Posts Tagged ‘Amir Hassan Cheheltan’

Auf 240qm nur Propaganda

14. Januar 2014

Cheheltan

Amir Hassan Cheheltan war schon mehrmals (ungefragt) Gast der MoT. Lesen Sie seine ausführliche Stellungnahme zur Lage im Naziran, die die heutige FAZ brachte (1), und die doch sehr an die „DDR“ erinnert.

Ich war übrigens davon ausgegangen, dass Cheheltan in Deutschland um Asyl bitten würde, aber er scheint nach wie vor in Teheran zu leben. In diesem Licht  wäre sein Text dementsprechend zu lesen.

_____

Die Lüge von der schnellen Feder

Irans Autoren und Künstler hatten große Hoffnungen auf den neuen Präsidenten Hassan Rohani gesetzt. Jetzt ist die Erkenntnis bitter: Bislang wurden sie mit schönen Worten abgespeist.

Irans Präsident Hassan Rohani hat hundert Tage nach der Übernahme der Regierung in einem Bericht an das Volk über die Wirtschaftssituation des Landes folgende Fakten genannt: Die Inflation liegt bei über vierzig Prozent, das negative Wirtschaftswachstum bei 5,4 Prozent, die Schatzkammer ist leer, die Liste der Staatsschulden geht ins Unermessliche, der Druck durch ausländische Embargos hält an.

Rohanis Bericht enthielt eine einfache und deutliche, wenn auch versteckte Botschaft: Ihr dürft keine großen Erwartungen an mich haben. Trotz allem betonte er am Ende seiner Erklärung: „Ich sehe eine helle Zukunft.“

Noch erstaunlicher waren die Worte, die Rafsandschani, der Ratsvorsitzende für das Landeswohl, einige Monate zuvor verlauten ließ. Nachdem seine Qualifikation für eine Kandidatur zur Präsidentenwahl nicht bestätigt worden war, sagte er bei der Abschiedszeremonie vor seinen Wahlhelfern: „Iran war ein hochgeschätztes Land; ich habe vor der Revolution sämtliche Länder in Europa mit dem Auto besucht; wenn ich die Grenzen passieren wollte, brauchte ich nur meinen Pass vorzuweisen und passierte die Grenze; heute herrschen ganz andere Sitten.“

Ein Schlüssel, der nicht schließt

An anderer Stelle seiner Rede sagte er: „Es ist uns kein Geld mehr geblieben, selbst wenn, kann es nicht ins Landesinnere transportiert werden. Wir haben unsere Devisen den Chinesen gegeben, die sie gegen eine Gebühr in Yuan umgetauscht haben und meinten, dass sie im Gegenzug nur Waren liefern könnten, jedoch nur solche, die sie selbst bestimmten. Mit den Pflanzengiften, die sie uns geliefert haben, sind sämtliche Erträge aus der Landwirtschaft der letzten zwei Jahre geschrumpft. Und nun stellen Sie sich einmal vor, was die Kranken erleiden müssen, die chinesische Arznei zu sich nehmen.“

Rohani war mit dem Spruch „Umsicht und Hoffnung“ in den Wahlkampf gezogen. In einer seiner Wahlreden zeigte er der anwesenden Schar einen großen Schlüssel, den ihm einige seiner Anhänger geschenkt hatten: „Mit diesem Schlüssel werde ich alle Türen öffnen.“ Aber was ist tatsächlich geschehen, nachdem Rohani die Wahl gewonnen hatte? Hat er von seinem Schlüssel Gebrauch gemacht?

Fünf Monate nach Rohanis Einzug in das Büro des Staatspräsidenten stehen die iranischen Schriftsteller immer noch vor verschlossenen Türen. Die schwarze Liste der Schriftsteller ist eine Realität, selbst wenn der Präsident in seinem Bericht nach hunderttägiger Amtszeit verkündet hat: „Wir haben Schriftsteller mit ,verbotener Feder‘ in Schriftsteller mit ,schneller Feder‘ verwandelt.“ Aber das entspricht nicht der Wahrheit, wie sogar ein Minister indirekt zugibt, wenn er sagt: „Einigen Schriftstellern wurde in der letzten Legislaturperiode angekündigt, ihre Arbeit würde veröffentlicht; es ist der Wunsch des Präsidenten, dem Fall der verbotenen Schriftsteller nachzugehen.“

Einem Eingeständnis der staatlichen Zeitung „Iran“ zufolge ging es mit der Druckindustrie in der vorangegangenen Regierungszeit so weit bergab, dass viele Druckereien ihren Betrieb einstellen mussten und ein Teil auch dieses Marktes an chinesische Verleger ging. Solche Fälle häufen sich und deshalb mögen sich viele Iraner mittlerweile fragen, wenn sie schon sich selbst, ihr Haus sowie ihr Hab und Gut einem anderen zur Verfügung stellen sollten, warum dieser andere dann ausgerechnet ein Chinese oder ein Russe sein sollte.

Dabei hatten die Flitterwochen der Regierung Rohani mit den Kulturschaffenden zunächst die größten Hoffnungen geweckt. Unter dem Freudengeschrei aller Beteiligten angesichts des Regierungswechsels war überall die Rede von der Weisheit der Schriftsteller und Künstler und auch von der Reife und Wachsamkeit des Volkes. Deshalb schien klar zu sein, dass unter diesen Umständen die Zensur der Bücher eine unnötige und illegitime Maßnahme sei und demzufolge auch abgeschafft würde. Die Kulturpolitik von Ahmadineschad wurde im Nachhinein heftig kritisiert, sogar von einem Minister, der spöttisch bemerkte, dass die Vorgängerregierung nicht einmal dem Koran eine Druckgenehmigung erteilt hätte. Ein anderer Amtsträger sagte: „Kultur kann sich nicht in Dunkelkammern und auf der Fläche von Gewächshäusern verbreiten.“ Eines der Wunder iranischer Regierungen ist, dass sie nichts gegen eine Kritik der herrschenden Zustände haben – sie muss nur ihr Monopol bleiben.

Literatur, eine vergiftete Mahlzeit

Zweihundertfünfzehn Schriftsteller, die glaubten, dass diese und ähnliche Aussagen der Verantwortlichen aufrichtig seien, forderten dann in einem offenen Brief Rohanis Regierung dazu auf, die staatliche Kontrolle der Bücher vor dem Druck abzuschaffen; eine Forderung, die der Minister für islamische Kultur zu Beginn seiner Amtszeit ebenfalls vertreten hatte.

Dieser Brief konnte nicht unbeachtet bleiben, doch derselbe Minister für islamische Kultur, der gestern noch gegen die Zensur war, verkündete nun in einer Ansprache: „Die Forderung der Schriftsteller kann nicht umgesetzt werden.“ Und er fügte in aller Unschuld hinzu: „Können wir es zulassen, dass jeder Roman und jede Geschichte veröffentlicht wird und sich unsere jugendliche Generation von dieser vergifteten Mahlzeit ernährt?“

Zwei wichtige Tageszeitungen aus dem Lager der Reformer, die während der letzten Amtsdauer mit einem Erscheinungsverbot belegt worden waren, dürfen immer noch nicht erscheinen. Eine andere Zeitung mit der gleichen politischen Einstellung ist von der Regierung Rohanis verboten worden, während der Autor des Artikels, dessen Veröffentlichung der Grund für die Schließung der Zeitung war, nach wie vor in Untersuchungshaft sitzt.

