Posts Tagged ‘Egon Flaig’

400 Millionen

30. Juli 2013

Kongo-Konferenz

Auf der „Kongo-Konferenz“ 1885 wurde Afrika nicht nur in Zonen aufgeteilt, auch der Sklavenhandel wurde in der westlichen Sphäre international geächtet (1).

Tangsir hat vor ein paar Wochen unter der Überschrift „Die Versklavung des schwarzen Kontinents“ einen langen Aufsatz über die arabo-torkische Versklavung eines großen Teils der afrikanischen Bevölkerung geschrieben (2), von dem ich Ihnen heute einige Auszüge vorlegen möchte.

Angesichts des unermesslichen Leides, „das in der Menschheitsgeschichte seinesgleichen sucht“ (Tangsir), ist der bornierte Rassismus einiger Teile des Counterjihad, wie z.B. der der Leute um das Blog „Acht-der-Schwerter“, m.E. um so ekelerregender. Aber auch die Versuche rot-grün gesteuerter Organisationen, allein Europa für Kolonialverbrechen und allein für Verbrechen verantwortlich zu machen, müssen abgelehnt werden. Die „Deutsche Welle“ (3) im Jahr 2010:

„Zum 125. Jahrestag der Berliner Afrika-Konferenz haben Afrikaner aus aller Welt in Berlin eine Wiedergutmachung für die Folgen des Kolonialismus gefordert. (…) Das Tribunal habe beschlossen, dass die willkürliche Aufteilung Afrikas vor 125 Jahren durch die europäischen Staaten unter Missachtung von afrikanischen Gesetzen, Kulturen, Souveränität und Institutionen ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellt (…).’“

Solange diese ferngesteuerten Feiglinge aber gegen die afrikanische Sklavenjägerwirtschaft und gegen den Mohammedanismus nichts vorbringen oder vielleicht sogar noch selbst Orks sind, sollten wir ihre Forderungen als das zurückweisen, was sie sind: antiwestliche Propaganda. Lesen Sie Tangsir:

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(…) Was den Menschen heute ihr Öl und Treibstoff ist, waren in den letzten 1.400 Jahren die Bewohner Afrikas, um genau zu sein die schwarzhäutigen Menschen, die gejagt, gefangengenommen und ihrer ganzen Menschlichkeit beraubt wurden, um dann als Arbeitsdrohnen missbraucht zu werden. Mit den Arabo-Türken und dem Islam begann das Martyrium des afrikanischen Kontinents. Der Islam brachte den Hautfarben-Rassismus hervor, das schwarze Menschen entmenschlichte, sie als Arbeitsressource missbrauchte und ihnen den Status als Mensch absprach. Der schwarze Mensch wurde zur Ware und ist es in weiten Teilen Afrikas immer noch. Diejenigen, die sich für den Islam entschieden, erging es meist nicht besser, wer jedoch kein Moslem war, musste die ganze Härte des muslimischen Versklavungssystems über sich ergehen lassen. Édouard Guillaumet brachte es auf den Punkt als er schrieb: “Was für ein Unglückstag für Afrika, als die Araber den Kontinent betraten. Denn sie brachten nicht nur ihre Religion, sondern auch ihre Verachtung für den Neger mit…”

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Tangsir geht dann gründlich auf die Geschichte der Sklaverei in verschiedenen Teilen der Welt ein, bevor er das mohammedanistische Sklaverei-System beleuchtet:

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(…) Arabische Seefahrer transportierten schon Jahrhunderte vor der islamischen Expansion schwarze Sklaven entlang der ostafrikanischen Küste, an welcher eine Reihe von Hafenstädten als arabische Kolonien anzusprechen sind. Anfang des 6. Jahrhunderts ließ der persische König Chosroes I. im Irak große Zuckerplantagen anlegen: Das war das früheste Modell für großformatige Plantagensklaverei. Arabische Seefahrer versorgten die persischen Plantagen mit ständigem Nachschub an afrikanischen Sklaven.

Die Quantifizierung dieses Sklavenhandels ist mangels Quellen noch schwer zu bewerkstelligen, aber was unter den Sassaniden eine geographisch isolierte Erscheinung zu sein scheint, wird in der islamischen Ära zum bestimmenden Faktor der islamischen Herrschaft und dem Terror über die Welt. Man kann sogar davon reden, dass mit dem Islam das Konzept der rücksichtlosen Ausbeutung von Natur und Menschen, als religiöses Gebot, geboren wurde. Arabisch-torkische Militärsklaven und Söldner wurden von den Sassaniden als auch Byzanz bereits ab dem 4. Jhd. eingesetzt und damals fielen die moralischen Schranken für die daraufhin auftauchenden Araber und ihre Teufelsideologie.

Sklaverei im islamischen Persien

Die spezielle islamische Form der Sklaverei breitete sich in Folge der arabischen Invasion auch im Iran aus. Gebiete, die sich der Islamisierung widersetzt hatten, wurden immer wieder Opfer von Überfällen, in dessen Verlauf Tausende versklavt und verschleppt wurden. Männliche Sklaven nannte man Gholam und schwarze Sklaven Kaka Siah (Schwarze Kacke), weibliche Sklaven nannte man Kaniz(ak). Die Sklaverei blieb auch nach dem Sturm der Mongolen bestehen, und nicht nur Inder waren Opfer dieser Sklavenhatz sondern genauso Iraner und andere Ethnien. Im Persien der Nach-Turko-Mongol-Ära war es üblich, auf Menschenjagd zu gehen und Geiseln gegen Geld auszutauschen. Man kann davon sprechen, dass in dem Land, das Tausende Jahre zuvor die Pax Achämenica begründet hatte, sich nun das genaue, böse Gegenteil eingenistet hatte.

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Tangsir zieht eine Parallele zu heutigen Verhältnissen und zitiert dann Botho Keppel:

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(…) „Mit dem grünen Banner des Propheten und der islamischen Scharia kam immer auch regelrechte Herdensklaverei. Islamische Eroberer versklavten viel mehr Menschen, als es die Römer je getan hatten. Allein in Spanien wurden Anfang des 8. Jahrhunderts innerhalb von nur zehn Jahren 150.000 Menschen versklavt. Im 11. Jahrhundert trieben afghanische Reiterheere Hunderttausende versklavte Hindus nach Zentralasien, wo sie gegen Pferde eingetauscht wurden. Das ‚Hindu-Kush-‚Gebirge hat daher seinen Namen: Hindu-Tod.“

Islamische Herrschaft beruhte auf der Sklaverei. Kalifen und Sultane hielten riesige stehende Heere aus Militärsklaven. Weil es in der theokratischen Despotie keine Mitwirkung von Aristokratie oder Bürgern gab, lag alle Bürokratie und Verwaltung in den Händen von Sklaven. In Bergwerken, Mühlen und Plantagen schufteten Hunderttausende Sklaven. Der Sklavenhunger des islamischen Weltreiches war unersättlich. Schon im 9. Jahrhundert brauchten die Kalifen von Bagdad etwa 600.000 Militärsklaven, sogenannte Mamelucken. Auf dem Balkan wurden ab dem 14. Jahrhundert bis zu einem Fünftel aller christlichen Kinder in die Sklaverei abgeführt, zwangsmuslimisiert und zu gefürchteten Janitscharenkriegern ausgebildet. Dies Schicksal muss in viereinhalb Jahrhunderten türkischer Balkanherrschaft Millionen Kinder getroffen haben, schätzt Flaig.

An den Rändern des islamischen Weltreiches führten Kalifen, Sultane, Emire und Moguln permanent Krieg, nur um Sklaven zu rauben. Frieden gab es nie. Im 10. Jahrhundert etwa zog der Kalif von Córdoba in 27 Jahren 25 Mal in den Dschihad – den „heiligen Krieg“ – gegen die christlichen Gebiete Spaniens, zerstörend, massakrierend, versklavend.

Am schlimmsten aber traf es Afrika. Nach und nach wurde der größere Teil des Kontinents zu einer einzigen riesigen Sklavenlieferzone für die islamische Welt. Millionen schwarzafrikanische Sklaven wurden über den Indischen Ozean von Ostafrika nach Indien und bis nach China geführt. Noch Ende des 19. Jahrhunderts zogen lange Sklavenkarawanen durch die Sahara. Im Sudan und bis tief nach Schwarzafrika hinein entstanden islamisierte Räuberstaaten, die nur eine Aufgabe hatten: Sklavenbeschaffung. Die subsaharischen Sklavenjagden, schreibt Flaig, „waren häufig Genozide im strengen Sinne, da von vielen Ethnien buchstäblich niemand mehr übrig blieb“.

Arabisierte Reiternomaden betrachteten Schwarzafrikaner als natürliches Sklavenreservoir. Die heutige blutige Vertreibung schwarzafrikanischer Sudanesen in Darfur durch berittene arabische Milizen ist ein Echo aus Jahrhunderten islamischer Sklavenjagd: Noch 1871 veranstaltete ein Sultan im heutigen Tschad zu Ehren eines Staatsgasts eine Sklavenhatz. Tausend Jahre islamische Herrschaft und permanente Versklavungskriege in immer größeren Teilen Afrikas hatten fürchterliche Folgen für den Kontinent, kulturell, sozial, ökonomisch und politisch. Flaig: „Bis heute sind vielerorts die demografischen Entleerungen sichtbar sowie die Spuren des kulturellen Niedergangs bis hinunter auf ein pseudo-steinzeitliches Niveau.“

Ende des 15. Jahrhunderts klinkten sich die Portugiesen in den innerafrikanischen Sklavenhandel ein. Mit ihren ozeantauglichen Schiffen konnten sie die Sklaven schneller und verlustärmer transportieren und machten an der afrikanischen Westküste gute Geschäfte. 1500 nahm Portugal Brasilien in Besitz. Für die Arbeit auf der ständig wachsenden Zahl von Zuckerrohrplantagen brauchten portugiesische Siedler immer mehr Sklaven. In 300 Jahren kamen auf portugiesischen Schiffen 3,9 Millionen afrikanische Sklaven nach Brasilien – 41 Prozent aller nach Amerika verschleppten Afrikaner. Ab der Mitte des 17. Jahrhunderts brachten auch holländische, französische und englische Sklavenhändler afrikanische Sklaven in die Neue Welt, vor allem in die Karibik. Etwa 365.000 Sklaven wurden zwischen 1600 und 1825 nach Nordamerika transportiert. Weil es ihnen dort vergleichsweise gut ging, wuchs ihre Zahl bis 1860 auf vier Millionen.

In 300 Jahren transatlantischem Sklavenhandel blieben die Europäer immer Händler. Sie jagten nicht, und sie versklavten nicht. Das taten die Afrikaner selber, betont Flaig: „Afrikaner versklavten andere Afrikaner, sie deportierten ihre Opfer, und sie verkauften diese wie Vieh an europäische Händler. Warum? Weil sie überhaupt keine Gemeinsamkeit zwischen sich und ihren versklavten Opfern sahen.“ Auf den langen Märschen vom Landesinneren zum Atlantik kamen oft mehr Sklaven ums Leben als auf der Überfahrt nach Amerika. Die afrikanischen Versklaver blieben in Westafrika immer die Herren des Geschäfts: Sie bestimmten den Preis und welcher europäische Kapitän wie viele Sklaven bekam. Tatsächlich war die jahrhundertelange islamische Sklavenjagd in Afrika die Voraussetzung für den transatlantischen Sklavenhandel der Europäer, erklärt Flaig. Jene islamisierten afrikanischen Räuberstaaten, für die die Sklavenjagd einziger Existenzzweck war, „vermochten auf jede Nachfrage elastisch zu reagieren“ und schufen sie regelrecht. In Sklavenjagd-Dschihads – bis ins 19. Jahrhundert hinein wurden sie wirklich als „heilige Kriege“ deklariert – warfen die Räuberstaaten solche Mengen von Sklaven auf die Märkte, dass diese Kriege „als hauptsächlicher Faktor für den Sklavenexport nach Amerika“ erscheinen.

