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Schlecht für alle

13. Oktober 2011

„… und schuf sie als Mann und Weib.“

Der Mohammedanismus erscheint dem aufmerksamen Leser als eine zutiefst misogyne Ideologie (1). Etliche Kloranstellen behaupten, die Frau sei minder­wertiger als der Mann, sie behaupten, das Wesen, das das gesamte Uni­versum geschaffen habe, sei der Ansicht, dass die Frauen sich ihren Ehemännern jederzeit für den Koitus zur Verfügung zu stellen hätten (2/223, Recl. S.54).

Tragisch ist die Geschichte der Aischa (2), die als Sechsjährige mit Klo H. Met­zel verheiratet und als Neunjährige von ihm bestiegen wurde. Dieses entsetz­liche Schicksal scheint jedoch nicht den Willen des kleinen Mädchens ge­bro­chen zu haben, zumindest ist folgende Geschichte überliefert. Klo fragte Aischa: “Würde es Dich nicht schmerzen, wenn du vor mir sterben würdest und ich dich in das Leichentuch hülle, das Totengebet über dich spreche und dich begrabe?” Da antwortete Aisha trocken und desillusioniert: “Wahrlich, mir ist, als sähe ich dich vor mir, wie Du nach meinem Begräbnis nach Hause zurück­kehrst und hier mit einer deiner Frauen die Hochzeitsnacht verbringst.“ (“Das Leben des Pro­pheten” von Ibn Ishak, übersetzt von Gernot Rotter, Spohr-Vlg., 1999.)

Zwar hat das Orkmännchen theoretisch immer noch eine Frau unter sich, auf der er herumtrampeln kann, andererseits kommen viele überhaupt nicht zum Zuge, während andere drei, vier oder 200 Ehefrauen haben (3), von den Sklavinnen mal ganz ab­gesehen. Arzu Toker schreibt (4):

„Wenn auch all diese und andere Bestimmungen im Koran in erster Linie die Frau erniedrigen und unterdrücken, so sind sie zugleich eine Erniedrigung des Mannes. Schon die Bestimmung, dass die Frau sich bedecken solle, um den Mann sexuell nicht zu reizen, unterstellt dem Mann, ein Wesen zu sein, das seinen Instinkten nicht wiederstehen kann. Das heißt, er ist mit Zivilisation allein nicht dazu zu bewegen, nicht alles, was sich bewegt und reizend aussieht zu ‚besteigen’, zu belästigen.“

Da hat das Sexmonster Klo H. Metzel, in dessen psychischem Universum ohne­hin nur er allein vorkam, von sich auf alle anderen geschlossen. Und alle an­deren hatten sich ihm, der Alla als sein Alla-Ego verstand, vollständig unterzuordnen. Arzu Toker:

„Die wichtigste Diskussion der vergangenen Jahre hätte nicht ‚Kopftuch ja oder nein?’ sein müssen, sondern ‚Was ist das Menschenbild des Islam?’ oder ‚Ist Islam demokratiefähig?’ Nein, der Islam ist nicht demokratiefähig.“

Demokratie ist eine Angelegenheit geistig gesunder, nüchterner, freundlicher und kooperativer Menschen. Klo hatte nichts davon, er war ein maßlos gieriger und kleinkarierter Psychopath, und das musste vor allem sein Sohn Zaid ibn Haritha spüren, über den es interessanterweise keinen Eintrag in der deutschen, wohl aber in der englischen Wikipedia gibt.

Klo hatte Zaid, einen Jungen, der nördlich von Mekka entführt worden war, als Ge­­schenk von seiner Ehefrau Kadischa bekommen. Als ihn sein Vater und On­kel in Mekka aufspürten und befreien wollten, lehnte Zaid dies ab, weil er bei Klo bleiben wollte. Dies „belohnte“ Klo, indem er Zaid einerseits die Freiheit gab, ihn aber andererseits adoptierte, und also seine Vaterschaft und Patronage über ihn bewahrte. War Zaid verliebt in Klo? Kann sein, Wiki (5): „… he would stay due to the great love that Muhammad had shown him.“ Auf jeden Fall war er Klo H. Metzel bis zum Letzten ergeben, und so ertrug er willenlos die größte Demütigung, die man sich für einen Wüstenaraber vorstellen kann. Er musste seine Frau an Klo H. Metzel abgeben. In aller grausamen Deutlichkeit zeigte Klo auf diese Weise seinen Anhängern, dass seine Macht schrankenlos sei, und dass sich ihr Frauen und Männer gleichermaßen zu unterwerfen hätten: und zwar vollständig.

Churchill verdanken wir das geflügelte Wort von der Demokratie als der „am wenigsten schlechten“ Regierungsform. Klo H. Metzel aber verdanken wir die am wenigsten gute Ideologie. Sie ist für alle schlecht, sogar für den Psychopathen selbst, denn besser wäre er von seinem Wahn geheilt worden. So aber lebte er sein kurzes, beschissenes Leben, bis sein Körper seinen bösen Geist nicht länger ertrug, und er im Alter von 62 Jahren verschied.

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Time am 13. Oktober 2011

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1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/23/kloran-10-das-ding-namens-frau/
2) http://de.wikipedia.org/wiki/Aischa_bint_Abi_Bakr
3) http://www.spielfilm.de/kino/29782/jodhaa-akbar-omu.html
4) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/11/08/alla-hasst-frauen/
5) http://en.wikipedia.org/wiki/Zayd_ibn_Harithah

Genug ist genug!

25. Oktober 2009
 
Rede von Geert Wilders vom 21. Oktober 2009,
gehalten an der Columbia-University in New York
 
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Meine Damen und Herren, es ist ein Privileg und eine große Ehre für mich, an dieser exzellenten akademischen Institution zu sprechen, die der Welt so viele Nobelpreisträger beschert hat. Als Niederländer bin ich stolz darauf, dass Ihr erster Nobelpreisträger im Jahre 1906 von niederländischer Herkunft war: Der jüngste Präsident der Vereinigten Staaten: Theodore Roosevelt.

Ich danke der Columbia Universität für die Einladung und ich danke auch der US-Grenzpolizei, dass Sie mir erlaubt haben, dieses großartige Land der Demokratie, der Freiheit und der freien Meinungsäußerung zu betreten. Meine Damen und Herren, heute wird in ganz Europa die beliebteste unserer vielen Freiheiten angegriffen. Die freie Meinungsäußerung ist nicht mehr gegeben. Was wir einst als ein natürliches Element unserer Existenz, unseres Geburtsrechts ansahen, ist jetzt etwas, für das wir wieder kämpfen müssen.

Ich würde mich selbst nicht als freien Menschen bezeichnen. Vor fünf Jahren habe ich meine persönliche Freiheit verloren. Seitdem stehe ich unter Polizeischutz und das über 24 Stunden. Darüber hinaus haben einige Menschen versucht, mir meine Redefreiheit zu nehmen: Eine niederländische, islamische Organisation versuchte, das Erscheinen des Dokumentarfilms “Fitna” zu verhindern. Wegen “Fitna” verlangte der radikalste niederländische Imam 55.000 Euro als Entschädigung für seine verletzten Gefühle. Der Staat Jordanien wird möglicherweise einen Antrag auf Auslieferung stellen, damit ich in Amman vor Gericht gestellt werden kann. Ich wurde in Frankreich angeklagt.

In meinem eigenen Land, den Niederlanden, hob das Berufungsgericht Amsterdam die Entscheidung der niederländischen Staatsanwaltschaft auf, mich nicht zu verfolgen. Also werde ich jetzt in meinem eigenen Land vor Gericht stehen, und zwar im Januar nächsten Jahres.

Aber hier geht es nicht um mich. Ich bin nicht der einzige Europäer, der für die Redefreiheit kämpft, es gibt so viele mehr: Der dänische Karikaturist Kurt Westergaard zeichnete eine Mohammedkarikatur und plötzlich waren wir mitten drin in dem sogenannten “dänischen Karikaturenstreit’. Die italienische Autorin Oriana Fallaci hatte Angst vor einer Auslieferung in die Schweiz wegen ihres Buchs “Die Wut und der Stolz”. Eine österreichische Politikerin, Susanne Winter, wurde zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, weil sie unverblümt über den Propheten Mohammed sprach. Der niederländische Karikaturist Gregorius Nekschot wurde von zehn Polizisten wegen seiner Zeichnungen verhaftet. Und der niederländische Filmemacher Theo van Gogh wurde in den Straßen Amsterdams von einem radikalen Muslim brutal ermordet.

Im vergangenen Februar wurde ich von zwei tapferen Mitgliedern des britischen House of Lords – Lord Malcolm Pearson und Baronin Caroline Cox – eingeladen, um “Fitna” im britischen Parlament zu zeigen. Aber bei meiner Ankunft am Flughafen Heathrow wurde mir die Einreise in das Vereinigte Königreich verweigert, aus dem Grund, dass ich die Harmonie der Gemeinschaft und damit die öffentliche Sicherheit gefährden würde.

Das war natürlich eine lächerliche und politisch motivierte Behauptung der britischen Regierung. Ich durfte “Fitna” zeigen und eine Rede halten im US-Senat, in New York, in Florida, in Kalifornien, in Kopenhagen, in Rom, in Jerusalem und im nächsten Monat im Senat der Tschechischen Republik. Aber die britische Regierung verweigerte mir den Zutritt in das Vereinigte Königreich, einem Nachbar-EU-Land. Nun, ich glaube, es war ein großartige amerikanische Idee, damals im 18. Jahrhundert, die Engländer heraus zu werfen.

In der vergangenen Woche fand mein Berufungsverfahren gegen die Weigerung der britischen Regierung in London statt, und ich gewann. Die Freiheit hat sich schließlich durchgesetzt! Ein britisches Gericht entschied, dass die Entscheidung des britischen Innenministers, mich auszuschließen, ungerecht, illegal und eine Verletzung der Redefreiheit war. Glücklicherweise sind die britischen Richter viel klüger als die britische Regierung. Also reiste ich am vergangenen Freitag nach London und traf mich mit meinen Freunden Lord Pearson und Baroness Cox und wir einigten uns darauf, “Fitna” im House of Lords im März nächsten Jahres zu zeigen.

Aber lassen Sie mich Ihnen erzählen, was auch während unserer Pressekonferenz geschah. Ein muslimischer Mob demonstrierte außerhalb und schrie: “Scharia für die Niederlande”, “Der Feind des Islam Geert Wilders verdient die Todesstrafe”, “Freiheit soll zur Hölle fahren” und “Der Islam wird die Welt beherrschen”. Willkommen im heutigen Europa!

Dies alles können Sie sich selbst auf YouTube ansehen. Dies ist genau das, was wir bekämpfen. Und es kommt noch schlimmer. Vor ein paar Tagen berichtete die britische Zeitung The Daily Telegraph, dass eine islamische Gruppe in der Tat eine Kampagne zur Einführung der Scharia in Großbritannien startete. Sie werden sich später in diesem Monat in London zu einer Demonstration treffen, um die vollständige Umsetzung der Scharia zu verlangen.

Bevor ich über den Islam sprechen will, möchte ich Ihnen zunächst Folgendes sagen: Ich habe nichts gegen Muslime. Es gibt viele moderate Muslime. Die Mehrheit der Muslime in unseren westlichen Ländern sind gesetzestreue Bürger, die ein friedliches Leben führen wollen. Das weiß ich. Daher mache ich eine klare Unterscheidung zwischen den Menschen und der Ideologie, zwischen Muslimen und dem Islam.

Was heute in Europa passiert, sollte uns nicht überraschen. Die Realität ist, dass dort, wo der Islam Wurzeln schlägt, die freie Meinungsäußerung stirbt. Es gibt nicht ein einziges islamisches Land in der Welt, in dem die Menschen die Freiheit haben zu sagen, was sie denken. Seit der sogenannte Prophet Mohammed seinen Leuten befahl, die Dichterin Asma bint Marwan zu töten, eine tapfere Frau, die ihr Volk vor diesem mörderischen Kult warnte, denken die radikalen Muslime, sie hätten eine Lizenz erworben, jedermann zu töten, der es wagt, das Wort Mohammeds oder seine Aktionen zu kritisieren. Die freie Meinungsäußerung ist ein Feind des Islam. Der Islam ist eine Bedrohung für das Europa von Sokrates, Voltaire und Galileo.

Wie ich bereits sagte, es gibt viele moderate Muslime. Aber so etwas wie einen moderaten Islam gibt es nicht. Das Herz des Islam ist der Koran. Der Koran ist ein böses Buch, das zu Gewalt und Mord aufruft – Sure 4, Vers 89 und Sure 47, Vers 4 -, Terrorismus – Sure 8, Vers 60 – und Krieg – Sure 8, Vers 39. Der Koran beschreibt die Juden als Affen und Schweine – Sure 2, Vers 65 / Sure 5, Vers 60 und Sure 7, Vers 166. Er nennt nicht-Muslime Lügner, Bösewichte, Feinde, Unwissende, unrein, böse, verschlagen, die schlechtesten aller Geschöpfe und die gemeinsten von allen Tieren.

Das Problem ist, dass die Bestimmungen im Koran nicht an Ort und Zeit gebunden sind. Vielmehr gelten sie für alle Muslime in allen Zeiten. Neben dem Koran gibt es auch das Leben von Mohammed, der in Dutzenden von Kriegen die Verbreitung des Islam mit dem Schwert erkämpft hat, gefangene Frauen und Kinder als Sklaven verkaufte, gewohnheitsmäßig Juden enthauptete und das junge Mädchen Aisha heiratete und die Ehe mit ihr vollzog, bevor sie zehn Jahre alt war. Das Problem ist, dass für viele Muslime Mohammed “der perfekte Mann” ist, dessen Leben sie als Vorbild folgen. Aber die Fakten zeigen, dass der so genannte Prophet kein perfekter Mensch war, sondern ein Mörder und Pädophiler. Und von ihm werden die Jihadisten inspiriert. Mit dem Versprechen eines fleischlichen Paradieses schlachten sie unschuldige Menschen in Washington, New York, Madrid, London, Amsterdam, Bali und Mumbai.

Meine Damen und Herren, vor einiger Zeit wurde in Frankreich ein Interview mit dem französischen muslimischen Schüler Mohamed Sabaoui geführt, der folgendes sagte – ich zitiere: “Ihre Gesetze sind nicht deckungsgleich mit dem Koran. Muslime können nur von der Scharia regiert werden”, und “wir wollen die Stadt Roubaix zu einer unabhängigen, muslimischen Enklave erklären und die Scharia auf alle ihre Bürger anwenden“ und “wir werden ihr Trojanisches Pferd sein. Wir werden herrschen, Allahu Akbar!” Zitat Ende.

Machen Sie keinen Fehler: Der Islam hat immer versucht, Europa zu erobern. Spanien fiel im 8. Jahrhundert. Konstantinopel fiel im 15. Jahrhundert. Wien und Polen wurden bedroht und jetzt, im 21. Jahrhundert, wird der Islam es erneut versuchen. Dieses Mal nicht mit militärischen Armeen, sondern durch Migration und Demographie.

Zum ersten Mal in der Weltgeschichte gibt es Dutzende Millionen von Muslimen, die außerhalb der Dar al-Islam, der islamischen Welt leben. Europa hat nun mehr als 50 Millionen Muslime. Es wird erwartet, dass ein Fünftel der Bevölkerung der Europäischen Union innerhalb von 40 Jahren muslimisch sein wird.

Im Jahr 1974 nahm niemand den algerischen Präsidenten Boumedienne allzu ernst, als er vor der UN-Generalversammlung sagte: “Eines Tages werden Millionen von Menschen die südliche Hemisphäre des Planeten verlassen, um in den Norden aufzubrechen. Aber nicht als Freunde. Denn sie brechen auf, um zu erobern und sie werden ihn erobern durch die Anzahl ihrer Kinder. Wir werden siegen durch den fruchtbaren Leib unserer Frauen”. Ende des Zitats.

Und der libysche Diktator Gaddafi sagte: “Es gibt Dutzende Millionen von Muslimen auf dem europäischen Kontinent und ihre Zahl nimmt zu. Dies ist der klare Hinweis, dass der europäische Kontinent zum Islam konvertieren wird. Europa wird eines Tages ein muslimischer Kontinent sein“. Ende des Zitats.

In der Tat sagt Gaddafi hier die Wahrheit. Durch das islamische Konzept der Migration – namens Al Hijra – ist Europa im Begriff, zu Eurabia zu werden. Europas Kirchen leeren sich, während Moscheen wie Pilze aus dem Boden schießen. Mohammed ist der beliebteste Jungenname in vielen europäischen Städten. Mittelalterliche Phänomene wie Burkas, Ehrenmorde und Genitalverstümmelung von Frauen sind immer stärker verbreitet. Im Vereinigten Königreich sind inzwischen 85 Schariagerichte tätig – in dem gleichen Land, in dem islamische Organisationen das Gedenken an den Holocaust abschaffen wollen, und ein Minister darum bittet, das Rote-Kreuz-Logo zu ändern, weil es die Muslime beleidigen könnte. In Österreich vermeiden Geschichtslehrer, über den österreichischen Krieg gegen die islamischen Invasoren zu unterrichten. In Frankreich werden Lehrer angewiesen, Autoren zu vermeiden, die als beleidigend für Muslime angesehen werden könnten, einschließlich Voltaire. In Norwegen werden den Kindern islamische Lieder beigebracht wie “Allahu Akbar” und “Kleiner Muslim, betest du?” In Belgien wäre ein Mann fast gestorben, nachdem er von Muslimen verprügelt worden war, weil er während des Ramadan getrunken hatte. Juden fliehen in rekordverdächtigen Zahlen aus Frankreich auf der Flucht vor der schlimmsten Antisemitismuswelle seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Entstehung des Islam bedeutet auch den Aufstieg der Scharia in unsere Rechtssysteme. In Europa gibt es alles: Schariatestamente, Hypothekenscharia, Schariaschulen, Schariabanken, wie gesagt im Vereinigten Königreich gibt es sogar 85 Schariagerichte. Der Islam betrachtet die Scharia als über allen von Menschen gemachten Gesetzen stehend, einschließlich über unseren Verfassungen. Wie Sie wissen, umfasst die Scharia alle Bereiche des Lebens, von der Religion, Hygiene und Nahrungsvorschriften, Bekleidungsvorschriften, über Vorschriften des familiären und sozialen Lebens, ausgehend von den Finanzen und der Politik, bis hin zu einer Einheit des Islam mit dem Staat. Schariarecht kennt das Recht der freien Meinungsäußerung und die Religionsfreiheit nicht.

Laut Scharia ist es eine “Tugend”, Apostaten zu töten, aber der Konsum von Alkohol ist ein Verbrechen. Die Einführung schariatischer Elemente in unserer Gesellschaft schafft ein System der gesetzlichen Apartheid. Die Scharia diskriminiert systematisch Gruppen von Menschen. Ich habe nie verstanden, warum die linksliberalen und liberalen Politiker dies alles ignorieren. Historisch waren sie diejenigen, die für die Rechte der Frauen, Homosexuellen, Nicht-Gläubigen und anderen kämpften. Alles Gruppen, die die Ersten wären, die einen hohen Preis zahlen müssten, wenn die islamischen Werte eine beherrschende Stellung einnehmen würden. Ihr Schweigen ist erschreckend. Jetzt kämpfe ich diesen Kampf. Ich kämpfe, um diese Gruppen zu schützen. Ich kämpfe gegen die Islamisierung unserer Gesellschaft und damit für den Schutz der Rechte der Frauen, der Homosexuellen, der Christen, der Juden, der Abtrünnigen, der Nicht-Gläubigen und der Ungläubigen: der Nicht-Muslime. Ich möchte diese Opfer vor der Scharia schützen. Und das sollten wir alle tun. Wenn wir das Problem ignorieren, wird es nicht verschwinden, wenn wir jetzt nicht handeln, wird die Scharia mehr und mehr umgesetzt werden – langsam, aber nach und nach. Das würde das Ende der Meinungsfreiheit und der Demokratie in Europa bedeuten. Dies ist es, was auf dem Spiel steht, nichts Geringeres als unsere Freiheit und Demokratie.

Und bitte machen Sie keinen Fehler: Der Islam kommt auch nach Amerika. Im vergangenen Juli während einer Konferenz in Chicago, organisiert von der Hizb-ut-Tahrir, der internationalen Bewegung mit dem Ziel, einen islamischen Staat unter der Scharia in der Welt zu schaffen, versprach der amerikanische Imam Abdul Jaleel Adil zu kämpfen, “bis der Islam siegen wird, oder wir bei dem Versuch sterben werden”. Auf die Frage: “Wollen Sie die Verfassung der Vereinigten Staaten für die Scharia abschaffen?” antwortete er: “Ja, die Verfassung würde der Vergangenheit angehören”.

Amerika steht vor einem “verdeckten Jihad”, einem islamischen Versuch, “die Scharia Stück für Stück einzuführen”. Lassen Sie mich Ihnen ein paar Beispiele für die Islamisierung in den Vereinigten Staaten geben: Muslimische Taxifahrer am Flughafen Minneapolis haben es abgelehnt, mehr als 5.000 Passagiere zu befördern, weil sie Alkohol bei sich trugen; muslimische Studenten fordern separate Wohnungen auf dem Campus; muslimische Frauen fordern separate Stunden in Turnhallen und Schwimmbädern; Schulen verbieten Halloween- und Weihnachtsfeiern – in der Tat sind es die Schulen, die das Schweinefleisch aus ihren Cafeteriamenüs entfernen, um die muslimischen Schüler nicht zu beleidigen. Meine Damen und Herren, seien Sie sich bewusst, dass dies nur der Anfang ist. Wenn es so weitergeht, werden Sie die gleichen Probleme haben, mit denen wir heute in Europa konfrontiert sind.

Es ist meine Meinung, dass der Islam eher eine Ideologie ist, als eine Religion. Um genau zu sein, der Islam ist eine politische, totalitäre Ideologie mit weltweiten Ambitionen, genauso wie der Kommunismus und Faschismus, weil der Islam genau wie diese Ideologien nicht die Absicht hat, sich in unserer Gesellschaft zu assimilieren, sondern er will dominieren und uns alle unterdrücken. Im Islam gibt es keinen Platz für irgendetwas anderes als den Islam. Ich denke, der große Winston Churchill hatte in vollem Umfang Recht, als er in seinem Buch “Der Zweite Weltkrieg“, Adolf Hitlers “Mein Kampf” als den neuen Koran des Glaubens und des Krieges bezeichnete.

Aber, meine Damen und Herren, der Islam ist nicht das einzige Problem. Es gibt ein zweites Problem, ein Problem, das man kulturellen Relativismus nennt. Unsere gesamte westliche Elite, ob es sich um Politiker, Journalisten oder Richter handelt, ist vom Weg abgekommen. Ihr Realitätssinn ist verschwunden. Diese kulturellen Relativisten glauben, dass alle Kulturen gleichwertig sind. Sie glauben, dass die islamische Kultur unserer Kultur entspricht, die auf dem Christentum, Judentum und dem Humanismus beruht. Unsere Kultur bekennt sich zur Freiheit, den Menschenrechten und zur Gleichstellung von Männern und Frauen und nicht zu Gewalt und Hass.

Den kulturellen Relativisten sage ich mit Stolz: Unsere westliche Kultur ist weit besser als die islamische Kultur. Und wir sollten stolz darauf sein und sie verteidigen. Anders als die meisten Länder, in denen die islamische Kultur dominant ist, haben wir einen Rechtsstaat, eine Demokratie, ein funktionierendes Parlament, Meinungsfreiheit und eine Verfassung, die uns gegen die Regierung schützt.

Es ist klar, dass nicht jeder die Gefahr erkennt. Ich zitiere einen prominenten Amerikaner, der vor kurzem einen Nobelpreis gewonnen hat: “Im Laufe der Geschichte hat der Islam durch Worte und Taten die Möglichkeiten der religiösen Toleranz nachgewiesen“, und “Der Islam ist nicht Teil des Problems bei der Bekämpfung des gewalttätigen Extremismus, er spielt eine wichtige Rolle bei der Förderung des Friedens“ und ”Wir feiern eine große Religion und ihr Engagement für Gerechtigkeit und Fortschritt“. Ende des Zitats. Ich bin mit dieser Einschätzung nicht einverstanden. Der Islam hat nichts gemeinsam mit Toleranz oder Frieden oder Gerechtigkeit!

Präsident Obama feierte auch die Tatsache, dass, als der erste muslimische Amerikaner in den Kongress gewählt wurde, er den Eid auf den gleichen Koran schwor, den einer der Gründerväter – Thomas Jefferson – in seiner persönlichen Bibliothek aufbewahrt hatte. Es ist interessant zu wissen, dass es Thomas Jefferson im Jahre 1801 war, der einen Krieg gegen die islamischen „Barbaresken“-Staaten in Nordafrika führte, um die Plünderung von Schiffen und Versklavung von mehr als einer Million Christen zu stoppen.

Der Botschafter dieser muslimischen Nationen sagte Thomas Jefferson und John Adams, dass die Muslime bei der Suche nach Rechtfertigung für die Abschlachtung und Versklavung von Ungläubigen, dies im Koran gefunden hätten. Nun frage ich Sie, liebe Freunde, könnte es nicht sein, dass Thomas Jefferson eine Kopie des Korans aufbewahrte, weil er den Islam nicht bewunderte, sondern weil er die rücksichtslose Art seiner Feinde verstehen wollte?

Meine Damen und Herren, ich glaube an die Demokratie, ich glaube an das amerikanische Volk und an die Entscheidungen, die es trifft, und in der Regel, als ein Politiker aus Holland, würde ich niemals Ihren Präsident kritisieren. Aber diese Äußerungen von Präsident Obama, betreffen nicht nur Amerika, sondern auch Europa. Ich fürchte, dass Präsident Obamas Äußerungen ein Wendepunkt in der Geschichte sein könnten. Ich befürchte, dass schwerwiegende geopolitische Veränderungen drohen, Veränderungen, die unsere Außenpolitik, unsere Sicht auf die freie Meinungsäußerung verändern werden, Änderungen, die den Westen, unsere Art zu leben zum Schlechteren und nicht zum Besseren verändern werden.

In der Tat passiert es bereits jetzt. Vor kurzem haben die Vereinigten Staaten gemeinsam mit Ägypten eine Resolution im UN-Menschenrechtsrat unterstützt, gegen die freie Meinungsäußerung. Sie wissen, dass der Rat an sich schon eine Beleidigung für Menschenrechte darstellt, da ihm die schlimmsten Menschenrechtsverletzer der Welt wie Kuba, Saudi-Arabien und Pakistan angehören. Die Obama-Administration und Europa unterstützten eine Resolution, Ausnahmen auf freie Meinungsäußerung zu machen gegenüber negativen religiösen Stereotypen. Diese “Befriedung” der unfreien arabischen Welt ist der Anfang vom Ende. Eine Aushöhlung der freien Meinungsäußerung und des eigenen Ersten Verfassungszusatzes. Diese UN-Resolution ist eine absolute Schande.

Wie Professor Jonathan Turley von der George Washington University gestern zu Recht in der Zeitung „USA Today“ sagte, ich zitiere: “Die Kritik der Religion ist das Maß für die Gewährleistung der freien Rede – die wortwörtliche heilige Institution einer Gesellschaft” – Ende des Zitats. Dass die schwachen Führer meines eigenen Kontinents, Europa, eine so schreckliche Resolution unterstützen, ist keine Überraschung für mich. Aber es ist eine traurige Sache, dass zum ersten Mal in der Geschichte die amerikanische Regierung eine führende Rolle im Kampf gegen unser Recht auf freie Meinungsäußerung übernommen hat.

Meine Damen und Herren, es gibt ein westliches Land, das gezwungen ist, gegen die Kräfte des Jihad für die eigenen Werte zu kämpfen seit dem ersten Tag seiner Existenz: Israel, der Kanarienvogel in der Kohlengrube. Lassen Sie mich ein paar Worte zu diesem wunderbaren Land sagen. Ich hatte das Privileg, in Israel leben zu dürfen. Jedoch in Europa ist man als Israel Unterstützer eine vom Aussterben bedrohte Art. Israel ist ein Leuchtturm in einer Gegend – dem Nahen Osten – die überall stockdunkel ist. Israel ist eine westliche Demokratie, während Syrien, Saudi-Arabien, Iran und Ägypten mittelalterliche Diktaturen sind.

