Posts Tagged ‘Monika Maron’

Donni kämpft für MICH

28. April 2018

Monika Maron schrieb in ihrem Roman „Flugasche“ (Fischer 2012, S. 33):

„Diese Genossen ,Wir’. Gegen mein klägliches ,Ich habe gesehn’ stellen sie ihr unerschütterliches ,Wir’, und schon bin ich der Querulant, der Einzelgänger, der gegen den Strom schwimmt, unbelehrbar, arrogant, selbstherrlich. Sie verschanzen sich hinter ihrem ,Wir’, machen sich unsichtbar, unangreifbar. Aber wehe, ich gehe auf ihre majestätische Grammatik ein und nenne sie ,ihr’ oder ,sie’, dann hageln ihre strengen Fragen: Wer sind ,sie’? Wen meinst du konkret? Warum sagst du ,ihr’ und nicht ,wir’? Von wem distanzierst du dich?“

Von Kathrin Spoerr wurde in der „Welt“ ein geistreicher Kommentar veröffentlicht (1).

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Wenn deutsche Medien über Trump schreiben, denke ich an die DDR

Lacht wirklich „die ganze Welt“ über den amerikanischen Präsidenten, wie der „Spiegel“ behauptet? Solches Denken ist Propaganda, die an die DDR erinnert. Das ist das Gegenteil von Demokratie.

Ich habe neulich auf „Spiegel online“ einen Satz gelesen, der mir sehr bekannt vorkam: „Die ganze Welt lacht über Donald Trump und verachtet ihn.“

Es gab in den letzten anderthalb Jahren viele ähnliche (wenn auch meist nicht ganz so weltumspannende) Sätze über Trump in den deutschen Medien. Dieser „die ganze Welt“ zusammenschweißende Satz erschien, kurz bevor Angela Merkel ins Flugzeug stieg, um den US-Präsidenten zu besuchen.

Er erinnerte mich an meine Vergangenheit in der DDR, und falls Angela Merkel den Satz ebenfalls gelesen haben sollte, so wird er vielleicht auch ihr bekannt gewesen sein, denn sie war, anders als ich, früher mal FDJ-Funktionärin.

Mit Sätzen wie diesem wurden Angela Merkel und ich unser halbes Leben lang gefüttert. Sie gingen so: „Die Werktätigen des ganzen Landes durchschauen die Machenschaften der BRD-Imperialisten und verachten sie.“

60 Millionen Amerikaner wollten Trump

Oder so: „Das ganze Volk der DDR dankt der ruhmreichen Sowjetunion und steht fest an ihrer Seite.“ Und auch vor der Gründung der DDR wurden in deutschen Medien gern die ganze Volksgemeinschaft und ihr kollektiver Wille bemüht, ob es um den Anschluss Österreichs, die Vernichtung der Juden oder um den totalen Krieg ging.

Was Donald Trump betrifft, so gab es bisher meines Wissens keine repräsentative Umfrage in „der ganzen Welt“ die Fragen betreffend, wer über ihn lacht und wer ihn verachtet. Anders in den USA, wo es vor nicht allzu langer Zeit eine Wahl gab, in der sich fast 60 Millionen Amerikaner entschieden, dass Trump ihr Präsident sein soll.

Dieser Teil „der ganzen Welt“ ist also schon mal nicht dabei, wenn „die ganze Welt“ über Donald Trump lacht und ihn verachtet. Auch ich möchte mit dem Bedürfnis, über Trump zu lachen und ihn zu verachten, nichts zu tun haben, und ich bin doch auch ein Teil der ganzen Welt.

Sich meinen, aber vom Kollektiv reden

Ich habe keine Ahnung, warum manche so gern für Kollektive sprechen, obwohl es doch offensichtlich erst mal nur sie selbst sind, die über Donald Trump (oder Putin oder Orban oder Erdogan oder Merkel oder oder oder) lachen und sie verachten wollen.

Vielleicht denken sie, dass sie ihrer privaten Meinung besondere Wucht verleihen, wenn sie so tun, als hätten sie eine riesengroße Unterstützerschaft. Das Gleiche hofften vermutlich auch die Propagandisten der DDR und der Nazis. Je größer die Zweifel an der ideologischen Geschlossenheit des „ganzen Volks“, umso mehr wurde sie beschworen.

Sowohl die Wahlen als auch die Umfragen zur Beliebtheit Trumps zeigen, dass es mit der ideologischen Geschlossenheit in den USA ganz offensichtlich heftig hapert – Gottseidank. Man nennt das, glaube ich, Demokratie.

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Time am 28. April 2018

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1) https://www.welt.de/debatte/kommentare/article175886239/Es-ist-eine-GroKo-Tag-45-Wenn-deutsche-Medien-ueber-Trump-schreiben-denke-ich-an-die-DDR.html

Alternativlose Nazislahmisierung?

1. Juli 2017

Lesen Sie einen Aufsatz von Monika Maron, den ich von „Achgut“ habe (1).

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Merkel: Ein Vampir, der das Parlament aussaugt

Es ist Sommer, heute aber ein kühler Tag, geeignet zum Nachdenken und eine frühe Mahnung an den Herbst. Im Herbst müssen, sollen, dürfen wir wählen. Früher, als ich noch in der DDR lebte, waren freie Wahlen etwas so Verheissungsvolles wie Reisefreiheit und offene Grenzen, woran man schon erkennen kann, wie wandelbar Begriffe sind. Wer denkt bei „offenen Grenzen“ noch zuerst an den Fall der Berliner Mauer? Jetzt haben wir, habe ich, die freie Wahl, und trotzdem sind Wahlen für mich seit Jahren eine Zumutung.

Meistens habe ich die FDP gewählt, weil ich glaubte, damit den geringsten Schaden anzurichten. Wahrscheinlich werde ich wieder die FDP wählen, diesmal sogar mit der kleinen Hoffnung, nicht nur den geringsten Schaden anzurichten, sondern das größte Übel zu verhindern: eine schwarz-grüne Koalition, die unvermeidbare Angela Merkel, flankiert von Katrin Göring-Eckardt; das wäre der größte anzunehmende Wahlunfall, jedenfalls für mich. Als ich 1988 aus dem Osten in den Westen zog, habe ich die Grünen noch für meine natürlichen Verbündeten gehalten. Über diesen Irrtum haben mich die Grünen selbst binnen kürzester Zeit aufgeklärt. Heute gehören sie ganz entschieden zu meinen politischen Gegnern.

Eigentlich möchte ich auf gar keinen Fall noch einmal vier Merkel-Jahre erleben. Vermutlich teile ich diesen Wunsch mit vielen meiner Mitbürger, nur so lässt sich der raketenhafte Aufstieg von Martin Schulz verstehen, der ebenso raketenhaft, nämlich wie eine abgebrannte Silvesterrakete, endete, als klarwurde, dass es unter einem SPD-Kanzler nur noch schlimmer werden kann. Denn wer soziale Gerechtigkeit fordert, ohne zu erklären, wie die illegale Einwanderung gestoppt werden kann und die illegal Eingewanderten zur Auswanderung bewogen werden können, bleibt die entscheidenden Antworten schuldig und nährt den Verdacht, dass er nicht einmal die Fragen zur Kenntnis nimmt.

Also doch wieder Merkel. Aber warum soll ich überhaupt wählen, wenn ich das einzig mögliche Ergebnis nicht gewählt haben will? Was ist das für eine Wahl, in der außer einem klitzekleinen Koalitionspartner nichts zur Wahl steht? In dieser bevorstehenden Wahl kulminiert das Verhängnis der letzten Legislaturperioden, zuerst die CDU im Bündnis mit einer entgleisten FDP, auf das die große Koalition folgte und ein Parlament ohne Opposition und Rückgrat hervorbrachte. Es war sogar noch schlimmer: Wenn die eigene Partei der Kanzlerin die Gefolgschaft zu verweigern drohte, sprang ihr die linke und grüne Opposition hilfreich bei.

Neuerdings werde ich als rechts bezeichnet

Nach zwölf Jahren Merkelherrschaft sehe ich in der politischen Figur Merkel einen Vampir, der jeder Partei und am Ende dem Parlamentarismus das Blut aussaugt und damit die eigene Unsterblichkeit nährt. Anders ist nicht zu erklären, dass die Kanzlerin ihre irrwitzigen, allseits bekannten Fehler wie die überstürzte Energiewende, die verpatzte Euro-Rettung, die sperrangelweit geöffneten Grenzen unversehrt überstanden und zudem die Welt noch von ihrer Unersetzlichkeit überzeugt hat.

Wenn ich also wähle, werde auch ich wieder Merkel gewählt haben und damit eine Politik, die ich für unheilvoll halte. Denn eigentlich gehöre ich zu denen, die neuerdings als rechts bezeichnet werden. So steht es jedenfalls in den Zeitungen. Wer so denkt wie ich, ist rechts, behaupten sie. Nie hätte ich für möglich gehalten, dass ich eines Tages rechts sein könnte. In meiner Jugend war ich links. So hatte man mich erzogen, und außerdem waren fast alle, die ich kannte, irgendwie links, schon wegen der deutschen Geschichte, wegen Sartre, Böll, Brecht, Heiner Müller. Sogar Wolf Biermann war links. Links bin ich schon lange nicht mehr. Ich dachte immer, ich sei liberal, aber im Fernsehen und in der Zeitung sagen sie, ich sei rechts. Und nun zermartere ich mir den Kopf, wie das passieren konnte. Ich bilde mir ein, ähnlich vernünftig zu sein wie früher, als ich nicht mehr links, aber noch nicht rechts war. Welche Achse hat sich gedreht, dass ich mich auf einer anderen Seite wiederfinde, ohne die Seite gewechselt zu haben? Doch die in meinem Kopf? Oder hat jemand am Meinungskompass gedreht, so dass Osten, Westen, Norden und Süden, also rechts, links, liberal und ahnungslos, völlig durcheinandergeraten sind?

