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So nicht

24. Oktober 2010

Am Golf von Suez

Da wir derzeit von Öl und Erdgas abhängig sind, die in einer überwältigenden Menge aus mohammedanistischen Ländern stammen, berühren energiepolitische Fragen in hohem Maße Fragen und Anliegen des Counterjihad.

Vor zwei Tagen wies ich auf einen Aufsatz des Eon-Vorstands-Vorsitzenden Johannes Teyssen hin (1), der den Status Quo zusammenfasst und Visionen formuliert. Das Ende der Energieselbstversorgung Deutschlands scheint dabei ausgemachte Sache zu sein. Teyssen schreibt:

„Die Bundesregierung erkennt zu Recht an, dass unter diesen Voraussetzungen nicht mehr der gesamte Strombedarf wirtschaftlich im eigenen Land produziert werden kann. Bis zu 30 Prozent des deutschen Bedarfs soll langfristig aus anderen Regionen Europas oder Nordafrikas importiert werden, wo günstigere Rahmenbedingungen für die Produktion bestehen. McKinsey rechnet sogar mit bis zu 50 Prozent Importabhängigkeit.“

Wesentlicher Motor der Überlegungen ist dabei die neue Religion des Ökologismus, die sich in großer Hybris anmaßt, das Weltklima beeinflussen zu wollen bzw. zu können, was zwangsläufig auf Resultate wie das folgende hinausläuft:

„Die Bundesregierung weist glaubwürdig darauf hin, dass ein solches System gänzlich anderer und neuerer Netze bedarf. Wer eine regenerative Welt zu auch nur halbwegs plausiblen Produktionsbedingungen fordert, muss den Bau von Tausenden, eher Zehntausenden Kilometern neuer Leitungen in Europa und Deutschland unterstützen. McKinsey schätzt sogar, dass man das Transportnetz verfünffachen muss. Zur besseren Vorstellbarkeit: neben jeder Hochspannungsleitung entlang der Autobahnen und quer durch unser Land müssen noch vier weitere neue stehen.“

Aber ist die Verfünffachung der Verkabelung realistisch in einem Land, in dem Kartoffelkäfer Menschenrechte besitzen und als Haupttodesursache „Elektrosmog“ gilt?

Und was bedeutet das für unsere europäischen Gesellschaften, wenn die Hälfte des Stroms aus mohammedanistischen Ländern kommen wird?

In der heutigen FAZ stellte Nadine Oberhuber ein weiteres Mal die Pläne der Kompanie „Desertec“ (2) vor, die in Nordafrika Strom produzieren will.

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Der Wüstenstrom kommt schneller als gedacht

Die Sonne Afrikas für deutsche Wohnungen. Das ist die Idee von Desertec. Es kommt ganz bald, versprechen die Betreiber.

Wörtlich genommen könnte die Auszeichnung ein schlechtes Omen sein. Die Desertec Industrie Initiative (DII) bekam den „Utopia Award“ für die Idee, mit der sie vor einem Jahr an die Öffentlichkeit ging: Sie will Europa mit Solarstrom aus der Wüste versorgen. Große Kraftwerke sollen in Nordafrika gebaut werden, wo an einem Tag mehr Energie von der Sonne auf die Erde brennt, als die Menschheit in einem Jahr verpulvert. Das war die beste Utopie des Jahres 2009, fand die Jury. Doch Utopien, weiß der Volksmund, sind zwar denkbar – aber nicht machbar. Ist Desertec Utopie? Oder passiert vielleicht doch etwas?

Vieles, sagt Projektleiter Ernst Rauch, aber für seinen Geschmack lange nicht genug. Es laufen schon Gespräche mit den Regierungen Nordafrikas. 2012 soll der erste Spaten in den Boden Marokkos gerammt werden. Rund 500 Megawatt könnte das Solarkraftwerk haben, so viel wie ein halbes Atomkraftwerk. In 10 Jahren soll der Wüstenstaat so viel Strom produzieren wie zwei Atomkraftwerke. Tunesien könnte folgen. Bis 2012 will Desertec zeigen, dass es geht.