Im so genannten “Nahostkonflikt” geht es überhaupt nicht um Landbesitz. Es ist ein Konflikt um Ideologien, eine Schlacht zwischen Islam und Freiheit. Es geht nicht um ein Stück Land in Gaza oder in Judäa und Samaria. Es geht um Jihad. Für den Islam ist ganz Israel besetztes Gebiet. Sie sehen auch Tel Aviv und Haifa als Siedlungen an.

Ich bin sehr für eine Zwei-Staaten-Lösung. Ich meine, Churchills Zwei-Staaten-Lösung aus dem Jahr 1921, als Palästina in einen jüdischen und einen arabischen Teil partitioniert war. Das arabische Palästina heißt heute Jordanien, und deshalb gibt es bereits einen palästinensischen Staat. Achtzig Prozent der Bevölkerung haben ihre Wurzeln auf der anderen Seite des Jordans, es besteht kein Zweifel daran, Jordanien ist wirklich der Staat Palästina.

Der Islam zwingt Israel zu kämpfen, und Israel kämpft nicht nur für sich alleine. Israel kämpft für uns alle, für den gesamten Westen. Genau wie die tapferen amerikanischen Soldaten, die in Sizilien im Jahr 1943 landeten und im Jahre 1944 die Strände der Normandie stürmten, sind es die jungen israelischen Männer und Frauen, die für unsere Freiheit, unsere Zivilisation kämpfen.

Meine Damen und Herren, Europa sollte Israel voll und ganz unterstützen, um das Heft in die Hand zu bekommen in seinem unerbittlichen Kampf gegen diejenigen, die es bedrohen, ob dies die Hisbollah, die Hamas oder eine Atommacht Iran ist. Auch wegen seiner Geschichte hat Europa sicherlich die moralische Verpflichtung, einen weiteren Holocaust gegen das jüdische Volk um jeden Preis zu verhindern. Aber das Wichtigste von allem ist: Israel befindet sich im Kampf gegen den Jihad, der gegen uns alle gerichtet ist. Also sollten wir alle Israel verteidigen. Wir sind alle Israel.

Meine Damen und Herren, es gibt auch gute Nachrichten! Es könnte sein, dass Europa langsam erwacht. Immer mehr Menschen sind den kulturellen Relativismus und Politiker, die die negativen Auswirkungen der Masseneinwanderung und die schleichende Islamisierung Europas ignorieren, satt. Während der Wahlen zum Europäischen Parlament im vergangenen Juni haben die schlimmsten kulturellen Relativisten, die Sozialisten, fast überall verloren: In den Niederlanden, in Belgien, in Deutschland, in Österreich, in Frankreich, in Spanien, in Italien und vielleicht am schwersten von allen im Vereinigten Königreich.

Aber meine Partei, die niederländische Freiheitliche Partei, war die Siegerin bei den jüngsten Wahlen zum Europäischen Parlament. Gerade jetzt, in den Umfragen, sind wir sogar die Nummer 1. Wenn es morgen Parlamentswahlen in den Niederlanden gäbe, könnte ich, ob Sie es wollen oder nicht, sehr gut der nächste Ministerpräsident der Niederlande werden.

Meine Damen und Herren, die Zeit wird knapp, wir müssen handeln. Wie ich bereits sagte, brauchen wir weniger Islam und mehr Freiheit. Wir müssen unser wichtigstes Recht, unser Recht auf freie Meinungsäußerung, schützen. Wir müssen unsere Freiheit schützen. Deshalb schlage ich die folgenden Maßnahmen vor, Maßnahmen zur Erhaltung unserer Freiheit:

Zuerst. Wir müssen alle Formen des kulturellen Relativismus beenden. Zu diesem Zweck brauchen wir einen Zusatz zu unseren westlichen Verfassungen der besagt, dass unser kulturelles Fundament die jüdisch-christliche Kultur des Humanismus ist und nicht der Islam.

Zweitens. Wir müssen die Masseneinwanderung aus muslimischen Ländern aufhalten. Denn mehr Islam bedeutet weniger Freiheit.

Drittens. Ich habe eine klare Botschaft an alle Muslime in unserer Gesellschaft: Wenn sie unsere Gesetze befolgen, unsere Werte und unsere Verfassung, dann sind sie herzlich willkommen zu bleiben und wir werden ihnen helfen, sich zu assimilieren.

Aber, wenn sie die rote Linie überqueren und Gewaltverbrechen begehen oder die Umsetzung der Scharia fordern und anfangen, den Jihad auszuüben, dann sind sie nicht mehr willkommen, dann werden wir sie wenn möglich noch am selben Tag hinauswerfen.

Viertens. Wir müssen unsere Gesetze in Bezug auf die Meinungsfreiheit stärken. In Europa brauchen wir dringend eine Form des amerikanischen ersten Verfassungszusatzes. Und wir müssen den UN-Resolutionen widerstehen, die versuchen, unser Recht auf freie Meinungsäußerung zu schwächen, um die islamische Welt zu besänftigen.

Fünftens, last but not least. Wir müssen mutige Führer wählen. Richtige Staats- und Regierungschefs. Wir genießen das Privileg, in einer Demokratie zu leben. Lassen Sie uns dieses Privileg nutzen und die schwachen Staats- und Regierungschefs durch Helden ersetzen. Wir brauchen weniger Neville Chamberlains und mehr Winston Churchills! Kurz gesagt, meine Damen und Herren, meine wichtigste Botschaft des heutigen Tages ist, dass wir wieder anfangen müssen zu kämpfen. Keine Verteidigung, sondern Offensive. Wir müssen uns wehren und zeigen, dass Millionen von Menschen des Verlierens und Einlenkens, sowie des Beschwichtigens, überdrüssig und müde sind. Wir müssen deutlich machen, dass Millionen von freiheitsliebenden Menschen sagen: GENUG IST GENUG!

Meine Damen und Herren, ich überlasse es Ihnen: Ich werde niemals nachgeben oder aufgeben. Und wir sollten uns niemals weder ergeben, noch Kompromisse über die Freiheit eingehen, dem wichtigsten Recht, das wir in unseren freien, westlichen Gesellschaften noch haben. Wir müssen gewinnen, und ich bin zuversichtlich: Wir werden gewinnen! Vielen Dank.

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Time am 25. Oktober 2009

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http://www.pi-news.net/2009/10/wilders-rede-an-der-columbia-universitaet/

http://www.pi-news.net/2009/10/geert-wilders-rockt-die-columbia-universitaet/

Entweder-oder aber nicht weder-noch

24. Juni 2009

Gestern haben die Orks mal wieder drei unserer Mitbürger getötet (1). Damit erhöht sich die Zahl in Afghanistan getöteter Deutscher auf 35! Wir werden uns dort aber nicht durchsetzen, wenn wir kein Verhältnis von 1:100 erreichen.

Wann also kann ich die 3.500 Orkkiller, männlich im Alter zwischen 15 und 45, über eine Strecke von sieben km in einer Reihe vor dem Präsidentenpalast aufgebahrt im Fernsehen sehen? Wenn NICHT 3.500 Skalps geholt werden sollen (was ja auch eine ziemlich eklige Angelegenheit wäre), wäre es vielleicht besser, unsere Truppen nach Hause zu holen. Da könnten sie uns hier helfen, die ganzen Orks, die sich bei uns breit gemacht haben (2), ihrerseits nach Hause zu geleiten (Auf dass sich trenne, was nicht zusammengehört)!

Jedenfalls finde ich 35 tote Mitbürger nur dafür, Präsenz zu zeigen oder Steuergelder an unsere Feinde zu verschenken, viel zu viel. Im aktuellen Spiegel heißt es: „Obama hat nach seinem Amtsantritt die US-Truppen verstärkt, um die Lage im Land zu stabilisieren. Er erwartet auch von seinen Bündnispartnern stärkeres Engagement. Mit zusätzlicher Militärhilfe tut sich Merkel schwer.“

Ich bin sicher, dass die Frage nach einer Erhöhung des deutschen Engagements nicht im alleinigen Ermessen unserer Kanzlerin liegt. Ich sehe eher Zeichen, dass sie dem Counterjihad weit näher steht als die meisten anderen Politiker und Wirtschaftslobbyisten. Aber unabhängig davon fehlt, so meine Meinung, den Deutschen ein einleuchtendes Konzept. Ich stimme zu, unsere Freiheit wird am Hindukusch verteidigt, aber das ist uns nur eine Truppenaufstockung um 300 Mann wert, während Obama 21.000 zusätzliche Soldaten schickt?

Kewil hatte am 25. Juni 2007 ein paar Stellen aus Churchills „Story of the Malakand Field Force: An Episode of Frontier War“ übersetzt (3):

Weder die Landschaft noch die Menschen finden irgendwo auf der Welt etwas Ebenbürtiges. Die Mauern der Täler erheben sich steil fünf- oder sechstausend Fuß auf jeder Seite. Die Militärkolonnen kriechen durch einen Irrgarten von riesigen Korridoren, die von wilden, schneegenährten Sturzbächen unter einem Messinghimmel in Nebel gehüllt sind. Inmitten dieser Szenerie von wilder Brillianz wohnt eine Rasse, deren Eigenschaften mit ihrer Umgebung zu harmonieren scheinen. Außer zur Erntezeit, wenn die Selbsterhaltung einen temporären Waffenstillstand erzwingt, sind die Pathanenstämme immer mit kleinen oder großen Kriegen beschäftigt.

Jeder Mann ist Krieger, Politiker und Theologe. Jedes große Haus ist eine echt feudale Festung, zwar nur aus sonnengebackenem Lehm, aber mit Befestigungen, Kuppeln, Scharten, Ecktürmen, Zugbrücken, etc., wo nichts fehlt. Jedes Dorf hat seine Verteidigung. Jede Familie kultiviert ihre Vendetta; jeder Clan seine Fehde. Die zahlreichen Stämme und die Koalitionen von Stämmen haben alle ihre offenen Rechnungen, die gegeneinander beglichen werden müssen. Nichts wird je vergessen, und nur ganz wenige Schulden bleiben unbezahlt. Für das Funtionieren des sozialen Lebens wurde zusätzlich zu den Konventionen während der Erntezeit, ein hochgradig ausgearbeiter Ehrenkodex etabliert und der wird insgesamt genau beachtet. Ein Mann, der das weiß und dem folgt, könnte vielleicht unbewaffnet von einem zum anderen Ende der Grenze gelangen. Der kleinste Systemfehler jedoch wäre fatal…

Die Bequemlichkeit des Hinterladers, und noch mehr der Gewehre mit Magazin, wurde nirgends mehr geschätzt als im indischen Hochland. Eine Waffe, die auf fünfzehnhundert Yards genau töten konnte, eröffnete ganz neue vergnügliche Aussichten für jede Familie und jeden Clan, der sie erwerben konnte. Man konnte sogar tatsächlich im eigenen Haus bleiben und auf den Nachbarn in einer Meile Entfernung feuern. Man konnte hoch oben auf einer Felszacke liegen und auf ganz unerhört weite Entfernungen einen Reiter weit unten treffen. Selbst Dörfer konnten sich gegenseitig beschießen, ohne sich mühevoll weit von zu Hause weg bewegen zu müssen. Sagenhafte Preise wurden deshalb für diese ruhmreichen Produkte der Wissenschaft bezahlt… und der Respekt, den die Pathanen für die christliche Zivilisation hegten, wurde ziemlich vergrößert…“

Ziemlich unsympathische Leute, finde ich. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass da Hopfen und Malz verloren sind. Und ihr teuflisches Opium sollten sie bitte auch bei sich behalten.

Kürzlich sah ich den beeindruckenden Film „Von Löwen und Lämmern“ (4) des notorischen Linksliberalen Robert Redford (5) von 2007, der mE. sehr viel patriotischer, konservativer und counterjihadischer ist, als zB. orkisch-deutsche Filmkritiker glauben machen wollen (6). Weder eine derartige Klarheit, Tiefe und Thematik noch eine derartige Besetzung ist im deutschen Kino denkbar. Wie dem aber auch sei, es geht im Film ua. um die Etablierung einer neuen militärischen Strategie, die Churchills og. Beschreibung Rechnung trägt, indem sie die Besetzung aller Höhen des Landes verfolgt.

Nicht, dass ich davon Ahnung hätte, aber das ist doch mal eine konkrete Idee, und mich würde durchaus die ausführliche Meinung von Leuten interessieren, die Ahnung haben. Warum sollen wir Mädchenschulen bauen, die leerstehen, weil die Taliban alle Mädchen töten, und umgehend wieder niedergebrannt werden. Ich meine, auch für ein militärisches Testlabor ist der Tod von 35 „Versuchskaninchen“ ein viel zu hoher Preis. Also: Auf jeder Anhöhe braucht es einen westlichen Posten mit dem Auftrag, die Gegend zu sichern. Das könnte dem einen oder anderen Ork natürlich weh tun und mehr als 300 zusätzliche Soldaten erfordern. Aber wenn wir nicht genug Leute haben, könnten wir vielleicht welche leihen, zB. von den Kinesen…

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Time am 24. Juni 2009

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(1) http://www.n-tv.de/politik/Drei-deutsche-Soldaten-getoetet-article378393.html
(2) http://www.pi-news.net/2009/06/viel-mehr-moslems-in-deutschland-als-vermutet/
(3) http://kewil.myblog.de/kewil/art/176462276/
(4) http://de.wikipedia.org/wiki/Von_L%C3%B6wen_und_L%C3%A4mmern
(5) http://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Redford
(6) http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,513415,00.html

außerdem:
http://www.sueddeutsche.de/t5B38k/2912166/Sw-at-im-Tal-des-Todes.html
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,459228,00.html

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EDLE Paschtunen

6. Mai 2009

Lesen Sie zunächst einen Artikel von Daniel Gerlach aus der FAZ vom 28.04.2009, in dem wir Churchill (vor dem „River War“, 1) in Afghanistan begegnen:

Der verrückte Fakir und die Taliban

Winston Churchill scheute keinerlei Herausforderungen, es sei denn, sie waren sportlicher Natur. Doch zwei Monate vor seinem 24. Geburtstag lernte Churchill, die Beine in die Hand zu nehmen, wenn ein ehrenvoller Zweikampf keinen Aussicht auf Erfolg versprach.

An einem heißen Tag im September 1897 stand Churchill auf einer Anhöhe in der Provinz Malakand im Nordwesten des heutigen Pakistan und sah einen paschtunischen Stammeskrieger mit gezogenem Dolch auf sich zumarschieren. Churchill zog die Pistole, schoss zweimal daneben und gab Fersengeld, bis er eine versprengte Truppe britischer Infanteristen erreichte, die ihm das Leben rettete.

Ohne diesen Spurt hätte die Geschichte Großbritanniens womöglich einen anderen Verlauf genommen. Damals war Churchill Frontberichterstatter für britische Zeitungen und „eingebettet“ in die Malakand Field Force – ein britisches Expeditionskorps, das ausrückte, um die aufständischen Stämme in der Nordwestprovinz des Kronkolonie Indien zur Räson zu bringen.

Dieser Kolonialkrieg trug sich in etwa dort zu, wo heute die pakistanische Armee gegen die Taliban und mit ihnen verbündete Clan-Milizen kämpft: Buner, Malakand, das Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan und das – bei Wanderurlaubern einst sehr beliebte – Swat-Tal.

Dieses unwegsame Gebiet ist durchzogen von Gebirgsketten, deren Topografie sich bestenfalls mit Hilfe eines Helikopters erschließen lässt. Um die Mentalität ihrer Bewohner zu begreifen, ist diese Perspektive allerdings nicht hilfreich.

In Pakistans Nordwesten franst staatliche Herrschaftsgewalt aus. Lange vor der bedrohlichen Offensive der Taliban haben sich die Bewohner dieses Gebiets staatlicher Kontrolle erfolgreich widersetzt. Das aus einem Notstand geborene Misch-System der „föderal verwalteten Stammesgebiete“ stärkte das Selbstbewusstsein der dortigen Paschtunen.

Pakistanische Machthaber jeglicher Couleur, ob Militärdiktator Zia ul-Haq oder Premierministerin Benazir Bhutto, förderten den paschtunischen Nationalismus im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet, denn auf diese Weise hofften sie, ihren Einfluss im benachbarten Afghanistan zu vergrößern. Inzwischen haben die Strategen in Islamabad eingesehen, dass sich die „paschtunische Karte“ gegen sie gewendet hat.

Was westliche Beobachter befremden mag, ist nicht die sprichwörtliche Sturköpfigkeit der Paschtunen, sondern der bemerkenswerte Erfolg der radikalen, islamistischen Fanatiker in ihrem Gebiet. Selbst alteingesessene, mächtige Clanführer, die den Taliban lange kritisch bis feindselig gegenüber standen, mussten sich den Extremisten beugen.

Tatsächlich ist der mittelalterlich anmutende Islam der Taliban und ihrer Verbündeten in der Nordwestprovinz kein neues Phänomen, geschweige denn auf Usama bin Ladens Präsenz zurückzuführen. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts brachten Prediger den Wahhabismus nach Britisch-Indien und verbreitet damit das Gedankengut einer radikalen Sekte, die allein den wörtlichen Koran als Grundlage politischen Handelns anerkannte und durch eine überaus aggressive Dschihad-Rhetorik von sich reden machte.

Der Hass der Wahhabiten richtete sich zwar auch gegen die imperialistischen Europäer, vor allem aber gegen die muslimische Mehrheit, die einen zum Teil sehr farbenfrohen, von anderen Kulturen beeinflussten Islam lebte. Insofern hatten und haben die Wahhabiten keine moralische Not damit, andere Muslime umzubringen.

Es konnte damals niemanden verwundern, dass sich der Wahhabismus in der multikulturellen Welt des indischen Subkontinents nicht durchsetzte, außer bei den Paschtunen-Stämmen im Nordwesten. Denn in ihrer Lebensweise besaßen sie bereits viele Gemeinsamkeiten mit den Beduinen der Arabischen Halbinsel.

Einige Mullahs reisten, mithilfe europäischer Dampfschifflinien, zum Koranstudium nach Arabien und kamen dort mit dem Wahhabismus in Berührung. Diese Ideologe schien wie zugeschnitten auf Muslime, die keinen Zugang zu Bildung hatten und dem aus ihrer Sicht dekadenten, städtischen Leben Geringschätzung entgegen brachten.

Ironischerweise waren die wenigsten Paschtunen imstande, den Koran, dessen wörtliche Auslegung ihnen die Prediger ans Herz legten, überhaupt zu lesen.

Nach dem so genannten Sepoy-Aufstand gegen die Briten in Indien im Jahr 1857 fanden militante Muslime aus anderen Teilen Indiens in den Stammesgebieten Zuflucht und genossen das Gastrecht der Paschtunen in etwa so, wie viele Jahrzehnte später Bin Ladens arabische Kämpfer. Der Wahhabismus vermengte sich mit dem so genannten Paschtunwali, dem Ehrenkodex der Paschtunen. Hinzu kam, dass die Briten Ende des 19. Jahrhunderts mehrmals versuchten, ihre Macht auf Afghanistan auszudehnen – nicht allein, um ihre Nordwestgrenze zu stabilisieren, sondern weil sie fürchteten, dass die Russen ihnen dabei zuvorkommen könnten.

Zu Recht (?, T.) empfand der Afghanen-Emir Abdurrahman dies als Bedrohung und stachelte die Paschtunen tatkräftig gegen die Briten auf. Die radikalen Mullahs, die in dieser Zeit immer wieder in der Nordwestprovinz auftauchten, passten ihm bestens ins Konzept. Ein gewisser Mullah Sadullah, den die Briten den „verrückten Fakir“ nannten, verkündete den bevorstehenden Untergang des Empires und setzte sich an die Spitze eines Aufstands. Der Fakir renommierte mit seiner angeblichen Unverwundbarkeit und der britische Generalstab sandte nun 40.000 Mann, um die Paschtunen vom Gegenteil zu überzeugen.

Den Gurkhas, Sikhs und Highlanders im roten Rock machte niemand etwas vor, wenn auf gebirgigem Terrain gefochten wurde. Doch Kriegskorrespondent Churchill beobachtete, wie schwer sich die hochgerüstete Armee mit der asymmetrischen Kriegführung der Paschtunen tat. Angesichts der vielen Soldaten, die in der Septemberhitze bluteten und schwitzen, sah sich Churchill mit der erbärmlichen Kehrseite des Imperiums konfrontiert: „Was sind wir doch selbst für Schatten und was für Schatten rennen wir nach“, schrieb er mit den Worten des Dichters Edmund Burke.

Grimmig entschlossen marschierten die Briten in die Berge. Das Bild des Pfeifers George Findlater, der mit einer Kugel in der Schulter und einem durchschossenen Knöchel begeistert in seinen Dudelsack blies, um die Highlanders zur Attacke anzufeuern, mochte die Paschtunenkrieger befremden – ebenso wie Churchill der Anblick jenes „Wilden“, der ihm, nur mit einem Dolch bewaffnet, geradewegs vor den Lauf seiner Pistole rannte.

Damals wie heute existierte ein Widerspruch zwischen der endzeitlichen Dschihad-Rhetorik der Mullahs und den Interessen der Stämme, die sich ihnen angeschlossen hatten: Letzteren ging es nicht darum, die Ungläubigen aus ganz Indien zu vertreiben. Im Gebirge besaßen sie gute Chancen, eine Übermacht so sehr zu frustrieren, dass sie sich zurückzog.

Im offenen Feld, etwa in den Ebenen des Punjab oder dort, wo heute die pakistanische Hauptstadt Islamabad liegt, wären sie chancenlos gewesen. Und obwohl die Situation heute eine andere ist als vor rund 112 Jahren, so ähnelt das militärische Kräfteverhältnis zwischen der pakistanischen Armee und der Stammesallianz der Taliban doch den damaligen Zuständen.

Die Clan-Chefs in Swat, Buner und Mohand sind auch heute in der verzwickten Lage, zwischen den radikalen Kräften auf der einen Seite und einer bedrohlichen Staatsmacht auf der anderen Stellung zu beziehen. Einige sind mit den Taliban verschwägert, aber nicht alle heißen sie willkommen, ebenso wie damals viele Patriarchen den Fanatismus der Wahhabiten als Anmaßung empfanden. Denn deren Bewegung verhinderte nicht nur eine pragmatische Politik, sondern schwächte unter Umständen, wie heute die Taliban, die traditionellen Autoritäten.

Im Herbst 1897 stand den Briten nicht der Sinn nach Kompromissen, und die von Churchill informierte öffentliche Meinung schien sie darin zu bestärken. Nach wochenlangen Kämpfen brachen sie den Widerstand der Paschtunen. Der verrückte Fakir hatte sich aus dem Staub gemacht und viele Stammesführer suchten den Glimpf mit Großbritannien. Es sollte jedoch das (bisher, T.) einzige Mal bleiben, dass eine fremde Armee die Paschtunen auf ihrem eigenem Terrain besiegte.

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An der FAZ schätze ich auch besonders das Engagement und die Informiertheit ihrer Leserbriefschreiber, zu denen häufig Größen aus Politik und Wirtschaft gehören, wie zB. Otto Graf Lambsdorff, Theo Waigel uvam. Lesen Sie einen Kommentar zum vorstehenden Aufsatz von Jan Caspers aus der FAZ vom 6. Mai:

Die anderen Paschtunen

Daniel Gerlach ist für den Versuch, in seinem Artikel „Der verrückte Fakir und die Taliban“ die Mentalität der Paschtunen über die Hubschrauberperspektive hinaus historisch zu verstehen, grundsätzlich zu loben. In zwei Punkten wäre allerdings ein Nachtrag angebracht.

Zum einen war schon in der britischen Kolonialverwaltung umstritten, ob beziehungsweise inwieweit der afghanische Emir Abdur Rahman Khan, außenpolitisches Mündel der Briten und Träger der höchsten britischen Auszeichnung in Indien, den Aufstand von 1897/98 unterstützt hat. Auf jeden Fall war er, obgleich selbst Paschtune, aktiv an der Aushandlung der Durand-Linie beteiligt, die bis heute die paschtunischen Stammesgebiete zwischen Pakistan und Afghanistan zerteilt. Vor dem Hintergrund der damaligen imperialistischen Interessen (sowie aktueller politischer Allianzen) muss die scheinbare und tatsächliche Unabhängigkeit eines lokalen Herrschers immer genauer hinterfragt werden.

Zum anderen versäumt Gerlach, dem Stereotyp des ewigen Kriegervolkes, das sich für unbesiegbar hält und aufgrund seiner Weltfremdheit schon im neunzehnten Jahrhundert dem Wahhabismus anheimfiel, ein Gegenbeispiel entgegenzusetzen: 1929 gründete Khan Abdul Ghaffar Khan, paschtunischer Adliger und Mitstreiter Gandhis, mit den Khudai Khidmatgar oder „Dienern Gottes“ eine waffenlose Armee von zeitweise mehr als 100.000 paschtunischen Männern und Frauen, die auf der Grundlage des Korans und des Paschtunwali-Ehrenkodex – von Gerlach in dieser Kombination nur als Nährboden für Extremismus erwähnt – den britischen Kolonialherren über zehn Jahre gewaltfreien Widerstand leisteten und für die Unabhängigkeit Indiens kämpften. Die Rothemden, wie sie nach ihrer Uniform genannt wurden (Fraueneinheiten trugen schwarze Uniformen), schworen einen Eid der Gewaltlosigkeit und Gemeinnutz, gründeten ein weitverzweigtes Netz von Schulen und stellten sich, selbst unbewaffnet, bewaffneten Einheiten der Briten entgegen. Die Kolonialverwaltung reagierte mit Massenverhaftungen, Folter und Luftangriffen auf paschtunische Dörfer, nach Beginn des Zweiten Weltkrieges vor allem auch mit schwarzer Propaganda, die eine Kollaboration mit Gandhis hinduistischer Unabhängigkeitsbewegung als unislamisch anprangerte. Nach der Staatsgründung von Pakistan wurden die Khudai Khitmatgar von der neuen Obrigkeit verboten; Ghaffar Khan, der insgesamt 33 Jahre in britischen und pakistanischen Gefängnissen verbrachte, starb 1988 in Peschawar, noch immer unter Hausarrest.

Vor dem Hintergrund einer bewaffneten Intervention, die erklärtermaßen eine gesellschaftliche Erneuerung Afghanistans zum Ziel hat, ist es unbedingt anzuraten, sich nicht allein britischer Quellen zu bedienen, in denen von paschtunischen Stammeskriegern mit gezogenem Dolch und reicher Ernte an Hass und Rache geredet wird, sondern auch dieses Beispiel von Paschtunen zu nennen, die friedlich und unter großen Opfern für ihre berechtigten Interessen stritten.

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… die auf der GRUNDLAGE des KORANS… den britischen Kolonialherren über zehn Jahre GEWALTFREIEN Widerstand leisteten…“, hier geriet ich ins Stocken. Ich bin zwar begeistert über den gewaltfreien Widerstand, den ich dort nicht für möglich gehalten hätte, aber dieser auf der Grundlage des KORANS? Unglaublich! Der KORAN und GEWALTFREI? Albrecht… DÜRERfrei, Rock ohne ROLL, Heavy ohne METAL? Mag sein, dass es das GIBT, die Welt ist groß, und nicht jeder Afghane ist ein Windhund, jedoch scheint mir ein BEWEIS dafür – wie zB. eine SAMMLUNG DER WEISSEN STELLEN DES KLORANS – noch auszustehen! Ich, der ich bereits viermal den Kloran komplett gelesen habe, fürchte, es GIBT keine „weissen“ Stellen (habe aber bisher zugegebener Maßen auch nicht DAHINgehend gelesen). Der Koran scheint mir schwarz und böse durch und durch. Maximal ist es mal „nicht-GANZ-so-schlimm“. Aber FREUNDLICHKEIT, VERGEBUNG, VERZEIHEN uä., das habe ich bisher dort nicht gefunden. Dass die Paschtunen ihre Flower-Power-Armee aufgestellt haben, damals, ist für MICH also ein Zeichen dafür, dass JESUS auch den finstersten Kerker der Welt ERLEUCHTEN und aufbrechen kann.

