Posts Tagged ‘Karen Krüger’

Alla will Diktaturen

22. Dezember 2011

Karen Krüger, Türkei-Expertin der FAZ, die einstmals einen orkfreundlichen Artikel nach dem anderen ablieferte, hat derzeit das blanke Entsetzen angesichts der Entwicklung in der Türkei hin zu einer offenen Diktatur, also der Staatsform, die von Alla vorgeschrieben ist (1), gepackt.

Lesen Sie ihren aktuellen Bericht aus der heutigen FAZ.

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Freies Denken unter Strafe 

Die türkische Justiz nimmt Journalisten en masse fest

Es zeichnete sich schon seit längerem ab, doch nun ist es gewiss: Die türkische Justiz und Polizei kann nicht mehr zwischen Journalisten und Verbrechern unterscheiden, und ganz offenbar will sie das auch gar nicht: Fünfundzwanzig Medienvertreter sind gestern in Istanbul, in Ankara und im Osten der Türkei verhaftet worden. Man wirft ihnen Propagandatätigkeit für die Union kurdischer Gemeinschaften (KCK) vor, die von der türkischen Justiz als ein Arm der PKK begriffen wird. Es ist anzunehmen, dass viele der Verhafteten damit gerechnet hatten, dass die Polizei irgendwann bei ihnen klingeln werde – die Angst geht schon seit längerem um unter türkischen Journalisten. Denn der Verdacht, der KCK anzugehören, dient dem Ministerpräsidenten Tayyip Erdogan als neuestem Maulkorb gegen freies Denken.

Insgesamt sollen in diesem Jahr schon viertausend Personen, darunter Bürgermeister, kommunale Abgeordnete, Anwälte und Bürgerrechtler, als vermeintliche KCK-Mitglieder verhaftet worden sein. Zuletzt hatte es Ende Oktober Razzien gegeben, bei denen 42 Intellektuelle ins Gefängnis gekommen sind – unter ihnen der türkische Verleger Ragip Zarakoglu, ein international bekannter Menschenrechtsaktivist, sowie Büsra Ersanli, eine Professorin für Internationale Politik an der Istanbuler Marmara- Universität. Genauso wenig wie die nun verhafteten Journalisten haben sich Zarakoglu oder Ersanli einer Gewalttat schuldig gemacht – ihr „Vergehen“ besteht einzig darin, ihre persönliche Meinung gesagt zu haben, die allerdings mit den Ansichten der Regierung kollidiert. An der Politischen Akademie der von Kurden dominierten linken Partei BDP, die mit 36 Sitzen im türkischen Parlament vertreten ist, hatten die beiden Vorträge gehalten. „Alles hier entwickelt sich zunehmend kafkaesk“, heißt es in einem Brief, den Ragip Zarakoglu aus dem Gefängnis an die Zeitung „Hürriyet“ geschrieben hat.

Seit dem Angriff der PKK auf türkische Militärs im Juli, bei dem dreizehn Soldaten und sieben PKK-Kämpfer getötet worden sind, hat Ministerpräsident Tayyip Erdogan den Kampf gegen die Terrororganisation wieder nach ganz oben auf seine Agenda gesetzt. Das ist sein gutes Recht, dagegen kann man nichts sagen, denn die PKK ist eine reale Gefahr in der Türkei und hat mit ihrem Anschlag die Friedensbemühungen torpediert. Und natürlich gehört es zur Terrorismusbekämpfung, die Propaganda der jeweiligen Organisation zu unterbinden. Doch die Methoden, mit denen die türkische Regierung, die Armee und Justiz derzeit gegen wirkliche und vermeintliche Sympathisanten vorgehen, lassen sich durch nichts mehr rechtfertigen. Jeder, der sich für die Belange der kurdischen Bevölkerung einsetzt, macht sich verdächtig – die Regierung tut ganz einfach so, als sei das Engagement für kurdische Minderheitenrechte gleichbedeutend mit der Unterstützung blutiger Gewalt. Anstatt die tatsächlichen Drahtzieher zu jagen, drückt die Regierung unbequemen Aktivisten den Terrorstempel auf – und walzt damit jegliches zivilgesellschaftliche Engagement nieder. Dies ist umso alarmierender, als die türkische Zivilgesellschaft noch keine lange Vorgeschichte hat. Sie gehört zu den wenigen demokratischen Errungenschaften, die das Land seit dem Beginn der Regierungszeit von Erdogan tatsächlich vorweisen kann.

Unter den am Mittwoch verhafteten Medienvertretern sind nach Angaben der türkischen Presse viele Journalisten mit kurdischem Hintergrund. Festgenommen wurden auch Mitarbeiter der Nachrichtenagenturen Diha und Etha, aber auch ein Reporter der Tageszeitung „Vatan“ sowie der Fotojournalist Mustafa Ozer, der für die französische Nachrichtenagentur AFP arbeitet. Fast jeder von ihnen hatte über die jüngsten Anschläge der PKK und das Vorgehen der Polizei und Armee berichtet – offensichtlich möcht Ankara aber, dass die Presse schweigt.

Wenn der zu beobachtende Eifer der türkischen Justiz und Polizei anhält, befinden sich in der Türkei bald mehr Journalisten hinter Gittern als auf freiem Fuß. Seit gestern hat die Anzahl der inhaftierten Pressevertreter die Hundert erreicht. Zudem laufen zwischen siebenhundert und tausend Verfahren, die noch zu Inhaftierungen führen könnten. Für viele der betroffenen Journalisten würde das Jahre im Gefängnis bedeuten, ohne dass es überhaupt zu einer Verhandlung kommt. Das türkische Antiterrorgesetz erlaubt es, Festgenommene bis zu zehn Jahre in Untersuchungshaft zu halten.

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Time am 22. Dezember 2011

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1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/23/kloran-7-uber-despotismus-rang-und-herrschaft/

Cenk Batu im Counterjihad

17. Dezember 2011

Von der Türkei-Expertin Karen Krüger, die ihre Ansichten von einer bedingungslosen Verklärung des Mohammedanismus durch tieferes Verständnis zu einer teilweise counterjihadischen Position geändert hat, und die prägnant und pointiert schreibt, stammt die folgende Rezension eines „Tatort“-Krimis aus der heutigen FAZ, der am Sonntag um 20:15 Uhr im „Ersten“ laufen wird.

Ich habe oft bemerkt, dass die künstlerische und mediale Bearbeitung des Jihad nur marginal erfolgt, aus Angst, wie ich annehme. Daher ist m.E. jedes Produkt hilfreich, selbst wenn es nicht perfekt sein sollte.

Wieder haben wir im Artikel übrigens den Unfug mit dem türkischen „sch“, das s mit Strich geschrieben wird, und offenbar Bestandteil des deutschen Alphabets werden soll.

Wie hat die FAZ doch seinerzeit gegen die Rechtschreibreform gekämpft. Ein fremdsprachiges Alphabet übernimmt sie widerspruchslos (Ich lasse es nur am Anfang drin, damit Sie sehen, was ich meine).

Peinlich!

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Die Hassprediger nehmen ihm seinen Glauben 

Mehmet Kurtuluş (sprich: Kurtulusch, T.) spielt zum vorletzten Mal den verdeckten Ermittler Cenk (sprich: Dschenk, T.) Batu. Dieser soll eine islamistische Zelle aufrollen. Einen so guten „Tatort“ haben wir lange nicht gesehen.

Als im September 2007 die Sauerland-Gruppe verhaftet wurde, war Deutschland nur knapp einem Bombenanschlag entkommen. Etwas anderes aber bewegte die Gemüter noch viel mehr: Deutsche Konvertiten hatten das Attentat geplant; junge Männer, die hier in guten Verhältnissen aufgewachsen waren, sich dann den Mantel des radikalisierten Islams überwarfen, um die eigene Kultur zu vernichten. Sie wollten das Land brennen sehen. Sie malten sich einen „zweiten 11. September“ aus.

Konvertiten, da sind sich Islamismus-Experten weitestgehend einig, stehen für das größte Gefahrenpotential der Radikal-Religiösen. Denn ohne Wurzeln zu der die Religion nährenden Kultur züchten sie ihren Glauben dogmatisch heran. In dieses Milieu wird der verdeckte Ermittler Cenk Batu (Mehmet Kurtulusch) eingeschleust. Das BKA weiß, dass Hamburg Schauplatz eines furchtbaren Anschlags werden soll, doch wann und wo er stattfinden wird, weiß man nicht. Fest steht nur, dass die Planung und Umsetzung einer terroristischen Zelle um den Konvertiten Christian Marschall, genannt Al Malik, obliegt. Er hat sich in einer türkischen Moscheegemeinde eingenistet, gibt sich fromm und hilfsbereit, zeigt Kindern aber heimlich Propagandavideos und bastelt zu Hause Bomben. „Der Weg ins Paradies“ – so der Titel des hervorragend erzählten und spannenden „Tatorts“ – führt für ihn und seine Komplizen nur über die Ermordung der „Kafir“, der Ungläubigen. Der Hass gilt Amerika, vor allem aber gilt er dem Bundeswehreinsatz in Afghanistan.

Es ist nicht zu übersehen, das Cenk Batu sich zunächst gegen diesen Fall sträubt. Beinahe wirkt es so, als solle damit sein baldiger Abschied vom „Tatort“ vorbereitet werden – im Frühjahr 2012 spielt Mehmet Kurtulusch zum letzten Mal den verdeckten Ermittler. In Flip-Flops kommt er daher, hat eigentlich noch Urlaub. Die Details, die ihm Verbindungsmann Kohnau (Peter Jordan) zu seiner neuen Rolle gibt, kann er sich nur schwer merken: Von nun an hat er Taylan zu sein, ein frommer, bärtiger Muslim, belesen im Koran, geübt in religiösen Verhaltensweisen, gerade aus einem syrischen Folter-Knast entlassen. Kurz bevor Batu in diese Identität abtaucht, lernt er unglücklicherweise die junge Gloria kennen. In dem Ermittler – bisher kannten wir ihn nur als einsamen Wolf aus Überzeugung – entflammen die Gefühle. Die Sehnsucht nach der hübschen Frau wird für ihn zum Anker werden, den er in der Parallelwelt mit Moschee, Männerwohnheim und religiös-verbrämten Hasstiraden zum Überleben braucht.

