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Kolonialismus reloaded

22. April 2010

Ich habe im Januar folgendes Zitat des Kommentators „Traveller“ vom „Brussels Journal“ gebracht, welches mich beeindruckt hatte: „My Pakistani friends have following to say about your forefathers: When we were under British rule it took 20.000 English gentlemen to rule the country peacefully, a whole continent of approx. 500 million people. Today we have 40.000 policemen in Karachi and cannot run that city peacefully.“ (1)

Ganz so einfach ist die Angelegenheit denn aber doch nicht, wie aus einem m.E. interessanten Aufsatz des amerikanischen Historikers Frederick Cooper hervorgeht, den die gestrige FAZ gestern brachte. Cooper ist mit seiner „Gatekeeper-Theorie“ bekannt geworden (2), die besagt, dass die afrikanischen Staaten nicht „durchkolonisiert“ wurden, sondern lediglich insofern, als dass Aufstände niedergeschlagen wurden und die Verbindungen zwischen National- und Weltwirtschaft (Bodenschätze) kontrolliert und offen gehalten wurden („systematically conquered but not so systematically ruled“). Dies System sei nach dem Ende des Kolonialismus von den nationalen Eliten aka Warlords fortgesetzt worden. Andreas Eckert hatte am 22. 8. 2005 in einer Buchrezension in der FAZ über Cooper geschrieben (3):

„(…) Überdies setzt sich zunehmend die Einsicht durch, daß das koloniale Projekt keine Einbahnstraße war und nicht nur die Kolonisierten, sondern ebenso die Kolonisierenden prägte und veränderte. Folglich geraten die Rückwirkungen der kolonialen Erfahrungen auf die ‚Metropolen‘ verstärkt in das Blickfeld der Forschung. Eine Geschichte Europas unter Ausblendung von Imperialismus und Kolonialismus zu schreiben muß heute als antiquiert gelten. Die gegenwärtig prominenten ‚zentrumsorientierten‘ Studien zur Kolonialgeschichte interessieren sich allerdings wenig für die Gegebenheiten in den Kolonien selbst und schon gar nicht für die Kolonisierten. Auf der anderen Seite zeichnen viele Studien etwa zur afrikanischen oder asiatischen Geschichte immer noch ein recht plakatives Bild von den europäischen Kolonialherren.

In einem zusammen mit Ann Laura Stoler verfaßten programmatischen Aufsatz hat Frederick Cooper vor einigen Jahren hingegen betont, die Geschichte von Kolonisierten und Kolonisierenden müsse in ein gemeinsames analytisches Feld integriert werden. Dieser Aufruf ist in der Folge immer wieder zustimmend zitiert, bisher jedoch nur recht selten empirisch eingelöst worden. Auch Cooper, hervorgetreten durch zahlreiche innovative Studien etwa zur Sklaverei und zur Dekolonisation in Afrika, geht es in seinem neuen Buch weniger um eine empirisch belastbare Darstellung der Wechselwirkungen der kolonialen Begegnung. Die Essaysammlung ‚Colonialism in Question‘ ist vielmehr eine ebenso originelle wie anspruchsvolle tour d’horizon, auf der grundlegende theoretische, methodische und epistemologische Fragen und Probleme bei der Beschäftigung mit dem Thema Kolonialismus diskutiert werden.

Die Auseinandersetzung mit Fragen des Kolonialismus fungiert in diesem Buch überdies gleichsam als Auslöser, um generell den Konformitätsdruck in den Sozial- und Kulturwissenschaften durch akademische Hierarchien, vermeintlich „unbedingt erforderliche“ Methodologien und theoretischen Konservatismus zu beklagen. Einst provokative Konstrukte, konstatiert Cooper, haben sich nicht nur in der Kolonialismusforschung allzu oft in Klischees verwandelt. (…)“

In diesem Sinne verfolgt Cooper die Idee, die Hoheit der Wirtschaftswissenschaften über die Entwicklungspolitik aufzulösen ebenso wie das Infragestellen plumpen linken, „antiimperialistischen“ Denkens. Fast wehmütig schreibt er: „Für einen kurzen Moment nach dem Zweiten Weltkrieg bedeutete das imperiale ‚Wir‘ – mit all dem Paternalismus, der Hierarchie und mitunter auch Gewalt, die es implizierte -, dass den Kolonisierten eine andere Sprache zur Verfügung stand: eine Sprache von Rechten und Ansprüchen.“

Nicht nur das, meine ich. Wie er selbst berichtet, verabschiedete Großbritannien bereits 1940 das „Gesetz über koloniale Entwicklung und Wohlfahrt“ und vor allem, das Projekt lief, und es lief zum Nutzen der Menschen stetig aufwärts.

Insofern mag ein neuer „Paternalismus“, der nicht nur militärisch sondern auch vertraglich mit den Subjekten selbst abgesichert werden sollte, zielführender sein als die Entwicklungspolitik der letzten 40 Jahre. Lesen Sie jetzt jedoch Coopers Aufsatz in der Übersetzung von Felix Kurz.

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„Entwicklung“ – die Geschichte einer sozialen Idee

Noch bestimmen Ökonomen darüber, welche Länder als entwickelt anzusehen sind und welche nicht. Die Geschichte der Entwicklungspolitik gibt Anlass, das in Frage zu stellen.

In den Wirtschaftswissenschaften hat sich der Entwicklungsgedanke zäh gegen etliche Versuche seiner Abschaffung behaupten können. Orthodoxe Ökonomen behaupteten anfangs, dass es keine Entwicklungsökonomie geben könne – man könne Märkte zwar beschreiben, nicht aber in sie eingreifen. Doch Ökonomen wie William Arthur Lewis vermochten es, der neuen Subdisziplin in den vierziger und frühen fünfziger Jahren eine solide Grundlage zu verschaffen. Bis in die achtziger Jahre wiederum schien der Entwicklungsgedanke im Namen der Marktorthodoxie vollständig aus den höheren Rängen der wirtschaftswissenschaftlichen Disziplin verbannt worden zu sein.

