Posts Tagged ‘Dr. Thilo Sarrazin’

Nicht alle Linken sind Orklakaien

9. Dezember 2018

Lesen Sie einen Artikel von „PI“ (1).

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Bündnis gegen Neuköllner Unzumutbarkeiten

„Ehrlos statt wehrlos“ – Islamkritik aus dem linken Milieu

Islamkritik ist im linken Milieu äußerst selten vorzufinden. Das dort etablierte Weltbild der großen Gleichheit, der Kulturrelativismus scheint die gesunde, sachliche Auseinandersetzung mit dem Islam zu verhindern und zu blockieren. Thilo Sarrazin ist sicherlich ein Sonderfall, ansonsten fallen einem spontan Heinz Buschkowsky, Boris Palmer und Cem Özdemir mit seiner „Initiative Säkularer Islam“ ein, wenngleich deren Kritik sicherlich in keiner Weise deckungsgleich ist. Das ist erstaunlich und man kann auf diese weitestgehende Ignoranz – sowohl auf der Straße, als auch in der Politik- und Medienlandschaft – nur mit Verwunderung reagieren.

Wenn man auf linken Demonstrationen in die Gesichter von beispielsweise jungen erzürnten Frauen blickt – am besten noch bunt gekleidet, atheistisch, selbstbewusst, vielleicht sogar betont lesbisch, mit Nasenring und teilrasiertem Schädel – so sind es doch gerade diese, denen von bekennenden, fundamentalistischen Muslimen am meisten Verachtung entgegengebracht wird und die insofern als erste den Baukran oder die Steinigung zu befürchten hätten.

Bei einigen setzt irgendwann der Verstand ein.

Sei es 1.) durch die nüchterne Feststellung, dass es in keinem der 57 islamischen Länder Demokratie, Freiheit und Gleichberechtigung gibt oder 2.) durch die Auseinandersetzung mit dem Koran und der Erkenntnis, dass sich dieser wie eine Anleitung zu 9/11 und IS liest oder 3.) durch die täglichen Meldungen über von muslimischen Tätern verübte Gewaltverbrechen oder eben 4.) durch Erfahrungen am eigenen Leibe, wie etwa durch die Arbeit mit Migranten oder das Leben in einem sogenannten Multikulti-Bezirk.

Es kommt zum „islamkritischen Coming out“. So auch bei dem im Frühjahr 2018 in Berlin-Neukölln gegründeten „Bündnis gegen Unzumutbarkeiten“ EHRLOS STATT WEHRLOS.

In einem Radio-Interview und auf der Homepage erklärt sich der Verein:

„Angriffe auf Schwule, Lesben und Transsexuelle […] nehmen in Berlin massiv zu. Ebenso die Gewalt gegen Juden und Israelis. […] In einem Kiez, der sich selbst gern als offen, bunt und tolerant darstellt, zieht man es bisher vor, darüber zu schweigen. Wir nicht. […] Man leugnet in der politischen Öffentlichkeit verständnisvoll die Ursachen und Motive der Gewalt. Lieber toleriert man ein mindestens als chauvinistisch zu bezeichnendes Gebaren junger Männer, denen Toleranz soviel wie Schwäche bedeutet, als sich durch eine deutliche Stellungnahme dem Verdacht der „Islamophobie“ oder des Rassismus auszusetzen […]. Linke und Liberale nehmen hier viel Rücksicht auf das soziale Umfeld, vornehmlich auf einen sogenannten Migrationshintergrund, auf den diese Menschen rassistisch reduziert werden […]. Wer Rassismus bekämpft, sollte auch diejenigen ernst nehmen, in deren Namen er oder sie zu sprechen meint, sie nicht zu Abkömmlingen einer fremden Welt erklären – und sie so zugleich entmündigen sowie ihr Handeln durch Duldung bestärken […]. Warum der Hass auf Juden, Homosexuelle und Frauen sowie auf alles dem eigenen Ehrenkodex Widersprechende in einem Milieu, das sich selbst mit großem Nachdruck als arabisch und islamisch versteht, offenbar stärker ausgeprägt ist als in anderen, z.B. italienischen, vietnamesischen, selbst deutschen, muss man nicht beantworten können, um Hass und Gewalt etwas entgegenzusetzen. […] Auch Muslime haben nicht nur das Recht, zu glauben, was sie glauben, sondern ebenso das Recht, der ihnen auferlegten Kultur zu entkommen. Es ist leider bezeichnend, dass Politiker sich selten an diese Betroffenen wenden, sondern lieber an ihre vermeintlichen Repräsentanten: meist konservative Islamverbände.“

Das ist für eine linke Gruppe ein erfrischend deutlicher, aber ziemlich harter Tobak mit dem sich der Verein nicht nur Freunde gemacht hat. Islamkritik aus dem LGBT- und Feminismus-Umfeld ist nicht neu, wie u.a. Alice Schwarzer, David Berger oder Daniel Krause beweisen. Auf Diffamierungen musste das Bündnis nicht lange warten; „rechtspopulistisch sei der Verein, muslimische junge Männer wolle man stigmatisieren und Ressentiments schüren sowie orientalistische Stereotype verbreiten etc.“, hieß es. Als die Gruppe im Oktober dieses Jahres dann auch noch fundiert erklärte, der #unteilbar-Demonstration fernbleiben zu wollen, da man nicht Seite an Seite mit Islamisten, Antisemiten und Freunden autoritärer Staaten marschieren wolle, galt man bei vielen vollends als Nestbeschmutzer.

EHRLOS STATT WEHRLOS macht Hoffnung. Entstanden ist ein kleiner, wacher Think Tank aus vorwiegend Alt-68ern, Künstlern, Studenten, Frauen, die ehrenamtlich in Flüchtlingsheimen arbeiten, also wirklich „Linken wie aus dem Bilderbuch“ und über jeden Zweifel erhaben weder rassistisch noch populistisch. Sie kommen regelmäßig zu gut kuratierten Lesungen, Vorträgen, Filmvorführungen und anschließenden Diskussionsrunden zusammen. So wird beispielsweise über „Gewalt im Namen der Ehre“ referiert oder Samuel Schirmbeck liest ihnen anhand seines Buches „Gefährliche Toleranz – Der fatale Umgang der Linken mit dem Islam“ die Leviten. Man kann sich dabei des Eindrucks nicht verwehren, dass viele Besucher durchaus zähneknirschend den Ausführungen lauschen, da sie sich eingestehen müssen, zahlreiche berechtigte Positionen und Befürchtungen selber noch kürzlich undurchdacht als „islamophob“ abgelehnt zu haben. Doch besser eine späte Erkenntnis als gar keine. Es fallen Namen wie Hamed Abdel-Samad und Seyran Ates, ja selbst Sarrazin, dessen Thesen man zwar nicht gutheißt, aber zumindest nüchtern zu besprechen in der Lage ist.

EHRLOS STATT WEHRLOS ist Beweis dafür, dass eine längst überfällige sachliche und kluge Islamkritik auch aus dem linken Milieu möglich ist. Und das ist auch in keiner Weise widersprüchlich, im Gegenteil. Die Bedrohung unserer freiheitlichen westlichen Art zu leben durch den Islam betrifft jeden und ihr kann nur mit vereinten Kräften, milieu- und parteiübergreifend entgegengewirkt werden.

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Time am 9. Dezember 2018

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1) http://www.pi-news.net/2018/12/ehrlos-statt-wehrlos-islamkritik-aus-dem-linken-milieu/

Kein Integrationsinteresse

14. November 2017

Lesen Sie einen Beitrag von Thilo Sarrazin von „Achgut“ (1).

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Auch ohne Arbeit besser als in der Heimat

Knapp 60 Prozent der Deutschen gehen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach, 5.4 Prozent sind arbeitslos. Ausländer vom Balkan oder aus osteuropäischen Drittstaaten sind zu knapp 40 Prozent sozialversicherungspflichtig beschäftigt, rund 15 Prozent sind arbeitslos.

Ausländer aus nichteuropäischen Asylherkunftsländern sind dagegen nur zu 10 Prozent sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Ihre Arbeitslosigkeit beträgt über 50 Prozent. Die wenigen, die Arbeit gefunden haben, sind fast ausschließlich in ungelernten, einfachen Tätigkeiten. Ihre Abgangschance in Arbeit (also die Wahrscheinlichkeit, innerhalb eines Jahres Arbeit zu finden) schätzt die Arbeitsverwaltung auf zwei Prozent.

Bei diesem Tempo würde es 50 Jahre dauern, bis alle Arbeit gefunden haben. Aber das ist natürlich ein theoretischer Wert. Erstens werden sie älter, zweitens bauen sich ihre Qualifikationsdefizite nicht automatisch ab. Und drittens merken sie beim Warten und Nichtstun, dass der deutsche Sozialstaat sie mit Wohnraum, Krankenversicherung und Geldleistungen gut versorgt. Auch ohne Arbeit ist ihr Lebensstandard weitaus höher als in der Heimat.

Das Problem ist alt

Das Problem entstand nicht erst mit dem Flüchtlingszustrom seit 2015, auch davor waren die Ausländer aus den Asylherkunftsländern kaum in den Arbeitsmarkt integriert. Aber mit dem plötzlichen Zuzug von weiteren 1,5 Millionen vorwiegend jungen Männern hat es sich dramatisch verschärft. Es handelt sich um eine tickende Zeitbombe. Die meisten sind Muslime. Gefühle von Erfolglosigkeit und Nutzlosigkeit können vorhandene Radikalisierungstendenzen verschärfen. Lässt man Familiennachzug zu, so beschleunigt das die Bildung neuer beziehungsweise die Vergrößerung bestehender Parallelgesellschaften.

Das Beste wäre es, diese jungen Menschen möglichst schnell in Arbeit zu bringen oder sie zumindest auszubilden, ehe im Nichtstun Demotivierung und Radikalisierung einsetzen. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Nur, wer kümmert sich darum? Die Behörden – Arbeitsämter und Kommunen – tun es jedenfalls nicht. Sie sind voll mit der Erfassung, Verwaltung und Versorgung von Asylbewerbern und Zuwanderern ausgelastet. Bei den angebotenen Sprachkursen springen die meisten Teilnehmer ab, ehe der Lernerfolg einsetzt. Eine Vermittlung in Lehrstellen gelang nur in seltenen Fällen. Unternehmen zeigen sich wegen des Mangels an Sekundärtugenden bei den jungen Leuten frustriert.

Fünf bis zehn sollen es sein

Kürzlich traf ich eine alte Bekannte, jenseits der aktiven Berufsphase, kulturwissenschaftlich gestählt und in Sozialarbeit erfahren. Sie bringt junge Männer unter den Flüchtlingen und Migranten in Ausbildung und Arbeit. Dazu geht sie in Flüchtlingsunterkünfte und sucht Kandidaten aus, die wirklich wollen und bereit sind, sich anzustrengen. Diese werden von ihr sehr eng und zeitaufwendig über Jahre begleitet. Bei zweien hatte sie bereits Erfolg, bei einem dritten erhofft sie ihn. Für die kommenden Jahre hat sie sich zum Ziel gesetzt, fünf bis zehn junge Asylbewerber in Arbeit zu bringen.