Time am 7. Mai 2009

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(1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/27/churchill-1-the-river-war/

Churchill 1: „The River War“

27. April 2009

Winston Churchills Buch „Kreuzzug gegen das Reich des Mahdi“ (engl. „The River War“) erscheint ab gestern erstmals auf Deutsch in Auszügen in der FAZ. In seiner Einführung beschreibt Hubert Spiegel, dass Churchill als Kavallerie-Leutnant in der legendären Schlacht von Omdurman 1898 den letzten Angriff der Kavallerie in der Geschichte des britischen Empire mitritt, während die neuen Maxim-Maschinengewehre den Feind reihenweise niedermähten. Innerhalb von fünf Stunden wurden „9700 feindliche Soldaten getötet, das sind zweiunddreißig pro Minute: Der moderne Krieg, der Krieg der Massenvernichtung, hatte begonnen. Die einzige britische Einheit, die bei Omdurman nennenswerte Verluste erlitt, war die Churchills. Er selbst erschoss innerhalb von Sekunden drei mit blankem Säbel heranstürmende Derwische mit seiner Mauser-Pistole: ‚Wie einfach, einen Menschen zu töten‘, wird er in seinem Buch ‚My Early Life‘ darüber schreiben“, berichtet Spiegel.

Im Jahre 1900 hatte Mark Twain ihn dem New Yorker Publikum als „Held von fünf Kriegen, Autor von sechs Büchern und künftigen Premierminister von England“ vorgestellt. Georg Brunold (Ex-Afrikakorrespondent der NZZ und Übersetzer des „Mahdi“) fügt den Worten Mark Twains eine aufschlussreiche, fünf Jahre später zu Papier gebrachte Selbstbeschreibung Churchills hinzu: „Wir alle sind Würmer, doch ich glaube, ich bin ein GLÜHwurm.“ Mohammed Ahmed hingegen, der Mahdi, der zum heiligen Krieg, zum Jihad, aufrief und den mohammedanistischen Orkstaat in Sudan errichten wollte, ist mit den heutigen gewaltbereiten Jihadisten in vieler Hinsicht vergleichbar. Seine Vision war ein ERDumspannender Orkstaat, eine Vision, die Churchill allerdings nicht ÜBERMÄSSIG ernst nahm. Der Sudan indessen, „das Land von der Größe Westeuropas, ist die einzige STAATLICHE Bastion der islamisch-fundamentalistischen Weltbewegung. Die islamische Theokratie, die dort nach dem Staatsstreich von 1989 errichtet wurde, ist eine rassistische Militärdiktatur, wie sie schon der Mahdi auf erstaunlich modern anmutende Weise anstrebte“, so Spiegel.

In Churchills Buch, das im Eichborn-Verlag erscheinen wird, wird ua. die zivilisatorische Funktion und industriell basierte Ausführung des modernen Imperialkrieges deutlich. Er schreibt:

„Es läßt sich nicht bestreiten, daß es sich bei einer Schlacht, dem Höhepunkt, auf den sämtliche militärische Operationen zustreben, um ein Ereignis handelt, das nicht durch Strategie und Organisation unter Kontrolle zu halten ist. Bei einem rückhaltlos geführten Krieg im flachen Gelände ist allerdings die militärische Maschinerie von solchem Gewicht, daß kaum Menschen aus Fleisch und Blut die Oberhand behalten können, und die Zufälle des Kampfgeschehens sind auf ein Minimum reduziert. Der Krieg gegen die Derwische war in erster Linie eine Frage des Transports. Der Khalifa wurde durch die Eisenbahn bezwungen.“ (FAZ, 20.05.08)

„Die erste Aufgabe also, vor der die Militäringenieure standen, war die Rekonstruktion des Streckenabschnitts zwischen Sarras und Akasha. Dem Mangel an technisch geschulten Arbeitskräften wurde mit der zweifelhaften Einrichtung eines achthundert Mann starken Eisenbahnerbataillons entgegengetreten. Diese Männer entstammten vielen Stämmen und Klassen. Ihre einzige Qualifikation war ihr Wille, zu arbeiten. Der Verband war eine kunterbunte Erscheinung. Gefangene Derwische – wieder auf freiem Fuß, aber immer noch in ihrer Dschibba – halfen strammen Ägyptern beim Abladen von Schienen und Schwellen. Dinka, Schilluk, Jaalin und Barabra schaufelten zufrieden nebeneinander am Bahndamm. Ebenfalls eingestellt waren etwa hundert sudanesische Zivilisten, größtenteils Soldaten, deren Zeit abgelaufen war, und da sie besonders vertrauenswürdig waren und mit großem Stolz auf ihre Arbeit blickten, erlernten sie rasch die Kunst des Vernagelns und Verschraubens der Schienen auf den Schwellen sowie des Verlaschens und des anschließenden Streckens der verbundenen Schienen. Um die Arbeit dieser Männer von unterschiedlicher Rasse und Sprache, aber von ebenbürtiger Erfahrung zu leiten und zu überwachen, wurden einige Schienenleger aus Unterägypten gegen hohe Bezahlung als zivile Vorarbeiter eingestellt. Diese allerdings ließen mit wenigen Ausnahmen zu wünschen übrig, so daß sie nach und nach durch intelligente Männer aus dem Railway Battalion ersetzt wurden, die ihren Beruf mit dem Fortschreiten der Arbeiten vor Ort erlernt hatten. Mit der Projektierung, Bauleitung und Ausführung waren einige subalterne Offiziere der Engineers in Diensten der Ägyptischen Armee beauftragt, unter denen der bekannteste Edouard Girouard war.

Als die Linie an Länge zunahm, wurden einheimische Offiziere und Unteroffiziere der Ägyptischen Armee – aus dem aktiven Bestand oder Reservisten – als Stationschefs eingesetzt. Intelligente Unteroffiziere und Soldaten wurden zu Weichenstellern, Rangierern und Schaffnern. Der Verkehr wurde per Telephon überwacht. Um das Telephon zu bedienen, wurden Männer ausfindig gemacht, die lesen und schreiben konnten – allerdings solche, die gerade ihren Namen schreiben konnten, und auch das nur mit solcher Mühe, daß sie gewöhnlich lieber bei einem Stempel Zuflucht suchten. Um ihre Ausbildung zu verbessern und das Bahnpersonal für die Büroarbeit heranzuziehen, wurden in Halfa zwei Schulen gegründet. In diesen Einrichtungen, die im Schatten zweier Palmen ihren Betrieb aufnahmen, wurden zwanzig Schülern grundlegende Kenntnisse beigebracht.“ (FAZ, 21.05.08)

Forts und Eisenbahnlinien, diese Methode war auch im amerikanischen Westen erfolgreich.

Mit dem „River War“ eng verbunden ist übrigens die Gestalt des Rudolph Slatin, welcher seinerzeit in aller Munde war. Slatin, der seinen Vornamen (anders als Wiki vermuten läßt) in einem mir vorliegenden Faksimile von 1932 mit „ph“ am Ende schrieb, wurde 1880 als 23-Jähriger zum Gouverneur von Darfur ernannt, nachdem er sich in leitender Positition – stark protegiert vom Gouverneur Sudans, Generalmajor Charles George Gordon („Gordon Pascha“), bei der Aufstandsbekämpfung bewährt hatte.

Zu dieser Zeit hatte Ägypten (das relativ unabhängig von der osmanischen Zentralregierung geworden war) im Interesse, Sklaven für seine Armeen zu gewinnen, immer weiter nach Süden ausgegriffen. Nach dem Staatsbankrott 1875 (ua. wg. Suezkanal) geriet das Land aber unter eine internationale Finanzaufsicht unter der Leitung Großbritanniens. Diese forcierte den Aufbau eines vor allem von europäischen Fachkräften getragenen Verwaltungssystems, welches auch das Ziel verfolgen sollte, die Sklaverei abzuschaffen. Beides (sowie ein extremer Steuerdruck) führte ab 1879 zu einer Gegenbewegung und zu Unruhen, an deren Spitze sich 1881 der seit 1871 predigende Muhammad Ahmad stellte, der sich nunmehr auch zum Mahdi erklärte. 1883 eroberten die Mahdisten die Stadt El Obeid, das ihnen entgegengesandte Heer von 12.000 Mann wurde von den Mahdisten vollständig ausgelöscht. Bis zum Dezember des Jahres hielt Gouverneur Slatin tapfer die Stellung in Darfur. Aber selbst sein Übertritt zum Mohammedanismus konnte seine (überwiegend orkischen) Truppen nicht mehr begeistern, so dass er sich in die 12 Jahre währende Gefangenschaft des Mahdi begeben mußte. In seinem zweibändigen Buch „Feuer und Schwert im Sudan“ beschrieb er den Mahdi später folgerndermaßen: „… ein dunkler Bart umrahmte sein Gesicht, Nase und Mund waren gut geformt und beide Wangen durch drei Einschnitte TÄTOWIERT (vergl. Hadith Buhari, Recl. XXXIV/15, S.404: „Und er (Klo, T.) VERBOT das Tätowieren.“). Er hatte die Gewohnheit, immer zu lächeln und sein weisses Gebiss zu zeigen. Seine oberen Schneidezähne waren etwas getrennt, eine Eigenschaft, die im Sudan als Merkmal besonderer Schönheit gilt… ein eigentümlicher Geruch strömte… von ihm aus, der als der ‚Geruch des Mahdi‘ mit den im Himmel herrschenden Wohlgerüchen verglichen wurde.“ Nach anfänglich guter Behandlung wurde Slatin bald jedoch in schwere Ketten geschmiedet. Nachdem im Januar 1885 Khartum erobert worden war, wobei es zur Ermordung Generalgouverneurs Gordon Paschas kam (dieser hatte zwischen 1879 und 1884 Aufgaben ausserhalb Sudans wahrgenommen), überbrachte man Slatin den abgetrennten Kopf seines Freundes.

Muhammad Ahmad verstarb am 22. Juni 1885 plötzlich und unter ungeklärten Umständen. Seinem Nachfolger, dem „Kalifa“ Abdallahi ibn Muhammad gelang es, so Wiki, „das gesamte Gebiet zwischen den Provinzen Darfur im Westen, Sawakin im Osten (ohne die Stadt Sawakin selbst, die durch eine britische Garnison gehalten wurde), Dungula im Norden und Bahr al-Ghazal im Süden zu unterwerfen. Das Kalifat bildete die erste nationale sudanesische Regierung. Die Schari’a regelte alle Bereiche des menschlichen Daseins. Der Sklavenhandel wurde unter dem Kalifen wieder erlaubt.“

Der Kalifa nahm Slatin in sein Haus. In einer Exzerpte von Slatins Buch schreibt Bernhard R. Friedrichs 1932: „Dabei verlangt der Herrscher von seiner Umgebung die größte Unterwürfigkeit. Besonders hält er darauf, dass die Augen vor ihm immer niedergeschlagen werden, während er selbst unausgesetzt scharf beobachtet. Während des langjährigen Verkehrs mit ihm hat Slatin den Kalifa nicht ein einziges Mal im Inneren seines Hause ein Gebet verrichten sehen… Vor den Augen der Welt geht der Kalifa seinen Gläubigen mit bestem Beispiel voran, doch im Inneren seines Hauses gibt er sich den übertriebensten Ausschweifungen hin. Hemmungslose Schwelgereien füllen seine Zeit.“

1895 gelang Slatin (nach einem gescheiterten aber unentdeckten ersten Versuch ein halbes Jahr zuvor) die Flucht. Ganz Europa nahm Anteil an seiner Geschichte, er wurde mit Ehrentiteln überhäuft, und sein Buch kann als wesentlich dafür betrachtet werden, dass sich Großbritannien zum erneuten Kampf gegen die Madhisten entschloss. „An der Spitze eines englischen Heeres, dem er den Kriegsplan entworfen, zieht er nach Omdurman“, so Friedrichs (der Oberbefehl über die Omdurman-Expedition lag in den Händen von „Sirdar“ H. H. Kitchener). 1.9.1898: Das jihadistisch-mahdistische Heer wurde vernichtend geschlagen, das Grab des Mahdi zertrümmert, seine Leiche in den Fluß geworfen. Truppenstärken: 8.200 Briten und 17.600 Ägypter gegen 50.000 Mahdisten, Opferzahlen: 49 Tote und 382 Verwundete bei uns, 9.700 tote, 10.000 verwundete und 4.000 gefangengenommene Orks.

„Der Mahdi-Aufstand entwickelte sich zum ersten erfolgreichen Aufstand gegen den Kolonialismus in Afrika. Noch heute wird Muhammad Ahmad dafür in Sudan als Abu l’Istiklal (Vater der Unabhängigkeit) verehrt. Wie schon in der Zeit des Kalifats dient sein Grab auch heute noch als Pilgerstätte. Die von ihm gegründete Bewegung hat heute in Sudan ca. drei Millionen Anhänger“, kann man bei Wiki lesen. Mhm… da waren wir wohl nicht gründlich genug! Das muss nächstes Mal besser werden!

Time am 22. Mai 2008

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http://de.wikipedia.org/wiki/Mahdi-Aufstand
http://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_von_Omdurman
http://de.wikipedia.org/wiki/Maxim-Maschinengewehr
http://de.wikipedia.org/wiki/Charles_George_Gordon
http://de.wikipedia.org/wiki/Mahdi
http://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Slatin / http://de.wikipedia.org/wiki/Horatio_Herbert_Kitchener
lesenswerte Rezensionen bei Amazon unter: http://www.amazon.de/product-reviews/3821847654/ref=sr_1_1_cm_cr_acr_txt?ie=UTF8&showViewpoints=1

Churchill 2: „The Railway War“

27. April 2009

„Die bekannte Stärke des Khalifa ließ kaum Zweifel daran, daß die Zerstörung seiner Armee und die Einnahme der Hauptstadt große Kräfte erfordern würden. Notwendig war eine Eisenbahn, die den Nil an einem Punkt erreichte, von dem aus er einen offenen Wasserweg bot. (…) Durch den Ausschluß der Alternativen fiel so die Wahl auf die Route via Abu Hamed… Abu Hamed lag in der Reichweite der Armee in Merawi. Der Ort war kein entscheidender Punkt in der Verteidigung der Derwische, und deshalb war nicht damit zu rechnen, daß sie ihn wie Berber oder Metemma befestigen würden. Abu Hamed ließe sich, so die Überlegung, durch eine Kolonne einnehmen, die durch die Wüste anmarschierte und klein genug bliebe, um mittels Kameltransporten ausreichend versorgt werden zu können. In der Wüste, durch welche die Eisenbahnstrecke nach Abu Hamed verlaufen sollte, gab es sehr wenig Wasser, und deshalb wäre es sehr schwierig für kleine Kommandos, die Linie zu unterbrechen oder die Baumannschaften anzugreifen. Bevor die Bahn die Garnison der Derwische in Abu Hamed erreichen würde, wären diese daraus vertrieben und der Ort besetzt. Der Plan war perfekt und die Argumente zu seinen Gunsten schlüssig. Ein Punkt allerdings blieb ungeklärt: War das Projekt der Wüsteneisenbahn überhaupt realisierbar? Hervorragende Eisenbahningenieure in England wurden konsultiert. In Anbetracht der Umstände, so antworteten diese einhellig, das heißt unter den Bedingungen des Kriegszustandes, unter denen die Arbeiten vonstatten gehen müßten, sei es unmöglich, eine solche Linie zu bauen. Ausgezeichnete Soldaten wurden in der Angelegenheit um ihre Meinung gebeten. Das Projekt sei nicht nur unmöglich, antworteten diese, sondern absurd. Nachdem er diese Ratschläge eingeholt und darüber gehörig nachgedacht hatte, befahl der Sirdar, die Bahn ohne weiteren Verzug zu bauen. (…)

Lieutenant Girouard, dem das ganze Projekt anvertraut war, wurde aufgefordert, eine Kalkulation auszuarbeiten. Am Schreibtisch in seiner Hütte in Wadi Halfa erstellte er eine umfassende Liste. Nichts wurde vergessen. Jedes Erfordernis war notiert, für alles Nötige gesorgt, jede Schwierigkeit vorausgesehen. Die aufgeworfenen Fragen waren zahlreich und verwickelt. Die Antworten auf alle diese Fragen hatte Lieutenant Girouard in einem Folianten von mehreren Zoll Dicke versammelt, und seine Schätzungen waren von solch umfassender Treffsicherheit, daß die Bauarbeiten und die Mannschaften niemals auch nur durch den geringfügigsten Mangel aufgehalten wurden.

Auch ohne besondere Umstände wäre es eine Aufgabe von enormen Ausmaßen gewesen. Sie wurde jedoch in fünf Punkten noch erschwert: Die Arbeiten hatten unter militärischen Sicherheitsvorkehrungen vonstatten zu gehen. Es gab kein Wasser entlang der Linie. Die Versorgung von zweitausend Schienenlegern in einer menschenleeren Wüste war schon für sich allein ein Problem. Die Arbeit mußte vor dem Winter erledigt sein. Und schließlich durfte das bewilligte Budget nicht überzogen werden. Auf diesen letzten Punkt achtete der Sirdar persönlich.

Girouard wurde nach England geschickt, um die Lokomotiven und das Rollmaterial zu kaufen. Fünfzehn neue Maschinen und zweihundert Wagen wurden bestellt. In Halfa wurden die erforderlichen neuen Werkstätten eröffnet. Erfahrene Mechaniker wurden zu deren Leitung beigezogen. Für das Railway Battalion wurden weitere tausendfünfhundert Mann rekrutiert, die auszubilden waren. (…)

Worte sind kaum zureichend, um die grausame Verlassenheit der Landstriche zu beschreiben, in welche die Bahnlinie und die Bauarbeiter nun eintauchten. Ein geglätteter Ozean hellen Sands dehnte sich weit und breit bis zum Horizont. Mit sinnloser Härte brannte die tropische Sonne auf den flachen Erdboden, der mit bloßer Hand nicht berührt werden konnte, und die dünne Luft flimmerte wie über einem glühenden Heizkessel. Da und dort wuchsen hohe Haufen zerborstenen Gesteins aus dem Boden wie Schlackeninseln im Feuermeer. Und einsam in der unermeßlichen Weite lag Railhead, die Endstation, eine Segeltuchstadt von zweitausendfünfhundert Einwohnern, vollständig ausgestattet mit Bahnhofsgebäude, Läden, Postamt, Telegraphenamt und Kantine mit der bewohnbaren Welt verbunden nur durch zwei parallele Eisenstriche, drei Fuß und sechs Zoll auseinander, die in der Ferne matter und schmaler wurden, bis sie von einer Luftspiegelung verwischt wurden und im Unbestimmten verschwanden.“

Wie Churchill weiter in seinem „Kreuzzug gegen das Reich des Mahdi“ berichtet,  erreichten täglich zwei Versorgungszüge Railhead, die Wasser, Nahrung, Baumaterial, „Briefe, Zeitungen, Würste, Konfitüre, Wisky, Sodawasser und Zigaretten mitbrachten – all die Dinge, die den Briten erlauben, die Welt zu erobern ohne Unannehmlichkeiten.“

Jedoch sei für das Railway-Battalion mehr und mehr die Gefahr hinzugekommen, dass die Orks die Linie hinter ihm kappen könnten. „Sie hatten für drei Tage Wasserreserven. Wenn innerhalb dieser Zeit die Verbindung nicht wiederhergestellt und der Verkehr wiederaufgenommen wäre, müßten sie alle in der Wüste vertrocknen, und nur ihre Knochen und Kochpfannen würden als Zeugnis der Verrücktheit des Unternehmens zurückbleiben“, meint Churchill trocken.

Vom 20. Juli bis zum 7. August herrschte bei der Unternehmung ein relativer Stillstand, da die Briten nun zu nah auf Abu Hamed vorgerückt waren, das allerdings noch von den Orks gehalten wurde. General Hunter jedoch konnte den Ort besetzen.

Churchill: „Mit neuer Energie wurde die Arbeit sofort wiederaufgenommen. Die Bauarbeiten erreichten nun ein beachtliches Tempo. An einem einzigen Tag wurden bis zu fünftausenddreihundert Yard Bahnstrecke vermessen, trassiert und die Schiffenen gelegt. Am 1. November erreichte die Linie Abu Hamed… Die Anspannung und Belastung waren an den Baumannschaften allerdings nicht spurlos vorübergegangen. Polwhele und Cator, zwei der acht subalternen Offiziere der Engineers, welche beim Bau der Dongola-Bahn und der Wüstenbahn für die Gleisverlegung verantwortlich waren, bezahlten für die Strapazen mit dem Leben…

Die glückliche Entdeckung von Wasser hatte die Vollendung der Strecke bis nach Abu Hamed um beinahe einen Monat beschleunigt. Bei No. 4 Station, auf einem Flecken fünfundsiebzig Meilen vor Abu Hamed, der nach Wasser aussah, wurde Anfang Juli ein Bohrloch in den Sand getrieben. Nach fünfwöchiger Arbeit wurden in einer Tiefe von neunzig Fuß reiche Wasservorräte gefunden. Eine dampfgetriebene Pumpe wurde installiert, und der Brunnen lieferte beständigen Wassernachschub. Bei No. 6 Station, fünfundfünfzig Meilen weiter in Richtung Abu Hamed, wurde im Oktober ein zweites Bohrloch gegraben und Wasser in noch größerer Menge entdeckt. Mit diesen Funden milderte sich die Wasserfrage, obschon sie dadurch noch nicht gelöst war….

Dem durch die Wüste fortschreitenden Bau der Bahn folgte selbstverständlich das Telegraphenkabel. Jeder Lieferung von Schiffenen und Schwellen war eine entsprechende Menge Telegraphenstangen, Isolatoren und Draht beigegeben.

Lieutenant Manifold, ein weiterer Subalterner der Engineers, hatte zusätzlich eine Telegraphenlinie von Merawi nach Abu Hamed verlegt, und damit war sogleich im gesamten Netz von Fluß und Eisenbahn die Verbindung hergestellt…

Wadi Halfa am Ausgangspunkt der Linie war zu einer geschäftigen Stadt geworden. Ein Lehmdorf war in ein Miniatur-Crewe verwandelt worden. Die großen Werkhallen waren mit der Bahnlinie gewachsen und mit verschiedenstem, teils anspruchsvollem Gerät ausgestattet…

Gießereien, Drehbänke, Lichtmaschinen, Dampfhämmer, hydraulische Pressen, Schmelzöfen, Gewindeschneidmaschinen und Bohrer waren unermüdlich am Werk. Alles verlangte nach unausgesetzter Pflege. Zu jedem Gerät war das Gerät zu besorgen, das zu seiner Reparatur gebraucht wurde. Um die Tonnagen zu bewältigen, die für die laufende Versorgung der Armee erforderlich waren, und um die Linie über Abu Hamed hinaus weiterzuführen, waren schließlich fast vierzig Lokomotiven erforderlich…

Zu den Ansprüchen des vielfältigen Geräts kam die Sprachverwirrung. Einheimische verschiedener Rassen taten als einfache Handwerker ihre Arbeit. Vorarbeiter waren aus Europa geholt worden. In den Werkstätten wurden nicht weniger als sieben Sprachen gesprochen. Wadi Halfa wurde zu einem zweiten Babel. Dennoch gedieh das Unternehmen. Die Offiziere der Engineers zeigten Taktgefühl und ließen sich nicht aus der Ruhe bringen. Direktor Girouard, ihr Chef, war von kühler Gemütsart und unermüdlich. Alles unterstand der regelmäßigen Aufsicht des Sirdar. Interesse und Sympathie für einfache Arbeit sicherten ihm die Zuneigung der Untergebenen.“

Streik, ein inhärentes Problem im demokratischen Kapitalismus? Jedenfalls ein Problem auch für die Omdurman-Mission: „Während die Armee um Railhead herum wuchs, nahm auch die Belastung der Linie zu. Neue Lokomotiven mußten bestellt werden. Der Direktor war ein Patriot und schickte seine Bestellung nach England. Dort befand sich der ganze Maschinenbausektor im Streik, und niemand konnte helfen, Lokomotiven zu beschaffen… So wurde beschlossen, den Präsidenten der südafrikanischen Linie namens der ägyptischen Armee um die Erlaubnis zu bitten, zwei oder drei Lokomotiven abzukaufen.“

Der Bitte an den Präsidenten der südafrikanischen Linie um drei Lokomotiven wurde umgehend entsprochen, es wurden sogar fünf geliefert, kein Wunder: Der Präsident der Linie war Cecil Rhodes (1). Drei weitere Loks mussten in Amerika bestellt werden.

„Es ist anzumerken, daß die amerikanischen Lokomotiven rascher geliefert wurden und tausend Pfund weniger kosteten (als die britischen, T.). Pannen waren bei ihnen äußerst rar, alle ihre Ersatzteile waren austauschbar. Die Tatsache, daß sie um einiges schneller fuhren, war ihrem Ruf sehr zuträglich, und der Soldat, der zur Front reiste, war nicht weniger darauf bedacht, die Lokomotiven seines Landes zu meiden, als dessen Ehre zu behaupten. Sie waren, wie es einer der Subalternen von den Engineers ausdrückte, ‚die Erzeugnisse einer höheren Klasse von Fertigkeit als der, die in England am Werk ist‘. Sie zeugten von’weniger Schinderei, aber mehr Talent‘. Das äußere Erscheinungsbild wurde nicht vernachlässigt, aber auf unsichtbare Teile wurde kein Schli vergeudet. Es bereitet kein Vergnügen, solche Fakten festzuhalten, die unglücklicherweise nicht einmal den Vorzug haben, neu zu sein“, stellt Churchill bedauernd fest.

Die Bahn war nach Abu Hamed in der Annahme gelegt worden, von dort an sei der Nil schiffbar. Als das Wasser jedoch jahreszeitlich bedingt sank, stellte sich dies als Irrtum heraus. Dies erforderte die Verlängerung der Strecke bis nach Atbara. Nachdem die Finanzierungsprobleme geregelt waren, bewegte sich Railhead mit einer Geschwingkeit von einer Meile pro Tag weiter. Da man sich nun bald in einer Region befand, in der es wieder Regenfälle gab, mußte Schwemmland ausgewichen werden, es wurden zehn Brücken gebaut und rund sechzig Abflußkanäle. Churchill: „Dies bedeutete mehr als tausend Tonnen zusätzliche Fracht für die Wüsteneisenbahn.“

Churchill wendet sich sodann dem Versorgungswesen zu. Er schreibt: „In den meisten Armeen ist Brot das Hauptnahrungsmittel des Soldaten. In mehreren unserer Kriege wurde die Gesundheit und infolgedessen die Schlagkraft der Truppen durch schlechtes Brot oder durch zu häufigen Ersatz durch Zwieback in Mitleidenschaft gezogen. Für über ein Jahr hatte die Armee am Fluß täglich zwanzig Tonnen Mehl verzehrt, und man kann sich leicht ausmalen, wie bitter unter gewöhnlichen Umständen der Streit zwischen den Verpflegungsoffizieren, deren Pflicht es war, auf der Qualität des Getreides zu bestehen, und den Lieferanten hätte ausfallen müssen, die sich nur für ihren Profit interessieren und oft, fürchte ich, die Bezeichnung ‚Schurken‘ verdienen. Doch das Kriegsdepartement hatte 1892 eine von Ismail Paschas Gewehrfabriken auf Lebensmittelversorgung umgestellt. Dort waren Mühlen aufgestellt worden, um Getreide zu mahlen, Öfen, um – mit einer Kapazität von bis zu sechzigtausend Rationen pro Tag – Zwieback zu backen, und sogar Maschinen, um Seife herzustellen. Drei große Vorteile hatte diese weise Einrichtung mit sich gebracht. Erstens war die Qualität der Versorgung garantiert. Zweitens wurde das Risiko von Lieferanten, die nicht liefern, ausgeschlossen. Drittens konnten die auf diesem Weg eingesparten Mittel dafür verwendet werden, ein willkommenes Corps von hundertfünfzig Bäckern auf die Beine zu stellen. Obschon der Einkauf ausländischen Getreides (die Getreideernte war im Vorjahr, 1895, in Ägypten außergewöhnlich schlecht ausgefallen, T.) die Kosten erhöhte, blieb das Verpflegungsamt der Ägyptischen Armee auf diese Weise leistungsfähig und seinen Aufgaben durchaus gewachsen.

