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Im Interview: Hans-Thomas Tillschneider

3. Mai 2016

Tillschneider

„N-TV“ (1): „Hans-Thomas Tillschneider wurde 1978 in Rumänien geboren und wuchs im Schwarzwald auf. Ab 1998 studierte er Islamwissenschaften in Freiburg und Leipzig und ging 2000 für ein Jahr nach Damaskus. In Jena promovierte er zu einem Thema der Koranauslegung. Seit 2010 ist er Assistent am Lehrstuhl für Islamwissenschaft an der Universität Bayreuth und lehrt dort. Tillschneider ist Mitglied der AfD und gehört dort dem als rechtsnational bzw. völkisch bezeichneten Flügel an. Mit seinem Einzug in den sachsen-anhaltischen Landtag am 13. März wurde Tillschneider Abgeordneter und lässt seine Lehrtätigkeit ruhen. Er bekennt sich zur Identitären Bewegung, eine völkisch orientierte Gruppierung innerhalb der Neuen Rechten. Den Islam kritisiert Tillschneider nicht an sich, sondern hält ihn für inkompatibel mit der deutschen Kultur. Lapidar ausgedrückt: Der Islam soll so bleiben, wie er ist, aber auch bleiben, wo er herkommt.“

Diese Ansicht teile ich nicht: Der Nazislahm muss m.E. vollständig und weltweit dekonstruiert und geächtet werden.

Lesen Sie ein Interview mit Tillschneider von Nora Schareika.

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Die AfD will den Islam in Deutschland in die Schranken weisen. Wie denkt darüber einer aus der Partei, der nicht nur über Halbwissen verfügt? Im Gespräch mit n-tv.de erklärt Islamwissenschaftler Tillschneider, bekennender Identitärer und promovierter Koranexperte, warum er die Islamgegner in seiner Partei unterstützt.

n-tv.de: Warum ist das Thema Islam Ihnen und der AfD so wichtig?

Hans-Thomas Tillschneider: Es ist das Thema unserer Zeit, denn wir leben in einer Zeit, in der die nationalen und kulturellen Identitäten an Bedeutung gewinnen. Das Paradigma dafür hat Samuel Huntington (der Autor von „Kampf der Kulturen“, Anm. d. Red.) geliefert. Eine seiner viel diskutierten Thesen besagt ja, dass nach dem Wegfall des Kalten Krieges die kulturellen Identitäten wichtiger werden. Genau das erleben wir seit den 80er Jahren in der islamischen Welt: Die islamischen Gesellschaften werden immer islamischer. In den 70er Jahren hat man in Kairo so gut wie keine verschleierte Frau gesehen, heute muss man lange suchen, bis man eine unverschleierte gefunden hat. Durch die Globalisierung wird auch unsere deutsche Identität irritiert. Daher kommt dieses Fragen nach Identität, die Rückbesinnung auf das Eigene und die Angst vor Identitätsverlust, was auch legitim ist.

Warum wäre der Verlust der Identität schlimm?

Da kommen wir in den Bereich der letzten Fragen. Jeder muss für sich die Frage beantworten: Wollen wir unser deutsches Volk, unsere deutsche Kultur und unseren besonderen Weg, durch die Geschichte zu gehen, bewahren? Oder wollen wir sagen, das können wir entsorgen, weil es die internationalen Wirtschaftskreisläufe hemmt und deshalb konstruieren wir jetzt eine Einheitskultur und schleifen alles ab?

Ist das denn schon der Fall?

Natürlich. Das ist ein Grund, warum ich schon vor vielen Jahren in den Osten gezogen bin. Ich war das erste Mal im Jahr 2000 in Leipzig. Was mich da überrascht hat, war, dass diese Gegenden so schön deutsch sind. Diese Gegenden haben sich etwas bewahrt, was im Westen verlorengegangen ist. Die neuen Bundesländer haben in meinen Augen eine Vorbildfunktion für die alten, weil sich dort noch viel, viel deutsche Kultur erhalten hat, die im Westen teilweise schon verloren ist.

Die Auseinandersetzung um den Islam dreht sich momentan eher um symbolische Diskussionen – etwa um die Bedeutung von Minaretten. Warum sind Sie der Meinung, diese markierten einen Herrschaftsanspruch des Islam?

