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Im Interview: Necla Kelek

17. Dezember 2017

Lesen Sie einen Beitrag von Johannes C. Bockenheimer aus dem „Tagesspiegel“ (1).

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„Zwangsehen werden bei uns Alltag“

Die Soziologin Necla Kelek spricht im Interview über erzwungene Heirat, das Kopftuchverbot für Berliner Lehrerinnen und die Schizophrenie der politischen Linken.

Frau Kelek, dass Sie studieren konnten, haben Sie offenbar vor allem Ihrem Aussehen zu verdanken. Wären Sie nämlich hübscher gewesen, soll Ihre Mutter einmal gedroht haben, wären Sie wie ihre Schwester früh verheiratet worden. Stimmt das?

Ja, das hat sie tatsächlich gesagt. Um die Familien der heiratswilligen Männer anzulocken, muss man jung, schön und keusch sein – da hat meine vergleichsweise große Nase gestört (lacht).

Was macht das mit einem, wenn die eigene Mutter lediglich eine Braut in einem erkennen mag – eine Ware für den Hochzeitsmarkt sozusagen?

Ach, es war nicht so böse gemeint, wie es klingt. Meine Mutter war eigentlich eine sehr liebevolle Frau.

Sie mussten also nicht mit der latenten Angst leben, irgendwann zwangsverheiratet zu werden?

Nein, überhaupt nicht. Meine Mutter ist selbst zwar nicht zur Schule gegangen, hat aber ein modernes Leben der bildungsnahen Schichten geführt – und da waren arrangierte Ehen oder gar der Zwang zur Ehe verpönt. Aber ihr war es dennoch wichtig, dass ihre Töchter irgendwann gut verheiratet werden – da war sie bürgerlich traditionell. Mit den strengen islamischen Traditionen kamen wir erst in Berührung, als wir Istanbul verlassen haben und nach Deutschland gezogen sind. Viele unserer Bekannten waren religiös, und meine Mutter begann, sich um den Ruf unserer Familie zu sorgen.

Wovon sah sie den Ruf bedroht?

Durch unseren westlichen Lebensstil. Obwohl wir weiterhin säkular lebten, mussten wir nach außen hin den Anschein einer traditionsbewussten Familie wahren. Abends mit Freundinnen treffen, in eine Diskothek zu gehen oder auch nur deutsche Freunde zu haben – all das durfte ich nicht.

Klingt nach schweren Zeiten.

Es gab eben eine sehr strenge soziale Kontrolle in der türkischstämmigen Gemeinschaft, wie auch heute noch. Und mit Zwang zur Ehe, typisch nach islamischem Familienrecht, arrangierten Ehen, manchmal aber auch Zwangsehen, wurde diese restriktive Gemeinschaft am Leben gehalten. Alle meine Freundinnen von damals sind verheiratet worden – und übrigens nicht nur sie, auch die Jungen wurden verheiratet. Das war damals ganz verständlich.

Offensichtlich bis heute: Ihr Verein Terre des Femmes zeigt derzeit in einer Ausstellung Bilder, die türkische Kinder zum Thema „Zwangsheirat“ und „Kinderbräute“ gemalt haben. Auf einer Zeichnung ist ein Mädchen zu sehen, das mit Teddybär in einem Käfig sitzt – das Leben im Käfig, wie häufig ist das noch Realität in der Türkei heutzutage?

Das kommt darauf an, wohin man reist: die Türkei ist ein gespaltenes Land. Ein Teil der Gesellschaft ist noch immer von Kemal Atatürk laizistischen Ideen geprägt, mit Recht auf ein selbstbestimmtes Leben ohne religiöse Kontrolle, und sie lebt dementsprechend säkular. Vor allem aber im Osten und Südosten des Landes, in den kurdisch-sunnitischen Regionen, gehört der Zwang zur Ehe zur Tagesordnung. Selbst Mädchen im Kindesalter werden dort mit erwachsenen Männern, manchmal sogar aus der eigenen Familie, verheiratet. Das Problem der Verwandtenehe, Kinderehe und auch Polygamie gehört zum Alltag der Mädchen und Frauen.

Und der Gesetzgeber sieht tatenlos zu?

Offiziell ist Zwangsverheiratung auch in der Türkei verboten, die arrangierte islamisch religiöse Ehe aber nicht – auch nicht nach dem islamischen Ritus, also vor dem 14. Lebensjahr. Und man kann sich denken, welche Entscheidungsmöglichkeiten ein Kind hat, wie groß der Druck sein muss, wenn ein zwölfjähriges Mädchen vor der Entscheidung steht, entweder verheiratet zu werden oder von der eigenen Familie verstoßen zu werden.