„Humanitärer Kolonialismus“

Der transatlantische Sklavenhandel ist gut erforscht. Von 1519 bis 1867 wurden in etwa 27.000 Sklaventransporten 11,06 Millionen Afrikaner nach Amerika verschleppt. Noch mehr fielen in freilich viel längerer Zeit zwischen 650 und 1920 islamischer Sklaverei zum Opfer: mindestens 17 Millionen. Rechnet man die Sklaven hinzu, die in den subsaharischen Sklavenjägerländern blieben, so wurden in 1.300 Jahren insgesamt wohl über 50 Millionen Afrikaner versklavt. Noch nicht mitgerechnet ist dabei die große Zahl von Alten und Kindern, die in den unendlich vielen, fürchterlichen Sklavenrazzien niedergemetzelt wurden. Flaig glaubt, dass auch die düstersten Zahlen noch nach oben korrigiert werden müssen: Alleine die islamische Militärsklaverei erforderte über die Jahrhunderte einen Sklavenimport von weit über 20 Millionen Menschen. Gerne unterschlagen werden 1,2 Millionen Europäer, die Piraten aus Algier, Tunis und Tripolis zwischen dem 16. und dem 19. Jahrhundert von den Küsten Spaniens, Frankreichs und vor allem Italiens raubten. Sogar bis in die Themsemündung und nach Island fuhren die nordafrikanischen Sklavenjäger.

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Ich war 2008 zu folgender Bilanz gekommen (4):

„Pro Sklave muß von fünf damit verbundenen Toten (Jagd und Flucht, Familie ohne Ernährer usw.) ausgegangen werden. Die Schlachtbilanz der Orks beläuft sich in Bezug auf den afrikanischen Sklavenhandel wohl auf ca. 120 Mill. Tote, auf 80 Mill. tote Hindus, 60 Mill. tote Christen, 10 Mill. tote Buddhisten, mithin auf rund 270 Mill. Tote gesamt. (…) Flaig sagt u.a., dass die Todesrate (in Afrika) Richtung mohammedanistischer Staaten aufgrund der Wüstenquerung nochmal doppelt so hoch war.“

Die afrikanische Opferzahl ist jedoch nicht 120 Millionen sondern mindestens 250 Millionen, und die Gesamtzahl der Opfer des Mohammedanismus muss deshalb von 270 Millionen auf mindestens 400 Millionen erhöht werden. Tangsir:

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Vom ersten Tag des transatlantischen Sklavenhandels an führten die Europäer in der Alten wie in der Neuen Welt eine erregte Debatte über die Sklaverei. 1794 wurde sie von der französischen Nationalversammlung in allen französischen Territorien verboten. 1833 folgte das britische Parlament dem französischen Beispiel. Auf dem Wiener Kongress beschlossen 1815 die europäischen Monarchen, den Sklavenhandel zu unterbinden. Von da an machte die britische Marine Jagd auf Sklavenschiffe, blockierte die westafrikanische Küste und würgte den transatlantischen Sklavenhandel ab. Der jahrzehntelange Einsatz als maritimer Weltpolizist kostete London viel Geld.

In der islamischen Welt dagegen gab es nie eine Diskussion über die Sklaverei. Weil Sklaven im Koran vorkommen und auch der Prophet Sklaven hatte, war die Sklaverei über jeden Zweifel erhaben. Das Osmanische Reich wehrte sich gegen britischen Druck. Auf der arabischen Halbinsel drohten Aufstände, als über das Verbot der Sklaverei verhandelt wurde. Die Araber wurden denn auch vom halbherzigen Sklavenhandelsverbot der Osmanen ausgenommen. Erst als die Briten 1882 Ägypten besetzten, endete der Sklavenhandel auch im Nahen Osten. In Afrika gingen die Versklavungskriege weiter, erfassten Zentralafrika und das Kongobecken. Arabische Sklavenjäger erreichten die Grossen Seen. In Europa drängten darum die Abolitionisten – die Gegner der Sklaverei – darauf, die Sklavenjagden in Afrika gewaltsam zu beenden. Nichts anderes, meint Flaig, war der Ausgangspunkt der europäischen Kolonialherrschaft in Afrika.

Tatsächlich konnten die europäischen Kolonialmächte das gewaltsame Versklaven in Afrika fast völlig unterbinden. Flaig spricht darum vom „humanitären Kolonialismus“ der Europäer in Afrika und wartet mit einer provokanten Schlussfolgerung auf: „Der europäische Kolonialismus (…) hat Afrika nach einer 1.000-jährigen Geschichte von blutigster Gewalt und Völkermorden die Möglichkeit zu neuen Wegen eröffnet. Freilich unter kolonialer Aufsicht.“ Wären die Europäer nicht in Afrika geblieben, so Flaig, wäre die Sklaverei sofort zurückgekehrt. Die starke These wird zu Diskussionen und Historiker-Debatten führen. Ein Rezensent der Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“ hat sich prompt über Flaigs Sicht auf den europäischen Kolonialismus empört. Allerdings ohne Argumente anzuführen. Die sind, bis jetzt jedenfalls, auf der Seite des Rostocker Althistorikers.

Tidiane N’Diaye schreibt: Die Sklavenhalter, Berber oder Araber aus dem Norden und Tuareg gerierten sich gegenüber den schwarzafrikanischen Bevölkerungsgruppen wie Piraten. Sie kamen aus den Tiefen der Sahara, überfielen die senegalesischen oder malischen Dörfer, raubten Frauen und Kinder, die unter unsäglichen Qualen durch die Wüste bis zu den nächstgelegenen Oasen verschleppt wurden. Hatte der transatlantische Sklavenhandel vier Jahrhunderte gewährt, so haben die Araber dreizehn Jahrhunderte lang den afrikanischen Kontinent südlich der Sahara ununterbrochen geplündert. Es geht überhaupt nicht darum, die Geschichte oder die Erinnerungskulturen ethnischen Kategorien zuzuordnen, weil damit der Opferhierarchisierung Tür und Tor geöffnet werden würde. Doch man kann mit Fug und Recht sagen, dass der von den erbarmungslosen arabomuslimischen Räubern betriebene Sklavenhandel weitaus verheerender für Schwarzafrika war als der transatlantische Sklavenhandel. Die verschiedenen Unterjochungsformen in den meisten schwarzafrikanischen Gesellschaften können unter keinen Umständen mit den Gräueln des arabomuslimischen und transatlantischen Sklavenhandels verglichen werden, das heißt mit Methoden, die mit massiven Deportationen, Verstümmelungen, Morden einhergingen.

Die Folge des neuen Hautfarben-Rassismus blieb nicht nur auf das afrikanische Kontinent beschränkt, sondern breitete sich auch auf die indischen Gebiete und selbstverständlich auch auf das Panjâb und Xorâsân aus. Vor allem die islamisch verseuchten, turko-mongolischen Invasoren bedienten sich der neuen Unterteilung der Menschen in Weiss und Schwarz, um an indischen Menschen ein wahres Fest der Vernichtung zu vollziehen. Noch heute ist diese Unterteilung in Indien, Afghanistan und Pakistan präsent. Schwarz gilt als minderwertig und hellere Haut als edel, aber genauso gilt dieses Vorurteil im gesamten Nahen Osten und in überwiegend islamischen Ländern. Im Laufe der Zeit wurde die Hautfärbung weltweit sogar eine Frage des Standes, anhand dessen man feststellen konnte, ob jemand unter der Sonne zu arbeiten gezwungen war oder ein Platz im Schatten „erbeuten“ konnte. (…)

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Time am 30. Juli 2013

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1) http://de.wikipedia.org/wiki/Kongo-Konferenz
2) http://tangsir2569.wordpress.com/2013/06/19/die-versklavung-des-schwarzen-kontinents/
3) http://www.dw.de/afrikaner-fordern-wiedergutmachung/a-4891485
4) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/23/mohammedanismus-und-sklaverei/

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PS, Jan. 2015: Es liegen neue Schätzungen vor, die Indien stärker berücksichtigen und von über 590 Millionen Ermordeten ausgehen.

https://themuslimissue.wordpress.com/2013/06/19/muslims-have-killed-over-590-million-non-muslims-since-the-birth-of-mohammed/

Nicht im Geringsten

27. April 2011

Sklavenmarkt in Bagdad anno 1237

Aufsätze von Thomas Speckmann lese ich in der FAZ meist mit großem Interesse. So auch heute, obwohl ich seinen aktuellen Text diesmal nicht unwidersprochen präsentieren will. Hier ist er:

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Verbrechen an der Zivilbevölkerung als neues Mittelalter?

Gaddafis Kriegführung in Libyen ist kein epochenspezifisches Phänomen, sondern ein historischer Export Europas

Mitte April verabschiedeten Barack Obama, Nicolas Sarkozy und David Cameron eine gemeinsame Erklärung zur Lage in Libyen: Eine „mittelalterliche Belagerung“ erleide Misrata, mit der Libyens Machthaber Muammar al Gaddafi die Bevölkerung „zur Unterwerfung“ zwingen wolle. Kehrt das Mittelalter in der Kriegführung zurück? Ist das Zeitalter der „neuen Kriege“, die mit ihren Warlords und Söldnern an die Waffengänge des Dreißigjährigen Krieges erinnern, schon wieder vorbei? Bewegen sich die heutigen Kriegstypen bereits weiter zurück auf der Zeitachse? Von der Neuzeit zum Mittelalter? Als Maßstab für diese Einordnungen dient meist die Intensität kriegerischer Gewaltakte, außerordentlicher Gewaltanwendung und von Kriegsverbrechen. Der Blickwinkel wird dabei von wissenschaftlichen Arbeiten aus der jüngeren Zeit geprägt, die sich größtenteils mit Gewalt im zwanzigsten Jahrhundert beschäftigen, unabhängig davon, ob die dort beobachteten Phänomene im eigentlichen Sinne Bestandteil direkter militärischer Auseinandersetzungen waren oder nicht.

Ein Weg, der mehr Erfolg verspricht bei dem Versuch, aktuelle Konflikte wie den libyschen Bürgerkrieg in die Kriegsgeschichte einzuordnen, ist die epochenübergreifende Untersuchung von „Entgleisungen“ innerhalb kriegerischer Konflikte. Denn sie ermöglicht nicht nur eine Dekonstruktion von Normabweichungen, die sich in gewalttätigen Exzessen und einem Übermaß an Gewalt ausdrücken. Eine solche Untersuchung vermeidet auch das Risiko, mit allzu zeitgenössischen Worten auf die Greuel der Vergangenheit zurückzuschauen – mit fassungslosen Blicken auf eine Gewalt, die heute unhaltbar erscheint.

Studien, wie sie Frédéric Rousseau und Burghart Schmidt für das Centre de Recherches Interdisciplinaires en Sciences Humaines et Sociales de l’Université de Montpellier versammeln, erlauben es, dem Vorwurf anachronistischer Betrachtungen entgegenzutreten, der Historikern früherer Zeiten oft und nicht selten vorschnell begegnet („Kriegsverbrechen vom sechzehnten Jahrhundert bis zur Gegenwart“, Dobu Verlag, Hamburg 2009). Solche Untersuchungen zeigen, dass es beispielsweise nicht notwendig war, bis zum zwanzigsten Jahrhundert zu warten, um zu sehen, dass die Gewalttätigkeiten gegen die Indianer des amerikanischen Kontinents entschieden verurteilt wurden: Trotz der Rechtfertigungen des spanischen Eroberers Hernán Cortés unterstrich der Dominikaner Bartolomé de Las Casas schon im sechzehnten Jahrhundert den illegitimen Charakter der Gewalttaten der Konquistadoren in Mexiko und hob diese Frage auf eine ethische Ebene.