Rasch waren große Vorratslager bei Assuan angelegt. Ohne direkte Genehmigung des Sirdar wurde dort keine Unze Getreide ausgegeben. In dem Nebendepot, das in Wadi Halfa angelegt wurde, galt dieselbe Regel. Der Mann, der niemandem Rechenschaft schuldete, übernahm die ganze Verantwortung, und dadurch konnte ein System, in dem ein Stabschef dem beständigen Bombardement durch eine Vielzahl von Abteilungschefs ausgesetzt ist, vermieden werden. Als der erforderliche Nachschub in Akasha gestapelt war, wurde Firket genommen.“

Wiki: „Die anglo-ägyptische Hauptstreitmacht, die River Column, rückte entlang des Nil vor, die Desert Column marschierte durch die Wüste. Die River Column begann ihren Vormarsch am Abend des 6. Juni. Unter Einhaltung völliger Stille marschierten die Einheiten von Akasheh (Akasha, T.) nach Firket. Um 4:30 Uhr formierten sie sich in Schützenlinie. Die Desert Column hatte zwischenzeitlich die Stellung der Mahdisten umgangen und Position in deren Rücken bezogen. Die drei Brigaden griffen die unterschiedlichen Lager der Mahdisten bei Firket an und konnten die Mahdisten vollständig überraschen. Um 7:00 Uhr waren die Mahdisten überwunden und wandten sich zur Flucht. Die anglo-ägyptische Armee (hier kämpften 9.500 Soldaten gegen 3.000 Orks, T.) verlor 20 Mann (davon 19,5 Ägypter, nehme ich an, T.), die Mahdisten hatte ca. 1.000 Tote (d.h. pro Bäcker 6,6 tote Orks, T.), davon 44 Emire.  Kitchener hätte nun weiter in Richtung Dongola marschieren können. Er zog es jedoch vor, die Ankunft der Kanonenboote abzuwarten und die Eisenbahnlinie weiter nach Süden voranzutreiben.“ (2)

Churchill: „Nach der Schlacht von Firket wurde die Lage schwierig, und das Problem der Versorgungsoffiziere lag darin, die Truppen am Leben zu erhalten, ohne durch ihre Nahrungsmitteltransporte die Fortschritte beim Eisenbahnbau zu bremsen. Bei mittleren Verlusten von fünfzig Prozent durch Diebstahl und Wasserschäden wurde ein kleiner Teil der Lebensmittel auf dem Fluß über die Katarakte hinweg hinaufgeschleppt, die den Wasserweg von Halfa bis Kosheh behindern. Der Rest wurde von Railhead aus durch Kamelkonvois befördert. Bis die Bahnlinie Kosheh erreichte, waren die Transportkapazitäten bedrohlich überlastet, und einmal mußten sogar die berittenen Truppen nach Norden geschickt werden, um Hunger zu vermeiden.“

Time am 26. Mai 2008

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(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Cecil_Rhodes
(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_von_Firket

Churchill 3: Die Schlacht von Omdurman

27. April 2009

Obwohl das Vorrücken der Bahn durch einen Vorstoß der Orks nach Berber, welcher militärischen Maßnahmen den Vorrang gab, verzögert wurde, erreichte Railhead am 3. Juli Atbara.

Churchill: „Die Nachschubfrage war damit ein für allemal erledigt. In weniger als einer Woche wurden entlang der Gleise Vorräte für wenigstens drei Monate gestapelt, und die zermürbende Arbeit der Versorgungsoffiziere hatte ein Ende gefunden. Deren vollbrachte Leistung und Erleichterung ging auf in dem noch größeren Triumph der Eisenbahner. (…) An dem Tag, als der erste Zug voller Truppen im befestigten Lager am Zusammenfluß von Nil und Atbara einrollte, war das Schicksal der Derwische besiegelt. Es war nun möglich geworden, zu jeder Jahreszeit und unabhängig von den Ressourcen des Landes große Armeen schnell und bequem ins Innere des Sudan zu schicken, diese nicht nur mühelos mit Proviant und Munition, sondern mit allen Ausrüstungsgütern der WISSENSCHAFTLICHEN Kriegführung zu versorgen, sie außerdem durch eine mächtige Flottille von Kanonenbooten zu unterstützen, welche die Herrschaft über den Fluß und die Ufer innehatte und jederzeit über Khartum hinaus bis nach Sennar, Faschoda oder Sobat vordringen konnte.

Die Schlacht war noch nicht geschlagen, aber der Sieg bereits errungen. Der Khalifa, seine Hauptstadt und seine Armee lagen nun in Reichweite des Sirdar. Es ging nur noch darum, die Frucht zu pflücken in der dafür am besten geeigneten Stunde, mit den geringstmöglichen Unannehmlichkeiten und zum geringstmöglichen PREIS.“

Vielleicht hat jemand von Ihnen Oliver Stones „Alexander“ gesehen? Da gibt es die mE. atemberaubend inszenierte Schlacht von Gaugamela (331 v. Chr., 1). Freuen Sie sich nun auf Churchills anschauliche Schilderung der Schlacht von Omdurman:

„Zweiter September 1898. – Um halb fünf erschallten die Fanfaren aus den Trompeten über das ganze Lager hinweg. Allmählich wurde es heller. Die Kavallerie saß auf, die Infanterie ging an die Gewehre, und die Kanoniere begaben sich an ihre Geschütze, während die Sonne, die über dem Nil aufging, die weite Ebene, die schwarzen felsigen Hügel und die wartenden Armeen in helles Licht badete.

Noch vor dem ersten Tageslicht waren mehrere Schwadronen der britischen und ägyptischen Kavallerie vorgeschickt worden, um mit dem Feind Fühlung aufzunehmen und sich von seinen Absichten ein Bild zu machen. Die erste davon, geführt von Captain Baring, besetzte den Surgham-Hügel und wartete in der Dunkelheit darauf, daß die Dämmerung den Aufenthalt der Derwische enthüllen würde. Es war ein gefährliches Unternehmen, denn Baring hätte sie unerwartet nahe vorfinden können. Als die Sonne aufging, trabten die 21st Lancers aus der Seriba hinaus und streuten eine Reihe von Offizierspatrouillen vor sich aus. Da es keine nächtlichen Angriffe gegeben hatte, wurde erwartet, daß sich die Armee der Derwische in ihre ursprüngliche Position zurückbegeben, wenn nicht sogar in die Stadt zurückgezogen hatte. Es war kaum denkbar, daß sie über das offene Feld vorrücken und die Seriba bei Tageslicht angreifen würde. Doch solche Voraussagen wurden augenblicklich entkräftet durch den Anblick, der sich vom Hügelkamm bot.

Es war Viertel vor sechs. Noch war das Licht mild, wurde jedoch von Minute zu Minute stärker. Dort in der Ebene lag der Feind, an Zahl unverändert und in seinen Plänen und seiner Zuversicht offensichtlich nicht erschüttert. Die Frontlinie war jetzt fast fünf Meilen lang, bestehend aus großen Soldatenmassen, die durch dünnere Linien verbunden waren. Dahinter und auf den Flanken standen umfangreiche Reserven. Vom Hügelkamm aus sahen sie wie dunkle Flecken oder eine Maserung des Geländes aus, herausgehoben durch gespenstische Lichtschimmer auf ihren Speerspitzen. Um etwa zehn Minuten vor sechs wurde deutlich, daß die Massen in Bewegung waren und zügig vorrückten. Die Emire galoppierten an der Spitze ihrer Einheiten. Vor der ganzen Frontlinie schwärmten Patrouillen und Kundschafter aus. Dann brachen sie in Jubelrufe aus. Noch waren sie eine Meile vom Hügel entfernt, und Bodenwellen entzogen sie den Blicken der Armee des Sirdar. Auch für die Truppen am Fluß unten war der Lärm ihres Geschreis zu hören, wenn auch nur schwach. Aber denen, die auf dem Hügel Ausschau hielten, rollten Wellen eines schrecklichen Heulens entgegen wie das Brausen des Winds und der See vor einem Sturm.

Die britischen und ägyptischen Truppen standen auf einer Linie, den Rücken dem Fluß zugekehrt. Die Flanke wurde durch die Kanonenboote gesichert, die vertaut in der Strömung lagen. Vor ihnen dehnte sich die sandige Ebene hin, die von dem leicht erhöhten Standpunkt auf dem Kamm aus flach und glatt wie ein Tisch aussah. Zur Rechten erhoben sich die felsigen Kerreri-Hügel, wo die ägyptische Kavallerie in Stellung gegangen war – eine dunkle Masse von Pferden und Männern. Zu ihrer Linken standen – mit einer einzigen Schwadron auf Erkundung voraus die 21st Lancers und beobachteten ihre Patrouillen, die den Surgham-Hügel erklommen und bereits auf dessen anderer Seite vorstießen oder, wie wir, auf dem Hügel sitzend Ausschau hielten.

Der Glaube, daß ihre Schießkunst unterlegen war, ermutigte uns, die Derwische, obschon sie beständig näherrückten, etwas genauer unter die Lupe zu nehmen, und so trabten wir östlich um den Surgham-Hügel herum und über dessen flachen südwestlichen Ausläufer hinab, bis wir in den Sandhügeln seitlich der Feinde zum Stehen kamen. Von da aus war ihre Schlachtordnung im Detail zu studieren. Es war, als ließe sich jeder einzelne von den Tausenden mustern. Ihr Marschtempo war schnell und stet, und es war klar, daß wir nicht ohne Risiko lange hier zwischen den Sandhügeln verweilen konnten. Doch die erstaunliche Szene zog uns gefährlich in ihren Bann, so daß wir für eine Weile innehielten.

Die Wahrzeichen der berühmteren unter ihren Emiren waren leicht zu erkennen. Auf der äußersten Linken folgten die Anführer und Soldaten der hellen grünen Fahne von Ali-Wad-Helu. Zwischen dieser und der Mitte ragte die große dunkelgrüne Fahne von Osman Sheikh-ed-Din aus der kompakten Masse von Lanzenträgern, die von langen Linien vermutlich mit Gewehren ausgerüsteter Krieger angeführt wurden. Über dem zentralen Truppenkörper wehte, hoch und unübersehbar, die schwarze Fahne des Khalifa. Zur Rechten derweil war ein mächtiges Karree von Derwischen unter einer ungewöhnlich großen Zahl weißer Fahnen unterwegs, zwischen denen das rote Wahrzeichen von Sherif beinahe verborgen blieb. An diesem letzten Tag seiner Existenz waren die ganze Macht und der ganze Stolz des Reichs der Derwische versammelt. Schützen, unter deren Mitwirkung Hicks vernichtet wurde (El Obeid, 1883, http://de.wikipedia.org/wiki/William_Hicks ), Lanzenträger, die den Angriff von Abu Klea angeführt hatten (Wiki: „Auf dem Vormarsch von Korti nach Metemmeh stieß das Camel Corps am 17. Januar 1885 bei Abu Klea auf eine Armee der Mahdisten. Steward konnte mit 1.500 Mann die zahlenmäßig weit überlegenen 10.000 Mahdisten schlagen“), Emire, welche die Plünderung Gondars erlebt hatten, Baggara, die unlängst von ihren Raubzügen gegen die Schilluk zurückgekehrt waren, Krieger, die an der Belagerung Khartums beteiligt gewesen waren – angespornt durch frühere Triumphe und erzürnt durch die Nachrichten der jüngsten Niederlagen, waren sie alle unterwegs, die frechen und verwünschten Invasoren zu bestrafen.“

Pause, Pause… Hier ein politisch inkorrekter Filmtip meiner vierjährigen Nichte: „Das Dschungelbuch“ von Walt Disney. Sehen Sie daraus (2) den „Colonel-Hathi-Marsch“. Hier sein Text:

Stets ein Lied beim Marsch parat,
das ist wichtig, Kamerad!
Schmetter den Choral über Berg und Tal,
wenn die Frühpatrouille naht,
wenn die Frühpatrouille naht.
Munter schreiten durch die Flur
Elefanten mit Bravour,
und sie stampfen stolz
durch das Unterholz,
das ist Militärkultur,
das ist Militärkultur.
Wir marschier’n mal hier, mal da
unser Rüssel bläst trara.
Mal mit unserm Tusch
durch den dicksten Busch,
mit viel Glanz und Gloria,
mit viel Glanz und Gloria!
Wir sind zackig im Gesang
und in dem Zusammenhang
wissen wir, wie gut
eine Pause tut.
Und ein wenig Müßiggang,
und ein wenig Müßiggang.
Kompanie Halt!

Hier die gesamte Szene auf Englisch (3) und hier die FINNISCHE Variante des Marsches: (4). Putzige Sprache, das Finnische… Jedoch kein Grund, die Finnen zu unterschätzen, die unter Mannerheim der gigantischen Sowjetunion heldenhaft Paroli boten, bevor es nach zwei Jahren zum Friedensschluß kam. Finnland hatte damals 26.000 Opfer (und Gebietsverluste) zu beklagen, die Bolschwisten 127.000 (russische Quellen) bis 270.000 (finnische Quellen). (5) und (6)

Ich schweife ab, jetzt zurück nach Omdurman, wo es nicht so lustig zuging wie im Dschungel. Churchill berichtet in der heutigen FAZ vielmehr von einem fürchterlichen Gemetzel, auch dies ein Aspekt unserer Militärkultur:

„Der Vormarsch nahm seinen Lauf. Die Derwische zur Linken waren schon weit in die Kerreri-Ebene hinaus vorgedrungen – mit dem Ziel, wie ich annahm, unsere rechte Flanke aufzureißen. Der mittlere Block unter der schwarzen Fahne bewegte sich geradenwegs auf den Surgham-Hügel zu. Die Verbände zur Rechten folgten einer südlich des Hügels verlaufenden Linie. Diese Masse von Kriegern stach heraus. Es durften nicht weniger als sechstausend sein. Ihre Ordnung war makellos. Die Fahnen über ihnen – eine Flut von vielleicht fünfhundert Stück -erschienen aus der Entfernung weiß, obschon sie mit Koran-Versen beschrieben waren. Ihre bewundernswürdige Aufreihung ließ die Armee des Khalifa wie eine alte Darstellung von Kreuzrittern im Teppich von Bayeux aussehen.

Wenn es eine Waffengattung gab, in der die Araber ihren Gegnern unvergleichlich unterlegen waren, dann waren es die Geschütze. Dennoch war es diese Waffe, mit der sie den Angriff einleiteten. Über der Mitte der Linie der Derwische, die jetzt frontal gegen den Feind vorstießen, hingen zwei Rauchwolken. Und ungefähr fünfzig Yard vor den Dornbüschen sprangen zwei rote Staubwolken aus dem Boden, wo die Geschosse eingeschlagen hatten. Es sah wie der hingeworfene Fehdehandschuh aus. Die Antwort darauf ließ nicht auf sich warten. Auf der ganzen Länge der britischen und sudanesischen Brigaden schossen über der Frontlinie große Rauchwolken auf. Aus einer Entfernung von dreitausend Yard eröffneten vier Batterien in unmittelbarer Folge das Feuer auf den Feind. Der Nachhall der Kanonade rollte über unseren Hügelkamm hinauf, der das Echo auf die Ebene zurückwarf.

Die Granaten explodierten über den Köpfen der marschierenden Menge und sprenkelten die Luft mit weißen Rauchkugeln und den Grund mit den Körpern der Getroffenen. Aber näher an unserer Position braute sich eine andere Tragödie zusammen. Die ‚Weißen Fahnen‘ näherten sich dem Hügelkamm. In einer Minute würden sie im Gesichtsfeld der Batterien auftauchen. War ihnen klar, was auf sie zukam? Dicht zusammengedrängt, marschierten sie etwa zweitausendachthundert Yard von der 32nd Field Battery und den Kanonenbooten. Die Schußweite war bekannt. Es war nur eine Frage der Routine. Das weiter entfernte Gemetzel nahm unbemerkt seinen Lauf, während unsere Sinne von dem nahenden Grauen in Bann geschlagen waren. In wenigen Sekunden würde mit der Geschwindigkeit der Artilleriegeschosse die Vernichtung über diese tapferen Männer hereinbrechen. Sie hatten den Kamm erreicht und tauchten im Gesichtsfeld der Armee des Sirdar auf. Ihre weißen Flaggen machten sie zu einem besonderen Blickfang. Als sie das feindliche Lager erblickten, feuerten sie unter großem Geknalle ihre Gewehre ab und beschleunigten ihren Schritt. Für einen Moment rückten die Fahnen in regulärer Ordnung vor, bis die gesamte Division den Kamm überschritten hatte und dem Feuer ausgesetzt war. Sogleich eröffneten die Kanonenboote, die 32nd British Field Battery und weitere Geschütze aus der Seriba das Feuer auf sie. Innerhalb einer Minute wurden sie von etwa zwanzig Granaten getroffen. Einige explodierten hoch über ihnen, andere direkt vor ihren Gesichtern. Wieder andere bohrten sich in den Sand, explodierten und schleuderten Splitter und Kugeln und große rote Staubwolken durch ihre Reihen. Die weißen Flaggen überschlugen sich in alle Richtungen. Doch sofort schnellten sie wieder in die Höhe, da andere Soldaten voranpreschten, um für die heilige Sache des Mahdi und die Verteidigung des Nachfolgers des Wahren Propheten zu sterben. Es war ein schrecklicher Anblick, zumal sie uns bis jetzt nicht den geringsten Schaden zugefügt hatten. Einem Feind gegenüber, der kein Mittel hatte, darauf zu antworten, schien es ein unfairer Vorteil, so grausam zuzuschlagen. Unter der Wirkung der Granaten verdünnten sich die Massen der weißen Flaggen zu dünnen Linien von Lanzenträgern und Plänklern, die in verninderter Zahl und veränderter Formation, jedoch mit ungebrochenem Feuereifer vorwärts stürmten. Jetzt aber, als die gesamten angreifenden Kräfte dem feindlichen Feuer ausgesetzt waren, wurde es Zeit für die Kavallerie, das Feld zu räumen und den weiteren Verlauf der Begegnung der Infanterie und den Maxim-Maschinengewehren zu überlassen. Im Trab oder in leichtem Galopp fanden alle Patrouillen wieder den Anschluß zu ihren Schwadronen, und zügig kehrte das Regiment in die Seriba zurück, während die Granaten der Kanonenboote über die Köpfe hinwegheulten und die feindliche Position auf der ganzen Länge in Feuer und Rauch aufging.

Das Getöse nahm an Intensität und Lautstärke zu, bis sogar das zuckende Gestotter der Maxims in dem Lärm kaum noch zu hören war. Achtzig Yard entfernt und vielleicht zwanzig Fuß über uns war die 32nd Field Battery in Aktion. Die Offiziere, von denen einige auf Zwiebackkisten standen, schauten durch ihre Feldstecher und studierten die Wirkung. Ich erhaschte davon einen Blick. Achthundert Yard von uns entfernt kam eine Reihe abgerissener Männer, verzweifelt gegen das gnadenlose Feuer ankämpfend, herangestürmt – weiße Gestalten, die ihre Fahnen von sich warfen, zusammenbrachen und zu Dutzenden in den Wüstenstaub sanken. Ihre Gewehre stießen kleine weiße Rauchwölkchen aus, während sich vor ihnen die Wolken des berstenden Schrapnells auf der ganzen Länge der Front zu einer lückenlosen Wand reihten.

Die Infanterie feuerte gleichmäßig und ruhig, ohne Eile und Aufregung, denn die Feinde waren weit entfernt und die Offiziere vorsichtig. Ansonsten gaben sich die Soldaten ganz ihrer Aufgabe hin und dabei große Mühe. Mit der Zeit wurde diese Betätigung auch physisch ermüdend. Die kleinen Figuren über dem Visier wurden etwas größer, doch zugleich nach jeder folgenden Salve weniger. Die Gewehre wurden heiß – so heiß, daß sie gegen die der Reservekompanien getauscht werden mußten. Während dieser ganzen Zeit schnitten draußen im Feld die Kugeln durch Fleisch, zertrümmerten und zersplitterten Knochen, und heldenhafte Männer kämpften sich vorwärts durch eine Hölle von pfeifendem Metall, explodierenden Granaten und aufspritzendem Sand – um qualvoll und verzweifelt zu sterben. Das war die erste Phase der Schlacht von Omdurman.

Der Angriffsplan des Khalifa schien kunstvoll und einfallsreich gewesen zu sein. Allerdings gründete er auf einer außerordentlichen Fehleinschätzung der Macht moderner Waffen. Zuerst schickte er etwa fünfzehntausend Mann, größtenteils der Armee von Osman Sheikh-ed-Din angehörig und dem Kommando von Osman Azrak unterstellt, in einen frontalen Angriff. Mit etwa gleich starken Verbänden wartete er selbst beim Surgham-Hügel das Ergebnis ab. Falls der Angriff erfolgreich verliefe, würde er selbst mit seiner Leibwache – dem Prunkstück der arabischen Armee – vorrücken, um den vollendeten Sieg nach Hause zu tragen. Falls er dagegen scheiterte, hatte er eine zweite Chance. Die Derwische, die er als erste gegen die feindliche Seriba schickte, waren keineswegs seine besten oder zuverlässigsten Truppen. Ihre Vernichtung müßte einen schweren Verlust, aber nicht das Ende der Schlacht bedeuten. Während der Angriff noch weiterginge, würde der starke linke Flügel, der aus dem Rest der Armee von Osman Sheikh-ed-Din bestand, unbemerkt nach Norden ausschwenken und im Bogen gegen den nördlichen Frontabschnitt der Seriba vorstoßen, die von der ägyptischen Brigade gehalten wurde. In der Zwischenzeit sollte Ali-Wad-Helu zum Kerreri-Kamm marschieren und sich zwischen den Felsen einstweilen außer Reichweite und wenn möglich außer Sicht halten. Sollten sowohl der frontale wie auch der Angriff gegen die Flanke zu seinem Unglück zurückgeschlagen werden, dann würden die ‚Feinde Gottes‘, berauscht von ihrem leichten Sieg, ihre befestigte Stellung verlassen und gegen die Stadt marschieren. Dann aber, wenn der Feind den Schutz der Seriba verließe und sich durch die Ebene verstreute, kämen die auserwählten Krieger der Wahren Religion aus ihren Verstecken und zu Tausenden zur Vernichtung der Verfluchten herbeigeeilt – der Khalifa mit seinen fünfzehntausend Mann hinter dem Surgham-Hügel hervorbrechend, Ali-Wad-Helu und alle, die noch von Osmans Armee übrig wären, vom Kerreri-Kamm her. Von Norden und Süden zugleich angegriffen und von allen Seiten eingeschlossen, würden die Ungläubigen Hoffnung und Ordnung fahrenlassen, und Kitchener würde das Schicksal von Hicks und Gordon teilen. Zwei Umstände verhinderten die Verwirklichung dieses Plans. Der zweite Amgriff der zwei dazu bestimmten Divisionen der Derwische wurde nicht gleichzeitig geführt; und selbst wenn das der Fall gewesen wäre, hätte noch immer die überlegene Feuerkraft triumphiert. Und obwohl die Verluste der Expeditionsstreifmacht womöglich massiver ausgefallen wären, hätte sich dadurch am Endergebnis nichts geändert. Die letzten Hoffnungen der Barbaren waren mit den Schatten der Nacht entschwunden.“

Ich denke, dass Irans Chef Mammut Gardinenstange den Aspekt „überlegene Feuerkraft“ begriffen hat. Aber wie die Indianer oder eben die Mahdisten erliegt er einem folgenschweren Irrtum, wenn er gierig auf die glitzernden Waffen des Westens starrt und sich in ihren Besitz zu bringen versucht. Wenn er seine Atombombe zünden sollte, so wie die Mahdisten zuerst mit der (zuvor erbeuteten) Artillerie die Waffe zum Einsatz brachten, an der sie ganz besonders unterlegen waren, wird dies sein Ende und das Ende des iranischen Mahdismus sein, nicht mehr und nicht weniger. Arme Iraner! Denn die Waffe des Westens ist nicht allein seine Armee, das ganze System ist die Waffe, das System aller seiner freien, fleißigen und klugen Bürger und Bürgerinnen…

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Time am 27. + 28. Mai 2008
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(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_von_Gaugamela
(2) http://www.youtube.com/watch?v=meumGkjQos

(3) http://www.youtube.com/watch?v=6BXa87tEU7s&feature=related

(4) http://www.youtube.com/watch?v=y0ZuIVue4gU&feature=related

(5) http://de.wikipedia.org/wiki/Winterkrieg

(6) http://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Gustaf_Emil_Mannerheim

Churchill 4: Einnahme der Stadt

27. April 2009

Krieg wird im Westen nüchtern als bestimmtes Instrument zur Lösung eines bestimmten Problems gesehen und ebenso sachlich durchgeführt. Aber: Auch bei extrem gut geplanten Unternehmungen können Überraschungen auftreten…

Churchill:

„Colonel Broadwood hatte mit neun Schwadronen der Kavallerie, dem Camel Corps und der reitenden Artillerie Order erhalten, sich den linken Flügel der Derwische vorzunehmen und diesen an einer Zangenbewegung gegen den sich flußabwärts erstreckenden Abschnitt der Seriba (befestigtes Lager, T.) zu hindern. Dieser wurde nur durch die ägyptische Brigade gehalten. Diese dem ganzen Druck eines Angriffs auszusetzen schien wenig empfehlenswert. Seinem Auftrag entsprechend hatte Broadwood den Kerreri-Kamm von der reitenden Artillerie und dem Camel Corps besetzen lassen und mit seiner Kavallerie als Reserve in der Mitte dahinter Stellung bezogen.

Die Kerreri-Hügel, von denen soviel die Rede ist, bestehen aus zwei Teilen, die – jeder rund eine Meile breit – sich etwa dreihundert Fuß über die Ebene erheben und – mit einer tausend Yard breiten Lücke dazwischen – ziemlich gradlinig von Osten nach Westen erstrecken. Das östliche Ende dieses Kamms ist vielleicht tausend Yard vom Fluß entfernt, und in dem Raum dazwischen erheben sich kleinere Buckel. Die Kerreri-Hügel, die Senke zwischen ihnen und die Buckel im Umkreis sind mit Felsbrocken und scharfkantigem Gestein vulkanischen Ursprungs übersät, was die Bewegung von Pferden und Kamelen schwierig und mühsam gestaltet. Die Pferde der Kavallerie und die Kamele waren in der Senke zwischen den Hügeln zurückgelassen worden. Die Männer des Camel Corps standen auf der südlichsten Kuppe, den Blick auf die Ebene zur Rechten unter ihnen gerichtet. Auf der Kuppe in der Mitte dahinter standen die abgesessenen Kavalleristen, zu ihrer Linken die reitende Artillerie und hinter dieser der Rest der Kavalleristen.

Osmans stürmischer Vormarsch brachte ihn rasch mit den berittenen Kräften in Berührung. Seine wirklichen Absichten sind immer noch Gegenstand von Mutmaßungen. Ob sein Befehl lautete, die ägyptische Brigade anzugreifen oder die Kavallerie zurückzudrängen oder sich zusammen mit Ali-Wad-Helu hinter den Kerreri-Hügeln zu verstecken, läßt sich nicht sagen. Was er tat, ist indessen klar. Mit einer starken Kavallerietruppe zur Linken im Rücken war ein Angriff gegen die Ägypter ein zu unsicheres Unterfangen. Also setzte er seinen Vormarsch parallel zur Frontlinie der Seriba fort. Indem er sich außer Reichweite des feindlichen Infanteriefeuers hielt, das sich gegen seine rechte Flanke richtete, und geradeaus nach Norden marschierte, stieß er auf Broadwood. Dieser Offizier, der sich auf Begegnungen mit kleinen Einheiten auf der Flanke der Derwische eingestellt hatte, fand sich plötzlich einem Angriff von fünfzehntausend Mann ausgesetzt, von denen viele Schützen waren. Der Sirdar, der in der Seriba auf seine Lage aufmerksam wurde, gab ihm den Befehl, sich hinter die Linien der Infanterie zurückzuziehen. Colonel Broadwood dagegen zog es vor, zwischen die Kerreri-Hügel hindurch auszuweichen und Osman hinter sich herzuziehen. Entsprechend antwortete er dem Sirdar.

