Posts Tagged ‘Bahrein’

Streiten erlaubt

22. Oktober 2010

Manama, Hauptstadt Bahreins

Einen interessanten Bericht aus Bahrein lieferte in der heutigen FAZ der wie stets gut informierte Rainer Hermann ab. Auch wenn er den Einfluss Irans auf die Schiiten Bahreins herunterzuspielen versucht, kommt er nicht umhin, zumindest die Inspiration zu nennen, die der globale Jihad durch die Machtergreifung Klo Menies 1979 erfahren hat. Wie auch immer, wenn sich Sunniten und Schiiten streiten, freut sich der Rest der Welt.

_____

Überschattete Wahlen

In Bahrein ist der Zwist zwischen Schiiten und Sunniten
wieder entbrannt

Reifen brennen in den Straßen der bahreinischen Hauptstadt Manama nicht mehr, Kundgebungen finden auch nicht mehr statt. Seit dem Sommer wurden aber mehr als 250 jugendliche schiitische Aktivisten festgenommen, 23 von ihnen gelten als „Terroristen“. Gegen sie beginnt am 28. Oktober der Prozess. Fünf Tage zuvor, an diesem Samstag, wählt Bahrein zum dritten Mal seit Beginn des Reformprozesses 2002 ein Parlament. Im bisherigen Parlament stehen 23 sunnitischen Abgeordneten, die loyal zur Regierung sind, 17 oppositionelle schiitische Abgeordnete der islamistischen Wifaq-Partei gegenüber. Das Wahlrecht sorgt dafür, dass die Sunniten, die 30 Prozent der Bevölkerung stellen, im Parlament eine Mehrheit bilden. Denn in einigen sunnitischen Wahlkreisen vertritt ein Abgeordneter gerade 700 Wähler, in schiitischen Wahlkreisen sind es hingegen bis zu 18 000.

Die Wahlen finden in einer angespannten Lage statt. Am 13. August hatte die Verhaftungswelle begonnen. König Hamad Bin Isa Al Chalifa war am zweiten Tag des Ramadan mit der Führung des Sicherheitsapparats und der Geheimdienste zusammengetroffen. Wenige Tage zuvor hatte er in einer seiner Gesten, die ihm auch bei der schiitischen Mehrheit Sympathien verschaffen, die einflussreiche schiitische Gelehrtenfamilie Asfoor besucht und ihr versprochen, einen bekannten politischen Gefangenen zu begnadigen. Darauf warnten ihn die Hardliner am königlichen Hof, er schwäche damit den Staat. Nur mit eiserner Faust könnten die Ausschreitungen beendet werden. Um das zu belegen, zeigten sie ihm Videos mit Randalierern.

So ließ sich der König am 13. August überzeugen und gab das Signal, gegen die Opposition vorzugehen. Die Sicherheitskräfte verhafteten 230 Aktivisten, die überwiegend der verbotenen Gruppierung „Haqq“ zugerechnet werden, die sich von „Wifaq“ abgespalten hat und einen Boykott des politischen Prozesses fordert. Sondereinheiten errichteten Straßenkontrollen, zivil gekleidete Geheimdienstleute entführten schiitische Jugendliche, veröffentlichten zur Abschreckung ihre Bilder und ließen sie wieder frei. In schiitischen Stadtvierteln konfiszierten sie vom 20. August Häuser, dem prominenten Ajatollah Nadschati entzogen sie die Staatsangehörigkeit. Eine Schmierkampagne begann gegen die Familie Fairuz, die für den „Wifaq“ zwei Abgeordnete stellt. Die Sozialministerin löste den Vorstand der unabhängigen Menschenrechtsorganisation auf, und der Justizminister gab die Order aus, gegen Geistliche vorzugehen und die Website des Wifaq zu sperren.

In wenigen Wochen hatte sich das Klima dramatisch verschlechtert. Um den Schein der Rechtsstaatlichkeit zu wahren, wandte die Regierung ein Gesetz aus dem Jahr 2006 an, das Terror als alles das definiert, was dem Land schadet, die öffentliche Ordnung stört und die nationale Einheit gefährdet. Damit waren die 23 Jugendlichen „Terroristen“. Die Sprache änderte sich, als die stellvertretende Staatssekretärin im amerikanischen Außenministerium, Janet Sanderson, am 12. Oktober Bahrein besuchte und ihr Unbehagen am Vorgehen der Polizei und Justiz ausdrückte. Die pauschale Stigmatisierung von jugendlichen Randalierern als „Terroristen“ wurde eingestellt.

