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Im Interview: Badinter und Schwarzer

12. Dezember 2017

Michaela Wiegel protokollierte für „FAZ.NET“ ein Gespräch mit Elisabeth Badinter und Alice Schwarzer (1).

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Islam und Antisemitismus

„In Cafés sitzen keine Frauen mehr“

Kommt es durch die Einwanderung von Muslimen zum Erstarken des Antisemitismus? Und was bedeutet diese Diskussion für Feministinnen? Ein Gespräch zwischen der französischen Philosophin Elisabeth Badinter und der deutschen Journalistin Alice Schwarzer.

Führt Masseneinwanderung aus dem islamischen Kulturraum zu einem Erstarken der Judenfeindlichkeit in unseren Gesellschaften?

Elisabeth Badinter: Die Antwort ist schwierig. Die erste Generation und auch die zweite Generation der Einwanderer in Frankreich sind überhaupt nicht durch eine antisemitische Haltung aufgefallen. Ein radikaler Antisemitismus hat sich erst in der dritten, in Frankreich geborenen Generation entwickelt, die sich zugleich zum radikalen Islamismus bestimmter Imame hingezogen fühlt. Es gibt heute in Frankreich keine andere Bevölkerungsgruppe, die wie die Juden ausschließlich aufgrund ihrer Religion schikaniert, gefoltert und sogar getötet wird. Diese Straftaten werden immer von Personen mit muslimischem Einwanderungshintergrund begangen, die sich dem Islamismus verschrieben haben.

Die kürzlich veröffentlichte Studie „Jüdische Perspektiven zum Antisemitismus in Deutschland“ kommt zu dem Ergebnis, dass drei Viertel der befragten Juden Antisemitismus als großes Problem wahrnehmen. Drohen Deutschland französische Verhältnisse?

Alice Schwarzer: Das Phänomen ist neu, aber kein muslimisches. Bei den ersten beiden Generationen türkischer Einwanderer gab es weder verschleierte Frauen noch offenen Antisemitismus. Es kommt eher von jüngeren Arabern, die in Deutschland nicht immer, aber häufig neu zugezogen sind. Es scheint mir relativ wenig mit dem Islam an sich zu tun zu haben, sondern mit dem politisierten Islam, der offensiv antisemitisch beziehungsweise antizionistisch ist. Mich wundert also nicht, dass die wenigen Juden in Deutschland, die aus gutem Grund noch sensibler als die französischen sind, sich Sorgen machen.

Der algerische Schriftsteller Boualem Sansal hat kürzlich als Zeuge vor Gericht in Paris gesagt, der Antisemitismus sei Teil der islamischen Kultur, er werde im Koran, in den Moscheen und in den Familien verbreitet. Sollte der Vorwurf der Naivität angesichts des Islams ernst genommen werden?

Schwarzer: Ich schätze Boualem Sansal sehr, seine Romane wie seine kritischen Analysen. Natürlich gibt es im Islam einen traditionellen Antisemitismus, aber – mit Verlaub – auch im Christentum. Es ist an den Muslimen selbst, selbstkritisch zu sehen, was sie bei sich ändern müssen. Doch ich bleibe dabei: Das Phänomen des Antisemitismus bei Muslimen ist in dieser Virulenz bei uns neu und geschürt vom politischen Islam.

Badinter: Boualem Sansal kennt den Koran besser als ich. In jedem Fall erleben wir heute eine islamische Radikalisierung, die den Antisemitismus zu einer Art religiösen Pflicht erhebt. Das Beunruhigende dabei ist, dass in Frankreich zugleich der gesellschaftliche Konsens bröckelt, nach der Schoa nie wieder Antisemitismus – in welcher Form auch immer – zu dulden. Ein Teil der Linken bei uns jedoch lehnt es ab, den neuen Antisemitismus als solchen zu benennen, geschweige denn zu verurteilen. Es sind die gleichen Leute, die sich auf den Antizionismus berufen. Auch ich halte Kritik am Staat Israel für notwendig, aber Kritik kann nicht bedeuten, das Existenzrecht Israels zu leugnen. Antizionismus läuft aber im Kern genau darauf hinaus.

In Frankreich richtete sich 2016 jede dritte rassistische Straftat gegen Juden, obwohl sie nur knapp ein Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen. Wie schützt der Staat die jüdische Minderheit?

Badinter: Der Staat schützt nicht. Genau das ist das Problem. Aber hat er überhaupt die Möglichkeit? Es gibt auch politische Gründe für die staatliche Zurückhaltung. Es soll vermieden werden, dass eine Ungleichbehandlung zwischen Juden und Muslimen entsteht. Denn Muslime sind natürlich auch Opfer von Rassismus. In Frankreich leben etwa 500.000 Juden und sechs Millionen Muslime.

Schwarzer: Es kommt noch etwas hinzu. Die 500.000 verstehen sich ja eigentlich keineswegs alle vorrangig als Juden. Sie sind keine Community. Viele sind einfach Franzosen und wollen ihre Ruhe haben. Sie werden erst von den Antisemiten wieder zu Juden gemacht.

Eine Befragung von Berliner Lehrern durch das American Jewish Comitee hat jüngst ergeben, dass bei vielen Schülern antisemitische Feindbilder stark präsent sind. In Frankreich haben Lehrer in dem Sammelband „Die verlorenen Territorien der Republik“ bereits 2002 vom grassierenden Antisemitismus in ihren Klassen berichtet. Wie kann da gegengesteuert werden?

Schwarzer: „Emma“ hat kürzlich eine Umfrage unter Lehrerinnen gemacht, und die stehen wirklich mit dem Rücken zur Wand. Diese Jugendlichen, die sich mit einer Attitüde der Gewalt inszenieren, schüchtern die anderen ein. Da braucht es nur vier, fünf Schüler in einer Klasse, die geben dann den Ton an, vor allem in Sachen Sexismus. Und da kommt neuerdings noch der Antisemitismus dazu. Auf den Schulhöfen sind „du Jude“, „du Schwuler“ oder „du Opfer“ heute Schimpfwörter. Lehrerinnen werden von Schülern als Nutten beschimpft. Doch die Schulleitungen und auch die Politik wollen jeden Konflikt vermeiden. Wenn die Lehrerinnen sich beschweren, heißt es: Setzen Sie sich mal durch, Sie haben anscheinend Ihre Klasse nicht im Griff.

Badinter: Seit viele sozial benachteiligte Familien unter dem Einfluss der Salafisten oder der Muslimbruderschaft stehen, wiegt das Wort der Imame schwerer als das der Lehrer. In zahlreichen Klassenzimmern in den Vorstädten kann die Geschichte des Holocausts nicht mehr unterrichtet werden, so stark ist die Ablehnung der Schüler. Das Wort des Lehrers gilt als Ausdruck der dominanten Mehrheitsgesellschaft, von der sich manche Schüler ausgegrenzt fühlen. Manche Eltern bestärken ihre Kinder in dem Glauben, dass der Imam wichtiger als der Lehrer sei. Für die Lehrer ergibt sich daraus eine unglaublich schwierige Situation. Wir haben innerhalb kürzester Zeit 2500 Moscheen in Frankreich gebaut, und langsam entwickelt sich genau das, was radikale Islamisten fordern: ein Separatismus der muslimischen Minderheit gegenüber dem Rest der Nation. Wir haben diese Entwicklung hingenommen und das mit der Pflicht zur Toleranz gerechtfertigt.

Schwarzer: Eigentlich hätte ich gedacht, dass die Situation in Frankreich und Deutschland sehr unterschiedlich ist, wir haben ja eine ganz andere Geschichte, schon allein wegen der kolonialen Vergangenheit Frankreichs. In Wahrheit jedoch gleicht sie sich frappant. Nur gibt es in Deutschland ein zusätzliches Problem, das ich seit über zwanzig Jahren sehe: Das sind die Islamverbände, allen voran der „Zentralrat der Muslime“, der sich in Anspielung auf den „Zentralrat der Juden“ so genannt hat. Die meisten dieser Muslimverbände sind schriftgläubig, orthodox, wenn nicht gar islamistisch. Sie waren bisher die privilegierten Gesprächspartner von Politik und Kirchen. Dabei repräsentieren sie nur ganz wenige Prozent der Muslime in Deutschland. Die Mehrheit der bei uns lebenden Muslime ist aufgeklärt und will keinen Gottesstaat, sondern die Demokratie, und nur eine von vier Musliminnen trägt ein Kopftuch. Nach dem Attentat auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“ im Januar 2015 hat Bundeskanzlerin Angela Merkel dankenswerterweise eine Solidaritätskundgebung vor dem Brandenburger Tor organisiert. Aber mit wem stand sie da Arm in Arm? Ich konnte es kaum fassen: mit Aiman Mazyek, dem Vorsitzenden des „Zentralrates der Muslime“.

Hat nicht vor allem die Gleichgültigkeit angesichts des Antisemitismus zugenommen? Frau Badinter, Sie haben Ende September in der Zeitschrift „L’Express“ einen Appell an alle Franzosen gerichtet, die Juden den Kampf gegen den Antisemitismus nicht allein bestreiten zu lassen.

Badinter: Ja, das war ein Alarmschrei, der sich an alle Franzosen, aber besonders auch an die Journalisten richtete, die kaum über die jüngsten antisemitischen Vorfälle berichteten. Das führte dazu, dass die jüdischen Opfer der islamistischen Terroranschläge beinahe vergessen wurden. Der Mord an der Jüdin Sarah Halimi im Mai dieses Jahres in Paris durch einen radikalisierten muslimischen Nachbarn wurde heruntergespielt. Auch auf meinen Appell folgte ein seltsames Stillschweigen. Keine Zeitung, kein Sender berichtete darüber. Nichts! Nur in den sozialen Medien war es Thema. Aber ein paar Wochen später häuften sich in den Medien Berichte über den wachsenden Antisemitismus in Frankreich. Den Schlüssel zu dieser eigenartigen Reaktion habe ich in einem Kommentar gefunden. Da stand: Wir müssen aufpassen, wenn die Lage für die Juden noch schlimmer bei uns wird, werden auch wir Journalisten eines Tages zur Rechenschaft gezogen.

Schwarzer: Die Herausforderung liegt darin, die Probleme nicht zu leugnen. Deutschland hat eine massive Zuwanderung von jungen Männern erlebt, die aus Ländern kommen, in denen Frauen völlig rechtlos sind, die tief patriarchale Traditionen haben und außerdem seit Jahren einer radikalislamischen Propaganda ausgesetzt sind. In ihrem Gepäck bringen sie, wie es der algerische Schriftsteller Kamel Daoud so treffend gesagt hat, all dies mit zu uns. Nimmt man diese jungen Männer ernst, muss man dafür sorgen, dass sich das ändert. Ich halte es auch gegenüber diesen jungen Männern für schlicht rassistisch, die Augen zuzumachen. Da sagt man, bei euch ist das nun mal so, für euch gelten andere Gesetze. Aber das ist menschenverachtend.

In Frankreich soll es inzwischen vereinzelt Viertel geben, in denen Männer arabisch-muslimischer Herkunft das Straßenbild dominieren und Frauen unerwünscht sind. Stimmt das?

Badinter: Ich kann das aus eigener Erfahrung bestätigen. Noch vor fünf Jahren konnte ich mich in Aubervilliers oder La Courneuve als Frau unbesorgt in ein Straßencafé setzen. Das ist vorbei. In den Cafés sitzen einfach keine Frauen mehr. Die Verschleierung der Frauen hat rapide zugenommen. Sie tragen das, was ich die Uniform der Muslimbruderschaft nenne. Das betrifft natürlich nur einige, ganz bestimmte Viertel. Aber ich beobachte, dass inzwischen schon kleine, fünf Jahre alte Mädchen mit einem Schleier verhüllt werden. Das Burka-Verbot ändert leider nichts daran.

Ist die jüdische Minderheit in Frankreich nicht auch dabei, eine Art religiöse Rückbesinnung zu erleben, sich immer stärker abzuschotten?

Badinter: Es ist vor allem auf Sicherheitsbedenken zurückzuführen, wenn immer mehr Eltern ihre Kinder von öffentlichen Schulen an jüdische wechseln lassen. Aber es gibt natürlich auch ein Erstarken orthodoxer Lebensformen. Ich finde es zum Beispiel nicht normal, dass man Kinder mit der Kippa zur Schule schicken will. Nach einer Messerattacke auf einen Juden in Marseille hat der dortige Rabbi darum gebeten, auf die Kippa im öffentlichen Raum zu verzichten. Aber der Großrabbiner Frankreichs hat ihm umgehend widersprochen. Ich bedaure das sehr. Mein Vater, der sehr gläubig war, sagte immer: Die Kippa setzt man auf, wenn man die Synagoge betritt oder wenn man zu Hause betet. Aber niemals auf der Straße!

Schwarzer: Man muss sich das mal vorstellen: Wir, Elisabeth Badinter und ich, werden beide wegen unserer kritischen Position zum politisierten Islam – dessen erste Opfer übrigens Muslime sind – von einem Teil der Linken und manchen jüngeren sogenannten intersektionellen Feministinnen als islamophobe Rassistinnen diffamiert, als weiße, bürgerliche Feministinnen, die nicht das Recht hätten, andere Kulturen zu kritisieren. Ich stand am Pranger, weil ich gewagt hatte, auf den Fakt aufmerksam zu machen, dass es überwiegend Männer aus dem Maghreb waren, die in der Silvesternacht in Köln Frauen sexuell belästigt hatten. Aber wie wollen wir die Realität ändern, wenn wir sie nicht benennen dürfen?

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Time am 12. Dezember 2017

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1) http://www.faz.net/aktuell/politik/alice-schwarzer-im-interview-ueber-islam-und-antisemitismus-15333514.html?printPagedArticle=true#pageIndex_0

Die blinde Frau

18. Oktober 2016

alice

Alice Schwarzer demonstriert in einem lesenswerten, aktuellen Aufsatz (1), dass sie den Kloran nicht gelesen hat und die Sira und die Hadithe natürlich auch nicht.

Oder scheut sie die Konsequenz?

Die einzig logische Konsequenz ist nämlich, dass der Nazislahm dekonstruiert werden muss!

Vollständig!!!

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Der gekränkte Mann

Alice Schwarzer analysiert die Motive von Amokläufern und Terroristen – und findet, dass die sich ziemlich ähneln. Aber welche Rolle spielt der Islam? Es ist der politisierte Islam, der Öl ins Feuer der gekränkten Muslime gießt. Wir müssen unterscheiden zwischen Islam und Islamismus.

In Deutschland wurden im Jahr 2015 rund 117.000 Frauen vergewaltigt; jede Fünfte vom eigenen (Ex)Ehemann bzw. (Ex)Freund. Etwa 643.000 Frauen wurden Opfer von Gewalt in Beziehungen (verschleiernd „häusliche Gewalt“ genannt). Und 320 wurden getötet; jede Zweite vom eigenen Ehemann bzw. Freund. Woher die Zahlen kommen? Ganz einfach: Es handelt sich um reale Fälle (bei den Toten) oder um erstattete Anzeigen mal zwölf. Denn, so erforschte das Bundes­frauenministerium in einer breit angelegten Studie: Nur jedes zwölfte Opfer von ­(sexueller) Gewalt erstattet Anzeige.

Und da reden wir weder von Flüchtlingen, noch von Migranten, noch vom Islamismus. Diese epidemische, strukturelle Männergewalt in unserer christlich geprägten Demokratie ist hausgemacht. Sie ist das dunkle Geheimnis im Herzen des Machtverhältnisses der Geschlechter. Allerdings ist diese private Gewalt gegen Frauen sanktioniert in den westlichen Demokratien; doch auch hier seit noch gar nicht so langer Zeit (Das Gesetz gegen Vergewaltigung in der Ehe zum Beispiel wurde erst 1997 eingeführt).

Was aber ist der Unterschied dieser Gewalt zwischen den Geschlechtern zu dem, was wir an Silvester in Köln erlebt haben – und seither immer mal wieder auf öffent­lichen Veranstaltungen? Zuletzt im Juli bei einem Kulturfest in Bremen, wo 24 Anzeigen erstattet wurden wegen sexueller Übergriffe nach der Methode „Höllenkreis“ (Dabei umzingelt eine Gruppe von in der Regel jungen Männern eine Frau und ­begrabscht sie bis hin zur Vergewaltigung).

