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„Erhalt uns, Herr“ von MARTIN LUTHER

12. Juni 2017

Nach längerer Zeit lege ich Ihnen heute mal wieder lyrischen Counterjihad vor.

Das Lied „Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort“ von Dr. Martin Luther (1) erbittet von Jahwe die Ermordung des Papstes und der Torks. Wikipedia (2):

„Das vor dem Hintergrund der Türkenkriege als Auftragswerk 1542 entstandene antipäpstliche und antitürkische Kampflied wurde wegen seiner provokativen zweiten Zeile „und steur des Papsts und Türcken mord“ über Jahrhunderte als der umstrittenste evangelische Gesang angesehen. Diese Zeile ist inzwischen verändert worden.“

Hier der Text:

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Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort

Erhalte uns, Herr, bei deinem Wort
Und steuere des Papstes und der Türken Mord,
Die Jesus Christus, deinen Sohn,
Wollen stürzen von deinem Thron.

Beweise deine Macht, Herr Jesu Christ,
Der du Herr aller Herren bist,
Beschirm dein arme Christenheit,
Daß sie dich loben in Ewigkeit.

Gott heiliger Geist du Tröster wert,
Gib einem Volk einerlei Sinn auf Erd’;
Stehe bei uns in der letzten Not,
Geleit uns ins Leben aus dem Tod.

Ihre Anschläge, Herr, zunichte mach‘,
Lass sie treffen die böse Sach‘,
Und stürze sie in die Grube hinein,
Die sie machen den Christen dein.

So werden sie erkennen doch,
Dass du, unser Herr Gott, lebest noch,
Und hilfst gewaltig deiner Schar,
Die sich auf dich verlassen gar.

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Hier der Sound:

https://www.youtube.com/watch?v=E_0CHoi1pQI

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Time am 10. Juni 2017

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1) https://hymnary.org/text/erhalt_uns_herr_bei_deinem_wort_und_steu
2) https://de.wikipedia.org/wiki/Erhalt_uns,_Herr,_bei_deinem_Wort

Im Interview: Feridun Zaimoglu

30. März 2017

Die „Islamische Zeitung“ brachte ein aktuelles Interview von Eren Güvercin mit dem türkischdeutschen Schriftsteller Feridun Zaimoglu (1). In Bezug auf das Christentum stellt er darin vielfach seine Unwissenheit zur Schau, aber stark finde ich folgende Passagen:

„Weg von der Unwissenheit! Vom Analphabetentum. Vom Aberglauben. Vom Götzendienst. Weg aber auch von Asabija. Das bedeutet von der Aggression, von der Grobheit, vom Stammesdenken.“

Oder:

„Wer sind wir? Wir sind Deutsche. Wo leben wir? In Deutschland. Unser Land heißt Deutschland. Erst einmal sollte man bitte schön so klug sein, und nicht so emotional reagieren, sich nicht zum Handlanger von Politikern machen. Und ich meine damit beide Seiten. Weder hysterisch Richtung Türkei schreien, irgendwelche Befehle dekretieren, noch sollte man sich als Handlanger der türkischen Politik verstehen. Ich war immer der Meinung, raus aus dem Stamm. Ich war immer der Meinung, es zählen die Fakten. Es wäre grundfalsch – und das tun leider viele Deutschtürken (Er meint Türkdeutsche, T.) – sich einspannen zu lassen. Um den schönen Qur’an zu zitieren: „Habt ihr keinen Verstand?“ Sie haben keinen Verstand. Sie lassen sich einspannen. Einigen Deutschtürken genügt es, zu schreien, zu schwitzen, Fähnchen zu schwenken. Denen genügt es, halb debile Sätze von sich zu geben. Das sind aber genau jene Leute, die man Schachmatt setzen kann, sie sind nämlich nicht verstandesbegabt.“

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„Wir brauchen keine Reformisten“

Feridun Zaimoglu überrascht mit einem teutschen Roman. Pünktlich zum Reformationsjubiläum erscheint das neue Buch des deutschen Schriftstellers Feridun Zaimoglu mit dem Titel „Evangelio“. Es ist ein historischer Roman über Martin Luther. Wir trafen den Autor zum Gespräch über seinen neuen Roman und über die Frage, wie ein türkischstämmiger deutscher Muslim auf die Idee kam, ein Buch über Luther zu schreiben. Wir sprachen aber auch über aktuelle Debatten wie die Forderungen nach einem „muslimischen Luther“, die aufgebrachte Stimmung unter Deutschtürken, und was er unter einem „deutschem Islam“ versteht.