Der Film nimmt sich eines äußerst heiklen Themas an. Denn nicht nur in der medialen Verarbeitung fällt es seit dem 11. September schwer, zwischen Muslimen, die einfach ihren Glauben leben, und jenen Menschen zu unterscheiden, für die der Islam nur ein Vehikel für die Verwirklichung persönlicher Machtphantasien ist. Dem Regisseur und Drehbuchautor Lars Becker gelingt es – ohne die Figuren plakativ zu vereinfachen. Da ist zunächst der türkische Imam, unter dessen Dach die Zelle agiert. Ganz richtig schätzt ihn die Polizei als liberalen Gläubigen ein. Dass er jedoch die kostenlosen Nachhilfestunden, die Al Malik Kindern seiner Gemeinde gibt, mit Argwohn beobachtet, bemerkt die Polizei nicht.

Der junge Konvertit, überzeugend gespielt von Ken Duken, ist ein Verführer, ist eitel, eiskalt und hochintelligent. Und doch ist da manchmal eine Angst zu spüren, nicht ernst genommen zu werden. Sie scheint auf, als er nach fast zwei Jahren erstmals wieder sein Elternhaus betritt. Anders als man es erwarten könnte, empfängt ihn der Vater nicht als verlorenen Sohn, sondern mit bösem Sarkasmus und stellt ihn vor Batu bloß. Ob die sich darin angedeutete familiäre Gefühlskälte den Sohn in den Fanatismus trieb, lässt der Film dankenswerterweise offen – auch sonst verzichtet Becker auf den Wink mit dem pädagogischen Zaunpfahl. Es ist jedoch die Rolle des Vaters, die Marschall innerhalb seiner Zelle ausfüllt: Da ist der pakistanische Medizinstudent Akbar (Murali Perumal), dessen Trauer über den Tod seiner Familie sich in Gewaltphantasien entlädt – seine Angehörigen starben bei einem Angriff der Amerikaner auf Taliban. Und da ist der Konvertit Rolf Peter Sperling (Tristan Seith), ein typischer, doch gewaltbereiter Mitläufer: Mit seiner verkrachten Biographie aus abgebrochenen Lehren, Vorstrafen und gescheiterter Ehe hält er die neu erworbene Religion für allein seligmachend. Noch wichtiger aber ist, dass sie ihm eine Bedeutung gibt.

Was Cenk Batu in diesem Milieu erlebt, geht auch gegen ihn selbst, gegen seine Herkunft und seine Überzeugung: „Das, was ich hier lerne, hat nichts mit Spiritualität zu tun. Geschweige denn mit dem Islam“, sagt er. Der Fall führt ihn an seine Grenzen. Lange hat man keinen so guten „Tatort“ mehr gesehen.

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Time am 17. Dezember 2011

Ihr habt nichts davon gewusst?

8. April 2011

In Haft, weil er eine mohammedanistische Verschwörung
aufgedeckt hat: Ahmed Sik

Die Oberste Richterin in Ankara, Emine Ülker Tarhan, hat ihre Ämter aus Protest gegen die Machtergreifung Erdogans niedergelegt. Lesen Sie zunächst ihre Kurzbiografie aus der Feder von Karen Krüger und sodann Auszüge aus einer Rede, die sie am 1. April in Frankfurt gehalten hat, und die von Müge Merman übersetzt wurde. Quelle ist die heutige FAZ.

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Die Robe abgelegt

Emine Ülker Tarhan, Jahrgang 1963, war bis Mitte März Oberste Richterin in Ankara und Präsidentin des von ihr 2006 gegründeten Berufsverbandes der Richter und Staatsanwälte „Yarsav“. Sie gehört zu den Kritikern des Verfassungsreferendums, außerdem kämpft sie für die Gleichberechtigung von Frauen im Arbeitsleben. Die Entscheidung, ihre Ämter niederzulegen, sei nach der Aufhebung der Amtshaftung für Richter und Staatsanwälte gefallen, sagte sie gegenüber dieser Zeitung: „Es ging nicht mehr um Recht.“ Darin bestärkt habe sie auch die Verhaftung von Ahmet Sik. Frau Tarhan wird sich nun politisch engagieren. Bei den Parlamentswahlen im Juni tritt sie für die stärkste Oppositionspartei, die CHP, an.

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Ich möchte keine Marionette der Regierung sein

Die türkische Justiz wird immer mehr zum Handlanger des Systems Erdogan. Man kriminalisiert ein Buch, in dem es um die Infiltrierung der Polizei durch Islamisten geht. Die Furcht vieler Türken scheint sich zu bewahrheiten: Das Land wird auf radikalislamische Linie gebracht.

Das derzeitige Klima in der Türkei gleicht den Verhältnissen in George Orwells Buch „1984“. Denn das Vorgehen unserer Regierung unterscheidet sich nicht im Geringsten davon, wie Big Brother in seinem Angstimperium die Gedankenpolizei in Gang setzt, um Gedanken zu zerstören. Der Polizeistaat steht nicht nur vor unserer Tür, er hämmert mit dem Rammbock dagegen.

Wir wurden Zeugen, wie das noch unveröffentlichte Buch des verhafteten Reporters Ahmed Sik, „Das Heer des Imams“ (über die mohammedanistische Fethullah-Gülen-Bewegung, der die AKP-Regierung tief verbunden ist, T.), vernichtet wurde. Jeder, der eine Kopie besaß, wurde für schuldig befunden. Soweit ich weiß, wurde in Europa das letzte Mal ein Buch während des Nationalsozialismus verbrannt. Es scheint, als ob es bei uns wieder dazu kommen könnte. Werden diejenigen, die heute Bücher verbieten, eines Tages unsere Gedanken auslöschen wollen? Die Meinungs- und die Pressefreiheit wird mit Füßen getreten, obwohl diese eigentlich durch internationale Abkommen und die Verfassung geschützt sein sollte.

Von den 119.298 Beschwerden, die dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte vorliegen, stammen 33.568 aus der Türkei. Gleichzeitig habe ich in den dreiundzwanzig Jahren meiner beruflichen Laufbahn nie zuvor eine Zeit erlebt, in der die Gerichte so sehr wie jetzt Zielscheibe waren. Man versucht, das gesellschaftliche Vertrauen in die Justiz zu unterminieren.

Lassen Sie mich Beispiele nennen: Als das türkische Verfassungsgericht einige Gesetze aufhob, weil sie verfassungswidrig waren, beschuldigte man es, den Platz der Legislative einnehmen zu wollen. Als der Verwaltungsgerichtshof einige aufsehenerregender Urteile fällte, warf man ihm vor, den Platz der Exekutive einnehmen zu wollen. Einmal fragte der Ministerpräsident sogar: „Haben Sie vor der Urteilsfällung die islamischen Gelehrten befragt?“ Er erklärte damit nicht nur das Urteil, sondern auch die Richter zur Zielscheibe religiöser Sensibilitäten. Und als der Verwaltungsgerichtshof befand, dass Kopftücher in Universitäten unzulässig seien, veröffentlichte eine regierungsnahe Zeitung Fotos des Vorsitzenden Richters und von Mitgliedern seiner Kammer. Die Schlagzeile: „Diese Richter waren es.“ Kaum war der Artikel erschienen, wurde auf die Richter geschossen. Einer von ihnen starb.

Die Regierung versucht Institutionen, die sie als Gefahr für sich sieht, zu zermürben – unter ihnen ist auch die Justiz. Sie soll ein Schutzschild des Laizismus sein, die Regierung hat jedoch erklärt, dass sie die Gewaltenteilung, also einen der wichtigsten Grundpfeiler der Demokratie, nicht akzeptiert. Kürzlich sagte der Ministerpräsident, dass seine Regierung den Islam mit der Demokratie vereint habe.

Auf der Grundlage eines meiner Ansicht nach rechtswidrigen Urteils ist es möglich, jeden türkischen Bürger jederzeit abzuhören. Man beruft sich auf das unschuldige Motiv der Kriminalitätsbekämpfung – was geradezu lächerlich ist. Als ich und andere Richter gegen das Urteil protestierten, sagten die einen: „Ihr Richter solltet besser still sein. Wenn ihr Politik machen wollt, dann legt eure Roben ab!“ Wieder andere meinten: „Wir müssen diejenigen identifizieren, die gegen uns sind.“ Die Abhöraktionen haben ein derartiges Ausmaß erreicht, dass sich mittlerweile sogar gewöhnliche Hausfrauen nicht mehr trauen, am Telefon offen zu reden.

Es wird erklärt, alles werde den Standards der EU angeglichen. Gleichzeitig spricht der Ministerpräsident davon, dass das türkische Volk noch nicht bereit dazu sei. Bei Themen wie etwa der geringen Transparenz politischer Parteien erinnert man sich interessanterweise auch nicht mehr an die europäischen Standards. Abgeordnete genießen Immunität in einem Maße, wie sie in Europa nicht existiert. Es liegen etwa sechshundert Strafakten gegen Angehörige des Parlaments wegen Sittenwidrigkeiten, Unterschlagung, Betrug oder Veruntreuung vor. Doch man darf sie strafrechtlich nicht verfolgen.

In der Strafsache wegen Spendenbetrugs gegen die in Deutschland agierende, nichtstaatliche Hilfsorganisation „Deniz Feneri“ wurden die Funktionäre von deutschen Richtern für schuldig befunden und verurteilt. Sie betonten, dass sich eventuelle Mittäter in der Türkei aufhalten. Dort aber wird ein Verfahren hinausgezögert. Aus Angst, die Regierung stünde schlecht da, wenn das Volk informiert ist, wurde ein Veröffentlichungsverbot verhängt.

Ist die Strafverfolgung hingegen im Sinne der Regierung, werden der Bevölkerung über regierungsnahe Fernsehsender, Internetseiten und Zeitungen Tag für Tag Informationen zugänglich gemacht. Ein regierungsnaher Journalist deutete an, dass es nach der Verfassungsänderung eine Verhaftungswelle innerhalb der Judikative geben werde – eine offene Drohung. Die Regierung hat sich eines Teils der Medien bemächtigt und sie an regierungsfreundliche Investoren verkauft. Eine Kontrolle der Regierung wird so verhindert und regierungskritische Wissenschaftler und Journalisten verhaftet – achtundsechzig Medienvertreter sitzen schon im Gefängnis.

