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Dr. Jihad

24. November 2011

Die Bundesregierung hat eine tolle Methode gegen den Jihad gefunden: Sie will ihn mit Geld zuschmeißen! An vier Universitäten werden daher Lehrstühle für „Mohammedanistische Theologie“ eingerichtet.

Die „Zeit“ jubiliert (1):

„Die neuen Gesichter des Islam – Junge Talente promovieren jetzt in einem Graduiertenkolleg für bekenntnisgebundene ‚Islamische Studien‘. Sie gehen auf Distanz zu Tradition und Alltag ihrer Religion.“

Dass das Gegenteil dieser Behauptungen wahr ist, zeigt die „Zeit“ mit dem beigefügten Foto, das die ewig gleichen Schleiereulengesichter zeigt, ohne dass es einem der gleichgeschalteten Redakteure aufgefallen wäre.

Wenn sie schon auf einer nicht durch den Kloran sondern nur durch „Tradition und Alltag“ der Ideologie begründeten Handlung wie dem öffentlichen Zurschaustellen der Symbole ihrer Bewegung (Kopftuch) ganz unbedingt und völlig kompromisslos bestehen, was ist da wohl in Bezug auf die Auslegung der im Kloran eindeutig festgelegten Anordnungen für den „frommen“ Mohammedanisten zu erwarten, man denke an Abschlachtung der Ungläubigen oder Amputation der Hände von Dieben?

Die „Zeit“: „Schavan erwartet theologisch fundierte Ausbildung“.

Darauf entgegnete Bloggerkollege Vitzliputzli in seinem unbedingt lesenswerten Kommentar (2):

„Kreisch ……!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Schavan würde auch über Vampire promovieren lassen. Oder Gespenster. Hauptsache ‚fundiert‘!“

Lol, Vitzli! Denn was kann denn an einer jihadischen Ausbildung überhaupt „fundiert“ sein? Was kann erwartet werden außer modernisierten Verfahren für die Amputation? Und wann kann in unserer Gesellschaft endlich  eine FUNDIERTE kannibalistische Ausbildung angeboten werden? Auch Heike Schmoll kann in der heutigen FAZ diese drängende Frage nicht beantworten.

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Islamische Theologie 

Akademisierung mit Kopftuch 

Aus sechzig Bewerbern für ihre Graduiertenkollegs Islamische Theologie hatte die Stiftung Mercator sieben ausgewählt, die sich und ihre Promotionsvorhaben in der vergangenen Woche in Berlin vorstellten. Vier davon sind Frauen, zwei haben sich geradezu emanzipatorisch-feministische Themen für ihre Dissertationen ausgewählt (Wir sind gespannt, T.). Es sind junge, moderne und geschminkte Frauen, die sich, ihren Kopf und Hals mit einem Tuch bedeckt, vornehmen, die Männerdomäne muslimischer Textauslegung und Rechtsprechung mit teilweise feministischen Themen aufzubrechen.

Die Türkin Nimet Seker, die in Köln Islamwissenschaften, Germanistik und Ethnologie studierte, will geschlechtergerechte Zugänge zum Koran erarbeiten (Was ist an der Trennung der Geschlechter denn „emanzipatorisch-feministisch“? T.). In ihrem Kopftuch (vgl. Hakenkreuzarmbinde, T.) sieht sie geradezu emanzipatorisches Potential (Oben ist unten, Zwei ist Drei und Mohammedanismus ist Frieden… chrchrchr, T.). Die Ägypterin Noha Abdel-Hady gehört der dritten Einwanderergeneration an. Sie ist in Deutschland geboren, hier aufgewachsen und spricht völlig akzentfrei Deutsch (Na, das ist ja toll! Aber was hat das mit den Inhalten zu tun, die sie lehren wird? T.), fühlt sich auch als Deutsche. Erst mit neunzehn Jahren hat sie sich bewusst für das Kopftuch entschieden (Ich fühle mich auch als Deutscher, und deshalb kann ich mich unmöglich für das bösartige Gegreine eines arabischen Räuberhauptmanns entscheiden, T.), weil sie sich als Muslimin zu erkennen geben will (Sag ich doch, die Propagandamaschine, T.). Das Kopftuch sei wie eine Krone, die sie sich täglich neu aufsetze, sagt sie im Gespräch. Das Kopftuch sei ein Stück Stoff, es komme aber darauf an, was man daraus mache (Wir sind gespannt, was sie daraus macht… T.). Sie jedenfalls könne sich ein Leben ohne nicht mehr vorstellen, es gebe ihr inneren Halt und Identität. Seit sie das Kopftuch trägt, fühle sie sich zum ersten Mal als Ausländerin in Deutschland und werde auch so behandelt, berichtet die junge Frau in Dunkelgrün („Zum ersten Mal“ als „Ausländer“ behandelt zu werden, gibt ihr „sicheren Halt“? Punk’s not dead! T.). Sie schreibt eine Dissertation über die Rechtsgutachten weiblicher Gelehrter in Ägypten und deren Einfluss auf das islamische Recht (Er dürfte 0,0% kaum übersteigen, oder haben Sie jemals von einer mohammedanistischen Rechtsgelehrten und ihren Fatwas gehört? Absurd! T.). Die meisten Dissertationen der sieben Kollegiaten widmen sich der Koranhermeneutik oder frühen Handschriften. Eine weitere Doktorandin, eine Grundschullehrerin, untersucht Gottesvorstellungen bei muslimischen Kindern im Grundschulalter.

(Stop, stooop Heike! Jetzt machen wir erst mal eine Pause. Wo wurden bisher auch nur ein ganz klein wenig emanzipatorisch-feministische Inhalte deutlich? Ich sehe keine, Sie etwa? T.)

Der 30 Jahre alte Ufuk Topkara, Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes und der amerikanischen Fulbright-Kommission, der in Berlin und in Harvard studierte, arbeitet zurzeit als Referent der Evangelischen Akademie in Berlin und engagiert sich für den interreligiösen Dialog (Ich „engagiere“ mich nicht für den „interreligiösen Dialog“ hier in der „Madrasa of Time“, ich führe ihn. Und die Grundvoraussetzung für diesen Dialog ist die, dass man die mohammedanistischen bzw. anders-religiösen Texte studiert. Aber dies zu tun verweigern die Orks und ihre Freunde ja! T.). Als kleiner Junge habe er Suren vortragen können, ohne sie wirklich zu verstehen. Jetzt untersucht er das Spannungsverhältnis von Offenbarungstexten und aufgeklärter Vernunft.

Dass die vom Wissenschaftsrat initiierte Akademisierung des Islam nicht konfliktfrei verlaufen könnte, zeigt sich nicht erst bei der Besetzung der Beiratsgremien für die Fakultäten für Islamische Theologie. Es ist der Konvertit Harry Harun Behr, Professor für Islamische Religionslehre in Erlangen-Nürnberg und Sprecher des Graduiertenkollegs, der in Berlin einen Vortrag hielt, der mit der Rezitation eines Korantextes auf Arabisch beginnt und zuweilen dem Genus der Predigt ziemlich nahe kommt (Mit anderen Worten, man hat den Bock zum Gärtner gemacht. Wissenschaftlichkeit? Ganz sicher nicht! T.). Die wissenschaftliche (Ungeheuerlich, die angestrebte Bekenntnisunterweisung als „Wissenschaft“ zu bezeichnen. T.) Beschäftigung mit dem Islam in seinem spirituellen und sozialen Rahmen trage dazu bei, dass muslimische Identität in Deutschland ihre Heimat habe (Es geht ganz klar um die Verankerung des Mohammedanismus in Deutschland, nicht um seine Erforschung. T.). Das sei die Grundlage für eine Theologie, die den Gewinn für die Gesellschaft insgesamt im Blick habe. Behr weist den jungen muslimischen Theologen als Grenzgängern die Aufgabe der „behutsamen Anstiftung zur Veränderung“ zu (Nette Formulierung für „Jihad“. T.). Der Professor, der in Erlangen das Interdisziplinäre Zentrum für Islamische Religionslehre (IZIR) leitet, versichert: „Wir geben Orientierung (Nein, nicht nur Orientierung, sondern vielmehr Orientierung an einer totalitären Ideologie! T.).

Koordiniert wird die Doktorandenausbildung an den Universitäten Erlangen-Nürnberg, Frankfurt, Hamburg, Osnabrück, Paderborn und von diesem Wintersemester an auch Tübingen von Mouhanad Khorchide in Münster, der dort Islamische Religionspädagogik lehrt. Er will den muslimischen Eltern und Kindern der Mittelschicht ein Werte-Angebot (Die Werte sind in der Scharia festgelegt, von der werden sie noch viel schwerer lassen als von der Frauenmarkierung. T.) ohne Missionseifer machen. Um den wissenschaftlichen (nein, den ideologischen Nachwuchs, T.) Nachwuchs zu fördern, hatte die Mercator-Stiftung gemeinsam mit den Universitäten mit einschlägiger Expertise und neuen Studiengängen für Islamische Theologie ein Graduiertenkolleg für Islamische Theologie gegründet. Dafür stellt sie für den Zeitraum von 2011 bis 2016 insgesamt 3,6 Millionen Euro zur Verfügung. Im kommenden Sommer sollen acht weitere Doktoranden in das Graduiertenkolleg aufgenommen werden (das sind bei 15 Doktoranden 40.000 Euro pro Kopflappen bzw. Läusematratze jährlich. T.). Da die Doktoranden aus ganz Deutschland stammen, ist das insgesamt drei Jahre dauernde Studienprogramm in regelmäßigen Seminaren und internationalen Konferenzen an den jeweiligen Partneruniversitäten organisiert. In dieser Zeit schreiben die Doktoranden ihre Dissertation über eins der Kernthemen des Graduiertenkollegs.

Noch konnten erst wenige Lehrstühle für Islamische Theologie an den Vorreiter-Universitäten besetzt werden, es gibt bei Ausschreibungen zwar Bewerber, aber häufig sind sie nicht des Deutschen mächtig oder aufgrund ihrer wissenschaftlichen Vorerfahrung nicht geeignet (Aha, eine wissenschaftliche Vorerfahrung ist Hinderungsgrund für die „wissenschaftliche“ Auseinandersetzung mit dem Mohammedanismus! Wie das? T.). Derzeit besteht durchaus die Gefahr, dass die Lehrstühle zu rasch mit womöglich mittelmäßigen Bewerbern besetzt werden, die dann aber nach fünf Jahren auch kaum wieder von ihrer Lehrtätigkeit entbunden werden können. Gerade in der Anlaufphase der Akademisierung des Islam wäre das fatal.

