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Smear Campaign

5. Oktober 2011

Michael Stürzenberger machte heute bei PI auf einen amerikanischen Artikel aufmerksam, der sich mit der derzeitig besonders heftigen Kampagne gegen PI beschäftigt. Er schreibt (1):

„Die Nachrichten über die Kampagne der linksgesteuerten deutschen Presselandschaft gegen PI haben New York erreicht. ‚Hudson New York’ veröffentlichte am 3. Oktober einen bemerkenswerten Artikel mit der vielsagenden Überschrift ‚Deutsche Multikulturalisten erklären Islamkritikern den Krieg’. So empfindet US-Journalist Soeren Kern die Flut der Veröffentlichungen, die keinesfalls sachlich gegen PI argumentieren, sondern nur eines zum Ziel haben: Das aus ihrer Sicht ‚schwarze Schaf’ der Presseherde mundtot zu machen.“

Nun ja, „Krieg“ geht noch etwas anders, aber der Druck, der von den MSM gegen PI aufgebaut wird, ist derzeit schon massiv.

Im Jugendmagazin „fluter“ (2), das von der Bundeszentrale für politische Bildung herausgegeben wird, beschreibt Andreas Förster z.B., wie alles „ganz harmlos“ mit Demos gegen „Gebetshäuser“ begann. Jedoch: „Die Gotteshäuser wurden trotzdem gebaut, und die Anwohner haben längst ihren Frieden damit geschlossen.“ Eigentlich wäre doch nun eigentlich alles in Ordnung, und alle könnten gemütlich für Alla im Allahaus beten (welches hier fälschlicherweise als Gotteshaus bezeichnet wird), aber da kamen sie, die… ausländischen Rechtspopulisten – und vorneweg Geert Wilders. Andreas Förster:

„Der Erfolg dieser Bewegungen im Ausland hat wohl auch dazu geführt, dass die auf die Zurückdrängung von Immigranten muslimischer Herkunft gerichteten Botschaften zunehmend in Deutschland Gehör finden. Dabei kommen die Argumente der Islamhasser gut getarnt als Bürgerprotest aus der Mitte der Gesellschaft daher.“

Was wollen die „Islamhasser“ außer zu hassen? Förster:

„Man selbst verteidigt bürgerliche und christliche Werte und den Wohlstand, während auf der anderen Seite jene Blauäugigen stehen, die den Multikulturalismus verteidigen, in dem auch der Islam seinen Platz hat. Verbreitet wird diese Ideologie vor allem im Internet. Hier hat sich in den letzten zehn Jahren eine globale Einheitsfront der Islamfeinde gebildet. Bestens vernetzt sind etwa einschlägige Blogs aus Europa wie Gates of Vienna, Document.no, Islam Versus Europe, Brussels Journal und das deutsche Portal PI – Politically Incorrect mit ihren Gesinnungsfreunden in den USA, die Atlas Shrugs, Jihad Watch und andere Blogs betreiben. Sie sehen sich als geistige Vorhut eines sogenannten Counter-Jihad, mit dem man eine Gesellschaft verhindern wolle, ‚in der Burkas und Ehrenmorde sowie Genitalverstümmelung als kulturelle Bereicherung gelten’, wie es in einem PI-Blogeintrag hieß. Diese Szene liefert die ideologische Blaupause für den ‚heiligen Krieg’ gegen Islam und linke Gutmenschen, die die freie Welt durch Multikulturalismus dem Feind opfern.“

Dass Gates of Vienna als europäisches Blog verbucht wird, spricht nicht für die journalistische Kompetenz Herrn Försters, und den Kampf gegen Burkas, Ehrenmorde und FGM möchte er ganz offensichtlich unterbinden, indem er ihn zum „unheiligen Krieg“ umwidmet, so als ob es der Counterjihad wäre, der gewalttätig sei, und zu dem das geisteskranke Monster Anders Breivik ganz sicher nicht auch nur zum kleinsten Teil gehört. Das weiß auch der Demagoge Förster sehr genau, unsere Gewaltlosigkeit ärgert ihn, und so hängt er uns einfach trotzdem den norwegischen Satan an:

„Zur Gewalt rufen die Autoren der islamfeindlichen Blogs dabei nie ausdrücklich auf, auch um möglichen Repressionen durch die Sicherheitsbehörden zu entgehen. Dafür aber nehmen die Kommentatoren auf diesen Seiten kein Blatt vor den Mund. Vom ungebremsten Hass und der verbalen Aggressivität in den Kommentatorenspalten dieser Seiten hat sich offenbar auch der norwegische Attentäter Anders Behring Breivik leiten lassen…“

Alle Betreiber ernsthafter, counterjihadischer Blog rufen nicht nur nie ausdrücklich zur Gewalt auf, sie rufen vielmehr sogar stets ausdrücklich zur Gewaltlosigkeit auf, sie wollen Mehrheiten erringen und demokratische Regeln durchsetzen. Das nützt ihnen nichts, Förster hat ihre Tarnung durchschaut und legt ihr Flaggschiff schonungslos offen:

„Der 46-Jährige betreibt das deutsche Blog PI – Politically Incorrect, die wohl einflussreichste in Deutschland betriebene islamfeindliche Internetseite. Will man Herre glauben, zählt PI mehr als 30.000 Besucher täglich (aha, PI ist einflussreich, wie gruselig, aber die 30.000 Klicks sind eine Erfindung von Herre? T.). Die Seite verspricht ‚News gegen den Mainstream‘ – als Mainstream begreift Herre die Islamisierung Europas (Nein, der Mainstream ist die lügenhafte und denkfaule Political Correctness, T.). Man sei proamerikanisch und proisraelisch. Trotz Letzterem finden sich auch schon mal antisemitische Blogeinträge bei PI, zuletzt bei der Diskussion um die Holocaust- Leugnung von Bischof Williamson von der Pius-Bruderschaft (Was soll das beweisen, wenn in den Kommentarspalten abweichende Meinungen auftauchen? Dazu sind die doch da! T.). Schwerpunkt des Blogs aber sind die Warnungen vor einer bevorstehenden Islamisierung Deutschlands und Europas. So kann man auf der betont sachlich und nüchtern gehaltenen Nachrichtenseite (Aha: Sachlich und nüchtern! Eben! T.) etwa von der baden-württembergischen ‚Türkenministerin‘ Bilkay Öney (SPD) lesen, die das ‚islamische Multikulti‘ fördere, oder von Subventionen für ‚Ekelkunst von Zuwanderern‘. Es wird aber auch offen gegen Homosexuelle gehetzt (leider, remember Manni, T.) und Stimmung gegen die ‚rote Gefahr‘ von Links gemacht (Die Linke IST eine Gefahr. Das war bis 1989 Konsens in unserem Land. T.).

(…) So tarnt sich die Islamphobie als ganz nachvollziehbarer Protest gegen eine Überfremdung. Dass in den vergangenen Jahren mehr Moslems aus Deutschland weggezogen als gekommen sind, wird dabei geflissentlich ignoriert. Das Konzept scheint aufzugehen. Nutzer und Leser von Poltically Incorrect haben sich inzwischen in Dutzenden Aktionsgruppen zusammengeschlossen und sind politisch in der Öffentlichkeit aktiv. Personelle Verflechtungen gibt es insbesondere zur Bürgerbewegung Pax Europa, die ebenfalls eine populistische Melange aus Antiislamismus und christlich-fundamentalen Grundsätzen pflegt. Sie ist eng vernetzt nicht nur mit dem PI-Blog, sondern auch mit der English Defense League, einer 2009 gegründeten islamfeindlichen Sammelbewegung in Großbritannien, die von Geheimdiensten der extremen Rechten zugeordnet wird und Verbindungen in militante Kreise unterhalten soll (So wird der Counterjihad auf Teufel komm raus mit Gewalt in  Verbindung gebracht, obwohl er gewaltlos gegen die mohammedanistische Gewalt argumentiert, die alltäglich und allgegenwärtig ist. T.)

„Die neue Bewegung gibt sich gesetzestreu und harmlos (in Wirklichkeit ist sie kriminell und brandgefährlich, im Gegensatz zum Jihad, meint Förster). ‚Religionskritik ist kein Rassismus‘, steht auf der Internetseite von ‚Die Freiheit‘, laut Eigenwerbung eine ‚Bürgerrechtspartei für mehr Freiheit und Demokratie‘. Gegründet wurde sie von René Stadtkewitz, der zuvor aus der Berliner CDU-Fraktion ausgeschlossen worden war, weil er den niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders zu einer Diskussionsveranstaltung eingeladen hatte. Wilders wurde durch seinen Kampf gegen eine vermeintliche Überfremdung bekannt – als er einst nach London reisen wollte, verweigerte man ihm die Einreise. Ein Prozess wegen Volksverhetzung endete mit einem Freispruch für ihn. Seine Meinungsäußerungen bewegten sich im Rahmen des Erlaubten, urteilte das Gericht. Auch das ist ein Zeichen der neuen Bewegung. Im Gegensatz zu rechtsextremen Organisationen gibt man sich gesetzestreu, beteuert seine Sympathie mit Israel und tarnt (tarnt! T.) sich als Bürgerprotest hinter unverfänglichen („unverfänglichen“! T.) Namen wie ‚Pro Deutschland‘. Diese Partei trat im Herbst bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus mit Plakaten an, die eine durchgestrichene Moschee zeigten. Es ist das Symbol, mit dem die Menschen vor fünf Jahren gegen den Moscheenbau in Köln auf die Straße gingen. Mittlerweile ist es das Logo einer ganzen landesweiten Bewegung.“

„Wehret den Anfängen“ meint dieser Text, der im Auftrag der Bundesregierung verbreitet wird (3).

In der FAZ stieß Lorenz Jäger ins gleiche Horn. Er erklärte seinen Abschied vom Konservatismus, was ich mit Schmunzeln zur Kenntnis nahm, und den er übrigens offenbar rechts von der CDU verortet, doch die Hauptstoßrichtung seines Aufsatzes ging ebenfalls gegen den Counterjihad und PI.