Nehmen wir zum Beispiel den Vorwurf der Islamophobie, die unbedingt zum Rechtssein gehört. Ich habe also eine krankhafte Angst vor dem Islam, sagen die Zeitungen und das Fernsehen. Die Wahrheit ist, dass ich vor dem Islam wirklich Angst habe. Aber warum ist das krankhaft und nicht vernünftig? Die gleichen Zeitungen, die mir meine verachtenswerte Gesinnung attestieren, berichten täglich von blutrünstigen Verbrechen, die im Namen dieser Religion begangen werden, wobei sie natürlich betonen, dass das nicht an der Religion, sondern nur an deren Missbrauch liegt. Missbraucht wurde in der Menschengeschichte fast alles. Während für meine Kritiker der Missbrauch des Nationalen aber nur den Schluss zulässt, dass man den Nationalstaat abschaffen müsse, bleibt der missbrauchte Islam ganz ungeschoren.

Die meisten Muslime sind friedlich, heißt es. Das stimmt. Und trotzdem frage ich mich seit einiger Zeit bei jeder Frau, die mir kopftuchbewehrt entgegenkommt: Was willst du mir damit sagen? Dass du anders bist als ich? Dass du besser bist als ich? Dass meine Enkeltochter eines Tages auch so rumlaufen wird? Das habe ich mich vor fünfzehn oder zwanzig Jahren, als die Kopftücher eher selten waren, noch nicht gefragt. Dass die meisten Muslime friedlich sind, ist keine Garantie für ihre freiheitliche oder gar säkulare Gesinnung. Das beweisen Studien, Wahlergebnisse und fanatische Demonstrationen bei Auftritten von Erdogan in Deutschland. Ja, ich habe Angst vor dem reaktionären, frauenfeindlichen, nach weltlicher Macht strebenden und in unseren Alltag drängenden Islam. Aber warum ist das krank? Und warum ist das rechts? Warum bin ich rechts, wenn ich nicht glaube, dass die eineinhalb oder zwei Millionen (so genau weiß es ja keiner) jungen Männer, die in den letzten drei Jahren eingewandert sind, die herbeigesehnten Facharbeiter werden und Deutschlands demografisches Problem lösen, zumal Männer unter demografischem Aspekt vollkommen ohne Belang sind?

Ich würde gern Sebastian Kurz wählen

Oder nehmen wir die AfD. Ich sehe in ihr die logische Folge eines Parlaments ohne Opposition und einer sturen, als alternativlos propagierten Politik, deren Konsequenzen unabsehbar sind. Von Beginn an wurde diese Partei bekämpft, als sei sie der Gottseibeiuns, auch als es die aus heutiger Sicht „gute AfD“, die professorale Lucke-AfD, war. Warum ist es links, wenn einer Partei, die demokratisch legitimiert in dreizehn Landtagen und demnächst wahrscheinlich im Bundestag sitzt, Tagungsräume verweigert werden, wenn die Arbeitsplätze ihrer Mitglieder gefährdet sind, ihre Wohnhäuser angegriffen, ihre Autos abgefackelt und sie selbst zusammengeschlagen werden? Und warum bin ich rechts, wenn ich das undemokratisch, dumm und brutal finde?

Wenn das alles rechts sein soll und gleichzeitig ein hysterischer Kampf gegen rechts geführt wird, wenn darum Meinung und Sprache zensiert, öffentliche Veranstaltungen und Diskussionen gewaltsam verhindert werden und wenn diese Kämpfer gegen rechts sich selbst als links bezeichnen, dann hat wirklich jemand am Meinungskompass gedreht und nicht ich habe die Seiten gewechselt.

Ich würde gern Sebastian Kurz wählen, was leider nicht möglich ist. Wenn ich mir für Deutschland etwas wünschen dürfte, dann würde ich Boris Palmer bitten, die Grünen endlich zu verlassen, eine eigene Bewegung zu gründen und seine Talente den achtzig Millionen Deutschen statt den nicht einmal hunderttausend Tübingern zu widmen. Er ist nicht so jung wie Emmanuel Macron und Sebastian Kurz, aber jung genug. Vor allem hat er seinen Verstand behalten, ist offenbar furchtlos und ein Kämpfer. Und von den deutschen Wählern würde ich hoffen, dass sie dann ihre Verzagtheit und ihr Misstrauen in den Wind schlagen und etwas Neues, Unbekanntes wagen.

Aber es ist ja schon Sommer und bis zum Herbst wenig Zeit, zu wenig für so viel Wagemut, und so bleibt es wohl noch einmal bei der Zumutung.

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Time am 1. Juli 2017

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1) http://www.achgut.com/artikel/merkel_ein_vampir_der_das_parlament_aussaugt

Dem Recht Geltung verschaffen

23. Januar 2016

Parasiten

Manche Parasiten sehen richtig cool aus

„FAZ.NET“ brachte am 14. Januar einen lesenswerten Aufsatz von Monika Maron (1).

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Merkels kopflose Politik macht die Rechten stark

Die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung spielt den Falschen in die Hände, meint Schriftstellerin Monika Maron. Wer nicht Pegida oder AfD will, hat keine politische Heimat. Es gibt nur Merkel oder Merkel – und die Grenzen bleiben offen. Ein Gastbeitrag

Mein Freund Sami Alkomi, Aramäer aus Syrien, ist ein sehr schmaler, fast zarter junger Mann, der so kultiviert aussieht, wie er deutsch spricht. Er ist Schauspieler von Beruf, vor 27 Jahren mit seinen Eltern nach Deutschland gekommen. Zurzeit arbeitet er ehrenamtlich als Dolmetscher in Flüchtlingsheimen.

Neulich habe ich ihn gefragt, ob auch er jetzt, nach Silvester, auf der Straße anders angesehen wird als vor dieser Jahreswende, mit der scheinbar eine neue Zeitrechnung begonnen hat. Ja, sagte Sami, auch er werde anders angesehen, und wenn er im Dunkeln zufällig ein paar Meter hinter einer Frau liefe, hätte er Angst, dass sie Angst hat, und räuspere sich oder täte so, als würde er telefonieren, um sie zu beruhigen. Wer nicht schon in schwarzen Locken und dunklen Augen eine Gefahr wittert, kann an Sami nichts, absolut gar nichts entdecken, was bedrohlich wirken könnte. Und trotzdem vereinnahmt ihn nun unser misstrauisch gewordener Blick. Sami versteht das.

In seinem Buch „Exodus“ beschreibt der britische Historiker Paul Collier, wie eine Zuwanderung, die in ihrer Masse die einheimische Gesellschaft überfordert, das Vertrauen zuerst zwischen Einheimischen und Zuwanderern zerstört und in der Folge auch das Vertrauen innerhalb dieser Bevölkerungsgruppen, was in unserer auf Vertrauen und Kooperation begründeten Gesellschaft verheerende Folgen hat.

Viele misstrauen den Parteien, Institutionen und Medien

Es scheint, als befänden wir uns schon auf der zweiten Stufe des Vertrauensverlusts. Ein zunehmender Teil des Volkes misstraut den Medien, den Parteien, den Institutionen, den Motiven und Fähigkeiten der Regierung, vor allem der Kanzlerin, deren Beharren auf offenen Grenzen so wenig verständlich ist wie ihr plötzlicher Ruf nach dem starken Staat glaubwürdig ist.

Wir misstrauen einander, wir beginnen sogar einander zu hassen, weil die andere Meinung nicht nur eine andere Meinung ist, sondern an unser Existenzrecht rührt. Wer vor zwei Monaten verlangt hat, was heute Regierungspolitik ist, war rechtsradikal oder ein Nazi, wenigstens aber Rassist und Fremdenfeind. Wer vor Masseneinwanderung junger muslimischer Männer gewarnt hat, war islamophob. Bis heute wollen uns Leute wie Lamya Kaddor und Ayman Mazyek weismachen, das abartige Sexualverhalten bestimmter muslimischer Männer habe nichts mit dem Sittenkodex ihrer Religion, sondern mit ihrer traurigen Situation in unserem Land zu tun.

Als wäre diese anschwellende Missstimmung nicht Grund zu allergrößter Sorge, spricht der Entwicklungsminister Müller von den ersten zehn Prozent der zu erwartenden Einwanderer. Zudem werden uns für dieses Jahr die nächsten 1,8 Millionen Flüchtlinge angekündigt. Ich weiß nicht, woran es unseren Regierenden mehr mangelt: an Phantasie, Mut oder Verstand.

Sie beschwören die europäische Solidarität, während Herr Oettinger und Herr Schulz die Polen beschimpfen. Sie erklären ihre Handlungsohnmacht mit Gesetzen, an die sich außer Deutschland niemand hält, weil keines der Gesetze, auf die sie sich berufen, ein Volk zum kollektiven Selbstmord verpflichtet. Sie erklären, das Stück Grenze zwischen Deutschland und Österreich sei nicht zu sichern, und versuchen stattdessen, unsere Sicherheit für einen nicht zahlbaren Preis von Erdogan zu kaufen, der gerade für die nächste kurdische Einwanderungswelle sorgt. Sie versprechen, in Zukunft kriminelle Ausländer schneller abzuschieben, wohl wissend, dass auch veränderte Gesetze wenig Erfolg versprechen, weil wir in Kriegsländer nicht abschieben dürfen, viele ihre Pässe vernichtet haben oder die Heimatländer ihre Staatsbürger nicht zurücknehmen und eine Heerschar deutscher Anwälte darauf wartet, jahrelange Prozesse um ein Bleiberecht zu führen.

Wie wird das veränderte Deutschland aussehen, auf das Katrin Göring-Eckardt sich so freut, wenn der Kampf um Arbeitsplätze und billige Wohnungen erst einmal begonnen hat, wenn Hunderttausende junge Männer hier keine Frauen finden, wenn sie überhaupt erleben, dass wenig von dem, was sie für ein Versprechen hielten, sich erfüllen wird?

Und was, wenn die Vorkommnisse der Silvesternacht mehr bedeuteten als eine durch Alkohol enthemmte Verachtung von Frauen, Recht und Gesetz? Selbst Justizminister Heiko Maas geht von einer organisierten Aktion aus. Was also, wenn es eine andere Art des Terrors wäre, für die es nur wenige Akteure braucht, um einer aufgeheizten Masse ein Ziel zu geben, und die den öffentlichen Raum ebenso verunsichern kann wie ein Bombenanschlag?