Ahmadineschads Erbe

Die Verwendung von Satelliten für Fernsehempfang ist immer noch verboten, auch wenn die Verantwortlichen zugeben, dass 71 Prozent der Teheraner mit Satellitenschüsseln und entsprechenden Empfangseinrichtungen versehen sind und deren Programme nutzen. Auch Facebook wird weiterhin gefiltert, während der Außenminister dort selbst aktiv ist und in einem seiner Beiträge auf die Frage nach dem Holocaust geschrieben hat: „Derjenige, der den Holocaust verleugnet hat, ist nun gegangen.“

Das stimmt, Ahmadineschad ist gegangen, doch die Aufregung über ihn und seine Politik hat sich noch nicht gelegt, vielleicht hat sie sogar gerade erst begonnen. Auf dem bisherigen Höhepunkt dieser Wirrnis verkündete ein hoher Politiker, dass das Land unter der Präsidentschaft von Ahmadineschad ausgeplündert worden sei. Ein anderer bezeichnete ihn als Präsidenten, der acht Jahre lang das Volk belogen habe. Oft wurde gemunkelt, dass er verurteilt werden solle. Schließlich wurde er tatsächlich vorgeladen, doch er weigerte sich, vor das Gericht zu treten.

Neunhundert Verleger im Auftrag des Staates

Wer kann behaupten, dass den iranischen Regierungen die Herausgabe von Büchern und die Kulturförderung gleichgültig sei? Vor ein, zwei Jahren hat ein Verantwortlicher aus der Regierung von Ahmadineschad geäußert: „Allein in den vergangenen sechs Monaten wurden Printmedien für siebenundvierzig Milliarden Tuman von ,Werte setzenden‘ Herausgebern verkauft. Gemäß den statistischen Angaben des Ministeriums für islamische Kultur existieren in der heiligen Stadt Qom neunhundert Verleger.“

Zu den ersten kulturellen Aktivitäten der neuen Regierung außerhalb der iranischen Grenze muss wohl die Präsenz staatlicher Verleger auf der Frankfurter Buchmesse gezählt werden. Einer der staatlichen Schriftsteller, der gemeinsam mit einer Karawane von zwanzig Leuten dorthin entsendet worden war, schreibt in seinem Bericht: „Dieses Jahr wurde das Budget auf hunderttausend Euro erhöht, und die Ausstellungsfläche wurde von hundert auf zweihundertvierzig Quadratmeter erweitert: Bei der Belastung des Volkseigentums durch so hohe Kosten muss gefragt werden, wie viele Lizenzen von iranischen Büchern an ausländische Verleger verkauft worden sind? Das Ergebnis dieser Präsenz hatte nicht einmal den Verkauf eines einzigen Buches zur Folge.“

Das letzte größere Kulturereignis war ein Treffen des Präsidenten mit einer relativ großen Gruppe von Künstlern. Unabhängige Schriftsteller waren nicht eingeladen, aber immerhin durfte ein staatstreuer Schriftsteller als Sprecher der Autoren kritisieren, dass fünfundneunzig Prozent sämtlicher verlegter Bücher auf Bestellung des Staates verlegt würden. Sogar das heikle Thema der Zensur wurde angesprochen, allerdings unter der beschönigenden Bezeichnung „Revision“. Der Staatspräsident sprach auch in dieser Versammlung erfreuliche Worte und sagte unter anderem: „Kunst und Freiheit haben einen direkten Zusammenhang, und künstlerische Kreativität kann ohne Freiheit nicht umgesetzt werden.“ Erstaunlich ist folgende Wendung: „In der Zensur müssen wir von den Kulturschaffenden, Wissenschaftlern und Geistlichen Gebrauch machen.“ Sollte sich dahinter eine Stellenofferte für künftige Zensoren verbergen?

Das widersprüchliche Reden nimmt weiterhin seinen Lauf, Lippenbekenntnisse und Praxis klaffen in Teheran himmelweit auseinander.

_____

Time am 14. Januar 2014

_____

1) http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/irans-praesident-rohani-die-luege-von-der-schnellen-feder-12750319.html

Rettung in den Aberglauben?

9. Januar 2012

Der iranische Schriftsteller Amir Hassan Cheheltan, der m.W. den Iran dauerhaft verlassen hat und in Berlin lebt, war schon mehrmals Thema in diesem Blog. In seinem neuen Roman, den Stefan Weidner in der FAZ vom 7. Januar vorstellte, zeichnet er u.a. ein ungewohntes Bild von der demokratisch gewählten Regierung Mossadegh, die mit Hilfe der CIA gestürzt wurde. Diesbezüglich sind meine Kenntnisse und Urteilskraft gering. Bemerkenswerter fand ich daher die vielfältige Schilderung von staatlicher, gesellschaftlicher und struktureller Gewalt im Naziran, die dort alles zu durchdringen scheint und die menschlichen Beziehungen verheert. Ebenfalls wichtig war für mich die Erkenntnis, wie sehr der Mohammedanismus die Iraner in seinen Klauen hat.

Einem Abschnitt in Weidners Text muss ich entschieden widersprechen. Er schreibt zwar:

„Die islamische Revolution, die Religion und Gruppenzwang statt Aufklärung und individuelle Lebensführung propagiert, passt in dieses Muster.“

Aber auch:

„Ihr Sohn hat unter der Folter Gesinnungsgenossen verraten. Vor der Schande, die damit über sie kommt, rettet auch sie sich in den Aberglauben.“

Nun ist der Mohammedanismus zweifellos ein blutrünstiger Aberglauben, dass man sich in ihn jedoch „retten“ kann, ist ganz unbedingt unmöglich. Eine Geisteskrankheit als Rettung zu bezeichnen ist eine Verhöhnung unseres Verstandes und Gottes, der ihn uns geschenkt hat.

_____

Selbstzufriedenheit ist nicht Sinn des Regierens

Gejagte Jäger: Amir Hassan Cheheltans Roman liest sich wie eine Dokufiktion über den amerikanisch-iranischen Hass. „Amerikaner töten in Teheran“ ist ein Wunder der iranischen Exilliteratur.

Ein Zyniker könnte behaupten, dass die islamische Revolution in Iran ein Segen war – nicht für die Vereinigten Staaten, aber doch für die Amerikaner. Nie sind so wenige Amerikaner in Teheran gestorben wie seit 1980 – schon weil seit der Besetzung der amerikanischen Botschaft keine amerikanischen Offiziellen mehr im Land waren. Aber wenn die Mullahs der US Air Force die unbemannten Drohnen vom Himmel angeln, führen sie auf unblutige Weise ein bald hundert Jahre altes Katz-und-Maus-Spiel fort: Das lernen wir in Amir Hassan Cheheltans geheimnisvollem Roman „Amerikaner töten in Teheran“.

Das Buch ist so schillernd und schwer zu greifen wie der Titel: Sind die Amerikaner hier Subjekt oder Objekt? Töten sie oder werden sie getötet? Im Roman geschieht, ganz wie in der Realität, natürlich beides. Aber: Ist es überhaupt ein Roman? „Amerikaner töten in Teheran“ erinnert über weite Strecken an eine Art Dokufiktion. Reale Ereignisse werden literarisch neu inszeniert, die Personen sind teilweise historisch, und einen Disclaimer suchen wir am Anfang des Buchs vergeblich.