Die Repressionswelle hat mit den Wahlen am Samstag zu tun. Denn in der Vergangenheit wussten der Hof, die Sicherheitsdienste und die Regierung das Parlament unter Kontrolle. Sie konnten auf eine loyale Mehrheit setzen, spielten Sunniten und Schiiten gegeneinander aus, und zur Not stoppte die zweite Kammer, die „Madschlis al Schura“, in dem 40 vom König ernannte Senatoren sitzen, Gesetzesentwürfe des Parlaments, etwa als schiitische und sunnitische Islamisten Alkohol verbieten wollten. Dem Staat spielen solche Initiativen in die Hände. Denn sie eignen sich als Beleg für die Aussage, eine völlige Demokratisierung würde Bahrein ins Mittelalter zurückwerfen.

Seit November 2009 ist die Staatsspitze aber zunehmend nervös. Erstmals zeichnete sich eine Mehrheit gegen die Regierung ab. Der schiitische Abgeordnete Abduldschalil Chalil setzte 2007 die Gründung eines Parlamentsausschusses durch, der die Übertragung von Staatsland an Private untersuchte. Der Ausschuss wies nach, dass in den vergangenen zehn Jahren der Hof 8 Prozent von meist lukrativem Staatsland an Private verschenkt hatte. Bei weiteren 14 Prozent legen die Indizien ebenfalls eine Überschreibung an Private nahe. Bei einigen Grundstücken war im Grundbuch der Vermerk eingetragen, dass sie für den Bau von Sozialwohnungen vorgesehen waren. Der Wert des verschenkten Staatslands entspreche den Kosten für den Bau von 300.000 Sozialwohnungen, sagt Chalil. In Bahrein fehlen aber 47.000 Sozialwohnungen. Auf sie haben laut Gesetz Arme einen Anspruch, und das sind überwiegend Schiiten. Der Skandal war so groß, dass sich die sunnitischen Abgeordneten der schiitischen Opposition anschlossen und im April mit 35 der 40 Stimmen dem Abschlussbericht zustimmten.

Das hat den Staatsapparat alarmiert. Eine Entlastungskampagne richtete sich gegen den legalen Wifaq, dem der Staat vorwarf, Bahrein an Iran verkaufen zu wollen. In der aufgeheizten Atmosphäre traf sich der britische Botschafter mit dem Vorsitzenden des Wifaq, Ali Salman, so dass ein Kesseltreiben auch gegen ihn einsetzte. Die staatsnahen Medien forderten den Landesverweis für den „kolonialistischen Botschafter“. Ein Bauernopfer wurde Staatsminister Mansur Bin Rajab, ein Schiit. Er hatte mit dem Skandal nichts zu tun, ist aber als besonders korrupt bekannt. Seine Entlassung sollte ein Zeichen setzen, dass man keinem Schiiten trauen könne, selbst wenn er dem König nahestehe. Am 8. August wurde er rehabilitiert. Unmittelbar danach begann die Verfolgung von Dissidenten und Oppositionellen.

Vor der Parlamentswahl zeichnen sich die Konturen der gesellschaftlichen Spannungen Bahreins wieder schärfer ab. Viele Schiiten sind unzufrieden, stellen die Monarchie aber nicht in Frage. Zwei Drittel von ihnen leben an der Armutsgrenze. Ihre Dörfer umgeben die Glitzerviertel der Hauptstadt Manama, so dass sie sich wie Slumdogs vorkommen. Allein mit polizeilichen Mitteln ist ihre Unzufriedenheit nicht aus der Welt zu schaffen. Schiiten wie Sunniten sind sich einig, dass die Spannungen auch ohne den Nachbarn Iran bestünden.

Die Schiiten Bahreins sind Araber. Viele ihrer Geistlichen haben an den beiden wichtigen theologischen Hochschulen Irans, Qom und Mashhad, studiert. Das politische System Irans hält aber nicht einmal eine Minderheit der bahreinischen Schiiten für erstrebenswert. Seit der iranischen Revolution von 1979 sind sie jedoch einem Generalverdacht ausgesetzt. Denn bis 1979 hatten sie eine schiitische Lehre praktiziert, die unpolitisch war und sich auf das Jenseits ausrichtet. Mit der Revolution wandten sich aber auch die Schiiten von dieser Ichbari-Tradition ab und wurden wie die iranischen Schiiten Usuli. Sie wurden politischer, stellten das Diesseits in den Vordergrund und entwickelten gegenüber der reichen sunnitischen Minderheit erstmals eine ausgeprägte schiitische Identität. Viele erwarten, dass der König als Signal für eine Entspannung nach der Wahl politische Gefangene begnadigt.

