Posts Tagged ‘Mouhanad Khorchide’

Mein Freund Hamad

15. Juni 2019

Theresa Weiß schreib bei „FAZ.NET“ über Hamad Abdel-Samad (1).

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Kein Appeasement mit dem Islamismus

Ist es rassistisch, den Islam zu kritisieren? Nein, meint der Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad. Er verteidigt auf einer Konferenz an der Goethe-Uni in Frankfurt sein Recht auf freie Meinungsäußerung.

Damit Hamad Abdel-Samad frei sprechen kann, stehen sechs Personenschützer vor dem Konferenzraum des Exzellenzclusters „Normative Ordnungen“ der Goethe-Uni. Der ägyptisch-deutsche Politikwissenschaftler ist Muslim und kritisiert den Islam: „Der Islam will von der deutschen Aufklärung profitieren, weigert sich aber, Teil dieses Prozesses zu werden.“ Auch wollen religiös-politische Gruppen Kritiker mundtot machen und somit ihren Einfluss auf die Politik ausbauen. Abdel-Samad ist überzeugt, dass sich immer weniger Deutsche trauen, Kritisches über den Islam zu sagen, weil sie sofort den Vorwurf bekommen, rassistisch zu sein. Solche Aussagen provozieren. Doch wo, wenn nicht an der Universität solle kontrovers diskutiert werden, fragt er.

Abdel-Samad ist nicht allein. Wer sich kritisch zum Islam positioniert, sieht sich in Deutschland Bedrohungen ausgesetzt. Ein Frankfurter Beispiel aus jüngster Zeit: Zehn Menschen gehören zur „Initiative Säkularer Islam“, einer Gruppe aus Wissenschaftlern und Publizisten, die über den Islam diskutieren will und ein totalitäres Verständnis von Religion ablehnt. Vier davon müssen inzwischen von Personenschützern bewacht werden. „Weil sie auf der Abschussliste von irgendwelchen Radikalen stehen“, sagt Susanne Schröter. Die Professorin der Goethe-Universität und Direktorin des „Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam“ will die kritische Auseinandersetzung mit der Religion vorantreiben. Auch darum hat sie zur Konferenz „Säkularer Islam und Islamismuskritik“ eingeladen, auf der auch Abdel-Samad und Mouhanad Khorchide, Professor für Islamische Theologie in Münster, sprechen.

Kritik an der Religion

Frankfurt ist ein Insel, meint Schröter. Das Forschungszentrum sei einer der wenigen Orte in Deutschland, an dem es überhaupt noch möglich ist, Kritik an der Religion zu üben. Vor der Konferenz war Schröter abermals verbal angegriffen und als Rassistin beschimpft worden, weil sie der Islamkritik eine Plattform gibt und Hamad Abdel-Samad eingeladen hat.

Seine Aussage, dass der politische Islam davon profitiert, wenn es keine Islamkritik gibt, erhitzt viele Gemüter. Auffallend ist für den Forscher, dass er diese Reaktionen vor allem in Deutschland bekommt. Trägt er seine Thesen in Ägypten oder Marokko vor, stoße er auf ein Publikum, das kritische Auseinandersetzungen würdigt. „In der arabischen Welt wird belächelt, wer behauptet, Terror habe nichts mit dem Islam zu tun. Und in Deutschland bin ich damit der Islamhasser.“ Auch Schröter findet das paradox: „Kritische Muslime fühlen sich bedroht von Muslimen, die postulieren, dass wir hier in einer rassistisch-islamophoben Gesellschaft leben.“

Liberaler Reformer des Islams

Mouhanad Khorchide schlägt zunächst sanftere Töne an; er gilt als liberaler Reformer, der durch eine Auslegung des Korans und der Fatwas, die den geschichtlichen Kontext berücksichtigt, einen neuen Weg für den Islam finden will. Aber er sagt auch: „Der sogenannte Islamische Staat hat viele in der arabischen Welt wachgerüttelt.“ Er meint damit, dass die Handlungen der Terrorgruppe durch Narrative aus der Mitte des Islams gestützt wurden, mit Texten aus dem Koran etwa. Das habe viele Muslime darauf aufmerksam gemacht, dass es eine zeitgemäße Auslegung des Islams brauche. Er berichtet, dass die atheistischen Strömungen in der arabischen Welt wachsen – weil es keine alternativen Lesarten gibt, wenden sich die Jungen von der Religion ab. Und der politische Islam – die Mächtigen, die ihre Autorität auch aus der Religion ziehen – versucht, noch stärker gegenzulenken.

Vor allem in Deutschland fällt das auf fruchtbaren Boden, wie Susanne Schröter sagt. „Es entwickelt sich ein identitärer Islamismus in Deutschland, der Muslime als besondere Gruppe sieht, die Sonderrechte haben sollte und das religiös begründet.“ Wie die rechtsradikale identitäre Szene habe sie eine große Anziehungskraft auf Jugendliche. „Das ist auch deshalb problematisch, weil sich die Verbände nicht genügend abgrenzen“, sagt die Direktorin des Forschungszentrums.

Politik und Wirtschaft halten sich bedeckt

Politik und Wirtschaft hielten angesichts der Anfeindungen, die Islamkritiker erdulden müssen, die Füße still. „Die wollen keine Partner in Saudi-Arabien verärgern“, sagt Abdel-Samad. „Diese Politik ist fatal“, ergänzt Schröter. Es gebe eine Appeasement-Haltung gegenüber Regimen wie dem in Iran, Katar und Saudi-Arabien. Geld aus Anti-Extremismustöpfen fließe an fragwürdige Organisationen. Und junge Syrer und Afghanen, die nach Deutschland kommen, sollen als Integrationsmaßnahme in eine Moscheengemeinde gehen, erzählt Schröter. „Dabei sind die froh, aus dem Einflussbereich des Islam herausgekjommen zu sein.“

Obwohl gerade die Saudis seit den siebziger Jahren Programme auflegten, um junge Menschen an den Wahabismus heranzuführen, scheuten sich die deutschen Entscheider, Beziehungen zu gefährden. Dabei wollten die Jungen eigentlich anders leben, der Islam stehe dem entgegen, sagt Abdel-Samad. „Es ist eine Katastrophe, dass die Intellektuellen nicht in erster Linie der Freiheit verpflichtet sind.“

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Time am 15. Juni 2019

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1) https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/konferenz-zur-islamkritik-an-der-frankfurter-goethe-uni-16236671.html

Achtjährige Sexobjekte

12. April 2018

Ohne Kopftuch, das dieses Kinderkrippenmädchen natürlich freiwillig trägt, ist sie nichts, so die deutschen MSM und Leo Brux

Achtjährige Sexobjekte gehören jetzt zu Deutschland. Lesen Sie einen Beitrag aus der „Welt“ (1).

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„Kopftuch bei Achtjähriger suggeriert, dass sie ein sexuelles Objekt ist“

Die Regierung in NRW prüft ein Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahren. Ein Islamwissenschaftler schaltet sich in die Debatte ein. Väter verstünden es, ihre Töchter „subtil zu beeinflussen“.

Kaum ein muslimisches Mädchen unter 14 Jahren trägt nach Ansicht des Islamwissenschaftlers Mouhanad Khorchide aus eigener Motivation ein Kopftuch. „In den meisten Fällen beeinflusst der Vater das Mädchen subtil dazu, Kopftuch zu tragen“, sagte der Leiter des Zentrums für Islamische Theologie der Universität Münster. „Wir befinden uns in einer grauen Zone, in der weder von Freiwilligkeit noch von Unfreiwilligkeit gesprochen werden kann.“ Weigere das Mädchen sich, versuchten manche Väter sogar, ihre Tochter emotional zu erpressen, indem sie erklärten, dass Gott Mädchen ohne Kopftuch bestrafe.

Khorchide betonte, dass ein gesetzliches Verbot, wie es in Österreich eingeführt werden soll und in Nordrhein-Westfalen geprüft wird, eine große Hilfe für diejenigen muslimischen Mädchen sei, die sich nur schwer gegen ihre Väter durchsetzen könnten. Er fügte hinzu, dass er Verbote im Normalfall ablehne, es hier aber um den Schutz von Kindern gehe. Mit Einführung eines Kopftuchverbots könnten sich die unter 14-jährigen Schülerinnen auf ein Gesetz berufen.

In den vergangenen zwölf Jahren haben sich nach Angaben Khorchides mehrere Schulleiter Hilfe suchend an ihn gewandt. Die Rektoren hätten geschildert, dass die jungen Schülerinnen spontan zwar sagten, dass sie das Kopftuch freiwillig tragen. In Abwesenheit der Eltern jedoch gäben sie zu, dass ihr Vater ihnen „böse“ sei, wenn sie das Kopftuch ablehnten.

Zudem verliere das Kopftuch bei minderjährigen Mädchen seine behauptete Funktion, sagte der Islamwissenschaftler. Viele muslimische Frauen wollten mit dem Kopftuch ihre weiblichen Reize verdecken. „Ein Kopftuch bei einem achtjährigen Mädchen suggeriert in dem Fall auch, dass sie ein sexuelles Objekt ist“, sagte Khorchide.

Das nordrhein-westfälische Integrationsministerium prüft ein Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahren. Kinder, die noch nicht religionsmündig seien, dürften nicht dazu gedrängt werden, aus religiösen Gründen ein Kopftuch zu tragen, erklärte Integrationsminister Joachim Stamp (FDP). Zuvor hatte der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz angekündigt, ein Kopftuchverbot für Kinder in Grundschulen und Kindergärten zu erlassen.

