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Cui bono „NSU“? (#7)

16. Juli 2018

Vieles spricht dafür, dass es sich bei dem sogenannten „NSU-Komplex“, der in ebenso durchsichtiger wie verlogener Weise für die Nazislahmisierung Deutschlands instrumentalisiert wird, um torkische Geheimdienstmorde im torkisch-kurdischen Umfeld handelt (1).

Lesen Sie einen Artikel von Alexander Wendt (2).

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Der offene Fall

Wem in Deutschland sagt der Name Ömer Güney etwas? Selbst Ermittler, Journalisten und Politiker, die sich über Jahre in viele Details des NSU-Komplexes eingearbeitet hatten, können mit dem Namen in der Regel nichts anfangen.

Juristisch gilt der Komplex des Nationalsozialistischen Untergrunds mit dem Urteil gegen Beate Zschäpe und eine Reihe weiterer Angeklagter seit dieser Woche als abgeschlossen. Die beiden, die als Köpfe des NSU galten, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, kamen bekanntlich schon am 4. November 2011 ums Leben. Das Urteil gegen ihre Komplizin Zschäpe – lebenslange Haft – geht als Novum in die Rechtsgeschichte ein: einer Frau, der die Staatsanwaltschaft nicht in einem Fall nachweisen konnte, an einem der 27 NSU-Tatorte dabei gewesen zu sein, wurde die Mittäterschaft zur Last gelegt aufgrund ihrer Verbindung mit zwei Männern, deren DNA sich an keinem der 27 Tatorte fand.

Aber zurück zu Ömer Güney. Er gehört nicht zu den neun Toten der so genannten Ceska-Serie – den Morden an türkisch-kurdischen Kleinunternehmern, die zwischen den Jahren 2000 und 2006 dem NSU-Urteil zufolge mit einer schallgedämpften 7,65-Millimeter-Ceska-Pistole in Deutschland erschossen wurden. Güney war ein Täter – ein mutmaßlicher Agent des türkischen Geheimdienstes MIT. Er erschoss am 19. Januar 2013 im Kurdistan Informations-Center in Paris die drei kurdische PKK-Aktivistinnen Sakine Cansiz, Fidan Dogan und Leyla Söylmez.

Als Waffe benutzte er eine schallgedämpfte Browning des Kalibers 7,65 Millimeter. Nicht nur in Kaliber und Ausstattung der Tatwaffe glich der Dreifachmord den Morden der Ceska-Serie, sondern auch in den anderen Umständen: Es waren professionelle Hinrichtungsmorde am Arbeitsort der Opfer. Die französische Polizei überführte Güney; die Tat führte zu erheblichen diplomatischen Verwerfungen zwischen Paris und Ankara. Die türkische Regierung wies jede Verantwortung für die Exekutionen zurück. Für Januar 2017 war der Mordprozess angesetzt. Kurz vorher klagte Güney über unklare Kopfbeschwerden, er wurde aus der U-Haft in ein Pariser Krankenhaus verlegt. Dort verstarb er am 17. Dezember 2016 unter ungeklärten Umständen.

Sehr viele lose Fäden

Die französischen Ermittler fanden einiges über Güneys Lebensweg heraus. Unter anderem, dass er von 2003 bis 2011 in Deutschland gelebt hatte, genauer, in Bayern. Drei Opfer der Ceska-Serie starben bekanntlich in Nürnberg, zwei in München. In französischen und englischsprachigen Medien gab es eine Fülle von Berichten über Güney und die Morde, in Deutschland nur sehr wenige. Aber kein Artikel stellte einen Zusammenhang mit den Exekutionsmorden gleichen Stils in Deutschland her.

Auch der Autor verfügt nicht über einen bisher unbekannten Beleg. Dieser Artikel dient nur der Zusammenstellung von Fakten, die möglicherweise überhaupt nichts miteinander zu tun haben. Natürlich dient diese Zusammenstellung auch weder der verbotenen PKK, noch stellt sie die Existenz des NSU in Frage. Dass Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe in Jena versucht hatten, eine Bombe zu bauen, dass sie für eine Serie von Banküberfällen und einen Sprengstoffanschlag verantwortlich waren – dafür gibt es Belege. Das Blut der 2007 in Heilbronn erschossenen Polizistin Michèle Kiesewetter fand sich auf einer Jogginghose, die Uwe Böhnhardt zugeordnet wurde.

Die Frage, die sich aus Sicht von etlichen Mitgliedern des Bundestags-Untersuchungsausschusses zum Komplex NSU nie befriedigend klären ließ, lautet: Wie passen die Hinrichtungen von acht türkischen Kleingewerbetreibern und einem Griechen in Ladenlokalen zwischen München und Rostock – jedes Mal ohne verwertbare Spuren – zu dem Täterprofil der beiden Uwes? Woher hatten reisende Täter derart gute Ortskenntnisse? Das Ladenschild des im August 2001 in München ermordeten Habil Kilic beispielsweise lautete „Lebensmittel Getränkehandel Gerd Simon“. Dass ein türkischstämmiger Unternehmer das Geschäft führte, konnte kein Durchreisender wissen.