Und wenn die Straßenkämpfe der gewaltaffinen deutschen jungen Männer von rechts und links, die jetzt schon toben, dann zum Alltag gehören? Wenn unser Vertrauen in die Ordnung, auf die wir uns bisher verlassen konnten, erschüttert wird, weil der Staat sie nicht mehr garantieren kann?

Menschen in Not muss geholfen werden. Ich kenne niemanden, der diesem Satz widersprechen würde. Die Differenzen beginnen beim Wie. Wie wollen und können wir helfen? „Gemäß heutiger Praxis wären, gemessen an den hiesigen demokratischen und ökonomischen Standards, zwei Drittel der Weltbevölkerung in Deutschland asylberechtigt. Dass unsere Flüchtlingspolitik einem Denkfehler unterliegt, müsste einem spätestens da auffallen …“, meint der Philosoph Rüdiger Safranski.

Nicht einmal wenn wir den Syrern sagten, weil euer Land jetzt zerstört wird, könnt ihr unseres haben, wäre das Problem gelöst. Dass ausgerechnet Deutschland den Nahen Osten befrieden wird, ist auch ein hybrider Traum. Wir müssen denen, die politisch oder rassisch verfolgt werden, Asyl gewähren. Das wäre nur ein Bruchteil derer, die heute als asylberechtigt anerkannt werden. Wir müssen denen, die wirklich vor Tod und Verderben flüchten, da helfen, wo sie sich nach eigenen Regeln eine sichere Existenz aufbauen können, in den angrenzenden Regionen ihrer Heimatländer. Wir müssen den Frauen, Kindern und Schwachen helfen, die weder Kraft noch Mittel haben, um nach Europa aufzubrechen. Wer an Deutschlands Wohlstand teilhat, kann sicher einen Teil davon entbehren. Das wäre zumutbar und gerechtfertigt.

Wir müssen dem Recht wieder Geltung verschaffen

Vor allem aber brauchen wir den politischen Willen, leichtfertig gebrochenem Recht wieder Geltung zu verschaffen. Der Parlamentarismus in Deutschland ist lahmgelegt. Wenn die eigene Partei der Kanzlerin die Gefolgschaft versagt, springt die Opposition für sie ein. Wir haben Merkel oder Merkel, und die Grenze bleibt offen.

Aber was tun wir, die weder mit Pegida spazieren gehen noch die AfD wählen wollen und trotzdem davon überzeugt sind, dass ein nicht absehbarer Flüchtlingsstrom Deutschland nicht ökonomisch, aber in seinem politischen und kulturellen Fundament gefährdet? Warum gehen wir nicht wie die freiheitsliebenden Polen auf die Straße, um von der Regierung zu fordern, dass sie das Gesetz nicht bricht? Warum stehen wir nicht an einem Sonnabend vor dem Reichstag und protestieren gegen eine kopflose Flüchtlingspolitik, die zudem rassistischen und rechtsextremen Kräften, die sie bekämpfen will, Vorschub leistet? Wir sind selbst verantwortlich für unser Land.

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Time am 23. Januar 2016

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1) http://www.faz.net/aktuell/politik/fluechtlingskrise/monika-maron-merkels-kopflose-politik-macht-die-rechten-stark-14012515.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

Ostdeutsche sind Deutsche, Orks sind Orks

6. Oktober 2015

Hungary

Diese Bilder von Folterungen und Folterern
fand man in den Handys von „Flüchtlingen“ in Ungarn (1).

Auf der „Achse des Guten“ rechnet Monika Maron mit Frau Dr. Merkel und ihren Freunden von den MSM ab (2).

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Angela Merkels Zumutung für alle Europäer

Jetzt reicht’s mir aber – mit diesem Satz im Kopf begann bisher jeder Artikel, in dem ich mich zu aktuellen politischen Themen zu Wort gemeldet habe. In der Debatte um den Flüchtlingsstrom kam er mir bislang nicht in den Sinn, weil ich viele kluge Beiträge zu den Ereignissen gelesen habe, die offenbar an dem unheimlichen Geschehen nichts zu ändern vermochten. Warum also noch einen wirkungslosen Text mehr schreiben?

Nun hat mir Thomas Schmid mit einem Beitrag in der WELT doch noch zu dem Reflex verholfen, eigentlich nur mit einem Satz, in dem er Angela Merkels Politik und Politikstil erklärt. Thomas Schmid unterstellt Angela Merkel den großen Entwurf. Sie wolle Europa zu einem politischen Subjekt vereinigen und den Islam demokratisieren. Und das alles könne sie, weil sie als Migrantin den Vorteil besäße, “der Migranten schon immer ausgezeichnet hat: An der neuen Welt hängt nicht ihr Herz, sie können daher funktionaler mit ihr umgehen“.

Es beginnt mit der unsinnigen Behauptung, alle Ostdeutschen wären Migranten, wie auch der Vergleich der ostdeutschen Flüchtlinge und später der von Ost nach West ziehenden Arbeitssuchenden mit der heutigen Migration von Millionen arabischer Muslime unlauter und absurd ist.

Nur zur Erinnerung: Die deutsche Teilung war das Ergebnis gemeinsamer Kriegsschuld, die nur von den Ostdeutschen mit jahrzehntelanger Unfreiheit bezahlt wurde, was nichts daran änderte, daß sie Deutsche waren, der deutschen Sprache mächtig, gut ausgebildet, sie hatten nicht weniger Goethe und Schiller gelesen, Bach, Beethoven und Mozart gehört als die Westdeutschen. Und die ostdeutschen Frauen waren, wenn auch eher praktisch als ideologisch, emanzipierter als viele westdeutsche. Daß vierzig Jahre Diktatur ihre Spuren in der kollektiven Psyche hinterlassen hatten, läßt sich nicht bestreiten, aber es waren Spuren nicht in irgendeiner, sondern in der deutschen Seele.

Angela Merkel ist also keine Migrantin, ganz abgesehen davon, daß sie nicht aus der DDR ausgereist und in die Bundesrepublik eingereist ist. Sie wurde wiedervereinigt, blieb, wie die meisten Ostdeutschen, in ihrer Stadt, sogar in ihrer Wohnung; nur die Verhältnisse hatten sich geändert. Niemand würde behaupten, daß die Polen, Tschechen, Ungarn, Slowaken heute alle Migranten im eigenen Land sind. Warum dann die Ostdeutschen?

Schlimmer als diese Entnationalisierung der Ostdeutschen ist die Behauptung, Angela Merkels Herz, und damit ja auch unsere ostdeutschen Herzen hingen nicht an dieser neuen Welt, weshalb wir funktionaler mit ihr umgehen könnten.

Vielleicht ist es ja gerade umgekehrt und die Herzen derer, die sich 1989 befreit und nicht erobert fühlten – und das waren die meisten Ostdeutschen –, hängen an dieser neuen Welt inniger als jene, denen die persönliche Freiheit eine Selbstverständlichkeit ist. Ich, lieber Thomas Schmid, hänge an der verbürgten Freiheit des Wortes, an der Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit, am Rechtsstaat und an der Demokratie, und ich leide, wenn auf diese Freiheit freiwillig verzichtet wird. Ich leide, wenn ich Argumente hören muß, die mir aus meiner alten Welt noch in den Ohren klingen: Man dürfe dieses und jenes nicht sagen, weil es den falschen Leuten nütze. Diese „neue Welt“ war den meisten Ostdeutschen vertraut als Ort ihrer Sehnsucht nach einem freien Leben, und sie sind empfindlich, wenn diese gewonnene Freiheit durch eine reglementierte Sprache und mediale Erziehungsprogramme geschrumpft und entstellt wird.

Angela Merkel ist nicht so machtversessen, weil sie aus dem Osten ist, sondern weil sie Angela Merkel ist und weil ihre Partei es ihr erlaubt hat, was wiederum an Merkels unerschütterlicher Beliebtheit liegt, jedenfalls bis vor kurzem lag. Warum sie so beliebt ist oder war, erklärt nun wieder die gemeinsame deutsche Seele, die in dem Unspektakulären, Uneleganten, sogar in der bescheidenen Rhetorik mehr Seriosität zu erkennen glaubt als in einer entschiedenen Politik, die es wagt, den Bürgern die Wahrheit zuzumuten.

Daß ausgerechnet Angela Merkel nun für die größte Zumutung, nicht nur für die Deutschen, sondern für alle Europäer, gesorgt hat, schreckt uns auf aus der deutschen Gemütlichkeit. Eine Million Menschen, vorwiegend junge, muslimische Männer, und das nur in diesem Jahr, strömen unkontrolliert nach Deutschland und werden, wie uns Rot, Grün und Schwarz einmütig versichern, unser Land verändern, und zwar zum Besseren, wie gern hinzugefügt wird. An ihnen wird sich Thomas Schmids Diagnose der Migrantenseele vermutlich bewahrheiten. Ihr Herz hängt nicht an der neuen Welt, und sie können darum funktionaler mit ihr umgehen.

Was das für Deutschland und Europa bedeutet, wird sich bald zeigen.

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Time am 6. Oktober 2015
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1) http://www.barenakedislam.com/2015/10/05/is-george-soros-working-with-human-traffickers-to-send-millions-of-muslim-freeloaders-and-terrorists-into-the-eu/
2) http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/angela_merkels_zumutung_fuer_alle_europaeer

Welche sind die Krankheiten?

4. Januar 2015

Monika_Maron

Einen wie stets sehr pointierten Aufsatz konnte die counterjihadische Schriftstellerin Monika Maron heute auf „Welt.de“ unterbringen (1).

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Pegida ist keine Krankheit, Pegida ist das Symptom

Am Montag vor Weihnachten sind mein Freund und Kollege Peter Schneider und ich nach Dresden gefahren. Wir wollten selbst sehen, was es mit dem Phänomen Pegida, das Politik und Medien in diese schäumende Aufregung versetzt, auf sich hat. Es fällt mir schwer, zu diesem Thema den richtigen Ton, die richtigen Worte zu finden, weil die Diskussion so vergiftet ist, daß mir bei jedem Satz die Wut des jeweiligen Adressaten sofort im Ohr klingt. Und wie sollte da ein Dialog zwischen Pegida und der Politik aussehen? Die Pegida-Demonstranten haben ihren Protest in die Welt geschrien, die Antworten konnten sie in den Zeitungen lesen. Was wäre da noch zu sagen?