„(…) Mir leuchtet die ganze Richtung nicht mehr ein. Ich verstehe nicht, warum der Konservative, zum Beispiel, den menschengemachten Klimawandel für Panikmache von Gutmenschen und die Umweltauflagen gegenüber der Industrie für eine sozialistische Erfindung halten muss. Warum das Bekenntnis zu Atomkraftwerken den rechten Rechten ausmachen soll. Ich verstehe auch nicht, was an Barack Obamas Reform der Krankenversicherung so übel sein sollte – wenn man den einen wirklich problematischen Punkt der staatlichen Abtreibungsfinanzierung einmal ausnimmt.“

Das sind eigentlich nicht meine Themen, mein Thema ist der Counterjihad, aber ich finde es doch bezeichnend, dass ein ungeheure Hysterie unser Land angesichts Fukushimas ergriff, dass wir eine Spitzentechnologie freiwillig preisgeben, und dass wir nun im Interesse, politisch korrekt zu sein, erhöhte Strompreise für Strom aus französischen Atomkraftwerken zahlen. Aber Herr Jäger kommt auch gleich zur Sache:

„Vor allem will ich nicht verstehen dass ‘lslamkritik‘ in allen Spielarten, bis hinunter zur offenen Demagogie, fast das einzige Prunk- und Ehrenzeichen konservativer Politik geworden ist. Natürlich verstehe ich es doch. Denn es scheint die einzige Chance neuer rechter, populistischer Parteien und Bewegungen in Europa zu sein, mit diesem Thema einen Wahlerfolg zu landen. Das hat nicht funktioniert – die Partei ‚Die Freiheit’ von René Stadtkewitz kam bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus gerade einmal auf ein Prozent. Die ähnlich ausgerichtete Konkurrenz ‚Pro Deutschland’ erreichte 1,2 Prozent. Aber nicht der Nüsserfolg auf FDP-Niveau ist das Entscheidende, sondern die Sache selbst. Diese Sache ist der Pseudokonservativismus, den man auch Neokonservativismus nennen kann. Einerseits ist man superpatriotisch, andererseits weltpolitisch-missionarisch.“

Diese Position der „klassischen“ amerikanischen Neocons ist in der deutschen Counterjihad-Szene m.E. tatsächlich eher selten anzutreffen (Ich stimme hier übrigens mit den Neocons überein).

„Sozialpolitik sei von Übel, der Großindustrie gehört alle Sympathie. Und dass diese Tendenz das Wort ‚konservativ’ erfolgreich für sich monopolisieren konnte, ist eine Schande für die einstmals achtenswerte Gedankenweit eines Edmund Burke. Damit kommt man auf das Ursprungsland dieser Gedanken, die Vereinigten Staaten. Von dort beziehen die europäischen Populisten einen Großteil ihrer Ideologie, etwa aus dem Blog ‚Frontpage’ von David Horowitz (Es heißt „Frontpage Magazine“, T.) , den man mit der deutschen ‚Achse des Guten’ von Henryk M. Broder vergleichen kann.“

Broder, Broder, Broder. Und dann wird natürlich Geert aus der Puppenkiste gezaubert, wie immer blondiert:

„Aus den Niederlanden kommen die praktischen Rezepte des Populismus. Geert Wilders, der Mann mit dem echt blondierten Haar, ist das Idol von Stadtkewitz; so wie dieser glaubte der Berliner triumphieren zu können… Wilders war es, der den Islam – nicht den Islamismus! – mit Faschismus und Kommunismus gleichsetzte, der ein Verbot des Korans forderte, analog zum Verbot von Hitlers ‚Mein Kampf’.“

Ungeheuerlich, Geert setzt den Islam und nicht den Islamismus (der tatsächlich eine pure Propagandaerfindung der Orks und ihrer Dimmie-Agenten ist) mit anderen totalitären Ideologien gleich. Aber der ist doch eine Re-li-gi-on, der ist doch sa-kro-sankt! Und jetzt wird PI aber so was von abgewatscht:

„Am unteren Ende des Niveaus (Beurteilt wird das von dem Herren rechts, T.) stehen die Blogger von ‚Politically Incorrect’, einer hauptsächlich islamkritischen Internetseite. Wenn sie sich schon im Titel ‚proisraelisch’ und ‚proamerikanisch’ nennen, dann bedeutet das nur: Sie klinken sich in Strategien ein, an deren Planung und Formulierung sie keinen Anteil haben. Sie sind so etwas wie eingeborene Hilfstruppen, Askaris, Fremdenlegionäre. Sie beziehen ihre Ideologie aus zweiter Hand – und setzen ihren ganzen Stolz darein. Insofern sind sie wirklich so dumpf und stumpf, wie man es von der Rechten immer behauptet hat. Der eigentliche Witz dabei ist, dass ‚PI’ vorgibt, eine Haltung jenseits des ‚Mainstreams’ einzunehmen (Was das Blog in Wirklichkeit, so Jäger, gar nicht tut, weshalb er es aber trotzdem doof findet. T.) – just in dem Augenblick, da ein ehemaliger Verteidigungsminister der Bundesrepublik beim ‚Center for Strategic and International Studies’ in Washingten anheuert.

(…) Neokonservativ, das ist, diesseits und jenseits des Atlantiks, die eigentliche Kriegspartei. Und es sind die schärfsten Islamkritiker, die meistens auch einer Nebenbeschäftigung als Kriegsverkäufer nachgehen. Wenn es gute konservative Tradition ist, auf Wehrfähigkeit zu halten, so ist es doch vermessen, nach Art solcher Abenteurer die ganze Welt beglücken zu wollen. Abenteurer wie Daniel Pipes etwa, eine Größe der Islamkritik, der im vergangenen Jahr mal eben einen Krieg gegen Iran beginnen wollte. Oder ist es umgekehrt, und die Islamkritik ist nur der intellektuelle Arm solcher Strategen?“

Ja vielleicht, oder auch nicht? Zurück beim Konservatismus, der nach Jägers Ansicht also keinesfalls counterjihadisch orientiert sein darf, erklärt er uns, was wahrer Konservatismus ist:

„Genuin konservativ wäre es, die Vorschläge Barack Obamas zum Friedensprozess im Nahen Osten – Israel in den Grenzen von 1967 – ernster zu nehmen als die expansiven Anliegen der israelischen Siedler.“

Mit diesen Vorstellungen, die die Sicherheit der israelischen Demokratie sehr gefährden, eckt der kleine Pallie-Freund übrigens auch bei counterjihadischen Linken an:

 „… treffen sich die Rechten in diesen außenpolitischen Vorstellungen ganz mit den Linksextremen von ‚Konkret’, der ‚Jungle World’ oder den ‚Bahamas’. Antideutsch und überdeutsch spielen uns einen Streit vor, aber wir sehen sie Arm in Arm. Und plötzlich findet sich der genuine Konservative, der vermeintliche Militarist, in der ungewohnten Rolle des Pazifisten wieder.“

Nein, nicht in der des Pazifisten, in der bekannten Rolle des Judenhassers.

„Genuin konservativ zu sein würde vor allem zweierlei bedeuten: ein Gefühl für das Gewicht der Wirklichkeit zu haben; daraus folgt von selbst eine Mäßigung.“

Etwas mehr Mäßigung bitte bei der Abschaffung der FGM, bei der Propaganda gegen Ehrenmorde und Steinigungen, etwas mehr Mäßigung bei der Verteidigung der israelischen Demokratie, bitte mehr Mäßigung bei der Kritik an Sklavenjägern, Räubern und Kindesmissbrauchern, meint Lorenz al‘ Jäger.

„Und – nicht weniger wichtig – jedenfalls die Sehnsucht nach Maßstäben, die von oben kommen, vielleicht von Gott. Aber das ist die Sache von Einzelnen, keine Partei und kein Volkstribun wird’s richten. Das war’s, Kameraden.“

Nein nicht von Gott, Lorenz, den meinen sie doch nicht. Über den wird in „Kirchen“ nachgedacht, nicht in „Gotteshäusern“. In „Gotteshäusern“ wird Alla um den Sieg angefleht, von den „Gotteskriegern“, die einen „heiligen Krieg“ kämpfen. Das ist Ihr neuer Bezugsrahmen, nicht ein „Konservatismus“ oder „Liberalismus“ welcher Art auch immer, und sicher auch nicht Christen- und Judentum. Ihr neuer Bezugsrahmen ist der „Mohammedanismus“, der wie Nationalsozialismus und Bolschewismus grundsätzlich eine totalitäre Gesellschaftsform begründet und daher vollständig DEKONSTRUIERT werden muss.

Rühren!

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Time am 5. Oktober 2011

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1) http://www.pi-news.net/2011/10/multikulturalisten-erklaren-islamkritikern-krieg/
2) http://www.fluter.de/de/protestieren/heft/9755/
3) http://de.wikipedia.org/wiki/Bundeszentrale_für_politische_Bildung

Eine weitere Konversion?

13. Dezember 2010

Die Bekehrung des Saulus, Michelangelo 1542-45

Ja was ist denn das? Wechselt da ein weiterer FAZ-Ali auf unsere Seite über (1)? Lorenz Jäger (2), der in diesem Blog schon mehrfach verspottet wurde, hat in der heutigen FAZ einen Artikel über das jüngste Treffen europäischer Counterjihadis mit israelischen Counterjihadis in Israel abgeliefert, welcher völlig ohne Hasstiraden auskommt.