Die Zwangsverheiratung ist allerdings kein Phänomen, das auf Ostanatolien beschränkt wäre: Der „Berliner Arbeitskreis gegen Zwangsverheiratung“ ging für das Jahr 2013 davon aus, dass es allein in der Hauptstadt 460 Fälle von Zwangsverheiratung gab …

… so ähnlich dürften die Zahlen auch dieses Jahr liegen – und die Dunkelziffer noch weitaus höher. Mit den neuen geflüchteten Menschen aus arabischen Ländern wird die Tradition der Zwangsverheiratung auch bei uns Alltag werden.

Im Mai hat der Bundestag Ehemündigkeit auf 18 Jahre heraufgesetzt, um Kinderehen zu verhindern. Widerstand kam damals von der Linkspartei und den Grünen: von Parteien also mit traditionell feministisch-progressiven Überzeugungen. Hat Sie der Widerstand verwundert?

Ganz und gar nicht. Bei dem Thema haben wir bei Terre des Femmes seit Jahren auch gegen Widerstände aus diesem politischen Milieu kämpfen müssen. Das ist eine traurige Realität: Die deutsche Linke fordert zwar seit Jahren, dass die Gesellschaft bunter und vielfältiger werden soll. Sie übersieht dabei aber, dass in den Gruppen, die das Land bunter machen sollen, Menschenrechte permanent verletzt werden, besonders auf Kosten der Mädchen und Frauen. Eine offene, tolerante Gesellschaft wünsche ich mir auch, aber keine, in der Mädchen zwangsverheiratet werden und ein Kopftuch tragen.

Die ehemalige Landeschefin der Grünen, Bettina Jarasch, hat gewarnt, einen „Kulturkampf um das Kopftuch zu führen“, und deshalb gefordert, dass Lehrerinnen mit Kopftuch an Berliner Schulen unterrichten können – bislang verbietet das Neutralitätsgesetz das. Halten Sie das für einen richtigen Schritt in der Integrationspolitik?

Ein Blick in jedes beliebige islamisch geprägte Land reicht um zu sehen, dass die Verschleierung dort einzig ein Instrument ist, um Frauen zu marginalisieren und auszugrenzen. Als Frau möchte ich mich den Männerblicken aber nicht beugen und werde auch meinen Körper nicht verstecken. Wenn eine Politikerin in Berlin Frauen dazu ermutigt, sich zu verschleiern und die Verschleierung per Gesetz sogar legitimieren möchte, sendet das ein katastrophales Signal aus. Es ist geradezu schizophren, wenn deutsche Feministinnen die Freiheit in Deutschland auskosten und am Baggersee nackt ins Wasser springen, es dann aber befürworten, wenn muslimische Frauen einen Ganzkörperkondom überziehen sollen, bevor sie planschen gehen.

Woher kommt diese „Schizophrenie“?

Ich kann nur mutmaßen. Es scheint, als würden viele von ihnen Muslime ausschließlich als Opfer des weißen, kapitalistischen Westens erkennen wollen, die man mit westlichen Werten nicht überfordern solle, weil sie arm sind. Dabei wird vergessen, dass auch in reichen muslimischen Ländern wie Saudi-Arabien Frauenunterdrückung fester Teil des Systems ist. Andererseits gibt es den Hang der Europäer, die Kultur und Gesellschaften des Orients romantisch zu verklären. Das trägt dann bisweilen rassistische Züge.

Ihre Kritiker mahnen derweil, dass Ihre Forderungen nach einem Kopftuchverbot von Rassisten missbraucht würde …

Ach, mir wird schon seit Jahren vorgeworfen, dass ich mit meiner Meinung die Rechte stärken würde. Aber das hat mich nie bekümmert, ich bin nicht rechts. Säkularität und Freiheit waren schon immer auch linke Anliegen. Ich bin eine Frauenrechtlerin und habe ein Gerechtigkeitsempfinden – das ist ein Unterschied.

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Time am 17. Dezember 2017

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1) http://www.tagesspiegel.de/berlin/soziologin-necla-kelek-zwangsehen-werden-bei-uns-alltag/20697098.html

Aus der Hauptstadt (#29)

21. Oktober 2016

Lesen Sie einen Bericht von Johannes C. Bockenheimer vom Berliner „Tagesspiegel“ (1)

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Umstrittenes Kulturfestival in Berlin

Gegen Israel – mit öffentlichen Geldern

„Apartheid-Regime“, „kolonialistisches Gebilde“, „ethnische Säuberungen“: auf einem palästinensischem Kulturfestival in Berlin wurde offen gegen den jüdischen Staat gehetzt. Finanziert wurde die Veranstaltung mit Mitteln der Senatskanzlei.

Das Veranstaltungsprogramm las sich noch harmlos: Einen Monat lang wollte das Festival „After The Last Sky“ palästinensischen Akteuren aus Schauspiel, Tanz, Musik und bildenden Künsten eine Plattform zum Austausch und zur Begegnung bieten. Doch statt zu einem friedlichen Aufeinandertreffen von Künstlern geriet das Festival im Kreuzberger Ballhaus Naunynstraße zum Stelldichein radikaler Aktivisten.