Die Derwische, die in nordöstlicher Richtung vorstießen, griffen die Kerreri-Hügel schräg von vorn an und umklammerten sogleich die rechte Flanke der Berittenen, die den Kamm verteidigten. Nicht nur die rechte Flanke umgingen die Feinde, denn sobald ihre Schützen gleichzeitig weit genug nach Westen ausgeschwenkt waren, bestrich ihr Feuer die gesamte Senke zwischen den Hügeln vom Abhang des einen bis zum Abhang des anderen. Dadurch bedrohten sie auch den Rückzugsweg der Truppen auf der südlichen Kuppe. Sobald klar wurde, daß der südliche Hügel nicht länger zu halten war, zog Broadwood die Batterie auf die nördliche Kuppe zurück. Die Bewegung war kaum vollzogen, als die Senke unter Flankenfeuer geriet und die der Batterie nachfolgende Kavallerie und das Camel Corps auf der Stelle Verluste von etwa fünfzig getöteten und verwundeten Soldaten erlitt nebst zahlreichen verlorenen Pferden und Kamelen. Nun machten sie die schmerzhafte Erfahrung, daß auf diesem felsigen Grund die Derwische schneller zu Fuß waren als Soldaten auf Kamelen. Die Araber preschten mit einer Geschwindigkeit von fast sieben Meilen pro Stunde vorwärts, ungehindert von der reitenden Batterie und den Geschützen in der Seriba, und verkürzten den Abstand zwischen ihnen und ihren Feinden rapide. Unter diesen Umständen beschloß Colonel Broadwood, das Camel Corps unter dem Feuerschutz eines der Kanonenboote, das flußabwärts zu Hilfe kam, ins Lager zurückzuschicken. Die Distanz, welche die Gegner trennte, betrug kaum noch vierhundert Yard und nahm mit jeder Minute ab. Die Kavallerie hatte den östlichen Ausgang der Senke erreicht, und die reitende Batterie feuerte eifrig aus ihrer neuen Position auf der nördlichen Hügelkuppe. Doch das Camel Corps kämpfte noch immer mit dem felsigen Grund, und seine Lage nahm sich zusehends gefährlicher aus. Die Derwische bedeckten bereits die Felsen des südlichen Hügels mit ihren mattgelben Scharen, und ohne auf die Granaten zu achten, die sie – nunmehr von hinten – aus der Seriba heimsuchten, trieben sie ihren Angriff voran. Noch im selben Augenblick, als sie bemerkten, daß das Camel Corps auf den Fluß zuhielt und ihre sicher geglaubte Beute wie ein gejagtes Tier hinter den Reihen der Infanterie Deckung suchte, schwenkte der ganze Angriff nach rechts, wechselte mit der wilden Völkern eigenen instinktiven Kriegsweisheit die Richtung von Norden nach Osten und trieb seine Kräfte durch die Senke zwischen den Hügeln hindurch und zugleich am Fuß des Südhangs vorbei auf den Nil hin – in der offenkundigen Absicht, dem Camel Corps den Weg abzuschneiden und es in den Fluß zu treiben.

Es war ein kritischer Moment. Für den Kommandeur der Kavallerie schien der Angriff der Derwische erfolgreich zu verlaufen, was die vollständige Vernichtung des Camel Corps zur Folge gehabt hätte. Alle neun Schwadronen der Kavallerie gingen in Bereitschaftsstellung. Die britischen Offiziere rechneten mit einem fürchterlichen Angriff, bei dem sie dem vollen Aufprall der Schwärme hätten standhalten müssen, die durch die Senke geströmt kamen. Vielleicht konnte das Camel Corps durch die Ablenkung eine Gelegenheit zur Flucht erhalten. Doch das Gelände benachteiligte die Berittenen, und die feindliche Übermacht war erdrückend. Die ägyptischen Reiter waren bereit zu gehorchen – mehr aber auch nicht. Da war nichts von der überbordenden Begeisterung, wie sie in solchen Lagen Männer von strengerer Zucht zum Sieg führen kann. Dennoch erschien der Zusammenstoß unvermeidlich. Das Camel Corps war schon nahe am Fluß. Auf den Rückzugsweg der Kamelreiter den Fluß entlang stürmten im rechten Winkel Tausende von Derwischen zu, und ihre einzige Hoffnung war, sich mit dem Abwehrfeuer ihrer Gewehre so lange zu halten, bis Hilfe kam. Und um den Angriff der Derwische hinauszuzögern und abzuschwächen, schien kein anderes Mittel zu bleiben als ein verzweifelter Angriff der Kavallerie.

Doch im kritischen Augenblick traf vor dem Ufer ein Kanonenboot ein und begann plötzlich aus Gewehren, Maxims und schnellfeuernden Geschützen Feuer und Flamme zu speien. Der Abstand war kurz, die Wirkung fürchterlich. Die schreckliche Maschine, die anmutig auf dem Wasser trieb – ein wunderschöner weißer Teufel -, hüllte sich in Rauch ein. Die dem Fluß zugewandten Hänge der Kerreri-Hügel, von Tausenden von Angreifern bedeckt, gingen in Staub und Wolken splitternden Gesteins auf, und die Derwische stürzten in chaotischen Haufen. Die nachrückenden Massen zögerten unentschieden. Die Ankunft eines zweiten Kanonenbootes vervollständigte ihre Verwirrung. Das Ufer entlanghastend, passierte das Camel Corps die bedrohliche Stelle, wo noch einige Augenblicke zuvor die Derwische am Fluß zu erwarten waren, und sah die Seriba und nahe Rettung vor sich.

In ihrer bitteren Enttäuschung wandten sich die Soldaten von Osman Sheikhed-Din erneut der Kavallerie zu. Über ihrem Ärger hatten sie den Bewegungsradius dieses Gegners vergessen, sie verfolgten die unfaßbaren Schwadronen drei Meilen weit gegen Norden. Durch das Entkommen des Camel Corps über alle Maßen erleichtert, spielte die Kavallerie mit ihrem mächtigen Widersacher wie der Torero mit dem Stier. So gelang es Colonel Broadwood, diese Division der Derwische vom Schlachtfeld, wo sie dringend benötigt wurden, wegzulocken.

Nachdem die beiden Kanonenboote das Camel Corps glücklich in die Sicherheit der Seriba geleitet hatten, kehrten sie, mit der Strömung zurück und erneuerten ihren Angriff gegen die Araber. Gegen deren flußnahe Flanke eröffneten sie ein schweres und präzises Feuer und trieben sie so westwärts vom Nil hinweg. Durch die dadurch entstandene Lücke trabten Broadwood und seine Schwadronen zurück in den Schoß ihrer Armee.

Während diese Entwicklungen an der nördlichen Flanke der Derwische ihren Lauf nahmen, ging die Frontalattacke immer noch weiter.

Die Überbleibsel der ‚Weißen Flaggen‘ gesellten sich zum Zentrum, und alle vierzehntausend Mann drängten nun gegen die Seriba an, wobei sich ihre dichten Formationen auffächerten und allmählich verlangsamten. Ungefähr achthundert Yard von der britischen Division entfernt kam der Vormarsch zum Stehen, und weitere Fortschritte waren für die Araber unmöglich. Den Sudanesen gegenüber, die nur mit Martini-Henry-Gewehren bewaffnet waren, kamen sie bis auf dreihundert Yard heran, und ein heldenhafter alter Mann, der eine Fahne trug, fiel hundertfünfzig Schritt vor dem Schützengraben. Doch der Angriff wurde abgeschmettert. Der Heerführer, in seine vielfarbige Dschibba gekleidet, ritt standhaft auf die Front und das unerbittliche Feuer zu, bis er, durchbohrt von mehreren Kugeln, seine Seele aushauchte. Das war das Ende jenes trotzigen Haudegens auf manchem Schlachtfeld – das Ende des niederträchtigen Osman Azrak, treu ergeben bis in den Tod. Die überlebenden Derwische lagen hingestreckt auf der Erde, außerstande, weiter vorzudringen, und nicht willens, sich zurückzuziehen. Die Schützen unter ihnen, die von der Unebenheit des Geländes zu profitieren suchten, erhielten ein ungleiches Gefecht aufrecht. Um acht Uhr war klar, daß der Angriff gescheitert war.

Der Sirdar und seine Generäle waren sich alle in einem Punkt einig. Sie mußten Omdurman besetzen, bevor die Armee der Derwische in die Stadt zurückkehrte. Sie würden mit derart vielen Derwischen in der freien Ebene fertig, doch zwischen den Häusern wäre es anders. Derzeit waren die Araber draußen in der Wüste. Ein guter Teil von ihnen war weit abgeschlagen in Kerreri. Die eigenen Truppen konnten sich zwischen den feindlichen Linien und der Stadt bewegen. Mit Sicherheit würden sie Omdurman als erste erreichen. Sogleich wurde der Befehl ausgegeben, auf die Stadt zu marschieren. Doch zuerst mußte der Surgham-Hügel erkundet und das Terrain zwischen der Seriba und Omdurman von Derwischen gesäubert werden – mit der Infanterie, wenn nötig, doch vorzugsweise mit Kavallerie, denn das ging schneller. So kamen die 21st Lancers wieder zum Einsatz.

Als die Schießerei nachließ, standen die Lancers bei ihren Pferden. Dann kam General Gatacre mit Captain Brooke und dem Rest seines Stabs die hintere Linie der Infanterie entlanggeritten und rief Colonel Martin zu sich. Eine kurze Unterhaltung folgte, dann ein Befehl, und schon kletterten wir alle in unsere Sättel und richteten voller Erwartung unsere Linien aus. Im Trab ging es los, zwei oder drei Patrouillen dem Hügel entgegen vorausgaloppierend, während die Masse des Regiments folgte ein großer quadratischer Block ungelenker brauner Gestalten und kleiner Pferde, über und über behängt mit Wasserflaschen, Satteltaschen, Reservezaumzeug, Pökelfleischdosen, alles durcheinander klappernd und klirrend. Die Politur der Friedenszeiten war verblichen, es waren Soldaten ohne Glanz, Reiter ohne Eleganz, doch immer noch ein Regiment leichter Kavallerie im aktiven Einsatz gegen den Feind.

Die Schulter des Hügels war nur eine halbe Meile entfernt. Niemand war hier anzutreffen. Die Gesteinsmasse des Surgham-Hügels verstellte uns den Blick und verbarg das große Reserveheer, das um die schwarze Fahne massiert war. Doch südlich von uns war die ganze Ebene bis zur Stadt zu überschauen. Sie wimmelte von kleinen Gruppen von Derwischen, zehn oder zwanzig, unterwegs zu Pferd oder zu Fuß. Drei Meilen vor uns bewegte sich ein breiter Strom von Flüchtenden Verwundete und Deserteure – von der Armee des Khalifa zur Stadt hin. Das Schauspiel war geeignet, die grausamsten Instinkte des Kavalleristen zu wecken. Nur die vereinzelten bewaffneten Gruppen konnten einer glorreichen Verfolgung Hindernisse in den Weg stellen. Der Offizier der Nachrichtenübermittlung hatte mit dem Heliographen dem Sirdar zu melden, daß der Kamm nicht besetzt sei und mehrere tausend Derwische auf der Flucht nach Orndurman zu sehen seien. Auf Antwort wartend und nach Norden auf die Seriba zurückblickend, sahen wir links von dieser, wo der erste Angriff zum Stillstand gebracht worden war, einen grauweißen Flecken von vielleicht einer Meile Länge. Der Feldstecher gab Details zu erkennen: Hunderte von kleinen weißen Figuren zu Haufen gedrängt und verstreut, darunter Dutzende hinwegstolpernd, hüpfend, kriechend; zwischen den Toten ein paar teilnahmslose Pferde, einige wenige unverletzte Männer, die Kameraden wegzuziehen versuchten. Dann trat in der Seriba der Heliograph mit seinen eigenwilligen Blinkzeichen in Aktion. Der ausgegebene Befehl war von großer Wichtigkeit: ‚Stoßt vor‘, antwortete der Heliograph, ’säubert die linke Flanke, und unternehmt alles, um den Feind an der Rückkehr nach Omdurman zu hindern.‘ Das war alles, aber es war ausreichend. In der Ferne war zu beobachten, wie die Feinde zu Hunderten in die Stadt hinein zurückkehrten. Sie mußten aufgehalten werden, und beiläufig ließen sich diese kleinen Gruppen in der Ebene wegwischen. Wir saßen wieder auf. Das Terrain erschien ebenmäßig und von keinerlei Rinnen und Gräben durchbrochen, doch Aufklärung war wünschenswert. Zwei Patrouillen wurden ausgesandt. Die erste brach in Richtung Omdurman auf und begann die verstreuten Derwische vor sich herzutreiben, die in große Erregung gerieten und ihre Gewehre abfeuerten. Die zweite Patrouille unter Lieutenant Grenfell wurde ausgeschickt, zu erkunden, wie an den tiefer gelegenen Hängen und Ausläufern des Surgham-Hügels das Gelände beschaffen war. Auch ihnen stand auf ihrem abenteuerlichen Ausritt das Glück zur Seite. Sie berichteten, daß in einem flachen und anscheinend begehbaren Bachbett etwa eine Dreiviertelmeile südwestlich, zwischen dem Regiment und den Flüchtenden, ein Verband von etwa tausend Derwischen stand. Auf diese Meldung hin entschied Colonel Martin, vorzustoßen und diese Truppen, das einzige Hindernis zwischen ihm und der Rückzugslinie der Araber, anzugreifen. Dann ging es los.

Während dieser ganzen Zeit war der Feind beschäftigt gewesen. Zu Beginn der Schlacht hatte der Khalifa eine kleine Truppe von siebenhundert Mann auf seiner äußersten Rechten in Stellung gebracht, um eine Gefährdung seiner Rückzugslinie nach Omdurman zu verhüten. Diese Abteilung bestand ausschließlich aus Hadendoa-Stammeskriegern unter Osman Dignas Fahne und wurde von einem diesem untergebenen Emir befehligt, der seine Kräfte in einem ihm zur Erfüllung des Auftrags geeignet erscheinenden flachen Khor in Stellung gebracht hatte. Sowie die 21st Lancers die Seriba verließen, erstatteten die Kundschafter auf dem Surgham-Hügel dem Khalifa Meldung. Ihm wurde mitgeteilt, daß die englische Kavallerie komme, um ihm den Rückweg nach Omdurman abzuschneiden. Abdullahi beschloß daraufhin, seine äußerste Rechte zu verstärken, wählte aus den Truppen unter der schwarzen Fahne vier Regimenter aus, jedes fünfhundert Mann stark, und erteilte ihnen umgehend den Befehl, unter dem Kommando von Emir Ibrahim Khalil den Hadendoa in dem Khor Unterstützung zu bringen. Während wir auf dem Hügel weitere Befehle abzuwarten hatten, eilten diese Männer, verborgen hinter dem Surgham-Karnm, in südöstlicher Richtung zu dem Khor. Die Patrouille der Lancers hatte unter Lebensgefahr den Khor erkundet, als er noch von siebenhundert Hadendoa besetzt war, und nach der Rückkehr im Galopp berichtet, er werde von etwa tausend Mann gehalten. Bevor sie wieder beim Regiment war, hatte sich diese Zahl auf zweitausendsiebenhundert erhöht. Davon aber konnten wir nichts wissen. Nachdem er die Verstärkung losgeschickt hatte, ritt der Khalifa auf einem Esel und mit einer dürftigen Eskorte fast eine halbe Meile weit von der schwarzen Fahne entfernt auf den Khor zu, um dem Geschehen beizuwohnen, und infolgedessen befand er sich weniger als fünfhundert Yard vom Schauplatz entfernt.

Etwa dreihundert Yard rückten wir im Schritt geschlossen vor. Die verstreuten Gruppen von Derwischen suchten das Weite und verschwanden von der Bildfläche, und nur eine versprengte Reihe von Männern in Dunkelblau stand etwa eine Viertelmeile vor uns bewegungslos im Feld. Sie konnten kaum hundert zählen. Die Schwadronen des Regiments bildeten jetzt Kolonnen und bewegten sich weiter im Schritt auf Linie vorwärts, bis wir etwa dreihundert Yard von dieser kleinen Truppe von Derwischen entfernt waren. Es herrschte eine vollkommene Stille, die durch den vorangegangenen Tumult noch verstärkt wurde. Weit im Rücken der dünnen blauen Linie der Derwische strömten die Flüchtenden nach Omdurman hinein. Und sollten diese paar ergebenen Krieger ein Regiment aufhalten? Dennoch war es weiser, ihre Position von der anderen Flanke in Augenschein zu nehmen, bevor wir eine Schwadron auf sie losließen. Die Spitzen der Schwadronen schwenkten sachte nach links, und die Lancers, die in einen Trab verfielen, kreuzten in Kompaniekolonnen vor der Front der Derwische.

Wie ein Mann fielen die blaugekleideten Männer auf die Knie, und ihre Gewehre brachen in ein lautes Geknalle aus. Es ist kaum möglich, auf diese Entfernung sein Ziel zu verfehlen. Sogleich stürzten Männer und Pferde. Der einzuschlagende Kurs lag auf der Hand, und alle warteten auf das Signal. Der Oberst, dem Ziel näher als das Regiment, sah bereits, was im Rücken der Plänkler lag. „Rechts schwenkt!“, erteilte er den Befehl, und die Trompete stieß einen schrillen Ton aus, der im Gewehrlärm und Getrampel der Pferde nur schwach zu hören war. Auf der Stelle hatten alle sechzehn Kompanien zur Linie eingeschwenkt und preschten in langen galoppierenden Kolonnen ihrem Ziel entgegen – der erste Angriff der 21st Lancers im Kriegseinsatz.

Zweihundertfünfzig Yard entfernt feuerten die dunkelblauen Männer wie toll hinter einem dünnen blauen Rauchschleier hervor. Ihre Kugeln spritzten den harten Kies in die Luft, und um ihr Gesicht zu schützen, zogen die Reiter die Helme nach vorn wie die Kürassiere bei Waterloo. Das Tempo war hoch und die Distanz kurz. Noch hatten wir sie nicht zur Hälfte zurückgelegt, als sich die ganze Angelegenheit in grundlegend veränderter Ansieht präsentierte. Wo alles einen Augenblick zuvor eben und glatt ausgesehen hatte, tat sich ein Khor im Gelände auf, eine trockenliegende Wasserrinne, und plötzlich, wie bei der gelungenen Überrumpelung durch einen Pantomimen und mit einem schrillen Schrei, sprang daraus eine kompakte weiße Masse hervor, fast so lang wie unsere Front und mindestens zwölf Mann tief. Wie in einem Zauberstück schossen vor ihnen einige Fahnen und eine Schar Reiter aus dem Boden. Schon stürmten die eifrigsten unter den Kriegern vorwärts, um den Zusammenstoß vorwegzunehmen. Die anderen standen bereit, ihn aufzufangen. Die Lancers quittierten diese Erscheinung einzig mit einem noch einmal verschärften Tempo. Jedermann wollte genügend Schwung, um durch diese feste Linie hindurchzustoßen, Die Truppen auf den Flanken schwenkten einwärts wie die Spitzen einer Mondsichel. Es war eine Angelegenheit von Sekunden. Die Fußkämpfer, die bis zum letzten Augenblick feuerten, wurden Hals über Kopf in den Khor zurückgefegt, und in engster Formation und vollem Galopp mit ihnen hineinspringend, prallten die britischen Schwadronen mit einem einzigen wütenden Schrei auf die Brigade. Der Zusammenstoß war von ungeheurer Wucht. Fast dreißig Lancers und mindestens zweihundert Araber waren niedergeworfen worden. Der Schock auf beiden Seiten war betäubend, und vielleicht mochte für wunderbare zehn Sekunden niemand auf seinen Feind geachtet haben. Von Panik erfasste Pferde hatten sich in der Menge verkeilt, übel zugerichtete Männer, die in Haufen übereinanderlagen, mühten sich benommen, taumelnd und verwirrt auf die Beine, keuchten und schauten an sich herunter. Mehrere der gestürzten Lancers fanden sogar Zeit, wieder aufzusitzen. Doch schon riss der Schwung der Kavallerie sie wieder mit.

Unerschütterte und unnachgiebige Infanterie trifft selten auf unerschütterte unnachgiebige Kavallerie. Entweder rennt die Infanterie davon und wird fliehend dezimiert, oder sie behält kühlen Kopf und vernichtet die Verbände der Berittenen nahezu vollständig mit ihren Gewehren. Bei dieser Gelegenheit waren zwei lebendige Mauern aufeinandergestoßen. Die Derwische kämpften mannhaft. Sie versuchten den Pferden die Knieflechsen zu durchhauen. Sie feuerten, indem sie die Mündung ihrer Gewehre dem Feind förmlich in den Leib rammten. Sie durchschnitten Zügel und Steigbügelriemen. Sie schleuderten ihre Wurfspeere mit großer Gewandtheit. Sie versuchten jedes Mittel, das kaltblütigen, entschlossenen, kriegserprobten und mit Kavallerie vertrauten Männern zu Gebote steht, und außerdem schwangen sie scharfe Schwerter, die tief schnitten. Auf der anderen Seite des Khor dauerte der Kampf von Mann zu Mann vielleicht eine Minute. Dann fassten die Pferde wieder Tritt, die Gangart beschleunigte sich, und die Lancers fanden den Weg zwischen ihren Gegnern aufs Feld hinaus. Zwei Minuten nach der Kollision hatte sich, wer noch lebte, aus der Masse der Derwische abgesetzt. Auf die Gefallenen wurde mit Schwertern eingeschlagen, solange sie noch zuckten.

In einer Entfernung von zweihundert Yard kam das Regiment zum Stillstand, sammelte sich, wandte sich dem Feind zu, hatte sich in weniger als fünf Minuten neu formiert und war zu einem zweiten Angriff bereit. Die Männer waren entschlossen, sich durch die Feinde ihren Rückweg freizuhauen. Wir waren miteinander allein – das Kavallerieregiment und die Brigade der Derwische. Wie ein Vorhang trennte uns der Kamm von unserer Armee. Die Hauptschlacht war vergessen, da gänzlich außer Sicht. Das da war ein privater Streit. Der andere mochte ein Massaker sein, doch hier wurde fair gerungen, denn auch wir kämpften mit Schwert und Speer. Tatsächlich lag, was die Zahl und das Gelände anging, der Vorteil bei ihnen. Alle nahmen sich vor, die Rechnung ein und für allemal zu begleichen. Doch erst allmählich wurden die Verantwortlichen sich der vollen Kosten für unseren wilden Ritt bewsst. Herrenlose Pferde galoppierten über die Ebene. An den Sattelknauf geklammert, vom Blut eines Dutzends Verwundungen bedeckt, sah man Männer hilflos dahintorkeln. Pferde, denen das Blut aus klaffenden Wunden schoß, hinkten und stolperten mit ihren Reitern. Eine Truppe von weniger als vierhundert Mann hatte in hundertzwanzig Sekunden Verluste von siebzig Getöteten oder Verwundeten erlitten, fünf Offiziere und fünfundsechzig Soldaten sowie hundertneunzehn Pferde verloren.

Die Schlachtlinie der Derwische, in die der Angriff Lücken geschlagen hatte, war unverzüglich wiederhergestellt. Sie schlossen auf, rückten zusammen und machten sich auf einen weiteren Aufprall gefasst. Doch unter taktischen Erwägungen erschien es wünschenswert, sie zuerst aus dem Khor herauszulocken und sie dadurch um ihren Stellungsvorteil zu bringen. Erneut in Gefechtsaufstellung, drei Schwadronen auf der Frontlinie und die vierte in Kolonne, schwenkte das Regiment nun nach rechts, und nach einem Galopp um die Flanke der Derwische herum wurde abgesessen und aus den Schnellfeuerkarabinern ein heftiges Feuer eröffnet. Unter diesem Druck musste der Feind die Front drehen, um dem neuen Angriff zu begegnen, sodass nun die Kräfte beider Seiten im rechten Winkel zu ihrer ursprünglichen Stellung standen. Als die Derwische ihre Drehung abgeschlossen hatten, begannen sie gegen die abgesessenen Kavalleristen vorzurücken. Doch die Treffsicherheit des Feuers war hoch, und es konnte wenig Zweifel geben, daß der Angriff seine Wirkung auf die gegnerische Moral keineswegs verfehlt hatte und diese tüchtigen Männer nicht länger unerschüttert waren. Wie auch immer es darum bestellt sein mochte, jedenfalls zogen sie sich schleunig, wenn auch geordnet am Fuß des Surgham-Hügels entlang dahin zurück, wo immer noch die schwarze Fahne des Khalifa wehte, und die Lancers blieben Herr über das Feld und über ihre Toten.

Dies war die wahrheitsgetreue und nüchterne Beschreibung des Amgriffs. Ein Offizier wurde mit den Nachrichten zum Sirdar geschickt, und alsbald setzte hinter dem Hügelkamm das Feuer der Artillerie und der Infanterie wieder ein und steigerte sich in einem Crescendo, bis unter der Gewalt der Explosionen die ganze Landschaft zu vibrieren schien. Die zweite Phase der Schlacht hatte begonnen.

Noch bevor die 21st Lancers von ihrer Erkundung des Surgham-Kamms Erkenntnisse zurückbringen konnten, hatte der Sirdar bereits seine Brigaden in Richtung Omdurman in Bewegung gesetzt. Er war entschlossen, die Stadt wenn nötig unter großen Risiken zu besetzen, bevor die Armee in der Ebene Zeit erhielte, zurückzukehren, um sie zu verteidigen. Der Vorteil wäre enorm. Dennoch erfolgte die Bewegung verfrüht. Unbesiegt wartete der Khalifa westlich des Surgham-Hügels, hinter den Kerreri-Hügeln lauerte Ali-Wad-Helu, und Osman sammelte zügig seine verbliebenen Kräfte. Noch standen mindestens fünfunddreißigtausend feindliche Soldaten im Feld. Und erst noch sollte es sich im weiteren Verlauf als unmöglich erweisen, nach Omdurman einzudringen, bevor sie geschlagen waren.

Sobald die Infanterie ihre Munitionsvorräte aufgefüllt hatte, schwenkte sie, gestaffelt in Brigaden, nach links und setzte sich in Richtung auf den Surgham-Kamm in Marsch. Die Bewegungen einer großen Truppe sind immer langsam. Es erschien nicht ratsam, daß die britische Division, welche die Staffel anführte, im tiefgelegenen Gelände nördlich des Kamms stehenblieb, wo sie nichts sah, kein Feuerfeld hatte und von oben leicht zu beherrschen war. So stießen ihre Brigaden beide vor und setzten sich beinahe miteinander auf der Höhe des Kammes fest.

Damit waren zwei Stufen zu einer verschmolzen, und Maxwell 14 fand sich deshalb mit seiner Brigade, die auf diejenige Wauchopes folgte, sechshundert Yard südlich von der Position, die er unter Einhaltung der vorgesehenen Aufstellung zu beziehen gehabt hätte. In der Seriba hatte MacDonald neben Maxwell gestanden. Nun aber wurde eine wichtige Umstellung vorgenommen. Offensichtlich hatte General Hunter daran gedacht, daß die Staffel am hinteren Ende aus der Richtung von Kerreri bedroht war. Hatte der Erdboden alle die Tausende verschluckt, die durch die Ebene auf die Hügel zumarschiert waren? Jedenfalls sah er seine beste Brigade mit dem erfahrensten Kommandeur in dieser Position gefährdet. Daher gab er Lewis den Befehl, Maxwell zu folgen, und ließ MacDonald als letzten gehen und verstärkte ihn mit drei Batterien Artillerie und acht Maxim-Maschinengewehren. Collinson marschierte mit dem Troß. MacDonald marschierte westwärts in die Wüste hinaus, um seine Position in der Staffel einzunehmen, wobei er seinem Befehl gemäß Lewis vorbeiziehen ließ. Lewis eilte Maxwell hinterher, und da er sich an dessen Positionsvorgabe hielt, war er schließlich ebenfalls sechshundert Yard südlicher, als es die Aufstellung vorgesehen hatte. Wegen der Stufe, die durch die gemeinsame Bewegung der beiden britischen Brigaden eliminiert worden war, blieb nun zwischen MacDonald und dem Rest der Armee eine doppelte Lücke. Dieser Abstand wurde dadurch nochmals vergrößert, daß er, um seine korrekte Position in der Staffel einzunehmen, westwärts marschierte, während alle anderen sich südwärts entfernten. Daher rührte MacDonalds Isolation.