Die amerikanisch-iranische Antipathie, lernen wir, war nicht immer da. In der ersten der sieben Episoden des Buchs, die fast das ganze zwanzigste Jahrhundert abdecken, wird Major Robert Imbrie als Vizekonsul aus Istanbul an die amerikanische Botschaft in Teheran versetzt, und „zu jener Zeit galt die Vorliebe für Amerika noch nicht als Schande“. Als großer Feind galt die Kolonialmacht Großbritannien mit ihrer neu erwachten Gier nach Erdöl, während die Vereinigten Staaten noch als ehrliche Makler erschienen, die nach dem Ersten Weltkrieg für die Souveränität der Völker im Nahen und Mittleren Osten eintraten.

Die Ermordung des ersten Amerikaners in Teheran scheint eher ein Versehen gewesen zu sein. Nachdem Imbrie versucht hatte, einen heiligen Brunnen zu fotografieren, wird er von einem abergläubischen Mob durch die Straßen gejagt und schließlich zu Tode geprügelt. Wenn es aber ein bloßer Unfall war, was bedeutete der geheimnisvolle, mehrfach auftauchende Motorradfahrer, der die Menge zu kontrollieren schien? Diese erste Episode des Buchs bleibt so rätselhaft wie alle weiteren, aber die Irrationalität, der Aberglaube und die von Furcht und Neid genährte Paranoia gegenüber den Fremden ziehen sich leitmotivisch durch den Text.

Die zweite und politisch folgenreichste Episode spielt 1953, als die CIA aus Angst vor einem kommunistischen Iran den Sturz des demokratisch gewählten Präsidenten Mossadegh organisierte, den Schah zurückbrachte und damit ein bis heute fortwirkendes Trauma unter den Iranern auslöste. Diesmal waren es die Amerikaner, die töteten und sich mit den rückschrittlichen und irrationalen Kräften in Iran verbündeten. Selbst in dieser scheinbar eindeutigen Episode aber, die den geschichtlichen Fakten so nah ist, greift Cheheltans Kunst des Schwebezustands.

Die kaum vierzig Seiten sind ein großer Moment in der iranischen Literatur schon deshalb, weil sie die gängige Sichtweise, die von nahezu allen Iranern gleich welcher Couleur geteilt wird, behutsam, aber doch unübersehbar, umkehren: Die CIA hatte bei diesem Umsturz ihre Finger im Spiel, gewiss; aber letztlich waren es doch die Iraner selbst, die Mossadegh vertrieben: opportunistische, schahtreue Militärs, die Geistlichen und wieder ein von irrationalen Gefühlen getriebener Mob. Mossadegh und seine Leute werden – und das kommt im Rahmen der iranischen Diskussionen fast schon einem Sakrileg gleich – als unentschiedene Schwächlinge dargestellt, die die Chance verspielen, das Flugzeug des Schahs abzuschießen, und die den absehbaren Putsch wie ein unausweichliches Schicksal hinnehmen. Oder hat Mossadegh einfach nur human gehandelt, wie es die Worte nahelegen, die der Autor ihm in den Mund legt? „Das würde ein Blutbad geben. Regieren um jeden Preis? Das ist mir unmöglich!“ – „Der Sinn des Regierens ist nicht, mit sich selbst zufrieden zu sein!“ – „Aber auch nicht, sich deswegen zu hassen.“ Cheheltan schafft es tatsächlich, auch in dieser aufgeladenen Episode dem Leser kein Urteil vorzugeben. Im Rahmen der hochpolitisierten iranischen Literatur, gerade auch des Exils, ist dies ein kleines Wunder.

Die große Zeit der Jagd auf die Amerikaner in Teheran waren die siebziger Jahre, als das Regime des Sshah immer rascher seinem Ende entgegenschlitterte und jeder Angriff auf die Amerikaner als Angriff gegen den Schah galt. Resa, Sohn eines Mossadegh-treuen Hauptmanns, besucht am Abend, bevor er den amerikanischen Oberst Hawkins erschießt, ein Bordell. „Bevor ich sterbe, muss ich mit einer Frau geschlafen haben. Nur wenn man lebt, weiß man das Leben zu schätzen. Was wissen wir denn davon, wo wir es uns doch selbst verboten haben?“

Als Resa schon in den Gefängnissen des Schahs sitzt, wird diese Lehre von seiner Schwester Mina auf ihre Weise interpretiert. Ohne Umstände geht sie mit George, einem jungen Amerikaner, ins Bett. Zuvor diskutiert George mit einem iranischen Professor über die persische Seele. Gibt es so etwas denn? Kann die Literatur, wie der Professor behauptet, einen Schatten auf das Schicksal eines Volkes werfen? „Ihre ständige Präsenz, selbst im gegenwärtigen Jahrhundert, macht unser Leben komplizierter, statt es zu erhellen.“ Der Amerikaner widerspricht, und auch seine Geliebte versucht, indem sie mit ihm schläft, den vorgegebenen Verhaltensmustern zu entkommen. Wenige Tage später werden beide bei einem Restaurantbesuch durch einen Anschlag getötet.

Die islamische Revolution, die Religion und Gruppenzwang statt Aufklärung und individuelle Lebensführung propagiert, passt in dieses Muster. Aber die Besetzung der amerikanischen Botschaft in Teheran im November 1979 spart Cheheltan überraschenderweise aus. Ihn interessieren die Individuen am Rand der öffentlichen Wahrnehmung. In den letzten beiden Episoden rückt die Mutter Resas ins Zentrum. Ihr Sohn hat unter der Folter Gesinnungsgenossen verraten. Vor der Schande, die damit über sie kommt, rettet auch sie sich in den Aberglauben.

Vorsichtig, fast wie im Umgang mit einem Patienten, hält der Autor den Iranern den Spiegel vor. Nicht für uns, die wir es lesen, sondern für sie, die es wegen der Zensur nicht lesen können, ist dieses subtile Buch geschrieben. Die plumpen westlichen Leser (und mit ihnen übrigens die beiden Übersetzer) bewegen sich darin wie der Elefant im Porzellanladen und hätten es an vielen Stellen vermutlich gern expliziter und weniger deutungsoffen. Dass Cheheltan dieses Bedürfnis, anders als viele Exilautoren, nicht bedient, ist ihm hoch anzurechnen. Authentischer als hier ist die iranische Literatur der Gegenwart für deutsche Leser derzeit nicht zu erfahren.

_____

Time am 9. Januar 2012

From the inside – out! … So come on in!

17. Oktober 2009

Der iranische Schriftsteller Amir Hassan Cheheltan war schon einige Male Thema in diesem Blog (s.u.). Er hat sich aus Naziran abgesetzt, und ich hoffe, dass er bei uns bleibt. Stefan Weidner besprach Cheheltans neuen Roman in der FAZ vom 13. Oktober 2009:

Vaterlose Gesellschaft
Moralchirurgie: Amir Hassan Cheheltans Iran-Roman

Fattah ist Arzt im mittleren Alter, unverheiratet, und sein Spezialgebiet ist das, was in der wissenschaftlichen Literatur Hymen-repair genannt wird – ein in Iran und anderswo in der islamischen Welt seit einigen Jahren blühender Zweig nicht der Schönheits-, sondern sozusagen der Moralchirurgie: Das Zusammenflicken vorehelich deflorierter Jungfernhäutchen. Dennoch ist es nicht die Klinik, die seinen Reichtum begründet hat, sondern seine einstigen Aktivitäten als williger Helfer der iranischen Revolution. Im berüchtigten Evin-Gefängnis zählte er in der Zeit der politischen Säuberungen Anfang der achtziger Jahre zu jenen, die die finalen Fangschüsse setzten. Mit zwei anderen, teils noch im selben Geschäft tätigen Kumpanen jener Tage trifft er sich nun allwöchentlich im Badehaus, wo sie, nachdem sie sich den nötigen Pegel an Wodka angetrunken haben, ihrer rechten islamischen Gesinnung versichern.