Auch die Verantwortlichen der Geschehnisse, die als Massaker der Waldenser bis in die Gegenwart überliefert wurden, standen schon Mitte des sechzehnten Jahrhunderts „außerhalb der Menschlichkeit“. Der Wortschatz der Gewalt folgte immer rascher der faktischen Gewalt. So erhielt auch der Begriff „Massaker“ – wie er erneut im Fall Bengasis als Argument für die westliche Militärintervention verwendet wurde – im sechzehnten Jahrhundert seine bis heute gültige Bedeutung als Umschreibung für den Mord an einer großen Zahl wehrloser, in den meisten Fällen ziviler Personen. Der Gebrauch dieses Begriffs unterstrich schon in der damaligen Epoche ein Abnehmen der Toleranz gegenüber Greueltaten und eine größere Empfindsamkeit gegenüber „Entgleisungen“ im Krieg.

Rousseau und Schmidt wenden sich gegen die gerade heute weitverbreitete Neigung, das Ereignis der „Entgleisung“ in eine in diesem Sinne konstruierte Rationalität einzubetten, eine Ordnung an die Stelle einer Unordnung zu setzen. Denn dieses Bemühen kann sich als illusorisch erweisen. So ist es oftmals problematisch, den Anteil an Entgleisungen auszumachen, der impulsiven Reaktionen zukommen kann. Ferner erscheint ein asymmetrisches Kräfteverhältnis oft als ein Element, das Entgleisungen erleichtert. Hinzu kommt die entscheidende Bedeutung der Art und Weise militärischer Führung. Die besonderen Bedingungen einer Kriegführung auf fremden Territorien durch isolierte Truppenverbände, die von ihrer Basis getrennt oder zumindest weit entfernt sind, öffnen vielen Arten von Entgleisungen Tür und Tor. Oft führen Schwierigkeiten der Truppenversorgung zu einer Vielzahl von Kontakten mit wehrlosen Zivilisten und damit zur Vervielfältigung von Gewalttätigkeiten am Rande der Kriegsschauplätze.

Bereits die Kriege des sechzehnten Jahrhunderts in den Niederlanden haben gezeigt, dass Ausschreitungen gegen die Zivilbevölkerung von der militärischen Führung immer wieder als ausnahmsweise Überschreitung der Disziplin betrachtet wurden, die es zu kontrollieren galt, dass sie oft aber auch als eine Art Sicherheitsventil für fehlende Soldzahlungen betrachtet und entsprechend toleriert wurden, und dass sie ebenfalls in Zusammenhang mit der feindlichen Haltung der Bevölkerung standen und aus den Leiden resultierten, die die Feldzüge den Soldaten auferlegten. Nicht selten wurden diese Verbrechen als ein „notwendiger“ Ausgleich für die Schärfe der militärischen Disziplin innerhalb des Dienstes und der Kämpfe betrachtet.

Mit Blick auf die berechtigte Empörung über die Verbrechen von Gaddafis Truppen an der eigenen Bevölkerung muss sich der Westen zugleich den historischen Spiegel von Rousseau und Schmidt vorhalten lassen. Denn infolge der ständigen Verletzung des europäischen Kriegsrechts in den Kolonialkriegen in Afrika bildeten die dortigen Entgleisungen beinahe schon selbst wieder eine Norm und eine Art der Kriegführung, die von Europa aus exportiert wurde. So war auch Lateinamerika im Unabhängigkeitskampf Schauplatz eines schmutzigen Krieges, dessen grausamste Elemente bereits während der Kämpfe gegen die napoleonischen Truppen in Spanien zu beobachten gewesen waren. Und was die französische Kriegführung in Algerien und das britische Vorgehen im Kongo betraf, so schienen hier Kriegsverbrechen geradezu Bestandteil politisch-militärischer Kolonialstrategien. Somit trifft der Westen heute in Libyen keinesfalls auf spezifisch „mittelalterliche Belagerungen“, sondern auf eine Kriegführung, die nicht nur epochenübergreifend Anwendung findet, sondern auch ein historischer Export Europas ist.

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Zunächst finde ich es ein wenig schade, dass Speckmann in seinen Ausführungen das Mittelalter, welches im Titel angekündigt wird, gänzlich unerwähnt lässt – das hätte mich doch auch sehr interessiert.

Aber was sollen denn diese Sätze: „Gaddafis Kriegführung in Libyen ist kein epochenspezifisches Phänomen, sondern ein historischer Export Europas (…) in Afrika bildeten die dortigen Entgleisungen beinahe schon selbst wieder eine Norm und eine Art der Kriegführung, die von Europa aus exportiert wurde. (…) Und was die französische Kriegführung in Algerien und das britische Vorgehen im Kongo betraf, so schienen hier Kriegsverbrechen geradezu Bestandteil politisch-militärischer Kolonialstrategien. Somit trifft der Westen heute in Libyen keinesfalls auf spezifisch ‚mittelalterliche Belagerungen‘, sondern auf eine Kriegführung, die nicht nur epochenübergreifend Anwendung findet, sondern auch ein historischer Export Europas ist.“

Ich bin über die Geschichte Algeriens und Kongos nicht besonders im Bilde, aber kann mir vorstellen, dass die Kolonialmächte tatsächlich oft grausam und verabscheuenswürdig vorgegangen sind. Ich möchte jedoch fragen, was dort vor sich ging, bevor die Europäer erschienen? 

Na klar, der mohammedanistische Sklavenhandel grassierte, ein Sklavenhandel, der in 1.400 Jahren Mohammedanismus niemals und auch heutzutage noch nicht zum Erliegen gekommen ist. Dem von jeher jeglicher Gedanke an ein „Kriegsrecht“ fremd ist.

Die Orks versklavten in Afrika, so Dr. Egon Flaig (1), insgesamt 50 Millionen Menschen und nochmals – vor allem von den Maghreb-Staaten aus – 1,2 Millionen Europäer. Da pro Sklave von fünf damit verbundenen Toten ausgegangen werden muss (Jagd, Flucht, Tod des Ernährers), ist eine Todeszahl von 250 Millionen Afrikanern sowie 6 Millionen Europäern nicht unwahrscheinlich. Die Gesamtzahl der Opfer des Mohammedanismus müsste demzufolge von 270 Millionen auf 400 Millionen korrigiert werden (2).

Wie dem auch sei, die genannten Regionen waren mit ziemlicher Sicherheit auch schon vor der Ankunft der Europäer die Hölle, und zwischen 1988 und 2004 hatten die Jugendlichen des unabhängigen Algeriens denn auch nichts besseres zu tun, als sich 150.000-fach die Kehlen durchzuschneiden. Michael Mannheimer (s. 1):

„Vom ersten Tag des transatlantischen Sklavenhandels an führten die Europäer in der Alten wie in der Neuen Welt eine erregte Debatte über die Sklaverei. 1794 wurde sie von der französischen Nationalversammlung in allen französischen Territorien verboten. 1833 folgte das britische Parlament dem französischen Beispiel. Auf dem Wiener Kongress beschlossen 1815 die europäischen Monarchen, den Sklavenhandel zu unterbinden. Von da an machte die britische Marine Jagd auf Sklavenschiffe, blockierte die westafrikanische Küste und würgte den transatlantischen Sklavenhandel ab. Der jahrzehntelange Einsatz als maritimer Weltpolizist kostete London viel Geld.“

Apropos Mittelalter, Mannheimer:

„Gar so finster war Europas Mittelalter doch nicht: Vor tausend Jahren waren die Territorien nördlich und westlich der Alpen die einzige Region auf der Welt, in der es keine Sklaven gab. Adlige Güter wurden hier von Bauern bewirtschaftet, die in unterschiedlichen Stufen abhängig und unfrei waren. An die Stelle der Sklaverei trat die Leibeigenschaft. Anders als Sklaven gehörten Leibeigene zur Gesellschaft und fristeten, zwar am unteren Ende der sozialen Leiter, ein halbwegs menschenwürdiges Dasein. Niemand durfte sie verkaufen oder verschleppen. Als die (christlich geprägten) Normannen  1066 England (durch Herzog Wilhelm II. aus der Normandie (Nordfrankreich)) eroberten, unterdrückten sie dort die Reste der Sklaverei rigoros. Im ‚Sachsenspiegel‘, dem (ältesten) Gesetzeswerk (Rechtsbuch) des deutschen Mittelalters, wurden Mitte des 13. Jahrhunderts sowohl Leibeigenschaft als auch Sklaverei aufgehoben. Frankreichs König Philipp der Schöne schenkte 1299 allen Leibeigenen auf seinen Krongütern die Freiheit, weil ‚jegliches menschliche Geschöpf, welches nach dem Bild unseres Herrn geformt ist, kraft des natürlichen Rechts frei sein muss‘. Da war es schon, das ’natürliche Recht auf Freiheit‘, fast 500 Jahre vor der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, mitten im sogenannten finsteren Mittelalter.“

Wir brauchen uns absolut nicht zu schämen, und wir brauchen keine Verantwortung übernehmen für etwas, das wir nicht zu verantworten haben. Wir haben nicht zu verantworten, was Aff-Affie und all die anderen mohammedanistischen Unmenschen von Marokko bis Indonesien verbrechen. Nicht im Geringsten!

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Time am 27. April 2011

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1) http://michael-mannheimer.info/2011/04/22/der-islam-und-die-weltgeschichte-der-sklaverei/
2) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/23/mohammedanismus-und-sklaverei/

Hypnoseopfer Deutsche Orientalistik

2. Juni 2010

Vor einiger Zeit hatte ich zwei Buchbesprechungen von Andreas Eckert aus der FAZ gebracht, die das Thema „mohammedanistische Sklaverei in Afrika“ zum Thema hatten (1). Beiden Werken stand er skeptisch bis ablehnend gegenüber, und ich prognostizierte, dass Herr Eckert, der z.B. Tidiane N’Diaye „Unwissenschaftlichkeit“ vorwarf, solches, wenn er denn bei Flaig angekommen sei, kaum diagnostizieren sondern hier eine Abwertung anderer Art vornehmen würde.

Und so geschah es heute (in the FAZ), Flaig wurde in einem kurzen Satz abqualifiziert, weil er quasi zwanghaft an seinen Thesen festhalte, und eine angeblich „lange Forschungstradition“ zum Thema mißachte.

Nun ist es schon ein bißchen seltsam, dass Eckert sich der Lektüre und anschließenden Besprechung des Werkes von Flaig so konsequent verweigert. Noch seltsamer aber ist, dass er die Erwartung, die er selbst geweckt hat, nämlich ein paar Arbeiten aus der angeblich „langen Tradition“ zur Forschung der mohammedanistischen Sklaverei mal vorzustellen, kaum mehr berücksichtigt. Er erwähnt vielmehr überwiegend Werke zur Verbreitung des Mohammedanismus in Afrika, in denen, Sie ahnen es, die angeblich ach so spirituellen Sufis die Hauptrolle spielen.

Ich persönlich hatte in den letzten Jahren eher den Eindruck gewonnen, dass kaum zum mohammedanistischen Sklavenhandel geforscht wurde, um so mehr aber der transatlantische bis ins kleinste Detail aufgerollt wurde, so dass mir z.B. Flaigs und N’Diayes Arbeiten selten und sensationell erschienen.

Lesen Sie jetzt den Aufsatz von Andreas Eckert, beobachten Sie seine kuriosen Windungen, wie er uns erklären will, dass die mohammedanistische Sklaverei eigentlich gar nicht so schlimm gewesen sei, weil es ja auch die Sufis und den antikolonialistischen Kampf gegeben habe.

Au weia, und so sieht man den deutschen Orientalismus einmal mehr in orgiastischer Verzückung über seinen Forschungsgegenstand. Aufwachen, Herr Eckert!!! Das, was Sie in hypnotischer Faszination hält, ist eine riesige Würgeschlange, eine riesige und sehr HUNGRIGE Würgeschlange.

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Islam und Scharia in Afrika: Mehr als Sklaverei
(aber doch AUCH Sklaverei, T.)

Die Rolle muslimischer Akteure beim mittelalterlichen wie neuzeitlichen Sklavenhandel ist in der Forschung sehr präsent. Aber die Vielfalt islamischer Lebensformen in Afrika ist damit noch nicht verstanden.