Etwa am Sonnabend vor zwei Wochen, dem vorletzten Festivaltag: Bei einer Veranstaltung über in Israel inhaftierte Palästinenser wurde nicht nur Solidarität mit den Gefangenen eingefordert, auch ihre Gewalttaten wurden gutgeheißen. Es sei den Festival-Veranstaltern ein großes Anliegen gewesen, auf die Situation der palästinensischen Häftlinge aufmerksam zu machen, sagte Nadija Samour, die Dozentin der Veranstaltung. „Fast jede palästinensische Familie hat einen Angehörigen in Haft – wir wollen mit unserer Veranstaltung auch an die Kämpfe erinnern, die sie hinter Gitter gebracht haben und sie für sie weiterkämpfen.“

Nicht einmal bewaffnete Attentate von Palästinensern auf Israelis wollte Samour verurteilen – im Gegenteil: „Mir ist es egal, warum diese Menschen im Gefängnis sitzen, ich stelle diese Frage nicht“, sagte sie. Der palästinensische Widerstand sei eine „legitime Reaktion“ auf das israelische „Apartheid-Regime“, das die arabische Bevölkerungsminderheit seit Jahrzehnten unterdrücke: Bei der Gründung des Staates Israel seien die Palästinenser durch „ethnische Säuberungen“ ihres Landes beraubt worden und würden seither tagtäglich „in und durch Israel Rassismus“ erfahren.

Samours Hetze gegen den Judenstaat war dabei kein ein Einzelfall während des Festivals. Bereits einige Tage zuvor wurde Israel während einer Diskussionsrunde als „Apartheid-Staat“ und „kolonialistisches Gebilde“ diffamiert. Moderiert wurde die Veranstaltung von Anna-Esther Younes, einer der Kuratorinnen des Festivals. Younes zeichnete ihrerseits ein einseitiges Bild vom Nahostkonflikt – mit Israels Regierung als einem kolonialistisch-rassistischen Regime, dem die palästinensischen „Opfer“ ausgeliefert seien. Der Terror von islamistischen Gruppen wie etwa der Hamas kam in der Runde hingegen nicht zur Sprache.

Benjamin Steinitz, Leiter der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin (RIAS), kritisierte die Äußerungen scharf. „Begriffe wie ,ethnische Säuberung‘, ,Siedler-Kolonialismus‘ und ,Apartheid’ werden regelmäßig und bewusst im Kontext anti-israelischer Boykott-Kampagnen verwendet, um Israel schlimmstmöglicher Verbrechen zu beschuldigen“, sagte er dem Tagesspiegel. „Sie zielen auf die Dämonisierung des jüdisches Staates als illegitimes rassistisches Regime.“ Hetze sei für eine sachliche und differenzierte Auseinandersetzung über die Lebenssituation der Palästinenser in Israel vollkommen ungeeignet, da sie die Realität vor Ort verzerrt darstelle. Der Veranstalter des Festivals, das Ballhaus Naunynstraße, verweigerte seinerseits jegliche Stellungnahme zu den Vorwürfen. Auch Kuratorin Younes war für Nachfragen nicht zu erreichen.

Ermöglicht wurde die Veranstaltung durch öffentliche Gelder. Das Festival sei mit 100 000 Euro aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds sowie weiteren 45 000 Euro aus Mitteln der Spartenübergreifenden Förderung durch die Senatskanzlei-Kulturelle Angelegenheiten finanziert worden, sagte Lars Bahners, Sprecher der Senatskulturverwaltung, dem Tagesspiegel.

Kritik an der Förderpolitik des Senats kam von Deidre Berger, Direktorin des American Jewish Committee Berlin (AJC): „Wir sind erschüttert darüber, dass ein Festival, das Gewalttaten nicht verurteilt und mit Terrorismus sympathisiert, ausgerechnet mit öffentlichen Geldern finanziert wird“, sagte sie dem Tagesspiegel.

Es sei allerdings nicht das erste Mal, dass in Berlin Kulturmittel für anti-israelische Aktivisten zweckentfremdet würden, mahnte Berger und verwies auf die Affäre um den „Refugee Club Impulse“ (RCI), der im April für Schlagzeilen gesorgt hatte. Das Integrationsprojekt, in dem Flüchtlinge gemeinsam mit Einheimischen Theater spielen, hatte damals ebenfalls Fördermittel beim Senat beantragt. Weil sich allerdings herausstellte, dass zwei leitende Mitarbeiterinnen des RCI mit der Terrororganisation Hisbollah sympathisieren und regelmäßig an antisemitischen Protesten teilnehmen, wiederrief der Senat eine bereits in Aussicht gestellte Förderzusage in letzter Minute. „Der Berliner Senat sollte endlich die Reißleine ziehen und die Mittelvergabe vor allem im Kulturbereich auf den Prüfstand stellen“, forderte die AJC-Direktorin deshalb.