_____

Time am 22. Oktober 2010

_____

PS, sehr lesenswerter Aufsatz von Johannes Teyssen, Vorstandsvorsitzender von Eon, unter: http://www.faz.net/s/RubEC1ACFE1EE274C81BCD3621EF555C83C/Doc~E2EFED7656F3D4861B64A2C211B8FD2A6~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Macht besser keine Geschäfte mit Orks!

26. November 2009

In den letzten Tagen überschlugen sich im üblicherweise nüchternen Wirtschaftsteil der FAZ die Emotionen, von Ehrfurcht bis Begeisterung war alles vertreten, eine Stimmung wie am Klondike 1896-1898 (1). Was war geschehen? Die Deutsche Bahn hatte einen Auftrag über 17 Milliarden mit dem Emirat Qatar besiegelt. Die FAZ berichtete am 22. November (2):

„(…) Bahnchef Rüdiger Grube unterzeichnete am Sonntag in der Hauptstadt Doha den Vertrag für die Gründung einer Entwicklungsgesellschaft, an der die Tochter DB International 49 Prozent (! T.) der Anteile hält. Das gemeinsame Unternehmen soll Planung und Bau von Fern- und Güterzugstrecken sowie einer Metro in Doha steuern. Auch Hochgeschwindigkeitsverkehr ist vorgesehen. Grube sagte, der Bahn helfe ein solches Engagement ‚gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, Arbeitsplätze AUCH im INLAND zu sichern.‘ Mit dem Vorhaben in Qatar sehe der Konzern außerdem gute Chancen, auch in ANDEREN arabischen Staaten ins Geschäft zu kommen. In den nächsten beiden Jahrzehnten seien in der Region Investitionen in dreistelliger Milliardenhöhe für den Aufbau oder die Erweiterung von Eisenbahnnetzen zu erwarten. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), der auch nach Doha reiste, sagte zu dem Vorhaben: ‚Bei der Planung des Verkehrskonzepts, dem Bau der Infrastruktur, der Lieferung der Fahrzeuge und dem Betreibergeschäft sind für deutsche Unternehmen Milliardenumsätze möglich.‘ In Qatar bekommt das Gemeinschaftsunternehmen ‚Qatar Railways Development Company‘ ein Planungsbudget von 700 Millionen Euro. Dabei sollen die Deutschen zwei der vier Geschäftsführer stellen, darunter in den ersten vier Jahren den Spitzenmann. Mitgesellschafter ist die staatliche Gesellschaft Qatari Diar. Zunächst sollen rund 50 Experten der DB International im Wüstenstaat die Arbeit aufnehmen. Umgesetzt werden soll ein im vergangenen Jahr erarbeitetes Konzept. Es umfasst ein 300 Kilometer langes Metrosystem in Doha mit vier Linien, eine 180 Kilometer lange Hochgeschwindigkeitstrasse nach Bahrain für maximal Tempo 350 sowie weitere Strecken für Güter- und Personenzüge.“

Einen Tag später wurde bekannt, daß auch Hochtief dabei ist, einzusteigen (3):

„Zwischen Qatar und Bahrain – Hochtief will RIESENBRÜCKE bauen – Die ‚Freundschaftsbrücke‘ soll ab dem Jahr 2014 Bahrain mit Qatar verbinden… Dabei geht es um den Bau einer der längsten Brücken der Welt. Das Bauwerk soll Qatar mit dem Königreich Bahrain verbinden… Im Jahr 2014 sollen die ersten Autos und Züge über das Bauwerk rollen…  Konsortialführer des Bauprojekts sind die Essener Hochtief AG und der französische Konzern Vinci. Ein Sprecher von Hochtief bestätigte FAZ.NET am Montag, dass das Unternehmen erste kleine Teilaufträge erhalten habe. Der Hauptauftrag stehe aber noch aus. Zur genauen HÖHE der Investitionssumme und zu weiteren Einzelheiten wollte das Unternehmen derzeit KEINE Angaben machen. (Weshalb die FAZ jetzt mit Aspekten füllt, die eher in ihren Technik-Teil gehören, T.:) Das Bauwerk besteht aus verschiedenen Abschnitten: In den seichteren Bereichen sind künstliche Dämme für die Fahrbahnen geplant von 18 Kilometern Länge. Für die tieferen Meeresabschnitte sind Viadukte und Brücken von nochmals insgesamt 22 Kilometern geplant. Dazu gehören auch zwei 400 Meter lange Schrägseilbrücken, die von Schiffen passiert werden können… Derzeit wird das endgültige Design der Brücke überarbeitet. Neben den vier Fahrbahnen für den Autoverkehr soll die Brücke auch mit der Eisenbahn überquert werden können… In den vergangenen Jahren wurden weltweit spektakuläre Brücken und Dämme geplant und gebaut. Als längstes Bauwerk dieser Art… uswusf.“

