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Deutschlands Rushdie

11. Juni 2013

Hamed

Hamed Abdel-Samad war schon häufiger Gast in der MoT – ungefragt, versteht sich. Dass eine „Muslimbrüder“-Fraktion mit „mehr als einer Million Sympathisanten“ (1) zum Mord an dem sympathischen Mohammedanismuskritiker aufruft, ist eigentlich nichts Besonderes.

Denn Mordaufrufe sind dem Mohammedanismus bekanntlich ebenso fremd wie die „Muslimbrüder“, die sich ihren Namen nur gegeben haben, um den Mohammedanismus unter falschen Fahnen schlecht zu machen, und die in Wirklichkeit zur Hälfte Mossad-Agenten, zur anderen Hälfte von den USA bezahlte Söldner sind. Wahrhaftige Mohammedanisten hingegen verwerfen wie Hamed die Scharia und den Jihad, erkennen die Frauen als prinzipiell vollständig gleichberechtigte Mitbürger an, und sie verstehen, dass der Gewaltherrscher Klo H. Metzel seinerzeit die Saat für eine faschistische Ideologie gelegt hat, die mit den westlichen offenen Gesellschaften inkompatibel ist.

Es geht also darum, dass alle echten Mohammedanisten sich jetzt massenhaft gegen die Todesfatwa engagieren, es geht darum, dass die Ork-Kommissare des wahren Mohammedanismus im Westen von Kolat über Mazyek zu Idriss deutlich sagen: „Diese Fatwa ist verbrecherische Hetze! Wir lehnen sie aus ganzem Herzen ab! Hamed Abdel-Samad ist eine Stimme, die gehört werden muss!“

Wenn sie das nicht tun, zeigen sie dadurch, dass sie dem gefälschten Mohammedanismus der SA-lafisten und „Muslimbrüder“ anhängen, jenem, der falsch ist, weil er Mord und Blut fordert, jenem, der falsch ist, weil er Jihad nicht als Streben zu persönlicher Vollkommenheit sondern als Tötung von Nicht-Orks deutet, jenem, der in dem Sklavenjäger und Kindervergewaltiger Klo H. Metzel den „besten Menschen aller Zeiten“ sieht.

Haaallloooo, Herr Kooolat! Haaallloooo, Herr Mazyeeek! Haaallloooo, Herr Iiidriss!

Wenn sie sich nicht melden sollten, sollten ein paar Counter-Fatwas des Counterjihads gegen sie fällig werden!!!

Aber das ist heute gar nicht das wirklich Wichtige. Das das wirklich Wichtige ist heute, dass Issio Ehrich darüber in counterjihadischer Manier auf N-TV berichtete (2):

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Islamkritiker bangt um sein Leben

Salafist ruft Fatwa gegen Deutschen aus

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung rügt die Regierung in Kairo. Das Auswärtige Amt bestellt den Geschäftsführer der ägyptischen Botschaft ein. Was ist geschehen? Ein Islamist fordert Muslime zum Mord an einem deutschen Staatsbürger auf – einem ausgesprochen bekannten.

Für gewöhnlich steht Hamed Abdel-Samad im Rampenlicht. Der deutsch-ägyptische Publizist ist ein beliebter Gast in Talk-Runden. Und mit dem Journalisten Hendryk M. Broder produzierte er 2010 eine 14-teilige Satire-Serie für die Öffentlich-Rechtlichen. Jetzt ist Abdel-Samad untergetaucht. Der 41-Jährige fürchtet um sein Leben.

Laut Abdel-Samad hat die Fatwa auch eine politische Dimension. Sie soll Ägyptens Präsident Mursi nutzen.

Am Freitagabend hat der ägyptische Scheich Assem Abdel-Maged eine Fatwa gegen den Publizisten ausgerufen, eine Aufforderung an alle Muslime, den Schriftsteller umzubringen. Der salafistische Fernsehsender „Al-Hafez“ verbreitete das Todesurteil landesweit. Von Abdel-Samads Verlag heißt es: „Wir sind schockiert über die Verfolgung unseres Autors.“ Der Untergetauchte selbst war für Interviewanfragen zunächst nicht zu erreichen.