In dieser geschlossenen Welt ist das Wichtigste nicht, dem Geist des Islams gemäß zu handeln, sondern jede andere politische Meinung zu verachten, jede Abweichung zu unterdrücken. Alle Charaktere, denen Amir Hassan Cheheltan in die Seele schaut, zeichnen sich durch maximale Regimetreue aus. Diese Menschen sind nicht die Schergen des Regimes, sondern sie sind und verkörpern es. Die Mentalität erinnert an das Deutschland der späten Naziherrschhaft, und wer aus der Tiefe verstehen will, was gegenwärtig in Iran passiert, der wird um dieses Buch nicht herumkommen. Es ist deswegen um keinen Deut minder echte, große Literatur.

Amir Hassan Cheheltan ist den Lesern dieser Zeitung seit Jahren als mutiger Berichterstatter der laufenden Ungeheuerlichkeiten in Iran bekannt. 1956 geboren, ist er einer der herausragenden Schriftsteller der mittleren Generation in Iran. Die politischen Wirren seit dem Sturz des Schahs sind in seine Biographie eingeschrieben. Aber wie als Schriftsteller einen angemessenen Ausdruck für das Ungeheuerliche finden? Cheheltan ist Schüler von Huschang Golschiri (1937 bis 2000), der mit seinem als inneren Monolog gestalteten Psychogramm des letzten iranischen Qajarenprinzen „Prinz Ehtedschab“ 1969 Berühmtheit erlangte. Es ist eine Literatur jenseits ideologischer Festlegungen und programmatischer Absichten; sie versucht der Welt, die sie schildern will (immer ist es diese ungeheuerliche), aus ihrer eigenen Logik heraus gerecht zu werden, und rückt ihr dabei so nah, dass sie wie eine unsichtbare Folie kaum noch von ihr zu unterscheiden ist. Dem Leser aber erscheint sie als Brennglas, das Unverständlichste und Fernste wird klar. Mit keiner Figur aus Cheheltans Roman möchte man sich als Leser identifizieren; und tut es am Ende doch unweigerlich mit allen.

Das Mädchen, dessen Ehre Doktor Fattah am Anfang des Buchs zusammenflickt, heißt Schahrsad, wie die Erzählerin von 1001 Nacht. Anders als ihre berühmte Namensschwester hat sie jedoch nicht die geringste Gelegenheit, selbst Geschichten zu erzählen und so ihr Leben zu retten. Auf fatale Weise ähnelt sie nämlich der Popdiva Googoosh (es gibt sie wirklich), die Fattah in seiner Jugend begehrte und die unerreichbar blieb, obwohl er beim Ausliefern von Spirituosen in einem Teheraner Reichenviertel gegen Ende der Schahzeit einen Blick auf sie im Pool erhaschen konnte. In seiner Obsession stellt er Schahrsad nach, vergewaltigt sie („Wenn du willst, näh ich es dir wieder zusammen“) und hält um ihre Hand an. Es gelingt Cheheltan, noch diesem Ekel menschliche Züge zu verleihen, er karikiert ihn nicht.

Fattah ist jedoch nicht der einzige Bewerber. Der andere, Mustafa, ist fast eine Generation jünger, ein Kind der Revolution, ebenfalls schlichter Herkunft, aber nicht weniger fanatisch. Er arbeitet in der Frauenabteilung des berüchtigten Evin-Gefängnisses. Recht überzeugt von diesem Bewerber ist Schahrsads Familie nicht. Um Status und Seriosität von Mustafa zu überprüfen, soll ein Onkel aus der Provinz – einen Vater gibt es nicht – an Mustafas Arbeitsplatz Erkundigungen einziehen. Der Ahnungslose weiß nicht, wo er landet, ist zugleich beeindruckt und tief erschrocken und versucht, gegenüber Mustafas präpotentem Vorgesetzten halbwegs die Würde zu wahren, eine groteske und zugleich tief anrührende Szene, welche die Unmenschlichkeit des Systems noch einleuchtender macht.

Gegen die Zudringlichkeiten Fattahs und den materiellen Wohlstand, den er verspricht, scheint Mustafa machtlos, aber Schahrsad will ihn. Er zeigt sie als Regimegegnerin an, und lässt sie von einem Sonderkommando ins Gefängnis entführen, um von dort mit ihr zu fliehen. Doch der einmal entfesselten Kräfte wird dieser iranische Zauberlehrling nicht mehr Herr.

Das Buch enthält keine Zeile gegen den Islam, nicht einmal gegen die Regierung oder die Herrschaft der Mullahs. Aber es zeigt, wie ein System, das sich jeglicher öffentlicher und demokratischer Kontrollmechanismen entzieht, sich aufgrund des Egoismus seiner Vollstrecker zwangsläufig aushöhlen muss. Die große Metapher dieses Zustands ist die Vaterlosigkeit, im Persischen zugleich ein Schimpfwort für unehelich Geborene. Fattah, Mustafa und Schahrsad haben alle ihren Vater verloren. Die psychologische Konsequenz ist der Verlust des Bewusstseins für Recht und Gesetz.

Würde es der wiedervereidigte Präsident Ahmedineschad mit seiner Ankündigung ernst meinen, Willkür und Korruption Einhalt zu gebieten und die echte islamische Moral wiederherzustellen, er müsste die Publikation eines solchen Buchs sofort erlauben. Stattdessen erscheint es nun erstmals überhaupt auf Deutsch, in der meisterhaften Übersetzung von Susanne Baghestani, und ist Weltliteratur, bevor es überhaupt etwas anderes war.

_____

Time am 17. Oktober 2009

_____

Amir Hassan Cheheltan: „Teheran, Revolutionsstraße“. Roman. Aus dem Persischen von Susanne Baghestani. P. Kirchheim Verlag, München 2009. 208 S., geb., 22,- [Euro].

______

https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/08/12/mehr-als-folter-oder-foltern/

https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/07/02/herzlich-willkommen-amir-hassan/

https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/06/19/ein-ork-kennt-keinen-scherz/

und „Delany, Boney & Friends & Duane Allman“ unter:
http://www.youtube.com/watch?v=-FM2z79oo-8

Mehr als Folter oder Foltern

12. August 2009

Ich habe vor kurzem den iranischen Schriftsteller Amir Hassan Cheheltan erwähnt (1) bzw. einen Text von ihm gebracht (2). Amir Hassan weilt zZ. in Berlin, und ich meine, er sollte lieber Asyl beantragen und bekommen, als sich von den iranischen Mad-Mullas abschlachten zu lassen. In der heutigen FAZ macht Verena Lueken auf seinen achten Roman „Teheran Revolutionsstraße“ aufmerksam, der als erster seiner Romane in deutscher Übersetzung erscheint.