Fast alle werden beschuldigt, Mitglied des Geheimbundes Ergenekon zu sein und Volksverhetzung zu betreiben. Die Verfahren werden von mit Sonderbefugnissen ausgestatteten Staatsanwälten betreut. Die Verhafteten bleiben jahrelang in Haft, ohne dass Beweise vorgelegt werden – abgesehen von Aussagen anonymer Informanten, deren Existenz zweifelhaft ist. Es fällt auf, dass in den Anklageschriften polizeitypische Ausdrücke wie „seitens unseres Präsidiums, unseres Reviers“ fallen. Unter den Beweisen gibt es immer wieder solche, deren Authentizität fragwürdig ist, die zudem chronologische Fehler und Widersprüche enthalten. Es finden sich auch Telefonaufzeichnungen in den Akten, die mit dem Verfahren gar nichts zu tun haben.

Schon bevor die AKP das Land regierte, sagte man, dass ein antidemokratischer, „tiefer Staat“ existiert. Inzwischen besteht kein Zweifel mehr daran, dass die Regierung mit Hilfe ihrer Mitstreiter versucht, einen tiefen Staat zu begründen, anstatt Bestehendes aufzuklären. Ich halte es für keinen Zufall, dass unter den verantwortlichen Ergenekon-Ermittlern Polizisten sind, von denen man weiß, dass sie bei den Ermittlungen im Fall des ermordeten armenischen Journalisten Hrant Dink zumindest fahrlässig handelten.

Der Journalist Ahmet Sik hatte dies aufgedeckt. Vor ihm hatte schon einmal jemand gewagt, den Polizeiapparat anzugreifen: Der ehemalige Generalstaatsanwalt von Erzincan ermittelte in den Jahren 1998 bis 1999 gegen den Nachrichtendienst der Gendarmerie, die damals als eine der Festungen des tiefen Staats galt. Das hätte am Ende auch die Regierung betroffen. Er wurde deshalb unter dem Verdacht verhaftet, selbst Ergenekon-Mitglied zu sein. Seine Handakte wurde der Staatsanwaltschaft übergeben und darin enthaltene Beweise gefälscht.

Trotz eindeutiger Hinweise, dass Polizisten und Staatsanwälte gegen die im Ergenekon-Prozess Beschuldigten Beweise manipulieren, wird nicht wegen Amtsmissbrauch ermittelt. Als etwa festgestellt wurde, dass dem Handy eines Verdächtigen Aufzeichnungen hinzugefügt wurden, nachdem es polizeilich sichergestellt worden war, wurde nichts gegen dafür Verantwortliche unternommen.

Seit der Verfassungsänderung kann der Justizminister über die Zusammensetzung des Gerichtsmedizinischen Instituts entscheiden – nebenbei gesagt: Bis eine Akte von dort zurückgesandt wird, vergehen manchmal fünf Jahre. Es gilt mittlerweile als selbstverständlich, dass das Institut auf Druck der Regierung Berichte erstellt, die Anschuldigungen stützen. Obwohl gegen die so agierenden Staatsanwälte mehrfach Beschwerde eingereicht worden ist, können diese nicht verfolgt werden: Das Justizministerium erlaubt es nicht, und es gibt keine Justizpolizei. Die Ermittlungen werden von der an die Exekutive gebundenen Polizei durchgeführt. Von ihr sagt man, sie sei von der Gülen-Bewegung infiltriert.

Der Türkei ist es gelungen, ein System zu entwickeln, das den Anforderungen eines laizistischen Staates gerecht wurde. Jetzt aber wird versucht, das Land auf eine radikalislamische Linie zu führen. Das Ziel rückt täglich näher. Ständig werden islamische Referenzen und Argumente zitiert, religiöse Rituale in übertriebener Art vorgelebt, islamische Investorengruppen unterstützt, laizistisch gesinnte Personen und Institutionen dagegen ignoriert.

Religionsfreiheit genießen in unserem Land nur die sunnitischen Muslime. Unser Ministerpräsident behauptet, die Mehrheit der Richter an den obersten Gerichten seien Aleviten. Sie sind ihm wegen ihrer laizistischen Weltsicht ein Dorn im Auge. Bei der jüngsten Wahl des Obersten Gerichtshofs ist der Anteil der Aleviten fast auf null gesunken. Das Gleiche gilt für weibliche Richter: Während deren Anteil in den Verwaltungsgerichten vor einem Jahr noch bei 36 Prozent lag, sind es jetzt nur noch 1,63 Prozent. In den ordentlichen Gerichten ist der Frauenanteil auf unter drei Prozent gesunken. Auf jeder Hochzeitsfeier, die der Ministerpräsident besucht, nimmt er der Braut das Versprechen ab, mindestens drei Kinder zu gebären. Er sagt auch, dass Frauen und Männer schon aufgrund ihrer Natur nicht gleichberechtigt sein könnten.

Trotz der Warnungen vor einer Politisierung bleibt der Justizminister der Vorsitzende des Hohen Richter- und Staatsanwälterats. Er entscheidet damit nicht nur über dessen Zusammensetzung, sondern auch, ob Ermittlungen gegen Richter und Staatsanwälte eingeleitet werden. Die dem Justizminister unterstellten Justiz-Inspektoren sind mit den Kompetenzen von Staatsanwälten, inklusive der Verhaftungsbefugnis, ausgestattet worden. Kann man da noch an die Unabhängigkeit des Rates glauben?

Dem Gesetzentwurf über die Gründung neuer Senate für den Obersten Gerichtshof und den Verwaltungsgerichtshof wurde nach der Verfassungsänderung noch der Amtshaftungsausschluss für Richter, Justizinspektoren und Inspektoren des Hohen Richter- und Staatsanwälterats hinzugefügt. Aufgrund der neuen Struktur des Obersten Gerichtshofes gibt es in der Türkei keine Rechtssicherheit mehr. Etwa einhundertsechzig Richter an den obersten Gerichten, die von dem neuen Hohen Richter- und Staatsanwälterat gewählt werden, können bei Wahlen für den Obersten Gerichtshof gemeinsam abstimmen. Was, wenn sie das gleiche Verfahren bei Verfahrensakten anwenden? Gibt es das in Europa auch?

Die Regierung hat erreicht, dass sie die siebzehn Mitglieder des Verfassungsgerichts wählt. Sie hat den Weg dafür geebnet, dass der Vorsitzende Richter nun wie ein der Regierung unterstellter Politiker handeln und entsprechende Urteile fällen kann. Sie hat den Hohen Richter- und Staatsanwälterat wie eine Filialleitung an sich gebunden. Doch damit nicht genug: Durch die nicht ausgesprochene, aber praktizierte Aufhebung des Straftatbestands des Amtsmissbrauchs schützt die Regierung ihre Bürokraten und Polizisten. Sie nimmt Staatsanwälte in Schutz, die wiederum die Personen schützen, die Büros von Inhaftierten verwanzen und den Anklägern illegale Beweise beschaffen. Der Beschützerinstinkt der Regierung ist immens. Ihre Parole lautet: „Sei mein Instrument und ich beschütze dich.“

In den türkischen Vollzugsbehörden, etwa in Silivri, wurden Sondergerichte eingerichtet. Es werden Hochsicherheitstrakte für Tausende von Menschen gebaut. In den von Wikileaks veröffentlichten Depeschen wird erwähnt, dass der Ministerpräsident mehrere Konten in der Schweiz besitzen soll. Einem Abgeordneten, der nachfragte, wurde erklärt: „Du wirst noch in Silivri landen.“ Denken Sie bei alldem noch an eine Demokratie? Oder denken Sie an ein anderes Staatssystem?

Der Ministerpräsident sagt, die Medien seien frei. Die regierungstreuen sind tatsächlich frei. Sogar so frei, dass sie vorhersagen, was der nächste Schritt polizeilicher Ermittlungen sein und wen man verhaften wird – ganz nach den Vorgaben von Big Brother. Menschen werden so öffentlich für schuldig befunden, bevor sie überhaupt verhaftet worden sind – man tritt die Unschuldsvermutung mit Füßen.

Während die Regierung einerseits ihr Angstimperium aufbaut, weitet sie andererseits die Schutzräume für sich selbst und die Ihrigen aus. Denn sie weiß, dass sie sich kaum noch von einem „tiefen Staat“ unterscheidet. Mit Gesetzen hat sie einer Willkürjustiz den Weg geebnet. Und jetzt hat sie Angst, die Kontrolle über die Terroratmosphäre, die sie selbst erschaffen hat, zu verlieren. Sie hat Angst vor noch nicht veröffentlichten Büchern. Und vor all dem, über das bisher noch nicht geschrieben worden ist.

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Time am 8. April 2011

 

Der Wirt bist du

6. April 2011

Schlupfwespen legen ihre Eier in Schmetterlingsraupen ab (s.o.), woraufhin die Wespenlarven die Muskulatur und das Fett ihrer Wirte von innen auffressen. Wenn schließlich auch das Nervengewebe verspeist wird, stirbt die Raupe. Zu diesem Zeitpunkt sind die Larven aber bereits so weit entwickelt, dass sie aus der Raupe kommen und sich verpuppen können.

Dimmie-Lakaien der Mohammedanisten vom Schlage des Leo Brux (1) werden oft mit einem simplen Trick auf Linie gebracht: Die Orks bestärken sie in ihrem Überlegenheitsgefühl und machen sie so zu Marionetten. Besonders gefährdet durch diese Taktik sind natürlich (freiberufliche) Lehrer, Sozialarbeiter u.ä., die von der Gesellschaft wie ihre Klientel eher nicht so hoch bewertet werden, und deren Bezahlung eher schlecht ist. Aber vor dem Sprachkurs für Orks ist dies alles vergessen, da ist man King Leo, vorausgesetzt, man schwimmt im Mainstream, der dort mohammedanistisch ist, mit.

Und dann kann man es sich gut einrichten, denn die Orks wissen genau, dass sie bis zur Machtübernahme auf ihre Dimmiehelfer angewiesen sind, und sie schmieren hemmungslos: Ihre Frauen bringen leckeres Essen mit (das meistens sichtbare Spuren hinterlässt), keine Hochzeit, zu der man nicht eingeladen wird usw.

Von sich selbst eingenommen, werden die Dimmie-Lakaien in dem Glauben bestärkt, sie hätten eine Deutungsmacht über die Ideologie des Mohammedanismus und seine Anhänger, ohne die Texte des Mohammedanismus auch nur im geringsten berücksichtigen zu müssen. Es ist schon erstaunlich, wie die oft so viel besser als die Orks ausgebildeten Dimmies die Ansicht zementieren, alle Orientalen seien als Mohammedanisten geboren und dazu verurteilt, auf ewig Mohammedanisten bleiben zu müssen, sich auf ewig zu den abartigen Texten des abartigen, falschen „Propheten“ Klo H. Metzel bekennen zu müssen.