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Time am 12. April 2018

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1) https://www.welt.de/politik/deutschland/article175345116/Islamwissenschaftler-Kopftuch-bei-Achtjaehriger-suggeriert-dass-sie-ein-sexuelles-Objekt-ist.html

 

Faces of nazislam (#30)

18. August 2016

Kayman

Dr. Ali Sina (1):

„Es gibt viele Wege zur Spiritualität. Mohammedanismus bietet keinen einzigen. Alles, was Sie zu einem besseren Menschen macht, ist ein spiritueller Pfad. Je tiefer Sie jedoch in den Mohammedanismus eintauchen, desto schwärzer wird Ihre Seele. Geboren, das Licht Gottes zu tragen, werden Sie dann böse, wenn Sie beginnen, Muhammad zu folgen. Ihre Gedanken werden dämonisch. Der Abscheu auf Ihre Mitmenschen erfüllt Ihr Herz und lässt keinen Platz mehr für Liebe. Sie werden zu einer Manifestation des Teufels. Sogar die Augen besonders frommer Mohammedanisten zeigen diese Bosheit. Erstaunlicherweise werden Menschen hässlich, wenn sie fromme Mohammedanisten werden. Ich weiß nicht, wie man das rational erklären kann, aber es ist eine beobachtbare Tatsache. Schauen Sie sich mal die Gesichter der Terroristen an. Das sind die allerfrömmsten Mohammedanisten. Oder schauen Sie sich die Gesichter von Führern mohammedanistischer Parteien an. Es gibt etwas zutiefst Böses in ihren Augen. Mohammedanismus ist ein antispirituelles Bekenntnis. Es macht Sie nicht zu einer besseren Person. Je weiter Sie ihm folgen, desto schlechter werden Sie. Es ist ein Bekenntnis, das aus Engeln Scheusale macht. Wenn ich an Satan glauben würde, würde ich sagen, dass der Mohammedanismus seine Verschwörung ist, um diese Welt zu zerstören und jeden in die Hölle zu bringen.“

Thomas Thiel stellte bei FAZ einmal mehr dar (2), dass es nur EINEN Nazislahm gibt. Das wird jedoch wohl erst begriffen werden, wenn der Mohammedanismus die Menschheit komplett unterjocht hat.

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Koordinator des Moscheenverbands diffamiert Kritiker

Murat Kayman ist der Koordinator des türkischen Moscheenverbandes Ditib. In seinem Blog erklärt er einen Kritiker des fundamentalistischen Islam für abtrünnig – mit potentiell tödlichen Konsequenzen.

Der zweite Beitrag aus Murat Kaymans Blog-Trilogie „Trauerspiel in drei Teilen“ ist ein Stück Prosa von ausgesuchter Perfidie. Kayman, Jurist und Koordinator der Ditib-Landesverbände in Deutschland, attackiert darin den Freiburger Islamtheologen Abdel-Hakim Ourghi, der unter anderem in dieser Zeitung und in der „Zeit“ publiziert und sich als Kritiker eines fundamentalistischen Islams einen Namen gemacht hat. Ourghi vertritt einen aufgeklärten Islam, der sich von den gewaltsamen Passagen des Korans der zweiten medinensischen Eroberungsphase distanziert und sich auf den friedlichen Koran der mekkanischen Offenbarungsphase beschränkt. Ourghi ist Muslim deutsch-algerischer Abstammung und gehört der sunnitisch-malikitischen Rechtsschule an.

Kayman schürt in seinem Blog einen anderen Verdacht: Wie kommt es, fragt er suggestiv, dass Ourghi die islamische Religionsgemeinschaft der Ibaditen jahrelang erforscht hat? Ernsthafte Forschung ist im Normalfall keine Sache von Wochen oder Monaten. Doch Kayman hat eine böse Vermutung. Ourghis wissenschaftliches Interesse an der Ibadya sei wohl nur damit zu begründen, dass er entgegen seinem Bekunden selbst ein heimlicher Gefolgsmann der Ibadya sei. Weitere Evidenzen nennt Kayman nicht.

Maulkörbe für Kritiker

Man kann das nur so verstehen: In Kaymans Weltsicht ist jeder Extremismusforscher ein Extremist und jeder Finanzwissenschaftler ein korrupter Banker. Kayman, der Wissenschaft konsequent der nationalen und religiösen Zugehörigkeit unterstellt, hält dem algerischstämmigen Ourghi vor, nicht die Gelegenheit ergriffen zu haben, „sich innerhalb dieser Strukturen“ – er meint die türkischen Ditib-Moscheegemeinden – zu sozialisieren. Warum sollte ein Deutsch-Algerier das tun? Und würde man ihn dort willkommen heißen? Ein wissenschaftliches Urteil über die Ditib ist für Kayman offensichtlich nur aus den eigenen Reihen möglich und steht nur dem zu, der sich den Regeln und Strukturen der Ditib angepasst hat.

Im selben Atemzug erteilt Kayman auch Medien, Politikern und Wissenschaftlern einen Maulkorb, die nicht Mitglieder der Ditib sind. Will heißen: Die Ditib ist sakrosankt und steht außerhalb öffentlicher Kritik. Mit unabhängigen Wissenschaftlern und Politikern, die nicht Mitglied der Ditib sind, spricht man nicht oder nur unter der Unterstellung, dass sie Falsches und Böswilliges sagen. Wie hat man sich die Zusammenarbeit des größten Moscheenverbands, der unter Kuratel der türkischen Religionsbehörde Diyanet steht, mit Experten und Behörden vorzustellen, wenn für sie alle gelten soll, was für Kayman im Fall Ourghi Grund für einen Maulkorb ist: „gemeindefern, ohne konkreten Bezug zu einer der etablierten muslimischen Gemeinschaften“?

Ein infamer Verdacht

Kayman, ein gefragter Talkshow-Gast, der seine Blogbeiträge mit literarischen Anspielungen verziert, beherrscht verschiedene rhetorische Register. Auf den Podien und Fernsehsesseln legt er die samtweichen Wortgewänder aus, die von den Landesministerien in Niedersachsen, Hessen und Nordrhein-Westfalen – sie kooperieren mit der Ditib beim islamischen Religionsunterricht – gerne gehört werden. In seinem Blog ist die Vernunft dagegen nur Zaungast. „Ausgehend von seinem Herkunftsland Algerien liegt der Verdacht nahe“, folgert Kayman bar jeder Evidenz, „dass Ourghi selbst der Glaubensgemeinschaft der Ibaditen angehört.“ Die Ibaditen sind eine islamische Gemeinschaft mit weltweit zwei Millionen Anhängern, die sich weder Schia noch Sunna zurechnet. Die meisten Ibaditen leben in Oman, kleinere Gemeinden finden sich in Algerien. Nach der ibaditischen Lehre von Walaya und Bara’a sind Ibaditen nur zur Loyalität gegenüber Glaubensbrüdern verpflichtet. Andere Muslime gelten als „Undankbare“, die es zu meiden gilt.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass Ourghi qua algerischer Herkunft ein Ibadit ist, wenn man Kaymans abgefeimte Logik einmal fortspinnt? Nach statistischer Wahrscheinlichkeit liegt sie bei einem halben Prozent, dem Anteil der Ibaditen an der algerischen Bevölkerung. In Kaymans Welt ist je nach Bedarf jeder Katholik ein Pius-Bruder, jeder Deutsche ein Zeuge Jehovas und jeder Amerikaner ein Mormone. Das Schlussfolgern in Abwesenheit von Logik und Fakten wirft Kayman aber nicht sich selbst, sondern Ourghi vor, um zu dem amtlich formulierten Ergebnis zu gelangen: „Somit kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden, dass Ourghis Kritik auch das Resultat einer religiösen Überzeugung ist, wonach alle anderen Muslime nichtibaditischer Prägung abzulehnen und zu kritisieren sind.“

Attacke aus dem Hinterhalt: Murat Kayman streut einen gefährlichen Verdacht.

Der rhetorische Popanz hat nicht nur das Ziel, Ourghi mit der Insinuierung konfessioneller Befangenheit zu desavouieren. Er nimmt auch seine physische Vernichtung in Kauf. Kayman erkläre ihn zum Abtrünnigen, sagt Ourghi im Gespräch mit dieser Zeitung, und spreche damit eine verdeckte Fatwa aus. Die potentiell tödlichen Konsequenzen überlasse er anderen. Ourghis vermeintliche Zugehörigkeit zu den Ibaditen sei „auch gar kein Problem“, schreibt Kayman vermeintlich generös, „und die freie Entscheidung, die jeder Mensch treffen kann“. Kein Problem? Nicht für Kayman, der sich selbst geschickt in Deckung, seinen Gegner aber in Todesgefahr bringt. Kayman wisse, sagt Ourghi, dass es auch in Deutschland radikale Muslime gebe, für die ein Ibadit grundsätzlich den Tod verdiene. Ourghi zitiert einen Spruch aus der arabischen Welt: „Das Blut des Ibaditen ist erlaubt.“ Er zieht daraus die Konsequenz: „Kayman erklärt mich für vogelfrei.“

Der Islamwissenschaftler und Ibadya-Fachmann Ulrich Rebstock hält Kaymans Blogbeitrag für „mehrdeutig, um das Geringste zu sagen“. Er werde von der Mehrheit orthodoxer Muslime sicher nicht als Aufforderung zum Töten verstanden, schließe aber nicht aus, dass ihn eine Minderheit, die Ibaditen nicht zur islamischen Glaubensgemeinschaft der Umma rechnet, als Mordaufruf interpretiere. Für Ourghi ist diese Minderheit Gefahr genug. Unzweifelhaft ist für Rebstock: „Abdel-Hakim Ourghi ist kein Ibadit.“

IS-Zeichen als Deradikalisierungsmaßnahme

Kayman ist mit seiner geistigen Irrfahrt noch nicht am Ende. Als Indiz für Ourghis angebliche Voreingenommenheit führt er das Beispiel der Ditib-Gemeinde Dinslaken-Lohberg an. Dort ließen sich 2015 mehrere Jugendliche gemeinsam mit einem Ditib-Jugendwart in IS-Posen ablichten, bevor sie in den Dschihad zogen. Laut Kayman tat der Jugendwart dies, um die Jugendlichen – man halte sich fest – vom Terror abzuhalten. Auch Bekir Alboga, Ditib-Beauftragter für den interreligiösen Dialog, nahm den Jugendwart in Schutz, dessen wahre Absichten Kayman nach Recherche an Ort und Stelle mit felsenfester Gewissheit kennt: „An der tatsächlichen Natur des Einsatzes, die Jugendlichen von einer radikalen Szene loszueisen, gebe es weder bei den lokalen Behörden noch bei den Sicherheitsbehörden auf Landesebene einen Zweifel.“ Nachfrage bei Eyüp Yildiz, stellvertretender Bürgermeister von Dinslaken: „Diese Aussage ist absurd. Der Gruß ist absolut ein Zeichen der IS. Das ist klipp und klar. Soll man sich das Vertrauen von Neonazis etwa mit Hitlergruß erwerben? Diese Kreise versuchen alles auf absurde Weise zu verdrehen und zu marginalisieren.“ Die Ditib-Gemeinde Lohberg antwortet auf eine entsprechende Nachfrage nicht.

