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Aus der Hauptstadt (#14)

4. Juli 2015

Johnny

Der „Tagesspiegel“ ehrt mit einem langen Artikel von Armin Lehmann (1) das Andenken der vor fünf Jahren verstorbenen Jugendrichterin Kirsten Heisig, die ihrerzeit auch häufig Thema dieses Blogs war.

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Fünf Jahre nach dem Tod der Jugendrichterin aus Neukölln

Das Erbe der Kirsten Heisig

Vor fünf Jahren starb Berlins wohl engagierteste Jugendrichterin. Sie hinterließ das „Neuköllner Modell“, das Strafe mit Hilfe vereinen soll. Dazu inspiriert hat sie auch die Begegnung mit dem Intensivtäter John. Die Geschichte einer Rettung.

Natürlich hat er manchmal auch selbst über den Tod nachgedacht, im Gefängnis, in der Untersuchungshaft, als er seine ersten Gedichte schrieb. Als er erstmals spürte, was es heißt, „weggesperrt“ zu sein. Aber es war ein eher abstrakter Gedanke. Und dann plötzlich las er auf einem Gang im Maßregelvollzug in Pankow-Buch über diese Frau, eine bekannte Berliner Richterin, die ihn vor ein paar Wochen noch besucht hatte, die ihm immer auch helfen wollte, das wusste er instinktiv, und die nun, so stand es in dieser Zeitung geschrieben, tot sein sollte. Selbstmord. Das verwirrte ihn.

Der Tod als Geschenk,
Das Leben zur Qual,
So war es schon zu Anbeginn der Zeiten,
Bitter der Geschmack und fahl,
Voller Schmerz, der droht zu verleiten

Denn er, der Häftling, Mitte 20, Intensivtäter, drogensüchtig, alkoholabhängig und im Suff ein brutaler Schläger, hatte nie selbst an Suizid gedacht. Das kam für ihn nicht infrage, egal, wie schlecht es ihm auch ergangen war. Leben wollte er immer. Und jetzt wollte er endlich raus. Diese Frau war tot, sie konnte ihm nicht mehr zur Seite stehen. Er musste selbst sein Leben neu beginnen. Zum x-ten Mal. Hatte er nicht auch als Zeichen dafür, dass er es ernst meinte mit seinem Leben, dieser Frau, die völlig unerwartet zu ihm ins Gefängnis gekommen war, seine Gedichte anvertraut?

Dass sich ein hoher Justizvertreter und ein mehrfacher Straftäter auch außerhalb des Gerichtssaals sehen und Sympathie füreinander hegen, ist sicher eine Seltenheit. Diese Geschichte erzählt von einer solchen Begegnung, zwischen der legendären Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig, die sich am 28. Juni 2010 im Tegeler Forst selbst tötete, und dem Intensivtäter John.

John – so nannte Kirsten Heisig ihn später in ihrem Buch, obwohl er eigentlich anders heißt. Der junge Mann war für die Richterin ein Beispiel dafür, dass der Staat mit seiner Bürokratie und den vielen Ebenen, die mit einem solchen „Fall“ beschäftigt sind, versagt. Weil er viel zu lange braucht, um den jungen Tätern ihre Taten und die Konsequenzen vor Augen zu führen. Heisigs Empathie und ihre Hartnäckigkeit waren wiederum für John die Chance für einen ernsthaften Neuanfang. In ihrer Streitschrift „Das Ende der Geduld“, die wenige Wochen nach ihrem Suizid erschien, schreibt Heisig: „Sein Verstand ist auch frei. Ich weiß das, weil ich ihn besucht habe und er mir seine Gedichte überließ.“

Kirsten Heisig war bis zu ihrem Selbstmord die wohl bekannteste Jugendrichterin des Landes. Sie wurde „Richterin Gnadenlos“ oder „Richterin Courage“ genannt, je nach politischer Couleur. Sie war eine bürgerliche Tabubrecherin, hinterfragte eingefahrene Praktiken im Umgang mit kriminellen Jugendlichen und setzte sich dafür ein, das Jugendstrafrecht konsequenter und schneller anzuwenden. Zuletzt arbeitete sie in Neukölln, einem Bezirk, der 40 Prozent mehr Straftaten aufweist als Berlins Durchschnitt, wo sie angetrieben von ihren eigenen Berufserfahrungen das „Neuköllner Modell“ initiierte und durchsetzte.

An einem sonnigen Tag im Mai sitzt John in einem kleinen Café am Rande des Alexanderplatzes und schweigt wie immer, wenn er eine Frage beantworten soll, für ein paar längere Sekunden. Seine ganze Statur ist groß und kräftig, aber auch ein wenig unbeholfen, seine Augen sind sanft und freundlich. Sie lassen nicht darauf schließen, wie aggressiv John manche seiner Opfer verprügelt hat.

Kirsten Heisig hat ihn, nach vielen Umwegen, die hier noch zu beschreiben sind, in den Maßregelvollzug gesteckt. „Dort“, sagt John nach seiner Denkpause schließlich leise, „habe ich mich selbst zum ersten Mal kennengelernt.“ Man habe ihm dort beigebracht, dass er ein Mensch sei, „der viel mehr kann, als er bisher gezeigt hat“. So etwas wie Lob oder Anerkennung hatte John zuvor nie zu hören bekommen.

Wenn man John heute fragt, warum er sicher sei, dass er nicht mehr rückfällig werde, hat er eine erstaunlich einfache Antwort: „Wenn ich zurückschaue, will ich das nicht mehr.“

„Kein Halten mehr“

Wenn Menschen wie John erhebliche Straftaten begehen und wegen einer psychischen Erkrankung oder wegen Suchtmittelmissbrauchs nicht oder nur eingeschränkt schuldfähig sind, wird vom Gericht die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet – in Berlin im Krankenhaus des Maßregelvollzugs. Die Unterbringung dient der Besserung und Sicherung des Täters, aber auch der Verbrechensverhütung und Gefahrenabwehr, also der Sicherheit der Allgemeinheit.

Aber bis John tatsächlich an diesem Punkt ankam, sollten noch etliche Jahre vergehen.

Volle Kraft voraus,
Nichts bereuen, nicht mehr umdrehen,
Kein Halten mehr, er brach aus,
Nimmermehr ein dumpfes Flehen

John wird 1985 in Berlin-Wilmersdorf geboren, die Mutter ist Deutsche, der Vater ein afroamerikanischer GI, der bald nach Johns Geburt auf Nimmerwiedersehen in die USA abhaut. Er kennt seinen Vater nicht, er sagt, er denke auch nicht an ihn, „weil er mir egal ist“. Aber die Mutter allein, mit mehreren Geschwistern, schafft es nicht, wie John heute entschuldigend sagt, ihm ein „behütetes Zuhause“ zu geben.

Mit 13 Jahren kommt er erstmals ins Heim, er empfindet die Trennung von der „nervigen“ Mutter als „Befreiung“. Und er beginnt zu trinken. Bier, Schnaps, bald sind es drei Liter Bier am Tag, wie er Kirsten Heisig im Maßregelvollzug erzählt. Mit 15 Jahren kommen Drogen dazu, Speed, Ecstasy, Cannabis und Heroin, das John raucht, nicht spritzt.

Denn einst zeigte mir die Dunkelheit
Den Pfad der Gewalt,
Den ich mit Neugier und Tatendrang beschritt,
Stand stets mittendrin und wartete nicht im Hinterhalt,
Kämpfte und überlebte inmitten
meiner Feinde mit Geschick

Ein paar Jahre später lebt er auf der Straße. Seine zweite Familie wird eine Gruppe Punks, zu der er bis heute Kontakt hält. Seine zweite Heimat, wie er sagt, wird der Alexanderplatz, ein Ort, an den es ihn immer wieder zurückzieht. Warum, kann er nicht genau sagen. Die Betonfläche ist ein großer Abenteuerspielplatz für ihn – und ein Ort der ausufernden Gewalt. In ihrem Buch schreibt Kirsten Heisig über diese Zeit in Johns Leben: „Der Staat kommt in dieser Lebensphase längst nicht mehr vor. Der Jugendliche verschwindet in unserem hoch organisierten Land einfach vom Schirm.“

Erst sind es kleine Prügeleien, Diebstahl, Schwarzfahren. Aber dann, ab 2004, fängt John immer öfter an zu schlagen, wenn er betrunken ist. Seine Punkergruppe bettelt vor einem Fast-Food-Restaurant am Alex, ein Mann ruft: „Geht arbeiten!“ John schlägt ihm ins Gesicht, tritt ihm mit den Springerstiefeln in die Rippen. Er hat 2,45 Promille im Blut, wie die Polizei feststellt.

Einige Zeit später prügelt er einen Mann, der sich über die frei laufenden Hunde der Punks beschwert, krankenhausreif. Und so geht es weiter, bis er in Untersuchungshaft kommt. Dann, im Sommer 2005, begegnet er in einem Gerichtssaal in Berlin-Moabit erstmals der Jugendrichterin Kirsten Heisig.

Er erinnert sich: „Sie war freundlich, sie hat mich viel gefragt. Und sie musste lachen, weil das Opfer die Geschichte viel weniger dramatisch darstellte als dessen Freundin, die vor ihm aussagte.“

Aber wirklich beachtet hat er die Richterin Heisig nicht damals, ihm blieb nur die schwammige Erinnerung, dass sie „anders“ war. Denn davor, erinnert sich John, habe er „Richter immer nur als Strafenverkünder“ erlebt. Doch was da verkündet wurde, interessierte John nicht, weil der Richter sich nicht für ihn interessierte, nicht für seine Lage, seine Sucht, nur für die aktuelle Tat. Meist haben sie ihm Arbeitsstunden aufgebrummt. Er hat gedacht: Na und! Und das war es dann, er fiel noch unter das Jugendstrafrecht.

„Sie war hart und freundlich zugleich“

Er sagt: „Bei Kirsten Heisig war es irgendwie anders. Sie hat anders gefragt, auch mehr. Sie war hart und freundlich zugleich.“

In ihrem Buch schreibt Heisig über John: „Irgendwie rührt er mich.“ An anderer Stelle, als es um die ersten Erziehungsmaßnahmen geht, die sie anordnet, folgt wieder ein Satz, der das große Herz erkennen lässt, das die strenge Kirsten Heisig für schwierige Jugendliche hatte: „Irgendwie hoffe ich, dass es klappt.“

Wie ein Vogel mit gebrochenen Flügeln
Ziehen wir schmerzgeplagt von Ort zu Ort,
Tasten uns vor, lassen uns betrügen,
Der raue Asphalt kratzt und beißt in einem fort

Aber der Satz macht noch etwas anderes deutlich: dass es keine klare Linie gab im Umgang mit John – nur die Hoffnung auf eine Besserung. Aber sie stellte sich nicht ein, nicht wirklich, schon gar nicht nachhaltig.

Kirsten Heisig verurteilt John zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und drei Monaten, aber nicht auf Bewährung, sondern auf sogenannte Vorbewährung. Er muss eine Entziehungskur beginnen, und erst dann, nach Ablauf von sechs weiteren Monaten, soll über seine Bewährung entschieden werden. Noch im Gerichtssaal spricht Heisig wie eine strenge Mutter zu ihm: „Wenn du weiter so machst, landest du entweder im Knast oder bist tot. Willst du das?“

Es dauert ewig, fast ein halbes Jahr, bis der zuständige Rententräger eine Therapie bewilligt. In der Zeit macht John zwar Fortschritte mit der Bewährungshelferin, aber er hört nicht völlig auf mit dem Trinken. In seinen Worten klingt das so: „Aus dem König Alkohol ist ein Prinz geworden.“ Heisig wiederum mag ihn und findet: „Blöd kann der nicht sein.“

Schließlich schreibt John an Heisig, er werde eine zehntägige Entgiftung und dann eine viermonatige Entziehungstherapie beginnen. Die Entgiftung hält er noch durch, Heisig setzt die Strafe nach Ablauf der Vorbewährungszeit tatsächlich aus – aber dann verlässt Johns Freundin ihn. Er schmeißt die Therapie, wird rückfällig, prügelt, klaut und flüchtet schließlich mit einem Freund in die Schweiz, weil er glaubt, er könne da neu anfangen und „Arbeit finden“.

Wenn John heute über diese Zeit nachdenkt, erinnert er sich nur an ein Gefühl: Gleichgültigkeit, es war ihm alles egal, da war kein innerer Halt, nichts, auf das er aufbauen, aus dem er Kraft schöpfen konnte. Es gab auch keine Autorität, auf die er hören mochte, schon gar keine, die ihm glaubwürdig erschien.

