Posts Tagged ‘Alexander Fröhlich’

Aus der Hauptstadt (#49)

4. September 2018

Hannes Heine und Alexander Fröhlich berichten für den „Tagesspiegel“ (1).

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Kriminalität in der Hauptstadt

Kämpfe zwischen Berliner Clans drohen zu eskalieren

Schüsse aus einem Auto, bewaffnete Auseinandersetzung in Kreuzberg – Konkurrenzkämpfe zwischen einschlägig bekannten Großfamilien in Berlin häufen sich.

Schüsse, Äxte, Massenschlägerei – seit Tagen führen Auseinandersetzungen zwischen Angehörigen bekannter deutsch-arabischer Großfamilien zu Polizeieinsätzen. Am Montag, kurz nach Mitternacht, wurden zwei Männer am Britzer Damm in Neukölln aus einem Auto heraus niedergeschossen. Die beiden, 32 und 42 Jahre alt, kamen schwerverletzt in eine Klinik. Der Anschlag ereignete sich vor einer Bar auf dem Britzer Damm, die Opfer hatten das im Milieu beliebte Sportwetten-Lokal gerade verlassen. Die Polizei bestätigte das.

Ein Mann soll unmittelbar nach der Tat in einem Mercedes den mutmaßlichen Tätern hinterhergefahren sein. Im Mariendorfer Koppelweg wurde dann, so vorläufige Erkenntnisse, auch auf diesen Mercedes geschossen. Nun ermittelt die Polizei wegen versuchten Mordes. Die beiden verletzten Opfer stehen in einem Krankenhaus unter Polizeischutz.

Seit Wochen Polizeieinsätze

In Neukölln, aber auch Kreuzberg, Tiergarten und Schöneberg hatte es schon in den vergangenen Wochen umfangreiche Polizeieinsätze gegeben. Die Razzien könnten die internen Auseinandersetzungen zwischen den Clans verschärfen – es kann dabei um weitgehend legale Geschäfte im Immobilienmarkt gehen, aber auch um Drogenhandel und den Einfluss im Rotlichtgewerbe.

Bei den beiden Niedergeschossenen soll es sich Justizkreisen zufolge um Angehörige der Familie C. handeln, die einst aus dem Libanon eingewandert ist. Auch der Mann, der die Schützen verfolgt hat, gehört zur Großfamilie C. Deren Lebensmittelpunkt ist Kreuzberg. Ein entfernter Verwandter der zwei Opfer ist den unbestätigten Angaben zufolge jener Heranwachsende, bei dem vergangene Woche wegen mutmaßlichen Verbreitens von Falschgeld eine Wohnungsdurchsuchung stattgefunden hat. In dessen Kiez hatte es in den vergangenen Tagen immer wieder Polizeieinsätze gegeben. Ebenfalls in der Nacht zu Montag führte ein Streit unter den Großfamilien C. und W. zu einer Massenschlägerei.

Polizei beschlagnahmte Schreckschusswaffen, Pfeffersprays und Messer

An der Graefestraße in Kreuzberg sollen dabei sogar eine Axt und Schlagstöcke eingesetzt worden sein, die Kontrahenten drohten einander mit einer Schusswaffe. Bei der Schlägerei wurden mehrere Männer durch Faustschläge und durch Pfefferspray verletzt. Wegen der vermeintlichen Schusswaffe stürmte ein Spezialeinsatzkommando der Polizei eine Wohnung im Kiez. Die gehört einem Mitglied der Familie C. Die Polizei beschlagnahmte zwei Schreckschusswaffen, Pfeffersprays und Messer. Der Auslöser für die Massenschlägerei war am frühen Abend ein Streit um einen Blechschaden an einem Auto. Die Polizei nahm drei Männer im Alter von 44, 19 und 18 Jahr vorläufig fest. Zwischen den Aktionen in Neukölln und Kreuzberg bestehe derzeit kein Zusammenhang, teilte die Polizei mit. Allerdings prüfen die Ermittler einen Zusammenhang zwischen den aktuellen Vorfällen und dem Toten in Spandau. Am Wochenende war dort, wie berichtet, in einer Wohnung eine Leiche gefunden worden. Das Opfer: ein mutmaßlicher Drogendealer.

