Posts Tagged ‘Hrant Dink’

Bewegt sich was?

25. Januar 2012

Fethiye Çetin, Juristin und Schriftstellerin

Gehört Karen Krüger jetzt eigentlich schon zum Counterjihad? Manchmal habe ich diesen Eindruck, denn sie liefert eigentlich nur noch torkkritische Texte. Am 21. Januar hatte sie eindringlich von dem Mord an dem türkischen Journalisten Hrant Dink, der vor fünf Jahren verübt wurde, berichtet (1). Sie schrieb:

„Der Mann sitzt leicht zurückgelehnt auf seinem Stuhl, so wie jemand dasitzt, der weiß, was gleich passieren wird und doch keine andere Wahl hat, als es wieder zu ertragen. Schon viel zu oft hat er diese große Empörung seiner Landsleute bei Erwähnung des Völkermords an den Armeniern erlebt. Er kennt die Wut und das Geschrei und die Argumente, mit denen man ihn des Vaterlandsverrats überführen will.

Gerade ist er deshalb nach Paragraph 301 wegen Beleidigung der türkischen Nation zu sechs Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Nun ist er zu Gast in der Talkshow ‚Neden?’, der türkischen Variante von ‚Anne Will’. Ihm gegenüber sitzt Professor Özcan Yeniçeri, Historiker und eingefleischter Nationalist. Der Professor gestikuliert aufgebracht, sagt einen Satz, der bald schreckliche Wirklichkeit werden wird: ‚Wer sich nur um Grabsteine kümmert, der landet bald selbst im Grab!’ Wenige Wochen später ist Hrant Dink tot, erschossen auf offener Straße vor der armenisch-türkischen Zeitung ‚Agos’, deren Chefredakteur er war. Der Täter ist ein siebzehnjähriger Nationalist. Er trifft Dink mit drei Schüssen in Nacken und Hinterkopf.“

Mit der Verurteilung des Sesamkringelverkäufers Yasin Hayal, der der Drahtzieher der Tat sein soll, ist nach Ansicht der türkischen Justiz der Mord an Hrant Dink nunmehr aufgeklärt, „und einen Völkermord hat es für die Regierung ohnehin nie gegeben“, schrieb Frau Krüger. Sie fuhr fort:

„Doch genau diese Sichtweise wollen viele Deutschtürken nicht mehr akzeptieren – ob sie ihre Heimat schon lange verlassen haben oder hier geboren wurden, ist dabei egal. Was während des Ersten Weltkriegs auf dem Gebiet der heutigen Türkei passierte, bleibt auch mit deutschem Pass Teil ihrer Geschichte. Sie wollen, dass der Genozid nicht länger geleugnet wird. Sie möchten nicht, dass ihre Kinder die Halbwahrheiten der offiziellen türkischen Geschichtsschreibung hören. Auf Unterstützung durch den deutschen Schulunterricht können sie nicht hoffen – er macht den Genozid an den Armeniern nicht zum Thema. Ungefiltert erreicht stattdessen die offizielle türkische Geschichtsschreibung über Satellitenfernsehen und Zeitungen die Wohnzimmer und nistet sich in den Köpfen ein. Zudem lädt die türkische Botschaft Wissenschaftler ein, die für ein sattes Honorar in öffentlichen Veranstaltungen den Genozid leugnen. Die Kluft, die auf diese Weise unter Deutschtürken entsteht, wird immer deutlicher.“

Später im Text machte Frau Krüger noch auf ein Buch von Fethiye Çetin (sprich: Tschetin) aufmerksam:

„(…) Ende der siebziger Jahre vertraut ihre Großmutter ihr ein Geheimnis an: Sie sei nicht als Türkin, sondern als Armenierin geboren worden. Während des Todesmarsches in die syrische Wüste entführte sie ein türkischer Gendarm, der später ihr Stiefvater wurde. Erst im Jahr 2000, nach dem Tod der Großmutter, ging Fethiye Çetin damit an die Öffentlichkeit.

Das Buch ‚Anneannem’ schildert, wie sie den Schrecken des Völkermords in vielen Stunden des Erzählens noch einmal gemeinsam durchleben: Großmutter und Enkelin, Armenierin und Türkin. Die Autorin, die als Kind begeistert nationalistische Gedichte aufsagte und Armenier durch die Schulbücher nur als Feinde kannte, macht keinen Hehl daraus, wie sehr sich zunächst alles in ihr gegen die Offenbarungen sperrte. Am Ende jedoch siegt die Annäherung, quer zu aller nationalistischen Rhetorik. Das Buch wird derzeit in neunter Auflage verkauft, auch in türkischen Buchhandlungen in Deutschland. “

In der heutigen FAZ berichtete Karen Krüger von einer Lesung mit Fethiye Çetin in Berlin, der einen Einblick in das ungeheuerliche Justizsystem der Torks bietet.

Was mir an ihrem Text einzig nicht gefällt, ist der Begriff „Deutschtürke“, denn im Deutschen bezeichnet bei zusammengesetzten Wörtern das letzte Wort das Wesen des Gegenstandes und das erste seine Spezialisierung (vgl. Buttermilch, Ziegenmilch, Muttermilch usw.). Im Fall der angesprochenen Bevölkerungsgruppe sollte man also m.E. von „Turkdeutschen“ sprechen, denn anders als das Erdoganmännchen sich das vorstellt, sind sie jetzt in erster Linie Deutsche, und erst in zweiter noch Türken.

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Das System wird brüchig

Fethiye Çetin spricht in Berlin über den Mordfall Dink

Es waren bittere Worte, mit denen Fethiye Çetin das Urteil im Mordfall Hrant Dink kommentierte: „Das Gericht hat sich fünf Jahre lang über uns lustig gemacht. Den größten Witz aber hat es sich bis zum Ende aufgehoben“, sagte die Anwältin der Familie des ermordeten armenisch-türkischen Journalisten nach dem Prozess in Istanbul. Eine Woche später sitzt sie auf Einladung des Hrant Dink Forums Berlin im Theater Ballhaus Naunynstraße und liest aus ihrem autobiographischen Buch „Anneannem“. Es liegt jetzt unter dem Titel „Meine Großmutter“ (Verlag auf dem Ruffel) auch auf Deutsch vor. Um ihren Hals hat Fethiye Çetin einen rosafarbenen Seidenschal geschlungen, das kurze graue Haar ist sorgfältig frisiert. Doch man sieht ihr an, wie kräftezehrend die Gerichtsverhandlungen in den vergangenen Monaten gewesen sind.

Das Haus ist bis auf den letzten Platz gefüllt, vor allem Deutschtürken sind da, wer keinen Stuhl gefunden hat, sitzt auf dem Boden oder steht. In der Türkei war „Anneannem“ ein Meilenstein für die Aufarbeitung des Genozids an den Armeniern. Erstmals schilderte da eine Türkin, die mit dem staatlich verordneten Patriotismus aufgewachsen ist, ihren inneren Kampf, als sie von den Schrecken der Jahre 1915 bis 1917 erfuhr. Gleichzeitig las man in dem Buch erstmals vom Schicksal einer Überlebenden – Fethiye Çetins Großmutter wurde als Armenierin geboren, während des Todesmarsches in die syrische Wüste ihrer Mutter geraubt und von einer türkischen Familie großgezogen. Erst sehr spät vertraute sie dieses Geheimnis in vielen Stunden des Erzählens ihrer Enkelin an.

Doch nicht nur wegen des Buches sind all die Menschen zu der Lesung gekommen: Viele von ihnen haben sich in der vergangenen Woche mit den Demonstranten in Istanbul solidarisch gezeigt und in Berlin gegen das Gerichtsurteil protestiert. Nun wollen sie die Frau erleben, die Hrant Dink zu Lebzeiten vor Gericht gegen nationalistische Verleumdungen verteidigte und die sich seit dessen Tod im Jahr 2007 für die lückenlose Aufklärung des Mordes einsetzt. Der gerade zu Ende gegangene Prozess war für viele ein Test, ob Justiz und Regierung Licht in die dunklen Machenschaften des Sicherheitsapparates bringen wollen. Dort sitzen allem Anschein nach die wahren Drahtzieher des Attentats. Doch dieser Spur ging das Gericht nicht nach. Und so horchten viele in Berlin erstaunt auf, als Fethiye Çetin dennoch sagt: „Ich bin erschöpft, aber auch hoffnungsfroh.“

Die Justiz sei so verfahren, wie es seit Jahrzehnten bei politischen Morden üblich ist in der Türkei: Beweismaterial wurde aus den Akten gerissen oder verschwand auf dem Weg ins Kriminallabor. Akteneinsicht wurde verweigert, Prozesstermine immer wieder vertagt. Es ist geradezu haarsträubend, was die Anwältin von der Ignoranz des Richters erzählt. Anhand der Überwachungsvideos von Banken und Geschäften, die am Tag des Mordes aufgenommen worden sind, stellte sie zum Beispiel fest, dass nicht allein der Todesschütze Ogün Samast am Tatort war, sondern dass er sich dort mit drei Männern verständigte: „Sie laufen stundenlang auf und ab, geben einander unauffällig Zeichen, fast wie in einem Gangsterfilm. Als Hrant Dink aus dem Redaktionsgebäude von ,Agos‘ tritt, um zur Bank zu gehen, setzen sie sich gleichzeitig in Bewegung. Samast schießt, die Übrigen verschwinden.“ Zunächst habe sie gedacht, der Richter sehe das auf den Videos ganz einfach nicht. Dann aber habe sie verstanden, dass er es nicht sehen wolle, sagt Fethiye Çetin. Es gebe Beweise, dass der Inlandsgeheimdienst, die Gendarmerie und die Polizei Kenntnis von den Mordplänen hatten. Doch sie taten nichts, um sie zu durchkreuzen. Die entsprechenden Protokolle wurden aus den Akten entfernt.

Hoffnung habe sie dennoch, weil sich erstmals in der Geschichte der Türkei ein Richter für sein Urteil habe rechtfertigen müssen, weil die öffentliche Aufmerksamkeit nicht abebbt und der Staatsanwalt Revision angekündigt hat: „Das System wird brüchig, wir sind Zeugen eines Prozesses, der durch nichts mehr aufzuhalten ist.“

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Hoffen wir das Beste!

Time am 25. Januar 2012

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1) http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/gedenken-an-hrant-dink-das-armenische-zeichen-11617988.html

Morden erlaubt – darüber reden nicht

26. Dezember 2011

Die FAZ brachte am 24. Dezember zwei lange Artikel über das neue französische Völkermordleugnungsgesetz. Dieses stellt ganz allgemein die Leugnung von Völkermord unter Strafe, aber angesprochen fühlen sich interessanterweise allein die Torks, wie Michael Martens im ersten Beitrag bemerkt.

Da sie, so ihr „heiliges“ Buch Kloran (1), nicht nur das Recht sondern auch die Pflicht haben, Nicht-Mohammedanisten zu massakrieren (2), und da sie leidenschaftlich gerne lügen, empfinden sie den Bann der Völkermordleugnung zurecht als Angriff auf ihre innersten Werte. „Sarkozy fache ‚den Hass gegen Muslime und Türken an’, fügte Erdogan noch hinzu“, berichtet Karen Krüger im zweiten Beitrag.

Die Faksimile-Sammlung oben habe ich von meinem Freund Tangsir übernommen (3). Er macht auf das Bild oben rechts aufmerksam: „Bildunterschrift oben rechts: ‚Tätowierungen auf der Haut einer befreiten armenischen Sklavin zeigen die Namen der früheren türkischen Besitzer’“.

Beachten Sie bitte auch die Linksammlung unten.

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Armenien gegen Algerien

Türkische Vorwürfe gegen Paris

Nichts treibt die Betriebstemperatur der türkischen Politik zuverlässiger in die Höhe als eine Diskussion über das S-Wort. „Soykirim“, zu Deutsch Völkermord, (an den Armeniern im Jahr 1915) habe es nicht gegeben, ist die parteiübergreifend herrschende Lesart in Ankara. Wenn sich ein ausländisches Parlament anmaßt, Erinnerungspolitik zu betreiben und „die Ereignisse von 1915“, wie sie in der Türkei euphemistisch genannt werden, als Genozid zu definieren oder gar eine verharmlosende Interpretation des Geschehens unter Strafe zu stellen, läuft die staatliche Empörungsmaschinerie heiß.

Das geschieht inzwischen mit einer gewissen Routine. Als im März vergangenen Jahres der schwedische Reichstag mit einer Stimme Mehrheit eine Resolution annahm, die den Massenmord an den Armeniern im Osmanischen Reich als Genozid einstufte, sagte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan einen geplanten Besuch in Stockholm ab und ließ die türkische Botschafterin in Schweden zu Konsultationen nach Ankara beordern. Nachdem nun die französische Nationalversammlung einen Gesetzentwurf billigte, der das Leugnen von Völkermorden unter Strafe stellen soll, kam es ähnlich.

Von allen potentiellen Völkermördern fühlte sich allein die Türkei angesprochen. Einen Besuch in Paris konnte Erdogan zwar nicht absagen, da keiner geplant war. Aber das Außenministerium beorderte umgehend den türkischen Botschafter zu Konsultationen nach Ankara, und Erdogan beschuldigte Frankreich des Rassismus und der Islamfeindlichkeit. Bei einem Treffen der Organisation der Islamischen Zusammenarbeit sagte er am Freitag in Istanbul, Frankreich solle sich lieber mit den Massakern im Algerien-Krieg befassen, und riet dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, seinen Vater danach zu fragen, der in Algerien im Einsatz gewesen sei. Zuvor hatte Erdogan angekündigt, die Türkei werde ihre politische, wirtschaftliche und militärische Kooperation mit Frankreich einstellen, auch gemeinsame Manöver seien abgesagt worden.