In seiner im vergangenen Jahr erschienenen provokanten „Weltgeschichte der Sklaverei“ deutet Egon Flaig die Welt des Islam als das „größte und langlebigste sklavistische System“ der Geschichte. Allerdings neigt der Rostocker Althistoriker dazu, die Komplexität der islamischen Sklaverei zu ignorieren, wohl um sich nicht über Gebühr von seiner Grundthese vom erobernden Islam abbringen zu lassen. In Bezug auf den Islam in Afrika etwa hätte Flaig auf eine lange Forschungstradition zurückgreifen können.

Gegenwärtig gehören Roman Loimeier (Göttingen) oder Stefan Reichmuth (Bochum) zu den auch international wahrgenommenen Vertretern in diesem Bereich. Ihre und zahlreiche weitere Studien konnten zeigen, dass sich auf dem afrikanischen Kontinent lokale Spielarten von Gemeinschaft und Gesellschaft entwickelten, die sich zwar allesamt am Islam orientierten, diesen aber sehr unterschiedlich deuteten. Vielfalt und Komplexität islamischer Gesellschaften charakterisieren nicht nur ihre historische Entwicklung, sondern sind auch prägend für ihr heutiges Erscheinungsbild. Die Globalisierung des Islam fördert keineswegs ausschließlich (aber doch auffällig häufig, nicht wahr herr Eckert? T.) die Verbreitung radikaler, islamistischer Interpretationen in Afrika, sondern öffnet zugleich Muslimen in diesem Teil der Welt den Zugang zu einer Vielzahl von Diskussionen und Traditionslinien (über Scharia und korrekte Beschneidung z.B., vergl. A.H.Ali, T.).

Muslime spielten in Afrika eine zentrale Rolle in Sklavenhandel und Sklaverei (Aha! T.). Es wäre jedoch falsch, sie ausschließlich auf diesen Bereich zu reduzieren (Das tut auch keiner, T.). Im Übrigen ist es schwer, ein allgemeines Bild über die Haltung von Muslimen zu Unfreiheit und Handel mit Menschen zu zeichnen. Alle Deutungen der Scharia untersagen bekanntlich dem Gläubigen, andere Muslime zu versklaven (Das ist falsch, es wird bloß als nicht ganz so korrekt angesehen! T.). Die Gefangennahme und der Besitz von „Ungläubigen“ war hingegen erlaubt. Mit der Zunahme des Sklavenhandels wirkte der Schutz, den eine muslimische Identität bot, als Anreiz zur Konversion, insbesondere in den Regionen, wo muslimische Händler Sklaven an die Europäer oder deren Zwischenhändler verkauften. Gelegentlich wurden auch muslimische Sklavenhändler Opfer der in vielen Teilen Afrikas eskalierenden Gewalt, ihrerseits an Europäer verkauft und über den Atlantik zwangsverschifft (Davon habe ich noch nie gehört, interessante These, „Ali auf der Baumwollfarm“! T.).

Die mit Abstand beste Überblicksdarstellung, eine ebenso differenzierte wie kompakte Einführung in die Geschichte des Islam in Afrika hat vor einigen Jahren der amerikanische Historiker David Robinson veröffentlicht („Muslim Societies in African History“, Cambridge University Press, New York 2004) – ein Buch, das auch eine Übersetzung ins Deutsche verdienen würde. Mit diesem Werk habe, wie das „Journal of African History“ konstatierte, „die historische Forschung zum Islam in Afrika ihre volle Reife erlangt“. Robinson sieht in seiner Geschichte zwei sich überlappende Prozesse am Werk: die Islamisierung Afrikas und die Afrikanisierung des Islam (Träumt weiter! T.). In diesem Zusammenhang lehnt er jedoch die in Teilen der Literatur verbreitete essentialistische Vorstellung von einem „afrikanischen Islam“ ab (eben! T.), welcher vermeintlich weniger orthodox als der Islam in der arabischen Welt sei, dafür aber mit religiösen Praktiken verbunden, die durch afrikanische kommunalistische religiöse Konzepte geprägt sind. „Die meisten afrikanischen Muslime“, schreibt Robinson, „haben sich immer als gottesfürchtig und korrekt in ihren Praktiken angesehen. Sie haben ihre eigenen ,Orthodoxien‘ herausgebildet. Ihre Geschichten sind wichtig für ein Verständnis der Vielfalt, aber auch des Strebens nach Einheit in der islamischen Welt. Sie stehen überdies für kulturelle Traditionen, die bei allen Unterschieden viel mit denen europäischer Gesellschaften gemein haben.“

Robinsons Darstellung erstreckt sich über einen Zeitraum von nicht weniger als 1400 Jahren. Das achtzehnte Jahrhundert (also tausend jahre später, T.) markierte einen wichtigen Moment in dieser langen Geschichte. In dieser Zeit entwickelte sich, wie Robinson darlegt, der Sufismus zu einer dynamischen Kraft im subsaharischen Afrika. Die Sufi-Bewegungen, die eine Gefolgschaft in den meisten Teilen Afrikas fanden, wurden von Sheiks angeführt, die ihre Organisation mit sozialen und spirituellen Anliegen verknüpften. Die Praxis, dass Studenten ihrem Lehrer ein Geschenk überreichten, transformierte sich zunehmend in ein System der Akkumulation und Redistribution von Reichtum durch den Führer der Bewegung.

Sidi al-Mukhtar al-Kunti etwa, der im achtzehnten Jahrhundert die Sufi-Bruderschaft der Qadiriyya in der Sahara-Region neu belebte, war ebenso sehr Manager eines Handelsunternehmens (mutmaßlich Sklavenhandelsunternehmens, oder Herr Eckert? T.) wie spiritueller Kopf. Nach seinem Vorbild fanden in den folgenden Jahrzehnten seine und andere Bruderschaften in ganz Westafrika Verbreitung. Unter der Führerschaft zahlreicher arabischer und Swahili-Sheiks expandierte der Sufismus auch entlang der ostafrikanischen Küste.

Sufi-Sheiks mobilisierten wiederholt ihre Gefolgschaft für politische Bewegungen und gehörten im späteren neunzehnten Jahrhundert vielerorts zu den erbittertsten Gegnern der europäischen kolonialen Expansion. Vorher schon (Seit wann vorher? 500 Jahre? 800 Jahre? T.) erklärten Sheiks in den Savannengebieten Westafrikas militärische Dschihads gegen afrikanische Herrscher und läuteten ein Jahrhundert religiöser Kriege ein. Viele dieser Dschihads nahmen die Gestalt interner Revolten an, in denen lokale Muslime die Autorität traditioneller Herrscher in Frage stellten. Dies war in einem der bekanntesten Heiligen Kriege in der afrikanischen Geschichte der Fall: Zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts rief Usman dan Fodio zum Widerstand gegen die herrschende Willkür und Ausbeutung in den Hausa-Staaten Nordnigerias auf. Er fand zahlreiche Anhänger, die sich ihm aus Unzufriedenheit mit den Verhältnissen und aus Angst vor Versklavung anschlossen. Am Ende des Dschihad stand binnen weniger Jahre das Kalifat Sokoto, das zu einem der wichtigsten Reiche Westafrikas im neunzehnten Jahrhundert und zu einer der größten Sklavengesellschaften der Geschichte werden sollte (Rührend, nicht wahr? Aus ANGST vor der Sklaverei errichtet ein Abschaum eine „der größten Sklavengesellschaften der Geschichte“. Für Eckert eine „wichtige“ Gesellschaft, keine abartige. T.).

Viele Studien verweisen auf die ironische Tatsache, dass der Islam in der Kolonialperiode noch expandierte. Sufi-Bruderschaften waren unter kolonialer Herrschaft wichtige Vehikel für die Verbreitung des Glaubens (nicht etwa des Sklavenhandels, T.) und belegen, dass die Islamisierung nicht von Dschihads oder einem islamischen Staat abhängen musste. In seiner faszinierenden Fallstudie einer Sufi-Gemeinschaft in Französisch-Westafrika betont Sean Hanretta die große Bedeutung lokaler ökonomischer Kontexte und der ebenso intensiv wie kontrovers geführten Debatten über den richtigen Weg frommer Menschen, sozialer Ungerechtigkeit zu begegnen, für die Ausprägung islamischer Praktiken („Islam and Social Change in French West Africa. History of an Emancipatory Community“, Cambridge University Press, New York 2009). Gelegentlich kam es im frühen zwanzigsten Jahrhundert zu Koalitionen zwischen Muslimen und dem kolonialen Staat, etwa im Ersten Weltkrieg bei der Rekrutierung von Soldaten für die französische Armee. Mussolini, der sich als „Freund des Islam“ inszenierte, nutzte die Enttäuschung von Muslimen am Horn von Afrika, um sein kurzlebiges Regime in Äthiopien zu stützen.

Zugleich lehnten sich vielerorts radikale muslimische Denker und Praktiker vehement gegen koloniale Regimes auf und kritisierten gemäßigte Glaubensbrüder scharf. Sie plädierten für die (Wieder-)Einführung (Warum in Klammern? T.) der Scharia und lehnten, was sie als „westliche Werte“ ansahen, vehement ab. Dies setzte sich in der Zeit nach der Unabhängigkeit fort, zu beobachten etwa in Nigeria. Dort führten, wie Johannes Harnischfeger dargelegt hat („Demokratisierung und islamisches Recht. Der Scharia-Konflikt in Nigeria“, Campus, Frankfurt am Main 2006), zahlreiche Bundesstaaten das islamische Recht wieder ein. Scharia-Politiker eignen sich die Machtmittel des Staates an, um sich im Namen göttlicher Gebote über alle weltlichen Gesetze hinwegzusetzen. Sie zwingen den Gläubigen eine orthodoxe Lebensweise auf und nehmen das Bekenntnis zu kultureller Vielfalt nicht besonders ernst (Ach nee, T.).

Nicht zuletzt die Länder Ostafrikas, darunter Tansania, sind in den Verdacht geraten, vermehrt radikale Muslime hervorzubringen. Doch warum und auf welche Weise konvertieren Menschen in dieser Region überhaupt zum Islam? Darauf versucht Felicitas Becker in ihrer historisch weit ausgreifenden Arbeit Antworten zu finden („Becoming Muslim in Mainland Tanzania 1890-2000“, Oxford University Press 2008). Sie glaubt (was sie als Wissenschaftlerin diskreditiert, T.), dass während der Kolonialzeit Menschen aus den ländlichen Gebieten in der Regel aus freien Stücken Muslime wurden. In vielen Regionen Tansanias bedeutete, Muslim zu werden, was sich andernorts mit der Konversion zum Christentum verband: „ein Akt der Emanzipation, das Bestreben, den Anspruch geltend zu machen, an der Aushandlung lokaler Machtbeziehungen teilzuhaben“. Viele Muslime sahen sich später als Teil der nationalistischen Bewegung, beklagen inzwischen jedoch heftig ihre systematische Ausgrenzung nach der Unabhängigkeit durch den ersten (christlichen) Präsidenten Tansanias, Julius Nyerere. Die gegenwärtige Situation im Land ist stark durch Konflikte zwischen verschiedenen muslimischen Strömungen gekennzeichnet, die zugleich Auseinandersetzungen um Ressourcen sowie zwischen Generationen und Geschlechtern markieren. Beckers Buch macht einmal mehr deutlich (Macht es das? T.), dass pauschale Ansichten über „den“ Islam nichts erklären. Man muss sich die Mühe machen, sorgfältig zu differenzieren und zu kontextualisieren. Im Falle Afrikas ist die Literatur, die bei dieser Anstrengung helfen kann, durchaus vorhanden (allein, Eckert nennt sie nicht, sondern er nennt nur die Schönfärber-Dimmi-Literatur. T.).