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Nein, fatal ist vielmehr, dass die Orks und ihre Freunde sich weigern, die Orktexte zu lesen, die jedes Kind versteht, weil sie vollkommen evident primitiv und bösartig sind!

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Time am 24. November 2011

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1) http://www.zeit.de/studium/hochschule/2011-11/promotion-islamische-studien
2) http://vitzliputzli.wordpress.com/2011/11/24/ein-lachartikel-der-zeit-promovieren-uber-islamgerechtes-steinigen-und-ungleichberechtigung/

Thilo hat Recht

31. Mai 2011

Der Bildungssektor ist ein wesentliches Schlachtfeld des Counterjihad. Leider ist der vorherrschende Eindruck, den man von dort in Bezug auf die Anteile der Politik gewinnen kann, der von großer Inkompetenz und Verwirrung.

Munter wird an den Kindern auf der Basis windiger „wissenschafticher“ Erhebungen herumexperimentiert und Geld verpulvert, das an anderer Stelle dringend gebraucht wird. Besonders idiotisch: Muttersprachlicher Unterricht, der nach negativen Erfahrungen in avantgardistischen Ländern Europas von eben diesen wieder angeschafft worden ist. Grund genug für die Schariapartei Deutschlands (SPD) bzw. die sie dirigierenden Orkverbände, den gescheiterten Versuch auch in Deutschland durchzuziehen. Dabei ist längst offensichtlich, dass auch die deutsch-deutschen Schüler immer mehr an Kompetenzen zu wünschen übrig lassen, grade so, wie es Thilo Sarrazin beobachtet hat.

„Alle Kinder lernen lesen, Indianer und Chinesen…“ heißt es in einem Kinderlied. Ja klar doch, das sind DIE Grundfertigkeiten, die den Bürger der modernen Demokratie auszeichnen. Aber wer sagt denn, dass die Kinder in Deutschland Chinesisch lernen oder die Kinder in China Türkisch? Nein: Die Chinesen lernen, Chinesisch zu lesen und zu schreiben, und in Deutschland sprechen und lesen und schreiben wir alle DEUTSCH!

Lesen jetzt Sie einen Aufsatz von Heike Schmoll aus der heutigen FAZ.

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Versuchsfeld Sprachförderung

Beim Spracherwerb und bei den entsprechenden Förderprogrammen
fehlt das Grundlagenwissen

Soeben hat die neue baden-württembergische Kultusministerin Warminski-Leitheußer (SPD) ein neues Sprachexperiment angekündigt: Sie will den muttersprachlichen Unterricht ins reguläre Schulangebot einführen. Andere Länder, allen voran die Niederlande, haben den muttersprachlichen Unterricht wieder abgeschafft, weil er vor allem jene Halbkenntnis in mehreren Sprachen hervorgerufen hat, die Frau Warminski-Leitheußer zu bekämpfen glaubt. Künftige Schüler aus eingewanderten Familien stammen aus der dritten oder vierten Einwanderergeneration. Sie sprechen häufig nicht mehr die Landessprache ihrer Eltern, sie wären dringend darauf angewiesen, möglichst gut Deutsch zu lernen. Sprechen sie zu Hause die Landessprache ihrer Eltern, muss alle Kraft auf Deutsch als Zweitsprache gelenkt werden.

Das hat die Kommission unter Jürgen Baumert gerade Baden-Württemberg nahegelegt. Wenn das Land überhaupt mit einem Ausländeranteil von 50 bis 70 Prozent in der Grundschule vorankommen will, wäre es am besten, auf Fremdsprachen zu verzichten und alle Energie ins Deutschlernen zu stecken. Der Effekt des Fremdsprachenlernens von der ersten Klasse an ist ohnehin zu vernachlässigen. Viele Lehrer an weiterführenden Schulen hatten große Probleme, die in der Grundschule eingeübten Fehler wieder auszumerzen. Nun aber hat die Regierung in Stuttgart gewechselt. Der nächsten Schülergeneration droht ein Sprachexperiment mit ungewissem Ausgang.

Solche Versuche auf dem Gebiet des Spracherwerbs sind gang und gäbe. In 16 Ländern gibt es mindestens 17 Sprachtests, deren Wirksamkeit kaum untersucht ist. Aber das ist nicht alles. Das Konzept eines koordinierten Forschungsprogramms „Sprachdiagnostik und Sprachförderung“, das von renommierten Sprachwissenschaftlern und Bildungsforschern im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung erarbeitet wurde und seit Februar vorliegt, zeigt, dass Bildungspolitiker zwar unaufhörlich von Sprachförderung reden, es aber so gut wie keine Grundlagenforschung gibt. Wir wissen also nicht, welche Programme, welche Konstellationen (Gruppengröße, Fortbildung der Erzieher), welche Lehrverfahren wirken und welche nicht.

Stattdessen werden neue Sprachförderprogramme kreiert, deren Wirksamkeit durch sogenannte Evaluationen getestet wird. In Wirklichkeit handelt es sich meist nicht um wissenschaftliche Evaluationen mit Langzeitstudien und Kontrollgruppen, sondern um eine punktuelle Messung geförderter und nicht geförderter Kinder. Es gibt eine Reihe von Stiftungen, die dabei nicht einmal einen Kompetenzunterschied zwischen geförderten und nicht geförderten Kindern erkennen konnten. Nur wenige hatten den Mut wie die Baden-Württemberg Stiftung, das auch zuzugeben. Die meisten anderen haben ihre Berichte lieber in den Schubladen verschwinden lassen. Selbst die Überlegenheit geförderter Kinder über nicht geförderte zu einem bestimmten Zeitpunkt ist kein Beweis für die Wirksamkeit einer Sprachförderung. Getestet werden müsste die Langzeitwirkung. Dazu aber fehlt es den Förderern häufig am Geld. Ganze Schülergenerationen müssen dafür herhalten, die gröbsten Fehler im Trial-and-Error-Verfahren zu erproben.

Die derzeit in Deutschland eingesetzten Sprachtests erfassen im Wesentlichen phonische und morphosyntaktische Basisqualifikationen, aber kaum semantische, literale und diskursive Sprachfähigkeit. Genau das wäre aber für deutschsprachige Kinder, die auch immer mehr Sprachdefizite aufweisen, wichtig. Zu den gesicherten Erkenntnissen gehört, dass die Sprachförderung früh beginnen und möglichst die ganze Bildungsbiographie begleiten soll. Denn viele Kinder und Jugendliche können nicht selbst sprechen und lesen, es fehlt ihnen auch die Fähigkeit, Sinn beim Zuhören zu entnehmen, es fehlt also die elementare Voraussetzung, dem Unterricht folgen zu können.

Die Forscher, darunter auch Psychologen und Naturwissenschaftler, verweisen darauf, dass nicht einmal klar ist, ob frühkindliche Sprachförderung während des gesamten Kindergartenalltags oder außerhalb des üblichen Gruppengeschehens zu bestimmten Zeiten wirkungsvoller ist. Unklar ist auch, wie groß eine Fördergruppe sein darf, wie die Erzieherinnen aus- und weitergebildet werden sollen. Viel zu wenig beachtet wurde bisher auch, um welche Adressaten es sich handelt: um Kinder mit Deutsch als Zweitsprache, deutschsprachige Kinder, Risikokinder, Kinder in einer bestimmten Altersgruppe. „Mit Bezug auf die Mehrsprachigkeit gilt es herauszufinden, welche Instrumente sich eignen, die Sprachlichkeit mehrsprachiger Kinder – mit Blick sowohl auf den Erwerbsprozess als auch auf die sprachlichen Anforderungen in der Schule aussagekräftig zu erfassen“, heißt es im Forschungskonzept. Sprachförderprogramme ohne vorhergehende, begleitende und nachfolgende Diagnostik sind ebenso wenig erfolgversprechend wie Sprachstandsfeststellungen ohne Bezug auf spezifische Fördermaßnahmen (das ist die Wirklichkeit in vielen Bundesländern). Bevor der Wildwuchs der Förderprogramme fortgesetzt wird, gilt es, deren Wirksamkeit zu untersuchen. Dann, so schlagen die Wissenschaftler vor, müsste es in jedem Bundesland eine zentrale Stelle geben, die über wirksame Tests und Fördermethoden Auskunft geben kann. Es könnte in Deutschland ruhig mehrere Tests und Fördermethoden geben, aber keine mehr, die allenfalls beschäftigungstherapeutische Qualitäten erreichen.

Unklar ist auch, wie Sprachentwicklung und Sprachdefizite in der Sekundarstufe I zu diagnostizieren sind. Genauso düster steht es um das Wissen über bildungssprachliche Fähigkeiten. Dabei geht es um die typische Schulsprache von der Grundschule an, die Kindern aus bildungsnahen Elternhäusern selbstverständlich vertraut ist, anderen aber nicht. Die Forscher schlagen deshalb konkrete Forschungs-Verbünde vor, die vorliegende Forschungsergebnisse etwa zu Deutsch als Zweitsprache und den frühkindlichen Spracherwerb einarbeiten, dann aber möglichst rasch die Defizite aufarbeiten. Von der Verwirklichung dieses koordinierten Forschungsprogramms hängt nicht nur die Ausbildung und Weiterbildung von Erziehern und Lehrern ab, sondern auch die Sprachfähigkeit künftiger Schülergenerationen. Bisher jedoch scheint es im Bundesministerium für Bildung und Forschung noch keinen Beschluss zur Verwirklichung zu geben.

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Time am 31. Mai 2011

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Lustig: http://www.youtube.com/watch?v=qwGWXyO9Gfc

Unser Philipp

19. April 2010

Der Weltkarte der Religionen (zum Vergrößern anklicken) kann man entnehmen, dass die Länder protestantischer Prägung (blau) zu den am höchsten entwickelten und wohlhabendsten der Erde gehören (Ääh… nun gut, Afrika versaut unsere Bilanz ein wenig). Einer der Begründer des Protestantismus jedenfalls, Philipp Melanchthon, starb heute vor 450 Jahren. Heike Schmoll erinnerte an ihn in der FAZ vom 17. April.