Was ist der Unterschied zwischen unserer alltäglichen Gewalt und den öffentlichen Gewaltorgien im Namen Allahs zum Beispiel in Ochsenfurt, wo der Täter seinem letzten Opfer die Axt ins Gesicht hieb und die Worte gerufen haben soll: „Ich mach dich fertig, du Schlampe!“?

Der Unterschied ist die weitgehende ­Legitimierung von Gewalt in den patriarchalen Herkunftsländern der Täter, sie kennen keine Frauenbewegung und keine Gleichberechtigung. In ihren Ländern sind Frauen rechtlos und ist Gewalt ein Herrenrecht. Verschärfend hinzu kommt die Befeuerung dieser traditionellen Frauenverachtung durch die islamistische Propaganda, sie gießt Öl ins Feuer.

Die heimliche private Gewalt gilt nur dem einen Individuum – die demonstra­tive öffentliche Gewalt soll uns alle in Angst und Schrecken versetzen. Das gilt für islamistisch motivierte Attentäter ebenso wie für Amokläufer. In beiden Fällen ist der Täter der narzisstisch gestörte, der ­gekränkte Mann.

Aber private und politische Gewalt können sich auch mischen. Wie im Fall des homosexuellen Omar Mateen. Dieser Sohn eines homophoben afghanischen Taliban-Anhängers ermordete im Juni in Orlando in der Schwulen-Disco, in der er selber verkehrte, 49 Menschen. Aus (Selbst)Hass. Im letzten Augenblick überhöhte er die Tat mit der Behauptung, er sei ein Soldat des IS (Wofür es bis heute kaum Belege gibt).

Oder wie im Fall des 21-jährigen Ahmed in Reutlingen. Der Syrer hatte zunächst seine Freundin erstochen, die ihn anscheinend verlassen wollte. Ein klassischer Fall „privater“ Beziehungsgewalt. Aber sodann war er mit dem Messer wild fuchtelnd und drohend durch die Straßen der schwäbischen Kleinstadt gerannt.

Doch der Islam ist nicht der Grund für die Welle der öffentlichen Gewalt, auch wenn sie mit ihm begründet wird. Die islamistische Propaganda ist lediglich die Ideologie der Stunde, die diese Gewalt gegen Frauen und „Fremde“ rechtfertigt; implizit, also unterschwellig, oder aber explizit, also offensiv.

Implizit verstand es sich bei den jungen Männern aus Marokko oder Algerien an Silvester in Köln. Deren Länder sind in den vergangenen Jahren von einer gemäßigten Religiosität in einen maßlosen Islamismus gekippt. Diese verhetzten Männer kennen nur noch Heilige und Huren. Die Heilige ist zuhause eingesperrt und möglichst verschleiert – die Hure bewegt sich im öffentlichen Raum.

Warum ist die Tat von Ochsenfurt noch
beunruhigender als die Massaker von Paris?

Explizit wurde die Gewalt in Ansbach wie Ochsenfurt gerechtfertigt. Diesen sich gedemütigt fühlenden Männern kommt Allah gerade recht. Der Islamismus bietet ihnen einen Kontext. Er ist, ganz wie der Faschismus, ein Hort von Männlichkeitswahn und Autoritätshörigkeit. Im Namen des „Vaters“ rotten sich die real wie vermeintlich gekränkten Söhne zusammen und schwören Rache.

Für seine Leader – vom Islamischen Staat bis hin zu den Ideologen im Westen – ist der Islamismus eine Machtstrategie; für ihr Fußvolk ist er das Gebräu, das sie trunken macht. Und hochmütig gegenüber Fremden und Frauen, diesen ersten „Fremden“ in der patriarchalen Hierarchie. Sicher, der Islamismus hat ganz wie der Faschismus komplexe Gründe, aber er ist ganz wie er auch eine Antwort auf die Erstarkung der Frauen. Hie immer mehr Staatschefinnen – da immer mehr Frauen unterm Schleier. Das muss unsere Welt ja zerreißen.

Die Tatsache, dass der Westen an der Entwurzelung der Menschen in Nahost und Nordafrika seinen satten Anteil hat, macht das Problem nicht geringer. In der Tat hat Amerika in den 1990er Jahren die Taliban in Afghanistan überhaupt erst ­aufgerüstet, für den Kampf gegen die Sowjetunion. Und der Westen hat die Kriege in Irak und Afghanistan angefangen und damit auch Syrien destabilisiert; um sodann, offensichtlich unfähig dazuzulernen, auch noch Libyen ins Chaos zu stürzen. Ohne Amerika kein Islamischer Staat, das räumen inzwischen sogar die Interventionisten selber ein. So gestand jüngst Obama, dass die Irakkriege „ein Fehler waren“. Sorry.

Doch als würde das alles nicht genügen, verschließen wir im Westen bis heute die Augen vor dem 1979 in Khomeinis Iran ­gestarteten, weltweiten Eroberungsfeldzug des politisierten Islam. Die Wirtschaft macht munter weiter Geschäfte mit Saudi-Arabien, Iran & Co., den Hauptfinanziers des Terrors. Und Politik wie Gesellschaft ignorieren oder verharmlosen seit Jahrzehnten die Offensive des politischen Islam mitten unter uns.

Anstatt die aufgeklärten und fortschritt­lichen MuslimInnen zu unterstützen, führen wir verlogene „Dialoge“ mit rückwärtsgewandten, schriftgläubigen Muslimverbänden und deren Lobbyisten und Lobbyistinnen (die nicht selten KonvertitInnen sind). Mit dieser Strategie haben wir in den vergangenen 20 Jahren nicht zuletzt die Mehrheit der nicht-radikalen Muslime und ­Musliminnen im Stich gelassen. Die sind aus Angst vor den Radikalen verstummt – oder aber sie radikalisieren sich, wie wir bei der Pro-Erdoğan-Demonstration in Köln sehen konnten sowie in jüngsten Umfragen. Da erklären neuerdings sage und schreibe 50 Prozent der Türkischstämmigen in Deutschland, dass für sie die „islamischen Gebote“ über dem Gesetz stehen (das ergab eine aktuelle Emnid-Umfrage).

Es ist also Zeit. Höchste Zeit, dass wir endlich unterscheiden lernen zwischen Islam und Islamismus, zwischen Glauben und Ideologie. Das eine ist eine Religion, bei der Selbstkritik und Reform nottut, aber das ist Sache der Muslime. Das andere ist eine totalitäre, faschistoide Ideologie, deren Kern die Frauen- und Fremdenverachtung sowie Autoritätshörigkeit ist. Und das fängt nicht erst beim offenen Terror an, sondern hat seine Wurzeln in der Schriftgläubigkeit und im Hochmut gegenüber den Frauen und „Ungläubigen“.

Die Probleme begannen ja nicht erst mit den Flüchtlingen, sondern schon in den 1990er Jahren. Stichwort: Kopftuch. Stichwort: Geschlechtertrennung in Schulen beim Schwimmunterricht. Stichwort: Halal und Ramadan. Doch die eine Million ­Menschen aus Kriegsgebieten, viele davon brutalisiert bzw. traumatisiert, haben das Problem dramatisch verschärft.

Inzwischen wissen wir: Manche vor­gebliche Flüchtlinge wurden offensichtlich ­geschickt mit der Absicht, den Krieg nach Deutschland zu tragen. Es wird eine verschwindende Minderheit sein. Und es ist falsch, die Mehrheit dafür verantwortlich zu machen. Aber mit dieser Minderheit müssen wir uns beschäftigen.

Als würde das alles nicht genügen,
verschließen wir im Westen bis heute die Augen

Männer wie Riaz Khan Ahmadzai, dieser vielleicht beunruhigendste Terrorist von allen. Der angeblich 17-Jährige war vor einem Jahr nach Deutschland gekommen und zwei Wochen vor seiner Axtattacke zu einer Pflegefamilie gezogen. Im Haus dieser Familie, in seinem Zimmer, hat Riaz das Bekennervideo aufgenommen. Es wurde wenige Stunden nach seiner Tat von einem IS-nahen Sender verbreitet und rasch als ­authentisch identifiziert. Der Text, den der Täter mit einem Messer in der Hand deklamierte, weist den jungen Mann als islamistischen Vollprofi aus. Sein Bekenntnis ist von alttestamentarischer Wucht und strategisch auf den Punkt.

Riaz’ Videoappell benennt die neue Etappe der infamen IS-Strategie sehr klar: „Wie ihr seht, habe ich in eurem Land ­gelebt“, sagt er da. „Ich habe in euren Häusern meinen Plan gemacht und werde euch in euren Häusern und auf der Straße töten, sodass ihr Frankreich vergessen werdet. Ich werde euch mit meinem Messer töten und eure Köpfe mit meiner Axt spalten, so Gott will.“

Von dem Terroristen in Ochsenfurt hieß es zunächst, er sei zuvor „unauffällig“ gewesen, und habe sich anscheinend „turbo-­radikalisiert“. Auch bei dem Tunesier in Nizza war am Anfang von einer „raschen Radikalisierung“ die Rede. Innerhalb von zwei Wochen sollte der 31-jährige Mohamed Lahouaiej-Bouhlel vom Drogen, Alkohol und Frauen wie Männer konsumierenden Tunichtgut zum bärtigen Gotteskrieger mutiert sein. Inzwischen ist klar: Beide hatten die Anschläge seit mindestens einem Jahr vorbereitet; anscheinend bis zur letzten Sekunde vor den Taten eng geführt von Strategen des Islamischen Staates.

Doch warum ist die Tat von Ochsenfurt noch beunruhigender als die Massaker von Paris, Brüssel oder Nizza? Weil sie aus ­unserer Mitte kam, aus unseren eigenen Häusern kroch! Und weil der junge Afghane ein Jahr lang als so besonders freundlich, nett und integrierbar galt.

Das Doppelleben war ihm offenbar selber zunehmend schwergefallen. Auf Facebook (wo er unter anderer Identität tausende von Beiträgen gepostet hatte) schrieb er am 24. April 2016: „Offener Hass ist besser, als heuchlerische Beziehungen zu pflegen.“ Es sollte noch drei Monate dauern, bis er die Maske fallen ließ. Aber ­immerhin: Er ließ seine Gastfamilie leben – und erfüllte damit den im Bekenner­video (selbst)erteilten Auftrag nicht in ­seiner ganzen grausigen Konsequenz.

Auch bei David S. in München lag, vier Tage nach dem Attentat von Ochsenfurt, zunächst der Verdacht auf einen islamistischen Hintergrund nahe. Doch nach wenigen Stunden war klar: Der Amokläufer war ein Einzeltäter und sein Vorbild war nicht der Islamische Staat, sondern waren so ­genannte Ego-Shooter wie „Counterstrike“; so wie Tim Kretschmer, der Amokläufer von Winnenden, und Anders Breivik in Oslo. Auch David S. hatte die Tat seit mindestens einem Jahr vorbereitet. Auch er war ein gekränkter Mann.

Bei fast allen Tätern, ob Gotteskrieger oder Amokläufer, lesen wir in den Medien gerne immer als erstes, die Täter seien „einsam“ gewesen und „depressiv“ (Das war 2015 auch bei dem Piloten Andreas Lubitz so, der 149 Menschen geplant mit in den Tod gerissen hat). Mag sein. Aber viele Menschen sind einsam. Und viele neigen zur Traurigkeit. Ein Zustand, der zweifellos verstärkt wird, wenn man aus einem (Bürger)Kriegsland kommt, seine Familie zurückgelassen hat und als Opfer oder/und Täter schon viel Traumatisches erlitten oder auch verbrochen hat.

Aber bedeutet eine solche Argumentation nicht, die wahren Gründe durch eine systematische Pathologisierung der Täter zu verschleiern? Wir sollten den Tätern nicht auch noch das letzte Stück Menschenwürde absprechen, das sie haben: die Freiheit der Verantwortung!

Es sind immer Männer. Es sind fast immer jüngere Männer, die nicht eingebunden sind in eine Familie. Es sind immer entwurzelte und gekränkte Männer. Erfahrene Psycho­logen diagnostizieren bei diesen Männern ­weniger eine Depression (die ja auch eher passiv macht), sondern eher eine „narzisstische Störung“. In den Augen der Umwelt sind sie klein, sie aber halten sich für groß.

Eine solche narzisstische Kränkung in ­Aggression nach außen zu wenden, auch das ist typisch männlich. Narzisstisch gestörte Frauen wenden in der Regel ihre Aggressionen nach innen, gegen sich selbst.

Jetzt ist viel von Aufrüstung die Rede: der Polizei, der Sicherheitsmaßnahmen. Es ist richtig, dass Großveranstaltungen in diesen Zeiten besonders gesichert werden müssen. Aber das allein kann es nicht sein.

Wir sollten den Tätern nicht die Verantwortung
absprechen, ihr letztes Stück Menschenwürde

Auch die Prävention muss weit über das von Bundeskanzlerin Merkel geforderte „Frühwarnsystem“ hinausgehen. Sie darf nicht erst bei den ersten Anzeichen ansetzen, da ist es meist schon zu spät. Sie muss früher einsetzen. Und zwar sowohl bei den wütenden, herrschsüchtigen Männern aus den patriarchalen, ­islamischen (Bürger)Kriegsgebieten; wie auch bei der Minderheit der hier geborenen Söhne der Migranten, die sich radikalisieren.

Was können wir tun? Der salafistischen Agitation in den Flüchtlingslagern und Parallel­gesellschaften muss strikt Einhalt ­geboten werden. Die Muslim-Verbände, die bisher mit ihrer rückwärtsgewandten, schriftgläubigen Propaganda eher den Islamisten in die Hände gespielt haben, müssen verpflichtet werden, aktiv zu Aufklärung und Integration beizutragen.

Die „verlorenen Seelen“ (Kamel Daoud) schließlich müssen eine reale Chance zur Integration bekommen und verpflichtet werden, Rechtsstaat und Gleichberechtigung der Geschlechter zu respektieren. Gegen die unrettbar an die fanatischen Gotteskrieger „verlorenen Seelen“ allerdings muss in aller Entschiedenheit und mit allen Mitteln vorgegangen ­werden. Denn der gekränkte Mann kann gefährlich werden. Lebensgefährlich.

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Time am 18. Oktober 2016

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1) http://www.aliceschwarzer.de/artikel/alice-schwarzer-ueber-den-gekraenkten-mann-333285

Alles wird weggeredet

13. Mai 2016

Musa Schmitz

Der Mohammedanist Dominic Musa Schmitz hält den SA-lafismus heute für eine faschistische Ideologie. Er ist es, aber der für ALLE Orks „beste Mensch aller Zeiten“ war auch SA-lafist.

Michael Hanfeld fand auf „FAZ.NET“ ungewohnt deutliche Worte in einer TV-Kritik (1).

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Religion und „Sexual-Druck“

Das Motto ist provokant: „Mann, Muslim, Macho – Was hat das mit dem Islam zu tun?“. Die Debatte führt zu dem Punkt, an dem niemand mehr mit nichts zu tun hat. Alles wird weggeredet. Keine Verantwortung, keine Zusammenhänge, nirgends.

„Es ist ein bisschen durcheinander gegangen“, sagt Sandra Maischberger am Ende ihrer Sendung. Aber dafür sei es differenziert gewesen. „Es bleiben Fragen offen, die diskutieren wir beim nächsten Mal.“

Ein „bisschen“ Durcheinander? Ein „paar“ Fragen offen? Sagen wir doch lieber: Es ist alles ein einziges Durcheinander und es bleiben – um mit Marcel Reich-Ranicki und Bertolt Brecht zu sprechen – alle Fragen offen, als der Vorhang fällt.

Wir sehen eine Stunde und fünfzehn Minuten lang einem Theaterstück mit dem Titel „Mann, Muslim, Macho: Was hat das mit dem Islam zu tun?“, an dessen Ende klar ist: Nichts hat mit niemandem zu tun, der Islam hat nichts mit einem negativen Frauenbild, Muslime haben nichts mit den sexuellen Angriffen in der Silvesternacht in Köln zu tun, bei den Tätern mag es sich um Machos der übelsten Sorte gehandelt haben, aber waren es auch Männer?