Ein Minarett markiert die Moschee nach außen als einen islamischen Kulturbau. Sie wird als Fremdkörper ersichtlich, als islamische Kulturinsel in unserem Bereich. Der Islam kann aber nicht zwischen Religion und Politik trennen. Was uns ganz tief eingeschrieben ist, nämlich die Trennung von Staat und Religion, hat er nie vollzogen, weil er von Anfang an eine hochpolitische Religion war. Deshalb transportiert das Minarett einen Machtanspruch.

Bei der AfD-internen Islamdebatte bekommt man den Eindruck, dass da viel Halbwissen herumwabert. Bereitet das Ihnen als Islamwissenschaftler manchmal Bauchschmerzen?

Nein. Vieles, was vorgebracht wird, stimmt natürlich nicht oder ist Halbwissen. Aber für eine demokratische Willensentscheidung muss sich niemand rechtfertigen. Wenn die Kassiererin keine Moschee in ihrem Umfeld will, dann hat ihre Stimme das gleiche Gewicht wie die des linksliberalen Professors, der mit schönen Worten rechtfertigen kann, weshalb er findet, dass eine Moschee in sein Wohnumfeld gehört. Deshalb weise ich immer die Frage zurück, weshalb im Osten der Widerstand so groß und im Westen so gering sei, wo es doch im Osten so wenige Ausländer und Muslime gibt. Da sage ich immer: Das interessiert mich nicht. Das relativiert die demokratische Willensbekundung, wir haben sie aber nicht zu relativieren, wir haben sie zu akzeptieren.

Sie haben selbst ein Jahr in Damaskus verbracht. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Das war eine sehr schöne und sehr bereichernde Zeit. Ich bin auch sehr gerne im Orient und habe großen Respekt vor dem Islam. Ich will aber nach Damaskus fahren müssen, um eine Moschee zu sehen. Ich hatte damals die Wahl, nach Damaskus oder nach Kairo zu gehen, das war die klassische Alternative für Orientalistikstudenten zu jener Zeit. Ich habe mich ganz klar für Damaskus entschieden, weil mir Kairo zu verwestlicht war. Es geht mir um diese Identitäten. Deshalb unterstütze ich die Identitäre Bewegung und bekenne mich auch dazu. Ich will eine bunte Welt aus vielen verschiedenen Kulturen. Werden verschiedene Kulturen in einer Gesellschaft zusammengewürfelt, verschmelzen sie entweder zu einem grauen Einheitsbrei oder es entstehen Konflikte. Multikulti funktioniert nicht. Ich will einen Islam, der islamisch ist, und ein Deutschland, das deutsch ist. Daran kann ich eigentlich nichts Schlechtes erkennen.

Sie haben beim Parteitag der AfD am Wochenende eine Reihe von verschärfenden Änderungsanträgen zum Grundsatzprogramm gestellt, darunter mehrere zum Islam. Abgestimmt wurde jetzt nur der, in dem Sie gegen die Förderung eines Reformislam argumentieren. Worum geht es Ihnen dabei?

Islamkritik ist nicht gleich Islamkritik. Das Gute ist, dass wir uns in der AfD alle einig sind, dass der Islam nicht zu Deutschland gehört. Aber unterhalb dieses Konsenses gibt es unterschiedliche Auffassungen, weshalb dem so ist. Ich vertrete eine kulturalistische Islam- oder besser Islamisierungskritik. Ich sage: Der Islam passt nicht zu Deutschland. Das ist ein im Grunde trivialer, auf jeden Fall aber unmittelbar evidenter Befund von Inkompatibilität. Ich kritisiere den Islam nicht an sich und will ihn weder reformieren noch aufklären. Das halte ich gar nicht für möglich. Eine universalistische Islamkritik bezieht sich im Gegensatz zu meiner Islamkritik auf angeblich universelle, global geltende Werte, die auch der Islam respektieren müsse, und deshalb brauche es einen Reformislam. Das ist übrigens eine linke Position, wie sie auch Alice Schwarzer einnimmt. Meine Position ist: Die Deutschen haben ihre Kultur, die Muslime haben ihre Kultur, und das passt nicht zusammen. Dieser Standpunkt hat sich in Stuttgart durchgesetzt.

