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Aus der Hauptstadt (#37)

1. April 2017

Lesen Sie einen Artikel von Sylvia Vogt und Laura Hofmann vom Berliner „Tagesspiegel“ (1).

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Jüdischer Junge verlässt Schule nach antisemitischem Vorfall

An einer Friedenauer Schule wird ein 14-Jähriger antisemitisch beleidigt und angegriffen. Nun hat er die Schule verlassen.

Aufstehen gegen Judenhass. Die Zahl antisemitischer und rassistischer Angriffe in Berlin ist im vergangenen Jahr stark gestiegen. Nach Angaben der Opferberatung ReachOut wurden 2016 mindestens 553 Menschen verletzt, gejagt und massiv bedroht, darunter 45 Kinder. 2015 waren es 412 Menschen.

An der Friedenauer Gemeinschaftsschule hat ein jüdischer Junge nach einem Angriff gegen ihn die Schule verlassen. Die Familie spricht von Antisemitismus. Der 14-Jährige war vor ein paar Monaten von einem Mitschüler beleidigt worden, nachdem dieser erfahren hatte, dass der Junge jüdisch ist. Vor rund zwei Wochen wurde er dann von zwei anderen Mitschülern an einer Bushaltestelle angegriffen. Sie nahmen ihn in den Schwitzkasten, richteten eine Spielzeugpistole auf ihn und schossen Plastikteile auf ihn. Zuvor sollen sie „Hey, du Engländer“ gerufen haben.

An der Friedenauer Gemeinschaftsschule haben rund 75 Prozent der Schüler eine andere Herkunftssprache als Deutsch, viele kommen aus türkischen oder arabischen Familien. Dies trifft nach Angaben von Schulleiter Uwe Runkel auch auf die tatverdächtigen Jugendlichen zu. Der jüdische Junge war vor rund vier Monaten an die Schule gekommen, er wurde in England geboren und lebte dort eine zeitlang.

„Ich kann nicht mit dir befreundet sein“

Über den Fall berichtete zuerst die englischsprachige Wochenzeitung „The Jewish Chronicle“, an die sich die Familie des Jungen gewandt hat. Beim ersten Vorfall habe ein Mitschüler zu dem Jungen gesagt: „Du bist ja eigentlich ein cooler Typ, aber ich kann nicht mit dir befreundet sein. Juden sind alle Mörder.“ Schulleiter Runkel bestätigte den ersten Teil der Aussage. Dass der Satz „Juden sind alle Mörder“ gefallen sei, wisse er allerdings nicht. Die Schule habe nach diesem Vorfall sofort die Eltern informiert, und Lehrer und Sozialarbeiter hätten den Fall in der Klasse besprochen. Der Junge, der die Beleidigung ausgesprochen hatte, habe die Schule inzwischen verlassen, weil er weggezogen sei, sagte Runkel.

Anzeige bei der Polizei

Nach dem gewalttätigen Vorfall an der Bushaltestelle hat die Schule Anzeige bei der Polizei erstattet. Einer der Täter war offenbar kurz zuvor von einer anderen Schule verwiesen worden. Nun müssen wohl beide Täter die Schule verlassen.

Die Eltern des Opfers nahmen ihren Sohn direkt nach der Tat von der Schule. „Ich bedauere sehr, dass der Junge uns verlassen hat und natürlich auch, dass so etwas überhaupt passiert ist“, sagt Runkel. Laut dem Bericht in der „Jewish Chronicle“ sind die Eltern unzufrieden mit der Reaktion der Schule. Der Schulleiter habe zu spät reagiert. Das weist Runkel zurück: „Nach dem ersten Vorfall haben wir die Sache sofort aufgearbeitet. Jetzt haben wir leider nicht mehr die Möglichkeit, dem Jungen zu vermitteln, dass er hier sicher ist. Aber wir werden uns weiter mit dem Thema beschäftigen, und für die Täter wird es Konsequenzen haben.“

Schule will den Fall aufarbeiten

Die Schule, die zum Netzwerk „Schule ohne Rassismus“ gehört, führe regelmäßig in allen Klassen Workshops zu Mobbing und Diskriminierung durch. Inzwischen habe die Schule die Initiative Salaam-Shalom angesprochen, die sich mit Antisemitismus und Islamophobie beschäftigt und die Antidiskriminierungsstelle der Senatsverwaltung kontaktiert. „Wir haben auch ein Angebot vom Jüdischen Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus erhalten, dass wir in die Überlegungen zum Umgang mit den Ereignissen einbeziehen werden“, sagte Runkel. Er hat nun einen offenen Brief geschrieben, der auf der Schul-Homepage veröffentlicht ist. „Wir möchten unser Bedauern und Entsetzen kundtun, dass ein Schüler an unserer Schule Antisemitismus erfahren musste“, heißt es dort.