Auslöser der Hatz war ein Vortrag, den Abdel-Samad in der vergangenen Woche in Kairo gehalten hat. Der Autor von Büchern wie „Mein Abschied vom Himmel“ und „Der Untergang der islamischen Welt“ vertrat darin eine scharfe These: Der religiöse Faschismus sei kein Phänomen einer verschrobenen Auslegung des Islam dieser Tage, der religiöse Faschismus sei im Islam selbst begründet und schon von Mohammed propagiert worden. Er erklärte, die Eroberung der Stadt Mekka durch die Anhänger des Propheten habe die Saat gelegt, aus der der „religiöse Faschismus“ aufkeimte.

Schon kurz nach dem Vortrag veröffentlichen Salafisten Bilder Abdel-Samads im Internet und versahen sie mit dem Titel: „Wanted Dead“. Offiziellen Charakter erhielt die Fatwa als Scheich Abdel-Maged, ein Führer der militanten islamistischen Bewegung „Dschamaa Islamiya“, sich im Fernsehen zu Wort meldete.

Abdel-Samad kam 1972 in Ägypten als Sohn eines sunnitischen Imams zur Welt. 1995 zog er im Alter von 23 Jahren nach Deutschland und nahm die deutsche Staatsbürgerschaft an. Damals war er noch strikter Moslem, dachte, die Lösung für alle Probleme liege im Islam. Konfrontiert mit seinem neuen Umfeld, veränderte sich seine Haltung aber langsam. Er wurde, wie er es in seinem Buch „Mein Abschied vom Himmel“ beschreibt, auf Widersprüche in seinem Leben und in seiner Kultur aufmerksam. Heute forscht der frühere Antisemit am Institut für jüdische Geschichte und Kultur an der Universität München, ist Mitglied der deutschen Islamkonferenz. Seinen Glauben hat er bei seinem Wandel nicht abgelegt. Er setzt allerdings auf einen Islam ohne Scharia, Dschihad und Frauenverachtung.

Kurz nach dem Ausruf der Fatwa sagte Abdel-Samad „Spiegel Online“, dass es bei der Morddrohung nicht nur eine religiöse Motivation gebe. „Abdel-Maged versucht, die Vorwürfe gegen mich zu instrumentalisieren und meine Religionskritik als repräsentativ für alle Oppositionellen darzustellen.“ So wolle er Kritik an Ägyptens Präsident Mohammed Mursi diskreditieren. Mit Mursi hat in dem Land am Nil nach der Revolution ein Vertreter der Moslem-Brüder das Amt des Staatspräsidenten übernommen. Abdel-Samad sah dies stets kritisch.

Auch angesichts dieses möglichen politischen Motivs forderte Abdel-Samad als deutscher Staatsbürger, dass die Bundesregierung die Fatwa verurteilt und Präsident Mursi auffordert, gegen die Urheber vorzugehen.

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung Markus Löning (FDP) reagierte nur kurz danach und sagte: „Der öffentliche Mordaufruf gegen Herrn Abdel-Samad ist durch nichts zu rechtfertigen. Ich erwarte, dass sich die ägyptische Regierung deutlich und unmissverständlich davon distanziert. Ich fordere die ägyptische Regierung auf, Meinungs- und Religionsfreiheit zu garantieren und die Sicherheit von Herrn Samad zu gewährleisten.“

Aus Kreisen des Auswärtigen Amtes erfuhr n-tv.de, dass der Geschäftsführer der ägyptischen Botschaft einbestellt wurde. Vertreter der Bundesregierung forderten die ägyptischen Behörden in dem Gespräch demnach auf, die Veröffentlichung und Ausstrahlung von Mordaufrufen zu unterbinden.

Wie lange Abdel-Samad versteckt und in Sorge um seinen Kopf leben muss, ist völlig unklar. Der wohl bekannteste Autor, gegen den eine Fatwa ausgesprochen wurde, Salman Rushdie, blieb nach der Veröffentlichung seiner „Satanischen Verse“ 1988 fast zehn Jahre lang im Untergrund.

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Time am 11. Juni 2013
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1) http://www.pi-news.net/2013/06/agypten-mordaufruf-gegen-hamed-abdel-samad/
2) http://www.n-tv.de/politik/Salafist-ruft-Fatwa-gegen-Deutschen-aus-article10802466.html

U-NO!

