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Leserbrief-Counterjihad (#36)

2. Oktober 2013

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Dr. Hans Rühle (1), Experte für die Weitergabe von Atomtechnologie und -Waffen und von 1982 bis 1988 Leiter des Planungsstabes im Verteidigungsministerium, war schon mehrmals (ungefragter) Gast in der MoT (2).

Die heutige FAZ brachte einen Leserbrief von ihm, in dem er mit den Teilen der deutschen Industrie und auch der Regierung abrechnet, die bereitwilligst die Orks mit Bestandteilen zur Herstellung von Massenvernichtungswaffen versorgt haben.

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Die Industrie wusste Bescheid

Die Fakten sind eindeutig. Deutsche Firmen haben Syrien in den Jahren 2002 bis 2006 137 Tonnen Chemikalien geliefert, die auch zur Herstellung von Chemiewaffen geeignet sind. Die Ausfuhrgenehmigung sei erst, so das Wirtschaftsministerium, nach „sorgfältiger Prüfung aller eventuellen Risiken einschließlich von Missbrauchs- und Umleitungsgefahren im Hinblick auf mögliche Verwendungen in Zusammenhang mit Chemiewaffen erteilt“ worden. Dann folgt der entscheidende Satz: „In allen diesen Fällen wurde die geplante zivile Verwendung der Güter plausibel dargestellt.“ Mit dieser Begründung einer „plausibel dargestellten“ zivilen Verwendung hat die deutsche Industrie seit den siebziger Jahren alles geliefert, was man zur Produktion von Massenvernichtungswaffen brauchte und sich gerade noch unter eine „zivile Verwendung“ subsumieren ließ. Eine besondere Variante entwickelte die deutsche Industrie hierbei mit der Ausrede, die ausgeführten Produkte eigneten sich insbesondere zur Herstellung von Zahnpasta. So auch im vorliegenden Fall. Allerdings gibt es hierzu im Augenblick keine belastbaren Informationen, wozu die gelieferten Chemikalien tatsächlich verwendet wurden.

In einem anderen „Zahnpasta-Fall“ sieht die Lage anders aus. Wie der Journalist Egmont Koch in seinem 2005 erschienenen Buch „Atomwaffen für Al Qaida“ schreibt, wurde Ende der siebziger Jahre von deutschen Behörden die Ausfuhr einer „für die Zahnpastaherstellung“ deklarierten Fluorfabrik genehmigt. In Wirklichkeit handelte es sich um die zentrale Konversionsanlage für das pakistanische Nuklearwaffenprogramm. Die Anlage, mit der verdichtetes Uranerz in das zentrifugenfähige Uranhexafluorid (UF6) umgewandelt werden sollte, wurde im April 1977, das heißt zu Zeiten der Regierung Schmidt/Genscher, auf 62 Lastwagen verladen und nach Pakistan gebracht. Alle Beteiligten auf Seiten der Industrie kannten den wahren Verwendungszweck der gelieferten Anlage – und wurden hierfür später mit Bagatellstrafen belegt. Bundesbehörden und Politik allerdings wuschen ihre Hände in Unschuld.

Da im Übrigen auch die pakistanischen Zentrifugen nichts anderes waren als Nachbauten der vom späteren Atomschmuggler Abdul K. Khan während seiner Tätigkeit als Metallurg im deutsch-niederländischen Industriekonsortium Urenco gestohlenen Zentrifuge G-1, kann man die fatale Feststellung treffen, dass das pakistanische Atomwaffenprogramm in seinen zentralen Bestandteilen – Konversion und Anreicherung – überwiegend deutschen Ursprungs ist. Dies ist von aktueller Bedeutung, weil die Nuklearisierung Irans ohne die geheime Lieferung pakistanischer Zentrifugen nicht möglich gewesen wäre.

Was bleibt, ist der bescheidene Rat an Politik und einschlägige Bundesbehörden, bei Exportanträgen mit dem Verwendungszweck „Zahnpastafabrik“ genauer als bisher hinzusehen. Im Übrigen sollte sich die deutsche Außenpolitik immer der Tatsache bewusst sein, dass auch Deutschland bei der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen nicht ohne Schuld ist.

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Time am 2. Oktober 2013

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1) http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Rühle
2) https://madrasaoftime.wordpress.com/2012/01/31/triebkraft-des-globalen-jihad/

Triebkraft des globalen Jihad

31. Januar 2012

Bei „Welt-Online“ berichtete Dr. Hans Rühle, Experte für die Weitergabe von Atomtechnologie und -waffen und von 1982 bis 1988 Leiter des Planungsstabes im Verteidigungsministerium, gestern über das Forschungsprojekt des amerikanischen Wissenschaftlers Arnon Groiss, der die naziranischen Schulbücher untersuchte, die in der Regierungszeit des „moderaten“ „Reformers“ Katamie veröffentlicht wurden (1). Einen deutschsprachigen Überblick kann man auf der sehr interessanten Seite „IMPACT-SE“ runterladen (2).

Die Forschungsergebnisse machen einmal mehr deutlich, dass Naziran (3) die wohl wesentlichste Triebkraft des aktuellen, globalen Jihad ist, und dass dem Regime alles, wirklich alles zuzutrauen ist. 

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Iran gegen den Westen

„Die Herzen der Schüler sollen von Hass erfüllt sein“

Erschreckende Studie über iranische Schulbücher: Der Iran siegt demnach immer – durch Erreichen einer islamischen Weltherrschaft oder kollektives Märtyrertum.

Es sind die alten Männer in Teheran, die Etablierten, die die iranische Politik bestimmen. Mit einem Regimewechsel, zumal der Übergabe an eine jüngere Generation, könnte die neue Regierung endlich Reformen durchsetzen und außenpolitisch weniger konfliktorientiert auftreten – so die Hoffnung vieler Beobachter. Eine Analyse aktueller iranischer Schulbücher lässt jedoch Zweifel aufkommen.

Der US-Wissenschaftler Arnon Groiss hat im Auftrag des Center for Monitoring the Impact of Peace 95 im Jahr 2004 erschienene Schulbücher für alle Jahrgänge und 20 überwiegend nach dem Jahr 2000 erschienene Lehrerhandbücher ausgewertet, auf 300 Seiten mit mehr als 1000 Textbeispielen.

Allah in allem gefällig sein

Die Ergebnisse sind erschreckend. Und zugleich ernüchternd, weil die untersuchten Schulbücher alle in der Regierungszeit des „Reformers“ Chatami erarbeitet und eingeführt wurden. Der Versuch Chatamis, mit einem neuen Schulfach „Dialog der Kulturen“ die seit 1979 verordnete Indoktrination aufzubrechen, ist offensichtlich gescheitert. Alle Schulbücher und Lehrerhandbücher sind ganz im Geist der islamischen Revolution Khomeinis verfasst. Er ist dann auch der Kronzeuge für alle Forderungen an die junge Generation.

In allen Schulbüchern wird festgestellt, dass die islamische Revolution von 1979 ein besonderes historisches Phänomen geschaffen hat: die erste islamische Herrschaft seit 1400 Jahren – einen islamischen Gottesstaat. Dessen Selbstverständnis ist es, Allah in allem gefällig zu sein, das Volk zu den wirklichen Freuden des Jenseits zu führen und den Islam in der Welt zu verbreiten. Da die islamische Revolution nicht nur als Sieg über die Unterdrückung durch das Schah-Regime, sondern auch als Höhepunkt des Kampfes gegen seine ausländischen Unterstützer gewertet wird, hat sie von Anfang an eine internationale Dimension.

Der Iran hat die religiöse Pflicht, die islamische Revolution zu globalisieren und den lokalen Sieg in einen universellen zu verwandeln. In einem Schulbuch für die 7. Klasse heißt es hierzu: „Um jetzt die islamische Revolution fortzuführen, ist es unsere Pflicht, unter Einsatz unserer ganzen Kraft den Aufstand gegen die Arroganten (gemeint sind die USA) und die Unterdrücker zu führen und nicht aufzugeben, bevor alle Gebote des Islam und die Verbreitung der erlösenden Botschaft ‚Es gibt keinen Gott außer Allah‘ die ganze Welt erreicht hat.“

Dieses Zitat ist symptomatisch für die durchgängige Darstellung einer geteilten Welt: auf der einen Seite die „Herrschenden“, die „Unterdrücker“, auf der anderen die „Beherrschten“, die „Unterdrückten“ – „Böse“ und „Gute“. Der Iran sieht sich auch nach der islamischen Revolution in der zweiten Gruppe: „Wir sind die ewig Unterdrückten der Geschichte. Beraubt und barfuß, haben wir niemanden außer Allah.“ Dieses (Komeni-, T.) Zitat findet sich in vielen Schulbüchern.