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Time am 3. Mai 2016

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1) http://www.n-tv.de/politik/Ich-will-Moscheen-lieber-im-Orient-sehen-article17604966.html

Kein Fußbreit dem Nazislahm

31. März 2016

Nazislahm

Es ist m.E. sinnlos, darüber zu diskutieren, ob der Nazislahm eine Religion oder „nur“ eine Ideologie sei.

Ein unsterbliches und allmächtiges Schöpferwesen kommt vor, ewige Strafe und Belohnung, ein Verhaltenscodex sowie Ritus und Kultus. Das reicht.

Der Nazislahm ist eine Religion, und zwar die Religion Satans. Weil sie zutiefst bösartig und menschenfeindlich ist, darf sie sich auf keinen Fall in Europa etablieren.

„FAZ.NET“ berichtete diesbezüglich gestern von einer hervorragenden Idee des rechtskonservativen Flügels der AfD (1).

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Programmentwurf

AfD-Politiker wollen Moscheen schließen

In der AfD wird erstmals ein direkter Eingriff in die Religionsfreiheit gefordert, um gegen den Islam vorzugehen. Wieder ein Vorschlag, der wohl aus dem rechten Lager um Björn Höcke kommt. Nimmt sein Einfluss weiter zu?

Die Alternative für Deutschland (AfD) positioniert sich weiterhin als islamkritische Partei. „Bau und Betrieb von Moscheen“ seien zu untersagen, heißt es in einem neuen, aus Niederbayern stammenden 45-seitigen Entwurf zum Grundsatzprogramm, der den Zeitungen des „RedaktionsNetzwerks Deutschland“ vorliegt. Ende April will die AfD auf ihrem Parteitag in Stuttgart ihr Grundsatzprogramm diskutieren und verabschieden.

Wörtlich heißt es demnach in dem Papier: „Der Islam gehört nicht zu Deutschland.“ Nach seinen selbst erklärten Inhalten und Zielen sei er verfassungsfeindlich. Moscheen dienten „nicht nur dem gemeinsamen Gebet, sondern auch der Verbreitung der auf die Beseitigung unserer Rechtsordnung gerichteten islamischen Lehre“. Der „Vorschlag aus Niederbayern für ein Grundsatzprogramm“ trägt den Titel „Mut zur Verantwortung“.

Der Koran, heißt es darin weiter, lasse auch „Lüge und Täuschung“ zu. Der Islam sei „auf seinem erklärten Weg zur Weltherrschaft bereits bei 57 von 190 Staaten angekommen“. Für die Religionsfreiheit in Artikel 4 des Grundgesetzes müsse es nach Meinung der Verfasser des Entwurfs Grenzen geben. Ersichtlich hätten die Väter des Grundgesetzes bei dessen Abfassung nicht in Betracht gezogen, „dass in seinen Anwendungsbereich auch Religionen Einzug halten können, die zu Straftaten auffordern (…) und die Weltherrschaft zum Ziel haben“, zitieren die Zeitungen.

Bayerns AfD-Landeschef distanziert sich

Hinter dem Papier stehen nach Informationen des „RedaktionsNetzwerks“ Rechtskonservative innerhalb der AfD, die unter dem Namen „Der Flügel“ firmieren. Zu der Gruppe zählen laut Impressum der Internetseite „derfluegel.de“ Sachsen-Anhalts Landeschef Andre Poggenburg, Thüringens Landeschef Björn Höcke, der stellvertretende Brandenburger Vorsitzende Andreas Kalbitz sowie das sächsische Landesvorstandsmitglied Hans-Thomas Tillschneider.

Der bayerische AfD-Landesvorsitzende Petr Bystron distanzierte sich gegenüber den Zeitungen von dem Papier. Er kenne den „Vorschlag aus Niederbayern“. Es handele sich um einen Gegenentwurf, da viele innerhalb der AfD mit dem Kurs der Parteispitze nicht einverstanden seien. Der Bezirksverband Niederbayern habe „eine gewisse Verwandtschaft“ zum rechten Flügel der Partei, sagte Bystron.

