Posts Tagged ‘Avigdor Lieberman’

Sieg des Counterjihad: Gaza

6. August 2018

Lesen Sie einen Bericht von „N-TV“ (1).

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„50 Meter breit, 6 Meter hoch“

Israel zeigt erste Bilder der Gaza-Seesperre

Während des letzten Gazakriegs 2014 verschafften sich militante Palästinenser mehrfach auf dem Seeweg Zutritt ins israelische Hoheitsgebiet. Das israelische Militär reagiert mit dem Bau einer massiven Sperranlage auf die Gefahr.

Israels Verteidigungsministerium hat erste Bilder einer Seesperre zum Gazastreifen veröffentlicht. Die bei Twitter verbreiteten Aufnahmen zeigen eine Art Wellenbrecher, der weit ins Meer reicht. Die „Jerusalem Post“ berichtete, die Sperre solle 50 Meter breit und sechs Meter hoch werden. Sie solle etwa 200 Meter weit ins Mittelmeer reichen.

Die Anlage aus Stein und Stacheldraht liegt teilweise unter der Wasseroberfläche und soll verhindern, dass militante Palästinenser aus dem Gazastreifen auf dem Seeweg nach Israel eindringen. Die Bauarbeiten hatten im Mai am Strand von Zikim am Rande des Gazastreifens begonnen. Sie sollen bis zum Jahresende abgeschlossen sein. Verteidigungsminister Avigdor Lieberman schrieb bei Twitter, man setze „intensive Arbeiten“ an der Sperre fort. Die im Gazastreifen herrschende Hamas verliere täglich mehr „ihre Fähigkeit, Israel zu treffen“.

Während des Gaza-Kriegs 2014 war es militanten Palästinensern gelungen, auf dem Seeweg nach Israel zu gelangen. Dies soll die neue Anlage in Zukunft unmöglich machen. Israel und Ägypten halten den Gazastreifen seit mehr als einem Jahrzehnt aus Sicherheitsgründen unter Blockade. (…)

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Time am 6. August 2018

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1) https://www.n-tv.de/politik/Israel-zeigt-erste-Bilder-der-Gaza-Seesperre-article20559440.html

Warum sind wir hier?

11. Mai 2018

Jacques Schuster schrieb für die „Welt“ einen Kommentar zur bevorstehenden Vernichtung des naziranischen Terrorregimes (1).

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Israel hat verstanden.

Europa, dieser militärische Wurm, nicht

Israels Verteidigungsmimister Avigdor Lieberman äußerte sich in einer Pressekonferenz zu den Gegenschlägen auf Irans Stellungen in Syrien: „Wenn wir Regen kriegen, werden sie Überschwemmungen bekommen.“

Man muss es klar sagen: Europas Nahost-Politik ist erbärmlich und einer potenziellen Macht wie der Europäischen Union nicht würdig. Nichts fällt den Europäern zu dem stetig bedrohlicher werdenden Krisenherd Nahost ein – sieht man ab von der Klage über die amerikanische Kündigung des Atomabkommens und Merkels und Macrons Initiative, den Iran und Israel zur Deeskalation aufzurufen.

Europa, dieser wirtschaftliche Riese, dieser politische Zwerg, dieser militärische Wurm, hat nichts unternommen, um die eigentliche Gefahr einzudämmen, die sich seit Jahren abzeichnet: die allmähliche Machtübernahme Teherans in Syrien und im Libanon – mit modernsten Kurz- und Mittelstreckenraketen, mit einer gewaltigen Armee aus Eigen- und Hisbollah-Kämpfern und schlagkräftigen Waffen in allen Gattungen.

Europa, die Deutschen, die Franzosen, die Briten stieren seit Jahren auf diese Gegend, aber sie bleiben sprachlos und ideenarm. Was sind eigentlich die Grundsätze der deutschen Iran-Politik? Keiner wird eine Antwort auf diese Frage erhalten. Allenfalls wird man mit dürren Worten abgespeist, Berlin halte am Atomabkommen fest. Sieht so die Politik eines Staates aus, der in den Sicherheitsrat drängt?

Leider ist es wie immer: Ohne eine einzige realpolitische Idee nehmen die Europäer den Mund mit humanistischen Donquichotterien voll und merken gar nicht, dass sie wieder einmal nur dem braven Sancho Pansa gleichen, der von Ferne die Krisen und Konflikte bewertet.

Dass Trump das Atomabkommen kündigt, liegt auch an ihnen. Hätten sich die Europäer seit der Unterzeichnung dieses Vertrags Gedanken gemacht, wie auf das aggressive Ausgreifen des Iran im Nahen Osten zu antworten ist, hätten sie US-Präsident Donald Trump das Leben schwerer gemacht, nun alle Vereinbarungen vom Tisch zu fegen.

Dafür rufen sie jetzt zur allgemeinen Deeskalation auf, ohne einzugestehen, dass Israel mit seinem so nüchtern durchdachten wie umfassenden Militärschlag zur wahren Deeskalation beiträgt. Es hat dafür gesorgt, das iranische Terrorregime und seine Schergen zu schwächen.

Überhaupt hat allein Israel – anders als die USA und die EU – eine klare Iran-Politik: Es will die militärische Ausdehnung Teherans bis ans Mittelmeer verhindern. Es tut dies aus Eigeninteressen. Hätte Europa ein Gespür für die Gefahren und die Lage vor Ort, würde ihm dämmern, dass Israel damit auch europäischen Interessen dient. Dazu braucht man aber Weitsicht, die in Europa fehlt.

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Time am 11. Mai 2018

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1) https://www.welt.de/debatte/kommentare/article176249544/Spannungen-in-Nahost-Israel-hat-verstanden-Europa-dieser-militaerische-Wurm-nicht.html

Marsch der Heuchler

1. April 2018

Lesen Sie einen Bericht von „N-TV“ (1).

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Streit nach Palästinenserunruhen

Netanjahu reagiert auf Erdogan-Beschimpfung

Nach tödlichen Konfrontationen an der Gaza-Grenze ist es zu einem heftigen verbalen Schlagabtausch zwischen Israel und der Türkei gekommen. Bei Massenprotesten an der Grenze zu Israel waren am Freitag 17 Palästinenser getötet und mehr als 1400 verletzt worden. Damit war es der Tag mit den meisten Todesopfern seit dem Gaza-Krieg 2014.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte die Schüsse israelischer Soldaten auf Palästinenser bereits am Samstag als „Massaker“ verurteilt, nun legte er nach: Erdogan griff den israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu am Sonntag persönlich als „Terroristen“ an.

Auch am Sonntag habe es Ausschreitungen an der Grenze gegeben, teilte eine israelische Armeesprecherin mit. Nach Medienberichten wurde dabei mindestens ein Palästinenser durch Schüsse der Armee lebensgefährlich verletzt.

„Wohl ein Aprilscherz“

Netanjahu sagte zu Erdogans Attacken: „Die moralischste Armee der Welt wird sich keine Moralpredigten anhören von jemandem, der selbst seit Jahren eine Zivilbevölkerung ohne Unterscheidung bombardiert.“ Erdogans Äußerungen müssten wohl als Aprilscherz gedacht sein, schrieb er bei Twitter.

Die Türken seien keine Besatzer, sagte Erdogan daraufhin vor Anhängern im südtürkischen Adana. „Ey Netanjahu, Du bist ein Besatzer. Und gerade befindest Du Dich als Besatzer auf diesem Land. Gleichzeitig bist Du ein Terrorist.“ Den Vorwurf Netanjahus, dass die Türkei gegen die eigene Zivilbevölkerung vorgehe, wies Erdogan zurück.

„Ey Netanjahu. Du bist sehr schwach, Du bist sehr seltsam“, sagte Erdogan ebenfalls in Adana. Die Türkei gehe lediglich militärisch gegen „Terroristen“ vor, anders als Israel, sagte Erdogan. Er bezeichnete Israel als „Terrorstaat“.

Israel kritisiert seit langem, die Türkei unterstütze die im Gazastreifen herrschende radikalislamische Hamas. Die Türkei und Israel hatten 2016 nach jahrelanger Eiszeit ein Versöhnungsabkommen unterzeichnet.

Der israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman verteidigte am Sonntag Israels Vorgehen im Gazastreifen. Die meisten am Freitag getöteten Palästinenser seien „bekannte Terroraktivisten“ gewesen, sagte er dem Armeesender. Sollten die palästinensischen Proteste andauern, „werden wir uns verteidigen“. Man folge dem „Prinzip der eisernen Mauer“.

Lieberman schlägt „Marsch der Heuchler“ vor

Die Proteste im Gazastreifen sollen bis zum 15. Mai dauern. Anlass sind die Feiern zum 70. Jahrestag der Gründung Israels. Die Palästinenser begehen den 15. Mai als Nakba-Tag (Tag der Katastrophe), weil im ersten Nahost-Krieg 1948 rund 700.000 Palästinenser flohen oder vertrieben wurden. Am 14. Mai wollen die USA zudem die US-Botschaft in Jerusalem eröffnen.

UN-Generalsekretär António Guterres forderte „unabhängige und transparente Ermittlungen“ zu den Vorfällen vom Freitag. Lieberman sagte, man werde mit keiner Untersuchung kooperieren. Israel werde von den Vereinten Nationen regelmäßig auf ungerechte und zynische Weise einseitig angeklagt.

„Ich schlage diesem ganzen Marsch der Heuchler in Israel und im Ausland vor, den Tod von einer halben Million Menschen in Syrien zu untersuchen, Hunderttausende Tote im Jemen, in Libyen, im Sudan“, sagte Lieberman.

An den Protesten am Freitag hätten rund 40.000 Palästinenser teilgenommen, sagte Lieberman. Nach seinen Informationen seien rund 90 Prozent davon Aktivisten oder Angestellte der im Gazastreifen herrschenden Hamas sowie deren Angehörige gewesen. Die israelische Behörde Cogat teilte mit, in Israel befänden sich die Leichen von zwei am Freitag getöteten militanten Palästinensern.

In palästinensischen Krankenhäusern waren bereits 15 Leichen identifiziert worden. Nach israelischen Angaben waren die beiden militanten Palästinenser mit Gewehren bewaffnet und wollten einen Anschlag in Israel verüben.

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Time am 1. April 2018

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1) https://www.n-tv.de/politik/Netanjahu-reagiert-auf-Erdogan-Beschimpfung-article20364101.html

Licht unter den Nationen

19. Juni 2017

Stefan Frank von „Audiatur“ berichtete über neue diplomatische Initiativen Israels in Afrika (1).

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„Israel kommt zurück nach Afrika und Afrika zurück nach Israel“

„Israel kommt zurück nach Afrika und Afrika zurück nach Israel“, sagte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, als er diesen Monat in Liberia als Gast am Treffen der Staats- und Regierungschefs der ECOWAS, der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft, teilnahm.

