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Zwei Strategien gleichzeitig

19. Januar 2010

Vorgestern erhielt Diana West im „Washington Examiner“ die Gelegenheit (1), die Strategie des ISAF-Kommandeurs General McChrystal (2) zu kritisieren. Sie geht dabei direkt auf ein Interview ein, das McChrystal dem „Spiegel“ (#2) gegeben hatte. Hier ist zunächst das Interview:

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„Töten ist nicht der beste Weg“

Der amerikanische ISAF-Oberbefehlshaber in Afghanistan,
Stanley McChrystal, 55, über seine neue Kriegsstrategie,
Verhandlungen mit den Taliban und die Jagd nach Osama Bin Laden

SPIEGEL: General McChrystal. Sie haben gesagt, Amerika habe nach den Anschlägen vom 11. September versucht, ein Feuer mit dem Hammer zu löschen. Was haben die Amerikaner falsch gemacht?

McChrystal: Letztlich kommt es bei der Bekämpfung von Aufständen auf die Wahrnehmung und die Gefühle der Menschen an. Bei Kriegen wie diesem geht es nicht um den massiven Einsatz von Material. Es geht nicht darum, die Städte des Feindes zu zerstören oder seine Armee zu vernichten. Wir müssen den Aufstand schwächen, wir müssen die Aufständischen dazu bringen, aufzuhören. Das wirksamste Mittel dafür ist gute und effektive Zusammenarbeit mit unseren afghanischen Partnern.

SPIEGEL: Ihre ehrliche Einschätzung der Situation in Afghanistan führte zu Obamas Entscheidung, 30.000 Soldaten ins Land zu schicken – zusätzlich zu den 68.000 US-Soldaten, die dort bereits stationiert waren. Sie sagten, es werde schwierig, das Ziel zu erreichen. Können Sie es trotzdem schaffen?

McChrystal: Ich glaube, das ist machbar, aber wir alle werden erhebliche Anstrengungen leisten müssen. Auf der einen Seite gibt es die immer noch schlagkräftigen Aufständischen. Sie bedrohen die Existenz des Staates. Aber es gibt auch einen Vertrauensverlust bei den Afghanen, der von den Erwartungen herrührt, die wir nach 2001 nicht einlösen konnten. Der Aufbau der Regierungsorganisationen war enttäuschend, genau wie das, was die Afghanen auf lokaler Regierungsebene erleben mussten. Sie glauben nicht mehr daran, dass es ein faires System gibt, dass sie gerecht behandelt werden. Beide Faktoren verstärken sich gegenseitig.

SPIEGEL: In Ihrem Lagebericht haben Sie geschrieben, eine der größten Schwächen der Koalitionstruppen sei es, dass die afghanische Zivilbevölkerung nicht entschlossen genug geschützt wird. Das klingt seltsam. Eigentlich glauben die Europäer, dass ihre Truppen doch hier sind, um genau das zu tun.

McChrystal: Der Schutz der Zivilbevölkerung ist der entscheidende Punkt. Wenn wir ausrücken, um Afghanen in einem offenen Kampf gegen gegnerische Verbände zu schützen, sind wir meistens erfolgreich. Aber die eigentlichen Bedrohungen für die Menschen hier gehen eher von lokalen Machthabern aus, die Afghanen erleben die alltägliche Einschüchterung, die vielen Sprengfallen. Und davor können wir die Menschen nicht mit konventioneller Kriegführung schützen. Dafür müssen wir näher auf sie zugehen und enger mit ihnen zusammenarbeiten.

SPIEGEL: Heißt das nicht, dass sich die Koalitionstruppen noch größeren Risiken aussetzen müssten?

McChrystal: Unsere Sicherheit bei der Bekämpfung des Aufstands hängt von den Afghanen ab – wenn wir eng mit ihnen zusammenarbeiten, entziehen sie den Terroristen ihre Unterstützung und versorgen uns mit Informationen. Wenn man Schwimmen lernen will, muss man irgendwann den Beckenrand loslassen. Wir müssen zu den Menschen gehen und mit ihnen eine Beziehung aufbauen. Auf lange Sicht werden wir so erfolgreicher sein und weniger Verluste haben.

SPIEGEL: Ihre Direktive vom vergangenen Juli war ehe Wende im bisherigen Afghanistan-Krieg. Sie befahlen Ihren Soldaten, zivile Opfer zu vermeiden.

McChrystal: Die Direktive sollte zeigen, dass das Töten von Feinden nicht der beste Weg zum Erfolg ist. Wenn Sie ein Privathaus zerstören, um zwei Taliban zu töten, wird der Hausbesitzer sicher bezweifeln, dass Sie das Richtige getan haben. Wenn das Risiko besteht, dass bei einer Operation Zivilisten getötet werden, muss der Verantwortliche die Entscheidung sorgfältig überdenken, weil man tote Zivilisten eben nicht wieder zum Leben erwecken kann.

SPIEGEL: Aber was ist, wenn Kommandeure vor Ort Ihre Richtlinie nicht befolgen?

