Posts Tagged ‘Nils Minkmar’

Seine Vorstufe

7. Februar 2015

AnneWill

Auf „FAZ.NET“ versucht Nils Minkmar, im Rahmen der Serie „Wie erkläre ich’s meinem Kind?“ die Frage „Was der Islamismus mit dem Islam zu tun hat“ zu beantworten (1). Das ist natürlich ein Ding der Unmöglichkeit für jemanden, der sowohl vom Islam als auch vom Islamismus nicht den Hauch einer Kenntnis hat. So wirken Minkmars Ausführungen denn auch eher wie ein hilfloser und verworrener Versuch, sich selbst etwas zu erklären.

„Dann weiß niemand so recht weiter und man braucht erst einmal ein neues Wort für ihren Zustand, oft hängt man einfach die Endung ,ismus’ an den Begriff, mit dem man sie vorher bezeichnen konnte. Er zeigt eine Steigerungsform an, zugleich aber auch etwas völlig Neues und Seltsames.“

Nun wissen wir auch, was es mit dem Kapital-ismus, dem Human-ismus und dem Impression-ismus auf sich hat: Sie sind „etwas völlig Neues und Seltsames.“

Nichts „Neues und Seltsames“ sind dagegen die permanenten Gewalttaten, die vom Nazislahm seit 1.400 Jahren gegen alle Nichtmohammedanisten ausgeübt werden und bereits zwischen 270 und 600 Millionen Menschen das Leben gekostet haben (2).

Nichts Neues und Seltsames sind auch die Grundlagentexte des Nazislahm, in denen der Religionsbegründer Klo H. Metzel anschaulich als blutrünstiges Scheusal beschrieben wird, in denen zum Massenmord an Andersgläubigen aufgerufen wird, und in denen Frauen- und Kinderunterdrückung sowie eine Kastengesellschaft festgelegt wird.

Sowohl für Anhänger des Islam als auch für Anhänger des Islamismus gelten die Grundlagentexte Kloran, Hadithe und Sira als heilige Schriften, der Kloran soll gar das absolut originalgetreue Wort des Wesens sein, welches das gesamte Universum geschaffen habe, und Anhänger beider Glaubensrichtungen verehren den Sklavenjäger Klo H. Metzel als „besten Menschen aller Zeiten“.

Dies ist es, „was der Islamismus mit dem Islam zu tun hat“.

Seine selbstgestellte Frage hat Herr Minkmar indessen nicht beantwortet. Er hat vielmehr die nicht gestellte Frage beantwortet, was der Islam nicht mit dem Islamismus zu tun hat. Er hat die Frage zudem falsch beantwortet, denn dass Anhänger des Islam ihre Überzeugungen grundsätzlich nicht mit „Mord, Raub und Explosionen“ durchsetzen wollen, ist eine Erfindung der lügenhaften Dimmipresse. Wieder rasten die Orkmobs wegen ein paar harmloser Karikaturen durch die Straßen und schlachteten massenhaft Unschuldige ab. Wieder wurde klar, dass Nichtorks vor ihrer Gewalt nur sicher sind, solange sie eine Mehrheit von über 90% stellen. Minkmar:

„Es sind aber nun so viele Islamisten, dass man in Frankreichs schon daran denkt, die alle in eigene Gefängnisse zu stecken.“

Rührend der Schluss: „Darum muss man genau hinhören und sehen, ob jemand von einem, der dem Islam angehört, zum Islamisten wird. Vielleicht ist es noch Zeit, ihn zurückzuholen in die menschliche Mitte, auch mit Hilfe solcher Personen, die selbst mal Islamisten waren und damit aufgehört haben. In fast allen Ländern gibt es solche Programme.“

Ja, nicht wahr, wenn man nicht permanent wachsam ist und die Mohammedanisten unter ständiger Beobachtung hält, dann können aus ihnen schon mit Leichtigkeit mörderische Islamisten werden, da „muss man genau hinhören“, so Minkmar. Wo? Na, überall auf der Erde: „In fast allen Ländern gibt es solche Programme.“

Der Islam als globaler, latenter und dann mörderischer Islamismus – Da ist Herr Minkmar quasi aus Versehen doch noch zur Beantwortung seiner Frage gekommen: Islam ist die Vorstufe zu einer mörderischen Ideologie namens Islamismus.

Klo H. Metzel war der Prophet des Islamismus. Dies ist die Religion, die er begründet hat, nicht der Islam.

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Wie erkläre ich’s meinem Kind

Was der Islamismus mit dem Islam zu tun hat

Manche Menschen, die sich in etwas hineinsteigern, wollen auch dafür kämpfen. Mit Gewalt. Viele Überzeugungen kennen das und alle Religionen. Gerade ist es vor allem für den Islam ein Problem: der Islamismus.

Manche Menschen überschreiten eine unsichtbare Grenze, dann wird es ganz schwierig mit ihnen. Das Dumme ist, dass man es oft erst merkt, wenn es zu spät ist. Dann weiß niemand so recht weiter und man braucht erst einmal ein neues Wort für ihren Zustand, oft hängt man einfach die Endung „ismus“ an den Begriff, mit dem man sie vorher bezeichnen konnte. Er zeigt eine Steigerungsform an, zugleich aber auch etwas völlig Neues und Seltsames. Denn was mit ihnen passiert, ist weder gut zu erklären noch leicht wieder rückgängig zu machen. Sie steigern sich in etwas hinein sagt man dann – oder auch: Sie werden radikal, was im Wortsinne heißt, dass sie sich auf die Wurzeln einer Sache besinnen. Sie steigern sich oder graben sich ein, jedenfalls sind sie nicht mehr dort, wo die meisten Menschen sind, nämlich mittendrin.

Die meisten Menschen finden ihr eigenes Land gut und freuen sich, wenn die eigene Nationalmannschaft gewinnt. Man hegt, meistens jedenfalls, eine Zuneigung zur eigenen Familie und zur Region, in der man lebt. Wenn aber die anfangs erwähnte Grenze überschritten wird und diese Zuneigung in eine reine Lehre und dann in Nationalismus oder Regionalismus umschlägt, wird es gefährlich. Denn die Radikalen oder Fundamentalen halten alles andere für weniger Wert (bitte streichen „Wert“, bitte einfügen „wert“, T.) als ihre Überzeugung (bitte Komma einfügen, T.) und dann ist ihnen bald jedes Mittel recht. Wer von wo anders kommt, der soll dann nicht bloß ein Spiel oder ein Turnier verlieren, was sich ja alle wünschen, der soll gleich sterben gehen – das wünschen sich normale Menschen nicht. Baskische oder korsische Regionalisten wollten nicht bloß, dass ihre schöne Heimat gewinnt oder mehr Rechte bekommt, sie dachten, sie müssen mit Bomben und Pistolen gegen Frankreich oder Spanien kämpfen, weil ihnen ihr Ismus plötzlich so viel mehr bedeutete als menschliches Leben.

Alle Religionen kennen solchen Wahnsinn. Ein jüdischer Radikaler hat vor einigen Jahren den Premierminister von Israel erschossen. Christliche Fundamentalisten haben Hexen verbrannt und Juden ermordet. Es ist alles eine Frage der Zeit und ihrer Umstände. Heute erregt der Islam mit dem Islamismus in dieser Hinsicht die größte Aufmerksamkeit. In den Gegenden, in denen man dem Islam anhängt, gibt es besonders viele junge Männer, aber auch Frauen, die dem Islamismus verfallen sind. Das kann sehr gut ausgenutzt werden, weil die dann selber zu Waffen werden, indem sie Angst und Schrecken verbreiten. Es sind Leute, die der Überzeugung sind, für eine große Sache zu kämpfen und darüber mit normalen Leuten nicht mehr diskutieren wollen.

Früher, in meiner Jugend, hatten wir das unter deutschen Studenten, Kindern aus eher reichen Familien: Die waren nicht wie ihre Freundinnen und Freunde einfach sozial interessiert, sondern sahen sich als sozialistische Kämpfer, deren vermeintlicher höherer Auftrag sie zu Mord, Raub und Explosionen berechtigte. Irgendwie sehen sie die Welt dann so, dass sie aus Notwehr zur Gewalt greifen, um Schlimmeres zu verhüten. Dass das gar nicht so ist, hören sie nicht mehr. Oft genug diskutiert aber auch gar niemand mit ihnen, weil es zwecklos wäre oder weil die, die es könnten, Angst haben oder manche Gedanken sogar teilen.

In ihrem Kopf sind sie Helden, die für etwas Großes sterben, aber aus der Sicht aller anderen sind sie gefährliche Menschen. Dann kann eigentlich nur noch die Polizei helfen. Es sind aber nun so viele Islamisten, dass man in Frankreichs schon daran denkt, die alle in eigene Gefängnisse zu stecken.

Die sozialistischen Terroristen haben irgendwann einfach aufgehört, obwohl die Welt kaum besser geworden war. Aber dann hatten die Staaten, die ihnen vorher mit Geld und Waffen geholfen hatten, aufgehört, sozialistisch zu sein. Vielleicht wird auch der Islamismus eines Tages viel kleiner sein, wenn die mächtigen Staaten, die zum Islam gehören, etwas gegen ihn tun. Aber das wird noch lange dauern. Darum muss man genau hinhören und sehen, ob jemand von einem, der dem Islam angehört, zum Islamisten wird. Vielleicht ist es noch Zeit, ihn zurückzuholen in die menschliche Mitte, auch mit Hilfe solcher Personen, die selbst mal Islamisten waren und damit aufgehört haben. In fast allen Ländern gibt es solche Programme.

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Time am 7. Februar 2015

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1) http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/familie/wie-erklaere-ich-s-meinem-kind/was-der-islamismus-mit-dem-islam-zu-tun-hat-13413616.html
2) https://themuslimissue.wordpress.com/2014/12/27/muslims-may-have-killed-over-400-million-people-in-india/
–   https://themuslimissue.wordpress.com/2013/06/19/muslims-have-killed-over-590-million-non-muslims-since-the-birth-of-mohammed/

Mit einem Winseln

4. Januar 2013

Naziran13

In der FAZ vom 3. Januar erhielt Ali Fathollah-Nejad Gelegenheit, einen ausführlichen und flammenden Appell gegen die Naziran-Sanktionen vom Stapel zu lassen, den er in kürzerer Form bereits im „Deutschlandradio“ zum Besten gegeben hatte (1). Der deutsch-iranische Autor studierte in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden Politologie. Zurzeit stellt er seine Promotion an der School of Oriental and African Studies (SOAS) der Universität London fertig, was für Feuilleton-Chef Nils Minkmar in Bahnerscher Tradition offenbar als Qualifikation für die Besetzung des wertvollen Platzes in Deutschlands bester Zeitung ausreichend war.

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Warum Sanktionen den Tyrannen helfen

Seit dreißig Jahren sieht der Westen in Sanktionen ein Wundermittel gegen Despoten. Doch das Beispiel Iran zeigt, dass so deren Macht noch gefestigt wird.

Fathollah-NejadSeit Jahrzehnten werden Sanktionen mit einem Narrativ begründet: Sie sollen widerspenstige Gewaltherrscher zur Vernunft erziehen, ihren Missetaten nach außen wie nach innen ein Ende bereiten. Mit chirurgischer Präzision ziehen sie die Schlinge um den Hals des Tyrannen immer enger, so dass dieser in taumelnder Aussichtslosigkeit zu außenpolitischer Vernunft angehalten und zugleich schwächelnd seine blutbeschmierten Hände von der Gurgel seines geknechteten Volkes nimmt. Schön wäre es, denn man könnte auf einen Schlag zweierlei Gutes bewirken: Der Übeltäter wird zur Strecke gebracht, das malträtierte Volk befreit und auf den Weg in die Demokratie entlassen. Doch so wirken Sanktionen in der Realität nicht.

Bei jeder neuen Sanktionsrunde beeilen sich westliche Politiker zu betonen, dass die Sanktionen nicht auf die iranische Bevölkerung abzielen, die ein besseres Leben verdiene als unter dem gegenwärtigen Regime. Was mögen aber Iraner selbst denken, die die Sanktionsfolgen erfahren?

Stellen wir uns einen Moment lang vor, wie es ist, in einem Land zu leben, das unter einem schweren Sanktionsregime steht. Wie es ist, wenn die Kosten für Miete, Kleidung und Nahrungsmittel, die Lebenshaltungskosten unaufhörlich steigen, wenn die eigene Währung fast nichts mehr wert ist, wenn der Arbeitsplatz gefährdet ist, da der notwendige Handel mit dem Ausland immer stärker unterbunden wird? Wenn Banken Iraner im In- und Ausland als Ausgestoßene behandeln, jegliche Bankgeschäfte mit dem Ausland, zu privaten oder geschäftlichen Zwecken, gegen höhere Gebühr nur über Drittländer auszuführen sind, wenn man bei jeder Flugreise wegen der sanktionsbedingten Alterung der Flugzeuge um sein Leben bangen muss. Wenn Lebensmittellieferungen aus dem Ausland ihre Fracht nicht ausladen dürfen und eine humanitäre Katastrophe bei Krebs- und anderen Schwerkranken wütet.

Bei alldem stellt der beispiellose Ausschluss des Landes vom internationalen Banken- und Finanzsystem das Auge des Sturmes dar, in dessen Zuge sämtliche, also auch rein zivile Branchen der Wirtschaft gelähmt werden. Dies ist nur ein Ausschnitt aus dem gigantischen Ausmaß unserer „gezielten Sanktionen gegen das Regime“. Ähnliche Meldungen aus Iran mehren sich von Tag zu Tag, es sind Stimmen der Verzweiflung von Menschen, denen die Luft zum Atmen in einem repressiven System durch Sanktionen noch dünner wird.

Aber Freiheit verlange nun einmal Opfer, hallt der laute Zwischenruf aus Teilen des iranischen Exils von Los Angeles bis nach London. Der Preis sei zwar hoch, aber es sei nun an der Zeit, ihn zu zahlen, beschwört auch ein Ramin auf Facebook. Nahezu fauchend erwidert Sara: „Wir zahlen den Preis unserer Freiheit: Wenn du es vergessen haben solltest, das Evin-Gefängnis ist überfüllt!“ Andere erinnern daran, dass die Revolutionäre in Ägypten zu keinem Zeitpunkt Sanktionen gegen ihren Tyrannen gefordert haben und ihn schließlich aus eigenen Stücken zu Fall brachten.

Die positive Einschätzung von Sanktionen beruht auf der Annahme eines begünstigenden Verhältnisses zwischen Sanktionen und Demokratisierung. Hinzu kommt eine leise, aber dennoch deutlich zu vernehmende Hoffnung, die manche westliche Politiker und Exil-Iraner zu einen scheint: Die ökonomische Not werde den Volkszorn gegen das Regime richten und den Weg für seinen endgültigen Sturz ebnen.

Vom komfortablen Ausland aus mag diese faschistoide Züge tragende Vorstellung à la „Je größer die Not, desto größer die Hoffnung!“ einen gewissen Reiz ausüben. Ihr liegt nichts weniger als die Annahme zugrunde, dass es akzeptabel sei, die iranische Gesellschaft als Geisel einer Gewaltherrschaft zu behandeln.

Dabei vergessen wir einen Zusammenhang, der uns im Westen selbstverständlich ist: Eine gesunde und prosperierende Mittelschicht bildet das Rückgrat einer demokratischen Gesellschaft. Just diese aber wird gerade in Iran zugrunde sanktioniert. Wie zudem eine Studie der Harvard University gezeigt hat, treffen die Sanktionen zuvörderst die jungen Menschen in Iran, jene Bevölkerungsmehrheit also, für die man bereits die Rolle des Fahnenträgers einer Demokratie nach westlichem Vorbild vorgesehen hat. Anders ausgedrückt: Ein vom wirtschaftlichen Überlebenskampf geplagter Mensch wird kaum die Muße besitzen, als Bürger in den demokratischen Kampf zu ziehen.

Auch ist das obige Szenario der sanktionsbedingten Revolte seit über dreißig Jahren – also seit Errichtung der Islamischen Republik – nicht eingetroffen. Und was sagt das über unser Bild der kognitiven Fähigkeit der Iraner aus, bei Schuldzuweisung für ihre zusehends desolater werdende wirtschaftliche Situation nicht unterscheiden zu können zwischen den Raubzügen eines kleptokratischen Regimes und dem Sanktionsregime des Westens?

Zieht man die Erkenntnisse der Wissenschaft über Sanktionsfolgen in Betracht, stellt der Fall Iran ein Negativbeispiel dar: In die Enge getriebene autoritäre Regime erhöhen die Repression gegen die Opposition und sind zudem in der Lage, die Kosten von Sanktionen auf das Volk abzuwälzen, wodurch ihre Herrschaft eher verlängert wird. Den sanktionierenden Regierungen dürfte indes kaum entgangen sein, dass systemnahe Organe, wie die Revolutionsgarden, von den Sanktionen sogar profitieren. Das Regime baut dank der Sanktionen seinen technologischen und wirtschaftlichen Vorsprung gegenüber der Zivilgesellschaft sogar noch weiter aus.

Darum haben sich Vertreter der iranischen Zivilgesellschaft und führende Oppositionspolitiker gegen Sanktionen ausgesprochen. Der Westen hat es jedoch vorgezogen, diese Stimmen einfach zu überhören.

Für die politische Klasse des Westens genießt das, was Außenminister Guido Westerwelle bei einer weiteren Verschärfung der Sanktionen verkündet hat, Priorität: „Es geht darum, dass wir nicht akzeptieren können, dass Iran nach der Atombombe greift.“ Als die Sanktionen mehr als dreißig Jahren begannen, drehte sich keine einzige Zentrifuge in Iran, heute sind es Tausende. Außerdem hat das Atomprogramm viel mit einem Gefühl der Unsicherheit angesichts der Instabilität der Region und der Feindseligkeit der Nachbarn zu tun – eine Wahrnehmung, die man nicht wegsanktionieren kann.

Zudem sollen Sanktionen von Iran Zugeständnisse erzwingen. Was in der Vergangenheit ausgeblieben ist, dürfte auch in Zukunft ausbleiben. Denn Sanktionen füttern die Propagandamaschinerie des Regimes über den bösartigen Westen, der das iranische Volk unterjochen will.

Auch aus dem Beispiel Irak wurde nichts gelernt. Es scheint sogar, als hätte es die irakische Tragödie nie gegeben. Schon in den neunziger Jahren aber fiel diese Wiege der Zivilisation auch einem Sanktionsprogramm zum Opfer. Die von Washington vorgeschlagenen Sanktionen des UN-Sicherheitsrats wurden von einem UN-Sanktionskoordinator (Denis Halliday) zum nächsten (Hans von Sponeck) als genozidäre Maßnahme verurteilt. Nichts weniger als Iraks soziales Gefüge wurde zerschmettert, die Nahrungsmittelversorgung, das Gesundheits- und Bildungswesen brachen zusammen, ebenso die Infrastruktur. Während Frauen und Kinder als schwächste Glieder der Gesellschaft am meisten zu leiden hatten, blieb Saddam jedoch fest im Sattel. Es war „eine andere Art von Krieg“, wie Hans von Sponeck, der damals zweite für die UN-Sanktionen zuständige Koordinator, der aus Protest zurücktrat, später in seinem Buch schrieb.

Dass der Begriff der „gezielten“, „intelligenten“ Sanktionen so unkritisch gesehen wird, ist ein Zeugnis unserer Selbstgefälligkeit. So ziehen wir eine bequeme Lüge einer unbequemen Wahrheit vor. Es ist ein Selbstbetrug, denn de facto sind unsere Sanktionen ein brutaler Angriff auf ein ganzes Land. Sie schwächen den hundertjährigen Kampf der Iraner um Demokratie, weil sie jene, die ihn zu führen haben, im Alltag plagen, während die Unterdrücker sich ungehindert bedienen und ausstatten können. Sanktionen wirken wie ein langsam verabreichtes Gift gegen die Zivilgesellschaft.

Nun sind derzeit zwei Entwicklungen zu befürchten: Entweder muss eine notleidende Bevölkerung auf Jahre hinaus in einem durch die äußere Drohkulisse und Sanktionen gefestigten, sich in Richtung einer Militärdiktatur entwickelnden Regime um das schiere Überleben kämpfen. Oder ein Krieg wird jegliche Perspektive auf Demokratie und menschenwürdiges Leben begraben.

Alles in allem hat sich der Westen mit der Idee der gezielten Sanktionen ein Narrativ erfunden, mit dem sowohl er wie das iranische Regime bequem leben können, die Menschen in Iran aber kaum. Zwei Fragen sollten wir uns ehrlicherweise stellen: Genießen nicht alle, egal unter welchem noch so brutalen System sie leben, die gleichen Menschenrechte? Und: Wenn also Sanktionen den Tyrannen am Leben halten – was geschähe, wenn man sie einfach aufhöbe?

