Posts Tagged ‘Pierre Vogel’

Kein regionales Problem

13. Januar 2018

Till-Reimer Stoldt berichtet für die „Welt“ über das SA-lafistennetzwerk in NRW (1).

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Nordrhein-Westfalen

Das Netzwerk der Salafisten in NRW

Mit keiner anderen Extremistengruppe tut sich der Staat so schwer wie mit den Ultraislamisten. Woran liegt das bloß? Ein Blick auf ihre Prediger, Finanziers, Moscheen, Frauen und Kinder.

Welch zäher Gegner extremistische Salafisten sind, deutete sich vor einem halben Jahrzehnt an. Im Mai 2012 kam es in Bonn zu einer Straßenschlacht zwischen Polizei und Salafisten. Um die zu beenden, entschied sich der Polizeiführer für die Furcht-und-Schrecken-Strategie: Hunderte mit Helm, Schild und Knüppel bewaffnete Beamte rannten urplötzlich auf die 200 Salafisten zu. Dabei schlugen sie laut mit den Knüppeln auf ihre Schilde. Diese Schlachtformation treibt erfahrungsgemäß jeden in die Flucht – ob Skinheads, Ultras oder Autonome. Nicht aber die Radikalislamisten. Sie stürmten ihrerseits auf die Übermacht der Polizisten zu.

Diese Geschichte erzählen Sicherheitsexperten gern, um zu verdeutlichen: Die frommen Extremisten sind anders. Auch bei einer Landtagsanhörung zum Salafismus diese Woche konstatierten mehrere Experten: Die Radikalislamisten sind zäh. Dabei hat das Land „wohl gegen keine andere Extremistengruppe in den vergangenen Jahren so viel unternommen“, sagen Sebastian Fiedler vom Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) und Arnold Plickert von der Gewerkschaft der Polizei (GdP).

Tatsächlich: Allein zwischen November 2016 und Juli 2017 wurden in NRW Dutzende Gerichtsverfahren gegen militante Salafisten angestrengt. Gebetsvereine wurden verboten, Auftritte untersagt, Razzien durchgeführt, Prediger inhaftiert, Verfassungsschutz und Polizei um Hunderte Stellen verstärkt. Und seit 2014 wird mit „Wegweiser“ auf bundesweit einzigartigem Niveau ein Präventionsprogramm ausgebaut, das Gefährdete vom Sprung in den Extremismus abhalten soll.

Trotzdem steigt die Zahl extremistischer Salafisten (die man von den Gewaltfrei-Unpolitischen unterscheiden muss). 2012 lag sie bei 1000, Ende 2017 bei 3000, von denen rund 700 als offen gewaltorientiert gelten. Immerhin hat sich das Wachstum zuletzt verlangsamt. Aber auch der NRW-Verfassungsschutz konstatiert, „die Attraktivität des extremistischen Salafismus gerade für junge Menschen“ sei „ungebrochen“. Salafisten seien einfach gut darin, flexibel auf immer neue Herausforderungen zu reagieren. Daher gelingt es ihnen noch immer, Nachwuchs zu rekrutieren – unter deutschen Staatsbürgern (knapp die Hälfte) wie unter ausländischen. Seit 2015 eingewanderte Flüchtlinge stellen aber nur gut drei Prozent der Salafisten.

Prediger

Über 70 salafistische Prediger gibt es in NRW, doch die wenigen bekannten Prediger unter ihnen rekrutieren mehr Gläubige als alle anderen zusammen. Das gilt vor allem für die Kölner Pierre Vogel und Ibrahim Abou-Nagie. Vogel gewinnt mit seiner hemdsärmelig-rheinischen Rhetorik nach wie vor Menschen für das salafistische Weltbild. Konsequenter als andere verdammt er zwar Terror und Gewalt. Weshalb ihn der „Islamische Staat“ gar zum Ungläubigen erklärte. Laut Verfassungsschützern haben aber viele spätere Terroristen den ersten Schritt ihrer Radikalisierung unter Einfluss Vogels vollzogen.