Von Projekten aller Art hält sie überhaupt nichts, es zähle nur die Arbeit am Einzelfall, und diese erstrecke sich regelmäßig über Jahre, wenn sie erfolgreich sein solle. Bei vollem zeitlichen Engagement ergebe sich eine Betreuungsquote von maximal eins zu zehn. Nach diesem Maßstab braucht man allein für Berlin 5.000 Vollzeitbetreuer, denn in der Stadt leben 50.000 Asylbewerber, die seit Herbst 2015 kamen. Für die anderhalb Millionen im ganzen Bundesgebiet wären entsprechend 150.000 Betreuer notwendig.

Nicht jeder eignet sich zum Betreuer. Es müssen robuste Menschen mit sozialer Kompetenz, großer Motivation und hoher Frustrationstoleranz sein, die Zugang zu Behörden, Firmen und Arbeitsplätzen haben und ihre „Schützlinge“ sowohl straff anleiten als auch motivieren können. Mit voller Berufstätigkeit ist solch ein Engagement nicht vereinbar, man ist dazu auf die „rüstigen Rentner“ angewiesen. Was ist aber, wenn diese in ihrem wohlverdienten Ruhestand lieber Golf spielen und nach Mallorca reisen, sofern sie noch ausreichend vital sind?

Die Asylbewerber bleiben sich selbst überlassen

In Berlin wird man keine 500 Betreuer mit dem nötigen Engagement und Profil finden, bundesweit ist es nicht anders. Die weitaus meisten Asylbewerber bleiben sich selbst überlassen. Meine Bekannte sagte voller Erbitterung, 15.000 hätte Angela Merkel ja aus humanitären Gründen ins Land lassen können, der Rest sei unverantwortlich gewesen.

Unser Gespräch fand in Berlin-Neukölln statt, so kamen wir auf die dort lebenden Migranten zu sprechen. Meine Bekannte zeigte sich fassungslos, dass exakt die alten Fehler wiederholt werden:

Der Marsch in die Parallelgesellschaften begann nicht in den 60er Jahren mit dem Gastarbeiterzuzug, sondern seit 1973 mit dem Familiennachzug. Dieser führte zur kulturellen Abschottung und zum Transfer traditioneller Clanstrukturen aus dem Maghreb und dem Nahen Osten nach Deutschland.

Die sogenannten Libanon-Flüchtlinge, die Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre nach Deutschland kamen, waren die Keimzelle der arabischen Großclans, deren organisierte Kriminalität heute in Deutschland eine so große Rolle spielt.

Ein Integrationsinteresse gibt es in diesen Gruppen nicht. An die Stelle der von uns erhofften Loyalität zu Deutschland tritt für die meisten die Loyalität zu ihren Großfamilien und die Loyalität zur islamischen Religion, zumeist in ihren wenig aufgeklärten Versionen.

Für die Integration, so meine Bekannte abschließend, sei der größte Teil der in Neukölln lebenden Muslime verloren. Mit der unbedachten Masseneinwanderung seit 2015 haben wir uns ein vergleichbares, nur viel größeres Problem eingehandelt.

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Time am 14. November 2017

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1) http://www.achgut.com/artikel/auch_ohne_arbeit_besser_als_in_der_heimat

Eine einsame Entscheidung

18. Mai 2017

Lesen Sie einen Artikel von Thilo Sarrazin von der „Achse“ über die verheerendste Entscheidung, die je ein deutscher Bundeskanzler getroffen hat (1).

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Wenn Politiker zu viel reisen und zu wenig denken!

Menschen unterscheiden sich in ihrer Gedankenschärfe, in ihrer Fähigkeit, Zusammenhänge zu sehen, und in ihrem Urteilsvermögen bei komplexen Problemen. Aber es gibt klare Bedingungen, unter denen jeder Geist am besten arbeitet: Ausreichender Schlaf, wenig Ablenkung, ruhige Konzentration auf eine Sache. Menschen, die etwas leisten wollen, richten ihr Leben so ein, dass sie ihr Leistungsvermögen am besten einsetzen können. Immanuel Kant verließ niemals Königsberg. Darunter hat sein Scharfsinn nicht gelitten, im Gegenteil. Goethe verließ nur selten Weimar, bei Gesellschaften war er wählerisch.

Bismarck verbrachte als Reichskanzler Monate auf seinen Gütern. Seine Reichskanzlei bestand aus nur wenigen Mitarbeitern. Was er tat, war durchdacht, selbst seine Fehler hatten System. Der junge Kaiser Willhelm II. entließ ihn alsbald, er wollte selber mächtig sein. Die Akten liebe er nicht. Er reiste viel und hielt dann Reden, vor denen sich die Diplomaten fürchteten. Schnell in der Auffassung und oberflächlich im Detail, dachte er nur wenig wirklich zu Ende. So half er Deutschland, in den Ersten Weltkrieg zu stolpern.

Konrad Adenauer wurde 1933 im Alter von 57 Jahren unfreiwillig zum Frühpensionär, weil die Nazis ihn aus dem Amt des Oberbürgermeisters von Köln vertrieben. Beim Rosenzüchten in Rhöndorf hatte er dann 12 Jahre Zeit, viel nachzudenken. Mit Härte und Konsequenz strebte er nach dem deutschen Zusammenbruch das Amt des Bundeskanzlers an und konzentrierte sich dort auf wenige Punkte: Westbindung und NATO-Mitgliedschaft, Antikommunismus, Aussöhnung mit den Juden, deutsch-französische Freundschaft.

Zum Mittagsschlaf zurück nach Hause

Er reiste wenig. Mittags fuhr er aus dem Kanzleramt zum Mittagsschlaf in sein Haus nach Rhöndorf. Die Kräfte seines vorgerückten Alters sparte er sich für das Wichtige auf. Dann war er aber voll da, ein Meister der einfachen, sparsamen aber punktgenauen Kommunikation. In den 14 Jahren seiner Kanzlerschaft gab es keine einzige spontane Wendung. Er hatte ein Programm, und er zog es durch. Nach dem Mauerbau am 13. August 1961 reiste er zunächst für Wochen nicht nach Berlin, obwohl seine Berater und die Öffentlichkeit ihn drängten. Er wollte nicht durch Bilder und Emotionen unter Zugzwang geraten.

Moderne schnelle Kommunikation und komfortabler Lufttransport ermöglichen den Politikern der Gegenwart eine hohe, fast gleichzeitige Präsenz an vielen Orten und einen ständigen persönlichen Austausch. Aber der Tag wird dadurch nicht länger, die körperlichen und geistigen Kräfte werden damit nicht größer. Im Gegenteil, jede Reise zehrt – auch beim komfortabelsten Transport. Ist man irgendwo angekommen, dann begehren die Besuchten und Gesprächspartner Auskünfte, Festlegungen, Geld, Waffen, was auch immer. So steht dann ein müder Minister in der heißen Sonne oder unter dem Gebläse einer Klimaanlage, hat kein Konzept und will doch etwas sagen. Die Zeit und Kraft wären oft besser investiert worden in solide Information und kritisches Nachdenken.

Was tut Gabriel in Somalia?

Vor einigen Tagen tauchte Außenminister Sigmar Gabriel überraschend in einem Flüchtlingslager in Somalia auf. 16 Stunden brauchte er für Hin- und Rückflug, Sieben Stunden weilte er dort, watete durch den Staub und ließ sich eine Schule vorführen, in der islamistische Terroristen in Demokratie unterrichtet und zu einem besseren Lebenswandel bekehrt werden sollen. Kein Wort fiel von Gabriel darüber, dass nicht die Dürre das Problem Somalias ist – die ist jener Weltgegend ein stabiles, wiederkehrendes Phänomen –, sondern die geradezu explosionsartige Zunahme der Bevölkerung und die rückständige Viehwirtschaft, die zur Überweidung der Savannen und Halbwüsten und zur Zerstörung der Natur führt, dazu der Zusammenbruch des Staatswesens in jahrzehntelangen Bürgerkriegen.

Ändern können das nur die Somalier selber. Das war aber nicht die öffentliche Botschaft des Ministers. Die bestand in der gedankenlosen Forderung nach mehr Nahrungsmittelhilfe seitens der internationalen Gemeinschaft. So werden die Probleme kurzfristig verkleistert und langfristig verschlimmert. Sicherlich war es nur Zufall, dass die Bundeskanzlerin gleichzeitig in Saudi-Arabien war und ihre Bilder vom Besuch beim König Salman im deutschen Fernsehen dominierten. Den Außenminister hatte sie nicht mitgenommen, so musste der sich 2.500 Kilometer weiter südlich auf den deutschen Bildschirmen in Erinnerung bringen.

Unnötig ist es wohl, an dieser Stelle zu erwähnen, dass die deutsche Regierung weder über eine erkennbare Afrika-Strategie noch eine erkennbare Nahoststrategie verfügt. Wie seinerzeit bei Kaiser Wilhelm tritt anscheinend Reisen an die Stelle des Nachdenkens.

Entscheidung zwischen zwei Terminen

Schlimmer aber sind die ständigen Kurzreisen nach Brüssel, vor allem wenn sie in Nachtsitzungen münden, die in den frühen Morgenstunden mit undurchdachten Kompromissen der übermüdeten Teilnehmer enden und so z. B. die x-te „Rettung“ Griechenlands ermöglichen.

Die schwerwiegendste Entscheidung ihres Lebens, die Öffnung der deutschen Grenzen für die Flüchtlinge aus Ungarn, traf Angela Merkel am 4. September 2015 im Verlauf eines Reisemarathons quer durch Deutschland zu lauter unwichtigen Terminen. Am 3. September war sie zum Staatsbesuch in der Schweiz gewesen. Am 4. September hatte sie zunächst morgens die übliche Lagebesprechung im Kanzleramt. Alle Probleme dieses dramatischen Tages lagen bereits in der Luft, die Lage am Hauptbahnhof in Budapest war bekannt

Die Kanzlerin flog gleichwohl nach München und besuchte zunächst um 11:15 Uhr die Grund- und Mittelschule in Erlbach. Dann besuchte sie ein Gründerzentrum der TU München. Die gleichzeitig stattfindende Feierstunde der CSU zum 100. Geburtstag von Franz-Josef Strauß hatte sie „aus Termingründen“ abgesagt. Anschließend flog sie mit der Flugbereitschaft der Bundeswehr nach Köln und von dort weiter mit dem Hubschrauber nach Essen zu einer Wahlkampfveranstaltung für die Oberbürgermeisterwahl.

Merkel hier, Merkel dort

Von dort brachte sie der Hubschrauber wieder nach Köln, wo sie eine Rede zum 70. Geburtstag der NRW-CDU hielt. Die sich verschärfende Lage in Ungarn verfolgte sie auf ihrem Handy. Mit Orban sprach sie nicht, die beiden sind keine Freunde. Nach vielen vergeblichen Versuchen bekam sie schließlich der damalige österreichische Bundeskanzler Faymann in Köln ans Telefon. Vor dem Rückflug mit der Bundeswehrmaschine nach Berlin telefonierte Merkel mit Steinmeier und Gabriel. Die beiden hatten den Eindruck, die Entscheidung sei schon gefallen. Seehofer erreichte sie nicht. Der schlief bereits in seinem Ferienhaus nach der anstrengenden CSU-Feier. Mit Innenminister de Maiziére wollte sie auch telefonieren, aber der war krank. Wieder zurück in ihrer Berliner Privatwohnung, rief Merkel schließlich kurz vor Mitternacht Faymann an und erklärte sich zur Grenzöffnung bereit.