Natürlich ist sowas mal wieder DIE Gelegenheit für FAZ-Ali2 Wolfgang Günther Lerch, in der heutigen FAZ die Weisheit eines mohammedanistischen Vogelscheichs zu preisen:

„Der Veränderer – Noch ist es ein Zukunftsprojekt, doch schon die AUSPIZIEN (= Aussichten, T.) machen staunen: Bahnchef Rüdiger Grube hat mit Qatar eine Absichtserklärung über ein gigantisches Vorhaben unterzeichnet, das insgesamt einen Umfang von 17 Milliarden Euro haben soll und besonders für die deutsche Bauindustrie wichtig werden könnte. Bis zum Jahre 2018 soll Doha, die Hauptstadt des Emirats, über ein weitgespanntes S-Bahn-Netz verfügen; darüber hinaus ist vorgesehen, eine Eisenbahntrasse quer durch das Emirat, das sich von der Landmasse der Arabischen Halbinsel wie ein Sporn vorwitzig in die Wasser des Persischen Golfs hineinreckt, bis nach Manama zu treiben, in die Hauptstadt des Königreiches Bahrein, 140 Kilometer lang. Dazu wird auch der Bau einer Brücke erforderlich sein, die Qatar mit der Hauptinsel Bahreins verbinden soll.

Das Vorhaben, das von seinem Volumen her schon mit dem Bau der BAGDAD-BAHN (Wiki (4): „So trug die Bagdadbahn zur Annäherung von Großbritannien, Frankreich und Russland bei und war einer der vielen Gründe, die letztendlich zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs führten.“ T.) im deutschen Kaiserreich verglichen worden ist, zeigt wieder einmal, dass die Golfregion gegenwärtig der Entwicklungs-Brennpunkt der arabischen Welt ist. Die benachbarten Vereinigten Arabischen Emirate, insbesondere DUBAI, haben es vorgemacht, den Bau einer Schnellbahn eingeschlossen. Unter der Herrschaft von Scheich Hamad bin Khalifa aus dem Hause der Al Thani zieht Qatar nach, was nicht heißt, dass dies immer so ist. Der Herrscher ist nämlich selbst ein Mann der Anstöße. Seit seiner Machtübernahme im Jahre 1995 – der Vater, Scheich Khalifa, befand sich zu jenem Zeitpunkt gerade zur Erholung in der Schweiz – hat der Emir sein an Bodenschätzen reiches Land systematisch modernisiert. Erdöl und Gas, die Schmiermittel der modernen Industriezivilisation, haben es möglich gemacht. Wer in den neunziger Jahren die noch bis in die Achtziger hinein bescheiden wirkende Hauptstadt Doha besuchte, erkennt sie heute nicht wieder: Aus den wenigen Hochhäusern von damals ist ein Wald geworden, der die Bucht von Doha mit ihrer hübschen Corniche umstellt. Doch die Modernisierung beschränkt sich nicht darauf: Im Zusammenwirken mit Scheicha Mouza, seiner rührigen (Haupt-, T.) Gattin,  hat der Emir auch das Bildungswesen in den vergangenen Jahren enorm entwickelt; zudem ist MANCHES (was z.B.? T.) lockerer geworden in dem islamischen Lebensstil der Einwohner Qatars.

