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Worüber reden?

2. November 2014

theo-van-gogh

Auf „Welt.de“ gedenkt heute Dirk Schümer dem vor zehn Jahren ermordeten Theo van Gogh (1).

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„Nun wisst ihr auch, was euch erwartet“

Vor zehn Jahren wurde Theo van Gogh von einem radikalen Muslim ermordet. Die tabufreien Debatten in den Niederlanden waren schlagartig vorbei – die liberale Gesellschaft hat nichts daraus gelernt.

Vor zehn Jahren war das noch unerhört: Im Namen Allahs schnitt ein radikaler Muslim einem wehrlosen Mitteleuropäer die Kehle durch, nachdem er ihn mit acht Schüssen niedergestreckt hatte. Das Opfer am Morgen des 2. November 2004: der niederländische Filmregisseur und Kolumnist Theo van Gogh. Damals war noch nicht abzusehen, dass die grauenvolle Mordmethode Zukunft haben würde. Ein Jahrzehnt später schneiden radikale Muslimkrieger wehrlosen Westlern, derer sie sich in den Kriegsgebieten des Orients bemächtigen, wieder die Köpfe ab. Wie van Goghs Mörder Mohammed Bouyeri stammen viele von ihnen aus Westeuropa, und wie er berufen sie sich bei ihren Taten lauthals auf ihre Religion.

Hat also der friedliche Radfahrer Theo van Gogh, als er auf dem Bürgersteig der belebten Linnaeusstraat seinem Mörder begegnete, den Zusammenstoß zweier Zivilisationen mit dem Leben bezahlen müssen? Eher handelt es sich wohl um den Kollaps einer einzigen Kultur, nämlich der westlichen. Denn Mohammed Bouyeri ist zwar marokkanischer Abkunft, wurde aber in Amsterdam geboren, im holländischen Schulsystem sozialisiert, hatte es als Kommunalpolitiker eine Zeitlang bei den Sozialdemokraten versucht und sogar bemühte Artikel für eine Stadtteilzeitung verfasst.

Williger Talkshow-Pöbler, rüder Zeitungskolumnist

Dieser engagierte Bürger konnte zwar den Koran nicht in der Originalsprache lesen. Aber die Provokationen, mit denen van Gogh die niederländische Mediengesellschaft lustvoll fütterte, konnte er mühelos verstehen. Dass Theo, dieser mittelmäßige Filmregisseur als williger Talkshow-Pöbler und rüder Zeitungskolumnist, gezielte Geschmacklosigkeiten gegen Christen und Juden, Linke und Rechte, Frauen und Männer verteilte, war dem Mörder gleichgültig. Doch bei seinem Prozess ließ er die Öffentlichkeit wissen, er habe einen Menschen hingerichtet, der Allah beleidigt habe: „Wäre es mein Vater oder mein kleiner Bruder, hätte ich genauso gehandelt.“

Was hatte Theo van Gogh genau verbrochen? Er hatte nach einer Idee der aus Somalia stammenden Aktivistin Ayaan Hirsi Ali ein Filmchen namens „Unterwerfung“ hergestellt, das die Beschneidung, die Rechtlosigkeit, die Unterdrückung vieler Millionen Frauen in islamischen Kulturen thematisiert. Koransuren wurden einer anonymen Akteurin auf den Körper gemalt. In Kolumnen hatte van Gogh seine Mitbürger mit islamischem Migrationshintergrund zudem unsanft in der ihm eigenen Manier als „Ziegenficker“ qualifiziert. Nun war er auf dem Weg zur Endabnahme eines Thrillers über den Mord am niederländischen Rechtspopulisten Pim Fortuyn, der als Erster die sonderbare Wehrlosigkeit seiner Landsleute gegenüber islamischer Gewalt angesprochen hatte – und dafür 2002 ermordet worden war.

Merkwürdige Schattierungen

Am Tag nach van Goghs eigener Ermordung kam es zu einer eindrucksvollen Mobilisierung mit 20.000 Demonstranten auf dem zentralen Amsterdamer Dam-Platz. Doch zeigten sich sofort merkwürdige Schattierungen: Als zwei Moscheen und eine Islamschule von durchgedrehten Hooligans in Brand gesetzt wurden, eilten Königin Beatrix und der Ministerpräsident flugs zu den Gemeinden. Für van Goghs Familie tat es auch ein Trostbrief. Und schon fünf Jahre nach der Schreckenstat traf sich nurmehr ein Grüppchen von Freunden zur Erinnerung am Tatort, wo inzwischen ein Denkmal steht, welches bereits von Al-Qaida-Sympathisanten beschmiert wurde. Die rostfreie Stahlskulptur des Künstlers Jeroen Henneman zeigt eine Silhouette und heißt „Der Schrei“. Dieser Aufschrei ist in der Gesellschaft indes kaum mehr zu hören.

Grund dafür ist die Angst, die van Goghs Mörder ganz bewusst verbreiten wollte. Propaganda war mehr noch als Rache Teil der Tat. Bouyeri hatte einen fassungslosen Passanten neben dem blutigen Leichnam angemotzt, was es denn da zu glotzen gebe. Auf die schockierte Bemerkung „Das kannst du doch nicht machen!“ gab es die coole Antwort: „Und ob ich das kann! Und nun wisst ihr auch, was euch erwartet.“ Im Jahr danach kam es zu den angezettelten Gewaltausbrüchen, später Mordversuchen im Streit über die dänischen Mohammed-Karikaturen. In Deutschland wird gerade der Kabarettist Dieter Nuhr wegen einiger kritischer Anmerkungen zur islamischen Gewalt verklagt.

Wer will schon enden wie Theo van Gogh?

In den Niederlanden ging die Einschüchterung viel schneller, da bekannten gleich nach dem Mord Autoren, Fernsehkomiker, Publizisten, dass sie sich ab sofort massiv selbst zensieren. Wer will schon enden wie Theo van Gogh?

Auf einen Schlag hatten sich Anfang November 2004 in einem Musterstaat der europäischen Liberalität alle Fronten verschoben. Linke Künstler und rechte Muslimkritiker saßen unversehens in einem Boot. Dabei hatte alles ganz anders angefangen. Die langhaarigen Provos im Amsterdam der 60er-Jahre hatten nicht nur Häuser besetzt und fleißig gekifft, sondern rüttelten bewusst an den Tabus der bürgerlichen Gesellschaft: Endlich sollte offen über Sex geredet werden, über Ausbeutung und die Verdrängung historischer Schuld. Vor allem ging es aber gegen die Religion, die mit ihren konfessionell bestens organisierten „Säulen“ die Niederlande immer noch dominierte. Der schwule Romancier Gerard Reve wurde durch einen Blasphemie-Prozess berühmt, nachdem er Jesus und einen Esel recht unanständig miteinander verkehren ließ. Nach dem missglückten Prozess gab es in Kunst, Literatur und Kabarett keine Tabus mehr.