Abou-Nagie konzentriert sich dagegen primär darauf, junge Leute für den Krieg zu begeistern. Lange bildeten die beiden mit dem Mönchengladbacher Sven Lau ein prominentes Trio – bis Lau 2017 zu fünf Jahren Haft verurteilt wurde.

Aber auch die beiden anderen prominenten Prediger gerieten unter Feuer. Abou-Nagies Verein „Die wahre Religion“ wurde verboten, seine missionarische Koran-Verteilaktion „Lies“ auch, und er selbst wurde wegen Hartz-IV-Betrugs verurteilt. Gegen Vogel und Co. ging der Staat mit Auftrittsverboten, Razzien und engmaschiger Überwachung vor.

Und der öffentliche Druck führte dazu, dass sie kaum mehr eine Halle mieten können. Doch an ihrer Mission hindert sie das nicht. Sie verstärkten ihre Internetpräsenz und machten ihre Botschaft viral, „das heißt, sie verbreitet sich unkontrollierbar im Netz“, wie NRW-Verfassungsschützer einräumen. Zudem entdeckten Vogel und die Seinen die Wohnzimmer-Mission. Sie treten zunehmend in Privatwohnungen auf. Und anstelle des Korans wird seit 2017 in Fußgängerzonen und Internet die Biografie des Propheten verteilt – und dabei unter dem Motto „We love Muhammad“ für den salafistischen Islam geworben.

Finanziers

Seit Jahren warnen Sicherheitsbehörden, dass organisierte Spendensammler und Kriminelle für die salafistische und dschihadistische Szene im In- und Ausland Millionenbeträge auftreiben. Organisationen wie Ansarul Aseer aus Solingen, denen man dies nachweisen konnte, wurden verboten. Auch die Ermittlungen gegen Finanziers des Extremismus wurden ausgebaut. Dadurch flogen internationale Netzwerke mit Ablegern in NRW ebenso auf wie regionale Banden, die Dutzende Kirchen ausraubten. Zudem hat das Land 2017 eine Task Force eingerichtet, um die Geschäfte der Extremisten noch effektiver zu bekämpfen.

Dennoch erwirtschaften die Terrorfinanziers Millionenbeträge mit Betrug und Geldwäsche. Und nach wie vor gibt es etwa fünf Organisationen wie „Helfen in Not“ oder „Medizin mit Herz“, denen Verfassungsschutz oder Bundesanwaltschaft eine Art Fundraising für Extremisten im In- und Ausland unterstellen. Laut Verfassungsschutz sind bei diesen eng beobachteten Organisationen derzeit „trotzdem umfangreiche Aktivitäten zu verzeichnen“. Im Internet seien Geldgeschäfte eben schwer zu kontrollieren.

Moscheen

Es ist erst zwei Jahre her, da verkündeten Experten, in hiesigen Moscheen werde niemand mehr radikalisiert, weil der Staat dort so massiv abhöre. Und weil moderate Moscheebetreiber die Salafisten verjagten. Doch längst haben die Ultrafrommen reagiert – und eigene Moscheen gegründet. Innenminister Herbert Reul (CDU) machte dieses Comeback der Moschee als Ort der Radikalisierung nun bekannt. Er warnte, allein in der zweiten Hälfte 2017 sei die Zahl salafistischer Gotteshäuser von 60 auf 73 hochgeschnellt.

Schließen lassen die sich aber nur, wenn sie nachweisbar verfassungsfeindlich sind oder gegen den Gedanken der Völkerverständigung verstoßen. Doch die Salafisten wissen meist, was sie öffentlich sagen dürfen und was nicht. Reul räumt ein, hier gebe es ein ungelöstes Problem – noch. Insidern zufolge steht in den kommenden Wochen eine Verbotsoffensive bevor.