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Gelehrter und Lehrer

Der „kleine Grieche“, wie Luther ihn nannte, war Philologe mit Leib und Seele und nicht nur einer der besten Gräzisten seiner Zeit, sondern auch ein Theologe von Rang, der viel zur Unterscheidung von Glauben und Wissen beigetragen hat. Kaum eine Schule oder Universität in der Zeit der Reformation wurde ohne seine Mitwirkung gegründet. Ohne Philipp Melanchthon, der vor 450 Jahren starb, gäbe es den Protestantismus wohl nicht mehr.

Er war es, der Martin Luther dazu anregte, auf der Wartburg mit der Übersetzung der Bibel zu beginnen. Denn Melanchthon genügte es nicht, dass in deutscher Sprache gepredigt und Gottesdienst gehalten wurde. Der einfache Christ sollte die Bibel lesen und hören können, um selbst zu entscheiden, was eigentlich schriftgemäß ist. Wochenlang ging Melanchthon nach Luthers Rückkehr von der Wartburg Wort für Wort mit ihm durch, überprüfte das damals noch unvollständige Manuskript auf philologische Richtigkeit und ergänzte es. „Dieser kleine Grieche übertrifft mich sogar in der Theologie“, hatte Luther nur vier Monate nach der ersten Begegnung mit dem schmächtigen Gelehrten in Wittenberg gesagt. In der Tat war Melanchthon, der sich zeitlebens weigerte, in die theologische Fakultät zu wechseln, und mit Leib und Seele Philologe und akademischer Lehrer blieb, eine Verkörperung des reformatorischen Prinzips des Priestertums aller Gläubigen.

Melanchthon galt neben Erasmus von Rotterdam, der eine griechisch-lateinische Ausgabe des Neuen Testaments ediert hatte, als einer der besten Gräzisten seiner Zeit. Bildungs- und wissenschaftsgeschichtlich kann seine Bedeutung gar nicht hoch genug eingeschätzt werden, auch wenn die Theologiegeschichte ihn lange im Schatten Luthers ansiedelte und ihn geradezu als Verderber der lutherischen Rechtfertigungslehre schmähte. Kaum eine Schule oder Universität zur Reformationszeit wurde ohne Melanchthons Mitwirkung gegründet. „Qui Philippum non agnoscit praeceptorem, der muss ein rechter Esel und Bachant sein, den der Dunckel gebissen hat“, sagte Luther über den „Praeceptor Germaniae“, den Lehrer Deutschlands.

Philipp Melanchthon wurde am 16. Februar 1497 in der badischen Stadt Bretten geboren, damals direkt an einer Handelsstraße vom Rhein bis zum mittleren Neckar gelegen. Der Vater, Georg Schwartzerdt, war ein begabter Waffenschmied. Kurfürst Philipp der Aufrichtige von der Pfalz beförderte ihn als jungen Mann zu seinem Rüstmeister. Es war der Kurfürst selbst, der die Ehe zwischen seinem 35 Jahre alten Rüstmeister und der 16 Jahre alten Barbara Reuter, der Tochter eines wohlhabenden Textilhändlers aus Bretten, vermittelte. Zu Ehren des Kurfürsten nannten die Eltern ihren ersten Sohn Philipp. Der Vater hielt sich – wie viele Gebildete der damaligen Zeit – an die Astrologie. Gleich nach der Geburt seines Sohnes hatte er ein Horoskop anfertigen lassen, in dem es hieß, der Sohn solle sich vor der Ostsee hüten, denn er könne dort Schiffbruch erleiden. Melanchthon hielt sich zeitlebens daran, schlug Einladungen nach England, Kopenhagen oder Riga aus, weil er sich nicht auf See begeben wollte.

Weil der Vater oft auf Reisen war, wuchs Philipp mit seiner Mutter und den Geschwistern im Haus des Großvaters auf. Der erkannte bald die enorme Sprachbegabung seines Enkels. Wie Luther kam Melanchthon mit vier Jahren in die Schule. Als der Großvater von der Syphilis-Erkrankung des Schulmeisters erfuhr, behielt er seinen Enkel zu Hause und übergab ihn einem Hauslehrer, der Melanchthon schnell über die Anfangsgründe des Lateinischen hinausführte.

Der Tod des Großvaters und des Vaters binnen weniger Wochen war ein tiefer Einschnitt im Leben des Elfjährigen, der nun die Lateinschule in Pforzheim besuchte und bei der Schwester des Humanisten Johannes Reuchlin wohnte. Wegen seiner Studien zur Textkritik, zu Grammatiken und Lexika sowie zahlreicher Veröffentlichungen über griechische und hebräische Schriften galt Reuchlin als der Humanist, der sich die gesamte geistige Welt der Antike eigenständig anzueignen vermocht hatte. Er wurde Melanchthons Vorbild; Reuchlin verfolgte interessiert die Fortschritte des Zwölfjährigen. Als Anerkennung für einige lateinische Verse schenkte Reuchlin ihm am 15. März 1509 die griechische Grammatik des Konstantin Laskaris mit einer lateinischen Widmung. Die Schenkung kam einer Humanistentaufe gleich. Denn aus Schwartzerdt wurde nun Melanchthon – aus den Genitivformen von „melanos“ für schwarz und „chthonos“ für Erde.

Vermutlich auf Reuchlins Rat immatrikulierte er sich mit zwölf Jahren an der Universität Heidelberg, wo er bei Reuchlins Freund, dem Theologieprofessor Pallas Spangel, wohnte und diesem als Famulus diente. Wie an der mittelalterlichen Universität üblich, absolvierte Melanchthon zunächst das Grundstudium, also die sieben freien Künste, bestehend aus dem Trivium (Grammatik, Dialektik, Rhetorik) und dem Quadrivium (Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik). Der Stoff wurde durch offiziell festgelegte Lehrbücher vermittelt. Im Sommer 1512, nach dem Tod seines Gönners Spangel, ging Melanchthon nach Tübingen, um dort das Quadrivium zu beginnen und mit dem Magistergrad abzuschließen. Er wohnte und arbeitete in der Burse am Rand der Altstadt. Wichtiger als theologische Vorlesungen, die er als öde empfand, waren ihm seine Lektüre, vor allem die Schriften des Erasmus von Rotterdam, die Perfektionierung seiner griechischen Sprachkenntnisse sowie die geistigen Anregungen Reuchlins.

Schon im Mai 1518 veröffentlichte Melanchthon eine eigene griechische Grammatik, die ganz offenkundig aus seinen Lehrveranstaltungen in Tübingen hervorgegangen war. Sie folgt insofern einem neuen pädagogischen Genus, als sich Melanchthon zugleich als Lehrender wie Lernender begreift und ein Lehrbuch aus der Perspektive des Lernenden schreibt.

Trotz seiner pädagogischen Erfolge strebte er fort. Die Tübinger Lehrtätigkeit hinderte ihn an freier Wissenschaft. Reuchlin wusste von der Unzufriedenheit seines Schützlings. Als der sächsische Kurfürst Friedrich der Weise ihn nach einem Gräzisten für den neuen Lehrstuhl der 1502 gegründeten Universität in Wittenberg fragte, verwies er auf Melanchthon, der nächst dem Holländer Erasmus der begabteste Gelehrte sei. Luther und andere hätten lieber den Leipziger Gräzisten Petrus Mosellanus nach Wittenberg berufen, doch der Kurfürst hielt sich an Reuchlins Empfehlung und holte Melanchthon. Schon Ende Juli 1518 trennte er sich von seinem Förderer und brach zu einer vierwöchigen Reise ins das mehr als 700 Kilometer entfernte Wittenberg auf.

Nur wenige Tage nach seiner Ankunft, am Samstag, den 28. August, hielt Melanchthon vor Luther und einem großen Auditorium in der Schlosskirche seine Antrittsvorlesung „Über die Studienreform“ („De corrigendis adulescentiae studiis“). Der schmale und schüchtern wirkende junge Mann mit seiner hängenden Schulter, mit der schnarrenden Stimme und leicht lispelnden Redeweise zeigte sich als Vorkämpfer der Renaissance und versetzte seine Hörer in Begeisterung. Melanchthon kritisierte die scholastische Philosophie, das veräußerlichte Zeremonienwesen der Kirche und geißelte die Unkenntnis der alten Sprachen, die ihm als Unbildung und Barbarei erschien: Die Studenten der Artistenfakultät wollten keine Grammatik und Logik mehr lernen, sondern sofort die brennenden Heilsfragen studieren, die aber einer der obersten Fakultäten – der Theologie – vorbehalten waren und ohne die nötigen Grundkenntnisse geradewegs in die Schwärmerei führten. Wer nichts von der Sprachwissenschaft wissen wolle, „renne wie ein Schwein in die Rosen“, sagte Melanchthon später. Und er war davon überzeugt, dass Barbarei und Unglaube einander bedingten.

Griechisch zu lernen galt damaligen Studenten als arrogant, das Hebräische als unsicher, überhaupt erschien die Mühe den meisten größer als der Nutzen. In den Wirren des Übergangs zur Neuzeit waren mit dem Zerfall der Studiendisziplin auch die akademischen Grade verpönt: „Jetzt sind alle jene Grade zerbrochen, und man treibt es ohne Ordnung. Wie Pilze schießen plötzlich Theologen, Juristen und Mediziner auf, ohne Grammatik, ohne Dialektik, ohne Plan im Lernen“, kritisierte Melanchthon. Den Studenten legte er nahe, zu den Quellen zurückzukehren und sich nicht mit Sekundärtexten zu begnügen. Denn die „Missachtung des Griechischen, die Unkenntnis der Mathematik und die Verwahrlosung der Theologie gehen Hand in Hand“. Diese Erkenntnis war die Grundlage für die Entwicklung des reformatorischen Schriftprinzips.

Leitend für die umfassende Bildung, die er Studenten der Artistenfakultät nahelegte, war das gezielte Studium der Quellen: „Aus den besten Autoren wähle das Beste, sowohl was die Kenntnis der Natur als auch die Bildung der Persönlichkeit betrifft.“ Melanchthon verdammte das maßlose Hören und Lesen, weil es die Urteilsfähigkeit trübe. Stattdessen legte er den Studenten nahe, ihren Verstand durch einen klaren Stil zu schärfen. Pietas und Eruditio, Glaube und Bildung, wurden durch ihn zu einer unaufgebbaren Einheit. Melanchthon machte die Unterscheidung von Glauben und Wissen handhabbar – und das war für die Geschichte der Theologie so wichtig wie die von ihm initiierte akademische Ausbildung der Pfarrer.