„Verwestlichung“ innerhalb der muslimischen Staaten

In den iranischen Schulbüchern gehört die große Mehrheit der Nationen in diese Kategorie, spielt aber kaum eine Rolle. Denn die Muslime sind es, die dazu bestimmt sind, die Last des Krieges gegen die Unterdrücker zu tragen und auch die anderen zu befreien. Die Führung in diesem Kampf reklamiert der Iran zwar nicht ausdrücklich für sich selbst, aus dem Kontext wird jedoch deutlich, dass er sich hierzu berufen fühlt.

Zum einen wird dies mit dem geringsten Grad an „Verwestlichung“ innerhalb der muslimischen Staaten begründet. Zum anderen habe der Iran durch den Wechsel seines Status von einem Land, das unter der Regierung des Schah mit dem Westen kooperierte, zu einem erbitterten Gegner des Westens die ersten Schritte auf dem Weg in den Krieg schon unternommen.

Kulturelle Dimension der Auseinandersetzung

Die Gegner in diesem Kampf, die „Unterdrücker“, sind die USA und ihre Verbündeten. Ihr Ziel sei es, „den Besitz der schwachen Nationen zu plündern und sie zu versklaven“. Dafür setzten sie militärische, politische, wirtschaftliche und kulturelle Mittel ein. Die kulturelle Dimension der Auseinandersetzung spielt in den iranischen Schulbüchern eine besondere Rolle. Die westliche Kultur gilt als eigentliche Herausforderung für die muslimische Welt.

Die „moralische Korruption“ des Westens wird daher auf vielfältige Weise illustriert. Nach Khomeini hat diese westliche Kultur sogar eine verführerische Form des Islam geschaffen – den „amerikanischen Islam“: „den kapitalistischen Islam, den Islam der Arroganten, den Islam der unbesorgten Reichen, den Islam der Hypokriten, den Islam der Trostsuchenden, den Islam der Opportunisten“.

Aufruf an „Muslime aller Länder der Welt“

Da die Unterdrücker keine Ruhe geben würden, bis sie „euch aus eurer muslimischen Identität vertrieben haben“, sollten sich alle Muslime entschließen, „die Zähne des amerikanischen Mundes zu zerschlagen“ (Lehrbuch 11. Klasse). In diesem Zusammenhang wird vielfach Khomeinis Aufruf an die „Muslime aller Länder der Welt“ zitiert:

„Da euch unter der Herrschaft der Fremden ein langsamer Tod auferlegt wurde, sollt ihr die Furcht vor dem Tod überwinden und die leidenschaftliche und das Märtyrertum suchende Jugend, die bereit ist, die Grenzen der Ungläubigen zu sprengen, einsetzen. Denkt nicht einmal daran, den Status quo fortbestehen zu lassen. Denkt vielmehr daran, aus der Gefangenschaft zu fliehen, der Sklaverei zu entkommen und die Feinde des Islam anzugreifen. Ruhm und Leben liegen im Kampf, und der erste Schritt des Kampfes liegt im Bestehen des Willens. Danach kommt die Entscheidung, dass ihr euch das Verbot auferlegt, euch der Vorherrschaft der Welt des Unglaubens und des Polytheismus zu unterwerfen, besonders Amerika.“

Als eine Form des Dschihad soll dieser Krieg zum Sieg des Islam in der ganzen Welt führen. Garantiert ist dieser Sieg jedoch nicht. Es ist die Entscheidung Allahs, den Muslimen den Sieg zu schenken oder das Märtyrertum zu ermöglichen. In beiden Fällen sind sie nach eigener Überzeugung die wahren Sieger.

In Khomeinis viel zitierten Worten: „Ich erkläre der ganzen Welt völlig eindeutig: Wenn die Weltenverschlinger (die USA und ihre Verbündeten) sich gegen unsere Religion stellen wollen, werden wir uns gegen die gesamte Welt stellen und werden nicht nachgeben, bevor sie alle ausgelöscht sind. Entweder werden wir alle befreit, oder wir gehen alle in die größere Freiheit – das Märtyrertum. (…) Entweder schütteln wir uns in der Freude über den Sieg des Islam in der Welt die Hand, oder wir wählen alle das ewige Leben und das Märtyrertum. In beiden Fällen gehören uns Sieg und Erfolg.“

„Völliger Sieg über die Welt der Ungläubigkeit“

Diese Sicht der Dinge wird verständlich, wenn man sich die unveränderlichen Ziele des Islam in diesem totalen Krieg vergegenwärtigt: „völliger Sieg über die Welt der Ungläubigkeit und der Arroganz, die Ausrottung jeder Unterdrückung, das Erscheinen des Meisters der Zeit (des Verborgenen Imams) und die Einführung der Weltregierung des Islam“.

Die Aufnahme des schiitischen messianischen Gedankens der Wiederkehr des Verborgenen Imams in die Liste der Kriegsziele verwandelt die Auseinandersetzung in eine Art schiitisches Armageddon zwischen den Kräften des Guten und des Bösen. Wer als Muslim in diesem Kampf getötet wird, ist Märtyrer, der im Koran glorifiziert wird und dem das Paradies versprochen ist. Weit bedeutsamer ist aber, dass mit den zitierten Aussagen Khomeinis auch das kollektive Märtyrertum des iranischen Volkes als möglich und sinnvoll – als „Sieg“ – dargestellt wird.

„Amerika – der große Satan“

Um in diesem totalen Krieg bestehen zu können, bedarf es eines unbändigen Hasses auf die potenziellen Gegner. „Die Herzen der Schüler sollen vom Hass gegenüber den ‚Arroganten‘ erfüllt sein“, heißt es denn auch in einem Lehrerhandbuch. In einer Sprachübung sollen die Schüler die Bedeutung gewisser Wörter aufschreiben, unter anderen des Wortes „Amerika“. Die Antwort aus dem Lehrerhandbuch lautet: „Amerika – der große Satan“.

Obwohl die Juden traditionell nicht als Feinde gelten, werden sie in keinem Schulbuch positiv erwähnt. Vielmehr wird schon für die Zeit Mohammeds über die „Auseinandersetzung mit dem Komplott der Juden“, von „Feindseligkeit und Verrat der Juden“, dieser „gewinnsüchtigen Volksgruppe“ berichtet. Das eigentliche Objekt des Hasses aber ist der Staat Israel. Dieser bilde „eine Basis für Amerika und andere aggressive Mächte“, die das Ziel hätten, muslimischen Boden zu erobern. Israel besetze Jerusalem und die heilige Stätte des Islam, die Al-Aksa-Moschee, und unterdrücke und töte unter ihrer Besetzung lebende Palästinenser, auch Kinder.

Verteufelndes Bild Israels

Iranische Schulbücher enthalten vielfach Geschichten und Gedichte, die dieses verteufelnde Bild Israels auf makabre Weise illustrieren: „Dann zertrümmerte der israelische Offizier den Kopf des drei Jahre alten Mohammed mit seinem Gewehrkolben, und das warme Blut spritzte auf die Hände seines sechs Jahre alten Bruders.“ An anderer Stelle werden Israel oder die Juden oder beide dem Abfall gleichgestellt, der entsorgt werden muss.

Eine Bildergeschichte für Drittklässler zeigt eine saubere und gepflegte Stadt, in der die Bewohner plötzlich eine Abfallspur entdecken. Sie gehen ihr nach und finden den Verschmutzer, der sich als abstoßende Kreatur herausstellt, die überall Abfall verstreut. Sie jagen diese Kreatur aus der Stadt und putzen hinter ihr her. Auf einem der Bilder wird der Davidstern als ein Teil des Abfallhaufens dargestellt. Auf zwei anderen Bildern erscheint dieses Symbol auf dem rechten Arm des Verschmutzers.