Der Einfluss des rechten Flügels der AfD hat in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen. Das wachsende Selbstbewusstsein drückt sich auch in zunehmend kritischen Äußerungen gegen die Parteiführung aus. Nachdem der Bundesvorstand der Partei, dem Höcke nicht angehört, in der vergangenen Woche den Landesverband Saarland aufgelöst hatte, äußerte sich Höcke in einem Facebook-Post des „Flügels“ kritisch zu der Entscheidung. „Eine Partei, die einen Landesverband auflöst, scheint mir den Kinderschuhen doch noch nicht ganz entwachsen zu sein“, schrieb er. Der Post wurde, nachdem er auch innerhalb der Partei für Aufregung sorgte, gelöscht.

Die Äußerung Höckes ist brisant. Nach Recherchen des „Sterns“ pflegen der saarländischen Landeschef Josef Dörr und sein Stellvertreter Hecker Kontakte zu Rechtsextremen und ehemaligen NPD-Funktionären. Im Falle einer Auflösung des Verbandes wollte die saarländische NPD dem AfD-Mann Dörr einen Listenplatz garantieren.

Nach dem Wahlerfolg in Sachsen-Anhalt, bei dem die AfD als drittstärkste Kraft 25 Prozent erzielte, ist das schon vorher stark ausgeprägte Selbstbewusstsein der ostdeutschen Verbände noch weiter gewachsen, erfährt man aus der Partei. Möglich, dass sich dieser Einfluss auch in der Gestaltung des Parteiprogramms widerspiegeln könnte. Im Bundesvorstand haben die Köpfe der neuen Vereinigung „Der Flügel“, zu denen Höcke, Tillschneider und Poggenburg zählen, bislang keinen Einfluss. Nachdem Frauke Petry zuletzt parteiintern in der Kritik stand, könnte sich das jedoch bald ändern.

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Time am 31. März 2016

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1) http://www.faz.net/aktuell/politik/bayerns-afd-will-einschraenkung-der-religionsfreiheit-14151467.html#/elections

Plädoyer für die totale Dekonstruktion

12. Juni 2013

SchwarzesLoch

Der definitiv beste Platz für den Mohammedanismus
ist ein gemütliches schwarzes Loch

Mouhanad Khorchide hat ein schmales Buch geschrieben, dessen Sinn es ist, dem Mohammedanismus und dem blutrünstigen Kloran positive Seiten abzugewinnen und solchermaßen die deutschen Bürger in Sicherheit zu wiegen und der einzig logischen Konsequenz, dem Counterjihad, abspenstig zu machen.

Seine Mit-Orks indessen dankten es ihm nicht und überzogen ihn mit wüsten Anfeindungen.

Ein ganz anderes Problem, nämlich das der verblüffenden intellektuellen Schlichtheit, hatte bei Khorchides Arbeit Hans-Thomas Tillschneider ausgemacht. Deutschlands beste Zeitung brachte seine Ausführungen am 7. Juni 2013. Dem sehr pointierten und intelligenten Text von Dr. Tillschneider entgegnete in der heutigen FAZ in gewohnt plumper und schäumender Dimmi-Pöbelmanier Prof. Dr. Marco Schöller.

Dass die Orks und ihre Freunde unglaublich dumm und primitiv sind, wie man nach der Lektüre des Leserbriefes unschwer feststellen kann, bedeutet leider nicht, dass sie keine (Zerstörungs-) Macht entfalten könnten. Und genau darum gibt es den Counterjihad.

Übrigens: Dieses Blog besteht zum überwiegenden Teil aus dem, was die Orks und ihre Freunde sagen und schreiben und tun und nur zu einem sehr kleinen Teil aus meinen Kommentaren und denen meiner KommentatorInnen. Mit anderen Worten: In der MoT wird der Mohammedanismus im Gegensatz zu Mazyeks „islam.de“ großgeschrieben.

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Fragwürdiges Plädoyer für eine infantile Theologie

Die islamischen Theologien sind von einer echten Auseinandersetzung mit moderner Theologie und Geisteswissenschaft noch weit entfernt.

Damit konfrontiert, dass seine Zeilen zur politischen Situation Irans viel Zustimmung von fragwürdiger Seite erfahren haben, antwortete Günther Grass: „Bloß keine Angst vor dem Beifall der falschen Seite! Wenn man dem folgt, dann verbietet man sich selbst das Maul.“ Ein wahres Wort, das auch in der Umkehrung gilt: Genauso wenig, wie Beifall von der falschen Seite schadet, genauso wenig nützt der Widerspruch, der von der falschen Seite kommt. Diese Einsicht wiederum drängt sich angesichts der aktuellen Debatte um das Buch „Islam ist Barmherzigkeit“ von Mouchanad Khorchide auf.