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Time am 2. Juni 2010

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1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/04/08/stiff-upper-lip/

Stiff Upper Lip

8. April 2010

Andreas Eckert bespricht in der heutigen FAZ das Buch “Weißes Gold” von Giles Milton (“Weißes Gold” – Die außergewöhnliche Geschichte von Thomas Pellow und das Schicksal weißer Sklaven in Afrika. Aus dem Englischen von Stephan Gebauer. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2010. 286 S., geb., 22,90 Euro). Er ist eher kritisch und wirft dem Autoren einen reißerischen und unwissenschaftlichen Stil vor. Dies mag zutreffen, aber Herr Eckert verkennt m.E., dass das Thema bei uns so gut wie vollständig verdrängt worden ist, dass der Westen für alles Unglück auf dem Globus verantwortlich gemacht wird und dass es daher ein Verdienst und natürlich auch im Sinne des Counterjihad ist, wenn das Thema – auf welche Art und gegenüber welcher Leserschaft auch immer – zur Sprache gebracht wird.

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Post der Verschleppten

Giles Milton erzählt die Versklavung von Europäern

Schätzungsweise mehr als eine Million Europäer wurden zwischen fünfzehnhundertdreißig und siebzehnhundertachtzig von nordafrikanischen Piraten entführt und in den Regionen, die heute Marokko, Tunesien, Algerien und Libyen umfassen, als Sklaven gehalten. Die Verschleppten haben zum Teil Memoiren, Tagebücher und Briefe hinterlassen, mit deren Hilfe sich ihre bewegenden und zuweilen bizarren Lebensgeschichten rekonstruieren lassen. Der Journalist Giles Milton erzählt mit Hilfe solcher Quellen das Schicksal des Briten Thomas Pellow, der im Alter von elf Jahren in die Fänge von Sklavenhändlern geriet, an den Sultan Mulai Ismael in die marokkanische Stadt Meknes verkauft wurde und erst 23 Jahre später wieder die Freiheit erlangte.

Aber nicht Pellow, sondern der “Sklavensultan” Mulai Ismael erweist sich als der interessanteste Charakter im Buch. Milton porträtiert ihn als orientalischen Despoten, dem “Täuschung und Betrug in die Wiege gelegt waren”: Ein brutaler, zugleich eigentümlich weltfremder Herrscher, der sich als Dandy gerierte und seine Laune durch die jeweilige Farbe seiner Kleidung zu signalisieren pflegte: “Seine Lieblingsfarbe ist Grün, und diese Farbe ist ein gutes Omen für jene, die an ihn herantreten”, zitiert Milton den französischen Pater Busnot. “Wenn er Gelb trägt”, wusste Busnot jedoch weiter zu berichten, “dann erzittern alle Männer und meiden sein Gegenwart; denn diese Farbe wählt er, wenn ihm der Sinn nach einer grausamen Hinrichtung steht.”

Mulai war ein glühender Anhänger des Islam, und Milton diagnostiziert bei ihm den Wunsch, Marokko auf Augenhöhe zu den europäischen Mächten zu positionieren. Die Versklavung möglichst vieler Weißer war demnach Teil der Strategie, Einfluss gegenüber den “christlichen Reichen” zu gewinnen. Auf diese Weise brachte der Sultan jedoch, so Milton, “jede Nation in Europa” gegen den Islam auf.

Leider versäumt er es, diese Behauptung irgendwie zu untermauern. Überhaupt vermeidet der Autor jede Einordnung seiner Geschichte in größere Zusammenhänge; überdies wird die durchaus vorhandene wissenschaftliche Literatur zum Thema geflissentlich ignoriert. Die Historikerin Linda Colley etwa hat die Versklavung vieler Weißer in Nordafrika und im Osmanischen Reich als Hinweis auf die fragile Macht Großbritanniens gedeutet, charakterisiert durch beständige Niederlagen und Rückschläge.

Das Bewusstsein der Versklavten von ihrer britischen Identität war in diesem Zusammenhang mitnichten unumstößlich. Nur wenige, vornehmlich Militärs aus der Oberklasse, behielten während der Gefangenschaft ihre “stiff upper lips” bei. Arme und Frauen erwiesen sich hingegen als kulturelle Chamäleons, die sich ihrer neuen Umgebung anzupassen suchten. Sie wollten und konnten ihre Situation nicht allein durch den Glauben an das Christentum und ihre vermeintliche kulturelle Überlegenheit meistern.

Auch Thomas Pellow konvertierte zum Islam, wurde persönlicher Diener des Sultans und heiratete eine Muslimin. Für die Ambivalenzen seiner Thematik zeigt Milton leider wenig Gespür. “Weißes Gold” ist zuvörderst als eine reißerische Abenteuergeschichte konstruiert, die keine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Phänomen der europäischen Sklaven in der frühen Neuzeit ermöglicht.

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Einmal mehr werden wir über die Gleichsetzung von Jihad, Sklaverei und Alladienst als untrennbare Aspekte der mohammedanistischen Ideologie in Kenntnis gesetzt, was ich persönlich interessant finde.

Aber auch das Buch „Der verschleierte Völkermord“ (Die Geschichte des muslimischen Sklavenhandels in Afrika. Aus dem Französischen von Christine und Radouane Belakhdar. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2010. 251 S., geb., 19,95 Euro) von Tidiane N’Diaye hatte am 1. April in der FAZ zwar die Aufmerksamkeit aber, anders als zum Beispiel vom „Perlentaucher“, der auch eine Leseprobe bringt (1), nicht die Zustimmung von Herrn Eckert gefunden.

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Quellenkritik wäre eine gute Alternative

Tidiane N’Diayes Geschichte des muslimischen Sklavenhandels in Afrika hat vor allem Stereotype zu bieten

„Ein erschütterndes Buch“ verkündet der Schutzumschlag von Tidiane N’Diayes Geschichte des muslimischen Sklavenhandels in Afrika. Doch nicht nur die hier behandelte Thematik ist erschütternd, sondern über weite Teile leider auch die Qualität des Werkes. Der senegalesische Autor hat eine Studie voller Plattitüden, Generalisierungen, Redundanzen und widersprüchlicher Argumentationen vorgelegt.

Das Thema des holprig übersetzten Buches ist gleichwohl von großer Bedeutung; denn der sich über viele Jahrhunderte erstreckende Handel mit Menschen aus verschiedenen Regionen Afrikas durch die Sahara in den Maghreb und Mittelmeerraum, in Richtung Arabische Halbinsel sowie in die Anrainerregionen des Indischen Ozeans wurde in der Forschung zumal im Vergleich zum transatlantischen Sklavenhandel bisher unzureichend behandelt.

Die Gründe hierfür liegen nicht zuletzt in der für den atlantischen Kontext ungleich besseren Quellenlage. Aber sicher spielen auch politische Aspekte eine Rolle. Das Interesse in islamischen Ländern an der Aufarbeitung von Sklavenhandel und Sklaverei ist äußerst gering; in den meisten afrikanischen Ländern gehört es überdies nicht zum guten Ton, auf die Beteiligung afrikanischer Mittler bei der Organisation des Handels zu verweisen. Das wachsende Interesse am transatlantischen Sklavenhandel stand in den Vereinigten Staaten in engem Zusammenhang mit der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung und dem damals aktuellen weltweiten Kampf um Dekolonisation.

Seither haben Historiker eine Fülle an Informationen zusammengetragen. Für die Zeit seit Mitte des siebzehnten Jahrhunderts liegen für fast jedes Jahr Informationen zu Sklavenfahrten über den Atlantik vor. Diese Basis wird zunehmend für die vertiefte Analyse wesentlicher Aspekte des Sklavenhandels genutzt.

Von einem solch differenzierten Quellenbestand können Historiker des muslimischen Sklavenhandels nur träumen. Dies darf trotzdem nicht dazu führen, sich, wie N’Diaye es tut, in Pauschalbetrachtungen zu ergehen. Er zeichnet ein dichotomisches Bild, das an frühere, inzwischen weitgehend verworfene Interpretationen der Folgen des transatlantischen Sklavenhandels erinnert, welche die Europäer für die Zerstörung vorher prosperierender und heiler afrikanischer Gesellschaften verantwortlich machten.

Bei N’Diaye sind es nun die „Arabomuslime“, die Afrika „ausbluten“ ließen und „die Sitten der Menschen pervertiert und friedliche Marktflecken in Höllen“ verwandelt haben. Der Autor macht den wenig hilfreichen Wettbewerb um den schlimmsten Sklavenhandel auf. „Mit Fug und Recht“ könne man sagen, „dass der von den Arabomuslimen über die Jahrhunderte hinweg betriebene Sklavenhandel und ihre mörderischen Feldzüge verheerender für Schwarzafrika waren als der transatlantische Sklavenhandel“. Und „es waren die Araber, die in Afrika die schlimmsten Verbrechen begingen“.

Holzschnittartige Zuschreibungen prägen weite Teile der Darstellung. Die „arabomuslimischen Nationen“ einte, folgen wir dem Autor, der Drang nach Expansion, Menschenhandel und Haussklaven. „Die Araber“ führten „einen endlosen Heiligen Krieg mit blutigen Razzien . . . um der Pracht orientalischer Harems willen“. Und der afrikanische Sklave sei „die einzige Produktivkraft des arabischen Mannes“ gewesen, der sich ansonsten „jeglicher nutzbringenden Aufgabe für die Gesellschaft enthielt“ und „mit der Zeit die wesentlichen Merkmale des Menschseins abgelegt“ hatte. Die Darstellung gipfelt in der These von der „planmäßigen ethnischen Auslöschung durch Kastrierung“ der in die arabischen Länder verschleppten Sklaven. Die Existenz von Eunuchen, die oft in höhere politische Ämter gelangten, war in der Tat verbreitet; die Praxis der Kastrierung oft grausam und mit hohen Todesraten verbunden. Dies jedoch angesichts der dünnen Dokumentation gleich als Genozid zu deuten ist höchst problematisch.

Überhaupt gehört die Quellenkritik nicht zu den Stärken des Autors. Das Buch kommt ohne Fußnoten aus, und der Leser muss sich allzu häufig mit allgemeinen Verweisen auf „übereinstimmende Quellen“, „viele Historiker“ oder die Erzählungen afrikanischer Griots begnügen. Als Beleg für die Greuel des muslimischen Sklavenhandels zieht N’Diaye wiederholt die Beschreibungen europäischer Reisender des neunzehnten Jahrhunderts heran. Sicher handelt es sich hier um eine der wenigen zur Verfügung stehenden Quellen. Doch die drastischen Beschreibungen von Missionaren wie David Livingstone vom „arabischen“ und „islamischen“ Sklavenhandel waren stark interessengebunden, sollten sie doch als Rechtfertigung für die Etablierung europäischer Kolonialherrschaft in Afrika dienen. Irritierend ist überdies, dass N’Diaye ausgerechnet den belgischen König Leopold II., der in seiner Privatkolonie im Kongo ein Schreckensregime errichtete, als Aktivisten gegen den arabischen Sklavenhandel hervorhebt.

Muslime spielten zweifelsohne eine wichtige Rolle für Sklaverei und Sklavenhandel in Afrika. Der Handel mit Menschen aus dem subsaharischen Afrika in Richtung Nordafrika, Arabien und Indischer Ozean prägte die Geschichte des Kontinents in den vergangenen Jahrhunderten stark, mit potentiell verheerenden Folgen. Was jedoch nottut, ist eine differenzierte Analyse. Der Autor des vorliegenden Buches tritt zwar im Gestus des schonungslosen Aufklärers und Tabubrechers auf, produziert jedoch vor allem Stereotype und den allzu simplen Gegensatz von versklavenden muslimischen Arabern, die mit Unterstützung lokaler Kollaborateure hilflose schwarzafrikanische Menschen verschleppten, verstümmelten und ermordeten.

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Es hat den Anschein, als ob sich Andreas Eckert durch verschiedene Bücher zum Thema liest. Falls dies der Fall ist, wird er auch bei Egon Flaigs „Weltgeschichte der Sklaverei“ landen (2). Ich bin gespannt auf seine Besprechung: Was wird er an Flaig auszusetzen haben? Im Grunde das Thema, vermute ich mal!

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Time am 8. April 2010

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1) http://www.perlentaucher.de/artikel/6008.html
2)

Egon Flaig, “Weltgeschichte der Sklaverei”:

Gedächtnispolitik gegen historische Wahrheit und Menschenrechte

Unter den großen Lieferzonen der weltweiten Sklaverei nimmt Afrika wahrscheinlich den ersten Platz ein, obschon wir nicht wissen, wie viele Millionen Inder in den moslemischen Djihads versklavt wurden.