Aber woher kommt diese Wut? Nimmt man die Pegida-Anhänger beim Wort, dann halten sie es für unsere und ihre Pflicht, Kriegsflüchtlinge und politisch Verfolgte aufzunehmen, abgelehnte Asylbewerber aber abzuschieben, und sie fordern eine gesetzlich geregelte Einwanderung. Etwas anderes habe ich in den Reden auch nicht gehört, als ich am Montag in Dresden war.

Ob sie das wirklich so meinen, kann und will ich nicht beurteilen. Aus diesen Forderungen ließe sich aber weder Rassismus, noch Fremdenfeindlichkeit, schon gar nicht eine nazistische Gesinnung attestieren. Wenn ich das nur für Camouflage halte und ihnen diese Ansichten trotzdem unterstelle, habe ich jede Möglichkeit eines Dialogs ausgeschlossen. Das aber ist von Anfang an passiert.

Alles Rassisten?

Ich habe den Eindruck, dass gerade die sich überbietende Feindseligkeit, die unverhohlene Verachtung auf Pegida wirkt wie ein Wachstumshormon. Die Feindschaft der anderen gibt ihnen ein vermisstes Gemeinschaftsgefühl. Wer so viel Feindschaft auf sich zieht, muss groß und wichtig sein. Und die Umfragen, u.a. im Auftrag der „Zeit“ erhoben, scheinen ihnen recht zu geben. Danach unterstützten 30 Prozent Pegida „voll und ganz“, 19 Prozent eher ja, 26 Prozent teilweise und nur 23 Prozent gar nicht.

Sind drei Viertel aller Deutschen Rassisten und fremdenfeindlich, weil sie fürchten, der Islam gewinne zu viel Einfluss in Deutschland und unterhöhle langsam die säkularen Grundlagen unseres alltäglichen Lebens? Fremdenfeinde, Rassisten, Islamfeinde (im Wechsel mit Islamhasser), diese Worte gehören in der Diskussion über Pegida offenbar zusammen.

Islamkritiker oder -gegner kommen nicht mehr vor, nur Hasser und Feinde. Was aber wäre ein Islamfreund? Welchen Grund hätte ich, eine Islamfreundin zu sein? Ich kann die Freundin von Muslimen sein, aber nicht Freundin dieser unaufgeklärten Religion mit politischem Anspruch, deren Hasspotenzial offenbar so groß ist, dass es gerade die ganze Welt erschüttert.

Vom Burkini bis zur Riesenmoschee

An der augenblicklichen Misere haben alle Parteien Anteil. Die einen haben bestritten, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist, als es längst eins war, weshalb wir bis heute kein Einwanderungsgesetz haben. Die anderen haben „Zwangsgermanisierung“ geschrien, als Lehrer, Eltern und Schüler einer Berliner Schule beschlossen, dass auf dem Schulhof nur noch deutsch gesprochen wird.

Alle Parteien gemeinsam haben die doppelte Staatsbürgerschaft bis ins xte Glied beschlossen, was angeblich die Integration befördern soll, vermutlich aber nur ein Akt der Wählerrekrutierung ist.

Von Burkinis, Klassenfahrten, Riesenmoscheen, Gebetsräumen in Schulen, neuerdings auch von „Wintermärkten“ und dem irren Vorschlag, islamische Lieder (?) in christlichen Kirchen zu singen, oder von der absurden Milde deutscher Gerichte gegenüber den kulturellen Eigenheiten der muslimischen Migranten, die erst für Aufregung sorgte, als eine Frankfurter Richterin einem muslimischen Mann das Recht zusprach, seine muslimische Frau zu verprügeln, will ich gar nicht erst sprechen.

Islamisierung beginnt nicht erst,
wenn der Islam in Deutschland Staatsreligion geworden ist

Islamisierung beginnt nicht erst, wenn der Islam in Deutschland Staatsreligion geworden ist, sondern wenn er unsere rechtsstaatlichen und zivilisatorischen Grundsätze mit seinen religiösen Ansprüchen unterläuft. Man muß kein Anhänger von Pegida sein, um zu fordern, dass Regierung und Gesellschaft die schwer erkämpfte Säkularität verteidigen und einer Religion, der die Aufklärung noch bevorsteht, klare Grenzen zu ziehen.

Die stärksten Verbündeten wären dabei die säkularen Muslime, Menschen wie Seyran Ates, Necla Kelek, Hamed Abdel Samad, Güner Balci, die so wenig wie Christen und Atheisten wünschen, dass der Islam in Deutschland mehr Rechte und Raum beansprucht, als einer Religion in einem weitgehend säkularen Land zusteht.

Statt dessen hat die Regierung es vorgezogen, dem Druck der Islamverbände nachzugeben und die säkularen Kräfte von der Islamkonferenz auszuschließen. Warum sprechen wir überhaupt von viereinhalb Millionen Muslimen in Deutschland und akzeptieren damit den Anspruch des Islam, dass jeder, der als Muslim geboren wurde, ein Leben lang Muslim bleiben muss?

Der säkulare Staat sollte im Mittelpunkt stehen

Wissen wir, wie viele von den in Deutschland lebenden Türken, Persern und Arabern gläubige Muslime sind und wer von ihnen die Rechte, die islamische Verbände einfordern, überhaupt haben will? Die Grenze verläuft nicht zwischen Muslimen und Nichtmuslimen, sondern zwischen den Verteidigern des säkularen Staates und denen, die ihn unterlaufen wollen oder aus politischem Kalkül aufs Spiel setzen.

Es ist doch möglich, dass vielen der Dresdener Demonstranten auch solche Gedanken durch den Kopf gehen, wenn sie Herrn Mazyek wieder einmal in einer Talkshow begegnen, wo er in sultanesker Pose behauptet, der Salafismus hätte mit dem Islam nichts zu tun, oder es brauche einfach noch mehr staatliche Förderung, um einen Teil der in Deutschland geborenen türkisch- und arabischstämmigen jungen Männer zum Schulbesuch zu animieren.

Der Vorwurf, die Dresdener hätten in Ermangelung von Muslimen in Sachsen überhaupt keinen Grund, sich vor der Islamisierung zu fürchten, ist in einer Zeit, da das politische Bewusstsein sich wenigstens zur Hälfte an den Medien, vor allem am Fernsehen bildet, ohnehin wohlfeil. Schließlich kannten die 12.000 Münchener Gegendemonstranten Pegida auch nur aus dem Fernsehen oder den Zeitungen.

Pegida und das Weihnachtsfest

An diesem Montag vor Weihnachten stand auf dem Pegida-Programm das gemeinsame Singen von Weihnachtsliedern. Obwohl Zettel mit den Texten herumgereicht wurden, fiel der Versuch eher kläglich aus. Aber wenn danach Herr Alboga von der Ditib, die christlichen Kirchen und SPD-Funktionäre den Demonstranten Missbrauch christlicher Lieder vorwerfen, kann ich darin nur eine unbegreifliche Anmaßung sehen.

Weihnachtslieder sind nun einmal von Natur aus christlich konnotiert, aber sie gehören zu jeder deutschen Kindheit, ob christlich oder nicht. Selbst in der atheistischen DDR wurden Weihnachtslieder gesungen.

So unvollkommen der Gesang an diesem Abend war, klang er aus manchen Gruppen, die auf dem Theaterplatz versammelt waren, ganz inbrünstig. Hätten die Gegendemonstranten auf dem Postplatz sich nicht darauf beschränkt, die Pegida durch Pfeifkonzerte zu stören, sondern hätten sie textsicher und stimmkräftig bewiesen, dass sie die wirklichen Bewahrer der Kultur und christlicher Werte sind, dann hätte es ein Triumph für sie sein können.

Tradition und christliches Erbe

Aber vielleicht liegt ihnen so viel Traditionalismus und christliches Erbe ja fern. Überhaupt fällt mir auf, dass über Tradition und Heimat in der meinungsbestimmenden Öffentlichkeit vor allem dann warmherzig und verständnisvoll gesprochen wird, wenn es um fremde Traditionen und anderer Menschen Heimatländer geht, während die gleichen Begriffe, auf Deutschland bezogen, entweder ironisch benutzt werden oder dem Verdacht überholter nationaler Denkungsart oder Schlimmerem ausgesetzt sind. Warum eigentlich?

Indem ich dieses „Warum eigentlich“ schreibe, weiß ich, was die Antwort sein wird. Die deutsche Geschichte. Ja. Und trotzdem ist Deutschland Heimat, und trotzdem dürfen den Deutschen Traditionen etwas bedeuten.

Seit alle Parteien sich um den Platz in der Mitte streiten und die CDU den konservativen Teil der Bevölkerung sich selbst überlassen und die liberale Partei sich selbst zugrunde gerichtet hat, seit das Wort Normalität nur noch in Anführungszeichen benutzt werden kann, aber jede Minderheit nicht nur Akzeptanz, sondern Deutungshoheit beansprucht, seitdem war es nur eine Frage der Zeit, wann sich am verwaisten konservativen Flügel der Gesellschaft eine politische Kraft ansiedeln würde.

Die Attacken treiben Pegida Anhänger zu

Aber statt das explosive Erscheinen der AfD als Folge der eigenen Politik zu erkennen, behandeln alle Parteien den neuen Konkurrenten wie einen Aussätzigen, mit dem man besser nicht an einem Tisch sitzt, und wenn sich das nicht vermeiden lässt, in einer Talkshow zum Beispiel, fällt man wenigstens gemeinsam über ihn her, als wäre er nicht der Vertreter der eigenen abtrünnigen Wählerschaft.

Auch solche Szenen sind es, die der Pegida die Anhänger zutreiben. Bei Plasberg und Co. wird ihnen vorgeführt, mit welcher inneren Kraft und Nervenstärke die Meinungsfreiheit bezahlt werden muss, wenn man sie in Anspruch nimmt.

Und wer sich weder die Kraft und Nervenstärke, noch die rhetorischen Fähigkeiten zutraut, glaubt nicht mehr an die Meinungsfreiheit. Aber montags auf dem Theaterplatz, als einer von zehn- oder fünfzehn- oder siebzehntausend, wenn er nicht einmal selbst sprechen muss, sondern nur diese Sprüche rufen: Wir sind das Volk! und Lügenpresse, Lügenpresse! und selbst wenn eine so windige Gestalt wie Lutz Bachmann für ihn spricht, kann er endlich seinen Unmut lauthals kundtun.