Frauen

Seit Monaten mobilisieren die Salafisten verstärkt Frauen. Weil viele Männer inhaftiert oder im Ausland sind, missionieren nun ihre Gattinnen. Statt sich auf Haushalt und Familie zu beschränken, gründen viele der rund 450 registrierten Salafistinnen in NRW sogenannte Schwesternnetzwerke. Vorwiegend online werben sie für ihren radikalen Islam.

Offiziell tauschen sie scheinbar harmlos in Foren und Chats Kosmetik-, Kleidungs- und Ernährungstipps aus. Und empfehlen islamisch korrekte Wellness-Produkte. Doch dahinter steht laut NRW-Verfassungsschutz offenbar der Versuch, muslimische Frauen zu radikalisieren. Darauf deutet auch hin, dass manche dieser Aktivistinnen Verbindungen zu Dschihadisten besitzen. So leitet die Ehefrau des verurteilten Terroristen Fritz G. (bekannt als „Sauerlandbomber“) ein solch 40-köpfiges Netzwerk. Aber verbieten lassen sich solche Netzwerke nicht.

Kinder

Als Personalreserve der Salafisten gewinnen auch Kinder an Bedeutung. Mutmaßlich Hunderte wachsen derzeit in NRW bei radikalislamistischen Eltern auf. Dutzende werden bald aus ehemaligem IS-Territorium zurückkehren. Und schon jetzt sind hierzulande „gewaltbereit-extremistische Neun-Jährige bekannt“, warnt BDK-Chef Fiedler. Wie man das Heranwachsen einer neuen Extremisten-Generation präventiv unterbindet, ist daher Thema vieler Debatten.

Bei der Radikalisierungs-Hotline des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge melden sich vermehrt Lehrer und Schulpsychologen. Ihnen fallen vermehrt Grundschulkinder mit islamistischen Tendenzen auffallen.

Doch ausgerechnet „Wegweiser“, das bundesweite Vorzeige-Präventionsprojekt aus NRW, ist hier überfordert. Dessen Experten können Gefährdete nur erreichen, wenn die oder ihr Umfeld es wollen. Daher setzen die Fachleute auf die Schule. Dort müssen die Salafisten-Kinder hin. Und dort haben Lehrer und Spezialisten Jahre Zeit, um das Weltbild der Kinder ins Wanken zu bringen.

Jedenfalls hätten sie diese Zeit, wenn es genug geschulte Pädagogen gäbe. Die fehlen aber auf dem Arbeitsmarkt, konstatiert der Münsteraner Politikprofessor Aladin El-Mafaalani. Auf absehbare Zeit gebe es nicht einmal genug Ausbilder, um die Lehrer in Schulen und Mitarbeiter in Jugendämtern allesamt fortzubilden. Die Salafisten dürfte es freuen.

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Time am 13. Januar 2018

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1) https://www.welt.de/regionales/nrw/article172416004/Extremismus-Das-Netzwerk-der-Salafisten-in-NRW.html

Who am I telling you

19. September 2015

Go

Das Strategiespiel „Go“ wurde schon vor 4.000 Jahren in China gespielt. Dabei geht es darum, den Gegner zu umzingeln.

MoT-Kommentator Faust macht eine Radikalisierung meinerseits aus und schreibt (1):

„Und Sie, mein lieber Time, wirken ob des sich darbietenden bundesrepublikanischen Schauspiels ebenfalls von Tag zu Tag entschiedener – und das nicht bloß in Bezug auf den Islam, dessen Bedrohungspotential durch die aktuelle deutsche Politik immer massiver wird.“

Bin ich „entschiedener“ als vor neun Jahren, als ich bei Eisvogels „Acht der Schwerter“ kommentierte?