Intellektuelle afrikanischer Abstammung stilisieren den afrikanischen Kontinent als Hauptopfer und suchen nach Tätern. Dabei treiben sie Gedächtnispolitik besonderer Art. In Wydah, dem großen Hafen für die Sklavenexporte im Benin steht ein Denkmal, das Tor der “Nimmer-Wiederkehr”: ein Relief zeigt zwei lange Kolonnen von gefesselten Menschen, die der Küste und ihrem Schicksal jenseits des Atlantik entgegengehen. Denkmale zeigen; aber sie verschweigen auch. Denn nirgendwo stehen Monumente für den riesigen Teil versklavter Afrikaner, welcher nicht exportiert wurde, sondern in den großen Versklaverstaaten verblieb.

Und wo sind die Denkmale für den Export in die islamische Welt? Für die verschleppten 9 Millionen, welche durch die Sahara verschleppt wurden, die mindestens 8 Millionen, die über den indischen Ozean und das Rote Meer gingen? Dieses Thema ist tabuisiert. Doch indem man jene 17 Mio Versklavte leugnet, spricht man ihnen den Status ab, ebenso Opfer zu sein wie ihre 11 Mio Leidensgenossen. Warum? Sind sie Menschen von minderem Wert?

Zwischen afrikanischen Ethnien waltet ein kräftiger Rassismus; doch was darf er ungestraft anrichten? Das Leugnen geht jedoch noch viel weiter: Verschwiegen wird, daß es Afrikaner waren, die versklavte Afrikaner verkauften. Und es wird beharrlich geleugnet, daß es Afrikaner waren, die jene 28 Mio Exportierten versklavten – und schlimmer als Sklavenhaltung und -handel ist immer und überall das gewaltsame Versklaven.

Selbstverständlich wird abgestritten, daß die westliche Kolonialisierung – und nur sie – die Sklaverei in Afrika beendet hat, in mühsamem Kampf gegen die afrikanischen Eliten und Versklaver-Ethnien. Afrikanische Intellektuelle bilden eine Einheitsfront einträchtigen Leugnens, um der westlichen Kultur die Schuld an der Sklaverei zu geben. Inzwischen geht diese Schuldzuweisung mit der Forderung nach Reparationen einher. Groteskerweise sind es großenteils die Angehörige der ehemaligen Versklaver-Ethnien sind, die heute die Opferrolle spielen.

Auf der Durban-Konferenz 2001 forderte Ali Mohamed Osman Yasin Reparationen vom Westen, als Justizminister des Sudan – wo Schwarze seit über 20 Jahren erneut versklavt werden.Falls die Nachfahren der Versklaver Entschädigungen entrichten müssen für die damaligen Opfer, wieviele Billionen haben dann die moslemischen Länder des Sahel an ihre südlichen Nachbarn zahlen, und wieviele die nicht-islamischen Kriegerethnien an ihre Nachbarn? Wieviele Billionen müssen die Suaheli an ihre Opfer zahlen? Ganz zu schweigen von den ungeheuren Summen, mit welchen die Kernländer des Islam ihre Schuld gegenüber Schwarzafrika tilgen müssten.

Doch warum bloß an Schwarzafrika? Wenn Sklaverei, Versklaven und Sklavenhandel ein Verbrechen gegen die Menschheit ist, dann kann Indien riesige Reparationsforderungen an Afghanistan, Pakistan, Persien und Usbekistan stellen, Rußland und die Ukraine enorme Summen von der Türkei, dem Irak und Persien verlangen.

Wer sich weigert, die eigene Geschichte aufzuarbeiten, ist gezwungen, sie zu wiederholen. Nicht zufällig droht gerade in Afrika die Sklaverei in Reinform mit ihrer Wiederkehr: Die heutigen Warlords mit ihren Kindersoldaten setzen genau da an, wo die Warlords des 19. Jhs. – Samori, Tippo Tip, Mirambo – aufhörten, als der britische und französische Kolonialismus ihnen das Handwerk legte. Jene afrikanischstämmigen Intellektuellen, welche sich heute als Nachfahren von Opfern stilisieren, lehnen allzumeist die Menschenrechte rundheraus ab. Indes, wie soll dann die Sklaverei der Frühen Neuzeit ein Verbrechen gewesen sein? An der Sklaverei entscheidet sich das Schicksal der Menschenrechte. Es gilt als schick, diese als westliche Erfindung abzutun und ihren Anspruch auf universale Geltung zu verhöhnen.

Schon einmal geschah dies, im 20. Jh.; und es geschah nicht ungestraft. Denn nur wenn die Menschenrechte und ihr Artikel 4 universal gelten – für alle Kulturen ohne Ausnahme –, nur dann ist die Sklaverei ein Verbrechen. Und nur wenn die Sklaverei ein Verbrechen ist, lassen sich die vielen alten und neuen Formen persönlicher Unfreiheit bekämpfen, welche in der globalisierten Welt sich endemisch verbreiten. Nur wenn sie ebenso bezwungen wer-den wie es mit der Sklaverei gelang, wird die globalisierte Menschheit ihr politisches Zusammenleben auf die Freiheit gründen können. Andernfalls war der größte Sieg in der Geschichte der Menschheit eine verebbende Welle, und unsere westliche Kultur bleibt eine Zeitinsel inmitten eines endlosen Ozeans von Unfreiheit.

weitere Links:

http://www.welt.de/kultur/article6974349/Beim-Sklavenhandel-lernten-Christen-von-Muslimen.html?page=1#article_readcomments
https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/23/mohammedanismus-und-sklaverei/

Titelbild: „Der Sklavenmarkt“ von Otto Pilny, 1914

http://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Pilny

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Apropos „Stiff upper lip“, hier der gleichnamige Song von AC/DC:

http://www.youtube.com/watch?v=V9fLcwmo8vU

Live:
http://www.youtube.com/watch?v=mW-O_quy8_g

Hier der Text:

Stiff Upper Lip

Well I was out on a drive
On a bit of a trip
Lookin‘ for thrills
To get me some kicks
Now I warn you ladies
I shoot from the hip
I was born with a stiff

Stiff upper lip

Like a dog in a howl
I bite everything
And I’m big and I’m drawl
And I’ll ball your thing

I keep a stiff upper lip
And I shoot from the hip
I keep a stiff upper lip
And I shoot
And I shoot
Shoot from the hip

Yeah I shoot from the hip
Now listen

Well I’m workin‘ it out
And I’ve done everything
And I can’t reform no
Can you feel my sting

Babe I keep a stiff upper lip
And I shoot from the hip, yeah
I keep a stiff upper lip
And I shoot
And I shoot
And I shoot, shoot, shoot
Shoot from the hip

Well I’m out on the prowl
And I’ll ball your thing
I got the teeth
that’ll bite you
Can you feel my sting

Babe I keep a stiff upper lip
And I shoot from the hip
I keep a stiff upper lip
And I shoot shoot
shoot from the hip
I got a (stiff upper lip)
Better believe me
(stiff upper lip)
Comin‘ down (stiff upper lip)
See my (Stiff upper lip)
Yeah I got a (stiff upper lip)
Stiff upper lip
Stiff upper lip
I got a stiff upper lip
I got a stiff upper lip
Stiff upper lip
Stiff upper lip
And I shoot
And I shoot
And I shoot
Shoot from the hip

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PS: Wir holen Euch raus!

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Professor Flaig zum 60sten

11. Mai 2009

Aus Anlaß des 60. Geburtstages von Egon Flaig am kommenden Sonnabend bringt die heutige FAZ eine „Hommage“ von Uwe Walter:

Zeichen und Gesten der Alten Welt

Mut und Geist: Den Kaiser herausfordern und dazu gleich noch die Geschichtswissenschaft

Wer das Glück hatte, Egon Flaig zu Beginn der neunziger Jahre kennenzulernen, sah sich gehalten, die Begriffe Brillanz, Mut und Torheit in einen aufschließenden Zusammenhang zu bringen. Als Althistoriker war der distinguierte, sorgfältig formulierende Gelehrte damals noch weitgehend unbekannt. Bereits im Studium mit der Philosophie, Soziologie und Anthropologie französischen Zuschnitts vertraut geworden, schärfte er bei Jacob Taubes sein analytisches Besteck. In der Berliner Dissertation rechnete er mit durchdringender Hermeneutik die antihumanistischen Kosten von Jacob Burckhardts ästhetischer Konstruktion der Hellenen vor.

Endgültig zur Althistorie kam Flaig dann als Assistent bei Jochen Martin. Die Freiburger Habilitationsschrift „Den Kaiser herausfordern“ behandelt auf den ersten Blick nur die Kaiserwechsel und Usurpationen in den ersten hundert Jahren des Prinzipats. Zugleich aber attackiert Flaig hier unter vollen Segeln und Breitseiten die gängigen Konzeptionen des Kaiserreiches, das Staatsrecht der Mommsen-Tradition ebenso wie den angeblich revolutionär-illegitimen Charakter des Kaisertums und die These von der allmählichen Versachlichung der Herrschaft durch Administration.

Wer in dieser Zeit hörte und las, wie Flaig das politische Denken in Israel dem griechischen vorzog oder wie er vertraute Institutionen und Praktiken der Alten Welt sozialanthropologisch las und damit verfremdete, konnte ihn für einen Bilderstürmer wider die klassische Tradition halten. Und wer erlebte, wie dieser an Pierre Bourdieu und Michel Foucault geschulte, so überaus genaue Beobachter von Hierarchien und Verhaltensweisen, von Zeichen und Gesten in sozialen Systemen, wo auf kleine Unterschiede und ein Mindestmaß an habitueller Anpassung geachtet wird, immer wieder auf großen Podien die Sterne der Disziplin scharf anging und ihnen inzwischen betagte, unreflektierte und intellektuell unterkomplexe Ansichten vorhielt, musste sich bang fragen, wohin dieser besinnungslose Mut ihn denn noch führen würde, einen Autor, der sogar Ödipus des barmherzigen Schleiers tragischer Verstricktheit beraubte, indem er den Totschlag am Dreiweg als bewussten Akt der Überschreitung, der Transgression entschlüsselte.

Die Berufung auf den althistorischen Lehrstuhl der Universität Greifswald vor zwölf Jahren war ein Glücksfall nicht allein für Flaig. Denn von hier aus, wie auch als Gastprofessor in Paris und Konstanz sowie als Fellow am Wissenschaftskolleg in Berlin, hat er nicht nur mit zahlreichen Aufsätzen die Debatten befruchtet, zur politischen Kultur der Griechen und Römer ebenso wie zur Geschichte der Althistorie und zur Theorie der Geschichtsschreibung.

Er hat sich auch zu einem der bekanntesten Vertreter seiner Disziplin entwickelt, nicht popularisierend freilich, sondern in französischer Tradition als öffentlicher Intellektueller, der die europäische Aufklärung und den westlichen Universalismus scharf gegen Feigheit, Gesundbeterei, Werterelativismus und „moralisch erzwungene Verdummung“ verteidigt.

In mehreren großen Artikeln, auch für diese Zeitung, stellte er klar, dass es KEINE islamischen Menschenrechte geben könne und man den Islam mit seinen kämpferischen Wurzeln als NEGATION unserer Werte ernst nehmen müsse. Nicht zu verhandeln ist also, was seit Solon feststeht: Die Menschen machen ihre Gesetze im institutionellen Rahmen des Bürgerstaates selbst. Die eben erschienene kurzgefasste „Weltgeschichte der Sklaverei“ zieht diese Linien weiter aus.

Ein Jahr im Historischen Kolleg wird dem voriges Jahr nach Rostock Gewechselten Muße geben, eine große, vergleichend angelegte Studie zur politischen Anthropologie der Mehrheitsregel fertigzustellen. Im Mittelpunkt des Buches steht Hellas. Denn aus der einzigartigen Poliswelt der Antike sind noch viele Funken zu schlagen. Am kommenden Samstag wird Egon Flaig sechzig Jahre alt.

