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Sie kaufen uns weg

29. Juli 2010

Hübsch anzusehen: Abu Dhabi (1), die Hauptstadt des gleichnamigen Emirates sowie der „Vereinigten Arabischen Emirate“

Skurril, was die heutige FAZ über eine aktuelle Resolution der UNO zu berichten weiß: „UN erklären Wasser zum Menschenrecht – Die Vereinten Nationen haben am Mittwoch den Anspruch auf reines Wasser in die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte aufgenommen. Die von Bolivien vorgelegte Resolution wurde in der Vollversammlung mit großer Mehrheit angenommen. Einige Staaten enthielten sich, Gegenstimmen gab es keine. Die Resolution bedeutet kein Recht auf Wasser im Sinne des internationalen Rechts, ist aber politisch von Bedeutung.“

Kewil schreibt dazu: „Sauberes Wasser ist jetzt ein Menschenrecht. Die Vereinten Nationen haben am Mittwoch den Anspruch auf reines Wasser in die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte aufgenommen. Man kann darüber lachen und auch noch Sonnenschein, saubere Luft und Regen in die Menschenrechte schreiben, aber so wie wir die globalisierte Welt kennen, könnte auch ein Staat klagen, und wir müssen Tankschiffe in die Sahara schicken…“ (2)

Er hatte die Info aus der NZZ, in der auch Folgendes stand: „Nach Uno-Angaben enthielten sich 41 Staaten. Das waren vor allem Industrieländer, während die Staaten der Dritten Welt praktisch durchgängig für den Entwurf stimmten.“

Vor allem eines sollten die Industrieländer nun in der UNO zur Abstimmung bringen, nein, nicht „Human Rights for Snakes“ (3), sondern das MENSCHENRECHT AUF ERDÖL.

Bisher läuft es doch so, dass wir den Orks das Öl für fantastische Preise abkaufen, so dass sie gar nicht wissen, wohin mit dem Geld. Dann kaufen sie sich bei uns ein. Und falls sie pleite gehen (4), erlassen wir ihnen die Schulden (5).

Rainer Hermann referiert in der heutigen FAZ in zwei Beiträgen die Bemühungen der krakenden Golfstaaten.

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Nach der Welt greifen

Wieder einmal war Abu Dhabi eine der ersten Adressen. Diesmal suchte der angeschlagene Ölkonzern BP den Rettungsring eines langfristig denkenden strategischen Investors. Allein die Bestätigung der Nachricht, dass sich der Vorsitzende Tony Hayward mit dem Kronprinzen von Abu Dhabi getroffen hatte, reichte aus, um den Sinkflug der BP-Aktie zu stoppen. Ein Staatsfonds des ölreichen Emirats soll BP vor einer Übernahme bewahren, so wie die Staatsfonds im vergangenen Jahr den Banken Barclays und Citigroup über die Klippen der Krise geholfen hatten.

Die großen Staatsfonds der ölproduzierenden Golfstaaten greifen nach der Welt. Sie beteiligen sich an großen Namen der Industrienationen, siedeln zukunftsträchtige Industrien bei sich an und investieren einen größeren Teil ihrer Petrodollars im aufstrebenden Asien. Eben erst hat Aabar aus Abu Dhabi 5 Prozent der größten italienischen Bank Unicredit erworben und wurde ihr zweitgrößter Aktionär. Die Qatar Investment Authority (QIA) war am Börsengang der größten chinesischen Bank beteiligt und erwarb über eine Tochtergesellschaft 5 Prozent am weltgrößten Wasserunternehmen Veolia aus Frankreich.

Das kühle kommerzielle Kalkül der Staatsfonds hat den Beteiligungen die Aura der märchenhaften Exotik genommen. Als die Kuwait Investment Authority im Krisenjahr 1974 bei Daimler einstieg und 1982 mit 25 Prozent bei der Hoechst AG, hatten viele die Nase gerümpft. Als Aabar im vergangenen Jahr an Daimler 9 Prozent erwarb und vor den Fängen eines schwedischen Hedge-Fonds bewahrte, atmeten hingegen viele auf. Denn die Staatsfonds haben sich als Aktionäre erwiesen, die dem Management keine Vorgaben machen, langfristig Gewinn sehen wollen und in Dekaden denken.