Neben dem Gastgeberland gehören dieser Nigeria, Mali, die Elfenbeinküste, der Senegal, Ghana, Togo, Benin, Burkina Faso, Gambia, Guinea, Guinea-Bissau, Niger, Sierra Leone und Kapverde an. Für Netanjahu war es schon die zweite Afrikareise innerhalb eines Jahres: Erst im Juli 2016 hatte er Uganda, Kenia, Ruanda und Äthiopien besucht. „Wie der Chef einer globalen Supermacht“ sei Netanjahu dort empfangen worden, schrieb die israelische Nachrichtenwebsite Times of Israel anlässlich des letzten Besuchs:

„In Entebbe, Nairobi und Kigali wurde er von den Staatschefs am Flughafen begrüßt und verabschiedet. Sie scheuten keinen Aufwand, um ihm das Gefühl zu geben, willkommen zu sein: rote Teppiche, weiße Handschuhe, Militärkapellen, Nationalhymnen, Ehrengarden, Kanonensalven und Mädchen, die der First Lady Blumen überreichten. Die Hauptstädte von Kenia, Ruanda und Äthiopien waren mit großen Plakaten geschmückt, die Fotos des israelischen Ministerpräsidenten zeigten – einige, auf denen er neben dem örtlichen Staatsführer zu sehen ist, andere von ihm allein. ‚Es ist ein sehr, sehr hochrangiger Besuch’, sagte der Moderator eines Nachrichtensenders aus Uganda während einer Liveübertragung, die Netanjahu fast bei jedem Schritt im Land nachfolgte. ‚Es kommt nicht jeden Tag vor, dass ein israelischer Ministerpräsident Uganda besucht’.“

Bei seinem Besuch des ECOWAS-Gipfels hob Netanjahu die Vorteile hervor, die sich durch eine engere Kooperation für beide Seiten ergäben. Israel sei „führend“ auf vielen Gebieten, etwa der Technologie, der Landwirtschaft, der Wasseraufbereitung, der Sicherheit und im Gesundheitssektor. Auf dem Gebiet der Wasseraufbereitung habe Israel, das selbst an Wassermangel leide, ein großes Fachwissen, das es mit den afrikanischen Ländern teilen und zu diesem Zweck Experten entsenden wolle. Was die Nutzung von Sonnenenergie betrifft – die in Israel weit fortgeschritten ist und bis in die 1950er zurückreicht –, so wurde am Rande des Gipfels bereits ein Abkommen verkündet: Eine Milliarde US-Dollar werde das israelische Unternehmen Energiya Global in den nächsten vier Jahren investieren, um in den ECOWAS-Mitgliedsländern Solarprojekte zu entwickeln. Gerade in Liberia, wo das elektrische Netz während des Bürgerkriegs weitgehend zerstört wurde, erhofft man sich von den geplanten Anlagen eine deutliche Verbesserung der Stromversorgung. „Das Fundament, das wir heute legen, wird die zukünftigen Generationen begleiten“, so Netanjahu. Auch bei der Terrorismusbekämpfung, bei der Israel einige afrikanische Länder wie etwa Kenia bereits unterstützt, solle es noch engere Kooperation geben. „Der Schatten des Terrorismus ist überwältigend“, sagte er; die westafrikanischen und afrikanischen Regierungen müssten diesen mit Israel und anderen betroffenen Ländern gemeinsam bekämpfen, „damit Frieden und Stabilität an die Stelle von Instabilität und Gewalt treten“.

Diplomatische Offensive

Am Rande des Gipfels wurden die diplomatischen Beziehungen zum Senegal wiederhergestellt; die israelische Regierung hatte diese im Dezember 2016 abgebrochen, aus Verärgerung über Senegals gemeinsam mit Neuseeland in den UN-Sicherheitsrat eingebrachten Resolution, die den Bau israelischer Wohnungen in den Gebieten jenseits der Waffenstillstandslinie von 1949 verurteilt. Auch zu Guinea, einem mehrheitlich muslimischen Land, das die Kontakte zu Israel 1967 abgebrochen hatte, wurden die diplomatischen Beziehungen wiederaufgenommen. Derzeit unterhält Jerusalem diplomatische Beziehungen zu 41 der 44 subsaharischen Staaten Afrikas. Liberia war eines der 33 Länder der Welt, die 1947 für den UN-Teilungsplan stimmten, der zur Gründung des Staates Israel führte. In den späten 1950er und frühen 1960er Jahren hatte Israel schon einmal enge Beziehungen zu den subsaharischen afrikanischen Staaten; sie verschlechterten sich im Zuge der israelisch-arabischen Kriege von 1967 und vor allem 1973, als gleich 25 subsaharische afrikanische Staaten die Beziehungen zu Israel abbrachen.

Das Verhältnis zum afrikanischen Kontinent zu verbessern, war schon unter Außenminister Avigdor Lieberman zum Ziel israelischer Politik erklärt worden, der 2009 als erster israelischer Außenminister seit über zwei Jahrzehnten zusammen mit einer Geschäftsdelegation nach Äthiopien, Kenia, Uganda, Nigeria und Ghana reiste. Danach war allerdings über Jahre recht wenig davon zu hören. Die jetzige diplomatische Offensive scheint ernsterer Natur zu sein. Die beiden Reisen des israelischen Ministerpräsidenten sind nicht alles: Im Dezember nahmen nach Angaben von Times of Israel „sieben Minister und hochrangige Vertreter aus über einem Dutzend westafrikanischer Staaten“ an einer Landwirtschaftskonferenz in Jerusalem teil; im kommenden Oktober werde Netanjahu an einem afrikanisch-israelischen Gipfel in Togo teilnehmen und dort mit 25 Staats- und Regierungschefs sprechen.

„Einfach das Richtige tun“

Es gebe für Israel fünf gute Gründe, die für ein stärkeres Engagement auf dem afrikanischen Kontinent sprächen, schreibt der Jerusalem Post-Kolumnist Herb Keinon in einem Kommentar zu Netanjahus Reise. Erstens könne Israel so die automatische Anti-Israel-Mehrheit bei den Vereinten Nationen brechen. „Die UNO besteht aus 193 Staaten, und 120 sind Mitglieder der Blockfreienbewegung (NAM), die traditionell in einem Reflex immer gegen Israel stimmt. Die 49 subsaharischen afrikanischen Staaten machen 41 Prozent der Blockfreien aus.“ Wenn es gelänge, sie dazu zu bringen, sich zu enthalten oder für Israel zu stimmen, gebe es nicht mehr für jede Anti-Israel-Resolution eine automatische Mehrheit in der Generalversammlung. Dies spiele zweitens auch im UN-Sicherheitsrat eine Rolle: Neben Ägypten sind dort derzeit der Senegal und Äthiopien als afrikanische Mitglieder vertreten. Der dritte Grund sei die Sicherheit: Staaten in Chaos und Auflösung seien eine Einladung an den Iran und terroristische Gruppen, dort Fuss zu fassen; und die Schmuggelrouten, die der Iran nutze, um Waffen zur Hamas und zur Hisbollah zu bringen, führten durch Afrika. Der vierte Grund sei die Wirtschaft. Obwohl eine riesige Bürokratie es schwer mache, dort Geschäfte zu machen, gebe es für israelische Firmen „unendliches Potenzial“.

Und schließlich tue Israel Afrika etwas Gutes, was schon Golda Meir zu ihrer Zeit als Aussenministerin im „goldenen Zeitalter der israelisch-afrikanischen Beziehungen von den späten 1950ern bis 1967“ angetrieben habe: „Licht unter den Nationen“ sein und den Afrikanern helfen zu wollen. „Aus diesem Grund schickte Israel Tausende von Beratern nach Afrika und bildete sogar noch mehr Afrikaner in Israel aus“, so Keinon. Sein Fazit: „Wird Israel von diesen Beziehungen diplomatisch und finanziell profitieren? Sicherlich. Wird das Israel helfen, die Verleumdung zu bekämpfen, es sei ein Apartheidsland, das auf rassistischer Ideologie aufgebaut sei? Hoffentlich. Doch Afrika wird ebenfalls gewaltig profitieren. Und das Leben von 1,2 Milliarden Afrikanern besser machen zu wollen, heißt, einfach das Richtige zu tun.“

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Time am 19. Juni 2017

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1) http://www.audiatur-online.ch/2017/06/16/israel-kommt-zurueck-nach-afrika-und-afrika-zurueck-nach-israel/

Das stets abgelehnte Abgebot

27. Februar 2017

gasa

Lesen Sie einen Artikel von Bassam Tawil von „Audiatur“ (1).

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Das Angebot, das aus dem Gazastreifen
ein zweites Singapur machen würde

Einmal mehr hat die palästinensisch-islamistische Bewegung Hamas ihre Prioritäten klar gemacht, die da wären: Juden zu töten. Das hat deutlich Vorrang vor der Linderung der Not der zwei Millionen Palästinenser unter ihrer Herrschaft im Gazastreifen.

Seit der gewaltsamen Machtübernahme des Gazastreifens im Sommer 2007 haben sich die Lebensumstände der dort lebenden Palästinenser immer weiter verschlechtert. Eine Krise nach der anderen traf die unter der Kontrolle der Hamas stehende Bevölkerung; Strom und Wasser sind eine ebenso grosse Mangelware wie Medikamente und eine angemessene medizinische Versorgung.

Streitigkeiten zwischen der Hamas und der Palästinensischen Autonomiebehörde führten dazu, dass der Kraftstoff im Gazastreifen gefährlich knapp geworden ist, was massive Stromausfälle zur Folge hat. Folglich mussten die Palästinenser zum Kochen und Heizen auf Feuerholz zurückgreifen. Die Hamas, der die dortige Bevölkerung drei Kriege, die nichts als Chaos und Verwüstung hinterliessen, zu verdanken hat, ist nicht in der Lage, die Grundbedürfnisse der Bevölkerung zu befriedigen.

Vergangene Woche erhielt die Hamas ein Angebot, das keine vernünftige Organisation ausgeschlagen hätte. Dabei ist zu beachten, dass dieses Angebot nicht etwa von den Freunden und Verbündeten der Hamas im Iran oder der arabischen und islamischen Welt kam. Vielmehr kam das Angebot, das verspricht, den Gazastreifen – wo die meisten Menschen in der Armut von „Flüchtlingslagern“ leben – in das „Singapur des Nahen Ostens“ zu verwandeln, von Seiten Israels.

Genau gesagt kam das Angebot vom israelischen Verteidigungsminister Avigdor Lieberman, der den Bau eines Seehafens, eines Flughafens und eines Industriegebiets vorschlug, die zur Schaffung von 40.000 Arbeitsstellen im Gazastreifen beitragen würden – wenn die Hamas der Entmilitarisierung sowie der Zerstörung der von ihnen geschaffenen Tunnel und Raketensysteme zustimmen würde.