Lueken schreibt: „… der Roman handelt nicht von Gegnern des Systems, sondern vom Alltag verschiedener Figuren unter den Bedingungen einer verrottenden Gesellschaft. Einer Gesellschaft, in der jeder mindestens zwei Identitäten hat („Fieslahm = Haus der Lüge“, T.), kaum einer weiß, wer er eigentlich ist, aber jeder ein ungestilltes Verlangen in sich trägt – ein Verlangen nach Nähe (eine Unmöglichkeit in einer Diktatur, wo einer den anderen verpfeifen oder sterben muß, T.), nach einem anderen Körper (Selbsthass, T.), danach, von einem anderen in seinem wahren Wesen erkannt zu werden, wogegen spricht, dass niemand ist, wer er zu sein vorgibt, jedenfalls nicht ganz und nicht immer.“ Exakt dies ist die Erfahrung, die ich selbst insbesondere mit Exil-Iranern gemacht habe, jedoch auch mit diversen Südamerikanern, die in Diktaturen gelebt hatten.

Lueken weiter: „Wenn man ihn trifft, fragt man sich: Wie vorsichtig muss Cheheltan sein? Zu Hause, hier? Kann man alles schreiben, was er erzählt? ‚Ja, sagt er, das können Sie.‘ 1998, als sich die Lage für Künstler und Intellektuelle in Iran schon einmal extrem verdüsterte, als eine schwarze Liste mit den Namen von weit mehr als hundert verfemten Dichtern die Runde machte und wiederholt Künstler ermordet wurden, hat Cheheltan sich in seinem Haus verbarrikadiert und nahm im Frühjahr 1999 die Gelegenheit eines Stipendiums des Internationalen Schriftstellerverbandes an, für zwei Jahre nach Italien zu gehen. Ashkan (Cheheltans Sohn, T.), der heute behauptet, noch nie Angst um seinen Vater gehabt zu haben, hat damals, so erzählt es seine Mutter, selbst in Italien jede Tür abgeschlossen, bevor die Familie zu Bett ging. Shahla Cheheltan (seine Frau, T.), die aus einer Familie von Militärs kommt, die unter dem Schah kämpften, ist die Einzige, die offen sagt, dass sie Angst hat. Dass sie sich nicht erinnern kann, jemals ohne Angst um die gelebt zu haben, die sie liebt.

Cheheltan hat offenbar irgendwann einmal den Entschluss gefasst, sich nicht der Furcht um sein Leben auszuliefern. Aber er hat Angst um sein Land. Er sei kein sehr hoffnungsvoller Mensch, fügt er hinzu, und wenn man seinen Roman liest, der einem die Luft abschnürt, weil es nirgendwo einen Ausgang gibt aus dieser Welt der übereinanderlagernden Wirkichkeiten, Verstellungen und Kostümierungen, scheint Optimismus auch nicht angebracht. Ist nicht die junge Scharsad, über die von allen Seiten verfügt wird, bis sie in einem Massengrab liegt, die einzig Unschuldige in diesem Buch? ‚Oh nein‘, sagt Cheheltan, ‚die anderen hatten nur keine Möglichkeit, bessere Menschen zu werden. Eingeschlossen in einem Kreislauf, in dem sie ganz unten anfangen, müssen sie der Gesellschaft dienen, die ihnen erlaubt hat, etwas zu werden, auch wenn das, was sie werden konnten, Folterer ist oder Agent.‘

Die Möglichkeit, etwas anderes als Folterer oder Agent zu werden, dafür lohnt es sich schon zu kämpfen. Oder zu schreiben. Cheheltan ist nicht Teil einer organisierten Bewegung. Seine Freiheit ist es, ohne innere Zensur öffentlich zu sagen, was er zu sagen hat, sich nicht zu verstecken, nicht zu verstummen. Er ist ein Einzelner, das ist die Wahl, die er getroffen hat.“

Auf Iran hat Gott wohl ein wenig mehr Hirn aus dem Himmel fallen lassen als auf den Rest des Orients… also hoffen wir’s Beste!

Time am 12. August 2009

_____

(1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/06/19/ein-ork-kennt-keinen-scherz/

(2) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/07/02/herzlich-willkommen-amir-hassan/

Herzlich willkommen, Amir Hassan!

2. Juli 2009

Vor einigen Tagen hatte ich ein paar Ausschnitte aus einem Aufsatz des iranischen Schriftstellers Amir Hassan Cheheltan aus der FAZ gebracht, in dem er erklärte, warum er entgegen seiner sonstigen Gewohnheit diesmal zur Wahl gegangen war (1). Wie die FAZ heute mitteilt, hat er grade ein einjähriges DAAD-Stipendium in Deutschland angetreten, und sein Roman „Teheran Revolutionsstraße“ soll in diesem Monat erscheinen (P. Kirchheim Verlag, München). Der heutige FAZ-Artikel trägt den Titel „Meine letzten Tage in Iran“, und ich schließe daraus, dass Herr Cheheltan sich dazu entschlossen hat, in Zukunft bei uns im freien Westen zu leben. Ich freue mich, dass er an stumpfsinnigen Bürokraten und speichelleckenden Orkverstehern vorbei die Aufnahmeprüfung bestanden hat. Ich bin der Ansicht, wir sollten Menschen mit demokratischer Gesinnung aus aller Welt bei uns aufnehmen, aber wir sollten zB. eine Familie, in der der Neugeborene den Namen „Osama“ oder „Usama“, „Asamer“ oder „Besamer“ trägt, umgehend heimschicken, heim in ihre Sandkiste.

Herzlich willkommen, Amir Hassan!

Lesen Sie nun Amir Hassans Tagebucheinträge vom 20. bis 30. Juni 2009, aus dem Persischen übersetzt von Susanne Baghestani.

_____

Samstag, 20. Juni

Die Protestbewegung gegen die Wahl hat neuen Aufschwung erhalten, insbesondere nachdem der Revolutionsführer in seiner gestrigen Freitagspredigt die Ergebnisse abermals bestätigt und Ahmadineschad zum rechtmäßigen Staatspräsidenten des Landes erklärt hat.

Heute steht im Internet ein Artikel, der die Vielfalt der Anti-Aufruhr-Truppen in den Straßen beschreibt: Einheiten in Tarnkleidung, Kommandotrupps auf Motorrädern, mit Knüppeln und taktischen Einsatzschilden bewehrte Sicherheitskräfte sowie Verbände in khakifarbenen Westen. Der Artikel erläutert außerdem diverse Widerstands- und Fluchttaktiken; unter anderem, dass man Tränengas durch das Anzünden mehrerer Zigaretten und den resultierenden Rauch neutralisieren könne. Ferner wird empfohlen, sauberen weißen Stoff als Verbandszeug mitzunehmen, und die korrekte Durchführung einer künstlichen Beatmung beschrieben. Bei der Lektüre hat man den Eindruck, es handele sich um Anweisungen zum Widerstand gegen eine angreifende ausländische Armee.

Der heutige Demonstrationszug, der vom Revolutionsplatz bis zum Freiheitsplatz verlaufen sollte, wurde massiv durch Regierungstruppen behindert. Entlang der gesamten Strecke kam es zu Aufruhr und Scharmützeln. Teheran ist wieder in einen blutigen Kreislauf geraten; mehrere Demonstranten starben beim Beschuss durch Anti-Aufruhr-Truppen.

Sonntag, 21. Juni

Der heutige Tag war ein schwarzer. Ich begann ihn mit einem Videofilm im Internet. Ein hübsches junges Mädchen fiel plötzlich auf den Asphalt einer Straße in Teheran; offenbar von einer Kugel im Herzen getroffen, spuckte es Blut und starb. Ein Mann mittleren Alters, der neben ihr kniete, rief mehrmals flehentlich: „Bleib da!“ Im Hintergrund war eine kämpfende und flüchtende Menge zu erkennen. Unvermutet brach ich in Tränen aus; meine Frau und mein Sohn waren nicht zu Hause, also konnte ich meinen Gefühlen freien Lauf lassen. O Gott! Wie viel Kummer soll diese Heimat noch ertragen?

