Posts Tagged ‘Frank Plasberg’

Alles wird weggeredet

13. Mai 2016

Musa Schmitz

Der Mohammedanist Dominic Musa Schmitz hält den SA-lafismus heute für eine faschistische Ideologie. Er ist es, aber der für ALLE Orks „beste Mensch aller Zeiten“ war auch SA-lafist.

Michael Hanfeld fand auf „FAZ.NET“ ungewohnt deutliche Worte in einer TV-Kritik (1).

_____

Religion und „Sexual-Druck“

Das Motto ist provokant: „Mann, Muslim, Macho – Was hat das mit dem Islam zu tun?“. Die Debatte führt zu dem Punkt, an dem niemand mehr mit nichts zu tun hat. Alles wird weggeredet. Keine Verantwortung, keine Zusammenhänge, nirgends.

„Es ist ein bisschen durcheinander gegangen“, sagt Sandra Maischberger am Ende ihrer Sendung. Aber dafür sei es differenziert gewesen. „Es bleiben Fragen offen, die diskutieren wir beim nächsten Mal.“

Ein „bisschen“ Durcheinander? Ein „paar“ Fragen offen? Sagen wir doch lieber: Es ist alles ein einziges Durcheinander und es bleiben – um mit Marcel Reich-Ranicki und Bertolt Brecht zu sprechen – alle Fragen offen, als der Vorhang fällt.

Wir sehen eine Stunde und fünfzehn Minuten lang einem Theaterstück mit dem Titel „Mann, Muslim, Macho: Was hat das mit dem Islam zu tun?“, an dessen Ende klar ist: Nichts hat mit niemandem zu tun, der Islam hat nichts mit einem negativen Frauenbild, Muslime haben nichts mit den sexuellen Angriffen in der Silvesternacht in Köln zu tun, bei den Tätern mag es sich um Machos der übelsten Sorte gehandelt haben, aber waren es auch Männer?

So zynisch könnte man die Quintessenz einer Rederunde ausdrücken, die zu keinem Zeitpunkt zu einer Debatte wird, weil drei von fünf Diskutanten den anderen nicht zuhören wollen, niemand den anderen ausreden lässt, Argumente des Gegenübers ignoriert werden und auf Fragen nicht zum Erfragten, sondern lieber über etwas anderes gesprochen wird.

„Sexismus hat keine Religion“

Die Essenz der Beiträge der Grünen-Bundesvorsitzenden Simone Peter erschöpft sich in einem Wort: Differenzierung. Ihr fällt zu den 1170 Anzeigen wegen sexuellen Angriffen und anderen Straftaten in Köln an Silvester als erstes ein, dass es für Frauen generell bitter sei, wenn sie sähen, dass Straftäter vor Gericht nicht überführt und verurteilt werden. „Sexismus hat keine Religion“, sagt Simone Peter, und Flüchtlinge seien unter den Tätern von Köln keine gewesen. Wichtig sei auch die Frage: „Hatten sie Zugang zu Integrationsmaßnahmen? Spätestens an dieser Stelle merkt man: Die „Differenzierung“ von Simone Peter ist Relativierung.

Dem früheren Nordafrika-Korrespondenten Samuel Schirmbeck lastet sie an, wie die Vertreter der AfD zu reden, nur weil er seine jahrzehntelangen Erfahrungen aus dem Alltagsleben in Algerien und in Marokko geschildert hat. Diese Erfahrung lautet, dass Frauen permanent sexuellen Übergriffen von Männergruppen ausgesetzt sind, die einen Grund in der rigiden Keuschheitslehren des Koran haben und in einem gesellschaftlichen Klima, in dem, wie Schirmbeck sagt, die Religion eine „Virulenz“ besitzt. Sie gilt als definitorische Größe und wird als solche auch durchgesetzt. Dies, verbunden mit dem „erniedrigenden Frauenbild“ und dem Druck unausgelebter Sexualität, führe zu dem Phänomen, das in Deutschland an Silvester nicht nur in Köln angekommen ist. Darüber müsse man reden, meint Schirmbeck, auch und gerade im Interesse der Muslime.

Ist das islamfeindlich?