McChrystal: Ich habe noch nicht erlebt, dass Kommandeure meine Weisung nicht befolgt hätten. In jeder großen Organisation werden Vorschriften unterschiedlich ausgelegt. Aber solange ich hier das Kommando führe, werde ich meinen Standpunkt immer wieder deutlich machen.

SPIEGEL: Allein im vergangenen Jahr sind in Afghanistan über 2.000 Zivilisten gestorben. Fast jeder dritte wurde von den Koalitionstruppen und den afghanischen Sicherheitskräften getötet. Warum müssen immer noch so viele Zivilisten sterben?

McChrystal: Tatsache ist, zwei Drittel der zivilen Opfer hat der Feind zu verantworten. Sie sind es, die Unschuldige töten. Aber natürlich machen auch wir Fehler. Doch wir tun alles dafür, sie zu vermeiden. Keine toten Zivilisten mehr, das ist unser Ziel.

SPIEGEL: Als Befehlshaber eines Sondereinsatzkommandos im Irak haben Sie den örtlichen Qaida-Führer Abu Mussab al-Sarkawi getötet und den Diktator Saddam Hussein aufgespürt. Brennen Sie nicht vor Ehrgeiz, Osama Bin Laden oder Mullah Omar auch zu erwischen?

McChrystal: Ich bin überzeugt, dass den beiden Anführem des Aufstandes der Prozess gemacht werden muss. Ich würde mir wünschen, dass wir sie lebend fassen, aber es wäre auch in Ordnung, wenn sie dabei getötet würden. Doch selbst das würde kein schnelles Ende der Kämpfe bedeuten. Wir müssen wirklich versuchen, die radikalsten Talibanführer aus dem Verkehr zu ziehen, tot oder lebendig. Gleichzeitig müssen wir versuchen, ihren Kämpfern eine Chance zur Rückkehr zu geben.

SPIEGEL: Was war damals entscheidend, als Sie Saddam aufstöberten? Und wie bringt Sie das bei der Jagd auf Bin Laden weiter?

McChrystal: Solche Einsätze ähneln guter Polizeiarbeit. Verlässliche Informanten, eine gute Einschätzung der Lage, und am Ende muss man einfach dranbleiben. Aber allein schon die Jagd hat einen positiven Effekt. Erinnern Sie sich daran, dass wir Saddam Hussein aus einem Erdloch gezogen haben? Von dort hat er den Widerstand bestimmt nicht organisiert.

SPIEGEL: Derzeit wird viel über Verhandlungen mit den Taliban gesprochen. Wie könnte denn eine wirkliche Versöhnung aussehen?

McChrystal: Dafür müssten auf hoher Ebene Gespräche zwischen der Führung der Aufständischen und der afghanischen Regierung geführt werden. Nicht alle Taliban, sondern nur einzelne oder kleine Gruppen würden wieder eingegliedert werden. Voraussetzung ist, dass sie sich der Verfassung Afghanistans unterwerfen. Die afghanische Regierung arbeitet an einer solchen Regelung, und sie wird damit sehr bald an die Öffentlichkeit gehen. Wir werden sie dabei unterstützen.

SPIEGEL: Unter welchen Voraussetzungen würden denn die Aufständischen die Seite wechseln?

McChrystal: Sie brauchen zunächst einmal Schutz – vor den verbliebenen Taliban und für ihre Familien. Und sie brauchen Möglichkeiten, in ihre Heimatdörfer zurückzukehren, um dort ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Überdies brauchen sie Respekt. Es ist wichtig, dass sie sich nicht schämen, dass sie wissen, sie haben eine ehrenvolle Entscheidung getroffen.

SPIEGEL: Afghanistan wird der Friedhof der Großen Mächte genannt. Die Briten scheiterten im 19. Jahrhundert und die Sowjets vor über 2o Jahren. Und alle verloren kurz darauf Imm Status als Großmacht. Warum sollten ausgerechnet die USA hier Erfolg haben?

McChrystal: Nicht wir werden gewinnen, die Regierung von Afghanistan wird gewinnen, und das ist der entscheidende Unterschied. Afghanistan mag der Friedhof der Großmächte sein, aber wir sind nicht als Großmacht hier, sondern als Koalition aus 44 Nationen. Und eine solche Koalition hat nicht die Besetzung eines Landes zum Ziel – das ist der große Unterschied. Deshalb werden wir auch nicht als Besatzer wahrgenommen. Deshalb ist das Volk nicht gegen uns aufgestanden wie die Mudschahidin damals gegen die Sowjets.

SPIEGEL: Dennoch, wie groß ist das Risiko, dass Sie scheitern?

McChrystal: Diese Gefahr gibt es immer, und vielleicht liegt es dann daran, dass wir die Probleme nicht gut genug verstanden haben – und einfach nicht die richtigen Lösungen anbieten konnten.

SPIEGEL: Welche zivile Aufbauhilfe ist notwendig, um das Blatt in Afghanistan noch zu wenden?