Die Eltern des Jungen sind offenbar noch wegen einer anderen Sache unzufrieden. Die Großeltern des 14-Jährigen sind Holocaust-Überlebende und haben als Zeitzeugen in der Klasse des Jungen gesprochen. Die Familie wollte das Projekt auf andere Klassen ausweiten. „Ich stand dem positiv gegenüber, aber wollte erst ein Konzept mit dem Schulteam dazu erarbeiten“, sagte Runkel. „Das ging der Familie wohl zu langsam.“

Antisemitismus bei Jugendlichen

Bestimmte antisemitische Einstellungen sind bei arabisch- und türkischstämmigen Jugendlichen verbreiteter als bei Jugendlichen ohne Migrationshintergrund. Das betrifft besonders anti-israelische Vorurteile, wie eine Studie der Universität Bielefeld im Jahr 2010 ergeben hat. Bei deutschen Jugendlichen ist der Studie zufolge dagegen ein geschichtsrelativierender Antisemitismus häufiger.

Es gibt mehrere Initiativen, die sich mit diesem Problem befassen, zum Beispiel Salaam-Shalom, bei der jüdische und muslimische Aktivisten arbeiten. „Viele Jugendliche wissen gar nicht, was die Worte bedeuten, wenn sie andere als Juden oder auch als Engländer beschimpfen“, sagt Koordinator Armin Langer. „Deshalb ist es so wichtig, dass Begegnungen stattfinden.“ Die Initiative schickt für einen Dialog über Religionen immer ein jüdisches Mitglied und ein muslimisches in Schulen. „Es gibt auch viele Erfolgsgeschichten“, sagt Langer. An der Kreuzberger Freiligrath-Schule etwa betreuen jüdische und muslimische Schüler gemeinsam ein Projekt zum Nahostkonflikt.

Der Verein „Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KIgA)“ arbeitet schwerpunktmäßig mit muslimisch sozialisierten Jugendlichen. „Hätten wir von dem Fall vor vier Monaten erfahren, hätten wir rechtzeitig intervenieren können“, sagt Geschäftsführer Aycan Demirel. Dass ein jüdischer Schüler wegen antisemitischer Übergriffe die Schule wechseln muss, komme in Berlin nicht häufig vor, sagt er. Klar gebe es Antisemitismus, aber in dieser extremen Form seien das „Einzelfälle“. Nach Angaben der Bildungsverwaltung gibt es pro Jahr weniger als zehn Meldungen von Schulen über antisemitische Vorfälle.

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Time am 1. April 2017

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1) http://www.tagesspiegel.de/berlin/berlin-schoeneberg-juedischer-junge-verlaesst-schule-nach-antisemitischem-vorfall/19600038.html

Alle unter einer Decke

15. Juli 2016

NBS

In einigen MSM wird über die Dar-as-Salam-Moschee in Berlin-Neukölln kritisch berichtet, dass dort Extremisten das große Wort führen – Lesen Sie einen Beitrag von FAZ.NET“ von Frank Jansen (1).

Das gefällt den Orks, die alle unter einer Decke stecken, überhaupt nicht – Lesen Sie einen Hetzartikel von der „Islamischen Zeitung“ von Tarek Baé, der SA-lafisten und Muslimbrüder als „Denkschulen“ bezeichnet (2).

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Extremisten predigten in Dar-as-Salam-Moschee

Im Fall der Dar-as-Salam-Moschee in Berlin-Neukölln verdichten sich die Hinweise auf extremistische Aktivitäten. Franziska Giffey verteidigt ihren Besuch weiterhin.

Im Fall der umstrittenen Dar-as-Salam-Moschee in Neukölln, deren Imam mit dem Verdienstorden des Landes Berlin geehrt wurde, nehmen die Hinweise auf extremistische Aktivitäten zu. Wie der Tagesspiegel aus Sicherheitskreisen erfuhr, traten in den vergangenen Jahren mehrmals islamistische Prediger in der Moschee auf, die sich selbst als „Neuköllner Begegnungsstätte“ darstellt.

So hielt im November 2014 an zwei Tagen der aus Israel stammende Araber Raed Fathi Vorträge. Der Religionsgelehrte stehe der palästinensischen Terrorvereinigung Hamas nahe, sagen Sicherheitsexperten. Außerdem habe Fathi in einem Video bei YouTube einen der Ideologen des Heiligen Krieges und einstigen Mentor von Osama bin Laden, Abdullah Azzam, als „Helden“ gelobt. In Israel habe Fathi einen Skandal ausgelöst, als er die schiitische Sekte der Drusen zu Ungläubigen erklärte. Die Drusen verhalten sich gegenüber Israel loyal.

Frauen mit Schlägen züchtigen

2013 habe in der Dar-as-Salam-Moschee auch der saudische Islamist Muhammad al Arifi gepredigt, hieß es in Sicherheitskreisen. Er war trotz eines Einreiseverbots der Schengen-Staaten nach Deutschland gekommen und trat in Neukölln auch in der salafistischen Al-Nur-Moschee auf. Al Arifi hetzt gegen Juden, Homosexuelle und Schiiten. Außerdem empfiehlt er Ehemännern, ihre Frauen mit Schlägen zu züchtigen.

Wegen der Predigt von Al Arifi musste sich der Imam der Dar-as-Salam-Moschee, Mohamed Taha Sabri, im Neuköllner Rathaus rechtfertigen. Doch offenbar wurden weder dieser Vorfall noch die Nennung der Moschee im Jahresbericht des Berliner Verfassungsschutzes dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) bekannt, bevor er Sabri im Oktober 2015 mit dem Verdienstorden auszeichnete.

