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Leserbrief-Counterjihad (#6)

12. Oktober 2010

In der gestrigen FAZ ging der Leserbrief-Counterjihad weiter. Dr. Frank-Bertolt Raith wies darauf hin, dass bei aller derzeitigen Beschwörung des jüdisch-christlichen Fundaments unserer Zivilisation nicht vergessen werden dürfe, dass eine wesentliche Entwicklungsleistung grade in der Emanzipation von religiöser Ordnung bestanden habe.

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Die Verkennung unserer Wurzeln

Vielen Dank für den vollständigen Abdruck der Rede des Bundespräsidenten. Wulffs Präsidentschaft endet intellektuell, bevor sie überhaupt begonnen hat. Dabei zeigt die breite Zustimmung des politischen Establishments wieder einmal, wie sehr sich die Elite unseres Landes bereits in eine abgehobene Parallelgesellschaft versponnen hat. Symptomatisch ist die zentrale Stelle der Rede über das Fundament unseres Staates: Das scheinbar fortschrittliche Bekenntnis zu religiöser Öffnung als Antwort auf die faktisch bestehende Einwanderungsgesellschaft erweist sich als Rolle rückwärts. Nicht die Anbiederung an den Islam ist bedenklich, sondern die Verkennung unserer kulturellen Wurzeln.

Prägend für unsere abendländische Kultur ist doch gerade die Emanzipation von bevormundender, nicht zuletzt religiöser Ordnung – als Freiheit, „unerhörte“ Dinge zu denken, zu sagen und zu tun. Dabei ist geschichtlich nicht nur an die kirchliche Unterdrückung der Frau, der Wissenschaften, der Kunst, des freien Gedankens, und so weiter zu erinnern, sondern auch an die vielen, die an der Stigmatisierung durch überhebliche Moralapostel litten und immer noch leiden.

Als Ausdruck individueller Entfaltung genießt Religion dabei sicherlich einen gewissen Schutz. Deren Werte jedoch auf Christentum oder Judentum zurückzuführen greift zu kurz. Das Bekenntnis zu unserem freiheitlichen Wertefundament ist vielmehr von alteingesessenen Glaubensgemeinschaften ebenso einzufordern wie von neu zugewanderten. Deshalb verlassen Kleriker, die aus Kirchenraison Angriffe auf „Schutzbefohlene“ in eigener Regie zu behandeln suchen, das Wertefundament unseres Staates ebenso wie muslimische Familien, die ihren Kindern eine freie Persönlichkeitsentwicklung verwehren wollen.

Aufgrund seiner gegenüber Institutionen jeglicher Couleur unkritischen Grundhaltung will sich auch Wulffs Begriff von Freiheit im Fortgang der Rede nicht wirklich entfalten. Freiheit erscheint in der Rede fast als ein Konsumangebot, das (wie Sozialleistungen) von den staatlichen Institutionen sorgsam zu bewahren und bei Bedarf den Bürgern zu gewähren ist. Freiheit, wie schon Kant wusste, erfordert jedoch Mut. Freies Handeln ist keinem Konsens verpflichtet, setzt, anders als Wulff suggeriert, keine Einordnung in einen gemeinsamen Weg voraus. Freiheit muss sich vielmehr im Austragen von Konflikten bewähren – gerade auch gegen die Vorgaben „behütender“ Institutionen wie Familie, Kirche oder Staat. Statt der Kraft zum Konsens müssen wir vielleicht eher die Bereitschaft zum Dissens neu lernen – Veränderungen zulassen, auch wenn man selbst dagegen ist. Schließlich darf die Freiheit nur eingeschränkt sein, wo sie die Freiheit anderer einzuschränken droht. Der Ausgleich ist dabei immer neu zu finden in zivilen Verfahren, die nur durch ihre Transparenz Legitimität stiften können. Auch die staatlichen Organe jedoch müssen Freiheit immer wieder lernen.

Nicht zuletzt daran wäre an einem 3. Oktober zu erinnern gewesen.