McChrystal: Wenn wir über die Aufstockung ziviler Helfer reden, brauchen wir keine Flut von irgendwelchen Hilfsgruppen. Was wir brauchen, sind Expertise und Erfahrung – in der Landwirtschaft, in der Industrie. Wir brauchen Ingenieure, vor allem Wasserbauingenieure. Leute mit dem klaren Blick für die wirklichen Probleme, und sie müssen mit den Afghanen zusammenarbeiten.

SPIEGEL: Nicht nur in Afghanistan und Pakistan nutzen Terroristen und Extremisten gesetzlose Zonen als sichere Rückzugsräume. Das ist auch in Jemen oder in Somalia der Fall. Müssen westliche Truppen auch dort überall Krieg führen?

McChrystal: Vor allem mit zwei Dingen lässt sich der Terrorismus besiegen. Rechtsstaatlichkeit und Hoffnung für die Menschen. Terrorismus bekämpft man nicht mit Militäreinsätzen, sondern indem man die Grundvoraussetzungen für Entwicklung im Land schafft.

SPIEGEL: Die Zustimmung für den Militäreinsatz in Afghanistan schwindet sowohl in Europa als auch in Ihrer Heimat. Die Kanadier und die Niederländer planen, ihre Truppen abzuziehen. Auch die deutsche Regierung steht einer Truppenaufstockung sehr skeptisch gegenüber. Welchen Beitrag erwarten Sie von den Verbündeten, besonders von Deutschland?

McChrystal: Es ist nicht die Zahl der Soldahn, es sind auch nicht bestimmte Ressourcen, die über den Erfolg des Einsatzes entscheiden – es ist die Bereitschaft, Teil eines Teams zu sein und sich bei der Mission einzubringen. Gute Partnerschaft ist der Schlüssel.

SPIEGEL: Präsident Obama hat angekündigt, die US-Truppen von 2011 an nach Hause zu holen.

McChrystal: So wie ich es sehe, hat er damit Verpflichtung in Afghanistan in keiner Weise in Frage gestellt. Im Gegenteil er hat seine große Entschlossenheit zum Ausdruck gebracht. Er hat klargemacht, dass wir dem afghanischen Volk eine strategische Partnerschaft anbieten. Diese Partnerschaft wird auf lange Sicht weniger militärische Präsenz als vielmehr zivile Unterstützung bedeuten.

SPIEGEL: General McChrystal, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

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Anlass zur Kritik war Diana West der jüngste Massenaufstand in der Stadt Garmsir in der Provinz Helmand mit acht Toten (3). Mehrere Tausend Männer konnten von den Taliban mit der Behauptung aufgestachelt werden, die US-Truppen hätten während einer Militäroperation – man fasst es nicht – einen Kloran beschmutzt.

Diana West: „’The Taliban were provoking the people,’ an Afghan police official told the Times. ‚The Taliban were telling the people, ‚This is jihad; you should sacrifice yourselves.’’ Jihad? What’s jihad? Among see-no-Islam Western policymakers, Islamic war doctrine is a cipher, a taboo, so policy is made in ignorance. But thousands of uneducated Afghans knew exactly what the Taliban meant. And what’s more, they acted on it.“

Garmsir war bisher als leuchtendes Beispiel für den Erfolg der kässmannschen, phantasievollen „Wir-lernen-uns-erstmal-kennen-Strategie“ McChrystals gehandelt worden.

West: „Just last week, ‚NBC Nightly News’ dubbed Garmsir ‚a model of counterinsurgency success.’ In November, the Marine Corps Web site said it was beginning to be ‚a model of economic progress.’ In September, a Marine battalion commander took a visiting British general to the central bazaar for ice cream.“

Keine Mühe war gescheut worden, um die Eingeborenen von den guten Absichten des Westens zu überzeugen:

„British gifts to Garmsir include new roads, wells, ditches, pumps, and a 70-ton bridge (built in body armor and helmets) across the main canal. If I’m not mistaken, this same bridge gave rioters easy access to the central bazaar – the same bazaar where last summer, the New York Times Magazine reports, McChrystal asked every Afghan he met: ‚What do you need?’“

Jedoch: „They still like our stuff. But it somehow doesn’t fortify local yokels – even U.S.-secured ones – against a call to ‚jihad’ over a simplistic lie about Koran abuse.“

Tja, eine primitive Lüge hat ausgereicht, mal wieder einen Massen-Jihad gegen die westlichen Gönner auszulösen und die Strategie McChristals in Frage zu stellen. Wie Diana West eingangs feststellt, ist es wirklich seltsam, dass auf hoher Ebene das Problem Jihad einfach nicht begriffen wird (4).