Die Qatar Investment Authority (QIA) ist noch auf Immobilien ausgerichtet. Neben den 17 Prozent an Volkswagen und einer Beteiligung an der Credit Suisse dominieren teure Häuser in London. Ihr gehören das Kaufhaus Harrods, ein Großteil des Viertels Canary Wharf, 27 Prozent an der Supermarktkette Sainsbury. Nun ist das Savoy Hotel im Fokus. Im monatlichen Rhythmus kommen Objekte hinzu, mal das Raffles Hotel in Singapur, dann ein Luxusresort auf den Seychellen. 30 Milliarden Dollar will QIA in diesem Jahr ausgeben, 2011 könnten es 50 Milliarden Dollar werden. In einer Woche im Mai hatte QIA Harrods gekauft und Investmentfonds in Indonesien und Malaysia aufgelegt. Interesse hat Qatar auch an der französischen Nuklearfirma Areva.

Überall sind die Staatsfonds ein Puffer gegen die großen Preisausschläge des Erdöls. In Kuweit finanzieren die Erlöse der Staatsfonds noch immer fast den gesamten Import. Abu Dhabi setzt sie auch ein, um Industrien jenseits von Öl und Gas anzusiedeln. Nach einer Schätzung des amerikanischen Sovereign Wealth Fund Insti-tute ist die Abu Dhabi Investment Authority (ADIA) mit Aktiva von 627 Milliarden Dollar der mit Abstand größte Staatsfonds. In die Schlagzeilen kommen aber die kleineren Staatsfonds: Abu Dhabi Mar übernahm Blohm+Voss (inkl. militärischem Sektor, s.6, T.) und baut nun Werften in Abu Dhabi; die IPIC erwarb 70 Prozent des Anlagenbauers Ferrostaal und will nun Teilhaber an der Gasleitung Nabucco werden; Aabar ist an Daimler und am Elektroautohersteller Tesla beteiligt, an Banken wie Unicredit und Banco Santander und mit 32 Prozent an Richard Bransons Virgin Galactic selbst an der künftigen kommerziellen Raumfahrt.

Neben Finanzinvestitionen und Immobilien ist die Ansiedlung von zukunftsträchtigen Industrien eine dritte Aufgabe. Oben auf der Liste steht die Herstellung von Mikrochips. Die Regierung von Abu Dhabi ist mit Globalfoundries, einer Partnerschaft mit der amerikanischen AMD, schon der zweitgrößte Hersteller. Seine wichtigsten Werke stehen in Dresden und New York, ein weiteres wird in Abu Dhabi gebaut. In ihm sollen die Studenten aus den Emiraten arbeiten, die schon jedes Jahr in Dresden ein Sommerpraktikum machen. Zu Hightech kommt die Luftfahrt. Mubadala beginnt in diesem Jahr mit der Produktion von Komponenten für Boeing und Airbus. In weniger als einem Jahrzehnt will das Unternehmen in Abu Dhabi ein eigenes Flugzeug entwickeln. In der Wüste des Emirats Abu Dhabi baut das Staatsunternehmen Masdar mit Partnern aus Spanien und Frankreich eines der größten Solarkraftwerke, in den Industriezentren Chinas investiert Bourouge in petrochemische Werke für die chinesische Automobilindustrie.

Die ölproduzierenden arabischen Golfstaaten sind ein Machtzentrum der Weltwirtschaft geworden. Ihre Staatsfonds nehmen jedes Jahr die Hälfte der amerikanischen Staatsanleihen in die Bücher, sie retten angeschlagene westliche Unternehmen und finanzieren Investitionen in Asien. Zu Hause legen sie den Grundstein für eine Zukunft nach dem Öl. Den Weg hat ihnen das benachbarte Dubai gewiesen, das nie viel Erdöl hatte. Während sich Abu Dhabi und Doha als Wirtschaftszentren etablieren, ist Dubai in der geographischen Mitte der Welt ein Drehkreuz für Menschen und Waren. Seine Fluggesellschaft Emirates wird mit den jüngsten Großaufträgen nicht zum letzten Mal Furore gemacht haben.