Ehrung sei nicht sinnvoll

Die Ehrung sei „nicht sinnvoll“, sagte jetzt der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Robbin Juhnke. „Eine Auszeichnung soll eine Vorbildfunktion haben. Die hat sie nicht, wenn eine Moschee im Verfassungsschutzbericht steht.“

Juhnke hält auch den Besuch der Neuköllner Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) in der Moschee am vergangenen Freitag für falsch. Giffey sieht sich, wie berichtet, viel Kritik ausgesetzt. Aber auch bei radikalen Tendenzen dürfe der Gesprächsfaden nicht reißen, sagte sie dem Tagesspiegel. Giffey will nun jedoch mit dem Verfassungsschutz reden. Imam Sabri äußerte sich nicht.

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Giffey

Angriff auf Neuköllner Begegnung

Kommentar: Warum der B.Z. Artikel über den Besuch Giffeys in der NBS zurückzuweisen ist

Am 11. Juli veröffentlichte die Berliner Zeitung „B.Z.” einen Bericht mit dem Titel „Warum besuchte Franziska Giffey eine Radikalen-Moschee?” Die Neuköllner Bezirksbürgermeisterin wird dafür kritisiert, die „Neuköllner Begegnungsstätte” (NBS) in der Flughafenstraße besucht zu haben. Demnach stünde Giffey nach einem Posting auf ihrer Facebook-Seite „unter Kritik”. Diese vermeintliche Kritik nimmt Olaf Wedekind in dem Artikel offensichtlich unhinterfragt auf.

„Eine demokratische Politikerin bei Salafisten”, lautet einer jener Kommentare, der die Kritik am Besuch darlegen solle. Gleichzeitig wird der Moschee vorgeworfen Verbindungen zur Muslimbruderschaft zu unterhalten. Einem Laien ist das vielleicht nicht bewusst, aber das sind zwei verschiedene Denkschulen. Ähnlich amateurhaft wirken auch die anderen Beiträge zum Artikel.

Die NBS ist nicht salafitisch. Und sie ist auch nicht, wie die selbsternannte „Islam-Expertin” Sigrid Herrmann-Marschall im B.Z. Artikel versucht zu markieren, ein Treffpunkt von „Ultra-Hardlinern” oder „radikalen Islamisten”. Zwei, das sei erwähnt, allgemein schon höchst fragwürdige Begriffe.

Im NBS waren hingegen bereits unter anderem die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Claudia Roth, der Vorsitzende des Zentralrast der Muslime, Aiman Mazyek, der Rabbiner Walter Rothschild, Prof. Werner Schiffauer oder die Pfarrerin Elisabeth Kruse. Weil der Name Begegnungsstätte laut der Gemeinde Programm sein soll.

Auch die jahrelangen Bemühungen der Moschee, gegen Extremismus anzukämpfen, werden durch den Artikel und den tendenziösen Kommentaren sabotiert. Der deutschlandweit bekannte Referent Ferid Heider hält regelmäßig Unterrichte dort ab, die junge Muslime im Umgang mit extremistischen Ideologien schulen sollen, was ihn zu einer Zielscheibe eben jener Leute machte.

Der Imam der Gemeinde, Taha Sabri wurde 2015 für seinen Einsatz gegen den Extremismus mit dem Verdientsorden des Landes Berlin vom Regierenden Bürgermeister Michael Müller ausgezeichnet. Selbst über die Bezirksgrenzen hinaus sei die Moschee für „außergewöhnliche Arbeit im Feld des interreligiösen und interkulturellen Dialogs” bekannt, wie der angehende Rabbiner Armin Langer von der Salaam-Shalom Initiative feststellt.

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Time am 15. Juli 2016

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1) http://www.tagesspiegel.de/berlin/berlin-neukoelln-extremisten-predigten-in-dar-as-salam-moschee/13867278.html
2) http://www.islamische-zeitung.de/angriff-auf-neukoellner-begegnung/

Eine antijüdische Kampagne

10. April 2016

Armin Langer

Ein blasierter und völlig von sich eingenommener Grünschnabel und Ork-Lakai tritt ins Judentum ein, um es von innen zu stören und sich selbst öffentlich zu inszenieren.

Prompt klären sich einmal mehr die Fronten. Wir sehen, wie die staatlich geförderten Unterwanderorks vom „Lügazin“ im Verein mit alten und jungen Nazis der deutschen MSM eine antijüdische Kampagne lostreten.

Lesen Sie zunächst einen Artikel aus dem „Lügazin“ von Chefredakteur Ekrem Senol (1), sodann eine pointierte Einordnung von Henryk M. Broder (2), die Position der mohammedanistischen Kommissarin Mely Kiyak und des Provokateurs selbst (3), sowie viertens einen Insiderbericht von Chajm Guski (4), der nochmals die widerwärtige Verlogenheit des „Lügazin“ deutlich werden lässt.