An die theologische Fakultät wollte er nicht wechseln, obwohl ihm Luther und andere nahelegten, den untersten theologischen Grad, den Baccalaureus biblicus, zu erwerben, der ihn verpflichtete, biblische Bücher im Überblick zu behandeln. In seinem zu dieser Prüfung formulierten Syllogismus begründete Melanchthon die alleinige Geltung der Bibel für die Lehre der Kirche: „Ein Katholik muss keine anderen Lehrsätze glauben, als die von der Schrift bezeugt werden. Die Autorität der Konzile steht unter der Autorität der Schrift. Also ist es noch keine Ketzerei, wenn man nicht an das unauslöschliche Siegel (der Taufe und der Priesterweihe), an die Wandlung (von Brot und Wein in der Eucharistie) und an dergleichen glaubt.“ Das sei „kühn, aber wahr“, kommentierte Luther, denn sein „Graeculus“ hatte damit zwei Grundpfeiler katholischer Frömmigkeit erschüttert: das Priestertum und den Messgottesdienst.

Promoviert wurde Melanchthon nicht. Er zog es vor, als Magister an der Artistenfakultät für eine breite Grundbildung zu sorgen. Spätestens da wurde klar, dass Melanchthon sich ganz der reformatorischen Bewegung Wittenbergs verschrieben hatte. Einem letzten Versuch Reuchlins, ihn dem Zentrum des Protestantismus zu entziehen und für eine Berufung nach Ingolstadt zu gewinnen, begegnete Melanchthon mit den Worten: „Ich muss bei allem mehr ins Auge fassen, wohin mich Christus zieht, als wohin mich mein Verlangen rufen möchte.“ Als sein humanistischer Lehrer 1522 als treuer Katholik in Stuttgart starb, hatte er Melanchthon, dem ursprünglich seine kostbare Bibliothek zugedacht war, enterbt.

Melanchthons Hauptwerk jener Zeit, „Allgemeine Grundbegriffe theologischer Sachverhalte oder theologische Entwürfe“ („Loci communes rerum theologicarum seu hypotyposes theologicae“) genannt, bündelte systematisch die reformatorische Verkündigung und Lehre auf biblischer Grundlage. Im Zentrum stand die reformatorische Lehre von der Rechtfertigung. Die „Loci“ waren ein großer Erfolg. Nach der ersten Drucklegung 1521 folgten 18 Nachdrucke. Melanchthon war damit als theologische Autorität neben Luther getreten, der ihm entsprechenden Respekt entgegenbrachte: „Wer heute Theologe werden will, hat zwei große Vorteile: Zum Ersten hat er die Bibel, die er nun ohne große Hindernisse lesen kann. Daneben hat er die Loci von Philippus. Er lese sie fleißig und gründlich, so dass er sie ganz im Kopf hat. Wenn er die zwei hat, dann ist er ein Theologe, dem weder der Teufel noch ein Ketzer etwas abbrechen kann“, sagte Luther bei Tisch.

In Wittenberg kümmerte sich Melanchthon allerdings nicht nur um die Theologie, sondern auch um die Förderung der Naturwissenschaften, um Physik, Astronomie, Mathematik und Medizin. Das ging nicht ohne hervorragende Griechischkenntnisse, denn die gesamte Naturwissenschaft war durch griechischsprachige Autoren repräsentiert. Um für die Naturwissenschaften zu werben, ließ Melanchthon einmal im Monat über entsprechende Themen disputieren. Er selbst sammelte Landkarten und pflegte nicht nur historische, sondern auch geographische Interessen – er war es, der Geographie als Schulfach etablierte.

Melanchthons Vorlesungen waren bald besser besucht als die Luthers. Er war ein begabter Pädagoge, der eine Mischform zwischen Vorlesung und Übung in der Lehre einführte, Fragen aufzunehmen versuchte, praktische Hilfen anbot und den Stoff so anschaulich wie möglich vermittelte. Er verfügte, modern ausgedrückt, über eine hohe fachdidaktische Begabung. Fortwährende Forschung befruchtete seine Lehre. Kurz nach seiner Heirat gründete er 1519/20 eine Privatschule. Die oft noch sehr jungen Studenten wohnten, lernten, lebten und aßen im Haus des Lehrers, der für einen fast klösterlich-festgelegten Ablauf des Tages mit Vorlesungen, Übungen und Zeiten zum eigenständigen Lernen sorgte. Weil er sich nicht nur begabte Studenten aussuchen konnte, sondern auch die Kinder angesehener Persönlichkeiten aufnehmen musste, hatte er es mit einer äußerst gemischten Gruppe zu tun. Für die Studenten mit Minimalkenntnissen verfasste er kurzerhand ein Handbuch für den Elementarunterricht („Enchiridion elementorum puerilium“) mit Vaterunser, Glaubensbekenntnis, Bibeltexten und den Aussprüchen der klassischen Antike.

Als Rektor der Wittenberger Universität setzte Melanchthon 1523/24 eine neue Studienordnung für die Artistenfakultät durch, die im Bologna-Zeitalter geradezu neuzeitlich wirkt. Jeder Student bekam einen Tutor, einen Pädagogen, der seinen individuellen Studienplan festlegte, ihm antike Schlüsseltexte für seine intellektuelle und persönliche Entwicklung vorschrieb, die Fortschritte überprüfte, schriftliche Übungen korrigierte und auf die Lebensführung seines Studenten achtete. Zweimal im Monat gab es Deklamationen (Redeübungen).

Während seines Rektorats ordnete Melanchthon die Verwaltung, die Studienorganisation, die Leistungsnachweise und die Berufung von Hochschullehrern neu, wobei er wiederum dafür sorgte, dass die naturwissenschaftlichen und medizinischen Fächer gut vertreten waren. Er selbst las montags Dialektik, dienstags über Ciceros „De officiis“, mittwochs und samstags Geschichte, am Donnerstag über den Kolosserbrief, am Freitag über das Konzil von Nikaia. An den Sonn- und Feiertagen legte er das Tagesevangelium vor dem Gottesdienst lateinisch aus. Nach seinem Tod mussten die Vorlesungen auf mehrere Kollegen verteilt werden.

Melanchthon war ein Polyhistor, der die gesamte Bildung seiner Zeit zu bündeln wusste. Bei der Gründung der Universitäten in Marburg 1527, in Königsberg 1544 und den Universitätsreformen in Tübingen (1535), Leipzig (1539), Frankfurt an der Oder (1540) und Heidelberg (1557) wurde der Wittenberger zu Rate gezogen. Melanchthon war kein weltfremder Stubenhocker, sondern ging während und nach dem Bauernkrieg daran, städtische Lateinschulen zu gründen oder neu zu organisieren. Die erste Schule entstand in Eisleben, die nächste in Magdeburg, es folgte eine Stadt nach der anderen, darunter Goslar, Lüneburg und Nürnberg. In Nürnberg sollte die Lateinschule das gesamte Programm der Artistenfakultät vermitteln.

An den übrigen Schulen teilte Melanchthon die Schüler in drei „Haufen“ ein. In der ersten Stufe wurden Lesen, Schreiben und Latein gelehrt, in der zweiten Stufe die lateinische Grammatik, einfache lateinische Texte sowie das Schreiben lateinischer Verse und Reden mit viel Auswendiglernen. Auf allen Stufen dienten Musik und Bewegung zur Auflockerung des Unterrichts. In der dritten Gruppe mussten die Schüler lateinische Gedichte und Reden verfassen, Rhetorik und Dialektik wurden gelehrt, Vergil, Ovid, Cicero gelesen und neben Musik auch Mathematik unterrichtet. Wer wollte, konnte auch Griechisch und Hebräisch erlernen. Es ging Melanchthon nicht nur um die Eliten, sondern um die Bildung der breiten Masse, auch um die Bildung der Mädchen – um Bildung und Kultur im umfassenden Sinn.

„Deshalb kann kein Zweifel bestehen, dass der Lebensform des Lehrens und Lernens das größte Wohlgefallen Gottes gilt und dass den Schulen im Blick darauf der Vorrang vor Kirchen und Fürstenhöfen gebührt, weil man in ihnen mit größerem Einsatz nach der Wahrheit strebt“, äußerte Melanchthon. Dieser Überzeugung entsprach die Rede Luthers „An die Ratsherren aller Städte deutsches Landes, dass sie christliche Schulen aufrichten und halten sollen“ (1524). Es war nur konsequent, dass Melanchthon nicht nur Leitfragen für schulische Visitationen entwickelte, sondern auch für die Visitation der Pfarrer. Manche unter ihnen waren halbe Analphabeten, die einfach die Messliturgie auswendig gelernt hatten, aber zu keinem theologischen Gedanken fähig waren. Viele Pfarrer lebten im Konkubinat und waren dem Alkohol verfallen.

Als Intellektueller setzte er auf Argumente und litt darunter, in die unvermeidlichen theologischen Dispute der Zeit hineingezogen zu werden. Was er etwa vom ewigen Streit über die richtige Abendmahlsauffassung zwischen Luther und Zwingli im Jahre 1529 hielt, gab er deutlich zu erkennen: „Die beiden Männer, Luther und Zwingli, können nicht übereinstimmen, welches doch mein sehnlichster Wunsch wäre. Da disputieren sie über das Abendmahl, gleich als ob sie in den Himmel gesehen und Jesum gefragt hätten, wie er die Worte ,Das ist mein Leib‘ verstanden habe. Sie werden es hier auf Erden doch nicht ausmachen, und es gehört auch wohl nicht für uns Schwache, alles ergrübeln und erforschen zu wollen. Genug, wenn wir nur wissen und glauben, was zu unserem Heil nötig ist. Das Übrige macht nur krank, woran der Herr keinen Gefallen hat.“

Melanchthon blieb nichts anderes übrig, als bis zu seinem Tod von einem Reichstag zum nächsten Religionsgespräch zu hetzen und zu disputieren. Die von den evangelischen Ständen 1530 auf dem Reichstag in Augsburg vorgelegte Confessio Augustana ist sein Werk. In seinem Ringen um die Einheit der Christenheit ist er am Ende gescheitert. Der Auseinandersetzungen auch im eigenen Lager überdrüssig, sehnte er den Tod herbei.