Die Erfahrung zeigt indes, dass sich für Staaten, die ein „Genozid-Gesetz“ annehmen, in der Praxis wenig in den Beziehungen zur Türkei ändert. Das dürfte auch für Frankreich gelten, einen wichtigen Handelspartner der Türkei. Erdogans in ihrer Wirtschaftspolitik neoliberal geprägte Regierungspartei AKP meidet Schritte, die das eindrucksvolle Wirtschaftwachstum des Landes gefährden könnten. Diesem Wachstum verdankt sie ihre Wahlerfolge nämlich mindestens so sehr wie ihrem Ruf als im Islam verwurzelte Partei.

Die türkische Haltung lautet, die Bewertung der Ereignisse von 1915 sei Historikern zu überlassen. Kritiker bemängeln, dass Ankara jedoch nichts unternehme, um eine solche Debatte zu fördern. Erdogan hatte sich zwar im vergangenen Monat im Namen des Staates für die Massaker an fast 14 000 vornehmlich alevitischen Kurden in der türkischen Provinz Dersim zwischen 1936 und 1939 entschuldigt, jedoch sinngemäß darauf hingewiesen, dass für dieses Verbrechen eigentlich der Kemalismus und damit die in dessen Tradition stehende oppositionelle Republikanische Volkspartei verantwortlich sei.

Ein regierungskritischer Kommentator merkte dazu an, die Darstellung, es sei 1915 ein Völkermord an den Armeniern begangen worden, hätte mit Sicherheit längst die Unterstützung der AKP, wenn die Kemalisten dafür verantwortlich zu machen wären. Das Verbrechen habe jedoch einen „osmanischen Anstrich“, weshalb die „Neo-Osmanen“ sich damit nicht in gleicher Offenheit auseinandersetzten wie mit Massakern aus späteren Zeiten.

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Armenier? Algerien!

Das französische Gesetz und der türkische Reflex

Ankara sieht rot. Ankara mag es nämlich gar nicht, wenn westliche Parlamente Themen verhandeln, die innertürkische Fragen berühren. Geradezu außer sich aber ist die Regierung Erdogan, wenn dabei politisches Fehlverhalten angeprangert wird – und sei es auch nur indirekt. Anstatt den Angriff mit klugen Argumenten zu parieren, oder wenigstens merkelhaft auszusitzen, zeigen türkische Politiker lieber mit dem Finger auf das vermeintlich böse Gegenüber. Sie werfen diesem gleiches Fehlverhalten vor und stellen die ganze Sache in einen größeren Zusammenhang.

Man fühlt sich zurückversetzt, ist plötzlich wieder mittendrin in einer Schulhofzankerei, nur dass es bei dem größeren Zusammenhang nicht etwa um Lächerlichkeiten wie die Sitzordnung im Bus, sondern wahlweise um imperialistische Verschwörungstheorien oder um den angeblichen Machtkampf Christen versus Muslime geht. Man kann sagen, es ist schon fast ein türkischer Reflex.

Einen Tag nach der Abstimmung im französischen Parlament über das Gesetz, das unter anderem die Leugnung des Völkermords an den Armeniern unter Strafe stellt, hat sich der türkische Ministerpräsident im Fernsehen an sein Volk gewandt. Mit dabei hatte er zwei verbale Keulen: Frankreich habe sich selbst eines Völkermordes schuldig gemacht, nämlich in Algerien. Dort habe das Land von 1954 bis 1962 fast fünfzehn Prozent der Bevölkerung massakriert: „Das ist Genozid“, sagte Erdogan, und wenn Sarkozy das nicht wisse, dann könne er ja seinen Vater fragen, der damals in Algerien diente. Nicolas Sarkozy fache „den Hass gegen Muslime und Türken an“, fügte Erdogan noch hinzu. Da war er wieder, der Reflex.

Vor ihm hatten am selben Tag einige türkische Kolumnisten gewarnt. Die Türkei sei nur deshalb in der jetzigen Situation, weil sie bei ähnlichen Gesetzesinitiativen bisher zwar immer sehr viel Lärm geschlagen habe, danach aber wieder in die Passivität versunken sei, schreibt etwa Mehemt Ali Birand in der „Hürriyet“: „Die Türkei ist unfähig, ihre eigene Vergangenheit zu hinterfragen und mit Fakten gegen den Vorwurf des Völkermords vorzugehen.“ Der „Ihr-habt-selbst-Dreck-am-Stecken-Diskurs“ sei der falsche Ansatz, genauso falsch seien die Sanktionsdrohungen: „Das schadet nur. Das macht keinem Angst.“ Die Türkei solle lieber ihre Geschichte aufarbeiten, nur so sei eine gesunde Konfrontation möglich.

Ähnlich argumentiert auch Suat Kiniklioglu von „Today’s Zaman“. Als moderner Bürger der Türkischen Republik sei man es sich selbst schuldig, verstehen zu wollen, was 1915 tatsächlich passiert ist. „Bevor wir französische Parlamentarier anpöbeln – was im Sinne der freien Meinungsäußerung durchaus rechtens wäre –, sollten wir erst mal die angemessene Sensibilität zeigen, wenn über diesen Teil der Vergangenheit gesprochen wird“, schreibt er.

Kiniklioglu verweist auf ein schwerwiegendes grundsätzliches Problem der türkischen Gesellschaft: Die Massaker an den Armeniern werden in der Türkei nur von einer Handvoll Istanbuler Intellektueller diskutiert. Die übrige Bevölkerung werde nur dann daran erinnert, wenn wie in diesen Tagen die Regierung – und deshalb auch die Medien – das Ereignis zum Thema machten. Der türkischen Berichterstattung fehle es jedoch in einem Maße an Kultiviertheit und menschlichen Anstand, dass jeder Bürger davon beunruhigt sein müsste. Fast schien es so, als habe der Kolumnist seinen Artikel unter dem Eindruck einer jener türkischen Fernsehsendungen verfasst, die seit dem französischen Parlamentsbeschluss in Endlosschleife alte Filmaufnahmen von Massakern in Algerien zeigen.

Tatsächlich haben sich in dieser Woche viele türkische Medien geradezu darin überboten, in harschen Worten die französische Gesetzesinitiative als Verletzung der Meinungsfreiheit zu kritisieren oder dem Parlament in Paris vorzuwerfen, es messe mit zweierlei Maß: „Wenn es darum geht, über Greueltaten zu sprechen, was ist dann mit all den Muslimen, die auf dem Balkan abgeschlachtet worden sind? Handelt es sich nicht auch um ein Verbrechen, wenn die Opfer Muslime sind und die Mörder von Europa beschützt werden? Ist das der Grund, warum Frankreich sich nicht an seine Tötungen in Algerien und Ruanda erinnern will?“ So fragte etwa Ahmet Taschgetiren von der Zeitung „Bugün“.

Auch Orhan Dink, der Bruder des im Jahr 2007 ermordeten armenisch-türkischen Journalisten Hrant Dink, der sein Engagement für eine offene Diskussion über die Ereignisse von 1915 mit dem Leben bezahlt hatte, meldete sich zu Wort. Er sieht die Türkei gleichfalls in der Bringschuld: „Nicht andere Staaten, sondern das türkische Parlament sollte die Tragödie unserer Vorfahren diskutieren. Solange das türkische Volk die Armenier nicht mit offenen Armen empfängt, werden die Armenier ein Instrument der Politik bleiben“, sagte er in einem Interview der Zeitung „Hürriyet“. Das waren die beiden zutreffendsten Sätze, die in dieser Woche in der Türkei zu diesem Thema veröffentlicht worden sind.

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Time am 26. Dezember 2011

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1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/23/der-kloran-5-krieg/
2) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/23/kloran-6-abtrunnige-unglaubige-widersacher-sunder/
3) http://tangsir2569.wordpress.com/2011/12/23/extra-fur-volkermordleugner-und-alle-torke-xar/

Weitere Links:

https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/04/23/die-armenier-demaskieren-den-wolf/
https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/04/03/aghet-ein-volkermord/
https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/10/15/der-teilirian-prozess/
https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/10/14/phonix-armenien-flieg/
http://www.armeniapedia.org/index.php?title=Armenian_Genocide_Photos

Tote, zu tief begraben

9. November 2011

Michelangelo: Auferstehung der Toten

Einen wie stets exzellenten Beitrag lieferte Regina Mönch für die FAZ vom 7. November. Thema: Der Völkermord der Torks an den Armeniern und der Umgang der Orkeliten damit. Einmal mehr wird darin u.a. die überaus verdiente Rolle von Frau Necla Kelek für den Counterjihad deutlich. Und es wird deutlich, dass es sehr wohl sehr viele vernünftige und freundliche Menschen in der Türkei gibt, dass jedoch ihr Einfluss schwindet.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich das ganz sicher als negativ bewerten kann. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das offensichtliche Umschlagen der „Arabellion“ in Schariaismus ganz sicher als negativ bewerten kann.

Einmal mehr teilt sich die Menschheit in zwei Lager – wieder wird es zu einer finalen Auseinandersetzung kommen und zu einem überlegenen und überlebendem Sieger. Glaubt jemand im Ernst, das könnte das verlumpte mohammedanistische Lager sein, welches sich den Rest der Welt unterwürfe?

Nein, dumm wie die Orks durch ihre geisteskranke Ideologie sind, haben sie dem Westen und dem Rest der Welt den Fehdehandschuh hingeworfen, und wir nehmen ihn auf unsere Weise an, setzen Zug um Zug, auch mal einen vor und zwei zurück, kein Problem, am Ende wird der Mohammedanismus gehen, mit ein paar Knällchen und dem ihm eigenen Winseln des Wüstenschakals.

Die 270 Millionen Opfer der mohammedanistischen Mörder steigen aus den Gräbern, treiben die Orks in den Wahnsinn und bringen sie dazu, sich gegenseitig selbst zu erwürgen, wie dies täglich in der Orksphäre beobachtet werden kann.

Das Wort hat Regina Mönch:

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Schwarze Löcher der Türkei

Von armenischen Großmüttern und brutaler Assimilation

Sie hätten sich treffen können in Deutschland, der türkische Verleger Ragip Zarakolu und sein Ministerpräsident Recep Erdogan. Beide waren eingeladen, wenn auch zu absolut unterschiedlichen Veranstaltungen. Doch der hochangesehene Intellektuelle aus Istanbul, dessen Bücher Erdogans Zensurbehörde immer mal wieder verbieten lässt, erreichte sein Flugzeug nicht. Er wurde verhaftet. Zarakolu sollte in Berlin und am Potsdamer Lepsiushaus Vorträge halten über die türkische Zivilgesellschaft und ihre Haltung zum Völkermord an den osmanischen Armeniern 1915. Anders als früher werden Aktivisten wie Zarakolu nicht mehr wegen Beleidigung des Türkentums verfolgt, sondern nach den diffusen Bestimmungen der Anti-Terror-Gesetze. Die Polizei beschlagnahmte in seiner Wohnung Bücher und Manuskripte zum Armeniermord und zur Christenverfolgung im Osmanischen Reich. In einem Brief an die Potsdamer Konferenz erklärt Zarakolu, seine Verhaftung sei Teil einer Einschüchterungskampagne gegen Intellektuelle und Demokraten in der Türkei.

Mit dem Verleger wurden achtundvierzig kritische Intellektuelle verhaftet, darunter auch die Verfassungsrechtlerin Büsra Ersanli (Marmara-Universität) und zuvor sein Sohn Deniz, Geschäftsführer des Belge Verlages. Seine Festnahme, schreibt Zarakolu, sei Teil der türkischen Verleugnungspolitik, die als „Maßnahme gegen die Bedrohung der eigenen Sicherheit betrachtet“ werde. Er habe in Potsdam über eine „Industrie der Völkermordverleugnung“ berichten wollen und pseudowissenschaftliche Studien, von der Regierung und ihrem „Koordinationsrat gegen die haltlosen Genozidanschuldigungen“ in Auftrag gegeben. Ob ein anderer Wissenschaftler seine Teilnahme an der Konferenz kurzfristig absagte, weil die Einschüchterung wirkt, bleibt Spekulation. Gewiss ist nur: Wer sich diesem Thema in der Türkei stellt, riskiert immer noch viel.

Für Zarakolu sprang kurzfristig die Berliner Osmanistin Elke Hartmann ein, die verschiedene Phasen der Verleugnung referierte, von der Zeit unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg bis heute. Immer wieder sei jedoch das verordnete Schweigen durchbrochen worden, etwa nach Erscheinen von Franz Werfels „Musa Dagh“ oder 1965, als überall auf der Welt Armenier auf die Straße gingen. Doch kamen die Proteste auch immer wieder zum Stillstand. Als vor einigen Jahren jedoch Fethiye Cetins Roman „Meine Großmutter“ erschien, begann das betonierte Vergessen empfindliche Risse zu bekommen. Tote, die man zu tief begräbt, sagt ein Sprichwort, kommen als Gespenster wieder. Die Türkin Cetin hatte entdeckt, dass ihre Großmutter Armenierin war. Ihr Buch wurde ein Bestseller; die Politik reagierte mit Propagandakampagnen und Geschichtsmythen. Doch die Wahrheit, so Hartmann, entfalte eigene Kräfte. Plötzlich tauchten überall in der Türkei diese „armenischen Großmütter“ auf und bevölkerten die schwarzen Löcher der Erinnerung.

Die Historikerin Ayse Gül Altinay (Sabanci-Universität Istanbul) forscht seit Jahren zu den überlebenden Frauen des Völkermords von 1915. Deren Enkel brechen wie Cetin das Schweigen und holen diese vergessene Gruppe ans Licht: Viele Frauen und Kinder wurden nach dem Morden und den Deportationen vergewaltigt, als Lust- oder Zweitfrauen in muslimische Familien oder Waisenhäuser gesteckt und dort zu wahren Türken umerzogen. Die erzwungene „Assimilation“ ging einher mit Zwangsislamisierung, Zwangsverheiratung – Auslöschung durch Konversion nennt Altinay diese Tragödie. Ein noch kaum erforschtes Kapitel des Völkermordes und des türkischen Nationalismus, das aber ahnen lässt, warum, bewusst oder unterbewusst, „Assimilation“ für türkische Politiker und deutschtürkische Großfunktionäre ein Kampfbegriff ist.