Viele sind einschlägig vorbestraft

Die betroffene Sportbar in Neukölln-Britz ist der Polizei bekannt. Dort trafen sich in den vergangenen Wochen immer wieder Angehörige diverser deutsch-arabischer Großfamilien, viele der Männer sind einschlägig vorbestraft. Das Lokal ist außerdem häufiger Ausgangspunkt für sogenannte Profilierungsfahrten – also das Rasen in teuren Fahrzeugen.

Dabei gelten, so Gerüchte im Milieu, drei Familien als „angezählt“. Neben den in Britz betroffenen Männern der Familie C. hatten Angehörige und Helfer der Familie A. und der Kern des Clans R. in den vergangenen Wochen sowohl Ärger mit den Behörden als auch Streit mit Konkurrenten.

Vor allem die Großfamilie R., derzeit wohl der berüchtigtste Clan in Berlin, wird im Milieu beobachtet. Vor einigen Wochen wurden 77 Immobilien konfisziert, von denen die Staatsanwaltschaft annimmt, dass sie mit Gewinnen aus Straftaten finanziert wurden. Angehörige der R. werden des Diebstahls der Goldmünze aus dem Bode-Museum und des Mordes an einem Familienvater und Gläubiger in Britz verdächtigt. Ein Angehöriger war wegen eines Einbruchs in eine Sparkasse 2014 verurteilt worden. Erst am Freitag wurde ein Mann aus der Familie R. festgenommen. Gegen ihn lag ein Haftbefehl wegen illegalen Waffenbesitzes vor. Nur Tage zuvor waren zwei Heranwachsende in Tiergarten wegen Drogenhandels verhaftet worden.

Zehn bekannte Großfamilien

Immer wieder wird gegen Mitglieder bestimmter Familien wegen Raubes, Nötigung, Hehlerei und allerlei Gewalttaten ermittelt. In Berlin leben – je nachdem, wie weit der Begriff gefasst wird – zehn einschlägig bekannte Großfamilien mit insgesamt mindestens 1000 Angehörigen. Nicht alle, aber hunderte Männer dieser Familien sind als Mehrfachtäter aktenkundig. Die Clan-Älteren kamen oft schon während des libanesischen Bürgerkrieges vor der Wende nach Berlin, aber auch nach Bremen, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Einige von ihnen lebten schon in Beirut als Flüchtlinge, weil sie als arabische Minderheit aus der Türkei oder als staatenlose Palästinenser in den Libanon geflohen waren. Als Instanz galt ihnen nur die eigene Familie, nicht der Staat, die Stadt oder die Gesellschaft. Bis heute geht es ihnen darum, Ehre und Reichtum des Clans zu mehren. Immer wieder, sagen Angehörige offen, heirateten entfernte Verwandte untereinander – so blieben die engen Verbindungen in den Familien erhalten.

Die Innenminister der Länder, auch Senator Andreas Geisel (SPD), führen eine Liste, auf der die Namen derjenigen Serientäter stehen, die man in den Libanon auszuweisen beabsichtigt. Das ist schwierig, weil viele von ihnen ja schon dort als staatenlos galten. Die jüngeren, meist in Berlin geborenen Angehörigen haben die deutsche Staatsbürgerschaft.

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Time am 4. September 2018

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1) https://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/kriminalitaet-in-der-hauptstadt-kaempfe-zwischen-berliner-clans-drohen-zu-eskalieren/22987728.html

Nicht verschwimmen sondern verschwunden

21. Januar 2018

Cottbus wurden bei 100.00 Einwohnern 8.000 Invasoren aufgenötigt, davon um die 3.400 Syrer. Seit 2015 ist der Ausländeranteil um 400 % gestiegen, und Gewalttaten häufen sich (1).

Diese sind für Alexander Fröhlich und Hardy Krüger vom „Tagesspiegel“ kein Problem (2). Ihr Problem ist vielmehr eine Demonstration beunruhigter Bürger dagegen, deren Teilnehmerzahl der „Focus“ nach Angaben der Veranstalter mit 2.500 beziffert (3).

Platt propagandistisch wird von Fröhlich und Krüger die AfD mit Nazis gleichgesetzt: „Darunter waren auch die Vize-Chefin der Brandenburger AfD-Landtagsfraktion, Birgit Bessin, Mitglieder der rechtsextremistischen Identitären Bewegung und andere Neonazis.“

Sie fragen scheinheilig: „Verschwimmen bereits die Grenzen zwischen Rechtsextremen und bürgerlichen Kritikern?“ Dass unsere Landesgrenzen nicht verschwimmen sondern verschwunden sind, ist ihnen völlig egal.