Solches kann man aber offenbar nicht Präsident Obama vorwerfen, der ja allein durch seine Vita die Macht des Jihad besser verstehen mag. Seine Strategie ist eine ganz spezielle, wie die „Financial Times Deutschland“ am 7. Januar berichtete (5):

„Die USA verfolgen Terroristen erbarmungsloser denn je: Unbemannte Flugzeuge jagen und töten sie auch außerhalb der Kriegsschauplätze. Fast unbemerkt treibt US-Präsident Barack Obama die neue Strategie voran. (…) 53 Drohnenangriffe haben Forscher von der New America Foundation 2009 allein in Pakistan gezählt, 51 von ihnen hat Obama befohlen. Sein Vorgänger George W. Bush hatte 2008 nur 34 solcher Operationen angeordnet. (…) 7.000 unbemannte Luftsysteme hat das Pentagon derzeit – und die Vorgabe im Verteidigungshaushalt ist klar: Die Ausgaben für konventionelle Kampfjets wie die F-22 wurden zurückgefahren, das Drohnenprogramm deutlich ausgeweitet. ‚Ein Drittel aller künftig angeschafften Flugzeuge wird unbemannt sein. Und in diesem Jahr werden erstmals mehr Operatoren für unbemannte Flugzeuge ausgebildet als Kampfpiloten’, prophezeit P.W. Singer vom Forschungsinstitut Brookings, der ein Buch über Roboterkriege des 21. Jahrhunderts geschrieben hat. (…) Es gibt auch skeptische Stimmen, darunter prominente wie die von Stanley McChrystal.“

Dass die Amerikaner mit der zweiten Strategie richtig liegen, wird m.E. nicht zuletzt durch die Reaktionen des grade mal wieder einem Angriff entkommenen Talibanchefs Hakimullah Mehsud deutlich. Dass die Taliban seit 2007 allein in Pakistan 3.000 Menschen ermordet haben, belastet den nicht weiter, aber vor den Drohnen hat er Schiss: „Zugleich warnte Mehsud, bei weiteren Drohnenangriffen sei die Regierung in Islamabad für jede weitere Eskalation verantwortlich.“ (6) Als ob er nicht schon jetzt seine ganze Kraft zu Destabilisierung Pakistans einsetzen würde.

Kein Wunder, dass Mehsuds A*sch auf Grundeis geht, denn anders, als man sie meist dargestellt sieht, nämlich einzeln, können Drohnen auch in Schwärmen von bis zu 192 Exemplaren geführt werden (7), und das ist dann schon eine ziemlich haarige Situation für einen Terrorhäuptling. Hier wird gewissermaßen Feuer mit Feuer bekämpft bzw. eben der Schwarm (8) mit einem Schwarm. Bemerkenswert sind dabei auch die mit 30.000 US-$ relativ geringen Stückkosten, die die „Killerbienen“ (9) zu einer echten Antwort auf die IED-Pest machen (10).

Time am 19. Januar 2009
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1) http://www.washingtonexaminer.com/opinion/columns/Handing-out-goodies-won_t-stop-Taliban-81732062.html

2) http://de.wikipedia.org/wiki/McChrystal

3) http://uk.news.yahoo.com/18/20100113/twl-nine-dead-in-koran-protest-shooting-696b303.html

4) https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/01/08/diagnose-fieslahm/

5) http://www.ftd.de/politik/international/:agenda-obamas-lizenz-zum-toeten/50057300.html

6) http://www.n-tv.de/politik/Tote-bei-US-Drohnenangriff-article683066.html

7) http://de.wikipedia.org/wiki/Schwarmverhalten

8) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/26/der-schwarm/

9) http://de.wikipedia.org/wiki/Low_Cost_Autonomous_Attack_System

10) http://de.wikipedia.org/wiki/Improvised_explosive_device
Sehenswerter Film zum Thema, „The Hurt Locker“:
http://de.wikipedia.org/wiki/Hurt_Locker
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PS.: Sehr lesenswert über die demografische Entwicklung in der Türkei:
http://www.faz.net/s/RubFC06D389EE76479E9E76425072B196C3/Doc~E159ACA8088304F3B9FA06A5414E612D7~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Sie erledigen sich selbst

12. Januar 2010

Sie sehen kein Kochbuch sondern Ausgabe Nummer 11 der beliebten Jihad-Zeitschrift „Echo der Kämpfe“. Interessant, was die Orks als „Kampf“ bezeichnen: Hinterhältige Massenmorde an nichtsahnenden und unschuldigen Zivilisten! Falls Sie sich wundern, dass die Penner auch computergenerierte Zeitschriften herausbringen, was man gemeinhin für ein Zeichen von Zivilisation halten könnte: Es war  z.B. Saddam, der schon vor langer Zeit ein modernes Finanzmarktprodukt erfand, nämlich die Ich-Bomben-Versicherung, welche an Familien von Pallie-Ich-Bomben ausgezahlt wurde.

Getrieben von Auflagenstärke und Einschaltquote werden unsere Medien zu willigen Helfern des Jihad. Anstatt den Feind nüchtern zu analysieren und Fakten zu sammeln, malen sie seine Gestalt überdimensioniert märchenhaft aus. Joseph Croitoru schrieb in der gestrigen FAZ (1):

„Hinzu kommt, dass bis jetzt NICHT geklärt werden konnte, wie überhaupt der Sprengkörper von al-Assiri gezündet wurde. Den Bombenexperten des Terrornetzwerks, so wird inzwischen vermutet, sei es GELUNGEN, einen funktionsfähigen chemischen Zünder zu entwickeln, der ebenso unentdeckt Metalldetektoren passieren kann wie Plastiksprengstoff. In der Tat spricht die Propaganda der TERRORZELLE im Jemen eher für als gegen diese These.“

Herr Croitoru ist über das kleine Wissen und große Unwissen unserer Dienste und über die ihnen zugänglichen wissenschaftlichen Erkenntnisse offenbar ganz im Bilde. Die Orks haben ein chemisches Geheimnis herausgefunden, das sich die weltraumfahrenden Nationen einfach nicht erklären können. Beweis: „… die Propaganda der Terrorzelle im Jemen“.

