Posts Tagged ‘Fritz Gelowicz’

Faul und unwitzig

2. August 2010

Die heutige FAZ gehört zu denjenigen Ausgaben, die mal wieder zum Mohammedanismus pendeln. Markus Bickel zeigt, dass er vom Gegenstand seines Textes nur sehr wenig verstanden hat. Seine schlampige und beschönigende Sprache halte ich weniger für bewußte Verschleierung als für ein Resultat des bei deutschen Journalisten häufig anzutreffenden Hochmutes. Sie gerieren sich gern als „Vierte Gewalt“, haben aber nach dem Abitur nur noch Comics und Kochbücher gelesen.

_____

Geschlossene Lebenskonzepte

Selbsternannte Gotteskrieger aus und in Deutschland („Gottes“-Krieger, damit sind Allakrieger gemeint. Bickel offenbart sich als Nicht-Christ, denn Christen werden durch die Wortwahl angegriffen, T.)

Über Monate hinweg saßen Rolf Clement und Paul Elmar Jöris in der ersten Reihe, direkt hinter der Glaswand. Im Oberlandesgericht Düsseldorf verfolgten die Hörfunkkorrespondenten den Prozess gegen den Kofferbomber Yussif al Hajj Dib und das Verfahren gegen die Sauerland-Gruppe. Die oft abstrakt erscheinende Gefahr des islamistischen Terrors hatte hier ein Gesicht – das des deutschen Konvertiten Fritz Gelowicz etwa oder das des nie in Deutschland integrierten libanesischen Studenten al Hajj Dib. Über ihre Einblicke vor Gericht – in den von Richter Ottmar Breidling geführten 6. Staatsschutzsenat – haben die beiden Journalisten nun ein Buch geschrieben, angereichert durch Recherchen in Sicherheitskreisen und aus dem Umfeld der selbsternannten Dschihadisten (Schon wieder „Selbsternannt“, selbsternannt oder nicht, Mörder werden dadurch nicht „niedlicher“. Überdies sind sie alle durch den Kloran zum Jihad verpflichtet. T.). Das Fazit der Lebensläufe von mehr als einem halben Dutzend Glaubenskämpfer (Sie sind keine „Glaubenskämpfer“ sondern Unglaubenskämpfer und Mörder, T.) lautet: „Zum einen muss ein junger Mann den Halt verlieren. Dann muss ihm jemand ein geschlossenes Konzept für sein künftiges Leben anbieten.“

Zu zeigen, dass die von den Medien oft verzerrt als geborene Fanatiker dargestellten (So eine unsinnige, konstruierte Behauptung, keine Zeitung hat doch sowas geschrieben, T.) militanten Glaubenskämpfer („militante Glaubenskämpfer“? Sie sind Massenmörder, Sadisten und Terroristen! T.) meist ähnlich aufwachsen wie große Teile der Bevölkerung, ist das große Verdienst dieses Buches. Nicht eine theoretische Bedrohung zeichnen Clement und Jöris nach, sondern Lebensläufe wütender (grundlos wütender, T.) junger Männer, denen der innere Kompass irgendwann zwischen Pubertät und Schulschluss abhandengekommen ist – oder die glaubten, ihn in gewaltsamen Islam-Interpretationen zu finden (Wenn er doch einmal in den Kloran hineinschauen würde, der faule Herr Bickel. T.).

Dass man da bisweilen nicht weit suchen muss, zeigt der Fall der Tochter eines der Autoren: Als die gemeinsam mit einer Klassenkameradin im Wohnzimmer in alten Fotoalben blättert, fragt sie nach dem Verbleib ihres früheren Kumpels aus dem Kindergarten und der Grundschule, Yassin Chouka. „Der ruft im Internet zum Heiligen Krieg auf“, sagt die Freundin (Anstatt in Isolationshaft zu sitzen, T.). Ob im Klassenzimmer oder in einem Ferienhaus im sauerländischen Oberschledorn-Medebach, wo die vier Mitglieder der Sauerland-Gruppe 2007 Anschläge auf amerikanische Einrichtungen vorbereiteten: Viele der selbsternannten (Sie sind immer selbsternannt und durch den Kloran ermächtigt, T.) Gotteskrieger (Allakrieger, T.) aus Deutschland, die sich in den vergangenen Jahren in Terrorlager in Pakistan absetzten, wohnen tatsächlich nebenan. Zunächst mögen sie noch wie der später in der Al-Muhsinin-Moschee in Bonn-Beuel radikalisierte Chouka der Mannschaftsclown im Fußballverein und Klassensprecher gewesen sein. „Weder Yassin noch seine Brüder fielen dadurch auf, dass sie wegen ihres Glaubens etwas nicht mitmachen durften. Die Familie schien keine Probleme damit zu haben, als gläubige Muslime in einer christlichen Umgebung zu leben und verankert zu sein“, schreiben die Autoren.