26. April 2013

U-NO

Dass die UNO ein antiisraelisches Bündnis nazislahmischer und anderer Diktaturen ist, ist dem Counterjihad schon seit langem bekannt. Ganz im Rahmen der Orkpropagandamaschine, die derzeit gradezu raketenhaft von der NSU-Angelegenheit befeuert wird, ist nun auch unser Land ins Kreuzfeuer der Hypokriten der Welt geraten. Andreas Ross berichtete in der heutigen FAZ aus Genf (1).

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Niemand ist ohne Schuld

Nordkorea sagt, in Deutschland werde die Versammlungsfreiheit mit Füßen getreten. Russland beklagt exzessive Polizeigewalt. Wie in Genf die Menschenrechte in Deutschland verhandelt werden.

Nach anderthalb Stunden ändert sich plötzlich der Ton. Die ersten 42 Diplomaten, die sich an diesem Donnerstagmorgen bereits zur Menschenrechtslage in Deutschland geäußert haben, taten es in höflicher Geschäftsmäßigkeit: anfangs ein Gruß an den aus Berlin nach Genf gereisten Menschenrechtsbeauftragten Markus Löning, ein Lob für den deutschen Rechtsstaat oder wenigstens ein Kompliment an die Bundesregierung für ihren ausführlichen Bericht. Doch der Ständige Vertreter der Türkei, dem wie seinen Kollegen heute nur eine Minute und 14 Sekunden Redezeit zustehen, nimmt sich für Nettigkeiten keine Zeit. Die Ermordung von zehn Personen habe dazu geführt, dass sich drei Millionen Türken in Deutschland „zunehmend unsicher fühlen“. Die Regierung müsse mehr gegen Fremdenfeindlichkeit tun. Das NSU-Verfahren müsse zugänglich sein. Außerdem ließen deutsche Jugendämter die Trennung Tausender Kinder von ihren türkischen Eltern zu. Schließlich müsse Deutschland die doppelte Staatsangehörigkeit zulassen.

Nur dieses eine Mal antwortet Markus Löning direkt. Auf den konfrontativen Ton reagiert er mit Demut. Er spricht von der „Zerstörung von zehn Leben“, er verweist auf die Entschuldigungen der Bundeskanzlerin und des Bundespräsidenten, er wiederholt die Bitte um Verzeihung „ausdrücklich vor diesem Forum“, er spricht von sich aus die vielleicht größte Schande an, auf die der Türke gar nicht zu sprechen gekommen war: Dass einige Opfer lange als Täter verdächtigt wurden, „das war ein ganz besonders schmerzhafter Moment“. Die deutsche Gesellschaft werde sich noch mehr Gedanken über den „Umgang mit Migranten“ machen. „Wir alle gemeinsam bilden Deutschland.“

Es ist das zweite Mal, dass sich Deutschland in Genf der „Universal Periodic Review“ (UPR) stellt, die die Bundesregierung als „eine Art Menschenrechts-TÜV der Vereinten Nationen“ beschreibt. Vieles am Genfer Menschenrechtsrat bringt westliche Diplomaten zum Verzweifeln. Anstatt akute Menschenrechtsverletzungen zu verurteilen, halten hier die Schurken ihre schützenden Hände übereinander. Ost und West, Nord und Süd verstricken sich Tat für Tag in ihre sattsam bekannten Kämpfe um Einfluss und Deutungshoheit. Im UPR-Verfahren aber müssen sich alle UN-Staaten alle vier Jahre einer Überprüfung durch alle anderen Länder unterziehen. 97 Staaten wollen heute etwas zum Fall Deutschland sagen. Am Nachmittag, wenn Djibouti dran ist, sind es ein paar weniger. Dann darf jeder Botschafter sechs Sekunden länger reden.

Zu Beginn vermerkt der polnische Ratspräsident im fensterlosen Saal, wie herrlich über dem Genfer See heute die Sonne scheine – er hoffe, auch im Saal werde es sonnig bleiben. An Löning, einem ehemaligen FDP-Bundestagsabgeordneten, soll es nicht liegen. Am Anfang wendet er sich auf Englisch an die Versammlung und variiert das Thema „Nobody’s perfect“. Will sagen: Auch Deutschland könne viel lernen, wenn ihm in Genf der Spiegel vorgehalten wird. Allerdings habe das Land auch eine lebendige Zivilgesellschaft samt unabhängiger Presse. Über ein knappes Drittel der heute im Saal vertretenen Staaten lässt sich das gewiss nicht sagen.