Für den Kampf gegen seine gewaltigen Feinde will sich der Iran gründlich vorbereiten. Auch Schüler werden deshalb in militärische Einheiten gegliedert. Als Teil ihrer militärischen Vorbereitung und zusätzlich zur Ausbildung in diesen Einheiten wird ab Klasse 8 (13- bis 14-Jährige) das Fach „Verteidigungsbereitschaft“ unterrichtet. Das entsprechende Schulbuch lehrt militärisches Grundlagenwissen wie Tarnen, Täuschen, Bewegung unter Gefechtsbedingungen, Waffenkunde und den Umgang mit Sprengmitteln. Dabei wird der Krieg in allen Schulbüchern als reiner Verteidigungskrieg gesehen.

Die Begründung: Der Iran habe mit seiner durch die islamische Revolution eingeleiteten Offensive gegen die Unterdrückung in der Welt den Gegenangriff der „Weltenverschlinger“ heraufbeschworen. „Die islamische Revolution erschütterte die Paläste der Arroganten, und aus diesem Grund wurde sie … ein Ziel der Feindseligkeit und der Verschwörung.“

Verherrlichung des Todes

Da im Islam jeder Dschihad-Kämpfer ein potenzieller Märtyrer ist, ergibt sich hieraus für den Iran, die Schüler nicht nur zur Teilnahme am Dschihad zu erziehen, sondern sie auch auf das Märtyrertum vorzubereiten. In einem Schulbuch für die 8. Klasse heißt es: „Der erhabene Gott befiehlt den Gläubigen in vielen Versen des Koran, im Namen Allahs den Dschihad zu kämpfen und die Unterdrücker zu töten. Er gewährt die frohe Botschaft der Vergebung und des ewigen Paradieses all denen, die im Namen Allahs zu Märtyrern werden.“

Zur Illustration liefern die Schulbücher Zitate von Märtyrern, schiitischen Imamen und anderen, die den Tod als eine Brücke darstellen, die aus dem Leid und Elend dieser Welt in das ewige Leben und das Glück des Jenseits führen. Diese Verherrlichung des Todes für die Sache Allahs findet ihren Höhepunkt in einem Beitrag ebenfalls für die 8. Klasse: „Für diejenigen, die an das ewige Leben glauben, besitzt das Leben in dieser Welt keinen Wert an sich. Sein echter Wert hängt vom ewigen Leben ab. Wenn also der Tag kommt, an dem die Erhaltung des Lebens nichts anderes als Scham mit sich bringt, vergelten sie dieses göttliche Vertrauen mit großer Hingabe und erfüllen ihre Pflicht Allah gegenüber.“

Kinder mussten für Räumung über Minenfelder laufen

Das Ergebnis dieser Entwicklung wird vielfach und mit großem Stolz dargestellt: „In den acht Jahren der heiligen Verteidigung (des Kriegs gegen den Irak, 1980–88) wurden über 500.000 Schüler an die Front geschickt. 36.000 Märtyrer, Tausende von Verschollenen, Kriegsversehrten … wurden der islamischen Revolution geopfert.“

Worauf hier Bezug genommen wird, gehört zum Grauenhaftesten der modernen Kriegsgeschichte. Die Iraner ließen eine halbe Million Kinder, mit einem Plastikschlüssel für das Paradies um den Hals, untergehakt über die Minenfelder laufen, um sie zu räumen. Während die indoktrinierten eigenen Soldaten dem Geschehen eher unbeeindruckt zusahen, führte die Aktion bei den Irakern zu einer Katastrophe. Die Einheiten, die auf irakischer Seite Zeuge dieser „Minenräumung“ wurden, waren psychisch am Ende, de facto kampfunfähig und mussten ersetzt werden.

Jugend chancenlos in den sicheren Tod geschickt

Diese makabre Episode bildet nicht zufällig den Schluss der Schulbuchanalyse von Arnon Groiss. Sie zeigt, dass im Iran nicht nur der Märtyrer als Einzeltäter verherrlicht wird, sondern auch das kollektive Märtyrertum. Das wirft die Frage auf, ob auf eine Gesellschaft, die in diesem Geiste erzogen worden ist – und weiterhin erziehen lässt –, die Logik der Abschreckung anwendbar ist. Wenn die Möglichkeit, eine Aggression mit der Vernichtung der eigenen nationalen Existenz bezahlen zu müssen, kein Risiko mehr ist, dann ist Abschreckung obsolet.

Vor diesem Hintergrund erhält die Ankündigung der iranischen Regierung, Israel von der Landkarte tilgen zu wollen, eine beispiellose Brisanz. Denn niemand kann sicher sein, dass eine religiös verblendete Clique nicht doch den kollektiven Märtyrertod sucht oder zumindest in Kauf nimmt. Wer die eigene Jugend chancenlos in den sicheren Tod schickt, dem darf man einiges zutrauen. Darauf zu hoffen, dass die iranische Jugend diese Erziehung zu Hass und Krieg nicht annehmen wird oder die Eltern erfolgreich dagegenhalten, fällt schwer.

Der Marsch über die Minenfelder hat eben nicht nur gezeigt, wozu fanatisierte Kriegsherren fähig sind, sondern auch, dass die Kinder den Willen zum Märtyrertum so verinnerlicht hatten, dass sie, wie Iraker berichteten, fröhlich singend in den Tod gingen. In einem vor dem Einsatz niedergelegten „Testament“ eines 14-Jährigen heißt es: „Wie erbärmlich, wie niedergeschlagen, wie unwissend habe ich 14 Jahre meines unglücklichen Lebens ohne das Wissen um Allah verbracht. Der Imam hat mir die Augen geöffnet. (…) Wie süß, süß, süß ist der Tod. Er ist wie ein Geschenk, das Allah seinen Auserwählten vorbehalten hat.“

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Time am 31. Januar 2011

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1) http://www.welt.de/politik/ausland/article13842155/Die-Herzen-der-Schueler-sollen-von-Hass-erfuellt-sein.html
2) http://www.impact-se.org/research/iran/index.html
3) https://madrasaoftime.wordpress.com/2012/01/16/doch-sie-sind-nazis/

Nuklearsöldner

6. März 2011

Hübsch anzusehen: das Innere eines deutschen Kernkraftwerks.

Nach meinen gestrigen Ausführungen zum Thema warme Muslimbrüter will ich mich heute den schnellen Brütern bzw. der Proliferation von Kernwaffen zuwenden. Vor einigen Jahren habe ich diesbezüglich in Eisvogels Blog „Acht der Schwerter“ einen Artikel des Journalisten Detlef zum Winkel, welcher übrigens auch schon in diesem Blog kommentiert hat, zur Diskussion gestellt, den ich der Webseite der Kommunisten-Zeitschrift „Konkret“ entnommen hatte (1).

Allein die Quelle war natürlich Anlass zur Kritik, aber auch zum Winkels These, der Iran sei zur Erlangung nuklearer Waffen nicht imstande, da seine „Produktivkräfte nicht weit genug entwickelt“ seien, stieß verständlicherweise auf Widerspruch.

In der gestrigen FAZ gab es nun eine gewissermaßen verzögerte Antwort auf Herrn zum Winkels Ausführungen in Gestalt eines langen Aufsatzes des ehemaligen Ministerialdirektors im Bundesministerium der Verteidigung, Dr. Hans Rühle.

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Der menschliche Faktor

Fast alle Atomwaffenstaaten haben ihre nuklearen Programme im Geheimen begonnen und sich dabei ausländischer Spezialisten bedient. Das ist heute nicht anders als während des Zweiten Weltkriegs. Deswegen sollte die Aufmerksamkeit der Staatengemeinschaft vor allem den drei Ländern Brasilien, Südafrika und Iran gelten. Von

Seit dem Ende der Sowjetunion ist die physische Sicherheit von Nuklearmaterial eine wichtige Aufgabe der internationalen Politik. Der „menschliche Faktor“, also die Weitergabe atomarer Expertise durch vagabundierende Wissenschaftler, hat bisher aber kaum die nötige Beachtung gefunden. Wo immer spaltbares Material verwendet werden soll, sind Kenntnisse hochqualifizierter Fachleute unabdingbar. Das wissen auch Staaten und Terrorgruppen, die sich heimlich Atomwaffen oder zumindest „schmutzige Bomben“ mit strahlendem Material verschaffen wollen.