Doch irgendwann beginnt die Absonderung; die Erinnerung an die gemeinsamen Streiche im Unterricht oder die erfolgreichen Spiele mit dem Fußballverein verblasst. Eine Pilgerreise nach Mekka mag den Anfang bilden, andere Möchtegernterroristen (Sie sind keine Möchtegerterroristen sondern Terroristen, die am versuchten Massenmord gehindert wurden. T.) geraten gleich in die Fänge örtlicher Islamisten. Kritik an den hohlen Werten  der europäischen und amerikanischen Gesellschaften (Diese Werte sind vielleicht für Herrn Bickel hohl, ich glaube an sie und schütze sie, T.) sowie der Doppelzüngigkeit des Westens angesichts der Kriege im Irak oder in Afghanistan nach den Anschlägen des 11. September 2001 (Herr Bickel als Sprachrohr von Al Kaida! Quo vadis, FAZ? T.) stoßen bei den jungen Muslimen auf fruchtbaren Boden. Denn Studien zeigen, dass sich zwar vier von fünf gut integriert fühlen – doch nur elf Prozent glauben, die Deutschen würden sie als Landsleute anerkennen, wenn sie deutsche Staatsbürger würden. Kurzum: Im Alltag fühlen sie sich immer wieder gedemütigt (Wodurch? Werden sie angepöbelt? Vergewaltigt? Ausgeraubt? Zusammengeschlagen? Abgestochen? Passiert ihnen so etwas massenhaft? Werden Moscheen verbrannt? T.). Jöris und Clement betten diese Einzelschicksale (Mir kommen die Tränen, T.) in die aktuellen Entwicklungen deutscher Sicherheitsbehörden ein. In klarer Sprache zeichnen sie die Wege jener vier Terroristen nach, die sich nach ihrer Ausbildung in pakistanischen Terrorlagern 2006 zur Sauerland-Gruppe zusammenschlossen, um dann einen Überblick zu liefern über die Gegenmaßnahmen von Geheimdiensten und Bundeskriminalamt.

Hier setzt auch das Buch von Guido Steinberg an. Wie Jöris und Clement war der frühere Terrorismusreferent im Bundeskanzleramt bei den Düsseldorfer Terrorprozessen der vergangenen Jahre präsent – wenn auch auf der anderen Seite der Glaswand, als Gutachter des Gerichts. „Das Ziel der deutschen Politik sollte sein, eine kurzfristig effektive mit einer langfristig wirksamen Terrorismusbekämpfung zu verbinden“, schreibt er. „Die Gewalttäter müssen nicht nur konsequent bekämpft, sondern gleichzeitig von ihren Unterstützern und Sympathisanten isoliert werden.“ Nur über die Integration junger Muslime, da sind sich Steinbach sowie Jöris und Clement einig, lasse sich das Problem des militanten Islams bändigen. Daher, schreibt Steinberg, sei die „Trennung von Integrationsdebatte und Terrorismusbekämpfung dringend geboten“. Und noch eines wünscht er sich von der Bundesregierung: Sie möge ihr Verhältnis zu den arabischen Staaten, Pakistan und Afghanistan auf eine neue Grundlage stellen (Das geht erst, wenn wir auf das Öl verzichten können oder bereit sind, es mit Waffengewalt zu erobern. Was aber gemeint ist, ist, dass wir Israel fallen lassen sollen und unsere Grenzen komplett öffnen. T.). Denn nur eine international abgestimmte Politik könne auf Dauer verhindern, dass sich wegen der ungelösten Probleme der Region eine Generation nach der anderen radikalisiere (Vor allem sollten wir die ungelösten Probleme der Region nicht bei uns importieren, T.).