Warum endet die Ceska-Serie 2006, obwohl die NSU-Täter bis November 2011 aktiv waren und über ein ganzes Arsenal an Waffen verfügten, inklusive der Ceska? Warum kam die Ceska nur bei den Hinrichtungen der Geschäftsleute zum Einsatz, aber weder bei einem der Banküberfälle noch bei der Ermordung Michèle Kiesewetters?

Auf Nachfrage wollte Zschäpes Anwalt Wolfgang Heer nicht kommentieren, ob der Fall Güney in Paris in seiner Verteidigung eine Rolle gespielt hatte. Der ehemalige Vorsitzende des NSU-Untersuchungsausschusses Clemens Binninger sagte, wenn der Name und die Morde in Paris vorgekommen sein sollten, dann jedenfalls nicht prominent. In dem Komplex NSU finden sich sehr viele lose Fäden, von denen viele ins Leere führen. Manche wurden möglicherweise nicht ausreichend verfolgt.

Möglicherweise gibt es einfach nur viele offene Fragen

Zu den ungeklärten Punkten gehören auch die so genannten Bekenner-Kassetten – aufwendig geschnittene DVDs mit Bildern der Ermordeten aus der Ceska-Serie, unterlegt mit rechtsradikaler Musik und dem NSU-Logo. Obwohl die Mordserie 2006 endete, wurden einige DVDs erst nach dem Tod von Böhnhardt und Mundlos verschickt, die meisten fielen in die Hände der Polizei. In der von Explosion, Feuer und Löschwasser verwüsteten Wohnung Zschäpes in der Zwickauer Frühlingsstraße fanden die Beamten 2011 nach Angaben der Bundesanwaltschaft 35 versandfertige Briefumschläge mit Kassetten. Sechs weitere Exemplare fanden sich in einem Rucksack aus dem ausgebrannten Wohnmobil von Böhnhardt und Mundlos – allerdings erst bei einer nochmaligen Durchsuchung des Rucksacks nach dem 4. 11. 2011. Zu dem Rucksack fand sich sogar eine Kaufquittung – er wurde zwei Tage vor dem Tod der beiden Uwes erworben.

Fest steht, dass eine DVD zu einem Zeitpunkt in den Briefkasten einer Zeitung gesteckt wurde, als Zschäpe schon in U-Haft saß. Dokumentiert durch Aussagen von BKA-Beamten in dem Prozess ist außerdem, dass Strom- und Wasserverbrauch der Wohnung in der Zwickauer Frühlingsstraße – dem Quartier also, das bis zuletzt Quartier des NSU-Trios gewesen sein sollte – eher für eine Person passte als für drei. Der NSU-Untersuchungsausschuss hielt auch fest, dass die Ermittler den Rechner nie aufspürten, auf dem die Endversion des Bekennervideos hergestellt wurde.

Möglicherweise gibt es – wie gesagt – einfach nur viele offene Fragen zum NSU und gleichzeitig erstaunliche Ähnlichkeiten der Ceska-Morde mit der dreifachen Hinrichtung in Paris 2013. Vielleicht finden französische und/oder deutsche Fahnder irgendwann etwas zu den deutschen Jahren von Ömer Güney, und es stellt sich heraus, dass sich keine Fäden seines Falls mit dem des NSU berühren.

Die Familien der drei erschossenen PKK-Aktivistinnen setzten jedenfalls im Februar 2017 durch, dass der Komplex Güney und Paris noch einmal untersucht wird.

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Time am 16. Juli 2018

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1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2013/10/25/cui-bono-nsu-6/
2) https://www.publicomag.com/2018/07/der-offene-fall/

Cui bono „NSU“? (#6)

25. Oktober 2013

DerPate

Leo „Bulldog“ Brux arbeitet mit einem Kommentator namens Fantomas007 zusammen. Dieses Ork ist mutmaßlich Kurde und schrieb unlängst (1):

„Es sind ja nur Türken gestorben (Info: die meisten, ich glaube sogar alle Ermordeten sind Kurden – abgesehen vom Griechen – aber das ist ja genauso gut für diese menschenverachtenden Spinner).“

Das ist eine interessante Hypothese, dass die meisten oder alle der Ermordeten Kurden gewesen seien, denn hier fällt der Drang zur prokurdischen Propaganda dem zur antideutschen Propaganda, die die angeblichen Mordtaten des angeblichen NSU als ein Resultat der angeblich im Kern faschistischen Gesinnung der Deutschen hinstellen möchte, in die Zügel.