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Rabbiner-Kolleg

Jüdisch-Muslimische Dialoge sind „heikler als politische Diskussionen“

Der Rausschmiss Armin Langers am jüdischen Abraham-Geiger-Kolleg sorgt für Diskussionen. Offiziell hat sein Ausschluss nichts mit seinem Engagement für einen jüdisch-muslimischen Dialog zu tun. In internen Mails, die dem MiGAZIN vorligen, rät das Kolleg dem Studenten aber vom Dialog „unbedingt ab“.

Eigentlich ist Armin Langer ein Student, wie man sich ihn für eine theologische Ausbildung nur wünschen kann. Er ist sozial engagiert und aktiv im interreligiösen Dialog. Speziell der jüdisch-muslimische Austausch ist für ihn eine Herzensangelegenheit. Im Dezember 2013 gründete er die Salaam-Shalom-Initiative für ein friedliches Zusammenleben von Juden und Muslimen.

Sein Engagement ist bekannt weit über Berlin hinaus. Er ist gern gesehener Gast auf Podien und in Medien – seine Pointen sind spitz, seine Kritik scharf. Das kommt in der Breite gut an, beim Potsdamer Abraham-Geiger-Kolleg dagegen weniger.

Jüdisch-muslimisches Engagement nicht erwünscht

Die Kolleg-Leitung stört sich an Langers Einlassungen offenbar so sehr, dass er zuletzt sogar von der Rabbinerprüfung ausgeschlossen wurde. Ausschlaggeben sei ein kritischer Gastkommentar in der Tageszeitung (taz) gewesen. Darin hatte Langer den Präsidenten des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, in scharfem Ton kritisiert für seine Forderungen nach einer Begrenzung der Flüchtlingszahlen. Nach aufkommender Kritik teilte die Kolleg-Leitung mit, dass der Ausschluss mit Langers Engagement für den jüdisch-muslimischen Dialog nichts zu tun habe und auch nicht als Kritik daran verstanden werden dürfe.

Wie aus Kolleg-internen Mails (liegen dem MiGAZIN vor) allerdings zu entnehmen ist, war Langers Engagement im Bereich des jüdisch-mulimischen Dialogs der Kolleg-Leitung aber seit Längerem ein Dorn im Auge. Schon im März 2015 machte die Kolleg Leitung dem Rabbinatskandidaten in einer Mail klar, dass seine Einlassungen nicht erwünscht sind.

„Das fällt aufs Kolleg zurück“

Die Deutsche Welle hatte Armin Langer angefragt für einen Radio-Talk zum Thema „Dialog der Kulturen“. Der Student bat daraufhin die Kolleg-Leitung um Erlaubnis, um an der Sendung teilnehmen zu dürfen. Zuvor wurde Langer dazu verpflichtet, „alle Presseanträge“ die er bekommt, der Kolleg-Leitung vorzulegen und eine „Genehmigung“ einzuholen. Statt dem erhofften ‚OK‘ sprach Kolleg-Sprecher Hartmut Bomhoff in seiner Antwortmail eine deutliche Warnung aus.

Er riet dem Studenten von einer Teilnahme „unbedingt ab“. „Fragen des religiösen Dialogs zwischen Muslimen und Juden sind noch heikler als politische Diskussionen“, so der Kolleg-Sprecher in seiner Mail an den Studenten. Selbst wenn Langer im Radio deutlich mache, dass er weder Experte noch Repräsentant sei, „Du wirst auf diese Rolle festgelegt – und das fällt aufs Kolleg zurück“, schreibt Bomhoff. In einer anderen Mail von ihm an Langer heißt es: Das Kolleg lege „Wert darauf, ihre Außendarstellung selbst zu steuern.“

Kolleg weicht Fragen aus

Auf Fragen des MiGAZIN, ob das Kolleg seinen Studenten die Teilnahme an Diskussionsrunden über den muslimisch-jüdischen Dialog generell untersagt, ging das vom Bildungs- und Innenministerium geförderte Kolleg nicht ein. Stattdessen wurde das MiGAZIN auf zahlreiche Kooperationen, Veranstaltungen und Dokumente verwiesen, in denen auch der Dialog mit Muslimen Gegenstand waren beziehungsweise sind, darunter auch eine Kooperation mit dem Institut für Islamische Theologie in Osnabrück.

Eine Teilnahme Langers an der Radio-Sendung sei Bomhoff damals deshalb „heikel“ erschienen, weil der Student zuvor schon mit Gastbeiträgen in Zeitungen Debatten ausgelöst und sich als „Rabbinatskandidat am Anfang seiner Ausbildung doch stark beschädigt“ habe. Als Beispiel nennt Bomhoff ein Essay von Langer aus September 2014 im Tagesspiegel mit dem Titel: „Die Muslime sind die neuen Juden“.

Uçar: Dialog ist alternativlos

Auch Professor Bülent Uçar vom Institut für Islamische Theologie in Osnabrück bezeichnet den Dialog zwischen religiösen Menschen in Fragen des Glaubens als „schwierig und heikel“, da sich Religionen „immer um die Frage der Wahrheit fokussieren“. Bekanntermaßen bestünden dort „diametral entgegengesetzte Auffassungen und Glaubensüberzeugungen“. Seinen Studenten würde Uçar vom Dialog aber nicht abraten. Im Gegenteil. Dazu gebe es „keine Alternative“.