_____

Aha, erst wird lang und breit dargelegt, wie normal und integriert die Verbrecher waren, dann wird als Gegenmaßnahme die Integration gefordert. Integration aber soll natürlich heißen, dass die Orks mit Geld zugeschmissen werden, dass man ihnen jeden Wunsch von den Augen abliest, dass man jede kleine Krise in ihrem Leben vermeidet und ausräumt. Aber ich sage Ihnen was: Die würden trotzdem nach Mekka fahren. Das ist nämlich religiöse Pflicht. Und auch der grausame Krieg gegen alle Nicht-Mohammedanisten ist Pflicht. So steht es nicht in der Bibel, die von Gott spricht, sondern im Kloran, der von Alla stammt, dem Alter-Ego des schizophrenen Wüstenräubers Klo H. Metzel. Wer vorgeschlagen hätte, den Kommunismus, den Faschismus, die Mafia oder das Hochwasser durch möglichst gute Integration zu bekämpfen, wäre zu Recht ausgelacht worden. Aber deutsche Journalisten muten ihrem Publikum so einen Stuss zu. Harry Hirsch war wenigstens lustig (1).

_____

Time am 2. August 2010

_____

1) http://www.youtube.com/watch?v=6MBgqMSwoLU
Rolf Clement/Paul Elmar Jöris: Die Terroristen von nebenan. Gotteskrieger aus Deutschland. Piper Verlag, München 2010. 294 S., 16,95 (Euro).
Guido Steinberg: Im Visier von Al-Qaida. Deutschland braucht eine Anti-Terror-Strategie. Edition Körber-Stiftung, Hamburg 2009. 105 S., 10,- (Euro).

Counterjihad durch Jihad

30. Mai 2010

Tapfer: Kartika Sari Dewi Shukarno

Konvertiten sind oftmals Avantgarde, weil ihre neue Situation sie besonders begeisterungsfähig macht und in einen Rauschzustand versetzt, und weil sie natürlich der neuen Gemeinschaft ihren Wert demonstrieren wollen. Allerdings ist ihre Biografie, anders als die jener, die in diese Gemeinschaft hineingeboren wurden, zu einem sehr großen Teil von Vorstellungen geprägt, die der neuen Gemeinschaft fremd sind und die sich in ihrer Gesamtheit nicht ohne weiteres ablegen lassen.

Am Beispiel westlicher Konvertitinnen zum Mohammedanismus lässt sich dieses Phänomen gut beobachten. Ich hatte vor einigen Jahren darüber z.B. in Bezug auf eine Schleiereule auf einem Sportrad sinniert (1) und verweise ein weiteres Mal auf die interessante Webseite der unsäglichen Konvertitin zum Schiismus – und Verehrerin des perversen Klomeini (2) – Meryem (3), die außer antijüdischer Hetze offenbar auch das Hobby Fallschirmspringen  betreibt. Es ist also zu fragen, ob die Konvertiten und besonders die Konvertitinnen nicht nur als Ork-Agenten sondern eher oder zumindest auch als trojanische Pferde des Westens gesehen werden sollten, durch die der Virus „Freiheit“ auf den Mohammedanismus übertragen wird. In der heutigen FAZ berichtet Markus Werner über einen aktuellen Fall.

_____

Folgt dem Beispiel eurer Schwestern!

Eine deutsche Konvertitin ruft Frauen zum Kampf auf. Im Internet werben immer mehr Musliminnen für den Heiligen Krieg. Mütter reisen in Lager nach Pakistan. Wird der Dschihad weiblich?

Die kleine Safiyya S. bekommt kein Kindergeld mehr. So hat es der Landrat des Rhein-Sieg-Kreises Mitte März entschieden. Denn ihre Eltern halten sich nicht mehr in Deutschland auf. Sie sind im Frühjahr 2009 Hals über Kopf weggezogen aus dem Mehrfamilienhaus im beschaulichen Bonn-Beuel. Den Freunden und Verwandten erzählen sie von einer Urlaubsreise. Die Tochter nehmen sie mit. Am Ziel ihrer Reise tun sie, was sie für ihre Pflicht halten: kämpfen im Dschihad, dem Heiligen Krieg. Der Trip geht nach Wasiristan, ins afghanisch-pakistanische Grenzgebiet. Der Vater, Javad S., ein in Bonn aufgewachsener Afghane, wird am 17. Oktober 2009 im Gefecht mit pakistanischen Soldaten getötet. Er ist 22 Jahre alt, nennt sich Abu Safiyya, Vater von Safiyya. Die Propagandisten der Terrorgruppe „Islamische Bewegung Usbekistans“, der er sich angeschlossen hatte, widmen seinem Andenken ein Video, in dem er lächelnd mit einer Panzerfaust, einer Kalaschnikow und dem Koran posiert – etwas unislamisch wird der Streifen nach einem Cäsar-Zitat benannt: Er kam, sah und siegte.