Doch das Ende der Entwicklung hatte man voreilig ausgerufen. Angesehene Ökonomen wie Jeffrey Sachs wandten sich von der Position ab, dass die Entwicklungsländer der Marktdisziplin zu unterwerfen seien, und wurden zu Befürwortern kostspieliger Armutsbekämpfungsprogramme von Staaten und internationalen Organisationen. Der Markt, so hieß es nun, vollbringe keine Wunder. Um die Grundbedürfnisse der Armen zu befriedigen und ganzen Gruppen von Menschen Zugang zu dem Wissen, den Technologien und Wahlfreiheiten zu verschaffen, die einem Großteil der Weltbevölkerung heute zugutekommen, müsse er politisch flankiert werden.

Nicht nur Marktliberale, auch Teile der Linken stellten die Legitimität der Ideen von Entwicklung in Frage. Sie wurden als Verschwörung zur weltweiten Absicherung des Kapitalismus dargestellt, als eigennütziges Bündnis lokaler Eliten und ausländischer Unternehmen zur Ausbeutung der Bauern und als einträgliches Geschäft für westliche Experten, die mit ihrem Wissen hausieren gehen. Einige Linke sehen im Entwicklungsdiskurs weniger ein Programm zur Verbesserung des Lebens der Armen als ein Mittel, die globale Hierarchie zu zementieren: die Spaltung in entwickelte und unterentwickelte Länder, in der die frühere Unterscheidung zwischen Kultur und Barbarei einen Nachhall finde. Der westliche Mitarbeiter einer NGO möge zwar der Meinung sein, dass er anderen Menschen zu einer besseren Ernährung verhilft, doch in Wirklichkeit trage er dazu bei, die westliche Moderne in anderen Regionen einzuführen, der Welt also einen alternativlosen Weg zu einem besseren Leben vorzuschreiben, an dem sich auch zu orientieren hat, wer wenig Aussicht besitzt, je am Ziel anzugelangen.

Doch auch diese Angriffe hat der Entwicklungsgedanke überlebt, und zwar aus einem einfachen Grund. So viel Treffendes die Kritik an eigennützigen Institutionen und Ideologien der Entwicklung auch enthält, sie versorgt keinen Bedürftigen mit Trinkwasser, sie mildert nicht das Joch von Frauen, die zwischen ländlichem Patriarchat und städtischer Ausbeutung gefangen sind, sie verteilt keine Medikamente gegen Malaria und Diarrhö bei Kindern.

Eine dynamische Betrachtung der Geschichte der Entwicklung muss mit der Ära des Kolonialismus beginnen, und zwar mit der neuen Konstellation von Kolonialismus und Entwicklung in den vierziger Jahren. Zwar investierten schon zuvor Kolonialregierungen in Eisenbahnen und bauten Schulen und Krankenhäuser, doch in den zwanziger und dreißiger Jahren waren sie noch keineswegs gewillt, mit Steuermitteln aus den Metropolen ein umfassendes Programm zur Verbesserung des Lebensstandards der Kolonisierten zu verfolgen. Nachdem es von 1935 bis 1939 in Westindien und Afrika zu einer Serie von Streiks und Unruhen gekommen war, begannen britische Verantwortliche schließlich, Armut als ein Problem des Empire und Entwicklung als probates Gegenmittel zu sehen. Das Gesetz über koloniale Entwicklung und Wohlfahrt von 1940 setzte sich zum Ziel, den eingeborenen Bevölkerungen – insbesondere den Lohnarbeitern – zu einem höheren Lebensstandard zu verhelfen. Es sah Mittel für Wohnungsbau, Bildung und andere Sozialleistungen sowie für Forschung vor. Frankreich legte 1946 seinen eigenen Entwicklungsplan vor.

Diese Initiativen begründeten eine Konzeption, die sich als ungemein langlebig erwies: Staatliche Projekte sollten Ressourcen in andere Kanäle lenken, als der Markt es tut. Doch in einem solchen Rahmen bringt Entwicklung unweigerlich Machtbeziehungen mit sich – sie erfordert und honoriert das Wissen von Experten und setzt Ungleichheit und Hierarchien voraus, auch wenn sie die Kluft zwischen verschiedenen Lebensstandards zu verringern beansprucht. Der Gedanke an Entwicklung beförderte in Afrika wie Indien bestimmte Ansprüche der Bevölkerung, und selbst seine technischsten Aspekte wurden schließlich in ihren politischen Dimensionen erkennbar.

Die Entwicklungspolitik war Teil eines umfassenden Versuchs der Kolonialmächte, statt pseudo-traditionalistischer Führer neue Modernisierungseliten zu Teilhabern ihrer sich wandelnden imperialen Regime zu machen. Doch weder Großbritannien noch Frankreich vermochten die Konsequenzen dieser politischen Verschiebung vorauszusehen: Binnen kurzer Zeit stellte sich heraus, dass ein beweglicherer Kolonialismus auch wesentlich angreifbarer war, als es frühere, konservativere Kolonialregime gewesen waren. Beide Kolonialmächte standen vor dem Dilemma, dass ein Scheitern ihres Versuchs, die gärende Unruhe in den Kolonien einzudämmen, zur Revolution zu führen drohte, während sein Erfolg die Verpflichtung mit sich bringen würde, den Lebensstandard der Bürger in den Kolonien auf ein europäisches Niveau anzuheben.

Seit die Kolonialregierungen ihre Entwicklungsinitiativen auf den Weg gebracht haben, sind fast siebzig Jahre vergangen. Die meisten afrikanischen Länder sind seit fünfzig Jahren unabhängig, eine Reihe asiatischer Staaten noch länger. Einige ehemals kolonisierte Länder, etwa Malaysia und Südkorea, sind mittlerweile zu Industrienationen geworden. In den sechziger und siebziger Jahren erlebten die meisten afrikanischen Länder ein signifikantes, wenngleich bescheidenes Wirtschaftswachstum, und wichtiger noch war, dass die Lebenserwartung stieg, die Kindersterblichkeit zurückging und sich der Zugang zu Bildung verbesserte. Staatliches Handeln hatte erheblichen Anteil an der Transformation asiatischer und afrikanischer Ökonomien und Gesellschaften.