Theo van Gogh sah sich in dieser Tradition. Weil ihm alle Duckmäuserei ein Gräuel war, hatte er gegen jeden vorauseilenden Islam-Bonus gelästert. Der Schriftsteller Leon de Winter, einer von van Goghs Lieblingsfeinden, beschrieb es so: „Sein Widerwille gegen alles Mittelmäßige war so groß, dass er es als seine Pflicht empfand, die Beleidigung zur Kunstform zu erheben.“ Leon de Winter selbst war von van Gogh übelst beschimpft worden; in Deutschland wären dessen Pöbeleien über Auschwitz, Sex und Judentum nicht ohne Schauprozess abgegangen. Die Niederlande – und de Winter – hielten die Provokation aus. Nicht zufällig war es hinterher de Winter, der dem Intimfeind van Gogh in seinem Roman „Ein gutes Herz“ voll zärtlichem Sarkasmus ein literarisches Denkmal setzte.

Worte statt Morde

Mit dem Mord war die Epoche der tabufreien Debatten im Leser- und Plaudervolk der Niederlande schlagartig vorbei. „Gnade! Wir können doch drüber reden!“, waren van Goghs letzte Worte an seinen Killer, und sie beschreiben messerscharf den Abgrund, der sich auftut. Seit den Religionskriegen kämpfte die Aufklärung über 300 Jahre lang dafür, Konflikte auf der diskursiven Ebene auszutragen: Worte statt Morde. Mit Theo van Goghs Ermordung gibt es inmitten der laizistischen Gesellschaften Europas wieder Themen, über die man besser nicht redet. Jedenfalls nicht ohne Gefahr für Leib und Leben.

Insofern sind die Jahre seit dem Mord – das beweisen schon allein die Mordvideos aus den Kriegsgebieten in Syrien und im Irak – zehn verlorene Jahre. Der Mörder Bouyeri äußert in Briefen an islamische Hilfsorganisationen, die ihn von außen unterstützen, bis heute seinen Triumph: Er habe keine Sekunde Bedauern verspürt. Der Iman Fawaz Jneid, der Tage vor dem Mord van Gogh einen grausamen Krebstod an den Hals gewünscht und damit Bouyeri zur Tat aufgestachelt hatte, blieb in seiner Den Haager Moschee wohlgemerkt bis 2012 unbehelligt im Amt.

Immerhin sang der Kabarettist Hans Teeuwen 2007 bei der Einweihung des Van-Gogh-Monuments ein herzerfrischendes Couplet zur Verteidigung des freien Wortes – ein Liedchen, das vor Gotteslästerung, Pornografie und Sarkasmus nur so strotzt. Es endet mit dem Hinweis, das Opfer sei nun mal ein Bonvivant gewesen und dadurch so dick, dass ihn der Täter gar nicht verfehlen konnte: „Selber schuld!“

Ein Theaterstück zum Mord

Ganz im Ernst tauchen solche Scheinargumente aber immer wieder auf: Wer wie Fortuyn oder van Gogh die Muslimgemeinde derart provoziere, der habe sich die Folgen eben zuzuschreiben. Van Goghs Drehbuchschreiber Theodor Holman attackierte einen prominenten Filmproduzenten, der in einem Interview genau das behauptet hatte. Der Krieg, den Holman solchen Zynikern erklärt, wird – das ist der Unterschied – nicht per Halsabschneiden ausgetragen, sondern rein diskursiv.

Holman schreibt gegen das Verdrängen seit Jahren Theo-Sonette, Erinnerungsbücher, Kolumnen. Er ist nicht ganz allein. 2005 bereits gab es den Film „Allerseelen“, in dem holländische Regisseure ihrem Kollegen die Ehre erweisen; es gibt Theo-Rocksongs, es gibt ein schön zerknautschtes Theo-Wandbild in der Amsterdamer Warmoestraat und inzwischen sogar ein Theaterstück über den Mord.

Alles in allem jedoch wirkt das Gedenken übersichtlich und hilflos. Wie hatte Leon de Winter über van Gogh, den Urgroßneffen des Einohrmalers, geschrieben? „Er war in dem Zwergenland, zu dem ihn der Zufall seiner Geburt verurteilt hatte, immer ein unverstandener Künstler geblieben.“ Oder hat man seinen Tod, anders als seine etwas wirren Billigfilme, viel zu gut verstanden? Und hält deswegen lieber betreten den Mund?

Wo bleiben die Gotteslästerungsparagrafen?

Die Reaktionen der politischen Klasse waren jedenfalls eindeutig. Hollands calvinistischer Justizminister Donner forderte bereits vier Tage nach dem Mord – nein, nicht die konsequente Verfolgung religiös motivierter Gewalt. Er rief vielmehr öffentlich nach der Wiedereinführung des Gotteslästerungsparagrafen und gab damit van Gogh implizit selbst die Schuld für sein brutales Ende. Das hat der Tod dieses „Dorfclowns“, wie er sich selber bezeichnete, also deutlich gemacht: wie viel Sorge Politik und Administration inzwischen tragen, damit „uns der Laden nicht um die Ohren fliegt“. So das längst sprichwörtliche Motto des früheren Amsterdamer Bürgermeisters und Oppositionsführers Job Cohen.

In den letzten zehn Jahren ist dies sogar einigermaßen gelungen, obwohl die Niederlande nach van Goghs Tod die erwartbar starke Anti-Islam-Partei des Rechtspopulisten Geert Wilders bekamen, der zur Belohnung für seine Koranphobie unter Personenschutz im Versteck leben muss. Ayaan Hirsi Ali, van Goghs unbeugsame Co-Autorin, hat die Niederlande längst resigniert verlassen und arbeitet lieber in den USA. Vor vier Wochen erst ordnete der aktuelle Justizminister Plasterk neue Ermittlungen zu möglichen Mittätern Bouyeris und sogar zu einer möglichen Verstrickung des holländischen Geheimdienstes AIVD an – auch das nicht gerade ein Indiz dafür, dass der Rechtsstaat schnell reinen Tisch machen konnte.

Nun laufen, pünktlich zum zehnten Jahrestag, in den niederländischen Fernsehnachrichten Hassvideos aus Nahost, auf denen Jugendliche im Amsterdamer Slang drohen, den Feinden des Islam die Köpfe abzuschneiden. Ein paar Hundert dieser Nachahmungstäter befinden sich in Syrien und im Irak. Und während viele Niederländer jetzt merken, dass die Gefahr nicht gebannt, sondern allenfalls übergangsweise exportiert wurde, ist der stumme Nachhall von Theo van Goghs Gnadenruf immer schwerer zu überhören: „Wir können doch drüber reden!“ Aber können wir das wirklich?

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Time am 2. November 2014

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1) http://www.welt.de/kultur/article133887433/Nun-wisst-ihr-auch-was-euch-erwartet.html

Ein counterjihadischer Roman

13. September 2013

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Leon de Winter ist ein aktiver niederländischer Counterjihadi, der häufig in der „Welt“ publiziert. Er hat aktuell einen Roman in und um den Counterjihad verfasst, der von Dirk Schümer in der FAZ vom 10. September mit einer äußerst wohlwollenden Kritik bedacht wurde (1).