Das Los hat bestimmt, dass das Alphabet heute mit K wie Kirgistan anfängt. Schon dessen Vertreter nennt drei Themen, die in den folgenden drei Stunden wieder und wieder aufkommen: Fremdenfeindlichkeit, Hetze im Internet, Diskriminierung gegen Einwanderer auf dem Arbeitsmarkt. Redner zwei, der libysche Diplomat, bleibt der einzige des Vormittags, der für Deutschland ausdrücklich „keine Fragen, sondern nur Dank“ übrig hat. Liechtenstein dagegen meldet Bedenken an, weil deutsche Frauen schon mit 14 Jahren in sexuelle Handlungen einwilligen dürfen. Malaysia ist das erste von vielen Ländern, das von Berlin ein ausdrückliches Verbot von „racial profiling“ fordert: Die unzulässige Herstellung von Polizeiprofilen nach rassischen Kriterien soll noch einmal per Gesetz untersagt werden.

Ein mit dem Jargon nicht vertrauter, zufälliger Beobachter – der allerdings weit und breit nicht in Sicht ist – könnte im weiteren Verlauf den Eindruck gewinnen, ein Folterstaat werde zur Verantwortung gezogen. Wieder und wieder fängt ein Satz mit der Wendung „Bezüglich des Schutzes vor Folter…“ an. Es geht darum, dass Deutschland zwar die Anti-Folter-Konvention der UN ratifiziert hat, Bund und Länder den darin vorgesehenen Beschwerdestellen für Opfer aber kaum Mittel zugeteilt haben. Löning gelobt Besserung.

Der Vertreter Nicaraguas will wissen, warum im reichen Deutschland 7000 Kinder auf der Straße lebten. Der kubanische Diplomat beklagt, 14 Prozent der deutschen Bevölkerung lebten unter der Armutsgrenze. China, ein erfahrener Internetzensor, verlangt von Deutschland ein effektiveres Durchgreifen gegen Hasspropaganda im Netz. Der Heilige Stuhl bleibt allein mit seiner Forderung, das Leben von der Zeugung bis zum Tode zu schützen. Dass manche deutsche Polizisten kein Namensschild tragen, macht nicht nur den Niederländern Sorgen. Ein Entwicklungsland nach dem anderen verlangt von Berlin, die UN-Wanderarbeiterkonvention zu verabschieden. Doch das hat kein Industriestaat getan, denn sie befürchten, Einwanderern damit unwiderrufliche Ansprüche auf Sozialleistungen zuzubilligen. Nepal und mehrere afrikanische Staaten erinnern die Bundesregierung an ihre Verpflichtung, 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für die Entwicklungshilfe aufzubringen. Burundi dankt für die bisherige Hilfe.

Das Alphabet ist ein fairer Schiedsrichter, und fast kein Redner überzieht seine 74 Sekunden. Bis vor kurzem hatte es in Genf oft unwürdiges Gezerre um die Rednerliste gegeben, weil faktisch nur die ersten paar Dutzend Diplomaten zu Wort kamen. Das kubanische Regime etwa, das sich gern als Wegbereiter der Menschenrechte präsentiert, sorgte vor seiner Anhörung im Jahr 2009 dafür, dass sich Angestellte befreundeter Botschaften schon nachts in eine Schlange reihten, um ihre Botschafter als erste eintragen zu können – für heißen Kaffee wurde gesorgt. Die Regierungsvertreter aus Havanna konnten sich dann stundenlang Lob anhören.

Jetzt muss Russland warten, bis es als 25. Staat an der Reihe ist, um Deutschland ein „hohes Diskriminierungsniveau“ und „exzessive Polizeigewalt“ vorzuwerfen sowie ein neues Asylrecht zu verlangen, das internationalen Standards genüge. Später wird sich Löning die Spitze gönnen und „ausdrücklich an die Adresse von Russland“ daran erinnern, dass sich in Deutschland jeder Bürger an funktionierende Gerichte wenden könne, „sollte Polizeigewalt tatsächlich stattfinden“. Als später Usbekistan ins gleiche Horn bläst und ausgerechnet Weißrussland auch noch die „brutale Polizeibehandlung von Personen in Haft“ oder eine mangelhafte Zusammenarbeit Berlins mit den Berichterstattern des Menschenrechtsrats rügt, lässt er sich nicht noch einmal dazu hinreißen.