Eine Zeitlang konnten Afrikaner, die Kakao anbauten oder in Kupferbergwerken arbeiteten, die begründete Erwartung hegen, durch ihre Arbeit zu bescheidenem Wohlstand zu gelangen und als Bürger staatliche Leistungen zu empfangen. Bildung genoss eine hohe Wertschätzung, da Afrikaner erwarteten, mit ihren Qualifikationen zur Entwicklung beizutragen und dafür angemessen bezahlt zu werden.

Mit den Ölschocks und der weltweiten Rezession der siebziger Jahre änderte sich dies grundlegend. Die Strukturanpassungsprogramme der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds untergruben in den achtziger Jahren ebenjene sozialpolitischen Maßnahmen, die vielen Menschen Hoffnung gegeben und neue Möglichkeiten eröffnet hatten, während die versprochenen Wunderwirkungen des Marktes ausblieben. Die Politik der Entwicklung wurde zur Politik der Abschreibungen, und die Schuld dafür wurde nicht bei globalen Strukturen gesucht, sondern schlechten Regierungen zugeschrieben. Fiel die Bilanz der Entwicklungspolitik bis in die siebziger Jahre noch gemischt aus, so hatten die marktorientierten Strategien im Afrika der achtziger und neunziger Jahre durchweg negative Resultate. Den Bemühungen, Demokratie und Bürgerrechte zu stärken, stand die Tatsache entgegen, dass Staatsbürgerschaft kaum mehr mit staatlichen Leistungen oder Aufstiegschancen verbunden war. Die Kürzung der Entwicklungshilfe sowie der Abbau staatlicher Regulierung und Bürokratie sollten die Eigeninitiative der lokalen Bevölkerung beflügeln, die jedoch häufig nur darin bestand, dass Warlords Armeen oder unterbezahlte Staatsangestellte illegale Geschäfte organisierten und sich insgesamt der Klientelismus verfestigte. Eigeninitiative und Improvisation hatten nicht immer erfreuliche Ergebnisse.

Die endlose Debatte darüber, ob Entwicklungshilfe gut oder schlecht sei, bekommt eine andere Wendung, wenn die Frage historisch gestellt wird. Hilfe und erst recht Entwicklungshilfe setzt eine Unterscheidung zwischen „uns“ und „ihnen“ voraus, die sie zugleich verstärkt: Die Wohlhabenden geben den Armen. Doch die Grenze zwischen „uns“ und „ihnen“ hat eine Geschichte. Für einen kurzen Moment nach dem Zweiten Weltkrieg bedeutete das imperiale „Wir“ – mit all dem Paternalismus, der Hierarchie und mitunter auch Gewalt, die es implizierte -, dass den Kolonisierten eine andere Sprache zur Verfügung stand: eine Sprache von Rechten und Ansprüchen.

Zeitweilig zeichneten sich am Horizont Gestalten eines „Wir“ ab, die eine Alternative zu imperialer Einverleibung wie nationaler Trennung versprachen: die Verwandlung des Imperiums in eine Konföderation oder ein Commonwealth, mit gleichberechtigter Partizipation der ehemaligen Kolonien und Metropolen an gemeinsamen Regierungsfunktionen bei gleichzeitiger Autonomie in territorialen Angelegenheiten; oder ein geschlossen handelnder Dritte-Welt-Block, der die ehemaligen Kolonialmächte umgehen würde; oder die Schaffung eines kommunistischen Blocks durch internationale Revolution oder der Gedanke einer globalen Staatsbürgerschaft, der die im Begriff der staatlichen Souveränität implizierte Abschottung zurückweist und darauf besteht, dass allen Menschen schon durch ihre Zugehörigkeit zum Menschengeschlecht das Recht auf Befriedigung ihrer Grundbedürfnisse zukommt.

Diese scheinbar allerutopischste Ansicht existiert latent bereits seit dem Niedergang der Kolonialreiche und tritt immer wieder in öffentlichen Mobilisierungen wie der Kampagne für das Schuldenerlassjahr 2000 deutlich zutage: Das grundlegendste Motiv für grenzüberschreitende Entwicklungsprogramme besteht darin, dass „wir“ und „sie“ letztlich gar nicht so sehr voneinander getrennt sind.

Je mehr kleine, ökonomisch schwache Staaten entstanden, umso stärker waren ihre Regierungen mit Blick auf den eigenen Machterhalt vor allem daran interessiert, als Klientenstaat Beziehungen zu Schutzmächten, will sagen: reichen Ländern, Konzernen oder internationalen Finanzinstitutionen zu pflegen, und weniger daran, ihre Wirtschaftsbeziehungen zu anderen armen Ländern auszubauen. Demokratische Politik, Gewerkschaften, Bauernverbände und andere Organisationen wurden von den Führern der neuen Staaten in der Regel gefürchtet, denn es schien fraglich, ob ihre Regierungen die Ansprüche einer Bürgerschaft erfüllen könnten, die bereits wirtschaftlich starke Kolonialreiche erschüttert hatte. Stattdessen waren sie darauf aus, ihre Kontrolle über die Schnittstelle zwischen nationaler und internationaler Wirtschaft dazu zu nutzen, die Ressourcen in ihren eigenen Händen zu behalten. So wurden ihre Staaten zu „Gatekeepern“.

Auf dieses historische Muster gehen auch die gravierendsten Mängel der heutigen Entwicklungspolitik zurück: Kapital, Know-how und internationale Beziehungen werden zu einer Ressource im Besitz der regierenden Elite; anstatt den Zugang zu Ressourcen zu verbessern, werden sie in wenigen Händen konzentriert; und die Eliten der reichen und der armen Länder bilden klientelistische Netzwerke, die keiner demokratischen Kontrolle unterliegen. Die Fiktion der Souveränität dient den Regierungen der entwickelten wie der unterentwickelten Länder dazu, ihre asymmetrische Beziehung ohne klare Verantwortlichkeiten aufrechtzuerhalten: Souveränität kann die Entwicklungsländer vor unangenehmen Fragen bewahren.