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Ziemlich beste Feinde

Leon de Winter hat die ganze Islam- und Zuwanderungsdebatte seiner niederländischen Heimat in seinen neuen Roman gepackt. „Ein gutes Herz“ ist sehr viel mehr geworden als ein unterhaltsamer Terrorthriller.

Der islamistische Ritualmord am niederländischen Filmemacher Theo van Gogh hat 2004 mit einem Schlag harte Fronten im Zivilisationsstreit gezogen: Intellektuelle, die wie der Provokateur Van Gogh für freies Sprechen und böse Satire einstanden, sahen sich plötzlich in Lebensgefahr – bedroht von ebenden Zuwandererkindern, für deren soziale Rechte sie sich als Altlinke eingesetzt hatten. Christdemokraten hingegen müssen seither staatstragend die Multikultigesellschaft verteidigen. Katholiken streiten Seite an Seite mit Salafisten gegen Gotteslästerung. Und einstmals linksextreme Freunde Van Goghs drücken heute den Geheimdiensten alle Daumen, neue Suizidattentäter rechtzeitig aufzuspüren. Diese explosive, absurde Gemengelage schreit – nicht nur in den Niederlanden – nach einer literarischen Ausgestaltung. Leon de Winter hat den ultimativen Roman zu Theo van Goghs Tod und Nachleben geschrieben: „Ein gutes Herz“.

Warum bedeutete dieser Thriller bei seinem Erscheinen in Holland vor gut einem Jahr eine Sensation? De Winter und Van Gogh waren Intimfeinde. Der als Filmemacher und Autor mittelmäßige Van Gogh nahm sich in Kolumnen und Talkshows immer wieder den streitbaren jüdischen Romancier vor: De Winter mache seine Familienvergangenheit – ergo die Schoa – schamlos zu Geld. De Winter sei ein meschuggener Psychopath, der KZ-Stacheldraht sammle und beim Sex immer „Auschwitz, Auschwitz“ rufe. Die abgrundtiefe Geschmacklosigkeit solcher Diskurse ist in Deutschland schwer vorstellbar. Doch Van Gogh wollte als selbsternannter Konzeptkünstler Skandal um jeden Preis, ob er nun Juden schmähte oder die islamischen „Ziegenficker“. Dass er die ersehnten Schlagzeilen dann durch seinen Mörder Mohammed Bouyeri weltweit beschert bekam, ist Ironie und Tragödie gleichermaßen.

Demaskierung einer ganzen Gesellschaft

„Ein gutes Herz“ setzt dem Ermordeten nun zärtlich und zugewandt ein Denkmal: Aus dem Jenseits darf Schutzengel Theo in einen Terrorangriff marokkanischer Jugendlicher gegen Amsterdam entscheidend eingreifen, bevor er endgültig in den quantenphysikalischen Himmel entschwindet. Doch das kommt erst nach 500 Seiten. Allein die Einfühlung in den ziemlich besten Feind ist für De Winter eine charakterliche Großleistung. Der bemerkenswerte Roman geht mit dieser überraschenden Theo-Logie aber erst los.

Der Autor hat nicht mehr und nicht weniger unternommen, als die ganze vielstimmige Islam- und Zuwanderungsdebatte in einen durchaus trivialen Thriller zu verkleiden. Darin treten auf: prominente Politiker mit heruntergelassener Hose, Van Goghs fanatischer Mörder – und am Ende auch der gelinde lächerliche Romancier Leon de Winter selbst.

Eine solche – wirklich komplett fiktive? – Demaskierung nicht nur einer ganzen Gesellschaft, sondern auch des Autors selbst ist unerhört. Man stelle sich zum Vergleich einmal vor, Daniel Kehlmann baute das Liebesleben von Westerwelle, Merkel, Steinbrück, Kehlmann ungerührt in einen wilden Abenteuerroman ein. Dass sich holländische Politprominenz wie der frühere Amsterdamer Bürgermeister Job Cohen oder Ex-Innenminister Piet Hein Donner nicht gerichtlich dagegen gewehrt haben, dass sie im Roman als ein notorischer Schürzenjäger respektive ein verbitterter Frömmler dargestellt sind, ist aus humorloser deutscher Rechtstradition verwunderlich. Und dass Geert Wilders sich – im Roman – mit Todesmut als Geisel für die Terroristen zur Verfügung stellt, verleiht ihm die beste Statur aller Amtsträger – und passt zur politisch angenehm inkorrekten Tendenz der Zeitungskolumnen Leon de Winters, der nicht einsehen will, warum das Einfordern von Freiheitsrechten und begründete Islamkritik inzwischen als rechtsradikal gelten.

Kein Thesenpapier zur Zuwanderungsdebatte

Und doch ist dieser aberwitzige Roman kein Thesenpapier zur Zuwanderungsdebatte geworden. Das liegt zum einen an einer messerscharfen Selbstironie, die man dem Debatteur De Winter in dieser Radikalität kaum zugetraut hätte. Wilders’ politisches Programm kommentiert der Angsthase de Winter illusionslos: „Ein netter Mensch, aber lebensmüde.“ Und der Autor selbst wird zwischen Terroristen und Politikern, Geliebten und entführten Kindern, mutigen Thesen und banalem Alltag von der zunehmend tödlichen Debatte überwältigt. Leon de Winter beschreibt sich als einen hinterfotzigen Jäger von Zeilenhonorar, der für linke Politiker den Ghostwriter macht, um die Rede später in der eigenen Kolumne als kitschigen Unsinn zu verreißen. Und souverän ist De Winter in den eigenen Augen schon gar nicht: Dieser Vorkämpfer des Staates Israel (der in einem anderen Roman Israel zur historischen Totgeburt erklärte) und Warner vor dem Islam (der in diesem Buch die jungen „Bartaffen“-Terroristen mit großer Einfühlung als pubertäre, fast rührende Großmäuler schildert) ist, statt mit der Rettung der Welt, intensiv beschäftigt mit seinem notorischen Übergewicht, Bluthochdruck und dem Trennungsschmerz, nachdem seine Frau Jessica Durlacher mit einem reichen Architekten nach Kalifornien durchgebrannt ist.

Der glückliche Familienvater De Winter macht sich im Roman freilich nur darum zum Junggesellen, damit er sich in die Haupthandlung erotisch einklinken kann: Er wird zum kurzatmigen Lebensgefährten der (leider nur fiktiven) wunderschönen und rätselhaften Sonja Verstraete. Das Geflecht von unwahrscheinlichen, sich immer weiter überbietenden Handlungspointen rund um diese fatale Dame macht die eigentliche Story des Thrillers aus, mit dem der Autor seinen politisch-sozialen Lagebericht transportiert. Wie das Herz eines Lovers von Sonja per Transplantation im Brustkorb ihrer großen Liebe Max Kohn, eines Amsterdamer Drogenbarons, landet und was diese Verpflanzung von Güte und Humanität in einen zynischen Leib an Verkettungen auslöst, lässt sich selbst auf 500 Seiten nicht komplett glaubwürdig konstruieren.