Inkonsequenz war seine einzige Konstante

In der Schweiz folgten weitere Straftaten, Raub, schließlich 18 Monate Haft. Erst ein Haftbefehl aus Deutschland, von Heisig betrieben, bringt ihn, nachdem er zwei Drittel der Strafe abgesessen hat, zurück nach Berlin. Ein Sachverständiger attestiert ihm eine „dissoziale Persönlichkeitsstörung“, er wird, auch aufgrund seiner ausgeprägten Suchtproblematik, in eine geschlossene Erziehungsanstalt des Maßregelvollzugs gesteckt.

Aber was nach endgültigem Wegsperren klingt, ist für John in Wirklichkeit die erste ernsthafte Mahnung, sein Leben doch noch in den Griff zu bekommen. Eine Art Befreiung im Freiheitsentzug.

Kirsten Heisig aber resümiert anhand seines Falles: „Es wurde zwar ab und zu irgendwie versucht, in die Entwicklung regulierend einzugreifen. Was aber fehlte, war die Nachhaltigkeit, die Kontinuität.“ Dann macht sie sich selbst Vorwürfe: „Auch ich habe nicht darauf bestanden, dass John die stationäre Therapie durchzieht.“ Das Versäumnis, das Heisig sah, war: „einmal bei einer Linie zu bleiben, einen roten Faden zu spinnen“.

Das ist auch ein Grund, warum sie John im Maßregelvollzug besucht. Vor allem will sie ihn fragen, ob er einverstanden damit ist, dass sie seine Geschichte im Buch erwähnt. Aber sie ist offenbar auch erleichtert, ja erfreut, als sie sieht, dass es ihm dort gut geht und er sich entwickelt. Sie schreibt über die Einrichtung: „Diese leistet offenbar hervorragende Arbeit. John wird demnächst den Hauptschulabschluss erlangen, er hat das Rauchen aufgegeben und erfreut sich daran, auf dem Anstaltsgelände joggen gehen zu können, weil seine Lunge jetzt frei ist.“

Erziehung war eine der Kernforderungen der Heisig

Aus den Zeilen ist auch ein gewisser Stolz zu lesen, dass sie letztlich doch noch die richtige Entscheidung getroffen hat. Aber um sie treffen zu können, musste sie sich sehr intensiv auf diesen John einlassen. Wenn man sich Kirsten Heisigs Anspruch an sich selbst und das Rechtssystem vergegenwärtigt, fragt man sich, ob dieser Anspruch nicht viel zu hoch war – oder ob er nicht geradezu notwendig ist, um tatsächlich Menschen zu „erziehen“, die bislang in ihrem Leben, aus welchen Gründen auch immer, nicht erzogen worden sind.

„Erziehung“ war eine der Kernforderungen der Richterin Kirsten Heisig. Deshalb sah sie auch in einem Richter einen pädagogisch Verantwortlichen – verantwortlich für einen, wenn man so will, gesunden Staatsbürger. Die Täter sollen schnell verstehen, was sie anrichten, mit den Opfern, aber auch mit sich selbst. Genau deshalb sollten die zuständigen Stellen – Polizei, Staatsanwalt, Richter, Schulen, Sozialarbeiter – eng zusammenarbeiten. Das ist auch das Leitmotiv des „Neuköllner Modells“. Um den Straftäter und seine Lebensumstände genau einschätzen zu können und um schnell, konsequent, pädagogisch sinnvoll zu handeln.

Heisig hat einmal über sich selbst gesagt: „Mir liegt es, direkt zu sein. Hart, direkt, schnell.“

Der Regisseur Christian Wagner, der sich intensiv mit Heisig beschäftigt hat und den Spielfilm „Das Ende der Geduld“ über sie dreht, mit Martina Gedeck in der Rolle der Kirsten Heisig, sagte einmal: „Sie hatte einen unglaublich hohen Anspruch an sich und die Welt.“

Bei seinen Recherchen für den Film saß Wagner oft in Jugendgerichtsverhandlungen, und es fiel ihm besonders ein Umstand auf: Die Jugendlichen wollen, dass man sich um sie kümmert. „Genau das wollte und machte Kirsten Heisig“, sagt Wagner. „Sie wollte positive Autorität und Grenzen als erzieherische Maßnahme durchsetzen, um die Kids zu schützen, ja zu retten.“

Der Maßregelvollzug bedeutete für John endlich konsequente Therapie – körperlich wie psychisch. Der geregelte Tagesablauf war dabei sehr wichtig. Wecken, Frühsport, Gruppenarbeit, Therapie. Es sei ihm zwar damals nicht bewusst gewesen, aber „ich habe an mir gearbeitet“. John erinnert sich, dass der Chefarzt irgendwann zu ihm sagte: „Du bist hier wie ein unerzogener Bengel angekommen. Aber du hast dich gemacht.“ In Haft hat John viel Hermann Hesse gelesen, es fasziniert ihn, dass „der so fesselnd schreiben kann“. Nun schreibt John selbst Gedichte, weil es ihm gefällt, mit Sprache zu puzzeln. Dabei war sein Leben zuvor meist von Sprachlosigkeit geprägt.

Seit seiner Entlassung hat es einen Rückfall gegeben, deshalb musste John seine restliche Bewährungsstrafe von Januar bis September 2014 absitzen. Danach ist das passiert, was er sich immer gewünscht hatte: eine Lehre, die ihm Spaß macht. Das Amt hat die Umschulung vom Pfleger zum Fahrradmonteur erlaubt. Bei seinem jetzigen Betrieb hat er sogar den psychologischen Eignungstest bestanden. Wenn man ihn fragt, ob er clean sei, denkt er ausnahmsweise nicht lange nach, sondern sagt selbstbewusst „Ja“.

Die Ausbildung, sagt er, sei das Beste, was ihm in seinem bisherigen Leben passiert sei. Jetzt endlich fühle er sich „mit mir im Reinen“.

Wohin laufen wir? Eine gute Frage!
Wie weit wollen wir entrinnen?
Das alles wissen wir, mal sicher, mal vage,
Wir werden diese Zeit für uns gewinnen.

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Time am 4. Juli 2015

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1) http://www.tagesspiegel.de/themen/reportage/fuenf-jahre-nach-dem-tod-der-jugendrichterin-aus-neukoelln-das-erbe-der-kirsten-heisig/11975352.html

Leserbrief-Counterjihad (#17)

25. August 2011


Der folgende Leserbrief aus der FAZ vom 15. August von Dr. med. Hedwig Roggendorf referiert auf den Balci-Skandal (1), der wiederum eng mit Dr. Thilo Sarrazins Buch verbunden ist. Für Counterjihadis enthält er keine überraschenden Neuigkeiten, aber es ist doch sehr schön zu sehen, wie Thesen des Counterjihad inzwischen von Fachkompetenzen aufgenommen, bestätigt und in die Gesellschaft zurückgegeben werden.

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Thilo Sarrazin spricht für Lehrer und Ärzte

So ungeheuerlich die Vorgänge um die Journalistin Güner Balci sind, die Frank Schirrmacher („Eine Falle namens Thilo Sarrazin“, s.1) beschreibt, so wenig hilfreich sind seine Schlüsse und Schuldzuweisungen daraus. Die Falle heißt nämlich nicht Thilo Sarrazin. Nein, die Falle ist der weiterhin praktizierte Kuschelkurs bei fehlendem Integrationswillen, den auch Ihr Feuilletonchef Patrick Bahners in seinem Buch „Die Panikmacher“ einfordert. Hier wie dort findet die Integrationsdebatte aus der sicheren Position des Zuschauers und aufgrund positiver Erfahrungen mit gut integrierten Migranten aus Asien, Iran und dem türkischen Anwalt statt. Sarrazin hat sein Buch stellvertretend für alle geschrieben, die sich an der Basis um die Integration ihrer Mitbürger bemühen: Erzieherinnen, Lehrer, Ärzte und Richter, welche nicht die Zeit haben, ihre täglichen Erfahrungen zu beschreiben. Kein Wunder also, dass dieses Buch ähnlich wie die Bücher von Necla Kelek und Kirsten Heisig die Wahrnehmung des Integrationsproblems in diesen Berufsgruppen widerspiegelt.

Möglicherweise hat Sarrazins Buch einige Unschärfen im Bereich der Vererbung der Intelligenz, dies kann jedoch keinesfalls die Ablehnung des gesamten Buches in Bausch und Bogen rechtfertigen. In Deutschland ist es üblich und allgemein bekannt, dass unter Verwandten keine Ehen geschlossen werden. Hintergrund ist, dass bei Vorliegen einer genetisch bedingten Krankheit ein sehr hohes Risiko besteht, dass sich diese bei den Kindern auch manifestiert. In vielen muslimischen Ländern ist es jedoch Usus, dass Cousin und Cousine ersten Grades heiraten. Dies findet nun auch in Deutschland häufig statt. Das Ergebnis ist eine überdurchschnittlich hohe Rate an mehrfach behinderten Kindern, welche im günstigsten Fall nur mit einer Lernbehinderung zu kämpfen haben. Davon legen die Archive der humangenetischen Ambulanzen und der Gesundheitsämter ein beredtes Zeugnis ab. Dieses Faktum wird von Kulturidentitätsromantikern jedoch gerne ausgeblendet. Abgesehen vom persönlichen Leid der Kinder und deren Familien, tragen diese Eheschließungen nicht dazu bei, dass der Intelligenzpool in Deutschland größer wird. Hier wäre eine sachliche Aufklärung bereits in der Schule beziehungsweise Koranschule oder in islamischen Zentren angezeigt.

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Time am 25. August 2011

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1) http://www.faz.net/artikel/C30673/die-affaere-guener-balci-eine-falle-namens-thilo-sarrazin-30474476.html

Sogenannte Immigranten

15. Oktober 2010

Auch Immigranten

Uta Rasche setzt sich in der heutigen FAZ mit der deutschen Einwanderungspolitik auseinander. Die Rede ist von Migranten, die Worte „Islam“ oder „Jihad“ fallen nicht. Gut finde ich, dass immer wieder, so auch hier, das Vermächtnis von Kirsten Heisig herangezogen wird.

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Eine Frage der Selbstachtung

Wenn Deutschland ein Einwanderungsland sein will,
muss es sich auch so verhalten.

Die deutsche Einwanderungs- und Integrationspolitik ist geprägt von der Illusion der Steuerbarkeit sowie einer großen Diskrepanz zwischen Rhetorik und nahezu wirkungslosem politischen Handeln. Die Ahnung, dass weitere Einwanderer das Land mehr kosten als ihm nützen würden, kam bereits Anfang der siebziger Jahre während der Ölkrise auf. 1979 warnte der erste Ausländerbeauftragte der Bundesregierung, Heinz Kühn (SPD), vor Gettoisierung, sozialen Spannungen sowie schlechten Bildungs- und Arbeitsmarktchancen der Gastarbeiterkinder. In seinem Memorandum schlug er eine Vorschulpflicht für Gastarbeiterkinder, Elternarbeit, Förderunterricht und erleichterte Einbürgerung von Kindern und Jugendlichen vor.

Dreißig Jahre später wird immer noch über dieselben Themen diskutiert. Lange Zeit wurde der Union vorgeworfen, sich mit ihrem Postulat, Deutschland sei kein Einwanderungsland, wirksamen Integrationsmaßnahmen verschlossen zu haben. Gemeint war mit diesem Diktum allerdings eher das Signal an die Wähler, dass weitere Einwanderung verhindert werden solle. Das Rückkehrförderungsgesetz der Regierung Kohl von 1983 war in diesem Sinne symbolische Politik: 140.000 Ausländer gingen damals in ihre Heimatländer zurück – der Familiennachzug setzte sich allerdings ungebremst fort.

Heute, da jeder fünfte Einwohner ausländische Wurzeln hat – bei Kindern unter fünf Jahren ist es mehr als jedes dritte -, ist parteiübergreifend unbestritten, dass Deutschland de facto Einwanderungsland ist. Damit ist allerdings kein politisches Handlungskonzept verbunden.

So bleibt Deutschland ein Einwanderungsland wider Willen: Die Anwerbeabkommen aus den Jahren 1955 bis 1961 begründeten die Arbeitsmigration, der Anwerbestopp der Regierung Brandt 1973 sollte sie beenden. Doch es war wie beim Zauberlehrling: In der Hoffnung auf Teilhabe am Wohlstand suchten sich Einwanderer ihren Weg über den Familiennachzug und das Asylrecht. Diese Möglichkeiten, die auf dem grundgesetzlichen Schutz von Ehe und Familie sowie dem Schutz vor politischer Verfolgung beruhen, waren jedoch nie zur Begründung von Einwanderung in großem Stil gedacht.