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Was wäre geschehen, wenn man Hitler nicht in den Weg getreten wäre? Was wäre geschehen, wenn man die Bolschewisten mit Computern beliefert hätte und ihre Mittelstreckenraketenaufrüstung unbeantwortet gelassen hätte? Was wäre geschehen, wenn sich die Weltgemeinschaft nicht gegen die Apartheid in Südafrika gewendet hätte? Was wäre geschehen, wenn damals schon Obama anstelle des grandiosen Ronald Reagan Präsident gewesen wäre, oder Lafontaine Kohl geschlagen hätte?

Ali Fathollah-Nejad, ein Freund Feridun Zaimoglus (2), gehört zu den Leuten, die ihre Herkunft zum Beruf gemacht haben und ihr Brot als Spezialisten für ihre Heimat oder ihre ekelerregende Religion verdienen (3). Gleichzeitig lebt er fern von der Heimat. Man kann ihm sicher nicht vorwerfen, dass er eine mental besonders innige und sehnsuchtsvolle Beziehung zu ihr hat. Allerdings steht diese einer nüchternen Betrachtung des Problems, das wir hier im Westen mit Naziran haben, im Wege (4). Insofern möchte man der FAZ empfehlen, die Zusammenarbeit mit Subjekten einzustellen, denen das Wohl Nazirans mehr am Herzen liegt als unser eigenes.

Der von Sanktionen betroffene krebskranke Iraner ist ja nicht unser Problem, sondern die fortwährende Unterstützung so vieler Iraner für das Terrorregime. Die permanente Bedrohung, die von diesem Land für unseren Freund Israel ausgeht, seine ständigen Stellvertreterkriege im Irak, in Afghanistan, Libanon usw., sein fortwährender und umtriebiger revolutionärer Gestus sind die Probleme.

Nichts zu tun, käme einer Anerkennung des Regimes gleich. In einer Welt voller Diktaturen ist nicht leicht, Übereinstimmung darüber herzustellen, dass das Agieren des Mulla-Regimes inakzeptabel ist. Die Lage ist zurzeit noch zu kompliziert, als dass man über gezielte Enthauptung bzw. einen Krieg nachdenken könnte, den ohnehin niemand will. Vielleicht sind Wirtschaftssanktionen nicht besonders zielführend, aber Nichtstun, das geht gar nicht.

„Wadi“ fand zudem schon 2008 Folgendes heraus (5):

„Besagter Herr Fathollah-Nejad firmierte noch bis vor kurzem als deutscher Ansprechpartner der Organisation CASMII, die seit langem in begründetem Verdacht steht, eng mit dem iranischen Mullahregime verbandelt zu sein und als dessen Sprachrohr in Europa und den USA aufzutreten.“

Ein Agent Teherans also.

Übrigens: Das Sowjetimperium ging mit einem Winseln.

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Time am 4. Januar 2013

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1) http://www.zmag.de/artikel/die-iran-sanktionen-treffen-die-falschen
2) http://www.eurozine.com/articles/article_2007-11-16-zaimoglu-de.html
3) http://wind-in-the-wires.blogspot.de/2007/12/irans-willige-helfer-ali-fathollah_02.html
4) http://www.heise.de/tp/artikel/30/30375/1.html
5) http://www.wadinet.de/blog/?p=927

Flucht nach New York

16. Juni 2011

Einem Lieblingsgegner des Counterjihad ist nach mehreren peinlichen Ausfällen in aller Öffentlichkeit die Luft bei uns offenbar ein wenig dünn geworden. Panik-Paddel Pahners (1) wirft als Feuilletonchef der FAZ das Handtuch, auf „eigenen Wunsch“, versteht sich, um dem neuen Chef Nils Minkmar demnächst von New York aus zuzuarbeiten, wie „FAZ.net“ berichtet (2):

„Nils Minkmar übernimmt zum 1. Januar 2012 die Leitung des Feuilletons der F.A.Z. Er folgt Patrick Bahners nach, der das Feuilleton seit zehn Jahren verantwortet und eine neue Herausforderung sucht. Bahners wird auf eigenen Wunsch von 2012 an als Kulturkorrespondent für die Vereinigten Staaten mit Sitz in New York.“

Sehr glaubwürdig kommt das Ganze nicht daher, und die FAZ hat mit Jordan Mejias ja schon einen warmen Brüter (3) und Dimmie vor Ort, aber in Deutschland ist Paddel natürlich in der Tat völlig obsolet.

Warum aber nur um alles in der Welt will der mutmaßliche Ork-Konvertit denn nun zum „großen Satan“, anstatt zu den von ihm leidenschaftlich verteidigten Mohammedanisten z.B. in Teheran, Damaskus oder Istanbul?

Muss man nicht verstehen – ist halt mohammedanistisch!

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Time am 16. Juni 2011

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1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2011/02/19/thilo-vs-panik-paddel/
2) http://www.faz.net/artikel/C31013/in-eigener-sache-nils-minkmar-wird-feuilletonchef-der-f-a-z-30441225.html
3) https://madrasaoftime.wordpress.com/2011/03/16/muslimbruter-patrick-bahners/

Mohammedanismus: Plage Irans

14. Oktober 2010

Demonstranten fordern in Paris die Freilassung
von Sakineh Mohammadi-Aschtiani

In Tangsirs Blog hatte Amirkabir vor einiger Zeit über den Fall der Iranerin Sakineh Mohammadi-Aschtiani berichtet (1). Diese Frau war von ihrem heroinsüchtigen Mann zur Prostitution gezwungen und mißhandelt worden, weshalb ihr Cousin, der in sie verliebt war, diesen tötete. Amirkabir:

„Tatsächlich erging dann aber ein eher mildes Urteil für Nasser, anstatt der Todesstrafe durch den Strang, die bei Mord vorgesehen ist, erhielt er zehn Jahre Gefängnis. Sakineh, obwohl nur der Beihilfe schuldig, sollte ebenso lange sitzen.“

Die Lage ist nicht völlig durchsichtig, aber es scheint, als ob sie dann später wegen des „weit schlimmeren Verbrechens des Ehebruchs“ doch hingerichtet werden sollte, und zwar durch Steinigung. Dies perverse Urteil rief westliche Beobachter auf den Plan, ebenso wie natürlich die Lakaien und Orkkriecher vom Schlage Meryems (2, s.u.). Deren Argumentationslinie verläuft in etwa so: Ja, sie war schließlich eine Mordanstifterin, ja, sie hat „Unzucht“ getrieben, ja, Steinigung ist angemessen, äh, uuups… nee, so: die Steinigung gibt es ja nur auf dem Papier, was daran ersichtlich ist, dass es angeblich seit 2002 zu („nur“) fünfen kam. „Problemfeld Steinigung“ nennen die Dimmis das (3). Es ist aber doch angeblich nur ein ganz klitzeklitzekleines Problemfeldchen, das vor allem in den Köpfen der Islamkritiker, kaum aber in der Realität besteht (4). Überhaupt, diese Frau hat – im Gegensatz zu Klo-Meni, der ein 5-jähriges Mädchen vergewaltigte (5) – ja „Unzucht“ getrieben, also was soll’s, so ihre Meinung. Wider besseres Wissen, denn sie sind gut ausgebildet, verteidigen diese seelenlosen Kreaturen ein barbarisches Gesellschaftsmodell. Das ist beschämend, beschämend für Deutschland, das diese Dimmis hervorgebracht hat.

In einem Beitrag von Bernard-Henri Lévy (6) – in der Übersetzung von Nils Minkmar – stellt ersterer dar, dass es um diese Details gar nicht geht. Denn inzwischen ist auch einer der beiden Söhne, die sich heldenhaft vor ihre Mutter stellten, mitsamt zwei deutscher Journalisten verhaftet worden. Das iranische Regime zeigt sich in bekannter mohammedanistischer Tradition als skrupelloses Gangstertum. Diese Clique betrachtet das Land als ihr Eigentum, wie offensichtlich ist.

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Warum die Welt nicht schweigen darf

Man kann etwas tun gegen Sajjads Verhaftung

Sajjad, der Sohn von Sakineh Mohammadi Ashtiani, wurde vor drei Tagen festgenommen. Der Zugriff erfolgte in der Kanzlei seines Rechtsanwalts, den sie ebenfalls mitgenommen haben. Und niemand, fast niemand, spricht davon. Der junge Fahrkartenkontrolleur aus Tabriz hat seine Mutter mutig und unablässig verteidigt, hat sich an die Weltöffentlichkeit gewandt, um auf ihr Schicksal, die drohende Steinigung, aufmerksam zu machen. Er war gerade dabei, einer deutschen Zeitung ein Interview zu geben, als er brutal zum Schweigen gebracht wurde, aber jedem, fast jedem, ist das egal.

Ein Staat, der morgen vielleicht schon die Atombombe besitzt, führt sich auf wie eine Mafiafamilie, die auf ihrem Kiez eine Entführung, Geiselnahme und, wenn sie schon mal in Fahrt ist, vielleicht eine Hinrichtung ohne Gerichtsverfahren durchzieht – und die ganze Welt, oder fast die ganze Welt, scheint das normal zu finden. Natürlich fehlen einem die Worte und die Vorstellungskraft angesichts so einer Tat, die allen Rechtsprinzipien Hohn spricht, dem gesunden Menschenverstand zuwiderläuft und uns schlicht fassungslos zurücklässt.

Aber man hätte doch schon gern eine Reaktion all jener, die, angeführt von Präsident Sarkozy, erklärt haben, Sakineh Mohammadi Ashtiani stehe unter der „Verantwortung“ Frankreichs. Man würde auch eine solide diplomatische Stellungnahme der deutschen Regierung erwarten, die ganz direkt betroffen ist, denn es waren zwei deutsche Journalisten, denen Sakinehs Sohn das Interview gab, als die Milizionäre in die Kanzlei des Rechtsanwalts eindrangen (7). Und all die Menschenrechtsorganisationen, die feministischen Vereine, die Hunderttausende, die sich in der ganzen Welt für die Freilassung von Frau Sakineh eingesetzt haben, sie müssen jetzt erneut die Kraft aufbringen, für diese Familie zu demonstrieren.

Man kann etwas tun. Man kann dem französischen Präsidenten und der deutschen Bundeskanzlerin schreiben, um sie zu beschwören, sich einzumischen. Man kann, der Empfehlung des International Committee against Stoning folgend, auch den iranischen Justizbehörden schreiben, nämlich an: Head of the Judiciary, Howzeh Riyasat-e Qoveh Qaaiyeh, Pasteurt Sont., Vali Asr Ave., south of Serah-e Jomhouri, Tehran, 131 681 47 37, Iran.

Man kann, ja man muss die Mittel finden, und seien es die bescheidensten, um zu verhindern, dass sich das Schweigen über diese Frau senkt, deren letzte Verbindung zur Außenwelt ihr Sohn und ihr Anwalt waren. In der Stille droht ihr dasselbe Schicksal wie so vielen anderen in Iran: einfach ermordet zu werden.

Nur eines ist undenkbar: stumm und untätig zu bleiben angesichts dieser absurden Eskalation. Es wäre zum Verzweifeln, wenn sich die Welt an eine neue barbarische Praxis gewöhnen würde, die darin besteht, den Sohn für die Verteidigung seiner Mutter zu bestrafen.

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Time am 14. Oktober 2010

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1) http://tangsir2569.wordpress.com/2010/09/25/die-unmenschliche-tragodie-im-islamischen-kalifat-iran/
2) http://meryemdeutschemuslima.wordpress.com/2010/07/16/fundburo-steinigung-analyse-des-aktuellen-geschehens/
http://meryemdeutschemuslima.wordpress.com/2010/07/12/fundburo-wenn-eine-steinigung-erfunden-wird/
http://www.muslim-markt.de/forum/messages/1901.htm
3) http://www.irananders.de/analysen/news/article/206.html
4) http://vitzliputzli.wordpress.com/2010/10/13/warum-es-keinen-sinn-hat-mit-moslems-zu-diskutieren-an-einem-bestimmten-punkt-blocken-sie-komplett-ab/
5) https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/04/14/milieustudien-6-ignoranz-und-perversion/
6) http://de.wikipedia.org/wiki/Bernard-Henri_Lévy
7) http://www.faz.net/s/Rub868F8FFABF0341D8AFA05047D112D93F/Doc~E4B0C6C843002460688AF5D16328F40D2~ATpl~Ecommon~Scontent.html

The Ground-Zero-Ocean

20. September 2010

In Afpak schlägt die Stunde der Seher und Auguren. Ein solcher ist offenbar der vielzitierte und hochgelobte pakistanische Journalist Ahmed Rashid (1). In der FAZ vom 1. August hatte Nils Minkmar noch berichtet, dass Rashid die Verhandlung mit Taliban als sinnlos zurückgewiesen habe (2): „Es gab mehrere Versuche pakistanischer Politiker, Talibanchefs gegen ihr Versprechen auf Waffenruhe einige Täler oder Provinzen zur autonomen Verwaltung zu überlassen. Sie alle führten dazu, dass die dort ansässige Bevölkerung floh und im Gegenzug Terrorlager entstanden. Fast alle in Europa geplanten oder durchgeführten Terroranschläge seit 2005 wurden in solchen mit pakistanischer Duldung bestehenden Talibanprovinzen vorbereitet.“ Nun plädiert er angesichts des bevorstehenden Abzugs der Amerikaner mal wieder für Gespräche, nein, nicht mit „gemäßigten“ Taliban, sondern mit der Führung aller. Lesen Sie ein Interview von Christiane Hoffmann aus der gestrigen FAZ.

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Wollt ihr ein Vietnam?
(Warum nicht, die Sowjets sind erledigt, und von Vietnam geht keine Gefahr aus, T.)

FRAGE: Herr Rashid, Sie sind ein international bekannter Autor, Ihr Buch „Sturz ins Chaos. Afghanistan, Pakistan und die Rückkehr der Taliban“ ist gerade auf Deutsch erschienen. Sie könnten in London oder New York leben, aber Sie leben in Lahore. Warum tun Sie sich das an?

ANTWORT: Ich kann nicht außerhalb von Pakistan leben. Das ist meine Heimat, es ist die Region, die mir wirklich am Herzen liegt. Solange mich nicht irgendwelche Fundamentalisten vertreiben, bleibe ich (So ein Schmarrn – das steigert seinen Marktwert, macht ihn zu einem „wahren Wahrsager“, nichts sonst. Ihn „VERTREIBEN“? Da wird niemand vertrieben, sie nehmen ihn, schneiden ihm die Genitalien ab, stecken sie ihm in den Mund und lassen ihn sich gen Mekka verneigen, während sie ihm die Haut abziehen. Vertrieben wird vielleicht ein Clan. Was für eine typisch orkische Selbstüberschätzung dieser pakistanische Pfau an den Tag legt, allein, Frau Hoffmann traut ihm blind. Dass er dort leben kann, zeigt, dass er zu IHNEN gehört, T.).

FRAGE: Und wieso lässt man Sie dort leben? Wieso leben Sie überhaupt noch? Sie haben viele Drohungen bekommen.

ANTWORT: Mit diesen Drohungen habe ich immer gelebt. Mehr als 100 Journalisten sind in den vergangenen fünf oder sechs Jahren in Pakistan ermordet worden. Weil ich das pakistanische Establishment kritisiere, seine Obsession mit Indien, mit Afghanistan, hält man mich für einen Verräter.

FRAGE: Lahore ist von der Flut nicht direkt betroffen. Aber wie sieht es mit den politischen Folgen aus?

ANTWORT: Sie sind riesig. In Pakistan haben wir zehn Millionen Menschen, die nicht ernährt werden können (Werden also 10 Millionen Menschen sterben? Wohl eher nicht, oder? T.). Es wird Jahre dauern, die zerstörte Infrastruktur wieder aufzubauen (Wozu? Damit die Taliban was zum Zerstören haben? T.). Das sind gigantische Probleme. Gleichzeitig haben weder die Pakistanis noch die ausländischen Geber Vertrauen in die Regierung.

FRAGE: Tut der Westen genug?

ANTWORT: Der Westen sollte mehr tun (Warum tun sie nicht selbst mal was VERNÜNFTIGES? T.). Aber warum sollte der Westen uns vertrauen (Tja, warum? T.)? Wir brauchen einen Mechanismus der Glaubwürdigkeit, am besten einen Fonds, der unabhängig verwaltet wird (Das Problem ist u.a., dass die Mitarbeiter von Hilfsorganisationen ermordet werden, T.) Und unsere Außenpolitik muss flexibler werden (Ich meine, sie sollte eher konstruktiver, berechenbarer und stabiler werden, T.). Stellen Sie sich vor, wir haben fünf Millionen Dollar von Indien abgelehnt. Wir sind doch nicht in einer Position, wo wir Hilfe ablehnen können. Indien könnte wegen seiner langen Grenze mit der Provinz Sind eine sehr wertvolle Drehscheibe für Hilfsgüter einrichten. Wir brauchen jetzt gesunden Menschenverstand und nicht außenpolitische Dogmen (Gesunder Menschenverstand in einem hysterischen mohammedanistischen Land? Eher schneit es in der Sahara. T.).

FRAGE: Profitieren die Taliban von der Notlage?

ANTWORT: Für die Taliban ist es eine sehr gute Zeit, in die Offensive zu gehen und verlorene Gebiete zurückzuerobern. Viele Gebiete, die die Armee erobert hatte, sind jetzt abgeschnitten. Und die Armee hat keine Hubschrauber, weil die alle Fluthilfe leisten. Wenn den Taliban jetzt ein wichtiges Gebiet in die Hände fällt, wäre das eine Katastrophe für die Moral des Landes, die Wahrnehmung im Ausland, für die Armee (Ah was denn, es wäre halt ein kleiner Rückschlag. Es ist doch übrigens unglaubwürdig, so zu tun, als ob auf der einen Seite das arme Volk der Pakis stände, das andererseits von den bösen Taliban benutzt und geschändet würde. Die machen doch alle mit. T.).

FRAGE: Aber die Szenarien sind doch noch viel düsterer: Wie stabil ist die Regierung, das ganze politische System?

ANTWORT: Ich denke, das System wird überleben (Ganz toll, ich dachte, das System ist scheiße, was denn nun? T.). Die Regierung ist sehr schwach und diskreditiert, aber die Armee will nicht eingreifen.

FRAGE: Einige Politiker haben zum Coup d’état aufgerufen.

ANTWORT: Das wurde von allen vernünftigen Kräften verurteilt.

FRAGE: Und die Armee selbst?

ANTWORT: Die Armee hat im Moment kein Interesse, die Verantwortung für das Land zu übernehmen. Für sie ist es besser, wenn Präsident Zardari und Ministerpräsident Gilani für die Katastrophe verantwortlich gemacht werden.

FRAGE: Wie stark sind die Sympathien in der Armee für eine Machtübernahme der Islamisten?

ANTWORT: Es gibt seit sehr langem eine kleine Gruppe von Leuten, die mit einem islamistischen Regime sympathisieren. Aber sie sind keine Bedrohung für die Stabilität der Armee. Sie ist sehr hierarchisch, sehr diszipliniert, und wir hatten nie einen Generalscoup. Es war immer der Armeechef, der geputscht hat (Na denn, das ist ja sehr beruhigend. T.). Die Armee ist nach wie vor einig.

FRAGE: Wie ernsthaft bekämpft die Armee die Islamisten?

ANTWORT: Sie hat klar entschieden, dass die pakistanischen Taliban eine Bedrohung für den Staat darstellen, und bekämpft sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten ziemlich ernsthaft. Zugleich sieht sie aber die afghanischen Taliban nicht als Bedrohung, sondern als Aktivposten (Ist doch logisch, in Afghanistan rüsten sie Mulla Oma mit Waffen aus, und wenn er hin und wieder über die Grenze nach Pakistan flieht, wird er stets erbarmungslos verfolgt, huahuahua. T.).

FRAGE: Die Taliban an der Macht in Afghanistan und Pakistan, Atomwaffen unter ihrer Kontrolle, ist das ein ganz unrealistisches Szenario?

ANTWORT: Die Gefahr, dass sich der Taliban-Islamismus ausbreitet, ist in Pakistan viel größer als in Afghanistan. Denn in Afghanistan werden die Taliban mit den Paschtunen identifiziert. Und die anderen ethnischen Gruppen sind ein viel stärkeres Bollwerk gegen die Talibanisierung als hunderttausend amerikanische Soldaten. In Pakistan dagegen ist der Islamismus ein nationales Phänomen. Wenn ein politischer Umsturz von unten kommt, ist die Alternative nicht eine liberale, demokratische Regierung, sondern die Fundamentalisten (Aber es gibt ja, wie er grade sagte, die unbestechliche, säkulare Armee. T.).