„Die Bewohner Gazas müssen verstehen, dass Israel, das sich bis auf den letzten Millimeter aus Gaza zurückgezogen hat, nicht die Ursache für ihr Leid ist – der Grund dafür ist vielmehr die Führung der Hamas, die ihre Bedürfnisse einfach nicht berücksichtigt“, sagte Lieberman in einer an die Einwohner des Gazastreifens gerichteten Botschaft im Fernsehen. „In dem Augenblick, in dem die Hamas ihre Tunnel und Raketen aufgibt, werden wir die ersten sein, die investieren.“

Einzig Israel hat der Hamas je ein solches Angebot unterbreitet. Ein derartiger Plan würde die Lebensbedingungen der Bevölkerung im Gazastreifen immens verbessern. Alles, was die Hamas dafür tun muss, ist von ihren Waffen und den Mordplänen gegenüber den Juden absehen und die Leichname vermisster israelischer Soldaten herausgeben.

Ein Seehafen und ein Flughafen würden den Gazastreifen auf der globalen Weltkarte etablieren und ihn nicht nur für Investoren aus Israel, sondern auch aus vielen anderen Ländern öffnen. Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass auch arabische und islamische Staaten nach Gaza strömen würden, um zu investieren, da sie die Palästinenser im Grossen und Ganzen verachten. Eines dieser Länder, Ägypten, zwingt den Palästinensern in Gaza strikte Reiseeinschränkungen auf, indem es den Grenzübergang in Rafah an nahezu allen Tagen des Jahres geschlossen hält. In vielen arabischen und islamischen Ländern gelten die Palästinenser aus dem Gazastreifen als Personae non gratae. Warum ist das so? Vielleicht, weil sie als eine Bedrohung für die Sicherheit angesehen werden. Oder vielleicht einfach deswegen, weil sie ihre arabischen Brüder hassen.

Doch mangelt es nicht an westlichen Investoren, die, vorausgesetzt, sie hätten die Möglichkeit und es herrschte das richtige politische Klima, ihr Geld ohne zu zögern im Gazastreifen investieren würden.

Traurigerweise wird nichts von all dem für die Bewohner des Gazastreifens wahr werden. Ihre Anführer in der Hamas, von denen einige grosse Vermögen angehäuft haben und ein komfortables Leben in den erdölreichen Golfländern führen, sind nicht daran interessiert, das Elend ihres Volkes zu lindern. Im Gegenteil; die Hamas will, dass ihr Volk leidet, weil verbitterte Palästinenser die perfekten Kandidaten für die Rekrutierung weiterer Kämpfer für den Dschihad (den Heiligen Krieg) gegen Israel, die Juden und den Westen sind.

Das Ganze erfordert aber eine gewisse Verdrehung der Tatsachen – was die Hamas allerdings, ganz wie ihr Rivale, die Palästinensische Autonomiebehörde, meisterhaft beherrscht. Was auch immer als Folge ihrer fehlgeleiteten Politik in ihren Territorien schiefgeht – Israel ist schuld.

Israels jüngstes Angebot, das derzeit im Gazastreifen herrschende tödliche Chaos zu bereinigen, wurde nur wenige Stunden nach seiner Unterbreitung zurückgewiesen. Ein Hamas-Pressesprecher nach dem anderen machte klar, dass die islamistische Bewegung nicht daran interessiert ist, aus dem Gazastreifen „das Singapur des Nahen Ostens“ zu machen, sondern lieber seinen aktuellen Status als Basis für den Dschihad und die Förderung extremistischer Ideologie, Antisemitismus und antiwestlicher Gesinnung aufrechterhalten will.

Warum schlug die Hamas ein Angebot für einen Seehafen, einen Flughafen und zehntausende Arbeitsstellen für Palästinenser aus? Weil die Hamas ihren Konflikt mit Israel nicht als wirtschaftliches Problem betrachtet. Was die Hamas angeht, so geht es in dem Disput nicht darum, die Lebensbedingungen der Palästinenser zu verbessern. Vielmehr geht es um die schiere Existenz Israels.

„Das israelische Angebot ist lächerlich“, erklärte der palästinensische Politikwissenschaftler Ibrahim Al-Madhoun. „Die Hamas hat es zurückgewiesen, weil sie aus dem Thema der Befreiung des Landes und der Palästinenser kein wirtschaftliches Thema machen will.“

Um dies nochmals klar zu machen: Die Hamas will kein neues „Singapur“ im Nahen Osten. Die Hamas will, dass Israel aus dem Nahen Osten und idealerweise vom gesamten Antlitz der Erde verschwindet. Das Wohlergehen der Palästinenser unter ihrer Herrschaft ist das letzte, für das sich die Hamas interessiert.

Erstaunlicherweise geben die Führer der Hamas all das auch öffentlich zu. „Wenn wir wollten, dass aus dem Gazastreifen ein zweites Singapur wird, hätten wir das mit unseren eigenen Händen erreichen können“, erklärte der ranghohe Hamas-Vertreter Mahmoud Zahar. Und weiter sagte er, die Hamas bereite sich auf den Krieg mit Israel vor, um „ganz Palästina zu befreien“.

Die „Siedlungsgebiete“ sind für sie nicht etwa Judäa, Samarien und Ost-Jerusalem, sondern Haifa, Jaffa (Tel Aviv), ganz Jerusalem, ja, ganz Israel. Man muss sich nur irgendeine Karte von Palästina ansehen: die Umrisse sind mit denen von Israel identisch bzw. sie werden von diesen überlagert.

Für eines gebührt der Hamas jedoch Anerkennung: ihre Ehrlichkeit, was ihre Absichten angeht, Israel zu zerstören und so viele Juden wie möglich zu töten. Die Hamas will keine 40.000 neuen Jobs für die arme, arbeitslose palästinensische Bevölkerung im Gazastreifen. Lieber sähe sie es, wenn diese arbeitslosen Palästinenser sich ihr anschliessen und Soldaten im Dienste des Dschihad würden, um an der Stelle Israels ein islamisches Königreich zu errichten.

Palästinensische Anführer sind Experten, wenn es darum geht, Gesten und Friedensangebote der Israelis zurückzuweisen. Während die Hamas weiterhin „Nein“ zur Beendigung des Leids der Menschen unter ihrem Diktat sagt, lehnt die Palästinensische Autonomiebehörde immer wieder die unterschiedlichsten israelischen Friedensangebote ab. In den vergangenen zwei Jahrzehnten wies die palästinensische Führung die Annäherungsversuche aller israelischen Premierminister, die ihr Zugeständnisse und Kompromisse anboten, zurück. Eine Gemeinsamkeit teilen die Hamas und die Palästinensische Autonomiebehörde jedoch: ihre tödliche Entschlossenheit, dem Kampf um die Zerstörung Israels so viele Palästinenser wie möglich zu opfern.

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Time am 27. Februar 2017

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1) http://www.audiatur-online.ch/2017/02/23/das-angebot-das-aus-dem-gazastreifen-ein-zweites-singapur-machen-wuerde/

Bravo, Bibi! (#3)

9. Juni 2016

Bibi

Israel lässt sich von den abscheulichen Verbrechen der Nazislahmisten nicht beeindrucken. Lesen Sie zwei Berichte von „FAZ.NET“.

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Anschlag in Tel Aviv

Netanjahu kündigt Offensive gegen Terroristen an

Israels Ministerpräsident will den Anti-Terror-Kampf nach dem tödlichen Anschlag in Tel Aviv verstärken. Die Hamas droht mit weiteren Attentaten während des Fastenmonats Ramadan.

Als Reaktion auf den Palästinenser-Anschlag in Tel Aviv hat Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu neue Sicherheitsmaßnahmen angekündigt. Er sprach von einer „Serie von den offensiven und defensiven Schritten“ gegen Terroristen. „Dies ist eine Herausforderung und wir werden ihr gerecht werden“, erklärte Netanjahu laut einem Bericht der Zeitung „Times of Israel“. Er sagte ein entschlossenes Handeln von Polizei, Streitkräften und Sicherheitsbehörden zu, um alle Mittäter zu finden und künftige Anschläge zu verhindern. Die im Gazastreifen herrschende Hamas kündigte unterdessen weitere Anschläge im muslimischen Fastenmonat Ramadan an.

Netanjahu besuchte den Anschlagsort, an dem zwei palästinensische Attentäter am Mittwochabend im Zentrum Tel Avivs vier Israelis erschossen hatten, noch in der Nacht. Dabei wurde er vom ultrarechten Verteidigungsminister Avigdor Lieberman und Polizeiminister Gilad Erdan begleitet.

Zuvor hatte Netanjahu mit ihnen eine Dringlichkeitsberatung im Militärhauptquartier abgehalten. Das Gebäude liegt direkt gegenüber dem Anschlagsort in einem belebten Freizeitpark im Zentrum Tel Avivs. Bei dem Angriff waren sechs weitere Besucher verletzt worden. Die Sicherheitskräfte fassten die Attentäter. Für Donnerstag ist eine Sitzung des Sicherheitskabinetts geplant, bei der über das weitere Vorgehen Israels beraten werden soll.

Es war der erste tödliche Anschlag in Israel seit der Ernennung Liebermans zum Verteidigungsminister. Hardliner Lieberman hatte sich in der Vergangenheit immer wieder für ein härteres Vorgehen gegen die Palästinenser stark gemacht und Netanjahus Sicherheitspolitik als „zu lasch“ kritisiert. Noch in der Nacht umstellten die israelischen Streitkräfte den Heimatort der Attentäter im Süden des Westjordanlandes, wie „Times of Israel“ berichtete.

In einer Stellungnahme des amerikanischen Außenministeriums hieß es: „Die Vereinigten Staaten verurteilen den schrecklichen Terroranschlag in Tel Aviv aufs Schärfste“. „Solch feige Angriffe auf unschuldige Zivilisten sind niemals zu rechtfertigen.“ Die amerikanischen Behörden stünden in Verbindung mit den israelischen Verbindung und böten Unterstützung an.

Hamas lobt den Anschlag

Ein Führer der im Gazastreifen herrschenden Hamas lobte den tödlichen Anschlag. „Ruhm und Glückwünsche den Einwohnern Hebrons“, schrieb Ismail Hanija bei Twitter. Nach dem Satz fügte er ein Siegeszeichen ein. Ein Hamas-Sprecher in Gaza erklärte, der Anschlag sei eine Antwort auf die „israelischen Verbrechen“ gegen die Palästinenser im Westjordanland und im Gazastreifen.

Nach Polizeiangaben stammten die Attentäter aus einem Dorf bei Hebron im südlichen Westjordanland. Es handele sich um Cousins. Sie hätten sich ohne Genehmigung in Israel aufgehalten. Nach Berichten mehrerer Medien trugen sie auch Taschen mit Messern bei sich. In mehreren palästinensischen Städten wurde der Anschlag in Tel Aviv Berichten zufolge gefeiert.

Bei einer Welle palästinensischer Anschläge sind seit Oktober 32 Israelis getötet worden. Mehr als 200 Palästinenser kamen ums Leben, die meisten davon bei den von ihnen verübten Anschlägen. Als Auslöser der Gewalt galt ein Streit um Gebets- und Besuchsrechte auf dem Tempelberg in Jerusalem. Zuletzt hatte es allerdings weniger Anschläge gegeben.