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Dorsch führt in Abu Dhabi Bauregie

Die Offenbacher Dorsch Gruppe hat in Abu Dhabi den Auftrag zur Bauleitung und Bauüberwachung des neuen Stadtteils al Ghadeer erhalten, der für 80 000 Einwohner angelegt ist. Der Immobilienentwickler Sorouh hat die Dorsch Holding GmbH-DC Abu Dhabi beauftragt, das Projekt al Ghadeer zu planen, das nahe am Flughafen Abu Dhabi und der Freizone Dschebel Ali von Dubai liegt. Das Projekt umfasst in der ersten Phase den Bau von 154 Villen, 518 Reihenhäusern und 1500 teilweise terrassenförmig angelegte Wohnungen, ferner medizinische Einrichtungen, eine internationale Schule, Parks, zwei Klubhäuser, Moscheen und Beförderungsangebote. Darüber hinaus sollen Infrastrukturleistungen für das Wassernetz gebaut werden. Die Dorsch-Gruppe, die in Abu Dhabi schon den neuen Hafen und zahlreiche kleinere Projekt plant, unterhält in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate eines der führenden Ingenieurbüros. Im Juni eröffnete Dorsch eine Tochtergesellschaft in Saudi-Arabien. Dort plant das Offenbacher Unternehmen den neuen Flughafen von Medina. Die Dorsch Gruppe ist in nahezu allen 22 arabischen Staaten tätig. In der syrischen Stadt Aleppo saniert sie das Wassernetz.

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Na, das läuft ja super. Aber es ist natürlich besser, wenn sich deutsche Bosse goldene Nasen verdienen, als wenn das ganze Geld in den afghanischen Jihad fließt. Der hat ohnehin zu allerletzt Geldprobleme, wie der aktuelle „Spiegel“ (#30, S. 70ff.) im Zusammenhang mit dem Verrat von Wikileaks berichtet.

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Erst Ende 2005, Anfang 2006 und nur durch Geldzahlungen und Drohungen der Aufständischen, formierte sich der Widerstand gegen die internationale Truppenpräsenz – das geht aus zahlreichen Meldungen hervor, die davon berichten, wie der Bevölkerung für aktive Unterstützung der Aufständischen Geld geboten wird. 700 Dollar offeriert etwa die von al Qaida unterstützte Terrorgruppe Islamische Bewegung Usbekistans in der Grenzprovinz Takhar im Zuständigkeitsbereich der Bundeswehr den Einwohnern, falls diese helfen, die logistischen Hauptverkehrswege der Isaf-Truppe mit Straßenbomben zu verminen: „Afghanen aus der Gegend sollen die Sprengsätze platzieren, weil sie vergleichsweise unauffällig sind. Gezündet werden sie dann durch die Spezialisten“, verrät ein Isaf-Zuträger in eii ner Meldung. In Chapchi, einem Ort in der Provinz Badakshan und ebenfalls im deutschen Zuständigkeitsbereich, lobte ein Taliban-Kommandeur sogar 1.000 Dollar für die erfolgreiche Durchführung eines Angriffs aus. Viel Geld in einem Land mit weniger als 500 Dollar durchschnittlichem Jahreseinkommen.

Fanatische Überzeugung und finanzielle Anreize greifen in der Kriegsmaschinerie oft genug ineinander: „Wenn ihr noch Würde im Leib habt, tut euch zusammen und greift den Feind an, attackiert ihn mit ‚Stinger‘-Raketen, koste es was es wolle, 150.000 oder 200.000 Dollar, ich bezahle“, fordert etwa der Warlord Gulbuddin Hekmatjar (ein Mann, der Klo H. Metzel besonders ähnlich ist. T.) die getreuen Anhänger seiner Hisb-i-Islami in der Provinz Logar auf. Es ist Mitte März 2006, und die Widerstandsbewegung lahmt noch immer gewaltig.

Hekmatjar ist ein Veteran. Er hat bereits gegen die Russen gekämpft und nach deren Vertreibung im Machtkampf um Kabul die Hauptstadt in Schutt und Asche gelegt. Nun ist er – bis auf weiteres – ein unbeugsamer Feind der Amerikaner.

Mehr als durch die aufpeitschenden Worte des in der Provinz Kunduz geborenen Islamisten dürfte die Kampfeslust seiner Gefolgsleute im Norden durch die an jeden Gruppenführer verteilten 100.000 bis 500.000 Afghani (2.000 bis 10.000 Dollar) befeuert worden sein. Worte und Investitionen des spendablen Extremisten wurden sorgsam in den Dokumenten festgehalten.