Islamische Zeitung: 1995 erschien Ihr erstes Buch, und jetzt 2017, nach 22 Jahren, kommt Ihr neuer Roman mit dem Titel „Evangelio“ raus. Es ist ein historischer Roman über Martin Luther. Ihr Erstlingswerk „Kanak Sprak“ war harter Stoff und hat für Irritationen und heftige Debatten gesorgt. „Evangelio“ dagegen ist eine Hommage an die deutsche Sprache. Im Rückblick ein recht interessanter literarischer Werdegang…

Feridun Zaimoglu: Ich bin selber verwundert. Was liegt dazwischen? Dazwischen liegen viele Bücher, viele Romane. Dazwischen liegen Bücher, in denen ich mich der Düsternis der deutschen Romantik zuwandte. Dazwischen liegen Bücher in meiner Anfangszeit natürlich, in denen es um Worte ging, die natürlich eine bestimmte Botschaft getragen haben. Aber ich frage mich letztendlich: Ist das eine Entwicklung? Im Grunde genommen bin ich mir treu geblieben. Mir geht es nicht so sehr darum, die harmonisierten Orte zu übersetzen oder jene Spielwiesen der kleinen Großbürger zu bespielen. Mir ging es immer um gärende Milieus. Mir ging es immer um den Dreck. Um das, womit sich die anderen nicht die Finger schmutzig machen wollen. Bin ich ein Masochist? Ganz und gar nicht. Aber wenn ich mich denn einem Stoff widme, will ich mich vor allem nicht langweilen, und hoffe natürlich auch, dass sich die Leser auch nicht langweilen. (lacht)

Islamische Zeitung: Ein türkischstämmiger deutscher Schriftsteller und dazu auch noch Muslim schreibt einen Roman über Luther. Das hat schon eine gewisse Ironie, gerade im Hinblick auf Aussagen von Luther über Türken und Muslime, die – sagen wir mal – heute nicht gerade als politisch korrekt gelten würden…

Feridun Zaimoglu: Es ist ja erstaunlich, dass Luther – der ausrief „Allein die Schrift“ – den Qur’an eigentlich nicht kannte. Ein Priester hat eine recht demagogische, tendenziöse Teilübersetzung gemacht, und das las er. Er hat es auch mit keinem einzigen Muslim zu tun gehabt. Im Grunde genommen ging es ihm, was den Islam anbetrifft, um Selbstbestätigung. Ich spreche von einer abenteuerlichen Textexegese, wenn ich auf Luthers christologische Deutung des Alten Testaments hinweise. Er hat es doch tatsächlich geschafft – das fängt schon beim Alten Testament an – all die Stellen, die eigentlich ganz klar auf einen anderen Propheten bezogen waren, ohne große logische Anbindung einfach auf den Propheten Jesus zu beziehen. Er hatte keine Kenntnis vom Qur’an, er hatte keine Kenntnis vom Islam. Es ging ihm um Stoff, um eine oberflächliche Lektüre für seine Kampfschriften. Das muss man unbedingt bemerken. Wie komme ich als Muslim dazu? Ich spreche ja immer von einem Bruch mit meiner Identität oder mit meiner Person. In diesem Falle war für mich natürlich klar, Luther hat – wenn man es wirklich radikal sagen will – die deutsche Sprache vielleicht nicht erfunden, aber in ihm haben wir es mit einem zu tun, der die Klosterstille und Gelehrtenkammer verlässt, und den Menschen die Sprache und Worte ablauscht. Ich gehe natürlich weiter, und sage: Nun ja, für welche Menschen sind die heiligen Schriften denn gesandt worden? Wenn man die Offenbarungen liest, ist immer von den Armen und Beladenen die Rede. Es ist immer davon die Rede, dass man seine Armengabe – egal, wie vermögend man ist – entrichtet, und dass man die Armen nicht vergisst und verrät. Luther ist eine widersprüchliche Person. Ich habe nicht im Sinne einer Wiederentdeckung, aber einer Rückbesinnung auf das, was mich damals in meiner Jugend bewegt hat, nämlich Grimmelshausen und Luther, wegen der Schrift, wegen der Worte, habe ich den Versuch unternommen, ein Buch zu schreiben. Ich glaube, es wird für viele Leute ein Rätsel bleiben, wieso ich denn als Muslim – und ich bin sehr gerne Muslim – dazu komme, ausgerechnet einen Juden- und Muslimhasser zu portraitieren. Man muss aber dieses Buch gelesen haben, um zu wissen, dass es hier nicht um irgendeine Parteinahme geht. Es geht mir aber auch nicht darum, wie das heute im Jubiläumsjahr gemacht wird, ihn auf einen Sockel zu setzen, oder ihn zum Spender von Scherzartikeln zu machen. Der Glaube ist nicht so einfach, und ich habe mit diesem Roman einen – wie ich finde – großen Deutschen, der in vielen Dingen in die Irre ging, porträtiert, um aber auch herauszustellen, dass man nicht einfach so glaubt, und denkt, es habe keine Folgen und Konsequenzen.