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Übergriffe bei Demo in Cottbus

Rechte beschimpfen und attackieren Journalisten

Bei einer rechten Demo gegen Flüchtlinge wurden Journalisten am Samstag heftig angegriffen. Sogar Berufsfeuerwehrleute riefen von ihrem Wagen aus: „Wir grüßen die Patrioten in Cottbus.“

Auch nach dem von Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) verhängten Aufnahmestopp für Flüchtlinge in Cottbus kommt die Lausitz-Stadt nicht zur Ruhe. Wegen zwei von minderjährigen syrischen Flüchtlingen verübten Messerattacken haben am Sonnabend in Cottbus etwa 1500 Menschen an der Demonstration des rechten Vereins „Zukunft Heimat“ teilgenommen. Darunter waren auch die Vize-Chefin der Brandenburger AfD-Landtagsfraktion, Birgit Bessin, Mitglieder der rechtsextremistischen Identitären Bewegung und andere Neonazis. Bei der Demonstration sind Journalisten attackiert worden.

Ein rbb-Journalist und Szenekenner, der über den Kurznachrichtendienst Twitter auf die Neonazis aufmerksam gemacht hatte, ist von den Rednern verbal angegriffen und namentlich genannt worden. Die Stimmung war extrem aufgeheizt, berichteten mehrere Beobachter. Mehrfach wurde von den Rednern gegenüber der aufgebrachten Menge die Berichterstattung der Medien über die Probleme in Cottbus kritisiert, Journalisten sind selbst von älteren Damen beschimpft worden.

Auch etliche Mitglieder von Neonazi-Gruppen wurden aggressiv

Nach Angaben eines anderen rbb-Reporters soll ein Vertreter des Vereins, der die Kundgebung abhielt, gesagt haben, der Sender solle sich von Syrern ein Messer geben lassen, um sich eine Scheibe von denen abzuschneiden, die Klartext reden würden. Politiker und Journalisten des sogenannten Mainstreams müssten weggeschickt und weggeschlossen werden, soll der Vereinsvertreter unter „Volksverräter“-Rufen der Demo-Teilnehmer gesagt haben. Ein AfD-Redner, der sich zu den Messerattacken äußerte, wurde mit den Worten zitiert: „Es werden Menschenopfer gebracht von unseren Leuten.“

Am Rande wurden auch andere Journalisten angerempelt, einer der Täter soll Mitglied der inzwischen aufgelösten Neonazi-Hooligan-Truppe „Inferno Cottbus“ sein, wie mehrere Augenzeugen berichteten. Auch die Polizei bestätigte die Vorfälle. Demnach hat ein 44-jähriger Mann eine auf einer Bank stehende Journalistin geschubst, sie konnte sich abfangen und blieb unverletzt. Zugleich habe ein 25-jähriger Mann einen Journalisten gestoßen, wodurch dessen Handy zu Boden fiel und beschädigt wurde. Gegen die Angreifer wird nun wegen Sachbeschädigungen und versuchter Körperverletzung ermittelt.

Die Masse rief „Scheiß rbb“

Als die Masse „Scheiß rbb“ skandierte, sei über die Lautsprecher eines vorbeifahrendes Feuerwehrwagens gerufen worden: „Wir grüßen die Patrioten in Cottbus.“ Die dafür verantwortlichen Mitarbeiter der städtischen Feuerwehr müssen nach Tagesspiegel-Informationen wegen möglicher Verstöße gegen das Neutralitätsgebot mit dienstrechtlichen Konsequenzen rechnen.

Erst am Freitag hatte Innenminister Schröter verfügt, dass vorerst keine weiteren Asylbewerber aus der Erstaufnahmestelle des Landes in Cottbus untergebracht werden. Nach offiziellen Angaben sind dort aktuell mehr als 3000 Asylbewerber gemeldet. Hinzu kommen weitere aus den Lausitzer Umlandkreisen sowie durch den Familiennachzug.