Wir preisen die offene Gesellschaft
und verweigern die offene Diskussion

An diesem Montag vor Weihnachten, als ich in Dresden war, fiel mir auf, dass im Gegensatz zu den Fernsehbildern und Zeitungsberichten über frühere Pegida-Demonstrationen sehr viele junge Männer den Platz bevölkerten. Vielleicht lag es ja daran, dass die Mütter und Großmütter mit den Weihnachtsvorbereitungen beschäftigt waren.

Vielleicht aber führt die reflexhafte Unterstellung, es handele sich bei Pegida nur um eine Ansammlung von Rassisten und fremdenfeindlichen Subjekten, Nazis eben, die es unter den Demonstranten zwar auch gibt, aber nicht in der Mehrzahl, vielleicht führen gerade diese Abwehrkanonaden dazu, dass die Menschen, die keine Rassisten sind, schon gar keine Nazis, sich solchem Verdacht nicht länger aussetzen wollen und statt ihrer dann andere, wirkliche Rassisten und Fremdenfeinde auf dem Platz demonstrieren.

Bei der Heimfahrt, auf der Ausfallstraße in Richtung Berlin fielen uns die vielen Autos mit Berliner und Brandenburger Kennzeichen auf, und an der Tankstelle sahen wir sie dann, die Nazis mit Glatzen und Thor-Steinar-Jacken. Die waren also auch da. Denen und ihren weniger auffälligen Geistesbrüdern keinen Platz und keine Stimme zu geben, ist die einzige richtige Antwort.

Mit allen anderen aber müssen wir reden. Wir müssen wieder lernen, andere Meinungen zu ertragen, ohne in ihren Vertretern nur Feinde und Abschaum zu sehen. Wir preisen die offene Gesellschaft und verweigern die offene Diskussion. Pegida ist nicht die Krankheit, Pegida ist nur ein Symptom.

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Time am 4. Januar 2015

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1) http://www.welt.de/debatte/kommentare/article135973630/Pegida-ist-keine-Krankheit-Pegida-ist-das-Symptom.html

Gehört Deutschland nur 5%?

7. Februar 2014

Deutschland

Für mich ist Deutschland das allerschönste Land der Welt. Die Nazis haben unser Territorium in nur zwölf Jahren halbiert. Sie seien auf ewig verflucht!

Die „Welt“ hat vor kurzem einen counterjihadischen Aufsatz von Monika Maron gebracht (1).

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Politiker müssen Muslimen die Grenzen aufzeigen

Integrationspolitik ist vor allem eine Politik für türkische Muslime. Oder hatten wir je einen vietnamesischen Integrationspolitiker und forderten die hier lebenden Hindus je einen eigenen Feiertag?

Als ich neulich in der Zeitung las, der Innenminister de Maizière wolle die mittlerweile zermürbende und ergebnisarme Islamkonferenz ganz und gar umgestalten, flackerte ein Hoffnungsflämmchen in mir auf.

Endlich, dachte ich, endlich ein Minister, der sich auch fragt, was viele andere, darunter ich, sich schon lange fragen: Warum nur eine Islamkonferenz, warum nicht auch eine Hindu-, griechisch-orthodoxe, russisch-orthodoxe Konferenz, warum nicht eine Polen-, Vietnamesen-, Afrikanerkonferenz?

Endlich wird es wohl eine Konferenz geben für alle Eingewanderten, in der dann die vietnamesischen und polnischen Einwanderer den türkischen erklären könnten, wie das mit ihren Kindern und der Schule funktioniert und warum sie bisher keine eigene Konferenz brauchten und solche Dinge.

Aber nur ein paar Stunden später war klar, dass die Vertreter der Ditib und anderer türkisch-muslimischer Verbände den Innenminister viel besser verstanden hatten als ich, was meine zaghafte Hoffnung in verzweifelte Ratlosigkeit umschlagen ließ.

Denn schon de Maizières unkonkrete Ankündigung ermutigte die Kolats, Kizilkayas und andere Wortführer der Muslime, dem Minister einen Forderungskatalog zu unterbreiten, den sie für jede ihnen günstig erscheinende Gelegenheit offenbar immer bereithalten: ein muslimischer Feiertag, Seelsorger in Bundeswehr und Gefängnissen (da besonders), Krankenhäuser, Friedhöfe, alleinige Herrschaft der Verbände in den Beiräten für islamische Religionspädagogik und, so eine Forderung des Sprechers der Ditib, Bekir Alboga, „wertschätzende Aussagen von Politikern“, um „die öffentliche Wahrnehmung“ des Islam in Deutschland zu verbessern.

Ich stelle mir vor, ich würde von deutschen Literaturkritikern wertschätzende Äußerungen über meine Bücher fordern, um deren öffentliche Wahrnehmung zu verbessern. „Dann schreiben Sie bessere Bücher“, würden mir die Kritiker vielleicht sagen, wahrscheinlich würden sie mich aber nur für verrückt erklären.

Die Ditib, in deren Namen Bekir Alboga spricht, ist der deutsche Repräsentant der türkischen Religionsbehörde Diyanet, die direkt der Regierung Erdogan untersteht. Offenbar versucht sie in Deutschland durchzusetzen, was inzwischen selbst in der Türkei auf Widerstand stößt.

In Deutschland leben 15 Millionen Einwanderer, darunter sind etwa 4,5 Millionen Muslime, davon drei Millionen Türken. Wie viele Muslime sich durch ihre Verbände wirklich vertreten fühlen, wissen wir nicht.

Aber selbst wenn es alle wären, ergäbe ihr Anteil an der deutschen Bevölkerung fünf Prozent, was hieße, dass 95 Prozent einen Feiertag begehen sollen, mit dem sie weder durch Tradition noch durch ihren Glauben irgendwie verbunden wären.

Allein dieser Anspruch erscheint mir absurd. In Deutschland herrscht vollkommene Religionsfreiheit. Jeder Gläubige ist berechtigt, an seinen religiösen Feiertagen Urlaub zu nehmen.

Ich frage mich schon lange, wie die muslimischen Verbände es anstellen, dass ihre absurdesten Forderungen die ganze Republik regelmäßig in Aufruhr versetzen, sodass man den Eindruck haben könnte, wir lebten tatsächlich schon in einem halbislamischen Staat, dessen säkulare Verfassung unter den religiösen Forderungen der Muslime nach und nach begraben werden soll.

Verschleierte Lehrerinnen, Gebetsräume in Schulen, Burkinis in Schwimmhallen – wenn es nach den muslimischen Funktionären ginge, würde das Bild des öffentlichen Lebens in Deutschland im Namen von fünf Prozent seiner Bewohner so lange umgestaltet, bis es islamischen Ansprüchen genügt. Ich hoffe inständig, dass zumindest die Hälfte aller deutschen Muslime das so wenig wünscht wie ich.

Am wenigsten verstehe ich, warum die deutschen Politiker mit den muslimischen Vertretern in diesem beschwichtigenden Ton sprechen, als hätten sie gerade einen Deeskalationskurs der Neuköllner Kriminalpolizei absolviert. Sie sind die gewählten Repräsentanten aller Deutschen und legitimiert, die säkularen Grundsätze des Staates klar und unmissverständlich zu verteidigen.

Wenn die religiösen Ansprüche der Muslime mit dem Gleichheitsgebot des Grundgesetzes kollidieren sollten, müsste man, wie der deutsch-ägyptische Autor Hamed Abdel Samad es schon vorgeschlagen hat, die Privilegien der christlichen Kirchen womöglich beschränken, um den Zugriff des Islam auf das öffentliche Leben von uns allen zu verhindern.

Es ist eine Illusion zu glauben, die Probleme des Islam und mit dem Islam ließen sich allein im deutschen Kontext lösen. Gläubige Muslime verstehen sich als eine weltweite Gemeinschaft, als Umma, deren Konflikte und Kämpfe auch in die deutschen Klassenzimmer dringen.

Die Hoffnung, den Frieden zu wahren, indem die eigenen, hart erkämpften Werte durchlöchert werden, trügt, wie der gepriesene Frieden des „Wunders von Marxloh“ getrogen hat.

Statt aber scharfe Grenzen zum religiösen Anspruch einer Bevölkerungsgruppe zu ziehen, demonstrieren Politiker aller Parteien ihre Toleranz, indem sie möglichst jeden frei werdenden Posten in der Integrationspolitik mit einem Mann, am liebsten aber mit einer Frau türkischer, iranischer oder palästinensischer, in jedem Fall muslimischer Herkunft besetzen.

Warum eigentlich nicht mit einer Vietnamesin oder einem Polen, einem Russen oder einer Bulgarin, deren Religionszugehörigkeit sicher nicht gesondert hervorgehoben würde? Ist Integrationspolitik vor allem eine Politik für Muslime, insbesondere für türkische Muslime, oder schließt sie die übrigen zehn Millionen Einwanderer ein?

Aydan Özoguz, seit Dezember 2013 Staatsministerin für Integration, beklagte kurz nach ihrem Amtsantritt mangelnde Kenntnisse der Deutschen über Islam und Islamkonferenz. Kurz darauf forderte sie, die bisherige Regelung für die doppelte Staatsangehörigkeit „ohne Wenn und Aber“ aufzuheben.

Das Verb „integrieren“ hat sowohl eine reflexive als auch eine nicht reflexive Bedeutung; man kann etwas oder jemanden integrieren, und man kann sich integrieren.

Eine Integrationsministerin sollte beide Bedeutungen des Wortes in ihrer Politik bedenken. Sonst liefe sie Gefahr, Klientelpolitik zu betreiben und die Interessen des ganzen Landes aus den Augen zu verlieren.

Die Integrationsaufgabe der deutschen Gesellschaft und Politik ist es, den Menschen, die aus anderen Kulturen und Staaten zu uns kommen, die Wege zu ebnen, die Türen zu Schulen und Universitäten zu öffnen, Religions- und Meinungsfreiheit zu garantieren.