Ist es nicht seltsam, dass eine ausländerfeindliche und rassistische Terrorzelle ausschließlich Menschen aus der Torkei ermordet, nicht aber einen der vielen Drogendealer afrikanischer Herkunft, die uns täglich auf den Straßen unserer Städte belästigen? Oder einen Paki? Oder einen Pallie? Und warum nun sollte eine nationalsozialistische Terrorzelle es speziell nur auf Kurden abgesehen haben?

Tatsächlich war zunächst von zwei kurdischen Opfern die Rede, dann wurden es drei, vier, fünf und schließlich sechs (2). Ich bringe eine Liste (die ausnahmsweise diakritische Zeichen der Torks enthält):

2000 der Kurde Enver Şimşek,
2001 der Kurde Abdurrahim Özüdoğru,
2001 der Türke Süleyman Taşköprü,
2001 der Türke  Habil Kılıç,
2004 der Kurde Yunus Turgut,
2005 der Kurde İsmail Yaşar (3),
2005 der Grieche Theodoros Boulgarides,
2006 der Kurde Mehmet Kubaşık,
2006 der mutmaßliche Kurde Halit Yozgat (4),
2007 die deutsche Polizistin Michele Kieswetter (die in den meisten Listen gar nicht erwähnt wird).

Der Kommentator Bruno Degendorf schrieb an Jürgen Elsässer, den Chef des nationalbolschewistischen Magazins „Compact“ (5):

„Warum sollte eine Organisation, die sich als Fortführung der NSDAP sieht, eine aktuelle Deutschlandkarte verwenden. Und nicht wie üblich eine von 1914 + Deutschösterreich? (6) Zusätzlich habe ich gerade einen interessanten Leserkommentar in der SZ gefunden, der das Konstrukt NSU aus einem mir bisher unbekannten Winkel beleuchtet, nämlich dem eines türkisch, kurdischen Konflikts. Falls dieser bald gelöscht wird, gebe ich Ihnen zum Link auch noch das vollständige Zitat:

,Die BAO Bosporus hat schon richtig ermittelt. Ich bin gespannt wann dieses Lügenkonstrukt des NSU-Märchens in sich zusammen fällt. Nur in der Annahme, dass es sich ,nur‘ um neun Dönermorde handelt, liegen sie daneben. Es sind dreizehn.

1999 Laichlingen, Schwiegervater und Schwiegersohn, beide Kurden, wurden in der Türkei ermordet und später in einem Massengrab entdeckt. Die beiden wollten den Blumenladen von Enver Simsek (1. offizielles Opfer/Nürnberg) vor der Tat kaufen bzw. übernehmen. (…)

4. Oktober 2011 Mühettin L., Kurde, in Laichlingen Nachfolger des Blumenladens von Mord Nr. 1

01. November 2011, Name unbekannt, in Döbeln (Er hieß Jamal al Mortada, 7. In den meisten Berichten wird der mutmaßliche Mörder als „Iraker“ bezeichnet. Er ist jedoch offenbar irakischer Kurde, 8, T.)

Komischerweise sehr viele Kurden. Die Kölner Keupstraße, Tatort des Nagelbombenanschlages, ist ebenfalls ein Viertel, in dem überwiegend Kurden leben. Also mir kommt es eher so vor, als ob es da zwischen Türken und Kurden um die Wurst ging, als um diese lächerliche Terrorzelle. Andreas T. soll zudem V-Mann-Führer im Ausländerextremismus-Referat, Stichwort Graue Wölfe, gewesen sein.’“

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Time am 25. Oktober 2013

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1) http://blog.initiativgruppe.de/2013/10/23/nsu-neues-indiz-im-fall-des-verfassungsschutzers-andreas-temme/#comment-34839
2) http://www.deutsch-werden.de/opfer-von-neonazi-terror-4-kurden-4-tuerken-1-grieche-und-1-deutsche-polizistin
3) http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2013-09/nsu-prozess-ismail-yasar
und http://www.dengekurdistan.nu/details.aspx?an=2029
4) http://www.kurdica.com/News-sid-Die-Kurden-in-Yozgat-284.html
–  http://en.wikipedia.org/wiki/Kurds_of_Central_Anatolia
5) https://www.compact-magazin.com/nsu-prozess-richter-musste-sich-mit-compact-befassen/
6) http://www.publikative.org/wp-content/uploads/2011/11/nsu-screenshot_14.png
7) http://www.doebeln.net/wiki/Mord_an_Jamal_Al_Mortada
8) http://www.nordbayern.de/ressorts/schlagzeilenseite/prozess-um-mord-in-dobeln-hat-begonnen-1.2317437