Diese Festlegung von Geburt an, die also als quasi genetische Festlegung erscheint, ist sie etwas anderes als ein paternalischer Rassismus? Die Dimmies wissen genau, dass die Texte bösartiger Dreck sind (und deshalb verweigern sie ja auch das Gespräch darüber, s. 2), aber anstatt die Orks darüber aufzuklären und ihnen auf die Stufe der Wissenden zu helfen, unterstützen sie sie in ihrem Unwissen. Sie merken nicht, dass dieses Gefühl scheinbarer Überlegenheit ein bösartiges Gefühl ist, das ihnen von den Mohammedanisten implementiert wird, und das sie von innen auffressen wird.

Karen Krüger von der FAZ hat dies inzwischen klar erkannt, und sie legt derzeit Aufsatz um Aufsatz gegen Erdogans Versuche der totalen Machtergreifung vor (ohne dass dies ihre grundsätzliche Sympathie für die Türkei und die Türken als Menschen in Frage stellen würde). Im heutigen Leitartikel schildert sie, wie sich der nicht-säkulare Mohammedanismus (tatsächlich gibt es nur diesen) in die Türkei hineinfrisst und fetter und immer noch gefräßiger wird. Nun, dies ist das Wesen des Mohammedanismus, und er wird sich bei uns nicht anders verhalten als irgendwo im Orient. Und Leo kann es kaum erwarten, bis sein Nervengewebe endlich an der Reihe ist…

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Unterwanderung von oben

Türken werden nicht zum freien Denken, sondern zur Unmündigkeit erzogen. Alles andere widerspräche den Prinzipien des Kemalismus: Der ideale türkische Bürger hat nur das zu wissen und zu meinen, was sich konform zur Ideologie des Staates verhält – Dagegensein ist in der Gedankenwelt des EU-Anwärters nicht vorgesehen. Die staatliche Bildung predigt die Prinzipien des Laizismus und die bedingungslose Liebe zum Staatsgründer Atatürk.

Auf anderen Gebieten macht sich indessen Tayyip Erdogans Regierungspartei, die AKP, die anerzogene Unmündigkeit der Bürger zunutze. Bei Zuwiderhandlungen gegen die von ihr propagierte muslimisch-konservative Lebensweise drohen bisher nur gesellschaftliche Sanktionen. Beim geschriebenen und gesprochenen Wort hingegen greifen regierungsfreundliche Staatsanwälte ein. Sie ersticken jeden Keim kritischen Denkens, bevor er Wirkung entfaltet. Seit Jahren bekämpfen sie die kritische Presse – mit Erfolg: Während Brüssel und auf Demokratie hoffende Türken vorschnell den Reformeifer Erdogans feierten, ist die Türkei in nur zwei Jahren auf dem internationalen Index der Pressefreiheit um 36 Plätze auf Platz 138 abgerutscht. Sie steht damit hinter Ägypten und Zimbabwe.

Auch türkische Schriftsteller haben es schwer. Bücher, die man besitzen, ohne Aufsicht lesen und weitergeben kann und die ihre Leser zu nichtsystemkonformem Denken und Handeln verleiten könnten, gelten als gefährlich. Ein Gesetz, das Zensur offiziell ermöglicht, gibt es in der Türkei nicht. Bisher wurden Journalisten und Autoren deshalb mit Klageandrohungen nach Artikel 301 („Beleidigung der türkischen Nation“) zur Selbstzensur gebracht. Sie verlegten sich auf das, was einer Demokratie den schleichenden Tod beschert: Sie kleideten realpolitische Bezüge in allegorische Gewänder oder schwiegen ganz.

Drei Monate vor den türkischen Parlamentswahlen, die Erdogan natürlich haushoch gewinnen will, hat die Intoleranz der Justiz eine neue Qualität erreicht. Sogar Mitstreiter der AKP reagieren mit Schaudern. Die Staatsanwälte haben etwas gefunden, das wirkungsvoller als alles bisher Dagewesene ist, um Kritik zu unterbinden: Ergenekon. Als die Ermittlungen gegen den Geheimbund vor vier Jahren begannen, ging es um geplante Morde an Meinungsführern und um Bombenattentate, die das Land destabilisieren und den Weg ebnen sollten für einen Militärputsch – vor allem Generäle wurden damals verhaftet.

Die neuen Übeltäter sind Journalisten und Buchautoren. Wegen angeblicher Propaganda für Ergenekon wurden in den vergangenen Wochen Dutzende von regierungskritischen Journalisten festgenommen. Im Falle des verhafteten Reporters Ahmed Sik, eines der angesehensten investigativ arbeitenden Journalisten des Landes, ging die Justiz noch weiter: Sie kriminalisierte nicht nur ihn, sondern auch sein noch nicht veröffentlichtes, noch nicht einmal fertiggestelltes Buch. Es ist die Mentalität eines Polizeistaates, die sich offenbarte: Bei Razzien wurden Kopien des Manuskripts beschlagnahmt und digitale Versionen zerstört. Wer es besitze und nicht den Behörden aushändige, mache sich strafbar wegen Unterstützung einer verbrecherischen Organisation, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Nicht einmal Siks Anwalt durfte für die Verteidigung seines Mandanten ein Exemplar behalten. Regierungsfreundliche Medien hingegen veröffentlichten Auszüge, deren Zusammenstellung die Nähe Siks zu Ergenekon unterstellt. Inzwischen ist das gesamte Manuskript im Internet aufgetaucht und wird dort tausendfach heruntergeladen. Ganz offensichtlich ist es ein Schlüssel zur Wirklichkeit der heutigen Türkei.

„Die Armee des Imams“ beschreibt die Unterwanderung der türkischen Justiz und der Polizei durch die islamistische Fethullah-Gülen-Bewegung. Erdogan hat seine Nähe zu dem im freiwilligen Exil in den Vereinigten Staaten lebenden Prediger nie bestritten – im Gegenteil. In privat betriebenen Gülen-Schulen, die es in der Türkei, aber auch in Deutschland gibt, wird die türkisch-islamische Synthese verbreitet und gelehrt. Die Absolventen besetzen einflussreiche Positionen in Politik und Wirtschaft. Die missionarische Glaubensgemeinschaft inszeniert sich gern als Brückenbauer zwischen dem Islam und dem Westen. Vermutet wird aber nicht nur von Journalisten wie Ahmed Sik, dass sie tatsächlich die Errichtung eines theokratischen Staates anstrebt.

Viele Türken glaubten, dass die Aufdeckung von Ergenekon der Zerstörung von Machtstrukturen diene, die ihrem Land bisher den Weg in eine echte Demokratie versperrten. Sie wurden bitter enttäuscht. Ergenekon ist zu einem Persilschein geworden, um all jene zum Schweigen zu bringen, die sich der Ideologie der Regierung widersetzen. Die Sphäre der Demokratie hat sich verengt. Dass mit Hilfe der Justiz nun offensichtlich auch noch der Einfluss der Gülen-Bewegung verschleiert wird, verunsichert Teile der türkischen Gesellschaft zutiefst – davon zeugen die Demonstrationen gegen die Verhaftung Siks. In echten Demokratien schützt die Justiz die freie Meinungsäußerung und das freie Denken. In der Türkei, die Erdogan gern als Modell für den Nahen Osten preist, macht sie derzeit beides unmöglich.

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Time am 6. April 2011

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1) http://initiativgruppe.wordpress.com/
2) https://madrasaoftime.wordpress.com/2011/03/28/bald-wird-es-finster-dort/#comment-1257

Bald wird es finster dort

28. März 2011

Stambul by night. Bald wird es ganz finster werden.
Und noch mohammedanistischer.

Die Verhaftung zweier Journalisten durch die türkische Staatsanwaltschaft hat Karen Krüger sicher in ihren schon seit längerem bestehenden Zweifeln an der Entwicklung der Türkei bestärkt (1).

Und, man glaubt es kaum, auch Leo „Bulldog“ Brux wird allmählich hellhörig in dieser Angelegenheit, die natürlichnatürlichnatürlich nichts mit dem Mohammedanismus zu tun hat (2). Meryem hat ihrem vermeintlichen Weggefährten, der sich im Gegensatz zu ihr – die bekanntlich jeden noch so perversen Diktatoren anhimmelt, wenn er nur auf mohammedanistisch macht – einen Rest an Anstand und Vernunft bewahrt hat, bereits den Kopf gewaschen, und man darf gespannt sein, wann die Orkhexe Fatima Özoguz in seinem Blog auftaucht, um ihn wieder auf Linie zu bringen.

Die FAZ brachte heute einen von Wolfgang Riemann übersetzten Artikel des türkischen Schriftstellers Zülfü Livaneli, der den ewigen Dämmerzustand der Unterdrückung und Unwahrheit in seinem Land beklagt. „Das Sultanat wurde gestürzt, die Republik gegründet, die Demokratie eingeführt. Doch das Problem blieb: Es herrscht Dämmerung,“ ruft er am Ende seines Textes aus, was an  den „Pferch“ von Nikolai Leskow erinnert (3), und dabei demonstriert er die grundsätzliche Blindheit der Mohammedanisten für ihr Kernproblem: den Mohammedanismus.

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Ein Land im Dämmerzustand

Kehrt mit der Verhaftung zweier Journalisten
für die Türkei die Finsternis zurück?

Bis heute lebt die Türkei in der Dämmerung. Den Wechsel aus der Nacht ins Tageslicht, wie etwa in Spanien und Portugal, ist ihr nie gelungen: Demokratisierungsstreben und Menschenrechtsverletzungen verwoben sich und verdunkelten das Leben der türkischen Intellektuellen wie ein immerwährender Fluch.

Dass die Bevormundung durch das Militär abgenommen hat, dass eine Gruppe Putschbereiter im Zug der Ergenekon-Ermittlungen verhaftet wurde, dass auf dem Weg zur EU-Mitgliedschaft wichtige Reformen unternommen worden sind, hat viele liberale Intellektuelle mit Genugtuung erfüllt. Doch die Ergenekon-Verhaftungen haben ihr ursprüngliches Ziel aus den Augen verloren, und die Pressefreiheit wird massiv bedroht. Eine Welle der Besorgnis durchläuft das Land. Kehrt die Zeit der Finsternis zurück? Ist die Gedankenfreiheit erneut bedroht? Ist die Dämmerung, die wir für den aufziehenden Morgen hielten, ein Trugbild?