Metaphysischer Roman mit süffigen Zutaten von Simmel oder Le Carré

Diese gewollte Trivialität, diese phantastische Verknüpfung von realen und fiktiven Schicksalen aller Beteiligten hat dem Buch in den Niederlanden harsche Kritik eingebracht: Unglaubwürdig sei das Ganze, allerhöchstens „lecker Leserfutter“. Dabei outet Leon de Winter sich (wohl nicht bloß fiktiv) als Fan „von Krimis und Mystery-Thrillern“, dem literaturtheoretische Debatten gedankenbleicher Postmodernos wurscht sind. Die Leser, die diesem zuckenden Herzmuskel von Handlung beim Pumpen zusehen, sollten indes vorher wissen, dass sie – allen real existierenden Protagonisten zum Trotz – keinen gesellschaftlichen Fotorealismus geboten bekommen, sondern einen metaphysischen Roman mit süffigen Zutaten von Simmel oder Le Carré.

Gerade durch den Auftritt des toten Theo im Himmelshotel übernimmt De Winter jedoch auch selbstbewusst den Staffelstab der Weltdeutung, denn schließlich stiftet auch ein Roman – genau wie jede andere Bibel- und Koranreligion – immanenten Sinn und spiegelt den gläubigen Lesern eine Ordnung im Chaos der Welt vor. Und das ist vielleicht der versteckteste Triumph dieses jüdischen Fabulierers: Er schlägt seine muslimischen und links-agnostischen Widersacher mit den Waffen der Theologie: Es gibt tatsächlich einen Zusammenhang, allerdings nur den vom Autor ausgedachten.

Viel mehr als ein unterhaltsamer, glatter Terrorthriller

Dass die Personenhülsen – allen voran Max, der jüdische Superheld mit dem geschenkten Herzen, aber auch sein naseweises Söhnchen Nathan oder der geile Franziskanerpater und Herzspender Jimmy – alles andere als glaubwürdig wirken und allzu oft genormte, flotte Drehbuchdialoge austauschen, dürfte den Autor keineswegs anfechten. Er hat als Alchimist Zutaten für sein Mirakel gemischt und wohnt, den späteren Film vor Augen, nicht zufällig unweit vom vergötterten Hollywood. „Ein gutes Herz“ – das übrigens auf Deutsch den viel überzeugenderen Titel trägt als das blasse niederländische Original „VSV“ – ist trotzdem sehr viel mehr geworden als ein unterhaltsamer, glatter Terrorthriller.

Indem Leon de Winter die noch so unappetitliche Debatte mit Theo van Gogh, die ein irrer Islamist mit dem Messer abgeschnitten hat, im Buch wieder aufnimmt, stiftet er auch eine Gemeinschaft aller Zivilisierten: Mit Theo konnte man streiten, mit den Korankillern nicht. „Es war“, schreibt De Winter, „schmerzhaft, und man fühlte sich sehr einsam, wenn man permanent von so einem schlauen Wüterich verunglimpft und beleidigt wurde.“ Der Wüterich Van Gogh hat den höchsten Preis bezahlt, den auch ein Kotzbrocken wie er für seine, unsere Lebensform bezahlen kann. Darum stellt sich Leon de Winter mit diesem sonderbar erflunkerten, sonderbar wahrhaftigen Roman an seine Seite. Der Mann hat zu hohen Blutdruck, aber ein gutes Herz.

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Time am 13. September 2013

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1) http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/leon-de-winters-neuer-roman-ein-gutes-herz-ziemlich-beste-feinde-12566380.html

Credo

26. Juli 2013

Credo01

Ausstellungs-Besucher
vor dem berühmten Paulus-Brief an die Römer

In der heutigen FAZ berichtete Dirk Schümer über eine Ausstellung in Paderborn (1). Es wird deutlich, dass das Christentum entgegen dem Inhalt der Lehre als grausames Machtinstrument missbraucht werden konnte. Um wie viel grausamer und mächtiger eine Ideologie wirken kann, die Macht und Grausamkeit sogar verherrlicht, sehen wir an der beklagenswerten Geschichte der mohammedanistischen Sphäre.

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Der Triumph der Galiläer

Das Kreuz mit den nördlichen Stämmen: Wie kam es, dass das Abendland christlich wurde? Eine epochale Ausstellung in Paderborn gibt Antworten.

Christliches Abendland. Dieser Begriff taugt als nüchterne Beschreibung unserer Kultur wie als Kampfbegriff. Ohne Christentum kein Europa. Doch wann und wie ist Europa überhaupt christlich geworden? War das ein langer Prozess oder eine schlagartige Bekehrung? Geschah es durch Überredung oder mit Gewalt? Und vor allem: Warum setzte sich die obskure Sekte aus Galiläa nicht nur im hochzivilisierten Weltreich Rom durch, sondern am Ende auch bei slawischen Waldläufern und grönländischen Wikingern, bei blutgierigen germanischen Kämpfern wie bei feinsinnigen römischen Patrizierinnen? Diese Kernfrage unserer Zivilisation nicht zu beantworten, sondern überhaupt erst zu stellen hat sich bisher noch niemals eine Ausstellung getraut. „Credo“, in der sehr christlichen, aber nicht gerade zentralabendländischen Metropole Paderborn, unternimmt das Wagnis auf grandiose Weise. Und gibt Antworten.

Im Diözesanmuseum auf dem Gelände der einst karolingisch-ottonischen Kirchenburg empfangen Prunkstücke aus der christlichsten aller Städte die Besucher, und das ist nicht Jerusalem. Die ganze Grazie des antiken Formenkanons ist in den jugendlichen Hirten mit Schaf auf dem Buckel geflossen, als den die frühen Christen ihren Heiland in Rom personifizierten. Gar nicht so fern vom strahlenden Stierschlachter Mithras, dessen Kult beinahe das römische Soldatenreich mit demselben Schwung geeint hätte. Der feine Unterschied, der bis heute jeden von uns angeht, liegt in einem DIN-A5-kleinen Papyrusfragment des Paulinischen Römerbriefs: „Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns?“ Dieser Text aus der Chester Beatty Library in Dublin zeigt nicht mehr und nicht weniger als die älteste testamentarische Überlieferung, verfasst um das Jahr 200 von fleißig korrigierenden und schreibenden Gemeindechristen, die es mit dem Wort Gottes – oder seines Knechtes Paulus – sehr genau nahmen. Dieser Text war am Ende mächtiger als alle antiken Götterbilder, die gleich daneben unsere Ehrfurcht wollen.

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Eine Seite des sogenannten „Karlsepos“,
einer bedeutenden karolingischen Handschrift.

Nicht dass die frühen Christen sich dem Wettkampf mit der antiken Schaupracht verweigerten: unfassbar, was aus Rom und den größten Sammlungen an frühchristlichen Kameen, Sarkophagen, Elfenbeinaltärchen, Glasamuletten und bebilderten Epitaphien nach Ostwestfalen ausgeliehen wurde. Am beeindruckendsten vielleicht eine Terrakottalampe (aus Berlin) mit dem Christushirten und winzigen Bibelszenen – ganz frühe christliche Belehrung für den Nachttisch des Neubekehrten. So bescheiden fing die Kirche in namhafter Konkurrenz mit den hochentwickelten jüdischen Symbolen und Texten, die natürlich auch anwesend sind, einst an.