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Reise nach  Jerusalem

Nicht ohne meine Kippa: Die FPÖ und die Siedler

Eine illustre Gesellschaft: Der Vorsitzende der rechtspopulistischen FPÖ, Heinz-Christian Strache, der Belgier Filip Dewinter vom ähnlich ausgerichteten „Vlaams Belang“ und Patrik Brinkmann von der Bewegung Pro-NRW waren in der vergangenen Woche zu Besuch in Israel. Mit von der Partie waren auch René Stadtkewitz, bis vor kurzem für die CDU im Berliner Abgeordnetenhaus, als Kämpfer gegen Moscheebauten regional bekannt und Mitbegründer der Rechtsgruppierung „Die Freiheit“, und Kent Ekeroth von den gleichfalls patriotisch-antiislamischen „Schwedendemokraten“. Auf dem Programm stand der Besuch einer Siedlung im Westjordanland. Geführt wurde die Delegation dort von Gershon Mesika, dem Chef des Regionalrats. Strache versicherte den Siedlern: „Unser Herz ist mit Euch!“, wie die Zeitung „Haaretz“ meldete.

Dann ging es zu einer Tagung in der israelischen Stadt Ashkelon, wo über „Strategien gegen den islamischen Terror“ beraten wurde. Auch ein Besuch in der Knesset, dem israelischen Parlament, stand auf dem Programm. Nach einer Pressemitteilung der FPÖ wurde die Delegation dabei von Ariel Shomer betreut, dem ehemaligen Kabinettschef von Staatspräsident Ezer Weizman. „Anschließend gab es Gespräche mit Abgeordneten der Knesset wie etwa Rabbi Nissim Zeev.“ Letzterer gilt als entschiedener Anwalt der Siedler, die sich in den von Israel besetzten Gebieten eingerichtet haben.

Schon seit einiger Zeit konnte man beobachten, dass jene europäische Rechte, die ihren Hauptgegner im Islam sehen will, nach Kontakten in Israel sucht. Wächst jetzt zusammen, was zusammengehört? Oder ist es ein durchsichtiger Kunstgriff, um künftigen Protest aus Israel gegen eine mögliche Regierungsbeteiligung rechtspopulistischer Parteien vorzeitig auszuhebeln? Das wäre eine kurzsichtige Interpretation. Die Reise nach Israel ist ein strategischer, kein taktischer Schachzug der Euro-Rechten; sie ist die Fortsetzung des Kampfes gegen die Moscheen mit anderen Mitteln. Nach der schlichten Maxime: Der Feind meines Feindes ist mein Freund.

Offenbar denken manche in Israel ähnlich. Als Geert Wilders und Stadtkewitz im Oktober gemeinsam in Berlin auftraten, um gegen den „Islamismus“ Front zu machen, da war unter den Gastrednern auch Elie Cohen, einst Knesset-Abgeordneter der radikalnationalistischen Partei „Israel Beitenu“ von Außenminister Avigdor Lieberman. Und unmittelbar vor der FPÖ war Wilders nach Jerusalem gereist, um sich mit Lieberman zu treffen.

Auch bei einem Kongress der islamkritischen Bewegung „Pro Deutschland“ im Sommer gab es eine Grußadresse aus Israel. Sie stammte von Joel Bell, der eigentlich teilnehmen wollte, aber dann verhindert war. Joel Bell ist der Kopf einer gar nicht so obskuren, der Likud-Partei nahestehenden Vereinigung, die sich „Biblical Zionists“ nennt. Unter „biblischem“ Zionismus versteht man hier, dass die Grenzen Israels von Gott gezogen wurden und niemals Verhandlungssache eines politischen Prozesses sein dürfen. Solche religiös grundierten Gedanken dürften vor allem amerikanischen Evangelikalen plausibel sein.

Das Resultat der rechten Pilgerfahrt nach Israel ist eine „Jerusalemer Erklärung“, die am 7. Dezember veröffentlicht wurde. Sie klingt nun so, dass sie problemlos als Leitantrag auf einem CDU-Parteitag durchgehen könnte: „Die Grundlage unserer politischen Tätigkeit ist unser unverbrüchliches Bekenntnis zu Demokratie und freiheitlichem Rechtsstaat, zu den Menschenrechten im Sinne der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, zum Völkerrecht und zum Wertekanon der westlichen Zivilisation, der auf dem geistigen Erbe der griechisch-römischen Antike, der jüdisch-christlichen kulturellen Werte, des Humanismus und der Aufklärung basiert.“

Nach den totalitären Systemen stehe die Menschheit weltweit vor einer „neuen totalitären Bedrohung“ – dem fundamentalistischen Islam. „Wir betrachten uns“, erklären die Abgesandten, „als Teil des weltweiten Kampfes der Verteidiger von Demokratie und Menschenrechten gegenüber allen totalitären Systemen und deren Helfershelfern. Damit stehen wir an vorderster Front des Kampfes für die westlich-demokratische Wertegemeinschaft.“

Israel sei die „einzige wirkliche Demokratie im Nahen Osten“ und „wichtiger Ansprechpartner in dieser bewegten Weltregion“. Und nun kommt der Punkt, der für die Gesprächspartner auf der israelischen Rechten entscheidend sein dürfte: „Ohne jede Einschränkung bekennen wir uns zum Existenzrecht des Staates Israel innerhalb sicherer und völkerrechtlich anerkannter Grenzen. Ebenso ist das Recht Israels auf Selbstverteidigung gegenüber allen Aggressionen, insbesondere gegenüber islamischem Terror, zu akzeptieren.“

Die Bundesrepublik hat nun, erstmals in ihrer Geschichte seit den frühen sechziger Jahren, nicht nur eine proisraelische, keiner Palästinensersympathie mehr verdächtige Linke, deren Organe von „Konkret“ bis zur „Jungle World“ reichen. Sie hat auch eine ebenso gestimmte Rechte. Ein Datum, das man sich notieren sollte.

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Time am 13. Dezember 2010

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1) http://madrasaoftime.wordpress.com/2010/11/17/die-bekehrung/
2) https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/05/06/quo-vadis-faz/

Quo vadis, FAZ?

6. Mai 2010

Immer der Erste in der Redaktion: Lorenz Jäger

Ausländische Kollegen versuchten mich manchmal mit der Bemerkung zu necken, das dünnste Buch der Welt sei das des deutschen Humors. Ich kenne mich mit Ausländern zu wenig aus, als dass ich das in den Vergleich setzen, beurteilen oder bestätigen könnte. In meiner Familie lachen wir jedenfalls gern und häufig – auch über uns selbst.

Aber manchmal denke ich, dass doch ein bißchen daran ist. Jedenfalls gibt es bestimmt gewisse Marken, die bei bestimmten Mitbürgern bestimmte Reflexe auslösen, obwohl eine entspannte oder humorvolle Sicht angebrachter wäre. In der m.E. zweitbesten Zeitung Deutschlands, der „Welt“, brachte Jaques Schuster gestern einen Kommentar (1) über das dänische Künstlerduo „Surrend“ (was immer mit „Surrend“ gemeint sein soll… „surrender“ heißt jedenfalls z.B. „Hingabe“ oder „Kapitulation“, die Verbform lautet „to surrender“).

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Dänen raus aus Dänemark

Es ist seltsam, wie sehr sich Meinungen ändern können – und die Überzeugungen dennoch dieselben bleiben. Stand Ende des neunzehnten, Anfang des zwanzigsten Jahrhundert an jeder zweiten Hauswand in Europa: „Juden, ab nach Palästina“, liest man derzeit in Berlin: „Juden, raus aus Israel“. Das dänisches Künstlerduo „Surrend“ hat Plakate in Berlin-Mitte, in Prenzlauer Berg und in Kreuzberg geklebt, die nun wie bunte Flechten um den Fuß der Häuser wuchern. ‚Endlösung‘ steht in großgedruckten Buchstaben darauf. Darunter sieht der Betrachter eine Karte des Nahen Ostens, genauer, vom Gebiet zwischen Jordantal und Mittelmeer – ohne Israel. Ramallah heißt der Staat dort. Es sei eben ein „historischer Fehler“ gewesen, „Israel zu gründen“, erklärt Jan Egesborg. „Wie der israelische Staat heute die Palästinenser behandelt, ist schrecklich“, fügt er hinzu und meint allen Ernstes: „Es gibt keine andere Antwort, als dass die Juden aus Israel eine neue Heimat finden, etwa in den USA, Deutschland oder Dänemark.“

(Die „Welt“ fühlt sich in besonderem Maße der deutsch-israelischen Freundschaft verbunden, und das finde ich richtig. Aber hier fiel doch offenbar etwas zu reflexartig der „Rollladen“ bei Herrn Schuster. Er ging „Surrend“ (2) auf den Leim, ohne zu beachten, in welche Richtung die Provokationen zielen, nämlich auf den Spaß… an der Provokation. So schrieb er:)

Darauf ließe sich einiges antworten: Man könnte die Künstler beispielsweise als Volksverhetzer anzeigen. Man könnte ihre Plakate herunterreißen und Egesborg wie seiner Kollegin Pia Bertelsen erläutern, in welche Tradition sie sich mit ihren geklebten Trompetenstößen stellen. Wer hinunter auf ihre Ebene will, der könnte im Sinne der Künstler auch den Zionismus als Kolonialismus verurteilen und gleich die Rückkehr sämtlicher europäischer Einwanderer aus Nord- und Südamerika fordern, was die Kontinente leeren und das allmählich vergreisende Europa verjüngen würde. Mit all diesen Schritten spielte man den dänischen Rabauken jedoch in die Hände, die sich schon mehrfach an den Folgen ihrer Provokationen berauscht haben.