Die folgenreichste Entscheidung, die ein deutscher Bundeskanzler je getroffen hatte, fiel einsam, im Gedränge von lauter unwichtigen Terminen, auf dem Rücksitz von Limousinen oder im Geknatter der Rotorblätter und ohne wirkliche Beratung mit irgendjemandem. Bei dem Reisekaiser Wilhelm II. war immerhin von Vorteil gewesen, dass er im gut geölten preußischen Beamtenstaat wenig zu entscheiden hatte. Bei Bismarck und Adenauer wiederum war undenkbar, dass sie in wichtigen Momenten der Geschichte ihr Entscheidungs- und Geisteskraft durch unnötiges, geradezu frivoles Herumgereise schwächten.

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Time am 18. Mai 2017

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1) http://www.achgut.com/artikel/wenn_politiker_zu_viel_reisen_und_zu_wenig_denken

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PS: Sehen Sie ergänzend ein Video von Bildungsministerin Wanka, das ich von F. A. Medforth habe:

http://fredalanmedforth.blogspot.de/2017/05/131555-bildungsministerin-wanka-kann.html

Persönlich enttäuscht

8. Mai 2016

Distel

Von Angela Merkel, die ich viele Jahre lang bewundert habe, bin ich nunmehr sehr enttäuscht.

Lesen Sie einen Artikel von Thilo Sarrazin, den ich von der „Achse“ habe (1).

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Wohin mit Mutti?

Das Ost-Berliner Kabarett-Theater Distel hat für Mitte Mai sein neues Programm angekündigt „Wohin mit Mutti?“. Auf dem Plakat sieht man eine Person im Hosenanzug, die Hände formen ein nachdenkliches Dreieck, der Kopf steckt in einem leuchtenden Lampenschirm. So erhält die fortwährende moralische und geistige Erleuchtung, die Deutschland durch seine Kanzlerin erfährt, ein prägendes Symbol. Das Plakat ist sehr witzig, einen Besuch der Distel habe ich bereits vorgemerkt.

Wäre solch ein Plakat in der Türkei denkbar, mit dem Kopf des Präsidenten Erdogan im Lampenschirm? Wohl kaum. Zu den über 2000 Anklagen, die in der Türkei wegen Beleidigung des Präsidenten laufen, käme eine weitere hinzu. Außerdem könnte die Steuerverwaltung entdecken, dass das Theater mit seinem Abgaben im Rückstand ist, die Einnahmen pfänden und so die Schließung erzwingen. Vielleicht reicht es aber auch aus, den Regisseur und zwei Hauptdarsteller in vorläufige Haft zu nehmen. Niemand weiß das im voraus, und so ist es unwahrscheinlich, dass in Ankara solch ein Satiretheater wie die Distel, nur wenige 100 Meter vom Regierungssitz entfernt, eine Überlebenschance hätte.

Nun ist es zwar bedauerlich, aber nicht neu, dass westeuropäische Standards der Meinungsfreiheit nicht überall in der Welt herrschen. Allerdings hat sich Europa seine Standards bislang nicht von anderen diktieren lassen. Es ist nicht bekannt, dass der Osmanische Sultan Mehmed V. beim deutschen Kaiser Wilhelm II. in Presseangelegenheiten interveniert hätte und dieser daraufhin tätig geworden wäre.

Die Bundeskanzlerin liebt moralische Zensuren

So betrat man zweifellos Neuland in den gegenseitigen Beziehungen, als das türkische Ausßenministerium den deutschen Botschafter am 22. März offiziell einbestellte, um gegen ein zweiminütiges Spottvideo im 3. Programm des Norddeutschen Rundfunks „Erdowie, Erdowa“ zu protestieren. Das kam in Deutschland gar nicht gut an, wäre aber bald vergessen worden, hätte nicht der Satiriker Böhmermann am 31. März sein Schmähgedicht zu Erdogan in seiner ZDF-Satiresendung ausgestrahlt. Dafür, dass Erdogang gegen solch eine geballte Schmähkritik gerichtlich vorgeht, kann man sogar Verstädnis haben. Allerdings hätte der Papst viel zu tun, wenn er sich gegen vergleichbare Beleidigungen jedesmal gerichtlich wehrte, und es wäre auch nicht gut für seine päpstliche Würde.

Das bleibt aber zunächst eine Angelegenheit des türkischen Präsidenten. Eine ganz neue Dimension wurde erreicht, als sich die Bundeskanzlerin in der Folge beim türkischen Ministerpräsidenten Davotoglu für das Schmähgedicht entschuldigte und es „bewusst verletzend“ nannte. Die Bundeskanzlerin liebt moralische Zensuren, und sie liebt es auch, in solchen Zusammenhängen die Muskeln der Staatsmacht spielen zu lassen. Das habe ich selbst erlebt. Meist kommt sie damit durch, diesmal war es aber anders. Dieser erneute Fauxpas mit einer Betragenszensur an falscher Stelle berührt nämlich gleich drei wunde Punkte:

Er wirft zunächst die Frage auf, wie ernst es der Kanzlerin mit der Meinungsfreiheit ist. Der scharfe Abfall in ihren persönlichen Beliebtheitswerten veranlasste sie zu einer für ihre Psyche ganz ungewöhnlichen Korrektur: Sie erklärte öffentlich, es sei falsch gewesen, das Gedicht als „bewusst verletzend“ zu bezeichnen, und ihr Regierungssprecher betonte wiederholt, wie wichtig ihr die Meinungs-, Wissenschafts- und Kunstfreiheit sei. Das konnte den Schaden natürlich nicht beheben. Auch von Putin oder Erdogan sind solche Beteuerungen jederzeit zu hören.

Sodann erhebt sich die Frage, ob die selbst gewählte Abhängigkeit Deutschlands von der Türkei in Fragen der Flüchtlingspolitik ein vermehrtes Hineinregieren der Türkei in innerdeutsche Angelegenheiten zur Folge haben wird. Diese Abhängigkeiten sind ja objektiv gegeben. Es liegt allein in der Hand des von Deutschland eingesetzten Grenzwächters Türkei, ob mehr oder weniger Flüchtlinge auf den griechischen Inseln ankommen und in welchem Umfang die Tätigkeit der Schlepper unterbunden wird. Die Eilfertigkeit, mit der sich die Bundeskanzlerin beim türkischen Ministerpräsidenten entschuldigte, konnte als Ausfluss dieser Abhängigkeit interpretiert werden.

Diese Abhängigkeit zeigt sich auch in dem kolossalen Druck, den die Bundesregierung entfaltet, um bis zur Jahresmitte die Visafreiheit für türkische Bürger bei der Einreise in die EU zu erreichen. Die Türkei hat ja schon unverhohlen damit gedroht, das Grenzabkommen wieder außer Kraft zu setzen, wenn die Visafreiheit als politische Gegenleistung nicht kommt. Auf die Europäische Kommission kann man in diesem Punkt offenbar nicht hoffen, Jean Claude Juncker steht hier fest an der Seite der Bundeskanzlerin, denn er möchte das Schengen-Regime um nahezu jeden Preis retten. Wenn die Visafreiheit scheitert, wird sie am Widerstand der Franzosen scheitern.

Angela Merkel wird zu den Verlierern gehören

Der dritte wunde Punkt ist ein generelles Unbehagen über eine Einlussnahme des Islams auf die Werte unserer Kultur. Dazu gehören Fatwahs gegen Schriftsteller, Todesdrohungen gegen Karikaturisten, Attentate auf satirische Zeitschriften, das Verschwinden von Schweinefleisch aus den Kantinen der Schulen, der wachsende Anteil muslimischer Schüler, die nicht am gemeinsamen Sport- und Schwimmunterricht und an Klassenfahrten teilnehmen, die Tätigkeit der türkischen staatsfinanzierten Ditib an Moscheen in Deutschland, aber eben auch die Versuche der türkischen Regierung, auf die Grenzen der Meinungsfreiheit in Deutschland und Europa unmittelbar Einfluss zu nehmen. Diese Ängste treiben den Aufstieg islamkritischer Parteien.

Für diesen Aufstieg hat die deutsche Bundeskanzlerin durch ihr missverständliches Agieren jetzt erneut eine Menge getan. Gleichzeitig hat sie für sich persönlich eine neue Front eröffnet, die sie nicht mehr mit einer eigenen Entscheidung schließen kann und an der sie auch nicht gewinnen kann. Das Gerichtsverfahren von Erdogan gegen Böhmermann wird über alle Instanzen gehen, das haben beide Seiten bereits angekündigt, und es wird vor der nächsten Bundestagswahl im Herbst 2017 voraussichtlch nicht abgeschlossen sein. Wie immer es auf den einzelnen Instanzen ausgeht, Angela Merkel wird immer zu den Verlierern gehören: Wenn Böhmermann gewinnt, wird sie verlieren, weil sie sich von ihm öffentlich distanziert hat. Wenn er verliert, wird sie auch verlieren, weil sie durch ihre Kritik den türkischen Präsidenten quasi zur Klage ermutigt hat.

In der Rückbetrachtung mag es so sein, dass dieser Anruf beim türkischen Ministerpräsidenten das politische Ende von Angela Merkel eingeläutet hat.

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Time am 8. Mai 2016

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1) http://www.achgut.com/artikel/wohin_mit_mutti

Der Pfau gefällt nicht mehr so recht

9. März 2014

MichaelKlein

Im Blog „Kritische Wissenschaft“ rezensierte Michael Klein gekonnt die angebliche Rezension des neuen Sarrazins von Klaus „der Pfau“ J. Bade (1), auf welche ich am 24. Februar eingegangen war (2).

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Der Wissenschaft einen Bären-Dienst erwiesen:
Klaus Bade rezensiert Thilo Sarrazin

Vorweg: Klaus J. Bade ist ein verdienter Migrationsforscher, einer der wenigen alten und kenntnisreichen Professoren, die Deutschland in diesem Feld vorzuweisen hat. Eigentlich hat Bade so viele Verdienste, dass er es nicht nötig hätte, Zugeständnisse an den politisch korrekten Zeitgeist zu machen. Dennoch hat er eine Rezension zum neuen Buch von Thilo Sarrazin  “Der neue Tugendterror” geschrieben, die aus unserer Sicht besser nicht geschrieben worden wäre.

Die Renzension, veröffentlicht in “MiGAZIN – Integration und Migration in Deutschland” ist lang. Wer sie lesen will, muss einige Zeit mitbringen und sich durch das MiGAZIN klicken. Die Renzension, geschrieben von dem Wissenschaftler Klaus J. Bade ist darüber hinaus keine Rezension, denn es fehlen ihr die Kennzeichen, die eine Rezension auszeichnen: die Darstellung von Aufbau und Inhalt des rezensierten Werkes, die Einordnung in das Themenfeld und abschließend eine Abwägung der Stärken und Schwächen des Buches, das rezensiert worden ist.