Fast alle Atomwaffenstaaten haben ihre nuklearen Programme im Geheimen begonnen und sich dabei ausländischer Spezialisten bedient – entweder direkt, durch deren Mitarbeit, oder indirekt, indem ihr Fachwissen durch Spionage abgeschöpft wurde. Nicht einmal die Vereinigten Staaten, die als Erste Atomwaffen bauten und auch einsetzen, kamen ohne fremde Hilfe aus: Nur etwa ein Viertel der Wissenschaftler, die von 1943 an am „Manhattan“-Projekt in Los Alamos mitarbeiteten, waren gebürtige Amerikaner; die meisten Wissenschaftler stammten aus Europa und waren vor der Herrschaft des Nationalsozialismus geflohen.

Wenn heute von international verfügbaren Atomwissenschaftlern die Rede ist, hat das allerdings nichts mehr mit der Geschichte des Exodus eines großen Teils der westeuropäischen Elite der Atomphysik zu tun. In Rede steht vielmehr der ideologiefreie Verkauf von Monopolwissen zu Marktbedingungen – und eine neue Spezies: nukleare Söldner. Öffentlich sichtbar werden sie nur selten. Deshalb ist es schwierig, sie im Einzelfall zu orten und zu identifizieren. Es ist aber möglich, gewisse Wanderungsbewegungen nachzuzeichnen und damit einem Phänomen auf die Spur zu kommen, das bisher nur im Halbdunkel internationaler Geheimdienstarbeit eine Rolle gespielt hat.

Das Wissen der atomaren Söldner stammt in der Regel aus zerfallenen Nuklearwaffenstaaten (etwa der Sowjetunion), ehemaligen Nuklearwaffenstaaten (darunter Südafrika), Staaten mit abgebrochenen oder aus anderen Gründen beendeten Atomprogrammen (zum Beispiel Irak) oder Staaten, die eine Kontrolle ihres nuklearwissenschaftlichen Personals vernachlässigen oder deren Abwerbung dulden (allen voran Pakistan). Ein Sonderfall ist das Firmennetz des Atomschmugglers Abdul Qadir Kahn, des „Vaters der pakistanischen Atombombe“, der atomare Technik selbsttätig vermarktet hat und offenbar auch in der Lage gewesen ist, den Transfer von Atomwaffenspezialisten zu organisieren.

Der erste nukleare Söldner war vermutlich der aus Deutschland stammende Atomphysiker Klaus Fuchs (Der sich selbst als Überzeugungstäter darstellte, T. – 2). Nachdem er für die Sowjetunion das amerikanische Atomwaffenprogramm in Los Alamos ausspioniert hatte und dafür zu einer langjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden war, verkaufte er sein Wissen 1959 an China. Vieles spricht dafür, dass die Herstellung der ersten chinesischen Atomwaffe und insbesondere die vergleichsweise kurze Entwicklungszeit für die chinesische Wasserstoffbombe im Wesentlichen auf Kenntnisse und Erfahrungen zurückgingen, die Klaus Fuchs in Los Alamos erwerben konnte (Ob das stimmt? In das Ende der 50er-Jahre fällt das sowjetisch-chinesische Zerwürfnis (3), und Fuchs wurde in der DDR zum Star, s. Wiki. T.).

Von einem atomaren Söldnertum kann aber erst nach 1990 die Rede sein. Die Voraussetzungen für dieses Phänomen wurden vor allem durch die Auflösung der Sowjetunion und die beginnende internationale Vermarktung nuklearer Materialien durch die Firmen Khans geschaffen. Einer Reihe von Staaten, die bisher nur zögerlich – ein gescheitertes, äußerst kostspieliges Experiment Saddam Husseins vor Augen – erste atomare Gehversuche mit zivilen Forschungsprogrammen unternommen hatten, bot sich nun eine attraktive militärisch-nukleare Option.

Als die Sowjetunion zusammenbrach, hinterließ sie nicht nur große Mengen nuklearen Materials, sondern auch einen militärisch-nuklearen Industriekomplex mit etwa 60 000 Beschäftigten. Allein in „Tscheljabinsk-70“ (4), dem Zentrum des sowjetischen Atombombenbaus, arbeiteten 16 000 Personen. Für die meisten von ihnen gab es nach 1990 keine Arbeit mehr – und auch kein geregeltes Einkommen. Als der amerikanische Außenminister James Baker im Februar 1992 das Forschungszentrum besuchte, traf er auf hochqualifizierte Atomwissenschaftler, die noch 15 Dollar im Monat verdienten. Zwar ermöglichte es die amerikanische Regierung vielen sowjetischen Spezialisten, auf der Basis von Zeitverträgen in den Vereinigten Staaten zu arbeiten; doch die Zahl der Antragsteller war um ein Vielfaches höher als die Zahl derer, die in dieses Programm aufgenommen werden konnten.

Für die weniger Glücklichen gab es zwei Optionen: entweder den Beruf zu wechseln, was für diese einst privilegierten Wissenschaftler nicht einfach war, oder ihr Wissen im Ausland zu vermarkten. Der israelische Journalist Ronen Bergman schildert in einem mit Geheimdienstinformationen gespickten Buch („The Secret War with Iran“) Erfahrungen des ehemaligen israelischen Generals Jitzhak Jaakow, der als Unternehmer für Hochtechnologieprodukte 1993 die ehemalige Supermacht besuchte. Demnach sollen in einem Betrieb mit ursprünglich etwa 10 000 Wissenschaftlern nur noch 1000 übrig geblieben sein. Wo sich die restlichen 9000 Geheimnisträger aufhielten, sei selbst den russischen Sicherheitsbehörden nicht bekannt gewesen. Sie hätten allerdings darauf verwiesen, dass Iran in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion versucht habe, Atomwaffenspezialisten anzuwerben.

Nach Angaben des Bundesnachrichtendienstes aus dem Jahr 1994 waren seit 1991 vierzehn ehemalige sowjetische Atomwaffenspezialisten auf privater Basis in Iran tätig. Doch dabei handelte es sich wohl nur um eine Vorhut. Einer der Angeworbenen, der Raketenexperte Professor Wadim Worobej, berichtete 2002 der „Washington Post“, Iran habe in jenen Jahren mehr Wissenschaftler und Ingenieure angeworben, als tatsächlich hätten beschäftigt werden können. Für dieses Überangebot gab es einen Grund: In zwei weiteren Staaten hatten nukleare Fachleute plötzlich keine Zukunft mehr.

Da war zum einen jener Teil der nuklearwissenschaftlichen Elite des Iraks, der sein Land nach der Niederlage Saddam Husseins im Golfkrieg von 1991 verließ. Zum anderen begann nach der Beendigung des südafrikanischen Atomwaffenprogramms 1993 der Exodus der atomaren Söldner aus Südafrika. Kaum zwei Jahre zuvor waren noch etwa 500 sowjetische Fachleute neu ins Land gekommen. Wie Thomas Reed und Danny Stillman in ihrem 2009 erschienenen Buch „The Nuclear Express“ berichtet haben, gingen einige aus dieser ursprünglich aus etwa tausend Personen bestehenden Gruppe nach Iran; andere ließen sich von dem Pakistaner Khan anwerben; wieder andere halfen dem libyschen Staatschef Gaddafi bei dem später abgebrochenen Versuch, sein Land atomar aufzurüsten. Einige blieben aber auch in Südafrika und reisten, nur mit befristeten Verträgen ausgestattet, zur Beratung in Länder mit atomaren Ambitionen.

