurde.

Die Beschreibung im AP-Artikel über den Kampf der elf amerikanischen und zehn afghanischen Soldaten, die in den Hinterhalt der Taliban gerieten, ist ausführlich und eindringlich genug, um die ‚Wirklichkeit des Krieges zu zeigen‘. In ihrem Tagebucheintrag, den AP veröffentlicht, beschreibt Julie Jacobson, was sie nach dem Einschlag der ersten Panzerfaust-Granate sah: ‚Der verletzte Marineinfanterist lag etwa neun Meter von mir entfernt… Die Granate hatte ein Bein abgerissen und das zweite schwer verstümmelt.‘ Beim ersten Versuch, den Beinstumpf abzubinden, rutscht der Verband ab, ein Sanitätssoldat versucht es ein weiteres Mal. Dann hört Jacobson Bernard stöhnen: ‚Ich kann nicht atmen, ich kann nicht atmen‘, während die ihn versorgenden Kameraden rufen: ‚Bernard, Du bist in Ordnung, Du bist in Ordnung. Du kommst durch. Bleib‘ wach!‘ Im Kugelhagel des Gefechts kommen andere Soldaten mit einer Trage herbei, ein Kamerad hält den Kopf des Verwundeten und versucht vergeblich, Bernard wachzuhalten.

Welchen Informationswert das gegen den Willen der Eltern veröffentlichte Foto des sterbenden Soldaten über diese Wortbeschreibungen hinaus vermittelt, ist schwer zu erkennen. In ihrem Tagebuch offenbart Robinson auch, warum sie das Foto zur AP-Zentrale nach New York schickte, obwohl sie das nach den Regeln für das ‚Embedding‘ ohne Einwilligung der Angehörigen des Verwundeten nicht hätte tun dürfen: ‚Ich erwarte nicht, mit einem Foto die Welt verändern oder den Krieg beenden zu können, doch ich hoffe, ich kann einige Leute zum Nachdenken bringen.‘ Das ‚Bewirkenwollen‘ aber ist nicht die Aufgabe des Berichterstatters, manche sehen darin sogar dessen Ursünde.“

Hier sehen Sie deutlich, wie karriere- und geldgeile, moralisch verkommene Existenzen unter dem Deckmantel der „Aufklärung über die Wirklichkeit des Krieges“ kombiniert mit der unverholenen Borniertheit, „einige Leute zum Nachdenken bringen“ zu wollen (Luzifer brachte seinerzeit das Licht – aber erst sie bringen nun endlich das Denken! Schönen Denk!), ihr kleines, dreckiges Schäfchen ins Trockene bringen wollen! Nie war die Linke geldgieriger als heute, nie verlogener, nie primitiver!

Diese Leute haben keine Lösungen für unsere Probleme, sie wollen vielmehr auf unseren Problemen in die nächste Wellnessfarm surfen. Fuck You!

Vorschlag: Wir ziehen unsere Truppen aus Dreckistan ab – Im Gegenzug führt „die Linke“ geschlossen alle Mohammedanisten und sich selbst aus Deutschland in dieses gelobte Land! Bitte vergessen Sie nicht, Herr Gysi und Herr Lafontaine, Ihre Rasiermesser mitzunehmen. Es könnte ansonsten sein, dass ihnen die Orks aus Rasiermessermangel den Kopf mit einem Kamelknochen abtrennen!

Ich aber werde hierbleiben, und die Joshua-Bernard-Avenue bis zu meinem Tod verteidigen! Not for medals but for truth! Nicht, weil ich Krieg mag, sondern weil ich Sir Joshua mag!

Time am 8. September 2009

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(1) http://de.wikipedia.org/wiki/John_Brown_(Abolitionist)
(2) http://de.wikipedia.org/wiki/The_Battle_Hymn_of_the_Republic

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Videokommentar from the US:

http://www.youtube.com/watch?v=umQ-NPOAx1Q

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PS.: http://www.youtube.com/watch?v=osTrMe76kes

Nachher weiß man’s immer besser

4. August 2009

Nachdem die mohammedanistische Avantgarde „Al Kaida“ am 11. September 2001 die Jihad-Offensive gegen den Westen eröffnet hatte, waren unserseits schnelle Entscheidungen nötig. Verantwortungsbewußt und führungsstark beschloss die Regierung von Präsident Bush, die Mördernester in Afghanistan auszuräuchern.

Die wahre Natur des Feindes war zu diesem Zeitpunkt den wenigsten bekannt, und sie ist es auch heutzutage noch immer wohl nur einer Minderheit. Ich selbst fand erst nach intensiver Lektüre des Klorans, der schon vor Jahrzehnten (bis auf das Vorwort von A. Schimmel ungelesen) in meinem Regal verstaubt war, im Frühjahr 2002 zur uneingeschränkten Unterstützung der amerikanischen Politik und zum Counterjihad.

So ist es wohl nicht erstaunlich, dass viele damals auch glaubten, die Afghanen sehnten sich nach der Befreiung vom Joch der Taliban, sie sehnten sich nach Frieden und Freiheit. Wie sehr die kühnen Visionen von Sir William Garsting und Winston Churchill für den Sudan (1) an der mohammedanistischen Realität gescheitert waren, war in Vergessenheit geraten. Allmählich wird jedoch offenbar, dass ein gravierender Teil des afghanischen Volkes nichts lieber als ein armseliges Leben als Räuber, Mörder und Rauschgiftproduzent führen möchte. Von dem Geld, das wir dorthin fließen lassen, werden Waffen gekauft um uns zu vernichten. Die Brunnen, die am Montag gegraben werden, sind am Dienstag wieder zugeschüttet. Ich denke, das klassische neokonservative Projekt ist zu fragwürdig geworden, als dass es unverändert weitergeführt werden könnte, was nicht heißen darf, dem globalen Jihad freie Hand zu lassen. Dies meint auch Klaus-Dieter Frankenberger in der heutigen FAZ:

„Es ist überhaupt nicht überflüssig, dass der neue Nato-Generalsekretär Rasmussen an seinem ersten Arbeitstag daran erinnert, dass die Allianz die ultimative Versicherung für rund eine Milliarde Menschen ist. Wenn es um Sicherheit geht, um das atlantische Verhältnis und um die Abwehr „moderner“ sowie traditioneller Bedrohungen, dann ist dieses Bündnis nach wie vor unerlässlich – obwohl nicht zu leugnen ist, dass seine Mitglieder oft nicht einer Meinung sind über Aufgaben, Vorgehen und in der Gefahrenbeurteilung. Die Amerikaner sehen in der Nato gern ein global einzusetzendes Instrument westlicher Interessenpolitik; die meisten europäischen Partner halten es lieber mit der kollektiven Verteidigung, für andere ist sie die klassische Versicherungspolice gegen Russland. Dabei ist klar, dass zumindest im Moment Interventionen die Hauptaufgabe sind. Und da ist die Nato besonders in Afghanistan engagiert und exponiert. Das hat heute ohne Wenn und Aber Priorität. Rasmussen wird das den Mitgliedern unermüdlich zu verdeutlichen haben: wegen der Sache, weil ein Scheitern desaströs wäre.“

In der Sonntagsausgabe vom 2. August hatte der Professor für Politikwissenschaft an der Katholischen Hochschule Köln, Heinz Theisen, eine mE. sehr lesenwerte Analyse vorgelegt, deren vorgebliches Hauptresümee (Truppenabzug) ich jedoch nicht teile.

Der Kulturkrieg

Die Verstärkung des Nato-Einsatzes in Afghanistan kann nur dazu dienen, Bedingungen für einen Abzug auszuhandeln

Die Nato war bis 1990 das erfolgreichste Bündnissystem der Weltgeschichte. Der Historiker Paul W. Schroeder benennt dafür drei Voraussetzungen. Erstens habe es innerhalb des Bündnisses einen Konsens über eine praktische und konkrete Definition von Frieden gegeben. Zweitens habe das Bündnis zur politischen Integration sowohl auf der atlantischen als auch auf der europäischen Bühne beigetragen. Drittens habe man nicht auf die Zerstörung des gemeinsamen Feindes gedrängt, sondern sich mit dieser Bedrohung arrangiert. Aus diesem Erfolg gelte es für die Ausein-andersetzungen mit dem Terror, mit Schurkenstaaten und gescheiterten Staaten zu lernen. Diese existieren seit Jahrhunderten und ließen sich nie ein für alle Male ausrotten. Durch eine Universalisierung ihrer Mission insbesondere in Afghanistan sei die Nato in große Gefahr geraten, ihre gemeinsame Definition vom Frieden in allgemeinen Demokratisierungs- und Entwicklungsprojekten zu verwässern.

Der 11. September 2001 verleitete die Nato zu einer offensiven Form der Terrorbekämpfung, die zudem territorial fixiert wurde. Die Nato gab ihre erfolgreiche Abschreckungs- und Eindämmungsstrategie zugunsten der Vorstellung auf, dass diese gegen den Terrorismus und islamischen Extremismus nichts ausrichtet. Man könne nicht mit ihnen leben und sie überleben, sondern müsse sie angreifen und zerstören, mehr noch, demokratisieren und entwickeln.