Während des Militärputsches wurden Intellektuelle ohne konkrete Beschuldigung verhaftet und jahrelang inhaftiert. Trotz der jetzigen Zivilverwaltung, der die Rigidität des Militärregimes fehlt, erneuert sich dies: Hunderte von Journalisten wurden schon verurteilt. Andere sitzen seit Beginn der Ergenekon-Ermittlungen, also seit drei Jahren, in Haft, ohne zu wissen, weshalb. Als sprachlos machende Zuspitzung wurde die Verhaftung der liberalen Journalisten Ahmet Sik und Nedim Sener vor zwei Wochen empfunden. Beide haben gegen die Putschisten angeschrieben, und recherchierten, nachdem Protokolle der Putschpläne auftauchten. Und sie fahndeten, wichtiger noch, nach den Mördern des getöteten armenisch-türkischen Journalisten Hrant Dink. Als die Polizei Nedim Sener festnahm, rief er: „Gerechtigkeit für Hrant!“ Seine Familie gehört zu denen, die sich der Verhaftung der beiden Journalisten widersetzen. Hunderte bekannte Journalisten haben an dem Protestzug im Zentrum von Istanbul teilgenommen, Autoren, die für ihre liberale, aber auch solche, die für nationale und linke Gesinnungen bekannt sind.

In der Türkei herrscht zurzeit große Verwirrung und man ist enttäuscht. Den Intellektuellen gehen Fragen durch den Kopf, die ihre Gedanken vergiften. Selbst in liberalen Kreisen, die der Staatsführung nahestehen und deren Reformversuche von Anfang an unterstützten, ist man irritiert. Die Türkei ist ein Land, das verletzt ist durch Putsche, durch getötete Autoren, durch Menschenrechtsverletzungen, durch siebzehntausend unaufgeklärte Morde und durch die Benachteiligung der Frauen. Aber gleichzeitig ist es auch das Land von Millionen kultivierter Menschen, die für Demokratie und für Freiheit kämpfen.

Als ich als Vertreter der Unesco am 12. Mai an Gesprächen bei den Vereinten Nationen in New York teilnahm, wurde ich oft gefragt, was in der Türkei vorginge. Darauf konnte ich immer nur „Ich weiß es nicht“ antworten. Es gibt niemanden, der die jüngsten Entwicklungen erklären kann. Lediglich die einander bekämpfenden religiösen und nationalistischen Kreise geben scharfe Kommentare ab. Die Regierungsanhänger erklären, alle, die gegen diese sind, seien Terroristen. Die Nationalisten unterscheiden nicht zwischen den Festgenommenen, für sie sind die Verhaftungen Ausdruck von Faschismus. Ich sehe die Wahrheit irgendwo in der Mitte: Nicht alle Verhafteten sind schuld, nicht alle unschuldig.

Ich weiß, was ich bisher erlebt habe und was das Land durchmachte. Doch die kommenden Jahre tragen ein großes Fragezeichen. Ein Gedicht von Tevfik Fikret, einem der großen Dichter des 19. Jahrhunderts, beginnt mit der Zeile: „Wenn in diesem Land einmal der Morgen heraufzöge“. Als sie einmal auf einer Lesung vorgetragen wurde, antwortete ein Zuhörer mit der Verszeile: „So wisse, trügerisch ist die Morgendämmerung!“ Das Gedicht entstand zur Zeit des Osmanischen Reichs. Viel Zeit ist seitdem vergangen: Das Sultanat wurde gestürzt, die Republik gegründet, die Demokratie eingeführt. Doch das Problem blieb: Es herrscht Dämmerung.

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Ich finde es bezeichnend, dass Livaneli – anders als Karen Krüger – auf ein zentrales Thema der Arbeit Siks nicht kommt, und das sind die gegen die islamistische Fethullah-Gülen-Sekte gerichteten Untersuchungen.

Time am 28. März 2011

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1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2011/03/26/orktrain-is-a-coming/
2) http://initiativgruppe.wordpress.com/2011/03/28/ist-die-turkei-auf-dem-weg-zur-diktatur/#more-5581
3) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/05/15/der-pferch/

Orktrain Is A Coming

26. März 2011

„Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten“, sagte the Fuhrergan 1998 (1). Inzwischen ist er mit seinem Zug schon recht weit gekommen, wenn auch noch nicht weit genug. Jedenfalls lässt er in entwaffnender Offenheit keinen Zweifel daran, dass sein Ziel ein Scharia-Staat ist, und das bedeutet, dass alle diejenigen unserer Mitbürger, die einer Mitgliedschaft der Türkei in der EU das Wort reden, insgeheim damit einverstanden wären, wenn auch in der EU die Scharia gelten würde.

Karen Krüger macht da nicht mehr mit. Ihr, die vormals einen Dimmie-Artikel nach dem anderen fabrizierte, haben nicht erst die Ereignisse um die virtuelle Vogelscheuche „Ergenekon“ (2) die Augen geöffnet, und sie liefert jetzt nur noch Texte, die die betrübliche Realität schildern. Heute berichtet sie in der FAZ, wie die türkische Staatsanwaltschaft unliebsame Journalisten verhaften lässt, um das Erscheinen eines Buches über die Fethullah-Gülen-Sekte (3) zu unterdrücken, welche allein in den USA z.B. 140 Schulen unterhält (4).

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Islamisten am Drücker

Die türkische Polizei vernichtet eine Recherche

Die türkische Staatsanwaltschaft bestreitet es vehement, doch es wird immer offensichtlicher, dass die unterstellte Nähe des Journalisten Ahmet Sik zum Geheimbund Ergenekon nur ein Vorwand für dessen Verhaftung vor zwei Wochen war (F.A.Z. vom 15. März).

Tatsächlich scheint es darum zu gehen, das Erscheinen eines Buches zu verhindern, an dem der für seine brillanten investigativen Recherchen bekannte Journalist gerade arbeitete: „Die Armee des Imams“ schildert, wie der türkische Sicherheitsapparat durch die islamistische Fethullah-Gülen-Bewegung infiltriert wird. Das Manuskript war bei Siks Verhaftung in dessen Haus beschlagnahmt worden. Doch nun versucht die Polizei, auch noch alle weiteren Kopien aus dem Verkehr zu ziehen und zu vernichten – sie geht dabei mit einer Radikalität vor, die auf einen äußerst brisanten Inhalt des Buches schließen lässt.

Siks Anwältin und die Ehefrau des Journalisten, wurden aufgefordert, ihre Exemplare unverzüglich der Polizei auszuhändigen – ansonsten werde man sie wegen „Beihilfe einer verbrecherischen Organisation“ anklagen. Am Mittwoch dann durchsuchten Sicherheitskräfte die Räume des Istanbuler Verlagshauses Ithaki, bei dem Siks politische Analyse erscheinen sollte, und vernichteten eine digitale Kopie des Buches. Am Tag darauf wurde die Suche nach dem Buch in die Redaktionsräume der linksliberalen Zeitung „Radikal“ ausgeweitet. Sik hatte Ertugrul Mavioglu, einem der dort arbeitenden Journalisten, eine Kopie von „Die Armee des Imams“ zur Überarbeitung anvertraut.

Wie wenig Vertrauen türkische Medienschaffende noch in die Rechtschaffenheit der Polizei und Justiz haben, verdeutlichten die Anwälte von „Radikal“ bei der Razzia: Sie verhinderten die Beschlagnahme der Datei von Mavioglus Computer, damit keine fremden Änderungen darin eingefügt werden können, die Sik womöglich der Ergenekon-Mitgliedschaft „überführen“ – in der Türkei wäre es nicht das erste Mal, dass Beweismittel gefälscht werden. Der Polizei händigten sie nur einen Ausdruck des Manuskripts aus, doch erst, nachdem sie leere Seiten als „leere Seiten“ markiert hatten – ebenfalls, um das Hinzufügen von Falschinformationen zu verhindern. Machtlos waren sie jedoch dagegen, dass die Polizei die Buchdatei von Mavioglus Computer löschte. „Ich schäme mich dafür, in einem Land zu leben, das Reportern so etwas antut“, sagte der Journalist gegenüber der Zeitung „Hürriyet“.

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Time am 26. März 2011

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1) http://www.welt.de/print-welt/article341831/Reformer_oder_Wolf_im_Schafspelz.html
2) https://madrasaoftime.wordpress.com/2011/03/09/ergahnekon/
3) https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/08/05/turken-turken/
4) http://islamizationwatch.blogspot.com/2011/03/wikileak-fethullah-gulens-new-islamic.html
auch: http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437BAA85A49C26FB23A0/Doc~E0E90B91DE53343B8B6FAAFCDDB666941~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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Soundtrack, „Hear my Train a Coming“ von Jimi Hendrix unter:
http://www.youtube.com/watch?v=JUIZY457U04

Doppelargumente gegen Doppelstandards?

1. März 2011

Armer Fuhrergan. Was kann er noch tun, dass er im Westen endlich als der große, böse Wolf wahrgenommen wird (1), der er ist und sein will? Anstatt Kreide zu fressen, gurgelt er schon mit Glasscherben. Jedoch für unsere Dimmies und Pfollpfosten bleibt er der Hoffnungsträger, der die EU in die Türkei führt. Heftig, was der Münchener „Deutsch“lehrer Leo „The Bulldog“ Brux anlässlich der jüngsten Hetztiraden des Kalifen (2) in Düsseldorf vom Stapel lässt (3):

„Schade, dass nicht Frau Bundeskanzlerin Merkel eine solche Rede an die Deutschtürken gehalten hat. ‚Liebe türkisch-stämmige Deutsche, ich bin auch eure Bundeskanzlerin. Ich bin für euch zuständig. Ich stehe dafür, dass ihr in eurer Heimat Deutschland nicht weiter ausgegrenzt und beleidigt werdet. Seid stolz darauf, dass ihr türkische Wurzeln habt! Seid stolz auf eure Herkunft, auf die Sprache eurer Herkunft, auf eure Religion, auf eure Kultur! Wir freuen uns darüber, dass ihr hier seid, dass ihr Teil unserer Nation werdet! Lernt Deutsch – und vergesst euer Türkisch nicht!“ Etcetera. Hätte sie mal eine solche Rede gehalten, bräuchten die Deutschtürken keinen Erdogan, um wieder ein bisschen Sicherheit und Selbstvertrauen zu bekommen. So musste es eben Erdogan machen. Der Mann kann das.“

Ja wirklich, toller Typ! Fast so toll wie Adolf! Oder Leo!