Dass Atomwissenschaftler aus Südafrika offenbar nach wie vor gut im Geschäft sind, ist auch deshalb beunruhigend, weil selbst Fachleute der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) bezweifeln, dass das Land Anfang der neunziger Jahre tatsächlich sein gesamtes Atomwaffenpotential und seine Bestände an hochangereichertem Uran vernichtet beziehungsweise abgereichert hat. Die Behauptung des damaligen Ministerpräsidenten Frederik Willem de Klerk, Südafrika habe für sein Atomwaffenprogramm keinerlei fremde Hilfe in Anspruch genommen, trifft jedenfalls nicht zu. Das legt den Schluss nahe, er habe es auch sonst mit der Wahrheit nicht immer ganz genau genommen. Inzwischen gilt zum Beispiel als sicher, dass Israel in Südafrika atomare Entwicklungshilfe geleistet hat.

Ein profunder Kenner des Themas Weiterverbreitung von Atomwaffen hat vor einigen Monaten auf einer nicht-öffentlichen Konferenz auf die Frage nach den nächsten Atommächten ohne Zögern drei Länder genannt: Iran, Brasilien und Südafrika. Nach den ersten erfolgreichen Atomwaffentests Pakistans im Jahr 1998 sagte Abdel Qadir Khan: „Es gab eine christliche Bombe, eine jüdische Bombe, eine buddhistische Bombe und eine hinduistische Bombe. Jetzt gibt es auch eine islamische Bombe.“ Doch das ist wahrscheinlich noch nicht das Ende der Geschichte. Auch eine afrikanische oder „schwarze Bombe“ wäre möglich.

Noch bedeutender als die Wanderungen südafrikanischer Spezialisten sind allerdings die Vermittlungsbemühungen des Pakistaners Khan. Der promovierte Ingenieur hatte nach einem Studium in Berlin und Leuven Anfang der siebziger Jahre für die deutsch-niederländische Firma „Urenco“ gearbeitet und systematisch geheime Pläne zur Herstellung von Gaszentrifugen für die Anreicherung von Uran gestohlen. Nach seiner Rückkehr stieg er schnell zum Leiter des pakistanischen Anreicherungsprogramms auf. In den frühen achtziger Jahren begann Khan, der mittlerweile über ein weltweit operierendes Netz von Zulieferern für den Bau der pakistanischen Atomwaffen verfügte, sein Wissen privat zu vermarkten.

Im Januar 1984 erging ein erstes Angebot an Libyen. Doch Gaddafis Fachleute sahen sich außerstande, das angebotene Material zu bewerten und konnten es erst recht nicht technisch verwirklichen. Um dieses Defizit zu beheben, warb Gaddafi nach Informationen der IAEA einen deutschen Wissenschaftler an, der ebenfalls im Dunstkreis von „Urenco“ gearbeitet hatte und als Fachmann für den Bau und den Betrieb von Zentrifugen galt. Als Khan sein Angebot fünf Jahre später wiederholte, war Libyen bereit. 1991 kam es zum Vertragsabschluss über die Lieferung sogenannter „P-1-Zentrifugen“, eines Modells, das Khan Anfang der achtziger Jahre mit Hilfe der gestohlenen Pläne entwickelt hatte. Ähnliche Angebote waren 1987 an Iran und 1990 an den Irak gegangen.

Das Geschäft mit Libyen, das die Lieferung von 10 000 Zentrifugen vorsah, kam nicht zustande, weil Gaddafi sein Atomprogramm im Jahr 2003 aufgab. Zuvor hatte der Libyer angeblich aus eigenem Antrieb Kontakt mit dem britischen und dem amerikanischen Geheimdienst aufgenommen. Der Vertrag mit Iran über die Lieferung von Konstruktionszeichnungen für P-1-Zentrifugen, einiger funktionsfähiger Zentrifugen und einer unbekannten Menge beschaffungskritischer Materialien für deren Bau wurde indes erfüllt. Später kaufte Iran von Khan 500 P-1-Zentrifugen und einen vollständigen Satz der Konstruktionsunterlagen für die leistungsstärkere P-2. Mit dem Irak kam Khan nicht ins Geschäft. Inspekteure der IAEA konnten indes im Jahr 1995 das Original des Vertragsangebots im Irak sicherstellen.

Das Dokument ist atemberaubend, verhieß es doch, den Irak binnen drei Jahren zum Preis von 150 Millionen Dollar zu einer Atommacht aufzurüsten. Dazu wollte Khans Organisation alle erforderlichen Materialien liefern. Doch nicht nur das. Der letzte Absatz des Angebots lautet: „Falls erforderlich, können zwei bis drei Wissenschaftler veranlasst werden, ihre gegenwärtige Beschäftigung aufzugeben und in den Dienst des Vertragspartners zu treten.“ Der Transfer von Wissenschaftlern gehörte also zu Khans Konzept.

Der Fund des Papiers führte zu heftigen Protesten der pakistanischen Regierung, die behauptete, es handele sich um eine plumpe Fälschung. Doch der Leiter des Teams der IAEA im Irak, der Italiener Maurizio Zifferero, ließ sich nicht beirren. Wie der amerikanische Atomexperte David Albright, ein ehemaliger Waffeninspekteur im Irak, in seinem jüngst erschienenen Buch „Peddling Peril“ beschrieben hat, gelang es Zifferero und seinen Mitarbeitern, in langwieriger Kleinarbeit Aktenvermerke der Verantwortlichen des irakischen Atomprogramms sicherzustellen, die sich eindeutig auf das Angebot Khans bezogen.

Der frühere pakistanische Ministerpräsident Nawaz Sharif, der während dieser Recherchen im Amt war, wies aber noch vor wenigen Jahren den Vorwurf zurück, sein Land habe in den neunziger Jahren zur Verbreitung von Atomwaffen beigetragen. Wie erst 2004 bekanntwurde, soll indes der Generalstabschef der pakistanischen Armee, General Mirza Aslam Beg, schon 1990 dem damaligen Staatssekretär im amerikanischen Verteidigungsministerium Henry Rowen gedroht haben, Pakistan werde Iran bei der atomaren Aufrüstung Hilfe leisten, falls die Vereinigten Staaten seinem Land nicht weiter großzügige Hilfe gewährten. Rowens schriftlicher Bericht wurde jedoch nicht beachtet. Erst zehn Jahre später begann man in Washington, die Proliferationsaktivitäten Pakistans als ernsthaftes Problem zu erkennen.

In welchem Umfang von Khans Angebot Gebrauch gemacht wurde, bei Bedarf auch Wissenschaftler zu vermitteln, ist schwer zu ermitteln. In Libyen sind offensichtlich südafrikanische Wissenschaftler tätig gewesen – einige als direkt Angeworbene, andere im Sold des Systems Khan. In Iran gibt oder gab es so viele Nuklearsöldner, dass es schwer auszumachen ist, wer von ihnen delegiert worden ist oder wer auf eigene Rechnung gearbeitet hat. Der Irak, der Khans Angebot ablehnte, hatte sich übrigens anderweitig die einschlägige Expertise verschafft. Drei deutsche Wissenschaftler, getarnt als „Experten für Solarenergie“, sollen schon Ende der achtziger Jahre irakische Ingenieure in der Handhabung von Zentrifugen für die Urananreicherung unterwiesen haben. Dass die deutsche Industrie beim Aufbau des irakischen Atomprogramms eine herausragende Rolle gespielt hat, ist inzwischen ausführlich dokumentiert.

Viel spricht dafür, dass Khan an Nordkorea nicht nur Zentrifugen des Typs P-1 und P-2 verkaufte, sondern auch fachmännische Unterstützung bei deren Aufbau und Betrieb leistete. Die Aussage des ehemaligen pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf, es sei nur nordkoreanisches Personal in Pakistan ausgebildet worden, ist so wenig glaubhaft wie seine Behauptung, Khan habe nur zwanzig Zentrifugen nach Nordkorea geliefert.

Nach offizieller Darstellung Pakistans handelt es sich bei Khans Geschäften um illegale privatwirtschaftliche Aktivitäten. Er unterhielt enge Beziehungen zur atomaren und militärischen Elite des Landes. Dennoch konnte er anscheinend ungestört über viele Jahre die Geheimnisse der pakistanischen Atomforschung privat vermarkten. Das scheint darauf hinzudeuten, dass die pakistanischen Regierung schon früh die Kontrolle über ihr nukleares Fachpersonal verloren hat.