Ob der Senat allerdings tatsächlich an seiner Förderpolitik etwas ändern wird, ist fraglich. Zwar sei das Land Berlin – „selbstverständlich“ – gegen jegliche Form von antisemitischen Äußerungen und Legitimierung von Gewalt, sagte Kanzleisprecher Bahners. Die Frage, ob die antiisraelische Hetze Konsequenzen für den Veranstalter haben werden, beantwortete er kurz und knapp mit einem „Nein“.

Ohnehin sieht Bahners die inhaltliche Verantwortung für das Festival nicht im Rathaus angesiedelt. „Die Jurys – hier die Jury für den Hauptstadtkulturfonds und die Jury für die Spartenübergreifende Förderung – entscheiden im Ergebnis einer sorgfältigen Prüfung und Diskussion über die künstlerische Qualität des Antrags und geben eine Empfehlung ab“, verteidigte Bahners die Förderentscheidung der Kanzlei.

AJC-Direktorin Berger wirft dem Senat indes Versäumnisse bei Prüfungen im Vorfeld vor: „Die Veranstalter des Festivals machen aus ihrer israelfeindlichen Haltung keinen Hehl.“ Tatsächlich stehen alle drei Kuratorinnen – neben Younes, Pary El-Qalqili und Nadia Kabalan – der anti-israelischen Boykott-Kampagne BDS nahe oder wirken aktiv in dieser mit. Die Boykott-Kampagne BDS („Boykotte, Desinvestitionen und Sanktionen“) lehnt das Existenzrecht Israels grundsätzlich ab und setzt sich gegen den politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Austausch mit dem Judenstaat ein. „Vor diesem Hintergrund ist es besonders fragwürdig, dass der Berliner Senat die Veranstaltung finanziert hat“, so Berger.

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Time am 21. Oktober 2016

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1) http://www.tagesspiegel.de/berlin/umstrittenes-kulturfestival-in-berlin-gegen-israel-mit-oeffentlichen-geldern/14711762.html

Aus der Hauptstadt (#25)

2. Juli 2016

Ork-Hure

Johannes C. Bockenheimer, Christian Böhme und Frank Jansen berichteten im Berliner „Tagesspiegel“ über den nazislahmischen Judenhassertag und den damit verbundenen nazislahmischen Aufmarsch, der heute stattfindet (1).

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Muslime und Antisemitismus in Berlin

Am Al-Quds-Tag ist Hetze gegen Juden normal

Parolen gegen Israel und Solidarität mit der Hisbollah: Die „Al-Quds“-Demos zeigen, dass der Hass auf Juden unter Muslimen kein Randphänomen ist. Unter Berliner Juden steigt derweil die Verunsicherung.

Hassparolen gegen Israel und Solidaritätsbekundungen für die Terrororganisation Hisbollah: Wenn am Sonnabend hunderte Demonstranten anlässlich des „Al-Quds“-Tages über den Kurfürstendamm ziehen, muss mit antisemitischen Vorfällen gerechnet werden – mal wieder. Denn die Verunglimpfung des Judenstaates als „Kindermörder“ oder „rassistisches Gebilde“ gehört seit vielen Jahren zum festen Repertoire der Demonstranten.

Unter Berlins Juden wird dem Aufmarsch daher mit Sorge entgegengesehen. „Wir erwarten eine klare Ansage seitens unserer Gesellschaft und Politik, dass Antisemitismus weder offen noch unter dem Deckmäntelchen religiöser Lehren oder politischer Kämpfe toleriert wird“, sagt etwa Sergey Lagodinsky, Mitglied der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin.

In Berlin gibt es die Aufmärsche seit 1996 und sie sorgen mittlerweile auch über die Stadtgrenzen hinaus für scharfe Kritik. Zentralratspräsident Josef Schuster nannte es eine „Schande“, dass Berlin den Raum für eine derartige Veranstaltung lasse. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, fordert sogar ein Verbot des Aufzugs. Nach ihrer Auffassung hat sich ohnehin in den vergangenen Jahren gezeigt, wie sehr sich die offene und aggressive Judenfeindlichkeit in Deutschland verbreite. „Und es besteht die Gefahr, dass in großem Maße weiterer Judenhass importiert wird.“ Deshalb erwartet auch die frühere Zentralratspräsidentin ein konsequentes Durchgreifen von allen, „die es mit der Solidarität mit Israel ernst meinen“.

Muslim-Verbände scheuen klare Worte

Klare Stellungnahmen von muslimischen Verbänden in Sachen Al-Quds-Tag sind dagegen rar. Kurz bevor die Israel-Feinde 2014 in Berlin auf die Straße gingen, rief die Generalsekretärin des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Nurhan Soykan, zu Mäßigung auf und monierte „niveaulose“ Parolen. Aber sie betonte auch, dass man Verständnis dafür haben müsse, wenn gerade junge Leute ihrem Ärger über Israels Bombardierungen Luft machten. Damals herrschte Krieg zwischen dem jüdischen Staat und der in Gaza herrschenden Terrororganisation Hamas.

