Posts Tagged ‘Muhammad Kalisch’

Prof. Dr. moh.

3. Februar 2010

Regina Mönch nimmt sich in der heutigen FAZ noch mal die Empfehlung des Wissenschaftsrates vor, bekenntnisgebundene Institute für „Islamische Studien“ an deutschen Universitäten einzurichten. Studienziele und Lehrpläne sollen dabei unter Mitspracherecht von Fachfremden, die in Beiräten organisiert werden, bestimmt werden.

Der Wissenschaftsrat hat nun darüberhinaus auch schon ein Votum für den „seiner Ansicht nach besten Anwalt muslimischer Interessen“ (Mönch) abgegeben, und zwar den „Koordinierungsrat der Muslime“ (KRM). Dies sei bestürzend, denn er vertrete nur 15% der Mohammedanisten und vereinige eine Reihe extrem fundamentalistischer Organisationen, von denen einige in kriminelle Handlungen im großen Maßstab verwickelt seien, so meint m.E. berechtigterweise Frau Mönch.

Egal ob das Schusseligkeit, Bestechlichkeit oder die Idee war, auf unkonventionelle Weise Drittmittel zu ergattern, es stellt sich die Frage, ob der „Wissenschaftsrat“ jetzt nicht besser in „Wissenschaftsunrat“ umbenannt werden sollte.

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Islamische Lehre  an Universitäten

Der Wissenschaftsrat empfiehlt den Aufbau neuer Institute für Islamische Studien. Zwei Universitäten haben diesen Weg schon eingeschlagen. Zündstoff aber enthält der Vorschlag für die Beiräte.

Islamische Theologie oder – wie es der Wissenschaftsrat in seinem jüngsten Gutachten empfiehlt – „Islamische Studien“ als bekenntnisgebundene Forschung und Lehre sind an deutschen Universitäten eine Rarität. Eigentlich gibt es bisher nur zwei staatliche Universitäten (von etwa achtzig), die sich vorwagten: Münster und Frankfurt. Warum das so ist, hat viel mit Trägheit, Ignoranz und der Diskursroutine zu tun, die sich immer wieder in der Frage erschöpfte, dass es keine einheitliche Glaubensgemeinschaft der Muslime gibt, die das verfassungsrechtlich verbriefte Recht der Mitsprache wahrnehmen könnte.

Die klaren Empfehlungen des Wissenschaftsrates dazu sind darum ein kühner Schritt nach vorn. Danach sollen an „zwei bis drei“ staatlichen Universitäten „institutionell starke Einheiten für Islamische Studien“ aufgebaut werden. Gemeint sind damit nicht nur die Voraussetzungen, um Imame und islamische Religionslehrer auszubilden, sondern auch die Theologie. Sie ist für das Studium der evangelischen und katholischen Religionslehrer ein selbstverständliches Fundament. Würde man sie den islamischen Religionslehrern vorenthalten, wie es bisher aus Mangel an Möglichkeiten vielerorts geschieht, provozierte man im Prinzip eine zweitklassige Ausbildung, die den akademischen Standards nicht entspricht. Neuen Zündstoff jedoch enthält der Vorschlag des Wissenschaftsrates, den umstrittenen „Koordinierungsrat der Muslime“ (KRM) als seiner Ansicht nach besten Anwalt muslimischer Interessen in Deutschland den künftigen islamischen Forschungszentren für die Beiräte anzudienen.

Einmal abgesehen davon, dass die darin versammelten Dachverbände nach Schätzungen der Islamkonferenz und empirischer Studien nur etwa fünfzehn Prozent der deutschen Muslime vertreten, gehören halt auch radikale bis islamistische Vereine dazu. Etwa der Islamrat, dessen größter Mitgliedsverband die radikale Milli Görüs ist; gegen einige ihrer führenden Funktionäre wird wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung, Geldwäsche und Erschleichung öffentlicher Fördermittel für islamistische Ziele ermittelt. Ebenfalls nicht einzuordnen sind nach dem Wissenschaftsrat-Gutachten einige private Institute, die Imame jetzt ausbilden. Man erwähnt nur, dass deren Finanzierung „nicht immer klar erkennbar“ sei. Im Falle des im Gutachten angeführten „Institut Européen des Sciences Humaines“ im französischen Chateau-Chinon, auf das die Milli Görüs ihre Stipendiaten gern schickt, hätte ein Blick auf die Website des Institutes genügt. Die Lehranstalt für den Scharia-Islam wird mit Geld aus den Golfstaaten und Saudi-Arabien unterstützt. Der wissenschaftliche Rat des Institutes wird von Yusuf al Quaradawi angeführt, einem führenden Kopf der Muslimbrüder, der Selbstmordattentate gutheißt und die Scharia über jedes säkulare Recht stellt. Gleichwohl wäre eine Imamausbildung an deutschen Universitäten eine begrüßenswerte Konkurrenz für diese klandestinen Lehranstalten, deren Absolventen hierzulande leider auch mit öffentlichen Subventionen unterstützt werden.