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/naher-osten/benjamin-netanjahu-will-anti-terror-kampf-verstaerken-14277189.html

Killer

Tote bei Anschlag in Tel Aviver Vergnügungsviertel

Zwei Palästinenser eröffnen wahllos das Feuer auf Passanten und erschießen mindestens drei Israelis mit im beliebten Sarona-Park. Die Polizei geht von einem terroristischen Hintergrund aus.

Die Welle der Gewalt schien in Israel längst der Vergangenheit anzugehören. Doch dann starben im Kugelhagel von zwei Palästinensern mindestens vier Israelis. Die Täter schlugen im Vergnügungsviertel Sarona zu. Die Cafés und Restaurants im restaurierten Templerviertel unweit des Verteidigungsministeriums sind am Abend besonders stark besucht. Die Polizei spricht von einem terroristischen Hintergrund.

Die islamistische Hamas-Organisation bezeichnete im Internet den Angriff als „heldenhaft“. Laut Augenzeugen gaben die beiden Männer, die aus der Nähe von Hebron stammen sollen, in einem Café noch eine Bestellung auf, bevor sie minutenlang das Feuer auf Passanten eröffneten.

Angeblich hatte einer von ihnen eine selbstgebaute Waffe dabei. Rettungskräfte sprachen anfangs von etwa zehn Verletzten, von denen vier lebensbedrohlich verwundet waren. Kurz nach 22 Uhr teilte die Polizei mit, dass die Angreifer „neutralisiert“ worden seien.

Es war der wohl schlimmste Anschlag in Tel Aviv seit dem Ausbruch der jüngsten Welle der Gewalt im vergangenen September. Im März war an der Strandpromenade zwischen Tel Aviv und Jaffa ein amerikanischer Tourist ermordet worden. Anfang Januar hatte ein arabischer Israeli am Neujahrestag in einer Bar im Zentrum von Tel Aviv zwei Männer erschossen hatte. Kurz darauf tötete er auf der Flucht einen Taxifahrer.

Eine Woche lang hatten israelische Sicherheitskräfte nach dem arabischen Israeli gefahndet, bevor sie ihn bei seiner Festnahme erschossen. Der Attentäter gehörte keiner Terrorgruppe an und hatte auch nichts mit der Terrormiliz Islamischer Staat zu tun. Das galt auch für die meisten anderen Attentäter, die Einzeltäter waren. Bei ihnen spielten vor allem persönliche Gründe eine Rolle und suchten den Tod, wie Geheimdienstler berichteten:

Sie wurden verachtet oder misshandelt, hatten oft familiäre oder finanzielle Probleme. Die israelische Sicherheitskräfte setzten sich daher von Anfang an dafür ein, zwischen den Tätern und der restlichen palästinensischen Bevölkerung klar zu unterscheiden. Sie ging nicht auf Forderungen ein, hart gegen die gesamte palästinensische Bevölkerung durchzugreifen, um sie von weiterer Gewalt abzuhalten. Während des islamischen Fastenmonats Ramadan, der vor wenigen Tagen begann, erteilten sie für die Bewohner der palästinensischen Autonomiegebiete so viele Genehmigungen für Besuche in Jerusalem und in Israel, wie selten zuvor.

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/naher-osten/israel-tote-bei-anschlag-in-tel-aviver-vergnuegungsviertel-14277041.html

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Time am 9. Juni 2016

Nicht unseren Feinden helfen

18. Januar 2015

Lieberman

Unser Freund Avigdor

Mit dem „Internationalen Strafgerichtshof“ haben die EU-Dimmies eine weitere Institution geschaffen, die geeignet ist, ein Propagandainstrument der Mohammedanisten zwecks Erlangung der Herrschaft über Europa und die Welt zu werden (1).

Israel wehrt sich.

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Widerstand gegen Ermittlungen

Israel will Strafgerichtshof finanziell austrocknen

Israel hat eine Kampagne begonnen, um die Finanzierung des Internationalen Strafgerichtshofs zu kappen. Die Regierung forderte unter anderen Deutschland auf, die Zahlungen auszusetzen.

Israel hat Deutschland und andere Staaten aufgefordert, die Finanzierung des Internationalen Strafgerichtshofs einzustellen. Außenminister Avigdor Lieberman reagierte damit auf die Ankündigung des Gerichts, Vorermittlungen wegen des Gazakriegs aufzunehmen.

„Wir werden unsere Freunde in Kanada, in Australien und Deutschland auffordern, ihn einfach nicht mehr zu finanzieren“, sagte Lieberman am Sonntag dem Sender „Radio Israel“. Der Gerichtshof sei eine politische Institution. „Es gibt eine ganze Reihe von Staaten, die ebenfalls der Meinung sind, dass es für dieses Gebilde keine Existenzberechtigung gibt.“

Lieberman kündigte Gespräche über die Finanzierung des Gerichts mit Japans Ministerpräsident Shinzo Abe an, der sich auf einer Nahost-Reise befindet. Die Regierung in Tokio ist nach einer Statistik des Gerichtshofs von April 2014 der größte Geldgeber der Institution, Deutschland steht an zweiter Stelle. Am Sonntag werde er sich zudem mit seinem kanadischen Kollegen John Baird beraten, sagte Lieberman weiter. Die Regierung teilte mit, eine entsprechende Bitte sei auch an die Bundesregierung verschickt worden.

Die Strafverfolger am Haager Gericht hatten am vergangenen Freitag Vorermittlungen wegen des Verdachtes auf Kriegsverbrechen eingeleitet. Dabei soll geprüft werden, ob ein formelles Verfahren eröffnet wird. Am Ende könnten Vertreter Israels und der Palästinenser angeklagt werden. Allein die Voruntersuchungen könnten Jahre dauern.

Israel und die Vereinigten Staaten hatten die Entscheidung heftig kritisiert. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nannte es empörend, dass nur wenige Tage nach den terroristisch motivierten Morden an Juden in Paris der Strafgerichtshof gegen den jüdischen Staat Israel vorgehe. Außenminister Avigdor Lieberman sagte: „Dasselbe Gericht, dass es nach mehr als 200.000 Toten nicht für angebracht hielt, in Syrien, Libyen oder anderen Orten einzuschreiten, findet es nun erstrebenswert, die moralischste Armee der Welt zu untersuchen.“ Das Verfahren diene dem Zweck, „Israels Recht auf Selbstverteidigung gegen den Terrorismus zu unterminieren“. Die palästinensische Autonomiebehörde und die Hamas begrüßten hingegen die Entscheidung des Internationalen Strafgerichtshofs. Dessen Chefanklägerin Fatou Bensouda versprach: „Die Anklage wird ihre Analyse völlig unabhängig und unparteiisch ausführen.“

Grundlage des Internationalen Strafgerichtshofs ist das sogenannte Statut von Rom. Alle EU-Staaten haben es unterzeichnet und ratifiziert. Israel und die Vereinigten Staaten gehören dagegen wie Russland, Indien und China nicht zu den insgesamt 122 Ländern, die dem Gerichtshof beigetreten sind.

Die Palästinenser-Regierung hat eine Mitgliedschaft beantragt, die Anfang April in Kraft treten soll. Aus Enttäuschung über das Scheitern einer Nahost-Resolution im UN-Sicherheitsrat hatte Präsident Mahmud Abbas in der Silvesternacht den Beitrittsantrag unterzeichnet – ein Schritt, den er lange Zeit unterlassen hatte, um die Friedensverhandlungen mit Israel nicht zu gefährden. Sie waren im vergangenen April gescheitert.

Der Strafgerichtshof soll schwerste Verbrechen ahnden, wenn die betroffenen Mitgliedstaaten selbst dazu nicht willig oder in der Lage sind. In den mehr als zehn Jahren seit seiner Gründung hat er drei Fälle abgeschlossen und zwei Angeklagte verurteilt. Kritiker werfen dem Gericht vor, sich hauptsächlich auf Afrika zu konzentrieren. Die Höhe der Finanzierung durch die einzelnen Vertragsstaaten richtet sich nach ihrer Wirtschaftsleistung.

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Time am 18. Januar 2015

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1) http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/widerstand-gegen-ermittlungen-israel-will-strafgerichtshof-finanziell-austrocknen-13377066.html

Fünf Minuten reichen

30. Dezember 2011

Die evangelische Erlöserkirche (1) in Jerusalem um 1900

Als weihnachtliche Nachlese lege ich Ihnen heute einen Aufsatz des fotogenen Dr. Gil Yaron (2) aus der FAZ vom 24. Dezember vor.

Er befasst sich noch einmal eingehender mit dem in Israel von Liebermans Partei geplanten „Schutz-der-akkustischen-Umwelt-Gesetz“, das die Senkung des Geräuschpegels zum Ziel hat, der von sakralen Orten im allgemeinen und den Moscheekreischern im besonderen ausgeht (3).

Albernerweise bezeichneten Dimmis wie z.B. Sebastian Engelbrecht vom ARD diese menschenfreundliche Idee als „faktische Diskriminierung“ der arabischen Bürger Israels.

Hier in Norddeutschland hat die evangelische Kirche es nicht nötig, Menschen vom Wort Jesu zu überzeugen, indem sie sie nervt und im Schlaf stört. Die Kirchenglocken erklingen regelmäßig nur fünf Minuten am Samstagabend um 17:55 Uhr zum „Einläuten des Sonntags“. Unregelmäßig werden sie bei Beerdigungen oder bei Hochzeiten eingesetzt, aber dort wirken sie weitaus dezenter als beispielsweise die perversen Autokorso-Hupkonzerte, die die Orks veranstalten, wenn sie wieder eine ihrer Töchter verschachert haben.

Manchmal finde ich den Klang der Glocken demgegenüber so schön, dass ich gerne länger zugehört hätte. Und jemanden mit der Totenglocke zu Grabe zu tragen oder mit dem gesamten Geläut in die Ehe zu begleiten, gibt dem Geschehen eher einen würdigen Rahmen, als dass es ein akkustischer Religionskrieg ist. Dieses Läuten für besondere Anlässe und die regelmäßigen fünf Minuten in der Woche halte ich aber für absolut ausreichend, um auf sich aufmerksam zu machen.

Aus diesem Grund hoffe ich, dass sich Bibi Netanjahu doch noch ein Herz fasst und Anastasia Michaeli Samuelson von „Israel Beiteinu“ unterstützt, die den israelischen Bürgern etwas mehr Ruhe verschaffen möchte. Fünf Minuten reichen.

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Lauter Heilige

Seit Jahrhunderten versuchen Juden, Christen und Muslime in Jerusalem den Ton anzugeben. Egal, ob sie dabei Hörner, Glocken oder Lautsprecher einsetzen, sie lassen die anderen Religionen nicht in Ruhe.

Die Details des Einsatzes hatte man tagelang minutiös geplant, jetzt hing es nur noch davon ab, dass der sechzehn Jahre alte Abraham Elkayam nicht im letzten Augenblick Mut und Atem verlor. Er sollte sich durch die Linien misstrauischer britischer Soldaten schmuggeln und vor der Klagemauer zu Jom Kippur, dem höchsten religiösen Feiertag der Juden, nach altem Brauch ins Widderhorn, auf Hebräisch Schofar, blasen. Obwohl das die Briten verboten hatten. Noch immer leuchten die Augen des inzwischen Achtzigjährigen, wenn er von jenem Moment im September 1947 spricht, als er einer Supermacht die Stirn bot.