Belegt sind inzwischen sogar Kontakte pakistanischer Atomfachleute mit Usama Bin Ladins Terrororganisation Al Qaida. Kurz vor den Angriffen auf New York und Washington am 11. September 2001 erhielt der amerikanische Geheimdienst CIA von einer befreundeten Organisation Hinweise auf eine Gruppe pensionierter Wissenschaftler, Ingenieure und Offiziere, die sich zum Ziel gesetzt habe, Al Qaida beim Erwerb atomarerer, biologischer und chemischer Waffen zu helfen. Gründer und Chef dieser Gruppe war der ehemalige Direktor der pakistanischen Atomenergiebehörde Sultan Bashirrudan Mahmood. Er hatte 1987 ein Buch mit dem Titel verfasst: „Doomsday and Life after Death: The Ultimate Fate of the Universe as Seen by the Holy Quran“. Die Botschaft des Buches lautete, dass die Welt schon bald in einer atomaren Katastrophe enden und sich so Prophezeiungen des Koran erfüllen würden.

Mahmood und ein anderer prominenter pakistanischer Nuklearwissenschaftler namens Chaudiri Andul Majeed trafen sich im August 2001 mit Usama Bin Ladin in Afghanistan, um mit ihm über den Bau einer Atomwaffe zu diskutieren. Wie der frühere CIA-Direktor George Tenet in seinen Erinnerungen berichtet, erwirkten die pakistanischen Behörden, die den Vorfall auf Druck Washingtons untersuchten, schließlich ein Geständnis Mahmoods. Demnach soll er zu Bin Ladin gesagt haben: „Der schwierigste Teil des Verfahrens ist es, über genügend spaltbares Material zu verfügen.“ Worauf jener geantwortet habe: „Und was ist, wenn wir dieses Material schon haben?“ Tenet erwähnt auch Hinweise, dass Al Qaida versucht habe, über Kontakte in Iran drei russische Atomsprengköpfe zu erwerben.

Das Phänomen der „nuklearen Söldner“ verdient Beachtung, weil sich nationale Atomwaffenprogramme fast immer auf fachliche Hilfe aus dem Ausland stützen. Insofern ist der Hinweis irreführend, einige ambitionierte Länder verfügten noch nicht über die wissenschaftlichen und technischen Voraussetzungen, um in absehbarer Zeit eine Atommacht zu werden. Es mag sein, dass iranische Ingenieure bislang nicht in der Lage sind, für die eigenen Mittelstreckenraketen einen Implosionsgefechtskopf zu bauen. Aber auf diesem Gebiet erfahrene Fremdarbeiter, die in Iran tätig sind, können das sehr wohl.

Deshalb sind auch Prognosen über die Entwicklungszeiten einer einsatzfähigen Atomwaffe wenig aussagefähig. Es muss nachdenklich stimmen, wenn Abdul Qadir Khan mit einer gewissen Glaubwürdigkeit anbieten konnte, einen Staat innerhalb von drei Jahren zur Atommacht hochzurüsten. Schließlich hatte er selbst für die Entwicklung der pakistanischen Atomwaffe zehn Jahre gebraucht und dafür 300 Millionen Dollar ausgegeben. Er wusste also, wovon er sprach.

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Time am 6. März 2011

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1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/23/entweder-islam-oder-die-bombe-2/
2) http://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_Fuchs
3) http://de.wikipedia.org/wiki/Chinesisch-sowjetisches_Zerwürfnis
4) http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13687157.html

Iran hat fertig

23. November 2009

Häufiger Gastautor in der FAZ ist der ehemalige Ministerialdirektor im Bundesverteidigungsministerium Dr. Hans Rühle. Vor drei Tagen vertrat er in einem umfangreichen Artikel die Auffassung, daß Iran im Prinzip schon jetzt jederzeit bereit sei, Atomraketen auf den Weg zu bringen. Der Aufsatz bringt einen spannenden Überblick über die Finten der iranischen Nazislamisten und lässt keinen Zweifel daran, daß das Hauptziel des iranischen Atomprogramms die Produktion von Atomraketen ist.

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Was der Iran schon kann

Der Auftritt war wie immer gut inszeniert. Der amerikanische Präsident Obama nutzte das am 25. September beginnende Gipfeltreffen der G-20-Staaten in Pittsburgh als Bühne, um das Regime in Iran wegen seines Atomprogramms öffentlich unter Druck zu setzen. Flankiert von Premierminister Brown und Präsident Sarkozy, gab der amerikanische Präsident bekannt, dass Iran schon „vor einigen Jahren in der Nähe von Ghom eine geheime Anlage zur Anreicherung von Uran gebaut hat“. Größe und Beschaffenheit dieser Anlage seien „unvereinbar mit einem friedlichen Programm“.

Entsprechende Beweise hätten die Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich tags zuvor der Internationalen Atomenergiebehörde in Wien übergeben, erläuterte Obama. Am 21. September war bei der IAEA ein Schreiben eingegangen, in dem Iran mit kryptischen Formulierungen den Bau einer neuen „Versuchsanlage“ zur Anreicherung von Uran anzeigte. Diese Mitteilung veranlasste die amerikanische Regierung, in die Offensive zu gehen. Dennoch wirkte ihre diplomatische Betriebsamkeit etwas künstlich. Kennern der Materie war klar, dass die Vereinigten Staaten schon seit Jahren Kenntnis von dieser Anlage in der Nähe von Ghom hatten. Deshalb schien zunächst schwer verständlich, warum Obama gerade die Tagung von Pittsburgh gewählt hatte, um sich mit diesen Informationen an die Öffentlichkeit zu wenden. Doch inzwischen gibt es noch immer streng geheime Fakten, die das erklären könnten.

Der amerikanische Präsident brauchte einen antiiranischen Eklat, um dahinter neue, brisante Erkenntnisse dreier Geheimdienste über den Stand des iranischen Atomprogramms noch für eine gewisse Zeit verbergen zu können: Iranischen Wissenschaftlern ist es gelungen, einen Atomsprengkopf für die Mittelstreckenrakete Shahab-3 mit Erfolg „kalt“ zu testen. Mit anderen Worten: In einem Originalgefechtskopf, bei dem man nur den Kern aus spaltbarem Material durch eine Attrappe ersetzt hatte, konnte ein echter Zündvorgang ausgelöst werden. Die Zündung eines auf dem Implosionsprinzip beruhenden Gefechtskopfes ist der schwierigste Schritt beim Bau einer Atomwaffe. Ist dieser „kalte“ Test bestanden, dann ist der Weg zur Bombe nur noch eine Frage von Tagen – vorausgesetzt, das dafür nötige spaltbare Material, also hochangereichertes Uran oder waffenfähiges Plutonium, ist in ausreichender Menge vorhanden. Das dürfte in Iran der Fall sein.

Die Beurteilung des iranischen Atomprogramms durch die amerikanischen Geheimdienste in dem „National Intelligence Estimate“ (NIE) kam im Jahr 2007 zu dem Ergebnis, dass bis 2003 in geheimen Anlagen Uran mit dem Ziel der Waffenfähigkeit angereichert worden sei. Wie die CIA im April 2008 in einem Hintergrundgespräch berichtete, soll die Anreicherung sogar ohne Unterbrechung andauern. Fachleute sind sich weitgehend einig, dass in Iran tatsächlich hochangereichertes Uran in geheimen Anlagen hergestellt wurde und wird. Das hieße auch, dass die von der IAEA kontrollierte Anreicherungsanlage in Natans nie für die Produktion von hochangereichertem Uran vorgesehen war; die dortige Herstellung von schwach angereichertem Uran wäre demnach nur Teil eines großangelegten Täuschungsmanövers.

Um diese Informationen richtig einordnen zu können, empfiehlt sich ein Blick nach Pakistan. Als dort 1987 ein Implosionsgefechtskopf einen „kalten“ Test bestand, war das Land nach dem Selbstverständnis seiner Regierung eine Atommacht geworden – auch wenn es noch Jahre dauern sollte, bis man dies öffentlich zugab und es der Welt noch viel später durch „heiße“ Tests bewies. Pakistan tat den entscheidenden Schritt zur Nuklearmacht – „crossed the line“, wie der pakistanische Generalstabschef jener Jahre es später formulierte – mit einem erfolgreichen „kalten“ Test des Gefechtskopfes und in dem Wissen, über genügend spaltbares Material für eine Atomwaffe zu verfügen.