Während die Afghanen 2006 noch immer zögerten, sich in die neue kriegerische Auseinandersetzung zwischen dem Westen und den Islamisten zu werfen, spielten ausländische Kämpfer, Araber, Tschetschenen, Usbeken und chinesische Uiguren, von Anfang an eine Schlüsselrolle. Es sind ideologische Hardliner, die al-Qaida nahestehen. Sie verfügten über einen Erfahrungsschatz mit Sprengstoffanschlägen und Selbstmordattentätern, wie er in Afghanistan bis dahin weithin unbekannt war. Die tödlichen Techniken aus dem Irak-Krieg wurden so an den Hindukusch transportiert.

Die berüchtigten ausländischen Kämpfer werden im Logbuch des Krieges erstmals am 15. Juli 2005 auch im Norden des Landes gemeldet. Fünf Tschetschenen seien in die Stadt Kunduz gekommen, sie sollen moderne Waffen an einen Taliban-Kommandeur übergeben und das Uno-Büro angreifen. Der angeblich geplante Anschlag findet zwar nicht statt, doch der beschriebene Transfer von technischem Know-how und neuen Waffensystemen an die Taliban wird später wesentlich zur deutschen Misere in Kunduz beitragen.

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Nun versuchen wir zwar auch, die afghanische Bevölkerung zu kaufen, die Hilfsgelder allerdings landen nicht bei den Menschen, wie im „Spiegel“ (#27) zu lesen war:

„Viele Milliarden Dollar werden in Kisten und Koffern nach Dubai transportiert. Der Westen hat den Überblick über seine Hilfsgelder verloren… Es geht um riesige Geldmengen, die regelmäßig in Kisten und Koffern per Flugzeug außer Landes geschafft werden – über drei Milliarden Dollar in bar waren es, mindestens, seit 2007. Der bevorzugte Bestimmungsort: die Steueroase Dubai. Bei dem Geldabfluss kann es sich nicht nur um Gewinne aus legalen Geschäften handeln: Das gesamte Bruttoinlandsprodukt des Landes beläuft sich umgerechnet auf gerade mal 13,5 Milliarden Dollar.“

Und von dort aus geht es dann vermutlich wieder zurück an die Taliban.

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Time am 29. Juli 2010

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1) http://de.wikipedia.org/wiki/Abu_Dhabi
2) http://www.nzz.ch/nachrichten/panorama/wasser_ist_ein_menschenrecht_1.6957435.html
3) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/12/01/menschenrechte-fur-schlangen/
4) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/11/26/macht-besser-keine-geschafte-mit-orks/
5) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/10/20/ich-weiss-ich-weiss/
6) http://www.welt.de/die-welt/wirtschaft/article6919301/ThyssenKrupp-beschliesst-Verkauf-von-Blohm-Voss-an-Araber.html
7) http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-71261436.html

Macht besser keine Geschäfte mit Orks!

26. November 2009

In den letzten Tagen überschlugen sich im üblicherweise nüchternen Wirtschaftsteil der FAZ die Emotionen, von Ehrfurcht bis Begeisterung war alles vertreten, eine Stimmung wie am Klondike 1896-1898 (1). Was war geschehen? Die Deutsche Bahn hatte einen Auftrag über 17 Milliarden mit dem Emirat Qatar besiegelt. Die FAZ berichtete am 22. November (2):