Die Soziologin Necla Kelek appellierte in Potsdam an die deutschen Türken, sich hier, ungefährdet und sicher, der Erinnerung an den grausamen Massenmord zu stellen. Wer seine Vergangenheit verliere, sagte sie, György Konrád zitierend, verliere sich selbst. Der deutsche Umgang mit der eigenen Vergangenheit sei ein Vorbild dafür. Auch Kelek konnte von einer Großmutter berichten, die zwar keine Armenierin, aber Augenzeugin der entsetzlichen Gewalt war. Augenzeugen, von denen es viele gebe, die auch zu berichten wüssten, wie sie einst unverhofft und sehr rasch zu Wohlstand gekommen waren: Sie durften den Besitz der ermordeten oder vertriebenen Armenier übernehmen.

Rober Koptas, der junge Chefredakteur der armenisch-türkischen Zeitschrift „Agos“, erinnerte an Hrant Dink, den Gründer seiner Zeitung. Viele hätten begonnen nachzudenken und die eigene Herkunft etwas genauer zu erforschen, seit Hrant Dink ermordet worden sei, weil er an 1915 erinnern wollte. Die Türkei, sagte Koptas, brauche jetzt einen Willy Brandt, um mit sich endlich ins Reine zu kommen.
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Time am 9. November 2011

Bald wird es finster dort

28. März 2011

Stambul by night. Bald wird es ganz finster werden.
Und noch mohammedanistischer.

Die Verhaftung zweier Journalisten durch die türkische Staatsanwaltschaft hat Karen Krüger sicher in ihren schon seit längerem bestehenden Zweifeln an der Entwicklung der Türkei bestärkt (1).

Und, man glaubt es kaum, auch Leo „Bulldog“ Brux wird allmählich hellhörig in dieser Angelegenheit, die natürlichnatürlichnatürlich nichts mit dem Mohammedanismus zu tun hat (2). Meryem hat ihrem vermeintlichen Weggefährten, der sich im Gegensatz zu ihr – die bekanntlich jeden noch so perversen Diktatoren anhimmelt, wenn er nur auf mohammedanistisch macht – einen Rest an Anstand und Vernunft bewahrt hat, bereits den Kopf gewaschen, und man darf gespannt sein, wann die Orkhexe Fatima Özoguz in seinem Blog auftaucht, um ihn wieder auf Linie zu bringen.

Die FAZ brachte heute einen von Wolfgang Riemann übersetzten Artikel des türkischen Schriftstellers Zülfü Livaneli, der den ewigen Dämmerzustand der Unterdrückung und Unwahrheit in seinem Land beklagt. „Das Sultanat wurde gestürzt, die Republik gegründet, die Demokratie eingeführt. Doch das Problem blieb: Es herrscht Dämmerung,“ ruft er am Ende seines Textes aus, was an  den „Pferch“ von Nikolai Leskow erinnert (3), und dabei demonstriert er die grundsätzliche Blindheit der Mohammedanisten für ihr Kernproblem: den Mohammedanismus.

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Ein Land im Dämmerzustand

Kehrt mit der Verhaftung zweier Journalisten
für die Türkei die Finsternis zurück?

Bis heute lebt die Türkei in der Dämmerung. Den Wechsel aus der Nacht ins Tageslicht, wie etwa in Spanien und Portugal, ist ihr nie gelungen: Demokratisierungsstreben und Menschenrechtsverletzungen verwoben sich und verdunkelten das Leben der türkischen Intellektuellen wie ein immerwährender Fluch.

Dass die Bevormundung durch das Militär abgenommen hat, dass eine Gruppe Putschbereiter im Zug der Ergenekon-Ermittlungen verhaftet wurde, dass auf dem Weg zur EU-Mitgliedschaft wichtige Reformen unternommen worden sind, hat viele liberale Intellektuelle mit Genugtuung erfüllt. Doch die Ergenekon-Verhaftungen haben ihr ursprüngliches Ziel aus den Augen verloren, und die Pressefreiheit wird massiv bedroht. Eine Welle der Besorgnis durchläuft das Land. Kehrt die Zeit der Finsternis zurück? Ist die Gedankenfreiheit erneut bedroht? Ist die Dämmerung, die wir für den aufziehenden Morgen hielten, ein Trugbild?

Während des Militärputsches wurden Intellektuelle ohne konkrete Beschuldigung verhaftet und jahrelang inhaftiert. Trotz der jetzigen Zivilverwaltung, der die Rigidität des Militärregimes fehlt, erneuert sich dies: Hunderte von Journalisten wurden schon verurteilt. Andere sitzen seit Beginn der Ergenekon-Ermittlungen, also seit drei Jahren, in Haft, ohne zu wissen, weshalb. Als sprachlos machende Zuspitzung wurde die Verhaftung der liberalen Journalisten Ahmet Sik und Nedim Sener vor zwei Wochen empfunden. Beide haben gegen die Putschisten angeschrieben, und recherchierten, nachdem Protokolle der Putschpläne auftauchten. Und sie fahndeten, wichtiger noch, nach den Mördern des getöteten armenisch-türkischen Journalisten Hrant Dink. Als die Polizei Nedim Sener festnahm, rief er: „Gerechtigkeit für Hrant!“ Seine Familie gehört zu denen, die sich der Verhaftung der beiden Journalisten widersetzen. Hunderte bekannte Journalisten haben an dem Protestzug im Zentrum von Istanbul teilgenommen, Autoren, die für ihre liberale, aber auch solche, die für nationale und linke Gesinnungen bekannt sind.

In der Türkei herrscht zurzeit große Verwirrung und man ist enttäuscht. Den Intellektuellen gehen Fragen durch den Kopf, die ihre Gedanken vergiften. Selbst in liberalen Kreisen, die der Staatsführung nahestehen und deren Reformversuche von Anfang an unterstützten, ist man irritiert. Die Türkei ist ein Land, das verletzt ist durch Putsche, durch getötete Autoren, durch Menschenrechtsverletzungen, durch siebzehntausend unaufgeklärte Morde und durch die Benachteiligung der Frauen. Aber gleichzeitig ist es auch das Land von Millionen kultivierter Menschen, die für Demokratie und für Freiheit kämpfen.

Als ich als Vertreter der Unesco am 12. Mai an Gesprächen bei den Vereinten Nationen in New York teilnahm, wurde ich oft gefragt, was in der Türkei vorginge. Darauf konnte ich immer nur „Ich weiß es nicht“ antworten. Es gibt niemanden, der die jüngsten Entwicklungen erklären kann. Lediglich die einander bekämpfenden religiösen und nationalistischen Kreise geben scharfe Kommentare ab. Die Regierungsanhänger erklären, alle, die gegen diese sind, seien Terroristen. Die Nationalisten unterscheiden nicht zwischen den Festgenommenen, für sie sind die Verhaftungen Ausdruck von Faschismus. Ich sehe die Wahrheit irgendwo in der Mitte: Nicht alle Verhafteten sind schuld, nicht alle unschuldig.

Ich weiß, was ich bisher erlebt habe und was das Land durchmachte. Doch die kommenden Jahre tragen ein großes Fragezeichen. Ein Gedicht von Tevfik Fikret, einem der großen Dichter des 19. Jahrhunderts, beginnt mit der Zeile: „Wenn in diesem Land einmal der Morgen heraufzöge“. Als sie einmal auf einer Lesung vorgetragen wurde, antwortete ein Zuhörer mit der Verszeile: „So wisse, trügerisch ist die Morgendämmerung!“ Das Gedicht entstand zur Zeit des Osmanischen Reichs. Viel Zeit ist seitdem vergangen: Das Sultanat wurde gestürzt, die Republik gegründet, die Demokratie eingeführt. Doch das Problem blieb: Es herrscht Dämmerung.

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Ich finde es bezeichnend, dass Livaneli – anders als Karen Krüger – auf ein zentrales Thema der Arbeit Siks nicht kommt, und das sind die gegen die islamistische Fethullah-Gülen-Sekte gerichteten Untersuchungen.

Time am 28. März 2011

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1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2011/03/26/orktrain-is-a-coming/
2) http://initiativgruppe.wordpress.com/2011/03/28/ist-die-turkei-auf-dem-weg-zur-diktatur/#more-5581
3) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/05/15/der-pferch/

Der große Wolf

2. November 2010

Manche halten den iranischen Präsidenten Mammut Gardinenstange für den allergefährlichsten Ork, deshalb, weil er irre ist und bald die Bombe besitzt. Aber diese wird ihr Ziel nie erreichen, sondern tausendfach auf Naziran zurückfallen.

Ich bin daher, wie ich diese schon länger vertrete, anderer Ansicht. Der gefährlichste Ork ist m.E. nach der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan (1).

Warum? Weil er Max Frischs Drama „Biedermann und die Brandstifter“ gelesen und durch und durch als treffende Beschreibung der europäischen Seele im allgemeinen bzw. der deutschen im besonderen begriffen hat.

Wiki (2): „So sah Hellmuth Karasek ‚eine Parabel, in der die Machtergreifung Hitlers treffend eingefangen ist. Die Erfahrung, daß Hitler aus seinen wahren Absichten in Mein Kampf nie einen Hehl gemacht hat, ist hier szenisch faßbar geworden. Der Terror kann sich unverblümt geben, sobald er den Bürger mitverstrickt hat, ihn zum Mitschuldigen machte. Er kann sich darauf verlassen, daß das Opfer nicht glauben wird, was es ahnt. Die Feigheit verschließt noch vor der Wahrheit Augen und Ohren.'“

Ganz so the Fuhrergan. Egal, was für Anmaßungen, Unverschämtheiten und Drohungen er oder einer seiner Kumpane vom Stapel lassen, egal, wie christenfeindlich oder antiwestlich die Sprüche daherkommen, sie bewirken bei einem großen Teil unserer politischen und medialen Eliten immer nur noch stärker die Überzeugung, dass die Türkei zu Europa gehöre, und dass the Fuhrergan ein freiheitlich-bürgerliches Modell anstrebe. Buchstäblich alles spricht dafür, dass die Türkei ihre herausragende Position innerhalb der mohammedanistischen Welt wiedergewinnen will, dass sie dafür die EU nur benutzen und dorthin ziehen will, dass sie mitnichten unsere Vorstellungen und Werte teilt. Alles, was uns an Nachrichten erreicht, muss als für uns negativ gewertet werden, dennoch bleibt die Sicht der Dimmis rosafarben verklärt.

Im aktuellen „Chrismon“ (3) wird der türkische Religionsminister von Claudia Keller als „Demokratisierer“ über den grünen Klee gelobt, obwohl in ein und demselben Text auch folgende Passage enthalten ist:

„Vor zwei Jahren erregte ein Leitfaden für die muslimische Frau auf der Internetseite der Diyanet Aufmerksamkeit. Harmlose Alltäglichkeiten wie parfümieren und flirten wurden gebrandmarkt als Vorstufen zur Sünde des Ehebruchs. Unverheiratete Männer und Frauen sollten sich nicht gemeinsam in einem Raum aufhalten, stand da, denn ‚wenn ein Mann und eine Frau allein in einem Zimmer sind, ist der Dritte im Bunde der Teufel‘. Deshalb sollten Frauen auch besser nicht allein reisen und nur hochgeschlossen vor die Tür gehen. Der umstrittene Leitfaden war kurze Zeit später von der Internetseite verschwunden, die Frage ist geblieben: Ist Ali Bardakoglu wirklich ein Liberaler? Ein Reformer? Der eben noch freundliche kleine Herr wird auf einmal unwirsch und stellt klar: ‚Im Islam gibt es keine Reform.‘ Mit Reform könnte man ja meinen Schwulenehe, Abtreibung und so. Das Christentum habe gezeigt, wohin die Modernisierung führe: zur Schwächung. Kein Wunder, dass die Kirchen in Europa leer seien. ‚Der Zauber der Religion liegt in ihrer Unberührtheit‘, sagt Bardakoglu, ‚wenn wir unsere Moscheen für jeden Windhauch öffnen, wird sie ihren Zauber verlieren.‘ Der Koran ist für ihn ein Heiligtum, die zugrunde liegenden Werte und Ethik sind nicht verhandelbar.“

Das ist doch genau das, was der Counterjihad seinen westlichen Mitbürgern zu vermitteln sucht, was die Dimmis aber partout nicht hören wollen. In der „Welt“ vom 28. Oktober hatte der türkische Außenminister einen Auftritt vor den Biedermännern, über den Boris Kálnoky berichtete (4).

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„Türkei wird Europas kulturelle Basis ändern“

Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu ist davon überzeugt, dass ein türkischer EU-Beitritt die „zivilisatorischen Grundlagen“ Europas verändern wird: Weg von einer „rigide westlichen Identität“ und hin zu mehr Religion und „Monotheismus“.

Als Beispiel nannte Davutoglu den Minarett-Streit. „Heute sind manche europäischen Länder gegen Minarette eingestellt. Der Grund ist das sehr starke und rigide westliche Selbstverständnis. Aber Städte mit vielfältigeren kulturellen Bauwerken produzieren pluralistischere Bürger“. Europa werde sich auf eine solche vielseitigere Zukunft zubewegen, meinte Davutoglu, aber es werde zugleich religiöser, und das europäische Christentum selbst werde in gewisser Weise islamischer, nämlich „monotheistischer“ werden: „Meine persönliche Voraussage ist, dass neue christliche Bewegungen mit stärker monotheistischen Tendenzen aufblühen werden“, heißt es in dem Interview.