Islamische Zeitung: Wie reagieren eigentlich die Protestanten auf den Luther, der vom Schriftsteller Zaimoglu gezeichnet wird?

Feridun Zaimoglu: Darauf bin ich natürlich gespannt. Ich habe die eine oder andere kurze Lesung gemacht. Das Buch erscheint ja aber erst in den kommenden Tagen. Ich werde in Kirchen, in evangelischen Gemeinden lesen. Ich bin sehr gespannt. Ich schätze, dass ich auch hart angegangen werde, denn ihr Martin Luther ist entweder ein Mönchlein im Kräutergarten, oder im Sinne der amerikanischen Evangelikalen einer, auf den man greift, auf dessen Unversöhnlichkeit man sich bezieht, um die Welt vor Feinden nicht zu sehen. Das habe ich auch in den letzten Jahren gemerkt. Wir wissen ja, für amerikanische Evangelikale gilt der Muslim als gar nichts. Ich werde mit Anfeindungen von Evangelikalen bestimmt zu schaffen haben. Sie gehen ja so weit – und das ist schon sehr seltsam – von Luther als von einem Propheten zu sprechen. Das ist natürlich sehr lustig, vor allem hat es nichts damit zu tun, als was er sich sah. Noch ist es zu früh, etwas zu sagen, aber ich rechne mit einigem Getümmel. (lacht)

Islamische Zeitung: Sie haben einen Roman über Luther verfasst und wir haben gerade das Reformationsjahr. Ihnen geht es aber in erster Linie um die Verdienste Luthers für die deutsche Sprache als um Theologie. Inwiefern kann Sprache auch spirituell sein?

Feridun Zaimoglu: Es ist unglaublich und unbegreiflich, wenn man – das setzen wir als selbstverständlich voraus – sich mal vorstellt, der Herr, der Allmächtige, spricht zu den Menschen. Der Ausdruck sind die Worte in der heiligen Schrift. Das ist für mich immer unbegreiflich gewesen. Manche sprechen von der Tiefe Gottes, manche sprechen von der Verhüllung Gottes. Wir sprechen von einem Schöpfer, der zu den Menschen spricht. Eine Offenbarung, alleine schon darüber nachzudenken bringt mich fast um den Verstand. Es ist unbegreiflich, und diese Unbegreiflichkeit beziehungsweise der Nachhall der Worte Gottes, der uns ja näher ist, als unsere Halsschlagader, den in eigene Worte zu übersetzen, wird natürlich immer misslingen. Ich sehe aber, wenn ich im Qur’an lese, sehe ich, dass etwas einkehrt in mir, was ich nicht in Worte fassen kann. Ich bin ja eher einer, der immer Glaube als wüstenländisch verstanden hat, nicht als Komfortzone, wie diejenigen, die es sich gemütlich machen wollen. Ich bin ein Getriebener, ich finde keine Ruhe, und möchte auch keine Ruhe finden. Worte und vor allem die heiligen Worte der einzigen Majestät, die heiligen Worte brennen sich ein. Ich komme ins Stammeln, und das ist auch gut so. Sie geben mir mehr als Glück, es ist mehr als Gnade, es ist eine ungeheure Selbstauslöschung, die die heiligen Worte bewirken. Ist damit die Spiritualität gemeint? Ich glaube, ich als Getriebener, bin dort, wo es knistert und wo es brennt.