Ein Versuch, die neuen Erkenntnisse über das iranische Atomprogramm zu bewerten, führt in das Jahr 2002. Damals wies die Exilorganisation „Nationaler Widerstandsrat“ (National Council of Resistance on Iran, NCRI) in Paris erstmals auf die unterirdische Urananreicherungsanlage in Natans und den Bau eines Schwerwasserreaktors in Arak hin. Die IAEA griff die Informationen auf und stellte eigene Untersuchungen an, denn mit den geheimgehaltenen Vorgängen hatte Iran den Nichtverbreitungsvertrag verletzt. Das Regime bestritt indes die Vorhaltungen und begann sofort, wichtige Teile des Programms durch umfassende Tarnmaßnahmen oder eine radikale Zerstörung der weiteren Beobachtung zu entziehen.

In einem Bericht vom November 2004 führte die IAEA alle Verletzungen des Nichtverbreitungsvertrags auf und stellte fest, die Zusammenarbeit mit Iran zur Aufklärung der Vorwürfe von 2002 sei gekennzeichnet gewesen von „massiven Vertuschungsmaßnahmen, irreführenden Informationen und mutwilligen Verzögerungen beim Zugang der IAEA zu nuklearem Material und entsprechenden Anlagen“.

Das beste Beispiel dafür waren die Vorgänge rund um die Industrieanlage der „Kalaye Electric Company“ am Stadtrand von Teheran. Von Iran offiziell als „Uhrenfabrik“ ausgewiesen, war Kalaye vom NCRI als Anlage identifiziert worden, in der heimlich Uran angereichert werde. Eine von der IAEA verlangte Inspektion wurde zunächst verweigert. Als die Inspektoren der IAEA Kalaye endlich betreten durften, war der Komplex vollständig „renoviert“ worden. Die Räume waren leer, man hatte neue Böden und Wände eingezogen und die Erde in der Umgebung abgetragen und ersetzt. Nichts deutete mehr auf den früheren Verwendungszweck der Räume hin.

Die IAEA-Inspekteure nahmen Proben, und sie wurden auch fündig: In den Räumen war tatsächlich Uran angereichert worden. Mehr noch, es handelte sich nicht nur um reaktorfähiges Uran mit einem Anreicherungsgrad von 3,5 bis fünf Prozent, sondern eindeutig um hochangereichertes Uran (36 bis 70 Prozent U 235). Offenbar hatte man in der Fabrik mit waffenfähigem Uran hantiert, auch wenn das Uran, das heute beim Bau von Atombomben verwendet wird, auf etwa 90 Prozent angereichert wird. Um den Vorwurf zu entkräften, die höhere Anreicherung selbst vorgenommen zu haben, behauptete die iranische Führung, die von der IAEA dokumentierten Ergebnisse beruhten auf „Verunreinigungen“, die dem Vorbesitzer der Gaszentrifugen anzulasten seien. Diese Ausflucht war insofern bemerkenswert, als das Regime lange Zeit behauptet hatte, die Zentrifugen selbst hergestellt zu haben. Nun gab es zum ersten Mal den früheren Besitzer an – Pakistan.

Noch radikaler ging das Regime im Fall der Anlage von Lawisan-Schian vor. Der Nationale Widerstandsrat hatte angegeben, es werde dort auch Uran angereichert. Erste kommerzielle Satellitenaufnahmen der Firma Digital Globe zeigten einen großen, besonders gesicherten Komplex. Ein halbes Jahr später, und noch ehe die Inspektoren der IAEA Zugang erhielten, war der gesamte Komplex verschwunden. Die Erde unter den Anlagen und in der unmittelbaren Umgebung war metertief abgetragen worden, einschließlich aller Pflanzenreste. Spätere Untersuchungen durch die Wiener Behörde ergaben keine Auffälligkeiten. IAEA-Generaldirektor El Baradei sah sich aber zu der Aussage veranlasst, die Methoden seiner Behörde hätten in diesem Fall nicht ausgereicht, um zu eindeutigen Ergebnissen zu kommen.

Für die IAEA war die Erkenntnis, dass Iran schon 1985 mit dem Aufbau eines geheimen Atomprogramms begonnen hatte, ein schwerer Schlag. Dennoch war die Behörde äußerst zurückhaltend, diesem Programm eine militärische Bedeutung zuzuschreiben. Das lag zum einen daran, dass viele Vorgänge weiterhin im Dunkeln lagen und andere, inzwischen bekannte Anlagen nur begrenzt zugänglich waren. Zum anderen hatte die IAEA, die über keine eigenen Aufklärungsmittel wie etwa Satelliten verfügt und auch keinen direkten Zugang zu den Erkenntnissen der nationalen Geheimdienste hat, nur einen begrenzten Wissensstand.

Es blieb den Vereinigten Staaten vorbehalten, in den Vorgängen Elemente eines Atomwaffenprogramms zu erkennen. Im National Intelligence Estimate (NIE) aus dem Jahr 2007 wird festgestellt, dass es in Iran bis zum Herbst 2003 mit hoher Wahrscheinlichkeit ein umfassendes militärisches Atomprogramm gegeben habe. Nicht dazugerechnet wurden die inzwischen bekannten Teile des zivilen Programms in Natans (Anreicherung) und Isfahan (Konversion). Daraus lässt sich schließen, dass das geheime militärische Programm über mindestens eine zusätzliche Anlage zur Anreicherung und zur Konversion von Uran verfügt haben muss. Doch dieser Aspekt schien nach der Veröffentlichung des Berichts kaum einer Nachfrage wert.

Der Grund dafür war die Aussage des NIE, das militärische Nuklearprogramm sei 2003 gestoppt und in den folgenden Jahren wahrscheinlich nicht wiederaufgenommen worden. Diese Aussage war nicht nur politisch motiviert, sondern auch weniger präzise, als es zunächst den Anschein hatte. Wegen einiger unglücklicher Formulierungen blieb unklar, in welchem Umfang das militärische Programm gestoppt worden sei und unter welchen Bedingungen es wiederaufgenommen werden könne. Daher sah sich die CIA veranlasst, in einem Hintergrundgespräch am 24. April 2008 darauf hinzuweisen, dass Iran ein geheimes Anreicherungsprogramm zur Produktion von waffenfähigem Uran gehabt habe und dieses auch weiterhin betreibe. Mehr noch: Der im NIE des Jahres 2007 erwähnte Stopp des Programms beziehe sich nur auf die Herstellung eines Gefechtskopfs – „one narrow piece“ im Gesamtprogramm.

Diese Klarstellung, die wesentliche Teile des NIE von 2007 korrigierte, kam nicht völlig überraschend. Inzwischen waren Details der Aussagen eines Überläufers, des früheren stellvertretenden iranischen Verteidigungsministers und ehemaligen Kommandeurs der Revolutionsgarden, General Asghari, durchgesickert. Asghari soll unter anderem von einer geheimen Anreicherungsanlage in der Nähe von Natans berichtet haben. Das hatten zuvor zwar schon andere Überläufer und auch die Exilorganisation NCRI behauptet; solche Aussagen galten aber zunächst als wenig belastbar.

Die Verfasser des NIE hatten ihre Einschätzung mit dem Hinweis begründet, dass den Geheimdiensten nach jahrelanger Vorarbeit im Sommer 2007 eine „cyber invasion“ gelungen sei. Sie hätten in das Computersystem der iranischen Atomplaner eindringen können, mehrere Wochen Gespräche mitgehört und auf ihren Bildschirmen die Laboreinrichtungen iranischer Ingenieure gesehen. Immer wieder sei auf dieser Ebene darüber geklagt worden, dass die politische Führung das Waffenprogramm 2003 eingestellt habe.