Das ist deutlich schneller als gedacht. Im Juni 2009 gaben sich die Desertec-Gründer noch vorsichtig: In den kommenden 3 Jahren würden erst Machbarkeitsstudien erstellt, und „wenn es klappt, wird mit dem Bau der ersten Kraftwerke 2015 begonnen“, sagte Torsten Jeworrek, Vorstandsmitglied der Münchener Rück damals vage. Der Zeitplan für das Projekt ist bis 2050 angelegt.

Obwohl es jetzt schneller geht, zweifeln viele Kritiker noch am Sinn des Projekts. Zu groß, zu teuer und politisch nicht machbar, sind die Hauptvorwürfe gegen den Wüstenstrom. Ganz Europa soll auf Kraftwerke in politisch instabilen Ländern bauen? Soll sich von Kabeltrassen abhängig machen, die sich durchs Mittelmeer schlängeln und ein prima Angriffsziel wären? Und wer bitte schön soll die 400 Milliarden Euro dafür aufbringen?

Für Rauch geht es so: Von allein können Länder wie Marokko, Tunesien und Ägypten solche Kraftwerke nicht bezahlen. Also brauchen sie ausländische Investoren. 30 Unternehmen haben sich im DII-Konsortium gebündelt, die meisten sind milliardenschwer. „Es geht nicht um ein Großkraftwerk, das wäre ein Missverständnis des Wüstenstrom-Konzepts“, sagt Rauch. Es werden viele einzelne Anlagen von 100 bis 1000 Megawatt sein. Die Gesetze, die den Investoren Rechtssicherheit zusagen, müssen die afrikanischen Staaten noch schaffen. Marokkos Königshaus ziehe aber kräftig mit.

Was Nordafrikas Staaten lockt: Sie könnten den Strom erzeugen, den ihre wachsenden Wirtschaften brauchen. Noch importiert Marokko ihn über eine Leitung aus Spanien, die das Mittelmeer bei Casablanca quert – in die Richtung fließt er also schon. Zuerst würde das Solarkraftwerk in Marokko nur für Marokko produzieren. „Desertec hat aber das zweite Ziel, Strom nach Europa zu exportieren“, sagt Rauch. So gewinnen beide Seiten, denn der Stromexport bringt den Wüstenstaaten Geld.

Einer der großen Desertec-Kritiker ist der Physiker Gregor Czisch, der bis 2006 als Referent die Regierung beraten hatte. Er greift nicht den Gesamtplan von Desertec an, aber die Idee Solarthermie. Bei dieser Form der Energiegewinnung erhitzt die Sonne über Parabolspiegel Flüssigkeiten, die Turbinen treiben – eine Methode, mit der man buchstäblich Geld in den Wüstensand setzt, kritisiert Czisch: „In Afrika kann man mit Windkraftanlagen für zwei Cent pro Kilowattstunde Strom produzieren. In Ägypten laufen Windparks bei einer Einspeisevergütung von 2,9 Dollar-Cent rentabel.“ Dagegen koste eine Kilowattstunde aus spanischen Solarthermieanlagen, die als Test für Desertec fungieren, das Zehnfache. Für Czisch ist klar: Selbst wenn die Technik sich entwickelt und billiger wird, „Solarthermie ist viel zu teuer.“

Eine Studie der Unternehmensberatung A.T. Kearney hält dagegen: Sie sieht die Preise gewaltig sinken. Bisher sei jede Anlage ein Einzelstück, auch sei in Spanien die Leistung der Kraftwerke gedeckelt. Das wirke Einspareffekten entgegen, die durch das Aneinanderkoppeln vieler Anlagen entstünden, sagt Studienautor Jan Stenger. „Das Potential ist enorm. Je nach Kraftwerk können die Kosten um mehr als 50 Prozent reduziert werden.“ 2020 soll der Strom aus Solarthermie rund 10 Eurocent kosten. Damit wäre er konkurrenzfähig zu Kohle, Gas und Wind.