„Der Terrorist in der Pose des ALCHEMISTEN. Eine ähnliche Botschaft vermittelt auch die Titelseite der jüngsten und bislang insgesamt elften Ausgabe der organisationseigenen Zeitschrift ‚Echo der Kämpfe’ (Sada al-malahim).“

Sie müssen selbst entscheiden, ob Sie den rabiatischen Zeitschriftentitel nur als Beleg für die Kompetenz Herrn Croitorus werten oder ob Sie ihn auch in Ihr Vokabelheft schreiben wollen. Alchemie indessen ist eine nicht erkenntnis- sondern profit- und machtgeleitete Methode des Schamanismus, aber mit Regentänzen und anderem Lügenzauber kann man in unserer wissenschaftlich orientierten Zivilisation nur beim tiefsten Bodensatz noch Eindruck schinden. Dort angekommen, wenn nicht in finanzieller so doch in geistig, emotionaler und spiritueller Hinsicht, waren ohne Frage Atta, Abdulmuttalab & Co. Man wird sehen, ob es vornehmlich Lumpen ihres Schlages sein werden, die Massaker ausführen können, oder nicht doch eher „Echo“-Leser in den Ländern der Orks.

Croitoru berichtet weiter: „Dass die Terroristen darauf abzielen, Gleichgesinnte zu motivieren, sich die Kunst des Bombenbauens anzueignen und selbst mit einfachsten Mitteln Sprengsätze herzustellen, wird im mit ‚Krieg ist TÄUSCHUNG’ überschriebenen Leitartikel noch deutlicher. Verfasst hat ihn Nassir al-Wahaishi, kein Geringerer als der derzeitige Anführer der Al Qaida auf der Arabischen Halbinsel. Bin Ladins früherer Sekretär, der sich den Titel ‚Emir’ zugelegt hat, schreibt: ‚Es bedarf weder eines großen Aufwands von deiner Seite noch nennenswerter Geldsummen, um etwa zehn Gramm Sprengstoff herzustellen. Auch ein langes Suchen nach Zutaten erübrigt sich, da diese in MUTTERS Küche und somit in greifbarer Nähe, egal in welcher Stadt, zu finden sind.’“

Jedoch: „Die allerneuesten GEHEIMNISSE aus seiner terroristischen Alchemistenküche verrät der Drahtzieher al-Wahaishi natürlich nicht.“ Vielleicht gibt es gar keine? Wie nannte er doch gleich seinen Plan? „Krieg ist Täuschung“! Im übrigen steht hier kein lustiger Kochwettbewerb an, es geht um Massenmord, und deshalb finde ich Croitorus luziden Stil außerordentlich unpassend („Die allerneuesten Geheimnisse“).

Was bleibt, ist die Hoffnung: „Aber er HOFFT offenbar, bald Sympathisanten rekrutieren zu können, die bereits über Erfahrungen im Bauen von Bomben verfügen. Deshalb werden seine Anweisungen immer PRÄZISER. So sollen die islamistischen Kampfgenossen den selbstgebastelten Sprengsatz möglichst mit einem ZEITZÜNDER oder einer FERNSTEUERUNG versehen.“ Raffiniert, raffiniert, und so präzise… Dank Herrn Croitoru können wir erschauern, sobald wir morgens die Augen aufschlagen, denn:

Die Feinde werden ebenfalls näher bezeichnet. Es sind die ‚GÖTZEN’, die NESTBESCHMUTZER sowie die ANGEHÖRIGEN von REGIERUNGEN, die den Dschihadisten feindlich gesinnt sind, und vor allem die verhassten ‚KREUZFAHRER’ aus dem Westen. Vorzugsweise auf den FLUGHÄFEN jener westlichen Länder, die sich im Krieg mit den Muslimen befänden, sollten die Bomben gezündet werden. Es wird aber auch eine Reihe anderer Anschlagsziele im Westen empfohlen: FLUGZEUGE, WOHNSIEDLUNGEN, U-BAHNEN.“

Kurz gesagt, deren Feind ist eigentlich jeder, überall. Ich denke jedoch, es wird anders laufen, als sich diese Zauberleerlinge vorstellen. Zweifellos wird die Zahl überflüssiger, zorniger junger Männer sowohl in den Ländern der Orks als auch in den von ihnen besetzten Gebieten in unseren Staaten ansteigen. Zweifellos wird dies dort die Gewalttätigkeit enorm steigern (2). Dem erhöhten Risiko, durch eine Bombe statt durch Herzinfarkt zu sterben, kann bei uns jedoch auf vielfältige Weise begegnet werden, denn „die Kunst“ des Ich-Bombens (3) besteht viel weniger im Bombenbau als darin, diese ins Ziel zu bringen.