Islamische Zeitung: Gerade im Jubiläumsjahr der Reformation gibt es immer wieder auch Diskussionen um eine Reformation des Islam. Manche fordern gar einen „muslimischen Luther“. Wie verfolgen Sie diese Debatten?

Feridun Zaimoglu: Quatsch. Das kommt dabei herum, wenn Menschen eins zu eins übertragen wollen. Wenn sie so arrogant oder unwissend sind, dass sie nicht begreifen, worum es da geht. Es geht hier bei den Evangelien um vermeintliche Augenzeugenberichte, um Überlieferungen. Es gibt bei uns auch Überlieferungen des Propheten. Der Qur’an ist etwas anderes als die Niederschrift von jahrhundertelangen, vielfach gebrochenen, veränderten Schriften, die voller Geschichten sind, in denen Menschen, die sich als die Jünger ausgeben – jetzt sind wir beim Neuen Testament – das Leben und Wirken des Propheten Jesus niederschreiben und erzählen. Das ist ein ganz großer Unterschied. Aber zurück zur Reformation: Ich habe das auch gehört. Es gibt sogar Bücher, „Reformiert den Islam!“. Das zeugt von Unwissen über den islamischen Glauben, und das zeugt auch von Unwissen über das Christentum. Das ist ja erstaunlich, dass Leute, eher politisierte Männer und Frauen, sich hinstellen, und Forderungen nach Reformation stellen. Worum es im Islam gehen kann, ist eine Rückführung auf den Kern des Islam, nämlich auf den Glauben. Wenn ich sage Rückführung, dann stößt man darauf, dass man am Anfang des islamischen Glaubens, noch zu Zeiten des gesegneten Propheten Muhammad, von Tazkija sprach, von Verfeinerung. Also, wenn es um Kritik an Muslimen und an unserem Verhalten geht, bin ich sehr harsch. Denn, was der gesegnete Prophet gespendet hat, war der Aufruf zur Verfeinerung, zur Feinheit. Und nicht umsonst spricht man von Dschahilija und von Asabija. Das bedeutet: Weg von der Unwissenheit! Vom Analphabetentum. Vom Aberglauben. Vom Götzendienst. Weg aber auch von Asabija. Das bedeutet von der Aggression, von der Grobheit, vom Stammesdenken. Nein, wir brauchen keine Reformisten. Wir haben es mit Politkaspern da draußen zu tun, die das fordern, in Unkenntnis der Tatsache, dass die islamistischen Mordbrenner Reformisten und Modernisten sind. Wir brauchen unbedingt eine Rückführung auf Herz und Glaube des Islam im Sinne des gesegneten Propheten.

Islamische Zeitung: In einem Interview haben Sie vor Kurzem gesagt, es müsse einen deutschen Islam geben. Bei dem Schlagwort „deutscher Islam“ gibt es öfter zwei Arten von Reaktionen bei Muslimen. Manche Muslime verbinden mit einem deutschen Islam einen, der verwässert ist. Andere wiederum, die sehr geprägt sind von ihrer ethnischen Zugehörigkeit, empfinden einen deutschen Islam als Provokation. Wie nehmen Sie diese allergischen Reaktionen wahr und wie ordnen Sie diese ein?