Der Vertreter Nordkoreas, das als „Democratic People’s Republic of Korea“ weit hinten im heutigen Alphabet steht, schämt sich womöglich für seinen Vortrag. Keinmal guckt er hoch, als er vom Blatt nuschelt, dass in Deutschland die Versammlungsfreiheit mit Füßen getreten werde. Dagegen erscheint die iranische Klage über Islamophobie fast zahm. Die im Durchschnitt schlechtere Bezahlung von Frauen sowie ihre Unterrepräsentation in Führungspositionen beunruhigt derweil eine Allianz von Schweden bis Sri Lanka, Palästina bis Peru, Slowenien bis Burundi. Wie aufmerksam deren Vertreter nachher Lönings Erläuterungen über die Vätermonate beim Elterngeld und den Kita-Ausbau lauschen, ist schwer auszumachen.

Fast glaubte man zu hören, auch Saudi-Arabien beschwere sich über die Ungleichbehandlung von Frauen, aber es ging dem Botschafter aus Riad bei der Klage über Diskriminierung doch um Migranten. Bahrein dagegen, am Golf tatsächlich ein Vorreiter der Frauenemanzipation, macht sich für die gleiche Bezahlung von Männern und Frauen stark – und sorgt sich wenige Tage nach den jüngsten Festnahmen schiitischer Königshaus-Gegner in Manama laut um die Sinti und Roma in Deutschland. Dafür gibt es Lob aus Kanada für das Berliner Mahnmal, das an die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma erinnert. Die Botschafterin der Vereinigten Staaten fordert Schritte gegen Neonazis, nebst Vorschriften zum behindertengerechten Umbau privater Geschäfte. Der britische Diplomat verweist auf „Berichte“, dass „institutioneller Rassismus“ zu den NSU-Morden beigetragen habe.

„Sehr herzlich“ bedankt sich Markus Löning am Ende für alle Beiträge – besonders dafür, dass die Sorgen über die Fremdenfeindlichkeit „so deutlich angesprochen wurden“. Man werde gründlich darüber nachdenken. „Denn das scheint das Bild Deutschlands sehr zu prägen.“

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Time am 26. April 2013

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1) http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/un-menschenrechtsrat-niemand-ist-ohne-schuld-12162251.html

Die wahren Populisten

14. März 2010

Chambre séparée
im Café Niesen in Berlin-Prenzl’berg
(Foto: Parwez)

Der Duden (1996) bezeichnet Populismus als „opportunistische Politik, die die Gunst der Massen zu gewinnen sucht“. Wiki (1): „Populismus (von lat.: populus, das Volk) bezeichnet eine um ‚Nähe zum Volk‘ bemühte Politik, die Unzufriedenheit, Ängste und aktuelle Konflikte für ihre Zwecke instrumentalisiert, indem sie Gefühle anspricht und einfache Lösungen vorstellt. Verantwortungsbewusstsein und Realisierbarkeit bleiben dabei weitgehend außer Acht.“

Besonders interessant ist das Wiki-Kapitel „Rechts- und Linkspopulismus“, welches eine Reihe europäischer sogenannter „populistischer“ Parteien aufzählt, die aber allesamt und ausnahmslos Parteien aus dem rechten Spektrum sind, womit somit behauptet wird, dass „links“ grundsätzlich nicht „populistisch“ sein könne. Geert kommt in dem Artikel nicht vor, wohl aber seine „Partij voor de Vrijheid“.

Lesen Sie jetzt einen Artikel von Jörg Thomann aus der heutigen FAZ aus der Hauptstadt, der zugegebenermaßen ein Stück weit off-topic dieses Blogs ist, aber andererseits dennoch hervorragend die Sensationsgier unser gewissenlosen MS-Medien enthüllt, welcher diese die Wahrheitssuche opfern – sowie die egoistische Geltungssucht vieler unserer Politiker, die sich ohne Sinn und Verstand in einer Weise äußern, die sie bei den Wählern beliebt machen soll, aber die nichts anderes als unqualifizierte Schleimerei ist.