Die Initiative Eurosolar findet solche Zahlen aber „wenig überzeugend.“ Ihr jüngst verstorbener Vorkämpfer Hermann Scheer warnte, dass jeder Fördereuro für Wüsten-Großanlagen, für den Ausbau kleiner Solar- und Wind-Anlagen hierzulande fehle. Die wolle Desertec nicht abwürgen, beteuert Rauch: „Wir streben nicht an, die Stromtechnik der Zukunft komplett auf Großanlagen anzulegen. Die Versorgung muss national und dezentral bleiben.“ Aber das Thema Fördergelder setzt Desertec doch zu: Bis die Produktion in Afrika wirtschaftlich ist, müssen Investoren in Vorleistung gehen. Das wollen sie nur, wenn ihre Staaten sie absichern, indem sie für Anlagen haften oder Einspeisevergütungen garantieren, wie es in vielen Ländern schon geschieht. Bei diesem Modell wird den Erzeugern garantiert, dass sie ihren Strom für einen bestimmten Preis ins Netz speisen dürfen. Die Kosten trägt der Stromkunde. Bisher wird nur national erzeugter Strom vergütet, sagt Rauch: „Es braucht eine EU-weite Regelung, die es möglich macht, auch Strom zu fördern, der aus Afrika importiert wird. Ohne das Öffnen der Grenzen für Importstrom aus Afrika wird es Desertec nicht geben.“ Die EU feilt schon an Regeln. Für Rauch ist dies „eine gesellschaftliche Frage: Wollen wir in Zukunft den Preis für Importstrom bezahlen?“ Denn die vom Kunden subventionierte Technik komme langfristig die Umwelt billiger zu stehen als Kohle und Atom. In dem Sinne ist Desertec doch eine Utopie – aber im griechischen Wortsinn: Da bedeutet es, dass etwas machbar ist, nur eben nicht an diesem Ort.

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Die FAZ bringt heute online auch ein Interview mit dem Geschäftsführer von Desertec, Paul van Son (3). Mit den bedrohlichen Worten „Es wird ein Grab für uns alle, wenn wir nichts machen“ (gemeint ist, wenn wir es nicht in seinem Sinne machen) erklärt er die Pläne seiner Kompanie, die Investitionen von 400 Milliarden Euro bedeuten, für alternativelos. Damit setzt er sich sehr deutlich in Richtung Prediger von dem vorsichtig abwägendem Ton Teyssens ab.

Im Kommentarbereich  geht der sehr informierte Horst Trummler auf Herrn van Sons quasireligiöses Gehabe ein:

„Herr van Son droht mit der Ökokatastrophe des Klimawandels die uns gemäß ihrer Initiatoren alle in der Hölle erschwitzen läßt. Mit einer Ablasszahlung, den hohen Subventionen für ein umweltschädliches, begrenzt nützliches Ökosolarmonster in der Wüste gibt es die Erlösung von den Ökosünden und der Ökohölle des Erschwitzens. Es ist eine Kommunikation wie sie sehr typisch ist für eine Religion. Man beschwört die Angst vor einer unbekannten, schrecklichen Katastrophe und hält die Spendendose in der anderen Hand. Wenn das Geld im Beutel klingt, die Seele in den Himmel springt.“

Was die technischen und wirtschaftlichen Aspekte betrifft, wäre ich persönlich eher optimistisch, aber ganz lapidar berichtet Son von einer demnächst stattfindenen Konferenz:

„18 Gesellschafter und 32 assoziierte Partner aus Nordafrika, aus dem Mittleren Osten und aus Europa, um über unser großes Thema zu reden, die Stromerzeugung in der Wüste. Wir erwarten Gesprächspartner aus Marokko, Algerien, Tunesien, Libyen, Ägypten und dem Nahen Osten.“

Wenn Russland (zu Recht) ständig seine autoritäre Staatsführung und Gesellschaftsverfassung vorgeworfen wird, und davor gewarnt wird, sich zu stark in die Abhängigkeit von den Iwans zu begeben, muss doch festgestellt werden, dass es sich bei den Geschäftspartnern von Desertec, die wohlbemerkt 50% des Energiebedarfs unserer Heimat decken wollen, ausnahmslos um Diktaturen und Gewaltherrschaften handelt, deren Gesellschaften tief in den Geisteskrankheiten von Scharia und Jihad befangen sind.