Die Universität Münster hat den jetzt vom Wissenschaftsrat empfohlenen Weg bereits vor sechs Jahren aus eigener Kraft eingeschlagen, doch die skandalöse Einmischung des KRM, der auf die Beschneidung der Freiheit der Wissenschaft zielte, hätte das Projekt fast zum Scheitern gebracht. Seit nunmehr drei Jahren sucht die Universität nach einem geeigneten Kandidaten für den zweiten, den religionspädagogischen Lehrstuhl seines „Centrums für religiöse Studien“. Im Herbst 2009 endlich hat sich die Berufungskommission der Universität für zwei Kandidaten entschieden; einer soll schließlich gemeinsam mit dem Islamtheologen Sven M. Kalisch den Studiengang ausbauen. Das Rektorat bestätigte die Vorschläge ebenfalls, doch statt sie nun wie üblich dem Senat zu übergeben, wurden sie an das Wissenschaftsministerium in Düsseldorf weitergeleitet und schmoren dort seitdem. Inzwischen ist die Zeit, den Studenten das Studium bei diesem dringend erwarteten Professor noch zum Sommersemester zu ermöglichen, verstrichen.

Nach Angaben des Düsseldorfer Ministeriums habe man das Gutachten des Wissenschaftsrates zum Stand der Theologien an deutschen Hochschulen abwarten wollen. Warum, bleibt ein Geheimnis, nötig wäre dies nicht gewesen. Der zuständige Minister will zudem das Einverständnis der KRM-Verbände zu den Vorschlägen der Universität noch vor deren Senatsabstimmung einholen. Ein einigermaßen bizarres Vorgehen, zumal es die gleichen Verbände sind, die zum Boykott gegen den Theologen Kalisch aufgerufen haben. Doch ohne theologisches Fundament, also ohne Kalisch, würde der künftige Professor für islamische Religionspädagogik nur eine zweitklassige Lehrerausbildung anbieten können. Die Universität versichert, das „Paket“ aus Düsseldorf, wenn es denn einmal in Münster eintreffen sollte, ganz unabhängig im akademischen Senat beurteilen zu wollen.

An der Frankfurter Goethe-Universität leitet seit vergangenem Jahr der Theologe Ömer Özsoy das neue „Institut für Studien der Kultur und Religion des Islam“. Seine Stiftungsprofessur, finanziert von der türkischen Religionsbehörde Diyanet, wurde gerade um drei Jahre verlängert. Eine weitere Stiftungsprofessur wurde in Ankara in Aussicht gestellt. Es steht zu hoffen, dass das hessische Kultusministerium dieses großartige Projekt alsbald auf sichere, gänzlich autonome Beine stellt. Der Forschungsschwerpunkt an Özsoys Institut ist die Hermeneutik, die in der islamischen Welt beargwöhnte rationale, historisch-kritische Methode ist selbstverständlich. Hier zeigt sich die ungeheure Chance, die dem Projekt innewohnt: Im geschützten Raum autonomer Universitäten vermögen islamische Theologen Neuland zu betreten, wofür nicht wenige ihrer Kollegen in der islamischen Welt, die vorangingen, mit Berufsverbot bestraft oder, schlimmer noch, zu Apostaten erklärt wurden (F.A.Z. vom 21. Oktober 2009).