Versteht sich, dass es genau derlei Gelichter ist, welches Geert als Populisten diffamiert um davon abzulenken, dass sein eigenes Programm aus nur drei Buchstaben besteht, und die lauten: I-C-H.

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Front gegen das Niesen

Vom Familienparadies zum „Café Kinderfrei“:
Wie ein Kiezlokal in Prenzlauer Berg zur Zielscheibe
einer Medienkampagne wird.

Das seit einigen Tagen berühmteste Café Berlins liegt in einer verkehrsberuhigten Straße, in einer Ecke, in der der Prenzlauer Berg noch nicht schicksaniert ist. Ein Streifen des Mauerparks trennt das Gebiet vom westlichen Brunnenviertel im ärmlichen Wedding, im Norden mündet die Straße in einen Steg über den S-Bahn-Schienen, nachdem sie vorbeigeführt hat an einer Jugendfarm mit Ziegen und Ponys, an einem Spielplatz und einem Kletterfelsen. Der Gleimkiez wirkt wie aus der Zeit gefallen, eine fast paradiesische Enklave im Großstadttrubel; dass wir uns in Prenzlauer Berg befinden, erkennt man einzig daran, dass auch hier viele, sehr viele Passanten einen Kinderwagen vor sich her schieben.

Sie finden sich auch im Café Niesen. Vier Wagen sind es an diesem frühen Nachmittag, die so verteilt sind, dass der Weg zu den Toiletten zum Slalom wird. Eine Mutter schaukelt ihren Kleinen auf den Knien; auf dem Tisch neben ihr liegt das sehr zerlesene Exemplar eines Riesenwimmelbuchs von Ali Mitgutsch. Es ist noch ruhig im Niesen, die Ruhe vor dem Sturm, der gegen 16 Uhr einsetzt, wenn die Eltern mit ihren Kita-Kindern eintreffen. Am ruhigsten, jetzt und nach 16 Uhr, ist es in dem Raum, den man durch den hinteren Korridor erreicht oder durch einen Nebeneingang, an dem außen ein kleiner Zettel klebt: „Neu: Für Ältern ohne Kinder“, steht darauf. Dieser Zettel hat das Niesen berühmt gemacht. Nicht der eigenwilligen Orthographie wegen, die sich einer speziellen Ausprägung berlinischen Humors verdankt, sondern aufgrund seiner Botschaft: Dieses Zimmer dürfen keine Kinder betreten.

Seit am Mittwoch vor einer Woche die „Abendschau“ des rbb bekanntmachte, dass ein Café in Prenzlauer Berg eine kinderfreie Zone eingerichtet hat, ist es mit dem beschaulichen Leben im Niesen vorbei. Die Regionalzeitungen schickten Reporter, und diesen folgten weitere; zuletzt, sagt Niesen-Mitinhaber Klaus Schulte, das „Augsburger Tagblatt“. Und weil auch die englische Ausgabe von „Spiegel Online“ einen Text ins Netz stellte, informiert nun auch „De Telegraaf“ seine Leser über das seltsame Geschehen in Duitsland, während auf der Homepage von „CityOut Vilnius“ heiß diskutiert wird, ob es in Litauen ähnlich kinderfeindlich zugeht. Am engagiertesten zeigt sich Berlins Boulevard. „Es ist ein Thema, über das ganz Deutschland diskutiert!“, freut sich „Bild“, und das Springer-Schwesternblatt „B.Z.“ titelt: „Café Kinderfrei: Politiker entsetzt“. Die „B.Z.“-Reporter haben es in Windeseile geschafft, eine große Koalition gegen das kleine Café zu schmieden: „Familienfeindlich“, ja, „zum Kotzen“ findet der FDP-Landeschef die Idee und ruft die Anwohner dazu auf, das Lokal zu „boykottieren“; „unmöglich und nicht akzeptabel“, schimpft eine SPD-Abgeordnete, und ein Grünen-Politiker regt an, „ein Verbot dieser Kinderausgrenzung“ zu diskutieren.