Die Struktur, die Bade im Buch von Sarrazin gleich zu Anfang seiner Rezension bemängelt, die “so verschachtelt [sein soll], dass der Autor immer wieder mit lästigen langen gliedernden Hinweisen, Ankündigungen und Rückbezügen, den roten Faden hochhalten muss”, diese Struktur fehlt in der Renzension von Bade gleich ganz. An die Stelle der Beschreibung dessen, was man sich zu rezensieren vorgenommen hat, tritt die für Leser höchst ärgerliche ständige Bewertung des Gelesenen. Dementsprechend erfährt jemand, der das Buch von Sarrazin nicht kennt, zwar nicht was Sarrazin schreibt, aber er merkt sehr schnell, wie Bade das, was Sarrazin schreibt, bewertet, etwa wenn er davon schreibt, Sarrazin habe sein Buch “zusammengequält”, vom “beleidigten und beleidigende[n] Autor” spricht, Sarrazin einen “neokonservativ argumentierenden Möchtegern-Sozialphilosoph[en]” nennt, ihm “mitunter auch beleidigende Erregungen des stachelmimosigen Angreifers” unterstellt, die sich dann wohl in “zusätzlichen Scheinbelegen”, “argumentativen Winkelzügen” und “schwurbelklar” im Buch des “sture[n] Exeget[en] seiner bekannten Behauptungen” niederschlagen, der einer “Kultur des Beleidigtseins” huldigt, seine “Gemeinde demagogisch bestärken möchte”, der als “Kulturrassist …, auf der von ihm selbst erzeugten Woge” “surft”, und sich als “Martyrer der Wahrheit” aufspielt und sich seinen Lesern als “dankbarer, nur von ihnen in verschworener Gemeinschaft Geretteter” andient.

Was bezweckt Bade mit dieser Lawine affektiver Begriffe? Was treibt ihn, Thilo Sarrazin nicht mit Argumenten zu begegnen, sondern mit Emotion, mit affektiver Erregung, die ihn selbst zu dem qualifiziert, was er doch Sarrazin vorwirft zu sein, nämlich zum beleidigten Beleidiger. Die unnötige Verpackung der Rezension in einen Wust von Bewertungen, die den Leser nach kurzer Zeit abstoßen, sofern er auf der Suche nach Information über das Buch von Sarrazin war, wird vor dem Hintergrund, dass sich Bade, der ein Buch geschrieben hat, in dem er die Sarrazin-Debatte zusammenfasst, von Sarrazin übergangen wähnt, peinlich. Mehrfach kommt Bade darauf zurück, dass er in Sarrazins neuem Buch nicht zitiert sei, ja er nutzt seine Rezension des Buches von Sarrazin sogar zu einem “Exkurs in eigener Sache zum Dreifachgift DDD: Diffamierung, Denunziation und Demagogie”.

Beim Lesen des so überschriebenen Absatzes stellt sich dem Leser dann zwangsläufig die Frage, in welcher Beziehung der “Exkurs in eigener Sache” zum “Dreifachgift DDD” steht, insbesondere wenn Bade abermals beklagt, nicht einmal in einer Fussnote von Sarrazin sei sein Buch genannt, um dann eine Passage aus einem Zeitungsinterview mit Sarrazin zu zitieren, die “schlicht das Gegenteil der Wahrheit” darstelle und von der er überzeugt ist, dass es zu einem “Shitstorm animieren soll”.

Man hat spätestens hier das ungute Gefühl, dass Bade Sarrazin zu einen mit fast mystischen Kräften ausgestatteten Orchestrierer öffentlicher Meinung aufplustert, der zudem und unterstützt von fiesen Kumpanen wie den Blogs “Politically Incorrect” oder der “Achse des Guten” und dem allgegenwärtigen Henryk M. Broder, eine große Zahl tumber und auf jede Äußerung ihres Meistern wartende Riege von Deppen befehligt, die darauf warten, auf den Kriegspfad zu wechseln. Dass Bade sich genötigt sieht zu betonen, dass es zu seinem Buch “eine Flut von durchweg positiven Reaktionen” gab, obwohl er sich dieser Einheitsfront der, wie er sie nennt, Kulturrassisten gegenüber sieht, verschiebt die Peinlichkeit dann lediglich in die Kategorie der Verschwörungstheorie, deren Existenz man im Kopf eines empirisch tätigen Wissenschaftlers nicht unbedingt vermutet hätte und wenn schon, dann hätte man nicht unbedingt erwartet, dass er sie äußert.

Und über diesen persönlichen Animositäten, Ängsten und Stilisierungen, die die Rezension von Bade kaum lesbar und in Teilen peinlich machen, geht das Wenige verloren, das Bade selbst als Argumente gegen Sarrazin anführt, nämlich, dass die Einwanderungsfakten, die Sarrazin berichtet, falsch sind, weil z.B. “die von ihm andernorts nur als ‘Armutwanderung’ und damit als Gefahr für den Wohlfahrtsstaat registriert Zuwanderung aus Rumänien (‘Nah- und Mittelost’) zu knapp der Hälfte aus Qualifizierten und zu fast einem Viertel aus Hochqualifizierten besteht” oder dass die Äußerungen von Sarrazin über z.B. Muslime weitgehend auf nicht haltbaren Annahmen über Kollektivmentalitäten und entsprechende Verhaltensdispositionen basieren, die die Forschung schon von Jahrhunderten als falsch erwiesen hat.

Es ist schade, dass Klaus J. Bade seine eigenen Argumente derart in einem Meer von persönlichen Angriffen, Einschüben aus persönlicher Kränkung oder aus Ärger ertränkt, und es es vor allem schade, dass er, Wissenschaftler, der er nun einmal ist, seine wissenschaftliche Ausbildung vergisst, und Sarrazins Aussagen nicht mit Fakten und Argumenten zu widerlegen sucht, sondern mit affektiven Behauptungen und zum Teil haarsträubenden Kommentaren, wie sie sich vor allem im hinteren Teil der Rezension finden, der der Auseiandersetzung mit Sarrazins These des “Tugendterrors” gewidmet ist. Wir zitieren hier eine kurze Passage unkommentiert. Es spricht für sich, dass alles, was Bade zu dem, was Sarrazin schreibt, einfällt, eher in den neuesten Asterix und Obelix gepasst hätte, als in eine ernsthafte Rezension: “Und so entstand im Reich des „Tugendterrors“, den die Gleichheitsideologie antreibt, ratzfatz „ein recht hermetischer Code des Guten, Wahren und Korrekten, der große Teile der Medienklasse dominiert.“ (S. 35) Das alles hat natürlich auch seine psychologische Note, denn es gibt, besonders beim „Furor der Skandalisierung“, eine „gefühlsgesteuerte Selbstgewissheit bei den beteiligten Medien und der Öffentlichkeit.“ (S. 113) Sarrazin weiß sowas, denn er berichtet ja aus der Sicht des Opfers.

Und noch einen Hieb drauf: Sarrazin raunt, „dass aktuell eine herrschsüchtige, ideologisierte Medienklasse ganz informell und ohne großen Plan zusammenwirkt mit einer opportunistischen und geistig recht wenig profilierten Politikerklasse.“ (S. 183) Das wurde an den geistigen Stammtischen des gebildeten Bürgertums schon immer so geahnt und wird nun endlich von hoher Warte aus bestätigt. Man wird es sich vergrößern und an die Badezimmertüre hängen.

„Der Gleichheitswahn ist zu einer dominierenden Strömung in unserer Gesellschaft und insbesondere in den Medien geworden“, weiß Sarrazin und tritt noch einmal drauf: „Getrieben wird der Gleichheitswahn vom utopischen Überschuss einer Medienklasse, die zu großen Teilen eine komplexe Wirklichkeit, die sie kaum kennt und nur in Bruchstücken versteht, einseitig unter der Brille einer bestimmten moralischen Sicht betrachtet. In der menschlichen Geschichte waren jene immer schon die Schlimmsten, die aus einem Teilverständnis der Wirklichkeit unhaltbare Theorien fütterten und daraus „Erkenntnisse“ zogen, nach denen sie die Welt umgestalten wollten.“ (S. 343) Volltreffer. Mehr geht eigentlich nicht.

Aber es gibt noch klarere Positionsbekenntnisse. Hier kommt dann der „Neidfaktor“ ins Spiel, besonders bei diesen schlimmen Journalisten: „Eine ganze Bewusstseinsindustrie in den Medien, bei den Verbandsvertretern und bei allen Politikern mit ‚linker‘ Tradition arbeitet in diese Richtung. Durch unsinnige und tendenziöse Behauptungen verwirren und desinformieren sie jene Mehrheit der Bürger, die mit Zahlen nichts am Hut haben. Dadurch wird dann ein Klima geschaffen, von dem politische Parteien glauben, sie könnten mit Mehrbelastungen für die ‚Reichen‘ bei den Wählern punkten.“ (S. 254) Plump, der Lektor war wohl gerade nicht da.”

Wenn sich Wissenschaftler nur noch durch diese Art von in derogativer Absicht hingeworfenen Kommentaren zu helfen wissen, dann kann man nur Schlimmes erahnen und den Letzten bitten, das Licht auszumachen.

Im Übrigen haben wir auf ScienceFiles einige Netzwerke und Zusammenhänge zwischen Politik und Medien aufgedeckt, die belegen, was Sarrazin behauptet. Nur weil es von Sarrazin kommt, muss es also nicht falsch sein. Und auch wenn man wie wir und wie Bade weiß, dass Sarrazins Thesen über Migration und das Aussterben der Deutschen falsch sind und von keiner empirischen Evidenz gedeckt werden, und auch wenn man Sarrazin wegen dieser Thesen nicht mag, heißt das nicht, dass alles, was von ihm kommt, deshalb falsch sein muss. Gerade von einem Wissenschaftler wie Klaus J. Bade hätte man eine entsprechende Fähigkeit zwischen Person und Aussage zu differenzieren, erwartet.

Und vielleicht hätte man auch erwartet, dass sich ein Wissenschaftler wie Bade die Frage stellt, ob es vielleicht gerade Passagen wie die zitierten sind, die das Buch von Sarrazin Absatz finden lassen oder, anders formuliert, was wohl die Ursache dafür ist, dass Klaus J. Bade und über eine Million anderer Leser, sein erstes Buch gekauft haben.

Der folgende Kommentar stammt von Heike Diefenbach, die während ihrer Zeit an der Universität mehrfach mit Klaus J. Bade zu tun hatte. Der Kommentar wurde von MiGAZIN nicht veröffentlicht. Dort ist anscheinend ein Kulturrassismus oder vielleicht besser: ein Jubelrassismus am Werk, der keine kritischen Stimmen zulässt. Folglich veröffentlichen wir den Kommentar auf ScienceFiles.