Auch die Türkei werde sich verändern: „Mehr Osteuropäer, sowie Portugiesen und Brasilianer werden in die Türkei kommen. Das wird uns auch verändern. Wir werden wahrscheinlich unser monokulturelles, nationalstaatliches Verständnis von Islam stärken müssen, und Europa wird sein monokulturell christliches (Selbst-) Verständnis stärken müssen. Das wird nicht leicht, aber es ist unausweichlich.“

Davutoglus Äußerungen mögen säkular denkenden westlichen Lesern rätselhaft scheinen, aber sie werfen ein faszinierendes Licht auf den Mann, der seit vielen Jahren als visionärer Stratege der türkischen Außenpolitik gilt. Offenbar stärker als oft angenommen, orientiert er sich an Religion als Mittel der Strategie – oder ist es gar das Ziel?

In diesem Sinne wurde nun das sogenannte Rote Buch der Türkei überarbeitet, ihre sicherheitspolitische Grunddoktrin. Religiöser Fundamentalismus wird darin erstmals nicht mehr als Gefahr für die nationale Sicherheit betrachtet, und auch nicht der iranische Gottesstaat – nur noch dessen Nuklearprogramm, nicht dessen Ideologie gibt Anlass zu „Sorge“. (…)

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Boris Kálnoky hat klar erkannt, was er nicht klar auszusprechen vermag: Die Durchsetzung des Mohammedanismus ist das Ziel. Der Feind sind nicht die wahnsinnigen Mullas in Naziran sondern das demokratische Israel. Hans-Christian Rössler in der gestrigen FAZ:

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Israel als Bedrohung eingestuft

Türkischer Sicherheitsrat sieht Interessen gefährdet

In Israel wächst die Sorge darüber, dass sich die angespannten Beziehungen zur Türkei weiter verschlechtern. Am Sonntag berichtete die israelische Presse über die Entscheidung des Nationalen Sicherheitsrats in Ankara, Israel wegen seiner Politik gegenüber den Palästinensern und im Nahen Osten zum ersten Mal seit 1949 als eine „Bedrohung“ für die Interessen der Türkei einzustufen. Zugleich soll der Rat, das wichtigste Gremium für die längerfristige strategische Planung, auf seiner Sitzung in der vergangenen Woche Iran, Syrien und Armenien nicht mehr als Länder bewertet haben, von denen eine Gefahr für die Türkei ausgeht. Israel wird in dem alle fünf Jahre erstellten Dokument für ähnlich gefährlich gehalten wie Griechenland. Dem Nationalen Sicherheitsrat, dem auch Ministerpräsident Erdogan und die Chefs der türkischen Sicherheitskräfte angehören, sitzt der türkische Präsident Gül vor. Erst vor wenigen Tagen beendete die Türkei die Zusammenarbeit zwischen den Geheimdiensten beider Länder.

In Israel befürchtet man, dass die Beziehungen zur Türkei angesichts der dort im kommenden Jahr anstehenden Wahlen weiteren Schaden nehmen könnten. Israelische Zeitungen warnten am Wochenende davor, dass Erdogan sogar die diplomatischen Beziehungen beenden könnte, um mehr Wähler für sich zu gewinnen. Die früher engen Kontakte zwischen Israel und der Türkei hatten sich seit der israelischen Offensive im Gazastreifen Anfang vergangenen Jahres stark gelitten. Zu zusätzlichen Spannungen kam es wegen der Erstürmung der maßgeblich von einer türkischen Hilfsorganisation organisierten Gaza-Hilfsflotte im Mai mit neun Toten.

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Die anti-westliche und antijüdische Haltung ist keine, die der Mehrheit von einer kleinen Avantgarde aufgezwungen wird, sie entspricht dem Denken der überwältigenden Mehrheit der Türk-Orks. Und sie wird beständig angefeuert und bestärkt. Bert Rebhandl berichtete ebenfalls am 1. November über die Fortsetzungen der überaus populären Serie „Tal der Wölfe“ in der FAZ. Er sieht genau, um was es den Produzenten im Kern geht, nämlich die Vernichtung Israels, aber er läßt sich nur zu gern von Nebensächlichkeiten den Kopf vernebeln.

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Wir haben ein  Mandat in Palästina

Die türkische Serie  „Tal der Wölfe“ der Brüder Sasmaz arbeitet mit antisemitischen Klischees und betreibt mit den Mitteln des Kinos inoffizielle Außenpolitik. Im jüngsten Film geht die Reise nach Palästina.

Filistin“ („Palästina“, T.) war im neunzehnten Jahrhundert eine kleine Provinz im großen Osmanischen Reich. Muslime sowie Juden und Christen lebten weitgehend friedlich in einer Gegend, die als arm galt und keiner eigenen nationalen Anstrengungen wert. Erst mit dem Beginn der jüdischen Einwanderung nach 1880 wurde das türkische Filistin wieder zu einer umstrittenen Region, und die Palästinafrage, mit der sich die europäischen Mächte konfrontiert sahen, beschäftigt die Welt im Grunde bis heute. Wenn sich in der Türkei nun gerade ein Blockbuster in der Phase seiner Fertigstellung befindet, der den Titel „Kurtlar vadisi Filistin“ trägt – „Tal der Wölfe Palästina“ -, dann geht es dabei nicht nur darum, dem Geheimagenten Polat Alemdar einen Ort für seinen Einsatz zuzuweisen, sondern es wird auch eine Tradition der Zuständigkeit aufgerufen: Die Türkei hat in Palästina noch ein Mandat. Das ist die Suggestion von „Tal der Wölfe Palästina“.

Der Argwohn, den die Nachrichten von den Dreharbeiten in Israel ausgelöst haben, kann nicht überraschen, und er hat mehrere Gründe. Erstens soll die aktuelle Fortsetzung der in der Türkei sehr populären Fernsehserie „Tal der Wölfe“, von der es inzwischen mehrere Spielfilm-Ableger gibt, einen politischen Zwischenfall der jüngeren Vergangenheit aufgreifen. Polat Alemdar, der Held, reagiert auf die Aufbringung jenes Versorgungsschiffs „Avi Marmara“ für den Gazastreifen durch die israelische Armee am 31. Mai 2010, bei der acht türkische Staatsbürger und ein aus der Türkei stammender Amerikaner getötet wurden. Der Vorfall führte zu schweren diplomatischen Verstimmungen zwischen der Türkei und Israel.

Zweitens gibt es in der Serie „Tal der Wölfe“ eine Tradition antisemitischer Klischees, von denen anzunehmen ist, dass sie in einem Blockbuster, der – in den Worten des Regisseurs Zübeyr Sasmaz – „Bewusstsein für das Leid der Palästinenser wecken will“, wieder aufgegriffen werden. In „Tal der Wölfe Irak“, der 2006 auch in Deutschland ins Kino gekommen war und heftige Diskussionen auslöste, war zum Beispiel eine Szene besonders anstößig, in der muslimischen Menschen Organe entnommen werden, als deren Bestimmungsorte Tel Aviv, London und New York ausgewiesen werden. Unschwer war dies auf ein „Weltjudentum“ hin lesbar, das rücksichtslos und biopolitisch von den geopolitischen Konflikten in der Region profitiert.

Zugleich wurde an „Tal der Wölfe Irak“ aber gerade von den schärfsten Kritikern häufig übersehen, dass es darin auch einen politischen Diskurs gibt, in dem keineswegs automatisch die aktionistische und gewalttätige Vorgehensweise von Polat Alemdar den Vorzug erhält. Es ist vielmehr ein quietistischer, mystischer Islam, der als das eigentliche Ideal des Films erscheint, und damit liegt „Tal der Wölfe“ ganz im Trend des türkischen Mainstreamkinos, das in den vergangenen Jahren zunehmend an Selbstbewusstsein gewonnen hat und inzwischen auch die Diasporagemeinden in vielen Ländern der Welt zeitgleich mit den Veröffentlichungen in der Türkei mit ihren Werken versorgt.

Kommende Woche zum Beispiel startet weltweit der Film „Fünf Minarette in New York“, in dem mehrere prominente Hollywood-Schauspieler in einer türkischen Großproduktion auftauchen. Danny Glover, Gina Gershon und Robert Patrick wurden verpflichtet, und sie bekommen es mit zwei Anti-Terror-Agenten aus der Türkei zu tun, die nach Amerika reisen, um einen radikalen Prediger zurück in die Heimat zu überführen. Zu „Fünf Minarette in New York“ sind bisher nur wenige Informationen verfügbar. Diese deuten aber allesamt darauf hin, dass es sich auch hier wieder um eine Mischung aus Genre-Elementen und Bezügen zur aktuellen Politik handelt, die einer differenzierten Lektüre bedarf.

Im Falle von „Tal der Wölfe“ stellt sich dieses Problem ganz genauso. Es steht dabei in Frage, ob eine Action-Serie so etwas wie eine Politik enthält, die über die unmittelbare Handlungspotenz des Helden hinausgeht. Dieser Polat Alemdar wird von Necati Sasmaz gespielt, wodurch die ganze Serie mit ihren Erweiterungen ins Kino mehr oder weniger zu einem Familienbetrieb wird. Denn sein Bruder Naci zählt zu den Autoren, und der dritte Bruder Zübeyr hat, nachdem er lange als Produzent fungierte, nun auch schon zweimal Regie geführt.

Die familiären Verbindungen der Sasmaz-Brüder wurden dabei immer wieder auch als Faktor der inhaltlichen Ausrichtung von „Tal der Wölfe“ genannt. Denn es gibt verwandtschaftliche Beziehungen zu der nationalistischen Partei MHP, die als extremistisch eingeschätzt wird, wie auch zu dem aus der sufistischen Tradition stammenden Quadiyya-Orden. In „Tal der Wölfe Irak“ finden sich tatsächlich viele Motive, die auf die entsprechenden Zusammenhänge verweisen, aber auf die gesamte Serie hin und auch nur auf die eigens für das Kino produzierten Filme ist die Sache schon viel weniger eindeutig.

Denn der vor zwei Jahren veröffentlichte „Tal der Wölfe: Muro“ (in Deutschland als „Tal der Wölfe 2“ gestartet) ist eine Satire um zwei aus dem Gefängnis entlassene linksradikale Tölpel, die es mit ukrainischen Sexarbeiterinnen zu tun bekommen – auch diese derbe Auseinandersetzung mit den Gefährdungen der Sittlichkeit findet also Platz unter dem weiten Dach dieser Serie. Im Fernsehen hatte es 2005 einige Aufregung gegeben, als Sharon Stone für einen Auftritt in „Kurtlar vadisi“ verpflichtet worden war – auch das damals schon ein Ausdruck des Selbstbewusstseins einer türkischen Unterhaltungsindustrie, deren nationalistische Agenda keineswegs nur politisch zu sehen ist.

Bei „Tal der Wölfe Muro“ führte Zübeyr Sasmaz zum ersten Mal selbst Regie für einen Kinofilm, auch bei „Tal der Wölfe Palästina“ hat er diese Funktion übernommen. Den Kontext für diese jüngste Auflage kann man am ehesten aus „Tal der Wölfe: Gladio“ ableiten, in dem die komplizierte Gemengelage der türkischen Innenpolitik und des sogenannten „tiefen Staats“, der von Verschwörungen durchwirkt ist, mit den Ansprüchen einer „neo-osmanischen“ Außenpolitik zusammengebracht wurde. Hier findet sich das Gelenk, das es Polat Alemdar, der ursprünglich ja angetreten war, um die türkische Mafia zu zerschlagen, erlaubt, über die Grenzen des eigenen Landes hinaus wirksam zu werden.

„Tal der Wölfe“ mit seiner verschlungenen Geschichte, zu der auch an einem bestimmten Punkt ein Ausstrahlungsverbot durch türkische Behörden zählt, betreibt Politik mit den Mitteln, die populäre Unterhaltungsmedien nun einmal haben: Es entstellt Konstellationen, die zum Teil widersprüchlich und schwer zu durchschauen sind, zu einer Kenntlichkeit, die Voraussetzung des Zugriffs eines Geheimagenten wie Polat Alemdar ist. Aber auf die lange Sicht vieler Fortsetzungen und Ableger wird diese Kenntlichkeit zu einer komplexen Bearbeitung von politischen Konflikten, von denen sich die türkische Öffentlichkeit tagtäglich ein Bild machen muss – und zu diesem Bild trägt „Tal der Wölfe“ bei, häufig populistisch und agitatorisch.

Das amerikanische Actionkino, das bisher das global unumstrittene Modell für diesen Erzähltyp war, musste über viele Jahre hinweg lernen, wie es wenigsten die gröbsten nationalen und rassistischen Stereotypen überwindet. Nun erwächst ihm aus selbstbewussten Ländern wie der Türkei eine Konkurrenz, die sich darum nicht groß bekümmert, sondern die Wirkungsmacht von Klischees gezielt zum Einsatz bringt. Wenn man so will, ist das ein asymmetrischer (und anachronistischer) Aspekt in der Auseinandersetzung darum, wer die Bilder aus und über den Nahen Osten und damit auch über „Filistin“ bestimmt. „Tal der Wölfe“ betreibt eine inoffizielle Außenpolitik, die politisch nicht korrekt sein muss, und gerade deswegen sehr erfolgreich ist – türkischer Populismus mit den Mitteln des Kinos.

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Die aufgepeitschte Stimmung wird ergänzt durch gesetzliche Maßnahmen, die die Vormacht von Erdogans AKP zementieren sollen, durch zahlreiche und willkürliche Verhaftungen sowie Morde. Oliver Jungen berichtete in der heutigen FAZ seltsam launig über eine zugegebenermaßen etwas skurrile Solidaritätsveranstaltung linker Promis für den in der Türkei verhafteten Schriftsteller und deutschen Staatsbürger Dogan Akhanli.

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Obacht, Türkei!