Das Kreuz, das wir heute trotz seines makabren Foltergehalts als Christensymbol selbstverständlich finden, kommt frühestens vom vierten Jahrhundert an in Mode. Der Nahost-Kult musste erst unter und nach Konstantin triumphieren und dann schrittweise vor den Barbaren kapitulieren, bis der tragische Verliereraspekt dieser merkwürdigen Himmelfahrtsreligion im Volk angenommen wurde. Ein Loser am Kreuz machte lange Zeit keinen Stich gegen Jupiter und Co. und wurde deshalb anfangs diskret gegen einen jugendlichen Muskelphilosophen ausgetauscht.

Als Rom dann 411 von den Goten geplündert war, als die Nord- und Ostprovinzen reihenweise den Barbaren überlassen wurden, als Augustinus den Gottesstaat für den besseren Bauplatz hielt und fromme Leute aus Furcht vor neuen Kindern ins Zölibat flüchteten, da triumphierte das Christentum als Glaube durch und gegen die Angst. Und merkwürdigerweise wurden auch die attackierenden Franken, Goten, Alamannen, Vandalen sehr schnell christlich, um schließlich mit den rauchenden Resten der Hochkultur zu verschmelzen, die sie gerade erledigt hatten. Die „Goldscheibe von Limons“ aus Paris führt den Synkretismus von archaisch ornamentierter Sonnenscheibe und rationalem Kruzifix exemplarisch vor. Jesus war nun ein Franke oder Brite. Und die auf Gotisch verfasste Bibelseite des Bischofs Ulfila mit ihrem Purpurgrund ist so einzig, dass sie nur zwanzig Minuten täglich als Original aus dem Schrank kommt.

“Credo“, das am morgigen Freitag mit Bedacht der sehr abendländisch-christliche Bundespräsident Gauck eröffnen wird, kann unendlich kostbare Textflachware vorführen, die seit Generationen kaum ein öffentliches Auge erschaut hat: merowingische Chroniken, Bekehrungsbriefe von Papst Gregor dem Großen – er empfiehlt, alte Tempel nicht gleich abzureißen, sondern aus Kostengründen lieber christlich umzuwidmen. Wir bestaunen ein altsächsisches, heute noch verständliches Taufgelöbnis, ja sogar handschriftliche Apokalypsen-Kommentare des Deutschen-Apostels Bonifatius. Doch kommen diese Sensationen, in denen die konkreten Akte des Übertritts zur neuen Religion formell geregelt werden, kaum an gegen die bildliche Überzeugungskraft von antiken Statuen aus Ephesus, welche die ersten Christen mit einer simplen Kreuzritzung an der Stirn in christliche Weihefiguren umwidmeten: In diesem Zeichen darfst du bleiben. Oder gegen ein Kruzifix, das wie zur Sicherheit im sechsten Jahrhundert in der Gegend von Lausanne noch mit heidnischen Abrakadabrasprüchen gerahmt wurde. Man weiß ja nie.

Die faszinierendsten Zeugnisse dieses langen Akkulturationsprozesses stammen ohnehin von den Zweiflern: etwa vom angelsächsischen Adligen von Prittlewell, der – frisch ausgegraben und erstmals in Kontinentaleuropa zu sehen – sich um 700 christliche Blattgoldkreuze auf die Augen legen ließ, dann aber von einem heidnischen Jenseitsschatz mit Leier, Proviant und Waffen umgeben war. Damit war der Mann sowohl im Paradies wie in Walhall bestens ausgestattet. Wir können gegen solchen Synkretismus in Paderborn das harte Geschäft des Missionars ganz handgreiflich nachvollziehen: Die schwere Handglocke, mit der im germanischen Wald den Heiden imponiert wurde, war ebenso im Gepäck der Columban und Co. wie rührende Minireliqiuare mit Heiligenknöchelchen, welche die wackeren Bibelkämpfer offenbar auch aus persönlicher Angst vorm Martyrium um den Hals trugen.

Und die Bekehrten? Von ihnen, die keine Schrift kannten, kündet keine Zeile, weshalb ihre Verliererposition notgedrungen in der Historie schlecht wegkommt. Doch die zahlreichen Neufunde vorchristlicher Kultgegenstände machen die eigentliche Sensation dieser ohnehin fabulösen Schau aus. All diese Wotans- und Odins-Gläubigen bekommen mehr denn je ein Gesicht, wenn wir ihre winzigen, aber großartig ziselierten Götterfiguren bestaunen. Sehr suggestiv präsentiert die Ausstellung zum ersten Mal überhaupt Funde aus dem schwedischen Heiligtum Uppåkra bei Lund, wo bis etwa 900 die, nennen wir sie: „Germanen“ ihrem nordischen Olymp wundervolle Becher, winzige Goldblechgötzen, Waffen, Tiere im Boden opferten. Die schwedischen Überirdischen akzeptierten als Gaben sogar Kruzifixe, vielleicht einem ungeschickten Missionar entrissen. In Irland kam erst jüngst ein Evangeliar bei Baggerarbeiten zutage, das Heiden damals in einem Ledersack im Moor versenkten. Geholfen hat es nichts.

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Ursprünglich im Kunsthistorischen Museum Wiens beheimatet: Goldene Schale aus dem Schatz von Nagyszentmiklós (sog. „Awarenschatz“) aus dem 7.-9. Jh.

Doch wer waren letztlich die Barbaren? Dass gerade die siegreichen Christen beim Bekehren keineswegs zimperlich waren, führt der zweite Teil der Schau in der frühromanischen Kaiserpfalz vor. Hier stehen wir bewundernd vor Holztotems und heidnischen Menschenopferknochen, Zeugnissen der Zähigkeit der vorchristliche Kulte, die sich nach dem Slawenaufstand von 983 immerhin in weiten Teilen Ostelbiens die Christen für fast zweihundert Jahre vom Halse halten konnten. Was wir heute durch Archäologie von slawischen Rundlingsburgen, ihrer ziselierten Metallkunst, ihren Waffen wissen, stärkt nur den Respekt.

Anfangs verhalf nur die blutige Bekehrung mit dem Schwert durch den fränkischen König Karl, den man später dafür den „Großen“ taufte, dem stockenden Christentum zum Sieg. Nicht einmal dessen Hofintellektuellen Alkuin gefiel dieses Killerchristentum, das gleichwohl in Rom gut ankam. Am längsten konnten, wie neuere Ausgrabungen von Wotansanhängern in Gräbern des fünfzehnten Jahrhunderts beweisen, die sturen Litauer die Frohbotschaft verschmähen.

Irgendwann danach, das führt uns diese epochale Ausstellung unwiderleglich vor, war das Abendland dann tatsächlich christlich geworden und trug seine ansteckende Konfession mit Bibel, Bazille und Schwert weiter in die Welt. Mag man den Triumph der Galiläer, in welcher Überlieferung und Abwandlung durch Römer und Barbaren auch immer, für Gottes Werk oder für eine brutale Planierung spannender Kulturvielfalt erachten – wir überblicken da eine sehr lange, sehr komplexe Historie, die nun abgeschlossen ist. Heute – und das ist die Pointe von „Credo“ – ist das christliche Abendland nämlich Geschichte.