Mouchanad Khorchide, promovierter Soziologe palästinensischer Abstammung und seit 2010 Inhaber des Lehrstuhls für islamische Religionspädagogik an der Universität Münster, hat mit „Islam ist Barmherzigkeit“ Ende 2012 seine erste Monographie im Themenbereich der islamischen Theologie vorgelegt.

Das Werk hat kaum Reaktionen hervorgerufen, bis sein Inhalt orthodoxen Kreisen zu Ohren kam. Khorchide wurde vorgeworfen, er verletze elementare Prinzipien des islamischen Glaubens, und er wurde aufgefordert, „Reue“ zu zeigen. Sehr konkret war die Kritik nicht, was darauf hindeutet, dass die Diskussion sich nahe an neuralgischen Punkten bewegt. Es dürften Aussagen wie „Scharia als juristisches System steht im Widerspruch zum Islam selbst“ oder „Scharia ist ein menschliches Konstrukt“ gewesen sein, die Anstoß erregt haben.

Khorchides Absicht besteht kurz gesagt darin, den Islam von der Scharia zu befreien. Und genau darauf kommt es, wie ich meine, an. Um in unsere Gesellschaft integrierbar zu sein, muss der Islam sich von allen politisch-rechtlichen Ansprüchen trennen. Er muss sich gründlich säkularisieren, entpolitisieren und von den Teilen des islamischen Rechts, die mit unserem Recht kollidieren, lossagen, und zwar auch in der Theorie und Theologie. Dass diejenigen dagegen aufbegehren, die einen politischen Islam vertreten oder gar den Islam für politische Ziele einsetzen, versteht sich von selbst.

Mustafa Yoldas, der Vorsitzende eines starken Hamburger Islamverbandes und einer der Wortführer der Kritik, ermahnte Khorchide in einer am 8. März dieses Jahres vom ZDF ausgestrahlten Fernsehdiskussion, er dürfe sich nicht einmal dem Verdacht aussetzen, den Erwartungen der Mehrheitsgesellschaft entsprechen zu wollen. Das verursache der Basis der Verbände „Bauchschmerzen“. Yoldas selbst brachte damit auf den Punkt, wo das größte Integrationshindernis liegt.

Khorchide und die Verbandsvertreter einigten sich schließlich darauf, dass es möglich sein müsse, gleichzeitig Muslim und Deutscher zu sein. Die Frage, ob sich dafür Deutschland islamisieren oder der Islam reformieren muss, wurde ausgeklammert. Ohne eine Antwort darauf aber verkommt die Feststellung, man müsse gleichzeitig Muslim und Deutscher sein können, zu einer nichtssagenden Phrase mit sedierender Wirkung.

Außerdem wurde – und auch das ist symptomatisch – Khorchides Werk gerade für etwas, wofür es tatsächlich hätte kritisiert werden müssen, nicht kritisiert. Ungeachtet seiner guten Absichten ist dieses Werk in seinen intellektuellen Ansprüchen derart bescheiden, dass man sich wundert, seinen Autor auf einem theologischen Lehrstuhl zu sehen.

„Islam ist Barmherzigkeit“ besteht aus biographischen Anekdoten, etwas Proseminarwissen zur islamischen Theologie und Geschichte, Versatzstücken aus der Tradition des Reformislam, einem guten Schuss Esoterik und einem bunten Strauß Allerweltsansichten über Gott und die Religion. Spuren eines profilierten theologischen Denkens sind nicht erkennbar. Das Ganze ist eine Laienpredigt auf gut zweihundert nicht sehr dicht bedruckten Seiten. Wir erfahren beispielsweise, dass Khorchide seinen Kindern verbietet, am PC zu spielen, wenn sie ihre Schulaufgaben nicht gemacht haben, nicht etwa weil es ihm darum ginge, seine hausväterliche Gewalt zu demonstrieren, sondern weil er doch nur das Beste für seine Kinder will. Und genauso sei es mit Gott und mit uns.

