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Hat sie nur Unrecht?

1. Oktober 2015

Merkel01

Flexibel zu sein, ohne das Ziel ohne den Augen zu verlieren, ist das Gebot der Stunde – zumal für den Counterjihadi.

Lesen Sie einen merkelfreundlichen Artikel von Michael Hanfeld aus der FAZ (1), der sich zugegebenermaßen recht weit im Konjunktiv bewegt.

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TV-Kritik „Hart aber fair“

Jetzt wissen wir, was Angela Merkel macht: Revolution!

Mit den Flüchtlingen kommt der Islam nach Deutschland. Doch wer verändert wen: die plurale Gesellschaft die Religion oder umgekehrt? Folgen wir „Hart aber fair“, setzt die Bundeskanzlerin das Land gerade einem Test aus.

Frank Plasberg traut der Bundeskanzlerin ganz schön was zu. Was wäre, fragt der Moderator gegen Ende seiner Talkshow „Hart aber fair“ an diesem Montag, wenn Angela Merkel die Tür für die Flüchtlinge aus dem Nahen Osten auch deshalb so weit geöffnet hätte, damit wir endlich „klare Kante“ zeigen und über so etwas wie „Leitkultur“ oder besser „demokratische Grundwerte“ sprechen können, ohne in irgendwelche Political-Correctness-Debatten zu verfallen? Tja, was wäre dann?

Dann hätte Angela Merkel ein zweites Mal alle überrascht und jene Lügen gestraft, die ihr nachsagen, sie handele erst lange gar nicht und dann überhastet und immer populistisch, nie aus Prinzip.

Es wäre der zweite Realitätsschock, den die gelernte Physikerin dem Land verpasst. Der erste war der Atomausstieg. Der zweite ist die Einwanderung. Beides wollen wir an dieser Stelle mit der Bundeskanzlerin einmal „alternativlos“ nennen. Weil in Jahrmillionen herum strahlendem Atommüll nicht die Zukunft der Energiegewinnung liegt und weil die Flüchtlinge kommen, ob irgendjemand das will oder nicht.

Union und Grüne bilden keine Fronten mehr

Und weil man zu guten Lösungen nur kommt, wenn man das Problem erkannt hat und – nur als Beispiel – nach fünfzig Jahren Zuwanderung nicht immer noch der Fiktion nachhängt, Deutschland sei kein Einwanderungsland. Das aber sagt heute sogar in der CSU kaum noch jemand laut, schon gar nicht in der Nähe des Münchner Hauptbahnhofs. Und worüber reden SPD und Grüne fortwährend? Vom Grundgesetz, das alle zu respektieren haben, von den Pflichten der Zuwanderer und davon, dass nicht alle bleiben können. So schnell haben sich die Fronten verkehrt, so gut funktioniert die Dialektik der Angela Merkel. Die Bundeskanzlerin macht Revolution von oben und (fast) keiner merkt es.

Was diese Revolution angeht: Willkommen heißen wollen die Flüchtlinge in diesem Land die meisten, und das ist auch gut so. Nur ist es damit selbstverständlich nicht getan, wie sich nach den ersten Tagen des Ansturms schnell zeigt. Die Aufgabe ist gewaltig, reagieren Politik und Bürokratie mit dem üblichen Tempo, könnte nicht nur die Stimmung kippen, sondern die Gesellschaft einer Zerreißprobe ausgesetzt sein. Diese könnte – neben der logistischen Herausforderung – mit dem Thema zu tun haben, das sich Frank Plasberg ausgesucht hatte: „Merkel bejubeln, an Mohammed glauben: Wie viel Islam gehört zu Deutschland?“

Kein Handschlag für den Imam

Dass immer mehr Islam zu Deutschland gehört, braucht man angesichts der Flüchtlingszahlen aus dem Nahen Osten niemandem zu erklären. Dass die Aufgabe wächst, diese Religion auf den im Grundgesetz formulierten Wertekanon zu verpflichten, versteht sich auch von selbst. Und es sollte sich zudem verstehen, dass die islamischen Verbände in diesem Land langsam konsequent entsprechend auftreten und handeln.

Mit dem ewigen Salbadern und dem Herumeiern sollte es vorbei sein. „Klare Kante“ ist angesagt, nicht nur, wenn es darum geht, zu beteuern: Der IS hat nichts mit dem Islam zu tun. Sondern auch, wenn das Verhalten eines Imams zu beurteilen ist, der in Rheinland-Pfalz bei der Aufnahme von Flüchtlingen mitwirkt, der CDU-Politikerin Julia Klöckner aber nicht die Hand geben will.

Leider fällt der Beitrag von Zekeriya Altug von Vorstand der DITIB (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion) in NRW genau an dieser Stelle so windelweich aus, wie man das kennt. Da ist von „Umgangsformen“ die Rede, die man abgleichen und von neuen, die man bilden solle, ganz so, als läge die Sache nicht auf der Hand. Was der konservative Imam als Höflichkeit gegenüber einer Frau versteht, ist in diesem Land ein Zeichen der Herabwürdigung. Und in den Gesten drückt sich eine Werthaltung aus. Das zu erkennen, darauf legt bei Plasberg auch Dietmar Ossenberg Wert, der als langjähriger Nahost-Korrespondent des ZDF die Usancen in arabischen Ländern kennen- und vieles dort schätzen gelernt hat: Es müssen die Werte gelten, die wir haben.

Ideologische Scheuklappen fallen

Kein Widerspruch in der Runde, selbstverständlich nicht bei Jens Spahn von der CDU, nicht bei dem Islamkritiker Hamed Abdel-Samad (der auch an diesem Abend das Problem hat, andere nicht ausreden zu lassen, selbst aber nicht zum Ende zu kommen), aber auch nicht bei der stellvertretenden NRW-Ministerpräsidentin Sylvia Löhrmann von den Grünen, die zwar dem Habitus nach das ewig Beschwichtigende einer Margot Käßmann ausstrahlt, aber auf Plasbergs Frage nach der Merkelschen Dialektik immerhin in einem Nebensatz wegnuschelt, dass man es sich mit der Integrationspolitik bislang vielleicht etwas zu leicht gemacht hat. So schnell können ideologische Scheuklappen fallen.