Überhaupt scheinen sich islamische Verbände und Moscheegemeinden schwer damit zu tun, unmissverständlich Stellung gegen Antisemitismus und judenfeindliche Israel-Kritik zu beziehen. Der Islam-Experte Ahmad Mansour beispielsweise hat schon mehrfach daraufhin gewiesen, dass muslimische Organisationen im Kampf gegen Judenhass viel versäumt hätten.

Bei antisemitischer Kriminalität treten muslimische Migranten dabei nur wenig in Erscheinung – zumindest auf den ersten Blick. Von 2013 bis zum Ende des ersten Halbjahres 2015 hatte die Berliner Polizei 37 Fälle antisemitischer Delikte registriert, bei denen Ausländer – das müssen nicht nur Muslime sein – als Täter ermittelt oder zumindest verdächtigt wurden. Bei fünf Fällen handelte es sich um gewaltsame Attacken. Zum Vergleich: im selben Zeitraum zählte die Polizei 409 Fälle antijüdischer Kriminalität, mit zwölf Gewaltdelikten, die rechts motivierten Tätern zugerechnet werden.

Die Zahlen entstammen der Antwort der Senatsverwaltung auf eine Anfrage des Innenpolitikers Peter Trapp (CDU). Für 2015 meldet die Polizei 24 antisemitische Straftaten (mit drei Gewaltdelikten) aus dem Bereich politisch motivierter Ausländerkriminalität – sowie 151 rechte Delikte (mit fünf Gewalttaten), die sich gegen Juden richteten.

Juden bleiben Feindbilder für Muslime

Die statistischen Angaben zur Kriminalität bilden aber nur einen Teil der Gefahr ab, die von Umtrieben muslimisch-migrantischer Judenfeinde ausgeht. Nicht zuletzt, weil vermutlich ein Teil der muslimischen Täter zwar einen Migrationshintergrund, aber auch die deutsche Staatsangehörigkeit hat. Agitation in Moscheen, im Internet und bei der öffentlichen Verteilung von Gratisexemplaren des Koran im Rahmen der salafistischen Kampagne „Lies!“ festigt gerade in jungen Köpfen antisemitische Ressentiments. Und trotz religiöser und politischer Unterschiede sind für sunnitische wie schiitische Extremisten, seien sie gewaltorientiert oder legalistisch, türkischer oder arabischer oder anderer Herkunft, „der Jude“ und der Staat Israel zentrale Feindbilder.

Der Berliner Verfassungsschutz nennt in seinen Berichten Jahr für Jahr Beispiele. So verkündete 2014 der salafistische Imam Abdallah Khalid Ismail alias „Abu Bilal“ in der Neuköllner Al-Nur-Moschee, „Oh Gott, übernimm die Angelegenheiten der zionistischen Juden, denn sie werden sich dir nicht entziehen! Verringere ihre Zahl und töte sie, einen nach dem anderen! Und verschone niemanden unter ihnen!“.

Studien verweisen auf hohe Zustimmung für antisemitische Positionen

Auch in den Wissenschaften wurde der Antisemitismus unter europäischen Muslimen längst zum Forschungsthema. So belegte eine Studie der Universität Bielefeld bereits 2010, dass der Hass auf Juden keineswegs ein Randphänomen ist. So stimmte etwa jeder fünfte arabischstämmige Jugendliche der Aussage zu „in meiner Religion sind es die Juden, die die Welt ins Unheil treiben“. Noch höher lagen die Werte beim klassischen Antisemitismus: Der Aussage „Juden haben in der Welt zu viel Einfluss“ stimmten 35, 8 Prozent der arabischen und 20,9 Prozent der türkischstämmigen zu. Bei Jugendlichen ohne Migrationshintergrund lag der Wert bei lediglich 2,1 Prozent.

Die Verunsicherung unter den Berliner Juden ist angesichts dieser Entwicklung groß. „Wir haben genug Probleme, ob an den Schulen oder auf offenen Straßen im Alltag“, sagt Lagodinsky – und fordert zugleich die Politik zum Handeln auf. „Dass solche Demonstrationen auf der zentralen Straße und in der Nähe der Gemeindeeinrichtungen stattfinden, stärkt die Verunsicherung der jüdischen Menschen. Dagegen hilft nur mehr Solidarität seitens der Zivilgesellschaft und mehr Courage seitens der Politik.“

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Time am 2. Juli 2016

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1) http://www.tagesspiegel.de/berlin/muslime-und-antisemitismus-in-berlin-am-al-quds-tag-ist-hetze-gegen-juden-normal/13819166.html

Aus der Hauptstadt (#24)

28. Juni 2016

Berlin

Der nazislahmische Judenhass ist ein Teil Deutschlands. Lesen Sie einen Artikel von Sebastian Leber und Johannes C. Bockenheimer vom Berliner „Tagesspiegel“ (1).