Ist das islamfeindlich? Ist das AfD? Wenn das so ist, dann hat nicht die AfD ein Problem, sondern alle anderen Parteien haben eins, wenn sie reden wie Simone Peter an diesem Abend. (Die Grünen sollten zu solchen Runden besser Cem Özdemir schicken.) So verschafft man der AfD am Ende noch Mehrheiten. Man müsse endlich aufhören, Islam-Kritiker als Islam-Hasser zu denunzieren, sagt Schirmbeck. Doch das geschieht in der Sendung von Sandra Maischberger fortwährend.

Mehr noch als Simone Peter ist dafür freilich Murat Kayman von dem von der Türkei finanzierten Religionsverband Ditib zuständig. Er dreht den Spieß um und schickt allem, was da noch kommen mag, eine Grundsatzbemerkung voraus, an der schon zu erkennen ist, dass er nichts von dem, was Samuel Schirmbeck an diesem Abend sagen wird, gelten lässt, und das, was Alice Schwarzer zu sagen hat, selbstverständlich auch nicht. Wir seien im Verhältnis zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen in diesem Land in den vergangenen Jahrzehnten nicht vorangekommen, sagt Kayman, wir hätten „mehr Islamexperten als Muslime“, betrachteten das Verhalten der überwiegenden Mehrheit der Muslime nicht, in den Talkshows gebe es immer nur „Ankläger und Pflichtverteidiger“, das gemeinsame Merkmal der Täter von Köln sei allein, „dass sie Kriminelle sind“. Diese gäben „kein Exempel für muslimisches Verhalten“, allenfalls seien soziale Umstände der Grund für diese Straftaten.

Dem ARD-Journalisten Schirmbeck hält Kayman im Laufe der Debatte vor, er argumentiere „nahe an biologistischen Argumenten“ – womit der Ditib-Vertreter die brutalstmögliche Verunglimpfung des Abends vom Stapel lässt.

Alice Schwarzer hält dagegen

Alice Schwarzer versucht dem tapfer entgegenzutreten, indem sie sich – wie Schirmbeck – vor eben jenen Verallgemeinerungen hütet, die Kayman ihnen anlastet. Doch leider gelingt es ihr nicht einmal zu verdeutlichen, was sie – auch in dem Buch, das sie gerade geschrieben hat – mit dem „Scharia-Islam“ meint, vor dem sie warnt und als dessen Wortführer sie auch die Ditib versteht.

Deren Vertreter redeten im Übrigen, sagt Alice Schwarzer, wenn sie unter sich seien, ganz anders als bei Auftritten in Talkshows. Das wiederum hält Murat Kayman für eine perfide Unterstellung.

Als Alice Schwarzer dafür ein Beispiel nennen will – mit der Art und Weise, in der Kayman nach den sexuellen Angriffen auf einen Zeitungsbeitrag der Publizistin, Psychotherapeutin und ehemaligen SPD-Politikerin Lale Akgün reagiert hat, würgt Sandra Maischberger den Exkurs ab.

Schlagen wir nach bei Murat Kayman

Dabei wäre gerade dieses Beispiel interessant und hätte Murat Kayman aus der Reserve locken müssen. Denn wenn es sich bei dem Murat Kayman, der bei Maischberger sitzt, um denselben handelt, der seit Januar unter murat-kayman.de im Netz publiziert, hätte man ihm den Eintrag vorhalten können, der sich dort mit Datum vom 7. Januar unter der (geschmacklosen) Rigoletto-Überschrift „La donna è mobile“ (Die Frau ist launisch) findet und Passagen wie die folgenden enthält:

„Wir driften zusehend in ein gesellschaftliches Klima der rassistischen Stigmatisierung. Die öffentliche Diskussion über die Ereignisse in Köln wird zur nächsten Eskalationsstufe in der Desensibilisierung für unser Verständnis einer demokratischen Gesellschaft. Wir müssen uns die Entwicklungslinie der antimuslimischen Debatte noch einmal vor Augen führen, um erfassen zu können, an welchem Punkt wir angelangt sind. Wir haben begonnen bei einer kulturellen Negativmarkierung der Knoblauchfresser und Kümmel-Türken während der Gastarbeitermigration. Danach wollten wir unbedingt im Zuge der Diskussionen um die doppelte Staatsangehörigkeit ‚gegen Türken unterschreiben‘. Zwischendurch verbrannten türkischstämmige Frauen und Kinder in Mölln und Solingen – der Preis der ‚Asylantenflut‘-Hysterie nach der Wiedervereinigung. (…)