„(…) Bahnchef Rüdiger Grube unterzeichnete am Sonntag in der Hauptstadt Doha den Vertrag für die Gründung einer Entwicklungsgesellschaft, an der die Tochter DB International 49 Prozent (! T.) der Anteile hält. Das gemeinsame Unternehmen soll Planung und Bau von Fern- und Güterzugstrecken sowie einer Metro in Doha steuern. Auch Hochgeschwindigkeitsverkehr ist vorgesehen. Grube sagte, der Bahn helfe ein solches Engagement ‚gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, Arbeitsplätze AUCH im INLAND zu sichern.‘ Mit dem Vorhaben in Qatar sehe der Konzern außerdem gute Chancen, auch in ANDEREN arabischen Staaten ins Geschäft zu kommen. In den nächsten beiden Jahrzehnten seien in der Region Investitionen in dreistelliger Milliardenhöhe für den Aufbau oder die Erweiterung von Eisenbahnnetzen zu erwarten. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), der auch nach Doha reiste, sagte zu dem Vorhaben: ‚Bei der Planung des Verkehrskonzepts, dem Bau der Infrastruktur, der Lieferung der Fahrzeuge und dem Betreibergeschäft sind für deutsche Unternehmen Milliardenumsätze möglich.‘ In Qatar bekommt das Gemeinschaftsunternehmen ‚Qatar Railways Development Company‘ ein Planungsbudget von 700 Millionen Euro. Dabei sollen die Deutschen zwei der vier Geschäftsführer stellen, darunter in den ersten vier Jahren den Spitzenmann. Mitgesellschafter ist die staatliche Gesellschaft Qatari Diar. Zunächst sollen rund 50 Experten der DB International im Wüstenstaat die Arbeit aufnehmen. Umgesetzt werden soll ein im vergangenen Jahr erarbeitetes Konzept. Es umfasst ein 300 Kilometer langes Metrosystem in Doha mit vier Linien, eine 180 Kilometer lange Hochgeschwindigkeitstrasse nach Bahrain für maximal Tempo 350 sowie weitere Strecken für Güter- und Personenzüge.“

Einen Tag später wurde bekannt, daß auch Hochtief dabei ist, einzusteigen (3):

„Zwischen Qatar und Bahrain – Hochtief will RIESENBRÜCKE bauen – Die ‚Freundschaftsbrücke‘ soll ab dem Jahr 2014 Bahrain mit Qatar verbinden… Dabei geht es um den Bau einer der längsten Brücken der Welt. Das Bauwerk soll Qatar mit dem Königreich Bahrain verbinden… Im Jahr 2014 sollen die ersten Autos und Züge über das Bauwerk rollen…  Konsortialführer des Bauprojekts sind die Essener Hochtief AG und der französische Konzern Vinci. Ein Sprecher von Hochtief bestätigte FAZ.NET am Montag, dass das Unternehmen erste kleine Teilaufträge erhalten habe. Der Hauptauftrag stehe aber noch aus. Zur genauen HÖHE der Investitionssumme und zu weiteren Einzelheiten wollte das Unternehmen derzeit KEINE Angaben machen. (Weshalb die FAZ jetzt mit Aspekten füllt, die eher in ihren Technik-Teil gehören, T.:) Das Bauwerk besteht aus verschiedenen Abschnitten: In den seichteren Bereichen sind künstliche Dämme für die Fahrbahnen geplant von 18 Kilometern Länge. Für die tieferen Meeresabschnitte sind Viadukte und Brücken von nochmals insgesamt 22 Kilometern geplant. Dazu gehören auch zwei 400 Meter lange Schrägseilbrücken, die von Schiffen passiert werden können… Derzeit wird das endgültige Design der Brücke überarbeitet. Neben den vier Fahrbahnen für den Autoverkehr soll die Brücke auch mit der Eisenbahn überquert werden können… In den vergangenen Jahren wurden weltweit spektakuläre Brücken und Dämme geplant und gebaut. Als längstes Bauwerk dieser Art… uswusf.“

Natürlich ist sowas mal wieder DIE Gelegenheit für FAZ-Ali2 Wolfgang Günther Lerch, in der heutigen FAZ die Weisheit eines mohammedanistischen Vogelscheichs zu preisen:

„Der Veränderer – Noch ist es ein Zukunftsprojekt, doch schon die AUSPIZIEN (= Aussichten, T.) machen staunen: Bahnchef Rüdiger Grube hat mit Qatar eine Absichtserklärung über ein gigantisches Vorhaben unterzeichnet, das insgesamt einen Umfang von 17 Milliarden Euro haben soll und besonders für die deutsche Bauindustrie wichtig werden könnte. Bis zum Jahre 2018 soll Doha, die Hauptstadt des Emirats, über ein weitgespanntes S-Bahn-Netz verfügen; darüber hinaus ist vorgesehen, eine Eisenbahntrasse quer durch das Emirat, das sich von der Landmasse der Arabischen Halbinsel wie ein Sporn vorwitzig in die Wasser des Persischen Golfs hineinreckt, bis nach Manama zu treiben, in die Hauptstadt des Königreiches Bahrein, 140 Kilometer lang. Dazu wird auch der Bau einer Brücke erforderlich sein, die Qatar mit der Hauptinsel Bahreins verbinden soll.