“Wie immer man auch zu den Thesen von Sarrazin steht und wo immer seine Thesen durch die Realität wiederlegt werden, und so sehr ich Herrn Bades Lebensleistung in Sachen Migrationsforschung schätze und immer geschätzt habe, so muss man sich von dieser Rezension doch sehr betroffen zeigen, wenn es einem um die Sache und nicht um die Ideologie oder das “Bekennertum” für das Eine oder das Andere geht. Und ich bin sehr negativ betroffen von dem Stil, in dem die Rezension verfasst ist und davon, dass man aus ihr eher wenig über das Buch erfährt, dafür aber um so mehr darüber, was Herr Bade von Herrn Sarrazin hält. Man beurteilt ein Buch und die in ihm geäußerten Thesen aber nicht danach, was man von dem Autoren hält – das stellt einen logischen Fehlschluss ad hominem dar und ist schlicht keine anständige und gebildete Form der Auseinandersetzung. So ist es z.B. nicht akzeptabel, jemanden in einer Rezension als Möchtegern-Sozialphilosophen zu betiteln, und wenn man das tut, dürfte man sich nicht wundern, wenn man selbst als Möchtegern-Rezensent bezeichnet würde, denn das Verfassen von Rezensionen ist eine Tätigkeit, die einige Verantwortung bedeutet und daher ihre Regeln hat. Sie dient nicht dazu, die eigene Ablehnung der Person des Autoren zu äußern. Und es ist auch völlig egal, ob Herr Sarrazin “Geld machen” möchte oder nicht; offenbar ist ein Buch, mit dem jemand Geld verdient, stark nachgefragt, und wenn man nicht selbst als beleidigter Polit-Avantgardist gelten will, dann sollte man nicht suggerieren, dass schlecht oder falsch sein muss, was durch die anscheinend dumme Masse nachgefragt wird. Es gibt weiß Gott bessere Argumente gegen Sarrazins Thesen, und Herr Bade hat sie doch auch. Ich verstehe nicht, wie er eine solche ihm unwürdige Rezension verfassen konnte. Als eine langjährige Bewunderin seiner Arbeit bin ich von seinem Text überaus enttäuscht.”

Nachtrag: Wir wollen unseren Lesern den neuesten Kommentar, selbst wenn (oder gerade weil ?) er etwas schleimig ist, der sich zu Bades Rezension auf MiGAZIN findet, nicht vorenthalten. Er zeigt, dass es nicht darum geht, etwas zu lesen und fair zu behandeln, sondern darum, etwas niedermachen zu können ohne es gelesen zu haben. Die Realität an deutschen Universitäten ist nicht mehr erschreckend, sondern mehr als erschreckend.

Prof. Dr. Birgit Ammann sagt: 26. Februar 2014 um 15:40 – Lieber Herr Bade, vielen herzlichen Dank für diese ausführliche und sorgfältige Rezension! Wenige Blicke ins Buch, bestätigen zwar den altbekannten Ansatz, vielen von uns fehlt leider die Zeit adäquat auf Herrn Sarrazins neueste Publikation zu reagieren. Gerade auch unseren Studierenden haben wir hiermit etwas zu bieten, was Hand und Fuß hat. Also nochmal allerbesten Dank!

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Eine noch viel schleimigere und typisch mohammedanistische Unterwerfungsgeste hinterließ allerdings der Kommentator „Kritika“:

Kritika sagt: 24. Februar 2014 um 16:09 – Ganz ehrlich, Herr Bade, falls ich Sie irgendwo mal persönlich treffen würde/ sollte, werde ich Ihnen aus Respekt und Achtung die Hände küssen. Für mich ist es wahrlich Balsam auf der Seele, daß es zum Glück solche Menschen wie Sie gibt, die ihren eigenen Verstand benutzen und sich gegen Böses und Ungerechtigkeit wie einen geldgeilen Nadelstreifen-Rassisten auflehnen. Vielen Dank für diesen Beitrag. Ich werde mir Ihr Buch unbedingt kaufen.

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Time am 9. März 2014

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1) http://sciencefiles.org/2014/02/26/der-wissenschaft-einen-baren-dienst-erwiesen-klaus-bade-rezensiert-thilo-sarrazin/
2) https://madrasaoftime.wordpress.com/2014/02/24/pfau-im-spiegel/

Pfau im Spiegel

24. Februar 2014

Klaus_J.

Der „Pfau“ ist wieder da. Auf sieben Seiten mit ungeheuerlichen 51.852 Zeichen (zum Vergleich: Dieser Text hier enthält – Zitate inklusive – 9.505 Zeichen) zieht Klaus J. Bade im „Torkazin“ über das neue Buch von Dr. Thilo Sarrazin her, und er hetzt einmal mehr gegen „PI“ und die „Madrasa of Time“ (1). Quasi gleichbedeutend neben „PI“  erwähnt zu werden, gereicht der „MoT“, ihren Kommentatoren und ihrem Moderator zu großer Ehre.

„Es gibt da nur einen kleinen, aber brutalen Unterschied: Auf Sarrazins Seite operieren als – sicher ungeladene – Verteidiger und Angreifer kulturrassistische antiislamische Netzwerke wie die Internet-Pranger ‚Politically Incorrect‘ oder ‚Madrasa of Time – Time of Counterdjihad‘ (bitte schreiben „Counterjihad“, T.) und die Mordbrenner von ‚Nürnberg 2.0‘ und ‚Archiv Berlin‘. Deren Portale aber werden nach der Einschätzung von Sicherheitsdiensten und investigativen Journalisten von Mitgliedern des ‚islamkritischen‘ Internet-Prangers ‚Politically Incorrect‘ gesteuert.“

Die MoT im Fadenkreuz von „von Sicherheitsdiensten und investigativen Journalisten“? Von PI „gesteuert“? So ein Unfug! Die Mot ist ein winziges Spezialistenblog und agiert wie die meisten anderen counterjihadischen Blogs quasi privat, völlig autonom und aus dem persönlichen Verantwortungsgefühl der jeweiligen Betreiber dem Erhalt der bürgerlichen offenen Gesellschaft gegenüber.

Bade hat die MoT zu Recht als counterjihadischen Think-Tank ausgemacht, aber mit seinem verleumderischen Vorwurf des „Kulturrassismus“ liegt er natürlich völlig daneben, insofern keine Form des Rassismus hier ein Forum findet. Und brutal ist hier auch niemand – auch nicht verbal. Aber jetzt will ich Ihnen mal ein paar Zitate aus Bades Text zum Thema Sarrazin & Co. vorlegen.

„Der Bestsellerautor Thilo Sarrazin möchte mit seinem neuen Buch ,Der neue Tugendterror‘ noch einmal richtig Kasse machen; denn sein Letztes („letztes“ bitte mit kleinem „l“, T.) ,Europa braucht den Euro nicht‘ (2012) hatte sich zwar ebenfalls sehr gut verkauft, war aber für den verwöhnten Erfolgsautor ein Flop… Und es hatte außerdem nichts bewirkt.“

Der Pfau kann seinen Futterneid nicht unterdrücken.

„… meist aber langatmig geschriebenes Buch … zusammengequält … mit lästigen gliedernden Hinweisen … Möchtegern-Sozialphilosophie … der beleidigte und beleidigende Autor … Er übergeht dabei aber Stimmen, die ihm wirklich gefährlich wurden. Das gilt z.B. für Klaus J. Bades Gesamtdarstellung der sogenannten Sarrazin-Debatte …“

Hier geriert sich der schöne Klaus J. in der dritten Person als intellektuelle Herausforderung für Sarrazin, und er kritisiert seine Nichterwähnung durch jenen. Später wird er dazu kommen, grade die (kritische) Erwähnung zu kritisieren, wie wir noch sehen werden. Bade spielt niedrigerweise auf Sarrazins Äußeres an, das er „traurig“ nennt:

„Möchtegern-Sozialphilosoph von der traurigen Gestalt“.

Klausi-Mausi weiter:

„… eine Flut von empörten bis beleidigten, mitunter auch beleidigenden Erregungen des stachelmimosigen Angreifers, der gern austeilt, (hier bitte Komma streichen, T.) aber nicht einstecken kann… die schrägen ‚Kernthesen‘… dass sich Deutschland mit seiner anhaltend niedrigen Reproduktionsrate ,aus der Geschichte wegschrumpft‘, was bekanntlich so nicht stimmt.“

An dieser Stelle hätte man doch gern gewusst, warum Herrn Sarrazins reich belegte These nicht stimmen soll im Gegensatz zu Herrn Bades schlichter Behauptung, aber er lässt es dabei bewenden. Der Klaus:

„… ist ihm offenbar nicht bekannt … die Vertiefung seiner kulturrassistischen Einschätzungen … mit zusätzlichen Scheinbelegen und zuweilen auch mit argumentativen Winkelzügen … seine in der vorgetragenen Pauschalisierung gesellschaftspolitisch gemeingefährlichen Lieblingsthemen … Der Genetiker Sarrazin weiß schwurbelklar … genetische Logelei … Die Belege für das ‚Gegenteil‘ bleibt Sarrazin seiner Gemeinde schuldig. Macht auch nichts, denn die glaubt ihm das sowieso … weiß der Bildungsgenetiker Sarrazin alles nicht … Das entscheidet natürlich nur Thilo Sarrazin selber als Richter in eigener Sache … vom Richter Sarrazin sogleich polemisch abgestraft … So grob geschnitzt ist das Weltbild, in dem Thilo Sarrazin seine Gemeinde demagogisch bestärken möchte … einen zweiten Scheinbeleg für seine haltlosen Unterstellungen … Hier surft ein Kulturrassist, der keiner sein will … in denunziativer Vorwärtsverteidigung geübt … hat auch nichts hinzugelernt … Ausweichmanöver …“

Auf Necla Kelek ist der Bade auch gar nicht gut zu sprechen:

„Necla Kelek, deren desintegratives Wirken … Sie durfte in der ihr gewogenen FAZ im Mai 2011 einen aggressiv-dümmlichen, persönlich beleidigenden, sachlich falschen, deshalb an der Grenze der journalistischen Sorgfaltspflicht liegenden und zum Teil sogar in unsäglichem stalinistischem Vokabular gehaltenen Schmähartikel über mich als ‚Anti-Sarrazin‘ veröffentlichen … denunzierte sie … so ihre infantile Verschwörungstheorie … diesen Unsinn der wissenschaftsfernen Publizistin … die streitsüchtige Publizistin …“

Erwähnung schon, aber keinesfalls kritisch – Das ist dann „Pranger“! Herr Sarrazin war seinerzeit Frau Kelek beigesprungen:

„… und verwechselte dabei Kraut und Rüben. Er unterstellte … in diesem gleichermaßen an üble Nachrede grenzenden Schmähartikel … Er bediente sich dabei … nationalsozialistischen Vokabulars … albernen publizistischen Schlagabtausch … obgleich Sarrazin in seinem Artikel frecherweise sogar unautorisiert aus unserem privaten Briefwechsel zitierte … das demagogische Wirken des ‚islamkritischen‘ Agitationskartells … scheinwissenschaftliche Islamdenunziation … “

Einmal mehr verknüpft Klaus J. „der Pfau“ Bade die Morde des Nazi-Schlächters Breivik mit der Mohammedanismuskritik:

„Schließlich habe ich diese Linien bis zur Verarbeitung des antimuslimischen Terroraktes in Norwegen 2011 und der schon älteren antimuslimischen Serienmorde in Deutschland verfolgt. Aus diesem Buch hätte Sarrazin einiges lernen können, auch über unbeabsichtigte Folgen publizistischen Tuns, gerade weil er, wie er mir 2010 einmal mitgeteilt hatte, gern ganz bewusst skandalisiert, um den Markt der Meinungen zu erreichen.“

Dennoch kann er nicht verstehen, dass man sich mit seinen widerwärtigen und zutiefst menschenverachtenden Anschuldigungen nicht auseinandersetzen möchte:

„Und was tut Thilo Sarrazin? Er überspringt, wie so oft im Umgang mit unbequemen Ergebnissen der Wissenschaft, das Buch des angeblichen ‚Anti-Sarrazins‘ Bade komplett.“

Den schönen Klaus J. so einfach übersehen? Das kann dieser eitle Selbstdarsteller und wahre Nachfolger von Schneewittchens Stiefmutter natürlich überhaupt nicht ertragen. Wir haben jetzt übrigens grade die Mitte seiner Ausführungen erreicht. Bade:

„Diffamierung, Denunziation und Demagogie … Sarrazin mit dem vergeblichen Versuch … der antiislamische Demagoge Henryk M. Broder … Broder nahm das von Sarrazin eingeführte NS-Vokabular gerne auf … “

Seitenlang räsonniert der Klaus J. sodann über Erfolg und Misserfolg seines eigenen Buches, schließlich kommt er wieder zu Sarrazin:

„Der argumentative Kuhfuß … Die damit verordnete Brille … verstellt so den Blick … mitunter durchaus kenntnisreich, zuweilen auch arg trivial und mit vielen, wenn auch zweckorientiert zurecht gerupften Zitaten illustriert … Hier spricht der kundige Bildungsbürger. Aber der übergestreifte Talar des Kulturhistorikers ist ihm, wie der des Sozialphilosophen, doch ein paar Nummern zu groß, so dass das gravitätische Schreiten der Argumentation mitunter eher Sackhüpfen ähnelt … So ist das bei Sarrazin, der die Dinge mutig und konsequent zu Ende denkt, wenn auch manchmal bis gegen die Wand … weil er gerne überzeichnet … zu arg vordergründigen Scheinergebnissen führen … dass sich Sarrazin hier wieder einmal Urteile anmaßt … wäre etwas intellektuelle Bescheidenheit hier eine Zier. Aber das kann man von diesem Autor kaum erwarten … flacher Exkurs … besser vom Lektor gestrichen worden wäre … Man spürt, dass der souveräne Autor dieses besondere Feindbild buchstäblich mit Schaum vor dem Mund umschreibt.“

Ich nehme hier eigentlich nur eine mit Schaum vorm Mund wahr, und das ist die Klausimaus.

„Plump, der Lektor war wohl gerade nicht da … Sarrazins bibliophile Umwälzanlage für Aggressionen und Vorurteile … wenn die Sprache des Dichters am eigenen Schwulst erstickt … Paradebeispiel für argumentative ‚Havarien‘ … auch beim allwissenden Weltendeuter Sarrazin eine Spur Ratlosigkeit … Was tun, sprach Zeus – wir machen Kabarett.“

Ist denn nicht mal endlich Schluss mit dem selbstverliebten Gesülze? Nein, nein, nein:

„Am Ende kommt der Höhepunkt, dem die Show entgegen strebt, wie der bis zum Erbrechen aufdringliche begleitende Erzähler … popanztechnisch absurd überzeichnet … ein schlechter Sozialkundelehrer … bissige bis hämische, mitunter auch geschmacklose Satire … Mit erhobenem Zeigefinger und aufdringlichen Kommentaren … bei Sarrazin gibt es nichts zu lachen … bornierte Zitations- und Belehrungsfreude … bräsig gelehrt … würde man das Bündel Papier gern endgültig in die Tonne hauen … geschichtstriefend-moralisierende … bei der NPD (‚Wir sind das rechte Volk!‘) ganz ähnlich … Sarrazin in verschlagen raunender Stammtisch-Argumentation … Sarrazin mit diesen verräterischen Scheinargumenten … starrsinnig … macht das neue Buch deshalb noch gefährlicher (hier bitte ein Komma setzen, T.) als es das alte war.“

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Time am 24. Februar 2014

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1) http://www.migazin.de/2014/02/24/thilo-sarrazin-der-neue-tugendterror-rezension-klaus-bade-welt-ungerecht/

Bambule in Hamdusa

17. Oktober 2013

Hamdusa

Ein Haufen Vollidioten demonstrierte in Hamburg für die Einführung afrikanischer Verhältnisse in Deutschland, wie Frank Pergande heute bei „FAZ.net“ berichtete (1).

Einen überaus vernünftigen Leserbrief zu diesem Thema enthielt die heutige FAZ. Er stammt von Dr. Thilo Sarrazin, und ich lege ihn Ihnen anschließend vor.

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Streit über Lampedusa-Flüchtlinge

In Hamburg befinden sich dreihundert über Lampedusa eingereiste Flüchtlinge ohne Aufenthaltsstatus. Der Senat will sie abschieben. Unterstützung erhalten die Afrikaner von der Kirche und von linken Parteien. Der Streit spitzt sich zu.

In Hamburg spitzt sich die Auseinandersetzung über die etwa dreihundert Flüchtlinge aus Afrika zu. Die Polizei hatte in den vergangenen Tagen bei Straßenkontrollen versucht, die Identität der Flüchtlinge zu klären, die sich inzwischen ohne Aufenthaltsstatus in Hamburg bewegen und von linken Gruppen und der Nordkirche unterstützt werden. Einige der Flüchtlinge wurden zeitweise in Gewahrsam genommen. Daraufhin kam es zu zum Teil gewalttätigen Protestaktionen, vor allem im Schanzenviertel rund um die Rote Flora.

Die Flüchtlinge waren, durch die italienischen Behörden mit Touristenvisa und tausend Euro ausgestattet, weitergeschickt worden und strandeten in Hamburg. Der SPD-Senat verweist auf die Rechtslage: Die Flüchtlinge sind über einen sicheren EU-Staat eingereist und müssen deshalb dorthin auch wieder zurück. Italien hat inzwischen signalisiert, die Flüchtlinge auch wieder aufzunehmen. Allerdings weist die Innenbehörde darauf hin, dass es zunächst ein geordnetes Verfahren gibt, bei dem die Flüchtlinge auch einen Asylantrag stellen können. Inzwischen haben vier der Flüchtlinge sich dazu entschlossen. Einer sprach persönlich in der Behörde vor und will zurück nach Italien. Drei stellten schriftlich einen Asylantrag.

Unterstützung der Grünen und der Linkspartei

Achtzig der Afrikaner leben seit Monaten in der St.-Pauli-Kirche. Sie haben sich in einem offenen Brief an Bürgermeister Olaf Scholz und Innensenator Michael Neumann (beide SPD) gewandt. Sie seien zwar zu Gesprächen bereit, um einen „Ausweg aus der Spirale der Eskalation“ zu finden, heißt es darin. Der Brief, der von vier Sprechern der Gruppe „Lampedusa in Hamburg“ mit Name und Telefonnummer unterzeichnet ist, stellt zugleich aber noch einmal klar, weshalb die Flüchtlinge sich bislang nicht bei der Innenbehörde gemeldet haben: aus Furcht vor der Abschiebung. „Wir haben um Gespräche mit Ihnen, der Hamburger Regierung, zur Findung einer politischen Lösung für unsere traumatische und rechtlose Lage gebeten. Sie haben nicht das Gespräch mit uns gesucht, sondern sich hinter einem Gesetz versteckt, welches für uns eine Bedrohung unserer Leben ist.“

Senator Neumann hat unterdessen die Rechtslage bekräftigt. Auch sagte er, dass er gegen die geplanten Container-Unterkünfte für die Flüchtlinge auf dem Gelände der St.-Pauli-Kirche ist. Wenn sich Menschen illegal in Hamburg aufhielten, könnten für sie auch keine Container aufgestellt werden. Das müsse auch die Kirche akzeptieren. Der Innensenator sagte zudem, die Polizei werde die Kontrollen weiter angemessen fortsetzen. „Ich werbe dafür, dass die Menschen Vertrauen zum deutschen Rechtsstaat fassen, ihren Namen nennen und wir dann in ein geordnetes Verfahren einschreiten können.“

Die Flüchtlinge finden politische Unterstützung auch bei den Grünen und der Linkspartei. Bei den Grünen hieß es: „Der aktuelle Kurs des Senats ist verantwortungslos gegenüber den Flüchtlingen, ihren Unterstützern und auch der Polizei.“ Die Fraktion der Linkspartei verlangte, Bürgermeister Scholz solle erklären, weshalb er Menschen ins Elend stoßen wolle, die in Hamburg so viel Solidarität erführen. Die Nordkirche distanziere sich von der Gewalt bei den Demonstrationen: „Vor Gewalt sind diese Menschen schließlich geflohen.“ Die SPD-Fraktion in der Bürgerschaft beantragte inzwischen eine Aktuelle Stunde zum Thema.

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Die Länder Afrikas brauchen vernünftige Hilfe

Aus dem Leitartikel von Jörg Bremer „Lampedusa“ (2) spricht Empathie, und das ist gut so. Den durch die Katastrophe aufgeworfenen großen Fragen kommt man aber mit Empathie nicht bei, vielmehr ist kritische Vernunft geboten. Hinter den sich wiederholenden und verschärfenden Flüchtlingsfragen stehen die beiden Grundprobleme des afrikanischen Kontinents: Eine sehr schlechte Governance der meisten Staaten bis hin zum gänzlichen Ausfall staatlicher Funktionen und ein ungezügeltes Bevölkerungswachstum. Die Zahl der Menschen in Afrika hat sich in den letzten 50 Jahren auf 1,1 Milliarden vervierfacht und wird nach der UN-Bevölkerungsprognose bis 2100 auf über drei Milliarden Menschen steigen. Mit einer stabilen afrikanischen Bevölkerung wäre eine jährliche Geburtenzahl von allenfalls 15 Millionen vereinbar. Tatsächlich werden im Afrika jedes Jahr 36 Millionen geboren. Ein Teil dieses Überschusses drängt nach Europa, wo vom Atlantik bis zum Ural jährlich sieben Millionen Menschen geboren werden. Aus der schieren Zahlenrelation der Geburten – sieben Millionen zu 36 Millionen – und der Einwohnerzahl Afrikas von 1,1 Milliarden wird klar, dass selbst eine jährliche Einwanderung aus Afrika von einer Million und mehr die dortigen demographischen Druckverhältnisse nicht entspannt und der Not in Afrika nicht abhilft, aber uns in Europa immense Probleme schafft. Das ist sinnlos, und die Aufnahme weiterer afrikanischer Flüchtlinge streichelt nur unser eigenes Ego, weil wir doch so hilfsbereit sind.