Um 9 Uhr 15 war die gesamte Armee gestaffelt südwärts unterwegs, die hinterste Brigade mit etwas mehr als doppeltem Abstand. Collinson war mit dem Troß bereits aufgebrochen, doch die Feldlazarette waren noch in der verlassenen Seriba eifrig am Packen. Das medizinische Personal hatte etwa hundertfünfzig Verwundete zu versorgen. Den Befehlen des Sirdar gemäß waren sie in Lazarettkähne zu verlegen, während das Spital selber dem Troß zu folgen hatte. Nun ist der Transport von Verwundeten eine heikle Angelegenheit, und durch ein dummes und ärgerliches Versehen waren die drei regulären Lazarettkähne, die für die Aufnahme von Verwundeten hergerichtet waren, am rechten Flußufer vertaut. Es war deshalb nötig, auf drei Munitionskähne auszuweichen, die glücklicherweise zur Hand, jedoch auf den Transport von Verwundeten in keiner Weise vorbereitet waren. Unterdessen verging die Zeit, und plötzlich bemerkten die Arzte, die mit aller Hingabe und Energie an der Arbeit waren, daß außer einigen wenigen Abteilungen der britischen Division und drei ägyptischen Kompanien im Umkreis einer halben Meile keine Truppen mehr zurückgeblieben waren – und gar keine zwischen ihnen und den dunklen Kerreri-Hügeln. Die zwei Kanonenboote, die ihnen hätten Schutz bieten können, waren weiter flußabwärts im Einsatz, um die Kavallerie zu unterstützen, MacDonald mit der Nachhutbrigade war bereits in der Ebene draußen, Collinson eilte mit dem Troß das Ufer entlang. Sie waren allein und ohne Schutz. Die Armee und der Fluß bildeten ein großes V, das nach Süden wies. An seinem nördlichen Ende stand es weit offen, die Kerreri-Hügel angähnend. Und wie erste Regentropfen, die ein Unwetter ankünden, tauchten nun von Kerreri her verstreute erste Gruppen von berittenen Derwischen auf. Diese begehrlichen Patrouillen waren bald ins Innere des V vorgedrungen, und ein Trupp von vielleicht zwanzig Baggara-Reitern (Baggara sind arabische Rinderzüchter- und Sklavenjäger-Stämme, T.) tränkte die Ponys weniger als dreihundert Yard von den ungeschützten Lazaretten entfernt. Dahinter waren in der Ferne die Fahnen einer Armee zu sehen. Die Situation war alarmierend. Die Verwundeten wurden in die Kähne gepackt, doch da kein Dampfer zur Stelle war, um sie wegzuschleppen, waren sie an Bord kaum sicherer als zuvor an Land. Während einige der Truppenärzte mit ihnen beschäftigt waren, galoppierte Colonel Sloggett los, um – im Spießrutenlauf zwischen den Baggara-Reitern – Schutz für die Lazarette und ihre hilflosen Bewohner herbeizurufen. Inmitten der Aufregung und Verwirrung fingen nun die Verwundeten des Kavallerieangriffs an einzutröpfeln.

Als die britische Division die Seriba verließ, verriet nichts außer einigen Plänklern zwischen den Felsspitzen des Surgham-Hügels die Anwesenheit des Feindes. In Aufstellung von vier parallelen Marschkolonnen, die einander zusehends näher rückten, bis sie kaum noch vierzig Fuß voneinander marschierten, eilten beide Brigaden entfaltet – die zweite etwas näher am Fluß, die erste zu ihrer Rechten fast in Linie mit ihr – vorwärts dem Kamm entgegen, um zu sehen, was jenseits vorging. Alles war still, von vereinzelten Schüssen vom Surgham-Hügel herab abgesehen. Als die Brigade Maxwells als dritte in der Staffel sich dem Hügel näherte, wurden die Schüsse allmählich zahlreicher, bis die ganze Hügelkuppe voller weißer Pulverdampfwölkchen hing. Die britische Division rückte stetig vor und erreichte, während sie diese frechen Plänkler den Sudanesen überließ, bald den Kamm. Auf einen Schlag und zum erstenmal tat sich das ganze Panorama Omdurmans unter ihren Augen auf – der zertrümmerte Dorn des Mahdi-Grabmals, das Meer der Lehmhäuser, die glitzernde Gabel aus Wasser, die der Zusammenfluß des Weißen und des Blauen Nil bildet. Für einen Augenblick schauten sie überwältigt hinab. Dann wurde ihre Aufmerksamkeit abgelenkt.

Von der unteren Eberie kommend, die dem Blick noch entzogen war, tauchten am anderen Ende der flachen Anhöhe ein Dutzend reiterloser Pferde auf. Einige trabten oder galoppierten weiter, andere hielten vor Schreck inne und glotzten blöde vor sich hin. Das war die erste Nachricht vom Angriff der Lancers. Weitere Einzelheiten folgten rasch in Gestalt der Verwundeten, die zu zweien oder dreien ihren Weg zwischen den Bataillonen hindurch fanden, alle blutbedeckt und viele mit fürchterlichen Wunden, zu Fetzen geschlagenen Gesichtern, herausquellenden Gedärmen, Lanzen mit Widerhaken noch im Leib – eine realistische Ansicht von der dunklen Seite des Kriegs. Davon in Beschlag genommen, achteten die Soldaten kaum auf das zunehmende Gewehrfeuer von der Hügelkuppe.

Doch plötzlich ließ der Donnerschlag eines Feldgeschützes alle um sich blicken. In der Ebene zwischen dem Kamm und der Seriba hatte eine Batterie abgeprotzt und begann die Hügelkuppe unter Beschuß zu nehmen. Der Widerhall der Geschütze schien das Fanal zur Fortsetzung der Schlacht zu sein. Von weit hinten rechts war der Lärm anhaltenden Infanteriefeuers zu hören, und unverzüglich ließ Gatacre die Division anhalten.

Noch bevor die britischen Truppen den Kamm erstiegen hatten und die Batterie in der Ebene das Feuer eröffnete und noch während Colonel Sloggett sein Pferd durch das gefährliche Gelände vorantrieb, wußte der Sirdar bereits, daß der Feind wieder losgeschlagen hatte. Vom Abhang des Surgham-Kammes zurückblickend, sah er, wie MacDonald, statt seinen Marsch in der Staffel fortzusetzen, seine Brigade anhalten und Kampfaufstellung annehmen ließ. Der altgediente Brigadier hatte die Verbände der Derwische am Westfuß des Surgham-Hügels gesehen und erkannt, daß er demnächst angegriffen würde. Um seinem Gegner zuvorzukommen, brachte er sofort aus tausendzweihundert Yard Entfernung seine drei Batterien zum Einsatz. Angeführt von Yakub unter der schwarzen Flagge, ergoß sich fünf Minuten später das gesamte Reserveheer des Khalifa über den Hügel, in Stärke von fünfzehntausend Mann, mitsamt der Leibwache und dem versammelten Ruhm des Derwisch-Reichs, und stieß mit der Kraft der ersten Attacke und dreifacher Überlegenheit gegen die einsame Brigade vor. Sir Herbert Kitchener befahl daraufhin Maxwell, nach rechts zu schwenken und den Surgham-Hügel zu erstürmen. Major Sandbach schickte er los, um Lewis anzuweisen, sich an die Ordnung zu halten und rechts an Maxwell anschließend in die Schlachtlinie einzurücken. Selber galoppierte er zur britischen Division, die General Gatacre den Umständen entsprechend am nördlichen Rand der Anhöhe zum Stillstand gebracht hatte, und befahl Lyttelton, mit der 2. Brigade links von Maxwell am Südhang des Hügels in Stellung zu gehen, und Wauchope, mit der 1. Brigade zurückzueilen, um die klaffende Lücke zwischen Lewis und MacDonald zu schließen. Als letztes sandte er einen Offizier zu Collinson und zum Camel Corps mit dem Befehl, nach rechts abzudrehen und die Linie zwischen den offenen Schenkeln des V zu schließen. Statt mit dem Fluß zur Linken und der Wüste zur Rechten nach Süden gerichtet, stand die Armee nach diesen Bewegungen gegen Westen gewandt, zu ihrer Linken Wüste und ihre rechte Flanke zurück zum Fluß verlaufend. Sie hatte beinahe einen kompletten Überschlag vollzogen.

Auf diese Befehle hin nahm Lytteltons Brigade Gefechtsformation an und setzte sich, die Gewehre im Anschlag, westwärts in Bewegung. Unter Feuer von oben erkletterten Maxwells Sudanesen die Surgham-Felsen, säuberten trotz heftiger Gegenwehr die Kuppe mit den Bajonetten und preschten jenseits über den Abhang vorwärts. Zur Rechten Maxwells trat Lewis in Aktion. MacDonald, auf den der Angriff des Khalifa sich zuerst ganz konzentriert hatte, stand weiterhin nach Südwesten gewandt und war bald vollends vom Rauch der eigenen Artillerie und des Feuers seiner Infanterie verschluckt. Die drei Brigaden, die nun westwärts vom Nil hinweg vorstießen, griffen die rechte Flanke der Derwische an, die gegen MacDonald vorstürmten, und indem sie diese zwangen, ihre Front auf den Fluß hin auszurichten, nahmen sie zweifellos viel von dem Druck, der auf der isolierten Brigade gelastet hatte. Da war immer noch die Lücke zwischen Lewis und MacDonald. Doch Wauchopes Brigade – immer noch in ihren vier parallelen Marschkolonnen – hatte kehrtgemacht und überquerte nun nordwärts im Laufschritt die Ebene, um den ungesicherten Zwischenraum auszufüllen. Mit Ausnahme von Wauchopes Brigade und Collinsons Ägyptern waren sämtliche Verbände der Infanterie und Artillerie gleichzeitig in erbitterte Gefechte verwickelt.

Erneut wurde das Feuer fürchterlich, und während ein Bataillon nach dem anderen in die Linie einrückte, schwoll das Getöse beständig an. Auf einer langen, über den Surgham-Hügel geworfenen gemeinsamen Linie setzten die drei führenden Brigaden ihren Vormarsch nach Westen fort, jeweils das rechte Bataillon als Reserve in Kolonne hinter sich. Als sich die beiden Parteien allmählich näher kamen, wurde die Gefahr akut, daß die Derwische in die Lücke zwischen Lewis und MacDonald eindringen könnten, und so schwenkte das Flankenbataillon zur Linie ein, um die Rechte zu sichern. Zu diesem Zeitpunkt war der Angriff der Derwische schrecklich anzuschauen. Ungeheure Mengen von Männern stürmten auf die Rauchwolken zu, in denen von MacDonalds Brigade kaum etwas zu sehen war. Andere drehten ab, um sich dem Angriff in den Weg zu stellen, der auf ihre Rechte zukam. In dem Winkel, den die nach Westen vorstoßenden drei Brigaden mit der beinahe direkt nach Süden ausgerichteten Brigade MacDonalds bildeten, umschlossen die dünnen braunen Linien der britischen und ägyptischen Brigaden eine Armee von fünfzehntausend Mann – wie eine riesige Schafherde in einem Gatter. Als das 7th Egyptians – das rechte und MacDonald am nächsten stehende Bataillon von Lewis Brigade – in Kampfaufstellung ging, um die Flanke zu sichern, wurde die Einheit unsicher, begann sich zusammenzuziehen und zu schwanken und setzte tatsächlich einige Male zu Rückwärtsbewegungen an. Ein gefährlicher Moment trat ein, doch General Hunter, der zur Stelle war, befahl persönlich zwei Reservekompanien des 15th Egyptians unter Major Hickman, mit aufgepflanzten Bajonetten hinter ihnen aufzumarschieren. Damit war ihre Moral wiederhergestellt und die Gefahr abgewendet. Der Vorstoß der drei Brigaden ging weiter.

Yakub fand sich gänzlich außerstande, den Angriff vom Fluß her abzuwehren. Sein eigener Angriff auf MacDonald erlahmte bereits. Das feindliche Infanteriefeuer riß schreckliche Lücken in seine dichigedrängten Reihen. Der heldenmütige Wad Bishara und manche anderen weniger berühmten Emire stürzten tödlich getroffen zu Boden. Yakubs Kräfte begannen zurückzuweichen. Es war überdeutlich, daß die zivilisierten Truppen stärker waren. Doch bereits bevor sein Angriff zurückgeschlagen war, mußte dem Khalifa klargeworden sein, daß der Tag für ihn verloren war.

Die drei vorrückenden Brigaden trieben die Derwische des Khalifa in die Wüste hinaus. Eine Frontlinie von einer Meile entlang flammte und krachte ein intensives und vernichtendes Feuer. Die Maxim-Maschinengewehre pulsierten fieberhaft. Ein umtriebiger Unteroffizier ließ zwei davon auf den höchsten Punkt des Surgham-Hügels schleppen, von wo aus sie mit blutiger Wirkung ins Geschehen eingriffen. So rückte die lange Linie mit unwiderstehlicher Kraft vor. In der Mitte, unter der roten ägyptischen Fahne, ungeachtet der Kugeln, die dieses auffällige Wahrzeichen auf sich zog und die in seiner Umgebung einige Verluste forderten, ritt der Sirdar, streng und finster, von Furcht und Begeisterung gleichermaßen unberührt. Vor der schrecklichen Linie brach die Division des Khalifa auseinander. Das Gelände war übersät mit Toten und Verwundeten, zwischen deren Körpern hindurch die Soldaten mit den im Sudan üblichen Vorsichtsmaßnahmen ihren Weg suchten. Überlebende zu Tausenden mühten sich heimwärts nach Omdurman und ließen den breiten Flüchtlingsstrom anschwellen, dessen Flanke die 21st Lancers schon rachedurstig ins Visier genommen hatten. Yakub und die Verteidiger der schwarzen Fahne verschmähten die Flucht und gingen zugrunde, wo sie standen – unter dem geheiligten Wahrzeichen, das ihre Bezwinger bei der Ankunft nur mehr über Toten wehen sahen.

Während all das seinen Lauf nahm – die Ereignisse jagten sich in schneller Folge -, war die 1. britische Brigade immer noch im Laufschritt auf der Ebene hinter Maxwell und Lewis unterwegs, um die Lücke zwischen dem letzteren und MacDonald zu schließen. Als die Brigade nach Westen schwenkte, gewannen die Regimenter je nach ihrer Nähe zum inneren Flügel Vorsprung aufeinander, so daß die Brigade in eine Aufstellung übergegangen war, die sich als Staffel von Kolonnen beschreiben läßt. Die Lincolns als das Flügelregiment hatten die Führung übernommen. Zum Zeitpunkt, als die britischen Soldaten rechts von Lewis Brigade eintrafen und in Gefechtsaufstellung gingen, war bereits klar, daß der Angriff des Khalifa abgeschlagen und seine gesamten Kräfte im Rückzug begriffen waren. Wo soeben noch die Front verlaufen war, lagen die gefallenen Araber dicht gedrängt. Weiter entfernt waren abgeschlagene Scharen zu sehen, die sich davonmachten. Die schwarze Fahne wehte verlassen und trotzig über ihren Verteidigern, die für sie das Leben gelassen hatten. Geradeaus vor der Brigade waren die Kämpfe vorbei. Ein ganz anderes Schauspiel präsentierte sich denen, die nach rechts schauten. Was da von den Kerreri-Hügeln herunterkam, sah aus wie eine vollständig neue Armee der Derwische. Während die Soldaten noch schauten und sich wunderten, trafen neue Befehle ein. Ein Offizier kam herangaloppiert. Einem Bericht zufolge spielten sich im Rauch und den Staubwolken unmittelbar nördlich von ihnen schreckliche Dinge ab. Die Lanzenträger rückten MacDonalds Brigade zu Leibe, rissen ihre Flanke auf, ja, seien bereits eingebrochen. So gingen die Gerüchte. Die Befehle waren genauer. Das MacDonald am nächsten stehende Regiment, das Lincolnshire, hatte ihm eiligst Hilfe zu bringen und die bedrohte Flanke zu stärken. Der Rest der Brigade hatte halbrechts zu schwenken und in Reserve zu bleiben. Außer Atem, aber durch den Auftrag ermutigt, machten sich die Lincolnshires umgehend wieder auf den Weg. Im Laufschritt folgten sie der rückwärtigen Linie von MacDonalds Brigade, und unter dem anhaltenden gewaltigen Gefechtslärm, der das giftige Pfeifen der feindlichen Kugeln allerdings nicht übertönte, nahmen sie nur vage etwas von der rasanten Bewegung der Bataillone wahr.

Wäre der Angriff des Khalifa gleichzeitig mit dem erfolgt, der sich jetzt entwickelte, dann wäre die Lage von MacDonalds Brigade nahezu hoffnungslos gewesen. Beim aktuellen Lauf der Ereignisse war sie immer noch in großer Gefahr. Die Attacke von vorn schwächte sich mit jeder Minute ab, doch die weitaus größere Bedrohung ihrer hinteren rechten Flanke nahte und verstärkte sich mit derselben Geschwindigkeit. Beide Angriffe verlangten gleichzeitige Gegenwehr. Es war ein kritischer Moment, die Gefahr nahe. Alles hing von MacDonald ab, und dieser Offizier, der es mit seiner Führung und seinem Heldenmut vom gewöhnlichen Soldaten zum Kommandeur einer Brigade gebracht hatte, zeigte sich der Notlage gewachsen.

Um den Angriff des Khalifa abzufangen, hatte er von seinen Truppen drei Bataillone auf der nach Südwesten erichteten Front in Linie gebracht, und das vierte stand in Kompaniekolonnen hinten, in Verlängerung der rechten Flanke, so daß die gesamte Formation ein umgekehrtes L bildete. Sowie sich der Angriff aus Südwesten allmählich abschwächte und derjenige aus Nordwesten an Schwung gewann, löste MacDonald seine Bataillone und Batterien auf dem langen Schenkel des Lauf und verlegte sie auf die Seite des kurzen Schenkels. Es gelang ihm, diese Bewegungen zeitlich so genau abzustimmen, daß seine Brigade den Angriffen an beiden Fronten standzuhalten vermochte.

Sobald die Armee des Khalifa ins Wanken geriet, erhielten das 16XIth Soudanese sowie eine Batterie im linken Frontabschnitt den Befehl, in der Diagonale des Winkels, den die Brigade bildete, die Front zu wechseln, um dem bevorstehenden Ansturm von Ali-Wad-Helu entgegenzutreten. Angesichts dieser Bewegung brauchte das IXth Soudanese, das Bataillon hinten auf der rechten Flanke, nicht erst auf den Befehl zu warten, um aus den Kolonnen nach rechts zur Linie einzuschwenken, so daß nun zwei Bataillone dem Khalifa gegenüberstanden und zwei dem neuen Angriff. Bereits zu diesem Zeitpunkt war es klar, daß der Khalifa zurückgeschlagen war, und MacDonald erteilte dem Xth Soudanese, das vorne rechts gestanden, und einer weiteren Batterie den Befehl, die Front zu wechseln und die Linie des IXth und Xlth zu verlängern. Zuletzt verschob er das 2nd Egyptians, das in der Mitte gestanden und nun die Lücke zwischen dem IXth auf der linken Seite der neuen Front und dem XIth Soudanese zu seiner Rechten zu füllen hatte. Diese anspruchsvollen Manöver wurden unter schwerem Feuer durchgeführt, das innerhalb von zwanzig Minuten unter den vier Bataillonen hundertzwanzig Tote und Verwundete forderte, die Verluste der Batterien nicht mitgezählt, und im Angesicht eines entschlossen angreifenden Feindes, der den eigenen Kräften im Zahlenverhältnis von sieben zu eins überlegen war und nur nahe genug herankommen mußte, um siegreich zu sein. Inmitten des tosenden Feuers, des Rauchs und Staubs und der Verwirrung des Frontwechsels fand der General Zeit, die Offiziere des IXth Soudanese um sich zu versammeln, sie dafür zu tadeln, daß sie auf Linie geschwenkt seien, bevor sein Befehl dazu ergangen sei, und ihnen einzuschärfen, daß sie beharrlicher zu exerzieren hätten.

Die drei Sudanesen-Bataillone waren nun mit der ganzen Wucht des Angriffs der Derwische von Kerreri her konfrontiert. Nicht weniger auffällig als der Heldenmut der Schwarzen war die Zügellosigkeit ihres Gewehrfeuers. Sie legten eine außerordentliche Erregung an den Tag und feuerten, ohne zu zielen oder auch nur richtig anzulegen, einzig darauf bedacht, den Abzug zu betätigen, nachzuladen und wieder abzuziehen. Vergeblich bemühten sich die britischen Offiziere, ihre impulsiven Soldaten zu bezähmen. Vergeblich riefen sie sie namentlich auf und nahmen ihnen das Gewehr aus der Hand, um das Visier zu richten. Das Feuer der Schwarzen blieb völlig unkontrolliert. Bald ging die Munition zur Neige, und den Soldaten, die sich umwandten und nach mehr Patronen verlangten, gaben die Offiziere Almosen von zwei oder drei Stück in der Hoffnung, sie zu disziplinieren. Es half nichts. Sie verschossen sie und verlangten nach mehr. Und obschon die Derwische unter dem akkuraten Feuer der Geschütze von drei Batterien und acht Maxims fürchterlich zu leiden hatten – und zu einem geringeren Grad auch unter dem Zufallsfeuer der sudanesischen Infanteristen -, rückten sie zu Tausenden näher, und es schien gewiß, daß es zu einem Zusammenstoß käme. Die tapferen Schwarzen machten sich in Hochstimmung für den Aufprall bereit, ungeachtet der überwältigenden Zahl der Feinde. Der ganzen Brigade blieben kaum noch drei Schuß pro Mann. Die Batterien eröffneten ein Schnellfeuer mit Kartätschen. Noch immer stießen die Derwische vor, und die Überlebenden ihrer ersten Angriffswellen waren kaum hundert Yard entfernt. Dahinter drängten die beiden grünen Fahnen über einer riesigen Menge bewaffneter Artgenossen vorwärts, die nun mit dem Schwung der Gewißheit eines bevorstehenden Triumphs heranrollte.

In diesem Augenblick erschien das Lincoln Regiment auf dem Schauplatz. Sowie die führende Kompanie die rechte Flanke von MacDonalds Brigade entlastet hatte, gingen sie auf der Frontlinie in Stellung und eröffneten ihr Feuer schräg über die Front der Sudanesen. Auf eine Distanz von hundert Yard und weniger waren jetzt Zweier- und Dreiergruppen von Derwischen herangekommen. Die große Masse war noch dreihundert Yard entfernt. Während das gesamte Regiment in Stellung ging, dauerte das unabhängige Feuer zwei Minuten an. Die führenden Gruppen der Araber wurden dadurch ausgeschaltet. Der Aufmarsch wurde mit Verlusten von zwölf Mann abgeschlossen, unter ihnen Colonel Sloggett, dem durch die Brust geschossen wurde, während er Verwundeten Beistand leistete. Nun kam der Befehl zu koordinierten Gruppensalven gegen die feindlichen Frontabschnitte. Auf der Stelle war das unabhängige Feuer gestoppt. In maschinellem Rhythmus kamen nun die Prinzipien modernen Gefechtsschießens zur Anwendung, die sich das Regiment in seinem Training zuverlässig angeeignet hatte und wofür ihre Gewehre so bewundernswert geeignet waren. Im Mittel feuerten sie sechzig Schuß pro Mann und schlugen den Angriff schließlich zurück.

Die Kavallerie gehörte zu den schwachen Seiten der Derwische, die kaum zweitausend Pferde auf dem Feld hatten. Etwa vierhundert davon, meistenteils persönliches Gefolge der verschiedenen Emire, waren zu einem irregulären Regiment zusammengefaßt und der Fahne von Ali-Wad-Helu unterstellt. Als diese Berittenen feststellten, daß keine Hoffnung mehr auf einen Sieg bestand, rückten sie zu einer kompakten Masse zusammen und griffen die Linke von MacDonalds Brigade an. Die Entfernung betrug rund fünfhundert Yard, und bei ihrem Feuer – wild wie zuvor das der Sudanesen – war bald deutlich, daß sie keine Aussicht auf Erfolg hatten. Manche von ihnen waren ohne Schußwaffen, und dennoch trieben sie die Pferde zu höchstem Tempo an und ritten entschlossen in den sicheren Tod. Alle wurden sie getötet, in der Ordnung, in der sie die Feuerlinie überschritten: drei, zwanzig, fünfzig, zweihundert, sechzig, dreißig, fünf und ein einzelner hinterdrein – ein brauner Flecken auf der sandigen Ebene. Einzig einige herrenlose Pferde durchbrachen die Reihen der Infanterie.

Nach dem Fehlschlag des Angriffs von Kerreri aus rückte die gesamte angloägyptische Armee auf einer geschlossenen Linie aus Bajonetten und Artillerie von fast zwei Meilen Länge westwärts vor und trieb die Derwische vor sich her in die Wüste hinaus, so daß sie sich keinesfalls wieder sammeln und neu formieren konnten. Um halb zwölf steckte Sir H. Kitchener den Feldstecher weg, und mit der Bemerkung, der Feind habe eine „gründliche Abreibung“ erhalten, gab er den Brigaden den Befehl, ihren unterbrochenen Marsch nach Omdurman fortzusetzen.

Die große Armee der Derwische indessen, die bei Sonnenaufgang voller Mut und Hoffnung vorgestoßen war, lief in wilder Flucht auseinander, verfolgt von der ägyptischen Kavallerie und geplagt von den 21st Lancers, und ließ mehr als neuntausend getötete und eine noch größere Zahl verwundeter Krieger auf dem Feld zurück.

So endete die Schlacht von Omdurman – der bemerkenswerteste Triumph der Waffen der Wissenschaft über das Barbarentum. Die stärkste und bestbewaffnete Armee, die je von Unzivilisierten gegen eine moderne europäische Macht versammelt wurde, war binnen fünf Stunden vernichtet und versprengt, und dies so gut wie ohne Schwierigkeiten, mit verhältnismäßig geringen Risiken und unbedeutenden Verlusten des Siegers.

Der Fall der Stadt

Als der Khalifa feststellte, daß auch der letzte Angriff gescheitert und die letzte ihm noch verbliebene Armee zerschlagen war, daß Tausende seiner tapfersten Krieger erschlagen auf dem Schlachtfeld lagen, verließ er dieses in Eile und ritt in die Stadt zurück, wo er sich wie ein mutiger und trotziger Soldat an die Vorkehrungen zu ihrer Verteidigung machte und zugleich für den Fall, daß Widerstand unmöglich wäre, wie ein kluger Mann Vorbereitungen für seine Flucht traf. Er ließ die große Kriegstrommel schlagen und die Ombya blasen, und zum letztenmal erfüllten diese bedrückenden Töne die Straßen von Omdurman. Sie verhallten unbeachtet. Die Araber hatten erkannt, daß alles verloren war.

Sobald offenkundig war, daß individuelle Kapitulation akzeptiert wurde, kamen die Derwische und legten ihre Waffen nieder – zuerst zu zweien oder dreien, dann zu Dutzenden und schließlich in größeren Gruppen. Diejenigen derweil, die zur Flucht entschlossen waren, machten einen großen Umweg, um der Kavallerie auszuweichen, und strömten in ununterbrochener Folge eine Meile vor unserer Frontlinie dahin. Das Entwaffnen und Abführen der Gefangenen verzögerte unseren Vormarsch, und viele tausend Derwische entkamen vom Feld. Doch die Position der Kavallerie und der Druck, den sie ausübte, drängte die fliehenden Mengen in die Wüste hinaus, so daß sie auf ihrem Rückzug die Stadt Orndurman ganz verfehlten und unter Mißachtung der Rufe des Khalifa und der Befehle ihrer Emire ihre Flucht geradeaus nach Süden fortsetzten.

Um den Flüchtenden das Leben zu erschweren, saßen einige Truppen mit ihren Karabinern ab, und gegen diejenigen, die sich fernhielten und sich nicht ergeben wollten, wurde ein beständiges Feuer aufrechterhalten. Große Mengen jedoch setzten ihren Spießrutenlauf fort, und mindestens zwanzigtausend entkamen. Viele andere waren immer noch bösartig und erwiderten unser Feuer mit Kugeln, wenn auch glücklicherweise aus sehr großer Entfernung. Es wäre eine Tollheit gewesen für dreihundert Lancers, in eine solche Menge hineinzugaloppieren, und so begnügten wir uns mit unserem Karabinerfeuer.

In der Zwischenzeit ging der Vormarsch der Armee nach Omdurman weiter. Es dauerte nicht lange, bis wir ein eindrückliches Infanterieaufgebot sahen, das von den sandigen Kuppen der Kämme, in die der Surgham-Hügel zu beiden Seiten ausläuft, in die Ebene hinabströmte, die zwischen ihnen und der Stadt lag. Hoch über der mittleren Brigade wehte die schwarze Fahne des Khalifa, und darunter markierte ein kleinerer roter Wimpel die Position des Hauptquartiers und seines Stabes. Während wir weiter auf fliehende Araber schossen, bewegte sich die Masse schwarzer Soldaten weiter auf dem offenen Gelände voran, und um zwölf Uhr sahen wir sie in der Nähe des Flusses etwa drei Meilen vor der Stadt innehalten. Wir erhielten nun den Befehl, uns zu ihnen zu gesellen, und da der Tag in der glühenden Sonne sich dehnte, alle müde und hungrig waren und die Pferde Wasser brauchten, zögerten wir nicht lange mit der Befolgung, so daß die Reste der Armee der Derwische ihren Abzug ungehindert fortsetzen konnten.