Scheich Hamad, Jahrgang 1952, erhielt zunächst eine traditionelle Bildung in der Heimat. Wie etliche arabische Führer absolvierte er die britische Militärakademie von Sandhurst und machte seine Karriere in der Armee, bis er deren Oberbefehlshaber wurde. Schon 1977 wurde er offiziell zum Kronprinzen ernannt. In seiner Jugend besonders sportlich (er gilt als begeisterter Taucher), ist er auch heute ein engagierter Förderer des Sports in Qatar: Fußball, Tennis, Leichtathletik, Formel 1. Geld legt er auch in Europa an, etwa durch Beteiligungen bei Volkswagen (Porsche). Qatar hat sich unter ihm so drastisch verändert, dass Arabien-Nostalgiker diesen Wandel beklagen. Doch Romantik, wenn es sie denn je gab in Arabien, bedeutet den Menschen dort weniger als den Außenstehenden.“

Das hört sich ja alles ziemlich TOLL an! Aber uuups… was ist denn DAAAS???

„Furcht vor Zahlungsunfähigkeit – DUBAI in Geldnot“ (5) ??? DAS Dubai? Das, wo alles aus Gold ist, sogar die Klobrillen? Das Land, das uns in jeder zweiten Reisebeilage über den goldenen Klee anempfohlen wird (Welches aber tatsächlich, wir mir mehrere Reisende berichteten, stinklangweilig sein soll)? FAZ.net heute:

„Das ehemalige Boom-Emirat Dubai hat Zweifel an seiner Zahlungsfähigkeit geweckt. Die Regierung bat am Mittwoch die Gläubiger der Palmeninsel-Bauherren um einen Zahlungsaufschub und sorgte damit für AUFRUHR an den internationalen Anleihemärkten. Banker reagierten BESTÜRZT, da Vertreter des Emirats WIEDERHOLT VERSICHERT hatten, alle finanziellen Verpflichtungen könnten erfüllt werden. Die Anleger hatten sich darauf VERLASSEN, dass das Emirat seine von der Finanzkrise ausgelösten Probleme nicht zuletzt mit Hilfe der Öl-reichen Nachbarn und Partner in den Vereinigten Arabischen Emiraten bewältigt. Dubai begründete seine Bitte mit der Restrukturierung der staatlichen Holdinggesellschaft Dubai World. Zu den Töchtern von Dubai World gehören neben einem Hafenbetreiber auch die Baufirma Nakheel sowie die Investmentfirma Istithmar.

Für knapp zwei Jahrzehnte sorgten die STAATSEIGENEN Betriebe für einen wohl beispiellosen Boom Dubais in vielen Bereichen von Bau über Transport hin zur Finanzbranche. Die Dach-Holding Dubai World brauche Zeit für ihre Neuordnung und BEMÜHE sich um einen Aufschub bei der Rückzahlung der Schulden bis MINDESTENS 30. Mai 2010, teilte die Regierung mit. Der Bau der spektakulären Palmen-Inseln im Meer galt vor der Krise als DEMONSTRATION des UNGEHEUREN finanziellen Potenzials des Landes mit seinen 1,7 Millionen Einwohnern. Die Rückzahlung der dafür aufgenommenen SCHULDEN ist nun in der Kreditklemme aber auch der Lackmus-Test dafür, ob das Emirat seinen Verpflichtungen trotz des Abschwungs nachkommen kann. Anzeichen für Schwierigkeiten gibt es SCHON seit EINIGER Zeit: So hatte etwa die Immobilienfirma Nakheel im Januar ihre Pläne für den Bau eines 1000 Meter hohen Wolkenkratzers in Dubai wegen der globalen Finanzkrise auf Eis gelegt.

Dubai World hat offiziellen Angaben zufolge Schulden im Umfang von 59 Milliarden angehäuft. Dies sind laut Schätzungen drei Viertel der gesamten Staatsschulden von etwa 80 Milliarden Dollar. Bei einer Einwohnerzahl von offiziell 1,7 Millionen macht dies grob überschlagen 47.000 Dollar pro Einwohner. Deutschland hat zum Vergleich etwa eine Staatsverschuldung von 1,5 Billionen Euro, derzeit also etwa 2,25 Billionen Dollar. Bei einer Einwohnerzahl von etwa 82 Millionen kommt man auf eine Pro-Kopf-Verschuldung von etwa 27.500 Dollar. Die Zeit in Dubai drängt: Ein Nakheel-Bond über 3,5 Milliarden Dollar wird demnach am 14. Dezember fällig, eine Vereinbarung über knapp eine Milliarde Dollar am 13. Mai. Ein weiterer Immobilien-Entwickler unter dem Dach von Dubai World, Limitless, muss zum 31. März 1,2 Milliarden Dollar zurückzahlen. ‚Der Markt hat eine pünktliche Rückzahlung der 3,5 Milliarden Dollar erwartet‘, sagte Eckhart Woertz vom Golf-Forschungszentrum. Nun sei viel VERTRAUEN zerstört. Andere Vermögensverwalter bezeichneten das SIGNAL aus Dubai als SCHOCKIEREND. (…)“