FRAGE: Sie haben sich schon lange dafür ausgesprochen, mit den gemäßigten Taliban zu verhandeln (Mal spricht er sich dagegen aus (s.o.), mal dafür (3), eben ein echter Echsperte, T.). Was ist ein gemäßigter Taliban (Jetzt steigt die Spannung aber enorm. Was… ist… ein gemäßigter Taliban? T.)?

ANTWORT: Die Notwendigkeit, mit den Taliban zu sprechen, folgt aus der Erkenntnis, dass der Westen Afghanistan verlassen wird. Der Westen hat beim Aufbau Afghanistans versagt. Er hat zehn Jahre lang Zeit, Geld und Menschenleben verschwendet. Die Frage einer militärischen Lösung – Al Qaida, die Taliban besiegen – stellt sich nicht mehr. Jetzt stellt sich die Frage: Wie werdet ihr abziehen? In einem totalen Chaos wie damals in Vietnam? Oder einigermaßen geordnet mit Hoffnungen für die Zukunft? Dann müsst ihr den Krieg beenden. Dazu muss man mit den Taliban reden und sie in irgendeiner Form an der Macht beteiligen. (Keine Antwort ist auch eine Antwort. T.)

FRAGE: Es geht also gar nicht um gemäßigte Taliban.

ANTWORT: Karzai muss mit der Führung der Taliban sprechen. Und Obama muss sich entscheiden, mit den Taliban zu sprechen – und zwar bald (Und mit Time sollte er auch bald reden, sonst mach ich hier tierisch Randale in meinem Blog, das schwör ich Alta! T.). Wenn er im Juli nächsten Jahres mit dem Abzug beginnen will, was ist seine politische Vision (Wiedergewählt zu werden natürlich, T.)?

FRAGE: Sie haben von roten Linien für die Taliban gesprochen, ist das realistisch?

ANTWORT: Man muss Kompromisse finden.

FRAGE: Das heißt: Kompromisse bei Menschenrechten, Frauenrechten.

ANTWORT: Nein, wieso (Die Frage lautet: Wieso nicht? Was soll die Jihad-Monster davon abhalten, Frauen zu verstümmeln, weil sie lesen lernen wollen, so wie sie es von jeher getan haben, sobald sie die Macht haben? T.)? Politisch geht es um die Machtverteilung, eine Koalitionsregierung, Gouverneursposten. Die soziale Seite wird von der Verfassung geregelt. Und da sollte der Kompromiss sein, dass die Verfassung nicht angerührt wird und gleichzeitig einige islamische Gesetze vorgesehen werden. (Hahaha, sowas Bescheuertes. Ganz gewiss sind Mulla Oma und Gülle Hektoliter mit diesem Vorschlag voll und ganz einverstanden. Und sowas wird als Experte gehandelt… T.)

FRAGE: Im Klartext: In den Gebieten, die die Taliban kontrollieren, herrscht die Scharia.

ANTWORT: Nein, das wäre eine Katastrophe. Das muss verhindert werden. Sonst bricht die Zentralregierung zusammen. (O.k., jetzt mal gaaaz langsam. Die ist doch so schwach, dass sie sich gegen die Taliban kaum behaupten kann. Und die wiederum wollen die Scharia durchsetzen. T.)

FRAGE: Wie beurteilen Sie die Rolle der Deutschen in Afghanistan?

ANTWORT: Wollen Sie die Antwort wirklich hören?

FRAGE: Sicher.

ANTWORT: Deutschland ist nicht in der Lage, die Aufgaben zu erfüllen, die es übernommen hat. Die Polizeiausbildung: Deutschland hatte nicht das Wissen, nicht die Kultur, nicht die Sprache und noch nicht einmal die Polizisten, um das zu leisten. Und sehen Sie Kundus an: Da wimmelt es heute von Taliban. Also was zum Teufel haben die Deutschen dort in den vergangenen fünf Jahren gemacht? (Sie haben versucht, nicht zwischen den Orks und der deutschen Öffentlichkeit zerrieben zu werden, T.)

FRAGE: Welche Rolle könnte Deutschland im politischen Prozess spielen?

ANTWORT: Eine sehr prominente. Die Bonn-Konferenz im Dezember 2001 war ein Meilenstein. Wir brauchen ein Bonn 2. Deutschland ist glaubwürdig, und es hat keine Feinde, sogar die Taliban haben gute Erinnerungen an Deutschland, weil es in den neunziger Jahren Gespräche mit der Nordallianz vermittelte.

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Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Rashid „Schah’r’la’tan“ ein Nebelwerfer im Dienste der mohammedanistischen Internationale ist.

Ich verstehe übrigens auch nicht, warum der Zerfall eines Landes im Fall Jugoslawiens von unseren Eliten und der Journalistenmeute begeistert begrüßt und befördert wurde, während die ohnehin nur auf dem Reißbrett entstandenen und gewaltsam zusammengehaltenen Orkstaaten auf Alla komm raus eine Einheit bleiben sollen. Warum sollen die Kurden keinen eigenen Staat haben? Die Türken haben doch auch einen. Oder in Afghanistan die Hazara, die von den anderen unterdrückt werden, warum die nicht?

In der heutigen FAZ prognostiziert der Politikwissenschaftler, Journalist, ehemalige Staatssekretär im Verteidigungsministerium und Professor Dr. Lothar Rühl im Grunde ein Scheitern der Alliierten. Es ist ja auch kaum vorstellbar, dass der gigantische „Youth Bulge“ (Heinsohn) bis zum Juli 2011 abgetragen werden kann, zumal die Rücksichtnahme auf die Zivilbevölkerung nochmals verschärft sicher gestellt werden soll.

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Die Uhr läuft

Irak, Afghanistan und die Zeitpläne zum Truppenabzug

Die Grundannahme der amerikanischen Strategien für den Irak und für Afghanistan beruht auf der Erwartung, dass in beiden Ländern in absehbarer Zukunft die Last für die Sicherheit auf einheimische Kräfte überwälzt werden kann. Voraussetzungen dafür sind, wie die Alliierten der internationalen Koalition seit Jahren erklären, repräsentative, stabile und handlungsfähige Regierungen, ausreichende militärische und polizeiliche Fähigkeiten, eine wirksame und saubere Verwaltung, die Sicherung der Grundversorgung und die Akzeptanz der von außen eingeführten neuen politischen Ordnungen in der Bevölkerung. Es ist nach neun Jahren in Afghanistan und nach sieben Jahren im Irak unbestreitbar, dass diese Voraussetzungen bisher nicht gegeben sind. Wahrscheinlich sind sie auch in absehbarer Zeit nicht erreichbar. Damit wird die regierungsamtlich „Übertragung der Verantwortung“ genannte Überwälzung der Lasten in beiden Ländern zu einem unkalkulierbaren Risiko. Die amerikanische Doppelstrategie, die auch das atlantische Bündnis teilt und die von den Vereinten Nationen politisch legitimiert wird, ist in Gefahr zu scheitern.

Der 2008 vom Präsidentschaftskandidaten Obama aufgestellte Zeitplan für den Rückzug der amerikanischen Kampftruppen aus dem Irak ohne Preisgabe der strategischen Position am Persischen Golf soll zwar bis auf etwa 50.000 Militärberater und Ausbilder für die irakischen Streitkräfte eingehalten werden. Doch bezweifeln die dafür bisher verantwortlichen Militärs, dass die Iraker schon ohne die amerikanischen Kampftruppen auskommen können.

Auch eine politisch stabile und handlungsfähige Regierung in Bagdad ist seit den Märzwahlen nicht zustande gekommen. Der seit langem gesuchte „nationale Konsens“ über die Verteilung des irakischen Erdöls zwischen den drei Bevölkerungsgruppen steht noch immer aus. Die Unsicherheit durch Terroranschläge breitet sich wieder aus, seit die Amerikaner sich schrittweise zurückgezogen haben. In die volle Verantwortung zurückkehren können sie nicht mehr. Den Empfehlungen amerikanischer Kommandeure, den Abzug zu verzögern, ist Präsident Obama vor Beginn des Präsidentschaftswahlkampfes von 2012 nicht gefolgt: Die Jahresmitte 2010 bleibt für das Ende des aktiven militärischen Engagements im Irak sein Termin, für den Beginn des Abzugs der amerikanischen Streitkräfte aus Afghanistan ist das die Jahresmitte 2011. Amerika braucht Frieden an der Oberfläche des Geschehens und der Präsident den formalen Nachweis des begonnenen Truppenabzugs aus beiden Ländern.

Wie immer man die Intervention im Irak von 2003 bilanzieren will: Es gibt keinen Sieger, aber eine regionale Macht, die von diesem Krieg profitiert hat – Iran. Dagegen sind die arabischen Klienten Amerikas verunsichert wegen des iranischen Einflusses im Irak und des iranischen Atomprogramms. Die politischen Folgen des Krieges von 2003, des Aufstands gegen die Alliierten danach und der anhaltenden Wirren haben auch die militärischen Optionen gegen Iran kompliziert, wozu noch der Unsicherheitsfaktor Israel in jedem Kalkül zur Konfliktentscheidung durch militärische Mittel kommt. Auch deshalb haben Washington und die europäischen Alliierten noch immer keine schlüssige und praktische Politik gegenüber dem iranischen Atomprogramm, während dort die Urananreicherung fortgesetzt wird. Teheran hat Zeit und noch immer Rückhalt in Moskau und Peking.

Für die weitere Strategie am Hindukusch will Obama, der 2009 den Krieg in Afghanistan zum „richtig“ gewählten Krieg ausrief und das Ziel setzte, ihn „zu gewinnen“, im Dezember dieses Jahres eine Überprüfung vornehmen und dann entscheiden. Die Verstärkung der amerikanischen Truppen in Afghanistan um etwa 30.000 Soldaten, die zur Jahresmitte 2010 erreicht worden sein sollte, hat die Kampfkraft gegen die diversen Aufständischen gesteigert und auch taktische Erfolge erzielt. Aber trotz konzentrierter Anstrengungen im Süden des Landes, wo die militanten Islamisten der „Taliban“ ihre Hochburgen in den Provinzen Helmand und Kandahar behaupten, brachten sie keinen Durchbruch zu einer strategischen Lageveränderung.

Obama hat klargemacht, dass die 100.000 amerikanischen Soldaten die Höchststärke seiner Truppen in Afghanistan sind und dass 18 Monate ausreichen müssen, um Erfolg zu haben. Diese Zeit geht ihm Sommer 2011 zu Ende, die militärische Uhr, die im Juni 2009 mit den ersten Verstärkungen gestellt wurde, läuft zu diesem Zeitpunkt ab. Dann beginnt in den Vereinigten Staaten der Vorwahlkampf für das Präsidentenamt.

Wieder raten die amerikanischen Generale zur Geduld. Ihr Oberkommandierender in Afghanistan, General Petraeus, hat dies in verschiedenen öffentlichen Aussagen getan und empfohlen, sich mehr Zeit zu geben, Truppenabzüge auch zu strecken und weitere Erfolge im offensiven Kampf abzuwarten. Dabei hat er aber auch Luftangriffe und den Einsatz schwerer Waffen abermals zur notwendigen Schonung der Bevölkerung eingeschränkt. Damit erhöhen sich die Risiken für die alliierten Soldaten und die Chancen für die Guerrilla. Der Kommandant des amerikanischen Marinekorps, General James Conway, der 20.000 Soldaten in Afghanistan stehen hat, sprach die Befürchtung aus, dass die von Präsident Obama gezogene Zeitgrenze Juli 2011 für den Abzugsbeginn „unserem Feind wahrscheinlich mehr Unterstützung und Nachhaltigkeit (sustenance) geben wird“.

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„And the winner is… Naziran!“ Findet Prof. Dr. Rühl. Und findet auch das räudige Zwergmammut Gardinenstange, das in NY grade mal wieder einen riesigen Mammutsch*ss abläßt.

„n-tv“ (4): „Jeder hat heute begriffen, dass nur zwei Mächte den Haupteinfluss in der Welt ausüben, und das sind die USA und der Iran“, tönte er. Es gibt wirklich nur eines, das noch größer ist als die mohammedanistische Gier und Dummheit, und das ist die mohammedanistische Klappe. „n-tv“: „Ahmadinedschad hatte dem amerikanischen Präsidenten Barack Obama mehrfach ein Zweier-Treffen bei der UN-Vollversammlung vorgeschlagen. Washington hat das Angebot als Propaganda-Trick zurückgewiesen.“ Völlig zu recht, wie ich meine, denn das Spiel des Terrorregimes mit der IAEO hat deutlich gezeigt, dass Gespräche völlig sinnlos sind – da ist ein hungriges Krokodil ja noch ein geeigneterer Dialogpartner. En passant gibt Mammut das naziranische Engagement im Irak und Afghanistan zu Protokoll: Die USA „seien aber damit gescheitert, das politische Weltgeschehen zu lenken, wie die Konflikte im Irak und Afghanistan zeigten. Der Iran sei im Gegensatz zu den USA dazu in der Lage und erfreue sich zudem dank seiner ‚Politik des Friedens, der Freundschaft und Gerechtigkeit‘ weltweiter Anerkennung.“ Törööö! Törööö! Töröö!

Das Mammut gibt sich große Mühe, sein Heimatland dem Vergessen anheim zu geben. Denn es steht fest: Es wird nur eine einzige iranische Atomrakete geben, und danach ein riesiges neues Meer, den „Ground-Zero-Counterjihad-Ocean“. Und das wird das Ende von Jihad und Counterjihad gleichermaßen sein.

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Time am 20. September 2010

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1) http://de.wikipedia.org/wiki/Ahmed_Rashid
2) https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/08/01/binden-sie-uns/
3) https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/05/25/der-vater-des-gedankens/
4) http://www.n-tv.de/politik/Ahmadinedschad-haelt-eine-Rede-article1528246.html

Der Kaiser IST nackt

10. September 2010

Lesen Sie zunächst einen Bericht von Nils Minkmar und Marcus Jauer aus der heutigen FAZ über die Preisverleihung an Kurt Westergaard, durch den auch ein wenig die Abgeschlossenheit der Eliten vom Rest des Volkes – die aber natürlich im Vergleich zu der der Eliten anderer als der westlichen Sphäre nicht so extrem ist – deutlich wird.

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Die Gemeinschaft der gut Bewachten

In Potsdam wird der dänische Karikaturist Kurt Westergaard geehrt – von Angela Merkel und Joachim Gauck. Ausnahmsweise kann der mit dem Tod Bedrohte sich einmal sicher fühlen.

Das historische Foto entsteht gleich zweimal an diesem Abend. Das erste Mal, kurz nachdem Angela Merkel mit ihrem Tross vorgefahren ist vor der Orangerie von Sanssouci. Da lief Kurt Westergaard ihr entgegen, gestützt auf einen Stock, ein älterer Herr, Typ Gert Fröbe, in roter Hose und nachtblauem Bohemienhemd. Sie gaben einander die Hand und stellten sich den Fotografen, damit die das Bild machen konnten, das eigentlich eine Geste ist. Die deutsche Bundeskanzlerin ehrt einen mit dem Tode bedrohten Karikaturisten.

Diese Drohung ist nach wie vor sehr ernst. Darum herrschte an diesem Abend in Potsdam eine höhere Sicherheitsstufe als beim Besuch der amerikanischen Außenministerin. Spürhunde hatten die Orangerie nach Sprengstoff abgesucht, Scharfschützen standen auf dem Dach, und einige hundert Beamte hatten sich im und um den Schlosspark verteilt, während am Himmel ein nimmermüder Hubschrauber kreiste. Wer bislang noch keine Vorstellung hatte von der Art Leben, die Kurt Westergaard seit fünf Jahren führen muss, dem stand es nun vor Augen.

Bis zum Sommer 2005 war Westergaard nur ein Karikaturist, der seit mehr als zwanzig Jahren für die international nur wenig bekannte dänische Tageszeitung „Jyllands-Posten“ zeichnete. Dann gab er für eine Ausgabe zum Thema „Das Gesicht Mohammeds“ eine Zeichnung ab, die einen grimmigen, bärtigen Mann zeigte, auf dessen Kopf statt eines Turbans eine Bombe mit brennender Zündschnur sitzt. Viele haben darin den Propheten erkannt, Westergaard war sich da nicht so sicher, aber er hat auch nicht widersprochen. Wer weiß schon, wie Mohammed aussah? Bei den Protesten gegen diese satirische Zeichnung starben weltweit hundert Menschen, und beinahe wäre auch Westergaard ermordet worden. Noch immer ist ein hohes Kopfgeld auf ihn ausgesetzt, noch immer steht er Tag und Nacht unter Polizeischutz. Einem Mann wie ihm einen Preis für Pressefreiheit zu verleihen heißt auch, ein Zeichen an jene zu senden, die diese nicht respektieren.

Angela Merkel muss es um dieses Zeichen gegangen sein, als sie sich dafür entschied, anlässlich der Verleihung eine Rede zu halten. Das versprach eine interessante Übung zu werden. Denn während vor ihr, im Raffaelsaal der Orangerie, viele der Chefredakteure saßen, die im Beirat des Kolloquiums sind und sich in der Mehrzahl nicht dazu hatten entschließen können, die Karikatur von Westergaard in ihren Blättern nachzudrucken, hatte das Land ja auch noch die tagelange Debatte um die Thesen von Thilo Sarrazin hinter sich. Den Gesprächen unter den Chefredakteuren war zu entnehmen, dass der feine Unterschied zwischen einer verbalen Distanzierung der Regierungschefin von einem Bestsellerautor und der unmittelbaren physischen Bedrohung durch einen Axtmörder nicht jedem klar war. Das war der Kurs, den die Kanzlerin zu erklären hatte: warum sie Sarrazin kritisiert und Westergaard verteidigt, wo doch beides mit politischen Kosten verbunden sein könnte.

Als Erstes nahm die Bundeskanzlerin die „Bild“-Zeitung aufs Korn, deren Chefredakteur in der ersten Reihe saß. Sie sagte: „Ich erwähne die ,Bild‘ stellvertretend – und weil sie es gut aushalten kann.“ Dann zitierte sie die Aktion „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“ und bemerkte, dass sich unter den zur tapferen Aussage angebotenen Sätzen keiner zum Biologismus oder zur Erblichkeit von Intelligenz findet, jenen Punkten also, derentwegen Sarrazins Buch ins wissenschaftlich wie gesellschaftlich Unhaltbare kippt.

Sie hatte sich etwas vorgenommen für diese Rede. Es galt, den Moment zu nutzen, um etwas über sich mitzuteilen, eine Formel ihrer Politik zu finden. Sie sagte: „Deutschland verteidigt seine Interessen wertegebunden.“ Die Gemeinsamkeit von Werten und Interessen stellte sie mehrfach heraus. Die Werte erläuterte sie anhand der fünf ersten Artikel des Grundgesetzes, die uns von der Menschenwürde über die Religionsfreiheit zur Meinungsfreiheit führen. Das ist der breite bürgerliche Weg, der zwischen Sarrazin und den Islamisten entlangführt. Zunächst wird ihr die Distanzierung von Sarrazin keinen Beliebtheitszuwachs gebracht haben. Und wenn wegen der Westergaard-Ehrung der Verkauf deutscher Waren im Nahen Osten stocken sollte, könnte es wieder einen Rückschlag geben. Doch in der langen Perspektive bilden solche Wegmarken, auch der Empfang des Dalai Lama oder die Kritik am Papst, eine historische Linie. Der Widerspruch des Augenblicks kommt ihr da ganz gelegen. Es ging gestern Abend in Potsdam um die Passage, die die Geschichtsbücher Angela Merkel widmen werden. Darum hielt sie eine ihrer besten Reden seit Jahren.