(Sodann führte er selbst die Idee ein, die Juden sollten nicht nur nach Dänemark einwandern, sondern die Dänen sollten zudem nach Israel auswandern, was Egesborg jedenfalls nicht gesagt hatte, und was den Kommentar nicht ganz schlüssig glossenhaft zu der These führte, dass Dänemark einen ungeahnten Aufschwung nehmen würde, während die Dänen in „Palästina“ im mohammedanistischen Sumpf verschwinden würden:)

Wir sollten sie deshalb an dieser Stelle einfach ernst nehmen. Also: Zum 1. Januar 2011 steigen sämtliche jüdische Israelis in ihre ElAl-Maschinen und fliegen zum Wohnungstausch nach Kopenhagen, Arhus und Odense. Die Palästinenser, die sicher mitkommen wollen werden, müssen draußen bleiben. Zur gleichen Zeit steigen die Dänen samt ihrer Königin in die Flugzeuge der SAS, um die freigewordenen Häuser in Jerusalem, Haifa und Tel Aviv zu beziehen. Innerhalb weniger Monate wäre Dänemark – wir nennen es einfachheitshalber Disrael – das, was es trotz Smörröbröd und Mohammed-Karikaturen niemals zuvor gewesen ist: das lebhafteste, intellektuell anregendste Land Europas. Amos Oz schriebe auf Bornholm seine Romane, das Technion – Israels berühmte Hochschule – produzierte seine Nobelpreisträger nicht mehr in Haifa, sondern in Horsens, und in Viborg gäbe es endlich anständigen Humus.

Wie sähe es dagegen im Doppelreich Dänemark/Ramallah aus? Nobelpreise kämen aus der Region wohl nicht mehr. Auch die Literatur wäre längst nicht mehr so prickelnd wie bisher. Dafür würden die Filme der Olsen-Bande im Gaza-Streifen spielen, wohl aber nicht mehr so lustig sein. Und was machen wir mit dem Künstlerduo „Surrend“? Es sollte im Südlibanon Plakate gegen den Waffenschmuggel der Hisbollah kleben.

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Hier möchte ich zunächst anmerken, dass ich als Europäer stolz bin, die Dänen unter uns zu wissen. Sie sind ein tapferes und tüchtiges Volk mit einer großen Geschichte. Die Rettung der dänischen Juden z.B. „ist in der Geschichte der im Zweiten Weltkrieg besetzten Gebiete in Europa ohne Beispiel“, wie Wiki treffend bemerkt (3). Dass sie unter den Palarabern untergehen würden mag möglich sein, aber mit diesem Problem ist zur Zeit die gesamte nicht-mohammedanistische Welt konfrontiert.

Ein ganz anderes Problem mit „Surrend“ hatte in der heutigen FAZ Lorenz Jäger (4). Als Journalist der besten Zeitung Deutschlands und evidenter Israelhasser durchschaute er die Stoßrichtung der „Surrend“-Aktion sogleich.

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Satire gegen Israelkritiker – Plakatives in der Kunst

Für seine GROBEN Späße wurde das dänische Künstlerduo „Surrend“ bisher zum Vorkämpfer von Kunst- und Meinungsfreiheit ERKLÄRT. Seine neue Plakataktion, die den Staat Israel unter der Überschrift „Endlösung“ abdruckt, ist ein INFAMER Schluss auf die Absichten der ISRAELKRITIKER.

MERKWÜRDIG: Das dänische Künstlerduo „Surrend“, bestehend aus Jan Egesborg und Pia Bertelsen, GILT als frech, provokant und aufmüpfig. Dabei liegen durchweg ALLE Aktionen der beiden so HAARSCHARF auf der OFFIZIELLEN Linie des „liberalen Westens“ – wenn man den Begriff nach Art der weiland Regierung BUSH versteht –, dass es trotz der MÄSSIG amüsanten dadaistischen FASSADE dem einen oder anderen auffiel. Die TYRANNEN, gegen die sich die satirischen Aktionen richteten, waren ja eben die Oberhäupter einer erweiterten „Achse des Bösen“.

In der „Teheran Times“ plazierte man eine Anzeige mit dem Bild des Präsidenten Ahmadineschad; senkrecht gelesen, ergaben die Anfangsbuchstaben das Wort „swine“. In der „Tripoli Post“ schaltete man eine Anzeige mit der Adresse „citanulifaddag 2200, Nørrebro, Kopenhagen“, was rückwärts gelesen die Worte „Gaddafi“ und „lunatic“ (Verrückter) ergab. Im Mai 2007 klebte man in Wien vor dem Besuch Wladimir Putins Plakate, die den Präsidenten im Mittelpunkt einer Zielscheibe zeigten. Darüber stand: „Erschießt Putin“, kleingedruckt darunter: „Journalisten?“. In Berlin zeigte die Gruppe vor zwei Jahren das Bild eines Steinheiligtums, das offensichtlich der Kaaba in Mekka nachempfunden war. Bildunterschrift: „Dummer Stein“.

Auf „Missstände in der katholischen Kirche aufmerksam machen“ wollte Egesborg nach eigenem Bekunden, als er 2007 Papst Johannes Paul II. in der Hölle schmoren ließ und ihm dabei auf Polnisch die Worte in den Mund legte: „Zu Beginn meines Aufenthaltes hier in der Mitte des Feuers war ich natürlich ein wenig verstimmt darüber, dass ich als langjähriger, treuer Diener Gottes mit so übertriebenen Typen wie Goebbels und Himmler in den Flammen der Hölle enden sollte. Die beiden sind im Übrigen gar nicht so übel, wenn man sie näher kennenlernt.“ Gegen den „Populismus“ der Linkspartei plakatierte man Bilder von Erich Honecker.

(Als Kritik Jägers an „Surrend“ erscheint hier überwiegend, dass die Verhohnepiepelung von „Tyrannen“ der mohammedanistischen Sphäre aus dem Schutz des Westens vorgenommen nicht mutig oder provokant sei. Hingegen hat der Counterjihad m.E. eher das Problem, dass seine Erkenntnisse und Ansichten eben grade nicht „offizielle Linie“ sind. Kein Problem hat Jäger wiederum mit der Herabsetzung des Papstes. Im nächsten Abschnitt jedoch kommt er zur Sache.)

Infame Kritik der Kritiker

Wie gesagt: All dies wurde GOUTIERT und WEITLÄUFIG mit Ausstellungen und Artikeln in Kunstzeitschriften BELOHNT. Wer KRITIK übte, galt als potentieller ZENSOR, SPASSVERDERBER oder FUNDAMENTALIST. Für „Surrend“ zu sein, das bedeutete, wie der SPD-Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte 2008 erklärte, ein Zeichen „für die Freiheit von Kunst und Kultur“ zu setzen. Nun aber ist die Aufregung groß. Denn in Berlin plakatierte das Duo erneut, diesmal mit einer Landkarte Israels – allein der Staat war ausgelöscht, und an seiner Stelle las man den Namen einer neuen Nation: „Ramallah“. Das Ganze unter der großen Überschrift „Endlösung“.

Wer die Aktionen von „Surrend“ kennt, müsste wissen, was diesmal die Absicht war. Nämlich: nicht irgendeine Attacke auf das Existenzrecht Israels. Vielmehr soll offenbar der Kritik an bestimmten Formen der israelischen Politik durch Konsequenzmacherei der Boden entzogen werden, durch den Gestus: Schaut her, dahin wird es kommen. Durch das Wort „Endlösung“ wird INFAMERWEISE suggeriert, dass eben hierin die WAHRE, aber VERSCHWIEGENE Absicht der Israel-Kritiker liege.

Publizistische Kehrtwende

Es ist kein GUTES Zeichen für den ZUSTAND der deutschen ÖFFENTLICHKEIT, wenn sie erst die FADENSCHEINIGEN Provokationen von „Surrend“ als widerständige politische Kunst FEIERT und nun meint, so habe man doch nicht gewettet. Hervorgetan in der EMPÖRUNGSRHETORIK hat sich vor allem der ohnehin NICHT übermäßig DIFFERENZIERT argumentierende Benjamin Weinthal, Deutschland-Korrespondent der „Jerusalem Post“, gelegentlich Autor im „Tagesspiegel“ und der „Welt“. Er ließ sich von Klaus Wowereit erklären: „Am Existenzrecht Israels kann es überhaupt keine Zweifel geben. Diese Art von Satire trifft nicht meinen Geschmack.“

In der „Welt“ spricht Jacques Schuster nun von „dänischen Rabauken“. So MARKIGE Worte hätte man gern FRÜHER gehört. Aber bislang – JUST SO LANGE, WIE ES GEGEN DEN ISLAM GING – hatte gerade dieses BLATT die „satirischen Aktionen“ der „Künstlergruppe“ stets mit WOHLWOLLENDER Berichterstattung BEDACHT.

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Ich denke nicht, dass bei mir durch eine spezielle Marke ein spezieller Reflex ausgelöst worden wäre, ein „Rollladen“ heruntergefallen ist, der mich die versteckte Satire in Jägers Text nicht erkennen lässt (Das Portraitfoto habe ich erst rausgesucht, als der Text schon vollständig fertig war, Ehrenwort!).

Ich meine, er ist ganz im Ernst der Ansicht, man hätte der Gruppe ihre Aktionen gegen den Fieslahm und seine Tyrannen von Anfang an untersagen oder sie verurteilen bzw. mit Stillschweigen strafen müssen.

Jäger wirft der „Welt“ ihre tendenziell fieslahmkritische Haltung vor, und er baut seinen Artikel, der getrieben ist von dem Zwang, etwas gegen die Fieslahmkritik abzuliefern, auf der lügenhaften Unterstellung auf, die „Welt“ würde angesichts der aktuellen „Surrend“-Aktion eine „Kehrtwende“ vornehmen (was tatsächlich gar nicht der Fall ist, wovon Sie sich oben überzeugen können).

Er zeiht die Kritik an der Israelkritik dreimal der Infamie. Seine schäumenden Worte sind weit mehr als Dimmi-Geplapper, Schneck Jäger ist ein Ork-Agent und ein Schleimproduzent vor dem Herrn. Diesbezüglich sei auch an seine Positionen in Bezug auf den hessischen „Kulturpreis-Eklat“ im letzten Jahr erinnert (5).