Feridun Zaimoglu: Unser Glaube, der Islam, ist der radikalste Bruch mit einer Identität, die sich an Herkunft, an Stamm, an Nation bindet. Wenn ich vom deutschen Islam spreche, spreche ich ja eigentlich eine Selbstverständlichkeit aus. Ich sage, wir leben hier und bitte keine Feigheit, und bitte keine Heuchelei. Man kann nicht von Teilhabe und Teilnahme sprechen – um zwei abgegriffene Worte zu nutzen – man kann sich also nicht aufregen, wenn man als Fremder markiert wird, und sich aber hundertprozentig als Fremder verhalten. Das geht einfach nicht. Der deutsche Islam bedeutet, auch hier bei uns in Deutschland werden, wie es in anderen Ländern auch passiert ist, muslimische Gemeinschaften organisch wachsen und der Islam wird Teil des Landes werden. Ich denke, das ist selbstverständlich. Wer aber auf Traditionen setzt, der möge bitte schön vom Türkischen ausgehen. Da gibt es dann aber plötzlich kein Problem. Man spricht da vom türkischen Islam, vom persischen Islam, vom arabischen Islam, vom afrikanischen Islam. Ich kenne diese allergischen Reaktionen, aber sie zeugen von einer gewissen Feigheit, sich nicht dem Land, in dem man aufgewachsen ist, zugehörig zu fühlen. Natürlich sind wir deutsche Muslime, und natürlich gehört der Islam zu Deutschland. So what?

Islamische Zeitung: Gerade in den aktuellen Diskussionen rund um die Auftritte türkischer Politiker in Deutschland kochen die Emotionen auf beiden Seiten hoch. Diese Atmosphäre beeinträchtigt natürlich die Lage der Deutschtürken, aber auch der Muslime insgesamt. Wie verfolgen Sie diese zunehmende Polarisierung?

Feridun Zaimoglu: Wer sind wir? Wir sind Deutsche. Wo leben wir? In Deutschland. Unser Land heißt Deutschland. Erst einmal sollte man bitte schön so klug sein, und nicht so emotional reagieren, sich nicht zum Handlanger von Politikern machen. Und ich meine damit beide Seiten. Weder hysterisch Richtung Türkei schreien, irgendwelche Befehle dekretieren, noch sollte man sich als Handlanger der türkischen Politik verstehen. Ich war immer der Meinung, raus aus dem Stamm. Ich war immer der Meinung, es zählen die Fakten. Es wäre grundfalsch – und das tun leider viele Deutschtürken – sich einspannen zu lassen. Um den schönen Qur’an zu zitieren: „Habt ihr keinen Verstand?“ Sie haben keinen Verstand. Sie lassen sich einspannen. Einigen Deutschtürken genügt es, zu schreien, zu schwitzen, Fähnchen zu schwenken. Denen genügt es, halb debile Sätze von sich zu geben. Das sind aber genau jene Leute, die man Schachmatt setzen kann, sie sind nämlich nicht verstandesbegabt. Wenn man sich das anschaut, sind diese Leute dafür verantwortlich, dass deutschstämmige Deutsche sagen, seht her, die Integration hat nicht geklappt. Als würden diese Comicgestalten tatsächlich Modell stehen für AfD-Phantasien. Sie tun alles, was erforderlich ist, um nicht nur Nazis und Rechtsnationale in ihren Vorurteilen zu bestätigen, sondern sie bestätigen dadurch auch Menschen in der Mehrheitsgesellschaft darin, dass es doch nicht so rosig gelaufen ist. Da sage ich in Richtung dieser hysterischen Deutschtürken: Vielen Dank aber auch! Ihr leistet uns einen Bärendienst. Es könnte jeder, auch ich könnte auf die Idee kommen: Wenn Du jetzt Fähnchen schwenken willst, wenn Du tatsächlich Partei ergreifen willst, dann gute Heimreise. Es liegt nahe, das so auszusprechen. Darüber sollten diejenigen nachdenken, die so hysterisch rumschreien, die völlig auf den falschen Schauplätzen kämpfen. Der wahre Schauplatz ist hier. Und man soll nicht feige sein und irgendeine falsche Identität konstruieren. Das hat schlimme Folgen und das sehen wir jetzt schon.

Islamische Zeitung: Feridun Zaimoglu, vielen Dank für das Gespräch.

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Time am 30. März 2017

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1) https://www.islamische-zeitung.de/wir-brauchen-keine-reformisten/

Ein großer Counterjihadi

3. März 2017

luther

In der „Welt“ berichtet Matthias Kamann über eine Auseinandersetzung zwischen EKD und Wissenschaftlern zum Thema Luther. Ein heutzutage besonders wichtiger Aspekt des Reformators wird nicht genannt: Er war Counterjihadi!