Um 1540 war er in eine der größten Krisen seines Lebens geraten. Gemeinsam mit Luther hatte er Landgraf Philipp von Hessen die von ihm gewünschte Doppelehe mit einer 17 Jahre alten Hofdame genehmigt, obwohl auf Bigamie nach dem Reichsrecht die Todesstrafe stand. Im Gegensatz zu Luther erkannte Melanchthon, wie unglaubwürdig die Sache der Reformatoren dadurch geworden war. Denn geheim halten ließ sich das nicht. Hinzu kamen die Sorgen um die unglücklich mit seinem ehemaligen Schüler, dem Gründungsrektor der Königsberger Universität, Georg Sabinus, verheiratete Tochter, die mit 24 Jahren nach der Geburt ihres sechsten Kindes starb.

Von der „rabies theologorum“, der Wut der Theologen, befreit, „werde ich gern aus diesem Leben scheiden, wenn Gott es will, und wie der nächtliche Wanderer das Morgenrot ersehnt, so erwarte ich begierig das Licht der himmlischen Akademie“, schrieb Melanchthon resigniert vor seinem Tod. Doch er musste noch eine Weile weiter streiten. Vor 450 Jahren, am 19. April 1560, starb Melanchthon in Wittenberg.

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Wilhelm Schwendemann schreibt überdies (1): „Philipp Melanchthon hatte keine Probleme mit der Literatur des Judentums und dem zeitgenössischen Judentum selbst. Das ist für die Reformationszeit, man erinnere sich an Luthers Schriften gegen die Juden, keinesfalls selbstverständlich. (…) Die jüdische Mystik (Kabbala) war in ihrer Semantik Melanchthon fremd, obwohl er durchaus die Kabbala positiv beurteilen konnte. Seine rhetorischen Vorbilder waren eher Cicero, Terenz oder Livius… Trotzdem praktizierte Melanchthon eine für die Reformationszeit auffällige Toleranz: Er gehört zu den wenigen Menschen des 16. Jahrhunderts, die gegen Judenverfolgungen waren. (…) … was von ihm bleibt, ist eine Uridee von Toleranz und gemeinsamer Solidarität, die im christlichen Humanismus und in den Reformationsschriften Luthers aus dem Jahr 1520 wurzeln. Die Auslegung der hebräischen Bibel nötigt dem Humanisten und Reformator Melanchthon tiefen Respekt ab und fordert zur Vergegenwärtigung einer gemeinsamen Geschichte von Juden und Christen auf. Ein Gedanke dämmert bei Melanchthon auf, der verlorengegangen ist und auch im heutigen jüdisch-christlichen Dialog keine Rolle spielt, daß Judentum und Christentum eine gemeinsame Wurzel haben, nämlich das biblische Israel.“

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Time am 19. April 2010

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1) http://www.die-badner.de/artikel/badenser_melanchton_juden.html
auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Melanchton

Das Melanchthonportrait (Ausschnitt) ist von Lucas Cranach d.Ä. v. 1548.

Wartet mal 25 Jahre – aber dann!

12. Februar 2010

Dass die Säkularisierung in der Türkei gescheitert ist, nannte Karen Krüger in der FAZ vom 10. Februar als Argument gegen die Erhaltung des Säkularismus in Europa durch verschärfte Maßnahmen staatlicherseits. Sie schrieb weiterhin:

„Warum… vertraut man in Europa nicht auf jene Werkzeuge, die geschaffen wurden, um den negativen Erscheinungsformen des Islam und einer von ihnen durchtränkten Mentalität Einhalt zu gebieten. In Deutschland gibt es sie mit der Islamkonferenz, dem Zuwanderungsgesetz und bald auch mit der Imamausbildung an deutschen Universitäten. Sie mögen verbesserungsfähig sein. Doch dass es sie gibt, lässt mancher deutsche Islamkritiker außer Acht.“ (1)

Durch einen ausführlichen Artikel Heike Schmolls in der heutigen Ausgabe der FAZ, in der sie das Thema der  „Zentren für Islamische Studien“ weiterbearbeitet (2), wird m.E. der ganze Irrsinn der Krügerschen Auffassung deutlich. Besonders diese Passage sagt viel: „Es wird mindestens eine GENERATION dauern, bis der akademische Nachwuchs so aufgebaut ist, dass die Zentren mit vier bis fünf Professuren besetzt werden können…“. Eine Generation, sind das nicht 25 Jahre? Na super, und dann haben wir 5 (FÜNF!!!) Professoren (!!!), die wir gegen dem Jihad entgegenschleudern können. Da wird er aber zittern, der Jihad!

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Muslimische Selbstauslegung

Die Schwierigkeiten bei der Etablierung von Zentren
für islamische Studien an Universitäten

Die Empfehlung des Wissenschaftsrats, an zwei bis drei Universitäten sogenannte Zentren für Islamische Studien zu etablieren, ist in erster Linie als Empfehlung zur akademischen Religionslehrer- und Imamausbildung verstanden worden. Aber das ist nicht alles. Schließlich besteht auch die christliche Theologie mit guten Gründen nicht nur aus Praktischer Theologie (Seelsorge und Religionspädagogik). Die kritische muslimische Selbstauslegung auf Vermittlungsaufgaben in Schulen oder Gemeinden zu beschränken wäre eine unangemessene Verkürzung, die der Wissenschaftsrat schon aus Paritätsgründen mit den christlichen und jüdischen Theologien nicht wollen konnte. Die akademische Aufwertung der muslimischen Selbstauslegung musste schon aus verfassungsrechtlichen Gründen (Selbstbestimmungsrecht der Religionen) in Form eines Selbstvertretungsanspruchs an der Universität konstruiert werden. Daher sind die Zentren für islamische Studien auch vom Anspruch der Islamwissenschaften, die gewissermaßen aus religionswissenschaftlicher Perspektive forschen und lehren, zu unterscheiden. Die Differenz zwischen islamischen Studien und Islamwissenschaften genau zu fassen war auch während der drei Jahre währenden Bearbeitungsphase in der Arbeitsgruppe des Wissenschaftsrats ein Lernprozess.

Zumindest in der Anfangsphase wird dennoch ein Drittel der Lehre von Islamwissenschaftlern übernommen werden müssen; das gilt etwa für islamische Geschichte und Philologien. Es wird mindestens eine Generation dauern, bis der akademische Nachwuchs so aufgebaut ist, dass die Zentren mit vier bis fünf Professuren besetzt werden können, zunächst wird wohl mit einer einzigen begonnen werden müssen. Denn es ist nicht leicht, geeignete Kandidaten zu finden. Nach den Vorstellungen des Wissenschaftsrats müssen sie nicht nur ausgewiesene muslimische Fachwissenschaftler sein, sie sollen den akademischen Anforderungen hierzulande genügen, auf Deutsch lehren können und dann auch noch mit den muslimischen Beiräten kompatibel sein. Für die Zentren sind insgesamt vier Professuren vorgesehen, die Kosten liegen bei 1,5 Millionen Euro.

Auch wenn jetzt schon die Universitäten in Osnabrück, Heidelberg, Tübingen und Münster den Finger heben und ein entsprechendes Zentrum aufbauen wollen, wird das so schnell nicht gehen. Nur das Centrum für Religiöse Studien (CRS) in Münster hatte schon bisher die Konstruktion gewählt, die der Wissenschaftsrat allein aus verfassungsrechtlichen Gründen vorschlagen musste: die Institutionalisierung eines Beirats, in dem muslimische Verbände und Muslime des öffentlichen Lebens beteiligt sind.

Die Münsteraner haben längst die Erfahrung machen müssen, dass es viel leichter ist, Geld für islamische Studien zu beschaffen, als die geeigneten Professoren zu finden. Die prekäre Lage hat sich schon bei der Berufung Muhammad Sven Kalischs für die islamische Religionslehrerausbildung in Münster gezeigt, der als konvertierter Protestant der einzige geeignete Kandidat zu sein schien. Seine Habilitationsschrift ist unter Islamwissenschaftlern anerkannt. Bei der Berufung war nicht abzusehen, dass er bald die Existenz des Propheten Mohammed bestreiten würde. Nun haben die Münsteraner gerade eine Berufungsliste für den zweiten Lehrstuhl neben Kalisch verabschiedet. Es ist eine Zweierliste. An einem Überangebot geeigneter Kandidaten litt das CRS offensichtlich nicht. Nun müssen die muslimischen Verbände zum Erstplazierten Stellung nehmen. Die Beiräte sieht der Berliner Islamwissenschaftler und Publizist Ralph Ghadban als größte Hürde. Wenn die „problematischen“ muslimischen Verbände ein entscheidendes Wort mitzureden hätten, sei das Ziel verfehlt, einen toleranten Islam in den Schulen und an den Universitäten zu vermitteln. Niemand bestreitet, dass die Mitarbeit in den Beiräten zu einer harten Bewährungsprobe für muslimische Verbände werden kann, dass manche sich ihr auch verweigern werden. Wegen des Selbstbestimmungsrechts der Religionen kann aber keine Universität auf sie verzichten. Der Berner Islamwissenschaftler Reinhard Schulze, der in der Arbeitsgruppe des Wissenschaftsrats mitgearbeitet hat, berichtet über die Erleichterung unter Schweizer Imamen darüber, dass der Islam aus seinem Nischendasein hinausgelangt und auf diese Weise die Anerkennung als gleichberechtigte Religionsgemeinschaft erfahren hat. Denn in den muslimischen Gemeinden ist längst ein Machtkampf um die Deutungshoheit des Islam ausgebrochen. Vor allem deutsche Konvertiten melden sich zu Wort und fördern teilweise auch sektiererische Tendenzen.

Inzwischen führen die ersten interessierten Universitäten wie Tübingen, das seine Orientalistik und Religionswissenschaften, dazu die theologischen Fakultäten beider Konfessionen und das Modell Weltethos des katholischen Theologen Küng hervorhebt, Gespräche mit islamischen Gemeinden und Verbänden. Nichts wäre schädlicher für das gesamte Vorhaben, als gleich an Trialoge zu denken, weil sie die Fiktion aufrechterhalten, es gehe um denselben Gott der drei monotheistischen Religionen. Das ist theologisch nicht haltbar. Eine Voraussetzung für die Einrichtung eines Zentrums für islamische Studien sind allerdings starke theologische Fakultäten, möglichst beider Konfessionen. Sie sollen gewissermaßen als Modell für den akademischen Umgang mit der eigenen Tradition dienen. Zugleich müssen starke Islamwissenschaften vorhanden sein, die dazu noch selbstkritisch genug sind, mit den Professoren der islamischen Zentren nicht in einen Kampf um die Deutungshoheit einzutreten.