Dazu schreibt Harry Leroy:

„Abgesehen von den wirtschaftlichen und technischen Einwänden sollte man die politische Dimension bedenken: Denn Strom aus mohammedanischen Gegenden würde die gefährliche Ölabhängigkeit nur fortsetzen und alle in Frage kommenden Gebiete sind wie Algerien, Tunesien oder Marokko entweder in Gefahr von mohammedanischen Eiferern überrannt zu werden oder schon wie Libyen oder Saudi-Arabien in der Hand von solchen! Zum Glück lässt die gegenwärtige Wirtschaftskrise es unwahrscheinlich werden, dass 400 Mrd. Euro für einen solchen Irrsinn aufgebracht werden können…“

Und Torlin Monger meint, van Son zitierend:

“ ’Wir müssen weg von fossilen Energien, hin zu erneuerbaren Energien wie Solar- und Windenergie. Und das sage ich mit Blick auf… die Energiesicherheit.’ Na klar! Deswegen nimmt man auch gerade solche unsicheren Kantonisten wie Algerien, Marokko, Ägypten und Libyen als Betreiberländer mit ins Boot? Wenn man sich deren Geschichte anschaut, dann sind also gerade die wegen ihrer Beständigkeit in Hinblick auf Energiesicherheit ausgesucht worden? Es geht ja immerhin hier nicht mal eben um ein paar Jahre, sondern direkt um ein paar Jahrzehnte! Da macht sich Europa wunderbar abhängig und erpressbar! Für wie blöd hält dieser Paul von Son eigentlich die Leute?“

Hier sei abschließend noch mal daran erinnert, dass das PRIMÄRZIEL des Unternehmens in der Deckung des steigenden NORDAFRIKANISCHEN Strombedarfs besteht.

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Time am 24. Oktober 2010

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1) http://www.faz.net/s/RubEC1ACFE1EE274C81BCD3621EF555C83C/Doc~E2EFED7656F3D4861B64A2C211B8FD2A6~ATpl~Ecommon~Scontent.html
2) https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/06/22/hauptsache-abhangig/
3) http://www.faz.net/s/RubD16E1F55D21144C4AE3F9DDF52B6E1D9/Doc~EA7B5E01DA5FA45D5BAF02A9B5E697068~ATpl~Ecommon~Scontent.html

 

Hauptsache abhängig

22. Juni 2010

Irgendwelche pervers-masochistischen Dispositionen eines großen Teils unserer Eliten scheinen die Grundlage von dessen Entscheidungen zu bilden.

In der gestrigen FAZ berichtete Henning Peitsmeier über ein gigantisches Energieprojekt im Magreb. Mit im Boot: die Industrie- und Finanzgruppe ONA aus Marokko, und zwar nicht, weil man ohne sie nicht an die bekanntermaßen heiß begehrten und fantastisch hoch bewerteten Grundstücke in der Sahara käme, nein, sondern weil „die Sorge wegen einer neuen Form der Kolonialisierung wuchs“. Die Orks brauchen nur die richtigen Tasten zu drücken und die Kolonialismuskarte auszuspielen, und unsere linksgestrickten Elite-Weicheier entschuldigen sich wortreich und geben den Mohammedanisten, was diese wollen, anstatt sie allein in ihrer riesigen Sandkiste spielen zu lassen.

Überhaupt: Seit Jahrzehnten sind wir vom Öl der Orks abhängig und erpressbar, das wir ihnen zu horrenden Preisen abkaufen, anstatt es uns nach dem Recht des Stärkeren, welches sie selbst doch so hoch setzen, einfach zu nehmen. Nun werden wir in die nächste Abhängigkeit geführt. Zeitgleich wurde übrigens die Kernenergie, auf die sich unser Land meisterhaft verstand, von grünen Idioten diskreditiert und marginalisiert. Hauptsache in Abhängigkeit von den Orks leben, scheint das Motto zu sein.