So zynisch könnte man die Quintessenz einer Rederunde ausdrücken, die zu keinem Zeitpunkt zu einer Debatte wird, weil drei von fünf Diskutanten den anderen nicht zuhören wollen, niemand den anderen ausreden lässt, Argumente des Gegenübers ignoriert werden und auf Fragen nicht zum Erfragten, sondern lieber über etwas anderes gesprochen wird.

„Sexismus hat keine Religion“

Die Essenz der Beiträge der Grünen-Bundesvorsitzenden Simone Peter erschöpft sich in einem Wort: Differenzierung. Ihr fällt zu den 1170 Anzeigen wegen sexuellen Angriffen und anderen Straftaten in Köln an Silvester als erstes ein, dass es für Frauen generell bitter sei, wenn sie sähen, dass Straftäter vor Gericht nicht überführt und verurteilt werden. „Sexismus hat keine Religion“, sagt Simone Peter, und Flüchtlinge seien unter den Tätern von Köln keine gewesen. Wichtig sei auch die Frage: „Hatten sie Zugang zu Integrationsmaßnahmen? Spätestens an dieser Stelle merkt man: Die „Differenzierung“ von Simone Peter ist Relativierung.

Dem früheren Nordafrika-Korrespondenten Samuel Schirmbeck lastet sie an, wie die Vertreter der AfD zu reden, nur weil er seine jahrzehntelangen Erfahrungen aus dem Alltagsleben in Algerien und in Marokko geschildert hat. Diese Erfahrung lautet, dass Frauen permanent sexuellen Übergriffen von Männergruppen ausgesetzt sind, die einen Grund in der rigiden Keuschheitslehren des Koran haben und in einem gesellschaftlichen Klima, in dem, wie Schirmbeck sagt, die Religion eine „Virulenz“ besitzt. Sie gilt als definitorische Größe und wird als solche auch durchgesetzt. Dies, verbunden mit dem „erniedrigenden Frauenbild“ und dem Druck unausgelebter Sexualität, führe zu dem Phänomen, das in Deutschland an Silvester nicht nur in Köln angekommen ist. Darüber müsse man reden, meint Schirmbeck, auch und gerade im Interesse der Muslime.

Ist das islamfeindlich?

Ist das islamfeindlich? Ist das AfD? Wenn das so ist, dann hat nicht die AfD ein Problem, sondern alle anderen Parteien haben eins, wenn sie reden wie Simone Peter an diesem Abend. (Die Grünen sollten zu solchen Runden besser Cem Özdemir schicken.) So verschafft man der AfD am Ende noch Mehrheiten. Man müsse endlich aufhören, Islam-Kritiker als Islam-Hasser zu denunzieren, sagt Schirmbeck. Doch das geschieht in der Sendung von Sandra Maischberger fortwährend.

Mehr noch als Simone Peter ist dafür freilich Murat Kayman von dem von der Türkei finanzierten Religionsverband Ditib zuständig. Er dreht den Spieß um und schickt allem, was da noch kommen mag, eine Grundsatzbemerkung voraus, an der schon zu erkennen ist, dass er nichts von dem, was Samuel Schirmbeck an diesem Abend sagen wird, gelten lässt, und das, was Alice Schwarzer zu sagen hat, selbstverständlich auch nicht. Wir seien im Verhältnis zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen in diesem Land in den vergangenen Jahrzehnten nicht vorangekommen, sagt Kayman, wir hätten „mehr Islamexperten als Muslime“, betrachteten das Verhalten der überwiegenden Mehrheit der Muslime nicht, in den Talkshows gebe es immer nur „Ankläger und Pflichtverteidiger“, das gemeinsame Merkmal der Täter von Köln sei allein, „dass sie Kriminelle sind“. Diese gäben „kein Exempel für muslimisches Verhalten“, allenfalls seien soziale Umstände der Grund für diese Straftaten.

Dem ARD-Journalisten Schirmbeck hält Kayman im Laufe der Debatte vor, er argumentiere „nahe an biologistischen Argumenten“ – womit der Ditib-Vertreter die brutalstmögliche Verunglimpfung des Abends vom Stapel lässt.

Alice Schwarzer hält dagegen

Alice Schwarzer versucht dem tapfer entgegenzutreten, indem sie sich – wie Schirmbeck – vor eben jenen Verallgemeinerungen hütet, die Kayman ihnen anlastet. Doch leider gelingt es ihr nicht einmal zu verdeutlichen, was sie – auch in dem Buch, das sie gerade geschrieben hat – mit dem „Scharia-Islam“ meint, vor dem sie warnt und als dessen Wortführer sie auch die Ditib versteht.

Deren Vertreter redeten im Übrigen, sagt Alice Schwarzer, wenn sie unter sich seien, ganz anders als bei Auftritten in Talkshows. Das wiederum hält Murat Kayman für eine perfide Unterstellung.

Als Alice Schwarzer dafür ein Beispiel nennen will – mit der Art und Weise, in der Kayman nach den sexuellen Angriffen auf einen Zeitungsbeitrag der Publizistin, Psychotherapeutin und ehemaligen SPD-Politikerin Lale Akgün reagiert hat, würgt Sandra Maischberger den Exkurs ab.

Schlagen wir nach bei Murat Kayman

Dabei wäre gerade dieses Beispiel interessant und hätte Murat Kayman aus der Reserve locken müssen. Denn wenn es sich bei dem Murat Kayman, der bei Maischberger sitzt, um denselben handelt, der seit Januar unter murat-kayman.de im Netz publiziert, hätte man ihm den Eintrag vorhalten können, der sich dort mit Datum vom 7. Januar unter der (geschmacklosen) Rigoletto-Überschrift „La donna è mobile“ (Die Frau ist launisch) findet und Passagen wie die folgenden enthält:

„Wir driften zusehend in ein gesellschaftliches Klima der rassistischen Stigmatisierung. Die öffentliche Diskussion über die Ereignisse in Köln wird zur nächsten Eskalationsstufe in der Desensibilisierung für unser Verständnis einer demokratischen Gesellschaft. Wir müssen uns die Entwicklungslinie der antimuslimischen Debatte noch einmal vor Augen führen, um erfassen zu können, an welchem Punkt wir angelangt sind. Wir haben begonnen bei einer kulturellen Negativmarkierung der Knoblauchfresser und Kümmel-Türken während der Gastarbeitermigration. Danach wollten wir unbedingt im Zuge der Diskussionen um die doppelte Staatsangehörigkeit ‚gegen Türken unterschreiben‘. Zwischendurch verbrannten türkischstämmige Frauen und Kinder in Mölln und Solingen – der Preis der ‚Asylantenflut‘-Hysterie nach der Wiedervereinigung. (…)

Dann – endlich, endlich – durfte einmal laut gesagt werden, was weite Teile unserer Gesellschaft offenbar denken, als wir den Niedergang unseres Landes beweinen durften, das sich wegen der inzuchtbedingten Minderintelligenz der Kopftuchmädchen abschafft. Mittlerweile bekommt die kollektive Pathologisierung und Kriminalisierung der Muslime nicht mehr den gesellschaftlichen Abscheu, den eine solche Ausgrenzung von ganzen Bevölkerungsgruppen allein aufgrund ihrer Herkunft oder ihres Glaubens in einer aufgeklärten Gesellschaft eigentlich verdient.

Nein, ein solcher Rassismus bekommt mittlerweile den besten Sendeplatz im öffentlich-rechtlichen Fernsehen und heftet sich – es wird endlich abgerechnet – das Prädikat einer harten aber fairen Debatte ans Revers.“

Damit war Frank Plasbergs Sendung „hart aber fair“ gemeint.

Am 11. Januar notiert murat-kayman.de:

„Nach den Ereignissen der Silvesternacht in Köln und anderswo muss man leider konstatieren: wir sind nicht überrascht. Die Reaktionen auf die verübten Straftaten fallen – leider – nicht aus dem Rahmen des Erwarteten. Zeitungen und „Nachrichtenmagazine“, die ihr Motto wohl bald in „Hetze, Hetze, Hetze“ umwidmen werden, machen mit sexistischen und rassistischen Titelseiten auf. Damit wird die unterschwellige Phantasterei von gefährlicher, überwältigender Omnipotenz des Fremden befördert. Was „der Muslim“ über seinen vermeintlichen „Geburtendschihad“ als Projekt der demographischen Landnahme betreibt, flankiert er nun auch mit der Übergriffigkeit auf „unsere Frauen“. Und unsere Medien machen sich auch noch freiwillig zum Instrument dieser rassistischen Pöbelei. Mal wieder gilt: Auflage vor Anstand. Man kann froh sein, dass auf Titelseiten keine Kreuze brannten. Wir können aber noch nicht sicher sein, ob es nicht bald Berichte über Muslime geben wird, die vermeintlich Brunnen vergiften.“

Ein Zitat, ein O-Ton von murat-kayman.de, hätte bei Sandra Maischberger vielleicht einiges verdeutlicht.

Der Koran als Vaterersatz

Zu dem Trauerspiel in 75 Minuten trägt freilich auch bei, dass die zweite muslimische Stimme erst nach rund einer halben Stunde zu hören ist. Es ist die des Konvertiten Dominic Musa Schmitz; eines jungen Mannes, der einmal Katholik war, dann bei den Salafisten landete und heute ein ebensolcher aufgeklärter, toleranter, kritischer und zugleich tief religiöser Muslim ist, über den im Fernsehen so oft nur geredet wird, aber nicht mit ihm.

Den Salafismus hält Dominic Musa Schmitz heute für eine faschistische Ideologie. Kennengelernt hat er die radikale Ausprägung der Religion als reine Lehre: „Das war für mich der Islam“, sagt er, der ihm „Richtig und Falsch vorgegeben“ habe . Das war genau das, was er suchte. Der Koran war ihm eine „Art Vaterersatz“.

Doch dann habe er begriffen, dass dem Menschen durch diese Ideologie eigenständiges „Denken, Handeln und Fühlen“ abgenommen werde. Man beurteile alles „nur anhand eines Dogmas“. Doch was brachte ihn dazu? Die Suche nach Geborgenheit, nach einer Familie. „Mir hat einfach Liebe gefehlt“, sagt Dominic Musa Schmitz. Irgendwann sei er sogar durch Möbelhäuser gelaufen und habe sich in Gedanken das Heim für seine eigene Familie zusammenfantasiert. Dann wurde er mit einer jungen Frau verheiratet, die er gar nicht kannte.

So einfach ist das. So einfach und ergreifend und so vielsagend, wenn man erkennen will, worüber alle in diesem Land, worüber insbesondere die Politik, die demokratischen Parteien, die Kirchen und ganz besonders intensiv die muslimischen Gemeinden (und eben nicht nur die Erdogan-Ditib) nachdenken müssen, wenn sie verhindern wollen, dass ein Großteil der vielen jungen Männer aus muslimischen Ländern, die seit dem vergangenen September in die Bundesrepublik gekommen sind, bei denen landet, die Dominic Musa Schmitz als Siebzehnjährigen eingefangen haben. Derselbe Dominic Musa Schmitz, der sich vom Salafismus lossagte, fordert heute, dass Muslime aus eigenem Antrieb heraus den ersten Schritt auf die Gesellschaft zu, in die Gesellschaft hinein gehen, und dass in den Moscheen in Deutschland auch selbstverständlich auf deutsch gepredigt wird – damit das vor allem die Jungen verstehen.

Murat Kayman sagt dazu so etwas wie: Wir arbeiten dran.

Noch Fragen? Ja, einige. Aber die werden wohl kaum bei Sandra Maischberger beantwortet.

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Time am 13. Mai 2016

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1) http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/tv-kritik/debatte-bei-sandra-maischberger-ueber-islam-sexismus-14228482.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

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PS: Ich werde mich über Pfingsten aus der Bloggerszene zurückziehen 🙂

Die Flagge der jihadistischen Internationale

22. März 2015

BVG

Lesen Sie einen Aufsatz von Alice Schwarzer zum skandalösen Urteil des Verfassungsgerichts (1).

Sechs Richter zu kaufen, ist für gewisse Kreise kein Problem.

Sechs Verfassungsrichter sind vermutlich etwas teurer. Aber wen schert das, der 600 Ölquellen kontrolliert?

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Kopftuch: Ein lebensfernes, fatales Urteil

Das Kopftuch ist heute weltweit ein Symbol für die Geschlechter-Apartheid. Wie kommen sechs VerfassungsrichterInnen zu so einem Urteil? Fragt Alice Schwarzer. Der ideologische Krieg um das Kopftuch wird jetzt in jede einzelne Schule getragen werden. Lehrerverbände sind entsetzt über das Urteil aus Karlsruhe.

Eigentlich ist alles schon längst gesagt worden. Und die Entwicklung der Weltlage bestätigt aufs Dramatischste, dass das islamistische Kopftuch bzw. der Ganzkörperschleier ihre Unschuld schon lange verloren haben – sollten sie sie überhaupt jemals gehabt haben. Denn das Kopftuch ist die internationale Flagge der Islamisten, die den Islam für ihren politischen Kreuzzug missbrauchen.

Mädchen und Frauen unter fundamentalistisch-muslimischer Herrschaft – ob in Familien, Communities oder Ländern -, die sich nicht verschleiern, sind Freiwild und riskieren ihr Leben. Schon alleine wegen des Leids dieser Millionen unter den Schleier gezwungenen Frauen müsste jede Frau in einem freien Land, die „freiwillig“ den Schleier trägt, dieses blutbesudelte Stück Stoff ablegen. Aus Solidarität.

Sechs deutsche Verfassungsrichter – darunter zwei Richterinnen, eine von ihnen „verpartnert“ – haben sich nun erlaubt, all das schlicht zu ignorieren: den Terror in den islamischen Ländern, den Druck in den patriarchalen Familien mitten unter uns, die von Islamisten seit Jahrzehnten geschürten Konflikte Pro&Contra-Kopftuch an deutschen Schulen. Sie haben so getan, als gäbe es das alles nicht und haben der Klage von zwei Kopftuch tragenden Lehrerinnen aus NRW – wo das Kopftuch bisher für Lehrerinnen in der Schule verboten war – Recht gegeben. Nachdem die zuvor in allen Instanzen verloren hatten. Die klagenden Frauen folgten einem „imperativen religiösen Bedeckungsgebot in der Öffentlichkeit“, das über der weltanschaulichen Neutralität der staatlichen Schule stehe, argumentierten die Richter in der Urteilsbegründung.

So lebensfern muss man erst mal sein, die seit dreißig Jahren weltweit offen demonstrierte ideologische Bedeutung des Kopftuches zu ignorieren. Das sahen auch zwei der insgesamt acht VerfassungsrichterInnen so: Die Richterin Monika Hermanns (auf Vorschlag der SPD im Verfassungsgericht) sowie der Richter Wilhelm Schluckebier (Vorschlag der CDU) widersprachen ihren KollegInnen. In ihrem Minderheitenvotum für das Kopftuchverbot für Lehrerinnen in der staatlichen Schule legten sie dar, warum gerade eine Lehrerin neutral auftreten sollte: Weil sie Amtsträgerin ist, Vorbildfunktion hat und die SchülerInnen in einem „Abhängigkeitsverhältnis“ zu ihr stehen.

Die Islamverbände, die wahrscheinlich wie meist auch in diesem Fall hinter den zwei durch alle Instanzen klagenden Lehrerinnen stehen, jubeln über das Urteil. Es geht für sie in die richtige Richtung: nämlich in die der Infiltration islamistischen Gedankengutes in alle demokratischen Institutionen. Auch für Die Linke ist die Aufhebung des Kopftuchverbotes „ein Schritt in die richtige Richtung“, alles andere wäre „ein Berufsverbot für kopftuchtragende Frauen“. Volker Beck von den Grünen erklärte die Urteilsverkündung zu einem „guten Tag für die Religionsfreiheit“ und betonte: „Kopftuch, Kippa und Schleier gefährden den Schulfrieden nicht“. Zwischen diesen drei Symbolen gibt es allerdings einen kleinen Unterschied: Das Kopftuch ist politisch, Kippa und Schleier aber sind heutzutage religiös motiviert. Und: Die Juden missionieren nicht, auch die Christen sind im 21. Jahrhundert nicht so in der Offensive wie die Islamisten.