Lesen Sie zunächst den Artikel von Herrn Kamann (1) und sodann eine Zitatesammlung von Aussprüchen Luthers über den Nazislahm, die der ehemalige MoT-Kommentator Loewe 2013 zusammengestellt hat (2).

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„Grummelige Meckerstimmung“

Martin Luther macht die EKD ratlos –
und streitlustig

Die Kirche wirft ihren Theologen vor, über das Reformationsjubiläum nur zu meckern, aber nichts beizutragen. Die Angegriffenen kontern: Der EKD gehe es fast nur um Politik. Nicht aber um Religion.

Martin Luther hat gern gestritten. „Ich bin dazu geboren, dass ich mit Rotten und Teufeln muss kriegen“, sagte er. Genauso angriffslustig waren seine Widersacher. Insofern passt es, dass jetzt im Luther-Jahr auch bei der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) heftig gezankt wird. Aber inhaltlich geht es in diesem Clinch darum, dass die Feiern zum 500. Reformationsjubiläum gerade nicht zu Luther passen.

Denn im Jubeljahr ist bislang kaum zu erkennen, worum es Luther eigentlich ging und was daraus für die Gegenwart folgt. Renommierte Theologen haben der EKD mehrfach vorgeworfen, hierüber nichts Substanzielles zu sagen.

Die EKD schlägt zurück: Die Theologen würden nur meckern, aber nichts Konstruktives beitragen. Das meint der fürs Grundsätzliche zuständige Vizepräsident des EKD-Kirchenamts, Thies Gundlach. In der Zeitschrift „Zeitzeichen“ beklagt Gundlach, bei vielen Theologen gebe es eine „grummelige Meckerstimmung“ und „Ignoranz“ gegenüber dem Jubiläum.

Viele hätten sich „aus der konstruktiven Diskussion um das Jubiläum abgemeldet, weil sie bei der Kritik an Details stehen geblieben sind“. Unter den Professoren herrsche „ein kontinuierlicher Ton der Missbilligung, der die Gestaltung des Jubiläums durch Kirchen und Gesellschaft als Verrat an historischer Exaktheit und theologischer Verantwortung erkennen zu müssen meint“.

Gundlach, der anders als viele Kirchenleute die Polemik nicht scheut, legt sich mit angesehenen Wissenschaftlern an. Mit Friedrich Wilhelm Graf und Ulrich Körtner, mit Thomas Kaufmann und Dorothea Wendebourg. Sie und andere ließen die Kirchenleitungen „bei einer gegenwartsbezogenen Interpretation des Jubiläums allein“.

Die Angegriffenen wehren sich. Graf sagte der „Welt“, Gundlach gehe bei seiner Schelte „auf keines der Argumente, die von Theologen kritisch vorgetragen wurden, in der Sache ein“. Und Kaufmann, einer der weltweit produktivsten Reformationshistoriker, listet in einer Mail an Gundlach einige der wichtigsten Kritikpunkte der Theologen auf.

„Schlampiger Schnellschuss“

In dem Schreiben, das der „Welt“ vorliegt, nennt Kaufmann als kirchliche Fehler unter anderem „die Installation der Botschafterin“ – gemeint ist Margot Käßmann – sowie die EKD-Schrift „Rechtfertigung und Freiheit“, in der die Kirche 2014 versuchte, Luthers Gnadenlehre auf die Gegenwart zu beziehen. Als „schlampigen Schnellschuss“ bezeichnet Kaufmann diesen viel kritisierten Text.

Weiter beklagt Kaufmann, die EKD habe die akademischen Theologen bei der Jubiläumsvorbereitung in einem „praktisch handlungsunfähigen“ wissenschaftlichen Beirat „düpieren und kaltstellen“ wollen. Und was Gundlachs Kritik am Beharren der Theologen auf historischer Exaktheit betrifft, so kontert Kaufmann: „Offenbar ist es Ihnen noch immer nicht vorstellbar, dass man sich zu einem Phänomen wie der Reformation im Horizont gegenwartsverantworteter Theologie nicht anders als differenziert äußern kann und muss.“

Das verweist auf den Kern des Konflikts: Die Kirche will im Luther-Jahr Begeisterung für den reformatorischen Glauben wecken, doch ihre verkündeten Botschaften – oft politischer Natur und erfüllt vom Vertrauen in einen alles verzeihenden Gott – haben nach dem Urteil der Theologen wenig mit Luthers Ansichten zu tun.