Danach sprach Joachim Gauck. Nach seiner Rede drängten sich alle um ihn und nannten ihn den „Präsidenten der Herzen“. Ein hochstehender, rot-grüner Sympathien unverdächtiger Medienchef erklärte, er tue einfach so, für sich, als sei Gauck Bundespräsident. Denn es ist in einer Demokratie keine Kleinigkeit, ob der Staatschef reden kann. Zumal in einer Lage, in der Differenzierung und intellektuelle Redlichkeit gefragt sind. Gaucks Virtuosität war schon atemberaubend. Er begann ganz einfach, wie für Kinder, indem er die Geschichte von Westergaard erzählte. Er sagte: „Sie haben Ihren Mörder gesehen. Sie haben die Axt gesehen und die Spuren der Axt. Und Sie haben sich danach nicht zurückgezogen. Ich weiß nicht, wer von uns das vermocht hätte.“ Er kommt zur Frage der individuellen Abwägung zwischen Feigheit und Mut. Bald ist die Wohlfühlatmosphäre dahin. Aus der Gemeinschaft derer, die gut bewacht in Potsdam gegen den Islamismus einstehen, werden Individuen, denen er Fragen aufgibt: Ist nicht die Feigheit immer vernünftiger als der Mut? Wie und wann überwinden wir unsere persönliche Verzagtheit? Wie entschlüsseln wir den Zugang zu „unseren besten Potenzen“? Aus der Feierstunde ist für jeden Zuhörer Arbeit geworden, die von Michel Foucault beschriebene „Arbeit an sich“.

Als Gauck geendet hatte, betrat Westergaard die Bühne, gestützt auf den Stock, seine Frau half ihm dabei. Trotz der Bedrängung und der Drohungen hat er sich, bis auf einen Auftritt bei der rechtspopulistischen Dänischen Volkspartei, den er gleich darauf bedauerte, nie für islamfeindliche Propaganda einspannen lassen. Er hat sich aber auch nicht, wie viele seiner Freunde aus der linken Kulturszene forderten, für seine Karikatur entschuldigt. Er steht mit Angela Merkel auf der Bühne, den Preis in den Händen, und das historische Foto entsteht zum zweiten Mal. Danach hält er eine kleine Rede. „Wir leben ein gutes Leben“, sagte er und sah hinunter zu seiner Frau, „wir leben ein gutes Leben.“ Bald erscheinen seine Memoiren, die berühmteste seiner Karikaturen soll auf dem Titel stehen. Einige dänische Buchhändler haben bereits angekündigt, dass sie das Werk nicht verkaufen wollen.

Nach der ganzen Sache ging Henryk Broder zu Erik Guldenberg, dem Freund und Galeristen des geehrten Künstlers. Er nahm ihn am Arm und lobte die Reden, den ganzen Abend. Das war nicht der Broder, der in den Talkshows wohnt, sondern der fürsorgliche, zugewandte. Ein bisschen ist es auch sein Erfolg: Broder war der erste und einzige deutsche Journalist, der Westergaard nach dem Attentat besucht hat. Später wendet er sich Joachim Gauck zu und bittet noch mal um dessen Telefonnummer. Gauck schreibt Zahlen auf eine Karte und sagt streng: „Meine Handynummer kriegst du nicht.“ Broder: „Warum das denn nicht?“ Gauck: „Erst wenn du ein seriöser Mensch geworden bist.“ Broder: „Das ist zu viel verlangt!“

Schönes Land, in dem historische Tage im Gelächter enden.

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Toller Typ, der Westergaard, aber den Mohammedanismus hat er leider nicht begriffen. In einem Artikel auf „Spiegel online“ (1) läßt Henryk Broder die ganzen Pappnasen, die jetzt den Mut Westergaards lobten, ihn aber vor fünf Jahren als Provokateur und Schmierfink denunziert hatten, Revue passieren. Dass viele von ihnen ihre Meinung geändert haben, muss aber nicht ausschließlich auf Opportunismus beruhen, immerhin ist der Counterjihad mit seiner Aufklärungsmission ja rastlos tätig.


Der Westergaard unserer Tage ist Pastor Terry Jones, der die angekündigte Kloranverbrennung inzwischen unter der Bedingung zurückgezogen haben soll (2), dass die Ground-Zero-Triumphmosche an einem anderen Platz errichtet wird (Was eigentlich ein selbstverständliches Gebot der Höflichkeit und Rücksichtnahme ist, Verhaltensweisen, die Mohammedanisten aber bekanntlich fremd sind). Gegen das aktuelle Happening „Kloranverbrennung“, das eine formal andere aber im Prinzip gleiche künstlerische Aktivität ist wie das Zeichnen eines provokanten Cartoons, wird jedoch in schrillsten Tönen zu Felde gezogen. Tausende demonstrieren, Fahnen und Puppen werden verbrannt, und bevor überhaupt ein einziges Streichholz angezündet wurde, gibt es schon den ersten Toten. Kein Staatschef der Welt, der sich nicht zu Wort melden und den mutigen Pastoren verurteilen würde. Nun, es mag sein, dass solches an seinem offensichtlichen Unterschied zu Westergaard liegt: Im Gegensatz zu jenem, der eher zufällig zum bevorzugten Schlachtopfer der Orks wurde, hat Jones nämlich den Mohammedanismus begriffen und greift ihn frontal in einer höchst effektiven Weise an. „Aber, aber, das darf man doch nicht“, das ist doch „Religionsschändung“, kreischt der Chor der nihilistisch-atheistischen Medienknechte. Dass das Christentum auch eine Religion ist, die weltweit täglich auf das Grausamste geschändet wird, nicht indem man Bibeln verbrennt, sondern indem man Bibelleser verbrennt (3), ist diesen Schlaumeiern keine Zeile wert. Sie haben Jones‘ Tochter aufgespürt, N-TV:

„Jones‘ Tochter hält ihren Vater für ‚verrückt‘. Sie habe ihn in einer E-Mail dazu aufgerufen, seine geplante Koran-Verbrennung aufzugeben, sagte Emma Jones dem ‚Spiegel‘. ‚Ich habe geschrieben: ‚Papa, lass das sein!“ Geantwortet habe er nicht. Die in Deutschland lebende Tochter äußerte sich ’schockiert‘ über das Vorhaben ihres Vaters. ‚Ich wünsche mir wirklich, dass er zur Vernunft kommt. Ich weiß nicht, was in seinem Kopf vorgeht. Ich glaube, er ist verrückt geworden.‘ Zwar sehe sie auch seinen gutmütigen Kern: ‚Aber ich glaube, dass er Hilfe braucht.“

Ich persönlich finde es schändlich, wie sich die Tochter hier mediengeil prostituiert und ihrem Vater in den Rücken fällt, sie hat ganz offensichtlich regelmäßig den Konfirmandenunterricht geschwänzt (5. Gebot, 2. Mose 20). Aber die Nazislamkritiker für wahnsinnig zu erklären ist ja so etwas von normal geworden (4), dass es gar nicht mehr auffällt. Hier weitere Stimmen laut heutiger FAZ.

Die „La Repubblica“ (Rom) zittert vor Angst wie Espenlaub: „Er ist zum Weltstar geworden, der Pastor, der zum Gedenken an den 11. September in Gainesville in Florida ein Koran-Exemplar verbrennen will. Auf Facebook im Internet fand die Seite ,Internationaler Tag der Koran-Verbrennung‘ bis zur Wochenmitte bereits mehr als zehntausend Anhänger. Gegen den Pastor haben sich das Weiße Haus, der Vatikan, die Nato gewandt… Und in der islamischen Welt explodieren bereits Proteste… Die letzte Hoffnung, diesen Casus Belli noch aus der Welt zu schaffen, liegt bei den Feuerwehrleuten von Gainesville, die Jones die Erlaubnis für ein Feuer verweigert haben.“

CASUS Belli? Der Krieg ist seit 1.400 Jahren voll in Gang, er war etwas abgeschwächt durch unseren phänomenalen Aufstieg in den letzten Jahrhunderten, aber immer wurden irgendwo in den Ländern der Orks Christen, Hindus u.v.a. gequält, ausgeraubt, versklavt und ermordet (5).

„El Periódico de Catalunya“ (Barcelona): „Das Vorhaben des Geistlichen Terry Jones, am 11. September einen Koran zu verbrennen, könnte eigentlich als eine antiislamische Initiative eines christlichen Fundamentalisten abgetan werden. Es besteht jedoch die Gefahr, dass der Plan den ohnehin komplizierten Beziehungen des Westens zur islamischen Welt Schaden zufügt. Einige Strategen der amerikanischen Republikaner pflichteten dem Pastor bei, weil sie sich davon bei den nahenden Wahlen Stimmengewinne erhoffen. Die Wahnvorstellungen von Jones sind mehr als nur der Ausdruck einer radikalisierten Minderheit. In der Gesellschaft der Vereinigten Staten gibt es Strömungen, die den Islam als großen Satan betrachten.“

Satan? Wie kommen die bloß darauf, dass der Mohammedanismus mit seinen 270 Millionen Leichen etwas anderes als eine menschenfreundliche Kuscheltherapie ist? Ah ja, der Wahnsinn…

Das „Luxemburger Wort“: „Wenn Flaggen und Bücher verbrannt werden sollen, müssen die Alarmglocken läuten… Die Ankündigung eines amerikanischen Pastors, am Samstag, dem neunten Jahrestag der Anschläge vom 11. September, ein Koran-Buch öffentlich verbrennen zu wollen, ist eine bewusste Provokation… Mit der freien Ausübung von Meinungsfreiheit hat dieser symbolische Akt wenig zu tun. Freiheit hat dort Grenzen, wo sie die Freiheit anderer verletzt – auch jene der freien Religionsausübung, sogar in Form einer Verletzung der religiösen Gefühle nicht nur von radikalen, sondern auch von ,normalen‘ Muslimen. Letztlich handelt es sich bei dem Pastor um einen Zeloten vom gleichen Schlag, wie jene Fanatiker, gegen die er vorgibt zu protestieren.“

Merke, die Meinung ist frei, es sei denn man sagt sie. Und: Es sei dasselbe, ein Buch zu verbrennen, wie Menschen zu töten. Wenn das kein Animismus ist, gibt es keinen. Der galoppierende Schwachsinn made in Luxemburg findet sein Pendant im Blatt „Hessische/Niedersächsische Allgemeine“ aus Kassel: „Man sollte sich nicht täuschen: Der Karikaturenstreit ist nicht aus der Welt. Und er hält auf dem entflammbaren Boden von Freiheit und Ehre stets neue Brandbeschleuniger bereit. Wer tief religiös empfindet, kann zutiefst gekränkt sein. Mit unabsehbaren Folgen. Insofern ist es zumindest politisch unklug, einen Zeichner als Symbol der Meinungsfreiheit zu ehren, der Mohammed mit einer Bombe als Kopfbedeckung karikiert. Klingt das duckmäuserisch? Nein, nur respektvoll… Hätte Westergaard Jesus als mordenden Terroristen dargestellt, wäre er nicht als preiswürdig erachtet worden.“

Jesus, der die Feindesliebe predigte, der sich lieber ermorden ließ, als anderen ein Leid zuzufügen, wird mit hier mit einem Sadisten gleichgesetzt, der Jahr für Jahr mindestens einen Feldzug führte, der Kinder vergewaltigte, der raubte, versklavte und mordete. Das ist ungeheuerlich! Es wird gleichzeitig als möglich hingestellt, dass man Jesus als Terroristen zeichen könnte. Kann man, aber das ist mit nichts aus dem neuen Testament zu begründen und also völlig irrelevant. Wenn man Klo H. Metzel jedoch als Terroristen darstellt, trifft es das, was die Orks über ihn an Texten überliefert haben, und worauf sie stolz sind. Es gibt kaum eine Seite im Kloran, die nicht vom Geist der Gewalt und des Terrors durchzogen ist. Er liegt hier vor mir, fast jede Seite enthält rote Unterstreichungen, welche Gewaltstellen oder sadistische Fantasien markieren.

Dies hier passt in den Tenor:

„Während wir zusammen mit Spanien die größten Anstrengungen für den interzivilisatorischen Dialog auf uns nehmen, ist es in keiner Weise zu akzeptieren, wenn Künstler, Medienleute, Karikaturisten, Musiker, Wissenschaftler und sogar Politiker mit einer die islamische Brüderlichkeit zerstörenden, hetzerischen Einstellung in unverantwortlicher Weise ein die Islamfeindlichkeit schürendes Verhalten zur Schau stellen. Gegen die Muslime gerichtete kränkende Haltungen, politische Aktionen, Aussagen und Sendungen können nicht mit dem Vorwand der Ausdrucksfreiheit entschuldigt werden. ‚Aber mein Herr, das ist doch nur eine Karikatur!‘ Nichts da! Wenn Sie eine Karikatur machen wollen, dann karikieren sie bitte schön Ihre eigenen Werte. Herzugehen und die geachteten Werte anderer Glaubensgruppen zu karikieren, kann in einer freiheitlichen Welt niemand als Freiheit erachten. Die Freiheiten sind nicht grenzenlos. Der Bereich einer Freiheit reicht nur bis an den Bereich der Freiheit eines anderen. Der eigene Freiheitsbereich findet sein Ende, sobald man an den Freiheitsbereich des anderen gestoßen ist. Alles andere ist Aggression. Wirklich große Länder sind Länder, in denen besondere ethnische und kulturelle Gruppen sich nicht als ‚die anderen‘ fühlen. Immer wieder sagen wir: Wer zu seinem Glauben steht, fürchtet sich nicht vor der Glaubensfreiheit. Wer zu seinen Gedanken steht, fürchtet sich nicht vor der Gedankenfreiheit. Wir stehen zu unserem Glauben. Wir stehen zu unseren Gedanken. Und deshalb fürchten wir uns weder vor der Glaubens- noch vor der Gedankenfreiheit.“

Wenn also jemand in Hintertupfingen oder in einem Blockhaus in den Rockies einen Kloran verbrennt, ist in der mohammedanistischen Welt von Berlin-Neukölln bis zu den Malediven und demnächst bis zum Mond der „Freiheitsbereich“ der Orks verletzt. Dieser erstreckt sich auf das ganze Universum. Etwas zu sagen, was den Mohammedanisten nicht passt, ist „Aggression“, den Kritiker zu ermorden ist keine. Das ist „Glaubens- und Gedankenfreiheit“… meint the Fuhrergan (6).

Wer hier nun geistig eingeschränkt an der Grenze zur Debilität und schizophrenem Wahnsinn ist, scheint mir evident: Es ist nicht Mr. Jones. Es sind Leute wie Mehmet „Knalltüte“ Rüzgar (und seine Freunde in Luxemburg, Kassel und überall in den verräucherten Redaktionsstuben), der in der heutigen FAZ einen grässlichen Fluch ausstößt:

„Ihre Kommentare zu dem Volksverhetzer Sarrazin sind unerträglich. Sie sind mitschuldig, wenn demnächst der Volkszorn Moscheen anzündet. Schämen Sie sich, Sie werden immer mehr zum rechtsradikalen Hetzblatt! Ich bin Unfallchirurg und Orthopäde und bezahle jedes Jahr zigtausende Euro Steuer und sichere damit auch Ihren Lebensstandard. Und das, obwohl ich ein dummer Muslim bin!“

Dass er ein ZIEMLICH dummer Ork ist, steht mit seinem Schreiben wohl ganz außer Frage. Ich denke, Deutschland wird auf ihn verzichten können. Einen der gemeinten Kommentare, von denen es in der FAZ neben dem Dimmi-Gesülze von Hefty, Jäger und Mejias auch immer wieder welche gibt, liefert in der heutigen Ausgabe Jasper von Altenbockum ab:

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So sind sie eben!

Brennende Puppen und Flaggen – längst hat sich die Weltöffentlichkeit an diese Demonstration des Volkszorns gewöhnt. Warum eigentlich? In der Verharmlosung liegt nicht nur westliche Überheblichkeit.

An die Bilder brennender Puppen, die an Galgen baumeln, hat sich die Weltöffentlichkeit längst gewöhnt. Der (gesteuerte) Volkszorn, der sich darin äußert, gilt offenbar als so legitim, dass er sich auf menschenverachtende Weise Luft machen darf. Warum eigentlich? Wie kann es sein, dass Hass und Verachtung hier klaglos hingenommen, ja als politische Folklore präsentiert werden, dort aber – wie jetzt vor der geplanten Koran-Verbrennung in Florida – den Zorn der ganzen Welt erregen?

Die Antwort lautet: An die Vereinigten Staaten, an den Westen sind andere Maßstäbe anzulegen als an Iran, Pakistan oder den Gaza-Streifen. Doch in der Verharmlosung der Erregungsrituale aufgepeitschter islamistischer Massen liegt auch Diskriminierung und westliche Überheblichkeit – folgt sie mitunter doch dem Gedanken: So sind sie eben! Umgekehrt steckt in der Verurteilung christlicher Hassprediger durch islamische Öffentlichkeiten viel Scheinheiligkeit. Oder sollten auch sie an Amerika andere, höhere Maßstäbe anlegen? Das ließe darauf hoffen, dass auch im Islam vor der eigenen Tür gekehrt wird.

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Nein, Herr v. Altenbockum, der Kaiser IST nackt, der Orient IST eine verkommene Kloake und Schuld daran IST der abartige Kloran, ein böses Buch, das nur zum A*schabwischen und zum Heizen taugt! Die Mohammedanisten müssen von ihrem Wahnsinn, den sie global verbindlich machen wollen herunter geholt werden. Hierbei will ihnen Pastor Jones helfen. Amen!

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Time am 10. September 2010

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1) http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,716533,00.html
2) http://www.n-tv.de/politik/Jones-stellt-Bedingungen-article1458291.html
3) http://vladtepesblog.com/?p=25605
4) https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/08/28/counterjihad-wahnsinn/
5) https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/04/23/unvollstandige-chronologie/
6)

Erdogan: Die Religion eines Menschen ist von Geburt an festgelegt

Dokumentation von Corax: Erdogans Weltmacht-Rede,10.09.2010

Dies ist nur einer der Hämmer in einer Hammerrede des türkischen Ministerpräsidenten, des Führers der Türkei („Türkye‘nin lideri“, wie er auf Plakaten zur Ankündigung seiner Rede im Jahre 2008 in der Kölnarena genannt wurde), Recep Tayyip Erdogan, einer Rede, in der er in aller Deutlichkeit den Menschen türkischer Herkunft in aller Welt die Rolle von Agenten einer infiltrierend agierenden türkischen Weltmachtpolitik zuweist und seine Zuhörer, Auslandstürken in Schlüsselpositionen des politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens ihrer jeweiligen Aufenthaltsländer, auf eine türkische und islamische Unterwanderung dieser Länder, vor allem der europäischen Länder, einschwört. Gehalten wurde die Rede am 27. Februar 2010 auf einer vom türkischen Staat organisierten Konferenz. Der amtliche, umständlich formulierte aber vielsagende Titel der Veranstaltung lautete „Treffen der Gemeinschaften türkischer Stammesgenossen und Verwandter“. Das Treffen war als Festessen im Konferenzsaal eines Istanbuler Nobelhotels gestaltet, in dessen Verlauf mehrere Redner, allen voran der türkische Staatschef Erdogan, auftraten. Über den Hintergrund der Konferenz und der Rede Erdogans will ich keine weiteren Worte verlieren und verweise den Leser auf einen Artikel des Hamburger Abendblatts vom 30. März und auf eine Fernsehsendung, die auf YouTube vorliegt.

Im folgenden lesen Sie jedoch jetzt exklusiv auf Kewils Blog den Großteil der Rede Erdogans in zusammenhängendem Wortlaut. Sie liegt im Originalton auf Youtube in fünf Videos vor (das erste der fünf Videos hier, die weiteren Videos kann man von dort aus anklicken). Die Rede dauert etwa 40 Minuten. Davon sind die ersten 30 Minuten hier zusammenhängend (mit nur einer kleinen Auslassung) übersetzt. Die restlichen 10 Minuten sind als Zusammenfassung mit zwei eingestreuten längeren Zitaten wiedergegeben.

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Liebe Geschwister, verehrte Weggefährten, wir sind glücklich, an diesem bedeutsamen Tag, an dem wir gemeinsam eine Sehnsucht stillen, mit euch, meinen werten Geschwistern, zusammengekommen zu sein. Meine Damen und Herren, ich begrüße Sie zu diesem Anlaß mit den schönsten Gefühlen und heiße Sie in Ihrem Land, in unserem Land, in unserem Istanbul willkommen.

Durch eure Vermittlung sende ich von hier aus voller Achtung und Liebe meinen Gruß an alle auf fünf Erdteilen verteilten Bürger der Republik Türkei, an alle türkischen Geschwister. Die heutige Versammlung, die Situation, in der wir uns momentan befinden, wurde jahrelang herbeigesehnt. Es ist ein erster Schritt eines hoffentlich nie endenden Prozesses. Seinen weiteren Verlauf werden wir alle zusammen erleben, werden wir alle zusammen verwirklichen.

Mit den herzlichsten Gefühlen begrüße ich meine Geschwister in Berlin, in Paris, in Wien, in Brüssel, in allen Städten des europäischen Kontinents.