Montag, 22. Juni

Heute wurden ausführlichere Informationen über die junge Frau veröffentlicht, die gestern auf der Straße starb. Sie hieß Neda, war siebenundzwanzig, Studentin der Philosophie und am Samstag zusammen mit ihrem Musiklehrer unterwegs. Ihr Foto haben Millionen von Menschen weltweit gesehen, das Bild hat sich auch auf den Plakaten der Demonstranten verewigt: ein blutüberströmtes Gesicht mit halbgeöffneten Augen, von bestürzender Unschuld. Gestern hat man sie bei Sonnenuntergang auf dem Teheraner Hauptfriedhof beerdigt. Manche bezeichnen sie schon als die iranische Jeanne d’Arc. Auf Bitten ihrer Familie sollte in einer Moschee eine Trauerfeier für sie abgehalten werden; die Bassidschi-Milizen der Moschee haben es nicht gestattet. Aber die ganze Stadt hat sich jetzt in einen Ort zu ihrem Gedenken verwandelt.

Die Sicherheitsbehörden haben Krankenhäuser, die Verwundete aufnehmen, davor gewarnt, in den Sterbeurkunden Schussverletzungen als Todesursache zu vermerken. Außerdem geht das Gerücht, dass einige der Kommandotrupps auf den Straßen arabisch sprechen; vermutlich sind es Libanesen.

Dienstag, 23. Juni

Heute erklärte der Wächterrat, er könne die Ergebnisse der Präsidentenwahl nicht annullieren, da es sich nur um kleinere Verstöße gehandelt habe. Dagegen haben reformorientierte Geistliche öffentlich erklärt: „Für die Unruhen und Tötungen der vergangenen Tage machen wir jene verantwortlich, die die Hauptstadt ohne Begründung in eine Kaserne verwandelt haben.“ Im Internet wird ein mit „Neda“ betiteltes Nachrichtenmagazin veröffentlicht, benannt nach dem getöteten Mädchen. Es beziffert die Todesopfer der vergangenen Tage auf mehr als dreißig. Morgen will sich Teherans Bevölkerung vor dem Parlament versammeln.

Die andere wichtige Nachricht lautete, dass gestern sämtliche Mitarbeiter der Tageszeitung „Kalame-ye Sabz“ sowie des Nachrichtenportals „Kalameh“, die beide Mussawi gehören, verhaftet worden sind. Die Zahl solcher Festgenommenen beläuft sich inzwischen auf achthundert Personen. Hinzu kommen all jene, die bei Straßenkundgebungen verhaftet wurden.

Mittwoch, 24. Juni

Heute konnte aufgrund des massiven Aufgebots von Polizei und Weißhemden die Protestversammlung vor dem Parlament nicht stattfinden. Es wurde jedoch von vereinzelten Demonstrationen in der Umgebung berichtet.

In diesem Tohuwabohu hat der Vorsitzende des parlamentarischen Justizausschusses verkündet, dass die Steinigung aus dem Gesetzeskatalog islamischer Strafen getilgt worden ist. Damit erfüllt sich eine jahrelange Forderung von Menschenrechtsaktivisten und Frauenrechtlerinnen in Iran. Dies ist vermutlich ein kleines Zugeständnis an die Opposition.

Ich las ein kurzes Interview, das ein junger Journalist in einem Sandwich-Lokal mit einem Bassidschi geführt hatte. Dieser sagte, man habe ihn aus Torbat, einer Stadt im äußersten Osten Irans, für zehn Tage und einen Tageslohn von 200 000 Tuman (etwa zweihundert Euro) in die Hauptstadt abkommandiert. Er sei ledig, wolle sich aber von diesem Geld eine Frau nehmen. Der Bassidschi habe gelacht und gesagt, dass er sich nun sogar zwei Frauen leisten könne.

Heute wurde außerdem bekanntgegeben, dass siebzig Universitätsprofessoren nach einem Treffen mit Mussawi verhaftet worden sind. Morgen wollen sich die Teheraner in schwarzer Kleidung mit Rosen an Nedas Grab versammeln.

Donnerstag, 25. Juni

In einem offenen Brief haben iranische Exilautoren die Schriftsteller der Welt aufgefordert, die iranische Volksbewegung zu unterstützen. Im Netz las ich im Zusammenhang mit den jüngsten Ereignissen das Gedicht „Verschenk nicht meine Heimat“ der angesehenen persischen Gegenwartslyrikerin Simin Behbahani; es ist sehr eindrücklich.

Morgen beabsichtigt das iranische Volk, zu Nedas Gedenken nach Sonnenuntergang Kerzen anzuzünden. Dieses Mädchen gleicht einem leuchtenden Stern im Zentrum der Protestbewegung. Man hat außerdem beschlossen, mittags grüne Luftballons über Teherans Himmel aufsteigen zu lassen. Obwohl diese Bewegung so blutig verlaufen ist, verbannt sie den Tod und ist geprägt von poetischer Schönheit.

180 einheimische Journalisten haben öffentlich die massive Behinderung ihrer Berichterstattung kritisiert. Sie berichten, dass Regierungsbeamte in den Druckereien erschienen und die Journalisten gezwungen seien, ihre Artikel vorab genehmigen zu lassen.

Freitag, 26. Juni

Als ich mich heute an den Frühstückstisch setzte, drückte meine Frau mir eine Zeitung in die Hand und sagte: „Lies!“ Die Nachricht, die sie angestrichen hatte, besagte, dass die Ermordung Nedas einem Teheraner Korrespondenten der BBC zuzuschreiben sei, den man vor zwei, drei Tagen ausgewiesen hatte. Die linientreue Zeitung behauptete, der Korrespondent habe einen Verbrecher engagiert, um auf einen Demonstranten zu schießen und damit Schlagzeilen zu produzieren. Je größer die Lüge, desto leichter wird man sie vermutlich glauben!

Der Verband der Dokumentarfilmer hat in einer Mitteilung die tätlichen Angriffe auf einige seiner Mitglieder und die Beschlagnahmung ihrer Kameras kritisiert. Die Dokumentaristen bekräftigen, es sei ihr berufsmäßiges Recht, die Ereignisse auf den Straßen zu filmen.

Heute erfuhr ich, dass vier prominente Mitglieder der iranischen Fußball-Nationalmannschaft, die beim Spiel gegen Südkorea grüne Armbänder (in der Farbe der Protestbewegung) getragen hatten, pensioniert worden sind!

Bei Anbruch der Dämmerung sah ich, wie mein Sohn zwei angezündete Kerzen auf die Veranda trug; ich wusste, sie waren für Neda bestimmt. Er sagte aber, eine sei für Michael Jackson. Ich weiß, dass viele iranische Jugendliche über dessen unerwarteten Tod bestürzt sind.

Meine Frau trifft sich einmal im Monat mit ihren Kommilitoninnen. Heute Abend kehrte sie von dem Treffen später als gewöhnlich und sehr wütend zurück. Sie sagte, die Polizei habe mehr als zehnmal ihr Auto angehalten und den Kofferraum durchsucht. Selbstverständlich ist das auch eine Machtdemonstration.

Ich sollte noch erwähnen, dass Mussawi bekanntgegeben hat, die Sicherheitspolizei habe seine Kontakte zu seinen Anhängern erheblich eingeschränkt.