Solange der Westen seine Einflusssphäre mit der Universalität der allgemeinen Menschenrechte gleichsetzt, droht jedes Problem auf der Welt zu einem Problem des Westens zu werden, ob die mangelnde Autonomie der Tibeter, die Unterdrückung der Frauen Afghanistans oder der Landverlust der Palästinenser (d.i. der Landverlust des Mohammedanismus durch die Rückkehr der Juden in ihre Heimat, T.). Im Weißbuch der Bundeswehr von 2006 wird ein Problemuniversalismus propagiert, der eine Entgrenzung der Einsatzgebiete und Einsatzformen zur Folge hat. Es gelte „… den Bedrohungen und Risiken dort zu begegnen, wo sie entstehen“. Unter dieser Prämisse ist es nur folgerichtig, dass wir unsere Sicherheit am Hindukusch verteidigen, uns um die gesellschaftliche Entwicklung Afghanistans, um freie Wahlen in Kongo und um die Grenzen im Nahen Osten kümmern. Einen solchen Problemhorizont kann sich die Nato aber nicht leisten (Die Ineinssetzung der militärischen Verteidigung unserer Sicherheit mit gesellschaftlicher Entwicklung oder freien Wahlen finde ich hier unzutreffend, T.).

Der Kulturkrieg in Afghanistan ist weder militärisch noch über zivile Projekte zu gewinnen. Die Taliban interpretieren die politischen Motive des Westens als Kampf gegen ihre kulturelle Werteordnung, wobei sich ethnische und islamistische Motive verschränken. Westliche Ideale gelten ihnen als Fremdkörper. Dass die amerikanische Regierung jetzt dem zivilen Aufbau Priorität gibt, werden Islamisten für ihre Zwecke zu nutzen wissen. So wie sie demokratische Wahlen für ihre Machtergreifung zu missbrauchen pflegen, missbrauchen sie auch Schulen und Entwicklungsprojekte für eine Islamisierung der Gesellschaft. Die Unterscheidung von „militärisch“ und „zivil“ ist angesichts einer totalitären islamistischen Ideologie nicht haltbar.

Im Jahr 2007 sind in Afghanistan 40 Konvois des Welternährungsprogramms verschwunden, 40 zivile Helfer sind getötet und 89 entführt worden. Es werden wieder zehn Jahre alte Mädchen verheiratet. Außerhalb Kabuls müssen alle Frauen über 13 die Burka tragen. Die Taliban wurden verdrängt, nicht aber ihre Regeln. Es ist für den Westen nicht möglich, sich gegenüber einem kulturgeprägten Sozialverhalten zurechtzufinden.

Zur Korruption gehören immer zwei. Einer zahlt, einer nimmt. Reinhard Erös, Leiter der Kinderhilfe Afghanistan, hat dies aus nächster Nähe erlebt. Von den 80 Millionen Euro deutscher Entwicklungshilfe an Afghanistan seien im Jahr 2006 weniger als 25 Millionen tatsächlich bei Projekten angekommen. Der große Rest sei einfach verschwunden, in horrenden Gehältern und „Verwaltungskosten“. Nach Veröffentlichung dieser Zahlen hat die Bundesregierung das Übel nicht etwa abzustellen versucht, sondern den Betrag auf 140 Millionen erhöht. Zwei Drittel der Ministerien gelten als hoffnungslos korrupt, das Kabinett ist entlang der Ethnien gespalten und Präsident Karzai irrelevant.

Eingriffe in eine fremde Kultur haben immer andere Effekte als erwartet. Die Verstrickung der Nato brachte einer ihrer Kommandeure auf den Punkt: Da es nicht ihre Aufgabe sei, Mohnfelder niederzubrennen, sei die paradoxe Situation entstanden, dass durch den Schutz der westlichen Soldaten der Anbau und Handel mit Drogen blüht. Seit der Besetzung Afghanistans kam es dort zu einem dramatischen Anwachsen des Rauschgiftanbaus. Aus Angst, die Zivilbevölkerung gegen sich aufzubringen, schauen die internationalen Truppen zu.

Zu den moralischen Verstrickungen gegenüber Korruption und Drogenhandel gesellt sich eine noch verhängnisvollere Verstrickung zwischen humanitären und politischen Motiven auf der einen Seite und militärischen Zwängen auf der anderen Seite. Im Kampf gegen die asymmetrische Kriegsführung separatistischer oder religiöser Bewegungen kann der Westen schon aus ethischen Gründen nicht gewinnen. Erfolg ist im Guerrillakrieg allenfalls mit Methoden möglich, die mit unserem Ethos nicht vereinbar sind und die daher militärische Siege in politische Niederlagen verwandeln. Dass die Taliban zahlenmäßig immer stärker werden, hängt damit zusammen, dass in Afghanistan fast sieben Kinder pro Frau geboren werden. Von den 500 000 jährlich mannbar werdenden Knaben haben vielleicht 150 000 eine Chance auf den Opiumfeldern und bei den Ordnungstruppen, solange diese vom Westen bezahlt werden. Der Rest sind potentielle Talibankämpfer.

„Gemäßigte“ Taliban gibt es allenfalls im Hinblick auf taktische Kompromisse, in denen die Nato die ethnischen gegen die islamistischen Motive auszuspielen versuchen sollte. In den vergangenen Jahren sind immer mehr Paschtunen zu Taliban geworden, weil sie sich nicht damit abfinden wollen, dass fremde Truppen im Land sind und eine korrupte Regierung stützen. Den ethnisch motivierten Kulturalisten lässt sich hoffentlich wie im Irak ein Waffenstillstand bis zum Abzug der Nato abkaufen. Als einzige Bedingung wird die Nato durchsetzen müssen, dass Al Qaida nicht mehr nach Afghanistan gelassen wird. Eine militärische Intervention in nur einem Land löst schon deshalb keine Probleme, weil diese meist mit der gesamten Region verbunden sind. Eine Ausweitung des Konflikts in die Region durch die neue „Afpak-Strategie“ von Präsident Obama ist militärisch folgerichtig und politisch falsch. Die Einbeziehung Pakistans hat eine Flüchtlingswelle von 2,5 Millionen Menschen ausgelöst, die Kämpfe haben sich intensiviert und die Region weiter destabilisiert. Die weitere Militarisierung des Konflikts untergräbt Pakistans Abwehrkräfte. Die Pakistani müssten das Gefühl haben, für Pakistan und nicht für Amerika zu kämpfen.

Es wäre einen letzten Versuch wert, statt der unerreichbaren Demokratie den Aufbau funktionierender Staatsorgane, von Verwaltung, Polizei und Armee, voranzutreiben. Vor allem müssten die Stammesfürsten (In Nordamerika hatten seinerzeit die Briten und die Franzosen jeweils verschiedene Indianerstämme zu Bundesgenossen gemacht, T.) unterstützt werden, die noch am ehesten die Regionen regieren und vielleicht sogar den Taliban Paroli bieten könnten. In jedem Fall wird man die gesamte Region ihrer Selbstverantwortung überlassen und sich auf Eindämmung der von dort ausgehenden Gefahren beschränken müssen. Wie werden es die Taliban dann mit den Menschenrechten halten? Dem Westen wird die bittere Einsicht nicht erspart bleiben, dass er darauf keinen Einfluss hat. Die Utopie einer Universalisierung von Demokratie und Menschenrechten ist an die Realitäten einer multikulturellen Welt gestoßen.

In einer neuen Nato-Strategie geht es nicht mehr um die „Universalität von Demokratie und Menschenrechten“. Wir müssen die Grenzen zwischen den Kulturen stärker beachten und uns wie bereits im Kalten Krieg auf die Verteidigung der eigenen Hemisphäre beschränken. Die erste Niederlage wird der Nato in Afghanistan nicht erspart bleiben. Wenn der geordnete Rückzug mit einer plausiblen Erklärung des Scheiterns und mit einer realistischen Zukunftsstrategie verbunden wird, muss diese Niederlage keineswegs zum Zerfall der Nato führen. Das Vertrauen der interventionsskeptischen Bürger im Westen könnte angesichts realistischer Ziele sogar wieder zunehmen.

Die Nato braucht eine Art Realpolitik der Kulturen. Durch eine Definition der Grenzen des Möglichen, welche auch die überdehnten Nato-Erweiterungspläne in den russisch-orthodoxen Kulturkreis zu den Akten legt, ließe sich in den Nato-Mitgliedsländern ein neues Wir-Gefühl entwickeln. Der Rückzug vom selbsternannten „Universal Player“ zu einem Garanten der westlichen Sicherheit müsste an die bewährten Erfolgsbedingungen der Nato aus der Zeit des Kalten Krieges anknüpfen.