Ein Bachelor-Studium der islamischen Theologie soll in Frankfurt das Fundament für die Master-Ausbildung von Religionslehrern und Imamen legen. Dafür ist hier ein solides Konzept entwickelt worden. Ungewohnt für Wissenschaftler wie Özsoy ist die Vorstellung, sich mit Fachfremden in einem Beirat, wie ihn der Wissenschaftsrat empfiehlt, auf Lehrpläne und Studienziele einigen zu müssen. Aber man werde auch dieses Neuland, neu jedenfalls für die Wissenschaft vom Islam, mutig betreten.

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Von Seiten der Türkei besteht übrigens reges Interesse an der Einrichtung von mohammedanistischen Lehrstühlen in Deutschland. Am 20. Januar brachte Regina Mönch folgenden Beitrag in der FAZ:

Ankara-Schule? – Frankfurter Gastprofessur

Die Goethe-Universität in Frankfurt am Main will ein neues Studienfach einrichten: Islamische Theologie. Bisher bietet nur die Universität Münster diese Ausbildung an. In Frankfurt habe jetzt die Arbeit am Lehrplan für das neue Fach begonnen, sagte der Vizepräsident der Hochschule, Matthias Lutz-Bachmann, der Nachrichtenagentur epd. Islamische Theologie als rationale Wissenschaft sei mit der Ausnahme der Schule von Ankara im islamischen Raum noch nicht hinreichend entwickelt worden, sagte Lutz-Bachmann. Vorbild für das Frankfurter Fach seien Konzepte, wie sie seit dem zwölften Jahrhundert an europäischen Universitäten für die katholische und evangelische Theologie entwickelt, in islamischen Ländern aber durch die Politik und die islamische Orthodoxie systematisch unterdrückt wurden. Das Theologiestudium ist dort bis heute nahezu ausschließlich eine Ausbildung zur Apologie (F.A.Z. vom 21. Oktober 2009), die historisch-kritische Methode, seit der Aufklärung für die katholische und evangelische Theologie unerlässlich geworden, konnte nicht einmal ansatzweise das Interesse islamischer Theologen wecken.

Die Goethe-Universität will für dieses kühne Projekt das bereits bestehende erfolgreiche Fach „Islamische Religion“ von einer religionswissenschaftlichen in eine theologische Disziplin umwandeln. Die beiden seit einigen Jahren in Frankfurt tätigen Gastprofessoren Ömer Özsoy und Abdullah Takim sollten nach Möglichkeit bleiben, Voraussetzung wäre die Verlängerung ihrer Verträge. Die Stiftungsprofessuren werden vom „Türkischen Präsidium für Religiöse Angelegenheiten“ (Diyanet), also einer türkischen Regierungsbehörde, finanziert. Die will nach Angaben der Universität demnächst sogar noch eine dritte Professur stiften. Gegenüber den Stiftern bestehe keine Abhängigkeit, versichert Vizepräsident Lutz-Bachmann. Die Universität hatte im Sommer für das Projekt ein eigenständiges „Institut für Studien der Kultur und Religion des Islam“ gegründet.

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Über die sogenannte „Ankara-Schule“, die als Alternative zum gewalttätigen Jihad dargestellt wird, hatte Rainer Hermann am 24. Januar einen lesenswerten Beitrag in der FAZ veröffentlicht (1). Bleibt nur vorzuschlagen mindestens je drei Lehrstühle für Christentum und Judentum an türkischen Universitäten einzurichten.

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Time am 3. Februar 2010

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1) http://www.faz.net/s/RubA330E54C3C12410780B68403A11F948B/Doc~E2381540F184345A7A43DEE447732C0A2~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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PS.: Ein aktueller Wilders-freundlicher Artikel bei der „Welt“ unter http://www.welt.de/die-welt/debatte/article6214179/Der-radikale-Hollaender.html

Der deutsche Fünfzigjahresplan

1. Februar 2010

In den Niederlanden spitzt sich die Situation zu. Counterjihadi Geert Wilders wird vermutlich der nächste Regierungschef. In einigen Städten herrschen schon bürgerkriegsähnliche Verhältnisse (Zaltbommel, Culemborg – 1), und die Mohammedanisten müssen daher mit entschlossenen Maßnahmen rechnen.

In Deutschland setzt man – und das ist nicht zuletzt dem kooperativen deutschen Wesen geschuldet – auf sehr langfristige Maßnahmen, um derartiges zu vermeiden.