Lesen Sie jetzt Flaigs fulminanten Aufsatz (v. 16.9.2006, FAZ):

Der Islam will die Welteroberung

„Dann wollen wir, daß die Fahne des Islam wieder über diesen Landschaften weht, die das Glück hatten, eine Zeitlang unter der Herrschaft des Islam zu sein und den Ruf des Muezzins Gott preisen zu hören. Dann starb das Licht des Islam aus und sie kehrten zum Unglauben zurück. Andalusien, Sizilien, der Balkan, Süditalien und die griechischen Inseln sind alle islamische Kolonien, die in den Schoß des Islam zurückkehren müssen. Das Mittelmeer und das Rote Meer müssen wieder islamische Binnenmeere wie früher werden.“ Diese Sätze stammen nicht von Al Qaida; sie finden sich im Programm, das der Gründer der Muslim-Brüderschaft Hassan Al Banna in einer Rede formulierte. Die Bruderschaft zählt heute Millionen und hat sich weit über Ägypten hinaus verbreitet. Ihre Intellektuellen agieren in Europa und in den Vereinigten Staaten; sie gelten als ,moderat“ und werden von den Medien entsprechend bedient. Planmäßige Rückgewinnung „verlorener“ Gebiete gehört in die Programme von Staaten, welche um territoriale Machtausübung kämpfen, also von politischen Gemeinschaften. Wie kann sie ins Programm einer Religion gehören? Ist der Islam eine Religion wie andere?

Seit Beginn der klassischen Zeit zwischen dem neunten und dem elften Jahrhundert teilen die islamischen Juristen die Welt in zwei Teile, nämlich das „Haus des Islam“ und das „Haus des Krieges“. Diese Zweiteilung hängt nicht davon ab, wo Muslime in großer Anzahl leben oder gar die Mehrheit darstellen, sondern davon, wo der Islam herrscht – in Gestalt der Scharia – oder wo er nicht herrscht. Diese Dichotomie ist also keine religiöse, sondern eine politische. Zwischen diesen beiden Teilen der Welt herrscht naturgemäß so lange Krieg, bis das Haus des Krieges nicht mehr existiert und der Islam über die Welt herrscht (Sure 8, 39 und 9, 41). Daher besteht nach klassischer Lehre für die muslimische Weltgemeinschaft die Pflicht, gegen die Ungläubigen Krieg zu führen, bis diese sich bekehren oder sich unterwerfen.

Dieser Krieg heißt Dschihad. Lautete der Missionsauftrag Jesu, alle Völker zu bekehren, ihnen aber ihre politische Ordnung zu lassen, so besteht das Ziel des Islam darin, alle Nichtmuslime politisch zu unterwerfen, ihnen aber ihre Religion zu lassen, falls es Buchreligionen sind. Der allgemeine Befehl Gottes zum Dschihad wird entnommen aus Sure 9, 29. Gewiß, winzige pazifistische Strömungen im Islam haben diese Interpretation nicht akzeptiert. Die Schiiten akzeptieren sie zwar, verlangen aber, daß ein echter Imam die muslimische Gemeinschaft anführt (und auf einen solchen warten sie schon mehr als dreizehn Jahrhunderte), daher gilt für sie vorläufig nur der defensive Dschihad, also falls die muslimische Gemeinschaft angegriffen wird.

Dagegen haben die andere Strömungen, etwa die sogenannten charidschitischen, die Aussage von Sure 9, 29 radikalisiert: Sie sehen im Dschihad eine individuelle Pflicht jedes tauglichen Muslim, welche als sechste Säule neben den anderen fünf kardinalen Pflichten steht. Konsequenz dieser Lehre: Wenn jeder entweder an der kollektiven Kriegführung gegen die Ungläubigen teilnehmen muß oder – falls die muslimische Gemeinschaft dafür momentan zu schwach ist – allein, gruppenweise auf eigene Faust kriegerisch agieren muß, dann sind Attentate und Terroranschläge das Richtige. Was die Charidschiten für den offensiven Dschihad verlangen, gilt bei den meisten Vertretern der orthodoxen Lehre der Sunna für den defensiven: Wird der Islam angegriffen oder islamisches Territorium von Ungläubigen besetzt, dann wird der Dschihad zur individuellen Pflicht; eine Fatwa des Großmufti der Al-Azhar-Universität in Kairo von 1948 – gerichtet gegen Israel – läßt daran keinen Zweifel. Jedwede feindliche Macht, welche sich an die Haager Landkriegsordnung hält und streng unterscheidet zwischen Kombattanten und Nichtkombattanten, gerät hierbei in größte Schwierigkeiten.

Der Kriegszustand dauert an, bis das Haus des Krieges vernichtet und die Welt erobert ist. Darum nennt Majid Khadduri den Islam eine „göttliche Nomokratie auf imperialistischer Basis“. Friedensverträge, welche islamische Herrscher mit nichtislamischen abschlossen, gelten nur als Waffenstillstände; deshalb wurden sie in der Regel für höchstens zehn Jahre abgeschlossen; zwei Rechtsschulen erlaubten nur drei bis vier Jahre Frieden. Die kurzen Fristen ermöglichten es den militärisch überlegenen Muslimen, die Gegenseite unentwegt zu erpressen; auf diese Weise sind im Laufe der Jahrhunderte riesige Mengen an Geldern und Menschen an die muslimische Seite geflossen. Als sich die Kräfteverhältnisse verschoben, mußten muslimische Herrscher die Praxis ändern. So schloß 1535 Suleiman der Prächtige mit dem französischen König einen Frieden, der so lange gelten sollte, wie der Sultan lebte – ein Bruch mit der Tradition. Christliche Theologen versuchten – angesichts einer Pluralität von Staaten – zu definieren, was ein „gerechter“ Krieg war und was nicht; Kriege einzig um des Glaubens willen galten überwiegend nicht als gerecht. Für muslimische Gelehrte ist hingegen das „Haus des Islam“ eine politische Einheit, welche keinen inneren Krieg duldet; darum ist allein der Krieg zur Unterwerfung der Ungläubigen legitim gewesen und obendrein Pflicht, wie der berühmte Gelehrte Ibn Chaldun im vierzehnten Jahrhundert kategorisch sagt: „Im Islam ist der Dschihad gesetzlich vorgeschrieben, weil er einen universalen Auftrag hat und gehalten ist, die gesamte Menschheit freiwillig oder gezwungen zur Religion des Islam zu bekehren.“

Die Kriegsregeln des Dschihad sind flexibel. Von der Schonung über Massenversklavung bis zur massenhaften Tötung ist nach Khadduri alles möglich, genau wie bei Griechen und Römern. Das unterscheidet die heiligen Kriege des Islam fundamental von denjenigen des alttestamentlichen Israel, welche vorsahen, daß außerhalb Israels alles Männliche zu töten, auf israelischem Boden hingegen alles Lebendige überhaupt zu vernichten war (Deuteronom. 20, 10-20). Wir pflegen uns darüber zu empören, was die Kreuzfahrer 1099 in Jerusalem anrichteten. Indes, die Kreuzfahrer handelten nach gängigem Kriegsrecht; muslimische Eroberer taten derlei unentwegt und überall: 698 traf es Karthago, 838 Syrakus; der berüchtigte Wesir des Kalifats von Córdoba, Al Mansur, führte in siebenundzwanzig Jahren fünfundzwanzig Feldzüge gegen die christlichen Reiche Nordspaniens, versklavend, vernichtend und verwüstend; es traf Zamora (981), Coimbra (987), León, zweimal Barcelona (985 und 1008), dann Santiago de Compostela (997).

Am furchtbarsten verwüsteten die Dschihads das damals noch so städtereiche byzantinische Anatolien; das Massaker von Amorium (838) ist lange ein Fanal geblieben; die städtische Kultur Anatoliens hat sich davon nie wieder erholt.

Der Seldschuke Alp Arslan ließ ganze armenische Städte massakrieren, am furchtbarsten 1064 die Hauptstadt Ani. Mehr als berechtigt darum das Urteil von Bat Ye’or: „Die Maßlosigkeit, die Regelmäßigkeit und der systematische Charakter der von den islamischen Theologen zur Norm erhobenen Verwüstungen unterscheiden den Dschihad von anderen Eroberungskriegen.“ Gewiß, die Massenversklavung blieb das beliebteste Kriegsziel. So entstand schon im achten Jahrhundert die größte Sklavenhaltergesellschaft der Weltgeschichte; sie benötigte eine ständige Zufuhr immer neuer Sklaven; sie transformierte den afrikanischen Kontinent zum größten Sklavenlieferanten, ein Schicksal, welchem Europa knapp entkam.

Singulär ist die enorme Geschwindigkeit, mit der binnen neunzig Jahren ein arabisches Großreich zwischen Südfrankreich und Indien entstand, ohne daß ein einzelner Eroberer die Expansion gelenkt hätte. Der erfolgreichste Imperialismus der Weltgeschichte erregte nicht zuletzt die Bewunderung Hegels: „Nie hat die Begeisterung als solche größere Taten vollbracht.“ Wenn „Begeisterung“ solches vermochte, worauf beruhte sie? Die Antwort ist einfach: auf dem Märtyrertum. Ein Ereignis des Jahres 963 in Konstantinopel illustriert das: Kaiser Nikephoros Phokas hatte soeben die arabischen Besatzer aus Kreta vertrieben; nun plante er einen großen Krieg, um Ostanatolien und Nordsyrien von der muslimischen Herrschaft zu befreien. Ein Konzil sollte ihm helfen; eindringlich bat er die versammelten Bischöfe, sie sollten Soldaten, die im bevorstehenden Kampf fielen, zu Märtyrern erheben. Diesen Soldaten wäre also das Paradies sicher gewesen. Der Patriarch stellte sich gegen den Kaiser: Kein kirchliches Konzil sei imstande, Gottes Ratschluß zu antizipieren; allein Gott entscheide über das Heil.

Eine welthistorische Schlüsselszene. Der Kaiser wußte, was auf dem Spiele stand. Immer wieder hatten die Byzantiner erleben müssen, wie die muslimischen Truppen mit einer Tapferkeit kämpften, zu der die Christen nicht imstande waren. Gefallene Muslime gelten als Märtyrer für den Glauben und marschieren als Gefallene geradewegs ins Paradies. In den beiden Religionen unterscheidet sich der Begriff des Märtyrers fundamental. Christliche Märtyrer imitieren das Leiden Jesu, erleiden passiv Folter und Tod; muslimische Märtyrer sind aktive Kämpfer.

Maßgeblich für die Todesbereitschaft der Krieger ist das unverbrüchliche Versprechen, daß, wer für seinen Glauben stirbt, das ewige Heil erhalte (Sure 4, 74-76). Muslime sollten einer zehnfachen Übermacht standhalten (Sure 8, 66-67); spätere Rechtsgelehrte erlaubten, wie Khadduri schreibt, den Rückzug, falls man einer mindestens doppelten Übermacht des Feindes gegenüberstand. Da die entscheidende Ressource jedes Krieges der kämpfende Mensch und seine Opferbereitschaft ist, half es den Byzantinern nichts, technisch den Arabern und Seldschuken gleichwertig zu sein; langfristig mußten sie unterliegen, falls ihre Kampfmoral nicht dieselbe Höhe erreichte. Höhere Todesbereitschaft bringt enorme Vorteile in der Gefechtssituation: so lassen sich waghalsige Operationen angehen und kühne Manöver, die den Feind überraschen und verwirren; so lassen sich Siege erzwingen, die technisch und materiell fast nicht möglich scheinen, und Schlachten gewinnen, die unter üblichen Bedingungen verloren sind.

Nikephoros wußte um die militärischen Konsequenzen von Sure 4, 74-76; er war der erste, der die prinzipielle kriegerische Unterlegenheit der christlichen Religion zu korrigieren suchte. Doch die Bischöfe der Ostkirche sahen sich außerstande, ihre Theologie so zu manipulieren, daß ein kriegerisches Märtyrertum hätte entstehen können. Dabei blieb es. Die byzantinischen Kaiser mußten ihre schweren Abwehrkriege gegen die ständigen sarazenischen und seldschukischen Aggressionen führen, ohne daß ihnen die Religion dort half, wo Hilfe am nötigsten war.