Nach der widerlichen Herabsetzung Prinz Eugens durch Dirk Schneck Schäumer vorgestern und der Aufforderung Georg Schneck Heftys an die CDU, sie solle „christlich“ und „demokratisch“ streichen und durch „Menschenwürde“ ersetzen, um für Mohammedanisten kompatibel zu werden, ist die nun der dritte jihadische Artikel in der FAZ in Folge. Wohin Lorenz Jäger (6) geht wissen wir (nämlich jeden Freitag in die Muschie, höhöhö) – aber: Wohin geht die FAZ?

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Time am 6. März 2010

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1) http://www.welt.de/die-welt/kultur/article7479395/Daenen-raus-aus-Daenemark.html
2) http://www.surrend.org/
3) http://de.wikipedia.org/wiki/Rettung_der_dänischen_Juden
4) http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~EFBD65A8D4DD7435A90A4F3E29A3A5AA1~ATpl~Ecommon~Scontent.html
5) http://m.faz.net/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E84AD904FCB074CDAA50E4C4CF7CD4E87~ATpl~Epartner~Ssevenval~Scontent.xml
auch: https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/05/15/die-kunststunde-ii/
https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/05/16/steinackers-erklarung/
6) http://www.faz.net/s/RubD87FF48828064DAA974C2FF3CC5F6867/Doc~EECEE772FB3174700BC3C3709FACA7237~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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Grade entdeckt, „Lizas Welt“ zum selben Thema und sehr lesenswert unter http://www.lizaswelt.net/2010/05/judenjager.html

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Ergänzung, Statement „Surrend“:

Surrend statement about Israeli poster in Berlin

Our latest art-poster in Berlin have created a lot of fuss, so now its time for a comment. First of all: Surrend are not anti-semitic (Jan Egesborg is jewish and not a misantrop!) not do we want Israel to be wiped away from the map! Want we wanted with our poster was in a German context to discuss Israels opression of the palestinians and also show that you will be attacked for being anti-semitic etc. when you come with such a critism. We used the word endlösung in our poster because its a taboo-word in Germany and only to provoke a discussion. Jan Egesborg has been quoted for saying: „There is no other answer but for the Jews of Israel to find a new homeland, perhaps in the USA, Germany or Denmark“ – which ONLY was a satirical provocation. Again – we dont want the Israelis to leave their homes – we just want the Israeli state to behave fair towards the palestinians. Surrend had before poked fun at Ahmadinejad, Hizbollah, NPD, Linke – so we are not part of any anti-jewish or anti-Israeli-constellation!!

http://www.myanmaar.com/

„Surrend“ mag hier und da Freund des Counterjihad sein, dass die das Problem nicht wirklich begriffen haben, zeigen sie aber m.E. mit obiger Äußerung. Besonders interessant ist für mich aber ohnehin die gradezu fanatische Reaktion Jägers, welche „Lizas Welt“ gut herausstellt, und – leider – die Tatsache, dass er die FAZ als Forum nutzen darf.

Die Kulturpreisdebatte geht weiter…

19. Mai 2009

… BIS DAS ORK DEN PREIS DOCH NOCH KRIEGT?

Zum Thema Kulturpreisdebatte stellt die FAZ heute reichlich Material zur Verfügung.

Da gibt es zunächst die Glosse „Kermani und das Kreuz“, die online und gedruckt bis auf Über- und Zwischentitel gleich ist. In der Online-Version ist die Angelegenheit vom „Eklat“ (Aufsehen, Knall, Skandal) zur „Affäre“ (1. besondere, oft unangenehme Angelegenheit, 2. Liebesabenteuer) und mithin etwas Schlüprigem mutiert. Ein Zwischentitel kanzelt Lehmann und Steinacker als „Glaubensfunktionäre“ ab. Lorenz Jäger, der behauptet, Kermani sei der Preis aberkannt worden, obwohl er erst am 5. Juli verliehen werden sollte, was jetzt auf den Herbst verschoben wird, lenkt nur scheinbar ein: „Man sollte Kardinal Lehmann auch DANKBAR sein: Ein donnernder Eklat ist der DICKEN Luft im KULTURPARADIES vorzuziehen. Denn wenn der Konflikt um das Kreuz Sinn beanspruchen kann, dann in zweierlei Hinsicht. Erstens ist er ein Widerstreit zweier Sprachen. Da hat man das über Jahrzehnte erprobte GREMIEN-IDIOM, das sich in der HÖHENLUFT des OFFIZIELLEN bewährt haben mag, das aber für DIE Menschen, DIE Gläubigen, ja die SEELEN nun mit einem Schlag als unzureichend ERKANNT ist. Auf die VERSUCHENDE, sicher auch herausfordernde Sprache von SELBSTDENKERN (Jaja, NUR IHR seid Menschen, Gläubige, Seelen und Selbstdenker, T.) wie Kermani ist der Diskurs der FUNKTIONÄRE nicht vorbereitet.

Vielleicht noch wichtiger aber ist ein anderer, kaum JE ausgesprochener Aspekt der Debatte. Er betrifft die KREUZIGUNGSLEHRE der Kirchen selbst. Was hinter den SCHEINBAR entschlossenen Einlassungen Steinackers und Kardinal Lehmanns in den Hintergrund zu treten droht, ist die Tatsache, dass sich in DEN Osterpredigten beider Konfessionen eine tiefe UNSICHERHEIT über den SINN des Kreuzes auftat: Sühneopfer oder bloßes „Symbol der Solidarität“ Gottes? Nun also ist bis zum Herbst Zeit für eine ECHTE Klärung.“

Na, das ist wirklich super, denn bis zum Herbst kann der kleine Lorenz noch ganz, ganz viele dufte Glossen schreiben, mit deren Hilfe die christlichen Lehren dann nach 2000 Jahren Geschichte vielleicht endlich mal geklärt werden können. Und vielleicht findet er bis dahin sogar mal in einen Gottesdienst. Was für eine Ignoranz! Und so etwas in der FAZ!

Nun ja, eine nationale Zeitung ist auch eine große Wirtschaftsunternehmung, und eine Debatte am Laufen zu halten ist sicher auflagenfördernd. Dies mag man sich in der Redaktion gedacht haben, als man Friedrich Wilhelm Graf anheuerte. Über ihn heißt es bei Wiki (1): „Am 3. Mai 2003 wurde in der SZ von F. W. Graf ein Artikel veröffentlicht, in der die ev.-luth. Bayrische Landeskirche im Allgemeinen und ihr Ausbildungskonzept im Besonderen in Frage gestellt wurde („Unkulturprotestantismus – Die bayerische Landeskirche ist auf dem Weg zur Sekte“). Der sehr polemisch gehaltene Artikel löste eine über Monate andauernde öffentliche Debatte aus. Auch seine feuilletonistische Auseinandersetzung mit dem Auftreten eines selbstbewußten Atheismus in Gestalt Richard Dawkins und Christopher Hitchens fiel besonders durch kämpferische Polemik statt durch wissenschaftliche Sachlichkeit und Zurückhaltung auf.“

Hier sein Aufsatz:

Kant hat dasselbe wie Kermani gelehrt

Endlich einmal gab es im Gespräch der Religionen mehr als Kompromissformeln von Gremien. Aber da versagten die LESEKÜNSTE zweier Kirchenmänner.

Im Streit um „Dominus Jesus“, die Erklärung der Glaubenskongregation, dass allein die römisch-katholische Kirche wahre Kirche Jesu Christi sei, suchte Karl Kardinal Lehmann im Herbst 2000 in BLUMIGEN Worten zu BESCHWICHTIGEN. Der „Welt am Sonntag“ erklärte er, man müsse solche Lehrtexte im „größeren Zusammenhang anderer römischer Verlautbarungen“ würdigen. Es entspreche „guter theologischer Übung, Texte in ihrer ganzen Dimension zu erschließen und auszulegen, sie einzuordnen“. Allerdings „habe ich das Gefühl, dass die Kunst, solche Dokumente angemessen und sinngerecht zu lesen, auch in unseren eigenen Reihen eigentlich immer seltener anzutreffen ist“, fügte der Mainzer Bischof selbstkritisch hinzu.

Man darf dies nun als prophetische Einsicht preisen. Sein INFAMER Brief an Ministerpräsident Roland Koch, mit dem er die Vergabe des Hessischen Kulturpreises an Navid Kermani HINTERTRIEBEN hat, lässt KEINERLEI Bereitschaft erkennen, einen ANSPRUCHSVOLLEN religiösen Text in seiner „ganzen Dimension“ zu erschließen. Auch die theologischen LESEKÜNSTE Peter Steinackers, des einstigen Präsidenten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, sind nur SCHWACH entwickelt. Wer Kermanis Glaubensessays kennt, kann die von Lehmann und Steinacker erhobenen Vorwürfe nur für gegenstandslos erklären.

Navid Kermani ist kein intoleranter Feind des Christentums, der dessen „Zentralsymbol“, das Kreuz, verunglimpft, sondern ein FROMMER MUSLIMISCHER RELIGIONSINTELLEKTUELLER (what the hell is THAT? T.), der SEINEN Gott (ähem, wie hieß es noch gleich, das höchste Wesen der Orks, war das nicht ALLA? T.) auf GANZ EIGENE Weise verehrt und sich dabei EINFÜHLSAM auch den INNEREN Sinn christlicher FRÖMMIGKEIT zu erschließen sucht. KEIN ANDERER unter den wenigen muslimischen Intellektuellen im Lande hat seit Jahren vergleichbar kundig und verständnisbereit die in sich spannungsreichen christlichen Symbolwelten ernst genommen (Na, das mag sein, denn NICHTS ist zumindest DAS, T.). Kann dies den HERREN Lehmann und Steinacker ENTGANGEN sein? Eine Antwort fällt schwer. Denn entweder muss man ihnen einen ERSCHRECKENDEN MANGEL AN theologischer BILDUNG oder aber einen durch ALTERSEITELKEIT und MACHTINSTINKT genährten Willen zur DENUNZIATION eines deutlich jüngeren Gelehrten attestieren, der, im Unterschied zu den HOHEN geistlichen HERREN, ja keine einflussreiche Großorganisation, sondern nur sich selbst repräsentiert (Navid gegen Goliath, T.).