Der „Wissenschaftsrat“ (2), Deutschlands wichtigste wissenschaftspolitische Institution, hat eine stärkere Verankerung der diversen Theologien im staatlichen Hochschulsystem empfohlen. Dies ist seltsam insofern, als dass sich, wie Heike Schmoll in der heutigen FAZ schreibt, „die Studentenzahlen an den theologischen Fakultäten in den vergangenen zwanzig Jahren nahezu halbiert haben und die Theologien im Gesamtgefüge der Universität, vor allem in den Exzellenzinitiativen, keine tragende Rolle spielen…“

Ich denke daher, Zielgruppe sind hier vor allem die Mohammedanisten. Ihren Hasspredigern soll eine Phalanx mohammedanistischer Theologen entgegengestellt werden, die zumindest in Ansätzen wissenschaftliche Methoden zulassen. Lesen Sie hier die Ausführungen von Frau Schmoll:

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Plädoyer gegen die theologische Abschottung

Der Wissenschaftsrat hat sich in einem umfangreichen Empfehlungspapier eindeutig für eine stärkere Verankerung der Theologien im staatlichen Hochschulsystem ausgesprochen. Das gilt auch für islamische Studien und für die Ausbildung von Imamen.

In Deutschland müssen aufgeklärte islamische Theologen an Universitäten ausgebildet werden können, um eine wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen und Religionslehrer zu werden, die in nächster Zukunft gebraucht werden. Darüber herrscht längst politischer Konsens. 700 000 muslimische Schüler werden an deutschen Schulen unterrichtet, es würden also etwa 2000 Fachlehrer für den Religionsunterricht in allen Schularten benötigt. Schulversuche zum islamischen Religionsunterricht gibt es in Bayern, Niedersachsen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen.

Der Wissenschaftsrat, der die Bundesregierung und die Regierungen der Länder in Wissenschaftsfragen berät, hat nun in seinen „Empfehlungen zur Weiterentwicklung von Theologien und religionsbezogenen Wissenschaften an deutschen Hochschulen“ zum ersten Mal ein Konzept für den Ausbau islamischer Studien vorgelegt. Der Sinn der Institutionalisierung islamischer Studien liege darin, eine „reflexive Selbstvergewisserung der pluralen islamischen Tradition im Dialog mit den anderen Universitätsdisziplinen zu fördern“, heißt es in dem Papier, das dieser Zeitung vorliegt und am Montag in Berlin veröffentlicht wird.

An zwei oder drei staatlichen Universitäten sollen in Zusammenarbeit mit Islamwissenschaft, Turkologie, Altorientalistik, Arabistik, Judaistik und anderen verwandten Fächern Zentren für islamische Studien entstehen. Sie sollen eine methodisch fundierte, also auch historisch-kritische Reflexion ihrer religiösen Schriften leisten, was bisher in muslimischen Ländern oft genug unterdrückt wird. Die großen muslimischen Verbände, aber auch muslimische Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sollen aufgrund der verfassungsrechtlichen Ausgangslage, dass der religiös neutrale Staat nicht über die Inhalte von Religion bestimmen darf, in Beiräten mitentscheiden, was gelehrt wird, und können auch religiöse Einwände gegen den Hochschullehrer vorbringen. Die wissenschaftliche Qualifikation zu prüfen ist allein Sache der Universität.

Auch wenn der Islamrat schon bekräftigt hat, dass ihm an Imamen gelegen ist, die in Deutschland ausgebildet wurden, ist mit erheblichen Konflikten innerhalb der Beiräte zu rechnen, wie das Beiratsmodell an der Universität Münster zeigt (siehe Kasten). Mitglieder der jeweiligen Universitäten sollen allein mit beratender Stimme im Beirat tätig sein, um dessen Unabhängigkeit zu gewährleisten. Bei der Etablierung eines Instituts für Islamische Studien mit vier bis sechs Professuren kämen jährliche Kosten von etwa einer bis 1,5 Millionen Euro auf eine Universität oder ein Land zu. Nach fünf Jahren sollen die neu gegründeten Einheiten unter Einschluss des Beiratsmodells wissenschaftlich evaluiert werden.