Erst die Westkirche veränderte die theologisch-politische Situation: als Papst Urban II. 1095 zum ersten Kreuzzug aufrief, versprach er den christlichen Kriegern den Erlaß der Sünden: Gefallene Kreuzeskrieger umgingen demnach das göttliche Gericht; sie wurden insofern den Märtyrern gleichgestellt, obschon ihnen dieser Name verwehrt blieb. Der Papst als Oberhaupt einer monarchisch organisierten Kirche tat genau das, was ein Konzil östlicher Bischöfe nicht vermochte: Er verfügte über das Heil. Die Papstkirche konnte nun ebensolche „Heiligen Kriege“ führen, wie der Islam es seit Jahrhunderten zu tun pflegte. Worin unterscheiden sich dann Kreuzzüge und Dschihad? Kreuzzüge konnte allein der Papst ausrufen; daher blieben sie sehr selten – verglichen mit den unzähligen, unaufhörlichen und ubiquitären Dschihads der islamischen Welt.

Und die Ziele von Kreuzzügen blieben genau begrenzt; im November 1095 nannte Urban II. in Clermont Grund und Ziel des Kreuzzuges: „Es ist unabweislich, unseren Brüdern im Orient eiligst Hilfe zu bringen. Die Türken und die Araber haben sie angegriffen und sind in das Gebiet von Romanien (Konstantinopel) vorgestoßen; und indem sie immer tiefer eindrangen in das Land dieser Christen, haben sie diese siebenmal in der Schlacht besiegt, haben eine große Anzahl von ihnen getötet und gefangengenommen. Wenn ihr ihnen jetzt keinen Widerstand entgegensetzt, so werden die treuen Diener Gottes im Orient ihrem Ansturm nicht länger gewachsen sein.“ Die ersten Kreuzzüge bezweckten, entweder bedrängten Christen zu Hilfe zu kommen oder die Heiligen Stätten in Palästina zu befreien oder von den Muslimen unterworfene Christen zu befreien. Dagegen hielten die muslimischen Rechtsgelehrten immer am Endziel fest, das „Haus des Krieges“ zu erobern und alle Ungläubigen zu unterwerfen.

Urban II. sah richtig. Wäre Konstantinopel schon 1100 gefallen, dann hätte die enorme militärische Kraft der türkischen Heere Mitteleuropa vierhundert Jahre früher heimgesucht. Dann wäre die vielfältige europäische Kultur wahrscheinlich nicht entstanden: keine freien städtischen Verfassungen, keine Verfassungsdebatten, keine Kathedralen, keine Renaissance, kein Aufschwung der Wissenschaften; denn im islamischen Raum entschwand das freie – griechische! – Denken eben in jener Epoche. Jacob Burckhardts Urteil – „Ein Glück, daß Europa sich im ganzen des Islams erwehrte“ – heißt eben auch, daß wir den Kreuzzügen ähnlich viel verdanken wie den griechischen Abwehrsiegen gegen die Perser.

Indes, wurden Kreuzzüge nicht häufig mißbraucht? Gewiß. Kreuzzüge „entgleisten“ und wurden „zweckentfremdet“, wie etwa jener, der 1204 zur Eroberung des christlichen Konstantinopel führte. Doch das passierte mit Dschihads weitaus häufiger. Wenn die Sklaven knapp wurden, führten Emire nicht nur Dschihads gegen nichtmuslimische Völker, welche zu versklaven geboten war, sondern immer häufiger auch gegen islamisierte Völker, unter dem Vorwand, es seien keine wahren Muslime. Das geschah vorwiegend in Afrika und gegen Schwarzafrikaner, so, als zuerst Songhay 1468, dann die Marokkaner 1552 Mali überfielen, so auch, als seit dem achtzehnten Jahrhundert religiöse Reformer im Sahel ihre Dschihads gegen die muslimisierten Haussa-Städte führten, woraus das Kalifat Sokoto entstand – mit der drittgrößten Sklavenmenge nach Brasilien und den amerikanischen Südstaaten. An den Folgen dieser immer weiter gehenden Dschihads mit ihren Genoziden und Massenversklavungen leidet Afrika bis heute.

Indes, für welche politische Ordnung führten die Muslime ihre Heiligen Kriege mit dieser Vehemenz und diesem Erfolg? Für die Scharia. Eine politische Ordnung, die erstens Herren und Unterworfene streng absondert, zweitens die politische und soziale Ordnung der menschlichen Verfügung weitgehend entzieht. Bleiben wir beim ersten Aspekt: In der Scharia sind die Muslime die Herren, die Anhänger anderer Buchreligionen – Christen, Juden, Parsen, Buddhisten – Unterworfene, „Dhimmi“; dabei handelte es sich nicht um religiöse Minderheiten, sondern um gewaltige Mehrheiten, vor allem in Syrien, in Anatolien, oder um die Christen Nordafrikas.

Die Unterworfenen durften keine Waffen tragen, sie waren wehrunfähig, somit keine vollwertigen Männer. Christen und Juden mußten besondere Farben oder Kleidungsstücke tragen (diese Diskriminierung führte zum Judenstern), um als „Dhimmi“ kenntlich zu sein; sie durften nicht auf Pferden reiten, sondern nur auf Eseln, damit sie ständig an ihre Erniedrigung erinnert wurden; sie zahlten einen Tribut (Jizya), den sie persönlich entrichteten, wobei sie einen Schlag an den Kopf erhielten. Sie mußten sich von Muslimen schlagen lassen, ohne sich wehren zu dürfen; schlug ein „Dhimmi“ zurück, dann wurde ihm die Hand abgehackt, oder er wurde hingerichtet. Die Zeugenaussage eines „Dhimmi“ galt nicht gegen Muslime; diese brauchten für Vergehen an einem „Dhimmi“ nur halbe Strafe zu tragen; und wegen eines solchen Unterworfenen konnten sie nie hingerichtet werden. Umgekehrt waren grausamste Hinrichtungsarten überwiegend den „Dhimmi“ vorbehalten.

Sogar jene Diskriminierung der Juden, zu der vierhundert Jahre nach dem Islam die Westkirche auf dem IV. Laterankonzil von 1215 schritt und die uns so barbarisch anmutet, bezweckte und erreichte keine Erniedrigung dieses Ausmaßes. Eine besondere Drangsalierung brachte die türkische Herrschaft: seit 1360 wurde in unregelmäßigen Abständen bis zu einem Fünftel aller christlichen Kinder in die Sklaverei abgeführt. Sie wurden zwangsbekehrt.

Diese Sklavenmenge dürfte im Laufe von vier Jahrhunderten in die Millionen gegangen sein; davon wurden Hunderttausende ausgewählter Knaben zu fanatischen Muslimen und zu Elitekämpfern erzogen, zu den berüchtigten Janitscharen: eine Politik zur systematischen Vermehrung der muslimischen Bevölkerung und zur allmählichen Auslöschung der Christen. Sie hatte Erfolg. Die „Dhimmitude“ versetzte die Nichtmuslime in eine radikale Andersheit: Die Menschen in diesem Zustand als „Bürger zweiter Klasse“ zu bezeichnen ist Schönrednerei. Wie der Nationalsozialismus die Menschen in Herren- und Untermenschen auf rassischer Basis spaltete, so hat es die Scharia auf religiöser Basis getan. Als erste Weltreligion schuf der Islam eine Apartheid, in der die christlichen oder auch parsischen Mehrheiten kolonisiert und allmählich islamisiert wurden. Islamische Toleranz hieß: Duldung der Unterworfenen als Gedemütigte und Erniedrigte. All das ist durch Studien zur „Dhimmitude“ bekannt. Aber wer will von den millionenfachen Opfern hören?

Der Islam hat riesige Territorien religiös „gesäubert“: der zweite Kalif machte den Hidjaz, also Arabien außer dem Jemen, „christenrein“ und „judenrein“; die Alternative hieß Konversion oder Vertreibung. Das hat – von alttestamentlichen Fällen abgesehen – niemals zuvor eine Religion gemacht. Ebenso „reinigten“ die Almohaden und Almoraviden ihr Spanien nach dem Zusammenbruch des Kalifats 1031: Zehntausende Juden wie Christen mußten entweder konvertieren oder ins christliche Nordspanien oder in die Levante fliehen. Gewiß, englische und französische Könige und dann die Könige Spaniens selber taten später das gleiche; sie wandten dabei ein muslimisches Rezept an.

Und die Pogrome? Seit dem Kalifen Al-Mutawakkil (847 bis 861) schwappten immer wieder Verfolgungen über den Orient und Nordafrika, wobei Juden und Christen zwangsbekehrt, vertrieben oder massakriert wurden. Die ständige Zerstörung von Kirchen ging bis ins vorletzte Jahrhundert weiter. Allmählich zerlaufen auf dem verklärten Bild des muslimischen Spanien, welches der europäische Antiimperialismus im neunzehnten Jahrhundert geschaffen hat, die blumigen Farben. Sorgfältige Aufarbeitung der Dokumente bringen darunter ein anderes Bild zum Vorschein. Dort kam es 889 in Elvira und 891 in Sevilla zu umfassenden Pogromen gegen Christen. Im marokkanischen Fez wurden 1033 über 6000 Juden massakriert. 1058 wurde das christliche Antiochia unter Folter und Todesdrohungen muslimisch gemacht.

Das erste große Pogrom gegen Juden auf europäischem Boden fand 1066 im muslimischen Granada statt; dabei kamen 1500 jüdische Familien um. 1135 wurde das Judenviertel Córdobas niedergebrannt, die Zahl der Massakrierten nicht zu wissen mag heilsam sein. 1159 standen sämtliche Christen von Tunis vor der Wahl, zu konvertieren oder zu sterben. Um diese Zeit wurde das ehemals so vitale Christentum Nordafrikas vollends vernichtet. Die Pogrome im christlichen Herrschaftsgebiet sind kein Ruhmesblatt der europäischen Kultur; aber ihre Ausmaße bleiben zurück hinter jenen der islamischen Welt. Wir brauchen dringend eine vergleichende Geschichte religiöser Unterjochung.

Reden wir von Integration der Juden? Nirgendwo unter der Herrschaft des Islam, und auch nicht im spanischen Kalifat, waren Juden Bürger ihrer Stadt; sie blieben stets Unterworfene. In manchen deutschen Städten – Worms, Augsburg und anderen – des Hochmittelalters waren die Juden Stadtbürger besonderen Rechts, sie hatten das Recht, Waffen zu tragen, und waren bessergestellt als ärmere christliche Einwohner. Sie waren bis ins vierzehnte Jahrhundert, als sich ihre Situation verschlechterte, weit besser integriert, als die Juden im muslimischen Spanien es jemals sein konnten. Wer die politische Integration für die wichtigste hält, kann nicht umhin, Augsburg über Córdoba zu stellen. All das ist seit über fünfzehn Jahren wissenschaftlich bekannt. Aber wer will es hören?

Seine Vergangenheit nicht zu kennen heißt, sie wiederholen zu müssen. Wer weiterhin das Märchen von der islamischen Toleranz verbreitet, behindert jene muslimischen Intellektuellen, die ernsthaft an jener Reform des Islam arbeiten, die im neunzehnten Jahrhundert so erfolgversprechend begann. Denn er beraubt sie der Chance, eine Vergangenheit zu überwinden, die ansonsten zur abscheulichen Gegenwart zu werden droht. Gelänge es den Reformern, den Islam radikal zu entpolitisieren, dann könnten die Muslime zu wirklichen Bürgern in ihren Staaten werden. Übrig bliebe jene hochgradig spirituelle Religion, die nicht nur Goethe fasziniert hat: Hegel nannte den Islam die „Religion der Erhabenheit“. Dazu könnte er werden.

Von Time am 11. Mai 2009