Ich hatte im Frühjahr 2002 mein „Heureka“ gehabt, als ich quasi gleichzeitig den Kloran und Poppers „offene Gesellschaft“ las, und ich war durch die eindeutige Bösartigkeit und Kleinkariertheit des mohammedanistischen Grundlagentextes erschüttert worden. Ich habe seitdem die Kritik am Mohammedanismus zu einem meiner großen Hobbies gemacht, so wie dies zeitbedingt auf andere Weise zuvor die Kritik am Nationalismus und am Kommunismus gewesen waren.

Ich habe versucht, dieses Thema aus all den Themen, die mich und andere Menschen sonst so umtreiben, herauszulösen, um die ganz besondere Verdorbenheit und Gefährlichkeit des Mohammedanismus sichtbar werden zu lassen.

Bei aller Kritik am Mohammedanismus und seinen dummen oder grausamen Helfern habe ich diesem unsere offene Gesellschaft als das Gesellschaftssystem positiv entgegengestellt, das ich – auch im Einklang mit meiner christlichen Überzeugung – verteidigen möchte. Ich kann unsere Gesellschaft in keinster Weise als Problem ausmachen, und ich möchte sie in keinster Weise grundsätzlich ändern.

Ich kann daher die Hoffnung des geschätzten Blogger-Kollegen Michael Mannheimer nicht teilen, der eine Perspektive in einer sich verselbstständigenden Polizei (2) oder einem Widerstand innerhalb der Bundeswehr zu sehen scheint (3). Zur offenen Gesellschaft und einer durch eine Mehrheit demokratisch gewählten Regierung gibt es für mich keine Alternative. Dr. Angela Merkel wird daher nicht „gestürzt“, denn sie ist keine Diktatorin, sondern eine demokratisch gewählte Regierungschefin. Falls jemand anders ihre Aufgaben übernimmt, muss dieser ebenfalls durch einen demokratischen Prozess ausgewählt werden.

Was wissen wir von den Aufgaben der Bundeskanzlerin? Ich weiß sehr wenig Konkretes darüber. Insofern fällt es mir schwer zu beurteilen, ob sie ihre Arbeit gut oder schlecht macht. Der Vater meines Vaters diente in zwei Kriegen, ich hingegen habe noch nie eine Kriegswaffe in der Hand gehalten. Das ist für mich ein ganz wesentlicher Pluspunkt meines Lebens. Dafür bin ich der deutschen Politik dankbar. Auch Frau Dr. Merkels Agenda scheint mir das Vermeiden von Krisen und Konflikten zu sein, und dafür bin ich ihr dankbar.

Ich weiß nicht, ob sie der m.E. lebensbedrohlichen Gefahr, die durch das massenhafte Eindringen von Menschen, die der nazislahmischen Ideologie anhängen, angemessen begegnet. Könnte sie, die nicht nur einzelne Interessengruppen sondern ein ganzes Volk führen muss, den Orkhorden angemessener begegnen? Schätzt sie die Kräfteverhältnisse falsch ein (4)?

Ich kann es nicht sagen, ich weiß es nicht.

Vielleicht ist das Bild von der offenen deutschen Gesellschaft, das Frau Merkel in der Weltöffentlichkeit und vor allem in der Orksphäre kreiert, ja gut und wichtig.

Sind denn alle, die zu uns kommen, und seien es auch zu 80% ungebildete und hormongesteuerte Orkmännchen, automatisch Klienten von Mazyek oder Pierre Vogel?

Was wäre denn, wenn in einem fortgeschrittenen Stadium der Bedrohung doch alle Grenzen geschlossen, die Scheichs enteignet, die Moscheen abgerissen würden usw.? Ist das jetzt völlig ausgeschlossen?

Bevor es soweit ist, braucht es aber doch einen Vorlauf. Und vielleicht ist so etwas auch gar nicht nötig. Der Blick in die Länder der Orksphäre zeigt den totalen Niedergang. Ist der IS-IS denn wirklich mehr als das letzte Zucken der verendenden Bestie? Welche ist denn die Ideologie, der Glauben, dem die meisten Menschen folgen? Warum sollten wir (und vor allem wir Christen) uns denn fürchten?