Acht Vorschläge, die sich kurz- bzw.- mittelfristig realisieren ließen, sehe ich bereits auf dem Tisch liegen: 1. Privatisierung der Sozialversicherungen, 2. Heraufsetzung der Volljährigkeit bei gleichzeitiger Herabsetzung der Strafmündigkeit (4). Weiterhin 3. Abschaffung der Religionsfreiheit (5), und hiervon ausgehend das große Thema der vollständigen Illegalisierung des Fieslahm, 4. Aufrechterhaltung der „Begegnungsplätze“ in den Orkländern (6 + 7), 5. lückenloses Grenzregime, 6. Verschärfung und Neuschöpfung von counterjihadischen Straftatbeständen sowie 7. deren effektive Durchsetzung mit Hauptgewicht „Ausweisung“ (7), 8. konsequentes Profiling (8).

Man sollte zusätzlich ggf. den massiven Kapitaltransfer von Orks aus unseren Ländern zu Orks in den Ländern der Orks (grade auch familiäre Zuwendungen) unterbinden, sofern festgestellt werden kann, dass er uns mehr schadet als nützt.

Weiterhin würde ich dafür sprechen, die Mohammedanisten ernst zu nehmen, wenn sie den „Jihad“, also den „unheiligen KRIEG“ erklären. Ich würde die Kriegserklärung annehmen. Dies würde z.B. bedeuten, dass unsere Grenzen ausschließlich von Sicherheitskräften und eingebetteter Presse und nicht von linken Aktivisten, Anwälten und Sozialarbeitern begangen würden. In einem festgelegten Streifen rings um unsere Grenzen müsste Ausnahme- oder Kriegszustand herrschen und das Kriegsrecht gelten. Letzteres müßte weiterhin auch konsequent auf alle Vergehen und Verbrechen angewendet werden, die sich in irgendeiner Weise auf Mohammedanismus oder Jihad zurückführen ließen: Schandmorde, Hasspredigten, Genitalverstümmelungen, Banküberfälle unter der Parole „Abrakadabra“, anti-israelische Aufmärsche usw.

Robert Spencer bspw. berichtete über Abbdulradab (9): „… the Christmas Day underwear bomber was ‚singing like a canary’ until he was treated as an ORDINARY CRIMINAL and advised of his right to silence.“

Ja, er ist jung, ja, er ist dumm, ja, er wollte 300 unschuldige Menschen verbrennen, ja, die Beweislage ist eindeutig. Nein, er hat keine bürgerlichen Rechte mehr, nein, er sollte nicht zivilrechtlich gepflegt sondern nach Kriegsrecht erschossen werden. Ich bin gegen die Todesstrafe, vollständig, im Frieden. Im Krieg aber wird in Massen gestorben, und hier ist es m.E. ein Verbrechen, eine erwiesen meuchelmordgierige Bestie des Feindes den eigenen normalen Mitbürgern gegenüber zu bevorzugen.

Wenn wir es schaffen würden, z.B. oben stehende Punkte mehr oder weniger umzusetzen, würde das für die Jihad-Masterminds und ihre Länder ungeahnte Folgen haben. Dies wird schon heute durch die Berichte und Statistiken der hervorragenden Seite „The Religion of Peace“ deutlich (10). Man kann dort unschwer erkennen, wer die überwiegenden Opfer der Orks sind: Es sind Orks in den Ländern der Orks.

Indem wir diese aus unserer Gemeinschaft ausschließen, können wir uns schützen. Sie dort vor sich selbst schützen können wir nicht so gut. Je populärer Bombenbastelanleitungen werden, und je einfacher die Mittel zu ihrer Herstellung zu erlangen sind, um so mehr Vorfälle wird es also dort bei ihnen selbst geben. Sie gehen meist den „graden Weg“ (1. Sure), sie suchen sich die leichtesten Opfer, also vor allem ihre eigenen Frauen und Kinder. Und so, wie Algerien erst nach mindestens 150.000 Morden allmählich ruhiger wurde (11), werden die orkischen Masterminds unsere Probleme mit ihnen selbst lösen und durch ihre Ideologie gesteuert den zwanghaft destruktiven (male) „Youth Bulge“ – so furchtbar das ist – für uns abschmelzen. Die Jihad-Masterminds waren zu heiß und zu gierig, sie selbst haben den Westen zu früh gewarnt. Nun könnten sich auch noch als diejenigen erweisen, die dem Counterjihad die größten Dienste erweisen werden. Sie selbst werden vermutlich zu den Totengräbern des Mohammedanismus werden.