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Time am 26. Juli 2013

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1) http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst/ausstellung-credo-in-paderborn-der-triumph-der-galilaeer-12294809.html

Prinz Eugen, der Türkenjäger

4. Mai 2010

Menschen, die sich in der Vergangenheit große Verdienste in Bezug auf die Bewahrung des europäischen Kontinents vor der mohammedanistischen Unterjochung erworben haben, sind derzeit von den (überwiegend links“intellektuellen“) Medienschaffenden nicht mehr wohl gelitten.

Einen ganz Großen sollte es in der gestrigen FAZ erwischen: Eugen Franz, Prinz von Savoyen-Carignan (fr: François-Eugène de Savoie-Carignan, it: Eugenio di Savoia-Carignano;* 18. Oktober 1663 in Paris; † 21. April 1736 in Wien). Bekannt als Prinz Eugen, war er, so Wiki (1), „einer der berühmtesten Feldherren des Hauses Österreich und wesentliche Stütze der Großmachtstellung Österreichs innerhalb Europas.“

Er führte etliche Kriege gegen die türkischen Mohammedanisten und fügte ihnen regelmäßig verheerende Niederlagen zu. In der „Schlacht am Kalenberg“ (1683) z.B. betrug das Verhältnis der Verluste (2) 5.000 der Unseren gegenüber 15.000 Orks. Dramatisch war der Unterschied 1697 in der „Schlacht bei Zenta“ (3): 429 Unsrige gegenüber 25.000 Orks. Noch härter traf es die Türken 1716 in der „Schlacht bei Peterwardain“ (4): Hier starben 5.000 der Unseren, während 10.000 – 30.000 (Tabelle) bzw. 100.000 Orks (Text) ihr Leben ließen. In der „Schlacht von Belgrad“ im nächsten Jahr erwischte es nochmal 20.000 Mohammedanisten (5).

Bei seinen Soldaten war Prinz Eugen außerordentlich beliebt. Wiki: „Die Popularität des Prinzen war schon zu Lebzeiten ungeheuer, nicht zuletzt bei seinen Soldaten. Diese behandelte er nicht als gesichtslose Masse, sondern er versuchte, sie im Namen höherer Ideale zu mobilisieren. Er führte seine Truppen meist persönlich in die Schlacht und wurde dreizehnmal verwundet.“ Wiki über die Schlacht von Belgrad: „Als die ersten Stunden der Schlacht geschlagen waren und es langsam hell wurde, bemerkte man eine Lücke im Zentrum der Kaiserlichen, die die Osmanen für einen Gegenangriff nutzten. Eugen schickte seine Reserven in die Lücke und begab sich selbst an die Spitze der Kavallerie.“

Die Popularität des Prinzen war nicht nur bei seinen Soldaten groß sondern auch bei seinen Bediensteten. Diesen gegenüber war er sozial, die Gärtner seiner Schlösser etwa wurden auch im Winter weiter beschäftigt. Wiki berichtet weiterhin: „Daneben war er als Bauherr und Kunstsammler einer der bedeutendsten Mäzene seiner Zeit.“

Und weiter: „Eugen war neben alldem auch ein kluger Diplomat und Ratgeber dreier Kaiser (Leopold I., Joseph I. und Karl VI.). Abgesehen von der erwähnten diplomatischen Mission zu Königin Anne führte er 1709 die Verhandlungen zum Haager Friedenspräliminar und 1714 die zum Frieden von Rastatt und Baden. Seine Loyalität zum Haus Österreich ging so weit, dass er 1732 sogar die polnische Krone ablehnte, welche ihm die russische Zarin Anna angeboten hatte. Diese Loyalität, gemeinsam mit seiner militärischen Begabung, machten ihn zum Architekten der Großmachtstellung Österreichs und sicherten ihm Popularität und Nachruhm.“

Dabei hatte er eigentlich Geistlicher werden sollen: „Eugen wuchs am Hof Ludwigs XIV. auf und war für die geistliche Laufbahn bestimmt. Bereits mit fünfzehn Jahren besaß er zwei Abteien, weshalb er bei Hofe ‚der kleine Abbé‘ genannt wurde.“

Was nun weiß Dirk („Partytime“) Schümer (6), der bereits negativ durch seine Verteidigung Tarik Rammeltags aufgefallen ist (7), über diesen europäischen Helden zu berichten? Lesen Sie selbst.

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Der ENTENJÄGER als HAUDEGEN und DAME

Eine Ausstellung im Wiener Belvedere
zeigt den legendären Prinz Eugen

Zu Gast beim Hausherrn selbst – diese Vorstellung beflügelt jeden Besucher bei einer Ausstellung über Prinz Eugen im Wiener Belvedere. Denn niemand anders als der habsburgische Feldherr Eugen von Savoyen war es ja, der diese phantastische Doppelanlage zweier Gartenpalais samt großem Park südlich der Wiener Altstadt Anfang des achtzehnten Jahrhunderts errichten ließ. Doch der Genius Loci scheint die Ausstellungsmacher keineswegs beflügelt zu haben: Ausgerechnet über eine der schillerndsten Gestalten des europäischen Barock erfährt man in ihrem Sommersitz nur das Nötigste. Vielleicht liegt es auch am Hausherrn selbst, dass die Schau angesichts der magnifiken Szenerie eher mager wirkt. Der HALSSTARRIGE greise Eugen hatte es versäumt, vor seinem Ableben im Jahr 1736 ein Testament aufzusetzen, seine Habe zerstob in alle Welt.

Eine FRIVOLE, HÄSSLICHE Nichte erbte – neben einer Menagerie, deren kostbare Wildtiere verkauft und einige sogar zu Tode geschunden wurden – eine der größten Bibliotheken ihrer Zeit, diverse Schlösser, Mobiliar und eine beachtliche Kunstsammlung, nur um sich sogleich mit dem NICHTSNUTZIGEN Belami, dem Fürsten von Sachsen-Hildburghausen zu verheiraten, der alle Herrlichkeiten in Kürze VERSCHLEUDERTE. Doch auch vom wenigen, das durch das Eingreifen des Kaiserhauses in Österreich verblieb, hätte man gern mehr gesehen als endlos viel FLACHWARE: Stiche von Gemälden, Hinweise auf Schlossmobiliar, Perückenporträts von Weggefährten, Verträge und Tagesbefehle oder die Kupferstiche berühmter Zeitgenossen, die heute zum Bestand der Albertina zählen.