Bis die anderen Scheuklappen fallen, das wird noch dauern, hört man jemandem wie Zekeriya Altug zu, der seine Sache bei Plasberg ansonsten gut macht und sich von dem energischen Hamed Abdel-Samad nicht aus der Reserve locken lässt, als der darauf hinweist, dass der Prophet Mohammed ob seines Lebenswandels als Gewaltherrscher ein Vorbild abgebe, dem die Kämpfer des IS vollkommen zu entsprechen glauben, das es aber zu dekonstruieren gelte. Man müsse auch die „Werte der Muslime“ respektieren, sagt Zekeriya Altug an einer Stelle, an der die Diskussion wieder von vorne hätte beginnen können, weil offenbar wurde, dass der Grundkonsens eben noch nicht hergestellt ist, den ein Zuschauer der Plasberg-Sendung in den Satz fasst: Religion soll das Leben bereichern, aber nicht bestimmen. Und das Leben in einer offenen, demokratischen, pluralen Gesellschaft schon gar nicht. Mal sehen, mit welcher dialektischen Volte Angela Merkel auf diese Herausforderung reagiert.

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Time am 1. Oktober 2015

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1) http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/tv-kritik/tv-kritik-hart-aber-fair-jetzt-wissen-wir-was-angela-merkel-macht-revolution-13829178.html

Haaalllo, Frau Saufffrau!

6. August 2014

Kässmann

Eine ebenso fulminante wie pointierte Polemik gegen die unsägliche Margot Käßmann hat Gideon Böss vorgelegt (1).

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Wann stoppt Margot Käßmann endlich ISIS?

Margot Käßmann lässt keine Gelegenheit ungenutzt, sich als Pazifistin darzustellen. Darum ist sie auch gegen den Afghanistankrieg gewesen, an dem „nichts gut“ war, wie sie in einer Predigt feststellte und dafür bis heute von einem großen Teil der Bevölkerung gefeiert wird. Sie ist aus Prinzip gegen Krieg, weil der keine Probleme löst. Auch der Zweite Weltkrieg nicht, zu dem ihr nur einfällt, dass da „am Ende“ bei allen die Vernunft aussetzte.

Auch sonst ist sie gegen den Einsatz von Gewalt. Mit den Taliban hätte sie lieber gebetet, anstatt sie zu bekämpfen, erklärte sie, ohne aber den Weg nach Afghanistan gesucht zu haben, um ihren frommen Wunsch in die Tat umzusetzen. Auch dass Osama bin Laden erschossen wurde, macht sie wütend. Das hätte man anders lösen müssen, ärgert sie sich. Sie weiß immer, wie es nicht geht, nämlich mit militärischen Mitteln. Denn es gibt nur „gerechten Frieden“, keinen „gerechten Kriege“.

Und nun gibt es eine Situation, in der Käßmann die Überlegenheit ihrer pazifistischen Gesinnung wunderbar unter Beweis stellen könnte.

Seit Monaten mordet und vergewaltigt die islamistische Terrororganisation ISIS im Grenzgebiet zwischen dem Irak und Syrien und hat soeben ein Kalifat ausgerufen. Es gibt Videos von Massenerschießungen. Menschen werden deportiert und hingerichtet, wenn sie den falschen Gott anbeten oder den richtigen auf die falsche Weise. Es finden ethnische Säuberungen ganzer Städte statt. Für enthemmte Psychopathen, die sich für allmächtig halten, gibt es keine Perversion und kein Verbrechen, das sie nicht mit Begeisterung begehen würden, wenn man sie lässt. Die ISIS-Terroristen lässt man.

Dass sie so ungestört enthaupten, hängen, schlachten und verstümmeln können, liegt an der Abwesenheit von Feinden, die sie daran hindern würden. Keine Amis, keine Briten, keine NATO. Die irakische Armee ist zu schwach und die syrische noch mit anderen Dingen und eigenen Kriegsverbrechen beschäftigt. Von daher wäre das jetzt die Gelegenheit für Käßmann, in das ISIS-Kalifat zu reisen, mit den Islamisten zu sprechen und dann mit der frohen Kunde heimzukehren, dass sie das Massenmorden jetzt sein lassen.

Aber wenn sie nicht hinreist, wäre es zumindest interessant zu erfahren, was Käßmann denn aus der sicheren Entfernung für Möglichkeiten sieht, das Abschlachten zu beenden? Was hält man als Pazifistin für Trümpfe in der Hand, gegen eine von Gott beseelte Mörderbande? Man kann sie bitten, mit dem Töten aufzuhören. Das kann man machen. Und wenn diese Bitte ausgeschlagen wird? Sind dann alle Möglichkeiten erschöpft? Vermutlich. Der Einsatz von Gewalt scheidet ja aus pazifistischer Sicht aus, um die eigenen Interessen durchzusetzen, was ein Problem ist, wenn die Gegenseite das in Hinblick auf die eigenen Interessen ganz anders sieht.

Und genau das ist das Problem mit Pazifismus. Er ist eine feige Ideologie, die keine Verantwortung übernimmt, die Schwachen und Verfolgten dieser Welt im Stich lässt und sich dabei trotzdem als moralisch überlegen begreift. Den Preis für das porentief reine Gewisse der Pazifisten zahlen jene Menschen, die wehrlos einem Mob bewaffneter Psychopathen gegenüberstehen. So wie die Opfer von ISIS, die von den Käßmanns dieser Welt keine Hilfe erwarten können, denn Krieg kann nie und Dialog muss immer die Lösung sein. Auch dann, wenn der Dialogpartner keine Lust auf Dialog hat, weil er viel lieber seinem Gott ein weiteres Menschenopfer darbringen will. Und noch eines und noch eines, weil ihm das gefällt und ihn niemand aufhält, weswegen er auch nicht damit aufhören wird, bis ihn jemand aufhält. Und dieser Jemand wird mit Sicherheit kein Pazifist sein.