In seiner Kairoer Rede benennt Barack Obama das Dilemma des Westens: Einerseits dürfe keiner Nation von einer anderen ein Regierungssystem aufgezwungen werden. Amerika maße sich nicht an zu wissen, was für alle das Beste ist. Andererseits glaube er ohne Wenn und Aber, dass sich alle Menschen nach bestimmten Dingen wie Meinungsfreiheit und Rechtsstaatlichkeit sehnen. Eine neue Realpolitik der Kulturen darf sich nicht jenseits, sondern muss sich innerhalb dieses Dilemmas bewegen.

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Ich meine, wir haben wirklich guten Willen bewiesen. Aber jetzt sollten wir den Blick von den Problemen der wütenden, jungen afghanischen Männer mal wieder auf unsere eigenen werfen: Das sind Jihadgemetzel, Drogen- und orkische Einwandererüberschwemmung und, ähem… wütende, junge afghanische Männer!

„… dürfe keiner Nation von einer anderen ein Regierungssystem aufgezwungen werden“, habe Obama gesagt. So, und warum nicht? Ich selbst habe auch nicht entschieden, in Deutschland in einer Demokratie zu leben. Ich bin dankbar dafür, dass ich es darf, aber ich könnte es auch nicht ändern, selbst wenn ich wollte. Und warum nicht? Weil die Demokratie STÄRKER ist als ich! Wenn wir nicht stärker als unsere Todfeinde sein wollen, wenn wir unsere Interessen nicht unbedingt durchsetzen wollen, werden wir von Spielern zu Spielsteinen. Unsere Interessen sind zB. ein Leben ohne Jihad, ohne Drogen und mit Deutsch als Verkehrssprache. Wir sollten uns daher nicht und niemanden fragen, ob es korrekt sei, die mohammedanistischen Mohnfelder abzubrennen. Wir werden die Taliban NIE zu unseren Freunden machen. Wir sollten also besser uns und unsere Freunde vor DENEN schützen. Es geht gar nicht darum, einen Krieg zu gewinnen oder ein Territorium. Es geht darum, zusammen mit unseren Freunden unsere großartigen Gesellschaften weiterzuentwickeln, ohne von den Rudeln der gierigen und grausamen Orks darin behindert zu werden. Es geht um die Etablierung eines umfangreichen Schutzes gegen eine Plage, so, wie sie uns gegen andere Plagen wie Pest und AIDS bereits gelungen ist.

Time am 4. August 2009

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(1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/27/churchill-5-kritik/

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PS: Ein starker Präsident wie Mr. Bush kann mE. auch beißende oder unfaire (sogar UNFLÄTIGE) Kritik vertragen. Kennen Sie „Sweet Neocon“ von den Stones?

http://www.youtube.com/watch?v=fwj6ZGMF_uA

Töten nicht ohne Lizenz

5. Juli 2009

Wenn Linken etwas nicht gefällt, hantieren sie gerne mit dem Vorwurf, etwas sei „illegal“: die NATO-Bombardements Jugoslawiens zB. oder aber auch das Engagement der Bundeswehr in Afghanistan. Mit diesem Phänomen setzte sich am 2. Juli der sächsische Justizminister und ehemalige Vorsitzende des Deutschen Richterbundes Geert Mackenroth (CDU) in der FAZ auseinander.
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Die deutschen Soldaten müssen auch im Ausland die Grundrechte beachten. Aber am Hindukusch gelten nicht die gleichen Maßstäbe wie hierzulande.

Stellen Sie sich vor, Soldaten der Bundeswehr stoßen bei einer Routinepatrouille auf einen afghanischen Terroristen der Al Qaida und übergeben ihn den afghanischen Polizeibehörden, die ihn inhaftieren. Wäre das rechtswidrig? Einige sind dieser Meinung. Sie vertreten die Auffassung, das Handeln staatlicher Stellen im Ausland müsse denselben grundrechtlichen Anforderungen genügen wie im Inland; dies gelte sowohl für den Bundesnachrichtendienst als auch für die Bundeswehr als Teil einer international operierenden Interventionsarmee. Diese Forderung ist auf den ersten Blick bestechend einfach – auf den zweiten Blick erweist sie sich jedoch als deutlich zu schlicht.

Führt man diesen Gedanken nämlich weiter, kommt man zu dem Ergebnis, dass die Bundeswehrsoldaten nicht nur – wozu sie bereits völkerrechtlich verpflichtet sein können – eine menschenrechtswidrige Behandlung des Festgenommenen durch die afghanische Polizei zu verhindern hätten. Bei Anwendung des Grundgesetzes wäre die Festnahme und Übergabe des Terroristen zum Zwecke seiner Inhaftierung unzweifelhaft ein Eingriff in das Grundrecht auf Freiheit der Person (Artikel 2 Absatz 2, Artikel 104 Absatz 1 Satz 1 des Grundgesetzes), der nur aufgrund und nach den Vorgaben eines Gesetzes zulässig wäre. Nach Artikel 104 Absatz 2 wäre unverzüglich, spätestens nach 48 Stunden, eine richterliche Entscheidung herbeizuführen. Der Richter hätte dem Festgehaltenen die Gründe seiner Festnahme mitzuteilen, ihn zu vernehmen und ihm Gelegenheit zu Einwendungen zu geben (Artikel 104 Absatz 3). Geht man davon aus, dass sich auch seine weitere Behandlung nach deutschem Recht zu richten hat, müsste er bis zu seiner rechtskräftigen Verurteilung von Strafgefangenen gesondert untergebracht werden, nach seiner Aufnahme wäre er – gegebenenfalls mittels eines Hinweisblattes – über seine Rechte zu belehren und zu befragen, ob dringende Maßnahmen sozialer Hilfe nötig sind. Ihm wäre anstaltseigener Lesestoff in ausreichendem Maße zur Verfügung zu stellen, und er hätte das Recht, sich gegen Anordnungen und Maßnahmen zu beschweren. Denn dies sind die Vorschriften der Untersuchungshaftvollzugsordnung, an denen sich Freiheitsbeschränkungen in Deutschland auszurichten haben. Es spricht – bei aller positiver Entwicklung in Afghanistan – jedenfalls derzeit wenig dafür, dass das afghanische Rechtswesen diese Voraussetzungen erfüllen kann.

Nach der eingangs geschilderten Logik führt dies zur Rechtswidrigkeit der Festnahme durch deutsche Soldaten. Afghanistan müsste entweder sofort die deutsche Rechtsordnung übernehmen, oder der Terrorist müsste nach Deutschland verbracht oder laufengelassen werden. Keine dieser Varianten ist realistisch. Weil die Soldaten dennoch weiter nach Terroristen wie Bin Ladin suchen, bewegen sie sich – ebenso wie die Agenten des Bundesnachrichtendienstes, die im Rahmen der Terrorismusabwehr im Ausland observieren – nach Auffassung etwa des rechtspolitischen Sprechers der Linken im Bundestag, Wolfgang Neskovic, „tagtäglich in der Illegalität“. Da es völkerrechtlich nicht verboten sei, Angehörigen fremder Staaten dieselben Rechte zu gewähren wie eigenen Staatsangehörigen, sei die Bundesrepublik hierzu auch verpflichtet. Warum das so sein soll, bleibt im Unklaren. Stattdessen wird die Ausgangsaussage relativiert: Bei „Schutzrechten oder Leistungspflichten, die aus Grundrechten abgeleitet werden“, soll keine Grundrechtsbindung bestehen. Aber warum eigentlich nicht, sofern die Leistung nicht die völkerrechtliche Souveränität des anderen Staates tangiert? Dass Grundrechte nicht nur Abwehrrechte gegen den Staat sind, sondern auch Rechte auf Teilhabe an bestimmten staatlichen Leistungen gewähren und dem Staat Schutzpflichten auferlegen, gehört heute zum juristischen Allgemeingut. Und diese Funktion der Grundrechte ist derjenigen als Abwehrrecht keineswegs nachrangig, sondern gleichberechtigt. Warum sollen in unserem Beispielsfall die Soldaten einerseits nur dann zur Festnahme des Terroristen berechtigt sein, wenn sie sicher sein können, dass er spätestens nach 48 Stunden einem Richter vorgeführt wird, andererseits aber nicht zu seinem Schutz verpflichtet sein, wenn andere ihn in der Haft vielleicht mit dem Tode bedrohen?

Gerade bezogen auf deutsche Streitkräfte, die an dem Einsatz einer Internationalen Sicherheitsunterstützungstruppe wie in Afghanistan beteiligt sind, drängt sich eine Grundrechtsbindung keinesfalls auf. Der Geltungsbereich der Grundrechte deckt sich mit dem Wirkungsbereich deutscher Staatsgewalt. Es bestehen jedoch erhebliche Zweifel daran, ob die für eine Isaf-Truppe tätigen Bundeswehrsoldaten überhaupt deutsche Staatsgewalt ausüben. Sie handeln nicht für die Bundesrepublik, sondern im Rahmen und nach den Regeln eines Systems gegenseitiger kollektiver Sicherheit im Sinne von Artikel 24 Absatz 2. Werden deutsche Streitkräfte als nationale Einheiten der Befehlsgewalt eines solchen Sicherheitssystems unterstellt, liegt hierin gerade eine Beschränkung der Hoheitsrechte des Bundes. Status und Rechte der Internationalen Sicherheitsunterstützungstruppe richten sich nach den zwischen der Nato und der Regierung von Afghanistan getroffenen Vereinbarungen.