Kolleg-Leitung: Halte Dich aus diesen Dingen heraus

Der Drang des Kollegs, seine Studenten zu kontrollieren, wirft auch in anderen Kontexten Fragen auf. Als Armin Langer von österreichischen Wissenschaftlern angefragt wurde, ob er die Umwandlung des Geburtshauses von Adolf Hitler zu einem „Haus der Verantwortung“ mit einem Statement unterstützen möchte, blockte die Kolleg-Leitung ebenfalls ab. „Was ist denn bitteschön Deine Verbindung zu Österreichs Umgang mit Adolf Hitler? Bitte halte Dich doch aus diesen Dingen heraus“, antwortet ihm Bomhoff per Mail – wohl unwissend, dass Langers Vater Österreicher ist und seine halbe Familie dort lebt.

Zurück bleibt Armin Langer mit großen Fragezeichen. „Was ist mit der Meinungsfreiheit?“, möchte er wissen. Das Kolleg weigere sich bis heute, „eine offizielle, schriftliche Erklärung zu verfassen, in der es zu meinem Rausschmiss Stellung bezieht“. Er habe nichts in der Hand, auf das er sich stützen könne. „Nichts, wo ich nachlesen kann, was meinen Rauswurf begründet“, sagte er dem MiGAZIN.

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Der Rabbi von Neukölln und der jüdisch-muslimische Dialog

Ein schreckliches Unrecht geschieht derzeit in Berlin. Ein Unrecht, das zum Himmel schreit. Würde Emile Zola noch leben, er hätte längst J’accuse…! gerufen. Weil aber der große französische Dichter schon lange tot ist, müssen jetzt andere ran. Jan Kixmüller im Berliner Tagesspiegel, der RBB, Charlotte Haunhorst in „jetzt“, dem Kindermagazin der SZ, Maximilian Popp im SPIEGEL, Thorben Lehning im Tagesspiegel. Was ist passiert? „Armin darf kein Rabbiner werden“. Und warum darf Armin kein Rabbiner werden? „Weil er sich für den Dialog zwischen Juden und Muslimen einsetzt – sagt er.“ Und er sagt noch etwas: „Was gibt es Repressiveres, als jemandem ein Grundrecht zu verweigern?“

Ja, das ist in der Tat der Gipfel der Repression, vor allem, wenn es sich um jemand handelt, der nicht nur ständig dummes Zeug labert, sonder auch zum Judentum übergetreten ist, um es von Innen aufzumischen. So wie deutsche Linke in den 70er Jahren unbeedingt Briefträger, Lokführer und andere Staatsdiener werden wollten, um das System zu unterwandern. Heute gibt es nicht nur ein Grundrecht auf Arbeit, einen Sechser im Lotto, gutes Wetter im Urlaub und einen Platz im Dschungelcamp, es gibt auch das „Grundrecht“, Rabbiner werden zu können. Dabei ist Rabbiner gar keine geschützte Berufsbezeichnung wie Dipl.-Ing. oder Veterinär, jeder darf sich Rabbiner oder Rabbi nennen. So wie sich in den USA jeder „Minister“ nennen und eine eigene Kirche aufmachen kann.

Warum Armin Langer, der sich von Neukölln aus für den Dialog zwischen Juden und Muslimen einsetzt, was vor allem den Muslimen ein Herzensanliegen ist, zu dessen Verwirklichung sie auf einen Rabbinerlehrling angewiesen sind, warum er also unbedingt ein approbierter Rabbiner werden möchte, hat einer seiner Jünger so erklärt:

„He did seek to bring together Jews and Muslims; not using scholarly arguments, but rather by creating the Salaam-Schalom Initiative, a platform for direct dialogue between Muslims, Jews and others who live together in the same neighbourhoods, mostly in Berlin-Neukölln.“ Eine wirklich tolle Idee, vor allem, wenn man berücksichtigt, dass in Neukölln ein paar Dutzend Juden leben, aber viele Tausend Muslime, weswegen die Juden gut daran tun, den Muslimen die Hand zu einem friedlichen Dialog anzubieten. Bei einem Treffen der Salaam-Schalom-Initiative, an dem Til Biermann und ich teilgenommen haben, geriet der „Dialog“ mangels an Muslimen zu einem jüdischen Selbstgespräch über die Notwendigkeit eines Dialogs zwischen Muslimen und Juden, an dem auch einige Möchtegern- oder, wie man heute sagen würde, selbsternannte Juden teilnahmen.

Das Ganze wäre nicht weiter bemerkenswert, man könnte es unter Folklore und Karneval der Kulturen ablegen, wenn es nicht zu einem Politikum gepusht würde. Armin Langer wird ein Grundrecht verweigert! Er selbst findet diesen Umstand vor allem deswegen skandalös, weil „das von einer Institution (geschieht), die mit öffentlichen Geldern gefördert wird“.