Käßmann wird das alles nicht irritieren. Sie ist ein guter Mensch, der nicht will, dass Menschen Gewalt angetan wird. Das reicht ihr. Wie man Menschen aufhält, die sehr wohl das Ziel haben, anderen Menschen Gewalt anzutun, kann und will sie nicht beantworten. Erwartet auch niemand von diesem moralischen Schwergewicht der deutschen Gesellschaft. Warum eigentlich nicht?

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Time am 6. Juli 2014

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1) http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/wann_stoppt_margot_kaessmann_endlich_isis

Chrislahm

3. Juni 2013

Chrislahm

Diesen Cartoon habe ich von den Kopten (1)

Chrislahm ist eine neue Religion christlicher Häretiker, die ihre Bestimmung darin sehen, dem Mohammedanismus einen möglichst großen Spielraum zu verschaffen.

Dazu nehmen sie aus dem Neuen Testament ein paar nette Geschichten, insbesondere jene, die Christen zur Gewaltlosigkeit verpflichten, und sie nehmen aus dem Kloran nichts außer der Behauptung, dass Allah und Jahwe identisch seien. Sie nehmen nicht nur nichts aus dem Kloran, sie weigern sich sogar kategorisch, ihn überhaupt mal zu lesen.

Eine bedeutende Vertreterin des Chrislahm ist die ehemalige Landesbischöfin der ev.-luth. Landeskirche Hannovers, Margot Käßmann (2). Im aktuellen „Chrismon“ stimmt sie einen großen Jubel an über die Inbesitznahme deutscher Universitäten durch den Mohammedanismus (3).

Sie behauptet, dass solcherart die Möglichkeit geschaffen werde, den eigenen Glauben kritisch zu reflektieren. Aber was soll von dem Glauben übrig bleiben, wenn man Sklaverei ablehnt und das Grundgesetz und die Menschenrechte befürwortet, aber feststellen muss, dass der Begründer des Mohammedanismus ein Sklavenjäger, Menschenschinder und Diktator war?

Es soll ein deutscher Mohammedanismus entstehen, der „demokratiefähig“ ist. Das heißt mit anderen Worten, dass es ihn bisher nicht gibt. Nichts anderes kommuniziert der Counterjihad. Auch der Antikommunismus und der Antifaschismus haben kommuniziert, dass Kommunismus und Faschismus nicht demokratiefähig sind. Hat man damals auf Staatskosten hochbezahlte kommunistische oder faschistische Kommissare an den Universitäten installiert? Es ist doch wirklich eine absolut krude Idee, eine Krankheit zu heilen, indem man sich möglichst viele ihrer Erreger injeziert. „Ich freue mich, dass Lehrerinnen und Lehrer für Islam in Deutschland ausgebildet werden“, schreibt Käßmann. „Ich freue mich, dass Lehrerinnen und Lehrer für Sklaverei in Deutschland ausgebildet werden“, könnte sie ebenso gut schreiben.

Dass die Reformatoren den Bildungs- und Aufklärungsgedanken sehr befördert haben, ist richtig. Den Mohammedanismus haben sie jedoch, grade weil sie gebildet waren, aus ganzer Seele abgelehnt und verachtet (4).

Schließlich agiert Käßmann in taktischer Hinsicht typisch mohammedanistisch, wenn sie sich abschließend hinter den Juden versteckt. Es ist erschreckend, mit welcher Dreistigkeit und emotionalen Kälte sie das Wort Holocaust beiläufig einfügt.

„Gerade die Evangelischen sollten sich daher für islamische Theologie einsetzen“. Diese Forderung Käßmanns ist das vollständige Programm des Chrislahm.

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Ein großer Fortschritt

Gut, dass immer mehr Imame und Rabbiner an deutschen Universitäten ausgebildet werden.

Immer wieder höre ich es bei meinen Vorträgen zum Thema „Reformation und Toleranz“. In der Diskussion fällt der Satz: „Aber die sind doch nicht tolerant, ganz anders als wir.“ „Die?“ Das sind die Muslime. „Wir“ die Christen.

Nach dem Christentum ist der Islam inzwischen in Deutschland die zweitgrößte Glaubensgemeinschaft. Rund fünf Prozent der Menschen in Deutschland sind mus­limischen Glaubens, das sind rund vier Millionen. Knapp die Hälfte davon sind deutsche Staatsangehörige. Vielen Muslimen ist Deutschland zur Heimat geworden.

Seit 2008 gibt es in Osnabrück ein Zentrum für Interkulturelle Islamstudien. Aus ihm wurde ein Institut für Islamische Theologie, das inzwischen einen Masterstudiengang Islamische Religionspädagogik anbietet. An der Universität Tübingen gibt es seit 2011 ein Zentrum für Islamische Theologie. In einer Reihe von Instituten werden Studierende ausgebildet, die später islamischen Religionsunterricht erteilen oder als Imame arbeiten.

Das ist ein großer Fortschritt. Es ist wichtig, dass die rund 700.000 muslimischen Schülerinnen und Schüler Unterricht in ihrer Religion erhalten – und zwar wie im christlichen Religionsunterricht nicht als Mission, sondern mit der Möglichkeit, kritisch zu fragen, den eigenen Glauben zu reflektieren. In einem Land beheimatet man sich eben auch durch seine Religion. Und es ist gut, wenn Imame deutsch sprechen, die deutsche Kultur kennen, an deutschen Universitäten ausgebildet werden. Nur so kann doch ein deutscher Islam entstehen, demokratiefähig, die Werte von Freiheit und Gleichheit vertretend, die für unsere Gesellschaft so wichtig sind.