Die Mehrheit der Lehrerverbände und LehrerInnen ist schockiert. Sie befürchten, dass der Krieg um das seit 2003 in der Schule für Lehrerinnen verbotene Kopftuch nun wieder stärker in die Schulen getragen wird und – dank der erneut unsicheren Rechtslage – eine Flut von Prozessen auf die Schulen zurollt. Die kritischen Lehrerinnen, die gerne beschimpft werden als Schlampen? Die werden wohl noch häufiger in die Frühpensionierung flüchten. Und die unverschleierten Mädchen? Die werden sich noch selbstgerechter als „Huren“ beschimpfen lassen müssen. Und die zwangsverschleierten Mädchen? Die haben nun gar keine Chance mehr, sich wenigstens in der Schule als frei und gleich zu erleben.

Zur Erinnerung: Sieben von zehn in Deutschland lebenden Frauen aus dem muslimischen Kulturkreis haben laut einer Studie des Innenministeriums noch nie ein Kopftuch getragen. Ja, selbst unter den sich selbst als „tief religiös“ bezeichnenden Musliminnen trägt jede zweite kein Kopftuch und der Rest oft auch nur manchmal eines. Ein „religiöses Imperativ“, wie die sechs nicht-muslimischen VerfassungsrichterInnen so orthodox argumentieren, ist das Kopftuch also keineswegs.

Das Kopftuch ist spätestens seit 1979, seit dem Sieg von Ayatollah Khomeini in Iran, ein politisches Symbol. Wir reden hier nicht von dem traditionellen Kopftuch der anatolischen Bäuerin oder marokkanischen Berberin. Wir reden von dem islamistischen Kopftuch, das streng jedes Haar und auch den Körper verhüllt, weil Haar und Körper der Frauen Sünde sind – und Männer nichts anders können, als sich auf die Frauen zu stürzen, sobald sie auch nur ein Haar erblicken.

Dieses Kopftuch erklärt jede unverhüllte Frau zum Freiwild – und die Männer zu Tieren. Und es macht aus Frauen und Männern unterschiedliche Wesen von zwei Sternen. Genauer gesagt: die Männer zu den einen, die volle Rechte haben, und die Frauen zu den anderen, die weitgehend rechtlos und der Besitz dieser Väter, Brüder, Ehemänner sind. Diese Frauen sind die „Ehre“ der Männer, die notfalls nur mit Blut zu reinigen ist, mit dem Blut der „unehrenhaften Frau“.

Das Kopftuch ist also ein Symbol für die Geschlechter-Apartheid. Die Mädchen und Frauen, die in einer Demokratie dennoch das Kopftuch tragen, haben sehr unterschiedliche subjektive Motive. Mal werden sie von ihrer Familie bzw. der Community dazu genötigt, mal tragen sie es freiwillig. Diesen Frauen will selbstverständlich niemand das Kopftuch verbieten. Mit ihnen darf allerdings diskutiert werden. Über die objektive Bedeutung des Kopftuches.

Bei dem Karlsruher Urteil, das das Kopftuchverbot von 2003 kippte, geht es ausschließlich um das Kopftuch in der Schule. Das darüber immer noch debattiert wird, ist eine deutsche Spezialität. Nicht nur Frankreich hat das Kopftuch in der Schule schon vor Jahren verboten, für Lehrerinnen wie Schülerinnen. Auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat dieses Kopftuchverbot 2005 als rechtens bestätigt. Dank dieser kopftuchfreien Zone kann in den Schulen wieder unterrichtet werden, statt gestritten über das Kopftuch. Allerdings war Frankreich, im Gegensatz zu Deutschland, konsequent. Es hat jegliche Art von politischem bzw. religiösem Symbol verboten: mit dem Kopftuch auch die Kippa und das Kreuz im Klassenzimmer. Was richtig ist. Gleiches Recht für alle.

In Deutschland haben die Kirchen das bisher verhindert, fatalerweise. Sie wollen von ihren eigenen Privilegien nicht lassen – und haben stattdessen lieber in Kauf genommen, notfalls auch anderen, wie den Muslimen, diese Privilegien zuzugestehen – statt einer wirklich konsequenten Trennung von Staat und Kirche zuzustimmen (die so strikt in Deutschland ja gar nicht ist, siehe Kirchensteuer).

Der unnachahmliche Volker Beck hatte nach dem Urteil erklärt, der Staat dürfe „nicht kapitulieren“ vor den KopftuchkritikerInnen, denn die seien „die Gefahr, die bekämpft werden muss“. Doch es ist genau umgekehrt: Leute wie Beck, die leider nicht auf die Grünen beschränkt sind, leugnen bis heute die islamistische Gefahr und machen einen Amalgam zwischen dem (politisch motivierten) Islamismus und dem (religiös motivierten) Islam. Sie sind es, die hauptverantwortlich sind für die steigenden Spannungen und die Gefahr einer wirklichen Islamfeindlichkeit. Denn sie nehmen die Menschen mit ihrem berechtigten Unbehagen an den Fundamentalisten und den Folgen von deren repressiver Schriftgläubigkeit nicht ernst und unterscheiden nicht zwischen Islamismus und Islam, sodass die Stimmung in der Bevölkerung allmählich gegen den ganzen Islam eskaliert.

Dabei sind die aufgeklärten, freiheitlichen Musliminnen und Muslime die ersten Opfer der Islamisten und KopftuchbefürworterInnen. Wir stehen erst in der zweiten Reihe, kommen aber auch noch dran, wenn das so weitergeht.

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Time am 22. März 2015

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1) http://www.aliceschwarzer.de/artikel/kopftuch-ein-lebensfernes-fatales-urteil-318599

Nicht-islamistische Kräfte fördern

2. Februar 2015

Pappnasen

Das Zentralkommittee gibt bekannt…

„FAZ.NET“ bringt heute einen Gastbeitrag von Alice Schwarzer (1), in dem sie unsere Bundeskanzlerin kritisiert, so wie Hamed Abdel-Samad vor ihr (2).

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Alice Schwarzer zum Islamismus

Hier irrt die Kanzlerin

Für Angela Merkel beginnt Islamismus da, wo Gewalt angewendet wird. Doch er fängt schon früher an. Auch in deutschen muslimischen Verbänden gibt es Unterdrückung. Ein Gastbeitrag.

Die „Trennlinie zwischen Islam und Islamismus“ definiert die Bundeskanzlerin so: „Der Islamismus findet statt, wo unter Berufung auf die Religion Gewalt angewendet wird oder zur Gewaltanwendung aufgerufen wird, um andere zu unterwerfen.“ Gesagt hatte sie dies in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Doch mit Verlaub, Frau Bundeskanzlerin: An diesem Punkt ist es bereits zu spät. Viel zu spät. Denn die Gewalt ist nur die Spitze des Eisberges des politisierten Islam, des Islamismus. Ihr geht eine ideologische Indoktrinierung voraus, der Drill der Gläubigen zur Selbstgerechtigkeit und Verachtung der „Anderen“, als da sind: Frauen, Juden, Homosexuelle, Kreative, „Ungläubige“. Dieses Schüren von Hass auf die Anderen ist die Saat der Gewalt. Mit der Kalaschnikow in der Hand geht die Saat auf.

In allen totalitären (Denk-)Systemen ist die Entmenschlichung der Anderen die Voraussetzung dafür, dass die Einen sich zu Herren über Leben und Tod der Anderen aufschwingen. Der Kadavergehorsam der Indoktrinierten beginnt in der patriarchalen Familie, in Koranschulen und in den orthodoxen oder gar islamistischen Moscheen. Und da reden wir nicht nur von salafistischen Moscheen. Wir reden unter anderem auch von den heute etwa 1000 Ditib-Moscheen in Deutschland, die finanziell wie personell von der Türkei abhängig sind. Vor der Machtergreifung Erdogans waren das Stätten eines echten Dialogs, heute weht da ein anderer Wind.

Die Islamisten missionieren seit den achtziger Jahren

Die frühe Unterwerfung von Söhnen, Töchtern und Frauen findet ihre konsequente Fortsetzung in den Schmieden der Gottesstaatler, die aus Ich-schwachen jungen Männern waffenstarrende Gotteskrieger formen und aus verlorenen jungen Frauen hörige Bräute. Die Islamisten missionieren seit den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, seit der Ausrufung des Iran zum Gottesstaat. Erstes Ziel dieser mit Petrodollars aus Saudi-Arabien und Qatar ausgestatteten Gottesstaatler waren die islamischen Länder, doch sind sie auch sehr rasch in den muslimischen Communities der westlichen Welt angekommen.

Dennoch zeigen aktuelle Umfragen, dass die überwältigende Mehrheit der Menschen aus dem muslimischen Kulturkreis in Deutschland die Demokratie schätzen. 90 Prozent aller Muslime halten laut Bertelsmann-Studie nicht etwa den Gottesstaat, sondern die Demokratie für „eine gute Regierungsform“; ebenso viele haben „regelmäßigen Freizeitkontakt“ zu Nichtmuslimen. Und 60 Prozent bejahen nicht nur die Homosexualität, sondern sogar die Homoehe – was für Islamisten des Teufels ist.

Das sind wirklich gute Nachrichten! Die Muslime in Deutschland sind also mehrheitlich integriert. Doch genau darum sind sie die ersten Opfer der Islamisten, nicht wir. Sie sind es, die in den Augen der Fanatiker „Verräter“ sind. Sie sind es, die von den Islamisten agitiert, unter Druck gesetzt und bedroht werden. Sie sind es, deren Söhne sie vergiften und deren Töchter sie entrechten. Sie sind es, die wir im Stich gelassen haben.

Ausgerechnet die freiheitsliebenden Muslime haben wir in den vergangenen Jahrzehnten alleingelassen. Stattdessen hat die Politik den Islamisten nach dem Mund geredet. Sie hat es zugelassen, dass leichtfertig einem Kulturrelativismus das Wort geredet wurde, bei dem die Menschenrechte zwar für uns gelten – aber nicht für muslimische Männer und schon gar nicht für muslimische Frauen. Höchste Zeit also, dass sich das ändert! Denn die Gefahr wächst.

Die Saat geht auf

Aus Frankreich ist zu hören, dass nach den Attentaten auf „Charlie Hebdo“ und den jüdischen Supermarkt keineswegs alle erschrocken waren. Schulen mit hohem Muslim-Anteil melden, dass manche Schüler in der verordneten Schweigeminute „Allahu Akbar“ riefen, aufklärende Lehrerinnen und Lehrer anpöbelten und drohten: „Das war erst der Anfang.“

Sicher, Frankreich, wo die Söhne, Enkel und Urenkel der einst Kolonialisierten leben, hat ein noch größeres Problem als Deutschland. Doch auch aus Berlin oder Köln ist seit Jahren, ja Jahrzehnten zu hören, dass unverschleierte Mädchen als „Nutten“ beschimpft werden und Lehrerinnen als „Huren“. Die Saat geht auf. Es ist zu befürchten, dass die nächste Generation der Muslime nicht mehr zu 90 Prozent die Demokratie bejahen wird.

Die einzige sinnvolle Antwort darauf ist eine wirklich konsequente Trennung von Staat und Religion. Es darf in den staatlichen Schulen keine Extraregelungen wegen Glaubenszugehörigkeit geben; Deutsch muss Sprache für alle sein; wir brauchen Aufklärung über Rechtsstaat und Gleichberechtigung der Geschlechter in den Klassen. Schluss mit der falschen Toleranz!

In den Tagen nach dem Attentat in Paris demonstrierten deutsche Politiker gemeinsam mit Muslimen gegen die islamistische Gewalt. Was im Prinzip eine gute Sache ist. Doch mit wem demonstrierte die Kanzlerin da Arm in Arm?

Mit Aiman Mazyek, dem Vorsitzenden des Zentralrates der Muslime. Weiß die Kanzlerin wirklich nicht, dass der Zentralrat der Muslime (dessen Namensgleichheit mit dem Zentralrat der Juden Kalkül ist) 1994 von einem deklarierten Islamisten, dem Konvertiten und Ex-Botschafter Wilfried Murad Hofmann mitgegründet wurde?

Der Zentralrat ist eng verbandelt mit den ägyptischen Muslimbrüdern, die die historische Keimzelle des Islamismus sind. Weiß das die Kanzlerin nicht? Ist ihr entgangen, dass die Stimme des gerne „beleidigten“ Zentralrates vor den Anschlägen in Paris kaum je zur Verteidigung der Pressefreiheit oder Ermutigung innerislamischer Reformen zu hören war? Dafür aber häufig, wenn es zum Beispiel um „das Recht“ von Lehrerinnen auf das Kopftuch oder die „Befreiung“ von Mädchen vom Schwimmunterricht oder von Ausflügen geht.

Scheidungsregeln auf islam.de

Auf der Internetseite islam.de, Redaktion Ayman Mazyek, wird dargelegt, wie ein Muslim zu leben hat. Denn der traditionelle Islam regelt nicht nur Glaubensfragen, sondern das ganze Leben des Mulims, bis ins letzte Detail. Hier eine exemplarische Kostprobe:

„Punkt 2: Scheidung seitens des Mannes. Stufe 1: Wenn der Mann den Entschluss gefasst hat, sich scheiden zu lassen, muss er erst einmal warten, bis die Frau sich in einer blutungsfreien Phase befindet, in der sie keinen Beischlaf hatte. Erst dann darf er mündlich und in besonnenem Zustand die Scheidung aussprechen. Nachdem er dies getan hat, ist die Scheidung noch nicht vollzogen. Die Frau soll weiterhin zu Hause wohnen. Es beginnt eine Zeit, die drei Monatsblutungen der Frau (oder drei Monate, falls keine Monatsblutung mehr vorkommt) dauert und während derer der Mann die Scheidung zurücknehmen kann. Tut er dies, gilt die Ehe als nicht geschieden. Tut er es nicht, ist die Ehe nach Ablauf der Frist geschieden.“

Für die „Scheidung seitens der Frau“, Punkt 8, genügen drei Zeilen: „Ist die Scheidung seitens der Frau gewollt, so muss sie sich an ein Gericht oder einen Schiedsrichter wenden. Dieser kann die Ehe aufheben gegen Rückzahlung des Brautgeldes.“

An dem Punkt „Islamische Trauung in Deutschland“ versäumt Mazyek nicht den Hinweis, dass hierzulande die Eheschließung auch standesamtlich durchgeführt werden müsse, damit sie gesetzlich gilt. Für den Fall empfiehlt er einen Ehevertrag mit den „typisch islamischen Klauseln der Ehe“, als da sind: die Morgengabe, die islamische Erziehung der Kinder und das (Frauen schwer benachteiligende) Erbrecht. So weit die Welt des Zentralrates.

Zum Glück sind weder der Zentralrat noch die übrigen drei Verbände im Koordinationsrat repräsentativ für die Muslime in Deutschland. Experten schätzen die Zahl der Mitglieder in den Moscheevereinen, die dem Zentralrat angehören, auf maximal 20000. Das ist nicht einmal ein Prozent der in Deutschland lebenden Muslime. Trotzdem ist der ZMD seit Jahren der Hauptansprechpartner für die Politik. Warum? Warum demonstriert die Kanzlerin den Schulterschluss nicht mit Repräsentanten der restlichen 99 Prozent?

Keine Stellungnahme zu Pierre Vogel

Zum Beispiel mit Mouhanad Khorchide. Der muslimische Religionsprofessor könnte das bestens gebrauchen. Er lehrt seit fünf Jahren in Münster islamische Theologie. Er bildet künftige Religionslehrer an deutschen Schulen aus; zurzeit hat er 650 Studenten. Der „Koordinationsrat der Muslime in Deutschland“, in dem auch der Zentralrat Mitglied ist, hatte der Lehrerlaubnis für den Theologen zunächst schriftlich zugestimmt. Doch seit 2013 steht Khorchide unter Polizeischutz. Der Grund sind Morddrohungen von Salafisten.

Aber nicht nur sie machen ihm das Leben schwer. Dem Koordinationsrat passt Khorchide nun nicht mehr. Er hat im Dezember 2013 ein 75 Seiten langes Gutachten gegen den Theologen verfassen lassen, um zu verhindern, dass er weiter lehrt. (Übrigens gibt es gegen den Salafisten Pierre Vogel keine einzige Stellungnahme der Verbände.) Die organisierten Orthodoxen wollten den von Khorchide vertretenen aufgeklärten Islam und seine Annäherung an Europa verhindern. Sie erklärten dessen Interpretation des Islam darum kurzerhand als „unwissenschaftlich“. Es geht also um Deutungshoheit. Und die wollen die Orthodoxen und Islamisten behalten.