Der am wenigsten überzeugende, weil unhistorischste Aspekt mancher Kritik der Entwicklungspolitik ist die Gegenüberstellung „guter“ indigener Praktiken und „schlechter“ Entwicklung. Der Mythos der Gemeinschaft kann einer herrschenden Clique ebenso dienlich sein, wie es der Mythos des „modernen“ Know-how für internationale Finanzinstitutionen ist. Indigene Gemeinschaften mögen wertvolles Wissen über die Nutzung lokaler Ressourcen besitzen und weitergeben, aber ihre Führer haben nicht weniger blinde Flecken und eigennützige Interessen als außenstehende Experten.

Die wichtigste unbeabsichtigte Folge, die der Einzug des Entwicklungsgedankens in die koloniale und später postkoloniale Politik hatte, besteht darin, ein Thema geschaffen zu haben, das auf der ganzen Welt in schmerzlich konkreter Weise diskutiert werden kann. Es gibt keinen zwingenden Grund dafür, dass die Situation halbverhungerter Kinder in einem Flüchtlingslager im Tschad Gegenstand von Kontroversen in Genf oder London sein sollte. Dass sie es ist, mag zu bestimmten Bildern von „ihnen“ als den Armen und Verelendeten beitragen, aber es unterstreicht zugleich den Anteil, den „wir“ an der Vergangenheit und Zukunft aller Menschen haben. In den „unterentwickelten Ländern“ implizierte der Entwicklungsgedanke, dass Staaten ihre Bevölkerung „entwickeln“ sollten, die Bevölkerung darüber mitbestimmen sollte, wie dieser Prozess vonstattengeht. Und dass mit der Regierung an Ort und Stelle sowie den globalen Institutionen etwas nicht stimmen kann, wenn ein solcher Prozess nicht den Betroffenen zugutekommt.

Die Geschichte der Entwicklung spricht dafür, dass dies für die Zukunft ebenso gilt wie für große Teile der Vergangenheit; die Konsequenzen eines bestimmten Handelns können nicht durch Verallgemeinerungen über „die Moderne“ oder „Entwicklung“ beurteilt werden, weder von Befürwortern noch von Kritikern von Entwicklungsinitiativen. Es gibt keine Alternative zur Untersuchung der Frage, wem Programme für wirtschaftlichen Wandel helfen und wem sie schaden, für wen sie unerwartete Möglichkeiten oder auch Einschränkungen bedeuten. Wenn wir mit Blick auf die Vergangenheit nachzeichnen können, welche positiven und negativen, beabsichtigten und unbeabsichtigten Konsequenzen ein bestimmtes Handeln hatte, müssen wir mit Blick auf die Zukunft die Frage nach der Verantwortung stellen. Die Geschichte der Entwicklung ist vor allem eine Geschichte sich verändernder Erwartungen.

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Außerordentlich interessant finde ich diese Passage: „Eine Zeitlang konnten Afrikaner, die Kakao anbauten oder in Kupferbergwerken arbeiteten, die begründete Erwartung hegen, durch ihre Arbeit zu bescheidenem Wohlstand zu gelangen und als Bürger staatliche Leistungen zu empfangen. Bildung genoss eine hohe Wertschätzung, da Afrikaner erwarteten, mit ihren Qualifikationen zur Entwicklung beizutragen und dafür angemessen bezahlt zu werden. Mit den Ölschocks und der weltweiten Rezession der siebziger Jahre änderte sich dies grundlegend.“

Dies bedeutet nichts anderes, als dass die Mohammedanisten von Cooper für das Scheitern der westlichen Entwicklungspolitik verantwortlich gemacht werden, die bis dahin relativ erfolgreich gewesen sei. Mit „Ölschock“ ist natürlich die „erste Ölkrise“ (4) gemeint, die von den mohammedanistischen Staaten Iran, Algerien, Irak, Katar, Kuwait, Libyen, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten ausgelöst wurde, indem diese bewusst die Ölförderung drosselten. Ziel sollte es sein, die westlichen Länder von ihrer Unterstützung Israels abzubringen, das am 6. Oktober 1973 ohne Kriegserklärung am wichtigsten jüdischen Feiertag „Jom Kippur“ von Ägypten und Syrien angegriffen worden war (5), im den Orks „heiligen“ Monat Ramadan, versteht sich. Die hinterhältigen Großmäuler verloren auch ihren dritten Krieg gegen Israel. Dieser und der ihn unterstützende Wirtschaftskrieg gegen den Westen sollten m.E. unbedingt als Jihad gesehen werden. Insofern müsste der Ausbruch des „modernen“ Jihad nicht erst mit Klomeinis Machtergreifung angesetzt werden, sondern schon gut fünf Jahre früher. Insgesamt liegen die Daten eng zusammen, und man meint ein Anschwellen des Jihad gleich des Schwarmverhaltens wie z.B. bei Insektenvölkern zu erkennen, bis zur heutigen Situation, da die Mohammedanisten uns im Auenland (6) täglich mit Nachrichten über ihre grausamen Taten erschrecken. Ich glaube jedoch, SIE sind dabei, den Bogen mächtig zu überspannen, er wird zerbrechen oder IHNEN um die Ohren fliegen.

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Time am 22. April 2010

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1) http://www.brusselsjournal.com/node/2749
2) http://en.wikipedia.org/wiki/Gatekeeper_state
3) http://www.faz.net/s/RubC17179D529AB4E2BBEDB095D7C41F468/Doc~ECD5EEC3BE4E247ECBBD4F306AB3CFE25~ATpl~Ecommon~Scontent.html
4) http://de.wikipedia.org/wiki/Ölkrise
5) http://de.wikipedia.org/wiki/Jom-Kippur-Krieg
6) http://de.wikipedia.org/wiki/Hobbit

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PS.: Heute feiert dieses Blog einjähriges Bestehen! Bleiben Sie mir gewogen – ich grüße Sie!