Für Bildungsgerechtigkeit und Bildungsteilhabe haben sich schon die Reformatoren eingesetzt. Glaube war für sie gebildeter Glaube, nicht aus Konvention und nicht aus spiritueller Erfahrung allein, sondern dadurch, dass sie die befreiende Botschaft des Evangeliums bewusst bejahen.

Gerade die Evangelischen sollten sich daher für islamische Theologie einsetzen. Nur gebildeter Glaube kann den Versuchungen des Fundamentalismus widerstehen. Das wissen wir doch auch als Christinnen und Christen. Wenn etwa Fundamentalisten meinen, Charles Darwins Evolutionslehre dürfe im Unterricht nicht gelehrt werden, sondern nur der Kreationismus, also die biblische Schöpfungslehre: Wie angstbesetzt ist das?

Ich freue mich, dass Lehrerinnen und Lehrer für Islam in Deutschland ausgebildet werden, die dann nach einem anerkannten Lehrplan und in deutscher Sprache unterrichten. Nach Artikel 7 Absatz 3 des Grundgesetzes wird Religionsunterricht „in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaft“ erteilt. Doch so lange „der“ Islam gegenüber dem Staat nicht mit einer Stimme spricht, müssen Kompromisse gefunden werden, zum Beispiel durch Verträge mit einzelnen muslimischen Institutionen – als wichtiger Schritt zu jenem gebildeten Islam, der sich dem Fundamentalismus entgegenstemmt.

Und ich freue mich nicht weniger, dass endlich auch wieder jüdische Theologie an deutschen Universitäten gelehrt wird. Im März dieses Jahres wurde an der Universität Potsdam eine Schule für jüdische Theologie eingerichtet, um Rabbiner und Kantoren auszubilden. Dass das in Deutschland heute möglich ist, dafür können wir nach dem Holocaust nur dankbar sein.

Es gibt kein „wir“ und „die da“! Es gibt Menschen mit ihrem Glauben, die in diesem Land leben. Dieser Glaube darf und muss reflektiert weitergegeben und unterrichtet werden. Alles andere wäre ein Irrweg.

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Time am 3. Juni 2013

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1) http://koptisch.wordpress.com/2013/06/01/kommentar-islamiserung-des-gazastreifens-besorgt-uns/
2) http://de.wikipedia.org/wiki/Margot_Käßmann
3) http://chrismon.evangelisch.de/blog/auf-ein-wort/ein-grosser-fortschritt-18967
4) https://madrasaoftime.wordpress.com/2013/04/19/luther-und-der-nazislahm/

Wanderer

28. Februar 2011

„Wanderer im Nebel“ von Caspar David Friedrich

Dass Margot Käßmann eine absolute Fehlbesetzung als evangelische Bischöfin war, machte sie m.E. weniger durch ihre trunkene Autofahrt, bei der ja nichts passiert war, deutlich, als vielmehr durch ihre wiederholten, kontraproduktiven oder einfach nur peinlichen Äußerungen. Im aktuellen „Chrismon“ (1), welches sie mitherausgibt, faselt sie rund um das Wort „Migration“ (2), und man ist lebhaft an Otto Waalkes grandiosen Sketch „Wort zum Montag“ erinnert (3): „Denn sind nicht wir alle Migranten?“

Ihr Aufsatz ist folgendermaßen verschlagwortet: „Schlagworte Migration | jüdisch | christlich“, aber natürlich meinen ihre Ausführungen, so wie es grundsätzlich immer der Fall ist, wenn von „Migranten“ die Rede ist, nicht irgendwelche Immi- oder Emigranten, und schon gar nicht Juden und Christen, sondern sie meinen in Wirklichkeit die Orks, nur will sie es nicht sagen, und sie glaubt, wir merken es nicht. Merke: Wer immer das Wort „Migrant“ verwendet, ist entweder Ork oder Dimmi!

Dabei sind ihre Darlegungen teilweise nicht uninteressant und auch nicht völlig falsch: Juden und Christen als eine Kultur, die sich in permanenter Bewegung befindet… Aber das Thema ist doch nicht die Wanderung als solche und sind nicht ihre jeweiligen konkreten Ursachen. Es geht um die Bewegung zu Gott und darum, ihm die Treue zu halten wie auch darum, ihm vertrauen zu können. Und für die Juden geht es auch immer darum, endlich einen Platz zu finden, der ihnen Ruhe und Sicherheit gibt, um ihren eigenen Staat.

„Streitfall Migration – es könnte viele Debatten entspannen, wenn klar würde: Auch das christliche Abendland ist letzten Endes ein Ergebnis von Migration.“ Mit diesem Schlusssatz macht sie den Rahmen deutlich, in dem ihr gesamter Text zu sehen ist. Auf ihn entwickelt sie ihn hin.

Es gibt z.Z. zwar viele Debatten, aber diese haben tatsächlich nur ein zentrales Streit-Thema: den Mohammedanismus. Es geht nicht um Einwanderer X und Auswanderer Y, es geht darum, dass 1,5 Mrd. Menschen einer sklavistischen und extrem aggressiven Ideologie anhängen, die die Weltherrschaft anstrebt und alle Zivilisationen vernichten will. Dieses Wesen der Ideologie will Frau Käßmann verwischen, und sie will die Tatsache verwischen, dass die Mehrheit der Orks dieses Wesen positiv beurteilt und wie Süchtige daran hängt. Sie stellt das Thema „Bewegung“ oder „Wanderung“ in den Vordergrund, sie erklärt ausführlich, dass dies auch zu unserer Kultur gehört, dass wir selbst Wanderer sind, um einen Schirm über jenen aufzuspannen, die in ungeheuren Massen in unsere Zivilisation eingewandert sind, sie ausnutzen und vernichten wollen: die Orks!

Dies ist die Klo-H.-Metzel-Methode, dem Gegner eine Position oder ein Verhalten zu unterstellen, die oder das jener gar nicht hat, und gleichwohl mit Macht dagegen zu mobilisieren. Nochmals: Es gibt keinen „Streitfall Migration“! Es gibt allerdings einen „Streitfall Mohammedanismus“!