[Erdogan begrüßt nun in ähnlicher Weise auch seine „Geschwister“ in Australien, Amerika, Afrika und Asien, und fährt dann fort:]

Meine werten Geschwister, Geschichte und Schicksal mögen uns in die verschiedensten Erdgegenden verteilt haben, aber unsere Herzen sind eins, unsere Herzen schlagen gemeinsam. Unsere Sehnsucht ist eins, unsere Herzenswünsche sind eins, unser Schicksal ist eins. Wir sind alle Geschwister. Wir sind Kinder ein und desselben Stammes.

Unsere Freude ist eins, unsere Trauer ist eins. Wenn in Solingen einem unserer Geschwister etwas Schlimmes passiert, spüren wir im selben Augenblick auf allen fünf Kontinenten seinen Schmerz in unserem Herzen. Wenn in Sarajewo die Träne eines Unschuldigen auf die Erde fällt, sticht uns im selben Augenblick eine Flamme ins Herz. Wenn Xanthi in Bedrängnis gerät, wenn Kardschali Sorge befällt, wenn Prischtina in Trauer fällt, dann weiß ich, daß dies in Melbourne, in Toronto, in Kapstadt, in Tokio einen Widerhall findet.

Eine Hochzeit in Istanbul, in Diyarbakir, in Yozgat, in Sivas ist eine Hochzeit für uns alle. Wenn in Rize junge Burschen den Horon tanzen, tanzen fünf Kontinente mit. Wenn in Izmir der Zeybek getanzt wird, schauen fünf Kontinente zu. Wenn Gaziantep den Halay tanzt, tanzen fünf Kontinente mit. Wir sind Mitglieder einer einzigen Familie, die um einen Tisch versammelt sind. Wir sind alle eine Einheit, wir sind eine Familie. Wir, jeder einzelne von uns ist Teil einer über tausend Jahre alten gemeinsamen Kultur, einer gemeinsamen Tradition, einer gemeinsamen Geschichte.

Wir sind stolz auf unsere Geschichte, wir sind stolz auf unsere Kultur, wir sind stolz auf unsere Brüderlichkeit, kurz: wir sind stolz auf unsere Zivilisation. Überall, wo wir leben, überall, wo wir atmen, sind wir zu Vertretern des Friedens geworden. In all den Ländern, in denen wir arbeiten, sind wir zu Vertretern des Fleißes, einer hehren Moral und der Aufrichtigkeit geworden.

Schaut, in den letzten sieben Jahren habe ich als Ministerpräsident der Republik Türkei insgesamt 233 Besuche in 81 Ländern unternommen. Von Neuseeland bis zu den Vereinigten Staaten von Amerika, von Afghanistan bis Belgien, von Japan und der Mongolei bis in den Libanon, den Jemen und den Irak habe ich in 81 Ländern Beziehungen aufgenommen. […] Und ich kann euch in aller Aufrichtigkeit sagen: In jedem Land, das ich besucht habe, haben die jeweiligen Staatsminister, Ministerpräsidenten und andere Führungspersönlichkeiten auf obersten Ebenen zu mir voller Lob vom Fleiß, von der Aufrichtigkeit, vom Erfolg der Türken – von eurem Fleiß, eurer Aufrichtigkeit, eurem Erfolg gesprochen.

In jedem Land, das ich besucht habe, war ich bei in solchen Momenten stolz auf die dort lebenden Bürger, Stammesgenossen, Geschwister der Republik Türkei. Möge Allah es euch lohnen, daß wir dank euch dies erleben durften. Wir waren voll des Stolzes.

Unsere Mitbürger, unsere Arbeitgeber, unsere Stammesgenossen, unsere Lehrer und Schüler, unsere Arbeiter und Unternehmer – sie alle sind der Anlaß, der Grund für unseren Stolz und für den Stolz des Landes, dessen Bürger sie sind. Werfen wir einen Blick auf unsere Bauunternehmen – weltweit gibt es insgesamt 225 [global agierende] Bauunternehmen – so sehen wir an erster Stelle China mit 51 Firmen, und an zweiter Stelle die Türkei mit 31 Firmen.

Das eine sollt ihr wissen: Unsere Bemühungen haben zum Ziel, daß ihr dort überall in Ruhe lebt. All unser Eifer hat zum Ziel, daß ihr alle dort überall als ehrenvolle Bürger lebt. Unser Kampf hat zum Ziel, daß ihr als Türken, als Bürger und Kinder der Republik Türkei euch dort überall ohne Tadel und erhobenen Kopfes voller Stolz bewegen könnt. Ebenso stark wie die Türkei sein wird, so stark, das glaube ich, werdet auch ihr dort überall sein. Ebenso angesehen, wie die Türkei sein wird, so hoch wird auch euer Ansehen dort überall sein. Mit eben diesem Ziel im Blick befinden wir uns nun in einem Kampf zur Mehrung der Stärke, des Ansehens und der Ehre der Türkei.

Und mit tiefer Zufriedenheit möchte ich auch dieses zum Ausdruck bringen: Ihr seid Bürger eines Landes, das Mitglied des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen ist. Ihr seid Kinder eines Landes, das eine Ko-Präsidentschaft der Allianz der Zivilisationen innehat. Ihr seid Stammesgenossen eines Landes, das mit Entschlossenheit die Verhandlungen zum Beitritt in die Europäische Union vorantreibt. Ihr seid Kinder eines Landes, das überall [auf der Welt] das Recht verteidigt, die Gerechtigkeit verteidigt, den Frieden verteidigt, das sich entschlossen gegen jedes Unrecht stellt, das sich keinem Unrecht beugt, keinem Unrecht unterwirft, das der Gerechtigkeit mutig eine Stimme verleiht. Ihr seid die Lieblinge eines Landes mit einer starken Demokratie, einer starken Wirtschaft, einer hochgeachteten Außenpolitik. Wandelt nirgends gesenkten Hauptes, liebe Geschwister! Gesenkten Hauptes zu wandeln, paßt nicht zu uns!

Fühlt euch nirgendwo alleine, auch in Momenten tiefster Einsamkeit nicht. Fühlt euch nirgendwo ausgeschlossen. Vergeßt nie: Hier [wo immer auf der Welt ihr gerade lebt] ist ein mächtiges Land vorhanden, hier ist die Türkei vorhanden.

Meine werten Geschwister, die Türkei hat nun nach einem halben Jahrhundert auf seinem Weg in die Mitgliedschaft zur Europäischen Union während unserer Regierungszeit handgreifliche Erfolge erzielt. Im Jahre 2005 haben wir mit den Beitrittsverhandlungen begonnen. Und im jetzigen Moment führen wir die Verhandlungen mit Entschlossenheit fort. Ich möchte eure Aufmerksamkeit auf folgendes richten: Die Zahl der Türken, die in den Ländern der Europäischen Union als dortige Bürger leben, beträgt zur Zeit ungefähr fünfeinhalb Millionen. Das ist heute schon ein Vielfaches der Einwohnerzahl mancher EU-Mitgliedsländer. Jahrzehntelang habt ihr mit eurer Arbeit, mit eurem Schweiß, mit eurer Mühe, mit eurem selbstlosen Eifer an der Errichtung, am Bau der Länder in Europa beigetragen, in denen ihr lebt. Von unseren Geschwistern haben die einen dort in Industrie und Handwerk Firmen gegründet, andere wieder sind Kaufleute geworden. Zur Zeit haben wir alleine in Deutschland 65.000 Firmen mit an die 500.000 Beschäftigten. Und schaut her, in verschiedenen europäischen Ländern haben wir Brüder, Landsleute, Stammesgenossen, die Universitäten gründen. Andere wieder leisten vergleichbare Arbeit im Bereich von Gymnasien, Mittelschulen, Grundschulen und Kindergärten.

Ihr habt dort überall die dortigen Sprachen gelernt, habt dort eine Ausbildung absolviert, seid Bürger dieser Länder geworden. Ihr seid dort in die Parlamente eingezogen und zieht weiterhin dort ein. Ihr habt dort Ämter in den öffentlichen Verwaltungen besetzt. Ihr seid ins Europa-Parlament eingezogen. Ihr seid Mitglieder in Regierungskabinetten geworden. Weiter so, weiter so, immer weiter so! Unsere Stammesgenossen, unsere Geschwister, unsere Mitbürger werden im sozialen wie auch im politischen Leben ihre Plätze einnehmen. Asozial zu sein hat, noch niemals zu uns gepaßt. Außerhalb der Politik zu stehen, hat noch niemals zu uns gepaßt. Ihr seid nun gleichsam eine Brücke zwischen der Türkei und Europa.

Die Türkei, meine werten Geschwister, ist mitnichten ein Land, das aus der Spur gerät. Die Türkei bewegt sich ganz Gegenteil in vollkommener Normalität. Es gibt bei uns doch dies schöne Sprichwort: „Der Bach fließt in seinem Bett.“ Ja, dieser Bach fließt in seinem Bett. Niemand wird ihn nach rechts oder nach links umlenken. Wir sind kein Land, das Asien aufgibt und sich nach Europa richtet, oder das Europa aufgibt und sich nach Asien richtet. Wir sind kein Land, das den Süden aufgibt und sich nach Norden, oder das den Norden aufgibt und sich nach Süden richtet. Wir sind nun die Weltmacht Türkei. Das sollte jeder wissen. Die Türkei ist kein Land mehr, dessen Tagesordnung von außen bestimmt wird. Die Türkei ist ein Land, das in der Welt die Tagesordnung bestimmt. Sie ist ein Land, das einen Beitrag zur Tagesordnung leistet. Sie ist ein Land, das diese Position mit seiner Wirtschaft, mit seiner Außenpolitik, mit seiner Sozialstruktur, mit seinen modernen Organisationen errungen hat.

Die politischen Führer, die sich heute in Europa gegen die EU-Mitgliedschaft der Türkei stellen und der Türkei immer wieder Hindernisse in den Weg legen, kennen weder die Geschichte Europas noch kennen sie die Türkei, die, na klar, längst auch europäisch geworden ist. Immer wieder sagen sie: „Aber die Türkei ist nicht europäisch.“ In welchem Sinn ist das gemeint? Im geographischen Sinn? Im politischen Sinn? Im soziologischen Sinn? Im ökonomischen Sinn? Glaubt mir, sie wissen darauf keine Antwort und geraten ins Schlingern. Wenn dann die Anwort kommt: „Im geographischen Sinn“, sage ich: „Schlag den Atlas auf und guck nach.“ Wenn sie sagen: „Im geographischen Sinn“, sage ich: „Innerhalb der EU gibt es Länder, die mit Europa im geographischen Sinn überhaupt nichts zu tun haben. Nach welchen Kriterien habt ihr diese Länder aufgenommen?“ Es sind allesamt politische Kriterien. „Weshalb habt ihr Südzypern aufgenommen? Welche Errungenschaften habt ihr Südzypern angedichtet?“ Sie sagen, sie würden es bereuen. „Da haben wir einen großen Fehler gemacht“, sagen sie. „Es war ein großer Fehler, [Südzypern] aufzunehmen.“ Ihre Entscheidung war politisch.

Meine werten Geschwister, das alles werden wir überwinden, wir werden geduldig sein. Denn unser Weg ist lang. Ich sage es ja immer wieder, mit den Worten von Asik Veysel: „Wir sind auf einem langen, schmalen Weg, wir gehen Tag und Nacht.“ Wir werden unterwegs sein, Tag und Nacht. Es ist kein leichter Weg. Der Weg ist lang. Unsere Arbeit ist schwer, aber wir werden es schaffen. Zu einem echten Mann paßt es, Schwierigkeiten zu überwinden. Wir schaffen das! Wir schaffen das!

Die Leute, die behaupten, daß die Türkei für die EU eine Last sein würde, sind von dem, was sich am Horizont ankündigt, sind von der Vision, der Vorstellung dessen, was kommen wird, weit entfernt, sind des Ausblicks auf das Künftige beraubt. Die Türkei kann mit ihren 72-einhalb Millionen Einwohnern, mit ihrer jugendlichen, dynamischen Kraft, mit ihren gut ausgebildeten Menschen niemals eine Last für die EU sein. Ganz im Gegenteil: Sie gibt der EU eine Vision, sie gibt ihr Kraft. Und diejenigen, die die EU-Mitgliedschaft der Türkei und die in Europa lebenden türkischen Bürger zu Wahlkampfthemen machen wollen und eine Politik auf Kosten der Türken betreiben, sollten wissen: Die Türkei ist ein so großes Land, daß sie sich nicht in solch engen Grenzen pressen läßt.

Werte Geschwister, Rassismus ist ein Verbrechen gegen die Menschheit. Ich verurteile hier erneut in aller Schärfe die besonders in manchen europäischen Ländern eskalierenden rassistischen Anschläge auf unsere Mitbürger und Stammesgenossen. Sie wissen, unsere heutige Konferenz trägt den Namen „Gemeinschaften der im Ausland lebenden türkischen Stammesgenossen und Verwandten“; wir wollten damit etwaige Mißverständnisse [von Anfang an] beiseite räumen. Ich ermahne erneut die politischen Führer, die angesichts der ansteigenden rassistischen Tendenzen schweigen, und die Amtsträger, die mit ihren Äußerungen den Rassismus schüren, mit den Versen des seligen Mehmet Akif.

Mehmet Akif sagt:„Hat die fünftausend Jahre lange Geschichte nur eine halbe Lehre gegeben?Man beschreibt die Geschichte als eine Kette von Wiederholungen.Wenn man die Lehre aus der Geschichte zöge, würde sie sich dann jemals wiederholen?“

Und auch dies möchte ich besonders betonen: Antisemitismus ist ein Verbrechen gegen die Menschheit. Rassismus ist ein Verbrechen gegen die Menschheit. In gleicher Weise, meine werten Geschwister, ist Islamophobie ein Verbrechen gegen die Menschheit. Auf Grund marginaler Vorfälle alle Muslime unter Verdacht zu stellen, ist ein Fehler höchsten Ausmaßes. Menschen auf Grund ihrer Kleidung, ihrer Gebetshäuser, gar der Worte, die sie gebrauchen, mit Vorurteilen zu begegnen, auszugrenzen, zu diskriminieren, ist Ungerechtigkeit, ist Unrecht. Sich dieser Entwicklung nicht zur Wehr zu setzen, ist daher für uns ein Ding der Unmöglichkeit.

Während wir zusammen mit Spanien die größten Anstrengungen für den interzivilisatorischen Dialog auf uns nehmen, ist es in keiner Weise zu akzeptieren, wenn Künstler, Medienleute, Karikaturisten, Musiker, Wissenschaftler und sogar Politiker mit einer die islamische Brüderlichkeit zerstörenden, hetzerischen Einstellung in unverantwortlicher Weise ein die Islamfeindlichkeit schürendes Verhalten zur Schau stellen.

Gegen die Muslime gerichtete kränkende Haltungen, politische Aktionen, Aussagen und Sendungen können nicht mit dem Vorwand der Ausdrucksfreiheit entschuldigt werden. „Aber mein Herr, das ist doch nur eine Karikatur!“ Nichts da! Wenn Sie eine Karikatur machen wollen, dann karikieren sie bitte schön Ihre eigenen Werte. Herzugehen und die geachteten Werte anderer Glaubensgruppen zu karikieren, kann in einer freiheitlichen Welt niemand als Freiheit erachten. Die Freiheiten sind nicht grenzenlos. Der Bereich einer Freiheit reicht nur bis an den Bereich der Freiheit eines anderen. Der eigene Freiheitsbereich findet sein Ende, sobald man an den Freiheitsbereich des anderen gestoßen ist. Alles andere ist Aggression. Wirklich große Länder sind Länder, in denen besondere ethnische und kulturelle Gruppen sich nicht als „die Anderen“ fühlen. Immer wieder sagen wir: Wer zu seinem Glauben steht, fürchtet sich nicht vor der Glaubensfreiheit. Wer zu seinen Gedanken steht, fürchtet sich nicht vor der Gedankenfreiheit. Wir stehen zu unserem Glauben. Wir stehen zu unseren Gedanken. Und deshalb fürchten wir uns weder vor der Glaubens- noch vor der Gedankenfreiheit.

Unterschiedliche Gruppen haben ein Recht auf gleichen Respekt. Die Innenpolitik darf sich nicht auf eine diskriminierende Auslegung der Grundrechte stützen. Die Grundrechte – bei uns gelten sie, in den Ländern, in denen ihr lebt, gelten sie vielleicht auch – hin und wieder werden sie aber zum Gegenstand von Volksabstimmungen gemacht. Ja, kann man denn über Grundrechte in Volksabstimmungen abstimmen lassen? Aber eben das passiert hin und wieder in Bezug auf Muslime. Dann heißt es etwa: „Laßt uns mal über diese oder jene Art des Betens eine Volksabstimmung abhalten“. Also bitte, wie kommen Sie dazu, darüber eine Volksabstimmung abhalten zu wollen? Das ist ein Grundrecht! Denn jeder Mensch hat seinen Glauben von Geburt an, wird als Angehöriger einer bestimmten Religion geboren. Ebenso hat jeder Mensch eine besondere Sprache und eine besondere Nationalität von Geburt an, wird als Angehöriger einer besonderen Sprachgemeinschaft, einer besonderen Nation geboren. Sie können nicht hergehen und ihm nach seiner Geburt etwas anders aufzwingen. Es ist sein Grundrecht, seine Freiheit. Das was man [im Laufe des Lebens] erworben hat, ist eine andere Sache. Wir dürfen nicht das, was der Mensch [während seines Lebens] erworben hat, mit den Rechten verwechseln, die er von Geburt an hat. Diese Rechte müssen wir respektieren.

Wer sich zum Beispiel gegen die Doppelstaatsbürgerschaft stellt, stellt sich gegen die Grundrechte und Grundfreiheiten. In Europa gibt es Länder, die im Bereich der Grundrechte und Grundfreiheiten Verbote errichten. Zugleich gibt es dort aber auch Länder, die eine Doppelstaatsbürgerschaft akzeptieren.

Ein Mitbürger, Allah möge ihn behüten, sagt: „Ich werde kein Doppelbürger werden.“ Zum Beispiel in Frankreich. – „Warum?“ – „Weil das nicht geht!“ – „Warum geht das nicht? – Er antwortet: „Weil ich keinen Paß von denen da mit mir herumtragen will, darum!“ Dieser Mann stellt sich geradezu an, als ginge es darum, seine Religion zu wechseln. „Meinst du, du würdest sonst dein Türkentum verlieren?“ – “Das nicht, ich nehme aber trotzdem ihren Paß nicht an.“ In dieser Angelegenheit fällt unseren zivilgesellschaftlichen Organisationen eine große Aufgabe zu. Wenn du den Zweitpaß annimmst, bist du in der Lage, dort im politischen Leben aktiv zu werden! In dieser Angelegenheit könnt ihr ganz ruhig bleiben. Der Doppelpaß bringt dich keineswegs von deiner eigentlichen Identität ab. Sei ohne Sorge!

Werte Geschwister, in der gesamten islamischen Landschaft ragen Minarette in ästhetisch schöner Form in den Himmel, zugleich erklingt der Aufruf zum Frieden, die Botschaft der Freundschaft und der Brüderlichkeit. Unsere in den Himmel ragenden Minarette unterdrücken weder den Klang der Glocken noch die Stimme des Chasan, sie diskriminieren sie nicht, sie grenzen sie nicht aus. In Istanbul, in Mardin, in Antakya, in allen 81 Regierungsbezirken der Türkei, in der gesamten islamischen Landschaft haben Kirchen, Synagogen und Moscheen die meiste Zeit einträchtig Seite an Seite existiert. Dieselbe tolerante Atmosphäre, dieselbe Mentalität, dieselbe respektvolle Einstellung auch in anderen Landschaften zu sehen, das ist unser größter Wunsch.

Wir sind Angehörige einer Zivilisation, die zum Ausdruck bringt, daß der Mord an einem einzigen Menschen der Ermordung der gesamten Menschheit gleichkommt. Wenn immer einem Menschen, ganz gleich wer er ist, ganz gleich welche Hautfarbe, Sprache, Rasse, Religion er hat, Unrecht geschieht, wenn immer seine Rechte verletzt werden, stehen wir ihm bei, verteidigen wir seine Rechte. Für Menschen, die, wo auch immer auf der Erde, ermordet werden, Ungerechtigkeit erleben, diskriminiert werden, herumgestoßen werden, erheben wir als Türkei unsere Stimme und lassen sie nicht verstummen. Unser Mitgefühl entspringt aus der Tatsache, daß jeder einzelne der Unglücklichen ein Mensch ist. Wenn ein Mensch ermordet wurde, schauen wir nicht auf seine Religion.