Uta Rasche in der heutigen FAZ: „Der eine, ein deutscher Staatsbürger, sagt: ‚Erdogan ist mein Idol. Was er für die Türkei tut, ist grandios. Und er vergisst auch uns Türken in Deutschland nicht.’ Wenn er könnte, würde er ihn wählen. Ob auch Frau Merkel seine Kanzlerin sei? ‚Nein, eher nicht. Schröder schon eher – der war immer für den EU-Beitritt der Türkei.’“ Genauso wenig Respekt haben viel zu viele von ihnen ja vor unseren Gesetzen, die „nicht ihre Gesetze sind“. Nur die Sozialhilfe, die sie nicht hervorbringen, die nehmen sie gern, die ist ihre.

Frau Rasche: „Erdogan wird von tosendem Applaus begrüßt. ‚Die Türkei ist stolz auf dich!’, rufen ihm die zehntausend Zuschauer entgegen. Alle stehen auf zu den Klängen der türkischen Nationalhymne und singen mit; bei der anschließend eingespielten deutschen Hymne bleibt die Menge stumm.“ Diese demonstrative Verachtung dem Gastland gegenüber ist als weiteres Argument für den EU-Beitritt der Türkei unbedingt festzuhalten.

„Die Islamophobie ist genauso wie Antisemitismus und Rassismus ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, heult der Wolf seinen Gott (den Alla Mond) an. Was für eine impertinente Frechheit angesichts der dramatischen und blutigen Verfolgung der Christen und anderer Minderheiten in allen Ländern der Orks einschließlich der Türkei.

„Zugleich nennt er die Türkei eine Schutzmacht für die über alle fünf Kontinente verteilten Türken, auch die in Deutschland und in Libyen. Alle könnten sie sich auf den Schutz der türkischen Republik verlassen. Er zählt geplante Rüstungsprojekte auf, den Bau von eigenen Kampfhubschraubern, Kampfflugzeugen und Kriegsschiffen. Dafür erntet er abermals frenetischen Jubel Und er kritisiert Europa, das angesichts der Demokratiebewegungen in Nordafrika merkwürdig schweigsam sei: ‚Haben nur die Länder des Westens das Recht auf Demokratie?‘ Ob Europa wolle, dass in den Ländern mit Erdölvorkommen Diktatoren herrschten? ‚Das nennen wir doppelte Standards!‘ Zu mangelnden Freiheiten für religiöse und ethnische Minderheiten im eigenen Land äußert sich Erdogan nicht. Das wäre ein Signal gewesen an die rund 600 Kurden und etwa 200 Mitglieder der assyrischen christlichen Gemeinde, die draußen im strömenden Regen demonstrieren…“

Ach, wozu denn, in der Türkei gibt es doch keine Christenverfolgung, da es gar keine Christen mehr dort gibt.

Auch Karen Krüger ist übrigens offenbar nicht länger bereit, für die Orks Lügengeschichten zu fabrizieren. Am Sonntag hatte sie mit Melanie Mühl eine ausführliche und lesenwerte Reportage über den Exodus der Christen aus dem Irak in der FAZ (4) verfasst, heute legt sie mit einem Kommentar zu den Lügengeschichten und den „doppelten Standards“ des Erdoganmännchens nach.

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Mit zweierlei Maß

In Deutschland fordert Tayyip Erdogan Rechte, die er in der Türkei nicht gewährt

Viel Neues hatte sich der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan für seinen Auftritt am Sonntag in Düsseldorf nicht einfallen lassen. Der Einladung in den „ISS Dome“ waren vor allem türkische Verbände und Vertreter von Moscheegemeinden gefolgt – anwesend waren also Angehörige eines eher konservativ-religiösen Milieus. Erdogan weiß ganz genau, auf welchen Knopf er drücken muss, um ihnen zu gefallen.

Wie schon vor drei Jahren in Köln erteilte er einer möglichen Assimilation der Zugewanderten eine klare Absage. Sie sei ein „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, sagte er damals. Jetzt, in Düsseldorf, machte Erdogan ein weiteres Verbrechen aus, mit dem man die Türken fern der Türkei drangsaliert: die Islamophobie. „Islamphobie ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, genauso wie Rassismus“, sagte der Ministerpräsident. Angesichts der Tatsache, dass Muslime in Deutschland ihre Religion frei ausüben können, dass es von diesem Jahr an eine Imam-Ausbildung an deutschen Universitäten geben soll, doch vor allem angesichts des Umgangs, den die türkische Regierung selbst mit eigenen religiösen und ethnischen Minderheiten pflegt, ist das geradezu ein Hohn. Ein Türke hat in der Türkei Muslim zu sein. Und nicht etwa Christ, Kurde, Yezide oder Alevit. Aus Protest war kein Vertreter der alevitischen Gemeinde Deutschland in Düsseldorf anwesend. Stattdessen schrieb sie Erdogan einen offenen Brief: „Sie, sehr geehrter Herr Ministerpräsident, lassen keine Gelegenheit aus, Ihre Landsleute vor einer Assimilation und Vereinnahmung durch den Staat, in dem sie leben, zu warnen. Doch Ihre eigene Politik verharrt mit zunehmender Tendenz in ihrer menschenrechtsverletzenden Haltung gegenüber ethnischen und religiösen Minderheiten“, heißt es darin.

Zwanzig Millionen Aleviten soll es in der Türkei geben. Als Religionsgemeinschaft sind sie dennoch nicht anerkannt, ebenso wenig wie ihre Gebetsstätten, die Cem-Häuser. In alevitischen Dörfern baut die staatliche Religionsbehörde Diyanet stattdessen Moscheen. Kinder alevitischen Glaubens müssen am staatlichen Religionsunterricht teilnehmen, obwohl der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte darin einen Verstoß gegen das Recht auf Religionsfreiheit sieht.

Auch den Christen verweigert man elementare Rechte. Unter der Regierung Erdogan hat es zwar im Rahmen der EU-Beitrittsverhandlungen winzige Verbesserungen gegeben. Doch dagegen, dass Christen- und Minderheitenfeindlichkeit sogar unter Regierungsangehörigen salonfähig sind, unternimmt sie nichts. Vor kurzem legte die Berliner Denkfabrik „European Stability Initiative“ einen Bericht über den Prozessverlauf und die Hintergründe des Mordes an drei Christen im April 2007 im ostanatolischen Malatya von. Es zeigte sich, dass der Täter intensiven Kontakt mit der Polizei und anderen staatlichen Stellen gepflegt hatte.

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Jasper von Altenbockum hat ebenfalls die Faxen dicke von the Fuhrergans Doppelstandards. Versteht er denn nicht, dass sie den EU-Beitritt der Turkeys doppelt wünschenswert machen?

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Kinder

Erdogans Auftritt in Düsseldorf erweckt den Eindruck, als liefen Türken in Deutschland Gefahr, zu einer verfolgten Minderheit zu werden. Von drohendem Assimilierungszwang war da wieder die Rede, von Islamophobie, die mit Antisemitismus gleichzusetzen sei. Weiß Erdogan noch, wovon er redet? So wenig die Kundgebung mit der Wirklichkeit deutscher Integrationspolitik zu tun hat, so sehr spricht sie dafür, dass hier ein Mann die Welt in Gut und Böse einteilt, der sie von zu Hause nicht besser kennt. Die Art und Weise, wie Erdogans Partei mit Christen umgeht, ist ungefähr das, was er in Deutschland als Teufel an die Wand malt. Wie ernst kann da seine Aufforderung zur Integration gemeint sein? Was Erdogan darunter versteht, verrät er mit seinem Ratschlag an türkische Einwanderer, ihre Kinder zuerst „gut Türkisch“ lernen zu lassen, um der Assimilierung zu entgehen. Dass sich daraus Nachteile für seine Landsleute ergeben, weil sich integrieren nur kann, wer die Assimilierung nicht ausschließt, muss Erdogan nicht stören. Schließlich will er der Vater sein – und seine Kinder sollen Kinder bleiben.

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Time am 1. März 2011

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1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/11/02/der-grose-wolf/
2) https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/03/24/kalif-recep-i/
3) http://initiativgruppe.wordpress.com/2011/02/28/erdogan-patron-der-deutschturken/
4) http://www.faz.net/s/RubDDDF614E9B1C49B682201320840984FF/Doc~E5D033C67E0CD46CFA01CA8A45179B20B~ATpl~Ecommon~Sspezial.html

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Soundtrack, „Hey Bulldog“ von den Beatles unter
http://www.youtube.com/watch?v=thYUAqeCNy0

Hier der Text:

Hey Bulldog

Sheep dog standing in the rain
Bull grog doing it again
Some kind of happiness is
measured out in miles
What make you think you‘re
something special when you smile

Childlike no on understand
Jack knife in your sweaty hands
Some kind of innocence is
measured out in years
You don‘t know what it‘s like
to listen to you fears

You can talk to me
You can talk to me
You can talk to me
If you‘re lonely, you can talk to me

Big man walking in the park
Wigwam frightened of the dark
Some kind of solitude is
measured out in you
You think you know but you haven‘t got a clue

You can talk to me
You can talk to me
You can talk to me
If you‘re lonely, you can talk to me

Hey Bulldog

Ein Traum

19. Februar 2011

In einem Traum von Leder präsentiert the Fuhrergan hier seine Gattin Emine (1). Ist doch toll und und wichtig für die Demokratie, dass sich das Paar so ganz offen zu seinen SM-Neigungen bekennt. Aber wäre ein Lederkopftuch nicht noch passender gewesen?