Köln zeigt Solidarität mit dem Autor Dogan Akhanli

Köln ist zurück. Zuerst zeigte sich die Bürgervernunft bei der Verhinderung des sinnlosen Abrisses des Schauspielhauses, wo derzeit Elfriede Jelineks Stück über den Archiveinsturz noch einmal die jüngeren Wunden leckt. Dann machte nach langer Abstinenz plötzlich die Kölner Kulturpolitik „bella figura“ und eröffnete ein Museum auf Weltniveau. Und eben hier, im neuen Rautenstrauch-Joest-Museum, erhob nun die Kölner Zivilgesellschaft wieder ihr Haupt. Einer der Ihren nämlich ist in Gefahr: der Kölner Schriftsteller Dogan Akhanli, der im August seinen kranken Vater in der Türkei besuchen wollte und unter fadenscheinigen Vorwürfen in Untersuchungshaft gesteckt wurde (F.A.Z. vom 26. August und 2. September). Seine zahlreichen Unterstützer von Günter Grass bis Orhan Pamuk vermuten eine Racheaktion, weil der politische Aktivist seit seiner Flucht nach Deutschland im Jahre 1991 immer wieder türkeikritisch Stellung bezogen hat, vom Genozid an den Armeniern bis zur Ermordung Hrant Dinks.

Die Solidaritätsveranstaltung für Akhanli, die das Kölner Literaturhaus in Kooperation mit zahlreichen Verbänden organisiert hatte, wurde regelrecht vom Publikum überrannt. Nahezu in Sekunden waren die dreihundert Stühle besetzt, Hunderte Besucher standen noch in den Gängen. Eingangs legten die beiden Anwälte des Inhaftierten dar, dass die Anklage wegen Raubes und Totschlags nach dem Rückzug beider Belastungszeugen zwar in sich zusammengefallen sei, aber die türkische Justiz den deutschen Staatsbürger trotzdem nicht freigebe. Das weitere Vorgehen soll am 8. Dezember entschieden werden, lebenslange Haft ist beantragt. Der Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters hatte eine Grußadresse aus Istanbul geschickt, wo er unter anderem versuchte, seinen Amtskollegen Kadir Topbas zu einer schnellen Freilassung Akhanlis zu bewegen, was aber „nicht mal ansatzweise erfolgreich“ gewesen sei, wie Roters‘ Stellvertreterin Elfi Scho-Antwerpes ergänzte.

Das heizte jedoch den gerechten Zorn nur noch weiter an: Mehr Patriotismus wünschte sich gar Günter Wallraff, schließlich werde hier ein Deutscher festgehalten, aber weder vom Bundespräsidenten noch von Kanzlerin oder Außenminister habe man ein Wort dazu gehört. Mit der ultimativen Vergeltung drohte Wallraff der Türkei sodann, einer „Aktion“, sollte sein Schriftstellerfreund sich Ende des Jahres immer noch in Haft befinden. Der Kabarettist Fatih Cevikkollu bot sich sogleich als Mitstreiter an.

Die SPD-Politikerin Lale Akgün betonte, wie wichtig es sei, den EU-Beitritt der Türkei nicht in erster Linie von wirtschaftlichen Kriterien abhängig zu machen. Der Autor Navid Kermani meldete in diesem Punkt begründete Skepsis an: „Der Wirtschaftsaustausch Deutschlands mit Iran war noch nie so hoch wie im vergangenen Jahr, dem Jahr der Niederschlagung der Proteste, der schlimmstmöglichen Zustände in den Gefängnissen, der großen Worte von Solidarität.“ Dann folgte ein Plädoyer für das europäische Projekt, das es zu verteidigen gelte gegen den überall erstarkenden Nationalismus: „Wir müssen offensiver werden.“ So wandelte sich die Veranstaltung unter der ruhigen, klugen Leitung Osman Okkans – sicher im Sinne Akhanlis – allmählich zu einer Selbstvergewisserung der in Köln trotz aller Korruption letztlich doch tonangebenden engagiert-demokratischen Linken.

Am Ende des Abends stand ein humorvoller Brief Akhanlis selbst: Immer habe er davon geträumt, eine Veranstaltung im Literaturhaus zu bekommen. Hätte er gewusst, dass das so einfach ist, wäre er schon früher in seine alte Heimat gereist. Diese sei über die Maßen gastfreundlich: Bei freier Kost und Logis lebe er, man wolle ihn gar nicht mehr gehen lassen. Aber bleiben könne er nicht, dafür liebe er Köln, diese unverhältnismäßig hässliche Stadt, zu sehr, und zwar „euretwegen“ – und natürlich wegen des Karnevals. Das also ist Kölns Ultimatum: Sollte Dogan Akhanli Anfang März noch nicht zurück sein, dann fährt der Rosenmontagszug bis nach Istanbul, und an jede Laterne ketten sich Funkenmariechen an – das Ende der Türkei ist nah.

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Hier eine Meldung aus derselben Ausgabe der FAZ. Die Türkei, NATO-Partner und EU-Aspirant, ist nicht bereit, die massiven und permanenten Grenzverletzungen von ihrem Gebiet aus zu unterbinden, so dass die Griechen „Frontex“ zu Hilfe riefen (Die Türkei bildet mit Syrien (!) und Iran (!!) eine visafreie Zone). Das Verhalten der Türkei ist doch ein klarer Verrat am europäischen und westlichen Gedanken und ein deutlicher Affront. Aber unsere Dimmi-Politiker bitten um mehr dergleichen und sehen erneut die Beitrittsreife der Türkei bestätigt.

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175 Grenzbeamte der EU für Athen

Griechenland erhält zur Sicherung seiner Landgrenze mit der Türkei vorübergehend 175 Grenzbeamte aus anderen Mitgliedstaaten. Das teilte die EU-Grenzschutzagentur Frontex mit, über die solche innereuropäische Hilfen abgewickelt werden. Die griechische Regierung hatte vor einer Woche um Hilfe gebeten, weil sie sich nicht mehr in der Lage sieht, einen 12,5 Kilometer breiten Grenzstreifen nahe der Stadt Orestiada aus eigener Kraft zu kontrollieren. Über diese Lücke gelangen offenbar täglich mehrere hundert illegale Einwanderer in den Schengen-Raum. Es wird vermutet, dass viele von ihnen nicht in Griechenland bleiben, sondern weiter in Richtung Norden ziehen. Es ist das erste Mal, dass Frontex einem EU-Mitgliedstaat mit einer schnellen Eingreiftruppe bei der Grenzsicherung hilft. Die belgische EU-Präsidentschaft hatte Mitte vergangener Woche noch etwa 200 Beamte in Aussicht gestellt, nun wurden es etwas weniger. An der Hilfsaktion beteiligen sich 26 Staaten des Schengen-Raums. Entsandt werden unter anderen Fachleute für gefälschte Dokumente, heimliche Grenzübertritte, gestohlene Fahrzeuge sowie Hundeführer, Befragungsspezialisten und Dolmetscher. Hinzu kommt viel technische und logistische Ausrüstung, zu der unter anderem ein Hubschrauber (aus Rumänien) und diverse Fahrzeuge gehören. Deutschland schickt sieben von insgesamt 19 Patrouillenfahrzeugen und vier von neun Infrarotfahrzeugen. Alle Kosten trägt Frontex. Der Einsatz soll am Dienstag beginnen und voraussichtlich zwei Monate lang dauern.

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Die folgende Passage stammt aus der FAZ vom 30. Oktober:

„Der türkische Staatsminister Celik hatte in dieser Woche die Niederlande besucht und dabei das Vorhaben kritisiert, auch Türken zur Teilnahme an Integrationskursen zu verpflichten. Das widerspreche dem Assoziierungsabkommen der Türkei mit der EU. Celik hatte in Den Haag gesagt, unabhängig von ihrer möglichen Einbürgerung blieben alle Auslandstürken ‚für immer Türken‘.

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Diese Ansicht ist zweifellos ein weiterer Beweis für die Beitrittsreife der Türkei. Und the Fuhrergan himself? Er ist der große Wolf (5) und bleibt es. Er heult und droht, dass den Dimmis der Schreck in die Glieder fährt. N-TV gestern (6):

„Einen Tag nach dem Selbstmordanschlag von Istanbul hat der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan den Europäern vorgeworfen, den gegen die Türkei gerichteten Terror zu unterstützen. ‚Wir werden nicht vergessen, dass wir allein gelassen wurden,‘ sagte Erdogan in einer Rede in Istanbul.“

Den Benzinkanister braucht der Brandstifter natürlich nur deshalb, weil man so bequem darauf sitzen kann. Und wenn er den Biedermann um Feuer bittet, hilft der ihm noch dabei, die Lunte korrekt zu legen. Nicht mal Lämmer opfern sich derartig bereitwillig den Wölfen.

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Time am 2. November 2010

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1) http://de.wikipedia.org/wiki/Recep_Tayyip_Erdoğan
2) http://de.wikipedia.org/wiki/Biedermann_und_die_Brandstifter
3) http://www.chrismon.de/6981.php
4) http://www.welt.de/politik/ausland/article10599551/Tuerkei-wird-Europas-kulturelle-Basis-aendern.html
5) https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/03/24/kalif-recep-i/
6) http://www.n-tv.de/politik/Erdogan-fuehlt-sich-allein-gelassen-article1832181.html

Erst Burkabann und dann…

16. Juli 2010

Sunniten, Schiiten, Hypokriten

Dem geneigten Leser bietet FAZ-Redakteurin Karen Krüger bekanntermaßen in lockerem Wechsel sowohl jihadische als auch counterjihadische Artikel. Manchmal schafft sie es aber auch, die beiden antagonistischen Positionen sogar in ein und demselben Aufsatz unterzubringen. Dann zeigt sie, dass sie den Jihad noch nicht begriffen hat und demzufolge noch weniger den Counterjihad. Sie stochert wild im Nebel herum ohne zu merken, dass ihr „Boot ein Leck“ hat. Heute nimmt sie sich die kommenden Burkaverbote in Europa zum Thema und bezieht nach Darlegung unglaubwürdiger Daten erwartungsgemäß Stellung dagegen, ohne deren freiheitsschützenden Aspekte und vor allem deren Avantgardismus in einem langwierigen Prozess, an dessen Ende ohne Frage die Beseitigung des Mohammedanismus stehen wird, zu verstehen.

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Prävention ist das Gebot der Stunde (So ist es, T.)

In Belgien gibt es KAUM vollverschleierte Frauen (Ist diese Aussage glaubwürdig, wenn kein Zweifel daran besteht, dass der häufigste Jungenname in der belgischen Hauptstadt „Mohammed“ ist? T. – 1). Also hat man sich mit dem Verbotsgesetz BESONDERS beeilt (demagogische und unbelegte Behauptung, T.). Die Burkadebatten überall in Europa enthüllen die ANGST der Öffentlichkeit (Diese permanente Unterstellung von Angst macht die Beleidigung des Andersdenkenden zur Methode der Auseinandersetzung. Niemand hat Angst vor den Orks. Ihre zutiefst sexistische, rassistische, unterdrückerische Ideologie erzeugt indes Ekel und Mitleid. Der unerschrockene Kampf gegen sie ist Menschen- und besonders Christenpflicht, ebenso wie der Kampf übrigens gegen Lepra. T.)

Frauen, die einen Ganzkörperschleier tragen, wirken auf die meisten von uns befremdlich, mehr noch: Sie lösen ein AGGRESSIVES Unverständnis aus (Nein, kein Unverständnis, sondern entschlossene Ablehnung. T.). Denn Frauen, die sich mit der Verhüllung von Körper und Gesicht der Identifizierung ihrer Individualität und dem Kontakt entziehen, wecken den Verdacht, dass sie den Wert der FREIHEIT weder akzeptieren noch respektieren. Sie bleiben UNS fremd (In der Tat, Karen. Mit dieser Ansicht sind Sie willkommen, T.).

Auch, weil sie uns so gut wie NIE auf der Straße begegnen (Mir begegnen sie zwar nicht täglich, aber doch häufig, sicher wöchentlich. Aah, es wird immer dieselbe sein… T.). Frauen nämlich, die den iranischen Tschador – sein Tuch lässt das Gesicht frei, kann aber jederzeit darüber gezogen werden -, die afghanische Burka mit ihrem Gitterfenster oder den saudi-arabischen Nikab tragen, der den Augen einen Sehschlitz zugesteht, gibt es in Europa so gut wie nicht (absurde Behauptung aus dem FAZ-Redaktionsturm – vergl. 2 – T.). In Frankreich, wo mit mehr als fünf Millionen Menschen die größte muslimische Gemeinde Europas lebt, sollen es zweitausend sein (Das sind doch absolut willkürliche Schätzungen angesichts der Tatsache, dass die Banlieues längst Schariagebiet sind, in die sich weder Polizisten und noch weniger Soziologen trauen, T.). Dänemark zählt zweihundert. Für Deutschland und alle anderen Staaten gibt es nur SCHÄTZUNGEN (als ob es irgendwo anders Gewissheiten gäbe, T.), SELTEN liegen sie im dreistelligen Bereich. AUCH DESHALB (Kann sein, kann nicht sein: Gefasel! T.) lehnt die Bundesregierung eine Debatte über ein Vollverschleierungsverbot ab.

In anderen Teilen der Welt jedoch schreitet die Totalverschleierung tatsächlich voran (Ach nee! T.): Saudi-arabische Stiftungen etwa sollen Frauen Geld bezahlen, damit sie den Nikab anlegen. Das ist beängstigend (Das ist nur für den beängstigend, der tatsächlich glaubt, Mohammedanismus bedeute Frieden, und der sich standhaft weigert, einen Blick in den Kloran zu wagen, T.). Aber es darf keine Legitimation dafür sein, dass derzeit in vielen europäischen Ländern eine hart geführte Debatte mit teilweise absurden Zügen um die Ganzkörperverschleierung tobt (Dass in allen mohammedanistischen Staaten der Erde einschließlich der Türkei (3) die Tendenz vorherrscht, dass Freiheiten eingeschränkt werden und dass der offene Jihad gegen den Rest der Welt vorbereitet wird, darf laut Frau Krüger nicht dazu führen, dass bei uns eine Debatte, der sie unbelegt Lächerlichkeit attestiert, über das Erscheinungsbild und die Methoden des Jihad geführt wird. T.)