Was die technischen Aspekte betrifft, bin ich begeistert. Die Kühnheit westlicher Ingenieure ist beispiellos.

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Strom aus der Wüste

Im Jahr 2050 soll ein Teil des europäischen Energiebedarfs aus Nordafrika kommen. Doch noch steckt das Desertec-Projekt in den Kinderschuhen.

Das spektakulärste und teuerste Energie- und Infrastrukturprojekt aller Zeiten ist in diesen Tagen abgetaucht. Viel findet hinter verschlossenen Türen statt, in Gesprächen mit Botschaftern und Ministern. Der Niederländer Paul van Son leitet seit Oktober die Desertec-Gesellschaft DII und hat seither einen Reiseplan wie der Bundesaußenminister: Marokko, Algerien, Frankreich, Spanien. Und wenn der tunesische Minister für Entwicklung und internationale Zusammenarbeit, Mohamed Nouri Jouini, wie vor wenigen Wochen in Berlin weilt, dann trifft van Son ihn eben dort. Van Son muss bei vielen Regierungen für das 400 Milliarden Euro teure Vorhaben werben, in den Wüsten Nordafrikas klimafreundlich Strom zu erzeugen. Denn Desertec ist auch ein politisches Projekt.

Van Son freut sich darüber, dass man „Desertec überall sehr positiv“ begegnet. Doch noch steckt das Projekt in den Kinderschuhen. Es ist ein Lern-, Erfahrungs- und Findungsprozess in der Endlosschleife. Drei Jahre will sich die im Oktober 2009 gegründete Desertec Industrial Initiative (DII) Zeit nehmen, um Pläne für das ehrgeizige Wüstenstromprojekt zu entwerfen, Investoren zu finden und erste Referenzkraftwerke anzustoßen. In den ersten Wochen nach Gründung sollte vor allem der Kreis der 13 Gründungsgesellschafter erweitert werden: „Schwerpunkt unserer Arbeit musste es zunächst sein, die anfangs deutschlastige Initiative auf eine breitere internationale Basis zu stellen“, sagt Bernd Utz, Leiter des Gesamtprojektes bei Siemens, einem der Gründungsmitglieder.

Zum Gründerkreis gehört die Desertec Foundation, die Stiftung des Physikers und „Sonnenenergie-Pioniers“ Gerhard Knies. Der heute 72 Jahre alte Knies hatte nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl mit seinen Solarforschungen begonnen und fand rasch Unterstützung im Club of Rome. Heute stehen Weltkonzerne hinter Knies‘ Idee. Siemens baut Solarkraftwerke, die Munich Re und die Deutsche Bank geben Geld, und schnell hatten sich der DII überwiegend deutsche Industrieunternehmen wie RWE, Eon oder MAN Solar Millennium angeschlossen.

Inzwischen gehören auch Enel aus Italien, St. Gobain aus Frankreich und die beiden spanischen Unternehmen Abengoa Solar und Red Electric zu den Gesellschaftern. Und als in einigen nordafrikanischen Ländern, die als Standorte für die Solar- und Windkraftprojekte in Frage kommen, die Sorge wegen einer neuen Form der Kolonialisierung wuchs, war es ein gutes Signal, die Industrie- und Finanzgruppe ONA aus Marokko einbinden zu können. „Marokko ist sicher als Standort für das erste Referenzprojekt favorisiert, weil es dort schon eine Hochspannungsverbindung nach Spanien gibt“, sagt ein DII-Sprecher. Aber auch andere Standorte und Gesellschafter sind gefragt. Mit Unternehmen aus Algerien und Tunesien wird derzeit ebenfalls verhandelt. Damit kann sich der Kreis um das Mittelmeer schließen. Ägypten hat ebenso starkes Interesse, doch sind dort die Solarpläne – anders als in den Maghreb-Staaten – noch weit entfernt von einer Konkretisierung. Aus 13 Gründungsmitgliedern sind so bis heute 17 Gesellschafter geworden.