Die Integrationsaufgabe der Einwanderer ist es, diese Angebote anzunehmen und das Grundgesetz, das heißt auch die Säkularität des Landes, zu achten; eben sich zu integrieren, als Muslime, Atheisten, Orthodoxe jeder Couleur, Hindus, Juden, Katholiken, Protestanten, jeder nach seiner Fasson.

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Diesem Aufsatz entgegnete Hakan Demir im „Orkazin“ wie folgt (2):

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Nur ein stiller Migrant ist ein guter Migrant

(„Nur ein toter Indianer ist ein guter Indianer“: Demir unterstellt Maron einen genozidalen Subtext, T.)

Manchmal suchen Menschen einfach nur nach großem Applaus. Umso größer fällt dieser aus, je polemischer und zugespitzter die Wortwahl ist. Die Mittel zum Zweck heißen dann oft: Widerwillen statt Verständnis, Polarisieren statt Argumentieren, Dunkelheit statt Licht.

(Maron ist widerwillig, sie polarisiert und bringt die Dunkelheit, meint Demir. Was bringt er? T.)

(…) Eine optimale Debatte sollte dabei immer so verlaufen, dass das bessere Argument gewinnt.

Doch die Spielregeln lauten anders: Das Medium, das die größte Reichweite hat, gewinnt, ganz gleich, was und in welcher Form etwas geschrieben wird. Es ist vor diesem Hintergrund eine Sisyphusarbeit, alle krummen Behauptungen und behaupteten Krummheiten aus der Welt zu schaffen. Diese Arbeit ist aber immer dann besonders notwendig, wenn etwas Unsinniges mit etwas Sinnigem zusammengeführt wird und der Anschein von Unbescholtenheit erweckt werden soll. Das geschieht nun in einem Meinungsbeitrag von der Schriftstellerin Monika Maron. (…)

(In Verdunkelungsabsicht führt Maron, so Demir, Halbwahrheiten und Unsinnigkeiten zusammen. Sie versuche, „den Anschein von Unbescholtenheit zu erwecken“ und ist also s.E. nicht unbescholten, sondern eine Kriminelle. T.).

(…) Doch das Gros ihres Beitrags ist ein Potpourri aus Unverständnis und mangelndem Sinn für Demokratie: Ihren Ärger oder besser gesagt ihre „verzweifelte Ratlosigkeit“ begründet sie damit, dass sie sich von der Islamkonferenz mehr erhofft hätte. Sie dachte nämlich, dass es endlich eine Konferenz für alle Einwanderer gebe, auf der polnische oder vietnamesische Einwanderer den türkischen Eltern erklären würden, „wie das mit ihren Kindern und der Schule funktioniert und warum sie bisher keine eigene Konferenz brauchten und solche Dinge“. Dabei vergisst die Autorin wohl, dass bereits solch eine Konferenz existiert und zwar den Nationalen Integrationsgipfel, an dem aus verschiedenen Bevölkerungsgruppen Menschen teilnehmen.

(Maron ist unverständig und hat keinen Sinn für Demokratie, sie ist ärgerlich und vergesslich, findet Demir, und hält diese Polemisierungen offenbar für „gute Argumente“ nach Klo H. Metzels Motto, dass das beste Argument immer noch das Schwert sei. T.)

(…) Dabei benötigt Maron offenbar Nachhilfe im Fach Staatskunde. Denn sie müsste doch wissen, dass eine Demokratie aus vielen, verschiedenen Interessen besteht. Und das ist auch gut so. Wenn das politische System diese Interessen nicht hätte, könnte es nicht funktionieren, könnte es sich nicht auf bestimmte Aufgaben einstellen. Forderungen signalisieren dem Staat, dass etwas in der Gesellschaft vermutlich nicht stimmt. Ein Staat ohne Interessenorganisationen wäre demnach wie ein Flugzeug ohne Cockpit. Dass nicht alle Forderungen vom politischen System gleich beachtet werden, ist dabei ein notwendiges Übel. (…) Allein die hier lebenden Muslime sollen nichts fordern. Gewünscht ist offenbar eine Tyrannei der Mehrheit: Sie allein soll bestimmen, wo es langgeht.

(Schülerin Maron benötigt laut Oberstudierat Demir „Nachhilfe im Fach Staatskunde“? War das nicht ein Fach in der bolschewistischen „DDR“? Das will Demir offenbar wieder bei uns einführen. Es passt aber nicht zu einer Demokratie, die Frau Maron s.E. nicht verstanden hat. So blubbert er und zeigt doch nur, dass ihm selbst das Konzept der Demokratie völlig fremd ist, und dass er es nur als „Zug“ begreift, auf den er „aufsteigen“ möchte, „bis er am Ziel“ und die Scharia durchgesetzt ist (3). T.)“

Die Aussage, dass eine Gruppe zu viel fordern würde, ist im Übrigen ein Grundmerkmal des subtilen Rassismus laut dem Vorurteilsforscher David O´Sears. Eine Herrschaft der Mehrheit ohne die Anerkennung der Rechte der Minderheit ist obendrein eine blinde Vorstellung von Demokratie. Bevölkerungsgruppen, ob sie nun türkisch, vietnamesisch oder polnisch sind, haben das Recht, Rechte zu haben. Sie können fordern, was sie wollen und was im Einklang mit der Meinungs- und Pressefreiheit steht. Doch die Autorin verhält sich wie jemand, der die Auffassung teilt: Nur ein stiller Migrant ist ein guter Migrant.

(Wie tief muss man gesunken sein, um die Meinung eines „Vorurteilsforschers“ zu bemühen? Diese Berufsbezeichnung ist vollkommen ungeschützt und gleichbedeutend mit Käuflichkeit. Und wo auch mit dem Elektronenmikroskop kein Rassismus ausgemacht werden kann, müssen dann ein „subtiler Rassismus“ oder – wie wir noch sehen werden – ein „Kultur-Rassismus“ bemüht werden. Indes rückt Demir Maron in die Nähe der Völkermörder an den nordamerikanischen Indianern. Das ist widerwärtig und in allerhöchstem Maße polemisch! T.)

Die Politik sei zu beschwichtig mit muslimischen Vertretern, kritisiert Maron weiter. Dabei sehnt sie sich offenbar nach klaren Grenzen: Wie diese aussehen sollen, weiß sie bislang noch nicht. Das überlässt sie eher den „Welt-Lesern“, die schon ihre weitläufigen und skurrilen Ideen in den Kommentarbereich unter den Artikel von Maron ausspannen.

(Ganz Frau, „sehnt“ sich Maron, „weiß“ aber nichts. Das delegiert sie – feiger- oder faulerweise – an die nazistischen Kommentatoren, insinuiert Demir. T.)

(…) Wer dem Islam angehört, ist mit dem Grundgesetz nicht kompatibel – zumindest wird das zwischen den Zeilen angedeutet. Das ist eine kultur-rassistische Wertzuschreibung!

(Vorsicht mit Andeutungen, liebe Leser! Bereits diese können Sie zu Kultur-Rassisten und damit ins Fadenkreuz der Gedankenpolizei bringen, die Demir bei uns einführen möchte. T.)

Darüber hinaus beschwert sich Maron über die Toleranz der Parteien, die jeden frei werdenden Posten in der Integrationspolitik mit einer muslimischen Person ausstatte.

(Typisch diese Deutschen. Ständig beschweren sie sich, wenn inkompetente Personen allein aufgrund ihrer mohammedanistischen Ideologiezugehörigkeit auf lukrative und mächtige Posten gehievt werden. Sie verstehen offenbar ihre Rolle als Dimmies in der Umma nicht. Es wird Zeit, mal wieder ein paar Schädelmoscheen zu errichten. T.)

(…) Doch wie kommt sie darauf, dass das nicht getan wird? Warum dieser Generalverdacht? Und wer sagt, dass Integration nur was für Einwanderer ist? Scharen von Rechtsextremisten und ein beträchtlicher Teil der bürgerlichen Mitte in Deutschland müssten ebenso in diese Gesellschaft integriert werden wie die Autorin selbst, die offenbar ein verklärtes Verhältnis zur Demokratie hat. Ein Integrationskurs und anschließend der Einbürgerungstest könnten ihr helfen.

(Frau Maron „kommt“ fälschlicherweise auf etwas, äußert Generalverdächte, macht sich gemein mit Rechtsextremisten – ebenso wie „ein beträchtlicher Teil der bürgerlichen Mitte in Deutschland“ – und ihr muss deshalb wegen ihrer zahllosen oben gelisteten Verfehlungen zunächst die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt werden, die sie aber nach Absolvierung eines „Integrationskurses“ und eines „Einbürgerungstestes“ wieder erlangen kann, so das Tork-Pluster-Hähnchen Demir, das sich als eigentlicher Besitzer Deutschlands behauptet. T.)

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Hey, hallo, liebe Mitbürger, die Sie hier lesen, merken Sie nicht, wie unglaublich aufgeblasen sich jedes kleine Loser-Ork sich mittlerweile in Deutschland gebärden darf? Merken Sie nicht, dass Demir meint, eine unglaubliche Macht im Rücken zu haben? Merken Sie nicht, dass er Sie für den letzten Dreck oder bestenfalls für  Haustiere hält? Merken Sie nicht, dass er seine Community, die 5% der Bevölkerung stellt, für die Besitzer dieses Landes hält? Stimmen Sie ihm zu und wollen Sie das so hinnehmen?

Für Mohammedanisten bedeutet „Gastrecht“ das Recht des mohammedanistischen Gastes, den Gastgeber zu ermorden oder zu vertreiben, wenn er kein Mohammedanist ist. Das steht im Kloran, der das originale Wort des Wesens sein soll, welches das gesamte Universum geschaffen haben soll.

Liebe Deutsche, Sie müssen das jetzt endlich verstehen! Nach Meinung von 1,5 Milliarden Menschen haben Sie ohne die Erlaubnis der Mohammedanisten kein Recht mehr, in Deutschland zu leben, denn dieses Recht wurde bereits mit der Ankunft des ersten Mohammedanisten auf deutschem Territorium verwirkt.