Nicht zuletzt darum sollte die Mehrheit der nicht organisierten Menschen aus dem muslimischen Kulturkreis auch ein dringendes eigenes Interesse daran haben, sich zu organisieren: um Ansprechpartner für Politik und Medien zu sein. Bisher gibt es in Deutschland keinen sowohl von der Türkei als auch von den Muslimbrüdern unabhängigen Verband der Muslime, der einen aufgeklärten Islam verträte. Was es den bestehenden Organisationen leicht macht, für alle zu sprechen.

Die Stimmung ändert sich

Einen Tag vor dem unglücklichen Schulterschluss am Brandenburger Tor war der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu zu Besuch bei der Kanzlerin. Unwidersprochen konnte Davutoglu in Berlin die in Dresden demonstrierende „Pegida“-Bewegung mit den in Syrien mordenden Söldnern des „Islamischen Staates“ vergleichen. Meine 14 Jahre alte Nachbarin würde sagen: „Hallo? Geht’s noch?!“ Ausgerechnet die Türkei, die bisher mit logistischer Unterstützung und Waffenlieferungen eine Komplizin des IS war.

In dem zitierten Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hatte die Kanzlerin auch erklärt, sie wolle „die übergroße Mehrheit der Muslime in Deutschland vor einem Generalverdacht schützen“.

Das ist gut und nötig. Denn in der Tat verändert sich gerade die Stimmung. Aggressive Akte gegen Moscheen sind in Deutschland zum Glück selten, aber sie werden mehr. Und fanden 2012 noch 52 Prozent aller Befragten, der Islam passe „nicht zu Deutschland“, meinen das jetzt schon 61 Prozent. Wobei noch zu klären wäre, was mit dem Satz „Der Islam gehört zu Deutschland“ überhaupt gemeint ist.

Denn „den Islam“ gibt es nicht. Es gibt tausend Interpretationen und Lebensweisen von Muslimen in der islamischen wie der westlichen Welt. Aber es gibt den Islamismus. Und der kommt eindeutig daher: Er will eine wörtliche, fundamentalistische Auslegung des Koran zum Gesetz machen, zum Gottesgesetz.

Auch die Politik sollte darum endlich den Unterschied zwischen Islam und Islamismus begreifen, zwischen Glauben und Ideologie. Das heißt, Frau Bundeskanzlerin, die Politik sollte die nicht-islamistischen Kräfte gezielt fördern und unterstützen. Damit die Saat der Gewalt nicht mehr auf fruchtbaren Boden fällt.

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Time am 2. Februar 2015

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1) http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/islamismus-debatte-hier-irrt-die-kanzlerin-13388949.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2
2) https://madrasaoftime.wordpress.com/2015/01/17/nicht-qualifiziert/

Linke Schreckschraube liegt richtig

16. Januar 2015

Quistorp

Eva Quistorp ist eine der Mitbegründerinnen der Grünen. Sie war sehr aktiv in der bolschewistisch gesteuerten „Friedensbewegung“, war Ende der neunziger Jahre Mitglied des Bundesvorstands der Grünen und wurde 1989 ins Europaparlament gewählt. „Perlentaucher“ hat am 14. Januar einen Aufsatz von ihr veröffentlicht (1).

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Die Schule der Kritik

Ich bin immer noch bewegt von den republikanischen Demos in Paris und anderen Städten und sogar vielen Dörfern in Frankreich. Am 11. Januar 2015, einem historischen Tag in Europa, habe ich einige Tränen vor dem Fernseher verloren – vor Rührung und weil ich die Hoffnung von Millionen teile, die riefen oder schrieben „Je suis Charlie, je suis juif, je suis flic, je suis Ahmed, je suis Citoyen“. Sogar viele kleine Kinder darunter, die enorm klug und artikuliert waren mit ihren Bleistiften und der Marseillaise rund um die République.

Es war die weltweite und millionenfache Welle der Hoffnung auf ein Ende des Terrors, ein Ende des Hasses, auf ein friedliches weltweites Zusammenleben, auf ein Europa der Presse- und Satirefreiheit als Grundlage der Demokratien. Doch die wenigen Überlebenden des Massakers gegen die Charlie Hebdo-Journalisten – eine ganze Zeitungsredaktion ist ermordet worden! – erinnerten bei kurzen Interviews daran, dass es nicht um Pressefreiheit allgemein geht, sondern um die Verteidigung der Laizität, um das Recht auf Islamkritik und Religionskritik.

Das hören nicht alle Experten der Integrationsforschung, nicht alle Politiker gern. Das wurde auch von Moderatoren schnell weggeklickt und sofort beantwortet mit „bloß kein Amalgam, keine Vermischung von Kritik an islamistischem Terror und Kritik am Islam“. Diese Sprüche dienen wie die seit Jahren in Deutschland kursierende Sprechformel „Das hat nichts mit dem Islam zu tun“ als Beruhigungsmittel für die muslimischen Wähler und Vereine, aber auch für die Mehrheit der Bevölkerung.

Aber auch der Islam darf nicht mit „Respekt“ eingemauert werden: Wieso sollen in Europa und in Deutschland für den Islam andere Standards gelten als für die katholische oder protestantische Kirche? Der Islam in seiner heutigen vorherrschenden Verfassung, seine Vereinsvertreter, sein Religionsunterricht, seine Jugendsozialarbeit, seine Geschlechter- und Bildungspolitik haben ebenso demokratische Kritik verdient wie die christlichen Kirchen. Diese Kritik darf ebenso sein wie die Kritik von Pussy Riot an der russisch-orthodoxen Kirche, wie die von Titanic am Papst, wie die der Feministinnen an einer patriarchalen Theologie und Bibelinterpretation. Dieses Recht wurde seit 1848 und seit der Französischen Revolution erkämpft, nicht zuletzt von Vordenkerinnen in Frankreich.

Seitdem dürfen wir sagen, dass das Christentum etwas mit Dummheit, Unbildung, Vorurteilen, Antisemitismus, mit Missionierung und und Kolonisierung, mit Hexenverfolgungen,mit Inquisition zu tun hatte. So wie die „Deutschen Christen“ etwas mit dem Christentum zu tun hatten, die Bekennende Kirche und die christlichen Märtyrer gegen den Naziterror aber auch.

Warum hat es ausgerechnet in der linken und linksliberalen Szene und bei den Grünen so viele Feigheit und Ignoranz gegenüber dem Islam und dem Islamismus gegeben, obwohl Journalisten, Experten, Professoren, Schriftsteller oder grüne Politikerinnen doch durch die Schule der Kritik am Christentum und der katholischen Kirche aber auch an der Rolle von Frauen und Sexualität in der protestantischen Kirche gegangen sind?

Die jüngere Generation musste bei diesen Themen ja nicht mehr kämpfen und argumentieren lernen, da sie in den Theorien der multikulturellen Identitätsdebatten, in den Siegen der Frauen und Schwulenbewegung schon aufgewachsen ist und nun gelernt hat, das Fremde zu hofieren, statt es genauso zu hinterfragen wie es die 68er mit der eigenen Kultur und Geschichte getan haben.

Wer hat denn in der Politik, der Kulturszene, der Integrationsforschung und den Medien in den letzten Jahren gefordert, dass die Fatwa gegen Salman Rushdie und die Taslima Nasrin aufgehoben wird? Wer hat denn an den islamistischen Mord an Theo van Gogh erinnert und ihn als Satiriker gewürdigt? Wer hat die Mohammedkarikaturen von Westergaard und von Charlie Hebdo alles nicht nachgedruckt in den letzten Jahren? Was hat die Formel von der Schuld der Mehrheitsgesellschaft und des Westens dazu beigetragen, dass eine Opfermentalität unter Muslimen in Europa entstanden ist und sich sofort nach dem grauenhaften Massaker an der Charlie Hebdo-Redaktion in den Medien und muslimischen Vereinssprechern wieder äußerte?

Selbst Lamya Kaddor, die fröhlich ohne Kopftuch demonstriert, dass Koran und Islam als solcher nicht das Kopftuch verlangen, sagt, sie habe vor allem Angst, dass sie sich nun wieder distanzieren müsse und es einen Generalverdacht gegen Muslime gebe. Insgesamt scheinen Moscheevereine, Journalisten und Politiker in Deutschland mehr Angst vor Pegida-Demos in Dresden zu haben als vor Schläfern wie in Hamburg und dem Hass, der auch von Rappern als Lebenshaltung für junge Männer global verbreitet wird.

Es gibt mehr Kritikerinnen des Islam, die in die Tradition der Aufklärung und der Frauenrechtsbewegung gehören, als in Deutschland oder Europa bekannt sind. Sie werden kaum auf Podien eingeladen. Das hängt mit einem Mangel an Wissen um Islamkritik bei Medien und in der Politik zusammen, aber auch mit platter Wahltaktik. Im Jahr der Reformationsfeiern sollte Deutschland nicht hinter der Demo für die Republik zurückstehen und Reformatoren und Islamkritikerinnen aus dem Islam auf Podien und in Unis und Medien einladen. Abu Zaid durfte ich einmal im Exil begegnen, als er noch lebte: Die von vielen so gelobte al-Azhar-Universität hatte ihn zwangsweise von seiner Frau geschieden und zum Ketzer erklärt, obwohl er in der Moderne die historisch-kritische Koran-Forschung entwickelt hat, die die Grundlage für einen fairen Dialog zwischen den Religionen sein muss und ohne die der Respekt gegenüber den Religionen wie die Kritik an ihnen in Demokratien nicht bestehen können.

Es ist ja schon beschämend genug, dass die Grünen nicht einmal Necla Kelek oder Seyran Ates zu einer Debatte zur Islamkritik und zum Machismo in der muslimsichen Migrantencommunity eingeladen haben. Sie sind es, die schon länger über die psychologischen und soziologischen Grundlagen des muslimischen Fanatismus und die islamistisch begründete Männergewalt arbeiten.

Warum gab es von all unseren Intellektuellen – von Klaus Staeck über Cem Özdemir bis zur Integrationsbeauftragten der Regierung – keine Kampagne für Professor Mouhanad Khorchide, der von der Ditib, dem Erdogan-nahen Verein, und anderen Muslimverbänden bedrängt wird, weil er ihrem konservativen bis rechten Islam nicht entspricht? Wo war die Kampagne für Dieter Nuhr, der als islamophob beschimpft wurde und Todesdrohungen erhalten hat? Ich weiß, was Todesdrohungen sind, da ich sie selbst in meinem Engagement für die bosnischen Muslime im Europaparlament erhielt und ziemlich allein damit war. Auch Charlie Hebdo war in den letzten Jahren allein und wurde sogar von Dany Cohn-Bendit und anderen Grünen als angeblich zu islamkritisch kritisiert, denn man will ja so tolerant erscheinen und Konflikte mit Fanatikern im netten Dialog lösen

Wer bestimmt denn, was im islamischen Religionsunterricht gelehrt wird? Wird da der demokratische Wettbewerb mit dem evangelischen und katholischen und jüdischen Religionsunterricht und dem der Humanisten gefördert oder wird abgegrenzt gegen den dekadenten Westen und gegen Frauen mit offenem Haar? Ich kann hier nicht eingehen auf die Geschichte und das Ölgeld und die Geostrategien und Terrorkriegführung, an der Saudi Arabien und Katar und teils auch die Türkei, Pakistan und Iran in den letzten Jahren beteiligt waren. Recherchen hierüber sind wichtiger als Recherchen über Pegida-Webseiten, denn diese Staaten sind gefährlicher und haben Hunderttausende zur Flucht aus Irak und Syrien getrieben. Vom Terrorismus der Boko Haram und islamistischer Gewalt in Afrika abgesehen.

Wer meint, der Islamismus hätte nichts mit dem Islam in Saudi Arabien oder Pakistan zu tun, irrt gewaltig. Wer meint, der Islamismus habe nichts mit dem zu tun, was im Internet als Islam-Propaganda vertreten wird, irrt: Daher stimme ich Heiner Geißlers Vorschlägen für mehr Sicherheit im Netz und Alice Schwarzers Vorschlag für ein Burka-Verbot zu. Nicht weil ich schwarz grüne Interessen hätte, sondern weil ich mir das logische Denken als Theologin und Feministin nicht verbieten lassen will von einem faulen Toleranzgerede.

Sowohl Pegida als auch der Islamismus nehmen mit ihrer Internetpropaganda Einfluss auf die analoge Welt. Also muss sich wohl dringend auch etwas im Internet ändern, wenn wir die Demokratien und das Zusammenleben von zivilisierten Religionen schützen wollen. Charlie Hebdo war gegen den Irakkrieg, wie gegen den Fundamentalismus und Dummheit in allen Religionen. Daran sollten wir uns messen, auch wenn einige Karikaturen nicht unserem Geschmack und unseren Gefühlen entsprechen. Doch ohne solche Künstlerinnen und Journalisten und ohne eine geistreiche, gebildete, scharfe Religionskritik werden wir im Krieg, der gegen uns von IS und AL Qaida geführt wird, weder im Internet noch in der analogen Welt bestehen können.

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Time am 16. Januar 2015

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1) http://www.perlentaucher.de/essay/die-schule-der-kritik.html

Frauenrechte als Bombe?

24. Oktober 2014

Kobane

Heute möchte ich Ihnen Alice Schwarzers Gedanken zum Thema IS-IS vorlegen (1).

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Kobane: Was für eine verdammte Verlogenheit!

Warum Merkels Forderung, die Türkei möge sich in den Kampf um Kobane einmischen, im besten Fall naiv ist. Und warum wir alle zittern müssen. Der Siegeszug der Gotteskrieger hat sich lange angekündigt. Wir hätten es schon Anfang des Jahrtausends wissen können. Aber alle haben weggesehen.

Was für eine verdammte Verlogenheit! Und was für eine bodenlose Dreistigkeit! Die Welt sieht zu, wie die kurdische Grenzstadt Kobane von den Söldnern des selbsternannten „Islamischen Staat“ erobert und die Menschen massakriert werden (Die Männer werden enthauptet, die Mädchen und Frauen als „Sexsklavinnen“ erbeutet). Von oben werfen die Amerikaner Bomben, die auch Zivilisten treffen, vorzugsweise auf die vom IS eroberten Öl-Raffinerien; und über die Grenze gucken die türkischen Soldaten in ihren Panzern zu.

Obama erwartet nun von den Türken, dass sie einmarschieren, die eigenen Jungs möchte er in diese Hölle nicht schicken. Und Merkel wirft der Türkei „Untätigkeit gegen den IS“ vor. Was im besten Fall naiv ist. Die türkischen Soldaten sollen den islamistischen Killern in die Arme fallen? Warum sollten sie? Schließlich besorgen die Dschihadisten gerade das Geschäft des bekennenden Gottesstaatlers Erdogan.

Erdogan war es, der die Dschihadisten seit 2011 von der Türkei aus über die Grenze nach Syrien ziehen ließ. Und noch am Montag dieser Woche entließ er laut Time im Austausch gegen gefangene türkische Soldaten 180 Dschihadisten aus türkischen Gefängnissen. Die eilten flugs ihren Brüdern vor Kobane zur Hilfe.

Und die Türkei ist nicht der einzige Komplize der IS. Saudi-Arabien, Katar und die Vereinigten Emirate haben die Gotteskrieger in den vergangenen Jahren mit ihren Petro-Millionen und Waffen überhaupt erst aufgebaut. Also genau jene Staaten, die jetzt im „Bündnis“ mit Amerika gegen den „Islamischen Staat“ vorgehen. Denn der scheint seinen Brüdern, die in ihren Ländern ja ebenso die Frauen versklaven und die Köpfe rollen lassen wie der IS, jetzt über den Kopf zu wachsen. Sie fürchten scheinbar nun selbst den Geist, den sie aus der Flasche ließen.