Einen einheitlichen Umgang mit der Burka gibt es in Europa nicht. Der Blick aufs Ganze jedoch beunruhigt (Wen denn ausser die Schariaten und Jihadisten? T.). In den Niederlanden zum Beispiel, wo das Tragen des Ganzkörperschleiers in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen verboten ist, haben Politiker die Betreiber von Bussen, Straßenbahnen und Zügen dazu aufgerufen, vollverschleierten Kunden die Nutzung ihrer Transportmittel zu untersagen. Das erste Land, in dem die Diskussion in einen Gesetzentwurf mündete, war Belgien: Im Mai hat die Abgeordnetenkammer für ein generelles Verbot des Verhüllens des Gesichts „außerhalb von Karnevalszeiten“ gestimmt, das nun darauf wartet, den Senat zu passieren. Gelingt dies, dann müssen burkatragende Frauen in Belgien künftig zweihundertfünfzig Euro Strafe zahlen, und ihnen droht eine Woche Haft.

Deutlich härter noch sind die Strafen, mit denen der Nachbar Frankreich das Tragen eines Tschadors, einer Burka oder eines Nikab ahnden will. In dieser Woche hat die französische Nationalversammlung einen Gesetzentwurf zum Thema durchgewunken: Frauen sollen mit hundertfünfzig Euro Bußgeld bestraft werden, wenn sie verhüllt in die Öffentlichkeit treten. Alternativ oder ergänzend dazu will man sie zur Teilnahme an einem Kurs in Staatsbürgerkunde verpflichten. Männern, die ihre Frauen hinter das Stoffgitter zwingen, drohen ein Jahr Gefängnis sowie eine Geldstrafe von bis zu 150.000 Euro.

Im Juni hat als erste spanische Großstadt Barcelona ein Verbot in allen öffentlichen Gebäuden erlassen. Im Herbst tritt es in Kraft. Auch in Österreich und der Schweiz sind Vorstöße in Vorbereitung. In manchen italienischen Städten ist es verboten, sich in öffentlichen Gebäuden zu vermummen. Ins Leere gelaufen sind hingegen die Initiativen in den skandinavischen Ländern. Die schwedische und die norwegische Regierung missbilligen die Ganzkörperverschleierung ebenfalls, sind jedoch so selbstbewusst im Glauben an die Durchschlagskraft ihrer freiheitlich-demokratischen Werte, dass sie das Tragen von Burka, Tschador und Nikab nicht verbieten wollen (Nein, sie haben Angst vor einem offenen Bürgerkrieg, T.). Sie vertrauen auf eine Beurteilung von Fall zu Fall: Eine Diskriminierungs-Ombudsstelle entscheidet, ob ein Verbot an Schulen und am Arbeitsplatz rechtens ist.

Die Dänen hingegen wurden durch ein Gutachten ausgebremst. Ihm zufolge verstieße ein Burka-Verbot sowohl gegen die Verfassung des Landes als auch gegen die Europäische Menschenrechtskonvention. Der dänische Ministerpräsident forderte jedoch zur konsequenten Einhaltung der bestehenden Richtlinien auf: Von Angestellten des öffentlichen Dienstes und deren Klientel – Schülerinnen, Studentinnen und Heimbewohnerinnen – kann gefordert werden, dass sie ihr Gesicht zeigen. Dennoch berät die Regierung derzeit über andere Wege, wie man das Tragen der Burka bekämpfen kann.

Die VERVE, mit der sich Politiker in den meisten Ländern für ein Verbot des Ganzkörperschleiers engagieren, ist bemerkenswert (Nein, sie wäre der Perversion dieses Schariagesetzes angemessen, wenn es sie denn gäbe, T.). In Frankreich und Dänemark dominiert das Argument vom Schutz der Menschenwürde. Es gehe um die Verteidigung jener Werte, für die dänische Soldaten in Afghanistan ihr Leben riskierten, hieß es in Kopenhagen. In den anderen skandinavischen Ländern, aber auch in Spanien, den Niederlanden und Belgien berufen sich die Befürworter vor allem auf das Sicherheitsrisiko: Eine vollverschleierte Person lässt sich nicht sofort identifizieren.

Doch der wahre Kern liegt woanders: In Europa geht die Angst vor einer schleichenden Islamisierung um. In der Öffentlichkeit ist das Thema zu einem Selbstläufer geworden. Wer der Islamisierung den Kampf ansagt und sie mit symbolischen Taten zurückdrängen will, wird an die Spitze von Beliebtheitsskalen getragen, auch wenn er SONST nichts zu sagen hat (Wenn es so wäre, wäre dies schön, aber Geert Wilders z.B. ist leider noch nicht Staatschef der Niederlande. Im übrigen ist das Engagement gegen die Feinde der demokratischen, freiheitlichen westlichen Gesellschaft doch erste Bürgerpflicht. Sich auf die Eliminierung unseres aktuell größten Feindes zu konzentrieren, ist daher kein Makel, sondern m.E. Gebot der Stunde. T.)

Es kostet Mühe und Zeit, von Fall zu Fall Entscheidungen zu treffen, bei der Ausbreitung des radikalen Islam bei Predigern und Internetseiten anzusetzen, die Stellung der wenig privilegierten muslimischen Frau durch die Verbesserung ihrer Bildungschancen zu stärken oder jene muslimischen Richtungen zu unterstützen, deren Vorstellungen mit unserem Demokratieverständnis vereinbar sind. (Das wird ja auch getan und es wiederum unsinnig und demagogisch, dieses gegen das Burkaverbot, das nur eine Maßnahme in einem umfangreichen Katalog ist, auszuspielen. T.) aber viel öffentlichkeitswirksamer ist es, wenn man PAUSCHAL religiöse Symbole (Ist die Burka denn ein solches? T.) zur Zielscheibe macht: das Kopftuch, Moscheen und Minarette. Und nun ist eben ein weiteres weibliches (Nein, mohammedanistisches Zwangs-, T.) Kleidungsstück an der Reihe, mit dessen Verbot der Streit um die kulturelle Deutungshoheit gewonnen werden soll (Und am Ende, liebe Karen, steht die totale Ächtung des gesamten, bösartigen und menschenfeindlichen Mohammedanismus, und die Menschen werden frei sein, so wie es die Russen, Tschechen, Polen und Deutschen jetzt endlich sind. T.). Doch Veränderungsprozesse im Sinne einer Aufklärung entstehen NUR aus dem Innern heraus und beileibe nicht durch Verbote (Was für ein Schwachsinn! Überall auf der Welt wird uns doch die grausame Realität in rechtsfreien Räumen und gescheiterten Staaten vor Augen geführt. Frau Krüger ist eigentlich zu jung, um solches Hippie-Geschwafel abzugeben. T.)

Aus den Niederlanden war zu hören, dass man mit dem Verbot des Vollschleiers in öffentlichen Gebäuden ein Signal an die Bevölkerung geben wolle, da in ihr die Unsicherheit über den sich ausbreitenden orthodoxen Islam wachse (Aha, er breitet sich also aus, der ORTHODOXE Mohammedanismus. Oder etwa nicht? Und einen andrern, wo wurde der gesehen, Karen? T.). In Belgien reagierten Politiker auf die Kritik, dass es im Land kaum vollverschleierte Frauen gebe: Man müsse etwas tun, bevor es viele würden. Prävention heißt also das offizielle Gebot der Stunde, dabei handelt es sich wohl eher um reflexhafte (Ein Reflex auf welchen vorausgehenden Reiz? Hatte Frau Krüger nicht grade selbst AUSBREITUNG konstatiert? T.) Überregulierung. In Österreich ist man deutlicher, was den Hintergrund der Gesetzesinitiative angeht. Zumindest gilt das für die FPÖ, die treibende Kraft in der Debatte: Das Burka-Verbot sei ein wichtiger Schritt gegen die „Islamisierung Europas“.

Tatsächlich ist der Ganzkörperschleier zum Symbol einer ultraorthodoxen muslimischen Gesellschafts-Kultur geworden, die mit Absolutheitsanspruch für Werte eintritt, die nicht in das säkulare Europa passen (Genau, Karen! T.). Ihre Anhänger lassen nicht zu, dass man ihre Wertvorstellungen in Frage stellt – zahlreiche Islamwissenschaftler etwa halten die theologische Herleitung des Gebots der Vollverschleierung für äußerst fragwürdig. In der Ideologie ihrer Befürworter dient sie dazu, die Reinheit der Gemeinschaft zu bewahren, da der Schleier jeden Kontakt zum Unreinen unmöglich macht – gemeint ist natürlich die erotische Ausstrahlung der Frau. Diese Ideologie ist totalitär (Eben! T.); sie schließt ein und aus, negiert das Individuum. Niemand, der für eine freie Gesellschaftsordnung eintritt und für die Gleichberechtigung von Mann und Frau, würde sich für das Tragen dieser Kleidung einsetzen (Super! Genau begriffen und exakt dargestellt! T.). Und doch bleibt ein bitterer Nachgeschmack, wenn sie verboten wird (Aber überhaupt nicht, Karen. Ich fühle Freude und Zuversicht, und ich freue mich vor allem für die mohammedanistischen Frauen, die nun unsere Gesetze hinter sich wissen, T.). Das Gefühl der Verunsicherung entsteht gerade dann, wenn der Staat die Wirklichkeit durch Verbote reguliert, die nur Symptome bekämpft, und nicht die Ursachen (Die Ursachen werden langfristig ebenfalls bekämpft. Man fängst halt mit dem offensichtlichsten und abstoßendsten an, das Schächten und der Halal-Zamba sollten z.B. auch oben die Liste gesetzt werden. T.).

Es ist ungewiss, was die Verbote an Gegenreaktionen auslösen werden (Jetzt fängt sie schon an zu zittern, weil sie sich gar nicht vorstellen kann, dass die Verteidigung der Freiheit evtl. mit Opfern oder Schmerzen verbunden sein könnte. T.). In Frankreich weiß man, dass ein Drittel der vollverschleierten Frauen Konvertitinnen sind. In ihrem Fall mag der Rückzug ein selbstgewählter sein; der Schleier ist Teil der Pflichten und ein Mittel der Distinktion. Genauso gibt es natürlich vollverschleierte Frauen, die unter großem Druck von Familie und Ehegatten stehen; Frauen, die so indoktriniert sind, dass von Selbstbestimmung keine Rede mehr sein kann. Verbote werden ihnen kaum den Freiraum schaffen (Es geht nicht um sie, sondern um die Freiheit unserer gesamten Gesellschaft, T.), aus dem „mobilen Gefängnis“, wie einige Frauenrechtlerinnen die Burka nennen, auszubrechen. Viel wahrscheinlicher ist, dass ihnen nun erst recht ein Hausarrest droht: Sie wären gezwungen, ihre vier Wände unverschleiert zu verlassen. Folglich bleiben sie eben daheim.

Die europäische Gesellschaft wird dann vielleicht tatsächlich weniger Angst vor einer drohenden Islamisierung haben, schließlich sieht man den Nikab dann nicht mehr auf der Straße. Sie darf sich dem Schein hingeben, das Problem gelöst zu haben (Das Problem ist gelöst, wenn Mohammedanismus allgemein als zu ächtende Perversion verstanden wird, auf dem Weg dorthin gibt es viele Teilprobleme. T.). Doch Burka-Verbote geben den Politikern NUR das Alibi, die Situation im Griff zu haben. In Wirklichkeit aber kennen sie noch nicht den richtigen Weg, mit den gesellschaftlichen Veränderungen in ihren Ländern umzugehen (It’s a long and winding road. T.). Der Islam wird in Europa bleiben (Sicher? Top, die Watte quillt! Vor 25 Jahren hätte Frau Krüger das gleiche über den Kommunismus prognostiziert nach Honeckers Motto „Den Sozialismus… in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf“ (4). Aber den Erich haben schon die Würmer gefressen, und Sozialismus ist nurmehr eine peinliche Lachnummer. T.). Den Willen zur Integration kann man nicht mit Verboten erzwingen (Nein, aber man kann die Feinde unserer Gesellschaft verfolgen und sie ausschließen. T.). Und auch nicht, indem man den Islam durch solche Debatten in seiner Gesamtheit stigmatisiert (Aber ganz genau das ist notwendig: Der gesamte abartige Mohammedanismus muss stigmatisiert werden, ebenso wie der Kindesmissbrauch in seiner völligen und totalen Gesamtheit! T.).

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Time am 16. Juli 2010

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1) http://www.welt.de/vermischtes/article2457701/Mohamed-jetzt-haeufigster-Jungenname-in-Bruessel.html

2) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/11/03/aus-meinem-giftschrank-5/

3) Aus der Türkei berichtet Michael Martens in der heutigen FAZ z.B. folgendes: Kritiker vor Gericht – Türkischer Kolumnist angeklagt – Der bekannte türkische Kolumnist Cengiz Candar muss sich wegen seiner Kritik am Verlauf des Prozesses im Mordfall Hrant Dink seinerseits vor Gericht verantworten. Candar, dessen Prozess im Dezember beginnen soll, wurde wegen „Beleidigung einer Amtsperson“ angeklagt. Dafür drohen ihm bis zu drei Jahre Haft. Den Anlass oder zumindest Vorwand für die Klage gegen den äußerst kritisch über die Regierung Erdogan urteilenden Journalisten bot eine schon im Februar veröffentlichte Kolumne, in der Candar kritisiert hatte, dass der Prozess um die Ermordung des türkisch-armenischen Journalisten Hrant Dink ohne die nötige Professionalität geführt werde. Wörtlich griff Candar den Richter an, der den Eindruck hinterlasse, „dass er heimlich mit den Anwälten der Verteidigung kooperiert, statt ein unvoreingenommener Richter zu sein“. Candars Kolumnen enthalten oft scharfe, meist aber wohlbegründete Kritik am türkischen Ministerpräsidenten Erdogan und seiner Partei. In seinem jüngsten Kommentar führte Candar vor wenigen Tagen sinngemäß aus, dass die „demokratische Initiative“, mit der die Regierung die Kurden besser in die Gesellschaft integrieren will, nur Wortgeklingel sei und kaum Ergebnisse gebracht habe.