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Mit der Israel-Fahne auf die Fanmeile

Bespuckt, bedroht und beschimpft

Wenn es beim Flaggezeigen auf der Fanmeile tatsächlich nur um sportlichen Wettkampf und gemeinsames Feiern geht, müsste doch auch die israelische Flagge akzeptiert sein, dachten sich unsere Autoren – und machten ganz unterschiedliche Erfahrungen.

Zuerst sind da nur abfällige Blicke, getuschelt wird auch. Die erste Beleidigung kommt von einem dünnen Mann im Schweinsteiger-Trikot. Er ruft: „Was soll die Scheißfahne hier?“

Die „Scheißfahne“ hat zwei blaue Streifen auf weißem Grund, in der Mitte prangt der Davidstern. Es ist die Nationalflagge Israels.

Seit Beginn der Fußball-Europameisterschaft dominieren in Deutschland die Farben Schwarz, Rot und Gold. Einzig die Grüne Jugend warnte vor „Party-Patriotismus“ und rief dazu auf, die Fahnen wieder einzurollen. Kritik folgte prompt und von prominenter Stelle: Die Fahnen der Fans seien das Gegenteil derer von einst, twitterte Kanzleramtsminister Peter Altmaier. Sie stünden für ein weltoffenes, sympathisches Deutschland.

Zum Beispiel auf der Fanmeile am Brandenburger Tor. Deutsche Flaggen werden hier friedlich neben vielen anderen geschwenkt – auch brasilianische und argentinische sieht man. Es geht doch nur um Sport, heißt es. Und ums gemeinsame Feiern, das Menschen unterschiedlicher Kulturen verbindet. Also alles entspannt, alles unverkrampft. Aber wenn das wirklich so ist: Darf auf der Fanmeile auch mitfeiern, wer eine Israelflagge trägt?

Unsere beiden blau-weißen Stoffe hat ein Berliner Versandhändler geliefert. Sie lassen sich bequem um die Schultern legen. Der Plan ist: in jedem Fall gelassen und höflich bleiben. Auch gegenüber möglichen Pöblern. Und stets zeigen, dass man hier ist, um mit der deutschen Mannschaft mitzufiebern. Deshalb werden zusätzlich zu den israelischen Flaggen noch schwarz-rot-goldene Pappfähnchen zum Winken mitgebracht.

Griechenland ist in Ordnung, Israel nicht

Es ist das Vorrundenspiel gegen Nordirland. Nach wenigen Minuten nähert sich ein Mann. Ob wir Israelis seien, möchte er wissen, oder ob wir welche kennen, die in Berlin leben. Es stellt sich heraus, dass er auf der Suche nach jungen israelischen Staatsbürgern ist, die kürzlich nach Berlin gezogen sind und hier ein Start-up gründen wollen. Er reicht seine Visitenkarte. Der Mann ist Journalist, will einen Artikel schreiben.

Eine Frau kommt freudig angelaufen, dreht dann aber ab. Sie sagt, sie habe die blau-weiße Flagge für diejenige Griechenlands gehalten. Das hätte sie gut gefunden, „aber so…“. Sie verzieht das Gesicht.

Bassam, 27, möchte ein Foto machen. Er ist sehr herzlich, berührt die Stoffe. Er sagt: „Ich liebe alle Menschen.“ Bassam ist Flüchtling aus dem Irak, seit sieben Monaten lebt er in einer Steglitzer Turnhalle. Seine Eltern sind in Mossul und können nicht fliehen, die Stadt wird von der Terrormiliz IS kontrolliert. „Wusstest du“, sagt Bassam, „dass es in Mossul eine jüdische Gemeinde gibt?“ Jedenfalls gab es die, bevor der IS kam. Das Foto wird Bassam seiner Familie per Whatsapp schicken.

Ein paar Meter weiter skandiert ein Mann: „Free Palestine!“ Ein Ordner in orangefarbener Weste sagt im Vorbeigehen: „Du Jude“.

„Ohne Hitler hätte es Israel nie gegeben!“

Dann ist da Christopher, 19 Jahre alt, Schüler. Er bezeichnet sich selbst als „eher links“. Die Flagge stört ihn. „Das macht man bei einem Spiel unserer Mannschaft nicht.“ Ob ihn die brasilianische auch empört hätte? „Nö“, sagt er. „Wir wissen doch, welche Verbrechen die Israelis an den Palästinensern begehen.“ Er glaubt, sie hielten „die Araber wie in einem Gefängnis!“ Mit Brasilien sei das nicht vergleichbar. Und sowieso: „Ohne Hitler hätte es Israel nie gegeben!“ Das findet Christopher ungerecht. „Ein Staat für Juden ist doch scheiße, denn das Judentum ist eine Religion und kein Volk.“

Ein anderer Mann mischt sich ins Gespräch ein. Breite Schultern, kahlrasierter Schädel, Mitte 40 vielleicht. Er deutet auf die Flagge und brüllt: „Mach den Schmutz da weg.“ Warum er Israels Flagge für Schmutz hält, will er nicht begründen. Er brüllt einfach weiter.