Der Islamwissenschaftler Schulze sieht deshalb auch für die Islamwissenschaftler neue Herausforderungen. Sie müssten die Offenheit besitzen, die Selbstauslegung der Muslime als akademische Disziplin anzuerkennen. Langfristig werde sich deshalb auch die Islamwissenschaft neu positionieren müssen – spätestens im Kampf um Ressourcen. Dazu hat die Arbeitsgruppe des Wissenschaftsrats, in der Schulze mitgearbeitet hat, keine Empfehlungen gegeben. Eine Auseinandersetzung mit der älteren orientalistischen Tradition, die sich einst aus der Begeisterung für Goethes West-östlichen Divan und die Orientreisenden des 18. und 19. Jahrhunderts speiste, steht noch bevor.

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Apropos „deutscher Orientalismus“, das ist ja leider ein synonymer Begriff für „intellektueller Mohammedanismus“. Heute berichtet Raphael Gross, der Direktor des Jüdischen Museums Frankfurt von der tief verwurzelten anti-jüdischen Gesinnung des gefeierten Kloranübersetzers Rudi Paret:

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Falsche Freunde

Der Fall des Orientalisten Rudi Paret

Der W. Kohlhammer Verlag aus Stuttgart druckt bereits in der zehnten Auflage ein 1957 entstandenes Büchlein zur Einführung in den Islam: „Mohammed und der Koran“. Verfasst hat dieses Taschenbuch der Orientalist und Autor der bis heute maßgeblichen deutschen Übersetzung des Korans: Rudi Paret. Wer sich knapp über den Islam oder den Koran informieren will, scheint hier bei einem Klassiker zu landen.

Das Büchlein wirkt zunächst so unverdächtig, dass man unterstellen könnte, der Verlag hat es selbst auch über Jahrzehnte einfach blind neu aufgelegt. Über die Sprache des Autors bin ich dann allerdings doch gestolpert und wurde misstrauisch: Rudi Paret beschreibt in seinem Buch, wie im siebten Jahrhundert drei jüdische Stämme von Mohammed im Siedlungsgebiet in Medina nacheinander „angegriffen, belagert und niedergekämpft“ wurden. Alle Männer, so führt er aus, „sollten dem Tod verfallen“, die Frauen und Kinder wurden versklavt, etwa sechshundert „abgeschlachtet“. Auffällig ist dann die Art und Weise, in der Paret diese geschichtlichen Vorgänge einer ausführlichen Beurteilung unterzieht. Es sei, so meint er, gar nicht leicht, das richtige Urteil zu finden. Man neige von vornherein dazu, Mohammed und den Muslimen mehr Schuld zuzuschieben als den Juden. Das aber hält er für voreilig und kommt auf den Punkt. Die Juden Medinas hätten jederzeit gefährlich werden können. Zudem seien die Gepflogenheiten in der damaligen Kriegsführung in mancher Hinsicht brutaler gewesen, als wir es im „Zeitalter der Genfer Konventionen“ gewohnt seien. So sei Mohammed in der Meinung seiner Zeit zwar für das Fällen von etlichen Palmen schuldig gesprochen worden, nicht aber dafür, dass er an einem einzigen Tag mehr als ein halbes Tausend Juden „über die Klinge hat springen lassen“.

Solche Sätze sind bei Rudi Paret keine Seltenheit. Die Juden mussten massakriert werden, da sie, in seiner Sprache, in Medina angeblich einen „Fremdkörper“ darstellten. Historisch richtig ist allerdings, dass im siebten Jahrhundert drei jüdische Stämme in Medina gelebt haben – sie waren dort also breit verankert. Paret sieht in ihnen trotzdem einen jederzeit entflammbaren „Gefahrenherd“. So schafft er Verständnis für das Massaker und wird noch deutlicher: „Die Judenfrage als solche war damit noch nicht endgültig geklärt.“ Dreizehn Jahre nach dem Holocaust fällt Paret in seiner Beschreibung des Massakers an den Juden im siebten Jahrhundert plötzlich in die Diktion des nationalsozialistischen Antisemitismus. Er spricht von Juden als „Gefahrenherd“, „Fremdkörper“ und beschwört eine Klärung der angeblichen „Judenfrage“.

Es stellt sich die Frage, wer denn der Autor dieses Taschenbuches ist, das der Kohlhammer Verlag so fleißig immer wieder neu auflegt? Geboren wurde Rudi Paret als Sohn eines Pfarrers in Wittendorf 1901; er starb 1983 in Tübingen. Nach dem Studium der Theologie wechselte er zur Orientalistik. 1926 habilitierte er sich in Tübingen. Von 1940 an hatte er den Lehrstuhl für Semitistik und Islamkunde an der Universität Bonn inne. Neben der Orientalistik interessierte er sich auch für das Judentum: Er war zum Beispiel Mitglied des deutsch-christlichen „Instituts zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben“ in Eisenach. Sein heute noch aufgelegtes Mohammed-Büchlein zeigt, dass er damals gewiss nicht aus Opportunismus Mitglied geworden war. Im Gegenteil: In Mohammed erkannte er offenbar mit viel Empathie einen Vorkämpfer der Beseitigung des jüdischen Einflusses. Unter Rommel diente Paret im Afrikakorps für die Nationalsozialisten als Dolmetscher, bis er in amerikanische Kriegsgefangenschaft geriet. Von 1951 an war er wieder Professor: In Tübingen lehrte er bis 1968 Semitistik und Islamkunde und arbeitete an seiner berühmten Koran-Übersetzung.

Es ist erstaunlich, dass im Verlag W. Kohlhammer bisher niemand die Frage gestellt hat, ob man ein solches Buch weiter verkaufen sollte. Man lernt hier zwar womöglich manches über Mohammed und den Koran – noch mehr aber über ein Fortwirken des Antisemitismus in der deutschen Orientalistik. Auch die freundliche Bewunderung einer anderen Religion und Kultur kann ihre Wurzeln in Hass und Ressentiment haben.

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Tilman Nagel, einer der wenigen kritischen deutschen Orientalisten, hält Parets Übersetzung übrigens für nicht empfehlenswert (3):

„Was den Koran angeht – die weitverbreitete Übersetzung von Rudi Paret würde ich nicht nehmen, sie ist für Menschen, die Arabisch können. Wer den Koran einfach lesen will, nimmt am besten die uralte Übersetzung von Henning, die bei Reclam erschienen ist. Bei den neuen muss man aufpassen, da werden zum Teil Dinge hineingelegt, die nicht drinstehen. Ich habe einmal eine saudiarabische Übersetzung ins Englische gelesen, und bei einer Sure, in der die Frauen aufgefordert werden, sich züchtig zu kleiden, standen lange Anmerkungen darüber, was das genau bedeutet.“

Dr. Ali Sina ist da drastischer (4): „Die englischen Übersetzungen sind nämlich alle verfälscht, um die Gewalt und schamlose Bosheit von Mohammed und seiner Hassbotschaft vor Nicht-Moslems zu verbergen. Das ist den Übersetzern nicht vollständig gelungen, aber bevor Du dieses Buch nicht in seiner Originalsprache liest, kannst Du den hohen Grad der Gewalt darin nicht erkennen.“

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Ich meine, ich renne auch nicht bewaffnet durch die Straßen Bagdads, obwohl das vielleicht angebracht wäre. Aber wenn man nicht das Richtige tun kann, dann sollte man wenigstens nicht im Weg rumstehen. Und wenn man über den Orient bzw. angrenzende Themen SCHREIBT, dann sollte man überlegen, ob man gegen den Jihad schreibt, oder aber für ihn, z.B. indem man ihn kleinredet. Dazwischen gibt es nichts, das sollte grade so eine junge und geistreiche Frau wie Karen Krüger begreifen (5). Ich glaube allerdings nicht, dass sie dafür noch 25 Jahre Zeit hat.

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Time am 12. Februar 2010

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PS.: Einen lesenswerten Aufsatz von Amir Haasan Cheheltan über die Bedeutung des Erdöls für das Regime in Naziran finden Sie unter:
http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437BAA85A49C26FB23A0/Doc~E8A89F4B098BC447BB9D107A727BF8855~ATpl~Ecommon~Scontent.html_____

1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/02/10/its-just-the-nazislam-stupid/
2) https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/02/03/prof-dr-moh/
https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/02/01/der-deutsche-funfzigjahresplan/
https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/02/11/vertrauen-sie-blinden-fuhrern/
3) http://diepresse.com/home/panorama/religion/521871/index.do
4) https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/02/09/gute-und-schlexte-texte/
5) http://www.faz.net/s/RubD87FF48828064DAA974C2FF3CC5F6867/Doc~EC2E113A4274942ADB1FCD2F81FC4E2F3~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Norbert Lachner bei BPE über Islamunterricht: http://bpeinfo.wordpress.com/2010/02/12/islam-unterricht-an-deutschen-schulen-–-hintergrunde-und-uberlegungen/#more-1722

Der deutsche Fünfzigjahresplan

1. Februar 2010

In den Niederlanden spitzt sich die Situation zu. Counterjihadi Geert Wilders wird vermutlich der nächste Regierungschef. In einigen Städten herrschen schon bürgerkriegsähnliche Verhältnisse (Zaltbommel, Culemborg – 1), und die Mohammedanisten müssen daher mit entschlossenen Maßnahmen rechnen.

In Deutschland setzt man – und das ist nicht zuletzt dem kooperativen deutschen Wesen geschuldet – auf sehr langfristige Maßnahmen, um derartiges zu vermeiden.