Im Gegensatz zu „echten“ Einwanderungsländern wie Kanada oder Australien, die ihre Einwanderungspolitik gezielt steuern, wurde in Deutschland bisher versäumt, nationale Interessen zu definieren. In der Außen- und Sicherheitspolitik ist es selbstverständlich, interessegeleitet zu handeln; in der Ausländerpolitik hingegen scheint allein der Gedanke verpönt, diejenigen Einwanderer auszuwählen, die dem Land nützen. Dabei ist es gerade das Kennzeichen von klassischen Einwanderungsländern, genau dies zu tun.

Kanada hat ein Punktesystem entwickelt, in dem berufliche Qualifikation, Bildungsstand, Berufserfahrung, Sprachkenntnisse sowie ein Arbeitsplatzangebot gewichtet werden. Je nach Konjunktur wird eine Mindestpunktzahl festgelegt; darüber hinaus muss jeder Einwanderer für sich und seine Angehörigen Ersparnisse mitbringen. Dort nennt das niemand diskriminierend. Hier und in der Türkei hingegen ruft es schon Protest hervor, dass zuziehende Ehegatten seit 2007 einen einfachen Sprachtest bestehen müssen.

Es gibt viele Beispiele ambitionierter und erfolgreicher Einwanderer. Doch die Probleme überwiegen: Im jüngsten Ausländerbericht der Bundesregierung ist ausgewiesen, dass vierzig Prozent der 25 bis 34 Jahre alten Einwanderer keinen Berufsabschluss haben und nur jeder vierte Jugendliche ausländischer Herkunft den Übergang in den Beruf problemlos meistert. Dass seit 1973 als Voraussetzung für die Einwanderung ein Trauschein reicht, ermöglichte die Einwanderung von Menschen, die dem Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt nicht gewachsen sind und ihre Bildungsferne an die nächste Generation weitergeben.

Die Nichtregelung der De-facto-Einwanderung führte zu einer fortwährenden Vergrößerung einer bildungsfernen Unterschicht. Es erwies sich als unmöglich, all das, was „echte“ Einwanderungsländer Migranten vor der Einreise abverlangen, Einwanderern nach Deutschland im Nachhinein beizubringen. Die sozialen Probleme, die daraus entstanden sind, beunruhigen die Bevölkerung in einem Maße, für das der große Zuspruch für die Bücher Thilo Sarrazins sowie der Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig beredte Zeichen sind.

Der Rapper Bushido, der mit vierzehn Drogendealer war und heute Millionär ist, sagte kürzlich in einem Interview: „Deutschland ist ein Top-Land… So sehr, wie wir Einwanderer euch auf der Nase herumtanzen in eurem eigenen Land, können wir uns gar nicht beschweren… Wir ziehen euch die Transferleistungen aus den Taschen und haben trotzdem keinen Respekt vor euch. Wir halten euch für Kartoffeln, für Opfer.“ Er finde diese Haltung zwar nicht in Ordnung, aber so sei es eben.

Schon aus Gründen der Selbstachtung, aber auch zum Schutz der Sozialsysteme ist es nötig, den Wettbewerb um die besten Köpfe nicht nur zu postulieren, sondern ihn auch anzutreten. Wenn Deutschland ein Einwanderungsland sein will, muss es sich auch so verhalten: anspruchsvoll. Aber es muss auch attraktiv werden für jene Einwanderer, die es braucht und die ihm nützen.

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Time am 15. Oktober 2010

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PS, Soundtrack, gespenstisch: „Immigrant Song“ von Led Zeppelin.

Hier die Performance:

http://www.youtube.com/watch?v=c05E6kyHu8E

Hier der Text:

Immigrant Song

We come from the land of the ice and snow
from the midnight sun where the hot springs blow

The hammer of the gods will drive our ships to new lands
To fight the horde and sing and cry, Valhalla, I am coming

On we sweep with, with threshing oar
Our only goal will be the western shore

We come from the land of the ice and snow
from the midnight sun where the hot springs flow
How soft your fields, so green
can whisper tales of gore, of how we calmed the tides of war
We are your overlords

On we sweep with, with threshing oar
Our only goal will be the western shore

So now you better stop and rebuild all your ruins
for peace and trust can win the day despite of all you‘re losin‘

Selbstmord wahrscheinlich, m.E.

29. Juli 2010

Ich habe die Debatte um Kirsten Heisig abwesenheitsbedingt erst spät verfolgt und zunächst insinuiert, sie sei vielleicht auch im Auftrag der Neuköllner Drogenbarone ermordet worden (1). Gestern habe ich mich durch Kewils Artikel „Was spricht gegen Selbstmord von Kirsten Heisig?“ und den langen Kommentarstrang (399) gearbeitet und dabei eine Reihe von Hinweisen gefunden (2), die einen Selbstmord der Richterin plausibel und m.E. wahrscheinlicher machen als einen Mord.

Dr. Ali Sina antwortet auf die Frage, warum er den Mohammedanismus verlassen habe, Folgendes (3): „Der Grund, warum ich den Islam verlassen habe ist einfach. Ich fand nicht die kleinste Wahrheit in ihm.“ In diesem Sinne geht es nicht darum, eine counterjihadische Märtyrerin aufzubauen sondern um die Wahrheit. Die Wahrheit ist fröhlich und entspannt. Der Mohammedanismus ist eine einzige Lüge, und der Counterjihad ist der Kampf für die Wahrheit.

Folgende Hinweise von Kewils Kommentatoren lassen mich zur offiziellen Selbstmordthese neigen:

Fritz (5.7., Zitat Wiki): Männer griffen 2006 in 52,6 % der Fälle zu so genannten harten Suizidmethoden wie Erhängen, Erdrosseln oder Ersticken, Sturz in die Tiefe, Schienen- oder Straßensuizid und Erschießen und damit häufiger als Frauen (34,5 %), die weiche Methoden wie eine Vergiftung mit einer Überdosierung von Medikamenten etc. bevorzugten. (Immerhin 34,5% der Frauen wählen also ebenfalls „harte“ Methoden, T.)

dingsbums (5.7.): Vor einer Ewigkeit hat sich ein Abiturient im Wald in Heiligensee erhangen. Es wurde ewig gesucht (Sommer) und er wurde nicht gefunden. Im Winter hat ihn ein Spaziergänger entdeckt weil die Bäume kein Laub mehr hatten. Er muss mehrere Meter in den Baum geklettert sein um sich zu erhängen. (Als Argument auf die Frage, warum der verwesende Leichnam spät entdeckt wurde, T.)

Heiner (11.-13.7.): Sorry dass ich mich jetzt erst hier einklinke. Nachdem ich schon am vergangenen Sonntag vor Ort war, um mich dort mal umzusehen, war ich heute wieder dort. Mit den frei verfügbaren Fotos aus dem Netz (Zeitungsberichte) war es diesmal überhaupt kein Problem, den fraglichen Baum zu finden. Es handelt sich um eine nicht besonders große Buche in sehr dichtem Unterholz, eine der dichtesten Stellen in dem ganzen Gebiet, vom nächsten Weg ca. 50 m entfernt und wirklich sehr versteckt. Der Baum weist mehrere “geeignete” Äste auf. Einer davon hing in 2,10 m Höhe und ist jetzt abgesägt. Offenbar der Ast, an dem Frau Heisig hing. Der Ast selbst ist nicht mehr dort, nur offenbar von diesem Ast abgesägte Zweige. Andere Besucher haben inzwischen Blumen dort hingestellt. In den Stamm ist R.I.P. K.H. geritzt…

Für mich persönlich ist damit der Selbstmord ein großes Stück plausibler geworden. Sie hatte eine Überdosis Schlafmittel genommen (Packungen fand man später im Wagen) und brauchte nach Einnahme lediglich noch bewusstlos zu werden und aus dem Stand in die Schlinge zu Fallen – damit ging sie auf Nummer sicher und es war kein grausamer Todeskampf. Sie dürfte genügend Autopsieberichte gelesen haben um zu wissen, wie das geht…

Schlafmittel sind in der Tat nicht immer tödlich. Das dürfte sie gewusst haben. Um sicherzugehen, hat sie sich an dem 2,10m hohen Ast erhängt. Dazu musste sie nicht klettern oder sich gar auf einen Ast setzen. Alles war erreichbar. Sie brauchte sich den Strick lediglich im Stehen stramm um den Hals legen und sich dann fallen lassen – das reichte und sie wird durch die Wirkung des Schlafmittels automatisch zusammengesunken sein. Keine minutenlange Strangulation – bewusstlos und weg. Das Schlafmittel hat sie gewiss nicht schon im Wagen genommen sondern vor Ort, um kein Risiko einzugehen…

Das Handy wurde überhaupt nicht geortet. Es war ausgeschaltet. Das stand schon am Freitag, 2.7. z.B. im Tagesspiegel. Daher hat das Auffinden des Autos bis Mittwochnachmittag gedauert. Die SMS hat sie vor dem Ausschalten des Handys geschrieben. Alles plausibel…

Die Inkompetenz der Polizei maße ich mir nicht an zu kommentieren. Sie spricht aber nicht für einen Mord. Ein Suchtrupp mit 60 Mann ist doch schon eine ganze Menge. Hubschrauber, Wärmebildkamera, Hunde. Dass Hunde bei dem sehr warmen Wetter nicht gut riechen können, ist nicht nachvollziehbar? Das gilt nicht nur für Suchhunde, sondern erst recht für nicht trainierte Haushunde. Übrigens ist mir auf beiden Besuchen vor Ort, jeweils etwa eine Stunde, auch nur ein einziger Hund und/oder Herrchen begegnet. Auch keine Passanten, trotz Sonntag! Wer hätte die Leiche zumal in dem dichten Unterholz also zufälligerweise finden sollen?

Dann gibt es da noch zwei Links (4), aus denen die persönliche und psychische Situation bzw. Verfassung von Frau Heisig hervorgeht. Demnach hatte sie bereits (1 Jahr zuvor?) einen Selbstmordversuch unternommen. Aus „‪Akutmedizin der ersten 24 Stunden‬“ (von Christian Madler, Karl-Walter Jauch u.a., Urban und Fischer, 2009): „Im Laufe eines 10-Jahres-Zeitraums versterben ca. 10% an weiteren Suizidversuchen. Zirka 20 – 30% aller Suizidanten wiederholen ihren Suizidversuch (Bronisch 2002).“ Mit anderen Worten, ein Fünftel bis ein Drittel aller Selbstmörder versuchen es ein zweites Mal, die Hälfte von ihnen ist dann erfolgreich.

Familiär war Frau Heisig gescheitert. Ihre Ehe war ein Trümmerhaufen, ihre Töchter hatten sich von ihr losgesagt und wohnten beim Vater, was höchst selten vorkommt und Rückschlüsse zuläßt. „Ich mache bei euch alles falsch“, lautete ihre letzte SMS-Nachricht an eine ihrer Töchter. Frau Heisig war depressiv und nahm Psychopharmaka, sie war starke Raucherin.

Warum sie sich kurz vor der Veröffentlichung ihres Buches getötet hat, wo sie doch quasi „siegreich“ war? Hier könnte man an den depressiven italienischen Schriftsteller Cesare Pavese erinnern, der sich 1950 das Leben nahm, kurz nachdem er den bedeutenden Literaturpreis „Premio Strega“ gewonnen hatte (5). Vielleicht meinten beide erreicht zu haben, was sie wollten oder was möglich schien.

All dies macht in meinen Augen Selbstmord plausibel. Was wiederum ist an einem Mord wahrscheinlich? Wie Vitzliputzli in zwei sehr lesenwerten Beiträgen herausarbeitet (6), ist die Motivation dazu bei jedwedem anderen sehr unwahrscheinlich. Frau Heisig war keine Geheimnisträgerin, von ihr waren keine Enthüllungen zu erwarten, die durch einen Mord verhindert worden wären. Ihr „Neuköllner Modell“ war längst in der Diskussion und die Publicity dafür ist, wie sich erwiesen hat und vorauszusehen gewesen wäre (7), durch ihr tragisches Schicksal immens. Ihr Mann hatte den Ehekrieg gewonnen und die Töchter, als Staatsanwalt ist er wirtschaftlich völlig auf der sicheren Seite.