Inzwischen sollen es etwa 50.000 Dschihadisten sein, die im Norden Syriens kämpfen und die Menschen den Schrecken lehren. Was eigentlich keine Überraschung für die westlichen Geheimdienste sein dürfte. Führend sind erfahrene Gotteskrieger aus Tschetschenien, Irak, Afghanistan und dem nordafrikanischen Maghreb. Die Drecksarbeit (Selbstmordattentate etc.) scheinen europäische Gotteskrieger zu erledigen. Sie werden auf etwa 4.000 geschätzt, darunter zirka 400 aus Deutschland. Wenn die zurückkommen, haben sie das Vergewaltigen und Morden von Grund auf gelernt. Und sie fürchten sich vor nichts: Schließlich beschert der Heldentod im „Heiligen Krieg“ ihnen das Paradies und die bekannten 70 Jungfrauen.

Wenn die Dschihadisten zurück kommen, haben sie das Morden von Grund auf gelernt.

Und noch haben die IS-Söldner und die Erdogan-Regierung dieselben Gegner: die Kurden und das Assad-Regime. Die Kurden – und hier speziell die militante PKK, die als „Terrororganisation“ auch in Europa verboten ist – sind mit ihrem Begehren nach einem autonomen Kurden-Staat der Türkei schon lange ein Dorn im Auge. Der Sturz von Baschar al-Assad wäre ein Fest für Erdogan. Der wäre dann nicht nur der starke Mann in seinem Land, sondern in der ganzen Region. Hofft er.

Der Nahe Osten aber und auch der Westen sollten sich darüber nicht freuen. Denn mit Assad würde nach Saddam Hussein (2003) und Muammar al-Gaddafi (2012) der dritte sozialistisch-westlich orientierte Herrscher in einem von Islamisten bedrohten Land fallen. Sicher, Assad ist kein Demokrat, er ist ein repressiver autokratischer Herrscher, wie alle Staatschefs in diesen Ländern, und Kritik ist angebracht. Doch bisher war er immerhin ein Bollwerk gegen die Islamisten. Und die werden nach seinem Sturz auch in Syrien die Macht ergreifen, vermutlich in vertrauter Einheit mit den „gemäßigten“ Islamisten. Syrien, der Staat mit einst den meisten Frauenrechten und der größten religiösen Toleranz in Nahost, ist Vergangenheit. Auch Assad könnte darum eines nicht zu fernen Tages im Rückblick selbst seinen Gegnern das kleinere Übel scheinen.

Doch nicht nur die religiös-politischen Sympathisanten der IS tragen Verantwortung für den Einbruch des Chaos und die atemberaubende Offensive der Dschihadisten. Auch und vielleicht vor allem der Westen ist verantwortlich. Denn er hat nicht nur zugesehen, sondern die Islamisten aufgerüstet, wenn es gerade in den politischen Kalkül passte; wie einst im Kampf gegen die Sowjetunion und heute gegen Assad, wo er die „gemäßigten“ Islamisten bewaffnet. Denn selbstverständlich sind die Grenzen zwischen diesen angeblich „Gemäßigten“ und den Radikalen fließend.

Schon vor zwölf Jahren hätte man ahnen können, was kommt.

Als ich 2002 das Buch „Die Gotteskrieger und die falsche Toleranz“ herausgab, analysierten Experten darin die „Talibanisierung des Nahen Ostens“, das „Einfallstor Balkan“, die „Islamisierung Tschetscheniens“ sowie das Drama Algeriens. Das war vor zwölf Jahren. Schon damals hätte man also wissen oder zumindest ahnen können, was kommt.

In Algerien hatten die aus dem Afghanistankrieg gegen die sowjetischen Besatzer zurückkehrenden islamistischen Söldner, die so genannten „Afghanen“, in den 90er Jahren einen Bürgerkrieg angezettelt mit exakt denselben Methoden wie heute der IS, der über 200.000 Menschen das Leben kostete. Die traumatisierten Algerier nennen diese Zeit „die schwarzen Jahre“. Die Welt hat weggesehen.

In der russischen Teilrepublik Tschetschenien waren es nicht die Russen, sondern die Taliban und Al-Qaida, die 1999 den zweiten Tschetschenienkrieg anzettelten, und tausende von Gotteskriegern in das Land schleusten. Auch sie gingen ebenso brutal vor wie der IS, köpften die Männer und versklavten die Frauen.

Bereits 1993 (!) war in Tschetschenien die Scharia als Gesetz eingeführt worden. Die Welt hat das nicht interessiert. Sie beschäftigte sich lieber mit Putin und der Frage, ob die Attentate in Moskau in Wahrheit nicht doch ein Täuschungsmanöver des russischen Geheimdienstes seien (Wer diese Art von Behauptungen im Zusammenhang mit Amerika und 9/11 aufstellt, wird zu Recht als Verschwörungstheoretiker belächelt).

Das Morgenland wird neu aufgeteilt werden – dieses Mal unter Islamisten.

Der Sturz von Saddam Hussein schließlich im Jahr 2003 – unter dem durchsichtigen Vorwand, er horte Massenvernichtungswaffen – schaffte ein Machtvakuum in der Region, in das die Islamisten einfielen. Der einst ebenfalls autokratisch und repressiv, aber immerhin weltlich regierte Irak wurde zur Drehscheibe der Gottesstaatler in Nahost.

Irak, Afghanistan, Libyen – und jetzt Syrien. Auch in dieses Vakuum drangen die Dschihadisten ein. Und die Welt hat zugesehen. Aus all diesen Ländern strömen heute hunderttausende von Flüchtlingen nach Europa. Und es werden mehr werden. Viel mehr.

Man muss kein Prophet sein, sondern die Sache nur nüchtern betrachten, um vorauszusagen: Jetzt wird Assad sich nicht mehr lange halten können, der Siegeszug der Islamisten im Nahen Osten ist unaufhaltsam. Das Morgenland, vor hundert Jahren von den einstigen Kolonialherren recht willkürlich zugeschnitten, wird nun erneut neu aufgeteilt werden: dieses Mal unter Islamisten. Was die gesamte Weltordnung erschüttern wird und ausstrahlen auch auf bisher – relativ gesehen – gemäßigte islamische Staaten wie die Türkei. Was wiederum ausstrahlen wird auf die islamistischen Communitys im Westen. Mitten unter uns.

Die effektivste Bombe gegen die Islamisten ist die Emanzipation der Frauen!

Aber was sind die Gründe für diesen pervertierten Männlichkeitswahn? Denn es ist ja unübersehbar, dass diese waffenrasselnde Aufrüstung auch und vielleicht vor allem eine Reaktion auf die Emanzipation der Frauen ist: die Rekonstruktion von Männlichkeit in Zeiten, in denen marodierende junge Männer in Kairo wie Berlin arbeitslos sind und verunsichert.

Diese Männer machen sich zum Herrn über Leben und Tod. Sie zwingen emanzipierte Männer auf die Knie und Frauen unter den Schleier, bis zur Unsichtbarkeit. Und das in den von Islamisten unterwanderten muslimischen Communitys in Europa ebenso wie in den islamistisch beherrschten Ländern.

Ich habe in den letzten 35 Jahren, seit meinem Besuch in Khomeinis Iran 1979, sehr viel darüber geschrieben. (mehr) Darum möchte ich an dieser Stelle nur daran erinnern: Es geht nicht nur um den westlichen Feminismus, sondern auch um die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts – nicht zuletzt unter dem Einfluss des Westens bzw. der Sowjetunion – mit Siebenmeilenstiefeln fortgeschrittenen Frauenrechte in Ländern wie Iran, Ägypten, Tunesien oder Syrien. Nicht zufällig wurde in all diesen Ländern die Emanzipation der Frauen brutal gestoppt.

Genau an diesem Punkt müsste gegengehalten werden. Viel effektiver als mit Bomben bekämpft man den IS und seine bärtigen Brüder mit der Bildung und Gleichberechtigung der Frauen! Darauf könnten auch unsere Länder mit ihrer Entwicklungs- und Außenpolitik einwirken. Wenn sie nur wollten.

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Time am 24. Oktober 2014

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1) http://www.aliceschwarzer.de/artikel/kobane-was-fuer-eine-verdammte-verlogenheit-317845

Territorialverhalten

25. Februar 2011

Leider kein Gesprächspartner:
Islamkritikkritiker markiert das unerlaubte Gebiet

Für einen seiner letzten und sehr lesenswerten Artikel ist mein Bloggerfreund Tangsir auch von seinen Stammlesern heftig kritisiert worden. Zu Recht, wie ich meine, hatte er uns doch mit einem Paddel-Pahners-Superposter geschockt (1). Lieber Tangsir, das hat mit Information und Aufklärung nicht das Geringste mehr zu tun, das ist reinster Splatter-Journalismus!

Paddel Pahners (2) war auch das Thema mehrerer Leserbriefe in der gestrigen FAZ. Da gab es z.B. einen Herrn Thomas Berger, der sich als Panik-Paddel-Groupie outete und ihn indirekt als „Wind der Aufklärung“ bezeichnete.

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Der Wind der Aufklärung

Zur Replik von Thilo Sarrazin auf Patrick Bahners (3): Man steht fassungslos vor dem Versuch Thilo Sarrazins, seine unter dem Deckmäntelchen der Islamkritik verborgene antiaufklärerische Volksverhetzung weißwaschen zu wollen. Hat nicht der maßgeblich von bürgerrechtlichen, demokratischen Forderungen und nicht vom Islamismus getragene Volksaufstand Arabiens ihn und die anderen sogenannten Islamkritiker restlos verstummen lassen? Natürlich kann und darf man den Islam kritisieren, genau so wie das Christentum und jede andere Religion oder weltanschauliche Doktrin. Sarrazin, Kelek, Hirsi Ali, Broder, Giordano und viele andere aber müssen sich sagen lassen, dass auch da der Ton die Musik macht. Deren populistische, grob diffamierende Pauschalurteile, mit denen sie dem europäischen Pöbel alle Muslime bis hin zu den aufgeklärteren und säkularisierten Aleviten zur totalitären Ausgrenzung und zum Entzug elementarer Grundrechte freigegeben haben, ist durch nichts zu entschuldigen.

Sarrazin und den anderen sogenannten Islamkritikern weht derselbe Wind der Aufklärung, der Bürger- und Menschenrechte hart ins Gesicht, der in Arabien schon Ben Ali und Mubarak hinweggefegt hat. Sie haben die zentralen kulturellen Werte Europas verraten.

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Ob das wirklich der Wind der Aufklärung oder Scharia ist, wird die Zeit zeigen. Für Herrn Berger aber haben die arabischen Aufstände die betreffenden Gesellschaften bereits in wesentlichem Maße in westlich-freiheitliche transformiert, was zeigt, dass er den Charakter unser Zivilisation gar nicht begriffen hat. Von Angriffen auf koptische Klöster (4) und ermordeten Geistlichen (5), von antijüdischen Massenkundgebungen hat er natürlich nichts gehört (6), hier ist in bekannter Manier der Wunsch Allavater des Gedankens.

Berger: „Natürlich kann und darf man den Islam kritisieren… ABER…“: Achten Sie bitte auf die „Ja-aber-Methode“ (7)!

Tja, und dann die Gleichsetzung der „sogenannten“ Islamkritiker (d.s.u.a. Ayaan Hirsi Ali, Henryk Broder, Ralph Giordano, Necla Kelek, Thilo Sarrazin, Alice Schwarzer und Peter Sloterdijk, die laut Berger den Islam nicht wirklich kritisieren, sondern nur „sogenannte“ Islamkritiker sind, da Kritik nach seinem Verständnis wohl immer positiv sein muss – zumindest, wenn es um den Mohammedanismus geht) mit mohammedanistischen Diktatoren, das ist schon ein erschütterndes Beispiel des Krankheitsbildes der verheerenden „Aufklärungsphobie“ (Tangsir) im Endstadium. Die Islamkritiker haben „die zentralen kulturellen Werte Europas verraten“ tönt Erzengel Berger, und werden „hinweggefegt“ werden. Kleiner ging es nicht, sachlich-argumentativer Gehalt: 0,00%. Oben ist unten und Nazislam ist Frieden. Ergo: Wir haben es eindeutig mit einem „Pinkelparolen-Pinkler“ zu tun (8), der in der FAZ sein Revier bzw. das seines Ork-Herren markieren will.

Ein weiterer Leserbrief war ebenfalls bemerkenswert… bescheuert. Fasten seatbelts, Dirk Jakobi is coming in:

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Thilo Sarrazin entlarvt sich selbst

Mein großes Lob für die Auseinandersetzung Ihres Feuilletons mit einigen Islamkritikern. Der Abdruck aus dem Buch von Patrick Bahners ist sowohl wohltuend als auch intellektuell ansprechend. Endlich einmal eine fundierte liberale Kritik einiger prominenter Islamkritiker. Dabei wird nämlich deutlich: Es spricht nichts gegen eine fundierte Kritik des Islam aus einer liberalen Grundhaltung. Bahners zeigt jedoch, dass den in den deutschen Medien erfolgreichen Islamkritikern genau das fehlt: eine liberale Grundhaltung und eine profunde Kenntnis des Islam.

Es ist auch zu begrüßen, gleich darauf Thilo Sarrazin die Möglichkeit zur Gegenattacke zu gewähren. Sowohl weil diese Form der Islamkritik in den Medien so erfolgreich ist, als auch, weil sie, wie ich finde, sich selbst entlarvt. So fabriziert Sarrazin genau das, was er Bahners zuschreibt: haltlose Unterstellungen. Sarrazin macht Bahners flugs zum fundamentalistischen Gegner der gleichen Rechte von Frauen. Und das nur, weil Bahners für das liberale Recht der Religionsfreiheit von Schulkindern eintritt, die sich auch im Tragen normaler Kopftücher äußern kann. Das ist offenbarend und erwächst offensichtlich einem Furor, den Sarrazin selbstverständlich nicht sich, sondern Bahners unterstellt.

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Wieder zunächst die „Ja-aber-Methode“, hier getarnt als „Ja-jedoch-Methode“. Und dann eine absurde Unterstellung, eine ungeheure Denkfaulheit und eine bezeichnende Konditionierung. Jakobi: „Sarrazin macht Bahners flugs zum fundamentalistischen Gegner der gleichen Rechte von Frauen.“

Was hatte Thilo geschrieben (s. 3)?

„Im Kampf gegen die Islamkritiker im Allgemeinen und die genannten Personen im Besonderen geraten Bahners die Probleme, welche die Islamkritik anspricht, weitgehend aus den Augen. Es geht ihm nicht um Frauenrechte, nicht um Transferbezug, nicht um Mängel in der Bildungsbeteiligung, nicht um das Heiratsverhalten, nicht um Erscheinungen der Gewalt, nicht um Parallelgesellschaften. Patrick Bahners geht es nur um ein Thema: nämlich darum, dass es aus seiner Sicht falsch und moralisch verwerflich ist, Muslime zur Assimilation an die europäische Kultur anzuhalten. (…)“

Exakt dies ist m.E. der Fall. Paddel interessiert sich nicht für die Lebenswirklichkeit der Orkfrauen. Denn er interessiert sich erstens mal gar nicht nicht für jene unter ihnen, die frei wie die Westlerinnen sein wollen, aber z.B. durch den Druck der Community daran gehindert werden. Er gibt zweitens zwar vor, sich für jene zu interessieren, die ihre Rolle, wie sie durch den Nazislam festgelegt wird, als gegeben hinnehmen. Aber er ist eben nur bei diesen, sofern sie diese (untergeordnete) Rolle akzeptieren. Dies erzwingt m.E. den Schluss, dass ihn im Grunde die Frauen als weibliche Individuen nicht interessieren bzw. dass sie ihn nur interessieren, solange sie (ihre Unterwerfung unter) die Ideologie repräsentieren und diese befördern. Bezeichnend ist es zudem, dass sich Pahners die Positionen zu eigen macht, die von besonders fanatischen Orks stammen, dabei gäbe es durchaus den einen oder anderen Reform-Ork. Thilo:

„Exemplarisch ist seine Behandlung der Kopftuchfrage: Wenn zwölfjährige Mädchen in der Schule kein Kopftuch tragen dürfen, so ist das für ihn vor allem und zunächst eine Verletzung der Religionsfreiheit. Es kommt ihm nicht in den Sinn zu fragen, inwieweit die Freiheitschancen der jungen Mädchen beeinträchtigt werden, wenn sie nicht einmal in der Schule aus den rigorosen islamischen Auffassungen zur Rolle und zum Verhältnis der Geschlechter entlassen werden und dies noch – an der weltlichen Schule geduldet – durch ihre Kleidung zum Ausdruck bringen müssen.