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Time am 7. Februar 2014

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1) http://www.welt.de/debatte/kommentare/article124442866/Politiker-muessen-Muslimen-die-Grenzen-aufzeigen.html
2) http://www.migazin.de/2014/02/03/nur-ein-stiller-migrant-ist-ein-guter-migrant/
3) http://de.wikipedia.org/wiki/Recep_Tayyip_Erdoğan#Gef.C3.A4ngnisstrafe

Das Recht auf Ruhe

18. März 2011

Die Berliner Schriftstellerin Monika Maron hat im aktuellen „Spiegel“ (#11) einen exzellenten Aufsatz (s.u.) veröffentlicht, in dem sie auf die Trennung von Staat und Religion eingeht. Besonders stark finde ich darin die Zeilen, die unser Recht auf Ruhe vor dem Mohammedanismus fordern: „Vor allem aber hat der Islam den in diesem Land üblichen Umgang mit der Religion außer Kraft gesetzt. Wir alle, Christen, Juden, Orthodoxe, Atheisten, sind gezwungen, fast täglich über den Islam zu sprechen und nachzudenken, wir sollen den Koran lesen und die Hadithen, damit wir den Islam verstehen lernen. Aber ist es nicht unser Recht, vom Islam nichts zu verstehen?“

Die meisten Christen haben kein Problem mit der Trennung von Staat und Religion, denn Jesus sagte: „So gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist“ (Matth. 22/21) und „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“ (Joh. 18/36). Die Mohammedanaken haben jedoch ein Riesenproblem damit, denn ihr angeblicher Gott „Alla“ findet es zwar schon o.k., wenn in die Moschee uriniert wird (1), es hat aber unbedingt auf eine bestimmte Art zu erfolgen (2), kurz, Alla will angeblich einfach allesallesalles regeln.

Und auch Paddel Pahners (3) hat ein Riesenproblem damit:

„Ein Christ müsste antworteten: Ja, ich bin zuerst Christ und dann Deutscher oder Türke. Denn als Christ bin ich um meine ewige Seligkeit besorgt, als Bürger kümmere ich mich um die vorletzten Dinge. Den Satz ‚Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen‘ kann er nicht preisgeben.“ (4)

Monika Maron meint, dieses Problem aus dem katholischen Milieu herleiten zu können, dem Panik-Paddel entstammt. Hier kann man da und dort vielleicht eine auf Unwissenheit, Denkfaulheit und Wunschdenken gegründete Sympathie zu den Mohammedanokokken feststellen, die als Schnittmenge „Frömmigkeit“ postuliert – dass in irgendeiner christlichen Gemeinschaft jedoch die Trennung von Staat und Religion in Frage gestellt würde, ist mir nicht bekannt. Paddels dramatische Parole „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ manifestiert sich in der Realität dem Christen nicht. Es gibt in den westlichen Demokratien einfach keinen Widerspruch zwischen Staat und Religion – den Mohammedanismus ausgenommen.

Paddel nimmt weiterhin für Fundamentalkatholiken vermutlich recht ungewöhnliche Positionen ein: „Bahners begrüßte z.B. die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zu homosexuellen Lebenspartnerschaften und kritisierte die ablehnende Position des Vatikans zu dieser Frage.“ (5) Während er laizistische Mohammedanismuskritiker wie Necla Kelek durch Gleichsetzung mit den pro-nationalsozialistischen „Deutschen Christen“ (6) verunglimpft, hat er in Bezug auf die katholische Kirche entgegengesetzte Vorstellungen. „Er bekennt sich in seinem Beitrag zu einen Staatskirchentum, das sich unverhohlen in die inneren Verhältnisse der katholischen Kirche einmischt.“ (7)

Diese seltsamen Widersprüche finden zu einer sinnvollen Harmonie, wenn man sich Panik-Paddel als Ork-Konvertiten denkt. Ich bekräftige hiermit meine Vermutung, dass Paddel Pahners zum Mohammedanismus konvertiert und ggf. sogar ein warmer Muslimbrüter ist.

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Wie hast du’s mit der Religion

Die Idee des säkularen Staates ist es, dass uns die Religionen nicht behelligen – auch nicht der Islam.

Die Sache mit dem Islam wird immer verworrener. Gehört er nun zu Deutschland, oder gehört er nicht zu Deutschland? Es gibt ihn ja gar nicht, den Islam. Das sagen jedenfalls dieselben, die behaupten, dass der Islam zu Deutschland gehört.

Vielleicht kommen wir weiter, wenn wir die Frage anders stellen, wenn wir nicht wie Gretchen fragen: „Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?“ Sondern wenn wir wie Bürger eines aufgeklärten, demokratischen Staates im 21. Jahrhundert fragen: Gehört die Trennung von Staat und Religion zwingend zu Deutschland? Darauf müssten wir antworten: ja. Das gilt für Christen, Juden, Hindus, Muslime und alle anderen.

Und wenn wir fragen, steht das Grundgesetz, das die Religionsfreiheit garantiert, ausnahmslos über der Religionsfreiheit, lautet die Antwort ebenso: ja.

Und gelten die individuellen Freiheitsrechte für beide Geschlechter? Natürlich ja.

Diese Fragen können wir, die deutsche Gesellschaft, beantworten.

Aber ob der Islam zu Deutschland gehört, können weder Christen, Atheisten oder Agnostiker, sondern nur die Muslime selbst entscheiden.

Die islamischen Verbände und Organisationen, aber auch die einzelnen Muslime müssen sich fragen, ob ihr Islam – den Islam gibt es ja nicht – imstande und bereit ist, sich diesen nicht verhandelbaren, zu Deutschland unbedingt gehörigen Voraussetzungen anzupassen. Wenn sie dabei in Glaubenskonflikte geraten, müssen sie ihren Gott und den Koran befragen, welche Möglichkeiten sich bieten, mit der Gesellschaft, zu der sie gehören wollen, Übereinstimmung und Frieden zu finden.

Wenn das gelingt, haben wir kein Problem, dann ist der Islam eine nicht besonders auffällige Religion wie die anderen Religionen auch. Dann verzichtet er freiwillig auf Sonderrechte, auf Prozesse um Gebetsräume in Schulen und Universitäten, die Befreiung von bestimmten religionsunverträglichen Arbeiten wie die Berührung von Bierflaschen, dann werden Imame und Funktionäre ihre Gläubigen davon überzeugen, dass ihre Religion sie weder berechtigt, deutsche Gesetze zu brechen, noch die vereinbarten Regeln des Zusammenlebens in diesem Land zu missachten.

Die Frage heißt eben nicht: Gehört der Islam zu Deutschland? Sondern: Wollen wir, dass der Islam die Stellung der Religionen in Deutschland verändert? An dieser Frage scheiden sich die Geister. Und die Grenze verläuft nicht zwischen Muslimen und Anders- oder Nichtgläubigen, wie schon Patrick Bahners mit seinem Buch „Die Panikmacher“ beweist, in dem er seine ganz christlichen Sehnsüchte auf die schamhafte Verhüllung muslimischer Frauen und deren religiös reglementierten Alltag richtet. Diese Grenze trennt zunächst jene, die in den Errungenschaften der Aufklärung die Voraussetzung für die religiöse und weltanschauliche Pluralität einer Gesellschaft sehen, von denen, deren religiöses Verständnis einen Gott über die von Menschen gemachten Gesetze stellt, und das nicht nur in ihrem persönlichen Verständnis von Moral.

Diese Grenze ist eigentlich klar und nachvollziehbar. Irreführend und unverständlich wird es, weil natürlich niemand der öffentlich Streitenden von sich behaupten würde, er sei ein Gegner aufklärerischen Gedankenguts.

Im Gegenteil, die glühendsten Verteidiger islamischer Sonderrechte berufen sich auf die Toleranz als oberstes Gebot der Aufklärung und erklären die Kritiker des Islam und seiner weltlichen Ansprüche für paranoid, phobisch oder aber, noch schlimmer, für fremdenfeindlich und rassistisch. Das Absurde ist, dass mit diesem Vorwurf auch islamkritische Türken, Iraner, Ägypter bedacht werden, die vom Verdacht der Fremdenfeindlichkeit und des Rassismus ja ausgeschlossen sein müssten, so dass allein ihre Kritik am Islam Anlass genug ist, sie öffentlich zu diskreditieren.

Nun kann man sich erklären, warum die Vertreter von Milli Görüs und der Ditib im Namen gläubiger Muslime ihre Anforderungen an die deutsche Gesellschaft lauthals vertreten. So verstehen sie ihre Aufgabe, auch wenn das dem Zusammenleben der Muslime mit allen anderen Bürgern des Landes nicht unbedingt zuträglich ist. Dagegen bleibt es ein Rätsel, warum die Grünen und die SPD, deren Mitglieder und Anhängerschaft des religiösen Fundamentalismus dieser oder jener Art kaum verdächtig sind, kleinstadtartige Riesenmoscheen und die Kopftuchpflicht für kleine Mädchen zu Zeichen aufklärerischer Toleranz erheben; warum der sich als links verstehende Journalismus eine geschlossene Kampffront bildet für das Eindringen einer vormodernen Religion mit ihrem reaktionären Frauenbild, ihrer Intoleranz gegenüber anderen Religionen und einem archaischen Rechtssystem. Warum stehen diese Wächter der richtigen Gesinnung nicht auf der Seite der Säkularen aller Konfessionen? Warum verteidigen sie islamische Rechte gegen europäische Werte und nicht umgekehrt?

Werden Muslime in diesem Land an der Ausübung ihres Glaubens gehindert? Verweigert man ihnen Schulen, Universitäten, bestimmte Berufe, bürgerliche Rechte? Wäre es so, gehörte ich ganz sicher zu denen, die den Muslimen im Kampf um ihre Rechte beistehen würden.

So ist es aber nicht. Stattdessen lässt sich die deutsche Gesellschaft, die längst nicht nur aus angestammten Deutschen christlichen Glaubens besteht, Vereinbarungen und sogar Gesetze abhandeln, weil einer zugezogenen Religion die allgemeine Religionsfreiheit nicht genügt und sie darum den Alltag aller Bewohner dieses Landes zu verändern sucht.

Den Schulen in Rheinland-Pfalz und Berlin wird empfohlen, den Spodunterricht nach Geschlechtern zu trennen, in vielen Schulen und Kindergärten steht kein Schweinefleisch mehr auf dem Speiseplan, von Krankenhäusern wird erwartet, dass ihr Personal in islamischen Essens-, Hygiene- und sonstigen Vorschriften geschult ist.