Und die mohammedanistischen Clanchefs? Die hätten vielleicht schon ein Interesse daran, ein Zeichen zu setzen. Und weil sie noch zu schwach sind, den Kampf mit der geballten Macht der deutschen Exekutive aufzunehmen, könnten sie zu dem Mittel greifen, den Mord, der die Berliner Justiz in Schrecken versetzen soll, so dass sie die Clanmitglieder stets ungestraft davonkommen läßt, als Selbstmord hinzustellen, also ein Zeichen zu geben, das nur von den wenigen, für die es gesetzt wird (den Richtern und Staatsanwälten), verstanden wird. Aber so ein luzid-verdrehtes Vorgehen ist reichlich schwer kalkulierbar sowie unmohammedanistisch, und auch die italienische Mafia setzte eher auf Bombenanschläge großen Ausmaßes als auf feinsinnige Intrigen (8). Denn in dem Maße, in dem der Fall nicht als Mord verstanden wird, nimmt auch seine Wirkungsmacht als bedrohendes Zeichen ab. Der geringste Hinweis aber darauf, dass es sich beim Fall Heisig um einen von den Clans begangenen Mord handelt, würde doch eher die Selbstschutzreflexe der staatlichen Institutionen und ihre gewaltige Kraft provozieren. Wie das Beispiel der RAF-Terroristen eindrucksvoll gezeigt hat, hat dagegen niemand eine Chance.

Die große Sympathie und Achtung und das enorme Interesse, welches die Deutschen Kirsten Heisig und ihren Thesen entgegenbringen, werden durch Selbstmord nicht abgeschwächt, wie das umgehend vergriffene Buch zeigt.

Ob oder in welchem Maße ihre Thesen richtig und im Sinn des Counterjihad zielführend sind, ist eine andere und noch zu klärende Frage (9). Schade, dass Frau Heisig nicht mehr dabei sein kann.

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Time am 29. Juli 2010

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1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/07/20/kirsten-heisigs-vermachtnis/
2) http://fact-fiction.net/?p=4562
3) http://www.faithfreedom.org/features/letters/i-need-your-help/
4) http://www.bild.de/BILD/regional/berlin/aktuell/2010/07/05/jugend-richterin-kirsten-heisig/das-haerteste-urteil-faellte-sie-gegen-sich-selbst.html
http://www.bz-berlin.de/aktuell/berlin/wie-ich-kirsten-heisig-erlebte-article907489.html
5) http://de.wikipedia.org/wiki/Cesare_Pavese
6) http://vitzliputzli.wordpress.com/2010/07/26/zur-verschworungstheorie-betr-richterin-kerstin-heisig/
http://vitzliputzli.wordpress.com/2010/07/27/verschworungstheorie-heisig-teil-ii-–-qui-bono/
7) http://www.welt.de/aktuell/article8667668/Buch-von-Jugendrichterin-Heisig-sofort-vergriffen.html
8- http://de.wikipedia.org/wiki/Giovanni_Falcone
9) https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/07/26/es-geht-nicht-um-diese-kinder/

Mehrere Links von Kewil zum Thema unter http://fact-fiction.net/?p=4565 (730 Kommentare, habe ich nicht gelesen)
Mehrere Links von Judith: http://www.deutschland-kontrovers.net/?p=23255

Es geht nicht um diese Kinder

26. Juli 2010

In einem lesenwerten Artikel geht Regina Mönch in der heutigen FAZ (1) auf Kirsten Heisig und ihr Buch (2) ein.

Sie nennt das Buch „ein Plädoyer für hoch gefährdete Kinder und Jugendliche, deren Rettung die Schule, die Jugendhilfe und auch das Jugendstrafrecht eigentlich ermöglichen sollten. Die aber preisgegeben werden…“.

Dieser These kann ich nicht zustimmen. Man mag für sich persönlich entscheiden, seine Feinde zu lieben und sich sanftmütig abschlachten zu lassen – dies von anderen oder ganzen Völkern und Staaten zu fordern ist aber m.E. anmaßend und gemeingefährlich. Insofern geht es weniger um die Rettung krimineller, gewalttätiger Kinder, denn die Welt ist überfüllt von ihnen. Überhaupt ist es doch sehr seltsam, dass man gehalten wird, nun ausgerechnet in mohammedanistische Kinder Unsummen zu investieren (3), da doch südamerikanische oder russische ebenso leiden. Es geht vielmehr um die Rettung unserer Gesellschaft, deren Zukunft im „Laboratorium Neukölln“ (4) sichtbar gemacht wird, so wir denn der wahrscheinlichen Entwicklung nicht Einhalt gebieten.

Dabei ist es nicht zielführend, immer größere Summen in eine immer größere Masse mohammedanistischer Krimineller zu stecken. Die von Frau Heisig und den MSM in den letzten Tagen besprochenen „Einzelfälle“ zeigen deutlich, dass die Betreuungsmaßnahmen wirkungslos bleiben und Geldvernichtung sind. Mohammedanismus und Clanstruktur haben die Kinder fest im Griff. Das Übel kann also nur an der Wurzel bekämpft werden, und diese heißt: Mohammedanismus. Denn Mohammedanismus richtet die Energie der Menschen auf das Böse aus und führt zwangsläufig zur Kriminalität oder exzessiver Gewalt. Ein Blick auf die politische Landschaft zeigt im Allgemeinen zerfallende mohammedanistische Staaten oder diktatorische mohammedanistische Staaten.

Immerhin schließt Frau Mönch ihre Ausführungen mit dem dramatischen Aufruf, unverzüglich zu handeln:

„Heisigs Buch ‚Das Ende der Geduld‘ ist eine ungewöhnliche Streitschrift, die aufrütteln und aufklären statt abrechnen will. Der Titel zielt nicht nur auf die beunruhigend große Zahl der nicht erzogenen Straftäter, sondern auch auf die unsichtbaren Eltern und die Ohnmacht des Staates, der die Bürger mit hohlen Integrationsparolen einlullt. Mit diesem Buch hat sich eine mutige Frau ihre Empörung über die gefährliche Langmut und Ignoranz unserer Gesellschaft von der Seele geschrieben. Oder gerade nicht. Denn es gibt kein tröstliches Ende, keine Handlungsanweisung, wie man die rechtsfreien Räume, in denen so viele Kinder untergehen, zurückerobern kann. Nur die Gewissheit: Etwas muss sich ändern. Jetzt.“

In der Tat, es muss sich etwas ändern, jetzt, denn bisher läuft es so, wie von Bertolt Brecht (5) in einer Notiz beschrieben:

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Balkankrieg

Ein alter kranker Mann ging über Land. Da überfielen ihn vier junge Gesellen und nahmen ihm seine Habe. Traurig ging der Alte weiter. Aber an der nächsten Straßenecke sah er zu seinem Erstaunen, wie eben drei von den Räubern den vierten überfielen, um ihm seinen Raub abzunehmen. Dieser fiel bei dem Streiten jedoch auf die Straße. Voller Freude hob es der Alte auf und eilte davon. Jedoch in der nächsten Stadt wurde er angehalten und vor den Richter geführt. Da standen die vier Burschen und klagten ihn, jetzt wieder einig, an. Der Richter aber entschied folgendermaßen: Der alte Mann sollte sein letztes Gut den jungen Burschen zurückgeben. „Denn“, sagte der weise und gerechte Richter, „sonst könnten die vier Kerls dort Unfrieden stiften im Land.“

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Time am 26. Juli 2010

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1) http://www.faz.net/s/RubD3A1C56FC2F14794AA21336F72054101/Doc~EDE0D95E2F78146769DB31CD354AE9DE8~ATpl~Ecommon~Scontent.html
2) https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/07/20/kirsten-heisigs-vermachtnis/
3) https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/07/25/back-to-the-chain-gang/
4) https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/05/11/laboratorium-neukolln/
5) „Geschichten“, Suhrkamp 1962, S. 7

Back to the Chain Gang

25. Juli 2010

Kirsten Heisig (1) hatte u.a. die These aufgestellt, dass die kurdisch-libanesischen Mafiaclans, die dabei sind, die Kontrolle über den Berliner Stadtteil Neukölln zu erlangen, Kinder in palarabischen Flüchtlingslagern rekrutieren, um sie in Deutschland als Drogenhändler einzusetzen. Diese in ihren Überlegungen eher randständige These, die durch jüngste Ereignisse bestätigt zu werden scheint, rief umgehend den Widerspruch von Innensenator Ehrhart Körting from the Schariapartei Deutschlands (SPD) hervor, der eigentlich in allem den Analysen von Frau Heisig zustimmte, sich dann jedoch vehement auf die Frage der Kinderdealerei stürzte. Der „Tagesspiegel“ am 23. Juli (2):

„… Alle Bemühungen, kriminell gewordene Familien abzuschieben, seien gescheitert. Sowohl der Libanon als auch die Türkei weigerten sich, diese Menschen aufzunehmen. ‚Wir werden diese Leute nicht los‘, sagte Körting. ‚Deswegen müssen wir versuchen, wenigstens die Kinder zu retten.’…

Der elfjährige Palästinenser sei jedoch ‚ein absoluter Einzelfall‘, sagte Körting, und nach Erkenntnissen der Behörden über den Landweg nach Berlin gekommen. Das gelte auch für die insgesamt 160 unbegleiteten Minderjährigen, die 2009 nach Berlin kamen. (…)

Nicht illegal eingeschleuste Kinder seien das Problem beim Drogenhandel auf Berliner Straßen. Von den 26 Kindern (darunter der Elfjährige), die 2010 von der Polizei beim Drogenhandel festgenommen wurden, hätten vielmehr 20 die deutsche Staatsangehörigkeit und lebten bei ihren Eltern. (Ach so, Deutsche, äh…, T.) Diese seien ebenso libanesisch-kurdischer Abstammung wie die Eltern der anderen fünf Kinder, die keine deutsche Staatsangehörigkeit haben. Nach Körtings Angaben würden diese Kinder von Eltern mit dem Drogenhandel beauftragt. Dabei werde ihnen eingeschärft, falsche Altersangaben zu machen. Dagegen widersprach der Innensenator der Darstellung, wonach Kinder aus dem Ausland mit dem Flugzeug nach Deutschland geschickt würden, um hier als Strafunmündige mit Drogen zu handeln.“

Werden Sie schlau aus diesem Gefasel? Wenn nicht eingeschleuste Kinder das Problem sind, worin besteht es dann? Ach ja, in den Drogen. Warum ist der 11-Jährige ein „absoluter Einzelfall“, wenn außer ihm 160 einreisende Minderjährige erfasst wurden, wenn außer ihm 25 weitere Kinder beim Drogendealen ertappt wurden, wenn alle libanesisch-kurdisch sind, wenn alle von ihren Eltern damit beauftragt worden sind? Ach so, der eine war kein Libanon-Kurde, er war Pallie.

Ist es im übrigen so wahnsinnig wichtig, die Frage zu klären ob mehr Abschaum mit dem Flugzeug oder mehr auf dem Landweg kommt? Julia Schaaf jedenfalls geht dieser ablenkenden Pseudodiskussion in der heutigen FAZ auf den Leim. Nicht den Hauch eines Zweifel äußert sie zunächst auch an der Behauptung des angeblichen Selbstmordes der mutigen Richterin. Andererseits verweist sie (eigentlich unnötigerweise) auf den Anruf Frau Heisigs beim Herder-Verlag, durch den der Zweifel an der Selbstmordthese doch leicht aufscheint. Ein bißchen dafür, ein bißchen dagegen, das ist Z.Z. die Haltung von m.E. Deutschlands bester Zeitung zum Jihad, womit sie leider vom Counterjihad noch weit entfernt ist.

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Das Ende der Geduld?

Kinderdealer in Berlin zeigen, wie schwer die Behörden sich tun. Jetzt wird über geschlossene Heime diskutiert, wie sie die verstorbene Jugendrichterin Kirsten Heisig forderte.

Er war zwölf Jahre alt, ein libanesischer Junge. Er war in Berlin-Kreuzberg unterwegs, hatte größere Mengen Heroin bei sich und wurde an einem Julinachmittag von der Polizei gestellt. Anschließend lieferten die Ermittler ihn bei den Betreuern seines Wohnheims ab. Die Jugendrichterin Kirsten Heisig äußerte sich alarmiert und forderte mehr geschlossene Heime. Das war 2009.

Ein Jahr später sorgt ein Elfjähriger in der Hauptstadt täglich für Schlagzeilen, weil er mit Drogen dealt. Weil er sich noch keine drei Monate in Berlin aufhält und schon elfmal von der Polizei geschnappt wurde. Weil er mit Bauchschmerzen ins Krankenhaus gebracht wurde, dann aber spurlos verschwand. Kaum übergibt ihn die Polizei seinen Betreuern, wird der Asylbewerber wieder auf den U-Bahnhöfen der Stadt gesichtet. Längst geht man davon aus, dass er im Auftrag der organisierten Kriminalität unterwegs ist. Vermutlich ist der Junge auch älter, als er offiziell behauptet. Schließlich kommen in Deutschland erst Vierzehnjährige vor Gericht; Boulevard-Fotos des Nachwuchsdealers zeigen einen groß gewachsenen, sehnigen Kurzhaarigen. Aber solange jemand keine Papiere hat, fällt der Gegenbeweis schwer.