Entweder-oder aber nicht weder-noch

24. Juni 2009

Gestern haben die Orks mal wieder drei unserer Mitbürger getötet (1). Damit erhöht sich die Zahl in Afghanistan getöteter Deutscher auf 35! Wir werden uns dort aber nicht durchsetzen, wenn wir kein Verhältnis von 1:100 erreichen.

Wann also kann ich die 3.500 Orkkiller, männlich im Alter zwischen 15 und 45, über eine Strecke von sieben km in einer Reihe vor dem Präsidentenpalast aufgebahrt im Fernsehen sehen? Wenn NICHT 3.500 Skalps geholt werden sollen (was ja auch eine ziemlich eklige Angelegenheit wäre), wäre es vielleicht besser, unsere Truppen nach Hause zu holen. Da könnten sie uns hier helfen, die ganzen Orks, die sich bei uns breit gemacht haben (2), ihrerseits nach Hause zu geleiten (Auf dass sich trenne, was nicht zusammengehört)!

Jedenfalls finde ich 35 tote Mitbürger nur dafür, Präsenz zu zeigen oder Steuergelder an unsere Feinde zu verschenken, viel zu viel. Im aktuellen Spiegel heißt es: „Obama hat nach seinem Amtsantritt die US-Truppen verstärkt, um die Lage im Land zu stabilisieren. Er erwartet auch von seinen Bündnispartnern stärkeres Engagement. Mit zusätzlicher Militärhilfe tut sich Merkel schwer.“

Ich bin sicher, dass die Frage nach einer Erhöhung des deutschen Engagements nicht im alleinigen Ermessen unserer Kanzlerin liegt. Ich sehe eher Zeichen, dass sie dem Counterjihad weit näher steht als die meisten anderen Politiker und Wirtschaftslobbyisten. Aber unabhängig davon fehlt, so meine Meinung, den Deutschen ein einleuchtendes Konzept. Ich stimme zu, unsere Freiheit wird am Hindukusch verteidigt, aber das ist uns nur eine Truppenaufstockung um 300 Mann wert, während Obama 21.000 zusätzliche Soldaten schickt?

Kewil hatte am 25. Juni 2007 ein paar Stellen aus Churchills „Story of the Malakand Field Force: An Episode of Frontier War“ übersetzt (3):

Weder die Landschaft noch die Menschen finden irgendwo auf der Welt etwas Ebenbürtiges. Die Mauern der Täler erheben sich steil fünf- oder sechstausend Fuß auf jeder Seite. Die Militärkolonnen kriechen durch einen Irrgarten von riesigen Korridoren, die von wilden, schneegenährten Sturzbächen unter einem Messinghimmel in Nebel gehüllt sind. Inmitten dieser Szenerie von wilder Brillianz wohnt eine Rasse, deren Eigenschaften mit ihrer Umgebung zu harmonieren scheinen. Außer zur Erntezeit, wenn die Selbsterhaltung einen temporären Waffenstillstand erzwingt, sind die Pathanenstämme immer mit kleinen oder großen Kriegen beschäftigt.

Jeder Mann ist Krieger, Politiker und Theologe. Jedes große Haus ist eine echt feudale Festung, zwar nur aus sonnengebackenem Lehm, aber mit Befestigungen, Kuppeln, Scharten, Ecktürmen, Zugbrücken, etc., wo nichts fehlt. Jedes Dorf hat seine Verteidigung. Jede Familie kultiviert ihre Vendetta; jeder Clan seine Fehde. Die zahlreichen Stämme und die Koalitionen von Stämmen haben alle ihre offenen Rechnungen, die gegeneinander beglichen werden müssen. Nichts wird je vergessen, und nur ganz wenige Schulden bleiben unbezahlt. Für das Funtionieren des sozialen Lebens wurde zusätzlich zu den Konventionen während der Erntezeit, ein hochgradig ausgearbeiter Ehrenkodex etabliert und der wird insgesamt genau beachtet. Ein Mann, der das weiß und dem folgt, könnte vielleicht unbewaffnet von einem zum anderen Ende der Grenze gelangen. Der kleinste Systemfehler jedoch wäre fatal…

Die Bequemlichkeit des Hinterladers, und noch mehr der Gewehre mit Magazin, wurde nirgends mehr geschätzt als im indischen Hochland. Eine Waffe, die auf fünfzehnhundert Yards genau töten konnte, eröffnete ganz neue vergnügliche Aussichten für jede Familie und jeden Clan, der sie erwerben konnte. Man konnte sogar tatsächlich im eigenen Haus bleiben und auf den Nachbarn in einer Meile Entfernung feuern. Man konnte hoch oben auf einer Felszacke liegen und auf ganz unerhört weite Entfernungen einen Reiter weit unten treffen. Selbst Dörfer konnten sich gegenseitig beschießen, ohne sich mühevoll weit von zu Hause weg bewegen zu müssen. Sagenhafte Preise wurden deshalb für diese ruhmreichen Produkte der Wissenschaft bezahlt… und der Respekt, den die Pathanen für die christliche Zivilisation hegten, wurde ziemlich vergrößert…“

Ziemlich unsympathische Leute, finde ich. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass da Hopfen und Malz verloren sind. Und ihr teuflisches Opium sollten sie bitte auch bei sich behalten.

Kürzlich sah ich den beeindruckenden Film „Von Löwen und Lämmern“ (4) des notorischen Linksliberalen Robert Redford (5) von 2007, der mE. sehr viel patriotischer, konservativer und counterjihadischer ist, als zB. orkisch-deutsche Filmkritiker glauben machen wollen (6). Weder eine derartige Klarheit, Tiefe und Thematik noch eine derartige Besetzung ist im deutschen Kino denkbar. Wie dem aber auch sei, es geht im Film ua. um die Etablierung einer neuen militärischen Strategie, die Churchills og. Beschreibung Rechnung trägt, indem sie die Besetzung aller Höhen des Landes verfolgt.