Khorchide belehrt uns darüber, dass „die Idee des Teufels metaphorisch für das Böse“ stehe, und führt uns vor Augen, dass es immer noch einen Grad kitschiger geht, bis er schließlich bei der Erkenntnis ankommt: „Einen Menschen anzulächeln ist ebenso Gottesdienst, wie eine Pflanze zu gießen.“ Zwischendurch wiederholt er regelmäßig sein Mantra, der Mensch sei ein Medium von Gottes Liebe und Barmherzigkeit.

Seine These, dass ausnahmslos alle Menschen ins Paradies kommen und auch im Koran die Barmherzigkeit Gottes über allem steht, begründet Khorchide, indem er freundlich klingende Koranverse aus ihrem Zusammenhang reißt, unfreundliche übergeht und die Auslegungsgeschichte des Korans als eitel Menschenwerk ignoriert – im Prinzip keine andere Methode als die der vielgescholtenen Islamkritik, nur eben unter umgekehrtem Vorzeichen.

Wenig innovativ ist auch die Vorstellung, es komme darauf an, so etwas wie überzeitliche Intentionen aus dem Korantext herauszudestillieren. Wenn der Koran Frauen beim Erbrecht benachteiligt, sie aber vor dem Islam auf der arabischen Halbinsel überhaupt nicht erbberechtigt waren, dann bestehe, so Khorchide, die eigentliche Absicht doch darin, Frauen besserzustellen, was in heutiger Zeit natürlich andere Maßnahmen erfordere. Es handelt sich bei diesem etwas einfältigen Deutungsansatz um einen Ladenhüter des islamischen Reformdenkens, den vor Khorchide schon Fazlur Rahman (gestorben 1988), Nasr Hamid Abu Zaid (gestorben 2010) und eine ganze Schar weiterer Islamreformer bemüht haben, ohne dass die Idee jemals gezündet hätte.

Das wiederum liegt nicht nur daran, dass die islamische Orthodoxie verstockt an ihrem Traditionsbestand festhält, sondern stärker noch an der Undifferenziertheit dieses Denkmodells und an der billig auftrumpfenden Art, mit der es vorgetragen wird. Es ist weder in der islamischen Tradition verankert, noch zeugt es von einer echten Auseinandersetzung mit moderner Theologie und Geisteswissenschaft. Khorchide leistet überhaupt keine echte Denkarbeit, sondern definiert den Islam einfach nach seinem Geschmack um. Informationen über die islamische Theologiegeschichte werden gelegentlich herbeizitiert und spenden etwas Kolorit, mehr nicht. Dabei müsste Khorchide mit der islamischen Theologie ringen, so wie Bultmann mit der protestantischen Theologie gerungen hat, und stärker noch.

Bis zu Khorchide nämlich war der Islam, abgesehen von antinomistischen Strömungen innerhalb der Mystik, eine Gesetzesreligion, die den Gläubigen eine detailreich ausgearbeitete Lebensordnung vorgeschrieben hat. Und nun entpuppt er sich je nach Sichtweise als eine Rundum-Wohlfühl-Religion, ganz den Bedürfnissen des Menschen zugewandt, uninteressiert am Buchstaben, überströmend von Liebe, Barmherzigkeit und „billiger Gnade“ (Dietrich Bonhoeffer)?

Khorchide spricht nicht wie ein Theologe, sondern wie ein Prophet, der aufgrund höherer Autorisierung sagen kann, wie es ist, ohne sich mit Begründungen aufhalten oder an Denktraditionen Anschluss gewinnen zu müssen. Es ist ein Armutszeugnis für die Islamdebatte, dass die Kritik an Khorchides Absichten breit verhandelt wurde, er aber für das, wofür er alle Kritik verdient hätte, nämlich für die intellektuelle Dürftigkeit seines Entwurfs, keinerlei Kritik erfahren hat.

Das öffentliche Gespräch über den Islam wird auf verquere Weise geführt. Ein weiteres Beispiel dafür wäre Wolfgang Johann Bauers ebenfalls 2012 erschienene Monographie „Aishas Grundlagen der Islamrechtsergründung und Textinterpretation“. Bauer arbeitet als Postdoktorand am Institut für islamische Theologie der Universität Osnabrück. Sein Buch ist die überarbeitete Fassung seiner Dissertation und kann in doppelter Hinsicht als Komplementärstück zu Khorchides „Islam ist Barmherzigkeit“ gelten. Anders als Khorchide kennt Bauer die islamische Tradition einigermaßen, und anders als Khorchide gibt er nichts davon preis. Bauer verwirft die Traditionskritik der Orientalisten als unislamisch, besteht auf einem Scharia-Islam ohne Abstriche und plädiert innerhalb dieses Rahmens dafür, die Überlieferung von Aisha, der Frau des Propheten, stärker zu berücksichtigen.