Zum Diskurs auf höchster politischer Ebene steht der Konflikt zwischen Ourghi und Kayman in grellem Kontrast: Alles halb so schlimm, wir sind auf einem guten Weg. Wir haben noch viele Herausforderungen vor uns. Aber wir schaffen das.

Wessen Land?

Ist das Land, von dessen Bürgern die Kanzlerin sich im September 2015 mit monarchischer Geste lossagen wollte, wenn diese sich nicht vor jeder kritischen Äußerung die Zunge verknoten, auch das Land von Abdel-Hakim Ourghi? Ist es das von Achim Greser und Heribert Lenz, deren Ausstellungen wegen Terrorgefahr verschoben werden? Ist es das von Dieter Nuhr, der für harmlose Witze über den Islam mit Morddrohungen überflutet wird? Ist es das von Mouhanad Khorchide, der sich wegen seines Kampfes um die Aussöhnung von Christentum und Islam nur noch mit Polizeischutz auf die Straße wagen kann? Ist es das des marokkanischen Schriftstellers Mimoun Azizi und der Grünen-Politiker Cem Özdemir und Volker Beck, den weiteren Attackierten in Kaymans Blog-Trilogie?

Wessen Land soll es sein, in dem Bürger die Todesgefahr ihrer Mitbürger still zur Kenntnis nehmen sollen, beruhigt mit der statistischen Wahrscheinlichkeit, wohl selbst nicht zu den Opfern des nächsten Anschlags zu gehören? Soll es Abdel-Hakim Ourghi mit der Kanzlerin als „Herausforderung“ begreifen, weiter am Leben zu bleiben, als „Fortschritt“, auch diesen Tag heil überstanden zu haben? Wann findet die Kanzlerin zurück zu einer Sprache, die auch jene Bürger nicht mit Missachtung straft, die für ihren Mut und ihre Kritik in Todesgefahr schweben?

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Time am 18. August 2016

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1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2012/11/28/ali-sina-uber-spiritualitat-3
2) http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/ditib-koordinator-murat-kayman-diffamiert-kritiker-14389211.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

Tag für Tag

18. April 2016

Lahore

In Lahore wurden am 27. März von einem mohammedanistischen Avantgardisten 75 Menschen vor allem christlichger Religion ermordet, unter ihnen waren 35 Kinder.

Den Orks und ihren Lakaien geht mit der islamkritischen Ausrichtung der AfD der Ars*h auf Grundeis. Unsinnigerweise wird die Partei als „faschistisch“ denunziert, während für jedermann offensichtlich außer Khorchide, Kalisch und Co. so gut wie alle Mohammedanisten eine nationalsozialistische, kollektivistische Gesellschaft nach der Scharia und dem Führerprinzip präferieren. Als besten Menschen aller Zeiten verehrt man einen Menschen, der auf dem persönlichen Schuldkonto unabhängig von seiner Schreibtischtäterschaft erheblich mehr Verbrechen, Abartigkeiten und Grausamkeiten aufzuweisen hat als Adolf Hitler: Sein Name ist Klo H. Metzel. Der Nazislahm beinhaltet die Grundprinzipien von Bolschewismus und Nationalsozialismus.

Leider kippen schon jetzt die ersten Dimmi-Schleimer in der AfD um. Die „FAZ“ (1):

„Die AfD wird heftig für ihre Angriffe gegen den Islam angegriffen. Führende Parteifunktionäre reagieren gegenüber der F.A.Z. mit Unverständnis. Andere distanzieren sich vom Moscheenverbot, das Vize-Chef Gauland vorgeschlagen hat.“

Wirklich nur noch peinlich ist die durch die Wirklichkeit des realen Mohammedanismus Tag für Tag widerlegte Behauptung, diese satanische Ideologie sein mit den Prinzipien von Demokratie und offener Gesellschaft vereinbar. Lesen Sie einen demagogischen Lügentext der orkischen Propagandaseite „IslamiQ“ (2).

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AfD stößt auf heftige Kritik

Die AfD kündigte an, mehr islamkritische Elemente in ihr neues Parteiprogramm aufzunehmen. Muslime und politische Parteien zeigen sich empört darüber.

Mit heftiger Kritik reagieren muslimische Vertreter andere Parteien auf die angekündigte Verschärfung des islamkritischen Kurses der Alternativen für Deutschland (AfD).

Torkei

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland wehrt sich gegen die Thesen der rechtspopulistischen AfD und bejahte die Vereinbarkeit von Islam und Demokratie. „Der Islam beinhaltet die Grundprinzipien des Christen- und des Judentums und ist mit dem Grundgesetz genauso vereinbar wie diese Religionen“, sagte Nurhan Soykan, Sprecherin des Zentralrats in Köln am Sonntag.

Belgien

Soykan betonte, der Islam schreibe keine bestimmte Staatsform vor. „Die Demokratie ist islamkonform“, bekräftigte sie. Die AfD betreibe nichts anderes als Populismus, um die Gesellschaft zu spalten. „Die Muslime in Deutschland haben den Radikalen bisher gut die Stirn geboten und werden dies auch weiterhin tun – genauso, wie sie der AfD die Stirn bieten werden“, so Soykan

Libanon

Der Vorsitzende des ZMD, Aiman Mazyek kritisiert, die Partei schwimme auf einer Welle der Islamfeindlichkeit und dagegen sei Aufklärung jetzt das Wichtigste.

Politiker wie Beatrix von Storch oder Alexander Gauland wollten eine andere Republik, kritisierte der Zentralrats-Vorsitzende: „Die AfD will eben nicht die freiheitlich-demokratische Grundordnung – sie will sie letztendlich abschaffen. Deshalb ist das, was sie jetzt fordert, nicht ein Islam-Diskurs, sondern das ist grundgesetzwidrig.“

Sudan

Der Vorsitzende des Islamrats Deutschland Burhan Kesici wirft der AfD vor durch solche populistischen Thesen mit den Ängsten der Menschen zu spielen. „Ich glaube, dass die AfD einfach mit den Ängsten der Menschen spielt. Wir haben im letzten Jahr die Flüchtlingswelle gehabt, wir haben große Arbeitslosigkeit, wir haben andere Probleme, und ich glaube, dass man jetzt auch mit dem Islam versucht, zu punkten und ein neues Wählerklientel zu bekommen“, so Kesici.

Parteien reagieren empört

Vertreter der veschiedenen politischen Parteien distanzieren sich deutlich vom Islam-Diskurs der AfD und zeigen sich empört über ihre populistischen Thesen. „Die AfD radikalisiert sich immer mehr. Ihre Positionen zum Islam zeugen von extremistischem Denken, das mit dem Grundgesetz nicht vereinbar ist“, sagte Franz Josef Jung, Beauftragter der Unionsfraktion für Kirchen und Religionsgemeinschaften. Mit ihren Thesen diffamiere die AfD „pauschal einen ganzen Glauben“.Sie versuche „den Glauben von Millionen Menschen in Misskredit zu bringen“.

Israel

Nach Ansicht der SPD-Beauftragten für Kirchen und Religionsgemeinschaften, Kerstin Griese, schürt die AfD „auf hochgefährliche Weise haltlose Vorurteile“. Selbstverständlich gebe es „einen Islam, der sich ans Grundgesetz hält“. Praktiziert werde dieser von „weit mehr als 90 Prozent der hier lebenden Muslime“. Man dürfe nicht aus der Existenz „von einigen extremistischen Gruppen auf eine ganze Religion schließen“. Die von der AfD geforderten Einschränkungen muslimischer Religionspraxis hält Griese für verfassungswidrig, denn „die Glaubensfreiheit ist Bestandteil des Grundgesetzes“.

Indonesien

Die religionspolitische Sprecherin der Linken, Christine Buchholz, warf der AfD vor, mit „Islamhass“ das gesellschaftliche Klima zu vergiften und „Rassismus gegen Muslime“ zu schüren. Die AfD, so Buchholz, „wirft geistige Brandsätze und ist so mitverantwortlich für die steigende Zahl an islamfeindlichen Übergriffen und Anschlägen auf Flüchtlingsheime“.

Iran

„Die AfD betreibt billigen und gefährlichen Populismus zugleich“, sagte Rainer Schmeltzer, NRW-Minister für Arbeit und Integration. „Wir dürfen nicht zulassen, dass einzelne Gruppen der Bevölkerung gegen andere ausgespielt werden.“

Ägypten

Führende Politiker der AfD hatten am Sonntag angekündigt, eine deutlich islamkritische Politik zu einem Schwerpunkt ihres Parteiprogramms machen zu wollen. „Der Islam ist an sich eine politische Ideologie, die mit dem Grundgesetz nicht vereinbar ist“, hatte die stellvertretende Parteivorsitzende und Europaabgeordnete Beatrix von Storch gesagt.

Lucke

Ähnlich hatte sich der AfD-Fraktionschef im Brandenburger Landtag und ebenfalls stellvertretende Parteivorsitzende Alexander Gauland geäußert und vor einer „Islamisierung Deutschlands“ gewarnt: „Viele Muslime gehören zu Deutschland, aber der Islam gehört nicht zu Deutschland.“

Senocak

Auf ihrem Parteitag in zwei Wochen in Stuttgart will die AfD ihr erstes Parteiprogramm beschließen. Dabei soll es auch darum gehen, Symbole des Islams aus der Öffentlichkeit zu verbannen. „Wir sind für ein Verbot von Minaretten, von Muezzins und für ein Verbot der Vollverschleierung“, erklärte von Storch. Den Bau und den Betrieb von Moscheen sowie Beschneidungen wolle man dagegen nicht verbieten.