Der Bundesnachrichtendienst hingegen übt hoheitliche Gewalt der Bundesrepublik aus. Da die Wirkung des Artikel 1 Absatz 3 („Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.“) sich nicht allein auf das Bundesgebiet erstreckt, sondern über dieses hinausgeht, kann ein durch die Grundrechte des Grundgesetzes vermittelter Schutz ausländischer natürlicher Personen gegenüber im Ausland durchgeführten Maßnahmen des BND durchaus in Betracht kommen. Dieser gilt nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts aber nicht uneingeschränkt; entscheidend für den Grundrechtsschutz bei auslandsbezogenen Sachverhalten sind das betroffene Grundrecht und dessen Auslegung.

Aus diesen Erwägungen heraus können wir gerade nicht jedes deutsche staatliche Handeln im Ausland einfach denselben grundrechtlichen Bindungen unterwerfen. Unbestritten ist, dass die Grundrechtsbindung der deutschen Staatsgewalt nicht an den deutschen Staatsgrenzen endet. Allgemeingültige Antworten für die Geltung sämtlicher Grundrechte bei allen grenzüberschreitenden Sachverhalten gibt es nicht. Artikel 1 Absatz 3 ist zwar der Ausgangspunkt der Überlegungen, aber darin erschöpft sich die Aussage des Grundgesetzes zu Sachverhalten mit Auslandsberührung eben nicht. Zum einen ist zu beachten, dass das Grundgesetz durchaus Differenzierungen und Aussagen zu auslandsbezogenen Sachverhalten enthält. So gelten eine Reihe von Grundrechten, zum Beispiel Versammlungsfreiheit, Freizügigkeit, Berufsfreiheit – diejenigen, die die Mütter und Väter des Grundgesetzes für besonders sensibel hielten – nur für Deutsche, nicht dagegen für Ausländer. Und ausländische juristische Personen können sich überhaupt nicht auf Grundrechte berufen. Zum zweiten lässt sich aus einer Reihe von Grundgesetzbestimmungen das Postulat der Völkerrechtsfreundlichkeit des Grundgesetzes herleiten. Ihm kommt die Bedeutung einer Auslegungsrichtlinie zu, die nicht nur bei der Auslegung einfachen Rechts, sondern eben auch bei der Interpretation des Grundgesetzes selbst beachtet werden muss. Deshalb hat das Bundesverfassungsgericht zu Recht hervorgehoben, dass das Verfassungsrecht mit dem Völkerrecht abgestimmt werden und die räumliche Reichweite für jede Verfassungsbestimmung differenziert bestimmt werden muss. Staatliches Recht und Völkerrecht sind mit den Erfordernissen der internationalen Gemeinschaft in ihrer Verbindung und Wechselwirkung zu sehen.

Dieses Zusammenspiel verbietet undifferenziert-schlichte Antworten. Dementsprechend differenzierend und vorsichtig ist die bisherige Rechtsprechung. Dabei ist das von einigen beklagte Fehlen einer geschlossenen Theorie zur Grundrechtsanwendung bei auslandsbezogenen Sachverhalten nicht nur der Vielgestaltigkeit dieser Sachverhalte geschuldet, die von der Zustellung eines ausländischen familiengerichtlichen Urteils über die grenzüberschreitenden Emissionen eines genehmigten Kraftwerks bis zu unserem Beispielfall reichen, sondern nicht zuletzt auch der rasanten Entwicklung, mit der sich die internationalen – staatlichen und privaten – Verflechtungen wie auch die Bedrohungsszenarien und mit ihnen die deutschen Aktivitäten im Ausland entwickeln.

Wer will, dass Deutschland als gleichberechtigtes Glied in der Staatengemeinschaft auftritt und Verantwortung in der Welt übernimmt, wer will, dass Deutschland sich und andere Staaten so gut als möglich vor internationalen Bedrohungen schützt, der muss sich diesen schwierigen Fragen und Abwägungen stellen und darf sich nicht mit einfachen Antworten zufriedengeben. Die auch hier zu beobachtende Globalisierung sollte vielmehr gerade den Blick dafür öffnen, dass auch auf dem Gebiet der Grundrechte der ausschließlich nationalstaatlich ausgerichtete Blickwinkel zu beschränkt ist. Es sei denn natürlich, das internationale Engagement Deutschlands soll grundsätzlich in Frage gestellt werden. Den Grundrechten erweist man damit freilich einen Bärendienst.

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Unter (1) gibt Eckard Lohse (2) einen Überblick über das Thema. In der heutigen FAZ berichtet er auch über die morgige, erstmalige „Ehrenkreuz für Tapferkeit“-Verleihung an vier deutsche Afghanistan-Veteranen:

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Morgen ist es so weit. Um 13.30 Uhr werden im Bundeskanzleramt erstmals vier Bundeswehrsoldaten mit dem neugeschaffenen „Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit“ ausgezeichnet. Bundeskanzlerin Angela Merkel persönlich wird das machen, an ihrer Seite wird sie Verteidigungsminister Franz Josef Jung haben. Die Bundesregierung hüllt sich in Schweigen über die Identität der Soldaten und den Grund der Auszeichnung. Einiges ist gleichwohl bekanntgeworden. Was ist das für die Bundeswehr von heute – „Tapferkeit“? Ausgezeichnet werden vier Soldaten, die im vergangenen Herbst beim Fallschirmjägerbataillon 263 in Zweibrücken dienten und in den Afghanistan-Einsatz gingen. Nachdem einer ihrer Kameraden bei einem Selbstmordanschlag schwer verwundet worden war und sein Fahrzeug brannte, standen sie ihm bei, obwohl sie unter Beschuss waren. Die Gefahr erhöhte sich noch dadurch, dass sich in der Nähe des brennenden Fahrzeugs Munition befand, die zu explodieren drohte. Das geschah in der Nähe von Kundus. Verteidigungsminister Jung hat das „Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit“ mit einem Erlass vom 16. Oktober 2008 eingeführt. Bislang gab es Ehrenmedaillen und Ehrenkreuze, die „für treue Pflichterfüllung und überdurchschnittliche Leistungen“ in der Regel nach einer bestimmten Dienstzeit verliehen wurden.

Mit der Auszeichnung für Tapferkeit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass immer mehr deutsche Soldaten in Kampfsituationen geraten. Drei Voraussetzungen für die Auszeichnung werden formuliert: „Angstüberwindendes, mutiges Verhalten bei außergewöhnlicher Gefährdung für Leib und Leben mit Standfestigkeit und Geduld, um den militärischen Auftrag zu erfüllen.“ Oder: „Herausragendes Führungsverhalten in einer konkreten Gefährdungssituation.“ Oder: „Selbständiges, entschlossenes und erfolgreiches Handeln in einer ungewissen Situation.“ Es genügt, wenn eine der drei Bedingungen erfüllt ist. Die Definitionen passen auch auf die erfolgreiche Bekämpfung eines militärischen Gegners. Es kann also auch für Verhalten beim Angriff das Ehrenkreuz verliehen werden. Die Tapferkeit muss über das von Soldaten ohnehin erwartete Normalmaß hinausgehen.

Time am 5. Juli 2009

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(1) http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437BAA85A49C26FB23A0/Doc~E24367F2BF45244AE88268D933224C575~ATpl~Ecommon~Scontent.html

(2) http://www.faz.net/s/RubD87FF48828064DAA974C2FF3CC5F6867/Doc~EA51F26F4D2414424B25534D1FBCFA35C~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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PS: License to kill… nachdenklich bis kritisch und mehr im Allgemeinen reflektierte Bob Dylan das Thema 1983 auf seinem Album „Infidels“, und er scheint seinerzeit andere Schlußfolgerungen gezogen zu  haben als ich heute, aber meine Freunde bleiben meine Freunde, auch wenn wir mal unterschiedlicher Auffassung sind. Ein mE. sehr schöner Song, hier der Text:

License To Kill

Man thinks ‚cause he rules the earth he can do with it as he please
And if things don’t change soon, he will.
Oh, man has invented his doom,
First step was touching the moon.

Now, there’s a woman on my block,
She just sit there as the night grows still.
She say who gonna take away his license to kill?

Now, they take him and they teach him and they groom him for life
And they set him on a path where he’s bound to get ill,
Then they bury him with stars,
Sell his body like they do used cars.

Now, there’s a woman on my block,
She just sit there facin‘ the hill.
She say who gonna take away his license to kill?

Now, he’s hell-bent for destruction, he’s afraid and confused,
And his brain has been mismanaged with great skill.
All he believes are his eyes
And his eyes, they just tell him lies.

But there’s a woman on my block,
Sitting there in a cold chill.
She say who gonna take away his license to kill?

Ya may be a noisemaker, spirit maker,
Heartbreaker, backbreaker,
Leave no stone unturned.
May be an actor in a plot,
That might be all that you got
‚Til your error you clearly learn.