Luthers Ansichten wirken heute sehr fremd

Aber weil diese Ansichten für heutige Menschen sehr fremd wirken, tun sich auch die Theologen schwer, den echten Luther für die Jetztzeit stark zu machen. Vielmehr schreiben sie brillant übers 16. Jahrhundert oder die heutige Kirchenkrise, kriegen aber ein Luthertum des 21. Jahrhunderts kaum hin.

Indes fragt sich, ob die EKD daran interessiert wäre. Das zeigt sich bei Gundlach. Der möchte von den Theologen wissen „welche konstruktive Bedeutung“ die Reformation „für das heutige Selbstverständnis nicht nur der Kirchen, sondern auch der Demokratie, der Menschenwürde, der Partizipation und so weiter hat“.

Meint Gundlach bei „und so weiter“ den Glauben? Jedenfalls scheint er weniger an Gemeindeglieder als vielmehr an Akteure der Politik zu denken. Deutlich wird das, wenn Gundlach zu beweisen versucht, dass es in der Gesellschaft ein großes, aber von den Theologen nicht befriedigtes Interesse an der Reformation gebe. Gundlachs Liste der Gewährsleute für seine These reicht „vom Deutschen Bundestag bis zur Kulturstaatssekretärin, von Freunden des Rotary Clubs bis zur Deutschen Bahn“.

Zu viel Politik, zu wenig Theologie

Darüber wundert sich die angegriffene Dorothea Wendebourg: „Gundlachs wichtigster Maßstab für die Bedeutung des Reformationsjubiläums scheint das Interesse von Politikern und außerkirchlicher Zivilgesellschaft zu sein“, sagte sie der „Welt“. Zwar sei es „gut und schön“, dass Politiker Erwartungen mit dem Jubiläum verbinden und der Staat es unterstützt. „Aber die Kirche kann sich doch dieses Interesse nicht einfach zu eigen machen, sondern muss ihre spezifischen, religiös-theologischen Gründe haben, das Gedächtnis der Reformation zu feiern.“

Doch hierbei biete die Kirche wenig. „Erstaunlicherweise kommt das Wort ‚Gott‘ in Gundlachs vielen Sätzen zugunsten des Jubiläums nicht vor“, sagt Wendebourg. Dabei sei es der Reformation um „das Verhältnis des Menschen zu Gott“ gegangen, und dazu hätten die Reformatoren „tatsächlich fundamental Neues“ gesagt. Aber eben immer in Bezug auf Gott, der auch in der Gegenwart hervorzuheben sei.

Statt davon zu sprechen, konzentriere sich die Kirche „in einer eigenartigen Neufassung des Bündnisses von Thron und Altar – heute Parlament und Altar – auf das, was an der Reformation für den Staat, die Menschenwürde oder die Demokratie wichtig sein könne“. Wendebourg: „Dann muss sie sich nicht wundern, wenn Theologen theologische Defizite beklagen und darauf hinweisen, dass Luther etwas anderes im Sinn hatte als das, was die kirchlichen Oberen nun vor allem herausstellen.“

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Dazu Leser Hauke H.:

Der Artikel macht vor allen Dingen eines deutlich: Die protestantischen Eliten befassen sich immer wieder gerne mit sich selbst. Kirchengelehrte gegen Kirchenführung. Der Glaube scheint keine Rolle zu spielen. Als protestantische Kirche würde ich mir in erster Linie Gedanken darüber machen, wie es angehen kann, dass in Hamburg-Horn eine Kirche zur Moschee wird. Von den zahlreichen geplanten Schließungen von Gotteshäusern mal abgesehen.

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Schon Martin Luther hat Mohammed durchschaut

Luther sieht Araber „als die wilden, rohen Leute“, und da Mohamed Araber ist, teilt er auch deren Charaktereigenschaften: „fleischliche Lust, Raub und Mord“ (vgl. Ehmann Seite 153).