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Professor Dr. Fritz Fricke ging hart mit Mustafa Wulff ins Gericht.

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Schönfärberei und Verniedlichung

Multikulti mutiert bei Wulff zu: „Ein freiheitliches Land wie unseres – es lebt von Vielfalt“ und „Das Land muss Verschiedenheit aushalten“. In der Rede haben wir wieder mal eine wortreiche Schönfärberei und Verniedlichung für ein umbenanntes, von unserer Politik fabriziertes Debakel. Er nennt zu Recht gut gelungene Integrationsbeispiele, die ich aus meiner Umgebung ebenfalls mit großem Respekt anerkenne, aber die verbliebenen unendlich vielen gravierenden Probleme an der Basis, die kaum in absehbarer Zeit lösbar sind, werden nur kurz gestreift, zumal Christian Wulff damit vor Ort vermutlich nie konfrontiert war. Auf diese Weise blind, kann man dann natürlich sagen: „Lassen wir uns nicht in eine falsche Konfrontation treiben.“

Folglich lassen sich mit der Aussage „Der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland“ wohl noch ein paar mehr islamische Gottesstadtteilstaaten in Deutschland erwarten? Dort werden selbstverständlich unsere höchsten staatlichen Gesetze respektiert – gehandelt wird jedoch nach der Scharia. Eigene Erfahrungsbeispiele kann ich benennen. Ich möchte von unserem Bundespräsidenten keine schönen Illusionen hören, sondern realistische Problemlösungen dafür erfahren oder andererseits aus objektiven (nicht politisch gefärbten) Analysen entnehmen können, dass sich Deutschland nicht selbst abschafft. Ob es unserem Bundespräsidenten und unseren Politikern passt oder nicht passt, die Messlatten sind gesetzt.

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In der heutigen FAZ berichtet Holger Arppe von einem Moscheebesuch in Rostock.

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Eine Lehrstunde in der Moschee

Während der Bundespräsident am 3. Oktober seine vielleicht gutgemeinte Rede zum Tag der Deutschen Einheit in Bremen hielt, waren mein Lebenspartner und ich unmittelbar nach dem Erntedankgottesdienst unserer evangelischen Kirche beim „Tag der offenen Moschee“ in den Räumen der Rostocker muslimischen Gemeinde. Dort hielt der Imam einen Vortrag und beantwortete Besucherfragen. So erfuhren wir, dass der Islam die einzige Wahrheit auf der Welt ist, die alle Menschen besser anerkennen sollten. Homosexualität bezeichnete der Imam als Todsünde, die mit dem Islam unvereinbar sei. Schwule in muslimischen Staaten müssten dann eben in Länder auswandern, in denen ihr Treiben legal sei. Da wir in unserer Gemeinde einen jungen Mann aus Pakistan haben, der vom Islam zum Christentum konvertierte und seitdem um sein Leben fürchtet, fragte ich den muslimischen Geistlichen nach dem Umgang des Islam mit Abtrünnigen. Diese betitelte er sofort als Verräter und informierte uns darüber, dass innerhalb seiner Religion momentan kontrovers diskutiert werde, ob man solche Abtrünnigen töten solle oder nicht. Nach Steinigungen und Ehrenmorden gefragt, bedauerte der Mann, dass zu viele Muslime das Recht in ihre eigenen Hände nähmen, obwohl laut Scharia nur autorisierte Henker andere Menschen hinrichten dürften.

Nach diesen Informationen verweigere ich mich der Behauptung, dass der Islam ein Teil unserer deutschen Kultur sei und irgendetwas mit den Werten unserer Nation und Europas zu tun habe. Als Christ bin ich entsetzt darüber, dass der Bundespräsident meine Religion und das Judentum mit dem Islam auf eine Stufe stellt.

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Sie fühlen sich so stark, dass sie nicht mal Takija machen. Wird Zeit, dass sich das ändert.

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Time am 12. Oktober 2010

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