Spektakulär an dem Video ist die Botschaft seiner jungen Witwe. Sie preist ihren toten Mann als Helden und Vorbild, auf dessen Märtyrertod sie stolz sei. Das ist zu erwarten von einem Propagandafilm. Doch „Ummu Safiyya“, die Mutter von Safiyya, wie sie sich nennt, begnügt sich damit nicht. Sie ruft die „lieben Schwestern“ in der Heimat auf, es ihr gleichzutun, den „trügerischen Luxus in Deutschland“ hinter sich zu lassen, sich den Kämpfern anzuschließen. Sogar ohne Mahram, ohne männlichen Vormund und Begleiter, sollten die Frauen sich auf den Weg machen „für ein Leben in Freiheit“ in Wasiristan. „Folgt dem Beispiel eurer Schwestern, die sich uns alleine angeschlossen haben!“, fordert die Frau, die ganz in Schwarz und mit Niqab, dem nur mit einem Sehschlitz versehenen Gesichtsschleier, gekleidet ist, in akzentfreiem Deutsch. Denn Luisa S., so ihr eigentlicher Name, ist eine deutsche Konvertitin, die im Hessischen aufwuchs und in Bonn im Zeitraffer zu einer radikalen Muslimin wurde. Zwischen ihrer Konversion zum Islam und ihrem Entschluss, in den Dschihad zu reisen, liegen wenige Monate. Alles spricht dafür, dass es auch ihr eigener Entschluss gewesen ist, ins Kampfgebiet an der afghanischen Grenze zu gehen, dass sie nicht das Anhängsel ihres Mannes, sondern vielleicht die treibende Kraft hinter der Ausreise war. „Ich werde auch weiter meine Pflicht im Dschihad erfüllen“, stellt sie ihr Selbstbewusstsein zur Schau.

Eine deutsche Muslimin macht offensiv Werbung für den bewaffneten Kampf, ruft Frauen auf, in den Krieg zu ziehen. Das ist neu. Denn bisher spielten Frauen in den terroristischen Netzwerken der Islamisten keine eigene Rolle. Frauen sollten die Männer unterstützen, ihnen den Rücken stärken, sie sollten das Haus hüten und die Kinder im streng islamischen Sinne erziehen. Spenden zu sammeln oder Informationen an Brüder weiterzugeben, wie es die in Haft befindliche Filiz Gelowicz, die Frau des Sauerland-Attentäters Fritz Gelowicz, tat, gilt bei den radikalislamischen Salafisten zwar als zulässig. Der Kampf selbst aber ist keine Frauensache. „Dschihad ist das Privileg der Männer“, heißt es in einer der Szene-Schriften. Der Auftritt der deutschen Witwe wird im Internet – neben begeisterter Zustimmung – von Muslimen scharf verurteilt; die Aufforderung, auch ohne Mann zu reisen, wird als vom Islam streng verboten kritisiert.

Auch die deutschen Sicherheitsbehörden beschäftigt der Fall. Denn sie beobachten seit einiger Zeit eine wachsende Aktivität von Frauen in der hiesigen Dschihadisten-Szene, auch unter deutschen Frauen, die zum Islam übergetreten sind und die sich besonders radikal zeigen. „Konvertitinnen, die nicht in der muslimischen Tradition aufgewachsen sind, haben bestimmte Denkverbote über die Rolle der Frau nicht verinnerlicht. Sie sind daher eher bereit, den aktiven Kampf von Frauen im Dschihad zu propagieren“, sagt Burkhard Freier, stellvertretender Leiter des Verfassungsschutzes von Nordrhein-Westfalen. Zwar ist ein Aufruf zum Kampf wie jener von Ummu Safiyya noch die Ausnahme. „Doch es gibt Anzeichen, dass Frauen im Dschihad-Milieu sich nicht mehr mit der allein dienenden Rolle zufriedengeben wollen“, pflichtet Manfred Murck, Vize-Präsident des Hamburger Verfassungsschutzes, bei. Im deutschsprachigen Internet werben immer mehr Frauen für den Heiligen Krieg – und scheuen nicht vor drastischer Rhetorik zurück. „Sie verherrlichen Gewalt und rechtfertigen den Tod von Ungläubigen für die angeblich gerechte Sache. In der Brutalität und aggressiven Wortwahl stehen sie in ihrer Propaganda den Männern nicht nach“, sagt Freier.