Vor allem aber hat der Islam den in diesem Land üblichen Umgang mit der Religion außer Kraft gesetzt. Wir alle, Christen, Juden, Orthodoxe, Atheisten, sind gezwungen, fast täglich über den Islam zu sprechen und nachzudenken, wir sollen den Koran lesen und die Hadithen, damit wir den Islam verstehen lernen. Aber ist es nicht unser Recht, vom Islam nichts zu verstehen und nur zu erwarten, dass wir von ihm nicht mehr behelligt werden als von allen anderen Religionen?

Wir leben in einem weitgehend säkularen Staat, der den Gläubigen das Recht auf ihre Religion garantiert und den Ungläubigen das Recht, frei zu sein von Religion. Es wird auch vom Islam nicht mehr erwartet, als dass er Andersgläubige und Atheisten verschont mit den eigenen Glaubensregeln.

Das ist keine Islamfeindschaft, keine Islamophobie, schon gar kein Fremdenhass. Es ist die Frage an die gläubigen Muslime und ihre offiziellen Vertreter, ob sie ihre Religion mit den Voraussetzungen einer säkularen, freiheitlichen Gesellschaft vereinbaren können und wollen, ohne sie in ihrem säkularen und freiheitlichen Selbstverständnis immer wieder herauszufordern. Von ihrer Antwort wird es abhängen, ob der Islam zu Deutschland gehören kann oder nicht.

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Time am 18. März 2011

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1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/23/hadithe-3-aint-no-fun-waitin-round-to-be-a-millionaire/
2) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/23/hadithe-1-einleitung/
3) http://de.wikipedia.org/wiki/Patrick_Bahners
4) http://www.welt.de/print/die_welt/vermischtes/article12648071/Der-Leisetreter.html
5) http://www.muenster.de/~angergun/patrick-bahners.html
6) http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Christen
7) http://www.kath.net/detail.php?id=28627
auch:
https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/10/28/gott-sei-dank-sakular/

Wer die westlichen Werte abwertet

27. Januar 2010

Im aktuellen „Spiegel“ (#4) gibt es einen Aufsatz der ostdeutschen Schriftstellerin Monika Maron (1) zur Anti-Islamkritiker-Debatte.

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Die Besserfundis

Prominenten Islamkritikern wird in
jüngsten Debatten Fundamentalismus vorgeworfen.
Was für ein Unsinn.

Es ist verrückt: Die „Süddeutsche Zeitung“ behauptet, wer die Toleranz verteidig ist intolerant, und sie vergleicht den für den SPIEGEL schreibenden Henryk M. Broder mit einem bombenzündenden Terroristen. Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ verteidigt pathetisch das Kopftuch gegen die Meinungsfreiheit, und in der „taz“ wird Necla Kelek und mit ihr der gesamte Feminismus in die Nähe der Nazis gerückt.

Was ist eigentlich los? Warum gilt die Aufklärung plötzlich als fundamentalistisch? Warum werden die westlichen Werte am liebsten in Anführungszeichen gesetzt? Warum wird vom christlichen Fundamentalismus gesprochen, als hätten wir ihn nicht, Gott sei Dank, überwunden, sondern müssten heute noch unter ihm leiden? Warum haftet dem Wort säkular neuerdings etwas Zweifelhaftes an? Was bewegt unsere aufgeklärten, toleranten Zeitgenossen in den Redaktionen, die gesetzlichen Garantien für unsere individuelle Freiheit in Frage zu stellen und selbst als Erste die Meinungsfreiheit, nämlich die der Islamkritiker, zu attackieren, indem sie diese zu „Hasspredigern“ und „heiligen Kriegern“ erklären, denen eigentlich das Wort entzogen gehörte? Wer sind sie, dass sie säkularen oder gläubigen Muslimen das Recht absprechen, sich mit ihrer Kultur, ihrer Religion auseinanderzusetzen? Wie kommen sie überhaupt dazu, Menschen in deren eigenen Konflikten zu entmündigen und statt ihrer das Wort zu ergreifen?

Das Muster ist nicht neu. Die Gründung der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc hielt Günter Gaus, und nicht nur er, für verantwortungslos und den Weltfrieden gefährdend.

Als ich 1988, eineinhalb Jahre vor dem Fall der Mauer, nach Hamburg kam und da vor einer Gruppe linker Frauen den Zustand der DDR zu erklären versuchte, sagte ich, man müsse bedenken, dass in diesem Land seit 55 Jahren niemals Demokratie geherrscht habe. Die Antwort war empörtes Geschrei, ob ich denn etwa glaubte, bei ihnen gebe es Demokratie oder iin Westen sei irgendetwas besser.

Als ich kurz nach dem Fall der Mauer im Hamburger Institut für Sozialforschung die deutsche Einheit für wünschenswert erklärte, erntete ich Hohngelächter und empörte Blicke. Der Gegner war ich, nicht ein diktatorischer Staat, dessen Untergang zu wünschen ich allen Grund hatte, der aber als Folie für manche westdeutsche Utopien offenbar taugte, der darum vor mir in Schutz genommen werden musste, vor mir und – das vor allem – vor dem eigenen verhassten Staat, der als Zeichen der Gleichmacherei von Ost und West auch nur mit drei Buchstaben als BRD bezeichnet wurde.

Die Verbündeten der westdeutschen Linken wurden auch im Prozess der Vereinigung nicht die ostdeutschen Regimekritiker. In keiner Partei sind die Bürgerrechtler so unsichtbar geworden wie bei den Grünen. Rechtsanwälte, von denen man es nicht erwartet hätte, drängten sich, um die gestürzten Machthaber und deren Helfer vor der westdeutschen Siegerjustiz zu retten. Sogar das Wort Besserwessi haben die Westdeutschen in ihrem Selbstmisstrauen gern verwendet.

Auf der ostdeutschen Unsicherheit haben damals viele ihre Suppe gekocht: die Gewerkschaften, die um ihre Tarife fürchteten, jede Partei, die gerade nicht regierte und darum nichts zu verantworten hatte. Die politische Auseinandersetzung des Westens wurde ausgeweitet auf das östliche Territorium, wobei die ungelösten Konflikte der Ostdeutschen untereinander gleich mit übernommen wurden und ab da als Ost-West-Konflikte galten, als wären die Ostdeutschen während der 40 Jahre Diktatur eine homogene Masse gewesen.

Damals ging es nicht um Religion und eine fremde Kultur, aber auch damals ging es darum, die Deutungshoheit in einem Konflikt, an dem man nur mittelbar beteiligt war, an sich zu reißen und an den eigenen Interessen auszurichten. Im Fall der deutschen Vereinigung waren die Motive noch offenbar: Die einen wollten wenigstens den Schatten ihrer Utopie bewahren, andere feierten die Misserfolge der politischen Gegner als eigene Siege, manche wollten auch nur ungestört ihre Geschäfte betreiben.

Im Fall des Islam und seiner Kritiker fällt die Diagnose schwerer.

Am klarsten erkennbar ist das Interesse all derer, die einen größeren Einfluss der Kirchen wünschen, denen der Säkularismus egal ob in islamischen oder christlichen Ländern, nicht erstrebenswert ist und die darum in Necla Kelek und anderen säkularen Muslimen Gegner der eigenen Vorstellungen und Ziele sehen. Man könnte fast fürchten, für sie sei die Scharia, gemessen an einem drohenden Atheismus, das kleinere Übel.

Ich kann nicht glauben, dass alle Feuilletonisten unserer großen Zeitungen zu Agenten der Kirchen geworden sind. Wie aber erkläre ich mir den Satz von Thomas Steinfeld in der „Süddeutschen Zeitung“: „Wer die Grundbegriffe der Demokratie behandelt, als wären sie Glaubensartikel – Gebote, zu denen man sich bekennen muss -, der ist von der Gesinnung ihrer Gegner schon durchdrungen“?

Nun sind in Westeuropa die Grundbegriffe der Demokratie keine Glaubensartikel, keine Gebote, sondern Gesetz, zu dem man sich nicht bekennen, aber das man befolgen muss, wenn man hier lebt. Dazu gehören die Meinungsfreiheit, auch Religionsfreiheit, die Selbstbestimmung des Indiduums, eine weitgehende Trennung von Kirche und Staat und die Gleichstellung der Frau.

Nichts anderes fordern die gescholtenen Kritiker des Islam. Sie verteidigen, was ihnen in einer, in unserer, freiheitlichen Gesellschaft kostbar ist. Wer sie attackiert, hält ihren Anspruch anscheinend für unangemessen.

Es geht in der Debatte also gar nicht um den Islam und seine Kritiker, sondern es geht um uns, um unser Vertrauen in die Demokratie und in unser Recht, auf Gesetzen und einer Lebensform zu bestehen, die in jahrhundertelangen Kämpfen gegen staatliche und klerikale Despotien erobert wurden.

Und das sollten wir, folgen wir Thomas Steinfeld und seinen Mitstreitem, zur Disposition stehen, weil für den, der „auf Toleranz beharrt“, die Toleranz nicht aufhören könne „wenn ein anderer nicht tolerant sein will“.

Das ist die Aufforderung zum geistigen Selbstmord. Nach dieser Logik dürften wir nicht einmal protestieren, wenn in der Bundesrepublik die Scharia als gültiges Gesetz eingeführt würde. Eine intellektuelle Debatte ist kein kriegerischer Akt, beschriebene Seiten sind keine gezündeten Bomben. Und wer nicht den Mut hat, die Werte einer freiheitlichen Gesellschaft gegen intolerante Ansprüche zu verteidigen – oder wenigstens von anderen verteidigen zu lassen -, verhält sich nicht wie ein Demokrat.

Wären die kämpferischen Kritiker der Islamkritiker in einer islamischen Kultur aufgewachsen, wie Necla Kelek, oder hätten sie, wie ich, den größten Teil ihres Lebens in der DDR (2) verbracht, wären ihnen die westlichen Werte, bei all ihrer Unvollkommenheit, vielleicht wertvoller.

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Time am 27. Januar 2010

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1) http://de.wikipedia.org/wiki/Monika_Maron

2) http://de.wikipedia.org/wiki/DDR

Spiegel #4, S. 106 f.