Das Vorhaben, das von seinem Volumen her schon mit dem Bau der BAGDAD-BAHN (Wiki (4): „So trug die Bagdadbahn zur Annäherung von Großbritannien, Frankreich und Russland bei und war einer der vielen Gründe, die letztendlich zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs führten.“ T.) im deutschen Kaiserreich verglichen worden ist, zeigt wieder einmal, dass die Golfregion gegenwärtig der Entwicklungs-Brennpunkt der arabischen Welt ist. Die benachbarten Vereinigten Arabischen Emirate, insbesondere DUBAI, haben es vorgemacht, den Bau einer Schnellbahn eingeschlossen. Unter der Herrschaft von Scheich Hamad bin Khalifa aus dem Hause der Al Thani zieht Qatar nach, was nicht heißt, dass dies immer so ist. Der Herrscher ist nämlich selbst ein Mann der Anstöße. Seit seiner Machtübernahme im Jahre 1995 – der Vater, Scheich Khalifa, befand sich zu jenem Zeitpunkt gerade zur Erholung in der Schweiz – hat der Emir sein an Bodenschätzen reiches Land systematisch modernisiert. Erdöl und Gas, die Schmiermittel der modernen Industriezivilisation, haben es möglich gemacht. Wer in den neunziger Jahren die noch bis in die Achtziger hinein bescheiden wirkende Hauptstadt Doha besuchte, erkennt sie heute nicht wieder: Aus den wenigen Hochhäusern von damals ist ein Wald geworden, der die Bucht von Doha mit ihrer hübschen Corniche umstellt. Doch die Modernisierung beschränkt sich nicht darauf: Im Zusammenwirken mit Scheicha Mouza, seiner rührigen (Haupt-, T.) Gattin,  hat der Emir auch das Bildungswesen in den vergangenen Jahren enorm entwickelt; zudem ist MANCHES (was z.B.? T.) lockerer geworden in dem islamischen Lebensstil der Einwohner Qatars.

Scheich Hamad, Jahrgang 1952, erhielt zunächst eine traditionelle Bildung in der Heimat. Wie etliche arabische Führer absolvierte er die britische Militärakademie von Sandhurst und machte seine Karriere in der Armee, bis er deren Oberbefehlshaber wurde. Schon 1977 wurde er offiziell zum Kronprinzen ernannt. In seiner Jugend besonders sportlich (er gilt als begeisterter Taucher), ist er auch heute ein engagierter Förderer des Sports in Qatar: Fußball, Tennis, Leichtathletik, Formel 1. Geld legt er auch in Europa an, etwa durch Beteiligungen bei Volkswagen (Porsche). Qatar hat sich unter ihm so drastisch verändert, dass Arabien-Nostalgiker diesen Wandel beklagen. Doch Romantik, wenn es sie denn je gab in Arabien, bedeutet den Menschen dort weniger als den Außenstehenden.“

Das hört sich ja alles ziemlich TOLL an! Aber uuups… was ist denn DAAAS???

„Furcht vor Zahlungsunfähigkeit – DUBAI in Geldnot“ (5) ??? DAS Dubai? Das, wo alles aus Gold ist, sogar die Klobrillen? Das Land, das uns in jeder zweiten Reisebeilage über den goldenen Klee anempfohlen wird (Welches aber tatsächlich, wir mir mehrere Reisende berichteten, stinklangweilig sein soll)? FAZ.net heute:

„Das ehemalige Boom-Emirat Dubai hat Zweifel an seiner Zahlungsfähigkeit geweckt. Die Regierung bat am Mittwoch die Gläubiger der Palmeninsel-Bauherren um einen Zahlungsaufschub und sorgte damit für AUFRUHR an den internationalen Anleihemärkten. Banker reagierten BESTÜRZT, da Vertreter des Emirats WIEDERHOLT VERSICHERT hatten, alle finanziellen Verpflichtungen könnten erfüllt werden. Die Anleger hatten sich darauf VERLASSEN, dass das Emirat seine von der Finanzkrise ausgelösten Probleme nicht zuletzt mit Hilfe der Öl-reichen Nachbarn und Partner in den Vereinigten Arabischen Emiraten bewältigt. Dubai begründete seine Bitte mit der Restrukturierung der staatlichen Holdinggesellschaft Dubai World. Zu den Töchtern von Dubai World gehören neben einem Hafenbetreiber auch die Baufirma Nakheel sowie die Investmentfirma Istithmar.