Dann – endlich, endlich – durfte einmal laut gesagt werden, was weite Teile unserer Gesellschaft offenbar denken, als wir den Niedergang unseres Landes beweinen durften, das sich wegen der inzuchtbedingten Minderintelligenz der Kopftuchmädchen abschafft. Mittlerweile bekommt die kollektive Pathologisierung und Kriminalisierung der Muslime nicht mehr den gesellschaftlichen Abscheu, den eine solche Ausgrenzung von ganzen Bevölkerungsgruppen allein aufgrund ihrer Herkunft oder ihres Glaubens in einer aufgeklärten Gesellschaft eigentlich verdient.

Nein, ein solcher Rassismus bekommt mittlerweile den besten Sendeplatz im öffentlich-rechtlichen Fernsehen und heftet sich – es wird endlich abgerechnet – das Prädikat einer harten aber fairen Debatte ans Revers.“

Damit war Frank Plasbergs Sendung „hart aber fair“ gemeint.

Am 11. Januar notiert murat-kayman.de:

„Nach den Ereignissen der Silvesternacht in Köln und anderswo muss man leider konstatieren: wir sind nicht überrascht. Die Reaktionen auf die verübten Straftaten fallen – leider – nicht aus dem Rahmen des Erwarteten. Zeitungen und „Nachrichtenmagazine“, die ihr Motto wohl bald in „Hetze, Hetze, Hetze“ umwidmen werden, machen mit sexistischen und rassistischen Titelseiten auf. Damit wird die unterschwellige Phantasterei von gefährlicher, überwältigender Omnipotenz des Fremden befördert. Was „der Muslim“ über seinen vermeintlichen „Geburtendschihad“ als Projekt der demographischen Landnahme betreibt, flankiert er nun auch mit der Übergriffigkeit auf „unsere Frauen“. Und unsere Medien machen sich auch noch freiwillig zum Instrument dieser rassistischen Pöbelei. Mal wieder gilt: Auflage vor Anstand. Man kann froh sein, dass auf Titelseiten keine Kreuze brannten. Wir können aber noch nicht sicher sein, ob es nicht bald Berichte über Muslime geben wird, die vermeintlich Brunnen vergiften.“

Ein Zitat, ein O-Ton von murat-kayman.de, hätte bei Sandra Maischberger vielleicht einiges verdeutlicht.

Der Koran als Vaterersatz

Zu dem Trauerspiel in 75 Minuten trägt freilich auch bei, dass die zweite muslimische Stimme erst nach rund einer halben Stunde zu hören ist. Es ist die des Konvertiten Dominic Musa Schmitz; eines jungen Mannes, der einmal Katholik war, dann bei den Salafisten landete und heute ein ebensolcher aufgeklärter, toleranter, kritischer und zugleich tief religiöser Muslim ist, über den im Fernsehen so oft nur geredet wird, aber nicht mit ihm.

Den Salafismus hält Dominic Musa Schmitz heute für eine faschistische Ideologie. Kennengelernt hat er die radikale Ausprägung der Religion als reine Lehre: „Das war für mich der Islam“, sagt er, der ihm „Richtig und Falsch vorgegeben“ habe . Das war genau das, was er suchte. Der Koran war ihm eine „Art Vaterersatz“.

Doch dann habe er begriffen, dass dem Menschen durch diese Ideologie eigenständiges „Denken, Handeln und Fühlen“ abgenommen werde. Man beurteile alles „nur anhand eines Dogmas“. Doch was brachte ihn dazu? Die Suche nach Geborgenheit, nach einer Familie. „Mir hat einfach Liebe gefehlt“, sagt Dominic Musa Schmitz. Irgendwann sei er sogar durch Möbelhäuser gelaufen und habe sich in Gedanken das Heim für seine eigene Familie zusammenfantasiert. Dann wurde er mit einer jungen Frau verheiratet, die er gar nicht kannte.