Nicht, dass ich davon Ahnung hätte, aber das ist doch mal eine konkrete Idee, und mich würde durchaus die ausführliche Meinung von Leuten interessieren, die Ahnung haben. Warum sollen wir Mädchenschulen bauen, die leerstehen, weil die Taliban alle Mädchen töten, und umgehend wieder niedergebrannt werden. Ich meine, auch für ein militärisches Testlabor ist der Tod von 35 „Versuchskaninchen“ ein viel zu hoher Preis. Also: Auf jeder Anhöhe braucht es einen westlichen Posten mit dem Auftrag, die Gegend zu sichern. Das könnte dem einen oder anderen Ork natürlich weh tun und mehr als 300 zusätzliche Soldaten erfordern. Aber wenn wir nicht genug Leute haben, könnten wir vielleicht welche leihen, zB. von den Kinesen…

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Time am 24. Juni 2009

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(1) http://www.n-tv.de/politik/Drei-deutsche-Soldaten-getoetet-article378393.html
(2) http://www.pi-news.net/2009/06/viel-mehr-moslems-in-deutschland-als-vermutet/
(3) http://kewil.myblog.de/kewil/art/176462276/
(4) http://de.wikipedia.org/wiki/Von_L%C3%B6wen_und_L%C3%A4mmern
(5) http://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Redford
(6) http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,513415,00.html

außerdem:
http://www.sueddeutsche.de/t5B38k/2912166/Sw-at-im-Tal-des-Todes.html
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,459228,00.html

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Kolonialismus

26. April 2009

In der FAZ vom 30. April 2008 gab es einen Artikel von Prof. der Islamwissenschaft (IW) Maurus Reinkowski zu Vergangenheit und Zukunft seines Faches, der folgende Passage enthielt: „1998 führte der damalige Vorsitzende der Deutschen Morgenländischen (recht blumige Bezeichnung für eine wissenschaftliche Einrichtung, T.) Gesellschaft, der Afrikanist Hermann Jungraithmayr, in der Eröffnungsansprache zu einem großen orientalistischen Kongress die ERFOLGLOSIGKEIT der deutschen Entwicklungshilfe auf den FALSCHEN Ansatz zurück, zur ENTWICKLUNG FREMDER Kulturen beitragen zu wollen, ohne von ihnen eine genauere INNERE Kenntnis zu besitzen. Deswegen seien Forschungszentren einzurichten, ‚in denen auf streng philologischer Grundlage die BESONDERHEIT der fremden Kultur und IHRER inhärenten WERTmaßstäbe Gegenstand der Forschung sein müssten‘. Man darf vermuten, dass diese Ermahnungen bei den damaligen Bundesministern für Finanzen und für Zusammenarbeit und Entwicklung nicht zu tiefer innerer Einkehr führten.“

Nein, das wohl nicht, weder im Sinne von Jungraithmayr, noch, leider im Sinne von TIME. Dabei wären Einkehr und Revision mE. dringend angesagt. Der neue Kolonialismus oder Imperialismus, über den ich nachdenke, könnte zB. durchaus ein unternehmerisches Projekt sein, nicht jedoch – im Gegensatz zum klassischen Kolonialismus – ohne die Bindung der beteiligten Unternehmen an menschenrechtliche, humanitäre, gesetzliche Standards.

Der große polnische Journalist und Afrikakenner Ryszard Kapuscinski schreibt in seiner Essaysammlung „Afrikanisches Fieber“: „Doch die europäische Kultur hat uns auf diese Expeditionen in die TIEFE (warum soll die Tiefe eigentlich immer in der Fremde liegen, T.?), zu den Ursprüngen anderer Welten und Kulturen, nicht vorbereitet (1. wie sollte sie auch? 2. damit nimmt er die Position von Jungraitmayr ein, T). Das DRAMA einiger Kulturen – darunter auch der europäischen (aber fand das Drama nicht eher in Afrika statt, T.?) – beruhte nämlich in der Vergangenheit darin, daß die ersten Kontakte zu anderen Kulturen meist durch Menschen der übelsten Sorte hergestellt wurden durch Söldner, Abenteurer, Kriminelle, Sklavenhändler usw. Natürlich dachten sie keinen Moment daran, andere Kulturen kennenzulernen, eine gemeinsame Sprache zu finden, diese Menschen zu achten. In der Mehrheit war das eine dumpfe Soldateska ohne Manieren und Einfühlsamkeit, oft waren sie überhaupt Analphabeten. Sie waren einzig daran interessiert, zu plündern, zu rauben und zu morden (trifft mE. häufig zu, T.). Infolge dieser Erfahrungen standen die Kulturen einander – statt sich kennenzulernen, sich anzunähern und zu durchdringen (neinneinnein, bitte keine Durchdringung, T.), feindselig gegenüber, bestenfalls gleichgültig. Ihre Vertreter waren – mit Ausnahme jener Schurken – auf Distanz bedacht, mieden und fürchteten einander. Der Umstand, daß eine ganze Schicht primitiver Kerle die Beziehungen zwischen den Kulturen MONOPOLISIERTE, erklärt deren schlechten Zustand. Die Beziehungen zwischen den Menschen wurden durch das PRIMITIVSTE Kriterium bestimmt – durch die Hautfarbe. Der Rassismus wurde zu der Ideologie, nach der die Menschen ihren Platz in der Ordnung der Welt einnahmen… Die Tatsache, daß die genannte Schicht primitiver Kerle ein Monopol auf die Kontakte zu Afrika besaß, hatte noch eine weitere Folge: In den europäischen Sprachen entwickelte sich kein entsprechendes Vokabular, um andere, nichteuropäische Welten zu beschreiben. Das ganze riesige Gebiet des afrikanischen Lebens wird aufgrund der Armut der europäischen Sprachen nur oberflächlich gestreift, ja es bleibt oft unberührt. Wie kann man das dunkle, grüne, drückend schwüle Innere des Dschungels beschreiben? Jene Hunderte von Bäumen und Büschen – wie heißen die?“