Am Schauplatz des Skandals steht, ein Handtuch über der Schulter und mit roter Schürze, der Wirt Klaus Schulte und versteht die Welt nicht mehr. „Wir sind so ’ner Situation noch nicht ausgesetzt gewesen“, sagt er. Das Niesen, beteuert er, sei eines der kinderfreundlichsten Cafés überhaupt: „Manchmal stehen hier zehn Kinderwagen, da kommt man gar nicht mehr durch, um das Frühstück zum Tisch zu bringen. Wir haben da eine extrem hohe Toleranz.“ Die an der Schwelle zum Séparée jetzt ein Ende hat. Allerdings, so Schulte, auf ausdrücklichen Wunsch der Gäste und auch vieler Eltern. Vor fünf Jahren hat Schulte gemeinsam mit Christine Wick das Niesen eröffnet, das kein „Szenecafé“ sei, sondern ein „Kiezcafé“. Ein Pils kostet zwei Euro, die Kindergetränke einen, die Urberliner „Stulle“ zwei. Vieles vom Essen und der Strom sind Bio, es gibt hausgemachten Kuchen und eine spärlich gefüllte Eistheke, aus den Boxen tönt Jazz oder Hildegard Knef. Eine Pinnwand wirbt für „kreative Kinderbetreuung“ in Deutsch und Englisch und für „Kindertanz – Choreographie – Pilates“, die Flüssigseife auf den Waschbecken ist von „Ikea Family“. Auf die Spendenbox auf der Theke, die Geld gegen die „Bebauung des Mauerparks“ sammelt, hat man eine zweite Box für Haiti gestellt. Die Wände sind hell, aber nicht aseptisch, die aus aller Herren Abstellkammern hervorgekramten Bänke, Stühle, Sessel, Tische und Schirmlampen repräsentieren jene liebevoll gepflegte Stillosigkeit, die als Prenzlauer-Berg-Stil berühmt ist. Mit seiner freundlichen, unaufgeregten Wohnzimmer-Atmosphäre scheint das Niesen der Inbegriff dessen, was die „Zeit“ einmal so trefflich „Bionade-Biedermeier“ nannte – mit der Einschränkung, dass es hier gar keine Bionade gibt, sondern die Niesonade, ein Gemisch aus Holundersaft, frischer Zitrone und Mineralwasser.

Als „soziale Skulptur“ bezeichnet der 49 Jahre alte Schulte, der aus dem Ruhrgebiet stammt und früher Künstler war, das Café Niesen, dessen Gäste sich miteinander vernetzen sollen – und zwar ganz unvirtuell: W-Lan gibt es nicht, weil man „kein Großraumbüro“ sein möchte. Manch Stammgast lebte schon zu Mauerzeiten im Gleimkiez, doch auch jene Zugezogenen, die Schulte „AAA“ nennt – Anwälte, Ärzte, Architekten – mischen sich unter. Irgendwann aber kam es im Netz zu Rissen. „Sehr leckeren Kuchen, selbstgemacht“, lobte vor drei Jahren ein Gast das Niesen in einem Internet-Forum, „aber leider zu viele Kinder“. Bald darauf überschrieb die Gastro-Kritikerin der „taz“ ihren Text mit der Feststellung „Ohne einen Paul oder eine Zoe fühlt man sich illegal“ und warf die Frage auf, ob die „Niesonade“ wohl deshalb so heiße, weil hier so viele Rotznasen herumliefen. Tatsächlich fanden die Gäste, zu denen längst zahlreiche Stillgruppen zählten, im Niesen alles, was Eltern mit kleinen Kindern den Café-Besuch angenehm macht: Spielecke, Keksdosen, Wickelraum, Pissoir in Kleine-Jungs-Höhe. Nur eines fand man nur noch selten, nämlich das, was die Inhaber im Sinn hatten, als sie ihr Café nach dem Schweizer Gipfel Niesen benannten: Ruhe.

Also haben Schulte und Wick reagiert. Sie übernahmen die leerstehende Eisdiele nebenan, rissen die Wand heraus und schufen das kleine Séparée nur für Erwachsene, in dem alle, also auch Eltern, ungestört Zeitung lesen oder Kaffee trinken können – ohne vom Treiben im Hauptraum isoliert zu sein, denn über die zentrale Barküche, die beide Zimmer verbindet, dringt durchaus noch Lärm hinüber. Die überwältigende Zahl der Gäste finde die Idee gut, sagt Schulte, nur einige wenige hätten sich beklagt. Das war Anfang des Jahres. Dann kam der „Abendschau“-Beitrag – und damit für die Niesen-Beitreiber die Gelegenheit, ausgiebig Erfahrungen mit Journalisten und Lokalpolitikern zu sammeln.