Das Internet gibt den Frauen die Möglichkeit, versteckt und dennoch öffentlich präsent zu sein, zu kommunizieren. In „Schwesternräumen“ chatten militante Musliminnen in Deutschland heute über die Lage in Palästina und Afghanistan oder über die Frage, ob Selbstmordattentate im Islam auch für Frauen zulässig sind. Zwar geben die Männer in der Szene weiterhin den Ton an. Doch neben der „hörigen Geliebten“ ist auch die „dschihadistische Feministin“ eine mittlerweile markante Gruppe in der Szene, wie Verfassungsschützer in einer Untersuchung von zwanzig Aktivistinnen feststellen. Eine Brigitte Mohnhaupt des Salafismus gibt es freilich nicht. Doch zumindest im Vorfeld des islamistischen Terrorismus sind in Deutschland lebende Frauen heute sehr präsent.

Zudem gehen, wie Abu und Ummu Safiyya, immer mehr junge Paare aus Deutschland in die Lager im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet. Viele nehmen ihre Kinder mit. Allein aus Berlin sind in jüngster Zeit mindestens vier Paare ausgereist – ohne dass sie sich untereinander abgesprochen hätten. Unter zehn Islamisten einer Hamburger Gruppe, die im vergangenen Frühjahr Deutschland verließ, waren zwei Frauen. Den Behörden gelingt es oft nicht, die Ausreisen zu verhindern. Zu schnell verläuft die Radikalisierung, als dass die Reisepläne bekannt werden; mitunter waren es vier Monate zwischen Konversion und Ausreise. Oft wissen die Eltern der Reisenden nichts vom Trip ihrer Söhne und Töchter, sondern erfahren, wie kürzlich in Berlin, durch den Verfassungsschutz, dass ein vermisstes Kind eine paramilitärische Ausbildung im Grenzgebiet zu Afghanistan durchläuft. Von 215 Personen aus Deutschland hat das Bundesamt für Verfassungsschutz derzeit Kenntnis, die eine solche Ausbildung gemacht haben oder sie anstrebten. Etwa die Hälfte, 105 Personen, halten sich derzeit wieder in Deutschland auf. Darunter ist auch die Witwe eines Selbstmordattentäters.

In Videos werben die Organisationen wie die „Deutschen Taliban Mudschahedin“ dafür, mit Frauen und Kindern nach Wasiristan zu kommen. Die Verhältnisse dort sind alles andere als idyllisch: Die im Internet versprochenen Schulen und Krankenhäuser gibt es nicht, das Lager, ein paar Lehmhütten und Zelte, muss immer wieder verlegt werden. Doch die Aussicht, mit Frau und Familie dort willkommen zu sein, soll die Männer locken, soll ihnen die Reise ins Ungewisse erleichtern. Denn auch militante Islam-Krieger sind Männer, sehnen sich nach Frauen. Die richtige Frau zu finden ist in der Szene ein großes Thema. Wie sehr ihnen Partnerinnen fehlen, hat der vor einem Monat von pakistanischen Soldaten im Grenzgebiet zu Afghanistan erschossene deutsche Islamist Eric Breininger in seinen postum im Internet veröffentlichten Memoiren beschrieben. Es wäre gut, wenn unverheiratete Frauen kommen würden, „denn es gibt hier viele unverheiratete Brüder, die sich wünschen, eine Familie zu gründen. Auch ich hoffe darauf, eine deutsch- oder arabischsprechende Frau zu finden“, so der Islamist aus dem Saarland über seinen unerfüllten Traum (4).

Laut Breiningers Aufzeichnungen sollen auch Frauen in den Lagern in Wasiristan an der Waffe ausgebildet werden. „Die Schwestern lernen hier, ebenso wie die Mudschahedin selbst, den Umgang mit Schusswaffen. Sie müssen also nicht besorgt sein, hilflos zu sein“, schreibt er. Doch Ermittler bezweifeln, dass Frauen aus Deutschland als Soldatinnen des Heiligen Krieges kämpfen. Die Lage dort ist für sie immer gefährlicher. Der Druck auf die Taliban und ihre internationalen Gäste hat durch die Offensive der pakistanischen Armee in der jüngsten Zeit zugenommen. Hinzu kommt der Beschuss durch die Amerikaner, die mit dem Einsatz von Drohnen versuchen, islamistische Kämpfer zu töten. Auch Eric Breininger, der zuvor in mehreren Propagandavideos aufgetreten war, soll auf der „Todesliste“ der Amerikaner gestanden haben.