Kermanis Texte changieren oft zwischen religionswissenschaftlich INFORMIERTER Glaubensanalyse und FROMMEN Bekenntnis. Wie viele christliche Gottsucher der Moderne schreibt er als BEHUTSAM TASTENDER, aber AUCH PROVOKATIV ZUSPITZENDER, um den GLAUBEN der VÄTER in eigene Einsicht zu überführen. Großbürgerlicher Habitus spiegelt sich in demonstrativer Unabhängigkeit und bisweilen stolzem MUT, die ANPASSUNG an die VERLOGENEN Konventionen des „interreligiösen Dialogs“ im Land der korporatistisch VERWALTETEN Religion zu VERWEIGERN. Mit ihm zu reden und zu streiten macht großen SPASS. Als Stipendiat der Villa Massimo hat dieser ebenso gebildete wie FROMME Autor (Hier wimmelt es ja nur so von FROMMS, T.) nun neugierig die barocke Glaubenskunst des päpstlichen Rom erkundet, bisweilen begleitet von katholischen Freunden.

Spiegelt seine ANALYSE von Guido Renis Gemälde „Die Kreuzigung“ schockierende religiöse Intoleranz oder „unversöhnliche Angriffe auf das Kreuz“? Nein, der muslimische Intellektuelle will dem Bild vom sterbenden Christus gerade Lebenssinn abgewinnen. Er schreibt nichts, was nicht auch viele christliche Denker seit HUNDERTEN von JAHREN gesagt haben (Wenn sie Gottessohnschaft, Kreuzestod, Auferstehung und Trinität ablehnen, sind sie mE. vielleicht „christlich geprägte“ aber eben keine „christlichen“ Denker, T.). Harte Kritik von Christusikonen und Kreuzigungsbildern prägen die Konfliktgeschichten der diversen Christentümer schon sehr früh. In den Bilderstürmen der Reformation zerstörten protestantische Gotteswortgläubige Tausende von Christusbildern und Kruzifixen (Was nichts weiter als barbarische Akte waren, die kein christlicher Theologe heutzutage rechtfertigen sollte, T.), weil sie in ihnen gotteslästerliche Idolatrie sahen. Kierkegaard, Dostojewski und Tolstoi haben über die amtskirchlich autoritäre Verfälschung des Christusglaubens ungleich härter geurteilt als Kermani, der Benedikt XVI. viel freundlicher würdigt als die große Mehrheit der deutschen Katholiken (All dies hat mE. nichts damit zu tun, dass Kermani in seinem Text leider zentrale Dogmen des Christentum rigoros ablehnt und herabsetzt, T.).

Man wird von einem Kardinal keine innere Distanz zu volksFROMMER katholischer BILDMAGIE, der Anbetung Christi im KreuzesBILD, erwarten dürfen. Aber vom protestantischen Kirchenpräsidenten wünschte man sich schon ein WENIG GEBILDETES Verständnis dafür, dass „das Kreuz“ ein polyvalentes, in der Christentumsgeschichte fortwährend umstrittenes Symbol ist. Kermanis These, der Jude Jesus von Nazareth sei „nicht Sohn Gottes“, haben zahlreiche Theologen vertreten (interessant, waren das CHRISTLICHE Theologen? Tststs, was sich so alles „Theologe“ schimpft… naja, es gibt ja auch „Friedensforscher“, „Farbberater“ usw. usf., T.). Nun hat der Dogmatikprofessor Karl Lehmann die gelehrte Unterscheidung von geschichtlichem Jesus und verkündigtem Christus 1985 zu einer „verhängnisvollen Alternative“ erklärt, gegen die große Mehrheit katholischer Neutestamentler. Aber dies gibt ihm NICHT das RECHT, einen DENKENDEN Muslim (äääh, was ist DAS denn? T.) zu DENUNZIEREN, wenn dieser in SUBTILER Bildmeditation kirchliche Lehrformeln PROBLEMATISIERT (nein, er verwirft und verlacht sie, T.) – dogmatische Deutungsmuster, die christliche Theologen seit mindestens DREIHUNDERT Jahren kontrovers diskutieren. ICH hatte Kermanis Artikel an Theologiestudierende verteilt. Weil ich sie antichristliche Intoleranz lehren will? Nein, weil seine Texte WUNDERSCHÖNE Beispiele für jene Fortschreibung des Glaubens sind, die Religionsforscher HYBRIDISIERUNG nennen, Übernahme von Symbolen der einen Religion in die Sinnbilder einer anderen, bezeichnen (o-oh, da wird die Umma ja bald einen neuen Konvertiten und Geleerten willkommen heißen dürfen! Lesen Sie hierzu unbedingt Manfreds Ausführungen zum Synkretismus (2), T.).

Kein anderes Problemfeld christlicher Lehre ist so umstritten wie die SOTERIOLOGIE, die begrifflich voraussetzungsreiche Lehre von der Heilsbedeutung Jesu Christi und seines Kreuzestodes. „Wahrer Gott und wahrer Mensch“, „eine Person mit zwei Naturen“, Golgatha und leeres Grab sind wahrlich schwierige Themen. Es ist intellektuell UNREDLICH, wenn die EINST Systematische Theologie lehrenden Herren Lehmann und Steinacker SO TUN, als bewege man sich in der CHRISTOLOGIE nicht in einem dicht VERMINTEN Feld UNGELÖSTER PROBLEME (Na logo, je mehr Wörter mit „-logie“ man verwendet, desto logischer der Text! T.).

Nur ein Beispiel: Wer von Jesu Kreuzestod spricht, muss die Rede vom „Tod des lebendigen Gottes“ (Eberhard Jüngel) als christlich legitim anerkennen. Darf ein gottgläubiger Muslim (Mohammedanisten sind NICHT gott- sondern allagläubig! Und deshalb strecken sie zum Gebet auch ihren Allawertesten zu ihm nach oben in die Luft! T.) dann nicht seine Schwierigkeiten mit dem christlichen Symbolsystem bekunden (Es geht darum, dass Kermani für seine stolze Ablehnung des Dialogs nicht mit einem Preis, der das Führen eines Dialogs auszeichnen soll, geehrt werden sollte, T.)? Am Karfreitag geht es um das definitive Ende der autoritären Metaphysik vom allmächtigen Gott. „O große Not! Gott selbst liegt tot. Am Kreuz ist er gestorben; hat dadurch das Himmelreich uns aus Lieb erworben“ lautet die zweite Strophe eines ursprünglich katholischen Chorals, vom Lutheraner Johannes Rist 1641 gedichtet. Vom genuin christologischen Sinn der Rede vom Tode Gottes hat Kermani mehr erfasst als ein Mainzer Bischof, der, ich kann es nicht für wahr halten, am Karfreitag „das Kreuz verehrt“. Ich DACHTE bisher (Es spricht ein Prof. für Systematische Theologie! T.), dass für Christen nicht „das Kreuz“, sondern der gekreuzigte Jesus lebenswichtig ist (Genau darum geht es Lehmann und Steinacker doch! Und es geht darum, dass Jesus viehisch gefoltert und ermordet wurde, im Gegensatz zu einem gewissen Klo H. Metzel, der mit Leidenschaft viehisch folterte und mordete, und der deshalb von 1,3 Mrd. Verblendeten verehrt wird! T.). Die Erinnerung an seine Passion diente Christen immer auch dazu, ihre eigene Sterblichkeit zu reflektieren.

Kermani nimmt den Gekreuzigten ernst, indem er in Renis Christus den idealen Repräsentanten der sterblichen Menschheit sieht: „jeder Tote, jederzeit, an jedem Ort“ (Nein, Jesus und den Christen geht es mE. nicht um die Tragik des vergänglichen Lebens, einen Aufstand gegen DEN Tod. Es geht um die Idee, dass die beste Art des ZusammenLEBENS die ist, Gottes Gebote zu befolgen und IHN zu lieben und IHM zu vertrauen! T.). Kant, Hegel, Schleiermacher (ganz, ganz schwere Geschütze fährt er da auf, indes, ohne Goethe und Lessing wird es kaum gelingen, T.) haben NICHT ANDERS gelehrt. Auch ist radikale Kritik an der religiösen VERKLÄRUNG barbarischen Leidens („Verklärung“ findet bei KERMANI statt, T.) ein uralter Topos in den innerchristlichen DEUTUNGSKÄMPFEN um Jesu HEILSTOD. Vom „spekulativen Karfreitag“ (Hegel), der geistigen Vergegenwärtigung des einst Geschehenen zur Begründung menschlicher Freiheit, sollten habilitierte Theologen schon einmal gehört haben. Allzu DENKFAUL agieren sie nun als KIRCHENFÜRSTEN, wenn sie den Stachel des Negativen in Kermanis Text nicht ERTRAGEN können. Selbst seine Behauptung „die katholische Vorstellungswelt erscheint mir HEIDNISCH“ („Neue Zürcher Zeitung“ vom 9. Mai) entspricht nur altem reformatorischem Urteil.