Kleine Korrektur: Der Skandal liegt eher darin, dass die öffentliche Hand eine Institution finanziert, an der ein Fach unterrichtet wird, das es nicht gibt: Jüdische Theologie. Rabbiner sind keine Theologen, sie sind Rechtsgelehrte, die die Halacha auslegen. Die sogenante jüdische Theologie ist eine relativ junge Erfindung (das hat sie mit Gender-Studies gemeinsam), die vor allem Nichtjuden, die Juden werden möchten, den Weg in das Judentum weist, eine Art Judaism for Dummies mit akademischem Anstrich. Der Mann, der die Potsdamer School of Jewish Theology leitet, ist seinerseits eine Allroundbegabung. Er hat schon die Kulturstiftung der Deutschen Bank, Greenpeace Deutschland und die Akademie Musiktheater heute gemanagt: Rabbiner Prof. Dr. Walter Homolka.

Auch Armin Langer könnte ein Rabbiner werden. Weil, wie gesagt, Rabbiner keine geschützte Berufsbezeichnung ist. Wie das gehen könnte, hat einer aus dem Umfeld seiner Neuköllner „Jeschiwa“ bereits erklärt: „I therefore propose that we, Neuköllner Jews, ordinate Armin Langer as Rabbi of Neukölln.“

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Zusammenhalten. Nicht übereinander herfallen.

Liebe Leser der Theaterkolumne,

hin und wieder erlaube ich mir, an dieser Stelle den Platz frei zu machen. Für jemanden, der Wichtigeres zu erzählen hat, als ich.

Diese Woche ist mein Freund Armin Langer Gastarbeiter in dieser Kolumne. Armin ist aufgewachsen in Ungarn, hat in Jerusalem studiert und ist vor einigen Jahren nach Berlin Neukölln gezogen. Er wollte am Abraham Geiger Kolleg in Potsdam das Rabbinerseminar belegen. Der Schule eilt der Ruf voraus, progressiv und liberal zu sein.

Das Kolleg ist nicht die berühmte Protestbude, als die sie gehandelt wird. Armin wurde rausgeworfen und darf dort nicht mehr als Rabbiner ausgebildet werden. Sein Vergehen war, dass er dagegen protestierte, Flüchtlinge herkunftsbedingt als Antisemiten zu betrachten. Sein politisches Anliegen ist denkbar einfach: Zusammenhalten. Nicht übereinander herfallen. Und damit fing alles an. Ich trete nun also zur Seite und mache den Platz frei für Armin Langer, dem ich von Herzen wünsche, dass er seine Ausbildung beenden darf und der heute eine Kolumne in eigener Angelegenheit schreibt, weil ich ihn dazu einlud.

Armin Langer: „Ich brauche eure Solidarität“

Der Präsident des Zentralrates der Juden, Joseph Schuster, forderte in der Zeitung Die Welt im vergangenen November eine Obergrenze für Geflüchtete. Sein Argument: Bei den Fliehenden handele es sich um Menschen, in deren Kultur der Antisemitismus fester Bestandteil sei. Es handele sich dabei weniger um ein religiöses als vielmehr um ein ethnisches Problem. Ich konnte kaum an mich halten. Ich war empört und nannte seine Organisation in einem Kommentar für die Zeitung taz „Zentralrat der rassistischen Juden“.

Der Artikel erschien. Ich beruhigte mich und fand, dass meine Wortwahl übertrieben war. Zwar ordne ich Schusters Ausdruck – „ethnisches Problem“ –immer noch als rassistisch ein, doch ist es ein Fehler anhand dieser Aussage den gesamten Zentralrat als eine Versammlung von Rassisten zu bezeichnen. Ich bin in mehreren Zentralratsgemeinden als Vorbeter und Lehrer tätig und kenne viele fantastische Menschen, mit denen ich gemeinsam für ein gesellschaftlich engagiertes Judentum arbeite.

Meine Grundhaltung blieb und ich vertrete sie weiterhin: Keine Obergrenze für hilfesuchende Menschen. Als Juden sollten wir dazu stehen und dafür kämpfen. Allerdings ohne Pauschalisierungen und Vorverurteilungen. Das ist an alle adressiert – ja, auch an mich.

Wie in einem Theaterstück fiel ich also auf die Knie und bat Herrn Schuster um Entschuldigung für meine verletzenden Worte. Ich bin Rabbinerstudent am Abraham Geiger Kolleg in Potsdam. Ich habe sehr gute Noten und erfolgreiche Gemeindeeinsätze absolviert. Ich weiß, dass ein guter Rabbiner einer ist, der zu seinen Fehlern steht.

Am 10. Dezember 2015 – es war der Tag der Menschenrechte – kündigte mir Direktor Walter Homolka bei der regulär stattfindenden Anhörung an, dass er ein Disziplinarverfahren gegen meine Person eröffnen werde.

Wir saßen in der kleinen Bibliothek des Abraham Geiger Kollegs, des liberalen Rabbinerseminars in Berlin. „Ich bin der Einzige hier, der Politik macht!“, schmetterte er. Der Mann im schwarzen Anzug mit dem Bundesverdienstkreuz am Revers schlug auf den kleinen Tisch. Die Tora-Bücher in den Regalen bewegten sich. So wütend war er. Er saß zwischen zwei verlegenen Mitarbeitern. Und da war ich, der 25-jährige Rabbinerstudent. Im Kreuzverhör. Ich. Wieder mal ich.