Deutschlands bekannteste Jugendrichterin unterdessen ist tot. Kirsten Heisig hat sich vor knapp vier Wochen das Leben genommen, aus ungeklärten, offenbar privaten Motiven. Ihre Thesen jedoch prägen die Aufregung über dealende Kinder umso nachdrücklicher. Plötzlich diskutiert die Stadt über geschlossene Heime. Morgen erscheint Heisigs Buch, „Das Ende der Geduld. Konsequent gegen jugendliche Gewalttäter“ (Herder-Verlag). Noch am Tag vor ihrem Verschwinden telefonierte die Achtundvierzigjährige die letzten Korrekturen durch. Als „Der Spiegel“ vergangene Woche Auszüge druckte, titelte er: „Das Vermächtnis“.

In den schon bekannten Passagen geht es um kriminelle arabische Clans in Neukölln. Die Drogenmafia benutze für ihre Geschäfte strafunmündige Kinder, die sie gezielt aus palästinensischen Flüchtlingslagern einschleuse, schrieb die Richterin. Der Elfjährige, der womöglich gar keine elf mehr ist, wird da zum Prototyp. Als führe sein Fall die Unfähigkeit und Ohnmacht der Behörden vor, die Heisig anprangert. Den Triumph der Hintermänner mag man sich gar nicht ausmalen.

Einzelfälle, halten Fachleute aus der Flüchtlingsarbeit dagegen. Natürlich kennt man minderjährige arabische Dealer genauso wie vietnamesische Zigarettenhändler oder rumänische Klaukinder. „Das kommt vor, das will ich gar nicht bestreiten“, sagt Thomas Berthold, Referent vom BundesFACHverband Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge (Das gibt es bei uns, das ist ein bezahlter Posten! T.). Auch die wiederkehrenden Geschichten von gezielter Anwerbung entsprächen durchaus der Realität. „Aber eigentlich erleben wir meist das Gegenteil“, sagt Berthold: Das Gros der Flüchtlingskinder begreife Deutschland als Chance ihres Lebens (Wenn 50 dealen und 51 nicht, dann dealen die MEISTEN nicht, T.).

Die Zahlen der Polizei sind niedrig. Mit bisher neun Kinderdealern im Jahr 2010 verzeichnen die Berliner Ermittler einen leichten Anstieg (Im „Tagesspiegel“ ist von 26 Festnahmen die Rede, s.o., T.). Höchstens die Hälfte der Kinder sind Flüchtlinge: Von insgesamt 17 Festgenommenen seit Anfang 2009 besaßen immerhin sieben die deutsche Staatsangehörigkeit (Julia Schaaf: „17 geteilt durch zwei ist sieben!“ Ok, ok, sie schreibt auch im FAZ-Feuilleton, da braucht man keine Mattematiek, T.). Den Drogenfahndern des Bundeskriminalamts sind keine vergleichbaren Fälle aus anderen Städten bekannt.

Bleibt Heisigs drastische Warnung vor mafiosen arabischen Parallelwelten in Neukölln (Das ist, anders als Frau Schaaf suggerieren möchte, tatsächlich das Hauptthema von Frau Heisig – nicht der eine oder andere Kinderdealer. T.). „Im Prinzip ist man ständig dabei, mit Sprühpflaster hinterherzulaufen“, sagt jemand, der sich in der Jugendhilfe auskennt. So viel Energie, Personal und Geld auch eingesetzt werde: „Das läuft alles unter dem Motto Schadensbegrenzung.“ Natürlich schränken Sozialarbeiter ein, nur ein kleiner Teil der arabischen Familien im Stadtteil sei kriminell. Auch innerhalb der schätzungsweise 20 bis 30 Großfamilien, die bis zu 500 Personen zählten, müsse man differenzieren, mahnt die Polizei. Die Ermittler wissen von Drogen- und Gewaltdelikten, von Rotlichtkriminalität und Verstößen gegen das Waffengesetz. Die meisten Clans stammen aus dem libanesischen Raum. Inzwischen besitzt man einen deutschen Pass und kauft hierzulande Grabstätten (Man investiert das Mafiageld auch in andere Immobilien und Unternehmen, T.). Das Wertesystem jedoch hat mit jenem der Mehrheitsgesellschaft wenig gemein. Wer im Gefängnis landet, gilt als Held. Heisig schrieb: „Die Kinder wachsen weitgehend unkontrolliert in diesen kriminellen Strukturen auf.“ Innensenator Ehrhart Körting (SPD) hat sich vergangene Woche dafür ausgesprochen, den Eltern von Kinderdealern das Sorgerecht zu entziehen. Wenn sonst nichts fruchte, müsse man die Kinder aus dem Milieu herausholen. Die Frage ist nur: Wie?

„Wir machen doch all diese Sachen“, sagt Vera Bethge. „An den Clanstrukturen ändert das nichts.“ Wer seit fast dreißig Jahren in Neukölln Sozialarbeiterin ist und die Jugendhilfe im Nordosten des Bezirks verantwortet, hat sich damit abgefunden, dass man nicht alle retten kann. Es gibt Fälle, da werden Jugendliche quasi direkt nach ihrem 14. Geburtstag zu langen Haftstrafen verurteilt, weil sich schon vorher so viele Taten gesammelt haben. Aber heißt das, das Jugendamt hat geschlafen? Bethge kann die ewigen Schuldzuweisungen nicht mehr hören. Ohnehin sei den schwierigsten Fällen nur gemeinsam beizukommen. Erst kürzlich, berichtet sie, hatten sie es mit zwei Brüdern zu tun, elf und zwölf Jahre alt, die ein Mädchen in der Nachbarschaft mitsamt Familie bedrohten. Also bestellten Polizei, Jugendamt und Schule die arabischen Eltern ins Bezirksrathaus, um mit maximaler Drohgebärde klare Vereinbarungen zu treffen: wie eine neue Schule gefunden werden kann. Dass die Söhne in den Sportverein geschickt werden. Bei einem Scheitern sei der Schritt zum Sorgerechtsentzug nicht weit: Mindestens 40 Fälle kenne sie im Jahr.

Aber auch das ist kein Selbstläufer. Wie holt man ein Kind aus einer Wohnung, wenn der Vater den Zutritt verwehrt? Was bringt es, wenn beim nächsten Anlauf die Polizei mitkommt? „Wenn Sie mit Gewalt vorgehen, haben Sie Krieg“, warnt Robert Schramm. Der Sechzigjährige, Bethges Stellvertreter, hat die Hälfte seines Lebens in Neukölln gearbeitet. Er erzählt von einem Sozialarbeiter, der bei einem Hausbesuch mit dem Messer bedroht wurde und den Dienst quittierte. Aber auch aus pädagogischer Sicht sei der Nutzen einer Heimunterbringung begrenzt, wenn die Kinder in Loyalitätskonflikte gerieten, sagt Schramm: „Gegen den Willen der Familie kommen die Kinder in der Einrichtung nicht an.“ Dann warte der große Bruder vor der Schule. Und spätestens wenn die Mutter ins Handy (Wieso muss ein Elfjähriger in einem geschlossenen Heim ein Handy haben? T.) weine, wollten die Kleinen heim.

Geschlossene Einrichtungen, wie Kirsten Heisig sie schon lange gefordert hatte, wirken da wie eine einfache Lösung. In der Berliner Debatte hat sich vergangene Woche herausgeschält: Wegschließen bleibt tabu. Aber eine besonders intensive Betreuung, gerne auch fern der Großstadt, soll die Kinder halten. So wie in Frostenwalde in der Uckermark zum Beispiel, wo sich ein Heim speziell für delinquente Jugendliche befindet mit stark geregeltem Tagesablauf und engmaschiger Betreuung. 200 Euro kostet jeder Platz pro Tag, fast doppelt so viel wie die Unterbringung im Standardheim (D.h., dass ein Platz im „Standardheim“ 3.000 Euro im Monat kostet, T.). Trotzdem winkt Schramm ab. Er kennt genügend Jugendliche, die auch von dort weggelaufen sind. Er bleibt dabei: „Die geschlossene Unterbringung wird zurzeit als Allheilmittel propagiert. Aber das ist sie nicht.“ Auf lange Sicht seien die Rückfallraten ähnlich hoch wie beim Jugendknast. Alle Konsequenz, sagt Schramm, nutzt nichts, wenn es nicht gelinge, Vertrauen aufzubauen: „Es funktioniert nur über Beziehung. Und das ist teuer und langfristig.“

Wie die zuständige Jugendstadträtin am Freitag mitteilte, soll der schlagzeilenträchtige Elfjährige demnächst eine Einzelbetreuung erhalten. Da galt er allerdings längst wieder als vermisst.

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Natürlich weigern sich die Orkländer, ihre Kriminellen zurückzunehmen, haben sie davon doch mehr als genug. Überdies handelt es sich um Mohammedanisten, und für diese ist es religiöse Pflicht, Verbrechen gegen Nicht-Mohammedanisten zu begehen.

Aber wenn es nicht mit denen geht, sollte man vielleicht mit Russland oder China oder sonstwem entsprechende Joint Ventures machen. Ich sehe nicht ein, warum orkische Raptosaurier für 200 Euro täglich in der Uckermark bespaßt werden müssen, wenn sie beim Pipelinebau in Sibirien sogar noch Gewinn abwerfen könnten.

Dabei geht es nicht darum, ihnen à la Stalins Gulags die Menschenrechte vorzuenthalten, aber es geht darum, sie samt ihrer gewalttätigen und kriminellen Eltern hier wegzukriegen und kostengünstig in Gebieten zu verwalten, in denen sie anderen Menschen keinen Schaden zufügen können. Ich denke auch, dass zB. russisches Personal in den unteren Rängen erheblich robuster und also viel besser dazu geeignet ist, den Mohammedanisten zu zeigen, dass ihr Jihad zahnlos ist, als deutsche Sozialarbeiter in Birkenstocklatschen. Die pädagogischen Programme könnten ja durchaus von westlichem, akademischen Personal geleitet werden.

In den USA hat m.W. ein Viertel der Männer Erfahrung mit dem Strafvollzug, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass die Amis einen derartig hohen Betrag für die Straftäterprogramme aufbringen. Üblicherweise haben sich straffällige Amis in Chain Gangs (3), wie das obige Foto zeigt, im Straßen- und Schienenbau nützlich gemacht.

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Time am 25. Juli 2010

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1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/07/20/kirsten-heisigs-vermachtnis/
2) http://www.tagesspiegel.de/berlin/berlin-wird-dealer-familien-nicht-los/1889206.html
3) http://en.wikipedia.org/wiki/Chain_gang

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PS.: Eine ausgezeichnete Analyse zweier Comics von Iranern lesen Sie bei Tangsir unter
http://tangsir2569.wordpress.com/2010/07/25/antiiranische-comics-seziert/

Kirsten Heisigs Vermächtnis

20. Juli 2010

Am 11. Mai hatte ich einen FAZ-Artikel von Katja Gelinsky über die Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig gebracht (1). Frau Heisig ist mittlerweile verstorben. Am 30. Juni als vermisst gemeldet, wurde sie drei Tage später erhängt an einem Baum gefunden. Die MSM waren sich umgehend einig: Selbstmord. Das wäre auch nicht völlig unplausibel, denn Frau Heisig war beruflich mit dem Abschaum des Abschaumes des Jihad befasst, und die Möglichkeit, dadurch depressiv zu werden, ist groß.

Andererseits geht aus ihrem Buch „Das Ende der Geduld“, welches der Herder-Verlag am 26. Juli veröffentlichen wird, hervor, dass die erste Generation derjenigen libanesisch-kurdischen Clans, die sie maßgeblich für die katastrophalen Verhältnisse in Berlin-Neukölln verantwortlich macht, die von ihnen erwirtschafteten Drogengelder längst in Immobilien usw. angelegt hat und in den legalen Wirtschaftskreislauf eingedrungen ist, ebenso wie dies die Mafia in Italien oder die Russenmafia in Berlin taten. Gleichwohl werden sie durch den Mohammedanismus und die Clanstruktur weiterhin zusammengehalten. Sie bleiben eine riesige zusammenhängende Organisation, deren Krieger nicht mehr nurmehr mit Butterfly-Messern herumfuchteln, sondern die sich auch Spezialisten aller Art von Anwälten bis zu professionellen Mördern leisten kann. Es ist keine Frage, dass die mutige Frau Heisig diesen verbrecherischen Strukturen öffentlich und viel beachtet den Kampf angesagt hatte, und es wäre nicht logisch anzunehmen, dass dies den Clanchefs egal gewesen sei.