Es war bereits vier Uhr, als die Kavallerie den Befehl erhielt, rings um die Stadt zu reiten, um Fluchtversuche zu erschweren. Die ägyptischen Schwadronen und die 21st Lancers brachen sogleich auf, und etwa eine Meile vor den Häusern der Außenquartiere umritten wir im Kreis die Stadt. Die Infanterie war bereits in sie einmarschiert, wie aus dem fortdauernden Stakkato des Gewehrfeuers und dem gelegentlichen Rattern der Maxims zu schließen war. (…)

Umgeben von seinem gesamten Stab, begleitet von der Kapelle des Xlth Soudanese, die schwarze Fahne des Khalifa hinter ihm, ritt der Sirdar vor dem XIVth Soudanese in die Stadt ein. Die Regimenter waren bald umgeben von den zahllosen Häusern der Außenquartiere und verteilten sich im Geflecht der gewundenen Straßen, doch die ganze Brigade drang auf breiter Front vor. Dahinter folgte der Rest der Armee, Bataillon um Bataillon, Brigade um Brigade, bis sie, von dem Labyrinth der Lehmhäuser verschluckt, die Räume zwischen den Häusern auffüllte und die Straßen mit kompakten Massen bewaffneter Männer blockiert und verstopft waren, die sich ihren Weg hinauf zur großen Mauer bahnten.

Der Sirdar war nicht weiter als eine halbe Meile in die Stadt einmarschiert, als drei Derwische, mit einer weißen Fahne und das Innere ihrer Dschibbas (typisches Sackgewand der Mahdisten mit großen Flicken, T.) nach außen gekehrt, auf ihn zugerannt kamen, sich ihm vor die Füße warfen und ihn anflehten, die Kapitulation der Stadt anzunehmen und das Leben der Einwohner zu schonen. Der Eroberer verlangte den für die Stadt verantwortlichen Emir zu sprechen, und nach kurzer Wartezeit kam ein alter Mann auf einem Esel angeritten. Er warf sich auf die Erde nieder und offerierte, sich wieder aufrichtend, die Schlüssel der Stadttore. Diese wurden angenommen, und auf arabisch verkündete ihm der Sirdar, daß alle geschont würden, die ihre Waffen übergäben. Der alte Mann küßte die Hand des Sirdar, und die gute Nachricht ausrufend, rannte er zurück, der großen Mauer entgegen. Sogleich erhob sich ein Aufschrei der Erleichterung aus den Mündern Tausender, die sich, auf die Antwort wartend, versteckt gehalten hatten. Die Außenquartiere, in denen sich bis jetzt außer den Besatzungstruppen keine Seele aufzuhalten schien, erwachten zum Leben. Aus allen Häusern kamen zu Dutzenden Männer, Frauen und Kinder gerannt. Viele stürzten auf die Stabsoffiziere zu und küßten ihre Stiefel, schüttelten ihnen die Hände und baten vom Himmel Segen auf ihre Häupter herab. Slatin wurde beinahe von seinem Pferd gerissen durch den Andrang alter Freunde und jüngster Feinde, die ihm schmeicheln kamen. Der Sirdar selber erhielt einen königlichen Empfang in der Stadt, die er eingenomnen hatte, und man wird es ihm nicht verargen dürfen, daß er diesen spontanen Freudenausbruch unter der Stadtbevölkeung in seiner Depesche nicht der Erleichterung darüber zuschrieb, daß ihnen die Strafe erspart blieb, sondern ihrer Genugtuung darüber, von der Herrschaft des Khalifa erlöst zu sein. Der wahre Grund ist aber dennoch der erstere. Der Freudenschrei der Bevölkerung mag laut gewesen sein, doch die Haufen der Toten im Feld sind das triftigere Zeugnis der wirklichen Wünsche der Menschen in Omdurman.

Über zwei Meilen ging der Vormarsch durch die Vorstadt weiter, und der General, der mit seinem Stab einen schnellen Schritt vorlegte, fand sich bald mit Artillerie, Maxims und Kapelle am Fuß der großen Mauer. Mehrere hundert Derwische hatten sich zu ihrer Verteidigung eingefunden, doch der Umstand, daß die Mauer keine Schützenstände aufwies, von wo sie aus der Deckung hätten schießen können, ließ ihnen kaum Möglichkeiten zu einem wirksamen Widerstand. Einige schlecht gezielte Schüsse wurden abgefeuert, auf welche die Maxims kraftvoll antworteten. Binnen einer Viertelstunde war die Mauer gesäubert. Daraufhin plazierte der Sirdar die 32nd Field Battery vor ihrem nördlichen Punkt, und auf der Suche nach einem Einlaß ritt er in Begleitung der übrigen vier Geschütze und des XIVth Soudanese ostwärts am Fuß der Mauer entlang in Richtung Fluß. Die Bresche, welche die Kanonenboote am Tag zuvor geschlagen hatten, war mittels hölzerner Türen notdürftig geschlossen worden, aber das Haupttor stand offen, und durch dieses schritt der General ins Innerste Omdurmans. Innerhalb der Mauern bot sich ein schrecklicheres Bild als in den Außenquartieren. Überall waren die Folgen des Artilleriebombardements sichtbar. In den Gassen lagen, entsetzlich verstümmelt, Frauen und Kinder. Tote Derwische, die in der sengenden Hitze bereits Anzeichen von Verwesung zeigten, bedeckten die Erde. Die Häuser waren überfüllt mit Verwundeten. Hunderte von verrottenden Tierkadavern erfüllten die Luft mit einem brechreizerregenden Gestank. Wie bereits außerhalb der Mauer erneuerten die Einwohner ihre Loyalitätserklärungen und Willkommensgrüße, und durch die engen Gassen ritten Dolmetscher, die der Bevölkerung den allgemeinen Gnadenerlaß der Eroberer verkündeten und sie zur Übergabe der Waffen aufriefen. Große Haufen davon türmten sich in den Straßen, bewacht von den sudanesischen Soldaten. Alle Derwische, die sich nicht auf der Stelle ergaben, wurden erschossen oder bajonettiert, in allen Richtungen pfiffen die Kugeln durch die Straßen. Und während sich um sein Pferd die Frauen scharten, geschlagene Krieger ihre Speere zu Boden warfen, an der nächsten Straßenecke andere, die immer noch Widerstand leisteten, erledigt wurden, und während immer noch einige Unentwegte aus Häusern heraus wohlgezielte Schüsse abfeuerten, ritt der Sirdar unaufhaltsam durch die allgemeine Verwirrung, die Gefahr und den Gestank weiter, bis er beim Grabmahl des Mahdi eintraf.

Bei der Moschee griffen zwei Fanatiker seine sudanesische Eskorte an, und bevor sie erschossen wurden, tötete der eine einen Mann, und der andere verwundete einen schwer. Der Tag war nun schon weit vorgerückt, und es begann zu dämmern, als das Gefängnis erreicht wurde. Der General trat als erster in die modernde Gruft ein. Charles Neufeld und etwa dreißig andere in schweren Ketten liegende Gefangene wurden befreit. Neufeld, der auf ein Pony gesetzt wurde, war beinahe toll vor Freude und redete und gestikulierte in wundersamer Erregung. „Dreizehn Jahre“, sagte er zu seinen Errettern, „habe ich auf diesen Tag gewartet.“ Vom Gefängnis aus ritt der Sirdar, da es nun dunkel war, zum Platz vor der großen Moschee, in der sein Hauptquartier eingerichtet wurde und wo die britischen Brigaden bereits ihr Nachtlager bezogen hatten. Der Rest der Armee ließ sich entlang den Straßen der Vorstadt nieder, und nur Maxwells Brigade blieb in der Stadt, um die Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung zu vollenden – ein Geschäft, über das glücklicherweise die Nacht den Schleier ihrer Schatten legte.

Während der Sirdar mit der Infanterie von der Stadt Besitz ergriff, war die britische und ägyptische Kavallerie rund um die Stadt geritten und machte westlich vor ihr halt.“

Soweit Churchill in der FAZ. Bei dem von ihm erwähnten Charles Neufeld handelt es sich übrigens um den deutschen Kaufmann und Afrikareisenden Karl Neufeld (komisch, dass Brunold Churchills „Charles“ nicht als „Karl“ übersetzt. Das deutet mE. darauf hin, dass Neufeld für ihn – im Gegensatz zum deutschen Publikum der 30er-Jahre, für das Neufeld ein „Popstar“ war – kein Begriff mehr ist; und Neufeld hat übrigens auch keinen Wiki-Eintrag). Seine Expedition hatte sich 1887 auf der Suche nach Kautschuk verirrt und war in die Hände der Mahdisten geraten. Der Khalifa inszenierte für den Deutschen eine Hinrichtung. Slatin berichtete: „Neufeld aber zeigte nicht die geringste Aufregung.“ Anders als Slatin, der zum Orkismus übergetreten war, und der als Diener dem Personal des Khalifa zugeführt worden war, mußte Neufeld, wie oben berichtet, 13 Jahre in schweren Ketten in einer vermoderten Gruft zubringen (insofern finde ich seine Erregung absolut nicht „wundersam“).“

Time, 29. Mai bis 6. Juni 2008

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Über Neufeld siehe auch: https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/10/18/wir-brauchen-die-turkei/

Churchill 5: Kritik und Vision

27. April 2009

Erleben Sie Churchill als notorisch um Objektivität bemühten Berichterstatter, der auch Fehler der eigenen Seite aufgreift:

„Da warteten wir zwei Stunden, nach dem unregelmäßigen Gewehrfeuer horchend und uns fragend, was sich wohl innerhalb der großen Mauer abspielte. Zwischen den Häusern am Stadtrand waren große Mengen von Arabern und Derwischen zu sehen, die ihre Dschibba ausgezogen und somit aufgehört hatten, Derwische zu sein. Einige hundert von diesen kamen mit zwei oder drei Emiren zu uns heraus, um sich zu ergeben, und mittlerweile waren wir mit Speeren und Schwertern dermaßen eingedeckt, daß wir nicht mehr alles tragen konnten und viele interessante Trophäen zu zerstören hatten. Es wurde dunkel, als unerwartet Colonel Slatin dahergaloppiert kam. Der Khalifa war geflohen! Die ägyptische Kavallerie hatte sofort die Verfolgung aufzunehmen. Die 21st Lancers hatten auf weitere Befehle zu warten. Slatin schien sehr bekümmert. Er sprach sehr eindringlich mit Colonel Broadwood, befragte eingehend zwei der Emire, die sich gerade ergeben hatten, und eilte in der Dunkelheit davon, während die ägyptische Kavallerie aufsaß und sich im Trab entfernte.

Erst Stunden nachdem er das Schlachtfeld verlassen hatte, stellte Abdullahi fest, daß seine Armee seinen Aufrufen keine Folge leistete, sondern ihren Abzug fortsetzte und nur einige hundert Derwische zur Verteidigung in der Stadt zurückgeblieben waren. Wenn wir dem Bericht seines persönlichen Dieners, eines abessinischen Jungen, Glauben schenken dürfen, schien er die Katastrophe, die über ihn gekommen war, mit einzigartiger Gefaßtheit aufgenommen zu haben. Er rastete bis zwei Uhr und aß. Dann begab er sich zum Grab des Mahdi. In den Ruinen des Heiligtums rief der besiegte Souverän zwischen den Trümmern des Artilleriebombardements in seiner Not Mohammed Ahmeds Geist um Beistand an. Es war das letzte Gebet, das über dem Grab des Mahdi verrichtet wurde. Die himmlischen Ratschläge scheinen mit den Eingebungen des Menschenverstands in Einklang gestanden zu haben. Als der Khalifa hörte, daß der Sirdar bereits in die Stadt einmarschierte und die englische Kavallerie sich auf dem Paradegrund westlich der Stadt aufhielt, setzte Abdullahi sich um vier Uhr auf einen kleinen Esel, und in Begleitung seiner Hauptfrau, einer griechischen Nonne, als Geisel sowie einiger Bediensteter ritt er gemächlich zur Stadt hinaus nach Süden. Acht Meilen von Orndurman entfernt warteten zwei Dutzend schneller Kamele auf ihn, und mit diesen holte er rasch die Hauptgruppe seiner geflüchteten Armee ein.

Hier traf er auf viele entmutigte Freunde, doch der Umstand, daß er in seiner bösen Lage überhaupt auf Freunde traf, muß zu seinen Gunsten und zu Gunsten seiner Untertanen festgehalten werden. Als er eintraf, hatte er keine Eskorte – ja, er war unbewaffnet. Die Flüchtenden hätten guten Grund gehabt, ihm zu zürnen. Ihr Führer hatte ihnen nichts als den Ruin gebracht. Diesem einen Mann, der die Ursache all ihrer Leiden war, die Kehle durchzuschneiden wäre so leicht gewesen, wie es ihnen als gerechtfertigt hätte erscheinen müssen. Doch keiner griff ihn an. Der Tyrann, der Unterdrücker, die Geißel des Sudan, der Heuchler, der verabscheute Khalifa, die Verkörperung sämtlicher Laster, wie er von Europäern dargestellt wurde, die Zielscheibe des bitteren Hasses seiner Landsleute, wie man in England glaubte unter seinen flüchtenden Soldaten fand er Sicherheit und wurde willkommen geheißen. Die überlebenden Emire eilten an seine Seite. Einige waren auf dem Feld des Todes geblieben. Osman Azrak, der heldenmütige Bishara, Yakub und viele weitere, deren fremdländische Namen die Seiten dieses Buches nicht verdunkelt haben und die dennoch große Kriegsherren waren, lagen reglos, den Blick nach den Sternen gerichtet. Doch jene, die übriggeblieben waren, schwankten zu keiner Zeit in ihrer Treue. Ali-Wad-Helu, das Bein von einer Granate zerfetzt, war vor Schmerz von Sinnen. Doch Sheikh-ed-Din, der durchtriebene Osman Digna, Ibrahim Khalil, der dem Angriff der Lancers widerstanden hatte, und andere von geringerer Berühmtheit versammelten sich um den von Mohammed Ahmed eingesetzten Nachfolger und wandten sich von seiner Sache selbst in dieser äußersten Prüfung nicht ab. Und in der sich verdichtenden Dunkelheit hasteten sie alle vorwärts niedergeschlagene Krieger, die noch immer ihre untauglichen Flinten mit sich trugen, erbärmlich einherhumpelnde Verwundete, mit Hausrat beladene Kamele und Esel, keuchende und weinende Frauen mit ihren Kindern im Arm. Alles in allem etwa dreißigtausend Personen, die kaum etwas zu essen und noch weniger zu trinken hatten, vor ihnen die Wüste, hinter ihnen auf dem Nil die Kanonenboote, die Gerüchte von Verfolgern und eine breite Fährte Toter und Sterbender, die den Fluchtweg markierten.

Ein Thema verzögert den Abschluß dieses Kapitels. Es kann nicht übergangen werden. Zuviel ist gesagt und geschrieben worden über die Behandlung der verwundeten Derwische, als daß ein umfassender Bericht dieser Diskussion ausweichen könnte. Ich werde mit meiner Ansicht nicht hinter dem Berg halten, obwohl über dieser Frage jeder zum Parteigänger wird. Der Leser wird sich daran erinnern, daß der Sirdar vor dem Angriff auf Mahmuds Seriba den Befehl erteilt hatte, daß die Verwundeten zu schonen seien. Es ist schwerlich anzunehmen, daß er bei Omdurman einen Sinneswandel vollzogen hatte. Allerdings ist es traurig, daß seine Order nicht noch einmal an die Truppen ausgegeben wurde. Persönlich muß ich festhalten, daß der sehr weit verbreitete Eindruck bestand, die Befriedigung des Oberbefehlshabers könne nur zunehmen, je geringer die Zahl der Gefangenen ausfallen würde. Die Meinung, wonach der britische Soldat zu Brutalitäten unfähig ist, wird unfehlbar den Lohn des öffentlichen Applauses eintragen. Dennoch gibt es in jeder Armee einen beträchtlichen Anteil grausamer Männer. Der irreführende Eindruck, von dem ich eben gesprochen habe, ermutigte diese Sorte von Männern. Die maßlose Sprache, mit der die Derwische in den Zeitungen beschrieben wurden, und die mit soviel Energie verbreitete Vorstellung, es gehe darum, „Gordon zu rächen“, hatte ihre Leidenschaften entfacht und sie zu dem Glauben verleitet, daß es nicht mehr als recht sei, den Feind als Ungeziefer zu betrachten – als unwürdig zu leben. Das Ergebnis war, daß sehr viele verwundete Derwische getötet wurden.

Ich unterteile diese verwundeten Derwische in drei Klassen. Die erste und bei weitem größte besteht aus denjenigen, die gefährlich waren. Natürlich kann es keinen Einwand dagegen geben, so viele von diesen zu vernichten, wie es die Sicherheit und die ungehinderte Bewegung der Truppen auf dem Schlachtfeld erfordern. Die zweite Klasse umfaßt jene mit schrecklichen Verwundungen, die getötet wurden, um sie von ihrem Elend zu erlösen. Ob sich das rechtfertigen läßt oder nicht, ist eine schwierige philosophische Frage. Wer denkt, wie ich es tue, daß extremes, in die Länge gezogenes und nutzloses Leiden ein größeres Übel ist als der Tod, wird sich über das Schicksal dieser zweiten Klasse nicht den Kopf zerbrechen. Keine Diskussion kann es über die dritte Klasse geben. Eine gewisse Anzahl – wie viele das waren, kann ich nicht sagen, auch wenn es sicher nicht weniger als hundert verwundete Derwische waren – wurde erledigt, obschon sie die Waffen von sich warfen und um Gnade baten. Ich bin der Sache nachgegangen und habe zu diesem Thema zahlreiche Berichte angehört, und es scheint nicht zuzutreffen, daß mehr als eine Handvoll solcher Fälle zu Lasten der britischen Division und der 21st Lancers ging. In jedem Fall wurden die Männer von ihren Offizieren streng gemaßregelt und an der Wiederholung ihrer Gewalttaten gehindert. Das Gelände, das die britischen Truppen passierten, war nicht stark von Opfern und verwundeten Derwischen bedeckt, und beinahe alle, die umkamen, wurden von Angehörigen der sudanesischen und ägyptischen Truppen getötet, besonders von Männern aus Maxwells Brigade. Manche Greueltaten wurden auch von den nachfolgenden Mitläuferscharen begangen, aber deren Invasion des Schlachtfeldes war eine Begleiterscheinung, die kein General vor der Schlacht hätte voraussehen können – und keiner hatte Zeit dafür, solange sie noch andauerte. Das sind, soweit ich sehe, die Fakten, und zum Ausgleich führe ich auch den Umstand an, daß Tausende verwundeter Derwische den Tag überlebt haben, daß viele von Soldaten in Sicherheit gebracht und mindestens fünftausend Gefangene gemacht wurden. Es wäre deshalb ungerecht, die Armee der Barbarei zu beschuldigen, noch mehr ihren Führer, den berechtigte Kritik nur in dem einen Punkt trifft, daß er seine Barmherzigkeitsorder nicht noch einmal an die Truppen ausgeben ließ.

Aber nachdem all das gesagt ist, wendet sich der Betrachter mit Abscheu von dem ungleichen Gemetzel ab. Der Name der Schlacht, geschmückt durch die Farben unserer Flagge, wird für zukünftige Generationen das Gedächtnis eines erfolgreichen Feldzugs wahren. Regimenter werden sich sonnen im Lobpreis der Rolle, die sie darin spielten.“

Wiki: „Kitchener veranlaßte, daß man die sterbliche Hülle des Mahdi aus seinem Mausoleum zerrte; und auf seinen Befehl hin warf man die Leiche in den Fluß. Kitchener hatte die Leiche des Mahdi, unter anderem, zur Vermeidung einer künftigen Mystifizierung schänden lassen. Dieser Vorgang schockierte die britische Öffentlichkeit und besonders Königin Viktoria, die sich stets hinter Kitchener gestellt hatte.“ Insofern halte ich es für denkbar, dass er auch bei den verwundeten Derwischen der Statuierung eines Exempels zumindest freien Lauf ließ…

in OMDURMAN schaute sich Churchill in Ruhe um. Zum Sitz des Khalifa bemerkte er: “Jedenfalls war das Gebäude der Sitz eines Mannes, dem die Zivilisation nicht fremd gewesen sein konnte, da er sein Haus sauberhielt und die Annehmlichkeiten des Lebens zu schätzen wußte.” Dann wandte er sich dem fast zerstörten Grabmal des Mahdi zu. “Für mehr als zehn Jahre war dies der Ort des Heiligtums, das den Sudanesen am meisten auf der Welt bedeutete. Ihr elendes Dasein wurde aufgehellt und vielleicht in gewisser Weise veredelt durch die Betrachtung von etwas, das sie nicht ganz durchschauten, das in ihrem Glauben aber doch einen schützenden Einfluß ausübte. Es hatte jenes instinktive Verlangen nach dem Mystischen befriedigt, das alle menschlichen Geschöpfe besitzen und das vielleicht die stärkste Quelle des Glaubens an eine Zukunft mit einem besseren Los ist. Auf den Befehl von Sir H. Kitchener wurde das Grabmal entweiht und bis auf den Boden abgerissen. Die Leiche des Mahdi wurde ausgegraben. Der Kopf wurde vom Leib getrennt und – der offiziellen Erklärung zufolge -‚bis zu zukünftiger Beseitigung aufbewahrt‘, was in diesem Fall so zu verstehen ist, daß er von Hand zu Hand weitergereicht wurde, bis er in Kairo anlangte. Da blieb er, eine Trophäe, die starkes Interesse fand, bis die Angelegenheit Lord Cromer zu Ohren kam, der seine unverzügliche Wiederbestattung in Wadi Halfa anordnete. Der Rumpf mit den Extremitäten wurde in den Nil geworfen. So war es um die Ritterlichkeit der Eroberer bestellt!

Welches Unglück auch immer die Karriere von Mohammed Ahmed zur Folge gehabt haben mag, so war er doch ein Mann von unbestreitbar edler Gemütsart, ein Priester, ein Soldat und ein Patriot. Er war in großen Schlachten Sieger geblieben, und er belebte und erneuerte die Religion. Er gründete ein Reich. In gewissem Maße reformierte er die öffentliche Moral. Indem er aus Sklaven Soldaten (soweit ich weiß, blieben sie auch als Soldaten jedoch SKLAVEN, T.) machte, trug er indirekt zur Eindämmung der Sklaverei bei (die Gegenthese lautet, dass der Bedarf an Sklaven-Soldaten, wie er auch heute dort zB. durch Kindersoldaten gedeckt wird, die Sklaverei grade befeuerte, T.). Für eine unvoreingenommene Person ist es unmöglich, die Berichte solcher Zeugen wie Slatin und Ohrwalder zu lesen, ohne den bestimmten Eindruck zu erhalten, daß der einzige milde Einfluß, das einzige humane Element in diesem harten mohammedanischen Staat von diesem berühmten Rebellen ausging. Der österreichische Missionar schrieb von seinem ’stillen Lächeln, seinen angenehmen Manieren, seiner Großzügigkeit und seinem ausgeglichenen Temperament‘. Als die christlichen Priester, die sich auf den Koran zu schwören geweigert hatten, von den Soldaten und dem Mob angegriffen und mit dem sofortigen Tod bedroht wurden, der Mahdi aber ’sich umwandte und unsere Gefahr erkannte, kehrte er zurück und befahl, wir sollten vor seinem Kameele einhergehen, um uns zu beschützen‘. Nachdem Slatin Abdullahi über den Tod des unglückseligen französischen Abenteurers Olivier Pain ins Bild gesetzt hatte, hieß dieser ihn, dem Mahdi ‚Mittheilung zu machen. Dieser zeigte sich etwas teilnehmender als sein Khalifa und sprach das Todtengebet für ihn‘ . Vielen seiner Gefangenen begegnete er mit Freundlichkeit, was im Vergleich zu den Gepflogenheiten in seiner Umgebung und der Behandlung, die ihm selbst zuteil geworden wäre, wenn ihn das Glück verlassen hätte, nur um so erstaunlicher wirkt. Einigen gab er Arbeit, anderen etwas Geld aus dem Beit al-Mal oder ein wenig Speise von seinem eigenen Teller. Zu allen sprach er mit Würde und Geduld. So hatte er gelebt; und als er auf dem Gipfel seiner unbestrittenen Macht starb, trauerten um ihn die Armee, die er zum Sieg geführt hatte, und das Volk, das er vom Joch der ‚Türken‘ befreit hatte.

Es wird sich lohnen, die Argumente derjenigen zu prüfen, welche die Zerstörung des Grabmals zu rechtfertigen versucht haben. Sie verraten eine Gedankenverwirrung, die den Verdacht der Unaufrichtigkeit auf sich zieht. Einige sagen, die Menschen im Sudan hätten nicht länger an den Mahdi geglaubt und sich deshalb wenig aus der Zerstörung eines gefallenen Idols gemacht, so daß die Angelegenheit kaum von Bedeutung sei. Auf derselben Seite in dem Disput behaupten andere, der Einfluß des Mahdi sei noch immer so groß und sein Gedächtnis so lebendig gewesen, daß, obschon sein Nachfolger gestürzt worden war, sein Grab zu einer Pilgerstätte geworden wäre und die Eroberer deshalb nicht riskieren konnten, durch ein solches Element des Fanatismus ihre Herrschaft untergraben zu lassen. Der Widerspruch zwischen den Behauptungen ist offenkundig. Doch ganz unabhängig voneinander sind sie beide absurd. War der Mahdi der Bevölkerung des Sudan gleichgültig geworden, dann war es ein Akt von närrischem Vandalismus, das einzige kunstvolle Gebäude zu zerstören, das den Reisenden angezogen und das Interesse des Historikers geweckt hätte. Es ist ein düsteres Vorzeichen für die Zukunft des Sudan, wenn die erste Tat zivilisierter Eroberer darin besteht, die einzige Zinne zu schleifen, die sich über das Meer der Lehmhäuser erhebt. Wenn dagegen die Menschen im Sudan das Gedächtnis des Mahdi immer noch ehrten – und mehr als fünfzigtausend von ihnen hatten noch eine Woche zuvor hart gekämpft, um ihre Ehrfurcht und ihren Glauben unter Beweis zu stellen -, dann zögere ich nicht zu erklären, daß zu zerstören, was ihnen geheiligt und unantastbar war, eine Schandtat bedeutet, angesichts welcher der wahre Christ genauso wie der Philosoph nur seinen Abscheu ausdrücken kann. Kein Mann, der die glänzende Tradition der Liberal Party hochhält, und kein Mann, dessen Sympathien den Aspirationen des fortschrittlichen Torytums gehören, kann einem solchen Verhalten guten Gewissens seine Zustimmung geben.”

Es fällt mir schwer, zu diesem Abschnitt von Churchills Ausführungen eine eindeutige Position zu beziehen. Auch Kewil hat sich des Themas angenommen (1), und er sowie seine Kommentatoren haben eine Reihe interessanter Links zusammengetragen. Unter (2) gibt es die typische PC-Rezension aus der Zeit, unter (3) einen Brief von Churchill, in dem seine Distanz zu Kitchener deutlicher hervortritt, und Kommentator Bommel verweist auf die Beschreibung eines Dr. A. Berger von 1924 unter (4), die so geht: “Es ist viel geschrieben worden über die Höhe der Todesopfer, die die Schlacht von Omdurman, oder wie sie in der Geschichte heißt: bei Kerreri, gefordert hat. Die Derwische dürften rund 20000 Mann verloren haben, dem gegenüber auf Seiten der verbündeten Engländer und Ägypter 140 Tote und 580 Verwundete zu buchen sind. Diese Zahlen würden noch geringer sein, wenn nicht eine ganze Anzahl Soldaten, die verwundeten Derwischen helfen wollten, von diesen heimtückisch erschossen worden wären. So ist ein Fall bekannt, daß sich ein Soldat über einen jungen Derwisch, der nach Wasser stöhnte, neigte, ihn aufrichtete und ihm zu trinken gab, und diesen Augenblick benutzte der Fanatiker, dem Weißen das Messer in den Leib zu stoßen. Nur zu verständlich war der Befehl, die auf dem Schlachtfeld liegenden Derwische zu töten, so sehr es auch unsern Ansichten von Humanität widerspricht, aber es war die einzige Möglichkeit, sich gegen diese blutdürstigen Bestien zu schützen, zumal auch in Lazaretten Angriffe Verwundeter auf Ärzte vorgekommen waren.”