An Erregungsbereitschaft mangelt es ohnehin nicht in Berlin, wo sich Fußgänger und Fahrradfahrer ums Terrain streiten, Raucher und Nichtraucher, Schwaben und Eingeborene, frisch zugezogene Schwaben und Schwaben, die sich längst für Berliner halten – und nun eben auch Eltern und Nichteltern. Was gern als „Baby-Boom von Prenzlauer Berg“ gefeiert wird, erklärt sich freilich recht profan mit dem überdurchschnittlichen Bevölkerungsanteil von Frauen im gebärfähigen Alter. Laut dem Amt für Statistik Berlin-Brandenburg waren Ende vergangenen Jahres 57,9 Prozent der Frauen im Ortsteil zwischen 15 und 45 Jahren jung, ein Wert, den nur Friedrichshain übertrifft; kein Wunder also, wenn sich manch Kinderloser allmählich etwas fremd fühlt in Prenzlauer Berg. Die kühle Kalkulation des Boulevards jedoch, dass kein Politiker die Chance ungenutzt lassen würde, sich als Kinderfreund zu profilieren, ist aufgegangen – obgleich den Beteiligten jedes Maß verlorengegangen scheint: ein Landeschef der unternehmerfreundlichen FDP, der zum Boykott eines Kleinbetriebs aufruft? Ein Grüner, der in seiner Partei Experte für Rechtsfragen ist, bringt ein Verbot ins Spiel?

Fragt man Tage später nach, dann bestätigt sich, was man schon geahnt hat: Keiner der Kronzeugen der „B.Z.“ ist je im Café Niesen gewesen, keiner hat sich persönlich von der vermeintlichen Ausgrenzung ein Bild gemacht. Er würde seine Äußerung, sagt FDP-Mann Markus Löning, „so nicht wiederholen“, als dreifachen Vater habe ihn nur der allgemeine Unwille gegenüber Kindern „ziemlich betroffen gemacht“. Stefanie Winde von der SPD sagt, sie sei „falsch zitiert“ worden, während Benedikt Lux von den Grünen bedauert, dass er in Sachen Verbot „unglücklich verstanden worden“ sei; er habe nur seine Überzeugung ausdrücken wollen, dass ein ausgesperrtes Kind vor Gericht durchaus gute Chancen hätte: Es sei ein Fall von „Altersdiskriminierung“. Anders als die Kollegin Winde, die den Extra-Bereich sogar „erfreulich“ findet, hält Lux ihn immerhin nach wie vor für „geschmacklos“. Eine Gegendarstellung hat keiner der Politiker erwogen: Wenn so eine Kampagne erst einmal laufe, sagt Stefanie Winde, dann sei man praktisch machtlos.

Klaus Schulte und Christine Wick, die beide selbst je ein Kind haben, müssen also damit leben, dass das Niesen im elefantösen Gedächtnis des Internets das „Café Kinderfrei“ bleibt. Was angesichts der Kinder, die auch an diesem Tag umherlaufen, grotesk ist. Zwei Mütter, darauf angesprochen, wissen gar nicht, dass es das Séparée – es ist noch immer leer – überhaupt gibt. Die meisten sitzen an diesem Tag, ob mit Kinderwagen oder nicht, ohnehin auf der Terrasse in der Sonne. „Regen Sie sich wieder ab: Das geht vorüber“, hat Stefanie Winde Klaus Schulte am Telefon beruhigt und könnte recht haben: Spätestens im Sommer dürfte sich das Thema erledigt haben. Anders als die vielen Prenzlauer-Berg-Eltern, die „eher schon älter und es aus ihrem früheren Leben gewohnt sind, im Café zu sitzen“, hält sich die zweifache Mutter Winde mit ihrem Nachwuchs nur selten in Cafés auf: Sie finde das, bei aller Liebe zu den Kleinen, zu anstrengend.

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Time am 14. März 2010

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1) http://de.wikipedia.org/wiki/Populist
auch: https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/08/31/masada-konstantinopel-prenzlberg/