Die jüdischen Gebete zu Füßen des Tempelbergs und der Al-Aqsa-Moschee, Juden und Muslimen gleichermaßen heilig, waren seit 1928 zum Brennpunkt des brodelnden Konflikts zwischen Palästinensern und Zionisten geworden. Vorher hatten Juden nach der Zahlung eines Bakschisch das Schofar blasen dürfen, aber in der aufgeheizten Stimmung in Palästina der dreißiger Jahre begannen die Araber, jedes Anzeichen jüdischer Präsenz in Jerusalem zu bekämpfen. Anfangs trieben Hirten ihre Esel durch die betende Menge. Später eskalierte der Kampf, als beide Seiten versuchten, den Gegner zu übertönen. Zuerst installierte der Waqf, die muslimische Verwaltung der Moscheen auf dem Tempelberg, einen Muezzin über der Klagemauer. Danach ließ er vor Ort regelmäßig einen „Dhikr“ abhalten – ein muslimisches Ritual, in dessen Rahmen mit Untermalung von Flöten und Trommeln stundenlang die 99 Namen Allahs und Koransuren zitiert werden. Die immer lauter werdenden Gebete heizten die Stimmung zwischen Juden und Muslime so lange an, bis 1929 aus dem Schreiwettbewerb ein handfestes Pogrom wurde, bei dem Hunderte starben.

Die Briten setzten eine Untersuchungskommission ein, um Regeln für das Beten festzulegen: Die Juden erhoben gegen das Dhikr Einspruch „wegen des begleitenden widerlichen Kraches“, schrieb die Kommission und empfahl: „Muslime sollte es verboten werden, die Dhikr-Zeremonie während der jüdischen Gebete auszuführen oder die Juden auf irgendeine andere Weise zu verärgern.“ Juden hingegen „sollte es nicht gestattet sein, das Schofar neben der Klagemauer zu blasen oder jede andere vermeidbare Störung der Muslime vorzunehmen“, so die Kommission. Es sollte zwischen den Parteien herrschen.

Jemanden wie Abraham Elkayam forderte so etwas nur heraus: „Der Ton des Schofars symbolisiert die Erlösung des Volkes Israel“, sagt der Rentner und dass er sich „in meinem Land doch nicht den Mund verbieten lasse“. Als er damals ins Horn blies, und das markerschütternde Gejaule ertönte, trieben die Briten die Betenden mit Schlagstöcken auseinander. Abraham Elkayam wurde verhaftet und abgeführt. Aber das störte den jungen Eiferer nicht. Er hatte Geschichte geschrieben. Er war der letzte Jude, der vor der Eroberung Ostjerusalems durch die Jordanier 1948 an der Klagemauer ins Schofar blies. Bis zum Sechs-Tage-Krieg 1967, als Israel die Altstadt Jerusalems eroberte, verhinderten die Jordanier den alten Brauch vor dem jüdischen Heiligtum.

Heute ertönen muslimische Gebete, christliches Gebimmel und das Geheule von Sabbatsirenen im Heiligen Land, alle versuchen einander zu übertönen. „Die Christen in der Altstadt beschweren sich über den Krach der Moscheen“, sagt Reverend David Pileggi von der Christ Church neben dem Jaffa-Tor in Jerusalem, „es ist unerträglich geworden.“ Vom Dach seiner Kirche blickt er auf die Moschee nebenan, wo vier neue Lautsprecher silbrig in der gleißenden Wintersonne funkeln. Fünf Mal täglich dringt hier der „Adhan“, der Gebetsruf der Muslime, mit solcher Wucht aus der Anlage, dass „man sich selbst kaum denken hört“, so Pileggi. „Die Gebete werden lauter, die Lautsprecher zahlreicher.“

Nicht nur in Jerusalems Altstadt rüsten die Minarette akustisch auf. Glaubt man der Knessetabgeordneten Anastasia Michaeli, dann bedarf der Lärm aus Israels rund 400 Moscheen gesetzlicher Regelung. Sie will die Anwendung von „Lautsprechern auf Gotteshäusern“ verbieten. Dabei möchte das fotogene Mitglied der nationalistischen „Israel Beiteinu“ die Initiative „als eine Frage des Umweltschutzes und der Lebensqualität“ verstanden wissen, nicht als Versuch, Imame mundtot zu machen. Doch das Lautsprecherverbot für Gotteshäuser, das hauptsächlich Moscheen betreffen würde, war Israels Hardliner-Premier Benjamin Netanjahu zu heikel. Er legte es vorerst auf Eis. Es wäre die vorerst letzte Regelung in einem akustischen Glaubenskampf gewesen, der inzwischen fast dreizehn Jahrhunderte währt.

Die erste war der „Pakt von Omar“, der auf das Jahr 717 datiert und Kalif Omar II. zugeschrieben wird. Darin verpflichteten sich die christlichen Untertanen der muslimischen Eroberer „unsere Religion nicht offen zur Schau zu stellen oder Menschen zu ihr zu bekehren.“ Ferner versprachen sie „die Klöppel in unseren Kirchen nur sehr leise zu benutzen. Wir werden unsere Stimmen nicht heben, wenn wir unsere Liebsten zu Grabe tragen. Unsere Häuser werden diejenigen der Muslime nicht überragen.“ Auch wenn der Vertrag wahrscheinlich rückdatiert und nicht von Omar II. verfasst wurde, regelte er doch für Jahrhunderte die akustische Unterlegenheit von Christen und Juden. Spätestens als die Macht von den genussfreudigen Kalifen der Omajjaden auf die frömmelnden Abbasiden überging, mussten die Glocken ganz verstummen. Bis Mitte des neunzehnten Jahrhunderts herrschte rund um die Kirchen des Osmanischen Reiches Stille, weshalb der erste britische Konsul in Jerusalem, James Finn, 1854 noch vermutete, dass „der Klang von Glocken den Einwohnern Jerusalems unbekannt war“.

Historisch gesehen, war das falsch: Die Kreuzfahrer hatten Glocken in der Heiligen Stadt installiert. Im Museum „Studium Biblicum Franciskanum“ in der Jerusalemer Alstadt wacht Direktor Pater Alliata über dreizehn Kreuzfahrerglocken, die zumeist im Libanon gegossen wurden. Ein Exemplar stammt sogar aus China und fand seinen Weg über Nestorianische Kirchen in Persien ins Heilige Land. Der Chroniker Wilhelm von Tyrus berichtet vom Bau eines Glockenturms neben der Grabeskirche, die im Jahr 1022 stark beschädigt worden war. „Im Jahr 1182 empörte sich der Erzbischof über die Kirchen der Johanniter nebenan, die die Grabeskirche überragten und mit ihren Glocken übertönten“, so der Historiker Jürgen Krüger.

Im Jahr 1187 ließ der Eroberer Saladin alle Glocken demontieren, der Turm verstummte erneut. Bis der Krim-Krieg (1853 bis 1856) dem Pakt von Omar das Aus bescherte. Großbritannien und Frankreich verlangten von Sultan Abdülmecid I. einen Preis für ihren Beistand. Die „Kapitulationen“, mit denen sich der russische Zar bereits seit dem achtzehnten Jahrhundert im Osmanischen Reich einmischte, gestanden nun auch ihnen wachsenden Einfluss zu. Fortan ließ der Sultan die Ungläubigen in seinem Reich wieder bimmeln. Konsul James Finn hängte diesen Machtzuwachs der Briten buchstäblich an die große Glocke, die fortan „über dem Eingang zu unserem Gelände“ vor der Christ Church in Jerusalems Altstadt schellte. Wenig später spross ein Glockenturm in die Höhe, „und von da an wurde die Glocke – keine große, aber mit einem guten, vollen Klang – jederzeit für den Gottesdienst geläutet“, schrieb Finn.

Die anderen Großmächte Europas wollten nun auch in Jerusalems Himmel den Ton angeben. Bald wetteiferten sie um den Ruhm des höchsten Kirchturms und des größten Klöppels. Kein Hindernis war zu gewaltig, um die Macht des eigenen Reiches in Jerusalem aller Welt vor Ohren zu führen. Deutschland gewann das Rennen, als 1911 die 6120 kg schwere „Herrenmeisterglocke“ auf dem Ölberg ertönte. Dort überblickt sie seither vom 45 Meter hohen Turm der deutschen Himmelfahrtskirche die Heilige Stadt. Ein gewisser „Baurath Hoffmann“ begleitete das Rieseninstrument auf dem Weg von der Gießerei Franz Schilling in Apolda. In Jaffa per Schiff angekommen und nur 82 Kilometer von Jerusalem entfernt versank das sechsköpfige Gespann mit der Glocke in Schmutz und Sand. „Der Wagen zerbrach und unter unsäglichen Mühen mußte die Glocke auf Schlitten und Rollen nach dem Quai zurückgeschleppt werden“, notierte Hoffmann. Erst nachdem Jaffas Straßen auf eigene Kosten in Stand gebracht worden waren, kam der Herrenmeister nach Jerusalem. „Und was hat die Geschichte gekostet!“ Für den Weg bis nach Jaffa waren es 615,92 Mark, für die kurze Strecke bis zur Baustelle auf dem Ölberg 1476,40 Mark.

Firas Qazaz sind solche Streiche fremd. Der Sprössling einer altehrwürdigen Jerusalemer Patrizierfamilie schreitet täglich zwei Mal von seiner Zwei-Zimmer-Wohnung durch die Gassen der Altstadt zum Haram a-Scharif, dem drittheiligsten Ort des Islams. Dort erklimmt er ein Minarett und schwebt mit seiner Stimme durch orientalische Tonleitern, um Muslime zum Gebet zu rufen. Vor acht Jahren wurde Firas zum jüngsten der vier Muezzins der Al-Aqsa-Moschee erkoren. Die Wahl war leicht, schließlich sei seine Familie „für ihre gute Stimme bekannt und bekleidet diesen Posten seit mehr als 500 Jahren“, sagt der schüchterne 24 Jahre alte Mann stolz.

„Der ,Adhan‘, der Aufruf zum Gebet, ist eine der ältesten Bräuche des Islams“, sagt Dr. Najeh Bkerat, Vorsitzender der Manuskriptabteilung des Waqf der Al-Aqsa, der sein Doktorat über Muezzins schrieb. Laut alten Überlieferungen stellte die wachsende Gemeinde in Medina den Propheten Mohammed vor das Problem, wie er seine Anhänger zum Gebet rufen sollte. Anfangs wurde erwogen, wie die Juden das Schofar zu blasen oder wie die Christen Glocken zu läuten. Andere wollten die Sitte der Zoroaster übernehmen und ein Feuer anzünden. Schließlich überzeugte der Traum Abdallah ibn Saids. Abdallah hatte darin den genauen Wortlaut des heutigen Adhan gehört und trug ihn vor. Doch da er eine fürchterliche Stimme hatte, schlug Mohammed vor, den Text dem Schwarzen Bilal beizubringen, der damit zum ersten Muezzin der Geschichte wurde: „Alle waren von Bilals Stimme verzückt“, zitiert Bkerat islamische Quellen.