Eine ähnliche selbständige Rolle empfiehlt der Wissenschaftsrat für die Religionswissenschaft, die oft innerhalb der theologischen Fakultäten angesiedelt ist, und erst recht für die Judaistik, die bisher oft ein Mauerblümchendasein innerhalb evangelischer Fakultäten führte. Beide sollen aus ihren institutionellen Abhängigkeiten gelöst werden. Der Wissenschaftsrat empfiehlt, die Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg mit ihrem Bachelorstudiengang für Gemeindearbeit und der Vorbereitung auf das Rabbinat sowie das liberale Abraham-Geiger-Kolleg in Potsdam zu stärken. Da beide Institute allen Studenten – unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit – offen stehen, ist die Anzahl der eingeworbenen Drittmittel in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen.

In Anbetracht dessen, dass sich die Studentenzahlen an den theologischen Fakultäten in den vergangenen zwanzig Jahren nahezu halbiert haben und die Theologien im Gesamtgefüge der Universität, vor allem in den Exzellenzinitiativen, keine tragende Rolle spielen, ist es erstaunlich, wie affirmativ der Wissenschaftsrat sich zur Existenz der theologischen Fakultäten geäußert hat. Die Verankerung der Theologien im staatlichen Hochschulsystem hat nach Auffassung des Wissenschaftsrats – und im Gegensatz zu den Bestrebungen mancher Kirchen und Bistümer – eindeutig Priorität vor der Neugründung privater kirchlicher Hochschulen. Die Ausgrenzung der Theologien in eigene kirchliche Institute könne der Abschließung der jeweiligen Religionsgemeinschaft gegenüber der Gesellschaft Vorschub leisten – die Universitäten böten den Theologien daher einen Ort, in wissenschaftlich-methodischer Form eine Übersetzung von religiösen Orientierungen in eine allgemein zugängliche Sprache zu leisten. Sie förderten „die kritische Reflexivität der wissenschaftlichen Weltsicht und bieten Deutungsmöglichkeiten menschlicher Existenz“, heißt es in den Empfehlungen.

Den theologischen, religionspädagogischen und religionswissenschaftlichen Fragen müsse im gegenwärtigen Hochschul- und Forschungssystem „ein größerer und in Teilen institutionell veränderter Platz eingeräumt werden“, heißt es in den Empfehlungen unter Hinweis darauf, dass die Strukturen der theologischen Fakultäten in vielen Fällen eher der Wissenschaftslogik des 19. Jahrhunderts folgten, als auf eine religiös zunehmend pluralisierte religiöse Umwelt zu reagieren. Durch Bologna-Prozess und Exzellenzinitiative sind die Hochschulen wesentlich selbständiger geworden und dabei in ein neues Spannungsverhältnis zwischen Veränderungswillen und rechtlicher Fixierung durch staatskirchenrechtliche Bindungen der Fakultäten (Konkordate, Kirchenverträge) geraten. Angesichts der Unterschiede zwischen evangelischer und katholischer Theologie sei man über die strukturellen Ähnlichkeiten der Probleme verblüfft gewesen, sagte der Leiter der zuständigen Arbeitsgruppe im Wissenschaftsrat, der Trierer Zeithistoriker Lutz Raphael. Das liegt auch an der interdisziplinären Zusammensetzung des Faches Theologie aus philologisch-hermeneutischen, historischen, systematischen und praktischen Disziplinen. Theologische Forschung wird intensiv im Rahmen des Akademienprogramms geleistet (7 Millionen von 46 Millionen Euro für theologische Projekte), die evangelische Theologie hat in den Jahren 1998 bis 2007 doppelt so viele Drittmittel eingeworben wie die katholische Theologie.