Time am 12. Januar 2010

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1) http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E1D3C13EC8EFA4B399047FD551D82A29D~ATpl~Ecommon~Scontent.html

2) http://de.wikipedia.org/wiki/Gunnar_Heinsohn

3) http://www.welt.de/print-welt/article176827/Kunst_des_Maertyrertums.html

4) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/12/10/zwei-vorschlage/

5) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/12/21/die-religionsfreiheit-abschaffen/

6) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/09/30/fort-pointing-man/

7) https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/01/06/schotten-dicht/

8) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/30/profiling/

9) http://www.jihadwatch.org/2010/01/flight-253-jihadist-was-singing-like-a-canary-until-he-was-read-his-rights-like-a-civilian-criminal.html

10) http://www.thereligionofpeace.com/

11) http://www.3sat.de/dynamic/sitegen/bin/sitegen.php?tab=2&source=/kulturzeit/lesezeit/19115/index.html
http://www.netzeitung.de/feuilleton/426250.html

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Sehr sehenswerter Film über eine amerikanische IED-Räum-Einheit
im Irak von Kathryn Bigelow: „The Hurt Locker“
http://de.wikipedia.org/wiki/Tödliches_Kommando_–_The_Hurt_Locker
http://de.wikipedia.org/wiki/Kathryn_Bigelow

Exzellent ist m.E. auch „Crossing over“ über die Einwanderungsproblematik und Counterjihad in den USA
von Wayne Cramer mit Harrison Ford:
http://de.wikipedia.org/wiki/Crossing_Over_(Film)

By the way gibt es bereits eine ganze Reihe ausgezeichneter Counterjihad-Filme aus den USA, die auch schon viel Geld eingespielt haben. Wir haben unsere Truppen dort, aber einen guten deutschen Film darüber werden wir wohl leider in zehn Jahren noch nicht zu sehen bekommen.

Hauptwaffe Bombe

21. Dezember 2009

In der heutigen FAZ berichtet Marco Seliger aus Afghanistan. Zur wichtigsten Waffe sind dort die selbstgebastelten Bomben geworden. Offenbar ist es unmöglich, den Besitz von Kunstdünger, der Hauptbestandteil dieser Bomben ist und in rauhen Mengen zur Verfügung zu stehen scheint, zu illegalisieren.

Die Taliban haben immer eine Antwort

Die Verluste der Nato-Staaten durch versteckte Bomben
in Afghanistan steigen

Es ist ein Hinterhalt, wie er im Handbuch für den Guerrillakrieg nicht besser beschrieben sein könnte. Am Morgen des 10. Juli 2009 erreicht eine britische Patrouille ein Dorf in der Nähe der afghanischen Stadt Musa Qala in der Provinz Helmand. Hier herrscht seit drei Jahren ein verlustreicher Kleinkrieg, das Gebiet ist Taliban-Land. Das Führungsfahrzeug ist weit in den Ort vorgedrungen, als es auf eine im Boden vergrabene improvisierte Bombe (IED, Improvised Explosive Device) auffährt. Als die Soldaten mit der Versorgung ihrer verwundeten Kameraden beginnen wollen, detoniert in unmittelbarer Nähe eine zweite, zielgenau ausgerichtete, mit Nägeln gespickte verdeckte Bombe. In das entsetzliche Chaos hinein wird anschließend aus den umliegenden Gebäuden mit Gewehren und Panzerfäusten gefeuert. Fünf britische Soldaten fallen, zahlreiche werden verwundet. „Unsere Armee“, resümieren britische Medien, „hat ihren schwärzesten Tag im Afghanistan-Krieg erlebt.“

Die Soldaten sind in eine Falle geraten, wie sie die Rote Armee während ihrer Invasion am Hindukusch in den achtziger Jahren hundertfach erlebt hat. „Im Prinzip“, sagt ein Nato-Offizier, „haben wir es in Afghanistan inzwischen mit der gesamten Bandbreite der Mudschahedin-Taktiken zu tun, nur dass sie verfeinert wurden.“ Insbesondere bei der Verwendung improvisierter Sprengladungen haben die Aufständischen Militärexperten zufolge innerhalb kurzer Zeit erhebliche Fortschritte gemacht. Die Bomben sind ausgereifter und werden gezielter als vor zwei, drei Jahren eingesetzt. Die Folgen sind verheerend. Mehr als zwei Drittel aller Verluste in Afghanistan in diesem Jahr gehen auf den Einsatz von IEDs zurück (280 von 500, 2008: 169 von 295), hinzu kommen mehrere hundert schwerverletzte und teilweise für immer entstellte Soldaten. Vor allem Amerikaner, Briten und Kandier in Süd- und Ostafghanistan sterben heute nur noch selten durch eine Gewehrkugel. In ihrem Einsatzgebiet zählten sie in diesem Jahr insgesamt knapp 1100 improvisierte Bomben einschließlich Selbstmordattentätern, von denen zirka 500 ihr Ziel trafen. Diese Menge ist beispiellos im nunmehr achtjährigen Afghanistan-Einsatz. „Das ist ein IED-Krieg“, sagt ein amerikanischer Offizier.