Samstag, 27. Juni

Heute wurde die Bevölkerung im Netz aufgefordert, Produkte von Nokia zu boykottieren, weil das Unternehmen der Regierung Anlagen verkauft habe, die es ermöglichten, Mobiltelefone abzuhören und die damit versendeten E-Mails und Kurznachrichten abzufangen.

Ein Arzt, der zum Zeitpunkt von Nedas Ermordung in ihrer Nähe gestanden hatte, berichtete in einem Interview mit der BBC, die Kugel sei frontal in ihre Brust eingedrungen und habe die Aorta zerfetzt. Unter solchen Umständen blute der menschliche Körper in weniger als einer Minute aus. Es steht fest, dass Neda von einem Scharfschützen niedergeschossen wurde. Zuvor hatten die Websites das Foto eines mit einem Maschinengewehr bewaffneten Schützen auf einem Flachdach veröffentlicht. Die Regierung behauptet, Nedas Ermordung sei das Werk der Aufständischen. Wenn Polizei oder Sicherheitskräfte niemanden erschießen sollen, weshalb erscheinen sie dann bewaffnet auf den Straßen?

Wie in den vergangenen Nächten erschallen pünktlich um zehn die Allahu-akbar-Rufe von den Dächern. Eine der Kuriositäten dieser Bewegung ist, dass das Volk aus Protest gegen eine religiöse Oberherrschaft religiöse Slogans verwendet; Religion versus Religion!

Sonntag, 28. Juni

Heute las ich in den Nachrichten, dass der Bürgermeister von Florenz zum Zeichen seiner Solidarität mit den Forderungen des iranischen Volks das Portal des Rathauses mit einer grünen Stoffbahn behängt hat. Florenz ist meine Lieblingsstadt, ich habe zwei Jahre in ihrer Nähe gelebt. Die Geste hat mich außerordentlich beeindruckt. Es wäre gut, wenn die übrigen Bürgermeister der Welt diesem Beispiel folgten. Die iranische Bevölkerung bedarf dieser Unterstützung.

Ein hochrangiger libanesischer Geistlicher führt die Ereignisse der vergangenen Tage auf westliche Einmischung zurück. Zur selben Zeit berichten diverse Websites von libanesischen Hizbullah-Truppen auf Teherans Straßen. Offensichtlich ist ein lukratives Geschäft im Gange: Die iranische Regierung unterstützt die libanesische Hizbullah finanziell in ihrem Widerstand gegen Israel, und die Hizbullah schickt ihre Truppen nach Iran, um die Bevölkerung einzuschüchtern und zu verprügeln!

Heute verbrachte ich einen Teil der Zeit mit Vorbereitungen für meinen einjährigen Aufenthalt in Deutschland. Nichts fällt mir schwerer, als meine Heimat unter diesen Umständen zu verlassen. Aber was bleibt mir anderes übrig? Diese Reise war schon lange geplant, ich bin Gast des DAAD, außerdem soll ich in den kommenden Monaten mehrere Lesungen in Deutschland und anderen deutschsprachigen Ländern abhalten.

Montag, 29. Juni

Gerüchte besagen, dass die Familien der Opfer der vergangenen Tage deren Leichen nur gegen Zahlung mehrerer Millionen Tuman ausgehändigt bekämen. Heute wurden im Netz die Namen von 22 Getöteten veröffentlicht, darunter auch ein zwölfjähriges Kind. Die Hälfte aller Opfer waren Studenten.

Das Staatsfernsehen verbreitet seit einigen Tagen Geständnisse der bei den Unruhen Verhafteten. Diese Geständnisse sind in Wahrheit politische Selbstbezichtigungen und Denunziationen der Gesinnungsgenossen und Gefährten, die einer von Amerika gesteuerten samtenen Revolution beschuldigt werden. Niemand glaubt ihnen. Seit rund vierzig Jahren werden politische Gefangenen in diesem Land gezwungen, sich im Fernsehen zu verleugnen.

Gegen Mittag klopfte ein Nachbar an die Haustür und berichtete, dass die Beamten wieder die Wohnungen stürmen und die Satellitenschüsseln von den Dächern räumen würden. Er habe deshalb das Haupttor unseres Appartementgebäudes verriegelt. Allerdings hat man unsere Wohnungen vor zwei Jahren schon einmal gestürmt, sämtliche Schüsseln abgerissen und mitgenommen.

Ein hochrangiger Geistlicher hat eine Fatwa ausgesprochen, der zufolge Angriffe auf wehrlose Bürger in den Straßen nicht rechtens seien. Die Straßenproteste sind sichtbar abgeflaut; es bleibt abzuwarten, welche Formen der Widerstand annehmen wird. Dennoch haben Mussawi und Karrubi abermals erklärt, dass sie sich nur mit einer Wiederholung der Präsidentenwahl zufriedengeben.

Dienstag, 30. Juni

Ich sitze gerade mit meiner Frau und meinem Sohn im Flugzeug. Vor wenigen Minuten hat der Kapitän mitgeteilt, dass die Fluggeschwindigkeit derzeit achthundert Stundenkilometer beträgt. In diesem Tempo entferne ich mich also von meiner Heimat!

Ich bin müde, dieser Tage habe ich viel gearbeitet, mich aber noch mehr gegrämt und gesorgt. Jetzt will ich ein wenig schlafen. In diesem besonderen Augenblick wünsche ich mir, in einen meiner lichten Kindheitsträume sinken zu können.

Time am 2. Juli 2009

_____

(1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/06/19/ein-ork-kennt-keinen-scherz/

_____

PS.: It’s summertime! http://www.youtube.com/watch?v=EbGfwzMZAEM&feature=related

Ein Ork kennt keinen Scherz

19. Juni 2009

Heute gibt es einen Aufsatz (1) des iranischen Schriftstellers Amir Hassan Cheheltan in der FAZ (übersetzt aus dem Persischen von Susanne Baghestani), in dem er erklärt, warum er trotz tiefster Resignation seit der Machtergreifung der Mullahs im Iran dennoch dieses Mal zur Wahl gegangen ist. Hier ein paar Ausschnitte:

_____

Ahmadineschad, der Wissenschaft, Literatur und Kunst für lästigen Luxus hält und der keine Bedenken zeigte, sie auszumerzen, bringt für Urbanität und deren kulturelle Bedeutung keinerlei Verständnis auf… (Moooment, das stimmt zwar im Kern, aber nach außen schmückt sich Pfauenstange gerne mit dem Dr.-Titel. Er geriert sich als „Wissenschaftler“. Was von seiner Wissenschaftlichkeit indes zu halten ist, versteht man, wenn man sich erinnert, was er unter „Kunst“ versteht: Nämlich die Tatsache, dass Tausende Kinder vom Mulla-Regime mit Plastikschlüsseln (für die Paradiestür) „made in Taiwan“ um den Hals in die irakischen Minenfelder getrieben werden konnten. „Kunst“ als Sterben für den Willen des Führers (2), „DIE KUNST“ wird zur Zurichtung von Kindern zu Kanonenfutter zugerichtet. T.).