Auch wenn die Kirchen in den Anhörungsprozess einbezogen waren – es handelte sich nicht um Evaluationen wissenschaftlicher Arbeit, sondern um strukturelle Empfehlungen -, hat der Wissenschaftsrat ihnen einige kritische Bemerkungen ins Stammbuch geschrieben. So wird die katholische Kirche dringend gebeten, sich aus Habilitationsverfahren herauszuhalten, weil es sich dabei um eine rein akademische Angelegenheit handele. Angesichts der immer häufigeren Konflikte bei theologischen Berufungsverfahren, empfiehlt der Wissenschaftsrat beiden Kirchen, ihre Beteiligung an Berufungsverfahren verlässlicher und transparenter zu handhaben. Da die Professoren an theologischen Fakultäten ein Staatsamt innehaben, das kirchlich gebunden ist, haben Kirchen gelegentlich von ihrem Vetorecht Gebrauch gemacht, dem sich kein Wissenschaftsminister zu widersetzen traute, auch wenn alle sachlichen Gründe dagegen sprachen. Die Undurchschaubarkeit solcher Entscheidungen hat den Wissenschaftsrat dazu veranlasst, den Kirchen eine Stellungnahme binnen sechs Wochen mit einer klaren Begründung nahezulegen. Damit könnten Ministerialbürokratien und Minister durchaus mutiger gegenüber den Kirchen auftreten. Darüber hinaus hat der Wissenschaftsrat den Kirchen angeboten, ihre kirchlichen Hochschulen im erprobten Akkreditierungsverfahren qualitativ zu überprüfen. Er fürchtet nämlich, dass ihre Leistungen hinter denen der Fakultäten an staatlichen Hochschulen zurückbleiben.

Den theologischen Fakultäten empfiehlt der Wissenschaftsrat dringend, interdisziplinär zu arbeiten. Zunächst einmal heißt das: innerhalb der unterschiedlichen Disziplinen der Theologie. Es ist keine Seltenheit, dass Alttestamentler und Praktische Theologen sich nichts zu sagen haben. Zugleich hat der Wissenschaftsrat die Kirchen aufgefordert, sich über Bistums- und Landeskirchengrenzen hinweg zu einer Strukturplanung für die theologischen Fakultäten durchzuringen, auch wenn dies durch den doppelten Föderalismus (Ländergrenzen) erschwert wird. Unbestimmt bleibt in den Empfehlungen des Wissenschaftsrats das Lehramtsstudium Theologie an den Gymnasien, weil hier auch noch keine Klarheit unter den Ländern besteht.

Kaum ein Empfehlungspapier ist im Wissenschaftsrat so lange und intensiv diskutiert worden wie die Empfehlungen zur Weiterentwicklung von Theologien und religionsbezogenen Wissenschaften an deutschen Hochschulen. Schon im Januar 2008 hatte eine Arbeitsgruppe mit protestantischen und katholischen Theologen, einem Judaisten, einem Islamwissenschaftler und einem Religionswissenschaftler mit der Arbeit begonnen.

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Frau Schmoll liefert in derselben Ausgabe der FAZ auch einen Kommentar, in dem sie mit den m.E. richtigen Fragen die Strategie dieses „weichen“, dieses „Umarmungs-Counterjihad“ in Frage stellt:

Bewährungsprobe

An den Universitäten eine aufgeklärte islamische Theologie zu etablieren, die wissenschaftlichen Standards genügt, ist überfällig. Die Empfehlungen des Wissenschaftsrats dazu sind religionspolitisch explosiv, werden aber von den ratsuchenden Universitäten aufgegriffen werden. Ungewiss ist allerdings, woher die unabhängigen und aufgeklärten Islamwissenschaftler kommen, die dann auch noch der deutschen Sprache mächtig sein sollen, um künftige Religionslehrer islamische Theologie zu lehren. Es ist ungewiss, ob sich diese Gastprofessuren für eine Übergangszeit finden lassen und dann auch noch die Zustimmung der muslimischen Beiräte finden. Den muslimischen Verbänden steht nach den Empfehlungen des Wissenschaftsrats eine harte Bewährungsprobe bevor. Sollten sie nicht in der Lage sein, in den unabhängigen Beiräten einen Konsens über die religiöse Glaubwürdigkeit eines Kandidaten zu finden, verspielen sie ihre Einflussmöglichkeiten auf die Besetzung der Lehrstühle. Alevitische Gemeinden und Verbände können nicht mitwirken, solange sie sich nicht dem islamischen Kontext zurechnen.