Now he worships at an altar of a stagnant pool
And when he sees his reflection, he’s fulfilled.
Oh, man is opposed to fair play,
He wants it all and he wants it his way.

Now, there’s a woman on my block,
She just sit there as the night grows still.
She say who gonna take away his license to kill?

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Hier die Studioaufnahme:

http://www.youtube.com/watch?v=kc7CTBoC_yo

Hier eine Performance in Prag 1995:

http://www.youtube.com/watch?v=KZ0UJYGRkA8

 

Entweder-oder aber nicht weder-noch

24. Juni 2009

Gestern haben die Orks mal wieder drei unserer Mitbürger getötet (1). Damit erhöht sich die Zahl in Afghanistan getöteter Deutscher auf 35! Wir werden uns dort aber nicht durchsetzen, wenn wir kein Verhältnis von 1:100 erreichen.

Wann also kann ich die 3.500 Orkkiller, männlich im Alter zwischen 15 und 45, über eine Strecke von sieben km in einer Reihe vor dem Präsidentenpalast aufgebahrt im Fernsehen sehen? Wenn NICHT 3.500 Skalps geholt werden sollen (was ja auch eine ziemlich eklige Angelegenheit wäre), wäre es vielleicht besser, unsere Truppen nach Hause zu holen. Da könnten sie uns hier helfen, die ganzen Orks, die sich bei uns breit gemacht haben (2), ihrerseits nach Hause zu geleiten (Auf dass sich trenne, was nicht zusammengehört)!

Jedenfalls finde ich 35 tote Mitbürger nur dafür, Präsenz zu zeigen oder Steuergelder an unsere Feinde zu verschenken, viel zu viel. Im aktuellen Spiegel heißt es: „Obama hat nach seinem Amtsantritt die US-Truppen verstärkt, um die Lage im Land zu stabilisieren. Er erwartet auch von seinen Bündnispartnern stärkeres Engagement. Mit zusätzlicher Militärhilfe tut sich Merkel schwer.“

Ich bin sicher, dass die Frage nach einer Erhöhung des deutschen Engagements nicht im alleinigen Ermessen unserer Kanzlerin liegt. Ich sehe eher Zeichen, dass sie dem Counterjihad weit näher steht als die meisten anderen Politiker und Wirtschaftslobbyisten. Aber unabhängig davon fehlt, so meine Meinung, den Deutschen ein einleuchtendes Konzept. Ich stimme zu, unsere Freiheit wird am Hindukusch verteidigt, aber das ist uns nur eine Truppenaufstockung um 300 Mann wert, während Obama 21.000 zusätzliche Soldaten schickt?

Kewil hatte am 25. Juni 2007 ein paar Stellen aus Churchills „Story of the Malakand Field Force: An Episode of Frontier War“ übersetzt (3):

Weder die Landschaft noch die Menschen finden irgendwo auf der Welt etwas Ebenbürtiges. Die Mauern der Täler erheben sich steil fünf- oder sechstausend Fuß auf jeder Seite. Die Militärkolonnen kriechen durch einen Irrgarten von riesigen Korridoren, die von wilden, schneegenährten Sturzbächen unter einem Messinghimmel in Nebel gehüllt sind. Inmitten dieser Szenerie von wilder Brillianz wohnt eine Rasse, deren Eigenschaften mit ihrer Umgebung zu harmonieren scheinen. Außer zur Erntezeit, wenn die Selbsterhaltung einen temporären Waffenstillstand erzwingt, sind die Pathanenstämme immer mit kleinen oder großen Kriegen beschäftigt.

Jeder Mann ist Krieger, Politiker und Theologe. Jedes große Haus ist eine echt feudale Festung, zwar nur aus sonnengebackenem Lehm, aber mit Befestigungen, Kuppeln, Scharten, Ecktürmen, Zugbrücken, etc., wo nichts fehlt. Jedes Dorf hat seine Verteidigung. Jede Familie kultiviert ihre Vendetta; jeder Clan seine Fehde. Die zahlreichen Stämme und die Koalitionen von Stämmen haben alle ihre offenen Rechnungen, die gegeneinander beglichen werden müssen. Nichts wird je vergessen, und nur ganz wenige Schulden bleiben unbezahlt. Für das Funtionieren des sozialen Lebens wurde zusätzlich zu den Konventionen während der Erntezeit, ein hochgradig ausgearbeiter Ehrenkodex etabliert und der wird insgesamt genau beachtet. Ein Mann, der das weiß und dem folgt, könnte vielleicht unbewaffnet von einem zum anderen Ende der Grenze gelangen. Der kleinste Systemfehler jedoch wäre fatal…

Die Bequemlichkeit des Hinterladers, und noch mehr der Gewehre mit Magazin, wurde nirgends mehr geschätzt als im indischen Hochland. Eine Waffe, die auf fünfzehnhundert Yards genau töten konnte, eröffnete ganz neue vergnügliche Aussichten für jede Familie und jeden Clan, der sie erwerben konnte. Man konnte sogar tatsächlich im eigenen Haus bleiben und auf den Nachbarn in einer Meile Entfernung feuern. Man konnte hoch oben auf einer Felszacke liegen und auf ganz unerhört weite Entfernungen einen Reiter weit unten treffen. Selbst Dörfer konnten sich gegenseitig beschießen, ohne sich mühevoll weit von zu Hause weg bewegen zu müssen. Sagenhafte Preise wurden deshalb für diese ruhmreichen Produkte der Wissenschaft bezahlt… und der Respekt, den die Pathanen für die christliche Zivilisation hegten, wurde ziemlich vergrößert…“

Ziemlich unsympathische Leute, finde ich. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass da Hopfen und Malz verloren sind. Und ihr teuflisches Opium sollten sie bitte auch bei sich behalten.

Kürzlich sah ich den beeindruckenden Film „Von Löwen und Lämmern“ (4) des notorischen Linksliberalen Robert Redford (5) von 2007, der mE. sehr viel patriotischer, konservativer und counterjihadischer ist, als zB. orkisch-deutsche Filmkritiker glauben machen wollen (6). Weder eine derartige Klarheit, Tiefe und Thematik noch eine derartige Besetzung ist im deutschen Kino denkbar. Wie dem aber auch sei, es geht im Film ua. um die Etablierung einer neuen militärischen Strategie, die Churchills og. Beschreibung Rechnung trägt, indem sie die Besetzung aller Höhen des Landes verfolgt.

Nicht, dass ich davon Ahnung hätte, aber das ist doch mal eine konkrete Idee, und mich würde durchaus die ausführliche Meinung von Leuten interessieren, die Ahnung haben. Warum sollen wir Mädchenschulen bauen, die leerstehen, weil die Taliban alle Mädchen töten, und umgehend wieder niedergebrannt werden. Ich meine, auch für ein militärisches Testlabor ist der Tod von 35 „Versuchskaninchen“ ein viel zu hoher Preis. Also: Auf jeder Anhöhe braucht es einen westlichen Posten mit dem Auftrag, die Gegend zu sichern. Das könnte dem einen oder anderen Ork natürlich weh tun und mehr als 300 zusätzliche Soldaten erfordern. Aber wenn wir nicht genug Leute haben, könnten wir vielleicht welche leihen, zB. von den Kinesen…

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Time am 24. Juni 2009

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(1) http://www.n-tv.de/politik/Drei-deutsche-Soldaten-getoetet-article378393.html
(2) http://www.pi-news.net/2009/06/viel-mehr-moslems-in-deutschland-als-vermutet/
(3) http://kewil.myblog.de/kewil/art/176462276/
(4) http://de.wikipedia.org/wiki/Von_L%C3%B6wen_und_L%C3%A4mmern
(5) http://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Redford
(6) http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,513415,00.html

außerdem:
http://www.sueddeutsche.de/t5B38k/2912166/Sw-at-im-Tal-des-Todes.html
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,459228,00.html

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EDLE Paschtunen

6. Mai 2009

Lesen Sie zunächst einen Artikel von Daniel Gerlach aus der FAZ vom 28.04.2009, in dem wir Churchill (vor dem „River War“, 1) in Afghanistan begegnen:

Der verrückte Fakir und die Taliban

Winston Churchill scheute keinerlei Herausforderungen, es sei denn, sie waren sportlicher Natur. Doch zwei Monate vor seinem 24. Geburtstag lernte Churchill, die Beine in die Hand zu nehmen, wenn ein ehrenvoller Zweikampf keinen Aussicht auf Erfolg versprach.

An einem heißen Tag im September 1897 stand Churchill auf einer Anhöhe in der Provinz Malakand im Nordwesten des heutigen Pakistan und sah einen paschtunischen Stammeskrieger mit gezogenem Dolch auf sich zumarschieren. Churchill zog die Pistole, schoss zweimal daneben und gab Fersengeld, bis er eine versprengte Truppe britischer Infanteristen erreichte, die ihm das Leben rettete.