Auf die Erfindung des Muezzins folgte die Entwicklung des Minaretts. „Zuerst rief Bilal von einem hohen Stein, dann von einem Baum, später von der Kaaba in Mekka“, sagt Bkerat. In Indien, Anatolien und im Iran hatten die Moscheen bis zum vierzehnten oder fünfzehnten Jahrhundert keine Minarette. Zu einem organischen, integrierten Bestandteil der Moscheen wurde das Minarett erst unter den Mameluken im Mittelalter. Historiker lokalisieren das erste Minarett in Damaskus, wo der Turm eines römischen Tempels umfunktioniert wurde. Doch für Palästinenser ist klar: „Das erste Minarett der Welt wurde in Jerusalem gebaut“, so der tiefgläubige Bkerat. Nach dem Tod Mohammeds soll Bilal vor lauter Trauer aufgehört haben, den Adhan vorzutragen. Erst mit der Eroberung Jerusalems dreizehn Jahre später ließ er seine Stimme wieder vom Felsen auf dem Haram a Scharif erklingen. „Die Freunde Mohammeds waren zu Tränen gerührt“, sagt Bkerat und ist dabei selbst sichtlich bewegt. Danach sollen noch der Omajjadenkalif al Walid bin Abdel Malik, Sohn des Erbauers des Felsendoms, das erste Minarett der Welt gebaut haben.

Diese Überlieferungen hallen in Firas nasaler Stimme wieder, wenn er den Adhan anstimmt. Andächtig schließt er seine Augen und intoniert das Glaubensbekenntnis des Islams, wiegt sich ekstatisch vor und zurück. Seine Nasenflügel beben jedes Mal, wenn er das „M“ in die Länge zieht. Wie alle seine Vorfahren hat Firas seinen Beruf vom Vater erlernt, eine professionelle Gesangsausbildung wie im Westen kennt man in Arabien nicht. Lehrgänge für Muezzins gibt es nur wenige. Firas träumt davon, eines Tages an der Al-AzharUniversität in Kairo einen belegen zu können.

„Die Melodien des Adhan sind von Land zu Land verschieden“, sagt Bkerat, der am liebsten dem neunzig Jahre alten Muezzin in Medina lauscht: „Er stammt aus Buchara und klingt so wunderbar orientalisch“, schwärmt der Gelehrte. Trotz musikalischer Variationen habe sich der Wortlaut des Adhan jedoch „nie verändert und ist auf der ganzen Welt bei allen Muslimen identisch“. Das ist allerdings Wunschdenken. Denn Glockenklang, Schofarton und Adhan zeichnen nicht nur Trennlinien zwischen Religionen, sondern sind auch Ausdruck innerer Machtkämpfe. So fügen Schiiten ihrem Adhan zwei Sätze hinzu: Vor allem ihre Bekundung, dass „Ali der Stellvertreter Allahs!“ sei, bringt Sunniten zur Weißglut.

Auch das große Schisma in Ost- und Westkirche ist hörbar. Die orthodoxe Ostkirche, die lange unter islamischer Herrschaft existierte, passte sich ihrem untergeordneten Status musikalisch an. Statt mit Glockengebimmel ruft sie bis heute ihre Anhänger mit dem leiseren Semantron zum Gebet, einem langen Stab aus Holz oder Eisen, der mit Hilfe eines Hammers einen Gongton erzeugt. Das simple Instrument begann seinen Siegeszug noch im sechsten Jahrhundert, als es die in Ägypten und Palästina üblichen Trompeten ersetzte. Die erinnerten die frühen Christen vielleicht zu sehr an den jüdischen Brauch, den Sabbat mit Trompetenstößen vom Tempelberg anzukündigen. Noch heute finden sich im armenischen Viertel Jerusalems oder in der griechisch-orthodoxen Sektion der Grabeskirche solche Holzbalken oder Eisenstangen, lange Zeit Symbole für die Zweiteilung der Christenheit: Im römisch-katholischen Westen bimmelte man mit Glocken, während der orthodoxe Osten bis zum vierten Kreuzzug im dreizehnten Jahrhundert fast ausschließlich auf Semantra einschlug.

Auch zwischen Israels Juden sind schrille Töne keine Seltenheit. Dass ultraorthodoxe Breslaver mit dröhnenden Bässen durch säkulare Stadtteile fahren und bei jeder roten Ampel wild hüpfend auf den Kreuzungen tanzen, um für ihre Version des Judentums zu werben, gilt dabei noch als geringe akustische Aufdringlichkeit. In gleich mehreren israelischen Städten ringen ultraorthodoxe gegen säkulare Stadtbewohner, die keine Sabbatsirenen mehr hören wollen. Dabei reicht der Brauch, den heiligen Wochentag mit Trompeten oder dem Schofar zu empfangen, Jahrtausende zurück. In der Diaspora wurde der Brauch von Freiwilligen aufrechterhalten. Ihre Kadenzen warnten die Gläubigen vor dem Eintritt des Sabbats und erinnerten Hausfrauen, die Kerzen rechtzeitig anzuzünden.

Umso größer war die Enttäuschung eines gewissen Schmuel Stern, als der ehemalige Militärmusiker in der Armee des Zaren zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts in Jaffa an Land ging und feststellen musste, dass in Tel Aviv niemand den Sabbat ankündigt. Stern ergriff die Eigeninitiative und wurde angeblich zum ersten Stadttrompeter Tel Avivs. In den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts hatte sich dieser Brauch etabliert. Längst genügte eine Trompete nicht, in vielen Stadtteilen tutete man nun freiwillig oder für ein symbolisches Gehalt. Ende der dreißiger Jahre ereilte die Moderne den Sabbat. Von September 1938 an ersetzten in Tel Aviv Luftschutzsirenen die Trompeten. Bis in die fünfziger Jahre war dies der Brauch, doch nach den Schrecken des Zweiten Weltkriegs und des Unabhängigkeitskrieges 1948 erschraken die Menschen, wenn die Sirenen aufheulten. Die Stadtverwaltung stellte deswegen sieben Taxifahrer ein, die hupend den Sabbat ankündigten. Peinlichst achtete sie darauf, dass sie „neue Wagen“ fuhren um „einen guten Eindruck“ zu hinterlassen.

Im Keller von Mosche Bendett in Tel Aviv steht noch immer das Holzschild vom Dach des Taxis, mit dem er freitags durch die Straßen fuhr. Zwanzig Jahre lang überprüfte der heute 84 Jahre alte Mann in seinem Kalender, wann der Sabbat anfängt, schob die mit Ziffern beschriebenen Holztäfelchen ein, um die entsprechende Uhrzeit anzugeben, montierte die Tafel auf seinem Coronado-Straßenkreuzer und fuhr los: „Es war richtig schön“, sagt der in Warschau geborene dekorierte Kriegsheld. Kinder liefen hinter dem Wagen her, manche fuhren auf der Rückbank mit. „Überall, wo ich vorbeifuhr, rannten die Hausmütter auf die Terrassen um sich zu erkundigen, wann sie ihre Sabbatkerzen anzünden müssen.“ Doch der alte Brauch ist zunehmend umstritten. In Jitzchak Rabins Regierung erließ Umweltministerin Ora Namir 1992 eine Richtlinie, die Hupen nur bei Lebensgefahr zuließ. Es war der Beginn eines Kampfes zwischen denjenigen, die den heiligen Krach befürworten, und denjenigen, die am Wochenende einfach nur ihre Ruhe wollen. In vielen Städten gehen Stadtverwaltungen heute mit rechtlichen Mitteln gegen Synagogen, Toraschulen und Privatleute vor, die den Sabbat mit Sirenen begrüßen wollen.

Spätestens 2006 wurden Sirenen und Hupen vielerorts mit hassidischer Musik ersetzt. „Streifenwagen“ religiöser Organisationen beschallen freitagnachmittags ganze Stadtteile mit dem Sabbatlied von Shlomo Alkabez. Aus Angst vor städtischen Beamten organisieren die Fahrer ihre Einsätze im Untergrund. Das soll „die Menschen beruhigen und den Sabbat mit Freude einführen“, sagte Rabbiner Jakob Halperin, Millionär und Eigentümer einer Brillenladenkette, der mehr als 250 Lautsprecher spendete, aus denen im ganzen Land fromme Musik plärrt.

So umstritten der Krach aus Moscheen, Kirchen und Synagogen sein mag – er erzeugt die einmalige Kakophonie des Heiligen Landes. Zwar beklagt sich der muslimische Geistliche über fromme Juden, die absichtlich die Gebete der Muslime stören, und Siedler verklagen Muezzins, die ihre Lautsprecher laut aufdrehen, um sie aus ihrem Land zu vertreiben. Säkulare Juden prozessieren gegen Synagogen, die ihren Ruhetag mit lauten Psalmen vergällen, und Christen ringen darum, wer wann welche Glocke läuten darf. Doch wenn der Adhan von Firas Qazaz von den Bergen Judäas widerhallt, sich mit dem Geläut vom Ölberg und Gesumme betender Juden vor der Klagemauer vermischt, halten selbst Ungläubige manchmal kurz inne und lauschen dem einzigartigen Vielklang Jerusalems.

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Time am 30. Dezember 2011

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1) http://de.wikipedia.org/wiki/Erlöserkirche_(Jerusalem)
2) http://www.info-middle-east.com/
3) https://madrasaoftime.wordpress.com/2011/12/12/zwingt-sie-zur-bescheidenheit/

Eine weitere Konversion?

13. Dezember 2010

Die Bekehrung des Saulus, Michelangelo 1542-45

Ja was ist denn das? Wechselt da ein weiterer FAZ-Ali auf unsere Seite über (1)? Lorenz Jäger (2), der in diesem Blog schon mehrfach verspottet wurde, hat in der heutigen FAZ einen Artikel über das jüngste Treffen europäischer Counterjihadis mit israelischen Counterjihadis in Israel abgeliefert, welcher völlig ohne Hasstiraden auskommt.

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Reise nach  Jerusalem

Nicht ohne meine Kippa: Die FPÖ und die Siedler

Eine illustre Gesellschaft: Der Vorsitzende der rechtspopulistischen FPÖ, Heinz-Christian Strache, der Belgier Filip Dewinter vom ähnlich ausgerichteten „Vlaams Belang“ und Patrik Brinkmann von der Bewegung Pro-NRW waren in der vergangenen Woche zu Besuch in Israel. Mit von der Partie waren auch René Stadtkewitz, bis vor kurzem für die CDU im Berliner Abgeordnetenhaus, als Kämpfer gegen Moscheebauten regional bekannt und Mitbegründer der Rechtsgruppierung „Die Freiheit“, und Kent Ekeroth von den gleichfalls patriotisch-antiislamischen „Schwedendemokraten“. Auf dem Programm stand der Besuch einer Siedlung im Westjordanland. Geführt wurde die Delegation dort von Gershon Mesika, dem Chef des Regionalrats. Strache versicherte den Siedlern: „Unser Herz ist mit Euch!“, wie die Zeitung „Haaretz“ meldete.