4) http://de.wikipedia.org/wiki/Erich_Honecker

Türkischer Realismus

19. April 2010

Erdogan allein zu Haus

Kommen die Türken zu einer vernünftigen Betrachtung z.B. in der Frage ihres EU-Beitritts? Eine Aussage des türkischen Staatspräsidenten Abdullah Gül scheint darauf hinzuweisen, wie Wolfgang Günther Lerch in der heutigen FAZ berichtete.

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Klar und wahr

Wichtiger als eine EU-Mitgliedschaft der Türkei sei die Fortsetzung des demokratischen Reformprozesses im Land. Das hat der türkische Staatspräsident Abdullah Gül gegenüber der vielgelesenen Zeitung „Hürriyet“ (1) geäußert. Es sind klare und wahre Worte. Aus den Äußerungen vieler türkischer Politiker und Repräsentanten konnte man in der Vergangenheit bisweilen schließen, die angestrebte Verwirklichung von Reformen diene nur dem Ziel der Mitgliedschaft in der Europäischen Union. Doch nun hat Gül dankenswerterweise darauf hingewiesen, dass die europäischen Werte, denen man nacheifern will, in erster Linie um ihrer selbst willen und zum Nutzen des Landes anzustreben sind. Demokratie, Pluralismus und Menschenrechte sind für alle Menschen wertvoll, unabhängig davon, ob man Mitglied in irgendeinem politischen Zusammenschluss oder einem sonstigen Bündnis ist. Es gibt demokratische Musterländer, etwa Norwegen, die nicht der EU angehören. Güls Worte sollten um der Türkei willen beherzigt werden, nicht wegen Brüssel.

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So sehr ich WGL zustimme, so sehr zweifle ich an der Wahrhaftigkeit von Gül. Die Türken verschlingen Kreide aus Leidenschaft, und die Politik der türkischen Regierung weist in die entgegengesetzte Richtung. Ein sehr wichtiger, fundamentaler Prüfstein ist die Armenierfrage. Hierbei geht es nicht nur darum, den Opfern gerecht zu werden, die Wolfgang Günter Lerch leichthändig und in voller Absicht von 1,5 Millionen (2) auf 1 Million herunterrechnet. Es geht auch nicht nur darum, die Beziehungen zwischen der Türkei und Armenien bzw. zwischen Türken und Armeniern zu verbessern. Es geht dabei m.E. vor allem auch darum, dass die Türkei sich endlich anschickt, die mohammedanistische Schamkultur, in der sie gefangen ist, wenigstens teilweise zu verlassen, die Fakten anzuerkennen und also zu einer wahrhaftigen Betrachtung der Welt zu kommen.

Wiki (3): „In einer Schamkultur muss sich der Geschädigte selber um Wiedergutmachung kümmern. Scham hat zu empfinden, dessen Normverstöße auffallen, und, wem man ungeahndet öffentlich Unrecht antun kann. In einer schamorientierten Kultur gilt nicht ein ruhiges Gewissen, sondern die öffentliche Wertschätzung als höchstes Gut. Demzufolge sind Vergehen, die niemand bemerkt, kein Grund, sich zu schämen.“

Leider leugnet die türkische Führung auch heutzutage immer wieder das schreckliche Verbrechen obwohl die Beweise evident sind und verdeutlicht der nichtorkischen Welt damit, dass sie nicht bereit ist, ihr ersponnenes mohammedanistisches Paralleluniversum zu verlassen und zum Realismus zu finden. Erdogan: „Von einem Völkermord an den Armeniern kann keine Rede sein (4).“ In der türkischen Bevölkerung scheint es indessen Bewegung zu geben, wie Wolfgang Günther Lerch heute berichtete.

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Tabu-Knoten

Das Armenier-Massaker aus der Sicht der Türkei

„Wir sind alle Hrant“ und „Wir sind alle Armenier“ stand auf den Transparenten, welche die entsetzten Demonstranten damals mit sich führten. Am 19. Januar 2007 war der türkische Staatsbürger armenischer Abkunft Hrant Dink, Journalist und Autor, am helllichten Tag in Istanbul von einem aufgehetzten Siebzehnjährigen erschossen worden. Eine Schockwelle ging durch die Türkei. Sibylle Thelen, Turkologin und Journalistin, beginnt ihr Büchlein (5) nicht ohne Grund mit einer Anspielung auf diese Szenen: Die Gesellschaft in der Türkei ist bei der Bewältigung der Armenier-Massaker des Ersten Weltkrieges weiter als die offizielle Türkei, insbesondere die Bürokratie, das Militär, die „amtlichen“ Historiker und die Nationalisten.

Am 24. April 1915 wurden zunächst Istanbuls armenische Intellektuelle verhaftet. Dies war der Auftakt zu den Massendeportationen, Todesmärschen von Armeniern vornehmlich aus den östlichen Vilayets Anatoliens – später auch den westlichen – in die Wüsten Syriens und Mesopotamiens, an deren Ende nach Schätzungen eine Million tote Armenier zu beklagen waren. Bis heute verwahrt sich die Türkei dagegen, dass diese „Ereignisse“ Völkermord (soykirim) genannt werden, rechtfertigt das Vorgehen der damaligen osmanischen Regierung vielmehr als kriegsbedingte Aktion und militärisch gebotene „Antwort auf armenische Aufstände“ wie den von Van. Greueltaten armenischer Banden werden – etwa in dem Film „Sari Gelin“ (Die blonde Braut) – dokumentiert (Dokumentiert oder behauptet? T.) mit der klaren Botschaft: Im Grunde war es umgekehrt; und die damalige osmanische Führung, das Triumvirat von Talaat, Enver und Cemal Pascha, hat bis heute gewissermaßen einen historischen Ehrenplatz im türkischen Pantheon inne. Dies hinwiederum erbittert die Armenier in Armenien wie in der Diaspora.

Erst allmählich, so beschreibt es die Autorin in dem schmalen Bändchen, beginnt sich der Tabu-Knoten zu lösen, der auch mit dem Gründungsmythos der Republik zu tun hat, als sich die geschlagene und beinahe zerschlagene Türkei wie der Phönix aus der Asche unter Mustafa Kemal Pascha „Atatürk“ siegreich erhob. Das Vergessen der Ereignisse davor weicht langsam einer Bewusstwerdung in Teilen der Bevölkerung, weniger durch offenes Benennen – da winkte im Zweifel bis vor kurzem noch immer der Staatsanwalt wie im Falle des Autors Orhan Pamuk – als durch das Bekanntwerden alter Berichte, Bilder und Erzählungen in den Familien. Da erweist sich die Großmutter namens Fatma plötzlich als Armenierin, die damals mit dem Leben davonkam und zur Muslima bekehrt wurde. Die Autorin will „nicht anklagen, schon gar nicht verurteilen“, sondern dialogfördernd über die Empfindlichkeiten auf beiden Seiten aufklären.

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Das wäre nicht das erste Mal, dass das Volk der Führung als Avantgarde vorausläuft. FAZ-Leserin Muriel Mirak-Weissbach berichtet heute Ähnliches aus der Zeit des Völkermordes.

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Was zwischen Türken und Armeniern zu klären ist

Als Tochter zweier armenischer Waisenkinder, beide Opfer des Genozids der Jahre 1915 bis 1916, kann ich mich nur freuen, dass nach fünfundneunzig Jahren diese Tragödie in den deutschen Medien endlich ernsthaft thematisiert wird. Es überrascht mich allerdings sehr, dass der Inhalt des NDR-Dokumentarfilms „Aghet“ als große Entdeckung dargestellt wird.

Tatsächlich sind die Unterlagen des deutschen Archivs des Auswärtigen Amts aus dem Ersten Weltkrieg seit 1993 intensiv durchforstet und ausgewertet worden. Im Jahr 2005 hat der ehemalige „Spiegel“-Journalist Wolfgang Gust die wichtigsten Dokumente zu den Ereignissen in einem bahnbrechenden Geschichtswerk zusammengetragen. Sie lassen nur einen Schluss zu: Die Führung des deutschen Militärs und des Deutschen Reichs waren über die Genozid-Politik der Jungtürken bestens informiert. Aus machtpolitischem und militärstrategischem Kalkül wurde nicht nur weggeschaut, sondern man gab dem Verbündeten am Bosporus freie Hand. Die Aufarbeitung des Genozids an den Armeniern ist also nicht nur eine türkische, sondern auch eine deutsche.

Die armenischen Kinder wurden Gott sei Dank nicht alle ermordet. Laut Jakob Künzler, der in Urfa tätig war, haben bis zu 12.000 armenische Waisenkinder überlebt. Meine Mutter überlebte das Massaker von Frauen und Kindern in der Nähe von Arabkir, weil sie von einem türkischen Hirten lebendig unter einem Berg von Leichen gefunden und in Sicherheit gebracht wurde. Ein türkisches Ehepaar hat sie aufgenommen und gepflegt. Ihre Geschichte, wie die meines Vaters, der durch die Hilfe mehrerer türkischer Frauen gerettet wurde, dokumentiert, dass es keine Kollektivschuld gibt: Der Genozid an den Armeniern wurde von einer relativ kleinen jungtürkischen Clique und deren Sonderorganisation verübt. Internationale Unterstützung kam von den deutschen Verbündeten sowie von geopolitisch denkenden Kreisen in Frankreich und England, die das Osmanische Reich aufteilen wollten. Zahlreiche Geschichten von Überlebenden zeigen, dass viele normale türkische Bürger armenische Kinder aufgenommen und gerettet haben, oftmals unter Einsatz ihres Lebens.

Wer verstehen will, warum sich die türkische Regierung und Gesellschaft mit dieser Frage so schwer tut, sollte folgendes berücksichtigen: Die Jungtürken wurden zwar im Jahr 1919 in Abwesenheit verurteilt, aber später bei der Gründung der modernen türkischen Republik unter Atatürk wieder rehabilitiert. Es wurde unter Strafe gestellt, das „Türkentum“ zu beleidigen. Dazu zählte auch jeder Hinweis auf den Völkermord. Doch solche Tabus sind brüchig geworden in der Türkei, aber auch unter türkischstämmigen Mitbürgern in Deutschland. Ich habe mehrmals hier in Deutschland persönlich erfahren, dass sie die Wahrheit wissen wollen. Einige studieren das Buch von Wolfgang Gust oder gehen selbst in die Archive. Dann begreifen sie, was wirklich geschehen ist. Die geschichtlichen Lehrbücher an türkischen und deutschen Schulen geben jungen Schülern noch keine Chance, die Wahrheit zu erfahren. Aber selbst Hasan Djemal, ein Enkel von Djemal Pascha, einem Mitglied im „Dreierrat“ der Jungtürken, ist durch seine eigenen Recherchen zu dem Schluss gekommen, dass es sich um einen Völkermord gehandelt hat.

Wenn die historischen Fakten allen Bürgern zugänglich gemacht werden, wird der Weg frei für die eigentliche Herausforderung: für den Prozess der Versöhnung zwischen Türken und Armeniern.

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Time am 19. April 2010

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1) http://de.wikipedia.org/wiki/Hürriyet
2) https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/04/03/aghet-ein-volkermord/
3) http://de.wikipedia.org/wiki/Schamkultur
4) http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,685947,00.html
5) Sibylle Thelen: Die Armenierfrage in der Türkei. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2010. 94 S., 9,90 Euro.

auch:
https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/03/24/kalif-recep-i/
https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/04/03/aghet-ein-volkermord/

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PS.: Sehr lesenswertes Interview mit Afghanistan-Veteran Daniel Seibert unter
http://www.faz.net/s/Rub0CCA23BC3D3C4C78914F85BED3B53F3C/Doc~EB615B3F5AF6A4218820141A1038F1CA0~ATpl~Ecommon~Sspezial.html

„Aghet – ein Völkermord“

3. April 2010

Ich habe in der Vergangenheit schon einige Beiträge zum Genozid der mohammedanistischen Türken an dem ersten christlichen Volk unserer Geschichte, den Armeniern, gebracht (s. Links unten). In der heutigen FAZ macht Karen Krüger – die in in lockerer Folge zwischen exzellenten, counterjihadischen und überflüssigen, fieslahmverstehenden Aufsätzen zu wechseln pflegt – auf den inszenierten Dokumentarfilm „Aghet – ein Völkermord“ von Eric Friedler zu diesem Thema aufmerksam, welcher am Freitag, den 9. April, um 23:30 Uhr im Ersten laufen wird, wenn die Türken dies nicht noch verhindern können. Lesen Sie hier Karen Krüger in Hochform.

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Das Letzte, was ich von den Kindern sah

Die türkische Regierung leugnet den Völkermord an den Armeniern. Zwischen 1915 und 1917 wurde das älteste christliche Volk fast vollständig vernichtet. Daran erinnert eine herausragende Dokumentation im ARD-Fernsehen. Sie wird für Wirbel sorgen.

Es war ein Befehl. Ein kurzer Satz, formuliert von der türkischen Regierung. Er bedeutete für fast tausend armenische Kinder den Tod. Beatrice Rohner spricht leise, sie erinnert sich genau. Sie weiß nicht, wo die Kinder begraben liegen. Auch nicht, wie sie starben; ob sie verhungerten, ob man sie erschlug. Keine Väter, keine Mütter konnten um sie trauern. Die Eltern hatte man damals, im Jahr 1917, längst umgebracht.