Europäische Dimmie-Redakteure eifern der grandiosen amerikanischen Medienlandschaft nach, aber sie schauen dabei zu sehr auf die Traumfabrik Hollywood. Natürlich ist es ein wichtiger Auftrag, Träume zu produzieren, nicht jedoch für den politischen Journalismus, was die europäischen Berichterstatter regelmäßig durcheinanderbringen. Die gestrige FAZ brachte einen Traum aus der „Basler Zeitung“:

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Der Islam muss kein Hindernis sein

Jenseits primitiver Klischees ist unser Bild von Arabern beeinflusst von den Umtrieben radikaler Islamisten und arabischer Terroristen, von Flüchtlingsmassen, die ihr Heil in Europa suchen… Statt die arabische Befreiung in den abschreckenden Schatten der iranischen Erfahrung von 1979 zu rücken: Warum halten wir uns nicht an das Schlüsseljahr 1989? Der demokratische Weg, den die Völker Osteuropas in den vergangenen zwanzig Jahren zurückgelegt haben, steht den Arabern nicht weniger offen. Der Islam braucht kein Hindernis sein, wie demokratische Entwicklungen in Indonesien und der Türkei belegen.

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„Ich träume also bin ich“ ist das Motto dieser Dimmie-Honks. Die Völker Osteuropas sind den demokratischen Weg gegangen, weil sie Europäer und Christen sind. Ein Mehr an Mohammedanismus aber bedeutet immer ein Weniger an Demokratie im westlichen Sinn, weil es ein Mehr an Scharia bedeutet, das ist doch eigentlich nicht schwer zu begreifen. It’s nazislam, stupid!  Hier drei Meldungen aus dem „demokratischen“ Indonesien:

– Indonesien: Mob setzt zwei Kirchen in Brand (2)

– Schock-Video – Islamisten prügeln drei Männer tot (3)

– Moslem-Minister bedauert Händedruck mit Michelle Obama (4)

Der zweite Traumpartner der Basler Dimmiesli ist die ganz besonders „demokratische“ Türkei, die nach Dimmie-Meinung immer noch demokratischer und EU-kompatibler wird, je mehr der AKP unliebsame Personen in den Gefängnissen verschwinden und je stärker das Erdoganmännchen die Presse einschränkt. Die Amerikaner haben längst begriffen, wohin the Fuhrergan den Zug „Demokratie“ steuern will (5), aber in der Redaktion der „Basler Zeitung“ macht der erste Joint offenbar bereits fünf Minuten nach Arbeitsbeginn die Runde. Lesen Sie einen Beitrag von Karen Krüger aus der gestrigen FAZ.

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Das Volk will freie Presse

Amerikas Botschafter ärgert die türkische Regierung

Im vergangenen Herbst kritisierte ein Fortschrittsbericht der Europäischen Union die mangelnde Pressefreiheit in der Türkei. In Ankara gelobte man Besserung, passiert aber ist nichts: Die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ führte die Türkei Ende 2010 auf ihrer Rangliste der Pressefreiheit nur auf Platz 138 von insgesamt 178 Staaten. Immer wieder versteigen sich nationalistisch eingestellte Staatsanwälte und Richter in abstruse Verfahren gegen Journalisten und reagieren drastisch, wenn man sie kritisiert: Gegen den Journalisten Ismail Saymaz von der linksliberalen Zeitung „Radikal“ zum Beispiel sind gleich zwölf Verfahren anhängig, die ihm insgesamt 97 Jahre Gefängnis einbringen könnten. Dass nun auch der erst kürzlich entsandte neue amerikanische Botschafter für die Türkei, Francis Riccardone, deutliche Worte wegen der fehlenden Pressefreiheit gefunden hat, ärgert Ankara.

Bei einem Empfang in der Residenz des Botschafters hatten türkische Pressevertreter diesen um eine Stellungnahme zu der Razzia in der Redaktion des regierungskritischen Internetportals „Oda TV“ und zu der Verhaftung von drei Journalisten (F.A.Z. vom 16. Februar) gebeten. Die türkische Bevölkerung wünsche sich eine freie Presse, auch wenn diese regimekritisch sei, sagte Riccardone. „Auf der einen Seite werden Journalisten verhaftet, auf der anderen Seite beteuert man, dass es hier Pressefreiheit gibt. Das verstehen wir nicht, verstünden es aber gern“, zitiert ihn die Zeitung „Hürriyet“.

Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu forderte Riccardone daraufhin auf, sich nicht in laufende juristische Verfahren einzumischen. Auch die Regierungspartei AKP verlangte, Riccardone solle sich nicht einmischen. Der AKP-Sprecher Hüseyin Çelik kritisierte, dass die Journalisten den Botschafter überhaupt auf das Thema angesprochen hätten: „Warum stellen Sie unbedeutenden Menschen Fragen?“ Während die Journalisten von „Oda TV“ verhört wurden, mussten sich 23 Reporter der regierungsfreundlichen Zeitung „Zaman“ vor Gericht wegen der Veröffentlichung von angeblichem Geheimmaterial verantworten, das im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen die Terrororganisation Ergenekon sichergestellt worden war.

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Time am 19. Februar 2011

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1) http://diestandard.at/1288160064098/Tuerkei-Erdogans-Frau-zum-Kopftuch-gezwungen
2) http://www.pi-news.net/2011/02/indonesien-mob-setzt-zwei-kirchen-in-brand/
3) http://www.welt.de/politik/ausland/article12474769/Schock-Video-Islamisten-pruegeln-drei-Maenner-tot.html
4) http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/608935/Jakarta_Minister-bedauert-Haendedruck-mit-USFirstLady?_vl_backlink=/home/index.do
5) http://www.welt.de/debatte/kommentare/article6068757/Recep-Tayyip-Erdogan-Der-Islamist-als-Modernisierer.html

Das passt besser zu denen

16. Dezember 2010

Zu Gunther von Hagens (1) und seiner Ausstellung „Körperwelten“ habe ich ein ablehnendes Verhältnis. Sicher ist von Hagens, der seinerzeit in Jena gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings demonstrierte, einen Fluchtversuch unternahm und von den SED-Schergen zwei Jahre lang gefangen gehalten wurde, ein mutiger Mann. Es ist auch ein begnadeter Techniker, ernstzunehmender Wissenschaftler, Showman und Unternehmer.

Ich meine aber, dass er, indem er Tote konserviert und öffentlich ausstellt, eine schwere Verletzung unserer moralischen Vorstellungen vornimmt. Ich meine, dass es nichts Verehrungswürdigeres gibt als Gott, der sich mir durch seine Schöpfung zeigt, durch seine Schöpfung des Lebens besonders und vor allem anderen die Schöpfung des Menschen. Dies bitte ich nicht als Rede gegen die Evolutionstheorie zu verstehen, die ich für die derzeit geeignetste Theorie halte, die vorliegenden Funde sinnvoll zu interpretieren. Ich möchte vielmehr das Einmalige, Besondere, Verehrungswürdige insbesondere des Menschen an sich hervorheben, den Gott nach „seinem Bilde schuf“ (1. Mose 1,27). Mit dieser Würde ist nicht vereinbar, dass das Wunder, dass ein Geist in einem Körper wohnen kann, solange dieser lebendig ist, erniedrigt und im Rahmen billiger Shows (s.z.B. kopulierende Paare) zur Erzielung von Einnahmen missbraucht wird. Ich möchte in diesem Zusammenhang an Jesu Reinigung des Tempels erinnern (Matth. 21,12).

Auch wenn ein krimineller Geist in einem Körper wohnt, ist doch die Tatsache, dass solches möglich ist, ein unerhörtes „Wunder“. Der Körper eines hingerichteten Kriminellen bleibt der Teil eines Wunders und darf m.E. nicht zu einem Ding unter Dingen degradiert, begafft und zum Geldverdienen missbraucht werden.

Von Hagens könnte seine Objekte doch ebenso gut durch die Verwendung von Kunststoffen erzeugen, aber der Thrill, dass dies echte Körper sind, ist wesentlicher Bestandteil der Show.  Ich habe mal so was ähnliches gesehen, vor vielen Jahren, in Moskau. Ich habe den ausgestopften Lenin gesehen. Das war sehr beeindruckend aber auch sehr abstoßend. Einen Menschen auszustopfen, welche Ideologie macht solches möglich? Doch nur eine sehr rohe, unempathische, inhumane wie der Kommunismus.

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In der heutigen FAZ nun berichtet Karen Krüger über den Start von „Körperwelten“ in Istanbul (2). Sie schreibt:

„Gunther von Hagens Ausstellung ‚Körperwelten’ verstößt gegen den islamischen Respekt vor den Toten. In Istanbul, wo die Schau gerade gezeigt wird, stört das niemanden, noch nicht einmal die höchste islamische Autorität des Landes. (…) Nicht jeder in Istanbul kann sich den für türkische Verhältnisse stolzen Preis von umgerechnet zwölf Euro – ein Brot kostet zwanzig Cent – leisten. Doch wer kann, geht hin. Zweihundertfünfzigtausend Menschen haben seit Juli in Istanbul die ‚Körperwelten’ besucht. Die türkische Presse überschlug sich mit Lob. (…)“

Karen Krüger aber rätselt:

„Der Islam schreibt strenge Beerdigungsriten vor, in deren Zentrum der Respekt vor dem Toten und die Totenruhe steht. Die Bestattung soll möglichst noch am Sterbetag erfolgen und jede Form von Geschäftigkeit am Grab vermieden werden, weshalb auf muslimischen Friedhöfen die Grabpflege unterbleibt. Dass „Körperwelten“ auf geradezu groteske Weise gegen all das verstoßen, stört nicht nur die türkischen Besucher nicht, sondern bringt offenbar noch nicht einmal die höchste islamische Autorität des Landes in Rage, das Amt für religiöse Angelegenheiten Diyanet. (…)

Ausgerechnet im Rahmen des Kulturhauptstadtjahrs wurde die Ausstellung an den Bosporus geholt – man wolle zeigen, dass die türkische Gesellschaft eine sehr offene sei, hieß es seitens der Organisatoren. Dass es keinerlei Debatten über das Vorhaben gegeben hat, beweist wohl eher das Gegenteil. Der Anatomieprofessor von Hagens kann sich in der Türkei auf eine Weise als wissenschaftlicher Aufklärer inszenieren, die ihm in Westeuropa nicht vergönnt war. Und das türkische Bildungsministerium unterstützt ihn dabei: Im ganzen Land bewirbt es ‚Körperwelten’ als Meilenstein der Volksgesundheit, da die Schau helfen könne, die Anzahl der Patienten in der Türkei zu reduzieren.