Um auf meine Einführung zurückzukommen: Ich finde es falsch, jemand zu einem Führer der evangelischen Kirche zu machen, der derartigen Aufwand betreibt, um letztlich Sozialbetrug, Ehrenmorde und Scharia zu verschleiern und zu beschönigen. Warum pointiert sie ihre Ausführungen nicht in der Art, uns Westlern auf unser langen Wanderung Mut zu machen?

Ja, wir sind Wanderer! Ja, wir respektieren andere Wanderer!

Nein, wir lehnen Jihad, Scharia und den perversen Verbrecher Klo H. Metzel ab!

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Migration –
Was wäre das christliche Abendland ohne diese Erfahrung?

Migration – das ist ein Thema, zu dem Juden und Christen viel zu sagen haben. Es ist ein urbiblisches Motiv. Die Ersten, die sich aufmachen, sind in der biblischen Geschichte Adam und Eva: Sie müssen das Paradies verlassen, um eine neue Heimat zu finden. Abraham und ­Sarah brechen auf in ein unbekanntes Land – in einer Hungersnot, als die ersten Wirtschaftsflüchtlinge sozusagen. Joseph findet sich gezwungenermaßen in der Fremde wieder und muss sich integrieren. Mose führt in der biblischen Erzählung das ganze Volk Israel aus Ägyptenland in die Wüste und schließlich bis zur Grenze des gelobten und verheißenen Landes. Dort werden die Israeliten kämpfen müssen, um ihre Kultur zu behaupten gegen die vorhandene Kultur des Landes Kanaan. Und immer wieder gibt es Auseinander­setzungen, ob denn das Volk abtrünnig sei, wenn es Kultur und Religion der Völker vor Ort annehme, sich zu sehr assimiliere, statt die Differenz zu leben.

Fremd sein oder sich anpassen, sich inte­grieren oder okkupieren, sich abgrenzen oder assimilieren – es sind Themen, die die Bibel auf faszinierende Weise durchbuchstabiert. So haben etwa die Gefangenen in Babylon Heimweh nach Jerusalem, und der Prophet Jeremia rät ihnen in einem Trostbrief, sich nicht zurückzusehnen, sondern dort, wo sie nun einmal sind, Familien zu gründen und Häuser zu bauen. Der Prophet Elia hingegen wettert gegen die Baalspropheten und legt sich blutig mit Königin Izebel an.

Nach der Zerstörung des Tempels im Jahre 70 nach Christus verlor das jüdische Volk seine Heimat in Israel, in Jerusalem. Und Jüdinnen und Juden in aller Welt ­fragen sich seitdem: Was bedeutet mein Jüdischsein in der Fremde, in Argentinien oder den USA, in Frankreich oder Indien, im Libanon oder in Kenia? Wie weit kann ich mich anpassen, wo muss ich mich abgrenzen? Wann gefährdet die Abgrenzung mein Leben? Und wo werde ich sie durchhalten, auch wenn ich mein Leben dafür riskiere – weil andere meinen, ich gehöre nicht dazu? Weil sie sagen, ich bin nicht Deutscher, sondern Jude?

Auch im Neuen Testament, dem griechischen Teil (!? T.) der Bibel, ist viel von Migration die Rede. Weise Männer aus dem ­Orient machen sich auf in die Fremde, nach Bethlehem, um einen König zu suchen, so erzählt es Matthäus. Joseph muss mit Maria und dem neugeborenen Jesus nach Ägypten fliehen. Jesus selbst weiß als junger Mann, dass der Prophet nichts gilt im eigenen Land. Und Paulus wurde der erste große reisende Missionar. Er geht ­unermüdlich von Ort zu Ort, um das Evangelium zu verbreiten, und überschreitet die Grenze zu Europa.

Migrare heißt wandern – und das wandernde Gottesvolk ist ein urbiblisches Bild von Mose bis zum Hebräerbrief. Unterwegs zu sein, in fremden Kulturen heimisch zu werden, das ist eine Kernerfahrung der ­biblischen Erzählungen.

Die Kirchengeschichte schließlich ist im Anschluss an Paulus Missionsgeschichte und damit Migrations- und Inkulturationsgeschichte. Der „Missionsbefehl“ aus ­Matthäus 28: „Gehet hin in alle Welt und machet zu Jüngern alle Völker…“ wurde zur Grundlage einer weltweiten Ausbreitung des Christentums. Und es bedurfte mutiger Menschen, die bereit waren, ihre Heimat zu verlassen, um das zu tun. Gleichzeitig werden sich so manche Xukuru-­Indianer in Brasilien oder Adivasi in Südindien gefragt haben, was denn diese Menschen aus fremden Ländern wollten.

Streitfall Migration – es könnte viele Debatten entspannen, wenn klar würde: Auch das christliche Abendland ist letzten Endes ein Ergebnis von Migration.

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Time am 28. Februar 2011

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1) http://chrismon.evangelisch.de/
2) http://chrismon.evangelisch.de/blog/auf-ein-wort/migration-was-waere-das-christliche-abendland-ohne-diese-erfahrung-7515
3) http://www.youtube.com/watch?v=MY83lz2frIg

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Soundtrack, rein assoziativ:
„The Wanderer“ von Status unter
http://www.youtube.com/watch?v=8sSEU68m-9Q&feature=related

Verantwortung? Wem gegenüber?

11. Januar 2010

Uwe Schünemann ist Minister für Inneres, Sport und Integration in Niedersachsen und Mitglied der CDU. In der heutigen FAZ schreibt er als Gastautor zur Neujahrspredigt von Landesbischöfin Käßmann.