Ohne diesen Spurt hätte die Geschichte Großbritanniens womöglich einen anderen Verlauf genommen. Damals war Churchill Frontberichterstatter für britische Zeitungen und „eingebettet“ in die Malakand Field Force – ein britisches Expeditionskorps, das ausrückte, um die aufständischen Stämme in der Nordwestprovinz des Kronkolonie Indien zur Räson zu bringen.

Dieser Kolonialkrieg trug sich in etwa dort zu, wo heute die pakistanische Armee gegen die Taliban und mit ihnen verbündete Clan-Milizen kämpft: Buner, Malakand, das Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan und das – bei Wanderurlaubern einst sehr beliebte – Swat-Tal.

Dieses unwegsame Gebiet ist durchzogen von Gebirgsketten, deren Topografie sich bestenfalls mit Hilfe eines Helikopters erschließen lässt. Um die Mentalität ihrer Bewohner zu begreifen, ist diese Perspektive allerdings nicht hilfreich.

In Pakistans Nordwesten franst staatliche Herrschaftsgewalt aus. Lange vor der bedrohlichen Offensive der Taliban haben sich die Bewohner dieses Gebiets staatlicher Kontrolle erfolgreich widersetzt. Das aus einem Notstand geborene Misch-System der „föderal verwalteten Stammesgebiete“ stärkte das Selbstbewusstsein der dortigen Paschtunen.

Pakistanische Machthaber jeglicher Couleur, ob Militärdiktator Zia ul-Haq oder Premierministerin Benazir Bhutto, förderten den paschtunischen Nationalismus im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet, denn auf diese Weise hofften sie, ihren Einfluss im benachbarten Afghanistan zu vergrößern. Inzwischen haben die Strategen in Islamabad eingesehen, dass sich die „paschtunische Karte“ gegen sie gewendet hat.

Was westliche Beobachter befremden mag, ist nicht die sprichwörtliche Sturköpfigkeit der Paschtunen, sondern der bemerkenswerte Erfolg der radikalen, islamistischen Fanatiker in ihrem Gebiet. Selbst alteingesessene, mächtige Clanführer, die den Taliban lange kritisch bis feindselig gegenüber standen, mussten sich den Extremisten beugen.

Tatsächlich ist der mittelalterlich anmutende Islam der Taliban und ihrer Verbündeten in der Nordwestprovinz kein neues Phänomen, geschweige denn auf Usama bin Ladens Präsenz zurückzuführen. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts brachten Prediger den Wahhabismus nach Britisch-Indien und verbreitet damit das Gedankengut einer radikalen Sekte, die allein den wörtlichen Koran als Grundlage politischen Handelns anerkannte und durch eine überaus aggressive Dschihad-Rhetorik von sich reden machte.

Der Hass der Wahhabiten richtete sich zwar auch gegen die imperialistischen Europäer, vor allem aber gegen die muslimische Mehrheit, die einen zum Teil sehr farbenfrohen, von anderen Kulturen beeinflussten Islam lebte. Insofern hatten und haben die Wahhabiten keine moralische Not damit, andere Muslime umzubringen.

Es konnte damals niemanden verwundern, dass sich der Wahhabismus in der multikulturellen Welt des indischen Subkontinents nicht durchsetzte, außer bei den Paschtunen-Stämmen im Nordwesten. Denn in ihrer Lebensweise besaßen sie bereits viele Gemeinsamkeiten mit den Beduinen der Arabischen Halbinsel.

Einige Mullahs reisten, mithilfe europäischer Dampfschifflinien, zum Koranstudium nach Arabien und kamen dort mit dem Wahhabismus in Berührung. Diese Ideologe schien wie zugeschnitten auf Muslime, die keinen Zugang zu Bildung hatten und dem aus ihrer Sicht dekadenten, städtischen Leben Geringschätzung entgegen brachten.

Ironischerweise waren die wenigsten Paschtunen imstande, den Koran, dessen wörtliche Auslegung ihnen die Prediger ans Herz legten, überhaupt zu lesen.

Nach dem so genannten Sepoy-Aufstand gegen die Briten in Indien im Jahr 1857 fanden militante Muslime aus anderen Teilen Indiens in den Stammesgebieten Zuflucht und genossen das Gastrecht der Paschtunen in etwa so, wie viele Jahrzehnte später Bin Ladens arabische Kämpfer. Der Wahhabismus vermengte sich mit dem so genannten Paschtunwali, dem Ehrenkodex der Paschtunen. Hinzu kam, dass die Briten Ende des 19. Jahrhunderts mehrmals versuchten, ihre Macht auf Afghanistan auszudehnen – nicht allein, um ihre Nordwestgrenze zu stabilisieren, sondern weil sie fürchteten, dass die Russen ihnen dabei zuvorkommen könnten.

Zu Recht (?, T.) empfand der Afghanen-Emir Abdurrahman dies als Bedrohung und stachelte die Paschtunen tatkräftig gegen die Briten auf. Die radikalen Mullahs, die in dieser Zeit immer wieder in der Nordwestprovinz auftauchten, passten ihm bestens ins Konzept. Ein gewisser Mullah Sadullah, den die Briten den „verrückten Fakir“ nannten, verkündete den bevorstehenden Untergang des Empires und setzte sich an die Spitze eines Aufstands. Der Fakir renommierte mit seiner angeblichen Unverwundbarkeit und der britische Generalstab sandte nun 40.000 Mann, um die Paschtunen vom Gegenteil zu überzeugen.

Den Gurkhas, Sikhs und Highlanders im roten Rock machte niemand etwas vor, wenn auf gebirgigem Terrain gefochten wurde. Doch Kriegskorrespondent Churchill beobachtete, wie schwer sich die hochgerüstete Armee mit der asymmetrischen Kriegführung der Paschtunen tat. Angesichts der vielen Soldaten, die in der Septemberhitze bluteten und schwitzen, sah sich Churchill mit der erbärmlichen Kehrseite des Imperiums konfrontiert: „Was sind wir doch selbst für Schatten und was für Schatten rennen wir nach“, schrieb er mit den Worten des Dichters Edmund Burke.

Grimmig entschlossen marschierten die Briten in die Berge. Das Bild des Pfeifers George Findlater, der mit einer Kugel in der Schulter und einem durchschossenen Knöchel begeistert in seinen Dudelsack blies, um die Highlanders zur Attacke anzufeuern, mochte die Paschtunenkrieger befremden – ebenso wie Churchill der Anblick jenes „Wilden“, der ihm, nur mit einem Dolch bewaffnet, geradewegs vor den Lauf seiner Pistole rannte.

Damals wie heute existierte ein Widerspruch zwischen der endzeitlichen Dschihad-Rhetorik der Mullahs und den Interessen der Stämme, die sich ihnen angeschlossen hatten: Letzteren ging es nicht darum, die Ungläubigen aus ganz Indien zu vertreiben. Im Gebirge besaßen sie gute Chancen, eine Übermacht so sehr zu frustrieren, dass sie sich zurückzog.

Im offenen Feld, etwa in den Ebenen des Punjab oder dort, wo heute die pakistanische Hauptstadt Islamabad liegt, wären sie chancenlos gewesen. Und obwohl die Situation heute eine andere ist als vor rund 112 Jahren, so ähnelt das militärische Kräfteverhältnis zwischen der pakistanischen Armee und der Stammesallianz der Taliban doch den damaligen Zuständen.

Die Clan-Chefs in Swat, Buner und Mohand sind auch heute in der verzwickten Lage, zwischen den radikalen Kräften auf der einen Seite und einer bedrohlichen Staatsmacht auf der anderen Stellung zu beziehen. Einige sind mit den Taliban verschwägert, aber nicht alle heißen sie willkommen, ebenso wie damals viele Patriarchen den Fanatismus der Wahhabiten als Anmaßung empfanden. Denn deren Bewegung verhinderte nicht nur eine pragmatische Politik, sondern schwächte unter Umständen, wie heute die Taliban, die traditionellen Autoritäten.

Im Herbst 1897 stand den Briten nicht der Sinn nach Kompromissen, und die von Churchill informierte öffentliche Meinung schien sie darin zu bestärken. Nach wochenlangen Kämpfen brachen sie den Widerstand der Paschtunen. Der verrückte Fakir hatte sich aus dem Staub gemacht und viele Stammesführer suchten den Glimpf mit Großbritannien. Es sollte jedoch das (bisher, T.) einzige Mal bleiben, dass eine fremde Armee die Paschtunen auf ihrem eigenem Terrain besiegte.

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An der FAZ schätze ich auch besonders das Engagement und die Informiertheit ihrer Leserbriefschreiber, zu denen häufig Größen aus Politik und Wirtschaft gehören, wie zB. Otto Graf Lambsdorff, Theo Waigel uvam. Lesen Sie einen Kommentar zum vorstehenden Aufsatz von Jan Caspers aus der FAZ vom 6. Mai:

Die anderen Paschtunen

Daniel Gerlach ist für den Versuch, in seinem Artikel „Der verrückte Fakir und die Taliban“ die Mentalität der Paschtunen über die Hubschrauberperspektive hinaus historisch zu verstehen, grundsätzlich zu loben. In zwei Punkten wäre allerdings ein Nachtrag angebracht.