Der „Wissenschaftsrat“ (2), Deutschlands wichtigste wissenschaftspolitische Institution, hat eine stärkere Verankerung der diversen Theologien im staatlichen Hochschulsystem empfohlen. Dies ist seltsam insofern, als dass sich, wie Heike Schmoll in der heutigen FAZ schreibt, „die Studentenzahlen an den theologischen Fakultäten in den vergangenen zwanzig Jahren nahezu halbiert haben und die Theologien im Gesamtgefüge der Universität, vor allem in den Exzellenzinitiativen, keine tragende Rolle spielen…“

Ich denke daher, Zielgruppe sind hier vor allem die Mohammedanisten. Ihren Hasspredigern soll eine Phalanx mohammedanistischer Theologen entgegengestellt werden, die zumindest in Ansätzen wissenschaftliche Methoden zulassen. Lesen Sie hier die Ausführungen von Frau Schmoll:

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Plädoyer gegen die theologische Abschottung

Der Wissenschaftsrat hat sich in einem umfangreichen Empfehlungspapier eindeutig für eine stärkere Verankerung der Theologien im staatlichen Hochschulsystem ausgesprochen. Das gilt auch für islamische Studien und für die Ausbildung von Imamen.

In Deutschland müssen aufgeklärte islamische Theologen an Universitäten ausgebildet werden können, um eine wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen und Religionslehrer zu werden, die in nächster Zukunft gebraucht werden. Darüber herrscht längst politischer Konsens. 700 000 muslimische Schüler werden an deutschen Schulen unterrichtet, es würden also etwa 2000 Fachlehrer für den Religionsunterricht in allen Schularten benötigt. Schulversuche zum islamischen Religionsunterricht gibt es in Bayern, Niedersachsen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen.

Der Wissenschaftsrat, der die Bundesregierung und die Regierungen der Länder in Wissenschaftsfragen berät, hat nun in seinen „Empfehlungen zur Weiterentwicklung von Theologien und religionsbezogenen Wissenschaften an deutschen Hochschulen“ zum ersten Mal ein Konzept für den Ausbau islamischer Studien vorgelegt. Der Sinn der Institutionalisierung islamischer Studien liege darin, eine „reflexive Selbstvergewisserung der pluralen islamischen Tradition im Dialog mit den anderen Universitätsdisziplinen zu fördern“, heißt es in dem Papier, das dieser Zeitung vorliegt und am Montag in Berlin veröffentlicht wird.

An zwei oder drei staatlichen Universitäten sollen in Zusammenarbeit mit Islamwissenschaft, Turkologie, Altorientalistik, Arabistik, Judaistik und anderen verwandten Fächern Zentren für islamische Studien entstehen. Sie sollen eine methodisch fundierte, also auch historisch-kritische Reflexion ihrer religiösen Schriften leisten, was bisher in muslimischen Ländern oft genug unterdrückt wird. Die großen muslimischen Verbände, aber auch muslimische Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sollen aufgrund der verfassungsrechtlichen Ausgangslage, dass der religiös neutrale Staat nicht über die Inhalte von Religion bestimmen darf, in Beiräten mitentscheiden, was gelehrt wird, und können auch religiöse Einwände gegen den Hochschullehrer vorbringen. Die wissenschaftliche Qualifikation zu prüfen ist allein Sache der Universität.

Auch wenn der Islamrat schon bekräftigt hat, dass ihm an Imamen gelegen ist, die in Deutschland ausgebildet wurden, ist mit erheblichen Konflikten innerhalb der Beiräte zu rechnen, wie das Beiratsmodell an der Universität Münster zeigt (siehe Kasten). Mitglieder der jeweiligen Universitäten sollen allein mit beratender Stimme im Beirat tätig sein, um dessen Unabhängigkeit zu gewährleisten. Bei der Etablierung eines Instituts für Islamische Studien mit vier bis sechs Professuren kämen jährliche Kosten von etwa einer bis 1,5 Millionen Euro auf eine Universität oder ein Land zu. Nach fünf Jahren sollen die neu gegründeten Einheiten unter Einschluss des Beiratsmodells wissenschaftlich evaluiert werden.

Eine ähnliche selbständige Rolle empfiehlt der Wissenschaftsrat für die Religionswissenschaft, die oft innerhalb der theologischen Fakultäten angesiedelt ist, und erst recht für die Judaistik, die bisher oft ein Mauerblümchendasein innerhalb evangelischer Fakultäten führte. Beide sollen aus ihren institutionellen Abhängigkeiten gelöst werden. Der Wissenschaftsrat empfiehlt, die Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg mit ihrem Bachelorstudiengang für Gemeindearbeit und der Vorbereitung auf das Rabbinat sowie das liberale Abraham-Geiger-Kolleg in Potsdam zu stärken. Da beide Institute allen Studenten – unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit – offen stehen, ist die Anzahl der eingeworbenen Drittmittel in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen.

In Anbetracht dessen, dass sich die Studentenzahlen an den theologischen Fakultäten in den vergangenen zwanzig Jahren nahezu halbiert haben und die Theologien im Gesamtgefüge der Universität, vor allem in den Exzellenzinitiativen, keine tragende Rolle spielen, ist es erstaunlich, wie affirmativ der Wissenschaftsrat sich zur Existenz der theologischen Fakultäten geäußert hat. Die Verankerung der Theologien im staatlichen Hochschulsystem hat nach Auffassung des Wissenschaftsrats – und im Gegensatz zu den Bestrebungen mancher Kirchen und Bistümer – eindeutig Priorität vor der Neugründung privater kirchlicher Hochschulen. Die Ausgrenzung der Theologien in eigene kirchliche Institute könne der Abschließung der jeweiligen Religionsgemeinschaft gegenüber der Gesellschaft Vorschub leisten – die Universitäten böten den Theologien daher einen Ort, in wissenschaftlich-methodischer Form eine Übersetzung von religiösen Orientierungen in eine allgemein zugängliche Sprache zu leisten. Sie förderten „die kritische Reflexivität der wissenschaftlichen Weltsicht und bieten Deutungsmöglichkeiten menschlicher Existenz“, heißt es in den Empfehlungen.

Den theologischen, religionspädagogischen und religionswissenschaftlichen Fragen müsse im gegenwärtigen Hochschul- und Forschungssystem „ein größerer und in Teilen institutionell veränderter Platz eingeräumt werden“, heißt es in den Empfehlungen unter Hinweis darauf, dass die Strukturen der theologischen Fakultäten in vielen Fällen eher der Wissenschaftslogik des 19. Jahrhunderts folgten, als auf eine religiös zunehmend pluralisierte religiöse Umwelt zu reagieren. Durch Bologna-Prozess und Exzellenzinitiative sind die Hochschulen wesentlich selbständiger geworden und dabei in ein neues Spannungsverhältnis zwischen Veränderungswillen und rechtlicher Fixierung durch staatskirchenrechtliche Bindungen der Fakultäten (Konkordate, Kirchenverträge) geraten. Angesichts der Unterschiede zwischen evangelischer und katholischer Theologie sei man über die strukturellen Ähnlichkeiten der Probleme verblüfft gewesen, sagte der Leiter der zuständigen Arbeitsgruppe im Wissenschaftsrat, der Trierer Zeithistoriker Lutz Raphael. Das liegt auch an der interdisziplinären Zusammensetzung des Faches Theologie aus philologisch-hermeneutischen, historischen, systematischen und praktischen Disziplinen. Theologische Forschung wird intensiv im Rahmen des Akademienprogramms geleistet (7 Millionen von 46 Millionen Euro für theologische Projekte), die evangelische Theologie hat in den Jahren 1998 bis 2007 doppelt so viele Drittmittel eingeworben wie die katholische Theologie.

Auch wenn die Kirchen in den Anhörungsprozess einbezogen waren – es handelte sich nicht um Evaluationen wissenschaftlicher Arbeit, sondern um strukturelle Empfehlungen -, hat der Wissenschaftsrat ihnen einige kritische Bemerkungen ins Stammbuch geschrieben. So wird die katholische Kirche dringend gebeten, sich aus Habilitationsverfahren herauszuhalten, weil es sich dabei um eine rein akademische Angelegenheit handele. Angesichts der immer häufigeren Konflikte bei theologischen Berufungsverfahren, empfiehlt der Wissenschaftsrat beiden Kirchen, ihre Beteiligung an Berufungsverfahren verlässlicher und transparenter zu handhaben. Da die Professoren an theologischen Fakultäten ein Staatsamt innehaben, das kirchlich gebunden ist, haben Kirchen gelegentlich von ihrem Vetorecht Gebrauch gemacht, dem sich kein Wissenschaftsminister zu widersetzen traute, auch wenn alle sachlichen Gründe dagegen sprachen. Die Undurchschaubarkeit solcher Entscheidungen hat den Wissenschaftsrat dazu veranlasst, den Kirchen eine Stellungnahme binnen sechs Wochen mit einer klaren Begründung nahezulegen. Damit könnten Ministerialbürokratien und Minister durchaus mutiger gegenüber den Kirchen auftreten. Darüber hinaus hat der Wissenschaftsrat den Kirchen angeboten, ihre kirchlichen Hochschulen im erprobten Akkreditierungsverfahren qualitativ zu überprüfen. Er fürchtet nämlich, dass ihre Leistungen hinter denen der Fakultäten an staatlichen Hochschulen zurückbleiben.

Den theologischen Fakultäten empfiehlt der Wissenschaftsrat dringend, interdisziplinär zu arbeiten. Zunächst einmal heißt das: innerhalb der unterschiedlichen Disziplinen der Theologie. Es ist keine Seltenheit, dass Alttestamentler und Praktische Theologen sich nichts zu sagen haben. Zugleich hat der Wissenschaftsrat die Kirchen aufgefordert, sich über Bistums- und Landeskirchengrenzen hinweg zu einer Strukturplanung für die theologischen Fakultäten durchzuringen, auch wenn dies durch den doppelten Föderalismus (Ländergrenzen) erschwert wird. Unbestimmt bleibt in den Empfehlungen des Wissenschaftsrats das Lehramtsstudium Theologie an den Gymnasien, weil hier auch noch keine Klarheit unter den Ländern besteht.

Kaum ein Empfehlungspapier ist im Wissenschaftsrat so lange und intensiv diskutiert worden wie die Empfehlungen zur Weiterentwicklung von Theologien und religionsbezogenen Wissenschaften an deutschen Hochschulen. Schon im Januar 2008 hatte eine Arbeitsgruppe mit protestantischen und katholischen Theologen, einem Judaisten, einem Islamwissenschaftler und einem Religionswissenschaftler mit der Arbeit begonnen.