Unterschwellig wird bei Bahners sichtbar, dass ihm die schamhaft und rollengerecht verhüllte islamische Weiblichkeit viel sympathischer ist als das unverhüllte sexuell aufgeladene Chaos abendländischer säkularer Frauenemanzipation. Hier kommt eine heimliche Sehnsucht nach einer verbindlichen Weltordnung jenseits menschlicher Maßstäbe zur Geltung, die das Abendland einfach nicht mehr bieten kann.“

Klar, dass das für die Dimmis, die es gewohnt sind, in Pinkelparolen zu denken, zuviel Text ist, als dass sie es freiwillig lesen würden – geschweige denn zweimal. Aber es ist easy und evident, sofern man bereit ist, die Erkenntnis zuzulassen.

Denn die exklusive Präferenz Paddels für jene Orkfrauen, die den Nazislam in seiner autoritärsten oder ggf. sogar sklavistischen Form bereitwillig leben und nach außen repräsentieren, lässt nur den Schluss zu, dass ihm die Alternative, der Gegensatz, das „Chaos abendländischer säkularer Frauenemanzipation“, zutiefst zuwider ist. Für die Freiheiten dieser Frauen setzt er sich nicht ein, sie sind ihm kein Sterbenswörtchen wert. Pahners offenbart also in der Tat sein Verständnis von Frauen als Dingen, die nur dann gut sind, wenn sie „Religiösität“ (Unterwerfung unter den Nazislam) zeigen, die aber dann irrelevant sind, wenn sie Bürgerinnen sein wollen.

Dass Paddel ein spürbares Problem mit den freiheitsdurstigen und selbstbewussten westlichen Frauen hat, war übrigens auch schon Lesern dieses Blogs aufgefallen, hier Auryce: „Ein schmächtiger, unattraktiver Mann, der in seinem Leben nicht viel geleistet hat, sammelt seine Gedanken in einem Buch… Und was kommt heraus? Beschimpfungen und Diffamierungen, gerichtet gegen starke (Alice Schwarzer), mutige (Ayaan Hirsi Ali, Necla Kelek) und erfolgreiche (Kristina Schröder) Frauen… Mit der Hilfe eines Psychologen ließe sich da sicher einiges aufarbeiten, Herr Bahners!“ (9)

„Sarrazin macht Bahners flugs zum fundamentalistischen Gegner der gleichen Rechte von Frauen“, meint Jakobi. UNSINN, Paddel IST ein fundamentalistischer Gegner der Gleichberechtigung, WEIL sie ein Grundwiderspruch zum Nazislam ist, der wiederum für Paddel höher steht als sonst irgendwas. Dies geht aus seinem Text m.E. zweifellos hervor, und grade jemand, der sich so sicher fühlt wie der FAZ-Feuilletonchef, agiert vorzugsweise unverstellt aus seinem Innersten, welches im Fall Pahners nach Mekka ausgerichtet ist.

Jakobi: „Und das NUR, weil Bahners für das liberale Recht der Religionsfreiheit von Schulkindern eintritt, die sich auch im Tragen normaler Kopftücher äußern kann.“ Dieser Satz ist falsch. Richtig ist vielmehr, dass Paddel NUR für die Religionsfreiheit der Orks im Westen eintritt, nicht etwa für die der Christen in Orkländern. Falsch ist auch, dass Paddel für die Religionsfreiheit DER Orks im Westen eintritt. Er tritt vielmehr nur für diejenigen Orks ein, die ihrer Hassreligion besonders demonstrativ und offensiv Macht und Geltung verschaffen wollen. Diese Hassreligion KANN sich nicht nur im Tragen von Kopftüchern äußern, sie MUSS sich in der Verhüllung und Markierung der Frau äußern, wobei im Westen das Gesicht sichtbar bleiben darf, in einem Großteil der Orkstaaten aber nicht einmal das. Das Kopftuch ist, wie jeder Counterjihadi weiß und wie natürlich auch Jakobi und Panik-Paddel wissen, ein religiös-politisches Symbol und also alles andere als ein „normales“ Kopftuch, wie Jakobi dümmlich vom Stapel lässt.

Denken wir mal über „das Recht der Religionsfreiheit von Schulkindern“ nach. Wie alt mögen diese „sweet little schoolgirls“ sein, die laut Jakobi von dem bösen Wolf Thilo gehetzt werden? Nun, er nennt sie Kinder, und da sehen wir keine jungen Frauen im Abitur vor uns, sondern vielleicht 10-12-Jährige. Deren Recht auf Religionsfreiheit wollen Pahners und sein Kumpel Jakobi verteidigen. Aber wenn Kinder in diesem Alter eine Religion oder Ideologie derartig kompromisslos und demonstrativ leben, würde man doch normalerweise an Gehirnwäsche und Sekte denken, das Jugendamt verständigen und das Kind ggf. aus der Familie nehmen lassen. Ist eine Religion im Allgemeinen und diese im Besonderen etwas so Einfaches, Bedeutungsloses und Kleines, dass sich ein Kind ohne massive Indoktrination oder Zwang dazu entscheiden oder es überhaupt auch nur ansatzweise begreifen könnte?

Natürlich nicht, aber hier wird einmal mehr eine Grundthese der Orks und ihrer Speichellecker deutlich, und die lautet, dass man als Mohammedanist geboren wird, was keinesfalls hinterfragt werden darf und für das ganze Leben gilt. Bei unserem Haus-Dimmie Rai liest sich das so (10): „… nur weil sie die ‚falsche’ Religionszugehörigkeit haben!“ Als ob die Religionszugehörigkeit ein unabänderliches Schicksal wäre und die Inhalte der Religion völlig egal.

Diese Religion wird also vorwiegend nicht in einem geistigen Prozess erarbeitet und angenommen, sie ist angeboren – eine Art Religionsrassismus. Konversion zu ihr ist möglich, das Recht sie zu verlassen ist Paddel and  Friends jedoch ebenfalls keine Zeile wert.

Sie nennen sich „liberal“, „aufklärerisch“ und „profunde Kenner“ des Mohammedanismus, aber ihre Parolen sind reines Territorialverhalten. Dies hatte auch Dr. Rainer Schimpf in der gestrigen FAZ festgestellt.
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Warum so plakativ, so aggressiv?

Die unglaubliche Hybris, mit der Patrick Bahners im Vorabdruck aus seinem Buch „Die Panikmacher“ die Islamkritiker angeht, ist erschreckend. Ein Artikel mit solcher Wucht ist mir als langjährigem Abonnenten Ihrer Zeitung (fünfzehn Jahre) noch nie aufgestoßen. Warum muss dieser Artikel auch noch mit solch einer plakativen und aggressiven Überschrift mit riesigen schwarzen Buchstaben, die fast eine halbe Seite in „Bild“-Größe einnehmen, veröffentlicht werden? Ich kann mich nicht erinnern, jemals in Ihrem Feuilleton einen Artikel mit einem so martialischen Auftritt gesehen und gelesen zu haben. Ganz offensichtlich will der Autor (und die Redaktion?) unmissverständlich und hart klarmachen, was der Leser von diesen Menschen inmitten unserer Gesellschaft zu halten hat und dass deren Meinungen nicht erwünscht sind. Die Tatsache, dass Sie Ihren Kritikern wie Thilo Sarrazin in Ihrer Zeitung Raum geben, rechtfertigt und entschärft die Präsentation meines Erachtens nicht.

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Die Islamkritiker, die ein wesentlicher Teil des Counterjihad sind, kritisieren den Mohammedanismus. Sie lesen die mohammedanistischen Texte und kritisieren sie, weil sie sie als gegen unsere Gesellschaft gerichtet deuten. Die Kritiker der Islamkritiker lesen weder die mohammedanistischen Texte noch die der Islamkritiker. Sie kritisieren (was eine freundliche Umschreibung für geifernden Rufmord ist) die Islamkritiker, weil diese den Mohammedanismus kritisieren.

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Time am 25. Januar 2011

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1) http://tangsir2569.wordpress.com/2011/02/23/neue-epidemie-breitet-sich-aus-aufklarungsphobie/
2) https://madrasaoftime.wordpress.com/2011/02/16/panik-paddel/
3) https://madrasaoftime.wordpress.com/2011/02/19/thilo-vs-panik-paddel/
4) http://www.pi-news.net/2011/02/angriffe-auf-koptische-kloster/
5) http://www.pi-news.net/2011/02/koptischer-priester-erstochen-aufgefunden/
6) http://aro1.com/forderungen-nach-vernichtung-israels-auf-dem-tachrir-platz/
7) https://madrasaoftime.wordpress.com/2011/02/12/sie-haben-keine-chance/
8- https://madrasaoftime.wordpress.com/2011/02/18/pinkelparolen/
9) https://madrasaoftime.wordpress.com/2011/02/19/thilo-vs-panik-paddel/#comment-1129
10) https://madrasaoftime.wordpress.com/2011/02/19/thilo-vs-panik-paddel/#comment-1116

Thilo vs. Panik-Paddel

19. Februar 2011

Paddel Pahners exzessive Selbstbeweihräucherung und Buchreklame (1), zu der er Deutschlands beste Zeitung missbraucht, ist einigen Lesern unangenehm aufgefallen, so Peter Christian Hall, wie in der heutigen Ausgabe zu lesen ist:

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Eine stillose Selbstverliebtheit

Eine bildlose Aufmacherseite des Feuilletons mit 18 Zentimeter hoher Überschrift („Die Panikmacher“) und 9 Zentimeter hohen Einzelbuchstaben hat es in Ihrer Zeitung in den rund fünfzig Jahren, die ich sie lese, noch niemals gegeben – Gott sei Dank, überschreitet das doch sogar noch die „Bild“-Zeitung. Und was hatte das geschätzte Blatt am 16. Februar mit dieser sensationellen Aufmachung im Feuilleton, aus der einem das Wort Panik entgegenspringt, denn so Sensationelles mitzuteilen? Man mag es kaum glauben: den Vorabdruck aus einem Buch ihres eigenen Feuilletonchefs. Das ist eine stillose Selbstverliebtheit, die nicht nur in Ihrer Zeitung beispiellos ist.

Aber da dieser Leserbrief die F.A.Z. selbst kritisiert und nicht die Meinung irgendeines anderen Leserbriefschreibers, werden Sie ihn wohl wieder einmal nicht abdrucken, und das wäre nach meiner Erfahrung wahrlich nicht beispiellos.

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Da hat Herr Hall aber die FAZ unterschätzt, denn sie wäre nicht die beste Zeitung Deutschlands, wenn sie nicht die Debatte pflegen würde, zu der gehört, dass unterschiedliche oder gar gegensätzliche Positionen geäußert werden. Und daher habe ich jetzt – nach den Dimmie-Texten der letzten Tage – das große Vergnügen, Ihnen einen exzellenten Aufsatz aus der heutigen FAZ zu präsentieren, in welchem Thilo Sarrazin das Buch von Panik-Paddel Pahners einer gründlichen Betrachtung unterzieht.

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Erdogans Ghostwriter

Warum verfolgt Patrick Bahners all jene mit solchem Ingrimm, die es wagen, bei der Integration von Muslimen auf Probleme hinzuweisen? Wir Islamkritiker sind weder blind für die Wirklichkeit noch Panikmacher. Eine Kritik an einem zornigen Buch

Patrick Bahners hat ein sehr zorniges Buch geschrieben. In „Die Panikmacher“ kommt ein klares Feindbild zum Vorschein, nämlich „die Islamkritik“. Bahners differenziert nur unwillig beziehungsweise gar nicht zwischen unterschiedlichen Strömungen der Islamkritik, das sind für ihn alles Zweige vom selben illegitimen Stamm, allesamt Vertreter einer „Kultur des Ressentiments“ und damit alle moralisch zutiefst fragwürdig. Die Argumentation der Islamkritiker läuft für ihn auf den Aufruf zu einem „Weltbürgerkrieg“, zur Vernichtung der Muslime und des muslimischen Glaubens hinaus. Einzelnen Islamkritikern gesteht er zu, dass sie das vielleicht nicht so meinen oder die Folgen ihres Tuns nicht überschauen. Insgesamt aber hält er das Treiben der Islamkritiker für religionsfeindlich und auch feindlich gegenüber jeder wahren Liberalität, letztlich einem jakobinischen Staatsverständnis entstammend, einem Tugendterror in neuer und schrecklicher Form das Wort redend.

Die historische Parallele zur Islamkritik sieht Bahners im bürgerlichen Antisemitismus des neunzehnten Jahrhunderts. Immer wieder versieht er seine Kritik der Islamkritik mit entsprechenden Konnotationen, und folgerichtig beendet er sein Buch mit einem langen Zitat des Historikers Heinrich Treitschke aus dem Jahre 1879, das mit dem fatalen Satz endete „Die Juden sind unser Unglück“. Bahners führt Treitschke an, um zu unterstellen, dass dessen Forderung an die „israelitischen Mitbürger“, sie sollten „Deutsche werden, sich schlicht und recht als Deutsche fühlen“, letztlich den Weg nach Auschwitz bereitete. Zustimmend zitiert er Micha Brumlik, der mich „einen Treitschke des frühen einundzwanzigsten Jahrhunderts“ nannte. Bahners bringt nicht zufällig Treitschkes Forderung nach Assimilation und den Weg nach Auschwitz in einen Zusammenhang. Fast könnte man vermuten, er hätte für den türkischen Präsidenten Erdogan die Rede in der Köln-Arena geschrieben, in der dieser sagte: „Assimilation ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.“

Durch den Bezug auf den Antisemitismus und auf Auschwitz als dessen Folgen greift Bahners zum maximalen Vergeltungsmittel, quasi zur Kernwaffe des deutschen politischen Diskurses. Wer so argumentiert, möchte seine Gegner ein für alle Mal erledigen. Wer Kernwaffen einsetzt, der ist entweder bedenkenlos, oder es mangelt ihm an Mitteln konventioneller Kriegsführung. Bahners äußert auch einige kluge Gedanken, und es hätte seinem Buch besser getan, wenn er argumentativ etwas abgerüstet hätte. So erweckt er den Eindruck, dass ihn Emotionen treiben, die mehr ihn beherrschen, als dass er sie beherrscht.

Im Zentrum seines Buches steht ein objektives Problem. Viele Kritiker des Islam sehen dieses Problem genauso, nur geben sie eine andere Antwort: Der säkulare, freiheitliche Rechtsstaat hat zur Voraussetzung, dass alle Bürger, Rechtssubjekte und gesellschaftlichen Organisationen sich an seine Regeln halten, sie in gewissem Umfang auch verinnerlichen und den Regeln des staatlichen Rechts im Zweifel den Vorrang geben vor abweichenden religiösen Geboten. Für jene, die Bahners „Säkularisten“ oder „Islamkritiker“ nennt, ist klar, dass den Regeln des freiheitlichen Rechtsstaats unter allen Umständen Vorrang gebührt vor abweichenden Glaubensregeln oder den Gewohnheiten von Einwanderern mit einer anderen kulturellen Tradition. Für Bahners ist das gar nicht klar. Er argumentiert, dass für jeden Gläubigen das göttliche Recht über dem von Menschen gemachten Recht stehe und dass es unzumutbar und unmoralisch sei, einen Menschen zum Glaubensverrat zu zwingen, indem man ihm abfordere, den Vorrang des menschlichen Rechts vor den göttlichen Geboten zu beachten und auch zu bekennen.

Damit spricht Bahners ein grundlegendes Problem an, welches weit über den Islam hinausweist: Im Kern jeder religiösen Überzeugung steckt nämlich eine gefühlte Offenbarung, deren Quelle nicht von dieser Welt ist und die sich folglich auch nicht den eher zufälligen, jedenfalls von Menschen gemachten sozialen Lebensregeln beugen kann. Wenn schon, dann muss das menschliche Regelwerk der offenbarten göttlichen Ordnung folgen.

Was heißt das in Deutschland und Europa für die Integration einer Religion wie des Islam, dessen Glaubenssätze und Lebensregeln zu vielen Aspekten der säkularen Moderne eher im Widerspruch stehen? Welche Konflikte ergeben sich daraus, und wie kann man diese produktiv und zukunftsweisend bewältigen?