Grobheit ist das Wesen Mohameds: „der grobe Gesel“ ist einer der „wilden, rohen Leute… Denn er ist ein Araber“, ja überhaupt ein „unsauberer, grober, unzüchtiger und fleischlicher Mensch“, ein „verzveifelter, böser, vihischer, sewischer Mensch“ (vgl. Ehmann Seite 159).

„Mahmet… ist ein Abgöttischer, ein Mörder, Frawenschender, Reuber und aller Laster vol gewest“ (vgl. Ehmann Seite 153).

Durch diese Ausrichtung auf „Sieg, Glück, Gewalt und Ehre der Welt… durch Gottes Zorn“ bedient der Koran die Instinkte des vorintellektuellen Proletariats, des „gemeine[n] man“ (vgl. Ehmann Seite 117).

Die Inkarnation begreift Mohamed nicht, „er ist zu grob dazu“. Aufgrund der Brutalität der Person und Biographie Mohameds kann dieser gar keinen Zugang zu Gott haben und kann daher auch kein Religionsstifter sein: „Denn wie nu offt gesagt, hat jn der heilige Geist so gröblich lassen liegen, das ein jeglicher sein falsch Geticht leichtlich erkennen möchte“ (vgl. Ehmann Seite 158).

Luther spricht vom „Teufel und seinem Apostel Mahmet“. Mohamed ist „ein Mensch, ja ein Teufel, und ein Erstgebornes Kind des Satans“; ein Diener des Teufels: „Mahmet, oder viel mehr sein Meister der Teuffel“.

Der Teufel hat somit Mohamed instrumentalisiert, denn allen „Unflat, so der Teufel durch andere Ketzer hin und wider gestrewet, den hat er durch Mahmet auff einen Hauffen heraus gespeiet“ (vgl. Ehmann Seite 163).

Der Koran als Werk Mohameds ist für Luther damit ein Versuch des Teufels, die Welt zu betrügen: „Hie zu braucht er nu eines Menschen, ja eines Teuffels, mit Namen Mahmet, der ein abgöttischer Mensch und arm, doch hohmütig und bertunbt in der schwartzen Kunst“.

Muslime mit ihren koranischen Vorschriften, die von Gott weg führen, sind für Christen die größte Strafe auf Erden: „das der Türcke [gemeint ist der Moslem] gewislich sey der letzte und ergeste Zorn des Teuffels widder Christum, damit er dem Fass den boden ausstosset, und seinen Grym gantz ausschüttet widder Christus Reich, Dazu auch die grbsseste Straffe Gottes auff Erden uber die Undanckbarn und gotlosen Verechter und Verfolger Christi und seines Worts und on Zweiffel der Vorlauf der hellen und ewiger Straffe“ (vgl. Ehmann Seite 312).

Luthers Ratschlag: Lest den Koran – aber als Abschreckung!

„Wolten Christo zu ehren, den Christen zu gut, den Turcken zu schaden, dem Teuffel zu verdries, dis buch lassen frey gehen und nicht hindern“, so Luthers Brief an den Rat zu Basel vom 27. Oktober 1542. „Mich hat das bewogen, das man dem Mahmet oder Turcken nichts Verdrieslicheres thun, noch mehr Schaden zu fugen kann (mehr denn mit allen Waffen), denn das man yhren Alcoran bey den Christen an den Tag bringe, darinnen sie sehen mugen, wie gar ein verflucht, schendlich, verzweivelt Buch es sey, voller Lugen, Fabeln und aller Grewel, welche die Turcken bergen und schmucken und zu Warzeichen ungern sehen, das man den Alcoran ynn andere Sprache verdolmetscht. Denn sie fulen wol, das yhnen grossen Abfal bringet bey allen vernunfftigen Hertzen“ (vgl. Ehmann Seite 423).

– Johannes Ehmann, Luther, Türken und Islam: Eine Untersuchung zum Türken- und Islambild Martin Luthers (1515-1546/Quellen und Forschungen zur Reformationsgeschichte)

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Time am 3. März 2017

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1) https://www.welt.de/politik/deutschland/article162541249/Martin-Luther-macht-die-EKD-ratlos-und-streitlustig.html
2) https://madrasaoftime.wordpress.com/2013/04/19/luther-und-der-nazislahm/