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Frau Schmoll liefert in derselben Ausgabe der FAZ auch einen Kommentar, in dem sie mit den m.E. richtigen Fragen die Strategie dieses „weichen“, dieses „Umarmungs-Counterjihad“ in Frage stellt:

Bewährungsprobe

An den Universitäten eine aufgeklärte islamische Theologie zu etablieren, die wissenschaftlichen Standards genügt, ist überfällig. Die Empfehlungen des Wissenschaftsrats dazu sind religionspolitisch explosiv, werden aber von den ratsuchenden Universitäten aufgegriffen werden. Ungewiss ist allerdings, woher die unabhängigen und aufgeklärten Islamwissenschaftler kommen, die dann auch noch der deutschen Sprache mächtig sein sollen, um künftige Religionslehrer islamische Theologie zu lehren. Es ist ungewiss, ob sich diese Gastprofessuren für eine Übergangszeit finden lassen und dann auch noch die Zustimmung der muslimischen Beiräte finden. Den muslimischen Verbänden steht nach den Empfehlungen des Wissenschaftsrats eine harte Bewährungsprobe bevor. Sollten sie nicht in der Lage sein, in den unabhängigen Beiräten einen Konsens über die religiöse Glaubwürdigkeit eines Kandidaten zu finden, verspielen sie ihre Einflussmöglichkeiten auf die Besetzung der Lehrstühle. Alevitische Gemeinden und Verbände können nicht mitwirken, solange sie sich nicht dem islamischen Kontext zurechnen.

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Erinnern Sie sich noch an den deutschen Konvertiten und mohammedanistischen Religionswissenschaftler Muhammad Kalisch? Sein Fall macht deutlich, dass es nicht nur ein Problem ist, genug wissenschaftlich gesinnte Religionslehrer zu finden. Man muss auch dafür sorgen, dass ihnen überhaupt jemand zuhört. Hier ein weiterer Beitrag von Frau Schmoll aus der heutigen FAZ:

Unfähig zur kritischen islamischen Theologie? Der Fall Kalisch

Muslimische Verbände sind bisher an den Lehrstühlen zur Ausbildung islamischer Religionslehrer und Theologen nur lose eingebunden. An der Universität Osnabrück, wo auch ein Lehrstuhl für Islamische Theologie geplant ist, gibt es einen Rat, in dem der türkische Verband DITIB und ein Zusammenschluss von Moscheegemeinden erfolgreich mitwirken. An der Universität Münster war ein ähnlicher Rat mit muslimischen Verbandsvertretern gegründet worden, der tatsächlich nur beraten darf. Als der dortige Lehrstuhlinhaber am Centrum für Religiöse Studien (CRS), Muhammad Kalisch, ein mit 15 Jahren vom Protestantismus konvertierter Muslim, jedoch die historische Existenz des Propheten Mohammed (übrigens auch die historische Existenz Jesu, Moses, Abrahams) bestritt und die traditionelle Auffassung über die Entstehungsgeschichte des Korans in Zweifel zog, kündigte der Koordinationsrat der Muslime (bestehend aus Ditib, Islamrat, Verband der Islamischen Kulturzentren und Zentralrat der Muslime) seine Mitarbeit auf, weil die Differenz zwischen eigenen Glaubensvorstellungen und Lehrauffassungen Kalischs zu groß erschien. Kalisch warf den Muslimen unter anderem vor, sie seien unfähig, kritische Theologien zu ertragen. Er sah sich als wissenschaftlichen Reformator der islamischen Theologie. Unter Islamwissenschaftlern ist seine wissenschaftliche Reputation außerordentlich umstritten. Das nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerium hat Kalisch im Jahr 2008 von der Lehrerausbildung entbunden. Kalischs Assistentin Lamya Kaddor hatte ihre Stelle schon im März 2008 gekündigt, ein Jahr später hatten sich Studenten von Kalisch an die Hochschulleitung gewandt und seine Absetzung gefordert. Sie waren in Sorge, dass sie später von Verbänden und Eltern überhaupt als muslimische Religionslehrer anerkannt werden. Im selben Jahr kam eine Auseinandersetzung um eine Spende für das CRS hinzu. Die Arbeitsgruppe des Wissenschaftsrats hat Kalisch angehört und ist dabei zu der Auffassung gelangt, dass der Lehrstuhl völlig neu besetzt werden sollte – unter Mitwirkung der muslimischen Verbände.

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Ein außerordentlich bedeutender „Vorgänger“ von Kalisch ist Muhammad Asad (3), ein muhammedanistischer Konvertit jüdischer Herkunft. Über ihn berichtete Till Reimer-Stoldt für die „Welt“ am 30. Januar (4).

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Es war der Sommer 1985, als Murad Hofmann (5) in Lissabon vor einem Hotel stand und auf sein Idol wartete: auf Muhammad Asad, den Vordenker eines westlichen Islams. Hofmann spähte nach einem Taxi aus, schließlich war Asad damals bereits 85 Jahre alt. Doch plötzlich bremste ein Citroen scharf vor seinen Füßen. Am Steuer saß – Asad. Nicht betont würdig, wie man von einem Islam-Gelehrten hätte erwarten können, sondern heiter und breit lachend. Kaum hatten sie sich in die Lobby gesetzt, forderte Asad den ehrfürchtig schweigenden Hofmann auf, nicht so viel zuzuhören, sondern mitzudiskutieren. Und dann fragte Asad ernsthaft, ob Hofmann Wein trinken wolle. Denn der fromme Asad hob trotz koranischen Alkoholverbots hin und wieder ein – kleines – Gläschen. Damals, 1985, demonstrierte Asad all das, was er seinen Glaubensgeschwistern stets einzuflößen suchte: Tatendrang und Herzensweite. Weil er aber sein Ende nahen sah, während er seine Mission längst nicht am Ziel wähnte, suchte er einen geistigen Erben. Und so schärfte er Murad Hofmann, dem 30 Jahre Jüngeren, dann ein: „Führen Sie meine Mission weiter.

Diese Mission ist ihrer Erfüllung näher gekommen. Denn erstmals liegt nun auf Deutsch Asads Manifest des weltweiten Reformislams vor: der von ihm übersetzte und kommentierte Koran. In 20-jähriger Arbeit hatte er das 1200-Seiten-Werk auf Englisch geschrieben. Längst ist es viele Male übersetzt worden (was keiner zweiten Koran-Übersetzung zuteil wurde).

(Asad hat sich wirklich mächtig ins Zeug gelegt, T.)

Asad entdeckt im heiligen Text Weite, in seiner Auslegung werden die Begriffe mehrdeutig, fließend und westkompatibel. Ein Beispiel: Heutige Korankommentare definieren Nichtmuslime meist als ungläubig und Muslime als gläubig. Anders Asad: Er entnimmt dem Koran, dass es unter Muslimen Ungläubige, unter Nichtmuslimen Gläubige oder schuldlos Ungläubige gibt. Das konfliktträchtige Grobschema „Muslim hier, gottloser Rest da“ wird so unterlaufen… Und so entzieht er fast allen vermeintlich islamischen Überzeugungen, an denen sich Europäer reiben, das Fundament.

(Ehrlich gesagt, ich glaube, es sind vor allem die Mohammedanerasten, denen er das Fundament entzieht. Dies zeigt auch die Geschichte Asads, der immerhin an den Arbeiten zur Verfassung Pakistans beteiligt war. T.)

(…) Denn die Lebensgeschichte des vielsprachigen Kosmopoliten ist eine Kette von Enttäuschungen. So wurden seine Werke von den meisten Islam-Gelehrten wenig gewürdigt. Vielen Gläubigen war er schlicht und einfach zu modern. Zudem fehlte ihm die traditionelle Gelehrtenausbildung. Und noch immer gibt es vereinzelt Muslime, die argwöhnen, der Ex-Jude Asad habe sich nur als Muslim maskiert, um zersetzende Gedanken in den Islam hineinzuträufeln.

Enttäuscht war Asad auch von der real-existierenden islamischen Staatenwelt. In Saudi-Arabien, wo er lange das Herrscherhaus beraten hatte, wurde sein angeblich zu moderner Korankommentar öffentlich verbrannt.

(Wie man sieht, ist das Hauptproblem in Bezug auf den Reform-Mohammedanismus, ihn an den Mohammedanisten zu bringen. Ich persönlich bin bisher auch zu dem Schluss gekommen, dass A*schloch bin K*cken der adäquateste Nachfolger Klo H. Metzels ist, dass Asad und Co. aus der Sicht der Orks zu Recht abgelehnt werden. Andererseits kann es nicht schaden, wenn es unter den hiesigen Orks eine große Gruppe oder vielleicht sogar eine Mehrheit gibt, die sagt: „Wir sind Mohammedanisten, aber wir achten die westlichen, demokratischen Gesetze, die Freiheit und Gleichheit jedes einzelnen Bürgers, jetzt und in Zukunft“. Es kann uns nur nützen, wenn es für die Orks eine orkische Alternative zu den Hasspredigern gibt. Immerhin kann Reimer-Stoldt auch folgendes berichten, T.:)

Erst nach seinem Tod begann sich diese Hoffnung zu erfüllen: In Saudi-Arabien ist seine Koranübersetzung wieder erhältlich. In Bosnien wird er als Kopf eines europäischen Islams verehrt. Unter englischsprachigen Muslimen gilt er als Autorität. Und in Deutschland gibt es nun immerhin seine Hauptwerke auf dem Markt – und seinen hochaktiven Schüler Murad Hofmann. Der wurde im September übrigens zur islamischen Persönlichkeit des Jahres gekürt und vom Premierminister der Vereinigten Arabischen Emirate ausgezeichnet. Auch dort werden Asad und Hofmann neuerdings geschätzt.

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Das hört sich doch nett an. Ich würde aber keineswegs meine Hoffnung in diesen Fünfzigjahresplan legen. Nein, ich würde 1000 Kalischs und 100 Hofmanns geben und noch 10 Asads drauflegen, wenn ich dafür EINEN Geert Wilders bekäme.

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Time am 1. Februar 2010

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1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/01/27/milieustudien-4-scheich-den-mahdi/
2) http://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaftsrat
3) http://de.wikipedia.org/wiki/Muhammad_Asad
4) http://www.welt.de/die-welt/kultur/literatur/article6035089/Ein-freundlicher-Islam-aus-der-Wueste.html
5) http://de.wikipedia.org/wiki/Murad_Hofmann