Für knapp zwei Jahrzehnte sorgten die STAATSEIGENEN Betriebe für einen wohl beispiellosen Boom Dubais in vielen Bereichen von Bau über Transport hin zur Finanzbranche. Die Dach-Holding Dubai World brauche Zeit für ihre Neuordnung und BEMÜHE sich um einen Aufschub bei der Rückzahlung der Schulden bis MINDESTENS 30. Mai 2010, teilte die Regierung mit. Der Bau der spektakulären Palmen-Inseln im Meer galt vor der Krise als DEMONSTRATION des UNGEHEUREN finanziellen Potenzials des Landes mit seinen 1,7 Millionen Einwohnern. Die Rückzahlung der dafür aufgenommenen SCHULDEN ist nun in der Kreditklemme aber auch der Lackmus-Test dafür, ob das Emirat seinen Verpflichtungen trotz des Abschwungs nachkommen kann. Anzeichen für Schwierigkeiten gibt es SCHON seit EINIGER Zeit: So hatte etwa die Immobilienfirma Nakheel im Januar ihre Pläne für den Bau eines 1000 Meter hohen Wolkenkratzers in Dubai wegen der globalen Finanzkrise auf Eis gelegt.

Dubai World hat offiziellen Angaben zufolge Schulden im Umfang von 59 Milliarden angehäuft. Dies sind laut Schätzungen drei Viertel der gesamten Staatsschulden von etwa 80 Milliarden Dollar. Bei einer Einwohnerzahl von offiziell 1,7 Millionen macht dies grob überschlagen 47.000 Dollar pro Einwohner. Deutschland hat zum Vergleich etwa eine Staatsverschuldung von 1,5 Billionen Euro, derzeit also etwa 2,25 Billionen Dollar. Bei einer Einwohnerzahl von etwa 82 Millionen kommt man auf eine Pro-Kopf-Verschuldung von etwa 27.500 Dollar. Die Zeit in Dubai drängt: Ein Nakheel-Bond über 3,5 Milliarden Dollar wird demnach am 14. Dezember fällig, eine Vereinbarung über knapp eine Milliarde Dollar am 13. Mai. Ein weiterer Immobilien-Entwickler unter dem Dach von Dubai World, Limitless, muss zum 31. März 1,2 Milliarden Dollar zurückzahlen. ‚Der Markt hat eine pünktliche Rückzahlung der 3,5 Milliarden Dollar erwartet‘, sagte Eckhart Woertz vom Golf-Forschungszentrum. Nun sei viel VERTRAUEN zerstört. Andere Vermögensverwalter bezeichneten das SIGNAL aus Dubai als SCHOCKIEREND. (…)“

Wenn ein Wüstenscheuch f*rzt, p*rzeln die Aktienkurse:

„Zu den Gläubigern der staatlichen Holding Dubai World zählen einer Meldung der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge unter anderen Credit Suisse, Royal Bank of Scotland (RBS), HSBC, Barclays und Lloyds Banking. Die Aktien von RBS verloren in London 8 Prozent. Die HSBC-Titel gaben um 5,3 Prozent nach. Einem Credit-Suisse-Sprecher zufolge hat die Schweizer Großbank kein nennenswertes Dubai-Risiko. Der Aktienkurs brach trotzdem um mehr als 5 Prozent ein. Die Titel des Börsenbetreibers London Stock Exchange (LSE) verbilligten sich um 7 Prozent.(…) Unter Druck gerieten auch die Titel von Daimler (minus 4,2 Prozent) und die Stammaktien von Volkswagen (minus 4,3 Prozent). Noch deutlicher fielen die Porsche-Aktien mit 5,7 Prozent.“ (6)