Haiti hat ein Erdbeben erlebt. Glaubt mir, in dem Moment, als ich die Weisung zu Hilfsleistungen gab, fragte ich nicht, ob die Einwohner von Haiti Muslime oder Christen sind, ich habe unverzüglich dem Staatssekretär Weisung gegeben und Hilfe entsenden lassen. Warum? Weil wir die Geschöpfe um des Schöpfers willen lieben. So ist unsere Einstellung. Ebenso, wie uns die Schreie der Kinder in Haiti in unseren Herzen schmerzen, so schmerzen uns auch, meine lieben Geschwister, die Hilfeschreie der Kinder im Gazastreifen im Herzen. Ebenso wie uns die Ermordung unschuldiger Zivilisten in Georgien im Herzen schmerzt, so schmerzt uns auch die Lage unserer Geschwister in Bergkarabach, in Afghanistan und im Irak in unserem Gewissen.

Erst gestern hat sich das Massaker von Xodschali wieder gejährt. Wir wollen solche Massaker nicht erleben. Aber wir wollen die Qualen, die die Menschen dort erlitten haben, mit ihnen teilen; wir wollen aber auch, daß die Schuldigen vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zur Verantwortung gezogen werden. Wir wollen, daß sie vor dem Internationalen Gerichtshof zur Verantwortung gezogen werden.

[(Soweit die ersten 30 Minuten der originale Rede in zusammenhängendem Wortlaut. Die restlichen zehn Minuten sind nun in Form einer Zusammenfassung wiedergegeben):

Danach spricht sich Erdogan gegen die nukleare Bewaffnung jeglicher Nation aus. Den einen Nationen eine nukleare Bewaffnung zuzubilligen, sie aber anderen Nationen zu verwehren, sei ungerecht. Die Türkei aber stehe für Gerechtigkeit, menschliche und globale Werte. Als nächstes erwähnt er, daß er während seiner Amtszeit die Aufhebung der Visumpflicht für türkische Staatsbürger in 23 Ländern bewirkt habe. Dann spricht er über die Pflege des türkischen und muslimischen Kulturerbes, welche ihm besonders am Herzen liege. Er erwähnt als erstes die Orhun-Inschriften, das älteste Schriftdenkmal eines türkischen Volkes, das sich in der Mongolei befindet. Die Türkei habe am Standort dieser Inschrift ein Museum errichtet. Darauf zählt er mehrere islamische historische Bauwerke auf, deren Restaurierung die Türkei betrieben haben: Moscheen, Mausoleen und Medressen im Kosovo, auf der Halbinsel Krim und in Jerusalem. Allein in der Türkei seien zwischen 2002 und 2008 insgesamt 3363 historische Werke restauriert worden. Im Anschluß daran betont er, daß die Auslandstürken, eine bedeutende Rolle als Botschafter der türkischen Kultur zukomme. Er sagt:]

„Keiner unserer Landsleute, keiner unserer Geschwister fühlt sich alleine, wird sich jemals alleine fühlen, ganz gleich, wo in der Welt er sich auch befindet. In den Ländern, in denen ihr lebt seid ihr gute Bürger, zugleich aber seid ihr dort gleichsam Botschafter der türkischen Kultur und der Republik Türkei, daran müßt ihr immer denken. Die Verantwortung, die ein Botschafter trägt, ist eben dieselbe Verantwortung, die auch ihr tragt. Heute kommt der Solidarität eine viel höhere Bedeutung zu als jemals zuvor. Nicht nur als Bürger unserer Republik, sondern in voller Solidarität mit allen Stammesgenossen zu leben, das ist im Namen eures Landes und im Namen der Länder, in denen ihr lebt, von aller größter Bedeutung.“

[Am Ende seiner Rede kommt Erdogan auf den Gesetzentwurf zu sprechen, den seine Partei dem türkischen Parlament vorgelegt hat, und die die Gründung eines speziellen Ministeriums für Auslandtürken zum Inhalt hat. (Das Gesetz wurde dann einen Monat später vom Parlament verabschiedet, das entsprechende Ministerium ins Leben gerufen). Er sagt:]

Der Gesetzesentwurf, den wir nun dem Parlament vorgelegt haben, hat eine sehr große Bedeutung. So Gott will wird mit Hilfe dieses Gesetzes diese Koordination in der ganzen Welt mit einer ganz besonderen Begeisterung, mit einer ganz besonderen Umsetzungsenergie vorangetrieben. Unser Ziel ist nicht, eine neue bürokratische Einheit zu errichten. […] Wir haben hier den Dienst vor Augen, dem gemäß wir die geeigneten Strukturen ins Leben rufen werden. […] Wir suchen nach Wegen, euch einen noch viel rascheren und qualitätsvolleren Dienst zu erweisen, und das werden wir, so Gott will, auch erreichen. Meine lieben Geschwister, die Türkei wird immer bei euch sein. Darüber müßt ihr euch keine Sorgen machen. Bisher hat die Türkei euch niemals ihre Unterstützung versagt. Und sie wird euch auch weiterhin nicht ihre Unterstützung versagen. Wir werden denen, die unsere Einheit, unsere Ganzheitlichkeit, unsere Brüderlichkeit sabotieren wollen, keine Chance lassen. Wie schon Hadschi Bektasch Veli sagte: „Wir werden eins sein, wir werden gewaltig sein, wir werden vital sein.“
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Das Titelbild stammt von Dagmar Herrmann

Unsere Counterjihad-Kanzlerin

8. September 2010

Heute ist es mir eine besondere Freude, unsere Kanzlerin Dr. Angela Merkel mal wieder beim Counterjihad begrüßen zu dürfen. Das Wort hat Nils Minkmar; aus der aktuellen FAZ:

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Angela Merkels Risiko

Ein Tag für die Geschichtsbücher: Mit ihrer Ehrung des dänischen Mohammed-Karikaturisten macht die Kanzlerin deutlich, dass Europa ein Ort der Meinungsfreiheit ist. Mit dem Foto, welches sie neben Kurt Westergaard zeigen wird, geht Merkel aber auch ein großes Risiko ein.

Wenn Angela Merkel heute Abend im Schloss Sanssouci den m100-Medienpreis an den dänischen Karikaturisten Kurt Westergaard überreicht, wird das Bild davon um die Welt gehen. Die Folgen eines solchen Fotos sind unabsehbar: Noch immer haben Islamisten ein Kopfgeld auf den fünfundsiebzigjährigen dänischen Karikaturisten ausgesetzt, noch immer reicht die Erwähnung seines Namens und seines Werks, insbesondere des Propheten mit der Bombe im Turban, um fast in jedem islamisch geprägten Land wütende Massen auf die Straße zu treiben.

Die Entscheidung der Bundeskanzlerin, Westergaard zu ehren und an seiner Seite fotografiert zu werden, reicht in ihrer symbolischen Bedeutung weit über den Tag hinaus. Es ist ein Tag für die Geschichtsbücher. Angela Merkel setzt heute einen der Akzente ihrer Kanzlerschaft und tut es in einer Zeit, in der sich die Zeichen starker kultureller Spannungen selbst im Alltag aufdrängen.

Am späten Sonntagnachmittag fiel mir ein Kleinbus auf, der durch die Frankfurter Innenstadt schaukelte. Drin saßen ein halbes Dutzend Islamisten, die wirklich alles taten, damit man sie auch ja als solche erkennt: weißes Gewand, weiße Kappe, Bart, so gut er wächst, und auf der Stirn diese dunkle Stelle, die entsteht, wenn die Haut sich sehr oft am Gebetsteppich reibt. Ich fuhr in der Spur zu ihrer Linken und sah, dass sie sich köstlich amüsierten. Sie lachten und schauten nach rechts, zu einem anderen Fahrzeug, und gestikulierten und grimassierten dorthin. Der Kleinbus wippte vor ihrem Vergnügen. Später konnte ich erkennen, wem ihr Hohn und Spott gegolten hatte: Neben ihnen war ein Taxi, in dem zwei junge Männer mit Glatzen saßen. Nun bemerkten mich auch die Islamisten und schauten zu mir. Es waren junge Männer, fast schien es ihnen peinlich, dass ich sie bei ihrem ausgelassenen Treiben beobachtet hatte.

Unweigerlich schien mir die kleine spätsommerliche Szene wie ein Symbol künftiger Sorgen: Liefern sich hier bald wildgewordene, vollbehaarte Islamisten Straßenkämpfe mit Glatzköpfen? Es kann alles ganz anders gewesen sein, aber diese Deutung bot sich an, denn in diesen Tagen ist der interkulturelle Kessel besonders unter Druck. In allen europäischen Ländern erstarkt der rechte Rand. Sorgen vor Überfremdung mischen sich mit der Erkenntnis, als Staat, ja als Kontinent in mehrfacher Hinsicht abgehängt zu werden. In zahlreichen Internetforen wird dem Hass auf Araber, Türken und Muslime freier Lauf gelassen. In den Vereinigten Staaten soll dem Präsidenten geschadet werden, indem man das Gerücht verbreitet, er sei Muslim – eine Religionsbezeichnung wird zum Schimpfwort. Und eine Gruppe radikaler Christen rief zur Verbrennung des Koran auf.

Auch die andere Seite dreht auf: Iran entwickelt seelenruhig sein Nuklearprogramm und beantwortet die weltweiten Proteste gegen eine zur Steinigung verurteilte Frau dadurch, dass diese zu zusätzlichen Peitschenhieben verurteilt wird. Vor den Augen der Welt wurde die bürgerliche gewaltfreie Opposition mit den in dortigen Gefängnissen üblichen, grauenvollen Methoden unterdrückt. Obendrein unterstützt das Land Terrorbewegungen in der ganzen Welt, vermutlich auch die Operationen gegen die Nato-Truppen in Afghanistan. In Rom konnte Muammar al Gaddafi eine seltsame Missionierungsschau vor jungen Frauen veranstalten. Und immer noch stehen Personen, die sich kritisch oder satirisch mit dem Islam auseinandergesetzt haben, auf Todeslisten.

Darum ist der heutige Tag ein historisches Datum. Die Bundeskanzlerin gibt mit ihrer Rede auf die Pressefreiheit, verkörpert durch Kurt Westergaard, ihre habituelle Zurückhaltung auf und setzt, zum ersten Mal in ihrer Amtszeit, ein starkes kulturelles Zeichen, ohne Rücksicht auf die zu erwartenden, heftigen internationalen Reaktionen. Denn es ist leider nicht so, dass Ehrungen für jene, die auf den Todeslisten der Islamisten stehen, zur europäischen Tagesordnung gehören. Während sich Politiker in großen Reden gerne auf das verpflichten, was die Verfassungen ohnehin schon vorschreiben, tun sie sich mit dem direkten Kontakt, mit der praktischen Hilfe für die Verfemten schwer. Salman Rushdie wurde, wenn überhaupt, nur über Hintereingänge oder Tiefgaragen empfangen und garantiert ohne Fototermin. Wer Beistandserklärungen niederländischer Politiker für Ayaan Hirsi Ali einholen wollte, konnte vor allem die Variationen dortiger Warteschleifenmusik studieren, bevor er die Absage notieren durfte. Beide fanden ein freies Leben und volle Anerkennung erst in den Vereinigten Staaten.

Kurt Westergaards Gesamtsituation wurde deutlich, als im letzten Winter ein axtschwingender Islamist bis in sein Wohnzimmer vorgedrungen war. Sicher, die Polizei schützt all diese Personen mit dem Geld der westlichen Steuerzahler, schließlich ist das ja auch gesetzlich vorgeschrieben. Aber noch wertvoller als die Verteidigung immaterieller Güter schienen lange die Exportchancen. Da galt jahrzehntelang die Doktrin von Jürgen W. Möllemann, der in der Frage, ob Deutschland an ein autoritäres, offen antisemitisches und islamistisches Regime wie Saudi-Arabien seine Panzer verkaufen dürfe, erklärte, man brauche doch „Leo“ bloß umzudrehen, schon wisse man, warum man verkaufen müsse.

Angela Merkel geht mit dieser Preisverleihung, mit dem Foto, welches sie neben Westergaard zeigen wird, ein großes Risiko ein. Es ist vermutlich der brisanteste Termin ihrer bisherigen Kanzlerschaft. Er ist schließlich kein Ausnahmekünstler wie Rushdie und keine Erscheinung wie Hirsi Ali. Er ist bloß ein Zeichner, wie es sie in Europa zu Dutzenden gibt, deren Assoziationen und Gedanken mit geübter Hand täglich den Weg in regionale und nationale Zeitungen finden. Sein Prophet mit der Bombe im Turban ist nicht das Kunstwerk des Jahrhunderts und sicher keine Inspiration für feinsinnigen Dialog.

Er hat aber, auf diesem Blatt, die Dimension unserer Grundwerte abgesteckt und unsere Identität auf eine Kurzform gebracht: Europa ist ein Ort, in dem ein Zeichner so etwas zeichnen darf. Und wenn sein Leben deswegen bedroht wird, richtet sich diese Drohung gegen uns alle.

Angela Merkels Solidarität mit Westergaard, die einen hohen außenpolitischen Preis fordern könnte, inspiriert die Freiheitsbewegung in Iran und verleiht auch den internationalen Einsätzen der Bundeswehr eine symbolische Legitimation. So kurz nach ihrem Einspruch gegen das pauschale Urteil von Thilo Sarrazin über die in Deutschland lebenden Muslime kommt dieser symbolischen Handlung eine besondere dialektische Geltung zu: Hier halten wir uns von biologistischen Abqualifizierungen fern, dort feiern wir das so hart erworbene Recht auf freie und freche Meinungsäußerung.

So steckt die Kanzlerin die breite republikanische und bürgerliche Fahrspur ab, die sich selbstbewusst zwischen Bartträgern und den Hitzköpfen der anderen Seite eröffnet. So gefällt uns Richtlinienkompetenz.

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Obwohl ich Herrn Minkmars Artikel überwiegend zustimme, ist sein typischer Reflex doch auffällig. Woher will er wissen, dass die „Glatzköpfe“ Rechtsradikale und nicht Schwule waren, was den Spott der Läusematratzenträger viel besser erklären würde (Übrigens scheren sich die Vollorks auch die Köpfe, einerseits als Schutz vor Läusen, die sie nur in ihren Bärten dulden, andererseits ist die Kopfrasur generell eine Maßnahme zur Entindividualisierung)? Und glaubt er tatsächlich, die extreme Rechte, die Nazis, wären der natürliche Gegner der Mohammedanisten? Nach meinen Untersuchungen sind sie doch vielmehr die gesellschaftliche Gruppe bei uns, die noch am meisten Deckungsgleichheit mit den Orks aufweist, gefolgt von den kleingeistigen, egoistischen und gierigen Selbstdarstellern, die derzeit die Sozialdemokratische Partei ruinieren.

Mit der Formulierung „AUCH die andere Seite dreht auf“ in Zusammenhang mit Steinigungen, dem naziranischen Atomraketenprogramm usw. kann ich nichts anfangen, es ist doch vielmehr so, dass dies kein „Aufdrehen“ sondern eine grausame und imperialistische Disposition ist, die dem Mohammedanismus von jeher innewohnt und die keineswegs als Reaktion auf uns dargestellt werden sollte.

Mit „Hitzköpfen“ sind auch Pastor Terry Jones und seine tapfere Gemeinde „radikaler Christen“ gemeint, über die ich gestern berichtete (1), und die am 11. September eine öffentliche Kloranverbrennung veranstalten wollen. Kommentator L. schrieb dazu folgendes:

„Koran verbrennen? Wäre es nicht besser man würde Zwangsvorlesungen mit Zuhörpflicht und Prüfungen zum Inhalt organisieren (ggfls im Fernsehen)? Sie und ich wissen was für ein unglaublicher und repetitiver Mist da drin steht. Noch nicht mal alle Muslime wissen das und vor allem die Muslimophilen nicht. Das Problem mit „Mein Kampf“ war doch, daß es niemand gelesen hat. Und als es später Pflicht wurde, war es zu spät. Dies müßte diesmal umgedreht werden. Eigentlich muß der Koran Pflichtlektüre in den Schulen werden.“

Ich gebe Ihnen natürlich völlig Recht, lieber L., aber wir leben in einem atemberaubend großen Universum und sind nie auf nur einen einzigen Weg festgelegt. Ich bin durchaus für den Kloran als Pflichtlektüre, plädiere aber für ein Verbot aller wissenschaftlich unkommentierten Ausgaben.

Die öffentliche Verbrennung eines Klorans sehe ich davon unabhängig als eine geschickte und notwendige, politisch-künstlerische, symbolische Aktion, im Kern ähnlich den Mohammed-Karikaturen. Sie macht den magisch-animistischen sowie den totalitär-politischen Charakter der Mohammedanisten, die eine reale physische und mentale Kraft in dem Papierbündel behaupten, deutlich.

Dies zeigen die Proteste der Orks, von denen sich am Montag laut heutiger FAZ mehrere hundert in einer Moschee zusammenrotteten, um schon mal vorsorglich amerikanische Flaggen und eine Puppe des mutigen Pastoren zu verbrennen – offenbar gibt es in diesem widerwärtigen Land immer noch viel zu viele trockene Plätze. Die Voodoo-Puppen-Verbrennung eines amerikanischen Bürgers war aber niemandem ein tadelndes Wort wert.

Ansageautomat Clinton nannte vielmehr das Vorhaben mit dem faschistischen Buch einen „respektlosen, schändlichen Akt“, und General Petraeus legte die Stirn in Sorgenfalten (2): „Der Kommandeur der amerikanischen Truppen in Afghanistan, General David Petraeus, hat eindringlich vor der geplanten öffentlichen Koran-Verbrennung in den Vereinigten Staaten zum 11. September gewarnt. Diese Aktion einer evangelischen Kirchengemeinde zum Jahrestag der Terroranschläge der Al Qaida könnte amerikanischen Soldaten im Ausland ‚erhebliche Probleme‘ bereiten, sagte Petraeus nach Angaben des Senders CNN vom Dienstag. ‚Dies könnte unsere Soldaten in Gefahr bringen und es könnte auch die allgemeinen Bemühungen in Afghanistan bedrohen‘, heißt es in der Erklärung des Generals weiter.“ KÖNNTE? PROBLEME? GEFAHR? Als ob die Probleme und die Gefahr nicht längst und von Anfang an da gewesen wären. Ein Antrag auf Genehmigung des Happenings ist von den Behörden übrigens bereits abgelehnt worden.

Dennoch, der Weg ist richtig, und wir werden auf ihm fortschreiten, bis der Mohammedanismus weg ist. Ork und FAZ-Leserbriefschreiber Fawaz El-Jezawi, der einmal mehr die Orks in Deutschland mit unseren jüdischen Bürgern in der Nazizeit gleichsetzt, und von denen er in typisch orkischer Holocaust-Leugnermanier behauptet, sie seien „verbannt“ worden, hat dies klar erkannt:

„Es ist unbestritten, dass die Verbannung der Juden aus Deutschland unter dem Nationalsozialismus die Zustimmung der Mehrheit der Deutschen fand. Heute, wenn die Mehrheit der Deutschen Thilo Sarrazin zustimmt, begeht sie aus falschem nationalem Stolz, Eitelkeit, aber auch aus Islamhass denselben Fehler. Lassen wir es nicht so weit kommen; das Geld soll nicht mehr in frustrierende, zum Scheitern verurteilte Integrationsprogramme fließen, sondern in ein Förderprogramm, das muslimischen Migranten die schnelle Rückkehr in ihre Heimatländer ermöglicht. Ich bin selbst Muslim, Akademiker und brauche solche Förderung nicht, ich sitze trotzdem auf gepacktem Koffer.“

Nur Mut Herr El-Jezawi, ich hoffe, dass Sie recht bald die Fliege machen. Für einen Menschen, dem die Propagierung seines perversen Aberglaubes wichtiger ist als die Möglichkeit, in einem aufgeklärten, demokratischen und wohlhabenden Staat zu leben, sind Teheran, Damaskus oder Mogadischu zweifellos attraktivere Wohnorte als mein Heimatland Deutschland, welches Sie als faschistisches schmähen. Für Sie ist unter uns kein Platz. Auch dies macht die entschlossene Tat unserer Kanzlerin letztlich deutlich.

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Time am 8. September 2010

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1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/09/07/mehr-thilos-mehr-terrys

2) http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437BAA85A49C26FB23A0/Doc~E7D4CCBE94CD64B0D9324E6DE673FDBD4~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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Ergänzung 23:48 Uhr, hatte vorhin Gelegenheit, den aktuellen „Spiegel“ (#36) zu lesen. Hier eine Notiz über Terry Jones:

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Bewaffnete Gemeinde

Eine kleine evangelikale Kirchengemeinde in Florida (Und schon denken Sie an ein kleines gallisches Dorf, oder? T.) will, so kündigt sie im Internet an, den Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September 2001 mit der öffentlichen Verbrennung von Koranen begehen. Die Aktion am kommenden Samstag erinnert auf fatale Weise an die Bücherverbrennung der Nazis 1933. Ihr Ziel sei es, so Pastor Terry („Asterix“, T.) Jones, 58, zu verhindern, „dass sich der Islam und die Scharia in die amerikanische Gesellschaft fressen, wie es in Europa schon geschehen ist“.