Ende Januar 2016 dann die Entscheidung: Ich muss das Rabbinerseminar wegen meines Engagements und meines Umgangs mit den Medien verlassen. Ich hätte, ohne Erlaubnis einzuholen, Interviews gegeben und Artikel geschrieben. In meinem Ausbildungsvertrag steht dazu keinerlei Vereinbarung. Doch abgesehen davon: Was ist mit der Meinungsfreiheit? Das Kolleg weigert sich bis heute eine offizielle, schriftliche Erklärung zu verfassen, in der es zu meinem Rausschmiss Stellung bezieht. Ich habe nichts in der Hand, auf das ich mich stützen kann. Nichts, wo ich nachlesen kann, was meinen Rauswurf begründet.

In zweieinhalb Jahren als Student am Abraham-Geiger-Kolleg wurde ich mehr als zehn Mal „angehört“. Man könnte denken, ich hätte in Sodom und Gomorra gesündigt oder ein goldenes Kalb angebetet. Dabei ging es immer wieder nur darum, dass ich zu politisch sei, mich zu viel für „unsere Feinde“ (das heißt: Geflüchtete und Muslime) engagiere und mit dieser Arbeit zu oft in den Medien vorkomme.

Vor allem die von mir gegründete Salaam-Schalom Initiative war dem Rektor ein Dorn im Auge. Meine Mitstreiter und ich kümmern uns seit nun fast drei Jahren um antimuslimischen und antijüdischen Rassismus in Deutschland. Unter dem Motto „Muslime und Juden sind keine Feinde“ veranstalteten wir offene Gesprächsrunden, Workshops, Flashmobs, Filmaufführungen, Partys in Gemeindezentren, Synagogen, Moscheen, manchmal auch in Wohnungen oder in Parks. Erst als uns Bundespräsident Joachim Gauck im Sommer 2014 empfing, zollte mir auch mein Direktor Respekt und bat darum, dass ich das Kolleg und sein interkulturelles Engagement beim Staatsoberhaupt erwähnen möge.

Das alles kommt mir wie eine überzeichnete Komödie vor. Ich suche nach dem Sinn, dem Überbau, dem Warum. Und finde ihn nicht.

Ich bin für Solidarität zwischen den Minderheiten. Und meine Initiative zeigt, dass Solidarität zwischen Minderheiten funktioniert. Aber dieses Solidaritätsbündnis scheint die Öffentlichkeit zu provozieren. So sehr, dass ich den Gegenwind nun zu spüren bekomme. Das Rektorat des Abraham-Geiger-Kollegs hat mich, das sehe ich nun klarer, ständig erpresst: Entweder halte ich still oder ich bin raus. Meine muslimischen Mitstreiter und ich fragten uns immer wieder, was die viel zitierte Meinungsfreiheit eigentlich noch zählt.

Tatsächlich bewirkte der Druck, den ich zu spüren bekam, dass ich zahlreiche Interviewanfragen abwies. Ich fühlte mich oft unter Druck gesetzt. Zwischen den Stühlen. Da die Mitstreiter und der Kampf gegen Ausgrenzung, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit. Und dort das Kolleg und die Weisung, mich nicht politisch zu äußern. Das beschädigte sowohl unsere Initiative als auch meine Person. Es war und ist mir unheimlich peinlich, dass ich dafür auch Journalisten anlügen musste, um den Rektor nicht zu verärgern.

Ich hätte an diesem Punkt einfach sagen können: Okay, ich höre jetzt mit dem Judenkram auf. Ich war die ganze Zeit der Überzeugung, dass die Werte, für die ich mich einsetze, eine Solidarität zwischen religiösen und kulturellen Minderheiten, besonders zwischen Muslimen und Juden, der Kern des jüdischen Lebens in Europa sein wird. Aber anscheinend wollen viele Juden davon nichts wissen. Sie wollen sich fürchten, Opfer sein, erzkonservative und populistische Meinungen vertreten. Das Establishment möchte uns junge Juden nur dann unterstützen, wenn wir nach der verrosteten Pfeife tanzen.

Protest ist irgendwann keine Option mehr, es wird zur religiösen Pflicht. Ich möchte ein Rabbiner werden, der auch denjenigen eine Stimme gibt, die keine Privilegien genießen und unterdrückt werden. Ich erinnere mich daran, wie es den Juden Europas jahrtausendelang so erging. Wir kennen uns mit den Folgen von Rassismus doch aus!

Schon die jüdischen Propheten waren unter den zeitgenössischen Juden unpopulär. Sie sprachen sich für die Schwachen aus, kritisierten die Reichen für ihre Heuchelei. Der Talmud lehrt, dass wir immer die Möglichkeit wahrnehmen müssen, gegen die Ungerechtigkeit in der Welt zu protestieren.

Judentum bedeutet für mich, einen Kampf für die Gerechtigkeit zu führen. So interpretiere ich meinen Glauben.

Aber nun ist mir Unrecht geschehen. Und ich bin auf Eure Solidarität angewiesen.