Die Briten protestierten vehement, als befreundete Geheimdienste die Gelegenheit erhalten hatten, die nicht veröffentlichte Langfassung des 140 Seiten umfassenden Berichts einzusehen. Nicht amerikanischen Geheimdiensten, sondern ihnen sei die „cyber invasion“ gelungen; das amerikanische Material sei also aus zweiter Hand. Darüber hinaus hätten die amerikanischen Geheimdienste die Erkenntnisse auf unannehmbare Weise überinterpretiert. Ein Stopp des militärischen Nuklearprogramms könne auf der Grundlage dieses Materials nicht belegt werden. Der Bundesnachrichtendienst und die Franzosen schlossen sich dieser Auffassung an. Auch Israel widersprach der amerikanischen Einschätzung. Anlässlich seines letzten Besuchs in Israel wurde Präsident George W. Bush eindringlich vor Augen geführt, dass das iranische Atomwaffenprogramm uneingeschränkt weitergehe.

Vor diesem Hintergrund ist der Auftritt Obamas am 25. September in Pittsburgh zu sehen. Die Existenz einer geheimen Anreicherungsanlage in der Nähe von Ghom war ihm seit längerem bekannt. Die Präsidentschaftskandidaten waren im September 2008 vom Chef aller 16 Geheimdienste, Mike McConnell, über die internationale Lage informiert worden. Im Zentrum stand dem Vernehmen nach die Situation in Iran. Obama soll gefragt haben, wie viel Zeit ihm für eine diplomatische Lösung noch bleibe. Ein zweites Briefing mit weiteren Informationen fand 36 Stunden nach Obamas Wahlsieg statt. Weil sich Obama auch im Fall Iran für eine Politik der ausgestreckten Hand entschied, wollte er aber offenbar alles vermeiden, was seine Regierung politisch oder gar militärisch unter Zugzwang setzte.

Den Brief der iranischen Regierung vom 21. September, in dem sie den Bau der Anreicherungsanlage in Ghom angezeigt hatte, konnte der Präsident aber nicht ignorieren. Denn in den zurückliegenden Monaten hatten sich die Informationen über ein geheimes iranisches Atomwaffenprogramm weiter verdichtet. Sichtbar wurde dies vor allem an dem nur mühsam unterdrückten Streit über den Iran-Bericht der IAEA vom 28. August. Wie üblich schrieb der Bericht zwar die Zahl der in Natans installierten Zentrifugen und die vorhandene Menge schwach angereicherten Urans fort, doch den Schwerpunkt bildete das Kapitel mit der Überschrift „Possible Military Dimensions“.

In dem Bericht hieß es, Iran habe es bisher versäumt, die erheblichen Zweifel zu entkräften, dass „sein Atomprogramm ausschließlich friedlicher Natur ist“. Die Erkenntnisse, die der Wiener Behörde in den zurückliegenden Monaten zur Verfügung gestellt worden waren, werden aber weder in diesem Bericht noch in dem Dokument vom 16. November angemessen berücksichtigt. Der Bericht im August setzte sich allerdings etwas ausführlicher mit den Fakten auseinander, die sich aus der Analyse des sogenannten „Laptop of Death“ ergeben.

Im Jahr 2003 hatte ein ehemaliger iranischer Offizier dem Bundesnachrichtendienst einen tragbaren Computer zugespielt, auf dessen Festplatte mehr als 1000 Seiten in Farsi über das iranische Atomprogramm gespeichert waren. Der BND reichte den Laptop unverzüglich zur Auswertung an die CIA weiter. Als besonders brisant erwiesen sich die Anleitung zum Bau einer unterirdischen Anlage für Atomtests – die wohl nicht zufällig in ihren Dimensionen der Versuchsanordnung für die pakistanischen Tests von 1998 entsprach -, ein vollständiges Design für eine kleinere Anlage zur Produktion von Uranhexafluorid sowie Studien über Form und Struktur eines Atomsprengkopfes für die iranische Rakete Shahab-3.

Diese Informationen wurden der IAEA schon 2005 übergeben. Nach ihrer Auswertung war klar, dass Handlungsbedarf bestehe. Doch die Vereinigten Staaten hatten aus Gründen des Informantenschutzes verlangt, dass Iran erst nach drei Jahren mit diesen Erkenntnissen konfrontiert werden dürfe. Anfang 2008 schließlich forderte die IAEA die Regierung in Teheran auf, 18 Dokumente, die allesamt auf ein alternatives, vom Militär gesteuertes Atomwaffenprogramm hindeuteten, zu kommentieren. Das Regime gab zwar zu, dass der Inhalt einiger Dokumente korrekt sei; doch in allen entscheidenden Fragen lautet die Antwort, es handele sich um „Fälschungen“. Bis heute wird jede weitere Auskunft verweigert.

Waren schon die auf dem Laptop gespeicherten Dokumente entlarvend, so gilt das erst recht für die jüngsten Erkenntnisse, über die die Wiener Behörde verfügt, ohne von ihnen Gebrauch zu machen. Dazu gehören Informationen über den „kalten“ Test eines auf dem Implosionsprinzip beruhenden Gefechtskopfs oder der Hinweis, dass sich ein bekannter russischer Gefechtskopf-Spezialist in Iran aufhalte. Die IAEA nimmt solche Erkenntnisse aber nur in ihre Berichte auf, wenn die Geheimdienste die Fakten zur Verfügung stellen. Die Dienste sind aus gutem Grund aber nicht bereit, ihre Quellen preiszugeben. Als Organisation der Vereinten Nationen ist die IAEA eine offenes Haus, in dem alle Nationen Sitz und Stimme haben. Deshalb kann es dort keine Vertraulichkeit geben.

Immerhin haben Mitarbeiter der IAEA einen geheimen Bericht über „mögliche militärische Dimensionen“ des iranischen Nuklearprogramms“ verfasst. Obwohl diese Zusammenstellung auf 67 Seiten in den entscheidenden Passagen eher zurückhaltende Formulierungen enthält, lässt sie nur den Schluss zu, dass es in Iran ein umfassendes Waffenprogramm gibt. Lapidar heißt es in dem Bericht: „Die IAEA nimmt an, dass Iran über genügend Informationen verfügt, um einen wirksamen, auf angereichertem Uran basierenden Implosions-Gefechtskopf . . . herzustellen.“

Die geheime Anlage zur Urananreicherung bei Ghom wurde Ende Oktober von der IAEA inspiziert, dennoch bleiben bisher viele Fragen unbeantwortet. Nach dem Treffen ranghoher Vertreter der fünf ständigen Mitglieder im UN-Sicherheitsrat und Deutschlands mit einer iranischen Delegation in Genf wird weiter um den Beginn von Verhandlungen über das Atomprogramm gerungen. Der amerikanische Vorschlag, eine größere Menge schwach angereicherten iranischen Urans in Russland und Frankreich weiter anzureichern und zu Brennelementen für einen alten iranischen Forschungsreaktor zu verarbeiten, hat die Aufmerksamkeit auf einen anderen Aspekt des Atomprogramms gelenkt. Was immer aus dieser Initiative werden sollte, angesichts der Fortschritte, die Iran inzwischen beim Bau einer Nuklearwaffe erreicht hat, bleibt sie nur eine Marginalie.

Denn nach dem erfolgreichen „kalten“ Test eines Implosionsgefechtskopfes hat das Regime die Fähigkeit, eine Bombe zu bauen. Es kann nicht einmal ausgeschlossen werden, dass schon einige Nuklearwaffen produziert worden sind. Das hätte eigentlich die Botschaft des letzten IAEA-Berichts sein müssen. Die fünf ständigen Mitglieder im Sicherheitsrat und Deutschland kaschieren dies durch die informelle Aufforderung an die IAEA, die Informationen über einen möglichen „kalten“ Test in Gesprächen mit Vertretern Irans aufzuklären. Das ist ein Unterfangen, das Jahre dauern kann.

Doch so viel Zeit wird Obama nicht haben. Die Fakten lassen sich auf Dauer nicht bestreiten. Irgendwann wird der UN-Sicherheitsrat nicht um die Feststellung herumkommen, dass das iranische Nuklearprogramm militärischer Natur ist und eine massive Verletzung des Nichtverbreitungsvertrages darstellt. Dann könnten schärfere Sanktionen verhängt oder geeignete Maßnahmen (auch militärische) beschlossen werden, um die Störung der internationalen Ordnung zu beseitigen. Oder will man etwa auf die Israelis warten?

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Tja liebe Juden, ich hoffe Sie sind bereit, mal wieder die Kastanien für uns aus dem Feuer zu holen…

Time am 23. November