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Gesinnung und Verantwortung

Wenn Verteidigungsminister zu Guttenberg und die Ratsvorsitzende der EKD, Landesbischöfin Käßmann, zu einem klärenden Gespräch zusammenkommen, wird es hoffentlich um mehr als die Frage gehen, worin denn nun der „glasklare“ Wortlaut ihrer Neujahrspredigt bestand. Damit wären die Chancen eines solchen Gesprächs vertan. Denn es geht bei den Äußerungen der Ratsvorsitzenden zum Afghanistan-Einsatz um mehr. Jeder Redner, sei es in einer politischen oder in einer kirchlichen Ansprache, transportiert über den reinen Wortlaut hinaus zwischen den Zeilen eine Botschaft. Die Gesinnung des oder der Vortragenden mag man sympathisch finden. Aber – so ist zu fragen – wird eine Pastorin und Bischöfin ihrer Verantwortung gerecht, wenn sie sich in dieser Weise im Rahmen einer Predigt zu einem brisanten politischen Thema äußert?

Wer das Mandat der Nato-Schutztruppe und der Bundeswehr in Afghanistan, das durch Resolutionen der Vereinten Nationen und von der großen Mehrheit des Bundestages legitimiert wurde, mit den Worten „Nichts ist gut in Afghanistan“ pauschal abwertet, der macht es sich zu einfach. Er verkennt zugleich die politisch-strategische Bedeutung dieses Kriseneinsatzes. Der von Frau Käßmann zumindest implizit geforderte rasche Truppenabzug aus Afghanistan würde den Taliban und dem Al-Qaida-Netz Auftrieb geben, die in Afghanistan und anderswo mit Gewalt ein islamistisches Kalifat errichten wollen und die westliche Sicherheit bedrohen. Auch kann es nicht darum gehen, die militärische und zivile Hilfe für Afghanistan gegeneinander auszuspielen. Ohne die militärische Schutzfunktion wäre der Einsatz ziviler Aufbauhelfer in Afghanistan nahezu unmöglich. Und schließlich ist es mehr als zweifelhaft, ob die Menschenrechtslage in Afghanistan besser wäre, wenn der Westen den religiösen Extremisten kampflos das Feld überließe.

Für ihren gefährlichen Dienst erwarten die Soldaten der Bundeswehr zu Recht gesellschaftliche Anerkennung und politischen Rückhalt. Insofern darf und muss von der obersten Repräsentantin der Evangelischen Kirche in Deutschland erwartet werden, dass sie sich differenziert und damit verantwortungsvoll zu diesem komplexen Thema äußert. Das ist sie den Menschen in unserem Land, gerade den evangelischen Christen, schuldig.

Max Weber hat bereits vor knapp hundert Jahren die grundsätzliche Unterscheidung von Gesinnungs- und Verantwortungsethik vorgenommen. Letztere ist insbesondere das Bewährungsfeld der Politik. Hier definiert Weber für das verantwortungsethische Handeln drei Grundanforderungen: erstens Leidenschaft im Sinne von Sachlichkeit; zweitens Verantwortlichkeit im Interesse des Sachanliegens; drittens Augenmaß als notwendige persönliche Distanz zu Dingen und Menschen.

Webers Thesen haben nicht zuletzt im ethischen Diskurs der evangelischen Kirchen Wirkung entfaltet. Das ist nicht verwunderlich, denn seine Unterscheidung von Gesinnungs- und Verantwortungsethik sowie seine konkrete Beschreibung der politischen Verantwortung korrespondieren in gewisser Weise mit der lutherischen Unscheidung des geistlichen und weltlichen Regiments in der sogenannten Zwei-Reiche-Lehre.

Bischof Huber, der ehemalige EKD-Ratsvorsitzende, hat in heiklen gesellschaftlichen und politischen Fragen stets für eine differenzierte Analyse der jeweiligen Zusammenhänge und eine nachvollziehbare verantwortungsethische Reflexion im Sinne von Max Weber plädiert und damit Abstand zu einer reinen Gesinnungsethik gehalten. Letztere kann nicht zum verbindlichen Maßstab einer verantwortungsvollen Realpolitik gemacht werden. Das gilt insbesondere dann, wenn es um die Legitimation der bewaffneten Macht eines demokratischen Staates zur Durchsetzung des Völkerrechts und der Menschenrechte gegen einen zu allem entschlossenen politisch-religiösen Extremismus geht. Die Vereinten Nationen, die Nato und der Bundestag haben es sich mit ihren Beschlüssen nicht leichtgemacht – sie haben aber nach verantwortungsethischen Prämissen entschieden. Eine Bewertung des Afghanistan-Einsatzes jenseits gesinnungsethischer Prinzipien steht bei der obersten Repräsentantin der Evangelischen Kirche in Deutschland bislang noch aus.

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Sicher kennen Sie den Spruch „Lehrers Kinder, Pastors Vieh, gedeihen selten oder nie“. Dahinter steckt vielleicht die Beobachtung, dass Lehrer sich oftmals so sehr um die Entwicklung fremder Kinder kümmern, dass sie gar nicht merken, wie dringend ihre eigenen ihre Aufmerksamkeit brauchen. Dahinter steckt weiterhin vielleicht die Beobachtung, dass Pastoren, die ja in der Regel nur aus der warmen Stube heraus die Welt betrachten, oftmals zu sehr mit dem Kopf in den Wolken weilen, als dass sie Alltagsprobleme der Menschen verstehen könnten geschweige denn die der mal wieder nicht rechtzeitig gemolkenen Kühe. Wie die Mullas meinen sie, sie müssten und könnten zu allem etwas sagen, aber wenn mal eine Glühbirne durchgebrannt ist, bestellen sie den Elektriker (1).