Wenn ein Wüstenscheuch f*rzt, p*rzeln die Aktienkurse:

„Zu den Gläubigern der staatlichen Holding Dubai World zählen einer Meldung der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge unter anderen Credit Suisse, Royal Bank of Scotland (RBS), HSBC, Barclays und Lloyds Banking. Die Aktien von RBS verloren in London 8 Prozent. Die HSBC-Titel gaben um 5,3 Prozent nach. Einem Credit-Suisse-Sprecher zufolge hat die Schweizer Großbank kein nennenswertes Dubai-Risiko. Der Aktienkurs brach trotzdem um mehr als 5 Prozent ein. Die Titel des Börsenbetreibers London Stock Exchange (LSE) verbilligten sich um 7 Prozent.(…) Unter Druck gerieten auch die Titel von Daimler (minus 4,2 Prozent) und die Stammaktien von Volkswagen (minus 4,3 Prozent). Noch deutlicher fielen die Porsche-Aktien mit 5,7 Prozent.“ (6)

Im Fall Dubai werden wir es wohl so machen wie die Russen im Fall Libyen, und den Orks ihre Schulden erlassen unter der harten Bedingung, daß sie dafür erstklassige Rüstungsgüter von uns als Geschenk annehmen (7). Im Fall Qatar, so fürchte ich jedoch, werden zuvor doch auch noch einige ein ganz böses Erwachen erleben, und ich könnte mir denken, dass Bahnchef Rüdiger Grube in nicht allzu ferner Zukunft zu ihnen gehören wird. „VERSICHERN“, „SICH VERLASSEN“, „SICH BEMÜHEN“, „VERTRAUEN“, das sind Begriffe, die, wenn man schon meint, mit Orks Geschäfte machen zu müssen, völlig verfehlt sind. Die Frage ist nicht, ob sie dich über’s Ohr hauen wollen oder nicht, und auch nicht die, ob sie es schaffen (sie schaffen es), die Frage ist nur die Höhe des Schadens, mit dem du aus dem „Geschäft“ aussteigen kannst. Laß es lieber! Die AUSPIZIEN, am Klondike einen Batzen Gold zu finden, der vor 111 Jahren von den hunderttausend Diggern dort übersehen worden ist, sind ungleich besser!

Time am 26. November 2009

_____

(7) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/10/20/ich-weis-ich-weis/
und  https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/10/21/dreist-dreister-saudisch/

____

Nachtrag 2.12.09: Der Scheich sagt „Ätsch“ – FAZ, 30. November: „Die Regierung von Dubai hat bekräftigt, dass die Schulden des Staatskonzerns Dubai World NICHT durch den Staat garantiert sind. Der Finanzminister des Emirats, Abdurrahman al Saleh, sagte am Montag nach der Schließung der Börsen in Dubai und Abu Dhabi dem lokalen Fernsehen, Dubai World sei KEIN Teil der Regierung. Die Gläubiger müssten SELBST die Verantwortung für die Mittel übernehmen, die sie Dubai World gegeben hätten. Die Regierung habe Dubai World unter der Prämisse gegründet, dass das Unternehmen auf der Grundlage der Wirtschaftlichkeit seiner Projekte fremde Mittel aufnehme. Er forderte die Gläubiger auf, ihren Teil zur Sanierung von Dubai World beizusteuern. Dubai World ist AUSSCHLIESSLICH im Besitz des STAATS Dubai. Seine Verbindlichkeiten werden auf 59 Milliarden Dollar geschätzt. Viele Gläubiger hatten darauf gesetzt, dass die Verbindlichkeiten durch das Emirat garantiert seien – selbst wenn die Verträge, die sie unterzeichnet hatten, dies ausdrücklich ausschlossen. Die Regierung des Emirats vertritt die Auffassung, die Unternehmen agierten als selbständige wirtschaftliche Einheiten. Da die Grenzen zwischen Staat und Privatwirtschaft FLIESSEND sind, rechneten viele dennoch mit einer Staatsgarantie. (…)“