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Erinnern Sie sich noch an den deutschen Konvertiten und mohammedanistischen Religionswissenschaftler Muhammad Kalisch? Sein Fall macht deutlich, dass es nicht nur ein Problem ist, genug wissenschaftlich gesinnte Religionslehrer zu finden. Man muss auch dafür sorgen, dass ihnen überhaupt jemand zuhört. Hier ein weiterer Beitrag von Frau Schmoll aus der heutigen FAZ:

Unfähig zur kritischen islamischen Theologie? Der Fall Kalisch

Muslimische Verbände sind bisher an den Lehrstühlen zur Ausbildung islamischer Religionslehrer und Theologen nur lose eingebunden. An der Universität Osnabrück, wo auch ein Lehrstuhl für Islamische Theologie geplant ist, gibt es einen Rat, in dem der türkische Verband DITIB und ein Zusammenschluss von Moscheegemeinden erfolgreich mitwirken. An der Universität Münster war ein ähnlicher Rat mit muslimischen Verbandsvertretern gegründet worden, der tatsächlich nur beraten darf. Als der dortige Lehrstuhlinhaber am Centrum für Religiöse Studien (CRS), Muhammad Kalisch, ein mit 15 Jahren vom Protestantismus konvertierter Muslim, jedoch die historische Existenz des Propheten Mohammed (übrigens auch die historische Existenz Jesu, Moses, Abrahams) bestritt und die traditionelle Auffassung über die Entstehungsgeschichte des Korans in Zweifel zog, kündigte der Koordinationsrat der Muslime (bestehend aus Ditib, Islamrat, Verband der Islamischen Kulturzentren und Zentralrat der Muslime) seine Mitarbeit auf, weil die Differenz zwischen eigenen Glaubensvorstellungen und Lehrauffassungen Kalischs zu groß erschien. Kalisch warf den Muslimen unter anderem vor, sie seien unfähig, kritische Theologien zu ertragen. Er sah sich als wissenschaftlichen Reformator der islamischen Theologie. Unter Islamwissenschaftlern ist seine wissenschaftliche Reputation außerordentlich umstritten. Das nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerium hat Kalisch im Jahr 2008 von der Lehrerausbildung entbunden. Kalischs Assistentin Lamya Kaddor hatte ihre Stelle schon im März 2008 gekündigt, ein Jahr später hatten sich Studenten von Kalisch an die Hochschulleitung gewandt und seine Absetzung gefordert. Sie waren in Sorge, dass sie später von Verbänden und Eltern überhaupt als muslimische Religionslehrer anerkannt werden. Im selben Jahr kam eine Auseinandersetzung um eine Spende für das CRS hinzu. Die Arbeitsgruppe des Wissenschaftsrats hat Kalisch angehört und ist dabei zu der Auffassung gelangt, dass der Lehrstuhl völlig neu besetzt werden sollte – unter Mitwirkung der muslimischen Verbände.

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Ein außerordentlich bedeutender „Vorgänger“ von Kalisch ist Muhammad Asad (3), ein muhammedanistischer Konvertit jüdischer Herkunft. Über ihn berichtete Till Reimer-Stoldt für die „Welt“ am 30. Januar (4).

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Es war der Sommer 1985, als Murad Hofmann (5) in Lissabon vor einem Hotel stand und auf sein Idol wartete: auf Muhammad Asad, den Vordenker eines westlichen Islams. Hofmann spähte nach einem Taxi aus, schließlich war Asad damals bereits 85 Jahre alt. Doch plötzlich bremste ein Citroen scharf vor seinen Füßen. Am Steuer saß – Asad. Nicht betont würdig, wie man von einem Islam-Gelehrten hätte erwarten können, sondern heiter und breit lachend. Kaum hatten sie sich in die Lobby gesetzt, forderte Asad den ehrfürchtig schweigenden Hofmann auf, nicht so viel zuzuhören, sondern mitzudiskutieren. Und dann fragte Asad ernsthaft, ob Hofmann Wein trinken wolle. Denn der fromme Asad hob trotz koranischen Alkoholverbots hin und wieder ein – kleines – Gläschen. Damals, 1985, demonstrierte Asad all das, was er seinen Glaubensgeschwistern stets einzuflößen suchte: Tatendrang und Herzensweite. Weil er aber sein Ende nahen sah, während er seine Mission längst nicht am Ziel wähnte, suchte er einen geistigen Erben. Und so schärfte er Murad Hofmann, dem 30 Jahre Jüngeren, dann ein: „Führen Sie meine Mission weiter.

Diese Mission ist ihrer Erfüllung näher gekommen. Denn erstmals liegt nun auf Deutsch Asads Manifest des weltweiten Reformislams vor: der von ihm übersetzte und kommentierte Koran. In 20-jähriger Arbeit hatte er das 1200-Seiten-Werk auf Englisch geschrieben. Längst ist es viele Male übersetzt worden (was keiner zweiten Koran-Übersetzung zuteil wurde).