Ahmadineschad ist ein neuartiges Phänomen, er spricht die Sprache der einfachen Leute oder sogar die der Gosse. Durch seine Umgangsformen und Bekleidung hat er sich für arme Bevölkerungsschichten und die Bewohner der Stadtränder und Dörfer in eine verständliche Persönlichkeit verwandelt; seine vierjährige Präsidentschaft genügte jedoch, dass ein beträchtlicher Anteil dieser Schichten ihm den Rücken kehrte. Sein Regierungsstil kam in diesen vier Jahren den Städtern und insbesondere der jungen Generation, die den Hauptanteil der iranischen Bevölkerung bildet, einer Warnung gleich. Viele Iraner betrachteten ihn in seiner Funktion als Präsident der Islamischen Republik als große Blamage im Hinblick auf die Weltöffentlichkeit…

Ich habe noch nie an einer Wahl in Iran teilgenommen, weil ich stets daran gezweifelt habe, dass die Obrigkeit die Wahlstimmen tatsächlich auszählen lässt. Auch diesmal hatte ich es nicht vor. Dann geschah jedoch etwas, das mich diesen Entschluss überdenken ließ. Ausschlaggebend war das Fernsehduell zwischen dem amtierenden Präsidenten und seinem wichtigsten Herausforderer Mussawi. Bei diesem Streitgespräch hob Ahmadineschad plötzlich einen Aktenordner vom Tisch, an den das Foto einer Frau geheftet war, und fragte Mussawi mit einem verschwörerischen Lächeln mehrmals: „Soll ich es sagen?“

Mussawi nickte und erwiderte gleichmütig: „Nur zu!“ Ahmadineschad fuhr fort: „Das ist die Akte einer Frau, die Sie gut kennen und die in Ihrer Wahlkampagne stets an Ihrer Seite ist. Es ist Ihre Ehefrau.“

Daraufhin führte er kurz aus, weshalb diese Frau ihre akademischen Grade und ihre gegenwärtige Position nicht verdient habe.

Ich zuckte heftig zusammen und fragte mich, ob dieses Thema unter solchen Umständen Gegenstand einer Fernsehdebatte zwischen den beiden Präsidentschaftskandidaten sein dürfe? Das war es jedoch nicht, was mich ängstigte, sondern die Tatsache, dass Ahmadineschad in diesem Augenblick jede Duldsamkeit vermissen ließ. Sein Blick glich dem eines Verhörbeamten, der bei einer Befragung dem Feind gegenübersitzt, nicht einem Konkurrenten. Und das im Rahmen einer Konkurrenz in einem politischen Ordnungssystem, aus dem beide hervorgegangen und dem beide treu ergeben sind, einer Ordnung, in der beide akzeptiert sind und der beide dienen sollten. Dieser Blick erschreckte mich zutiefst. Wie würde er sich dann erst, lautete meine Frage insgeheim, mir gegenüber als säkularem Romanschreiber verhalten?

_____

Ich sehe in der geschilderten Szene den Willen und dessen Demonstration, um jeden Preis zu herrschen, sei es um die Absage an jede Konvention, Würde, jeden Respekt vor irgend etwas. Das erinnert an die deutschen Provinz-Fußballligen, in denen in den letzten Jahren häufig einzig noch der erste Platz besetzt ist – von einem mohammedanistischen Verein. Die „normalen“ Vereine machen nicht mehr mit, weil die Orks stets ihre Gegenspieler zusammenschlagen, wenn sie verloren haben. Siegen um jeden Preis, den Orks geht nicht nur jeder Sinn für Fairness, sondern auch für das Spielerische ab. In ihren Kinderferienlagern wird von Zehnjährigen der Umgang mit Panzerfäusten und Sprenggürteln geübt. Fehler fatal!

Lange her ist die Zeit, als in Persien das vermutlich aus dem nordindisch-chinesischen Raum stammende Schachspiel kultiviert wurde (das komplexeste Spiel der Menschheit), bevor es die Orks nach Europa brachten.

Wiki (3): „Seit dem 6. Jahrhundert ist das Schachspiel in Persien belegt. Es verbreitete sich im 7. Jahrhundert im Zuge der islamischen Expansion im Nahen Osten und in Nordafrika. Über das maurische Spanien, Italien, das byzantinische Reich und Russland gelangte das Spiel zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert ins abendländische Europa, wo es im Hochmittelalter einerseits zu den sieben ritterlichen Tugenden gehörte, andererseits kirchliche Missbilligung erfuhr. Im 15. Jahrhundert veränderten sich (in Europa, T.) die Spielregeln einschneidend, so dass seither vom modernen Schach, wie es heute gespielt wird, gesprochen werden kann.“

Wiki (4): „In den folgenden Jahrhunderten trugen vor allem europäische Schachmeister zur Erforschung des Spiels bei.“

Eigentlich geht es beim Spiel (nicht jedoch beim Geldspiel) darum, in hohem Maße die eigenen Kräfte und den Siegeswillen zu mobilisieren, ohne dem Kontrahenten physisches (und möglichst natürlich auch kein psychisches Leid – Fairnis) zuzufügen. Aber diese Idee ist den Vogelscheichs verloren gegangen. Mit ihrem totalen Jihad haben sie jede Relativität, jeden Sinn für Grautöne verloren. Für sie gibt es nur noch Sieg (durch den Tod des Gegners) oder Sieg (durch den eigenen Tod während eines Kriegsgeschehens).

Diese völlige Humorlosigkeit, diese bornierte und brutale Grobschlächtigkeit, dieser totale Gegenentwurf zum europäischen galanten Rittertum, ist kein Produkt der Zeit, sie ist ein Produkt von Kloran und Hadithen (5). Diese bilden das Klima ab, welches in der Clique des bösartigen und größenwahnsinnigen Psychopathen Klohamett herrschte (6). Anders als in den Evangelien wird das Thema Humor von Klo benannt (wie auch „das Spiel“), es wird verdammt oder aber mit neuem Inhalt gefüllt und so entwertet (Humor ist hier zB., wenn der Herrscher über Leben und Tod für die Bauernschläue eines Subalternen mal NICHT den Kreuzigungstod verhängt). Pointen oder treffende Bilder, wie sie der Tanach oder die Evangelien überreich bieten, wird man bei Klo nur selten und in unbeabsichtigter und grotesker Form finden. Es gibt keine Überraschung, keine Erlösung, keine plötzliche Wendung, keine andere Sicht der Dinge. Wundert es, dass auch Bilder verboten sind (außer Schlachtvideos von Mitarbeitern westlicher Hilsorganisationen), und dass in Orkistan praktisch jede Woche Morde an Musikern verübt werden? Die Masse der Worte in Kloran, Hadithen und Scharia sollte nicht zu dem Irrtum verleiten, der Orkismus wäre vielgestaltig oder differenziert. All die vielen Worte sagen mE. allesamt das Gleiche.

Es gibt nur Macht, Gehorsam, Bestrafung – Einöde!

In der Wüste sind die Orks wirklich gut aufgehoben. In der Wüste… auf dem Mond! Nach welchem sie ihren Kalender ausrichten! Bei ihrem Mann im Mond! Bei ihrem Mondgott Alla! Ach, schert euch doch zum Mond, schert euch zu Alla, was schert ihr mich? Haut ab! Hau… t ab! HAU!

Time hat gesprrrochen am

19. Juni 2009

_____

(1) http://www.faz.net/s/Rub868F8FFABF0341D8AFA05047D112D93F/Doc~E1451558499684E23B6D919162F3C4666~ATpl~Ecommon~Scontent.html
(2) http://www.matthiaskuentzel.de/contents/sind-500000-plastikschluessel-genug
(3) http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_des_Schachspiels
(4) http://de.wikipedia.org/wiki/Schach
(5) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/23/hadithe-4-da-wiehert-das-ork/
(6) http://www.merkur-online.de/lokales/nachrichten/foltervideo-prinz-schlickenried-250664.html