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Unverantwortlich und die Folgen

Kurze Rückblende in den November 2015: Im Zuge der Debatte um Flüchtlinge aus Syrien wird behauptet, der Zentralratsvorsitzende Dr. Josef Schuster habe sich für Obergrenzen ausgesprochen. Hat er nicht getan, aber es wurde häufig wiederholt und dies kam den Freunden einer solchen Regelung (nach dem Motto »sogar die Juden wollen das!«) entgegen. Natürlich auch denen, die Juden nicht so super finden. Inmitten der Hysterie erschien in der taz ein Artikel in dem jemand mit den Worten zitiert wurde:

„Mein Vorschlag wäre, dass sich der Zentralrat der Juden zum Zentralrat der rassistischen Juden umbenennt.“

Bei facebook und twitter wurde das von Menschen geteilt die wohl ganz froh darüber waren, dass das endlich mal jemand sagt. Und es wurde von Menschen geteilt, die das nicht so gut fanden, dass da jemand mit einem schwerwiegenden Vorwurf hantiert.

Problem: Derjenige, der das Zitat in die Blöcke der taz zitiert hat, studierte am Abraham Geiger Kolleg und wollte gerne Rabbiner werden. An einem Rabbinerseminar an dem auch der Zentralrat beteiligt ist und das Rabbiner für Gemeinden ausbildet, die in Zentralratsgemeinden amtieren sollen (aber nicht ausschließlich).

Sprung in den März 2016: Mittlerweile hat es wohl eine Entschuldigung bei Dr. Josef Schuster gegeben und es wurde wohl auch festgestellt, dass der Student Vereinbarungen mit dem Abraham Geiger Kolleg nicht eingehalten hat. In der Konsequenz entschied man sich, dass der Student zwar sein Studium fortsetzen dürfe, allerdings nur mit einem akademischen Abschluss und nicht mit einer Ordination zum Rabbiner. Manchmal erweisen sich Kandidaten einfach als ungeeignet und wie es vom Abraham Geiger Kolleg heißt, machen 30% der Kandidaten den Abschluss nicht.

Damit hätte die Geschichte beendet sein können. Aber sie geht in eine weitere Runde. Die Geschichte taucht nämlich im SPIEGEL auf. Allerdings hat sich hier der Fokus der Geschichte verschoben. Nun heißt es plötzlich: Meinungsfreiheit.

Der potentielle Rabbiner habe für seine Meinung das Kolleg verlassen müssen.

Tatsächlich aber hat das Kolleg eine Vereinbarung mit seinen Studenten in der festgehalten ist, dass mediale Auftritte mit der Presseabteilung des Kollegs abzustimmen seien. Sie handeln nun nicht mehr als Privatpersonen, sondern als Repräsentanten des Judentums und des Kollegs. Laut Abraham Geiger Kolleg wurde der Student bereits im März 2015 darauf hingewiesen, dass auch er sich an diese Vereinbarung halten müsse. Pressekontakte sollten über die Presseabteilung des Kollegs erfolgen.

Und was macht ein angehender Rabbiner, der später viel Verantwortung tragen will? Er äußert sich in der taz – ohne Rücksprache mit der Presseabteilung. Eben der Text mit den Vorwürfen gegen den Vorsitzenden des Zentralrats.

Die Verantwortlichen für die Rabbinerausbildung am Abraham Geiger Kolleg, das Board of Rabbis, entscheiden darauf hin, den Studenten von dieser Ausbildung auszuschließen. Verbunden mit der Möglichkeit, sich nach 12 Monaten erneut zu bewerben.

Ein anderer Student wies darauf hin, dass die ganze Angelegenheit mit den Studenten des Kollegs in einer Fragen an den Rektor-Sitzung besprochen wurde. Die Angelegenheit wurde also wohl nicht hinter verschlossenen Türen diskutiert. In der Berichterstattung sieht es aber nun so aus und das ist ebenfalls nicht ganz unproblematisch. Man könnte auch auf den Gedanken kommen, die Institutionen wollten keinen jüdisch-muslimischen Dialog. Was nicht der Fall ist.

Aber vielleicht muss man die Dialogbereitschaft anderen absprechen, wenn man selber ähnliches im Angebot hat? Es ist vielleicht ein gutes Alleinstellungsmerkmal? Nämlich dann, wenn man sich für eine besondere Form des Dialogs einsetzt, die bis zur totalen Ausblendung existierender Probleme (Antisemitimus unter Migranten und deren Nachkommen in zweiter und dritter Generation) und einer, sagen wir mal, komplexen Haltung zum Staat Israel geht. Nun scheint gerade eine Märtyrer-Geschichte zu entstehen. Aber darum geht es nicht. Hier geht es einzig und allein darum, das Prinzip „Leben und Tod sind in der Gewalt der Zunge (Sprüche 18,21) verstanden zu haben.

Unverantwortlich, dies auf einer großen Bühne zu präsentieren.

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Time am 10. April 2016

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1) http://www.migazin.de/2016/04/06/abraham-geiger-kolleg-juedisch-muslimische/
2) http://www.achgut.com/artikel/der_rabbi_von_neukoelln_und_der_juedisch_muslimische_dialog
3) http://kolumne.gorki.de/kolumne-51/
4) http://www.sprachkasse.de/blog/2016/03/29/unverantwortlich-und-die-folgen/