Dies macht mE. die besondere Natur des mohammedanistischen Gegners aus, dass er eine Niederlage niemals eingestehen kann und kämpft, UM zu STERBEN und um so einen Platz im vermeintlichen Paradies zu ERZWINGEN. Diese Natur war Churchill, wie aus anderen Quellen hervorgeht, bekannt (er hatte im Vorjahr bei Malakand gegen die Paschtunen gekämpft). Deshalb wundert mich seine Verurteilung der Schleifung des Mahdi-Grabmals, die ich für eine richtige Maßnahme halte, um zu verhindern, dass es zu einem Heiligtum würde. Ebenso halte ich es für richtig, dass der Leichnahm hervorgeholt wurde, wenn ich auch die Köpfung überflüssig und abstoßend finde. Man hätte ihn vielleicht verbrennen und seine Asche in den Wind streuen sollen. Vielleicht reichte Churchills Verständnis vom Mohammedanismus, den er mE. in weiten Teilen richtig beurteilte, doch nicht bis in dessen Grundlagentexte und wurde von der Gegnerschaft gegen das Osmanische Reich (wobei der Mahdi-Aufstand dann von einem „Religions“krieg zu einem Unabhängigkeitskrieg gegen die Türken mutiert) überlagert. Oben schreibt er, der Mahdi habe das Verlangen der Menschen nach Mystik bedient, welches “stärkste Quelle des Glaubens an eine Zukunft mit einem besseren Los ist” in Verkennung der Tatsache, dass der Mohammedanismus im Kern eben KEINE Zukunft auf Erden – erst recht keine bessere – kennt.

In der FAZ gibt es derzeit eine Diskussion über Burma. Alice Schwarzer vertritt die Auffassung, dass der Westen für die Burmesen eine größere Gefahr darstellt als die Junta. Andere Autoren verlangen eine Intervention. Quasi dazwischen steht Jochen Buchsteiner, der schreibt: “Politische Erneuerung, das bemerkt Frau Schwarzer zu Recht, muss von innen kommen. Dabei sollten wir helfen. Die Reformkräfte in Burma – und das sind eben nicht nur die greisen Funktionäre der NLD und deren standfeste Führerin Aung San Suu Kyi – verdienen Unterstützung. Das heißt nicht weitere Sanktionen, auch wenn die eingesperrte Friedensnobelpreisträgerin sie gutheißt, sondern im Gegenteil: Entwicklungshilfe, Wirtschaftsbeziehungen, (klandestine) politische Zusammenarbeit, Hochschulstipendien, selbst Tourismus – auf allen Ebenen sollten die Löcher vergrößert werden, durch die westliche Einflüsse ins Land sickern können. Asien ist reich an Anschauung, wie sich Völker von Militärdiktatoren befreiten. Als der indonesische General Suharto nach mehr als drei Jahrzehnten in die Knie gezwungen wurde, stützte sich die ‚Reformasi‘-Bewegung auf eine Opposition, die vorher niemand ernst genommen hatte. Beflügelt wurde sie weniger von großen Figuren als vom Wissen um Alternativen. Die Indonesier hatten eine Idee von Freiheit, von Transparenz und Demokratie, weil sie westliches Fernsehen kannten, westliche Freunde besaßen, an westlichen Universitäten studiert hatten. Burma ist nicht Indonesien, aber es ist weniger isoliert, als es scheint. In den Geschäften gibt es Radios und Satellitenschüsseln, nicht alle Seiten sind im Internet blockiert. Was fehlt, ist dauerhafter und selbstverständlicher Austausch mit der Welt und ihren Angeboten. Kurzfristig mag er die Junta festigen, aber auf längere Sicht kann er ihr System perforieren. Die ‚wahren Freunde Burmas‘, die Frau Schwarzer beschwört, bauen keine Mauer um das Land. Sie wollen es durch die Hintertür öffnen.”

Buchsteiners Ideen mögen beim buddhistischen Burma zielführend sein, vor Omdurman jedoch war mE. Kitchener der rechte Mann zur rechten Zeit.

Seine Kritik an der Schleifung des Mahdi-Grabmals unterstrich Churchill übrigens mit dem Verweis auf Indien und seine „weisen Beamten“ (=Briten), die den Subkontinent nur regieren könnten, weil alle Religionen anerkannt würden. „Es ist ein Verstoß gegen das indische Strafrecht, die Religion irgendeiner Person zu beleidigen“, bemerkte er zustimmend. Kommt Ihnen das nicht irgendwie bekannt vor? Das römische Imperium wurde übrigens ähnlich regiert: Alle Religionen waren erlaubt. Es gab nur die eine Bedingung: Der Kaiser mußte als Gott anerkannt werden („Kaiserkult“, 5), was zwei Gruppen in permanente Opposition zur Staatsmacht brachte, nämlich die Juden und die Christen.

Mag sein, dass diese beiden und andere Imperien die Vorbilder für einige unserer heutigen politischen Führer sind. Aber Rom wurde unter Theodosius (379-395) vollständig christianisiert (umgewandelt)… Der Grundfehler der politischen Klasse, den auch Churchill macht, liegt mE. darin, die mohammedanistischen Texte (Kloran, Hadithe, Sira) nicht zu lesen. Ich kenne in meinem Bekannten- und Freundeskreis nur einen, der diese Texte gründlich liest, und das bin ich selbst. Wenn Churchill es aber getan hätte, dann hätte er Kitchener – welcher die Welt vom Spuk des zweiten Mahdismus befreite – mE. positiver gegenüber gestanden.

Mit ALLEN geht es, sogar mit Nanabozo, dem großen weißen Kaninchen, welches die Schawano-Indianer (Tecumseh) verehrten, aber es geht NICHT mit den Mohammedanisten. Was Hitler wollte, hatte er in „Mein Kampf“ detailliert dargelegt. Dass der Mohammedanismus eine bösartige, sadistische, satanische Ideologie ist, um im religiösen Gewand Macht zu erlangen und seine Mitmenschen áuszuplündern und zu quälen, wird jedem klar, der nicht seine Projektionen, seine eigenen Erwartungen und sein eigenes Verständnis von Religion an ihn anlegt, sondern der die mohammedanistischen TEXTE studiert…

Im Folgenden beschreibt Churchill abschließend, wie es dem geflohenen Khalifa gelang, erneut eine Armee gegen die englisch-ägyptische Armee zu führen, bis er dann in einer Endschlacht auf dem Boden auf einer Decke SITZEND getötet (geselbstmordet) wurde. Ich möchte Ihnen zT. gekürzt die letzten Passagen von Churchills Ausführungen vorstellen, und zwar vor dem Hintergrund der Frage, ob der “britische Imperialismus durch die Einverleibung in das amerikanisch-welthistorische Projekt” weiterentwickelt worden sei.

“Was ist (britischer) Imperialismus?”.

In seiner Schlußanalyse würdigt Churchill zunächst das Geschick Kitcheners:

“Kitcheners Feldzug am Nil wird in der Militärgeschichte bleibende Beachtung finden durch die maschinelle Regelmäßigkeit seines Fortgangs und durch dessen ungemeine Sparsamkeit. In letzterer Hinsicht ist er bis heute beispiellos. Niemals ist mit so geringem Geldaufwand ein so großes Land erobert und ein so mächtiger Feind bezwungen worden. (…) Von den meisten übrigen britischen Kriegen unterscheidet sich die Rückeroberung des Sudan in ihren späteren Phasen darin, daß sie zu einer Operation wohlabgewogener und kalkulierter Politik wurde – für einmal kein Ausbruch eines unerwarteten Konflikts, den die Regierung entgegen ihren Wünschen plötzlich nicht mehr aufzuhalten vermag. Auch wenn man allen Vorteilen auf Seiten des Sirdar Rechnung trägt, wird der methodische Verlauf der Operationen doch stets die Bewunderung der militärischen Experten finden. In fast drei Jahren Krieg gab es keine Panne von irgendwelchen Konsequenzen. Welche Großtat könnte einem General mehr Ehre machen als diese schlichte Bescheinigung?

Wer die Strategie von Kitcheners Unternehmungen studiert, wird allerdings auf manche anderen Qualitäten stoßen als nur zuverlässige Berechnung und geschäftsmännische Voraussicht. Sein Verständnis, was die Gesamtsituation des Kriegs im Sudan anging, zeugte von der Breite und Tiefe eines Geistes, der über den Sachverstand von Experten hinausging. Die entschlossene Zuversicht, mit der er genau den richtigen Augenblick fand, um Hunters Kolonne gegen Abu Hamed zu werfen, die noch kühnere Einnahme Berbers, aber weit über allem anderen der Bau der Wüsteneisenbahn lassen in der Geschichte des Feldzugs Funken von echtem Genie aufblitzen. In die ehrwürdige Abteilung der Strategie brachte Kitchener die Originalität und Kraft einer Persönlichkeit ein, wie sie auch in den viel stürmerischen Szenen eigentlicher Gefechtseinsätze nur wenige Soldaten zu entfalten vermögen.”

Churchill hält jedoch auch mit Kritik nicht hinterm Berg. Die Schonungslosigkeit mit sich selbst habe Kitchener auch im Gegenüber mit Untergebenen gezeigt, die er “wie Maschinen” behandelt habe, und die Krankenstationen seien besonders vernachlässigt worden.

Sodann fragt Churchill: “War der Krieg klug und gerechtfertigt?”

Dies bejaht er: “Gebiete zu vereinen, die nicht auf unbestimmte Zeit getrennt bleiben konnten (Ägypten und Sudan, T.), Völkerschaften zu verbinden, deren jede in ihrem künftigen Wohlergehen untrennbar von der anderen abhängig ist, Energien zusammenzuschließen, die konzentriert ein gemeinsames Interesse befördern können, kurz: zusammenzubringen, was separat nicht gedeihen kann – so heißen die Ziele, in deren Namen das Urteil der Geschichte den Feldug rechtfertigen wird. (…) Großbritannien (hat) ein großes Territorium gewonnen, auf welches – obwohl sich sein Wert leicht übertreiben ließe – jede europäische Großmacht begierig war. Die Politik, unsere Herrschaft über bedeutende Wasserwege auszuweiten, die von britischen Staatsmännern seit drei Jahrhunderten mehr oder weniger bewußt und absichtsvoll verfolgt wird, ist einen Schritt weitergeführt worden, und im Niltal kann England einen Handel entwickeln, der auf Fluß und Eisenbahn verarbeitete Güter der gemäßigten Zonen gegen Erzeugnisse vom Wendekreis des Krebses eintauschen wird – Tuch von Lancashire und Eßbesteck von Sheffield gegen Weizen aus Sennar und Elfenbein und Federn aus Kordofan -, und dabei den Nordwind nutzen, um Zivilisation und Wohlstand nach Süden zu bringen, und die Strömung des Nil, um dessen Güter der See und den Märkten zuzuführen. Die Derwische sind erschlagen und versprengt. Sie lebten durch das Schwert. Weshalb sollten sie nicht durch das Repetiergewehr umkommen? Eine Herrschaftsform wurde hinweggefegt, die, selbst wenn sie den Betroffenen erträglich erschienen wäre, für die zivilisierte Welt ein Ärgernis war. Die Welt ist den Khalifa los – mit seiner ganzen Habe. Die Macht der Mahdisten ist für immer gebrochen, die Anhängerschaft zerstreut, und der Menschenfreund braucht keine Zweifel zu haben, daß, was sich im Sudan 1898 abgespielt hat, zum Besten der Welt, Englands und Ägyptens geschehen ist.”

Anschließend blickt Churchill weit in die Zukunft des Sudan, die ihm verheißungsvoll und licht erscheint. Als Brite, der er ist, kommt er jedoch dann doch recht bald wieder auf den Boden der Tatsachen zurück: “In unserer Politik wird es weniger um die Vollbringung großer Taten als vielmehr um Vermeidung gehen müssen. Nach so vielen Jahren der Mißhandlungen und Folter erhofft sich der Sudan von seinen Eroberern nichts sehnlicher als Friede und Erholung. Vorerst ist das die Hauptsache… Die starke Hand einer zivilisierten Regierung kann Krieg unter den Stämmen und Hader zwischen Klassen und Individuen verhindern. Nichts anderes ist derart wichtig, aber es gibt weitere beunruhigende Elemente, von denen der Sudan verschont zu bleiben hat.

Kaum ein größeres Übel kann über eine Gesellschaft kommen als ein Regierungssystem, das in keiner Weise auf ihre Vorstellungen und Wünsche zugeschnitten, das ihr von außen auferlegt ist und das die Menschen nicht verstehen können. Das Willkürrecht des Schwertes, die Praxis der Feuerprobe und des Tauschhandels könnte unser modernes Leben kaum stärker durcheinanderbringen, als die komplizierte Rechtspflege der Zivilisation den Wilden in Schrecken und Verwirrung stürzt. Die klügsten gesetzlichen Bestimmungen bringen oft die wundersamsten Resultate hervor. In Indien, wo die Menschen auf wesentlich höherer Stufe angelangt sind als im Sudan, haben das Geschenk eines kunstvoll ausgearbeiteten Zivilgesetzbuchs – von unschätzbarem Wert für europäische Völker – und zahlreicher Gerichtshöfe in der Anwendung ganz und gar versagt. Wo sie Gerechtigkeit suchen und finden sollten, suchen und finden sie aufregenden Zeitvertreib, und vom Prozeßfieber – das nicht weniger stark ist als die Spielsucht gewisser Europäer – wird das Werk des Gesetzgebers zunichte gemacht. Die vernünftigsten Vorkehrungen bewirken das Gegenteil dessen, was die Europäer vorausgesehen haben. In der Hoffnung, die Spezies der Kobra auszurotten, deren Bisse für den Menschen oft tödlich sind, setzt die Regierung auf Kobrahäute einen Preis aus. Sofort wird die Kobrazucht zu einem ausgedehnten Industriezweig. Es wäre so einfach wie überflüssig, die Zahl solcher Beispiele zu vermehren. Ein kompliziertes und nicht auf die Verhältnisse zugeschnittenes Regierungs- und Rechtssystem wäre ein Störfaktor, der dem Sudan erspart bleiben muß. Die Leute verstehen rohe Gewalt, und sie wissen, was “Persönlichkeit” bedeutet, doch “Gesetzlichkeit” und “Präzedenzfall” übersteigen ihre Begriffe.”

Deshalb plädiert Churchill für eine Herrschaft “ausgewählter” britischer Offiziere in den ersten Jahren, deren Klasse durch einen hohen Sold und komfortable Angebote gewährleistet werden soll. Unbedingt ablehnend steht er der christlichen Mission gegenüber (weil sie die Gesundung des Patienten Sudan gefährde – was ich argumentativ schwach finde), aber er beschreibt das von Lord Kitchener begründete “College of Khartum” mit seinen Hauptthemen Feldbau und Bewässerung in leuchtenden Farben. Und dann kommt er auf ein brandaktuelles Thema zu sprechen:

“Wonach die Sudanesen, haben sie erst einmal Frieden, am dringendsten verlangen, ist WASSER. In seinem Bericht über den Sudan regt Sir William Garstin zwei einfache und sofortige Maßnahmen an, mit denen dieser Bedarf teilweise gedeckt werden kann. Erstens brauchen die Einheimischen Hilfe bei der Wiederinstandsetzung ihrer Ziehbrunnen und Wasserräder, und vielleicht können sie zur Installation von maschinellen Pumpen ermutigt werden. Mit der unausbleiblichen Ernte als Sicherheit, könnte die Regierung zu diesem Zweck kleine Geldsummen vorschießen. Das zweite Thema sind die Brunnen in der Ghezira, von denen es wenige gibt und die weit voneinander entfernt liegen. Da sie nicht tief sind, trocknen sie zudem im Sommer oft aus. Da sie nicht ausgemauert sind, brechen sie in der Regenzeit oft ein. In beiden Fällen leidet die Bevölkerung, die von ihnen abhängig ist. Der Bau von mauergestützten Brunnen bei den wichtigsten Dörfern kann den Anwohnern große Erleichterung bringen und gehört zu den ersten Prioritäten der Verwaltung.

Ich kann es nicht unterlassen, auf die gewaltigen Bewässerungsprojekte zu sprechen zu kommen, mit denen die Zukunft aufwartet. Beginnen wir mit dem Blauen Nil. Dieser Fluß fließt durch den wertvollsten Teil des Sudan. ‚Der Boden‘, schreibt Sir William Garstin, ‚ist mit seiner an Nährstoffen reichen Erde überall von bester Qualität.‘ In der Tat gleicht das Becken des Blauen Nil hinsichtlich der Erde und des Klimas den Landstrichen, die in Indien den besten Weizen hervorbringen. Doch es gibt einen bedeutsamen Unterschied: Der Sudan hat keinen Winterniederschlag. Damit Weizen in größerem Ausmaß produziert werden kann, muß dieses Manko durch Bewässerung beseitigt werden. Sir William Garstin schlägt ein Projekt vor: ‚Die östliche Hälfte der Ghezira und gewisse Abschnitte östlich des Flusses könnten ohne Schwierigkeiten durch ein System von Kanälen bewässert werden, das durch einen einfachen irgendwo an geeigneter Stelle anzulegenden Damm zwischen Sennar und Rosaires gespeist würde.‘

Dadurch könnte eine reichliche Winterversorgung mit Wasser gewährleistet werden, was eine reiche Winterernte an Weizen bedeuten würde. Wenn auch die Sommerversorgung sichergestellt werden könnte, ließen sich die Erträge verdoppeln. Doch die Sommerversorgung ist ein wesentlich ernsteres Problem. Für sie wäre anstelle eines simplen Damms ein Reservoir erforderlich. Statt wie ein Damm nur während der Nilflut den unbegrenzten Überfluß zu nutzen, würde ein Reservoir die Wasserführung des Flusses verändern. Im Geist fliegen wir zurück nach Ägypten. Zwölfhundert Meilen von hier lechzt der ägyptische Bauer nach dem Wasser, das der sudanesische auffangen würde. Nicht dazu hat Ägypten den Sudan erobert. Sich gegen solche Möglichkeiten abzusichern, war einer der wichtigsten Gründe, gemeinsam mit einer europäischen Macht in den Krieg zu ziehen. Es muß unmißverständlich anerkannt werden, daß das dichtbevölkerte und zivilisierte Ägypten ein Vorrecht auf das Nilwasser genießt. ‚Zwischen den Regierungen Ägyptens und des Sudan‘, so Sir William Garstin, ‚muß ein deutliches Einverständnis bestehen, daß sämtliche sudanesischen Bewässerungsprojekte größeren Umfangs dem ägyptischen Minister für öffentliche Arbeiten vorgelegt werden müssen, bevor mit ihrer Realisierung begonnen wird. In allen den Fluß betreffenden Fragen ist es unumgänglich, daß die beiden Länder zusammenarbeiten und dabei das gesamte weite Gebiet, das der Nil bewässert, als ein großes Ganzes betrachtet wird. Andernfalls könnte Ägypten sich eines Tages in genau der gleichen Situation sehen, wie wenn eine nicht freundlich gesinnte Macht den Sudan und den oberen Nil kontrollierte.‘

An eine ganzjährige Bewässerung des Beckens des Blauen Nil durch ein Reservoir kann auf viele Jahre hinaus nicht gedacht werden. Aber eine befriedigende Winterversorgung in die Wege zu leiten ist das erste große zivilisatorische Projekt im Sudan. Völlig anders geartet ist der Fall des Weißen Nil. Nochmals zitiere ich Sir William Garstin:

‚Ein größerer Kontrast zwischen zwei Flüssen läßt sich unmöglich vorstellen als der zwischen dem Blauen und dem Weißen Nil. Der erstere fließt bei starkem Gefälle mit großer Geschwindigkeit in einem vergleichsweise schmalen und tiefen Bett zwischen steilen Ufern dahin. In gewissen Jahreszeiten ist er beinahe ausgetrocknet, in anderen randvoll, und entsprechend ist sein Wasser abwechselnd klar und trüb. Seinen Lauf kennzeichnen scharfe Kurven und Knicke. Der letztere schiebt sich träge vorwärts, mit geringem Tempo und Gefälle, meistenteils geradeaus in einem breiten und seichten Bett. Seine Ufer sind sehr flach, und sein Wasserstand ist ziemlich konstant, und auch in seiner Farbe und Lichtdurchlässigkeit zeigt er das Jahr hindurch nur sehr kleine Veränderungen. Der Unterschied zwischen hohem und niedrigem Wasserstand ist sehr geringfügig.‘

Wegen des geringen Gefälles erscheinen am Weißen Nil Bewässerungsvorhaben, ob durch einen Damm oder durch ein Reservoir, nahezu ausgeschlossen. Es ist zu schwierig, Wasser aufzuspeichern und zu verteilen. Zudem führt das Wasser selbst kaum Nährstoffe. Der Boden ist humusarm, und das Land ist öd und trostlos. Doch obschon der Weiße Nil den Gebieten, durch die er fließt, nichts zu verheißen scheint, ist er die Basis aller zukünftigen Entwicklungen der Bewässerung im Sudan. Mit dem Blauen Nil allein hätte Ägypten niemals zu existieren vermocht. Ohne die beständige Flut, die der Weiße Nil von Afrikas großen Seen heranführt, wäre der Nil nördlich von Khartum wie der Atbara abwechselnd eine Rinne von stehenden Tümpeln und ein großer wütender Wildbach.

Nun deutet alles darauf hin, daß der Weiße Nil in den Sümpfen, durch die er fließt, einen schrecklich hohen Anteil seines Wassers verliert. Ich stütze mich auf Sir William Garstins Bericht. In der großen Sumpfregion, die gewiß nicht von geringerer Ausdehnung ist als ein Grad nördlicher Breite mal ein Grad östlicher Länge, verliert sich der Fluß ‚in einer Wildnis aus Unkraut und Binsen, deren üppiger Wuchs durch die intensive feuchte Hitze und die tropischen Regenfälle begünstigt wird. Durch die Sümpfe und das Schilf schlängeln sich windungsreiche Arme von geringem Gefälle und unregelmäßiger Breite – die bekanntesten darunter der Bahr-el-Jebel und der Bahr-elZaraf, aber daneben gibt es wahrscheinlich viele kleinere, die sich in den Sümpfen verlieren. Durch den überlaufenden oberen Nil sozusagen verschüttet, bewegt die riesige Wassermasse sich durch das immense Gebiet der Sümpfe stetig nach Norden, dem Gefälle des Landes folgend. Die geringe Tiefe des Flußbeckens und seine riesige Ausdehnung verwandeln es unter der Aquatorsonne in ein unermeßliches Verdunstungsbecken. Außer in den Hauptarmen verdunstet der größere Teil des nach Norden fließenden Wassers und geht verloren. Die Wasserpflanzen, welche die Flußoberfläche bedecken, verringern nicht etwa diesen Verlust, sondern erhöhen ihn durch die Menge, die sie absorbieren und ausschwitzen. Wenn eine erhöhte Wasserzufuhr erreicht werden soll, muß der entlaufene Fluß mit künstlichen Mitteln wieder eingefangen, seine Breite reguliert und dadurch seine Abflußgeschwindigkeit erhöht werden. Das kann nur dadurch geschehen, daß er am Überlaufen in seine verschiedenen Seitenarme und Sümpfe gehindert und sein Wasser in eine Hauptarterie gelenkt wird. Falls das möglich ist, wird die immense Wassermasse, die sonst jährlich durch Verdunstung und andere Ursachen verlorengeht, in einem einzigen Kanal ungehindert nach Norden fließen und die Sommerversorgung Ägyptens um den dadurch gewonnenen Anteil erhöhen.‘

Wie groß ist der Wasseranteil, der auf diesem Weg gewonnen werden könnte? Sir William Garstin stellt komplizierte Berechnungen an. Er mißt das Volumen des Flusses bei Gondokoro, bevor dieser die Sümpfe erreicht. Er mißt sein Volumen bei Khartum, nachdem der Fluß sie passiert hat. Er stellt fest, daß dazwischen ein enormes Leck seine Wirkung getan hat. Er überprüft seine Werte, indem er die Schätzwerte einer Verdunstungsrate pro Quadratmeile sowie der Ausdehnung der Sumpfgebiete miteinander multipliziert. Schließlich kommt er zu dem Schluß, daß der Verlust nicht weniger betragen kann als die halbe mittlere Abflußmenge bei Assuan im Sommer!

Und damit gelangt die Überlegung zum Ziel: Falls das Leck des Weißen Nil gestopft werden kann, wird soviel mehr Wasser Ägypten erreichen, daß selbst bei einem Verzicht auf das Wasser, das zu einer ganzjährigen Bewässerung des Beckens des Blauen Nil erforderlich wäre, für Ägypten immer noch mehr als genug übrigbleibt. Niemand kann sich wundern, wenn Sir William Garstin zum ‚ernsthaftesten Studium dieser Frage‘ aufruft und zur Einsetzung eines für Bewässerung zuständigen Spezialbeamten, der mit weiteren Untersuchungen und Experimenten betraut wäre. Bereits hat der erfinderische Mr. Willcocks vorgeschlagen, beidseits des Flußbetts Weiden zu pflanzen, um die Lecks mit Hilfe der sich verflechtenden Wurzeln abzudichten. Alle diese Vorschläge verlangen erschöpfende Abklärung.

Im gleichen Schritt wie die Bewässerung hat die Eisenbahn voranzuschreiten. Keines der soeben angesprochenen großen Projekte kann ohne sie ausgeführt werden. Die Wüsteneisenbahn, mit welcher der Leser vertraut ist, stellt dank ihrer den Atbara und den Shabluka-Katarakt überwindenden Verlängerung bis nach Khartum – das sie demnächst erreichen wird eine ganzjährige lückenlose Verbindung auf Schiffen und Fluß von Kairo bis nach Faschoda her. Wie bald es möglich sein wird, diese große Verkehrslinie mit dem wachsenden System Südafrikas zusammenzuschließen, ist eine Frage für Experten. Gewöhnliche Leute stellen mit Zufriedenheit fest, daß an einer solchen Verknüpfung nicht mehr zu zweifeln ist. Hat im Süden die Eisenbahn, die ihre Verlängerung dem enthusiastischen Einsatz von Mr. Cecil Rhodes verdankt, erst einmal das südliche Ende des Tanganjikasees erreicht ein Ereignis, das noch binnen der kommenden vier Jahre erwartet wird -, dann ist das endgültige Ziel schon beinahe erreicht, und nicht mehr viel Zeit wird vergehen, bevor der Dunkle Kontinent vom einen zum anderen Ende von einer Dampfverkehrsstraße durchschnitten ist.”

Mit diesen großartigen Visionen schließt die Churchill-Omdurman-Serie der FAZ.

DAS ist der Anglo-Imperialismus: Die Vision von demokratischer, wirtschaftlicher und wissenschaftlicher ENTWICKLUNG – für alle! Es geht nicht um MACHT, sondern um MACHEN, um gestalten! Weil es interessanter, freundlicher und komfortabler sein soll als zuvor.

Aber was ist von diesen Visionen geblieben? Wiki (6): “In vielen afrikanischen Staaten – vor allem in denen, die unter britischer Herrschaft standen – wurden Anfang des 20. Jahrhunderts große Eisenbahnnetze errichtet. Pionierarbeit leistete hier Cecil Rhodes. Mit der Unabhängigkeit der Staaten verlor man jedoch oftmals das nötige Fachwissen, Kriege und Konflikte taten ihr übriges, so dass die meisten Eisenbahnstrecken in Schwarzafrika heutzutage kaum mehr benutzbar sind. Gut ausgebaute Netze haben derzeit lediglich die Länder Südafrika und Marokko.”

Was aus Sudan geworden ist, wissen wir: Ein Jihad-Staat, die einzige offen STAATLICHE Jihad-Basis der Welt, ein Sklavenjägerstaat wie zur Zeit von Mahdi und Khalifa, ein rassistischer Völkerschlächterstaat. Wieso wurden die og. grandiosen Visionen nicht verwirklicht, warum konnte ein so heller Geist wie Churchill in seiner Prognose so fehlgehen?

“It’s FIESLAHM, stupid!”

Time, 6. Juni bis 19. Juni 2008

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(1) http://fact-fiction.net/?p=664

(2) http://www.zeit.de/2008/24/P-Churchill

(3) http://www.loc.gov/exhibits/churchill/wc-trans20.html

(4) http://www.jaduland.de/afrika/nil/index/untergang(18).html

(5) http://de.wikipedia.org/wiki/Kaiserkult
(6) http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Eisenbahn#Afrika