Infrastruktur und Geographie am Hindukusch sind wie geschaffen für den Einsatz von perfiden Sprengsätzen, wie etwa auch „gerichtete Hohlladungen“, EFP genannt. Auf den unbefestigten Staubpisten durch karge Wüsten oder schroffe Täler, welche die Patrouillen häufig befahren müssen, lassen sich die Bomben – meist Artilleriegranaten oder Panzerabwehrminen, aber auch mit Düngemittel oder Sprit gefüllte Plastikkanister – leicht vergraben. In den vergangenen drei Jahren zündeten die Taliban die Mehrzahl der IEDs mit Hilfe von Handys aus der Ferne (Remote Controlled). Die Koalitionstruppen reagierten darauf mit dem Einsatz von Jammern, Geräten, die starke elektromagnetische Wellen erzeugen, die den Funkverkehr in der Umgebung stören. Daraufhin kehrten die Aufständischen in diesem Jahr zu traditionellen Bauweisen zurück, wonach die Bombe mechanisch aus der Nähe, etwa durch eine Druckplatte oder einen Zugdraht, gezündet wird. „Wir stehen in einem ständigen technologischen Wettlauf mit einem minimalistischen, erfindungsreichen und listigen Gegner“, sagt ein früherer Bombenexperte der Bundeswehr. „Die Taliban wissen auf jede unserer Reaktionen eine Antwort. Es ist eine nie endende Spirale.“

Seit einiger Zeit setzen die Taliban verstärkt Zweit- und Dritt-IEDs ein, die erst dann detonieren, wenn die Rettungskräfte am Ort der ersten Explosion eingetroffen sind. Die Aufständischen bereiteten die Attacken außerordentlich professionell vor. Zielorte würden eingehend begutachtet und die Folge-IEDs so konstruiert und ausgerichtet, dass sie größtmögliche Zerstörungen anrichten. Dieses Vorgehen kennen die amerikanischen Truppen schon aus dem Irak. Wie im Zweistromland fordert der Bombenterror jedoch auch in Afghanistan die meisten Opfer unter den einheimischen Sicherheitskräften und unter der Zivilbevölkerung. Armee und Polizei beklagen in diesem Jahr mehr als eintausend Tote. Seit Sommer 2009 bringen die Taliban immer häufiger „Megabomben“ zum Einsatz. Sie bestehen aus mehreren hundert Kilogramm Ammoniumnitrat (Düngemittel), Metallspänen oder Glasscherben, die, etwa auf Lastwagen deponiert, in Menschenmengen oder Gebäude gesteuert und dort zur Explosion gebracht werden. Diese Bomben haben dann zwar nicht die Explosionskraft wie TNT-gefüllte Bomben, sind aber aufgrund ihrer Größe und der Anreicherung mit Splittern für Passanten tödlich.

Nato-Offiziere gehen davon aus, dass mit der Zahl der ausländischen Soldaten im kommenden Jahr auch die Zahl der durch IED verursachten Verluste in Afghanistan weiter steigen wird. Die Vereinigten Staaten ersetzen derzeit ihre schlecht gepanzerten Patrouillenwagen vom Typ HMMWV („Humvee“) durch minengeschützte Transporter. Dazu verlegen sie mehrere tausend Fahrzeuge vom Typ MRAP (Mine Resistant Ambush Protected Vehicle), die ursprünglich für den Einsatz im Irak entwickelt worden waren, an den Hindukusch. Doch den Taliban ist es inzwischen gelungen, MRAPs durch den Einsatz von Wirkladungen einer Vergleichsgröße von mehr als 200 Kilogramm Sprengstoff zu zerstören. „Ab einer gewissen Sprengstärke nützen Technik und Panzerung nichts mehr“, sagt ein Bombenentschärfer der Bundeswehr. Die Sprengsätze sind einfach gebaut, billig zu beschaffen – und von strategischer Wirksamkeit. Ihr massenhafter Einsatz kann zermürben. „Vor uns liegt ein langer Kampf“, sagt ein amerikanischer General.

Amerikas Speerspitze in dieser Auseinandersetzung ist die Task Force „Paladin“. Diese Spezialeinheit soll die Netzwerke, die hinter jedem IED stehen, enttarnen. Dazu untersuchen die Fachleute auch den Sprengstoff und den Schaltkreis einer Bombe, um ihre Funktionsweise besser zu verstehen. „Wir wollen wissen, wer was wie baut“, sagt ein amerikanischer General. „Das ist Forensik auf dem Schlachtfeld.“ Die Bundeswehr geht ähnlich vor. Auch sie hat Expertenteams für den Kampf gegen IEDs aufgestellt, die Informationen über IEDs sammeln und auswerten. Die Ergebnisse fließen in die Ausbildung der Soldaten ein. Das ist dringend notwendig. Nato-Offiziere berichten von einem Wissenstransfer zwischen den Kriegsschauplätzen: Was in Südafghanistan funktioniere und amerikanische Soldaten töte, tauche einige Monate später im Norden und Westen auf. Der verheerende Hinterhalt vom 10. Juli bei Musa Qala wurde in der Bundeswehr eingehend analysiert. In Kundus hatte sie es bereits in diesem Jahr mit einem Gegner zu tun, der darauf abzielte, ganze Einheiten zu vernichten. Er wird es im kommenden Jahr wieder versuchen.

Time am 21. Dezember 2009