Im Fall Dubai werden wir es wohl so machen wie die Russen im Fall Libyen, und den Orks ihre Schulden erlassen unter der harten Bedingung, daß sie dafür erstklassige Rüstungsgüter von uns als Geschenk annehmen (7). Im Fall Qatar, so fürchte ich jedoch, werden zuvor doch auch noch einige ein ganz böses Erwachen erleben, und ich könnte mir denken, dass Bahnchef Rüdiger Grube in nicht allzu ferner Zukunft zu ihnen gehören wird. „VERSICHERN“, „SICH VERLASSEN“, „SICH BEMÜHEN“, „VERTRAUEN“, das sind Begriffe, die, wenn man schon meint, mit Orks Geschäfte machen zu müssen, völlig verfehlt sind. Die Frage ist nicht, ob sie dich über’s Ohr hauen wollen oder nicht, und auch nicht die, ob sie es schaffen (sie schaffen es), die Frage ist nur die Höhe des Schadens, mit dem du aus dem „Geschäft“ aussteigen kannst. Laß es lieber! Die AUSPIZIEN, am Klondike einen Batzen Gold zu finden, der vor 111 Jahren von den hunderttausend Diggern dort übersehen worden ist, sind ungleich besser!

Time am 26. November 2009

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(7) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/10/20/ich-weis-ich-weis/
und  https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/10/21/dreist-dreister-saudisch/

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Nachtrag 2.12.09: Der Scheich sagt „Ätsch“ – FAZ, 30. November: „Die Regierung von Dubai hat bekräftigt, dass die Schulden des Staatskonzerns Dubai World NICHT durch den Staat garantiert sind. Der Finanzminister des Emirats, Abdurrahman al Saleh, sagte am Montag nach der Schließung der Börsen in Dubai und Abu Dhabi dem lokalen Fernsehen, Dubai World sei KEIN Teil der Regierung. Die Gläubiger müssten SELBST die Verantwortung für die Mittel übernehmen, die sie Dubai World gegeben hätten. Die Regierung habe Dubai World unter der Prämisse gegründet, dass das Unternehmen auf der Grundlage der Wirtschaftlichkeit seiner Projekte fremde Mittel aufnehme. Er forderte die Gläubiger auf, ihren Teil zur Sanierung von Dubai World beizusteuern. Dubai World ist AUSSCHLIESSLICH im Besitz des STAATS Dubai. Seine Verbindlichkeiten werden auf 59 Milliarden Dollar geschätzt. Viele Gläubiger hatten darauf gesetzt, dass die Verbindlichkeiten durch das Emirat garantiert seien – selbst wenn die Verträge, die sie unterzeichnet hatten, dies ausdrücklich ausschlossen. Die Regierung des Emirats vertritt die Auffassung, die Unternehmen agierten als selbständige wirtschaftliche Einheiten. Da die Grenzen zwischen Staat und Privatwirtschaft FLIESSEND sind, rechneten viele dennoch mit einer Staatsgarantie. (…)“

Aus meinem Giftschrank (#4)

2. November 2009

H-Hosen

„Jetzt haben wir die Hosen an“ ist ein Beitrag in der Frauenzeitschrift „Lifestyle“ (Nr. 45) betitelt. Weiter heißt es: „Konkurrenz für unsere heißgeliebten Jeans: Weite HAREMS-, Bundfalten- und Marlenehosen oder Röhren – Stoffhosen liegen voll im Trend.“ Gut zu wissen, dass meine Holzhosen out sind.

Die „stylische“ Haremshose sei „der Liebling der Saison“, erfahre ich, sie ist auch der Liebling der Redakteurin und nimmt den überwiegenden Raum des vierseitigen Artikels ein, denn: „Die ausgefallenste aller Hosenformen steht tatsächlich jeder Figur.“ Jedoch: „High Heels oder Ankle-Boots sind ein Muss.“

Das Modell „Party-Alarm“? Nur für die, die sich trauen! Über das Modell „Aladin“ heißt es: „Die Haremshose ist ein Figurschmeichler. In den Falten des extra-tiefen Schritts verschwinden kräftige Oberschenkel. H&M, 40 Euro.“

Also, liebe Leserinnen, rein in die Haremshose und ab auf den Sklavenmarkt von Dubai mit TUI für nur noch 499 Euro. Aber aufgepasst – da ist schon manche verschwunden wie der kräftige Oberschenkel im extratiefen Schritt!

Time am 1. November 2009