Übergriffe auf Juden oder jüdische Einrichtungen sind keine Seltenheit in Berlin. 134 Delikte zählte die Senatsverwaltung voriges Jahr. Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) geht von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus. „Viele Juden bringen ihre Erfahrungen nicht zur Anzeige und tauchen deshalb nicht in der Statistik auf“, sagt Projektkoordinator Benjamin Steinitz.

Verein zählte mehr als 400 antisemitische Vorfälle

Der vom Senat finanzierte Verein zählte im vergangenen Jahr 405 antisemitische Vorfälle. Darunter seien 236 „Angriffe, massive Bedrohungen, Bedrohungen, Beleidigungen oder Pöbeleien“ gewesen. Auch in diesem Juni gab es ernste Zwischenfälle. Unter anderem wurde im Treptower Park ein 21-Jähriger von drei Unbekannten geschlagen und getreten, weil er Kippa trug. Es wird viel berichtet über antisemitische Gewalt. Aber oft heißt es dann, zu Schlägereien gehörten doch immer zwei. Die Betroffenen seien vielleicht nicht ganz unschuldig. Auch deshalb das Experiment auf der Fanmeile.

Ein paar Meter weiter ist Silvio enttäuscht, als er erfährt, dass er keine wirklichen Israelis vor sich hat. „So ein schönes Land“, sagt er. Im vergangenen Herbst hat er dort Urlaub gemacht, war in Tel Aviv, Jerusalem, Haifa. Mit israelischer Politik kenne er sich nicht so aus, doch durch den Aufenthalt habe sich sein Blick auf die Nachrichten verändert: „Es ist nicht immer fair, was sie im Fernsehen über Israel sagen. In anderen Ländern gibt es doch auch Konflikte.“

Lena entschuldigt sich zur Begrüßung. Sie sei schon recht betrunken, sagt sie, aber was sie dennoch fragen wolle: „Ist das nicht die Judenflagge?“ Lena ist 21 Jahre alt und Krankenschwester, und sie hat starke Bedenken.

„Ich bin kein Nazi, aber…“

Aber was?

„…wir sind hier in Deutschland, und jeder, der auf die Fanmeile geht, sollte für Deutschland sein.“

Geht es denn nicht um das gemeinsame Feiern? „Doch schon. Aber für Deutschland.“

Erst wird gedroht, dann gespuckt

Als das Fußballspiel endet, ist Zeit für ein Fazit. Es gab weniger Beleidigungen als befürchtet, deutlich mehr als erhofft. Es gab Menschen, die sagten: „Schön, dass Ihr da seid“, und solche, die es schade fanden, dass Israel es nicht in die EM-Endrunde geschafft hat. Man könnte jetzt noch etwas bleiben. Wäre da nicht die Gruppe junger Männer, die herüber starren.

Rund 15 sind es, sie sprechen arabisch untereinander. Dann kommen sie und bauen sich im Halbkreis auf. Ein durchtrainierter Mann mit stechend blauen Augen scheint der Anführer zu sein. Er spricht sehr aggressiv. „Was wollt ihr hier, ihr Hurensöhne?“, fragt er. Man solle bloß schnell verschwinden. Ein anderer beginnt zu rempeln, setzt einen harten Stoß in den Rücken.

Dann spucken sie. Von allen Seiten. Auf die Flagge, auf die Kleidung, mehrfach ins Gesicht. Keiner der Umstehenden schreitet ein.

Folgen gleich die ersten Schläge? Wir wollen es nicht so weit kommen lassen und flüchten. Sie spucken uns hinterher und drohen. Wir laufen Richtung Holocaust-Mahnmal, dort steht die Polizei.

Hätte man ja ahnen können, sagt ein Passant, der alles beobachtet hat. Dass so ein Versuch nicht gut ausgehe, habe er gleich gewusst. Der Mann sagt: „Mit dieser Fahne habt ihr hier einfach die Arschkarte gezogen.“
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Time am 28. Juni 2016

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1) http://www.tagesspiegel.de/berlin/mit-der-israel-fahne-auf-die-fanmeile-bespuckt-bedroht-und-beschimpft/13796492.html

Der Brandstifter

18. Oktober 2015

Abbas

Im „Tagesspiegel“ verurteilt Johannes C. Bockenheimer das bösartige und destruktive Verhalten von Pallie-Boss Abbas (1).

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Abbas hat Hass gesät und wird Elend ernten

Seit Wochen werden Menschen in Israel von arabischen Attentätern ermordet. Mahmud Abbas, Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde, liefert ihnen die ideologische Munition.