Woher die episkopale AGGRESSIVITÄT gegen den muslimischen INTELLEKTUELLEN? Kermani macht in seinen Erfahrungsberichten aus dem katholischen Rom all jene innerchristlichen Konfliktlinien neu sichtbar, die man in ökumenischer KONSENSSCHUMMELEI verdrängt. Auch demonstriert er durch glaubenssprachliche KREATIVITÄT, dass vielen christlichen Theologen zu den eigenen Überlieferungen nur noch HOHLE Formelsprache, lebensferner KLERIKALJARGON einfällt (Da stimme ich teilweise zu, aber das ist wohlfeil, denn es gibt wie überall auch unter den Theologen natürlich begabtere und unbegabtere Denker und Redner, T.). Oder muss man die EPISKOPALINTRIGE schlicht aufs BELEIDIGTSEIN zweier ÄLTERER Herren zurückführen, die die INTELLEKTUELLE STRAHLKRAFT des Jüngeren nicht zu ERTRAGEN vermögen (Jetzt fängt der wieder von vorne an, nach dem Motto: „Ich bin der Herr Pastor und predige Euch was vor, und wenn ich nicht mehr weiter kann, dann fang ich wieder von vorne an!“ T.)? Lehmanns UNTERSTELLUNG, dass Kermani noch kein relevantes Lebenswerk vorzuweisen habe, ist christlich RUINÖS. Ein Blick aufs „Ganze“ eines Menschenlebens steht SELBST einem Kardinal nicht zu Gebote (dann holen wir am Besten ein paar Preisträger aus dem mohammedanistischen Kindergarten! Ach nee, gibt’s ja nicht, die unterwandern ja eher die christlichen (3). T.).

Und man wird die Jury fragen dürfen, was an Herrn Steinackers LEBENSWERK denn kulturpreiswürdig ist: Das BIEDERE KIRCHENFUNKTIONÄRSGEHABE? Die ISLAMOPHOBEN STEREOTYPEN (Jetzt ist’s raus! T.) in Vorträgen über „Absolutheitsanspruch und Toleranz“? Die seit Jahren RITUELL wiederholte KRITIK an Lessings (LESSING!!! Wir haben ihn! Und jetzt: Goethe! Goethe! Goethe! T.) Ringparabel (UN-ER-HÖRT! T,) und dem FREIEN Geist der Aufklärung (an dem nun grade nicht, T.)?

Gern BEHAUPTEN deutsche Bischöfe, dass die Christen Religion und Politik ganz aufgeklärt getrennt haben, im Unterschied zu den Muslimen (Aber das stimmt nicht? T.). Deshalb müsse man ihnen durch interreligiösen Dialog demokratische „Werte“ vermitteln (Muss man nicht? T.). HERR Steinacker wirft Navid Kermani vor, die „drei Grundsätze“ im Gespräch der Religionen verletzt zu haben. Der Vertreter der christlichen MEHRHEIT beansprucht die DEFINITIONSMACHT über Regeln des öffentlichen Diskurses in Glaubenssachen. Und er merkt nicht einmal, dass er so nur alte DISKRIMMINIERUNG fortschreibt. NIRGENDS kommt er auf die IDEE, dass zwischen Mehrheit und Minderheit Macht asymmetrisch verteilt ist.

Im System der HINKENDEN Trennung von Staat und Kirchen wird diesen VIEL MACHT eingeräumt. Nicht wenige deutsche Kirchenführer machen davon GERN Gebrauch. Eine irritierende Entwicklung lässt sich beobachten: Je mehr die tiefe Glaubenskrise und die schleichende Erosion der beiden großen Volkskirchen sichtbar werden, desto mehr setzen viele Kirchenführer auf KLERIKALMACHT. Aber die Politisierung tut dem Glauben nicht gut. Und durch ARROGANZ der BISCHOFSMACHT lässt sich der EKLATANTE MANGEL an GEISTESGEGENWART und intellektueller GLAUBWÜRDIGKEIT nicht ÜBERSPIELEN.

Die offene Gesellschaft muss um der gleichen Freiheit aller willen Kirchenmacht wie die Macht anderer Verbände demokratisch begrenzen, etwa durch Erzeugung von Öffentlichkeit. Weil Jesus Christus „Licht der Welt“ ist, „treten die Glaubenden… gegen jede Geheimpolitik und Geheimdiplomatie ein“, hat Karl Barth über „Christengemeinde und Bürgergemeinde“ geschrieben. So hat es seinen guten theologischen Sinn, dass die ARKANEN (geheimen, 4, T.) MACHTSPIELE der hohen geistlichen Herren EINMAL transparent geworden sind. Herr Steinacker hat in dieser Zeitung zwar bestritten, irgendwie Einfluss genommen zu haben. ABER (jetzt deckt Graf die Lügenintrige, die Verschwörung vollends auf, T.) will er den Leuten wirklich WEISMACHEN, ganz unabhängig von Herrn Lehmann auf die Idee gekommen zu sein, den Preis nicht anzunehmen, wenn auch der UNWÜRDIGE Herr Kermani ihn erhält? Sollte ihm der Kardinal gar nichts von seinem Brief erzählt haben? Immerhin haben sie den jungen (Alt-vs.-jung-Konstruktion, T.) Muslim in ökumenischer KOMPLIZENSCHAFT (Komplize = Mittäter oder Helfer eines Verbrechers, T.) gemeinsam via Staatskanzlei bitten lassen, seinen inkriminierten Text zu erläutern. Auch teilte der Kardinal dem Herrn Ministerpräsidenten mit, dass die Ehrung Kermanis eine Zumutung für Herrn Steinacker sei. Woher nur wusste er dies? (Und so flog durch die brilliante geistige Leistung des Herrn Graf ein abscheuliches Komplott zweier kranker und bösartiger, alter Kirchenfunktionäre gegen einen jungen, genialen und liebenswerten Mohammedanisten auf… Dieser Bewohner einer Groschenheftwelt ist Theologe an einer deutschen Universität – ich bin erschüttert! T.)

Laut HOMEPAGE des Hessischen Landtages ist der Abgeordnete Roland Koch römisch-katholischer Konfession (Ist natürlich nur vorgetäuscht, will Graf insinuieren, T.). Als Ministerpräsident und Vorsitzender der Jury des Hessischen Staatspreises hat er der „Lehrmäßigen Note zu einigen Fragen über den Einsatz und das Verhalten der Katholiken im politischen Leben“ entsprochen, die die Kongregation für die Glaubenslehre 2002 veröffentlicht hat: Vorgaben des kirchlichen Lehramtes seien gerade in religiösen und moralischen Fragen für katholische Politiker unbedingt verpflichtend. Zwischen Ostern und Pfingsten, Auferstehungsfreude und Geistausgießung darf die Öffentlichkeit nun laut über DIESE HERREN LACHEN. Da lässt sich ein PROVINZPOLITIKER, der so gern den ganz Starken, Trickreichen gibt, von zwei SPITZENKLERIKERN als KIRCHENMAUS vorführen. Und die Herren Lehmann und Steinacker GEFÄHRDEN nicht nur ihr persönliches ANSEHEN (sondern auch ihr Leben? T.), sondern werden nun GAR dafür ausgezeichnet, dass sie GROSSEN integrationspolitischen SCHADEN angerichtet haben. Aber nicht einmal das haben diese LESEKÜNSTLER gemerkt.

... puuuh… es ist vorbei, Sie können wieder unter dem Schreibtisch hervorkommen. Tja, so eine Schimpfkanonade waren Sie bisher allenfalls von Kewil oder dem angeschickerten Time gewöhnt, nicht jedoch aus der führenden Zeitung Deutschlands. Ob dieser kreischende, humorlose Rohrspatz die Auflage erhöhen wird? Ich fürchte, die Anzeigenabteilung muss recht bald doch mal wieder bei Karaffe in Kuweit (5) vorsprechen.

Erholen Sie sich jetzt bei Peter Steinacker im Interview, es fragte Stefan Toepfer:

„Auch ich stelle meine Sicht zur Disposition“

Im Streit über den Kulturpreis hat Peter Steinacker mehrfach Stellung genommen. Nun sollen „Verletzungen“ aus dem Weg geräumt werden.

FRAGE: Die Preisverleihung ist verschoben worden. Sind Sie zufrieden damit?

ANTWORT: Ja, denn es gibt nun einen Weg, fern der Öffentlichkeit über Verletzungen und Irritationen zu reden und sie, so hoffe ich, aus dem Weg zu räumen. Das bedeutet, dass auch ich meine Sicht zur Disposition stelle, sonst bräuchte ich nicht in einen solchen Dialog zu gehen.

FRAGE: Haben Sie und Kardinal Lehmann mit ihrer Kritik an Navid Kermani überreagiert?

ANTWORT: Ich empfinde das nicht so. Vielleicht bin ich dem Genuss des Artikels von Herrn Kermani, an dem sich unsere Kritik entzündete, nicht gerecht geworden und habe den Text, der einen ästhetisch-literarischen Anspruch hatte, theologisch interpretiert. Aber darum ging es mir. Ich wollte den Preis nicht einfach aus interreligiöspolitischen Gründen annehmen, um des lieben Friedens willen.

FRAGE: Wer war die treibende Kraft, Sie oder Kardinal Lehmann?

ANTWORT: Das wechselte, aber im Grundsatz waren wir uns völlig einig.

FRAGE: Wie viel Porzellan im ohnehin diffizilen interreligiösen Dialog ist nun zerschlagen?

ANTWORT: Nicht viel, denn der Dialog ist derzeit ohnehin nicht sehr offen – was zum Teil auch an den Muslimen liegt. Ich hätte erwartet, dass Herr Kermani mich einmal anruft. Vielleicht hätte ich ihn aber auch einmal anrufen können.

FRAGE: Selbst in Ihrer Kirche stößt Ihre Reaktion nicht auf Zustimmung.

ANTWORT: Viele denken immer noch, der interreligiöse Dialog sei einer, der auf Gleichheit der Religionen aus sei. Aber er lebt vom Respekt vor Differenz und der Zivilisierung von Differenz. Außerdem haben auch viele Christen Schwierigkeiten, mit dem Kreuz umzugehen. Es ist erschreckend, wenn Christen glauben, die Auferstehung sei nicht so wichtig, auf die Wiedergeburt komme es an.

FRAGE: Im Jahr 2007 hatten Sie interreligiöse Gebete mit Muslimen als „Gotteslästerung“ bezeichnet. Auch Sie gebrauchen, wie Kermani, dieses Wort. Sitzen Sie mit Ihrer Kritik nicht im Glashaus?