Natürlich konnte man nicht die längst verstorbenen Nasenbären und Papageien der Menagerie aus dem Belvedere ins Museum holen. Doch ein anderes ist die überzeitliche Musik: außer einer zeitgenössischen Erzlaute mit Tabulaturen für des Prinzen persönliche Ergötzung (Lauten waren ideale, weil transportable Instrumente auf Feldzügen und der Jagd) hören wir nichts von der namhaften Wiener MUSIKKULTUR jener Jahre, die mit Caldara und Conti großartige Klangpracht hervorbrachte. Stattdessen lädt die Schau in ein Musikkabinett, wo ein Bundeswehrchor mit soldatischer SCHMUCKLOSIGKEIT Loewes MARKIGE Ballade vom edlen Ritter SCHMETTERT. Dem Gehör des FEINSINNIGEN Prinzen hätte das WENIG geschmeichelt.

Doch es ist auch kompliziert, in Vitrinen den IRREN Lebenslauf dieses in Frankreich FAHNENFLÜCHTIGEN GLÜCKSRITTERS zu zeichnen, der als Sohn einer später wegen GIFTMORDES DURCHGEBRANNTEN ABENTEURERIN in Paris eine VERNACHLÄSSIGTE Jugend durchlebte, um dann 1683 als HABENICHTS PÜNKTLICH zur Belagerung Wiens durch die Türken anzukommen und sich SCHRITT UM SCHRITT, vorzugsweise mit Siegen über ebendiese Türken, zum legendärsten Feldherrn Alteuropas hochzuarbeiten. Mit welchen Techniken der persönlich todesmutige Mann siegte? Nach dem Studium allerhand bunter Schlachtenbilder und Landkarten wird das NICHT recht deutlich.

PUTZIG wirken angesichts der Gemetzel zwei Wachsstatuen von bettelnden türkischen Gefangenen in Ketten. Kostbare Flinten jener Tage zeugen davon, dass er EHER die ENTEN- und WILDSAUBESTÄNDE seiner Seen und Waldungen DEZIMIERTE denn die TÜRKISCHEN Ränge. Die Schlachten dieser allzeit auf PFERDEN verewigten MILITÄRS wurden OHNEHIN vom NACHSCHUB und von der ARTILLERIE entschieden, bevor es ins ENTSPANNENDE Winterlager ging. Dass es aber in den VERMEINTLICHEN Kavaliersbataillen versippter europäischer Aristokraten immer auch blutig zugehen konnte, beweisen zierliche Spritzer auf den Handschuhen des französischen Generals Camille de Tallard, der 1704 bei Höchstädt im Spanischen Erbfolgekrieg in Eugens Gefangenschaft geriet; seine notorische KURZSICHTIGKEIT hatte den VERWIRRTEN Franzosen im Pulverdampf die verkehrte RICHTUNG einschlagen lassen.

Solch Schicksal blieb dem SCHARFSICHTIGEM Haudegen Eugen, der das KRIEGSGLÜCK gepachtet hatte, stets erspart. Wir sehen seine VERSCHRECKT und HEXENSCHÜSSIG dreinblickende APOTHEOSE in wuchtigem Marmor durch den Bildhauer Balthasar Permoser – das naturgetreue Werk gefiel dem Auftraggeber nicht sonderlich. Was wir hingegen nicht sehen und leider auch kaum erklärt bekommen, ist die komplizierte ÖKONOMIE des Krieges mit FOURAGEN (Verpflegung, T.), STEUERN, Pionierwerken, Militärgrenzregime und brutalen AUSHEBUNGEN, die aus Eugen langsam einen SUPERREICHEN machte. Der KNAUSRIGE Feldherr verstand das knallharte Kriegsgeschäft seiner Zeit mit GEWINN abzuschließen. Der MENSCH hinter dem Oberbefehlshaber bleibt dennoch ein RÄTSEL. Aber das ist merkwürdigerweise oft so in einer Zeit, deren Protagonisten augenscheinlich an NICHTS so sehr arbeiteten wie an ihrer ERSCHEINUNG. Dass der magere, MÜRBBACKIGE Eugen ABGRUNDTIEF HÄSSLICH war, KONNTEN Zeitgenossen EBENSO überliefern wie seine Abneigung gegenüber Frauenbeziehungen. Liselotte von der Pfalz schrieb, dass der junge Eugen in Paris den gutgewachsenen Monsieurs am liebsten „als DAME“ gedient habe. JEDENFALLS blieb er trotz Versuchen des Kaisers, ihn mitsamt dem riesigen Erbe habsburgnah unter die Haube zu bringen, zeitlebens ein Hagestolz. Persönlich soll er eher scheu und zurückgezogen gewesen sein, ein barocker Stoiker eben, was man angesichts seiner beziehungslos-kühlen Jugendjahre und dem spartanischen Leben im Felde gut verstünde.

Nur eines steht FELSENFEST: Ein EDLER Ritter war der KRIEGSUNTERNEHMER Eugen MITNICHTEN. Und als SÖLDNER seines HERRN sicher auch KEIN „deutscher“ Nationalheld gegen welsche Falschheit, wie das spätere Historiker so gern verzeichnen wollten. NICHT einmal die katholische FRÖMMIGKEIT bietet in diesen wechselvollen Zeiten eine Gewähr, wie christliche Renegatengeneräle bei den Türken zur Genüge beweisen.

Das Wesentliche dieser MÄRCHENHAFTEN Militärbiographie aber, den TRAUMWANDLERISCHEN Aufstieg dieses zähen MÄNNLEINS auf der HÖFISCHEN INTRIGENTREPPE, den IRRWITZ der HOFHALTUNG, die HABITUELLE (gewohnheitsmäßige, charaktereigene, T.) VERSCHWENDUNG, die spätere MYSTISIERUNG – das alles müsste man sich, gäbe es denn nur eine ausführliche Biographie, woanders gründlicher erschließen.

Möglichkeiten, Eugen zu begegnen, gibt es dennoch genug: Gleich draußen vor der Ausstellung sprühen noch gar nicht so lange wieder die spektakulären Brunnenbecken im Belvederegarten ihre Kaskaden. Das atemberaubende Schloss Hof an der March, der GAR NICHT bescheidene Jagdsitz des Prinzen, ist seit ein paar Jahren perfekt restauriert und original möbliert zugänglich. Und im ungarischen Ráckeve, wo sich der Türkensieger im eroberten Feindesland SOGLEICH ein stilvolles, an ein Heerlager erinnerndes Zeltschlösschen errichten ließ, kann man sogar als Hotelgast wohnen. Als CHAOTISCHER Erbonkel dürfte Prinz Eugen TRAGISCH VERSAGT haben, doch GLORIOS überlebt hat der Feldherr als BAUHERR. Bis 6. Juni, der Katalog kostet 38 Euro.

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Bürgerlichkeit bedeutet für mich als Bürger nicht ein neidvoller Rundumschlag gegen großartige Persönlichkeiten einer vergangenen Epoche, in denen noch nicht die Bürger die maßgeblich handelnde Klasse waren (sondern der Adel).