Technisch scheint alles im grünen Bereich zu sein. „Die Umsetzung des Projektes ist weniger ein Thema von Forschung und Entwicklung, da wir uns ja technisch gesehen bereits in einem Reifeprozess befinden“, sagt Siemens-Manager Utz. „Vielmehr geht es um die Industrialisierung der Solartechnik.“ Das Zusammenspiel aller Beteiligten muss organisiert werden, von der Stromerzeugung über den Transport bis hin zur Abnahme durch die Kunden, sei es in Afrika und Arabien, sei es in Europa.

Selbst wenn solche Modelle erst bis Ende 2012 gereift sein sollen, zeichnet sich schon heute ein Szenario ab, wie bis zum Jahr 2050 tatsächlich der Wüstenstrom 15 Prozent des europäischen Energiebedarfs deckt: Die erste Stufe sieht den Aufbau von Solaranlagen vor, deren erzeugter Strom in der Region abgesetzt wird – für Meerwasserentsalzungsanlagen ebenso wie für den wachsenden Strombedarf aufgrund der Industrialisierung in den Ländern. Der Transport erfolgt über eine bestehende, allerdings noch zu modernisierende Infrastruktur. In weiteren Stufen wird überschüssig produzierter Strom in benachbarte Länder exportiert werden, begleitet vom Aufbau von Hochspannungsleitungen. Erst in der Endausbaustufe erwarten Fachleute dann tatsächlich den eigentlich geplanten Transport nach Europa über Stromautobahnen.

Im Gegensatz zu Desertec ist das erst vor wenigen Wochen gegründete französische Projekt „Transgreen“ wesentlich schneller zu realisieren. Ein Konsortium aus den französischen Energieunternehmen EDF, RTE, Alstom und Nexans hat sich zum Ziel gesetzt, Strom aus Nordafrika nach Europa zu transportieren. Im Zuge der Mittelmeer-Union von EU-, Nahost-Ländern sowie nordafrikanischen Staaten ist ein Solarplan entwickelt worden, um rund 20 Gigawatt (das entspricht etwa der Leistung von 15 Kernkraftwerken) aus Sonnenkraft bis 2020 zu erzeugen.

Transgreen will ein Viertel davon nach Europa transportieren. Gleich mit Bekanntgabe der Gründung sahen manche in Transgreen eine Konkurrenzveranstaltung zu Desertec. Wenn es nach DII-Chef van Son und nach Siemens-Manager Utz geht, ist das Gegenteil der Fall: „Wir begrüßen Initiativen wie Transgreen, da sie uns schneller zum Ziel bringen können“, sagt van Son. „Wir arbeiten bereits mit Transgreen eng zusammen und stimmen uns ab, sie ist Teil der Agenda von Desertec“, sagt Utz. Um die Kooperation zu untermauern, steigt der deutsche Konzern ein. „Siemens wird sich an Transgreen beteiligen“, kündigt Utz an.

Desertec steht vor allem in der öffentlichen Wahrnehmung für die riesigen in der Wüste entstehenden Solaranlagen und damit für die Stromerzeugung. Transgreen ist als Stromtransporteur, als Netzbetreiber ausgelegt. Und es besteht noch ein Unterschied: Die Transgreen-Initiative ist eine politische, vorangetrieben von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy; die Initialzündung für Desertec kam dagegen aus der Wirtschaft.

Das ist deshalb von Bedeutung, weil das Milliarden-Projekt auf privaten Finanzierungen basiert. Gleichwohl wird genauso von den Staaten ein Beitrag erwartet: „Wenn es um Förderung geht, darf es sich lediglich um eine Anschubfinanzierung handeln“, sagt Siemens-Manager Utz. „Desertec wird keine Dauersubventionsveranstaltung sein.“

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Time am 22. Juni 2010