Vor einem Jahr hatte Bischöfin Käßmann laut „Hannoverscher Allgemeinen“ am 20.01.09 zunächst Folgendes gesagt (2):

„Käßmann hatte am Dienstag auf einem Architekturforum in Hannover gesagt, man könne mit Kirchen nicht alles machen. Unter Umständen könne es besser sein, sie verfallen zu lassen oder abzureißen, als sie für eine ‚imageschädigende’ Nachnutzung zu verkaufen. Als Beispiele für unakzeptable Nachnutzungen hatte sie die Umgestaltung von Gotteshäusern zu Restaurants oder Diskotheken genannt. Auch eine Umnutzung als Moschee schloss sie aus.“

Nachdem der Vorsitzende der hannoverschen Moscheengemeinde, Avni Altiner, dies jedoch als „Brüskierung der MUSLIME in Deutschland“ kritisiert hatte, relativierte sie ihre Äußerung zwei Tage später:

„(…) Wenn eine Kirchengemeinde sagt, sie sei überzeugt, dass eine Nutzung als Moschee in tiefstem Frieden geschehen kann, bin ich einverstanden’, sagte Käßmann. ‚Im Moment sehe ich aber nicht, dass das möglich ist.’“

Da hatte der Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Dr. Johannes Friedrich, vor fast genau einem Jahr dankenswerterweise deutlichere Worte gefunden, und auch unsere „Phantasie“ wollte er offenbar anders eingesetzt wissen, als es Frau Käßmann vorschwebt (3).

Angestoßen worden sei jedenfalls, so die „Hannoversche Allgemeine“, die Debatte im Jahr 2008 von der Präsidentin des 32. Deutschen Evangelischen Kirchentags 2009 in Bremen, Karin von Welck: „Jeder Abriss einer Kirche sei eine ‚Kapitulation unserer christlichen Gesellschaft’, argumentierte sie. Bevor ein Gottteshaus abgerissen werde, würde sie es ‚lieber als Moschee an eine islamische Gemeinde geben’.“

Wie bitte? Ehe gar nicht gebetet wird, soll lieber zu Satan gebetet werden? Es zeigt sich der typische Funktionär, dem egal ist, wem er dient, Hauptsache, er kann Macht ausüben. Ich persönlich will keinen Bischof, der sich mehr Sorgen um die Leute des Feindes als um meine Leute macht, ich will keinen Taliban-Pastoren. Da bin ich mir ausnahmsweise mal fast einig mit den Taliban, die wollen gar keine Pastoren.

Der Spiegel: „Haschim Kabar kennt die Angst. 20 Jahre ist es her, dass er sich für das Christentum entschied. Damals war es kein Tabu, als Afghane zu konvertieren. ‚Es gab viele Kirchen, sowohl in Kabul als auch auf dem Land’, erzählt er. ‚Damals lebten die Religionen hier fast friedlich zusammen.’ Erst mit dem Einzug der Taliban Mitte der neunziger Jahre wurde alles anders. Mullah Omar befahl seinen Männern, Kirchen dem Erdboden gleichzumachen, afghanische Christen zu lynchen, christliche Ausländer zu töten oder zu verjagen. Viele von Haschims Freunden sind damals ums Leben gekommen. ‚Sie folterten Gefangene so lange, bis sie die Namen von anderen Christen rausrückten. Dann brachten die Taliban sie um und suchten nach neuen Opfern.’ (4)

Time am 11. Januar 2010

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1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/01/02/hohle-und-andere-nusse/

2) http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Uebersicht/Muslime-veraergert-ueber-Bischoefin-Margot-Kaessmann

3) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/29/keine-umwandlung-von-kirchen-in-moscheen/

4) http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,408529,00.html

Hohle und andere Nüsse

2. Januar 2010

Die heutige FAZ enthält unter dem Titel „Vergangenheit, die wiederkehren soll – Willy Brandt gesucht“ eine ganzseitige, höchst enthusiastische Hommage des ehemaligen Leiters des Planungsstabes im Bundeskanzleramt, langjährigen Bundestagsabgeordneten und jetzigen Publizisten Albrecht Müller (1) für den 1992 verstorbenen Ex-Kanzler (2). In Müllers Artikel finde ich vieles richtig beschrieben, aber ohne auf die Person und Bedeutung des Verstorbenen eingehen zu wollen, möchte ich doch meine Irritation zur Kenntnis geben, die beim folgenden Abschnitt einsetzte:

„Bei der Vorbereitung dieses Artikels habe ich meinen Zahnarzt, der sichtlich das politische Interesse verloren hat, gefragt, wie er die herrschende Politik charakterisieren würde. Seine Antwort: dekadent!“

Wo „Dekadenz“ diagnostiziert wird, folgt umgehend der Ruf nach einer Revolution.

„Ich mache mir diese Charakterisierung zu eigen. Weil es mir schwerfällt, die weitverbreiteten, einander stimulierenden Vorgänge politischer Korruption anders zu sehen.  (…) Reihenweise verdienen heute Politiker und Manager an den Entscheidungen, die sie zuvor im Amt getroffen haben. (…) Das schreit nach einer bundesrepublikanischen Kulturrevolution.“

Ob Herr Müller bedacht hat, dass die geforderte Revolution von einer anderen Partei als seiner marginalisierten SPD, die sich immer mehr in die „Schariapartei Deutschlands“ verwandelt, getragen werden könnte? In einem von ihm nicht intendierten Sinn – z.B. von der „Linken“?

„Brandts Vertragspolitik bestand aus einer Mischung von Festigkeit und der Bereitschaft, sich in die Lage des Gegners und kommenden Partners hineinzudenken und so Vertrauen zu gewinnen So galt es, die Leiden des polnischen Volkes und der Völker der damaligen Sowjetunion, die im Zweiten Weltkrieg 20 Millionen Menschen verloren hatten, zu begreifen und dies sichtbar werden zu lassen.“

Festigkeit hat in meinen Augen vor allem Ronald Reagan verkörpert, der seine Position einmal folgendermaßen artikuliert haben soll: „Ein Kommunist hat Marx gelesen, ein Antikommunist hat Marx verstanden.“ Aber lassen wir das. Interessant ist vor allem die zweite große, die außenpolitische Aufgabe, die Müller dem gesuchten, neuen Willy vorlegen möchte:

„Jetzt kommt es darauf an, die vom Islam geprägten Völker besser zu verstehen und so aus der Spirale von Gewalt und Gegengewalt herauszukommen. Leicht ist das nicht. Leichter zu vermitteln ist immer das Draufschlagen wie damals in den fünfziger Jahren. Aber es gibt keine Alternative zum Versuch des Austritts aus der Spirale der Gewalt. Der Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts. So Brandt.“

Ja, die bolschwistischen Staaten waren auch totalitäre Systeme, und es gibt Gemeinsamkeiten zwischen allen. Aber diese sind schnell abgehakt. Der Kommunismus ist ein abendländisches und modernes Produkt, er hatte rationale Aspekte, weshalb das „Gleichgewicht des Schreckens“ funktionieren konnte. Präsident Reagan soll seinerzeit gegen die Auffassung seiner Berater durchgesetzt haben, dass bei einem Amerikabesuch Gorbatschoffs dieser zahlreiche seiner Generäle mit sich nahm, um sodann den ganzen Tross durch eine Siedlung amerikanischer Arbeiter zu führen. Als die Militärs sahen, dass vor jedem Haus zwei riesige Schlitten parkten und in jedem Garten ein Swimmingpool war, sei ihnen klar geworden, dass sie einen Wettlauf gegen den Westen in jeder Hinsicht verlieren würden. Sie waren anprechbar für logische Argumente, und so schlich der Bolschewismus mit einem Winseln von dannen. Die Gleichsetzung von Bolschewismus und Mohammedanismus und die Empfehlung einer gleichen Politik letzterem gegenüber halte ich demnach also für fahrlässig in höchstem Maße, eben in dem Maße, indem der Fieslahm irrational ist. Oder ist das schlicht Altersschwachsinn bei Herrn Müller?

Ich erinnere mich an einen Schulanfängergottesdienst. Die junge, fette, pickelige Pastorin teilte im Rahmen ihrer indiskutablen Predigt mit silberner Farbe angemalte Haselnüsse an die Kleinen aus. Dies seien „Mutmachnüsse“, die man immer zur Hand nehmen solle, wenn man Angst habe. Die einzige, die sichtlich Angst hatte, war allerdings die junge Pastorin. Ihre eigene Angst wollte sie den Kindern einreden. Was ich von schamanistischen Fetischen halte, brauche ich nicht weiter auszuführen, aber ich möchte doch anmerken, dass das Personal der Kirchen in der Regel direkt von der Schulbank zur Uni und von dort auf die Kanzel wechselt, und dass man diese Lebensunerfahrenheit leider fast immer schmerzhaft spürt ebenso wie den blasierten Ton, der aus der Grundeinstellung resultiert, dass, weil man drei tote Sprachen gelernt habe, man berechtigt sei, sich zum Berater oder Richter aufzuschwingen oder für alle zu sprechen.

Erwähnt werden muß diesbezüglich daher auch die unsägliche Neujahrspredigt der Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischöfin Margot Käßmann in Dresden. Die heutige FAZ berichtet: „’Nichts ist gut in Afghanistan’, sagte Käßmann am Freitag bei einem Neujahrsgottesdienst in der Dresdner Frauenkirche. Zivilisten seien getötet worden, Waffen schafften offensichtlich keinen Frieden in Afghanistan. ‚WIR brauchen Menschen, die nicht erschrecken vor der LOGIK des Krieges, sondern ein klares Friedenszeugnis abgeben gegen Gewalt und Krieg. WIR brauchen mehr PHANTASIE für den Frieden, für ganz andere Formen, Konflikte zu bewältigen.’“

Wenn sie doch nur einmal den Kloran lesen würden! WIR? Ich bekunde, dass ICH für die phantasievollen Aktionen der Bischöfin nicht zur Verfügung stehe, da bin ICH halt ein Stück weit phantasielos. ICH bin bekennender evangelischer Christ, aber ICH bin unbedingt für die Logik – und sei es die des Krieges. ICH brauche keine „Phantasie für den Frieden“, sondern eine starke und loyale Bürger-Armee. Das hatten wir doch alles schon, und Frau Käßmann war dabei: Der Kommunismus ist nicht durch phantasievolle Aktionen besiegt worden sondern durch unsere wirtschaftliche und militärische Leistungsfähigkeit sowie den Siegeswillen der Mehrheit. Außerdem habe ich meine Mutmachnuss verloren, und ohne die kann ich mir unmöglich den Kopf abschneiden lassen.

Time am 2. Januar 2010

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(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Albrecht_Müller_(Publizist)

(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Willy_Brandt

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PS, 5. Januar, ein Leserbrief aus dem aktuellen „Chrismon“ (ev. Monatszeitschrift): Märchen oder Predigt? chrismon-Umfrage: Was im Weihnachtsgottesdienst nicht fehlen darf  (…) Für 83 Prozent der über 60-Jährigen ist eine gute Predigt das Wichtigste. Ja, so ist es. Wir haben in den Jahren um 1968 kritisches Denken gelernt und tun uns schwer damit, ge­duldig zuzuhören, wenn junge Pfarrer, Pfarrerinnen in der Predigt kleine Geschichten erzählen, die sie angeblich alle selbst erlebt haben. Wenn diese Geschichten eingeleitet werden mit „Eine ältere Dame fragte mich…“ – und dann eine ziemlich dämliche Frage folgt, wissen wir sofort, dass schon die ­Rahmengeschichte nicht stimmt. Wie mag es dann erst um die religiösen Inhalte des Redens bestellt sein? Was wir uns wünschen, und nicht nur zur Weihnachtszeit, ist eine ­ordentliche, gut und zeitaufwendig vorbe­reitete evangelische Predigt, in der man uns nicht nach dem Munde reden muss, aber zu denken geben sollte. Paola Theissmann, Bad Oeynhausen

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Ergänzung 7. Januar: Lesenswerter Beitrag von „Sicherheitspolitik“ zur Kässmann-Debatte unter http://weblog-sicherheitspolitik.info/2010/01/07/kasmann-kritik-bedroht-ihre-freiheit-frage-zu-stellen/