(Asad hat sich wirklich mächtig ins Zeug gelegt, T.)

Asad entdeckt im heiligen Text Weite, in seiner Auslegung werden die Begriffe mehrdeutig, fließend und westkompatibel. Ein Beispiel: Heutige Korankommentare definieren Nichtmuslime meist als ungläubig und Muslime als gläubig. Anders Asad: Er entnimmt dem Koran, dass es unter Muslimen Ungläubige, unter Nichtmuslimen Gläubige oder schuldlos Ungläubige gibt. Das konfliktträchtige Grobschema „Muslim hier, gottloser Rest da“ wird so unterlaufen… Und so entzieht er fast allen vermeintlich islamischen Überzeugungen, an denen sich Europäer reiben, das Fundament.

(Ehrlich gesagt, ich glaube, es sind vor allem die Mohammedanerasten, denen er das Fundament entzieht. Dies zeigt auch die Geschichte Asads, der immerhin an den Arbeiten zur Verfassung Pakistans beteiligt war. T.)

(…) Denn die Lebensgeschichte des vielsprachigen Kosmopoliten ist eine Kette von Enttäuschungen. So wurden seine Werke von den meisten Islam-Gelehrten wenig gewürdigt. Vielen Gläubigen war er schlicht und einfach zu modern. Zudem fehlte ihm die traditionelle Gelehrtenausbildung. Und noch immer gibt es vereinzelt Muslime, die argwöhnen, der Ex-Jude Asad habe sich nur als Muslim maskiert, um zersetzende Gedanken in den Islam hineinzuträufeln.

Enttäuscht war Asad auch von der real-existierenden islamischen Staatenwelt. In Saudi-Arabien, wo er lange das Herrscherhaus beraten hatte, wurde sein angeblich zu moderner Korankommentar öffentlich verbrannt.

(Wie man sieht, ist das Hauptproblem in Bezug auf den Reform-Mohammedanismus, ihn an den Mohammedanisten zu bringen. Ich persönlich bin bisher auch zu dem Schluss gekommen, dass A*schloch bin K*cken der adäquateste Nachfolger Klo H. Metzels ist, dass Asad und Co. aus der Sicht der Orks zu Recht abgelehnt werden. Andererseits kann es nicht schaden, wenn es unter den hiesigen Orks eine große Gruppe oder vielleicht sogar eine Mehrheit gibt, die sagt: „Wir sind Mohammedanisten, aber wir achten die westlichen, demokratischen Gesetze, die Freiheit und Gleichheit jedes einzelnen Bürgers, jetzt und in Zukunft“. Es kann uns nur nützen, wenn es für die Orks eine orkische Alternative zu den Hasspredigern gibt. Immerhin kann Reimer-Stoldt auch folgendes berichten, T.:)

Erst nach seinem Tod begann sich diese Hoffnung zu erfüllen: In Saudi-Arabien ist seine Koranübersetzung wieder erhältlich. In Bosnien wird er als Kopf eines europäischen Islams verehrt. Unter englischsprachigen Muslimen gilt er als Autorität. Und in Deutschland gibt es nun immerhin seine Hauptwerke auf dem Markt – und seinen hochaktiven Schüler Murad Hofmann. Der wurde im September übrigens zur islamischen Persönlichkeit des Jahres gekürt und vom Premierminister der Vereinigten Arabischen Emirate ausgezeichnet. Auch dort werden Asad und Hofmann neuerdings geschätzt.

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Das hört sich doch nett an. Ich würde aber keineswegs meine Hoffnung in diesen Fünfzigjahresplan legen. Nein, ich würde 1000 Kalischs und 100 Hofmanns geben und noch 10 Asads drauflegen, wenn ich dafür EINEN Geert Wilders bekäme.

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Time am 1. Februar 2010

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1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/01/27/milieustudien-4-scheich-den-mahdi/
2) http://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaftsrat
3) http://de.wikipedia.org/wiki/Muhammad_Asad
4) http://www.welt.de/die-welt/kultur/literatur/article6035089/Ein-freundlicher-Islam-aus-der-Wueste.html
5) http://de.wikipedia.org/wiki/Murad_Hofmann