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Time am 18. April 2016

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1) http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/afd-politiker-distanzieren-sich-von-anti-islam-kurs-14185441.html
2) http://www.islamiq.de/2016/04/18/afd-stoesst-mit-anti-islam-thesen-auf-heftige-kritik/

Das Buch des Antichristen

12. März 2016

Monsterkloran

In einem Artikel bei „FAZ.NET“ lässt Regina Mönch ihren Lesern die Wahl, den Kloran für „unreformierbar“ oder „reif für die Aufklärung“ zu halten (1).

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Islamkritik

Wie soll man den Koran auslegen?

Der Islam – unreformierbar oder reif für die Aufklärung? Ein Gespräch zwischen dem Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide und dem Islamkritiker Hamed Abdel-Samad zeigt den schwierigen Stand der Islamkritik hierzulande.

Wenn sich Mouhanad Khorchide, Theologe aus Münster, und Hamed Abdel-Samad, Autor islamkritischer Bücher, treffen, gibt es Streit. Sie streiten über und für den Islam, den der eine für unreformierbar hält, zumindest noch, und den der andere, Khorchide, mit in die Aufklärung führen möchte. Sie sind sich selten einig und demonstrieren doch eine Diskussionskultur, die in der entweder abgehobenen oder aber brachialen öffentlichen Auseinandersetzung mit dieser Religion heraussticht.

Es ist keine gegenseitige Belehrung, es geht nicht darum, wer recht hat oder die entscheidenden Suren im Koran besser und schneller aufzählen kann. Khorchide kommt ohne die therapeutischen Beschwichtigungsformeln und absurden Unterstellungen aus, mit der Islamkritik gern abgewürgt wird, zumal er selber ein Kritiker ist. Er verteidigt vehement seine These vom barmherzigen Islam, der den historischen Ballast der Gewalt und der Verachtung aller Andersdenkenden abwerfen wird. Abdel-Samad ist ein radikaler Denker, der seinen Gesprächspartner respektvoll herausfordert und ihn konfrontiert mit den gewaltverherrlichenden, antimodernen und seiner Ansicht nach konstitutiven Quellen, die nicht nur für den IS moralische Richtschnur geblieben sind.

Im Unterschied zu den Christen, die das, was im Alten Testament steht, kaum noch für das unverrückbare Wort Gottes nähmen, so Abdel-Samad, glaubten nicht nur Salafisten oder der IS, sondern der muslimische Mainstream, dass alles, was im Koran stehe, das absolute Wort Gottes sei. Khorchide hält dagegen, diese Religion werde in der Realität von den meisten anders gelebt, der heikle Punkt seien unter anderem die Lehrbücher, die in Kairo und anderswo in der islamischen Welt verwendet würden. Doch wachse gerade wegen der Untaten des IS weltweit die Kritikfähigkeit vieler Muslime, die schmerzhaft begriffen, dass es nicht weiterhelfe, wenn sie behaupten, der IS habe mit dem Islam nichts zu tun.

Darauf, sagt Khorchide, setze er seine Hoffnung, aber er erwarte nicht, dass das schnell gehe, auch die Aufklärung sei ein langwieriger Prozess gewesen. So ging es eine Stunde lang hin und her am Mittwoch in Berlin, wo Abdel-Samad und Khorchide ihre im Herder Verlag erschienene Streitschrift „Zur Freiheit gehört, den Koran zu kritisieren“ vorstellten. Zwei unterschiedliche Temperamente, scharfzüngig der eine, sanft selbstbewusst der andere, führten vor, wie eine Islamreform gehen könnte, die ein anderes Ziel verfolgt als die um politischen Einfluss buhlenden orthodoxen Islamverbände. Die wiederum bekämpfen erbittert den Professor aus Münster genauso wie den gelehrten Polemiker, und sie sind nicht die einzigen. Was wenig über Khorchide und Abdel-Samad aussagt, sehr viel jedoch über den Zustand unseres Landes, wo Islamkritik nur noch möglich zu sein scheint, wenn die Polizei Kritiker wie diese unter Schutz stellt.

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Time am 12. März 2016

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1) http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/islam-modernisierung-durch-aufklaerung-oder-unreformierbar-14115152.html

Ein Krebsgeschwür

4. Februar 2015

Krebs

Hat nicht mal einen ästhetischen Wert: Krebs

Ein und dieselben Bilder können auf verschiedene Menschen unterschiedlich wirken. Die sadistischen Anhänger des IS-IS berauschen sich durch den Anblick eines verbrennenden Kriegsgefangenen. Im Westen aber verstärken derlei Bilder Ekel und Wut gegenüber einer globalen Bewegung, die mutmaßlich bei der Hälfte der Mohammedanisten auf Sympathie stößt (1).

In Berlin hat die SA-lafistische Al-Nur-Moschee einen ägyptischen Hassprediger gefeuert, nachdem mehrere Anzeigen wegen „Beleidigung, Volksverhetzung und des Verdachts der öffentlichen Aufforderung zu Gewalt“ gegen ihn aufgelaufen waren (2).

Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber es muss jetzt unmissverständlich klar werden, dass wohl der Mohammedanismus Mouhanad Khorchides zu Deutschland gehören kann, dass aber der Mohammedanismus des IS-IS, aber auch der Mohammedanismus Khallouks und Mazyeks und letztlich auch der Mohammedanismus von Kermani und Kaddor Extremismen mit Sahnehäubchen sind, die, wie unsere Kanzlerin richtig bemerkte, „nicht unter den Schutz des Grundgesetzes fallen“ und „entschlossen bekämpft werden müssen“ (3).

Lesen Sie einen Kommentar von Klaus-Dieter Frankenberger von „FAZ.NET“ (4).

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Entsetzen über IS-Terror

Ein barbarisches Verbrechen

Der islamistische Terrorismus frisst sich wie ein Krebsgeschwür durch die arabisch-muslimischen Gesellschaften. War die Verbrennung des jordanischen Piloten Moaz Kasasbehs eine Provokation des IS, die in das Gegenteil umschlägt?

Das Kalifat, das der sogenannte „Islamische Staat“ (IS) ausgerufen hat, ist ein Regime des Terrors, ungezügelter Mordlust und brutalster Unterdrückung. Wer dort den Unmut der Herrschenden erregt, muss mit dem Schlimmsten rechnen; Geiseln werden enthauptet. Der gefangene jordanische Pilot Moaz Kasasbeh, dessen Kampfflugzeug bei einem Einsatz gegen IS-Stellungen abgestürzt war, wurde bei lebendigem Leib verbrannt – wie man jetzt erfahren hat zu einem Zeitpunkt, zu dem die Terroristen über einen Gefangenenaustausch „verhandelten“. Sie führten die jordanische Regierung (und die japanische) an der Nase herum. Dieses barbarische Verbrechen lässt niemanden im Unklaren darüber, zu welchen Taten die islamistische Mörderbande fähig ist.

In Jordanien, das vom Bürgerkrieg in Syrien und frühen Geländegewinnen der Terroristen im Irak unmittelbar betroffen ist und dessen innere Balance sowieso prekär ist, wird jetzt wütend nach Vergeltung gerufen. Zwei verurteilte Terroristen wurden sofort hingerichtet. Sollten es die Mörder des Piloten darauf abgezielt haben, den Unmut der Bevölkerung gegen die Teilnahme des Königreichs am Kampf gegen IS anzuheizen, so haben sie sich getäuscht. Vielmehr scheinen die Entschlossenheit der Führung und die Geschlossenheit im Lande gestärkt worden zu sein. Jordanien wird sich aus der Allianz gegen IS nicht zurückziehen. Die Botschaft lautet: Wir lassen uns nicht einschüchtern.

War die Verbrennung Moaz Kasasbehs, eines Muslimen, eine Provokation, die in das Gegenteil umschlägt? In der Vergangenheit wurden von IS-Terroristen westliche Geiseln enthauptet – amerikanische, britische und zuletzt japanische Staatsbürger. Die arabischen Reaktionen hielten sich in Grenzen. Das könnte, das muss sich ändern.

Der islamistische Terrorismus frisst sich wie ein Krebsgeschwür durch die arabisch-muslimischen Gesellschaften. Wer ihm Zucker gibt – finanziell, logistisch, ideologisch –, wirkt bei der Verbreitung mit. Er muss bekämpft werden und zwar mit allen rechtsstaatlichen Mitteln. Dabei müssen sich auch die westlichen Länder engagieren, aus denen Tausende Dschihadisten zu den nahöstlichen Schlachtfeldern gereist sind, um ihre pseudoreligiösen Gewaltphantasien auszuleben. Aber vor allem ist es ein Kampf, den die arabischen und islamischen Ländern selbst führen müssen. Sie sind, auf furchtbare Weise, die Hauptbetroffenen.

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Time am 4. Februar 2015

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1) http://www.wzb.eu/sites/default/files/u252/s21-25_koopmans.pdf
2) http://www.faz.net/aktuell/politik/berliner-al-nur-moschee-setzt-frauenfeindlichen-imam-ab-13408938.html
3) http://www.welt.de/debatte/kommentare/article136965127/Zu-Recht-korrigiert-Merkel-sich-in-der-Islamfrage.html
4) http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/kommentar-zum-is-terror-ein-barbarisches-verbrechen-13409646.html

Nicht-islamistische Kräfte fördern

2. Februar 2015

Pappnasen

Das Zentralkommittee gibt bekannt…

„FAZ.NET“ bringt heute einen Gastbeitrag von Alice Schwarzer (1), in dem sie unsere Bundeskanzlerin kritisiert, so wie Hamed Abdel-Samad vor ihr (2).