Zum einen war schon in der britischen Kolonialverwaltung umstritten, ob beziehungsweise inwieweit der afghanische Emir Abdur Rahman Khan, außenpolitisches Mündel der Briten und Träger der höchsten britischen Auszeichnung in Indien, den Aufstand von 1897/98 unterstützt hat. Auf jeden Fall war er, obgleich selbst Paschtune, aktiv an der Aushandlung der Durand-Linie beteiligt, die bis heute die paschtunischen Stammesgebiete zwischen Pakistan und Afghanistan zerteilt. Vor dem Hintergrund der damaligen imperialistischen Interessen (sowie aktueller politischer Allianzen) muss die scheinbare und tatsächliche Unabhängigkeit eines lokalen Herrschers immer genauer hinterfragt werden.

Zum anderen versäumt Gerlach, dem Stereotyp des ewigen Kriegervolkes, das sich für unbesiegbar hält und aufgrund seiner Weltfremdheit schon im neunzehnten Jahrhundert dem Wahhabismus anheimfiel, ein Gegenbeispiel entgegenzusetzen: 1929 gründete Khan Abdul Ghaffar Khan, paschtunischer Adliger und Mitstreiter Gandhis, mit den Khudai Khidmatgar oder „Dienern Gottes“ eine waffenlose Armee von zeitweise mehr als 100.000 paschtunischen Männern und Frauen, die auf der Grundlage des Korans und des Paschtunwali-Ehrenkodex – von Gerlach in dieser Kombination nur als Nährboden für Extremismus erwähnt – den britischen Kolonialherren über zehn Jahre gewaltfreien Widerstand leisteten und für die Unabhängigkeit Indiens kämpften. Die Rothemden, wie sie nach ihrer Uniform genannt wurden (Fraueneinheiten trugen schwarze Uniformen), schworen einen Eid der Gewaltlosigkeit und Gemeinnutz, gründeten ein weitverzweigtes Netz von Schulen und stellten sich, selbst unbewaffnet, bewaffneten Einheiten der Briten entgegen. Die Kolonialverwaltung reagierte mit Massenverhaftungen, Folter und Luftangriffen auf paschtunische Dörfer, nach Beginn des Zweiten Weltkrieges vor allem auch mit schwarzer Propaganda, die eine Kollaboration mit Gandhis hinduistischer Unabhängigkeitsbewegung als unislamisch anprangerte. Nach der Staatsgründung von Pakistan wurden die Khudai Khitmatgar von der neuen Obrigkeit verboten; Ghaffar Khan, der insgesamt 33 Jahre in britischen und pakistanischen Gefängnissen verbrachte, starb 1988 in Peschawar, noch immer unter Hausarrest.

Vor dem Hintergrund einer bewaffneten Intervention, die erklärtermaßen eine gesellschaftliche Erneuerung Afghanistans zum Ziel hat, ist es unbedingt anzuraten, sich nicht allein britischer Quellen zu bedienen, in denen von paschtunischen Stammeskriegern mit gezogenem Dolch und reicher Ernte an Hass und Rache geredet wird, sondern auch dieses Beispiel von Paschtunen zu nennen, die friedlich und unter großen Opfern für ihre berechtigten Interessen stritten.

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… die auf der GRUNDLAGE des KORANS… den britischen Kolonialherren über zehn Jahre GEWALTFREIEN Widerstand leisteten…“, hier geriet ich ins Stocken. Ich bin zwar begeistert über den gewaltfreien Widerstand, den ich dort nicht für möglich gehalten hätte, aber dieser auf der Grundlage des KORANS? Unglaublich! Der KORAN und GEWALTFREI? Albrecht… DÜRERfrei, Rock ohne ROLL, Heavy ohne METAL? Mag sein, dass es das GIBT, die Welt ist groß, und nicht jeder Afghane ist ein Windhund, jedoch scheint mir ein BEWEIS dafür – wie zB. eine SAMMLUNG DER WEISSEN STELLEN DES KLORANS – noch auszustehen! Ich, der ich bereits viermal den Kloran komplett gelesen habe, fürchte, es GIBT keine „weissen“ Stellen (habe aber bisher zugegebener Maßen auch nicht DAHINgehend gelesen). Der Koran scheint mir schwarz und böse durch und durch. Maximal ist es mal „nicht-GANZ-so-schlimm“. Aber FREUNDLICHKEIT, VERGEBUNG, VERZEIHEN uä., das habe ich bisher dort nicht gefunden. Dass die Paschtunen ihre Flower-Power-Armee aufgestellt haben, damals, ist für MICH also ein Zeichen dafür, dass JESUS auch den finstersten Kerker der Welt ERLEUCHTEN und aufbrechen kann.

Time am 7. Mai 2009

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(1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/27/churchill-1-the-river-war/

Orks lügen anders (aber immer)

2. Mai 2009

Häuptling Kurzei hatte bezüglich der neuen afghanischen Sexgesetzgebung mächtig Druck aus dem Westen erhalten (1). Er sagte deshalb: “Wir verstehen die Bedenken unserer Verbündeten in der internationalen Gemeinschaft. Diese sind eventuell auf eine inadäquate oder nicht so gute ÜBERSETZUNG des Gesetzes zurückzuführen oder auf eine FEHLINTERPRETATION.” Eine Fehlübersetzung? Eine Fehlinterpretation? Sind folgende glasklare Weisungen fehlinterpretierbar? NTV: “In Artikel 132 heißt es: ‘Eine Frau ist dazu verpflichtet, die sexuellen Wünsche ihres Ehemannes zu erfüllen.’ Zudem soll sie sich schminken, wenn ihr Mann dies verlangt. Wenn der Mann nicht auf Reisen sei, habe er mindestens jede vierte Nacht das Recht auf Geschlechtsverkehr mit seiner Frau. Artikel 137 zufolge darf eine Frau im Fall des Todes ihres Mannes nichts von diesem erben. Zudem müssten Frauen sich bis auf bestimmte Ausnahmen die Erlaubnis des Ehemannes einholen, wenn sie das Haus verlassen wollten.” Glaubt Kurzei, dass wir die Story mit der Fehlinterpretation, dass wir seine LÜGE glauben? “Ein hoher schiitischer Kleriker, Hajatullah Scheich Mohammad Asif Mohsini, verteidigte das Gesetz. ‘Die Medien kritisieren, dass eine Frau sich nicht gegen Sex wehren darf. Das ist nicht wahr. Bei klaren und vernünftigen Gründen oder indem sie ihren EHEMANN um ERLAUBNIS fragt, kann sie dies durchaus’”, berichtet NTV. Ach so, mit der Erlaubnis des Gatten darf sich eine Frau gegen die Vergewaltigung durch ihn wehren…

Für den Massenmord von Binghamton erklärte sich grade Ork-Terrorist Baitullah Mehsud verantwortlich, obwohl er nach Aussagen des FBI damit rein gar nichts zu tun hatte (2). Glaubt das Ork, dass wir seine LÜGE glauben?

Im Zusammenhang mit der Ernennung von Rasmussen zum NATO-Generalsekretär war schon vorgestern von Seiten Erdogans zu hören, die Zustimmung der Türkei sei durch Erfüllung von vier von ihr gestellten Bedingungen erkauft worden, unter ihnen das neu zu schaffende Amt des Stellvertreters, exklusiv der Türkei vorbehalten als Kontakt zur mohammedanistischen Welt. Jedoch heißt es heute in der FAZ: “NATO-Diplomaten wiesen dagegen darauf hin, dass keine schriftlichen Abmachungen bekannt geworden seien.” Die FAZ weiter: “Sollte die Türkei für ihre Zustimmung tatsächlich den Posten eines beigeordneten Generalsekretärs sowie Stellen in der Kommandostruktur des Bündnisses erwarten, so müsse dies in den Gremien des Bündnisses beschlossen werden.” Das ist Fuhrergan egal, Demokratie ist ja bekanntlich nur “der Zug”, auf den er und seine Horden aufspringen wollen um die Scharia durchzusetzen, und auch er geht davon aus, dass wir seine LÜGEN bereitwillig schlucken.