Das hätte der Gegenstand des Buches sein können. Dafür interessiert sein Autor sich aber nicht. Er verfolgt über dreihundert Seiten alle jene mit seinem Ingrimm, die in der Integration von Muslimen in Europa und weiter steigenden Einwanderungszahlen aus muslimischen Ländern Probleme sehen. Seine Lieblingsfeinde sind dabei, in alphabetischer Reihenfolge: Ayaan Hirsi Ali, Henryk Broder, Ralph Giordano, Necla Kelek, Thilo Sarrazin, Alice Schwarzer, Peter Sloterdijk.

Im Kampf gegen die Islamkritiker im Allgemeinen und die genannten Personen im Besonderen geraten Bahners die Probleme, welche die Islamkritik anspricht, weitgehend aus den Augen. Es geht ihm nicht um Frauenrechte, nicht um Transferbezug, nicht um Mängel in der Bildungsbeteiligung, nicht um das Heiratsverhalten, nicht um Erscheinungen der Gewalt, nicht um Parallelgesellschaften. Patrick Bahners geht es nur um ein Thema: nämlich darum, dass es aus seiner Sicht falsch und moralisch verwerflich ist, Muslime zur Assimilation an die europäische Kultur anzuhalten. Wenn der türkische Präsident Erdogan je einen Ghostwriter brauchte, Patrick Bahners wäre die ideale Besetzung.

Exemplarisch ist seine Behandlung der Kopftuchfrage: Wenn zwölfjährige Mädchen in der Schule kein Kopftuch tragen dürfen, so ist das für ihn vor allem und zunächst eine Verletzung der Religionsfreiheit. Es kommt ihm nicht in den Sinn zu fragen, inwieweit die Freiheitschancen der jungen Mädchen beeinträchtigt werden, wenn sie nicht einmal in der Schule aus den rigorosen islamischen Auffassungen zur Rolle und zum Verhältnis der Geschlechter entlassen werden und dies noch – an der weltlichen Schule geduldet – durch ihre Kleidung zum Ausdruck bringen müssen.

Unterschwellig wird bei Bahners sichtbar, dass ihm die schamhaft und rollengerecht verhüllte islamische Weiblichkeit viel sympathischer ist als das unverhüllte sexuell aufgeladene Chaos abendländischer säkularer Frauenemanzipation. Hier kommt eine heimliche Sehnsucht nach einer verbindlichen Weltordnung jenseits menschlicher Maßstäbe zur Geltung, die das Abendland einfach nicht mehr bieten kann.

Wenn man ein Buch liest oder eine Meinung hört, bei der man den Grundansatz nicht teilt, sollte man gleichwohl für die Argumentationsrichtung des anderen offen bleiben, sonst gibt es keinen Dialog. Das vermisse ich bei Bahners. Exemplarisch dafür ist, wie herabsetzend, ja, entstellend und verfälschend er die Personen und die Argumente der von ihm kritisierten Islamkritiker behandelt. Der Umstand, dass er solche Mittel nötig hat, desavouiert sein Anliegen und stellt seine Motive in Frage.

Ziemlich zu Anfang seines Buches setzt er sich mit meinem Interview in „Lettre International“ vom September 2009 auseinander, und dabei wird seine Methode deutlich. Er zitiert mich zu den Stufen der Integration: „Die erste Vorstufe ist, dass man Deutsch lernt, die zweite, dass man vernünftig durch die Grundschule kommt, die dritte, dass man auf das Gymnasium geht, dort Examen macht und studiert.“ Das ist eigentlich banal. Im Interview ging es um die Erhöhung des Anteils der Migranten im öffentlichen Dienst, und für den Dienst in der Justiz, in der Finanzverwaltung, als Lehrer oder in der Polizei ist heute in der gehobenen oder höhere Laufbahn stets ein Studium erforderlich. Mehr türkische und arabische Migranten in diese Positionen zu bringen bedeutet deshalb zunächst, dass mehr von ihnen Abitur machen und studieren. Bahners dagegen kommentiert zu meinem Zitat „Vollständig integriert ist der Akademiker, der ganze Mensch hat Abitur“ und unterstellt mir damit einen albernen Bildungsdünkel, den ich gar nicht habe.

Er unterstellt mir ferner „das Phantasma einer durch administrative Maßnahmen herbeigeführten ethnischen Sauberkeit“ und „die Ordnungsidee einer durch Umsiedlungsmaßnahmen verbesserten Bildungsstatistik“. Tatsächlich fordere ich eine stärkere Orientierung des Bildungswesens und der Hochschulen am Leistungsgedanken und führe unter anderem aus: „Wenn die Türken sich so integrieren würden, dass sie im Schulsystem einen anderen Gruppen vergleichbaren Erfolg hätten, würde sich das Problem auswachsen. Türkische Anwälte, türkische Ärzte, türkische Ingenieure werden auch deutsch sprechen, und dann wird sich der Rest relativieren.“ So sagte ich im „Lettre“-Interview. Bahners dagegen verdreht meine Aussagen in ihr Gegenteil, um mir das „Phantasma ethnischer Sauberkeit“ durch „administrative Umsiedlungsmaßnahmen“ zu unterstellen. Die Konnotation zum Holocaust ist offenbar gewollt, seine Insinuation ist ungeheuerlich und zudem unanständig.

Für Bahners ist diese Methode, seine Gegner zu zitieren und ihre Aussagen zu verfälschen, leider exemplarisch. Das ganze Buch ist voll davon. Damit bin ich bei der Frage des „Anstandes“. Bahners findet nicht, dass es in Deutschland ein Problem im Spannungsfeld von Meinungsfreiheit und „politicial correctness“ gibt. Er lehnt diesen Begriff ab und führt stattdessen den „Anstand“ als Maßstab menschlicher und damit auch politischer Kommunikation ein. Damit wird aber lediglich der eine Begriff für „Das sagt man nicht“ durch einen anderen ersetzt, zudem durch einen Begriff, der aufgrund seiner Subjektivität Konventionen immer nur reflektieren, nicht aber hinterfragen kann. Unter dem Begriff des Anstandes können unerwünschte Fragen und Meinungen perfekt ausgegrenzt werden, und davon macht Bahners reichlich Gebrauch. Es fehlt nur noch die Volte, auch den jeweiligen Inhalt des Anstandsbegriffes aus einer religiösen Offenbarung abzuleiten, und die erwünschte Abschirmung jedweder Diskussion von den Gefahren politischer Inkorrektheit wäre gelungen. Wohlgemerkt, diese Argumentation ist keine Lizenz, den Anstand aufzugeben; aber man muss sich über die Wirkung von Begriffen klar sein. Durch die Verwendung des Anstandsbegriffs wird das Problem der „political correctness“ nicht gelöst, es wird noch verschärft. Folgerichtig findet denn auch Bahners nicht, dass mein „Lettre“-Interview die Grenzen politischer Korrektheit überschritt, er findet ganz einfach, dass es unanständig war und damit seriöser Auseinandersetzung eigentlich nicht wert.

Typisch für seine verquere Weltsicht ist die Verharmlosung der Vorgänge um die Mohammed-Karikaturen. Nicht der Skandal, dass Menschen starben wegen der Karikaturen, dass Attentate verübt wurden und dass der Karikaturist seit Jahren mit dem Tode bedroht ist, wird von ihm thematisiert, sondern uns wird die ironische Belehrung zuteil, dass sich „die republikanische Weltöffentlichkeit … den Einsatz der ehrwürdigen Mittel der Blasphemie zum Zwecke der Geistesschärfung und Geisterscheidung vorbehalten müsse“. Das heißt, Bahners teilt offenbar die Empörung der islamischen Welt über die Karikaturen, und ebenso teilt er ihre Nicht-Empörung über die Gewalttätigkeiten als Reaktion auf diese Karikaturen.

Seine Emotionen spart Bahners sich für jene auf, die er als Islamkritiker sieht. Bei Henryk Broder zum Beispiel stellt er die moralische Integrität in Frage, indem er dessen Diskussion des Toleranz-Begriffes mit den Worten kommentiert: „Aber soll dadurch die Moral über sich selbst aufgeklärt werden, oder soll sie weichen?“ Necla Kelek gesteht er zwar zu, dass sie eine „intellektuell anregende“ Doktorarbeit geschrieben habe, aber er sät Zweifel an der Wahrhaftigkeit und Glaubwürdigkeit ihrer in „Die fremde Braut“ erzählten persönlichen Familiengeschichte. Ihn stört ganz offenbar, dass Necla Kelek die allmähliche Islamisierung des typischen türkischen Gastarbeiters in Deutschland, wie sie sie beobachtet hat, nicht mag. Er spricht ihr die wissenschaftliche Seriosität ab: „Die Autorin ist im Hauptberuf heute Akteurin der Medienwelt“, und dann kommt der Blattschuss: „Legt man an die Entwicklung der Autorin einen intellektuellen Maßstab an, muss man von Regression sprechen.“

Das ist Diffamierung, sie stammt aus dem Munde eines Mannes, der in der ausländer- und gewerbefreien Bonner Südstadt im Einfamilienhaus aufwuchs, im fußläufig entfernten Bonner Beethovengymnasium zur Schule ging, sodann in Bonn und Oxford studierte und anschließend, im Alter von 22 Jahren, der Redaktion der F.A.Z. beitrat. Von den Stürmen des Lebens ist Patrick Bahners wahrlich verschont geblieben. Das ist ihm nicht vorzuwerfen, aber es berechtigt ihn nicht (zur zudem inhaltlich völlig unbegründeten) Arroganz gegenüber jenen, die ihr persönlicher Lebenslauf ganz anders gefordert und geprägt hat; vielleicht haben diese auch deshalb mehr mitzuteilen.

Die Diffamierung Keleks geht aber weiter: „Indem sie aussprach, dass sie in der islamischen Welt nicht einmal auf Verbündete im Geiste zu hoffen wagte, hatte sie die Frontlinie eines Weltbürgerkrieges gezogen.“ Dank Patrick Bahners wissen wir endlich: Nicht Al Qaida ist eine Gefahr für den Weltfrieden, Necla Kelek ist es – und mit ihr alle, die ihre Befürchtungen teilen! Der Furor des Patrick Bahners (so wird man wohl seine Einstellung bezeichnen dürfen) wendet sich mit besonderer Schärfe gegen die Grundsätze der französischen laizistischen Politik.

Seine Abneigung zieht auch Familienministerin Kristina Schröder auf sich, weil sie den Zusammenhang von Religion und Gewaltbereitschaft bei muslimischen Jugendlichen thematisiert. Und auch hier kann er es nicht lassen, mit dem Mittel der persönlichen Herabsetzung zu arbeiten. Er kennzeichnet sie als „die Politologin, die der aus dem Fernsehen bekannte Wahlforscher Jürgen Falter mit einer Untersuchung über die Gerechtigkeitsideale der CDU-Bundestagsabgeordneten promoviert“. Mit diesem völlig sachfremden Hinweis will er wohl seine Meinung zum Ausdruck bringen, dass die amtierende Familienministerin eine Dünnbrett-Dissertation geschrieben habe. Was soll das, und was hat dies mit den Argumenten von Kristina Schröder zu tun, außer man will eine Person diffamieren, um das Gewicht ihrer Meinung zu vermindern?

Schließlich zitiert Patrick Bahners die rhetorische Frage von Necla Kelek: „Sind wir keine Deutschen, Türken, sondern zuerst Christen, Juden oder Muslime, keine Bürger, sondern Gläubige oder Ungläubige?“ Er unterschiebt Necla Kelek eine Auffassung, die sie gar nicht hat: „Die Auffassung, dass der Staat das Höchste ist und es für den Frommen nie eine Gewissenspflicht zum Widerstand geben kann, haben in Deutschland zuletzt die Deutschen Christen vertreten.“ Nicht der Staat ist das Höchste, sondern eine rechtsstaatliche Verfassung der Freiheit – diesen Unterschied verwischt Bahners, um Necla Kelek in die Nähe der Deutschen Christen zu rücken, die die NS-Diktatur stützten.

Mit dieser letzten großen Diffamierung unterstellt Bahners Necla Kelek und mit ihr allen Islamkritikern, sie wären der Meinung, es gebe keine Gewissensinstanz und kein sittliches Gebot jenseits des Staates. Diese Unterstellung ist so ungeheuerlich, dass sich die Feder dagegen sträubt, sie niederzuschreiben. Hier hat sich ein Autor – und wohl auch ein Mensch – wirklich verrannt.

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Bleibt mir zu fragen, wie lange Chefredaktion und Herausgeber PPP noch gestatten wollen, das Niveau des Feuilletons von Ausgabe zu Ausgabe weiter abzusenken (2). Hat der Verlag nicht eventuell eine andere Aufgabe für ihn? Er ist doch noch jung (3), könnte man ihm nicht einen neuen Anfang z.B. in Teheran oder Damaskus ermöglichen?

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Time am 19. Februar 2011

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1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2011/02/16/panik-paddel/
2) https://madrasaoftime.wordpress.com/2011/02/17/studi-postille-faz/
3) http://www.faz.net/s/RubD87FF48828064DAA974C2FF3CC5F6867/Doc~EFA5EF28DC4474AC883819BB9B623CED3~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Broken Road To Nowhere

12. November 2010


Die heutige FAZ brachte einen Leserbrief von Dr. Barthold C. Witte zum Thema Laizismus in der Türkei.

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Die Türkei – wirklich laizistisch?

Der Freiheitspreis der Friedrich-Naumann-Stiftung für Necla Kelek, die mutige Streiterin für Frauenrechte und einen moderneren Islam: Eine gute Tat. Die Reden von Alice Schwarzer und der Preisträgerin aus diesem Anlass (s. Links unten, T.): bewegende Dokumente. In einem Punkt indessen ist Widerspruch nötig, nämlich zum angeblich laizistischen Charakter der türkischen Verfassung, wie ihn Alice Schwarzer – nebst vielen anderen – behauptet, sogar mit einem indirekten Lob für das türkische Militär und die von diesem erzwungene, nach wie vor geltende „laizistische“ Verfassung von 1982. Sie habe, heißt es oft, die Trennung von Religion und Staat in der Türkei bestätigt, wie sie vom Staatsgründer Atatürk eingeführt wurde. Vorbild sei dabei Frankreich gewesen, das 1905 diese Trennung vollzog.

Bei näherem Zusehen erweist sich jedoch, was Atatürk tatsächlich durchsetzte: Seither wird zwar nicht mehr der Staat durch die Religion kontrolliert, aber umgekehrt die Religion durch den Staat. Instrument dieser Kontrolle ist das Amt für religiöse Angelegenheiten, das unmittelbar dem Ministerpräsidenten untersteht. Es beruft und bezahlt die Geistlichen und Moscheevorsteher, so auch für die türkischen Gemeinden in Deutschland. Auch das Eigentum der Gemeinden, traditionell in religiösen Stiftungen organisiert, steht unter solcher Kontrolle. Zwar ist der Islam als Staatsreligion formell abgeschafft und Religionsfreiheit versprochen, aber tatsächlich erkennt der türkische Staat nur die sunnitische Version des Islam an. Der von der Schia abgeleiteten Glaubensgemeinschaft der Aleviten, zu welcher etwa jeder fünfte Türke zählt, wird diese Anerkennung verweigert, den christlichen Kirchen ohnehin.

Wo bleibt da die Freiheit jedes Bürgers, nicht nur seine Religion zu wählen, sondern sich auch zu autonomen, staatsfreien Glaubensgemeinschaften zusammenzuschließen? Bundespräsident Wulff hatte völlig recht, in Ankara diese Freiheit einzufordern. Ja, es stimmt, was auch die Europäische Kommission erst jüngst feststellte: Die Türkei hat noch einen weiten Weg in die Gemeinschaft der westlichen Demokratien vor sich.
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Ich stimme Dr. Witte in allem zu bis auf eines: Der Weg der mohammedanistischen Türkei in die Gemeinschaft der westlichen Demokratien ist nicht nur weit, er ist ungangbar.

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Time am 12. November 2010

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Kelek: http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~ECA34B76019A043AD9DB78D697F62CEAF~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Schwarzer: http://www.faz.net/s/Rub9B4326FE2669456BAC0CF17E0C7E9105/Doc~E56AB11F93EF64353BABFE041A2E720B4~ATpl~Ecommon~Scontent.html