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Alice Schwarzer zum Islamismus

Hier irrt die Kanzlerin

Für Angela Merkel beginnt Islamismus da, wo Gewalt angewendet wird. Doch er fängt schon früher an. Auch in deutschen muslimischen Verbänden gibt es Unterdrückung. Ein Gastbeitrag.

Die „Trennlinie zwischen Islam und Islamismus“ definiert die Bundeskanzlerin so: „Der Islamismus findet statt, wo unter Berufung auf die Religion Gewalt angewendet wird oder zur Gewaltanwendung aufgerufen wird, um andere zu unterwerfen.“ Gesagt hatte sie dies in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Doch mit Verlaub, Frau Bundeskanzlerin: An diesem Punkt ist es bereits zu spät. Viel zu spät. Denn die Gewalt ist nur die Spitze des Eisberges des politisierten Islam, des Islamismus. Ihr geht eine ideologische Indoktrinierung voraus, der Drill der Gläubigen zur Selbstgerechtigkeit und Verachtung der „Anderen“, als da sind: Frauen, Juden, Homosexuelle, Kreative, „Ungläubige“. Dieses Schüren von Hass auf die Anderen ist die Saat der Gewalt. Mit der Kalaschnikow in der Hand geht die Saat auf.

In allen totalitären (Denk-)Systemen ist die Entmenschlichung der Anderen die Voraussetzung dafür, dass die Einen sich zu Herren über Leben und Tod der Anderen aufschwingen. Der Kadavergehorsam der Indoktrinierten beginnt in der patriarchalen Familie, in Koranschulen und in den orthodoxen oder gar islamistischen Moscheen. Und da reden wir nicht nur von salafistischen Moscheen. Wir reden unter anderem auch von den heute etwa 1000 Ditib-Moscheen in Deutschland, die finanziell wie personell von der Türkei abhängig sind. Vor der Machtergreifung Erdogans waren das Stätten eines echten Dialogs, heute weht da ein anderer Wind.

Die Islamisten missionieren seit den achtziger Jahren

Die frühe Unterwerfung von Söhnen, Töchtern und Frauen findet ihre konsequente Fortsetzung in den Schmieden der Gottesstaatler, die aus Ich-schwachen jungen Männern waffenstarrende Gotteskrieger formen und aus verlorenen jungen Frauen hörige Bräute. Die Islamisten missionieren seit den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, seit der Ausrufung des Iran zum Gottesstaat. Erstes Ziel dieser mit Petrodollars aus Saudi-Arabien und Qatar ausgestatteten Gottesstaatler waren die islamischen Länder, doch sind sie auch sehr rasch in den muslimischen Communities der westlichen Welt angekommen.

Dennoch zeigen aktuelle Umfragen, dass die überwältigende Mehrheit der Menschen aus dem muslimischen Kulturkreis in Deutschland die Demokratie schätzen. 90 Prozent aller Muslime halten laut Bertelsmann-Studie nicht etwa den Gottesstaat, sondern die Demokratie für „eine gute Regierungsform“; ebenso viele haben „regelmäßigen Freizeitkontakt“ zu Nichtmuslimen. Und 60 Prozent bejahen nicht nur die Homosexualität, sondern sogar die Homoehe – was für Islamisten des Teufels ist.

Das sind wirklich gute Nachrichten! Die Muslime in Deutschland sind also mehrheitlich integriert. Doch genau darum sind sie die ersten Opfer der Islamisten, nicht wir. Sie sind es, die in den Augen der Fanatiker „Verräter“ sind. Sie sind es, die von den Islamisten agitiert, unter Druck gesetzt und bedroht werden. Sie sind es, deren Söhne sie vergiften und deren Töchter sie entrechten. Sie sind es, die wir im Stich gelassen haben.

Ausgerechnet die freiheitsliebenden Muslime haben wir in den vergangenen Jahrzehnten alleingelassen. Stattdessen hat die Politik den Islamisten nach dem Mund geredet. Sie hat es zugelassen, dass leichtfertig einem Kulturrelativismus das Wort geredet wurde, bei dem die Menschenrechte zwar für uns gelten – aber nicht für muslimische Männer und schon gar nicht für muslimische Frauen. Höchste Zeit also, dass sich das ändert! Denn die Gefahr wächst.

Die Saat geht auf

Aus Frankreich ist zu hören, dass nach den Attentaten auf „Charlie Hebdo“ und den jüdischen Supermarkt keineswegs alle erschrocken waren. Schulen mit hohem Muslim-Anteil melden, dass manche Schüler in der verordneten Schweigeminute „Allahu Akbar“ riefen, aufklärende Lehrerinnen und Lehrer anpöbelten und drohten: „Das war erst der Anfang.“

Sicher, Frankreich, wo die Söhne, Enkel und Urenkel der einst Kolonialisierten leben, hat ein noch größeres Problem als Deutschland. Doch auch aus Berlin oder Köln ist seit Jahren, ja Jahrzehnten zu hören, dass unverschleierte Mädchen als „Nutten“ beschimpft werden und Lehrerinnen als „Huren“. Die Saat geht auf. Es ist zu befürchten, dass die nächste Generation der Muslime nicht mehr zu 90 Prozent die Demokratie bejahen wird.

Die einzige sinnvolle Antwort darauf ist eine wirklich konsequente Trennung von Staat und Religion. Es darf in den staatlichen Schulen keine Extraregelungen wegen Glaubenszugehörigkeit geben; Deutsch muss Sprache für alle sein; wir brauchen Aufklärung über Rechtsstaat und Gleichberechtigung der Geschlechter in den Klassen. Schluss mit der falschen Toleranz!

In den Tagen nach dem Attentat in Paris demonstrierten deutsche Politiker gemeinsam mit Muslimen gegen die islamistische Gewalt. Was im Prinzip eine gute Sache ist. Doch mit wem demonstrierte die Kanzlerin da Arm in Arm?

Mit Aiman Mazyek, dem Vorsitzenden des Zentralrates der Muslime. Weiß die Kanzlerin wirklich nicht, dass der Zentralrat der Muslime (dessen Namensgleichheit mit dem Zentralrat der Juden Kalkül ist) 1994 von einem deklarierten Islamisten, dem Konvertiten und Ex-Botschafter Wilfried Murad Hofmann mitgegründet wurde?

Der Zentralrat ist eng verbandelt mit den ägyptischen Muslimbrüdern, die die historische Keimzelle des Islamismus sind. Weiß das die Kanzlerin nicht? Ist ihr entgangen, dass die Stimme des gerne „beleidigten“ Zentralrates vor den Anschlägen in Paris kaum je zur Verteidigung der Pressefreiheit oder Ermutigung innerislamischer Reformen zu hören war? Dafür aber häufig, wenn es zum Beispiel um „das Recht“ von Lehrerinnen auf das Kopftuch oder die „Befreiung“ von Mädchen vom Schwimmunterricht oder von Ausflügen geht.

Scheidungsregeln auf islam.de

Auf der Internetseite islam.de, Redaktion Ayman Mazyek, wird dargelegt, wie ein Muslim zu leben hat. Denn der traditionelle Islam regelt nicht nur Glaubensfragen, sondern das ganze Leben des Mulims, bis ins letzte Detail. Hier eine exemplarische Kostprobe:

„Punkt 2: Scheidung seitens des Mannes. Stufe 1: Wenn der Mann den Entschluss gefasst hat, sich scheiden zu lassen, muss er erst einmal warten, bis die Frau sich in einer blutungsfreien Phase befindet, in der sie keinen Beischlaf hatte. Erst dann darf er mündlich und in besonnenem Zustand die Scheidung aussprechen. Nachdem er dies getan hat, ist die Scheidung noch nicht vollzogen. Die Frau soll weiterhin zu Hause wohnen. Es beginnt eine Zeit, die drei Monatsblutungen der Frau (oder drei Monate, falls keine Monatsblutung mehr vorkommt) dauert und während derer der Mann die Scheidung zurücknehmen kann. Tut er dies, gilt die Ehe als nicht geschieden. Tut er es nicht, ist die Ehe nach Ablauf der Frist geschieden.“

Für die „Scheidung seitens der Frau“, Punkt 8, genügen drei Zeilen: „Ist die Scheidung seitens der Frau gewollt, so muss sie sich an ein Gericht oder einen Schiedsrichter wenden. Dieser kann die Ehe aufheben gegen Rückzahlung des Brautgeldes.“

An dem Punkt „Islamische Trauung in Deutschland“ versäumt Mazyek nicht den Hinweis, dass hierzulande die Eheschließung auch standesamtlich durchgeführt werden müsse, damit sie gesetzlich gilt. Für den Fall empfiehlt er einen Ehevertrag mit den „typisch islamischen Klauseln der Ehe“, als da sind: die Morgengabe, die islamische Erziehung der Kinder und das (Frauen schwer benachteiligende) Erbrecht. So weit die Welt des Zentralrates.

Zum Glück sind weder der Zentralrat noch die übrigen drei Verbände im Koordinationsrat repräsentativ für die Muslime in Deutschland. Experten schätzen die Zahl der Mitglieder in den Moscheevereinen, die dem Zentralrat angehören, auf maximal 20000. Das ist nicht einmal ein Prozent der in Deutschland lebenden Muslime. Trotzdem ist der ZMD seit Jahren der Hauptansprechpartner für die Politik. Warum? Warum demonstriert die Kanzlerin den Schulterschluss nicht mit Repräsentanten der restlichen 99 Prozent?

Keine Stellungnahme zu Pierre Vogel

Zum Beispiel mit Mouhanad Khorchide. Der muslimische Religionsprofessor könnte das bestens gebrauchen. Er lehrt seit fünf Jahren in Münster islamische Theologie. Er bildet künftige Religionslehrer an deutschen Schulen aus; zurzeit hat er 650 Studenten. Der „Koordinationsrat der Muslime in Deutschland“, in dem auch der Zentralrat Mitglied ist, hatte der Lehrerlaubnis für den Theologen zunächst schriftlich zugestimmt. Doch seit 2013 steht Khorchide unter Polizeischutz. Der Grund sind Morddrohungen von Salafisten.