Wenn man aber dem fest im Fleische stehenden Schümer folgt, stammt Prinz Eugen aus familiär und finanziell völlig zerrütteten Verhältnissen, desertierte in Frankreich, schloss sich den Kriegen gegen die Türken, die ohnehin schon gewonnen und überwiegend eine eher entspannende Angelegenheit waren, aus Gewinnsucht an und fing einmal zufällig einen französischen General. Er war laut Dirk „Partytime“ Schümer todesmutig und feige, unglaublich hässlich, knauserig, intrigant, ein Scharlatan, Verschwender und chaotischer Versager. Zudem war er schwul. Wiki: „Über Prinz Eugen waren bereits zu seinen Lebzeiten Gedichte im Umlauf (Mars ohne Venus), die ihm Homosexualität unterstellten. Bis heute wird er regelmäßig in Listen berühmter Homosexueller geführt, wenngleich darüber keine Klarheit herrscht und diese Annahme nur auf Gerüchten beruht.“ Aber für den ja wirklich wahnsinnig gut aussehenden Dirk steht diese Behauptung, die er despektierlich einsetzt, felsenfest, ebenso wie die Schlussfolgerung, dass Eugen alles andere als ein „edler Ritter“ sondern vielmehr ein schnöder Kriegsgewinnler war.

Da geriert sich der speckbackige Windbeutel Schümer („Kinn hoch – alle beide!“) so, als habe er im Geist des investigativen Journalismus nun endlich mit einem weitverbreiteten Irrtum aufgeräumt, aber er bietet doch nur wenig mehr als Lügen, Halblügen, Vermutungen und Herabsetzungen. Tatsächlich ist sein Motiv offenkundig.

Warum der Neid und Hass? Weil uns Prinz Eugen einst von der mohammedanistischen Plage befreit hat, und das ist in einem Europa, das heutzutage vor der erneuten Übernahme durch die Orks steht – was ihre Agenten und die masochistischen Dimmis kaum erwarten können – natürlich NICHT korrekt.

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Time am 4. Mai 2010

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auch:
Das Gemälde ist von Jakob van Schuppen:

Federn, Teer, Tarik…

26. August 2009

Geerts „Freiheitspartei“ kann ein Ereignis mE. zu Recht als „längst überfällig begrüßen“ (FAZ v. 250809), und das ist die Entlassung von Takija-Meister Tarik Rammeltag aus dem niederländischen Staatsdienst.

Nicht, dass etwa endlich eine Renaissance der „Berufsverbote“ (der deutschen Brally-Windt-Regierung gegen kommunistische Umtriebe im Staatsdienst) gegen den Mohammedanismus bevorstände, soweit ist man wohl noch nicht. Aber immerhin war es in Rotterdam offenbar nicht mehr akzeptabel, dass Tarik (1) wesentliche Nebeneinkünfte als Mitarbeiter eines Senders erzielte, der vollständig von den iranischen Mullas kontrolliert wird.

Im Zuge der gefälschten Wahl und den folgenden Protesten, Verhaftungen, Folterungen und Ermordungen im Iran hatten viele Mitarbeiter bei „Press TV“ gekündigt. Nicht so Mr. Rammeltag (wobei ich persönlich den Anteil seiner Eitelkeit und Gewinnsucht erheblich höher einschätze als den ideologischen.).

Zur Erinnerung, der kleine Tarik ist der Enkel von Hassan al Banna, dem Gründer der „Muslimbruderschaft“, also einer der unbedingt bedeutendsten Gruppen des Nazislamismus. Er macht auf „Brückenbau“ a la An‘ Naim (2 + 3 ) und gockelt mindestens ebenso sehr wie dieser. Dirk Schümer in der FAZ: „Die französische Laizistin Caroline Fourest hat ihn in ihrem Buch ‚Frère Tariq‘ BEZICHTIGT, mit gespaltener Zunge zu sprechen, vor Muslimen den Kampf gegen die westliche Dekadenz zu predigen und im Westen den Frieden.“

Dirkie ist in sozialdemokratischer Weise ein bißchen dafür und auch ein bißchen dagegen, und die Headline seines Artikel hat deshalb vermutlich eher FAZ-Ali1 WGL verbrochen, denn sie lautet: „UNTERRICHTSVERBOT wegen unangemeldeter Nebentätigkeit“.

Heyheyhey, nun, mal gaaaanz langsam! Hier geht es eben leider nicht um ein (mE. dringend notwendiges) Unterrichts- oder Berufsverbot, wie die FAZ nahelegen will, sondern schlicht und einfach um die Auflösung eines ARBEITSVERTRAGES (aus, wie ich meine, nachvollziehbaren Gründen). Ich selbst lehre auch nicht an der Erasmus-Universität noch an irgendeiner anderen! Kann ich mich deshalb vor der Weltöffentlichkeit in die Brust werfen und behaupten: „LehrVERBOT für TIME?“ Ich bitte Sie…

Nein, für die Holländer gelten offenbar, so scheint Schümer nahezulegen, grade weil sie IMMER so tolerant und aufgeschlossen seien, ganz andere Gesetze, als für den Rest der Welt (natürlich insbesondere der mohammedanistischen, die foltern kann, solange sie will – ist ja ein Kulturgut dort), nämlich die Gesetze der sich freiwillig als Futter für die Raubtiere zur Verfügung stellenden Kreatur: „Ins bürgerlich-tolerante Holland kamen einst Gelehrte wie René Descartes, weil sie im autoritären Resteuropa verfolgt wurden. Amsterdam mit seinen Druckereien war vor und in der Aufklärungszeit der sichere Hafen für alles kontroverse Gedankengut, vor allem in Religionsfragen. Die Erasmus-Universität setzt in ihrem Selbstverständnis diese Tradition der niederländischen Toleranz fort. Und war nicht vor siebzig Jahren der greise und weltberühmte Professor Johan Huizinga in Leiden lieber in deutsche Geiselhaft gegangen, als den Rauswurf jüdischer Kollegen durch die Besatzer zu dulden?“

Das Megageschütz Descartes wird aufgefahren und wir sehen nun den armen Tarik in seiner Rolle als angeblichen Nachfahren der europäischen JUDEN, Tarik, den mohammedanistischen „Märtyrer“.

Tatsächlich ist das „Kerngeschäft“ des Nazi-Senders „Press-TV“, wie Kolumnist Afshin Ellian feststellte, „Propaganda gegen Israel“. Ellian habe, so Schümer, den kleinen Tarik „als Agenten des Salafismus, der kämpferischen Orientierung an der Prophetenzeit“ bezeichnet.

Das ist wirklich ein schnuckeliges Bonbon zum Schluß, das mit dem „Salafismus“ als der „kämpferischen Orientierung an der Prophetenzeit“: Als ob es NACH der „Propheten“-Zeit in geringster Weise weniger blutrünstig abgelaufen wäre mit dem Mohammedanismus!

Time am 26. August 2009

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(1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/28/tarik-rammeltag/

(2) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/05/27/an-na%e2%80%99ims-medicine-show/

(3) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/05/27/du-schaffst-gut/

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PS1.: Hier ein unbedingt lesenswertes Interview mit Rammeltag von 2004 (Tip: Monalisa), seitdem frißt er täglich ein Pfund Kreide…  http://www.weltwoche.ch/no_cache/ausgaben/2004-47/artikel-2004-47-sie-sind-ein-arroganter-mensch.html?mode=print

PS2.: Die USA haben Tarik R. schon vor längerer Zeit Einreiseverbot erteilt…