Die Räumung der von christlichen Organisationen betriebenen Kinderheime sollte die letzte Etappe des türkischen Vernichtungszugs gegen die Armenier sein; so hatte man es in Istanbul, dem damaligen Konstantinopel, verfügt. Auch jenes, das die Schweizer Krankenschwester Beatrice Rohner leitete, wurde aufgelöst: „Das Letzte, was ich von den Kindern sah, war der Sonderzug, der sie entführte. Und damit fiel der Schleier der Dunkelheit über sie“, sagt sie, „und über mich.“

Es ist eines der dunkelsten Kapitel des Ersten Weltkriegs: der türkische Genozid an den Armeniern. Bis heute behauptet die türkische Regierung, es habe ihn nie gegeben. Bis heute hat keiner der Staaten, deren Parlamente den Völkermord verurteilt haben, von der Türkei gefordert, ihn öffentlich anzuerkennen. Man solle Beweise vorlegen, sagt der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan. Ganz so, als sei der Völkermord ein Mythos, ein Hirngespinst der Armenier, eine Anekdote, mit der man der Türkei Böses will. Doch der Genozid ist ein Faktum, das Historiker längst bewiesen haben. Die fehlende Anerkennung signalisiert den Familien der armenischen Opfer, dass ihre Wahrheit eine subjektive sei. Für die armenische Identität ist das verheerend.

Über Jahrhunderte hatten die Armenier als christliche Minderheit unter den Muslimen des Osmanischen Reiches gelebt, in Konstantinopel, vor allem aber in sechs ostanatolischen Provinzen auf dem Gebiet der heutigen Türkei. Doch dann erschütterte die Revolution der Jungtürken im Jahr 1908 das Land. Die Generäle Talat Pascha, Enver Pascha und Djemal Pascha übernehmen die Macht. Sie versprechen die Gleichstellung aller Minderheiten, haben aber ganz anderes im Sinn: ein Großreich, in dem nur Türken leben, geeint durch Blut, Religion und Rasse. Der heraufziehende Erste Weltkrieg ebnet ihnen den Weg. Deutschland, damals Kriegsverbündeter, schaut stillschweigend zu: 1,5 Millionen Menschen fallen dem Völkermord in den Jahren 1915 bis 1917 zum Opfer. Bis heute gedenken seiner Armenier auf der ganzen Welt am 24. April. Es war der Auftakt des Genozids.

Der Marsch führt in die Wüste

An jenem Tag im Jahr 1915 werden 235 armenische Intellektuelle in Konstantinopel verhaftet. Der Vorwurf: Kollaboration mit dem russischen Gegner – die Jungtürken brauchen einen Sündenbock, um ihre Niederlagen zu erklären. Schnell werden alle Armenier denunziert, armenische Soldaten des Osmanischen Heeres verhaftet, gefoltert und umgebracht. Zum Beweis ihrer These arrangiert die Regierung lokale Verschwörungen und wiegelt die Bevölkerung auf. Es kommt zu Massakern. Dann heißt es, die östlichen Grenzgebiete zu Russland müssten vor dem Feind im Innern gesichert werden. Der Startschuss für die Deportationen fällt. Zunächst nur im Osten, schließlich auf dem gesamten Gebiet der heutigen Türkei. Die Regierung behauptet, die Armenier würden in Syrien, das damals zum Osmanischen Reich gehörte, eine neue Heimat finden. Es ist eine Lüge. Mit der von deutschen Ingenieuren gebauten Bagdadbahn transportiert man sie ab, in Viehwaggons. Die meisten jedoch werden zu Fuß durch das Land getrieben, ohne Wasser und Nahrung, Tausende von Kilometern. Es ist ein Marsch des Grauens. Die Menschen sterben an Erschöpfung, werden erschlagen, ertränkt, Mädchen in Harems entführt, Frauen vergewaltigt und hilflos zurückgelassen. Nur wenige erreichen ihren Bestimmungsort. Dort wartet der Tod: die mesopotamische Wüste.

Türkische Gerichte haben Djemal Pascha, Enver Pascha und Talat Pascha nach dem Sieg der Alliierten zum Tode verurteilt – in Abwesenheit. Sie waren auf einem deutschen Kriegsschiff entkommen. Siegerjustiz, heißt es in der Türkei, wenn man dort Historiker mit den Fakten konfrontiert. Auch Zeugen wie Beatrice Rohner gibt es in der offiziellen türkischen Geschichtsschreibung nicht.

Doch sie und ausländische Missionare, Konsularangestellte und Angehörige des deutschen Offizierskorps, das das osmanische Militär im Ersten Weltkrieg ausbildete und führte, haben den ersten Völkermord des zwanzigsten Jahrhunderts miterlebt. Und darüber geschrieben. Doch sie blieben ungehört – man hielt die Beweise unter Verschluss, um der Türkei, dem Bündnispartner, nicht zu schaden. Die Schriftstücke lagern im Politischen Archiv des Auswärtigen Amtes, in Dänemark, Schweden, Frankreich und den Vereinigten Staaten. Nun, fünfundneunzig Jahre später, gelangen sie ans Licht der Öffentlichkeit. Die Zeugen sprechen zu uns, mit den Stimmen von Schauspielern wie Katharina Schüttler als Beatrice Rohner, Friedrich von Thun als amerikanischer Botschafter Henry Morgenthau, oder Axel Milberg in der Rolle von Harry Stürmer, Korrespondent der „Kölnischen Zeitung“ in Konstantinopel. In einem Fernsehfilm von Eric Friedler, der den Titel „Aghet“ trägt. Er bedeutet „die Katastrophe“ und ist der Begriff, den Armenier für den Genozid verwenden.

Der Film rekonstruiert die Systematik des Völkermords und die Mauer des Schweigens, die mit deutscher Hilfe um das Verbrechen errichtet wurde. Nur einmal brach sie ein: Am 15. März 1921 erschießt der armenische Student Solomon Teilirian in Berlin einen Mann, dessen Papiere ihn als Ali Sai ausweisen. Es ist Talat Pascha, er hatte unter falschem Namen in Berlin gelebt. Es kommt zu einem Mordprozess, ein Geschworenengericht spricht den Studenten frei. Er sagt, er habe den Mörder seiner Familie gerichtet – später stellt sich heraus, dass er einer armenischen Geheimgruppe angehört, die die Drahtzieher des Genozids zur Rechenschaft ziehen will. Klärende Untersuchungen gibt es nicht. Das Schweigen wird zu einer historischen Kontinuität.

Damals wie heute ist die Türkei ein wichtiger Verbündeter, mit dem man es sich nicht verscherzen will. Die Vereinigten Staaten sind vor allem seit Beginn des Irak-Kriegs auf die türkischen Militärbasen angewiesen; von ihnen aus fliegen amerikanische Flugzeuge in den Irak und nach Afghanistan. Noch 2007 sprach Barack Obama von einem Genozid. Als Präsident vermeidet er die Konfrontation mit dem Nato-Partner. Man lässt die Armenier mit der türkischen Auslegung der Geschichte allein. Die Deportationen seien eine Kriegsnotwendigkeit gewesen, um die Armenier an der Unterstützung der russischen Truppen zu hindern, behauptet die türkische Geschichtsschreibung bis heute. So heißt es in Schulbüchern, Filmen, offiziellen Verlautbarungen der Regierung, in den Reden der Politiker – Talat Pascha wird als Held verehrt. In den achtziger Jahren etablierte sich ein staatlich protegierter Wissenschaftsbetrieb, der die These von den kriegsbedingten Deportationen der Armenier untermauerte. Seit ausländische Parlamente sich dem Thema widmen, vollziehen türkische Historiker ein neues Manöver: Nicht die muslimische Bevölkerung habe Armenier massakriert, sondern umgekehrt. Schätzungen sprächen von drei Millionen Toten. Wer das nicht glauben will, wird eingeschüchtert, verleumdet und strafrechtlich verfolgt. Der Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk wagte es, von „Völkermord“ zu sprechen, und wurde deshalb wegen „Verunglimpfung des Türkentums“ angeklagt. Türkische Verlage, die Bücher drucken, die der nationalen Geschichtsschreibung widersprechen, werden mit so hohen Geldstrafen belegt, dass sie zu Grunde gehen. Befreundeten Staaten droht die Regierung damit, Rüstungsaufträge zu streichen und diplomatische Beziehungen abzubrechen – mit Erfolg.

In der türkischen Gesellschaft aber ist das Tabu brüchig geworden. Die Menschen lassen sich nicht mehr so leicht abspeisen mit der Einheitsdoktrin. Aufsehen erregte 2004 die Anwältin Fethiye Cetin mit ihrem Buch, das die Geschichte ihrer armenischen Großmutter erzählt: Als kleines Mädchen auf dem Deportationszug der Mutter entrissen, wuchs sie als zwangskonvertierte Muslimin in einer türkischen Familie auf. Hunderte von Türken riefen die Autorin an und sagten: Auch ich habe so eine Großmutter gehabt – sie hatten aus Angst geschwiegen.

Vor allem aber der armenisch-türkische Journalist Hrant Dink tastete sich immer wieder mit vermittelnder Sprache an die Büchse der Pandora heran. Wohlwissend, dass das türkische Volk etwas leugnet, was es ob der offiziellen Geschichtsschreibung nicht besser wissen kann. „Die Armenier in der Türkei leiden unter einem tiefen Trauma. Und die Türken leben in einer Paranoia. Beides ist nicht gesund, beides führt uns nicht zu einer Lösung“, schrieb Dink. Er bezahlte mit dem Leben: Am 19. Januar 2007 wurde er vor dem Redaktionsgebäude seiner Zeitung „Agos“ auf offener Straße erschossen.

Der Täter, ein neunzehnjähriger Jugendlicher, sagte bei seiner Verhaftung, Hrant Dink habe das türkische Volk beleidigt. Schnell wurde deutlich, dass nationalistische Kreise hinter dem Mord stecken: Je größer der Wandel, desto panischer reagieren die Leugner. Doch ihre Rechnung, mit Dinks Tod jene zum Schweigen zu bringen, die Aufarbeitung fordern, ging nicht auf. Eine Welle der Solidarität erfasste das Land, zu Tausenden gingen die Menschen zu Dinks Beerdigung auf die Straße. „Wir sind alle Hrant Dink“ und „Wir sind alle Armenier“ stand auf ihren Plakaten. Ein knappes Jahr später forderten mutige Türken abermals die Deutungshoheit ihres Staates heraus: Dreißigtausend Menschen setzten ihren Namen unter eine Internet-Petition, die das armenische Volk um Verzeihung für das Unrecht von 1915 bat. Damit nicht genug: Einer der Unterzeichner, der Anwalt Bendal Dschelil Esman, hat gerade Anklage bei einem Zivilgericht in Ankara erhoben: Die türkische Regierung soll die Verfolgung der Armenier als Völkermord anerkennen, alle Straßen, die den Namen Talat Paschas tragen, sollen umbenannt werden.

Sie konnten Tränen nicht verbergen

Das sind Zeichen, die Hoffnung geben. Doch immer wieder emotionalisiert Tayyip Erdogan die Bevölkerung durch populistische Äußerungen. Auf die jüngst erlassene Genozid-Resolution des schwedischen Parlaments und auf jene des amerikanischen Repräsentantenhauses reagierte er, als beleidige man die Ehre des türkischen Volkes. Wenn das nicht aufhöre, werde die Regierung die illegal in der Türkei lebenden Armenier deportieren, drohte er. Auch die in Deutschland lebenden Türken bleiben von dem Kampf um die Vergangenheit nicht unberührt. Im März tourte der amerikanische Genozid-Leugner Justin McCarthy durch deutsche Städte (1, T.), auf Initiative der türkischen Botschaft und der „Türkischen Gemeinde Deutschland“. Wiederholt hatte deren Vorsitzender, Kenan Kolat, versucht, den armenischen Genozid aus den Lehrplänen des Landes Brandenburg streichen zu lassen – Brandenburg ist das einzige Bundesland, das ihn im Schulunterricht behandelt. Die geplante Gedenkstätte für den Potsdamer Pfarrer Lepsius, der den Genozid dokumentierte, wollte Kolat verhindern. Mit einem bekannten türkischen Argument: Man solle den Historikern die Bewertung der Ereignisse überlassen.

Den behutsamen Umgang mit dem Völkermord, durch den Hrant Dink die türkische Bevölkerung an das Thema heranführte, pflegt auch Eric Friedler in dem vom NDR produzierten Film. Er zieht eine klare Linie zwischen Tätern und unwissenden Mitläufern. Ganz gleich, ob es um die türkische Gegenwart oder um die Jahre 1915 bis 1918 geht. So lässt er den Schriftsteller Armin T. Wegner in Gestalt des Schauspielers Ulrich Noethen zu Wort kommen. Wegner erlebte als deutscher Sanitätsoffizier im Osmanischen Heer den Völkermord und wurde mit seinen Fotos zum wichtigsten Bildchronisten des Genozids. Viele türkische Beamte hätten sich geweigert, die Befehle auszuführen. Man könne deshalb nicht das gesamte türkische Volk wegen der Vernichtung der Armenier anklagen, berichtet er. „Es hat diese Greuel nicht gewollt, nur wenig gewusst, sie geduldet, selten sie gebilligt.“ Martin Niepage, damals Lehrer an der deutschen Schule von Aleppo, im Film von Sylvester Groth verkörpert, beobachtete: „Viele Mohammedaner und Araber schüttelten missbilligend den Kopf, konnten ihre Tränen nicht verbergen. Sie konnten nicht verstehen, dass ihre Regierung diese Grausamkeiten angeordnet hat.“

Man kann sich sicher sein, dass die türkische Regierung auch Aussagen wie diese der Bevölkerung vorenthält. Denn sie könnten helfen, dem Leid ins Auge zu sehen. Heute weiß man, dass das Schweigen über den Genozid an den Armeniern Hitler in seinen Plänen zur Vernichtung der Juden bestärkt hat. Wie Talat Pascha und dessen Gefährten rechnete er mit dem Desinteresse der Welt. Die Aufarbeitung des Verbrechens ist nicht nur eine Sache zwischen den Armeniern und der Türkei.

Aghet – ein Völkermord“ läuft am Freitag, 9. April, um 23:30 Uhr im Ersten.

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Time am 3. April 2010

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1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/03/18/die-komissare-rausziehen/

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https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/10/14/phonix-armenien-flieg/
https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/10/15/der-teilirian-prozess/
https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/10/16/die-turkei-orientiert-sich/
https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/10/18/wir-brauchen-die-turkei/