Was Frau Heisig, die zwar auch auf die Islamisierung Neuköllns hingewiesen hat, nicht gesehen hat, ist offenbar die Tatsache, dass diese enorme Aggressivität und Kriminalität im Mohammedanismus selbst begründet sind. Die zweitgrößte Gruppe der Intensivtäter sind Türken, die Mohammedanisten stellen also mindestens 78%. Sie alle folgen ihrem Vorbild Klo H. Metzel, der mehrmals jährlich raubend und mordend durch’s Land zu ziehen pflegte, im Auftrag seines Allas Hubal, versteht sich.

Wie auch immer, Kirsten Heisig darf nicht umsonst gestorben sein. Ihr Buch ist ihr Vermächtnis, und ich bitte meine Leser, es massenhaft zu kaufen und zu verschenken.

Im Folgenden lesen sie einen Auszug daraus, den ich aus dem aktuellen „Spiegel“ (#29) abgescannt habe.

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Angst ist ein schlechter Ratgeber

Einblicke in die Parallelgesellschaft Neuköllns

Ein Großteil der zurzeit etwa 550 Intensivtäter, die bei der Berliner Staatsanwaltschaft registriert sind, wohnen und „wirken“ in Neukölln. Es sind gegenwärtig 214.

Als Intensivtäter werden in Berlin Personen bezeichnet, die innerhalb eines Jahres mindestens zehn erhebliche Delikte begangen haben. Diejenigen, die knapp unterhalb dieser Grenze liegen, werden zwar als Mehrfachtäter angesehen, finden jedoch in der Intensivtäterstatistik keine Berücksichtigung.

Schwerkriminelle, die häufig 30 und mehr erhebliche Taten aufweisen, haben zu etwa 90 Prozent einen Migrationshintergrund, 45 Prozent geben an, arabischer Herkunft zu sein, 34 Prozent haben türkische Wurzeln. Diese Tatsachen sind insofern von Bedeutung, als etwa 10.000 dieser Araber in Neukölln leben, aber mehr als viermal so viele türkischstämnüge Menschen. Die Araber stellen also gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil die Mehrheit der Intensivtäter. Deutsche Vielfachtäter gibt es in Neukölln kaum.

Die jugendlichen Intensivtäter entstammen meist vor vielen Jahren aus dem Libanon oder der Türkei zugewanderten Familien mit sechs Kindern und mehr. Viele Einwanderer haben inzwischen die deutsche Staatsangehörigkeit, die meisten leben von Kindergeld und staatlichen Transferleistungen. Die Mütter haben nie Deutsch gelernt. Sie überlassen speziell die Jungen schon früh sich selbst, wobei dies nicht auf mangelnde Fürsorge, sondern eher auf kulturelle Traditionen zurückzuführen ist. Söhne sind kleine Männer, und während die Töchter oft erfolgreich versuchen, eine Qualifikation für den ersten Arbeitsmarkt zu erlangen, und dabei hoffen müssen, nicht verheiratet zu werden, treiben sich die Brüder im Kiez herum. Es kommt zu ersten Straftaten, die überwiegend aus der Gruppe heraus begangen werden.

So abstrakt hört sich das harmlos an. Aus der Opferperspektive sieht es jedoch anders aus, wenn man verprügelt wird, weil man einen Araber angeblich zu lange angeschaut hat. Oder wenn eine alte Dame zu später Abendstunde um etwas Ruhe bittet und dann von drei Arabern ins Gesicht geschlagen wird. Oder wenn der Polizeibeamte, der eine Anzeige aufnehmen muss, weil die Jugendlichen einen Zeitungsständer angezündet haben, zu hören bekommt: „Ich scheiß auf Deutschland. Du bist Dreck unter meinen Schuhen. Du bist tot.“ Oder wenn ein Lehrer einen schulfremden Jugendlichen des Hofes verweist und dieser dem Lehrer mit den Fäusten in das Gesicht schlägt und mit den Füßen in den Unterleib tritt.

Das sind nur einige Einstiegstaten der Intensivtäter, die zu diesem Zeitpunkt oft noch nicht strafmündig sind. Was geschieht daraufhin?

Manchmal wird seitens des Jugendamts eine Familienhilfe eingerichtet. Wegen der Größe der Familien werden mitunter bis zu drei Sozialarbeiter benötigt. Deren Bemühungen werden von den Familien häufig abgelehnt, oft unterbleibt jede Mitwirkung. Im weiteren Verlauf geschieht dann staatlicherseits oftmals nicht mehr viel, wenn man davon absieht, dass sich Schulwechsel bei den Kindern aneinanderreihen.

Ich habe immer wieder den Eindruck, die Schulen werfen die Jugendlichen einander zu wie heiße Kartoffeln. Sie beklagen, sie seien nicht in der Lage, mit Kindern aus diesen Familien umzugehen. Das Jugendamt sei hier gefragt. Seitens des Jugendamts höre ich, die Schulen müssten reagieren. Ich habe den Eindruck, bei allen Beteiligten schwingst Angst mit, die durch die mangelnde Zusammenarbeit noch verstärkt wird.

Die Kinder machen währenddessen weiter, was sie wollen. Manchmal habe ich Angeklagte vor mir, die nur mit großer Mühe ihren Vornamen kritzeln können. Irgendwann scheinen die beteiligten Behörden dann erschöpft darauf zu spekulieren, dass die Jungen 14 Jahre alt werden: „Na, der ist ja bald strafmündig und dann endlich ein Fall für die Justiz.“

Täter, die 14 sind, können vor das Jugendgericht gebracht werden. Inzwischen haben sie es auf einige Diebstähle, Körperverletzungen und Raubüberfälle gebracht. Häufig kommt es zur Anordnung von Anti-Gewalt-Maßnahmen und mehrwöchigen Dauerarresten, weil viele Kollegen bei den jüngeren „Nachrückern“ aus schon vorbelasteten Familien nicht als erste Maßnahme eine Jugendstrafe verhängen möchten. Bis diese Weisung umgesetzt oder der Arrest vollstreckt ist, vergehen erneut einige Monate.

In einem dieser Intensivtäterverfahren beging ein 15-jähriger Verurteilter noch am Tage seiner Verurteilung wegen Diebstahls eine erneute Straftat. In einem Schwimmbad sollte er einem Security-Mitarbeiter die Eintrittskarte vorzeigen, nachdem er einige Mädchen belästigt hatte. Dazu hatte er aber keine Lust und wurde deshalb des Bades verwiesen. Als der Security-Mann das Bad verließ, verwickelten die Jugendlichen ihn in ein Gespräch. Kurz bevor er sich entfernen wollte, schlug der gerade frisch Verurteilte dem Mann mit der Faust ins Gesicht, so dass dessen Brille zerbrach und er diverse Augen- und Gesichtsverletzungen davontrug und für kurze Zeit besinnungslos war. Nachdem ein Kumpel das Geschehen mit seinem Handy gefilmt hatte, rannten die Beteiligten lauthals lachend davon.

Während der Untersuchungshaft stellte sich heraus, dass der Angeklagte bereits vor dem Vorfall im Schwimmbad eine weitere erhebliche Straftat begangen hatte. Er überfiel maskiert und unter Mitführung mehrerer Waffen, unter anderem einer Schreckschusspistole, die für das Opfer nicht von einer echten Schusswaffe zu unterscheiden war, gemeinsam mit zwei ebenfalls gerade strafmündigen Bekannten eine Drogeriefiliale. Dem Angestellten wurde die Waffe gegen die Schläfe gedrückt. Das angstverzerrte Gesicht des Mannes ist auf dem Video der Überwachungskamera deutlich zu sehen und erschüttert auch hartgesottene Richterinnen.

Wegen sämtlicher Taten erhält der Angeklagte mit Rücksicht auf sein sehr jugendliches Alter und angesichts der Tatsache, dass er bereits viele Monate in Untersuchungshaft gesessen hat, eine aus meiner Sicht maßvolle Jugendstrafe von unter vier Jahren. Für einen Erwachsenen sieht das Strafgesetzbuch allein für einen schweren Raub unter Verwendung von Waffen eine Mindeststrafe von fünf Jahren vor.

Woher rührt dieses Phänomen bei einigen sehr kinderreichen Zuwandererfamilien aus dem türkischen, aber noch stärker aus dem arabischen Raum? Üblicherweise werden soziale Ursachen angeführt. Auch ist die Rede von Flüchtlingstraumata. „Meine“ Angeklagten sind allerdings überwiegend in Deutschland geboren und haben deshalb keine Traumatisierung erlebt.

Das in diesem Zusammenhang nahezu reflexartig vorgebrachte weitere Argument von „vierzig Jahren verfehlter Integrationspolitik“ verfängt allmählich nicht mehr. Natürlich gab es hier Versäumnisse. Eine vernünftige Strategie hätte neben Integrationskursen auch den verpflichtenden Erwerb der deutschen Sprache regeln sollen. Integration ist ein Vertrag auf Gegenseitigkeit. Wer hierfür plädierte, wurde jedoch schnell der „Zwangsgermanisierung“ bezichtigt. Wer mahnte, dass es nicht förderlich sei, die Ballung von Zuwanderergruppen in bestimmten Bezirken zuzulassen, stand ebenfalls gleich in der „rechten Ecke“. So zauderten die Regierungen, egal welcher Couleur, von einer Legislaturperiode in die nächste.

Es gibt zudem in Deutschland zugewanderte Menschen, die nie vorhatten, sich einzufügen, sondern schon immer in einer parallelen, in einigen Fällen rein kriminell ausgerichteten Struktur gelebt haben und aus meiner Sicht weitgehend beabsichtigen, damit fortzufahren.

Bereits im Jahr 2003 fertigte ein Mitarbeiter des LKA eine bemerkenswerte Studie über diese Einwanderergruppe an. Die Untersuchung heißt: „Importierte Kriminalität und deren Etablierung“. Der Verfasser zeigt auf, dass es sich bei den sogenannten staatenlosen Palästinensern meist nicht um Libanesen handelt, sondern um „libanesische Kurden“ aus den Grenzgebieten der Türkei und Syriens. Diese hatten sich mit ihren Großfamilien in mehreren Fluchtwellen in den dreißiger und sechziger Jahren in den Libanon begeben. Der Libanon hat diese Menschen ganz überwiegend nicht eingebürgert. Im Prinzip lebten sie bereits dort illegal, Die Familien erhielten zum Teil „Laissez passer“-Papiere. Damit konnten sie ausreisen, was auch erwünscht war. Jedoch verloren die Dokumente ein Jahr nach Verlassen des Landes ihre Gültigkeit. Das verhinderte eine Rückkehr. Als Staatsangehörigkeit wurde in den Dokumenten oft „ungeklärt“, „staatenlos“ oder „libanesisch“ eingetragen. Hieraus erklären sich die entsprechenden Angaben zur Herkunft bis zum heutigen Tage. Die ungeklärte Staatsangehörigkeit hat einen entscheidenden Vorteil: Selbst wenn in Deutschland der Asylantrag abgelehnt wird – und das war überwiegend der Fall -, konnten auch Schwerkriminelle nicht abgeschoben werden, denn dazu muss klar sein, in welches Land die Abschiebung zu erfolgen hat.

Viele der angeblich arabischen Großfamilien sind unter Verwendung der „Laissez passer“-Papiere nach Deutschland gekommen. Etliche besaßen auch keine Personaldokumente. Inzwischen verfügen heute jedoch viele Familien meinen Erkenntnissen zufolge zumindest über einen gesicherten Aufenthaltsstatus, Die besagten Familien haben sich auf bestimmte Regionen in Deutschland verteilt. Man findet sie vor allem im Ruhrgebiet, in Bremen/Bremerhaven und in Berlin. Sie sind miteinander verwandt und leben ausschließlich nach ihren Gesetzen. Nach den mir vorliegenden Erkenntnissen gibt es in Deutschland zehn bis zwölf dieser Clans, die einige tausend Menschen umfassen. Sie agieren sowohl im Innen- wie im Außenverhältnis kriminell.