Die Länder Afrikas brauchen jede vernünftige Hilfe Europas, um ihre Probleme selber lösen zu können. Allerdings hat dies in den vergangenen fünfzig Jahren wenig zum Besseren geändert. Nennenswerte Änderungen zum Positiven können nur aus den Ländern selbst kommen. Bis dahin brauchen wir in Europa ein striktes Grenzregime, das keine Anreize für den Aufbruch immer neuer Flüchtlingsströme gibt.

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Time am 17. Oktober 2013
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1) http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/hamburg-streit-ueber-lampedusa-fluechtlinge-12622017.html
2) http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/katastrophe-von-lampedusa-europa-muss-ihnen-eine-chance-geben-12611157.html 

Buschkowski hat doch Recht

11. November 2012

Vitzliputzli machte gestern auf eine Umfrage aufmerksam (1), die vom „Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung an der Universität Duisburg-Essen“ (2) in Auftrag gegeben worden war. Ein Blick auf die Webseite, auf der der Bericht eingesehen, nicht jedoch kopiert werden kann, zeigt u.a. anhand der Präsenz der torkischen Nationalflagge unmittelbar, dass für das Institut der torkisch-mohammedanistische Blickwinkel der entscheidende ist.

Und so können die Orks und ihre Dimmis dem kürzlich vorgelegten Bericht, für den 1.000 Türkischstämmige befragt wurden, erwartungsgemäß nur Positives abgewinnen, während die „Junge Freiheit“, auf die sich Vitzliputzli bezog, ein eher düsteres Bild zeichnet (3):

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Jeder zweite Türke in Nordrhein-Westfalen
ohne Berufsausbildung

Der Anteil von schlecht ausgebildeten Türken in Deutschland bleibt weiter hoch. Nach Angaben des Zentrums für Türkeistudien hat fast die Hälfte der türkischstämmigen Einwohner in Nordrhein-Westfalen keine berufliche Ausbildung. Besonders Frauen sind mit 58 Prozent deutlich überrepräsentiert. Auffallend ist dabei, daß die dritte in Deutschland lebende Generation (46,3 Prozent ohne Ausbildung) deutlich schlechter abschneidet als die zweite (31,9 Prozent).

Zudem gaben zwei Drittel der vom Türkeizentrum befragten Personen an, sie sprächen innerhalb der Familie hauptsächlich Türkisch. Lediglich acht Prozent nutzen Deutsch. Auch die Verbundenheit mit Deutschland hat in der dritten Generation abgenommen. 30,3 Prozent identifizieren sich vor allem mit der Türkei, 27 Prozent mit Deutschland und knapp 43 Prozent mit beiden Staaten. Türken der zweiten Generation fühlten sich noch deutlich mehr mit der Bundesrepublik verbunden.

Bei der Rückkehrabsicht zeigt sich ebenfalls ein Generationeneffekt: Zweit- und Drittgenerationsangehorige mochten häufiger zurückkehren als Türken der ersten Generation. Als Hauptgründe gaben die Rückkehrwilligen an, sie würden sich in der Türkei eher zu Hause fühlen, hätten dort viel Familie oder fühlten sich in Deutschland nicht wohl. Für die Studie wurden 1.000 türkischstämmige Personen in Nordrhein-Westfalen befragt.

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Lesen Sie im Anschluss an meine Ausführungen den Aufsatz von Reiner Burger über dieselbe Angelegenheit aus der gestrigen FAZ.

Burger leitet zunächst mit einem Bekenntnis seiner Gegnerschaft zu Sarrazin und Buschkowski ein.

Er verschweigt die mit 1.000 Befragten eher schmale empirische Basis der Befragung, wir erfahren jedoch, dass die angebliche Qualität der Deutschkenntnisse nach „eigener Einschätzung“ des Befragten beurteilt wurde. In der dritten Generation soll der Grad der Deutschkenntnissse 98,9% betragen – Das ist die „Isch-disch-machen-Messer“-Generation.

Burger hat sich nicht mit seinem Chef Aiman Mazyek kurzgeschlossen, der behauptet, es fände ein Braindrain von jungen, hochqualifizierten Orks von Deutschland in den Orient statt (4). So erfahren wir:

„… zumal die Studie zu dem Ergebnis kommt, dass der oft behauptete „brain drain“, die Abwanderung von Deutsch-Türken mit guter Schul- und Berufsausbildung in die Türkei, kein so großes Ausmaß hat, wie gelegentlich behauptet wird.“

Einer von beiden ist somit der demagogischen Lüge überführt.

Leiter des „wissenschaftlichen Instituts“ ist übrigens das smarte Ork Professor Haci-Halil Uslucan, was den Orks etwaig unliebsame Erkenntnisse, die der „mohammedanistischen Wissenschaft“ ggf. entgegenstehen könnten, von vornherein ausschließt.

Ulkig ist folgender Schluss von Prof. Uslucan: Türkische Frauen haben schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt, weil sie wegen Kopftuchtragens diskriminiert werden. Aber 58%, so seine eigene Studie, haben keinen Berufsabschluss und nur 20% haben eine Lehre absolviert. Könnte die Chancenlosigkeit nicht eher an der fehlenden Berufsausbildung liegen? Und brauchen wir wirklich derartig viele gelernte Friseusinnen?

Auch NRW-Integrationsminister Schneider stellt sich gegen die „unreflektierte Rede über gescheiterte Integration“ seines Parteigenossen Buschkowskis und verweist auf die Wohnsituation: So und so und so, aber am Ende erfahren wir, dass 28% der Torks, also fast ein Drittel, in „ethnisch verdichteten Vierteln“ lebt, und das wären immerhin ein bis zwei Millionen Menschen (z.B. Estland hat 1,3 Millionen Einwohner). Der Artikel von Burger unterschlägt den Trend, den die Berichtautorin Dr. Martina Sauer ausgemacht hat (S. 80f.):

„Diese Durchmischung scheint sich aber in den letzten Jahren hin zu einer stärkeren insbesondere sozialen Segregation oder auch Polarisierung zu verschieben“.

Und (S. 81): „Über die tatsächliche Entwicklung der ethnischen Ghetto- oder Koloniebildung gibt es kaum gesicherte Erkenntnissse, die über Fallstudien einzelner Städte hinausgehen.“

Dr. Sauer sei für ihre Offenheit gedankt. Es ist der Counterjihad, der seit Jahren die torkische Koloniebildung in Deutschland thematisiert. Zu den „gleichmäßig gemischten Stadtteilen“ übrigens, in denen die Bevölkerung 50:50 beträgt, und die 20% der Wohnsituation ausmachen, wird da nicht auch Berlin-Neukölln gehören? Und so kommt man dann zu einer realen Ghettoisierung von 50%.

Seltsam ist auch der letzte Abschnitt von Burgers Artikel. Fast ein Drittel der erwachsenen türkischen Community bei uns seien Importbräute. 70% von diesen hätten keine Berufsausbildung und seien des Deutschen unkundig. 70% von einem Drittel aber sind 23%. 23% der Torks bei uns können kein Deutsch und können angeblich deshalb „nur eingeschränkt mit der deutschen Mehrheitsgesellschaft in Kontakt treten“. Wieso deshalb? Von Staats wegen ist bei uns eine gigantische Integrationsindustrie aufgebaut worden, die zu einem bedeutenden Teil die Vermittlung von Deutschkenntnisssen zum Ziel hat, und einer meiner Lieblingsgegner, Leo „Bulldog“ Brux, ist ein Nutznießer dieser Industrie. Dass eine Frau nicht mit der Mehrheitsgesellschaft in Kontakt treten kann, ist also nicht auf den Mangel an Angeboten sondern auf mangelnde Nachfrage zurückzuführen. Wenn man nun zu den 23% marginalisierter Torkfrauen die 23% der Orkmännchen hinzufügt, die ihren Ehefrauen verbieten, die Unterrichtsangebote wahrzunehmen, da Deutschland ja ohnehin demnächst Teil des neo-osmanischen Kalifats würde, hat man einen Anteil von 46% der Torks, die unserer Gesellschaft ganz offensichtlich feindlich gegenüber stehen, und von denen „Integrationsfortschritte kaum zu erwarten“ sind. Dazu kommt dann noch der Haufen, der aus Gründen der Takija schönredet, aber im Prinzip auch lieber die Scharia hätte.

Zweifellos, Neukölln ist in der Tat nicht überall, noch nicht. Setzen wir uns dafür ein, sagen zu können: Neukölln gehört zu Deutschland, nicht zur Torkei!

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Neukölln ist nicht überall

Eine Studie aus Nordrhein-Westfalen zeigt Licht und Schatten
der Integration Türkischstämmiger

Als eine Geschichte des Scheiterns wird in Deutschland die Integration von Migranten, zumal der türkischstämmigen, häufig wahrgenommen. Bücher wie Thilo Sarrazins „Deutschland schafft sich ab“ oder der Erfahrungsbericht „Neukölln ist überall“ aus der Feder des Berliner Bezirksbürgermeisters Heinz Buschkowsky bestärken regelmäßig diese „gefühlte“ Einschätzung. Dass es aber auch Integrationsfortschritte gibt, das geht aus der neuen Studie hervor, die das Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung an der Universität Duisburg-Essen seit 1999 zum zwölften Mal auf der Grundlage einer Mehrthemenbefragung unter türkischstämmigen Erwachsenen in Nordrhein-Westfalen veröffentlicht hat. Laut der repräsentativen Studie, die im Auftrag der Landesregierung erstellt wurde, nehmen die Deutschkenntnisse Türkischstämmiger vor allem seit 2005 deutlich zu. Laut eigener Einschätzung verfügen heute 43,6 Prozent der ersten Einwanderergeneration über gute oder sehr gute Deutschkenntnisse, in der zweiten Generation sind es 86,3 Prozent, in der dritten 98,9 Prozent.

Enorm holt die Nachfolgegeneration bei der schulischen und beruflichen Bildung auf. Mehr als jeder Zweite erwirbt höhere Bildungsabschlüsse als die Elterngeneration. Professor Haci-Halil Uslucan, Leiter des Zentrums für Türkeistudien, wertet den innerfamiliären Bildungsaufstieg als historisch einmalige „positive intergenerationale Integrationsentwicklung“. Licht und Schatten liegen beim Integrations-Indikator Bildung indes nach wie vor eng beisammen: Einerseits verfügen 24,7 Prozent aller Türkischstämmigen in Nordrhein-Westfalen über keinen Schulabschluss, und noch immer verlassen jedes Jahr 15 Prozent der jungen Türkischstämmigen die Schule ohne Abschluss. Andererseits liegt der Anteil der jungen Türkischstämmigen, die eine Studienberechtigung erwerben, bei mehr als 20 Prozent eines Jahrgangs. Allerdings lassen viele dem Schulabschluss keine Fortsetzung folgen: Keine Berufsausbildung machen 45 Prozent der Absolventen einer Hauptschule, ein Drittel derer mit mittlerer Reife und 16 Prozent der Absolventen von den Fachoberschulen oder (Fach-) Gymnasien.