Neuntausend Lehrer und achtzig Oberärzte sollen die Ausstellung besucht haben. Außerdem wurden sechzig Schüler aus verschiedenen Provinzen des Landes, die nie zuvor in Istanbul gewesen sind, für hervorragende Lernerfolge mit einer Reise zu ‚Körperwelten’ belohnt. (…)“

Leser Andreas Schucan kommentiert:

„Frau Krüger scheint richtig zu bedauern, dass es nicht zu Protesten und scharfer Kritik aus religiösen Motiven kommt. Das verwirrt mich.“

Tiberius Durden ist ein ganz Schlauer:

„Der Islam in der Türkei ist eben doch viel weiter entwickelt als das Christentum in Europa.
 Schließlich hat die Kirche hierzulande die Körperweltenaustellung scharf kritisiert.
 Schön, das auch mal das wahre Gesicht der Türkei gezeigt werden darf in den Deutschen Medien, die sonst gerne Türken- und Türkei-BAshing betreiben.“

Für Mimoun („Takija“) Maarouf ist der Mohammedanismus im Orient eine absolut marginale Erscheinung:

„besucht man istanbul oder eine andere grosse ‚islamische’ stadt in einen anderen ‚islamischen’ staat, wird man schnell erkennen, das der islam nur eine kleine rolle im leben dieser menschen spielt.“

David Elshorst  schießt den Vogel ab:

„Vorurteile im Artikel (warum so erstaunt, Frau Krüger ?) und in 8 von 10 der Leserzuschriften.
 Ein kluger Kopf würde die Fakten (die Türken regen sich über die ‚Körperwelten’ wenig auf) zur Kenntnis nehmen und sich dann ein eigenes Urteil bilden (vielleicht ist an den Behauptungen vom ‚muslimischen’ Staat Türkei nicht viel dran ?). 
Ach ja – die Türkei, die ist doch schon seit Atatürk laizistisch ? Na, macht nichts. Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner SELBSTVERSCHULDETEN Unmündigkeit.“

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Da ist das ganze Panoptikum einmal mehr versammelt. Da ist Frau Krüger, die ich gern beim Counterjihad wüsste, und die sich wundert, dass die Realität so gar nicht mit dem Worten übereinstimmt, die ihr der freundliche Imam von der kleinen Moschee an der Ecke in die Ohren gesäuselt hat. Da ist Herr Schucan, der höchst sensibel auf Fieslahmkritik reagiert und bei Frau Krüger eine reflexhafte antimohammedanistische Haltung ausmacht. Da ist der Christenfeind Durden, da ist Ork Maarouf mit der absurden Behauptung, es gäbe gar keinen Fieslahm, sekundiert von Dimmi Elshorst.

Meine Antwort an Frau Krüger ist einfach: Die ausgestellten Leichen sind „Nicht-Mohammedanisten“. Warum sollten die Orks damit also ein Problem haben? Haben sie je die Friedhöfe von Nicht-Mohammedanisten geachtet? Sie steckten die abgeschlagenen Köpfe eigener unliebsamer, weil zu freiheitlicher Herrscher auf Stangen (3), häuteten ihre unterlegenen Feinde bei lebendigem Leib und stopften sie aus (4). Im Internet kursieren Tausende von Fotos, die Mohammedanisten zeigen, wie sie mit den Köpfen Ermordeter herumwerfen, dagegentreten usw.

Der Mohammedanismus ist eine kollektivistische Ideologie, in der das einzelne Individuum nichts zählt. Er ist totalitär und fordert die vollständige Unterordnung des Einzelnen. Nur in derartigen Gedankensystemen sind Phänomene wie das massenhafte Ich-Bombentum möglich. Die Verdinglichung und Entheiligung des Menschen und seines freien Geistes ist ihr wesentlicher Programmpunkt. Er hat keinen Respekt vor Gott und seiner Schöpfung, er ist nicht dankbar dafür, dass der Geist in unvergleichlicher Weise Heimstatt im Menschen werden konnte. Hier ist der Fieslahm deckungsgleich mit dem Nazionalsozialismus, dem Kommunismus und, leider, Gunther von Hagens. Bei diesem erlebt das Ork „wissenschaftlich“ überhöht jenen Thrill, den es sich in primitiverer Form bei öffentlichen Auspeitschungen (5) oder dem Ashura-Massenwahn holt. Von Hagens Bemühungen widersprechen m.E dem Geist des Westens. Sie sind orkisch. Da er in Istanbul so große Triumphe feiert, sollte er nach Teheran weiterziehen – aber bitte nicht zurückkommen!

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Time am 16. Dezember 2010

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1) http://de.wikipedia.org/wiki/Gunther_von_Hagens
2) http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~ED3514665B79845EF81BB42044DAD7C7E~ATpl~Ecommon~Scontent.html
3) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/05/02/ulugh-beg/
4) https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/03/24/kalif-recep-i/
5) http://www.pi-news.net/2010/12/unsachgemaesse-auspeitschung-im-sudan/

Was daran gut ist, ist christlich

14. Dezember 2010

Karen Krüger von der FAZ, die ich seit Jahren ebenso kritisch wie zugeneigt begleite, ist auf dem Weg, ein freier Counterjihadi zu werden. Lesen Sie einen Artikel von ihr aus der heutigen FAZ über die christlich geprägte Architektur Istanbuls.

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Istanbuls armenisches Gesicht

Eine Ausstellung über die Baumeister der Osmanen

Nachmittags, wenn sich die Sonne in den riesigen Fenstern der Ortaköy-Moschee spiegelt, sieht es aus, als streckte am Ufer des Bosporus ein seltenes Insekt seine Fühler vorsichtig in den Himmel. Einen leichten, lichtdurchfluteten Bau hatte sich Sultan Abdülmecid I. Mitte des neunzehnten Jahrhunderts von seinen Hofarchitekten Garabed und Nigoghos Balian gewünscht; einen Ort des Gebets, der jedoch mit den osmanischen Bautraditionen brechen sollte. Offenheit gegenüber dem Westen wollte er mit der neuen Moschee symbolisieren. Denn der Sultan war in Frankreich erzogen worden, hatte dort – als erster osmanischer Thronfolger überhaupt – eine Fremdsprache erlernt und fühlte sich auch politisch Europa zugetan.

Nachdem der Bau fertig war, setzte Abdülmecid I. jede Woche zum Freitagsgebet mit dem Schiff von seinem Herrschaftssitz, dem Dolmabaçe-Palast, nach Ortaköy über. Auch die Sultansresidenz trägt die Handschrift der Gebrüder Balian: Die beiden unter anderem in Paris ausgebildeten Architekten hatten dem Monarchen im Stadtteil Besiktas einen neobarocken Palast erbaut, dessen verschwenderische Pracht und Extravaganz auch vor dem Urteil europäischer Herrscherhäuser bestehen konnte – oft genug hatte man sich dort über das mittelalterliche, schlicht gestaltete Topkapi-Serail amüsiert. Denkt man an Istanbul, dann tauchen vor dem inneren Auge unweigerlich die Moschee von Ortaköy und der Dolmabaçe-Palast auf. Genauso deutlich stehen einem die verspielte Silhouette des Beylerbeyi-Palast im Gedächtnis, die streng wirkenden Akaratler-Häuser in Besiktas, der an eine geschlossene Tulpe erinnernde Feuerwehrturm von Beyazit, die eleganten Apartmentblocks entlang der Istiklal Caddesi und die im Häusermeer versteckten kleinen armenischen Kirchen. Die Namen der Architekten, denen Istanbul all diese kunstvollen Bauten zu verdanken hat, sind jedoch längst in Vergessenheit geraten. Nicht zufällig, denn sie waren sämtlich Armenier.

Mit dem Genozid wurde nicht nur das armenische Leben aus dem Osmanischen Reich, sondern auch das, was Armenier kulturell geleistet haben, aus der Erinnerung der osmanischen und später der türkischen Gesellschaft getilgt. Doch dank der armenischen Baumeister ist diese Kulturleistung in die Stadt eingeschrieben. Armenische Architekten waren die Pioniere der Modernisierung Istanbuls. Ausgesprochen wurde dies in der Türkei bisher nicht. Es ist deshalb ein Glücksfall, dass nun eine Ausstellung das Geheimnis hinter der Silhouette der Stadt lüftet. Die im Rahmen von Istanbul 2010 von der Hrant-Dink-Stiftung zusammen mit dem Istanbuler Museum für Zeitgenössische Kunst, Istanbul Modern, und der Architektenvereinigung Haycar organisierte Schau stellt hundert Arbeiten von vierzig armenischen Architekten vor. Die Besucher begeben sich mittels Ton und Bild auf einen Spaziergang durch verschiedene Viertel entlang der Ost-West- und Nord-Süd-Achse der Stadt. Die Gebäude, denen sie dabei begegnen, sind ihnen wegen ihrer auffallenden Schönheit alle vertraut. Doch nie zuvor hat man in ihnen steinerne Zeugen des untergegangenen armenischen Lebens gesehen.

Die Kuratoren vermeiden direkte Verweise auf die jungtürkische Vernichtungspolitik, die dem Wirken armenischer Architekten im Osmanischen Reich ein Ende setzte. Doch wer möchte, versteht: Da sind Häuser und Schulen, die dem Verfall preisgegeben wurden, als hätte man einen historischen Makel tilgen wollen. So bei einer armenische Schule im Stadtteil Besiktas, deren Geschichte ein kurzer Film erzählt: Einst unterrichteten dort Lehrer die Kinder eines ganzen Viertels. In den achtziger Jahren wurde sie geschlossen – weil die Stadtverwaltung das baufällig gewordene Gebäude nicht renovieren wollte und weil es nicht mehr genügend armenische Schüler gab. Die meisten waren inzwischen mit ihren Eltern emigriert.

„Armenian Architects of Istanbul in the Era of Westernization“ ist vielleicht das gelungenste Projekt, das im Kulturhauptstadtjahr am Bosporus auf die Beine gestellt wurde. Zwölf Monate lang war man bemüht, sich der Weltöffentlichkeit als Schmelztiegel von Orient und Okzident zu präsentieren. Ohne die architektonischen Meisterwerke der armenischen Baumeister käme wohl niemand auf die Idee, die Stadt wirklich als solchen wahrzunehmen – und ohne sie wäre das Antlitz von Istanbul ein anderes.

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Time am 14. Dezember 2010
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Karen: „Armenian Architects of Istanbul in the Era of Westernization. Istanbul Modern, bis zum 3. Januar 2011. Der Katalog kostet umgerechnet 30 Euro.“