Dann ging es zu einer Tagung in der israelischen Stadt Ashkelon, wo über „Strategien gegen den islamischen Terror“ beraten wurde. Auch ein Besuch in der Knesset, dem israelischen Parlament, stand auf dem Programm. Nach einer Pressemitteilung der FPÖ wurde die Delegation dabei von Ariel Shomer betreut, dem ehemaligen Kabinettschef von Staatspräsident Ezer Weizman. „Anschließend gab es Gespräche mit Abgeordneten der Knesset wie etwa Rabbi Nissim Zeev.“ Letzterer gilt als entschiedener Anwalt der Siedler, die sich in den von Israel besetzten Gebieten eingerichtet haben.

Schon seit einiger Zeit konnte man beobachten, dass jene europäische Rechte, die ihren Hauptgegner im Islam sehen will, nach Kontakten in Israel sucht. Wächst jetzt zusammen, was zusammengehört? Oder ist es ein durchsichtiger Kunstgriff, um künftigen Protest aus Israel gegen eine mögliche Regierungsbeteiligung rechtspopulistischer Parteien vorzeitig auszuhebeln? Das wäre eine kurzsichtige Interpretation. Die Reise nach Israel ist ein strategischer, kein taktischer Schachzug der Euro-Rechten; sie ist die Fortsetzung des Kampfes gegen die Moscheen mit anderen Mitteln. Nach der schlichten Maxime: Der Feind meines Feindes ist mein Freund.

Offenbar denken manche in Israel ähnlich. Als Geert Wilders und Stadtkewitz im Oktober gemeinsam in Berlin auftraten, um gegen den „Islamismus“ Front zu machen, da war unter den Gastrednern auch Elie Cohen, einst Knesset-Abgeordneter der radikalnationalistischen Partei „Israel Beitenu“ von Außenminister Avigdor Lieberman. Und unmittelbar vor der FPÖ war Wilders nach Jerusalem gereist, um sich mit Lieberman zu treffen.

Auch bei einem Kongress der islamkritischen Bewegung „Pro Deutschland“ im Sommer gab es eine Grußadresse aus Israel. Sie stammte von Joel Bell, der eigentlich teilnehmen wollte, aber dann verhindert war. Joel Bell ist der Kopf einer gar nicht so obskuren, der Likud-Partei nahestehenden Vereinigung, die sich „Biblical Zionists“ nennt. Unter „biblischem“ Zionismus versteht man hier, dass die Grenzen Israels von Gott gezogen wurden und niemals Verhandlungssache eines politischen Prozesses sein dürfen. Solche religiös grundierten Gedanken dürften vor allem amerikanischen Evangelikalen plausibel sein.

Das Resultat der rechten Pilgerfahrt nach Israel ist eine „Jerusalemer Erklärung“, die am 7. Dezember veröffentlicht wurde. Sie klingt nun so, dass sie problemlos als Leitantrag auf einem CDU-Parteitag durchgehen könnte: „Die Grundlage unserer politischen Tätigkeit ist unser unverbrüchliches Bekenntnis zu Demokratie und freiheitlichem Rechtsstaat, zu den Menschenrechten im Sinne der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, zum Völkerrecht und zum Wertekanon der westlichen Zivilisation, der auf dem geistigen Erbe der griechisch-römischen Antike, der jüdisch-christlichen kulturellen Werte, des Humanismus und der Aufklärung basiert.“

Nach den totalitären Systemen stehe die Menschheit weltweit vor einer „neuen totalitären Bedrohung“ – dem fundamentalistischen Islam. „Wir betrachten uns“, erklären die Abgesandten, „als Teil des weltweiten Kampfes der Verteidiger von Demokratie und Menschenrechten gegenüber allen totalitären Systemen und deren Helfershelfern. Damit stehen wir an vorderster Front des Kampfes für die westlich-demokratische Wertegemeinschaft.“

Israel sei die „einzige wirkliche Demokratie im Nahen Osten“ und „wichtiger Ansprechpartner in dieser bewegten Weltregion“. Und nun kommt der Punkt, der für die Gesprächspartner auf der israelischen Rechten entscheidend sein dürfte: „Ohne jede Einschränkung bekennen wir uns zum Existenzrecht des Staates Israel innerhalb sicherer und völkerrechtlich anerkannter Grenzen. Ebenso ist das Recht Israels auf Selbstverteidigung gegenüber allen Aggressionen, insbesondere gegenüber islamischem Terror, zu akzeptieren.“

Die Bundesrepublik hat nun, erstmals in ihrer Geschichte seit den frühen sechziger Jahren, nicht nur eine proisraelische, keiner Palästinensersympathie mehr verdächtige Linke, deren Organe von „Konkret“ bis zur „Jungle World“ reichen. Sie hat auch eine ebenso gestimmte Rechte. Ein Datum, das man sich notieren sollte.

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Time am 13. Dezember 2010

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1) http://madrasaoftime.wordpress.com/2010/11/17/die-bekehrung/
2) https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/05/06/quo-vadis-faz/

Im Interview: Avigdor Lieberman

26. März 2010

Im aktuellen „Spiegel“ (#12) steht Israels Außenminister Avigdor Lieberman den Spiegel-Redakteuren Christoph Schult und Martin Doerry Rede und Antwort. Herr Lieberman ist über den Jihad voll und ganz im Bilde. Seine Äußerungen bilden einen angenehmen Kontrast zur Borniertheit vieler deutscher Politiker wie auch den teilweise recht naseweisen Fragen der Journalisten, welche unfreiwillig deutlich machen, dass sie diese aus der Perspektive der Palaraber stellen.

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„Wir führen einen Kulturkampf“

Israels Außenminister Avigdor Lieberman, 51, über die Siedlungspolitik seines Landes, die Bedrohung durch das iranische Nuklearprogramm und die Ausweglosigkeit des Konflikts mit den Palästinensern

SPIEGEL: Herr Außenminister, in der Woche, in der die Palästinenser endlich neuen Friedensverhandlungen zugestimmt haben, kündigt Ihre Regierung an, 1600 neue Wohneinheiten in einer jüdischen Siedlung in Ostjerusalem zu bauen. Sie haben nicht nur die Palästinenser, sondern auch Ihren wichtigsten Verbundeten, die USA, provoziert. Warum?

Lieberman: Wir haben niemanden provoziert. Ich höre all diese Verurteilungen Israels in Bezug auf das sogenannte Ostjerusalem. In derselben Woche wurden in Pakistan 60 Menschen durch Terroranschläge getötet. In jedem Land um uns herum gibt es Blutvergießen und Spannungen. Aber alle ziehen über Israel her. Ich warte auf den Tag, an dem der Deutsche Bundestag über die Menschenrechtsverletzungen in Saudi-Arabien debattiert.

SPIEGEL: Wir sprechen aber mit dem israelischen Außenminister, nicht mit dem saudi-arabischen.

Lieberman: Die ganze Schuld auf Israel abzuladen ist Heuchelei. Wir sind die einzige Demokratie im Nahen Osten. Der israelisch-palästinensische Konflikt macht vielleicht drei Prozent aller Konflikte in der Region aus. US-Senatoren und Kongressmitgheder, die in den Golfstaaten, Ägypten, Saudi-Arabien oder Jordanien zu Besuch sind, berichten uns, dass ihre arabischen Gesprächspartner nur kurz auf die Palästinenser eingehen, das sind pure Lippenbekenntnisse. 95 Prozent der Zeit warnen sie vor der Bedrohung durch Iran.

SPIEGEL: Im Moment sprechen aber alle über Israel. Die USA kritisieren, Ihre Regierung unterminiere den Friedensprozess, und sagten einen Besuch des US-Sondergesandten George Mitchell ab.

Lieberman: Selbst zwischen den besten Freunden kann es Fehler und Missverständnisse geben. Wir haben nie versprochen, das Bauen in Jerusalem einzustellen. Aber die Ankündigung ausgerechnet während des Besuchs von US-Vizepräsident Joe Biden zu machen war ein Fehler – ein bürokratischer Fehler des zuständigen Bauausschusses.

SPIEGEL: Sie kritisieren also nur das Timing, nicht aber den Plan, die bestehenden Siedlungen auszubauen?

Lieberman: Sie müssen verstehen: Es handelt sich nicht um Siedlungen. 65 Prozent der jüdischen Bevölkerung Jerusalems leben in den neuen Wohnvierteln, die wir nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967 errichtet haben.

SPIEGEL: Sogar für die Amerikaner sind es Siedlungen. Sie liegen jenseits der 67er-Grenze, und das ist ein Problem.

Lieberman: Sie liegen jenseits der 67er-Grenze, aber es handelt sich nicht um kleine Dörfer, sondern um Stadtteile mit Zehntausenden Einwohnern.

SPIEGEL: Also haben Sie ein umso größeres Problem!

Lieberman: Das ist kein Problem, sondern ein integraler Teil unserer Hauptstadt. Wir sind nicht bereit, über Jerusalem zu verhandeln.

SPIEGEL: Einerseits kritisieren Sie die Palästinenser dafür, Vorbedingungen zu stellen, andererseits weigern Sie sich selbst, über so einen zentralen Streitpunkt wie Jerusalem zu sprechen.

Lieberman: Premierminister Benjamin Netanjahu hat eine Rede in der Bar-Ilan-Universität gehalten, in der er zum ersten Mal die Zwei-Staaten-Lösung anerkannt hat. Das war eine schwierige Entscheidung, vergessen Sie nicht, es handelt sich um eine rechtsgerichtete Regierung. Zweitens haben wir die Zahl der Straßensperren im sogenannten Westjordanland verringert und die Bewegungsfreiheit der Palästinenser erweitert. Dadurch haben wir den palästinensischen Städten ein Wirtschaftswachstum von acht Prozent ermöglicht. Drittens haben wir ein weitgehendes Moratorium über den Siedlungsbau verhängt.

SPIEGEL: An das Sie sich aber nicht halten: Gerade hat Verteidigungsminister Ehud Barak in der Westbank-Siedlung Beitar Illit 112 neue Wohnungen bewilligt.

Lieberman: Wir haben innerhalb eines Jahres viele Vorleistungen erbracht, und trotzdem sagt die ganze Welt: „Okay, das ist gut, aber ihr müsst noch mehr liefern.“

SPIEGEL: Auch die USA fordern von Israel zusätzliche Gesten. Werden Sie etwas anbieten?

Lieberman: Wir haben viele Gesten an die Palästinenser gemacht. Wir erwarten jetzt von den Amerikanern, Druck auf die Palästinenser auszuüben, damit sie mit ihren anti-israelischen Aktivitäten in der ganzen Welt aufhören. Die Palästinenser müssen ihre Klagen vor internationalen Gerichten gegen israelische Offiziere zurücknehmen, den Boykott israelischer Waren stoppen und ihre Hetzreden beenden. Wenn das nicht passiert, welchen Anreiz haben wir, weitere Kompromisse zu machen?