Aber nicht nur sie machen ihm das Leben schwer. Dem Koordinationsrat passt Khorchide nun nicht mehr. Er hat im Dezember 2013 ein 75 Seiten langes Gutachten gegen den Theologen verfassen lassen, um zu verhindern, dass er weiter lehrt. (Übrigens gibt es gegen den Salafisten Pierre Vogel keine einzige Stellungnahme der Verbände.) Die organisierten Orthodoxen wollten den von Khorchide vertretenen aufgeklärten Islam und seine Annäherung an Europa verhindern. Sie erklärten dessen Interpretation des Islam darum kurzerhand als „unwissenschaftlich“. Es geht also um Deutungshoheit. Und die wollen die Orthodoxen und Islamisten behalten.

Nicht zuletzt darum sollte die Mehrheit der nicht organisierten Menschen aus dem muslimischen Kulturkreis auch ein dringendes eigenes Interesse daran haben, sich zu organisieren: um Ansprechpartner für Politik und Medien zu sein. Bisher gibt es in Deutschland keinen sowohl von der Türkei als auch von den Muslimbrüdern unabhängigen Verband der Muslime, der einen aufgeklärten Islam verträte. Was es den bestehenden Organisationen leicht macht, für alle zu sprechen.

Die Stimmung ändert sich

Einen Tag vor dem unglücklichen Schulterschluss am Brandenburger Tor war der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu zu Besuch bei der Kanzlerin. Unwidersprochen konnte Davutoglu in Berlin die in Dresden demonstrierende „Pegida“-Bewegung mit den in Syrien mordenden Söldnern des „Islamischen Staates“ vergleichen. Meine 14 Jahre alte Nachbarin würde sagen: „Hallo? Geht’s noch?!“ Ausgerechnet die Türkei, die bisher mit logistischer Unterstützung und Waffenlieferungen eine Komplizin des IS war.

In dem zitierten Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hatte die Kanzlerin auch erklärt, sie wolle „die übergroße Mehrheit der Muslime in Deutschland vor einem Generalverdacht schützen“.

Das ist gut und nötig. Denn in der Tat verändert sich gerade die Stimmung. Aggressive Akte gegen Moscheen sind in Deutschland zum Glück selten, aber sie werden mehr. Und fanden 2012 noch 52 Prozent aller Befragten, der Islam passe „nicht zu Deutschland“, meinen das jetzt schon 61 Prozent. Wobei noch zu klären wäre, was mit dem Satz „Der Islam gehört zu Deutschland“ überhaupt gemeint ist.

Denn „den Islam“ gibt es nicht. Es gibt tausend Interpretationen und Lebensweisen von Muslimen in der islamischen wie der westlichen Welt. Aber es gibt den Islamismus. Und der kommt eindeutig daher: Er will eine wörtliche, fundamentalistische Auslegung des Koran zum Gesetz machen, zum Gottesgesetz.

Auch die Politik sollte darum endlich den Unterschied zwischen Islam und Islamismus begreifen, zwischen Glauben und Ideologie. Das heißt, Frau Bundeskanzlerin, die Politik sollte die nicht-islamistischen Kräfte gezielt fördern und unterstützen. Damit die Saat der Gewalt nicht mehr auf fruchtbaren Boden fällt.

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Time am 2. Februar 2015

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1) http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/islamismus-debatte-hier-irrt-die-kanzlerin-13388949.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2
2) https://madrasaoftime.wordpress.com/2015/01/17/nicht-qualifiziert/

Im Interview: Mouhanad Khorchide

1. Februar 2015

Khorchide

Mouhanad Khorchide war schon sehr häufig (unfreiwilliger) Gast in der MoT. Insbesondere seine Auseinandersetzung mit Mohammed Khallouk wurde eng begleitet.

Zwar stehe ich auf dem Standpunkt, dass der Kloran ein geistloses und bösartiges Buch ist, das vollständig dekonstruiert werden muss, andererseits haben die Anti-PEGIDA-Demonstrationen m.E. gezeigt, dass der Nazislahm von den Mitbürgern noch nicht in einem Maße begriffen worden ist, das ein robustes Vorgehen ermöglichen würde.

Daher kann die Strategie des Counterjihad u.a. auch darin bestehen, die weniger militanten und verbohrten Kräfte des Mohammedanismus zu stärken und zu vermehren. Ziel muss es sein, diese als „DEN“ Islam zu etablieren und die Kräfte, die gegen sie wirken (das sind durchaus Typen wie Kolat, Mazyek oder Khallouk), mit dem „Islamismus“, „SA-lafismus“ usw. zu identifizieren, welche, so unsere Bundeskanzlerin, „nicht unter den Schutz des Grundgesetzes“ fallen und daher „entschlossen bekämpft werden“ müssen (1).

Zu den Vertretern des „maßvollen“ Mohammedanismus gehört zweifelsohne Herr Khorchide.

Lesen sie ein Interview mit ihm von „FAZ.NET“, das Julian Staib mit ihm geführt hat (2).

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„Mit Mahnwachen bekämpft man den Islamismus nicht“

Er ist liberal, er ist Islamwissenschaftler und er steht unter Polizeischutz. Mouhanad Khorchide kritisiert die Haltung vieler Muslime nach den Anschlägen von Paris. Wer sage, Salafismus habe nichts mit dem Islam zu tun, der verdränge das Problem. Ein Gespräch.

FAZ: Die muslimischen Verbände in Deutschland haben die Attentate von Paris scharf verurteilt. Zugleich heißt es: Das hat mit dem Islam nichts zu tun. Doch berufen sich die Salafisten auf den Islam.

Khorchide: Natürlich müssen die Verbände sich distanzieren, was sie auch getan haben. Aber nun einfach zu sagen, Salafismus hat nichts mit dem Islam zu tun, ist ein Verdrängungsmechanismus, der uns allen nicht hilft. Damit wird das Problem ignoriert. Jetzt müsste man sich im Detail die Argumente der Salafisten anschauen und diese mit starken Gegenargumenten entschärfen.

Helfen keine Mahnwachen?

So etwas wie die Mahnwache am Dienstagabend ist eine schöne, wichtige Geste. Es ist gut, der Mehrheitsgesellschaft zu sagen: Bitte pauschalisiert nicht. Nicht alle Muslime sind Salafisten oder Extremisten. Aber dadurch bekämpft man nicht den Islamismus. Es wird gar nicht thematisiert, was das für Argumente sind, die es erlauben, einfach unschuldige Menschen zu töten. Wir müssen endlich einen innerislamischen theologischen Diskurs führen. Im Kern müssen wir vor allem darüber sprechen, wie mit Nicht-Muslimen umgegangen werden soll, das heißt auch über die These, dass Gott auch im Jenseits noch ewige Gewalt gegen Nicht-Muslime ausüben wird. Aber es gibt diesen Diskurs noch nicht.

Aus manchen muslimischen Verbänden heißt es: Wir sind dazu da, den Islam zu praktizieren. Theologische Debatten sollen an den Universitäten geführt werden.

Ich sehe ein, dass manche sagen, sie hätten nicht die Expertise. Aber dann müssten die Verbände den Diskurs an den Universitäten stärker unterstützen – oder ihn nicht behindern – und sie müssten offen für theologische Positionen sein, die vielleicht nicht von der Mehrheit der traditionellen Gelehrten vertreten wurde, aber dennoch für heute fruchtbar sind.

Inwiefern wird dieser Diskurs eingeschränkt?

Positionen wie die meine, die eher offen sind, werden schnell als unislamisch abgetan. Im vorigen Jahr wurde gegen mein Buch „Islam ist Barmherzigkeit“ vehement vorgegangen. Dabei ist es ein Angebot, die gute, barmherzige Seite des Islams in den Vordergrund zu stellen.

Der Koordinationsrat der Muslime forderte in dem Gutachten Ihre Absetzung, von der größten muslimischen Organisation Ditib hieß es, sie seien „nicht tragbar“.

Das ist ein Lernprozess für uns alle, auch für die Verbände. Zumindest Ditib öffnet sich nun sukzessive und unterstützt unsere Arbeit.

Aber müssten sich die Moscheeverbände nicht auch von innen her wandeln?

Die Moscheegemeinden machen gute praktische Arbeit, besitzen aber nicht immer die theologische Expertise. Zudem erreichen sie nicht die breite Basis der Muslime. Aber wenn wir Hand in Hand arbeiten, die Moscheegemeinden und die Universitäten zusammen, können wir uns ergänzen und den Wandel schaffen. Bei uns in Münster haben sich im vergangenen Jahr 1400 Muslime beworben. Wir begannen 2012 mit dem Studiengang der islamischen Theologie, inzwischen haben wir 650 Studierende. Der Großteil soll später Religionslehrer oder Imame werden. Das ist ein Wandel von unten.

Welche Rolle spielt die Sprache? Nur in wenigen Moscheen wird auf Deutsch gepredigt.

In sehr wenigen. In einem Großteil der Moscheegemeinden werden andere Sprachen als Deutsch gesprochen. Gerade die aus der Türkei angeworbenen Imame kommen für ein paar Jahre nach Deutschland und gehen dann zurück. Das motiviert nicht gerade, Deutsch zu lernen.

Verlieren die Gemeinden so den Nachwuchs?

Dadurch erreichen die Gemeinden die erste Generation der Einwanderer, aber junge Menschen fühlen sich in den Moscheen nicht immer angesprochen, auch wenn sie ein wenig Türkisch oder Arabisch sprechen. Wir hinterlassen hier eine Lücke, die die Salafisten nutzen. Die sprechen die jungen Menschen auf Deutsch an. Noch wichtiger aber ist die kulturelle Sprache. Um auf die Lebenswirklichkeit der jungen Menschen einzugehen, brauchen wir Imame, die nicht nur Deutsch sprechen, sondern auch die jungen Menschen verstehen. Dadurch, dass wir nun an den Universitäten Imame ausbilden, wird sich hier einiges ändern. Auch die Moscheegemeinden sind immer mehr um konstruktive Jugendarbeit bemüht.