Dennoch rechnen Fachleute nicht damit, dass in Afghanistan, wie zuvor in Palästina, dem Irak oder in Tschetschenien, Frauen als Selbstmordattentäterinnen aktiv werden. Auch dass eine „schwarze Witwe“ oder eine Konvertitin als „blonde Bombe“ hierzulande zuschlagen würde, gilt als unwahrscheinlich.

Sicher ist das indes nicht. Luisa S. alias „Ummu Safiyya“ wird weiter eine Rolle spielen wollen im Kampf gegen die Ungläubigen. In Deutschland war sie als Beamtin im öffentlichen Dienst in der Verwaltung tätig. Der Landrat des Rhein-Sieg-Kreises hat sie mit Wirkung vom 17. Februar diesen Jahres aus dem Beamtenverhältnis entlassen. Die Entlassungsverfügung konnte ihr nicht zugestellt werden. Denn Luisa S. hält sich weiter im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet auf. Vielleicht betreut sie dort einen neuen Kämpfer. Die Witwe eines Märtyrers zu heiraten gilt als ehrenhaft. Irgendwann wird Luisa S. ihrer Tochter erklären müssen, warum ihr Vater und sie nach Afghanistan gegangen sind, damit Papa für die richtige Sache sterben sollte.

_____

Liegt hier eher eine eher zufällige, ungewollte und sicher auch nicht langfristige Entwicklung des „Counterjihad durch Jihad“ vor, so hatte „NRW-Spion“ am 24.8. 2009 von einer mutigen Überspitzung des Jihad bzw. der Scharia zwecks Entlarvung derselben durch eine tapfere Malayin berichtet, die wegen Biergenusses religionspolizeilich verprügelt werden sollte (5):

„(…) Weil Alkoholgenuss in dem islamischen Land Muslimen streng verboten ist, wurde das Model verhaftet und zu einer Geldstrafe von 1.400 Dollar verurteilt. Und nicht nur das: Die malaysischen Richter hielten sechs Stockhiebe ebenfalls für eine angemessene Strafe und verurteilten damit zum ersten Mal eine Frau zu einer Prügelstrafe. Ihr Schicksal habe die malaysische Bevölkerung, die zu 60 Prozent aus Angehörigen des Islams besteht, nach Angaben der Basler Zeitung bewegt. In dem südostasiatischen Land herrsche wie in so vielen anderen islamischen Ländern Streit zwischen fundamentalistischen und moderaten Gläubigen. Kartika Sari Dewi Shukarno verzichtete darauf, das Urteil anzufechten, obwohl sie dem Bericht zufolge gute Chancen auf eine Begnadigung gehabt hätte. Im Gegenteil: Das Model bietet seinem Schicksal die Stirn und fordert, dass man sie öffentlich auspeitscht. Nach eigener Aussage wolle die mutige 32-Jährige die Vollstreckung transparent machen, schließlich wolle die Scharia mit einer solchen Strafe ein Beispiel für andere Muslime zu setzen. Der Vater des Models erklärte unterdessen, seine Tochter wolle die Behörden durch Blossstellung herausfordern. ‚Das Gesetz liegt leicht falsch. Sie behaupten, sie seien Gentlemen, die die Werte hochhalten. Dann soll das Publikum auch sehen, wie nobel und nett sie wirklich sind‘, zitiert die Online-Ausgabe der Basler Zeitung den Vater der Verurteilten. Mit ihrem Verhalten hat die junge Frau offenbar schon jetzt mehr erreicht, als sie mit einem langen Gerichtsverfahren je hätte ausrichten können. (…)

_____

Time am 30. Mai 2010

_____

1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/27/highway-to-hell/
2) https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/04/14/milieustudien-6-ignoranz-und-perversion/
3) http://meryemdeutschemuslima.wordpress.com/
4) sehr lesenswerter Artikel über Breininger:
http://www.politplatschquatsch.com/2010/05/gotteskrieger-mit-kommaschwache.html
5) http://www.nrw-spion.de/lifestyle/news/Muslimisches-Model-will-oeffentliche-Pruegelstrafe/5097