So einfach ist das. So einfach und ergreifend und so vielsagend, wenn man erkennen will, worüber alle in diesem Land, worüber insbesondere die Politik, die demokratischen Parteien, die Kirchen und ganz besonders intensiv die muslimischen Gemeinden (und eben nicht nur die Erdogan-Ditib) nachdenken müssen, wenn sie verhindern wollen, dass ein Großteil der vielen jungen Männer aus muslimischen Ländern, die seit dem vergangenen September in die Bundesrepublik gekommen sind, bei denen landet, die Dominic Musa Schmitz als Siebzehnjährigen eingefangen haben. Derselbe Dominic Musa Schmitz, der sich vom Salafismus lossagte, fordert heute, dass Muslime aus eigenem Antrieb heraus den ersten Schritt auf die Gesellschaft zu, in die Gesellschaft hinein gehen, und dass in den Moscheen in Deutschland auch selbstverständlich auf deutsch gepredigt wird – damit das vor allem die Jungen verstehen.

Murat Kayman sagt dazu so etwas wie: Wir arbeiten dran.

Noch Fragen? Ja, einige. Aber die werden wohl kaum bei Sandra Maischberger beantwortet.

_____

Time am 13. Mai 2016

_____

1) http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/tv-kritik/debatte-bei-sandra-maischberger-ueber-islam-sexismus-14228482.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

_____

PS: Ich werde mich über Pfingsten aus der Bloggerszene zurückziehen 🙂

Hat sie nur Unrecht?

1. Oktober 2015

Merkel01

Flexibel zu sein, ohne das Ziel ohne den Augen zu verlieren, ist das Gebot der Stunde – zumal für den Counterjihadi.

Lesen Sie einen merkelfreundlichen Artikel von Michael Hanfeld aus der FAZ (1), der sich zugegebenermaßen recht weit im Konjunktiv bewegt.

_____

TV-Kritik „Hart aber fair“

Jetzt wissen wir, was Angela Merkel macht: Revolution!

Mit den Flüchtlingen kommt der Islam nach Deutschland. Doch wer verändert wen: die plurale Gesellschaft die Religion oder umgekehrt? Folgen wir „Hart aber fair“, setzt die Bundeskanzlerin das Land gerade einem Test aus.

Frank Plasberg traut der Bundeskanzlerin ganz schön was zu. Was wäre, fragt der Moderator gegen Ende seiner Talkshow „Hart aber fair“ an diesem Montag, wenn Angela Merkel die Tür für die Flüchtlinge aus dem Nahen Osten auch deshalb so weit geöffnet hätte, damit wir endlich „klare Kante“ zeigen und über so etwas wie „Leitkultur“ oder besser „demokratische Grundwerte“ sprechen können, ohne in irgendwelche Political-Correctness-Debatten zu verfallen? Tja, was wäre dann?

Dann hätte Angela Merkel ein zweites Mal alle überrascht und jene Lügen gestraft, die ihr nachsagen, sie handele erst lange gar nicht und dann überhastet und immer populistisch, nie aus Prinzip.

Es wäre der zweite Realitätsschock, den die gelernte Physikerin dem Land verpasst. Der erste war der Atomausstieg. Der zweite ist die Einwanderung. Beides wollen wir an dieser Stelle mit der Bundeskanzlerin einmal „alternativlos“ nennen. Weil in Jahrmillionen herum strahlendem Atommüll nicht die Zukunft der Energiegewinnung liegt und weil die Flüchtlinge kommen, ob irgendjemand das will oder nicht.

Union und Grüne bilden keine Fronten mehr

Und weil man zu guten Lösungen nur kommt, wenn man das Problem erkannt hat und – nur als Beispiel – nach fünfzig Jahren Zuwanderung nicht immer noch der Fiktion nachhängt, Deutschland sei kein Einwanderungsland. Das aber sagt heute sogar in der CSU kaum noch jemand laut, schon gar nicht in der Nähe des Münchner Hauptbahnhofs. Und worüber reden SPD und Grüne fortwährend? Vom Grundgesetz, das alle zu respektieren haben, von den Pflichten der Zuwanderer und davon, dass nicht alle bleiben können. So schnell haben sich die Fronten verkehrt, so gut funktioniert die Dialektik der Angela Merkel. Die Bundeskanzlerin macht Revolution von oben und (fast) keiner merkt es.