Ich stimme Kapuscinski zu, wenn er beklagt, dass die Kontakte zu fremden Welten durch den westlichen Abschaum vorgenommen wurden, durch das an den Rand der Gesellschaft gedrängte, allzu vogelfreie Unternehmertum der Söldner und Sklavenjäger. Aber ich stimme nicht darin überein, dass wir in den afrikanischen Mythen etwas Brauchbares finden. Wir müssen NICHT in die Tiefen der Seelen der Afrikaner vorstoßen und sie verstehen, wir müssen uns nicht von ihnen durchdringen lassen. Wir KÖNNEN all dies auch mal tun mit dem Ziel, die betreffenden Geografien und Menschen zu verstehen um sie reibungsloser dem westlichen, freiheitlich-demokratischen Imperium einzuverleiben. „Die ENTWICKLUNG FREMDER Kulturen gemäß ihren inhärenten Wertmaßstäben“ (Jungraithmayr) sollte aber mE. nicht auf unserem Programm stehen. Ein bißchen Regentanz im Trommelclub ist schon ok., aber all das bitte nur in einer demokratisch-liberalen-marktwirtschaftlichen Gesellschaft! Diese unzähligen „dritten Wege“, „regionalen Besonderheiten“, das ist Trachtengruppe, Inzest, Kleingeist – weg damit! Es geht um eine GLOBALE Straßenverkehrsordnung – halt Dich einfach dran, ohne Bestechung, Aufzählung Deiner Mannas usw. – fahr einfach nur korrekt! Wir müssen darauf dringen, dass UNSERE STANDARDS globale Geltung erlangen. Nicht irgendwelche, gemischten – GENAU unsere! Und die IW muss das Einsatzgebiet AUFKLÄREN – das Ziel ist:

Area secure, Democracy… IS… delivered!

Time am 1. Mai 2008

Aaafrika

26. April 2009

Am 25. April gab es in der FAZ einen dieser typischen Aufrufe abgehalfterter Künstler & Co. an die Bundeskanzlerin:

„… Wir stehen in der Pflicht, Afrika zu unterstützen. Denn Deutschland hat zugesichert, den Ärmsten der Armen zu helfen. Brechen Sie dieses Versprechen nicht. Unsere Glaubwürdigkeit in der Welt ist ein kostbares Gut – setzen Sie es nicht aufs Spiel!…“ So geht es munter weiter und von Prinz Asfa-Wossen Asserate über Günni Grass-gleichsetzt-es-was bis zu Roger Willemsen sind sie alle wieder dabei, nur Herbie fehlt, den hatte man wohl ganz vergessen zu fragen.

Auf der gegenüberliegenden Seite stand dies:

„UN: Lage in Darfur schlechter – Angeblich 300.000 Tote… Die Situation in Darfur habe sich in den vergangenen zwölf Monaten trotz der verstärkten internationalen Friedensbemühungen verschlechtert, sagte UN-Nothilfekoordinator John Holmes vor dem UN-Sicherheitsrat… Beunruhigt äußerte er sich zu den wieder zunehmenden sexuellen Übergriffen auf Frauen. Von den sechs Millionen Einwohnern Darfurs hätten knapp 4,3 Millionen unter den Folgen des seit fünf Jahren andauernden Konflikts DIREKT zu leiden. … Holmes… sprach jetzt von bis zu 300.000 Toten. Bisher war von mehr als 200.000 Toten die Rede. Der sudanesische UN-Botschafter Abdul Mahmoud Abdel Halim bezeichnete Holmes Schätzung als eine nicht zutreffende Übertreibung. Es seien HÖCHSTENS 10.000 (!, T.) Menschen getötet worden – tausend mehr, als seine Regierung bisher genannt hatte… Der Unamid stünden fast fünf Monate nach Einsatzbeginn weniger als 40 Prozent der im UN-Mandat vorgesehenen 19.555 Soldaten zur Verfügung… Immer noch fehlten vor allem Kampf- und Transporthubschrauber. Zudem kommen nach seinen Angaben die politischen Friedensbernühungen nicht voran. Es fehle der Frieden, den seine Mission überwachen solle.“

Oftmals werden dort die nahezu wehrlosen Hilfskonvois überfallen und ausgeraubt. Dies sollte vielleicht deshalb die Hilfe sein, die man den Afrikanern an erster Stelle gewähren sollte: die robuste Herstellung von Recht und Ordnung, sei es auch durch die Miete von Söldnertruppen wie Blackwater.

Denn am 21. April hatte Thomas Scheen in der FAZ zB. Folgendes geschrieben:

„Afrika ist vom Anstieg der Lebensmittelpreise besonders betroffen. Er ist der einzige Kontinent, der sich nicht selbst ernähren kann. Rund 30 Prozent der jährlich konsumierten Nahrungsmittel auf dem Kontinent müssen importiert werden. Dabei arbeiten zwischen 60 und 70 Prozent der afrikanischen Bevölkerung in der Landwirtschaft. Die Mehrzahl von ihnen aber lebt von Subsistenzwirtschaft, und da, wo Überschuss erzielt werden kann, fehlen häufig Vertriebs- und damit Vermarktungsinstrumente und damit nicht zuletzt Zugang zu Kapital. In Westafrika beispielsweise existieren nur in halbindustriellen Branchen wie etwa Baumwolle oder Kakao genossenschaftlich organisierte Vertriebsstrukturen.