Was haben Regentropfen, Hagelkörner und Schneeflocken mit Terroristen gemeinsam? Sie alle fallen vom Himmel – unvermittelt, einfach so. Das zumindest versucht Mahmud Abbas, Präsident der palästinensischen Autonomiebehörden derzeit der Welt weiszumachen. Leider mit Erfolg.

Seit vier Wochen werden auf israelischen Straßen Menschen attackiert – mit Schusswaffen, Messern und Schraubenziehern. Dutzende Menschen wurden bislang von arabischen Attentätern getötet, Dutzende mehr wurden verletzt. Erschreckend: Unter den Steinewerfern und Messerstechern finden sich auch Jugendliche. Abbas seinerseits mimt den unschuldigen Jungen, der – trotz Kuchenkrümel an der Oberlippe – darauf besteht, das Gebäck nicht angerührt zu haben. Er habe nichts ausgefressen, die jüngste Gewaltwelle nicht initiiert, ließ Abbas vor einer Woche die Welt wissen.

Worte und Waffen

Wahr ist, dass Abbas weder Messer schleift, noch Schusswaffen ausgibt. Richtig ist aber auch, dass er mit Worten schießt und den Attentätern ihre ideologische Munition liefert. „Wir preisen jeden Tropfen Blut, der für Jerusalem geflossen ist“, dröhnte Abbas Mitte September. Einen Tag zuvor hatten junge Männer in Jerusalem Steine auf das Auto von Alexander Levlovitz geschleudert. Der 64-Jährige raste gegen einen Strommast und starb.

Als Aufhänger für die jüngste, die dritte Intifada muss erneut der Tempelberg herhalten. „Die Al-Aqsa Moschee gehört uns”, sagte Abbas vor vier Wochen und machte im nächsten Atemzug deutlich, dass er verhindern werde, dass die Juden sie mit ihren „schmutzigen Füßen entweihen“. Er verschwieg gleichwohl, dass israelische Polizisten bei einer Razzia in der Moschee zuvor Dinge gefunden hatten, die man im Club-Zentrum der Hell Angels, nicht aber in einem frommen Gotteshaus vermutet: Feuerwerkskörper, Schlagstöcke und Rohrbomben.

Abbas legt Feuer

Abbas hätte die Umwidmung des Gebetshauses zur Waffenkammer brandmarken und die Extremisten aus dem Verkehr ziehen können. Doch das tat er nicht; er legte lieber Feuer. Israel schmiede einen geheimen Plan, um das muslimische Heiligtum in Jerusalem an sich zu reißen, tönte er nach dem Polizeieinsatz – dabei wird auch ihm nicht entgangen sein, dass sich am Status quo dort seit 1919 nicht viel verändert hat.

Damals, lange vor der israelischen Staatsgründung, wurde zwischen Zionisten und Arabern im Faisal-Weizmann-Abkommen verabredet, dass der Tempelberg unter muslimischer Kontrolle stehen solle. Die Israelis haben sich an diese Vereinbarung gehalten, als sie nach dem Sechstagekrieg 1967 die Kontrolle über das Gebiet in Jerusalem übernahmen: Bis heute verwaltet die islamische Waqf-Behörde die Bauten auf dem Tempelberg. Unterstellt ist sie dem palästinensischen Ministerium für religiöse Angelegenheiten und damit niemand anderem als Abbas selbst.

Ein gescheiterter Präsident

Was also treibt Abbas an? Es ist sein Wissen über das eigene Scheitern. Nach zehn Jahren Amtszeit (lediglich vier davon mit Wählervotum) sieht Abbas’ Regierungsbilanz dürftig aus: Vor dem UN-Hauptgebäude in New York flattert seit einigen Wochen zwar die palästinensische Flagge. Zu Hause aber, in Ramallah, Nablus und Jenin, herrschen Korruption, Gewalt und Chaos – genau so wie vor seinem Amtsantritt.

Abbas weiß, dass die Uhr für ihn tickt und es scheint, als habe er sich angesichts seines absehbar miserablen politischen Vermächtnisses die Worte von Fußballlegende Rolf Rüssmann zu Herzen genommen: „Wenn wir hier nicht gewinnen, dann treten wir ihnen wenigstens den Rasen kaputt“, hatte der Vorstopper aus Gelsenkirchen einmal gesagt.

Fatal an Abbas’ Taktik ist, dass er einerseits nicht mit Bällen, sondern mit Menschenleben spielt. Und andererseits nicht nur den Rasen der Gegner, sondern auch den eigenen ramponiert. Mit seinen giftigen Worten hatte Abbas eine neue Generation von jungen Menschen herangezogen, die sich statt dem Aufbau einer friedlichen palästinensischen Zivilgesellschaft, dem Terror und der Revolte hingibt. Abbas hat Hass gesät und wird Elend ernten. Das ist bitter.

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Time am 18. Oktober 2015

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1) http://www.tagesspiegel.de/politik/gewaltwelle-in-israel-abbas-hat-hass-gesaet-und-wird-elend-ernten/12463382.html