Was diese Revolution angeht: Willkommen heißen wollen die Flüchtlinge in diesem Land die meisten, und das ist auch gut so. Nur ist es damit selbstverständlich nicht getan, wie sich nach den ersten Tagen des Ansturms schnell zeigt. Die Aufgabe ist gewaltig, reagieren Politik und Bürokratie mit dem üblichen Tempo, könnte nicht nur die Stimmung kippen, sondern die Gesellschaft einer Zerreißprobe ausgesetzt sein. Diese könnte – neben der logistischen Herausforderung – mit dem Thema zu tun haben, das sich Frank Plasberg ausgesucht hatte: „Merkel bejubeln, an Mohammed glauben: Wie viel Islam gehört zu Deutschland?“

Kein Handschlag für den Imam

Dass immer mehr Islam zu Deutschland gehört, braucht man angesichts der Flüchtlingszahlen aus dem Nahen Osten niemandem zu erklären. Dass die Aufgabe wächst, diese Religion auf den im Grundgesetz formulierten Wertekanon zu verpflichten, versteht sich auch von selbst. Und es sollte sich zudem verstehen, dass die islamischen Verbände in diesem Land langsam konsequent entsprechend auftreten und handeln.

Mit dem ewigen Salbadern und dem Herumeiern sollte es vorbei sein. „Klare Kante“ ist angesagt, nicht nur, wenn es darum geht, zu beteuern: Der IS hat nichts mit dem Islam zu tun. Sondern auch, wenn das Verhalten eines Imams zu beurteilen ist, der in Rheinland-Pfalz bei der Aufnahme von Flüchtlingen mitwirkt, der CDU-Politikerin Julia Klöckner aber nicht die Hand geben will.

Leider fällt der Beitrag von Zekeriya Altug von Vorstand der DITIB (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion) in NRW genau an dieser Stelle so windelweich aus, wie man das kennt. Da ist von „Umgangsformen“ die Rede, die man abgleichen und von neuen, die man bilden solle, ganz so, als läge die Sache nicht auf der Hand. Was der konservative Imam als Höflichkeit gegenüber einer Frau versteht, ist in diesem Land ein Zeichen der Herabwürdigung. Und in den Gesten drückt sich eine Werthaltung aus. Das zu erkennen, darauf legt bei Plasberg auch Dietmar Ossenberg Wert, der als langjähriger Nahost-Korrespondent des ZDF die Usancen in arabischen Ländern kennen- und vieles dort schätzen gelernt hat: Es müssen die Werte gelten, die wir haben.

Ideologische Scheuklappen fallen

Kein Widerspruch in der Runde, selbstverständlich nicht bei Jens Spahn von der CDU, nicht bei dem Islamkritiker Hamed Abdel-Samad (der auch an diesem Abend das Problem hat, andere nicht ausreden zu lassen, selbst aber nicht zum Ende zu kommen), aber auch nicht bei der stellvertretenden NRW-Ministerpräsidentin Sylvia Löhrmann von den Grünen, die zwar dem Habitus nach das ewig Beschwichtigende einer Margot Käßmann ausstrahlt, aber auf Plasbergs Frage nach der Merkelschen Dialektik immerhin in einem Nebensatz wegnuschelt, dass man es sich mit der Integrationspolitik bislang vielleicht etwas zu leicht gemacht hat. So schnell können ideologische Scheuklappen fallen.

Bis die anderen Scheuklappen fallen, das wird noch dauern, hört man jemandem wie Zekeriya Altug zu, der seine Sache bei Plasberg ansonsten gut macht und sich von dem energischen Hamed Abdel-Samad nicht aus der Reserve locken lässt, als der darauf hinweist, dass der Prophet Mohammed ob seines Lebenswandels als Gewaltherrscher ein Vorbild abgebe, dem die Kämpfer des IS vollkommen zu entsprechen glauben, das es aber zu dekonstruieren gelte. Man müsse auch die „Werte der Muslime“ respektieren, sagt Zekeriya Altug an einer Stelle, an der die Diskussion wieder von vorne hätte beginnen können, weil offenbar wurde, dass der Grundkonsens eben noch nicht hergestellt ist, den ein Zuschauer der Plasberg-Sendung in den Satz fasst: Religion soll das Leben bereichern, aber nicht bestimmen. Und das Leben in einer offenen, demokratischen, pluralen Gesellschaft schon gar nicht. Mal sehen, mit welcher dialektischen Volte Angela Merkel auf diese Herausforderung reagiert.

_____

Time am 1. Oktober 2015

_____

1) http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/tv-kritik/tv-kritik-hart-aber-fair-jetzt-wissen-wir-was-angela-merkel-macht-revolution-13829178.html