Wenn die „Muslime in den USA leben wollen“, so Jones, „müssen sie sich unserer Verfassung unterwerfen“. Die Gemeinde, die mit 400 Unterstützern rechnet, stellt sich auf gewalttätige Reaktionen ein. Die meisten der rund 5o Gemeindemitglieder „werden bewaffnet sein“, kündigte Jones an, er selbst trage ständig „eine Pistole“ bei sich. Zu der Verbrennung, bei der „Hunderte Korane“ in einen Scheiterhaufen geworfen werden sollen, haben sich, laut Jones, auch Vertreter des FBI angekündigt, „um uns zu schützen“. Die Feuerwehr hat die Aktion verboten, die Nationale Vereinigung Evangelikaler Kirchen drängte Jones zu einer Absage. Doch der Pastor bleibt stur. In den USA war es in letzter Zeit vermehrt zu Protesten gegen den Islam gekommen. Besonders heftig formierte sich Widerstand gegen die Pläne, in der Nähe von Ground Zero in New York ein islamisches Zentrum zu errichten.

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Terry Jones hat übrigens bis vor zwei Jahren lange in Köln gelebt und dort eine ca. 1.000 Köpfe starke Gemeinde aufgebaut (die sich heute allerdings von ihm distanziert). Er kennt jedenfalls die Zustände bei uns.

Weiter so, Terry, stiff upper lip!

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auch: https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/03/11/bewaffnete-burger/

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Mit Spannung wurde das Westergaard-Merkel-Foto erwartet. Es wirkt ein wenig geziert, meine ich, aber einem Staatsakt angemessen. Einem privaten Blog angemessen ist vielleicht meine fortschreitende Laubsägearbeit an einem im Internet gefundenen Cartoon, den ich Ihnen jetzt in einer neuen Variante zeigen möchte (weil der perverse Killer Klo H. Metzel bzw. der counterjihadische Bezug auf dem offiziellen Foto unsichtbar blieb):


Binden sie UNS?

1. August 2010

Ich habe in der Vergangenheit häufiger die Auffassung vertreten, wir sollten den Krieg in Afghanistan auf niedrigerem Niveau für unbegrenzte Zeit fortführen, um die Jihadisten dort zu binden. Es ist allerdings zu überlegen, ob eben dies nicht auch die Strategie der Mohammedanisten uns gegenüber sein könnte, die den Konflikt z.B. vielleicht fortführen, um von der „schleichenden Islamisierung“ (Giordano) des Westens abzulenken.

Übrigens, wann immer von Kollateralschäden unter der afghanischen „Zivil“-Bevölkerung die Rede ist, sollte man an die vielen Drogentoten (und Toten im Zusammenhang mit der organisierten Kriminalität in diesem Zusammenhang) im Westen erinnern. 2002 waren das in der EU z.B. ca. 9.000 und in den USA 17.000 (1). Ist es da nicht berechtigt, von einem Drogenkrieg gegen den Westen zu sprechen?

In der heutigen FAZ bespricht Nils Minkmar das Buch „Sturz ins Chaos. Afghanistan, Pakistan und die Rückkehr der Taliban“ von Ahmed Rashid (aus dem Englischen von Alexandra Steffes und Henning Hoff, Edition Weltkiosk, 340 Seiten, 19,90 Euro).

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Der afghanische Aufklärer

Ahmed Rashid schreibt die besten Bücher über Afghanistan.
Sein neues, alarmierendes Werk hatte schon politische Folgen.

Neun Jahre dauert der Krieg in Afghanistan, und er wird immer schlimmer. Dieser Juli war für die amerikanischen Kräfte der verlustreichste Monat seit Kriegsbeginn. Auch die deutschen Opfer werden immer größer, und ein Ende des Einsatzes scheint in weiter Ferne zu liegen.

Dennoch fällt es vielen schwer, die wesentlichen historischen und politischen Linien des Konflikts zu begreifen und sich eine Meinung zu bilden. Die Veröffentlichung der berühmten 90 000 Seiten vertraulicher militärischer Unterlagen auf der Internetseite Wikileaks zu Beginn der vergangenen Woche hat das Gefühl der Überforderung nur erhöht: Wer hat schon die Zeit und die Kenntnisse, das alles zu lesen und zu bewerten?

Der Vietnamkrieg hat Scharen von Studenten und angehenden Journalisten zu Südostasien- und Drittweltbegeisterten gemacht; im Afghanistankrieg bleibt solches Engagement aus. Weder steht eine mächtige Friedensbewegung auf den Straßen, noch ist die Emanzipation des afghanischen Volkes von der Terrorherrschaft der Taliban zur cause célèbre geworden. Fast scheint es, als würde die Privatisierung des Krieges, die das Kämpfen Söldnern und Profis überlässt, von den Bürgern intellektuell nachvollzogen, indem die Meinungsbildung einer kleinen Schar von Politikern und selbsternannten Experten überlassen wird. Gerade die deutsche Politik hat das auch jahrelang ganz gut gefunden, überzeugt davon, dass die pazifistischen Reflexe der eigenen Bevölkerung den komplizierten Realitäten der diplomatischen Verpflichtungen und realpolitischen Notwendigkeiten nicht standhalten würden. Um Afghanistan zu verstehen, das war der Eindruck, wenn man die öffentliche Debatte verfolgte, muss man entweder uralt sein, Paschtune oder vor Kandahar unter Feuer gelegen haben, am besten alles drei. So sitzt man dann auch nach einem Kriegsjahrzehnt ratlos vor den Fernsehnachrichten und misstraut den eigenen Aufwallungen. Doch den Luxus der ewigen Delegation unangenehmer Entscheidungen gibt es in einer parlamentarischen Demokratie nicht, und darum ist es höchste Zeit, die Gemütlichkeit hinter fernen Kriegsnebeln aufzugeben und sich aufzuklären, und das beste Mittel dazu ist immer noch ein gutes Buch. Es gibt kein besseres als Ahmed Rashids „Sturz ins Chaos.“

Die Pfiffigkeit und digitale Akrobatik der Wikileaks-Leute mag man ja bewundern, aber eigentlich bieten sie nur die Belege für die in Ahmed Rashids Büchern dargestellten Erkenntnisse. Ahmed Rashid schreibt und argumentiert wie ein aufgeklärter Historiker. Er verbindet seine persönliche Erfahrung aus jahrzehntelanger journalistischer Arbeit mit der Fähigkeit zur distanzierten und abwägenden Darstellung. Nach der Lektüre versteht man, dass die Verworrenheit und Undurchsichtigkeit der Verhältnisse in Afghanistan und Pakistan nicht etwa unserer geographischen und geistigen Entfernung vom Schauplatz geschuldet ist, sondern das Resultat einer politischen Strategie. Je schwerer sich der Westen damit tut durchzublicken, desto eher braucht er Partner am Ort – und wer bietet sich da charmanter an als der pakistanische Geheimdienst ISI? Der versteht von den Taliban sehr viel, nicht zuletzt, weil er sie erfunden, unterstützt und wiederbelebt hat. Zwischen pakistanischem Geheimdienst und den Taliban bestehen, so die Hauptthese von Rashids Buch, nicht nur starke persönliche und religiöse Bande, beide Gruppen sind auch durch handfeste materielle Interessen verbunden: Erst der Kampf gegen die Taliban beendete die Isolation Pakistans und ließ unvorstellbare Summen aus Amerika ins Land fließen. Pakistan hat ebenso wenig wie die Taliban ein Interesse an einer starken, säkularen afghanischen Zentralregierung. Schließlich teilen sich pakistanische und afghanische Taliban die Erlöse aus den Drogengeldern.

Die Taliban sind, das gilt es immer wieder zu betonen, keineswegs uralte, wilde Bergkrieger, die etwa schon gegen Alexander, Briten und Sowjets gekämpft hätten; sie sind ein ganz junges Phänomen. Sie entstanden, das ist in Rashids vorigem, nun auch als Taschenbuch wieder aufgelegtem Klassiker „Taliban“ nachzulesen, in den überfüllten Camps afghanischer Flüchtlinge in Pakistan und wurden für die Interessen der pakistanischen Dienste instrumentalisiert, um die siegreiche afghanische Widerstandsbewegung gegen die Sowjets zu spalten und die Bildung eines starken afghanischen Zentralstaats zu verhindern.

Nach der Lektüre von Rashids neuem Buch kann man viele intellektuelle Platzhalter, etwa die Phrase vom gemeinsamen Kampf gegen den Terror, nicht nur nicht mehr hören, man kann sie vor allem nicht mehr glauben: Terror in diesen Dimensionen gibt es ohne die Unterstützung durch Staaten nicht. So wie die jüngsten Forschungen zum Linksterrorismus der siebziger und achtziger Jahre die entscheidende Rolle östlicher Geheimdienste für Logistik, Finanzierung und Rekrutierung von Terroristen betonen, so macht auch Rashid klar, dass die Taliban ohne den pakistanischen Geheimdienst ISI nie diese seit 2006 zu beobachtende Renaissance erfahren hätten.

Wenn wir also die Sicherheit Deutschlands am Hindukusch verteidigen, tun wir das mit einem Partner, der ein starkes Interesse daran hat, unser Gefühl der Unsicherheit fortbestehen und zur Panik anschwellen zu lassen. Denn so bleibt der pakistanische Geheimdienst immer gefragt, wie ein Club pyromanischer Feuerwehrleute.

Wer Rashids Buch gelesen hat, versteht auch, dass es sich Oskar Lafontaine und der ihm ergebene politische Verein zu leicht machen, wenn sie in der Afghanistan-Frage mit dem Pathos früher Pazifisten verkünden, Krieg als Mittel der Politik abzulehnen, und eine einseitige Beendigung fordern, die, daran lässt Rashid keinen Zweifel, binnen kurzem die Wiedererrichtung der Talibanherrschaft in Kabul bedeuten würde. Die spricht allen linken Idealen Hohn. Damit trüge der Westen nicht allein eine Mitschuld am zu erwartenden Bürgerkrieg und Rachefeldzügen in der Dimension des Terrors der Roten Khmer, er würde bald auch selbst zum Ziel neuer und verbesserter Attentatstaktiken. Denn im Kleinen, Rashid erinnert daran, hat man solche lokalen Befriedungsaktionen und „Deals“ mit sogenannten gemäßigten Taliban bereits ausprobiert. Es gab mehrere Versuche pakistanischer Politiker, Talibanchefs gegen ihr Versprechen auf Waffenruhe einige Täler oder Provinzen zur autonomen Verwaltung zu überlassen. Sie alle führten dazu, dass die dort ansässige Bevölkerung floh und im Gegenzug Terrorlager entstanden. Fast alle in Europa geplanten oder durchgeführten Terroranschläge seit 2005 wurden in solchen mit pakistanischer Duldung bestehenden Talibanprovinzen vorbereitet.

Rashid ist insofern ein Aufklärer, als er die derzeitige Lage zwar angemessen düster schildert, aber auch zeigt, welche falschen Entscheidungen erst dazu geführt haben. Der Erfolg der Taliban ist kein Naturgesetz. Sie profitierten von den Fehlern des Westens. Der schwerste war wohl, die Geldströme aus dem Opiumanbau übersehen zu haben. Unter den Augen der Welt wurde Afghanistan zum Heroinproduzenten Nummer eins, der zuletzt 93 Prozent des weltweit erzeugten Stoffs lieferte. Es waren diese immensen Gewinne, die die Taliban nutzen konnten, um Waffen zu kaufen, Rekruten zu bezahlen und Selbstmordattentäter anzuwerben, deren Familien die Entschädigungen gut gebrauchen konnten. (Die Drogengelder sind nicht wesentlich. Die Taliban sind ein Teil des globalen Jihad, der alle Orks eint. Ohne Drogengelder würden sie eben im Ölgeld schwimmen, die Scheichs wissen doch gar nicht, wohin damit. T.)

Auch gegen Deutschland erhebt Rashid Vorwürfe. Jahrelang hätte sich die Bundeswehr vor Ort nur selbst beschützt und sich so verhalten müssen, als könnte der Krieg ohne Kampf gewonnen werden. Die Ausrüstung der Nato-Staaten sei so mangelhaft gewesen, dass sie in kritischen Fällen auf die amerikanischen Bomben zurückgreifen mussten, was unnötig Menschenleben gefordert hätte. Schließlich sei Deutschland bei der wichtigen Aufgabe der Ausbildung der afghanischen Polizei schlicht gescheitert.

Dennoch ist dies kein hoffnungsloses Buch. Zwar zeigt Rashid, wie der worst case aussehen könnte; das wäre der Sturz der pakistanischen Regierung durch die von ihnen geschaffenen Taliban, wodurch diese Feinde der Menschheit in den Besitz von rund hundert Atombomben kämen. Aber er legt auch überzeugend dar, wie eine entschlossene Talibanbekämpfungsstrategie aussehen müsste (Wie denn? T.). Der immense Erfolg seiner Bücher vor allem in den Vereinigten Staaten und Großbritannien blieb nicht ohne Auswirkungen auf die Politik der dortigen Regierungen. Obamas Truppenverstärkung, mit der er die absurden Reduzierungen eines Donald Rumsfeld (Nicht absurd sondern eine andere Strategie. T.) korrigiert, erscheint nach dieser Lektüre wie ein überfälliger Schritt und ganz und gar nicht wie eine Imitation des Vietnamkrieges. Und die drastische Äußerung des britischen Premierministers, Pakistan würde den Terror exportieren, ist auch mit der Rashid-Lektüre zu begründen.

Ahmed Rashids luzider und spannender „Sturz ins Chaos“ gehört in jeden Rucksack und auf jedes Regal.

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Time am 1. August 2010

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1) http://de.wikipedia.org/wiki/Drogentote

„Die Bundeswehr verliert… im Bundestag“

25. April 2010

Von Nils Minkmar (1) bringt die heutige FAZ einen Bericht über den afghanischen Philosophen Masoud Rahel (Titelfoto) und dessen Ansichten zum Krieg gegen die Taliban.

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Der afghanische Blick

Eine Art Entwicklungshilfe – der Philosoph Masoud Rahel
erklärt sein Land und die Aufgabe der Bundeswehr

Auch in der globalisierten Zeit versucht die deutsche Öffentlichkeit, mit dem gewohnten Personal und in vertrauten Tonlagen vorgetragenen, bewährten Gedanken klarzukommen. Kein Wunder, dass wir so verwirrt sind. Was ist eigentlich los in Afghanistan? Nach acht Jahren Bundeswehrpräsenz scheint es nur die Wahl zwischen zwei Posen zu geben: der des erfahrenen Geostrategen, der im Casino-Ton runterrasselt, warum „am Hindukusch“ ohne fremde Armeen gar nichts läuft, und der des müden Gesamthistorikers, der die Vergeblichkeit aller guten Bemühungen dort mit der ewig widerspenstigen Beschaffenheit von Land und Leuten begründet. Und beides sind Lesarten von Karl May.

Kann ein afghanischer Intellektueller uns besser erklären, was die deutschen Soldaten dort sollen? Ich wagte nicht zu hoffen, dass er das sogar besser kann als die Bundeskanzlerin.

Ich kannte Masoud Rahel aus dem Studium in Saarbrücken, wo selbst die Professoren Mühe hatten, mit seiner Kompetenz und Verve mitzuhalten. Als er 1976 nach Deutschland kam, hatte er in Kabul schon Mathematik und Chemie studiert. Dort hatte ihm ein deutscher Freund am Telefon gesagt, Heidegger sei gestorben. Rahel wurde neugierig auf den toten Deutschen und besorgte sich ein Exemplar von „Sein und Zeit“ auf Persisch. Schon auf Deutsch keine leichte Lektüre, ist diese ontologische Grundlegung in Farsi, wie er später sagte, „ganz und gar unverständlich“. Die Reise nach Deutschland, in die deutsche Sprache hatte die Philosophie zum Ziel. Nachdem die Sowjets Kabul erobert hatten, wurde sie seine Heimat.

Faktisch lebte er auf – wenn man Türschwelle und Fensterbänke einbezieht – vielleicht zehn Quadratmetern eines Wohnheims in Dudweiler, intellektuell aber kam er von Martin Heidegger auf Edmund Husserl und von Husserl auf Hegel.

Später verloren wir uns aus den Augen, aber ich hatte gehört, dass er, nun in Köln lebend, als einer der wichtigsten afghanischen Philosophen gilt.

Über den üblichen Weg war er nicht zu finden: Nichts im Telefonbuch, kaum ein brauchbarer Suchmaschineneintrag. Er hat sich, erklärte er mir später, mit Google angelegt und Seiten sperren lassen. Eines seiner Interviews mit einer afghanischen Zeitung war in die Fänge des Übersetzungsprogramms der Suchmaschine geraten, das Resultat sei fürchterlich gewesen. Unter anderem hatte das Programm seinen Namen in „Masoud Chomeini“ geändert, also das Thema des Gesprächs, unter anderem die Geschichte Irans, und den Vornamen des Autors zusammengezogen. „Ich habe in San Francisco angerufen, dann in Hamburg, da sind überall nur Apparate, nirgends ist wirklich jemand.“ Es hört sich an wie ein Heideggerscher Albtraum. Masoud Rahel klingt aber nicht wie ein vergeistigter Technikfeind, sondern wie ein afghanischer Aufklärer.

Und als solcher kritisiert er auch die deutsche Debatte um den Bundeswehreinsatz in Afghanistan: „Die Soldaten sterben für eine sinnvolle Sache, aber wegen eines absurden Mandats.“ Wenn jede Kugel, die da abgefeuert wird, erst die Genehmigung aller Fraktionen brauche, solle man es lieber sein lassen. „Sie haben nicht mal Hubschrauber. Dauert es nun wieder ein Jahr, bis die endlich Hubschrauber kriegen?“ Im Krieg gegen die Taliban seien ein beschränktes Mandat und eine mangelhafte Ausrüstung fatal. Den mit den Taliban verbündeten Warlord Gulbuddin Hekmatyar kennt Rahel noch aus dem Studium: „Ein rücksichtsloser Irrer. Er war damals schon verhasst. Eigentlich ein Nazi.“ Gegen ihn und die Taliban müsse man schon sehr entschlossen und effektiv handeln. Aber „die Bundeswehr verliert diesen Krieg nicht in Afghanistan, sondern im Bundestag“.

Es wäre zur Klärung der Bilder und Begriffe vielleicht hilfreich, schlägt er vor, nicht mehr nur auf Helmut Schmidt, Peter Scholl-Latour oder gar – da muss er lachen – Martin Walser zu hören. Die Taliban, sagt er, sind für die afghanische Geschichte völlig untypisch. Das seien im Wesentlichen die Kinder der von den Sowjets vertriebenen Flüchtlinge, die in den Koranschulen des pakistanischen Grenzgebiets Zuflucht gefunden hätten, verwahrloste Kinder, um die sich nur die Imame gekümmert haben. Doch in diesen von den Saudis finanzierten Koranschulen sei nicht die afghanische Tradition des Islam, der tolerante Hanafismus, sondern der saudische Wahabismus gepredigt worden: „Die Taliban sind ein soziologisches Problem!“ Und es seien auch nicht viele, ungefähr achttausend. Das sei ein Pseudokrieg, den man auf keinen Fall mit den populären afghanischen Befreiungskriegen gegen die Briten oder die Sowjets verwechseln dürfe.

Mit Letzterem hätten die Taliban im Übrigen nichts zu tun, sagt er, die entstanden ja viel später. Und Al Qaida schon gar nicht. „Bin Ladin war als Kämpfer eine totale Niete. Man kannte ihn nur als Intriganten!“ Die Taliban seien weder beliebt noch im Volk verankert. Und es sind wenige, aber sie reichen aus, eine ganze Region zu verunsichern: „Zehn Terroristen rennen auf der Zülpicher Straße herum, und ganz Köln ist destabilisiert!“ Man müsse sich daran erinnern, dass am Beginn des Krieges, 2001, keine amerikanische Invasion stand. Es war die afghanische Nordallianz, die Kabul befreit hat. Insofern sei der Sturz der Taliban eine gemeinsame Aktion von Afghanen und Amerikanern gewesen. Das sei auch künftig der beste Weg. „Ich bin kein Antiamerikaner. Der Antiamerikanismus in Deutschland ist mir suspekt. Wo wäre dieses Land ohne den Einsatz der Amerikaner?“

Masoud Rahel bedauert jedoch deren nachlassende Wachsamkeit und Ablenkung durch den Irakkrieg, die den Wiederaufstieg der Taliban begünstigt habe: „In Afghanistan entstehen die Probleme nicht durch Engagement, sondern durch Desengagement.“ Er begrüßt daher das sogenannte „Partnering“. Dieses Vorgehen macht auch Luftschläge aus großer Höhe verzichtbar, die zu Unglücken wie der Bombardierung der Tanklaster führen. Aus solchen Tragödien solle man lernen, mehr mit afghanischen Truppen zusammenzuarbeiten und am Boden zu operieren.