ANTWORT: Nein, denn ich habe, anders als Kermani, diesen Vorwurf nicht anderen gegenüber erhoben. Ich habe es mir selbst gegenüber gesagt. Nach biblischem Zeugnis kann man nicht verschiedene Götter gleichzeitig anbeten. Ich würde mich der Gotteslästerung schuldig machen, wenn ich als Christ Allah, Krischna, Buddha oder irgendeine andere Gottheit anbeten würde.

Toepfer resümiert:

„Dass Steinacker meint, es sei nun nicht viel Porzellan im interreligiösen Dialog zerschlagen, ist schwer nachzuvollziehen. Zu deutlich war das Unverständnis, auf das sein und Lehmanns Vorgehen etwa bei Vertretern des Frankfurter Rates der Religionen gestoßen ist…

Mehr als nachdenklich muss stimmen, wie Steinacker den Stellenwert des christlichen Auferstehungsglaubens unter den Christen selbst beurteilt: „erschreckend“. Wie kräftig ist die christliche Religionspädagogik eigentlich noch, wie überzeugend sind Liturgie und Predigt? Aber das steht auf einem anderen Blatt.“

Offensichtlich war Toepfer während des Interviews austreten, um zu einem Resümee zu kommen, das schon vorher feststand und mit dem Interview wenig zu tun hat.

Lesen Sie jetzt ein Beispiel für den üblichen Volkssynkretismus, das Wort hat Friederike Heuer aus Frankfurt am Main:

Der kirchliche Pakt mit der Macht

Vor ein paar Tagen habe ich mit großer Ergriffenheit und fast erschüttert Kermanis Essay zu einer römischen Marienikone („Neue Zürcher Zeitung“ vom 9. Mai) gelesen. Hinsichtlich Glaubensfragen und Glaubenszweifel sind dies wohl die stärkstmöglichen EMPFINDUNGEN, und ich fühlte mich dank Kermanis Gedanken ein wenig VERSÖHNT mit der langen christlichen Geschichte des Abendlandes, der Geschichte, aus der ich komme und die nolens volens auch nach meinem KIRCHENAUSTRITT (Was befähigt mehr zur Beurteilung christlicher Theorie und Praxis als ein Kirchenaustritt? T.) und meine Herkunft, mein Denken und meine Ästhetik prägt.

Die BEWEGENDE WIRKUNG der Bildbeschreibungen von Navid Kermani liegt darin, dass er seine Widerstände und Bedenken hinsichtlich einiger christlicher Dogmen nicht verschweigt, die nicht nur Andersgläubigen und Atheisten AUFSTOSSEN, sondern die JEDEN AUFRECHTEN Christen mit seinem Gott RINGEN lassen sollten. Ebenso wenig konnte ich mein Befremden nicht nur am kirchlichen PAKT mit der MACHT (des Bösen? T.), sondern auch innerreligiös angesichts fast idolatrischer Glaubenstraditionen weglassen, wenn ich manchmal meinem Sohn vom Christentum erzähle, wobei wir dann auch mal überlegen, ob es dem CHRISTENTUM und den NICHTCHRISTEN nicht vielleicht BESSER bekommen wäre, Konstantin hätte sich NICHT taufen lassen. Im Namen der Rechtgläubigkeit und des Kreuzes wurden bereits im vierten Jahrhundert zu Trier agnostische Brüder der frühen Christen hingerichtet.

Die KABALEN um den Hessischen Kulturpreis sind zum Glück nicht blutig, sondern nur BELEIDIGEND, aber von demselben KLEINGLÄUBIGEN Geist rechtschaffener SCHRIFTGELEHRTER geprägt, die weder JEMALS von POESIE noch von einer AHNUNG der Größe Gottes gestreift wurden. Die als Trost angebotene Ersatzveranstaltung (Dialog) zu besuchen, lehnt Kermani hoffentlich ab. Unser TROST als Leser ist die Vorfreude auf künftige Schriften von Narvid Kerami.

Zur Zeit ist Frau Heuer offenbar NICHT bei Trost, aber sicher zaubert ihr Dichterkönig Navid bald eine neue, bewegende, heilige „Schrift“ aus der Feder.

Nach diesem galoppierenden Dimmi-Schwachsinn haben Sie sich jetzt aber wirklich zum Abschluss noch einen kundigeren Beitrag verdient. Das Wort hat FAZ-Leser Dr. Jan-Heiner Tück aus Freiburg:

Das Kreuz als kulturelles Symbol

Für mich formuliere ich die Ablehnung der Kreuzestheologie drastischer: Gotteslästerung und Idolatrie ist für gläubige Christen nicht gerade eine Einladung zum Gespräch. Für sie ist das Kreuz mehr als ein kulturelles Symbol, sie bekennen, dass im Leben und Sterben Jesu rettende und versöhnende Kraft liegt. Die Erklärung der designierten Träger des Hessischen Kulturpreises, Karl Kardinal Lehmann und Peter Steinacker, ist daher nachvollziehbar, sie würden den Preis „wegen so fundamentaler und unversöhnlicher Angriffe auf das Kreuz als zentrales Symbol des christlichen Glaubens bei gleichzeitiger Vergabe an Kermani“ nicht annehmen. Kermanis Äußerung macht gleichwohl darauf aufmerksam, dass im Glauben an die rettende und versöhnende Kraft des Kreuzes eine Provokation liegt, die von führenden Kirchenvertretern immer wieder einmal heruntergespielt wird.

Dass nun ausgerechnet Kardinal Lehmann von Jäger als Vertreter einer „neuen Sanftheitsreligion“ hingestellt wird, welche die christliche Erlösungsbotschaft auf das Motiv der Solidarität halbiert, ist allerdings erstaunlich, wenn nicht gar maliziös. Gerade Lehmann hat wiederholt auf die Heilsbedeutung des Kreuzes hingewiesen. So hat er vor mehr als zwanzig Jahren in der Tübinger Theologischen Quartalschrift unter dem Titel „Er wurde für uns gekreuzigt“ eine vielbeachtete Skizze zur Neubesinnung in der Soteriologie vorgelegt. Dabei weist er einleitend auf die traditionelle Engführung der Erlösungslehre auf das Motiv der Satisfaktion und des stellvertretenden Strafleidens hin.

Die landläufige Vorstellung, Gott selbst habe das Opfer des Sohnes gefordert, um in seinem Zorn gegen die Sünder besänftigt zu werden, ist schriftwidrig und macht aus Gott einen Kannibalen im Himmel. Gott selbst ist es, der grundlos und frei die Gabe der Versöhnung anbietet, er muss nicht durch irgendwelche Leistungen versöhnt werden. Lehmann erinnert an die Vielfalt der soteriologischen Aussagen im Neuen Testament (Loskauf, Versöhnung, Befreiung, Opferlamm, Sühne) und sieht deren innere Achse im pro nobis, also der Tatsache, dass Jesus Christus für uns gestorben ist (vgl. 1 Kor 15,3; Röm 4,25 und etwa 2 Kor 5,21). Ein Vorentwurf dieser Selbsthingabe finde sich in der Proexistenz des Lebens Jesu, die sich in den Worten beim letzten Abendmahl verdichtet: „Dies ist mein Leib für euch.“

Es ist für die systematische Theologie und die pastorale Verkündigung nicht leicht, diese Botschaft in spätmoderne Verstehenshorizonte zu übersetzen. Es ist richtig zu sagen, dass Jesus seine Botschaft vom nahegekommenen Reich Gottes bis zuletzt in Treue durchgehalten hat; es ist richtig zu sagen, dass Jesus durch sein freiwilliges Sterben die Spirale von Gewalt und Gegengewalt durchbrochen und den verborgenen Sündenbockmechanismus aller Kulturen aufgedeckt hat; es ist richtig zu sagen, dass Gottes Liebe zu den Menschen im Leben und Sterben Jesu einen inkarnierten Kommentar gefunden hat. Aber das alles reicht nicht aus. Die Heilsbedeutsamkeit des Todes Christi wird erst da adäquat beschrieben, wo die neutestamentlichen Aussagen vom Sterben „für die vielen“ (Mt 10, 28; Mk 10, 45), „für alle“ (Joh 12, 32; 17,21) beachtet werden.

Um deren soteriologische Pointe herauszustellen, zieht Lehmann den Begriff Stellvertretung heran. Der Gekreuzigte trete in seinem Leiden so an die Stelle des Sünders, dass dieser zu sich selbst befreit werde. Den naheliegenden Einwand, dass ein solches Erlösungsverständnis die sittliche Unvertretbarkeit der Person unterlaufe, pariert er durch den Hinweis, dass die stellvertretende Übernahme der Sünde durch Christus keinen Heilsautomatismus in Gang setzt. Die Heilstat Christi bedarf der ausdrücklichen Anerkennung durch den Vertretenen.

Die Frage aber, wie einer für die Sünden aller sterben könne, berührt das Persongeheimnis Jesu Christi, das wohl nur aus der Binnenperspektive des Glaubens erschwinglich ist. Nur wenn der Gekreuzigte nicht allein Mensch, sondern zugleich der mit dem ewigen Wort des Vaters geeinte Sohn gewesen ist, kann sein Sterben die rettende und versöhnende Kraft gehabt haben, die ihm die Kirche von Anfang an zuerkannt hat. Man würde sich wünschen, dass die öffentliche Verständigung über das Kreuz am Reflexionsniveau Kardinal Lehmanns Maß nimmt.

Time am 19. Mai 2009

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(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Wilhelm_Graf
(2) http://tinyurl.com/qbay3l
(3) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/05/01/schicksalsmacht-demografie/
(4) „Arkandisziplin“ bedeutet die Geheimhaltung von Lehre und Brauch einer Religion, insbes. des frühen Christentums, vor Außenstehenden, und es ist mE. sehr bezeichnend, dass Chefsynkretist Graf auf diese Zeit assoziativ NEGATIV verweist.
(5) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/30/eine-seltsame-anzeige/