Welches POTENTIAL indes in der afrikanischen Landwirtschaft steckt, verdeutlichen Zahlen der Afrikanischen Entwicklungsbank. So kommt… Burkina Faso auf eine Selbstversorgungsquote bei landwirtschaftlichen Produkten von 94 Prozent, obwohl LEDIGLICH 0,5 Prozent der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche über Bewässerungssysteme verfügt. In Tschad liegt die Selbstversorgungsquote bei 95 Prozent und der Anteil von Ackerfläche mit Wasser bei nur 0,8 Prozent. Selbst Äthiopien, das immer wieder durch Hungersnöte auf sich aufmerksam machte, erwirtschaftet eine Selbstversorgungsquote von 89 Prozent, obwohl nur 2,5 Prozent der landwirtschaftlichen Gesamtfläche regelmäßig gewässert wird. Kongo-Kinshasa wiederum, das Land ohne Straßen, kommt auf eine Selbstversorgungsquote von 80 Prozent, und das, obwohl nur 0,1 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche über Bewässerungssysteme verfügen; unschwer vorzustellen, welche Produktionssprünge Afrika machen könnte, wenn die Bauern über Kapital für den Bau von Brunnen und Leitungen verfügten…“

Nur, diese Infrastruktur ist ja schon seit Jahrzehnten in Arbeit. Aber wenn mal was fertig ist, dann wird es zwei Tage später wieder abgebrannt oder ausgeschlachtet.

„In den einzigen afrikanischen Ländern mit einer hocheffizienten Landwirtschaft, nämlich Südafrika und Zimbabwe, bremsen Landumverteilungsprojekte größere Investitionen“, meint Scheen. Alles in allem sei die Menge der landwirtschaftlich genutzten Flächen auf dem Kontinent in den zurückliegenden Jahren kaum gestiegen, während gleichzeitig das Bevölkerungswachstum bei durchschnittlich drei Prozent gelegen hätte. „Diese extrem harten Lebensbedingungen haben längst zu einer Flucht vom Land in die Stadt geführt. Die Einwohnerzahlen der meisten afrikanischen Städte sind in den vergangenen zwanzig Jahren regelrecht explodiert, was umgekehrt bedeutet, dass immer weniger Bauern immer mehr Stadtbewohner ernähren müssen.“

Ich denke, auch wissenschaftliche Innovationen wie „Nerica“ (New Rice for Africa), eine neue Reis-Spezialkreuzung, werden die Probleme nicht wirklich lösen. Thomas Scheen: „Die Pflanze ist ebenso robust wie nahrhaft. In Sierra Leone und Guinea konnte Jones (ihr Erfinder, T.) die Bauern im Handumdrehen von den Vorteilen seiner neuen Reissorte überzeugen… In Nigeria und der Elfenbeinküste aber tut sich Jones schwer, weil die Bauern allem Neuen gegenüber misstrauisch sind. Das aber kann nicht einmal die Politik ändern.“

Das, was da mE. dringend angesagt ist, ist die Durchsetzung westlicher Lebens- bzw. Weltauffassung unter militärischem Schutz. Es muß ja nicht erneut „Imperialismus“ oder „Kolonialismus“ genannt werden. Wie wäre es zB. mit „robuste Lebenshilfe“?

Time am 26. April 2008

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Update vom 3. Juni 2008:

Heute macht die FAZ mit dem Titel „Hunger, Klima, Preise: Die UN halten einen Notfallplan erforderlich“. Jacques Diouf als Generalsekretär der Welternährungsorganisation FAO erinnerte die reichen Länder an ihre – nicht eingehaltenen – Versprechen, etwa jenes, 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts Kopfsteuer (Jizia, genannt Entwicklungshilfe) bereitzustellen, kann man im Berliner Tagesspiegel lesen. Diouf stammt aus dem Senegal, welcher zu 95% mohammedanistisch ist, und zeigt sich auch gern in weißen, wehenden Ork-Kleidern. Der Tagesspiegel: „… die Lage wird immer drückender: Auch die Weltbevölkerung, die „Zahl der Esser“, wachse ja weiter, warnen UN und Weltbank. Für die Eindämmung des rasanten Bevölkerungswachstums müsste die internationale Gemeinschaft immense Beträge aufbringen. Nach Auskunft der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung kosten Verhütungsmittel für rund 200 Millionen Frauen in den Entwicklungsländern rund 3,9 Milliarden US-Dollar. Der Anstieg der Weltbevölkerung könnte durch Verhütungsmittel immerhin um 20 Prozent verringert werden.“ Ach so, ja klar, tolle Idee, mit Verhütungsmitteln könnte man das ja ganz einfach in den Griff bekommen, nur ist ja der böseböse Papst dagegen, auf dessen Wort im Senegal bekanntlich jeder hört.

„Hauptsache, satt werden“ sei die Devise in Westafrika, kann man unter http://www.tagesschau.de/ausland/faogipfel2.html bei der Tagesschau erfahren. Dort sei Reis das Grundnahrungsmittel und werde immer (seit wann eigentlich) zu allem gegessen. Nun habe sich der Reispreis verdoppelt. Jedoch: „Ein Leben ohne Reis können sich viele Afrikaner kaum vorstellen. Beispiel Guinea-Bissau: In dem Land boten Händler kürzlich mehr als 100 Tonnen vergammelten Reis an. Zu einem reduzierten Preis, versteht sich. Beim Kochen entwickelt der Gammelreis einen abstoßenden Geruch, manch einem wird dabei übel“, meldet Marc Dugge von der ARD. Man könnte zwar auch Spaghetti essen, die nur halb so teuer wie Reis sind, indes erfahren wir zB. aus Liberia: „Den meisten Liberianern kommen Spaghetti aber nicht in den Topf. Etta Greenfield, eine junge Kleiderverkäuferin aus Harper im Süden Liberias: ‚Wir bleiben bei Reis, auch wenn es hart ist. Spaghetti sind nicht schlecht, aber sie sind nun mal nicht unser Grundnahrungsmittel. Nur mit Spaghetti könnten wir nicht überleben.‘ Das ist echt cool, dass die so stur sind („Hätten Sie die Kopfsteuer lieber in 50ern oder in 100ern?“), aber die Überschrift stimmt doch nicht so recht, sie müßte lauten: „Hauptsache, MIT REIS satt werden“…