Um Afghanistan zu erklären, geht auch Masoud Rahel bis in die Zeit Alexanders des Großen zurück. Doch er widerspricht Helmut Schmidts Lieblingsanekdote, der Mazedonier sei durch Persien ein- und durch Indien wieder ausgereist. Rahel verweist auf die Ergebnisse der französischen Ausgrabungen bei Ai Khanoum in Nordafghanistan, die Spätfolgen seines Einflusses, nämlich eine große Stadt der griechisch-baktrischen Ära, freigelegt haben: eine griechisch inspirierte antike Hochkultur achthundert Jahre vor Karl dem Großen.

In dieser Sicht der afghanischen Geschichte ist es keineswegs so, dass sich dort wilde Stämme seit Urzeiten gegenseitig auf und ab jagen, sondern es finden sich zahlreiche Perioden des Friedens und der Stabilität unter einer Zentralregierung. Das gilt selbst für nähere Epochen: „In der Zeit zwischen 1914 und 1945 genoss Afghanistan eine größere Stabilität als das Deutsche Reich. Und auch zwischen 1933 und 1970 soll man mir erst mal zeigen, in welcher Phase das Land instabil gewesen sein soll.“ Der tribalistische Einfluss sei dann wieder durch den Einmarsch der Sowjets, aber auch durch die Verhältnisse in Pakistan gestärkt worden. Dort leben 25 Millionen Paschtunen – „ein zweites, ein Schattenafghanistan“ -, die ihre Stammesidentität weit ungestörter ausleben können, als es in Afghanistan möglich war. Außerdem herrsche bei den Regierenden Pakistans das beklemmende Gefühl, zwischen Indien und Afghanistan in die Zange genommen zu werden, weswegen man von dort aus die Taliban von Anfang an und bis heute unterstütze. Ohne den pakistanischen Geheimdienst ISI gebe es keine Taliban. Daher sei das Problem nur international in den Griff zu bekommen.

Es geht Masoud Rahel darum, die demokratischen und zentralstaatlichen Traditionen Afghanistans zu betonen, den Umstand, dass Afghanen sich durchaus selbst zu helfen wissen, dass sie eine stabile und tolerante Gesellschaft kannten und gerne wieder hätten, deren heutige Wiederbelebung allerdings darunter leidet, dass die gesamte Mittelschicht des Landes entweder ins Exil gegangen ist oder erst von den Sowjets und dann von den Taliban ermordet wurde.

Und Karzai? „Hamid Karzai ist weder intelligent noch integer!“ Es sei ein Skandal, dass man niemand anderen gefunden habe, ihn zu ersetzen. Doch der Einsatz der Bundeswehr, sagt Rahel, habe weder mit Karzai etwas zu tun noch mit der Frauenemanzipation: Zehn Jahre lang hätten die Taliban die Mädchen und Frauen des Landes geknechtet, da sei kein westlicher Politiker auf den Gedanken verfallen, Truppen zu schicken. Nein, es gehe in Afghanistan um die regionale Bekämpfung eines globalen Problems. Das Problem manifestiere sich womöglich bald genauso in Jemen, in Sudan und in Somalia, und nun müsse man probieren, wie internationale Kooperation funktioniert, um es zu lösen. Die Stabilisierung Afghanistans ist nur das Mittel zu einem weltweit angestrebten Zweck.

Masoud Rahels Gedanken kommen ohne Kitsch und Pathos aus. Es gelingt ihm besser, die Aufgabe der Bundeswehr in Afghanistan zu beschreiben, als den deutschen Intellektuellen, ja sogar den dafür zuständigen Politikern. Sie könnten seine intellektuelle Entwicklungshilfe annehmen und künftig sagen: Die Soldaten der Bundeswehr sind Pioniere des in der Geschichte der Menschheit neuen Versuchs, weltweite Probleme gemeinsam zu lösen. Das ist jedenfalls die Idee.

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Time am 25. April 2010

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1) http://www.faz.net/s/RubD87FF48828064DAA974C2FF3CC5F6867/Doc~E1C017D6AA57A447B91C6975F4613918B~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Ästhetik des Terrors?

15. März 2010

Vor einem Monat hatte ich Auszüge aus einer Buchbesprechung von Friederike Böge von der FAZ gebracht, die die Biografie des Taliban Abdul Salam Zaeef zum Gegenstand hatte (1). Gestern brachte die FAZ einen Aufsatz von Nils Minkmar über dasselbe Buch. Herrn Minkmar macht sich mehr noch als Frau Böge die Behauptung Zaeefs zu eigen, die Taliban seien Kämpfer gegen die Korruption und selbst „unbestechlich“. Andererseits schreibt Böge: „So beschwert sich Zaeef, dass viele Vertreter seines Ministeriums vor allem damit befasst waren, die eigenen Taschen zu füllen.“

Ohne denjenigen das Wort reden zu wollen, die Terrorismus auf Armut zurückführen, bin ich doch der Ansicht, dass Armut Ungeist gebiert und etwas Schlechtes und zu Bekämpfendes ist. Die Mohammedanisten sind arm, weil sie Mohammedanisten sind, aber die Armut erschwert ihnen auch das Erkennen von Klo H. Metzels abgrundtiefer Perversion. Minkmar: „Mit der Zeit wird er alt genug, gegen die ungläubigen sowjetischen Besatzer zu kämpfen – eine wirkliche Alternative gibt es auch nicht in einer Region ohne Wirtschaft oder Wissenschaft.“

Quantara bringt ein Interview mit der ägyptischen Frauenrechtlerin Mariz Tadros (2). Sie sagt: „Wenn beispielsweise Frauen oder Mädchen bis zum Alter von 16 Jahren heiraten, gilt dies in Ägypten als Gesetzesverstoß. Die Idee dahinter ist der Schutz der Kinderrechte. Prinzipiell ist dieses Gesetz also sinnvoll. Doch sind die Familien oft so arm und so verzweifelt, dass sie ihre Töchter überzeugen können, dass es in ihrem besten Sinne ist, zu heiraten. In diesen Fällen fällt es ihnen leicht, ihre Ausweise zu fälschen, so dass die Mädchen bereits mit 13 oder 14 Jahren heiraten können, wenn die von ihnen vorgelegten Dokumente sie als 16jährig ausweisen. Für viele Familien ist dies der einzige Weg, mit der Armut umzugehen – indem die ‚Last‘ jemand anderem aufgebürdet wird.“

Vielleicht sind einige Taliban wirklich so gehirngewaschen, dass sie den Jihad um jeden Preis führen wollen, aber meist wird doch der alte Spruch gelten: „Jeder ist käuflich, es kommt auf den Preis an“. Und es ist allemal sinnvoll, den Jungs eine Alternative zu bieten bzw. sie zu kaufen, bevor sie Taliban werden.

Bedenklich finde ich die unverhohlene Sympthie, die Herr Minkmar den Fussels entgegenbringt, und die ungleich größer ist als die gegenüber der gewählten Regierung. Im folgenden Text werden Sie sehen, wie er die Bezeichnung der Entscheidung zum Jihad als einer „ästhetischen Entscheidung“ unreflektiert übernimmt, und sich damit ziemlich nahe zu Mammut Gardinenstange bringt, der von der „Kunst“ des Selbstmordattentats faselte (3). Nun ja, wenn wir solcherart zu einer „ästhetischen“ Auseinandersetzung gezwungen werden, wird sich zeigen, dass wir auch dort über die besseren Argumente verfügen bzw. über eine überlegene „Ästhetik“. Und es wird sich zeigen, ob sich die „Werke“ der „Ästhetik des Terrors“ auf Dauer ökonomischen Kriterien entziehen können, falls dies überhaupt je der Fall gewesen sein sollte. Auf dem Foto oben sehen Sie übrigens ein paar Tommies mitten in der Debatte.

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Mäßigung als Verrat

Wie wird man eigentlich zum Taliban? Abdul Salam Zaeef, einst Mitglied der afghanischen Regierung und Häftling in Guantánamo, hat zwei amerikanischen Wissenschaftlern sein Leben erzählt – Selbstlosigkeit, Opferbereitschaft, Frömmigkeit – lauter TUGENDEN, die wir aus der ANTIKE kennen. Zaeefs Leben beginnt 1968, die historischen Umstände seiner  Kindheit passen aber eher ins Jahr 1648.

Jeder hat eine Meinung zu den Taliban, aber wer kennt deren Meinung über uns? Wer hat je einen gesprochen oder auch nur sprechen hören? Unzählige Meinungen, Berichte und Kommentare über Afghanistan sind über uns hereingebrochen, aber wie viele davon stammten von Afghanen? Wie viel gar von entscheidenden Akteuren? Die Taliban haben die Welt erschreckt, dann wähnte man sie besiegt, und nun, nach neun Jahren Krieg, beherrschen sie wieder die politische Bühne Afghanistans. Jetzt ist man sich im Westen einig darüber, dass sie „eingebunden“ werden sollen, findet plötzlich, dass sie uns die Last ihres Landes abnehmen könnten. Jedenfalls die „gemäßigten“ unter ihnen. Aber was versteht ein Taliban unter dem rechten Maß?

Zum ersten Mal gibt es nun ein Buch, das ausführlich das Leben, Haltungen und Werte eines hohen Taliban wiedergibt. Den in Kandahar lebenden amerikanischen Wissenschaftlern Alex Strick van Linschoten und Felix Kuehn ist es gelungen, Abdul Salam Zaeef dazu zu bewegen, ihnen die Geschichte seines Lebens zu erzählen. Daraus haben sie ein wissenschaftlich annotiertes Werk gemacht, das augenblicklich zur Pflichtlektüre aller Politikplaner, Militärstäbe und interessierten Bürger avanciert, denn auf Leuten wie Zaeef ruht gegenwärtig die gesamte Afghanistan-Strategie. Zaeef gehört zu den Gründungsmitgliedern der Bewegung und gab ihr, als afghanischer Botschafter in Pakistan, ein Gesicht. Er war der einzige Repräsentant des Regimes, der sich überhaupt internationalen Journalisten stellte. Später wurde er festgenommen und jahrelang in Guantánamo inhaftiert. 2005 wurde er freigelassen, ohne dass je Anklage gegen ihn erhoben worden wäre. Heute lebt er in Kabul, gilt nach wie vor als Schnittstelle zwischen den Taliban und der Welt und wurde auch als der Talib mit dem iPhone bekannt.

Sein Leben beginnt in dem Jahr, das wir 1968 nennen, die historischen Umstände seiner Kindheit passen eher ins Jahr 1648, in die wüste und fromme Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg, vor der Wissenschaft und der Aufklärung. An diesem Leben kann man studieren, wie sich jemand fühlt, der aus einem fernen Jahrhundert in die globalisierte Postmoderne purzelt: Er staunt, hat oft Kopfschmerzen und klammert sich, weil er nicht verrückt werden will, an bestimmte Werte. Der Weg, den Zaeef zurückgelegt hat, ist mit keiner westlichen Biographie zu vergleichen. Er kommt aus der Zeit, aus der unsere Märchen stammen: Die Mutter stirbt früh, der Vater ist da schon alt und als Geistlicher überfordert, die vier Kinder durchzubringen. Er arbeitet lange Tage in der Moschee. Verwandte und Freunde stecken ihm gegen seinen Willen etwas Geld in die Tasche, das jedoch nie reicht. Das Dorf, in dem der Vater als Mullah amtiert, hat weder Strom noch Wasser. Wenn er auf Reisen muss, sind die Kinder alleine zu Hause. In der Nacht hören sie die Wölfe heulen, die immer näher kommen. Eines morgens betet der Vater heftiger und lauter als gewohnt. Die Kinder werden wach davon, eilen zu ihm. Stunden später stirbt er. Da ist Abdul Zaeef sieben Jahre alt. Er und seine Geschwister sind allein, ihre entferntere Familie muss erst umständlich von Nachbarn verständigt werden. Telefone gibt es nicht. Dann werden die Kinder auf verschiedene Zweige der Familie verteilt. Abdul kommt zu einem finsteren Onkel, dem ein zusätzliches Kind gerade noch gefehlt hat. Er wird geschlagen. Nach dem Einmarsch der Sowjets muss die fragmentierte Familie nach Pakistan fliehen.

Der Koran und die Frömmigkeit werden zum Refugium des Jungen. Er äußert einen starken Widerwillen gegen die Machtspiele der Erwachsenen, ihre Interessen und gewalttätigen Praktiken. ZURÜCKHALTUNG, DEMUT und FRÖMMIGKEIT sind die Züge, die er am meisten bewundert und an sich pflegt. Mit der Zeit wird er ALT GENUG, gegen die ungläubigen sowjetischen Besatzer zu kämpfen – eine WIRKLICHE Alternative gibt es auch nicht in einer Region ohne Wirtschaft oder Wissenschaft. Zaeef führt ein Leben mit beständiger Kampf- und Gewalterfahrung. Es lässt sich nicht zählen, wie oft er beschossen, geschlagen und verletzt wird. Mehrmals gerät er in unmittelbare Lebensgefahr, wobei er nie von einer Gefahr sprechen würde, sondern stets davon, dass sein Wunsch, als Märtyrer zu sterben, kurz vor der Realisierung stand.

Die HINGABE an einen religiös motivierten, nationalen Befreiungskampf, an den Dschihad gegen die Sowjets, ist auch eine moralische und ÄSTHETISCHE Entscheidung. Selbstlosigkeit, Opferbereitschaft, Tapferkeit und Frömmigkeit – es sind TUGENDEN, die wir aus der klassischen Antike kennen, welche die späteren Taliban motivieren. In der Praxis sind sie nicht zu trennen von Handlungen, die wir als Diskriminierung und Grausamkeit verurteilen (gut! T.), die für die Taliban aber der Ausweis konsequenten, unverdorbenen Handelns sind (Nein, sie SIND grausam und verbrecherisch, T.). Sie verstehen sich von Anfang an auch als eine ÄSTHETISCHE Bewegung. Die Taliban, schwärmt Zaeef über die Jahre ihres Erfolgs, haben „dem öden Land eine SCHÖNHEIT verliehen“.

Zaeef schildert sehr detailliert, wie sich in den neunziger Jahren die religiös motivierten, ehemaligen Mudschahedin erst lokal, dann regional formieren, um gegen die endemische Landstraßenpiraterie der Warlords vorzugehen und – wie Tyrannen immer ihre Gewaltherrschaft begründen (gut! T.) – Frauen und Knaben vor sexueller Gewalt zu schützen. Zaeef ist dabei, als in der „weißen Moschee“ von Sangisar Mullah Omar als Anführer bestimmt wird, er schwört ihm dort ewige Treue. Die himmlische Motivation der Taliban und ihr Rückhalt in der Bevölkerung führen sie von Sieg zu Sieg.

Nach Jahren des Kampfes kommt ein entscheidender Moment: Da hat sich Zaeef in einem Gefecht mit einer rivalisierenden Truppe verheddert. Dummerweise haben die anderen eine kleine Kanone, was ihnen einen entscheidenden Vorteil verschafft; Zaeefs Truppe verfügt nur über Kalaschnikows. Also läuft er zu seinem regionalen Befehlshaber und bittet um bessere Waffen, woraufhin der ihn nur auslacht: „Warum nimmst du dir nicht einen Panzer? Oder besser gleich drei?“ Denn unterdessen hatten die Taliban das Land erobert und die Kasernen unter ihre Gewalt gebracht. Zum ersten Mal in seinem Leben war Zaeef in einer dominierenden Position.

So beginnen die Jahre der Macht, die zugleich auch den schwierigen Kontakt mit der weiten Welt bedingen. Die meisten Länder FÜHLTEN sich den kaum gebildeten Taliban überlegen, die aber hielten sich für eine FROMME und ASKETISCHE Elite. Besonders schlecht weg kommt bei Zaeef der deutsche Botschafter in der pakistanischen Hauptstadt. Das sei ein arroganter Mann gewesen, der ihm immer mit so ärgerlichen Themen wie den Frauenrechten gekommen sei. Damit hat es der Autor gar nicht. Wenn er besonders gemeine Übergriffe schildern will, dann haben die damit zu tun, dass jemand in seiner Anwesenheit Lieder einer Sängerin spielt, womöglich noch auf Urdu, dann ist der stolze Paschtune so richtig bedient.

Am 11. September 2001 verfolgt Zaeef die Berichte über den Anschlag im Fernsehen, doch während alle im Raum jubeln, fängt er an zu weinen. Nicht aus Mitgefühl für die unschuldigen Opfer, sondern weil er weiß, dass dieser Akt einen weiteren Krieg für seine Heimat und das Ende seiner Herrschaft bedeutet (Sie hätten A*schloch bin K*cken ausliefern können, sie hätten genauso wie Saddam den Krieg abwenden können, aber ihr orkischer Größenwahn machte sie blind für die Realität, T.). In dem Buch findet sich kaum eine Bemerkung zu Al Qaida und Usama Bin Ladin. Zwar betont Zaeef mehrmals die Bedeutung brüderlicher Hilfe unter Muslimen, macht aber genauso oft deutlich, dass er sich als lebenslanger Taliban versteht, also nie als Mitglied von Al Qaida. Man ahnt, dass er sie als unglückselige Ausländer verurteilt, die die Güte seines geliebten Mullah Omar ausgenutzt haben. Schreiben tut er es nicht. Besonderen Abscheu hegt er nämlich für Verräter aller Art, insbesondere für den pakistanischen Präsidenten Musharraf, der den Amerikanern gegen Geld Gefangene ausgeliefert und damit einen „Handel mit Glaubensbrüdern etabliert hat, die er verkauft hat, als wären sie Vieh“.

Die nach JEDEM Recht ILLEGALE Festnahme von Zaeef (behauptet Minkmar, aber ist sie das? Nach Kriegsrecht? Nach Recht des asymmetrischen Krieges? T.) und seine Jahre in Guantánamo bilden die bedrückendsten Kapitel in dem Buch. Außer seiner Funktion in der Talibanregierung kann ihm nichts vorgeworfen werden (Wieso kann man jemand nicht vorwerfen, Mitglied einer terroristischen „Regierung“ zu sein, bzw. ist das nicht an sich schlimm? T.). Pakistanische und amerikanische Soldaten prügeln und foltern ihn (würde ich angesichts der üblichen Lügengeschichten mit Vorsicht genießen, T. – 4), damit er den Aufenthaltsort von Mullah Omar verrät – dem Mann, dem Präsident Karzai nun Frieden anbietet. Die kriminellen Methoden und Verhältnisse in Guantánamo haben aus Zaeef nur insofern einen „gemäßigten“ Taliban gemacht, als er vermeiden möchte, noch mal dorthin zu kommen, und die Machtverhältnisse in einem Konflikt mit den Amerikanern nun realistisch einschätzt. Doch einen, der für seine religiösen und kulturellen Anschauungen so oft zusammengeschlagen wurde, der wiederholt lukrative Möglichkeiten zum Verrat ausgeschlagen hat, wird man weder mit Geld noch mit einer bloß formalen Machtbeteiligung befrieden können.

Die Einbindung der Taliban in die Regierung Afghanistans entbindet den Westen nicht, sondern setzt eine starke und langfristige Militärpräsenz voraus. Die ANDEREN Partner dort, Karzai voran, sind einfach zu KORRUPT, als dass die Taliban sich damit abfinden könnten. Mäßigung ist für diesen Talib jedenfalls ein anderes Wort für Verrat.

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Time am 15. März 2010

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1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/02/17/guter-alter-„neuer-krieg“/
2) http://de.qantara.de/webcom/show_article.php/_c-469/_nr-1169/i.html
3) http://www.welt.de/print-welt/article176827/Kunst_des_Maertyrertums.html
4) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/04/30/the-fabulous-gitmo-freak-show/

Abdul Salam Zaeef: „My Life with the Taliban“. Edited by Alex Strick van Linschoten and Felix Kuehn. Columbia University Press, 330 Seiten, ca. 24 Euro