Mitten in der nordrhein-westfälischen Gesellschaft schlummert also ein erhebliches Ausbildungspotential. Unternehmen, die wegen des demografischen Wandels händeringend auf der Suche nach Nachwuchs sind, könnten dies nutzen – zumal die Studie zu dem Ergebnis kommt, dass der oft behauptete „brain drain“, die Abwanderung von Deutsch-Türken mit guter Schul- und Berufsausbildung in die Türkei, kein so großes Ausmaß hat, wie gelegentlich behauptet wird. Zwar habe in der Vergangenheit in Umfragen mehr als ein Drittel der türkischstämmigen Hochschulabsolventen eine Rückkehrneigung zu erkennen gegeben und vor allem während der Sarrazin-Debatte hätten sich viele türkische Akademiker enttäuscht gezeigt, sagt Integrationsforscher Uslucan. „Die Abwanderung im großen Stil blieb aber aus.“ Allerdings können sich laut der Studie mehr als 20 Prozent der türkischstämmigen Abiturienten grundsätzlich vorstellen, in die Türkei überzusiedeln. Das lässt, heißt es in der Studie, auch Rückschlüsse auf die Bewertung der Zukunftsperspektive in Deutschland zu, „die sich angesichts des wirtschaftlichen Booms in der Türkei und (tatsächlicher oder wahrgenommener) Arbeitsmarktnachteilen auch gut qualifizierter Türkischstämmiger in Deutschland zugunsten einer beruflichen Zukunft in der Türkei verschoben haben könnte“. Denn viele junge Leute mit türkischen Wurzeln machen in Deutschland die Erfahrung, ihre Berufsausbildung nicht angemessen nutzen zu können. Fast 25 Prozent der Ausgebildeten arbeiten lediglich als angelernte Arbeiter oder Angestellte. Erschreckend hoch ist zudem der Arbeitslosenanteil unter (Hoch-) Qualifizierten. Von den Befragten mit Hochschulabschluss sind 14 Prozent arbeitslos, bei den Absolventen einer Lehre sind es elf Prozent, bei denen mit einer Meister- oder Technikerausbildung sieben Prozent.

Besorgniserregend ist die Lage türkischstämmiger Frauen. Von ihnen verfügen 58 Prozent über keinerlei Berufsausbildung. Nur knapp ein Fünftel hat eine Lehre absolviert. Uslucan führt das vor allem darauf zurück, dass türkische Frauen, zumal wenn sie Kopftuch tragen, schlechte Chancen auf dem Ausbildungsmarkt hätten. Der nordrhein-westfälische Integrationsminister Guntram Schneider (SPD) sieht die Verantwortung nicht allein bei der deutschen Mehrheitsgesellschaft. Er ist überzeugt, auch in den türkischstämmigen Familien müssten Hürden, etwa tradierte, Rollenbilder, überwunden werden.

Uslucan sagt, die Studie seines Instituts belege, dass der Integrationsprozess der türkeistämmigen Zuwanderer in Nordrhein-Westfalen langsam, aber stetig voranschreite. „Auch wenn nach wie vor Defizite bei der Teilhabe im Bildungssystem und am Arbeitsmarkt im Vergleich zur einheimischen Bevölkerung bestehen, kann von Stagnation oder gar zunehmender Desintegration nicht gesprochen werden.“ Integrationsminister Schneider meint, der „unreflektierten Rede über eine gescheiterte Integration“ müsse entschieden entgegengetreten werden. Ausdrücklich stellt er sich gegen seinen Parteifreund Buschkowsky aus Berlin: „Neukölln ist, bezogen auf NRW, eben nicht überall!“ Schneider kann dabei auf Befunde der neuen Studie zur Wohnsituation verweisen: 51 Prozent der Befragten wohnen in überwiegend deutsch geprägten Gegenden, ein Fünftel lebt in gleichmäßig gemischten Stadtteilen. Allerdings wohnen laut der Studie 28 Prozent der türkischstämmigen Migranten in „ethnisch verdichteten“ Vierteln.

Als besonders besorgniserregend bewertet Uslucan die Lage der „Heiratsmigranten“ der Nachfolgegeneration, die fast ein Drittel der erwachsenen türkischstämmigen Bevölkerung in Deutschland ausmachen. 34 Prozent dieser zumeist weiblichen Einwanderer, die in den vergangenen Jahren im Rahmen der Familienzusammenführung nach Deutschland gekommen sind, haben keinen Schulabschluss, 70 Prozent keine Berufsausbildung. Ebenfalls 70 Prozent beträgt der Anteil der Heiratsmigranten, die nach eigener Einschätzung über keine guten Deutschkenntnisse verfügen und deshalb nur eingeschränkt mit der deutschen Mehrheitsgesellschaft in Kontakt treten können. Integrationsfortschritte sind von ihnen kaum zu erwarten.

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Time am 11. November 2012

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1) http://vitzliputzlisresterampe.wordpress.com/2012/11/10/keine-zusammenhange/
2) http://www.zfti.de/
3) http://www.jungefreiheit.de/Single-News-Display-mit-Komm.154+M5c2a2004436.0.html
4) https://madrasaoftime.wordpress.com/2012/11/08/armer-aiman/

Die zweite deutsche demokratische Republik

21. Mai 2012

Die erste deutsche demokratische Republik war die bürgerliche „Weimarer Republik“, die u.a. zwischen den Schlägertrupps der Kommunisten und Nationalsozialisten zerrieben wurde.

Vitzliputzli hat zu den unsäglichen Protesten gegen Sarrazin und den widerwärtigen Äußerungen von Frau Kiyak bereits das Notwendige gesagt (1), aber ich habe ein noch besseres Foto bei „Welt Online“ gefunden (s.o., 2).

Mit den Jusos redet also die Jugendorganisation der SPD einem Sprechverbot für Dr. Sarrazin, der sich in der gleichen Partei bedeutende Verdienste erworben hat, das Wort und macht sich gemein mit jenen, die ihn physisch bedrohen.

In der „Weimarer Republik“ gehörte die SPD zu den staatstragenden, demokratischen Kräften. Es wäre wünschenswert, wenn sie von ihrem Image als „Schariapartei Deutschlands“ und der Gemeinmachung mit linken Schlägertrupps abrücken würde, aber vielleicht ist es dafür schon zu spät.

Nicht zu spät ist es für die zweite deutsche demokratische Republik, unseren Staat, dessen Errungenschaften, zu denen man zuallererst die Meinungs- und Redefreiheit zählen muss, wir mit Leidenschaft verteidigen werden.

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Time am 21. Mai 2012

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1) http://vitzliputzlisresterampe.wordpress.com/2012/05/21/die-scharia-schon-verinnerlicht-hat-dieses-dreckspack-von-linken-faschisten/
2) http://www.welt.de/politik/deutschland/article106353550/Sarrazin-Der-Euro-hat-Europa-destabilisiert.html

Die Maske fällt

20. Mai 2012

Das staatlich unterstützte Internet-Magazin „Migazin“ war schon häufiger Thema in der MoT. Bislang gab es dort wenigstens hin und wieder einen Alibi-Vietnamesen, um die Behauptung zu unterstützen, man interessiere sich ganz allgemein für die Belange von Immigranten, die man heutzutage ja Migranten nennt um zu verschleiern, dass sie in unsere Gesellschaft hinein migrieren.

Die Tarnung hält man offenbar immer weniger für notwendig, wie der oben stehende Screenshot zeigt: Mohammedanismus, Mohammedanismus, Mohammedanismus!

Das Foto zeigt übrigens auch einen der schröööcklichen  219 „Angriffe“ auf Moscheen (in zehn Jahren!), von denen die Bundesregierung behauptet, ein Anstieg sei bei diesen nicht zu verzeichnen, was auf den Widerspruch des Koordinationsrats der Muslime stößt, ohne dass er eigene Erhebungen vorlegen würde (1). Ein Hakenkreuz wurde an die Wand geschmiert! Un-ge-heuerlich! 

Hier ein Angriff der Mohammedanisten auf Christen in Nigeria:

„Der Vorsitzende der Moscheegemeinde, Sinan Özen: ‚Das sind nur ganz wenige, nur eine kleine Minderheit von Rassisten und Nazis. Davon werden wir uns nicht beeindrucken lassen und Ruhe bewahren’. Muslime seien ein Teil Deutschlands, der Gesellschaft und Deutschland sei deren Heimat, ob das den wenigen Rechtsextremisten gefalle oder nicht. Mit den Allermeisten habe man keinerlei Probleme.“

Ganz reizend, dass Herr Özen angesichts des furchtbaren Angriffs noch „Ruhe bewahren“ will. Ganz reizend, dass er mit den allermeisten (Deutschen) keine Probleme hat, da dürfen die vielleicht hier bleiben, in Deutschland?

„Einen Zusammenhang zwischen Anschlägen auf Moscheen und islamfeindlichen Äußerungen in der laufenden Integrationsdebatte könne die Bundesregierung allerdings nicht erkennen. Vielmehr liege eine ‚eher wellenförmige Entwicklung‘ vor. So sei im Jahr 2003 mit sieben Taten die wenigsten Fälle zu verzeichnen. Den bisherigen Höchststand habe man im Jahre 2008 mit 33 Taten erreicht.“

Das sehen die Orks und ihre Dimmies anders. Ihnen geht es um das generelle Ende der Nazislahmkritik.

„So zeigte sich Erol Pürlü, der damalige Sprecher der KRM, bereits Ende 2010 besorgt angesichts der zunehmenden Übergriffe auf Moscheen und Muslime: ‚Wir beobachten, dass die Übergriffe parallel mit populistischen Äußerungen und dem starken Sinneswandel der Politik gegenüber der muslimischen Minderheit zugenommen hat.’

Mit den allermeisten Deutschen hat man auf Seiten der Orks keine Probleme, solange sie nicht das Buch von Dr. Thilo Sarrazin lesen. Der ist schuld, der ist Populist. Jeder Nazislahmkritiker ist Populist und schuld an den „Anschlägen“.

Aber woran machen die Mohammedanisten einen angeblichen „starken Sinneswandel“ in der Politik fest? Schön wär’s ja, indes scheinen sich die deutschen Politiker eher im Schleimen und A*schkriechen hervorzutun. Leute wie Bosbach und Matussek sind selten und haben keine Chance in den Dimmie-Medien (2).

Die Linie wird von den Sozialisten in SPD und SED vorgegeben, die ihre Liebe für einen neuen, noch totalitäreren Totalitarismus entdeckt haben:

„’Wir werden hier eine Nachfrage stellen’, kündigt Jelpke an und fordert, wie auch der KRM, eine separate Erfassung islamfeindlicher Straftaten, ‚um das ganze Ausmaß muslimfeindlicher Hetze und Gewalt deutlich zu machen’“.

„Das ganze Ausmaß muslimfeindlicher Hetze und Gewalt“?  Wie absurd ist das?

So absurd, wie ein mohammedanistisches Magazin „Migazin“ zu nennen anstatt „Lügazin“ und ein Grafitti einen „Anschlag“.

Mohammedanismus = evidentes Lügen (3)!

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Time am 20. März 2012

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1) http://www.migazin.de/2012/05/16/219-angriffe-auf-moscheen-in-zehn-jahren/
2) http://www.sueddeutsche.de/medien/tv-kritik-menschen-bei-maischberger-wenn-katholiken-lautstark-unverstaendnis-predigen-1.1358757
3) https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/01/08/evidentes-lugen/