Das System: Eine Familie, Vater, Mutter, 10 bis 15 Kinder, in Einzelfällen bis zu 19 Kinder, wandert aus dem Libanon zu. Einige Kinder werden noch in der „Heimat“ geboren, andere in Deutschland. Bevor die Mütter das letzte eigene Kind gebären, haben sie bereits Enkelkinder. Deshalb vergrößert sich ein Clan in atemberaubender Geschwindigkeit. Als Staatsangehörigkeit der Familien taucht in amtlichen Papieren aus den besagten Gründen „staatenlos“, „ungeklärt“, „libanesisch“ oder zunehmend auch „deutsch“ auf. Man bezieht staatliche Transferleistungen und Kindergeld.

Eine Großfamilie bringt es ohne Probleme auf Hunderte polizeilicher Ermittlungsverfahren. Wenn die Drogen oder sonstigen illegalen Geschäfte von einem rivalisierenden Clan oder gar von Banden mit einem anderen ethnischen Hintergrund gestört werden, wird das Problem gelöst, indem man einander tötet oder dies zumindest versucht.

Insgesamt ergibt die strafrechtliche Gesamtbetrachtung einiger Clans, dass die weiblichen Familienangehörigen vorwiegend stehlen und die männlichen Straftaten aus allen Bereichen des Strafgesetzbuchs begehen: Von Drogen- und Eigentumsdelikten über Beleidigung, Bedrohung, Raub, Erpressung, gefährliche Körperverletzung, Sexualstraftaten und Zuhälterei bis zum Mord ist alles vertreten. Die Kinder wachsen weitgehend unkontrolliert in diesen kriminellen Strukturen auf.

Der Staat kommt an diese Familien nicht heran. Die Jugendämter sind hoffnungslos überfordert, wenn sie wieder einmal auf eine Vereinbarungsfähigkeit der Eltern hoffen. Die amtlichen Bemühungen lassen sich dabei nie lückenlos nachvollziehen, da die Akten der Ämter nicht „mit dem Clan mitwandern“, wenn dieser auch nur innerhalb einer Stadt umzieht. Dabei geht aus amtlichen Einschätzungen hervor, die Eltern seien in ihrem Selbst- und Alltagsverständnis weit von den deutschen Realitäten entfernt. Eine Unterstützung oder Erziehung hin zur Integration oder Förderung der Kinder liege außerhalb ihrer Möglichkeiten. Ausgeprägt sei bei den männlichen Familienmitgliedern eine massive Gewaltbereitschaft, die auch innerfamiliär, das heißt von den Männern gegenüber den Frauen, ausgelebt werde. Es existieren nach meinem Wissen jedoch diesbezüglich kaum Ermittlungsverfahren. Das ist auch nicht verwunderlich, denn die Wahrung der „Familienehre“ nach außen folgt einem Kodex: Wer die eigenen Leute an die Deutschen verrät, riskiert sein Leben.

Also bieten die hilflosen Ämter fortlaufend weitere Erziehungshilfen unterschiedlichster freier Träger der Jugendhilfe an. Der Erfolg ist meist gleich null. Die Kinder aus den Clans haben gelernt, dass es für sie keine Grenzen gibt, und terrorisieren zunehmend ihr außerfamiliäres Umfeld. Inzwischen reicht es aus, wenn die Kinder in der Schule verlauten lassen, dass sie zur Familie XY gehören. Dann geben alle Schüler „freiwillig“ ihre Pausenbrote und Trinkflaschen, Stifte, Hefte und Euros ab.

Die Jugendämter haben auch versucht, Projekte einzurichten, die Mitarbeiter mit demselben ethnischen Hintergrund beschäftigen. Diese werden seitens der Großfamilie nur so lange „akzeptiert“, wie sie den Eindruck hat, einen Interessenvertreter gefunden zu haben. Die „Brückenbauer“ zwischen den Welten sind spätestens dann höchster Gefahr ausgesetzt, wenn sie mit den deutschen Behörden kooperieren.

Ich habe die Bemühungen der beteiligten Institutionen um diese Familien mit steigender Fassungslosigkeit zur Kenntnis genommen. Der überwiegende Teil dieser Clans wird niemals in Westeuropa ankommen. Es werden weiterhin nicht genau bezifferbare Müllionenbeträge in die Alimentierung dieser Gruppierungen fließen, ohne Fortschritte zu erzielen. Inzwischen haben sie es allerdings teilweise so weit gebracht, dass die ersten Familienmitglieder es nicht mehr nötig haben, selbst Straftaten zu begehen. Das „erwirtschaftete“ Vermögen wird in Immobiliengeschäfte und eigene Läden investiert. Aber auch im Rotlichtmilieu finden sich halblegale Betätigungsfelder.

Ich selbst habe mich im Interesse der Kinder ausführlich mit einzelnen Familien beschäftigt und aus Anlass von Strafverfahren die Probleme beim Famfliengericht vorgetragen, wo sie seit mindestens 20 Jahren hingehört hätten. Niemand hat jedoch bisher diesen Weg beschritten, und es liegt auch auf der Hand, weshalb: sozialromantische Verblendung gepaart mit blanker Angst. Ich bin inzwischen zu der Auffassung gelangt, dass die Furcht vor den kriminellen Großfamilien alle anderen Aspekte bei weitem überwiegt, denn hinter vorgehaltener Hand heißt es: „Man kann kein Kind zwangsweise aus einem arabischen Clan nehmen. Die Familien erschießen jeden, der das versuchen sollte.“

Angst ist ein schlechter Ratgeber. Sie lähmt das System und den Einzelnen. Deshalb müssen wir sie überwinden und handeln.

Die Möglichkeit, aufenthaltsbeendende Maßnahmen gegenüber kriminellen arabischen Großfamilien durchzusetzen, stößt gegenwärtig auf die schon benannten Hindernisse. Die Idee einer Rückkehr der Familien in ihre „Heimat“ stellt aus meiner Sicht momentan „ein totes Gleis“ dar, da deren Kinder zum Teil schon in der zweiten bis dritten Generation in Deutschland leben und dementsprechend ihre Heimat auch hier haben. Dennoch sehe ich es als unerlässlich an, auf sämtlichen Ebenen zu prüfen, welche Maßnahmen wir den Clans entgegensetzen können. Sämtliche vorhandenen Daten sind offenzulegen, damit endlich ein vollständiges Bild entsteht. Dem zu erwartenden Gegenargument, datenschutzrechtliche Bedenken könnten dieser Vorgehensweise im Wege stehen, halte ich entgegen, dass Datenschutz nicht dem Täterschutz dienen darf. Wenn der deutsche Staat diese Familien weiterhin im Land belässt und sie jahrzehntelang ohne jede Gegenleistung unterstützt, obwohl sie die Gesellschaft hemmungslos schädigen, blamiert er sich aufs Äußerste und lädt zur Nachahmung ein. Darüber hinaus bin ich davon überzeugt, dass es einzelne Mitglieder der Familien schaffen könnten, sich in eine andere Richtung zu entwickeln, oder dass sie dies zumindest gern wollen. Deshalb würde ich diesen Menschen Hilfe anbieten, wenn sie sich entsprechend äußern: eine Art Ausstiegsprogramm aus dem Kriminalitätsstrudel.

Nach meiner Einschätzung wird momentan zugesehen, wie die arabische Drogenmafia, die den Erkenntnissen der Polizei und der Staatsanwaltschaft zufolge speziell den Handel mit harten Drogen (wie zum Beispiel Heroin) fest in der Hand hat, aus palästinensischen Flüchtlingslagern Kinder und Jugendliche nach Deutschland schleust.

Die Lebensgeschichte, die den Eingeschleusten von den Verbrechern, die diese Menschen unter falschen Versprechungen ins Land bringen, eingetrichtert wird, damit sie zunächst einmal Aufnahme in Deutschland finden, lautet häufig folgendermaßen: Die Eltern seien verstorben. Das Kind wachse bei Verwandten auf. Die wollten ihm ein besseres Leben ermöglichen und würden das letzte Hab und Gut aufwenden, um die Reise nach Deutschland zu finanzieren. Hier angekommen, möchte man dann gern zur Schule gehen, Deutsch lernen und einen anständigen Beruf ergreifen. Ich bin überzeugt davon, dass manche junge Menschen sich tatsächlich in diesem Irrglauben auf den Weg machen, nur denke ich nicht, dass die Geschichten ansonsten stimmen. Dafür sind sie zu schablonenhaft.

In Beirut werden sie in ein Flugzeug nach Deutschland gesetzt und wenden sich dann bei der Einreise an die Beamten, die die Pässe kontrollieren, um kundzutun, sie seien unbegleitete Jugendliche, die um Asyl bitten. Die libanesischen Jugendlichen müssen nach meinem Kenntnisstand ihre Dokumente nach Besteigen des Flugzeugs beim Schleuser abgeben. Der fliegt nämlich nach Angaben von Jugendlichen, die auf diese Weise nach Deutschland gekommen sind, mit und sammelt im Flugzeug die Pässe ein.

Die „unbegleitet reisenden asylsuchenden Jugendlichen“, die häufig deutlich älter sind, als sie angeben, werden dann einem entsprechenden Heim zugewiesen, in dem sie sich dem ausländerrechtlichen Status der Duldung entsprechend eigentlich ständig aufhalten müssen.

Machen sie aber nicht. Stattdessen tauchen sie rasch bei Landsleuten in Berlin unter. Diese machen sie dann vermutlich auch mit den Regeln des jeweiligen Marktes vertraut: wer wo was und für wie viel verkaufen darf, wo man die Ware erhält, wer den Erlös bekommt.

Ich habe kürzlich in Heimen der Jugendhilfe in anderen Bundesländern angerufen, weil mir auffiel, dass ich mehrmals Jugendliche wegen Heroinhandels verurteilt hatte, die sich eigentlich in diesen Einrichtungen weitab von Berlin aufhalten sollten. Die Mitarbeiter erklärten mir, dass man die Jugendlichen, die sich entfernen, als vermisst meldet – und das war es dann. Ihre Einrichtung selbst sei im Übrigen offen. Jeder könne kommen und gehen, wann er wolle.

Welche pädagogisch sinnvolle Maßnahme soll verhängt werden? Sich in die Einrichtung zurückzubegeben und an einem Deutschkurs teilzunehmen? Oft verhängen die Jugendrichter Arreste, auf die dann die bis zur Hauptverhandlung erlittene so heißt das im Juristendeutsch – Untersuchungshaft angerechnet wird. Man hofft, der Jugendliche werde durch das Erlebnis der Haft von weiteren Taten abgehalten. Ist das realistisch? Man bedenke die gesamte Vorgeschichte. In Fällen, in denen der Jugendliche mehrmals oder in größeren Mengen mit Heroin gehandelt hat, werden zunehmend Jugendstrafen verhängt. Die Vollstreckung wird bei einem Ersttäter im Regelfall zur Bewährung ausgesetzt. Beim nächsten Deal, der auffliegt, folgt dann eine entsprechend lange Inhaftierung. Das ist nicht gerade das, was der Junge aus dem Libanon sich erhofft hat, und auch nicht das, was der Jugendrichter sich von seinem pädagogischen Auftrag verspricht. Der neueste Trend der Banden ist übrigens, Jugendliche unter 14 heranzuschaffen. Das hat den besonderen Charme der nicht drohenden Bestrafung. In den Medien taucht dann die Frage auf, ob wir denn nicht die Strafmündigkeitsgrenze auf 12 Jahre heruntersetzen sollten. Dazu kann ich nur sagen: Bitte nicht! Denn dann werden demnächst 10-Jährige geholt.

Ich vertrete seit vielen Jahren immer wieder die Meinung, dass wir um die Einrichtung geschlossener Unterbringungsmöglichkeiten nicht herumkommen. Alles andere ist pseudoliberale Heuchelei, die vor lauter Ideologie den Blick auf die Lebenswirklichkeit verstellt. Wenn Kinder und Jugendliche in dieses Land geschleust werden, um hier Straftaten zu begehen, kann man dies nur wirksam bekämpfen, indem man die Möglichkeit verstellt, die Menschen so einzusetzen, wie es geplant ist: Der Bewegungsradius muss deshalb begrenzt werden. Sicher ist das ein harter Einschnitt und nur vertretbar, wenn die Einzelfallpriifung entsprechende Anhaltspunkte für die dargestellten Absichten ergibt. Kommen wie momentan – Kinder aus Afrika oder Iran, die über das Mittelmeer vor dem Hunger geflüchtet sind oder dem Terrorregime Ahmadinedschads entkommen wollen, sind diese Entscheidungen selbstverständlich anders zu treffen. Aber pauschal alle gleich zu behandeln und damit der Drogenmafia das Geldverdienen zu erleichtern erscheint mir nicht ratsam. Es ist engmaschig zu kontrollieren, was mit den Kindern und Jugendlichen geschieht, wenn man schon nicht in der Lage ist, ihre Einreise zu verhindern, indem man sich damit beschäftigt, wer sie ins Land holt. Wenn aus einer libanesischen Maschine aus Beirut unbegleitete Jugendliche steigen, die keinen Pass mehr bei sich führen, muss es möglich sein, deren Identität umgehend zu klären, denn in Beirut werden die jungen Menschen vermutlich mit einem Pass die dortigen Kontrollen passieren. Es ist auch zu überlegen, ob die Möglichkeit, sich während des Flugs des Passes zu entledigen, ausgeschaltet wird, indem die Flugbegleiter die Reiseunterlagen der Jugendlichen an sich nehmen und den deutschen Behörden aushändigen. Oder aber man setzt deutsche Beamte in die Flugzeuge, die bereits während des Flugs die Dokumente überprüfen.