Wie erreichen die Salafisten die jungen Menschen?

Zunächst bieten die Salafisten einen Islam auf Deutsch an. Vor allem aber bieten sie einen Islam, der in Opposition zu unserer Gesellschaft steht, der also nicht offen ist, sondern polarisiert und den jungen Menschen suggeriert, ihr seid die Besseren. Die anderen werden in die Hölle verdammt. Salafismus ist bei Jugendlichen attraktiv, die das Gefühl haben, ohnmächtig und marginalisiert zu sein, und von der Gesellschaft nicht anerkannt. Dann kommt jemand, der Dir sagt: Du bist kein Verlierer, sondern der wahre Gewinner – und Gott ist auf Deiner Seite. Die anderen sind die wahren Verlierer, sie wird Gott verdammen, Du aber kommst ins Paradies.

Wenn man Vertreter von Religionsgemeinschaften fragt, warum sie nicht noch mehr auf die jungen Leute zugehen, heißt es oft: Dafür fehlen die Mittel.

Wenn man nicht die Mittel hat, sollte man noch mehr die Zusammenarbeit mit den Universitäten suchen. Die 650 Theologen, die bei uns studieren, sind eine enorme Ressource. In Münster geben die Studenten an Wochenenden ehrenamtlich Religionsunterricht in der Ditib-Moschee. Das funktioniert wunderbar. Es wäre schön wenn die Moscheegemeinden die Notwendigkeit unserer Arbeit anerkennen würden und diese noch stärker unterstützen würden. Doch bis die ersten Absolventen aus den theologischen Zentren in Deutschland kommen und sich entsprechend beweisen, dass sie das Vertrauen der Gemeinden gewonnen haben, wird es wohl noch etwas dauern.

Das heißt, Sie sind weiter optimistisch?

Es muss sich einfach etwas verändern, wir müssen die aufgeklärten Positionen stärker unterstützen. Hoffentlich erkennen das auch die, die sich bisher verweigert haben. Vielleicht rütteln nun diese schrecklichen Ereignisse in Paris hierzulande einen humanistischen Islam wach. Selbst im schlimmsten Unglück findet sich ein Glück. Natürlich kommt der Wandel nicht immer freiwillig, aber das war für die Katholische Kirche auch nicht anders zu Zeiten der Aufklärung.

In der Vergangenheit gab es immer wieder Morddrohungen gegen Sie. Stehen Sie noch unter Polizeischutz?

Die Morddrohungen haben zwar abgenommen, aber ich stehe weiterhin unter strengem Polizeischutz.

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Time am 1. Februar 2015

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1) http://www.welt.de/debatte/kommentare/article136965127/Zu-Recht-korrigiert-Merkel-sich-in-der-Islamfrage.html
2) http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/interview-mit-islamwissenschaftler-khorchide-13369952.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

Linke Schreckschraube liegt richtig

16. Januar 2015

Quistorp

Eva Quistorp ist eine der Mitbegründerinnen der Grünen. Sie war sehr aktiv in der bolschewistisch gesteuerten „Friedensbewegung“, war Ende der neunziger Jahre Mitglied des Bundesvorstands der Grünen und wurde 1989 ins Europaparlament gewählt. „Perlentaucher“ hat am 14. Januar einen Aufsatz von ihr veröffentlicht (1).

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Die Schule der Kritik

Ich bin immer noch bewegt von den republikanischen Demos in Paris und anderen Städten und sogar vielen Dörfern in Frankreich. Am 11. Januar 2015, einem historischen Tag in Europa, habe ich einige Tränen vor dem Fernseher verloren – vor Rührung und weil ich die Hoffnung von Millionen teile, die riefen oder schrieben „Je suis Charlie, je suis juif, je suis flic, je suis Ahmed, je suis Citoyen“. Sogar viele kleine Kinder darunter, die enorm klug und artikuliert waren mit ihren Bleistiften und der Marseillaise rund um die République.

Es war die weltweite und millionenfache Welle der Hoffnung auf ein Ende des Terrors, ein Ende des Hasses, auf ein friedliches weltweites Zusammenleben, auf ein Europa der Presse- und Satirefreiheit als Grundlage der Demokratien. Doch die wenigen Überlebenden des Massakers gegen die Charlie Hebdo-Journalisten – eine ganze Zeitungsredaktion ist ermordet worden! – erinnerten bei kurzen Interviews daran, dass es nicht um Pressefreiheit allgemein geht, sondern um die Verteidigung der Laizität, um das Recht auf Islamkritik und Religionskritik.

Das hören nicht alle Experten der Integrationsforschung, nicht alle Politiker gern. Das wurde auch von Moderatoren schnell weggeklickt und sofort beantwortet mit „bloß kein Amalgam, keine Vermischung von Kritik an islamistischem Terror und Kritik am Islam“. Diese Sprüche dienen wie die seit Jahren in Deutschland kursierende Sprechformel „Das hat nichts mit dem Islam zu tun“ als Beruhigungsmittel für die muslimischen Wähler und Vereine, aber auch für die Mehrheit der Bevölkerung.

Aber auch der Islam darf nicht mit „Respekt“ eingemauert werden: Wieso sollen in Europa und in Deutschland für den Islam andere Standards gelten als für die katholische oder protestantische Kirche? Der Islam in seiner heutigen vorherrschenden Verfassung, seine Vereinsvertreter, sein Religionsunterricht, seine Jugendsozialarbeit, seine Geschlechter- und Bildungspolitik haben ebenso demokratische Kritik verdient wie die christlichen Kirchen. Diese Kritik darf ebenso sein wie die Kritik von Pussy Riot an der russisch-orthodoxen Kirche, wie die von Titanic am Papst, wie die der Feministinnen an einer patriarchalen Theologie und Bibelinterpretation. Dieses Recht wurde seit 1848 und seit der Französischen Revolution erkämpft, nicht zuletzt von Vordenkerinnen in Frankreich.

Seitdem dürfen wir sagen, dass das Christentum etwas mit Dummheit, Unbildung, Vorurteilen, Antisemitismus, mit Missionierung und und Kolonisierung, mit Hexenverfolgungen,mit Inquisition zu tun hatte. So wie die „Deutschen Christen“ etwas mit dem Christentum zu tun hatten, die Bekennende Kirche und die christlichen Märtyrer gegen den Naziterror aber auch.

Warum hat es ausgerechnet in der linken und linksliberalen Szene und bei den Grünen so viele Feigheit und Ignoranz gegenüber dem Islam und dem Islamismus gegeben, obwohl Journalisten, Experten, Professoren, Schriftsteller oder grüne Politikerinnen doch durch die Schule der Kritik am Christentum und der katholischen Kirche aber auch an der Rolle von Frauen und Sexualität in der protestantischen Kirche gegangen sind?

Die jüngere Generation musste bei diesen Themen ja nicht mehr kämpfen und argumentieren lernen, da sie in den Theorien der multikulturellen Identitätsdebatten, in den Siegen der Frauen und Schwulenbewegung schon aufgewachsen ist und nun gelernt hat, das Fremde zu hofieren, statt es genauso zu hinterfragen wie es die 68er mit der eigenen Kultur und Geschichte getan haben.

Wer hat denn in der Politik, der Kulturszene, der Integrationsforschung und den Medien in den letzten Jahren gefordert, dass die Fatwa gegen Salman Rushdie und die Taslima Nasrin aufgehoben wird? Wer hat denn an den islamistischen Mord an Theo van Gogh erinnert und ihn als Satiriker gewürdigt? Wer hat die Mohammedkarikaturen von Westergaard und von Charlie Hebdo alles nicht nachgedruckt in den letzten Jahren? Was hat die Formel von der Schuld der Mehrheitsgesellschaft und des Westens dazu beigetragen, dass eine Opfermentalität unter Muslimen in Europa entstanden ist und sich sofort nach dem grauenhaften Massaker an der Charlie Hebdo-Redaktion in den Medien und muslimischen Vereinssprechern wieder äußerte?

Selbst Lamya Kaddor, die fröhlich ohne Kopftuch demonstriert, dass Koran und Islam als solcher nicht das Kopftuch verlangen, sagt, sie habe vor allem Angst, dass sie sich nun wieder distanzieren müsse und es einen Generalverdacht gegen Muslime gebe. Insgesamt scheinen Moscheevereine, Journalisten und Politiker in Deutschland mehr Angst vor Pegida-Demos in Dresden zu haben als vor Schläfern wie in Hamburg und dem Hass, der auch von Rappern als Lebenshaltung für junge Männer global verbreitet wird.

Es gibt mehr Kritikerinnen des Islam, die in die Tradition der Aufklärung und der Frauenrechtsbewegung gehören, als in Deutschland oder Europa bekannt sind. Sie werden kaum auf Podien eingeladen. Das hängt mit einem Mangel an Wissen um Islamkritik bei Medien und in der Politik zusammen, aber auch mit platter Wahltaktik. Im Jahr der Reformationsfeiern sollte Deutschland nicht hinter der Demo für die Republik zurückstehen und Reformatoren und Islamkritikerinnen aus dem Islam auf Podien und in Unis und Medien einladen. Abu Zaid durfte ich einmal im Exil begegnen, als er noch lebte: Die von vielen so gelobte al-Azhar-Universität hatte ihn zwangsweise von seiner Frau geschieden und zum Ketzer erklärt, obwohl er in der Moderne die historisch-kritische Koran-Forschung entwickelt hat, die die Grundlage für einen fairen Dialog zwischen den Religionen sein muss und ohne die der Respekt gegenüber den Religionen wie die Kritik an ihnen in Demokratien nicht bestehen können.

Es ist ja schon beschämend genug, dass die Grünen nicht einmal Necla Kelek oder Seyran Ates zu einer Debatte zur Islamkritik und zum Machismo in der muslimsichen Migrantencommunity eingeladen haben. Sie sind es, die schon länger über die psychologischen und soziologischen Grundlagen des muslimischen Fanatismus und die islamistisch begründete Männergewalt arbeiten.