Eine Messerattacke zweier Syrer löste den Protest aus

Anlass für Schröters Anweisung sind zwei Messerattacken von jugendlichen Syrern. Am Mittwoch haben zwei 15 und 16 Jahre alte Jugendliche nach einer Auseinandersetzung mit einer anderen Gruppe einen deutschen Jugendlichen attackiert und mit einem Messer im Gesicht verletzt. Die Syrer sitzen nun in Untersuchungshaft. Sie waren bereits mit dem Strafrecht in Konflikt geraten, an ihren Schulen gab es mehrfach Probleme etwa mit aggressivem Verhalten gegenüber Lehrerinnen.

Wenige Tage zuvor hatte eine Gruppe von drei syrischen Minderjährigen ein deutsches Ehepaar mit einem Messer attackiert, weil es den drei Jungen nicht den geforderten Respekt und nicht den Vortritt in ein Einkaufszentrum gewähren wollte. Ein Passant konnte eingreifen und Schlimmeres verhindern.

Die Polizei in Cottbus soll verstärkt werden

Auseinandersetzungen zwischen deutschen Jugendlichen und jungen Migranten gab es schon häufiger, vor allem im Zentrum von Cottbus rund um den Vorplatz der Stadthalle. Dort treffen sich Trinker, das Drogenmilieu, die rechte Szene, Jugendliche und eben auch Flüchtlinge. Die Stadt hatte deshalb bereits ein Alkoholverbot für die Gegend erlassen, die Polizei richtete eine zeitlich befristete Videoüberwachung ein. Nun sollen die Kameras dauerhaft stehen bleiben. Zudem ordnete Schröter an, die Polizei zu verstärken: mehr Streifen und mehr Zivilfahnder. Die Stadt stockt beim Ordnungsamt auf, ebenso bei den Schulsozialarbeitern.

Schröter hatte zugleich Bedenken gegen den Familiennachzug geäußert. Wenn dieser eine Chance haben solle, müsse der Bund dafür sorgen, dass in den Städten und Gemeinden für die Familien auch die Voraussetzungen stimmten.

Das Land will Integrationsbemühungen verstärken

Die Stadtverwaltung unter Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) hatte bereits mehrfach vor den Problemen gewarnt und einen Zuzugsstopp für Cottbus gefordert. An den Schulen gibt es laut Berichten der „Lausitzer Rundschau“ große Probleme und die Sorge vor wachsenden Konflikten zwischen Kindern aus Familien von Deutschen und Flüchtlingen. Die Klassen seien überfüllt. Um Flüchtlingskinder adäquat zu betreuen und bereits in den Kitas Deutsch beizubringen, fehle das Personal. Auch an den Schulen will die Landesregierung nun nachsteuern.

Zur Wahrheit gehört aber auch: Cottbus hat schon lange ein Problem am rechten Rand und mit weit verbreiteten rechten Einstellungen. Die AfD wurde bei den Zweitstimmen bei der Bundestagswahl stärkste Kraft. Und Cottbus ist der Hotspot für rechte Gewalt und Neonazis in Brandenburg. Nahezu jede fünfte rechte Gewalttat in Brandenburg wurde 2016 in Cottbus verübt. Der Verein Opferperspektive rechnet mit ähnlich hohen Zahlen für 2017.

Verschwimmen bereits die Grenzen zwischen Rechtsextremen
und bürgerlichen Kritikern?

Die rechtsextremistische Szene in Cottbus ist laut Verfassungsschutz hochgradig gewaltorientiert – ein Mix aus Neonazis, Rockern, Kampfsportlern, Hooligans, Hass-Musikern und Mitarbeitern von Sicherheitsdiensten. Sie tauchten auch am Sonnabend bei den Kundgebungen des Vereins „Zukunft Heimat“ auf.

Der Verfassungsschutz registrierte bereits mit Sorge, dass nicht nur in Cottbus die Grenzen zwischen rechtsextremen und bürgerlich-asylkritischen Demonstrationen zunehmend verwischen und immer weniger Berührungsängste zwischen Bürgerinitiativen, Rechtspopulisten und Rechtsextremisten bestünden.

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Time am 21. Januar 2018

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1) http://www.pi-news.net/2018/01/brandenburg-zuzugsstopp-cottbus-macht-schluss/
2) http://www.tagesspiegel.de/berlin/uebergriffe-bei-demo-in-cottbus-rechte-beschimpfen-und-attackieren-journalisten/20870410.html
3) https://www.focus.de/politik/in-cottbus-journalisten-bei-demonstration-angegriffen-verdaechtige-gestellt_id_8336550.html