SPIEGEL: Ist die Aussicht auf einen Friedensvertrag mit den Palästinensem nichts?

Lieberman: Wir wollen in erster Linie Sicherheit. Die internationale Gemeinschaft macht einen strategischen Fehler. Man kann Frieden nicht erzwingen. Zuerst muss man Sicherheit und Wohlstand schaffen, dann kann man eine umfassende Lösung erreichen.

SPIEGEL: Also sind Verhandlungen mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sinnlos?

Lieberman: Nein, wir müssen den politischen Prozess am Leben erhalten. Gespräche sind besser als nichts. Das Problem ist, dass wir nicht wissen, wen Mahmud Abbas repräsentiert. Seine Fatab hat 2006 die Wahl verloren. 2007 hat die Hamas im Gaza-Streifen gewaltsam die Macht übernommen.

SPIEGEL: 19 Jahre nachdem der Friedensprozess mit der Konferenz von Madrid begann, führen Sie jetzt erneut sogenannte indirekte Gespräche. Der US-Sondergesandte Mitchell will die 15 Kilometer zwischen Jerusalem und Ramallah hinundher pendeln. Warum so kompliziert?

Lieberman: Wir waren von Anfang an für direkte Gespräche, ob in Jerusalem oder Ramallah. Es sind die Palästinenser, die sich dagegen wehren. Und sie fühlen sich dadurch bestärkt, dass der Westen ständig über die Siedlungen spricht.

SPIEGEL: Halten Sie die Amerikaner für naiv?

Lieberman: Ich weiß nicht, ob sie naiv sind. Ich glaube nur an Fakten, und die lauten: Trotz der Siedlungen haben wir zwei Friedensverträge geschlossen, einen mit Ägypten und einen mit Jordanien. Und obwohl sowohl Ehud Barak als auch Ehud Olmert bereit waren, die meisten Siedlungen zu räumen und zur Grenze von 1967 zurückzukehren, haben sich die Palästinenser geweigert zu unterschreiben. Wir haben mit dem Autonomieabkommen von Oslo die Hälfte des Wesjordanlandes aufgegeben…

SPIEGEL:… nicht Sie, sondern die linke Regierung des damaligen Ministerpräsidenten Jitzchak Rabin.

Lieberman: Ja, ich war dagegen, und es tut mir leid, dass ich recht hatte. 16 Jahre lang haben wir Zugeständnisse gemacht, aber die Palästinenser haben nur abgelehnt. Obwohl es auf israelischer Seite all die netten Typen waren: Rabin, Peres, Barak, Olmert, Scharon. Nicht so böse Kerle wie ich.

SPIEGEL: Scharon, ein netter Typ?

Lieberman: Er hat die Siedlungen im Gaza-Streifen geräumt.

SPIEGEL: Wozu brauchen Sie die Siedlungen im Westjordanland überhaupt?

Lieberman: Zuerst einmal sind Judäa und Samaria der Geburtsort unserer Nation seit den Tagen der Bibel. Aber die Siedlungen dienen auch unserer Sicherheit.

SPIEGEL: Die Siedlungen? Gefährden die nicht in Wahrheit Ihre Sicherheit?

Lieberman: Nein. Die Siedlungen um Jerusalem etwa sind für uns wie ein Zaun.

SPIEGEL: Aber Sie haben doch bereits eine Mauer zwischen Jerusalem und das Westjordanland gebaut.

Lieberman: Die Siedlungen sind ein zweiter Sicherheitsring, wir brauchen sie. Aber wir sind bereit, über einen Teil von ihnen zu verhandeln.

SPIEGEL: Sie wohnen selbst in einer Siedlung: Nokdim, südöstlich von Betlehem.

Lieberman: Und ich habe gesagt, dass ich bereit wäre, sie aufzugeben. Aber ich muss sicher sein, dass es auf der anderen Seite einen Partner gibt, der Ergebnisse liefert. Unsere Erfahrung sagt, dass es keinen Partner und keine Ergebnisse gibt.

SPIEGEL: Vielleicht hat Israel bislang einfach nicht genug geboten?

Lieberman: Es gibt ein fundamentales Missverständnis über die Natur dieses Konflikts. Er begann als nationaler Streit zweier Völker um ein Stück Land. Aber er hat sich in einen religiösen Konflikt verwandelt. Wir führen einen Kulturkampf, den man nicht mit territorialen Zugeständnissen beilegen kann.

SPIEGEL: Israels Motive sind doch teilweise auch religiös, kürzlich erklärte Ihre Regierung das Grab des biblischen Urvaters Abraham in Hebron zum „zionistischen Kulturerbe“. Es wird aber auch von Muslimen als Heiligtum verehrt.

Lieberman: Hebron war die erste jüdische Stadt, hier nahm unsere Nation mit König David ihren Anfang. Wir haben den Status quo des Abraham-Grabs nicht verändert, Muslime haben freien Zugang zu der dortigen Moschee. Diese Toleranz gibt es auf muslimischer Seite nicht. Letzte Woche rief die Hamas zu einem „Tag des Zorns“ auf, weil wir im jüdischen Teil der Altstadt von Jerusalem die 1948 zerstörte Hurva-Synagoge wiedereröffnet haben.

SPIEGEL: Was ist Ihre Lösung?

Lieberman: Ich sehe derzeit keine Lösung, wir sollten uns darauf konzentrieren, den Konflikt zu managen. Sehen Sie eine Lösung in Afghanistan? Im Irak?

SPIEGEL: In Afghanistan weniger, im Irak schon eher.

Lieberman: Wenn der Westen in so vielen Teilen der Welt gescheitert ist, können Sie nicht erwarten, dass ausgerechnet der Konflikt in unserer Ecke lösbar ist. Sie können einen islamistischen Tsunami nicht stoppen, indem Sie irgendwo im Ozean eine kleine Insel aufschütten. Das größte Problem ist der aggressive Einfluss Irans.

SPIEGEL: Derzeit verhandelt der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen über neue Strafmaßnahmen gegen Teheran. China und Russland haben bisher immer „lähmende Sanktionen“ abgelehnt. Ist es ohne diese Länder möglich, Teheran vom Bau der Atombombe abzuhalten?

Lieberman: Das Problem sind nicht nur Russland und China, sondern auch Indien, die Türkei und andere. Aber es würde ausreichen, wenn der Westen, die EU, Japan, Australien und Kanada, harte Sanktionen verhängen. Das würde dem iranischen Atomprogramm die Luft abschnüren.

SPIEGEL: Tut Deutschland Ihrer Meinung nach genug?

Lieberman: Deutschland spielt eine sehr positive Rolle. Bei meinem letzten Besuch hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, dass die deutsche Regierung von der Notwendigkeit harter Sanktionen überzeugt ist. Ich fürchte nur, dass Streitigkeiten und ein Mangel an politischem Willen innerhalb der internationalen Gemeinschaft echte Sanktionen verhindern könnten.

SPIEGEL: Wird es dann einen Militärschlag geben?

Lieberman: Ich glaube nicht, dass Israel die Verantwortung dafür übernehmen sollte. Aber wir nehmen keine Option vom Tisch.

SPIEGEL: Was ist die größere Gefahr für Israel: ein nuklear bewaffneter Iran oder die Unterstützung Teherans für die Hamas und die libanesische Hisbollah?

Lieberman: Die größte Gefahr ist die Unschlüssigkeit der internationalen Gemeinschaft. Iran bedroht die ganze Welt. Es ist kein Zufall, dass die Iraner keinen Unabhängigkeitstag feiern, sondern den Jahrestag der Revolution. Revolutionäre trachten immer danach, ihre Revolution zu exportieren. Das war bei den Bolschewiken so und auch bei Che Guevara. Daher sehen wir iranische Aktivitäten in der ganzen Welt: in Afrika, in Südamerika und natürlich im Nahen Osten; bei Hamas, Hisbollah oder Muktada al Sadr im Irak. Sie sind alle Stellvertreter Irans.

SPIEGEL: Und deshalb musste der Mossad den Hamas-Waffenhändler Mahmud alMabhuh in Dubai töten?

Lieberman: Sie müssen zu viele James-Bond-Filme gesehen haben. Ich habe das Video der Dubaier Polizei auch im Fernsehen gesehen, aber es gibt keinerlei Beweise.

SPIEGEL: Alle Indizien führen nach Israel. Die Agenten nutzten zum Beispiel Identitäten von Juden, die aus Großbritannien und Australien nach Israel eingewandert sind.

Lieberman: Wir kooperieren mit Großbritannien und Australien in den Ermittlungen. Sie haben Polizei-Inspektoren nach Israel entsandt.

SPIEGEL: Sie sagen, es war nicht der Mossad?

Lieberman: Wir bekämpfen den Terror jeden Tag. Und wir versuchen, trotz allem eine Demokratie mit klaren Regeln zu bleiben. Ich erwarte von der Welt mehr Verständnis für unsere Probleme.

SPIEGEL: Einer der mutmaßlichen Täter benutzte einen deutschen Pass, den er mit dem Hinweis beantragt hatte, seine Eltern seien Holocaust-Überlebende. Der deutsche Generalstaatsanwalt ermittelt wegen Verdachts auf Mord und Agententätigkeit. Wird Israel ein Rechtshilfe-Ersuchen aus Deutschland positiv beantworten?

Lieberman: Wir werden helfen, so gut wir können. Wir kooperieren auf allen Ebenen mit der Bundesrepublik.

SPIEGEL: Im Bundesnachrichtendienst ist man irritiert, weil Israel offenbar einen Hamas-Mann umgebracht hat, während der BND gleichzeitig auf Bitten Israels mit der Hamas über eine Freilassung des entführten Soldaten Gilad Schalit verhandelte.

Lieberman: Wir schätzen das deutsche Engagement im Fall Schalit sehr.

SPIEGEL: Im BND heißt es, die israelische Regierung sei von einem bereits ausgehandelten Gefangenenaustausch in letzter Minute zurückgetreten.

Lieberman: Ich kommentiere das nicht. Wir werden alles tun, um dieses für uns hochsensible Kapitel abzuschließen.

SPIEGEL: Es heißt, Sie verstünden sich gut mit Außenminister Guido Westerwelle. Sie haben in Jerusalem eine Zigarre zusammen geraucht.

Lieberman: Westerwelle ist ein sehr ernstzunehmender Politiker. Ich denke, er vertritt Deutschland würdig.

SPIEGEL: Die meisten Deutschen sehen das derzeit anders. Sie finden, er benehme sich mehr wie ein Oppositionsführer denn wie ein Außenminister. Warum haftet Ihnen das Image des bösen Typen an?

Lieberman: Die Menschen haben die Wahl zwischen der süßen Lüge und der bitteren Wahrheit. Ich sage die bittere Wahrheit, aber viele Menschen wollen sie nicht hören.

SPIEGEL: Herr Außenminister, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

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Time am 26. März 2010