Warum gab es von all unseren Intellektuellen – von Klaus Staeck über Cem Özdemir bis zur Integrationsbeauftragten der Regierung – keine Kampagne für Professor Mouhanad Khorchide, der von der Ditib, dem Erdogan-nahen Verein, und anderen Muslimverbänden bedrängt wird, weil er ihrem konservativen bis rechten Islam nicht entspricht? Wo war die Kampagne für Dieter Nuhr, der als islamophob beschimpft wurde und Todesdrohungen erhalten hat? Ich weiß, was Todesdrohungen sind, da ich sie selbst in meinem Engagement für die bosnischen Muslime im Europaparlament erhielt und ziemlich allein damit war. Auch Charlie Hebdo war in den letzten Jahren allein und wurde sogar von Dany Cohn-Bendit und anderen Grünen als angeblich zu islamkritisch kritisiert, denn man will ja so tolerant erscheinen und Konflikte mit Fanatikern im netten Dialog lösen

Wer bestimmt denn, was im islamischen Religionsunterricht gelehrt wird? Wird da der demokratische Wettbewerb mit dem evangelischen und katholischen und jüdischen Religionsunterricht und dem der Humanisten gefördert oder wird abgegrenzt gegen den dekadenten Westen und gegen Frauen mit offenem Haar? Ich kann hier nicht eingehen auf die Geschichte und das Ölgeld und die Geostrategien und Terrorkriegführung, an der Saudi Arabien und Katar und teils auch die Türkei, Pakistan und Iran in den letzten Jahren beteiligt waren. Recherchen hierüber sind wichtiger als Recherchen über Pegida-Webseiten, denn diese Staaten sind gefährlicher und haben Hunderttausende zur Flucht aus Irak und Syrien getrieben. Vom Terrorismus der Boko Haram und islamistischer Gewalt in Afrika abgesehen.

Wer meint, der Islamismus hätte nichts mit dem Islam in Saudi Arabien oder Pakistan zu tun, irrt gewaltig. Wer meint, der Islamismus habe nichts mit dem zu tun, was im Internet als Islam-Propaganda vertreten wird, irrt: Daher stimme ich Heiner Geißlers Vorschlägen für mehr Sicherheit im Netz und Alice Schwarzers Vorschlag für ein Burka-Verbot zu. Nicht weil ich schwarz grüne Interessen hätte, sondern weil ich mir das logische Denken als Theologin und Feministin nicht verbieten lassen will von einem faulen Toleranzgerede.

Sowohl Pegida als auch der Islamismus nehmen mit ihrer Internetpropaganda Einfluss auf die analoge Welt. Also muss sich wohl dringend auch etwas im Internet ändern, wenn wir die Demokratien und das Zusammenleben von zivilisierten Religionen schützen wollen. Charlie Hebdo war gegen den Irakkrieg, wie gegen den Fundamentalismus und Dummheit in allen Religionen. Daran sollten wir uns messen, auch wenn einige Karikaturen nicht unserem Geschmack und unseren Gefühlen entsprechen. Doch ohne solche Künstlerinnen und Journalisten und ohne eine geistreiche, gebildete, scharfe Religionskritik werden wir im Krieg, der gegen uns von IS und AL Qaida geführt wird, weder im Internet noch in der analogen Welt bestehen können.

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Time am 16. Januar 2015

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1) http://www.perlentaucher.de/essay/die-schule-der-kritik.html

Mit allen Mitteln

15. Januar 2014

maz-khor

Die selbsternannten Orkverbände, die sich anmaßenderweise zu Vertretern „der“ Mohammedanisten Deutschlands aufschwingen (1), möchten die Hoheit über „den“ Mohammedanismus behalten und ihn in seiner rache-, blutdürstigen, sklavistischen und sadistischen Art erhalten, ohne dass diese als eine solche benannt werden dürfte. Mit allen Mitteln geht man derzeit gegen Prof. Mouhanad Khorchide vor, der die angebliche Barmherzigkeit von AllaHundseingesandter herausarbeiten möchte.

In einem ebenso elend langen wie langweiligen Aufsatz versucht Mazyeks „islam.de“ derzeit, Khorchide den Plagiatsvorwurf anzuhängen (2) – wie waaahnsinnig originell!

Selbst der orkfreundlichen „Zeit“ ist das allzu demagogisch aufgetragen (3), wie Hermann Horstkotte und Ruben Karschnik darlegen.

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Ideenklau?

Abdel-Hakim Ourghi erhebt Plagiatsvorwürfe gegen Mouhanad Khorchide – Hier die ganze wissenschaftliche Abhandlung

Abdel-Hakim Ourghi (…) ist Studienleiter des Arbeitsbereichs Islamische Theologie/Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule Freiburg. Nun erhebt Ourghi schwere Vorwürfe gegen den österreichischen Islam-Theologen Mouhanad Khorchide, der mit seiner „Theologie der Barmherzigkeit“ viel Unsicherheit in der Islamischen Geneinde erzeugt hat.

Ourghi wirft Khorchide in der heutige Ausgabe des Standards (…) Ideenplagiat vor, da dieser für seine „Theologie der Barmherzigkeit“ die Ideen und Ausführungen von Muhammad Shahrur, einem syrischen Intellektuellen, als eigene ausgeben würde, obwohl diese klar als Ideen Shahrurs zu Ourghi wirft. islam.de liegt der vollständige Text von Dr. Abdel-Hakim Ourghi exklusiv vor: (…)

(„… obwohl diese klar als Ideen Shahrurs zu Ourghi wirft“? Was in aller Welt soll dieses Gestammel bedeuten? Da war wohl die unnachahmliche Poesie des Kloran Vorbild. Oder ist das eine Übertragung aus dem Rabiatischen durch Google-Übersetzer? Bei „ork.de“ scheint kein einziger Deutsch-Muttersprachler zu arbeiten. Der ZMD ist wohl komplett aus Saudi-Arabien fremd- und ferngesteuert. T.)

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Khorchide im Schwitzkasten

Nicht nur muslimische Verbände, auch die Studenten in Münster wenden sich gegen den Hochschullehrer. Ein Islamwissenschaftler erhebt zudem zweifelhafte Plagiatsvorwürfe.

Mouhanad Khorchide kämpft. Gegen muslimische Verbände, die seine Auffassung des Islams für „Irrlehren“ halten. Gegen seine Studenten, die deswegen einen Imageschaden für ihren Fachbereich fürchten. Und gegen einen Islamwissenschaftler, der ihn des Plagiierens beschuldigt.

(…)

Die Studenten des Münsteraner Zentrums für islamische Theologie (ZIT) fürchten, deshalb schlechtere Berufschancen zu haben. In einer Stellungnahme schreiben sie: „Mit Sorge beobachten wir, wie sich die Kritik an Prof. Dr. Mouhanad Khorchides Wirken auf das gesamte ZIT und somit auch auf die Studierenden niederschlägt.“ Studenten und Lehrende des ZITs seien „mündig sowie theologisch vielfältig geprägt“, das ZIT solle nicht an einer Person gemessen „oder gar von dieser abhängig gemacht werden“.

Zusätzlich gibt es Plagiatsvorwürfe. Abdel-Hakim Ourghi, Studienleiter für Islamische Theologie in Freiburg, will „formale und inhaltliche Plagiierung“ und „Ideenplagiate“ aus Werken des syrischen Korandeuters Muhammad Shahrour in Khorchides Buch über Barmherzigkeit gefunden haben. Das berichtete Mitte dieser Woche die liberale Wiener Tageszeitung Standard. Kurze Zeit später verbreitete der Internetdienst islam.de die Anschuldigungen. Dieser steht dem Zentralrat der Muslime nahe, der Khorchide als Theologen ablehnt. Für den Rat kamen die Plagiatsvorwürfe womöglich gelegen.

Fragwürdige Vorwürfe

Stichhaltig sind die Vorwürfe nicht. Ourghis hat seine Vorwürfe in einem bislang unpublizierten Aufsatz zusammengefasst, der ZEIT ONLINE vorliegt. Anders als anerkannte Plagiatsjäger dokumentiert Ourghi keinen einzigen Satz, der wortwörtlich von einem Fremdautor stammt. Ourghi schreibt, Khorchide wähle Ausdrucksweisen, „die sich von denen Shahrours unterscheiden, vielleicht um ihre Herkunft zu verschleiern“. Ourghis Kritik ist also nicht mehr als ein Verdacht. Khorchide selbst sagt zu ZEIT ONLINE: „Ich habe mich nie mit den Thesen von Shahrour beschäftigt.“ Er suche jetzt Rat von einem Anwalt. Khorchides Verlag teilt mit: Das Buch über die Barmherzigkeit sei kein wissenschaftliches Fachbuch, sondern ein Sachbuch für das breitere, politisch interessierte Publikum. Deshalb gäbe es keinen dicken Fußnotenapparat.

Üblicherweise gehen Professoren den umgekehrten Weg: Sie begründen ihre Auffassungen zunächst in Fachbüchern und Aufsätzen und veröffentlichen erst dann populärwissenschaftliche Versionen. Khorchides Barmherzigkeit hat keine solche Absicherung im Hintergrund.

Mit der Grundsatzkritik an Khorchides Lehre will Oughri ausdrücklich nichts zu tun haben. Allerdings dürfte ihm klar gewesen sein, dass seine Vorwürfe nur deshalb Aufmerksamkeit erfahren würden – normalerweise wären sie in einem Fachblatt erschienen, nicht im Standard.

Dass die Plagiatsvorwürfe Khorchides Ansehen schaden werden, ist unwahrscheinlich. Gegen die muslimischen Verbände und seine Studenten wird er weiter kämpfen müssen.

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Time am 15. Januar 2014

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1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2013/07/06/sie-sprechen-nur-fur-sich-selbst/
2) http://www.islam.de/23186
3) http://www.zeit.de/studium/hochschule/2014-01/khorchide-muenster-islamische-theologie-kritik