Die türkischen Medien zeichnen sich durch denselben Stil aus, wie die “Welt” heute berichtete (3). Nicht nur, dass sie das skandalöse Verhalten der Türkei bei der Ernennung von Rasmussen als Sieg Erdogans feierten, die “türkischen Medien hatten ihrem Publikum einen Gang nach Canossa des neuen Nato-Generalsekretärs Anders Fogh Rasmussen versprochen. Einen Gang nach Istanbul, genauer gesagt, wo er sich für seine angeblichen Vergehen in der Kontroverse um die dänischen Mohammed-Karikaturen entschuldigen werde.” Indes, die Entschuldigung blieb aus. “‘Ich glaube an die Meinungsfreiheit‘, sagte (Rasmussen, T.), mit einer bewusst starken Wortwahl, die Muslime für Glaubensfragen reservieren. ‘Und ich respektiere und achte alle Religionen’, fügte er hinzu. Muslime hätten die Worte eher umgekehrt gewählt, eine gewisse Achtung für die Idee der Meinungsfreiheit, aber der feste Glaube an Gott und seinen Propheten”, meint die Welt. Kein Problem für die Orks, “… Erdogan sprach von einer Entschuldigung, allerdings nicht ausdrücklich: Allein die Tatsache, das Rasmussen nach Istanbul komme und sich dort erkläre, sei schon eine Art Entschuldigung.” Ork-LÜGEN, auf die allerhöchstens Orks selbst hereinfallen…

Hier noch eine LÜGEN-Story: TROP (4) zeigt heute als “Picture of the week” die “Auspeitschung” eines jungen Mannes in Somalia, der mit seinen Freunden offenbar eine oder mehrere Frauen vergewaltigt (und sie damit ja praktisch zumindest langfristig zum Tode verurteilt hat, vergl. A.H.Ali). Der junge Mann lacht amüsiert über seine “Bestrafung”, denn sie wird rein symbolisch mit einem kleinen Stöckchen vorgenommen.

Was mich an diesen Lügen-Geschichten fasziniert ist, dass sie allesamt so völlig durchsichtig sind, und dennoch vorgetragen werden. Ich vermute, es sind keine Lügen in dem Sinne, wie wir Westler “Lügen” verstehen, sie sind nämlich keine raffinierten Täuschungen. Ork-Lügen brauchen nicht logisch bzw. glaubwürdig sein. Sie sind SETZUNGEN, Zeichen, Marken, sie sollen nicht wahrhaftig wirken, sondern sie müssen respektiert werden, OBWOHL evident ist, dass sie Lügen sind. Mehsud ist es egal, dass das FBI umgehend nachweisen kann, dass er mit dem Massaker nichts zu tun hat, er hört “Massenmord”, und das ist natürlich SEINE Welt, DA ist er dabei. “Manson, das bin ich, Hitler das bin ich, Satan, das bin ich!” Den “anderen, islamischen ORBIT” nennt Ralph Giordano Orkanistan (FAZ, 3.4.), und mich erinnert das an SF-Konzepte mit Parallelwelten. Vor 1400 Jahren geschah es wohl, dass sich die Realität der Erde in zwei grundsätzlich differente Kontinuen spaltete. Das Orkiversum wird von den Mohammedanisten seitdem als eines wahrgenommen, das unabhängig von Naturgesetzen usw. allein durch den Willen des jeweils Mächtigsten definiert wird. Was uns wie völlige Unfähigkeit, die Realität wahrzunehmen, vorkommt, ist die (natürlich mE. nur vermeintliche) Kreation der Realität durch den Willen: Der „Triumph des Willens“.

Ich konstatiere: Die Strukturierung des Universums nimmt vielleicht zu, aber die Materie strebt ganz sicher auseinander. Sie verharren, wir sind in rasanter Bewegung. So TRENNT sich, was NICHT zusammengehört!

Time am 6. April 2009
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(1) http://www.n-tv.de/1132657.html
(2) http://www.n-tv.de/1132488.html
(3) http://www.welt.de/politik/article3511127/Mohammed-Karikaturen-Rasmussen-bleibt-hart.html
(4) http://www.thereligionofpeace.com/

PS1.: Auf Obamas abstoßendes Drängeln, die EU solle die Turkeys aufnehmen, sagte Bernd Posselt (CSU):”Dann soll Obama die Türkei halt als 51. Bundesstaat in die USA aufnehmen!” That’s it, thank you, Bernie!

http://www.welt.de/politik/article3514366/Obama-soll-die-Tuerkei-halt-in-die-USA-aufnehmen.html

PS2:

Interessant an (2) übrigens mE. auch:

1.) die Orks als Trittbrettfahrer JEDEN Übels, verantwortlich für jeden Massenmord (weil ihnen die Ich-Bomben ausgehen?), demnächst auch für Tsunamis, Asteroideneinschläge und Magen-Darm?

2.) die Orks als Trittbrettfahrer jeden ÜBELS, verantwortlich allein für das BÖSE in der Welt (so wächst zusammen, was zusammen gehört!) “Wenn etwas Böses geschah, siehe, DAS waren wir Orks! WIR sind das BÖSE! Wir sind keinesfalls und niemals GUT!” Macht bitte weiter so, oh Orks, der Rest der Welt ist dabei, Euch zu durchschauen! Seid stolz auf den für Euch neu geschaffenen Sitz des stellvertretenden Generalsekretärs der NATO (Spezialgebiet Orkania) – psssst, vielleicht ist es ein Schleudersitz? Wir Menschen werden schon einen passenden Asteroiden für Euch finden…

Kein Erkenntnismangel in Afghanistan

30. April 2009

Klaus-Dieter Frankenberger kommentiert in der heutigen FAZ die Entsendung von 17.000 zusätzlichen Soldaten nach Afghanistan durch Obama (1):

“Kein Erkenntnismangel in Afghanistan – Wenn darüber geredet wird, was in Afghanistan im Argen liege und wie die Lage zu verbessern sei, sieht das Erklärungsangebot so aus: Militärisch allein sei der Konflikt nicht beizulegen; die afghanischen Sicherheitskräfte seien miserabel ausgebildet; es herrsche ein heilloses Koordinierungschaos, und überhaupt liege der Schlüssel zur Stabilisierung in Pakistan. Das hören wir nun seit Jahren – und es ist ja richtig. Aber warum wird nicht endlich Ordnung in den Koordinierungswildwuchs gebracht? Warum kommen die westlichen Staaten, denen die Ausbildung der Sicherheitskräfte obliegt, ihrer Aufgabe nur unzureichend nach? Entweder mangelt es an der Entschlossenheit oder an politischer Ernsthaftigkeit. Selbst wenn sich europäische Nato-Partner von der Entscheidung Präsident Obamas, zusätzlich 17.000 Soldaten an den Hindukusch zu entsenden, unter Druck gesetzt fühlen – die Anstrengungen in Afghanistan müssen endlich optimiert und, wenn nötig, verstärkt werden. Und Ausgangspunkt bleibt die Verbesserung der Sicherheit. Ohne Sicherheit wird das Land wieder zur Beute der Taliban.”

In der Tat! Aber welchen Beitrag leistet Deutschland? Die Welt (2):

“Deutschland stockt seine Militärpräsenz in Afghanistan um 600 (!, T.) Soldaten auf, um die für den 20. August geplante PRÄSIDENTENWAHL abzusichern. Nach Angaben von Nato-Diplomaten in Brüssel ist dies Teil einer VORÜBERGEHENDEN Verstärkung der Afghanistan-Schutztruppe Isaf durch sämtliche Nato-Staaten. Die Isaf muss nach Ansicht der militärischen Nato-Führung wegen der Wahl in den fünf Regionen Afghanistans um jeweils ein Bataillon – also insgesamt mindestens 3000 (WOW! T.) Soldaten – verstärkt werden. Die zusätzlichen 600 deutschen Soldaten sollen unter anderem die bisher 200 Mann starke Schnelle Eingreiftruppe (Quick Reaction Force/QRF) der Bundeswehr in Nordafghanistan verstärken. Auch eine Verstärkung der ZIVIL-MILITÄRISCHEN Zusammenarbeit und der MEDIZINISCHEN Versorgung sei geplant. Sofern es bei dem Wahltermin bleibt, rechnen Nato-Militärs mit der Entsendung der zusätzlichen deutschen Soldaten Mitte Juli. Sie sollen dann DREI bis VIER Monate in Afghanistan bleiben, weil auch mit einer Stichwahl gerechnet werden müsse.”

Und DANN, dann wird ALLES gut, und wir können die Amis wieder ALLEIN lassen in dem verdammten, satanischen Schlamassel, in dem die gnadenlosen Killer ausgebrütet werden, die den Jihad in unsere Städte tragen! WIR sind beeindruckt von UNS, wirklich beeindruckt!

Time am 19. Februar 2009

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(1) http://www.faz.net/s/Rub7FC5BF30C45B402F96E964EF8CE790E1/Doc~EB81E4C585E3D43D89F626D3A39D2238D~ATpl~Ecommon~Scontent.html
(2) http://www.welt.de/politik/article3215316/600-zusaetzliche-deutsche-Soldaten-fuer-Afghanistan.html

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PS: Hier noch ein paar Support-Our-Troops-Clips

– Damn Yankees (T. Nugent) mit “Don’t Tread on Me” unter http://www.youtube.com/watch?v=pZ_yDiXW9Qg&NR=1

– Dave Evans (ACDC-Sänger vor Bon) mit “Back on the firing line”: http://www.youtube.com/watch?v=68IDyTHBelE&feature=related

– Breaking Benjamin’s “Blow me away” genutzt unter http://www.youtube.com/watch?v=-L2vpiwvPYI&feature=related

– Kid Rock mit “Warrior” unter http://www.youtube.com/watch?v=xHzSBEVbXtM&feature=related