Es gibt nur diese zwei Möglichkeiten: Entweder man nimmt all diese Kinder und Jugendlichen ohne Ansehen ihrer Herkunft und ihres mutmaßlichen Einreisegrundes auf. Dann ist der Staat aber auch verpflichtet, sie den arabischen Banden zu entziehen, denn ansonsten blüht die entsprechende Kriminalität und die eingeschleusten Menschen bleiben auf der Strecke. Oder man kontrolliert die Einreise konsequenter. Was gegenwärtig geschieht, ist, wie in so vielen Bereichen, blankes Wegsehen und Herumlavieren.

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Time am 20. Juli 2010

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1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/05/11/laboratorium-neukolln/

weitere Links:
http://www.kybeline.com/2010/07/20/auch-fur-die-migrantischen-drogendealer-sind-kinder-ein-reichtum/
http://fact-fiction.net/?p=4669
http://fact-fiction.net/?p=4665

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PS, Soundtrack: „Time“ von Ozzy Osbournes neuer CD „Scream“ unter:
http://www.youtube.com/watch?v=RqziCxfs4MA

Hier der Text:

Time

The time has come for you
To make up your own mind (mind),
Stop looking for the answers
That you‘ll never find

Save all your tears for when you
Really need to cry,
Don‘t wish your life away,
Just spread your wings and fly

Time waits for no one, yeah,
It‘s never what it seems,
Stop waiting for tomorrow,
Stop living in your dreams, yeah

This life fading away,
This life ticking like a time bomb
Ready to blow your tortured mind

I know it‘s wasting away,
We don‘t plan for when it goes wrong,
The time that we lose,
We will never find time
(Time, time, time, time, time, time…)

Can‘t hide the clock
When every line shows on your face (face),
So take it slow,
You‘ll never win the human race

Time waits for no one, yeah,
Everything must change,
Stop running to the future,
Stop living for today

This life fading away,
This life ticking like a time bomb
Ready to blow your tortured mind

I know it‘s wasting away,
We don‘t plan for when it goes wrong,
The time that we lose,
We will never find time

Just live every moment of each day,
‚Cause death is the price we all must pay

(This life fading away),
This life ticking like a time bomb
Ready to blow your tortured mind

I know it‘s wasting away,
We don‘t plan for when it goes wrong,
The time that we lose,
We will never find time

This life fading away,
This life ticking like a time bomb
Ready to blow your tortured mind

I know it‘s wasting away,
We don‘t plan for when it goes wrong,
The time that we lose,
We will never find time
(Time, time, time, time, time, time…)

Laboratorium Neukölln

11. Mai 2010

In der gestrigen FAZ berichtete Katja Gelinsky über die Bemühungen der in counterjihadischen Kreisen bestens bekannten Jugendrichterin Kirsten Heisig.

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Bevor Kinder zu Intensivtätern werden

Das „Neuköllner Modell“ gilt bald in ganz Berlin. Mit schnelleren Verfahren will man die Jugendkriminalität eindämmen.

Wenn Neukölln Schlagzeilen macht, bedeutet das meist nichts Gutes. Kriminalität, Armut, soziale Verwahrlosung und mangelnde Integration von Ausländern haben den Kiez bekannt gemacht. Neukölln sei zum „Gruselfaktor für Buspauschalreisen in die Hauptstadt“ geworden, klagte Bezirksbürgermeister Heinz Buschowsky einmal. Aber nun ist ausgerechnet der Problemkiez ein Vorbild geworden, und das auch noch im Kampf gegen Jugendkriminalität. Mit dem „Neuköllner Modell“ zur schnellen Ahndung kleinerer Delikte will Berlin verhindern, dass jugendliche Straftäter zu den gefürchteten Intensivtätern werden.

Zurzeit gibt es in der Hauptstadt rund 850 Intensivtäter, also Straftäter, die verdächtig sind, in einem Jahr zehn und mehr Delikte von einigem Gewicht begangen zu haben und bei denen zu befürchten ist, dass sie so weitermachen. Mehr als 200 Intensivtäter kommen aus der Polizeidirektion 5, die für die Bezirke Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln zuständig ist. „Immer weniger Täter sind für immer mehr Straftaten verantwortlich“, sagt Kriminaldirektor Manfred Schmandra, Leiter des Referats Verbrechensbekämpfung der Direktion 5. „Deshalb ist es so wichtig, dass wir reingrätschen, bevor straffällige Jugendliche in eine kriminelle Karriere rutschen.“ Schmandra ist seit Beginn des „Neuköllner Modells“ dabei. Schon auf zwei weitere Polizeidirektionen wurde das Projekt ausgedehnt. Von Juni an soll die „Beschleunigung des vereinfachten Jugendverfahrens“, wie das Modell im Amtsdeutsch heißt, auf ganz Berlin ausgeweitet werden.

Eine Wunderwaffe gegen Intensivtäter ist das Konzept jedoch nicht. Es setzt bei Jugendlichen an, die durch mehrere kleinere Delikte aufgefallen sind, etwa durch Ladendiebstahl, Sachbeschädigung, Bedrohung oder Beleidigung. Mit Hilfe des „Neuköllner Modells“ sollen diese Täter rascher als bislang vor Gericht gestellt werden. „Vor allem auf Verfehlungen im Jugendalter muss schnell reagiert werden, damit die Maßnahmen erzieherisch sinnvoll sind“, sagt Kirsten Heisig, Initiatorin des Modells. Die Jugendrichterin am Amtsgericht Tiergarten, lässig im Flatterkleid mit Strickjacke, redet schnörkellos über die Kriminalitätsprobleme in Neukölln. „Gewalt explodiert zu einem recht frühen Zeitpunkt im Leben dieser Jugendlichen. In den Elternhäusern funktioniert oft nichts mehr. Da ist es besonders nachteilig, wenn Strafverfahren so lange dauern.“

Heisig machte sich eines Tages auf den Weg zum Polizeiabschnitt ihres Bezirks mit der Botschaft, dass man gewisse Verfahren beschleunigen könne. Ihr Vorstoß entsprach nicht den Gepflogenheiten – die Richterin hatte nicht mal die Polizeiführung informiert. Dort führte ihr forsches Vorgehen denn auch zu Irritationen. Aber Heisig ließ sich nicht beirren und konnte Polizeipräsident Dieter Glietsch für ein Pilotprojekt gewinnen. „Mein Vorgehen war nicht besonders diplomatisch“, sagt sie. „Aber ich wollte das Rad ja nicht neu erfinden, sondern nur bestehende Vorschriften zur Beschleunigung von Jugendverfahren effektiver nutzen.“

Schon seit Mitte der siebziger Jahre gibt es die Möglichkeit des „vereinfachten Jugendverfahrens“ nach Paragraph 76 des Jugendgerichtsgesetzes. Gedacht ist es für einfache Fälle leichter Straftaten, für die keine Freiheitsstrafe zu erwarten ist, sondern Erziehungsmaßregeln wie die Teilnahme an Anti-Gewalt-Training oder auch Zuchtmittel wie Arbeitsleistungen. Die schärfste Sanktionsmöglichkeit ist ein Jugendarrest von bis zu vier Wochen. Da im vereinfachten Jugendverfahren nicht die gleichen Förmlichkeiten gelten wie sonst in Jugendgerichtsverfahren, kann schneller verhandelt werden, nach dem Motto: Die Strafe folgt auf dem Fuße.

In der Praxis allerdings spielt das vereinfachte Jugendverfahren nicht die Rolle, die es nach Ansicht der Befürworter spielen sollte. Und selbst wenn es genutzt wird, vergehen bis zu einer Verurteilung oft Monate. Oft fehlen schlicht Bewusstsein und Motivation, die Verfahren zu initiieren und voranzutreiben. Da setzt das „Neuköllner Modell“ an. Richterin Heisig und Oberstaatsanwalt Rudolf Hausmann, der ebenfalls zu den Wegbereitern gehört, haben bei Polizeischulungen schon viel für ihr Vorhaben geworben.

Denn die Polizei hat in dem Konzept eine Schlüsselposition. Nicht erst beim Staatsanwalt oder beim Richter sollen die Fälle, die für ein beschleunigtes Verfahren in Frage kommen, identifiziert werden. Teilt die Staatsanwaltschaft die Einschätzung, ein Fall eigne sich für das vereinfachte Jugendverfahren, wird dieser vorrangig von der Polizei behandelt. Per Kurier und nicht durch die normale Hauspost gelangen die Akten dann zur Staatsanwaltschaft. Dort genügt ein Telefonanruf, um eine Entscheidung im vereinfachten Jugendverfahren zu beantragen. Für die mündliche Verhandlung reicht auch das Dienstzimmer des Jugendrichters, wenn kein Sitzungssaal frei ist. Dank des „Neuköllner Modells“, so Hausmann, sei es gelungen, Jugendverfahren innerhalb weniger Wochen zu erledigen. Eine Verdrängung der Tat sei da nur schwer möglich. „Der Jugendliche hat den Fall bis zur Hauptverhandlung fast jede Woche an der Hacke.“

Bei der Jugendgerichtshilfe warnt man allerdings vor übertriebener Eile. „Zum Leitgedanken der Erziehung im Jugendstrafrecht würde nicht passen, wenn der Jugendhilfe nicht mehr genügend Zeit bliebe, den Jugendlichen und seine Familie zu beraten und Staatsanwaltschaft und Gericht Entscheidungshilfen zu geben“, sagt Thomas Weylandt, Leiter der Jugendgerichtshilfe Neukölln. Man habe bislang zwar keine negativen Erfahrungen gemacht. „Aber statt von drei Wochen Verfahrensdauer sollten wir besser von sechs bis acht Wochen reden, das ist realistischer.“ Ob es überhaupt sinnvoll ist, Ressourcen auf das vereinfachte Jugendverfahren zu konzentrieren, daran hat Dirk Behrendt, Verwaltungsrichter und rechtspolitischer Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, Zweifel. „Die Jugendlichen, die uns wirklich Sorge machen, werden nicht erfasst, weil die Sanktionsmöglichkeiten im vereinfachten Jugendverfahren für die schwereren Fälle nicht ausreichen.“ Wenn diese Verfahren liegenblieben, weil zunächst die kleineren Fälle bearbeitet werden, wäre kriminalpolitisch nichts gewonnen. Hausmann kann die Bedenken nicht verstehen. Bei der Polizei gebe es unterschiedliche Zuständigkeiten für leichtere und schwerere Delikte. Und bei der Staatsanwaltschaft würden durch die vereinfachten Verfahren Kapazitäten frei.

Die bisherigen Zahlen zum „Neuköllner Modell“ sind noch wenig aussagekräftig. Schließlich wurde es bislang nur auf schmaler Grundlage und erst seit kurzer Zeit erprobt. Eine wissenschaftliche Evaluierung plant die Berliner Justizsenatorin Gisela von der Aue jedoch nicht. Das sei nicht nötig, „weil die Beteiligten sowieso eng zusammenarbeiten“, lautet die Begründung ihres Hauses. Tatsächlich dürfte es schwerfallen herauszufiltern, welchen Beitrag beschleunigte Jugendverfahren zur Bekämpfung von Kriminalität leisten können. Anekdotische Beweise für „eine gewisse Befriedung“ sieht Hausmann aber schon. Von Schuldirektoren und Lehrern höre man Positives. Auch in anderen Teilen Deutschlands ist man auf das „Neuköllner Modell“ aufmerksam geworden, sagt Hausmann. „Selbst in Bayern.“

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Time am 11. Mai 2010

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auch: https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/06/16/dran-bleiben-zweites-ziviles-beispiel/
https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/29/burgerheld/