Diese ultraorthodoxe Arbeit hat nicht die leiseste Kritik hervorgerufen, was sich nicht allein dem Umstand verdankt, dass sie in einem miserablen Deutsch abgefasst ist. Das, was Kritik hervorruft und was nicht, bemisst sich mittlerweile weniger nach dem gesunden Menschenverstand oder den Bedürfnissen der Mehrheitsgesellschaft, sondern folgt den Befindlichkeiten der Islamverbände, die aber bekanntlich nur eine Minderheit der in unserem Land lebenden Muslime repräsentieren. Was wir brauchten, wäre weder Khorchides süßliche Prosa noch Bauers hölzerner Fundamentalismus, sondern Khorchides Absichten mit einer Begründung, die an die Wurzeln von islamischer Tradition und moderner Theologie gleichermaßen geht.

Bislang hat die islamische Theologie in Deutschland nichts dergleichen geleistet. Bülent Ucar, der Direktor des Instituts für islamische Theologie der Universität Osnabrück, hat in der Herder Korrespondenz Spezial (2/2009) geschrieben: „Ich halte es mit dem Propheten, der empfiehlt, dass der Glaube eines Muslims wie der einer alten Frau zu sein habe: so einfach, so rein, so klar, vielleicht auch kindlich. Hat eine in diesem Sinn infantile Theologie einen Platz im Wissenschaftsbetrieb und an staatlichen Hochschulen?“ Hört man dieses Plädoyer, schöpft man nicht sehr viel Hoffnung, dass die neu etablierte islamische Theologie jemals erwachsen wird. Was der islamischen Theologie fehlt, ist nämlich kein Recht auf Infantilität, sondern intellektuelle Reife und Mut zur Selbstkritik.

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Anmaßend und fehlgedeutet

Die Überheblichkeit, mit der Hans-Thomas Tillschneider nicht nur das 2012 erschienene Werk „Islam ist Barmherzigkeit“ von Mouhanad Khorchide, sondern auch andere Publikationen muslimischer Theologen in Deutschland aburteilt, hat nicht leicht Ihresgleichen. Besonders betrüblich ist zunächst, dass sich hier ein (noch recht junger) Islamwissenschaftler anmaßt, das Wirken der muslimischen Theologen zu be- und verurteilen, als besäße er wie selbstverständlich eine Deutungshoheit über deren Tun und Denken. Das ist natürlich abwegig, und ich muss die Islamwissenschaft, die ich selbst auch vertrete, vor diesem Anspruch in Schutz nehmen. Des Weiteren hängt Tillschneider offenbar dem irrigen (und im Übrigen von typisch islamwissenschaftlichen Vorurteilen geprägten) Glauben an, ein muslimischer Theologe betreibe nur dann Theologie, wenn er in scholastischer Manier und in abstrakter Begrifflichkeit über die Eigenschaften Gottes nachdenkt, wie man es im Islam über Jahrhunderte in elitärem Kreis getan hat. Demgegenüber hält Tillschneider ein Sprechen von und über Gott, das in einer allgemein verständlichen Sprache auch Laien und Jugendliche erreichen kann, für infantil und sieht Khorchide als nicht in der islamischen Tradition verankert. Nein, muss ich hier in aller Schärfe entgegnen, Khorchide schreibt diese Tradition soeben fort, ja er schreibt sie vielleicht auch neu, und dabei muss er sich nicht von einem Islamwissenschaftler sagen lassen, wie er das zu tun hat. Und dass Tillschneider das Buch von Khorchide, der darin ja nicht als akademischer Theologe, sondern als Glaubensmittler und Religionspädagoge spricht, zum Anlass nimmt, dessen Befähigung als Professor für Islamische Theologie in Frage zu stellen, ist unverschämt.

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Time am 12. Juni 2013