Ich möchte Ihnen drei Texte vorlegen, die die vorstehenden zweifelnden Gedanken bewirkt haben.

Keinen Zweifel habe ich hingegen an der Natur des Mohammedanismus, wie sie durch seine drei Grundlagentexte Kloran, Sira und Hadith bezeugt wird. Diese Ideologie ist verbrecherisch und eine Plage der Menschheit, und sie muss vollständig dekonstruiert werden!

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Torsten Krauel, „Welt“ (5):

Die Blitzwende der Flüchtlingskanzlerin

Der Entschluss der Kanzlerin, Tausende Syrer aus Ungarn einreisen zu lassen, wirkte wie eine Ad-hoc-Entscheidung. Aber ihre Haltung in der Flüchtlingsfrage ist das Ergebnis jahrelanger Planspiele.

Angela Merkel hat am Mittwoch im Bundestag Sätze gesagt, die auf sie selber gemünzt zu sein schienen. „Wir erleben immer wieder, dass es in Europa Herausforderungen gibt, bei denen es ganz besonders auf uns ankommt, auf Deutschland, auf Deutschlands Kraft und auf Deutschlands Stärke“, sagte sie.

Und: „Wir wissen: Auch in der Euro-Krise haben wir nicht immer alle zusammengestanden, sondern da stand Deutschland manchmal ganz schön alleine da, so jedenfalls meine Erinnerung. Aber was wir immer wieder erlebt haben – das sollte uns Mut machen –, ist, dass es genau diese Bereitschaft und diese Kraft Deutschlands sein kann, die schließlich den Weg für eine europäische Lösung freimacht.“

Im Kern erhob Merkel einen deutschen, genau gesagt sogar ihren eigenen Alleingang zum Führungsprinzip. Sie selbst würde das vehement bestreiten und stets sagen, es gehe um den gemeinsam verabredeten Weg zu Entscheidungen, die von allen getragen werden. Aber die Kraft und Stärke Deutschlands als Schlüsselfaktor für derartige Entscheidungen zu bezeichnen – das hat sich in ihrem Amt lange niemand mehr getraut.

Applaus von allen Seiten

Es war ein Auftritt, bei dem Merkel vier Mal Applaus aus allen Fraktionen des Bundestages bekam – Union, SPD, Grüne, Linkspartei. In ähnlich angespannten Situationen, zum Beispiel bei Merkels Regierungserklärungen zur Bankenkrise oder zur Energiewende, gab es kein einziges Mal beziehungsweise nur einmal einen so breiten Beifall.

Angela Merkel hat es geschafft, das Wirken ihrer angeblich so undemokratisch großen Regierungskoalition als einen Segen für Deutschland darzustellen. Das muss ihr erst einmal jemand nachmachen – besonders bei einem so brisanten Thema wie der Zuwanderung.

Merkels Entschluss, zusammen mit Österreich die EU-Abreden über das Weiterreiseverbot von Flüchtlingen außer Kraft zu setzen, war eine ähnliche Blitzwende wie nach dem Reaktorunfall von Fukushima. Wieder einmal zeigte die Bundeskanzlerin, dass sie dem Satz folgt, Gesetze seien für Menschen da und nicht umgekehrt. So hatte es auch schon Helmut Schmidt 1962 bei der Hamburger Flutkatastrophe gehalten, als er kurzerhand das Verbot inländischer Bundeswehreinsätze ignorierte.

Es gibt immer Kritiker, die solche Flexibilität für den Präzedenzfall gesetzloser Zustände halten, und so ist es auch diesmal. Die Reiseerlaubnis für die in Ungarn gestrandeten, nach Deutschland drängenden Flüchtlinge sei reine Gefühlspolitik. Die Bundesregierung habe sich von Aufsässigen erpressen lassen. Auch bei vielen anderen Themen gewinne künftig, wer genügend eindrucksvolle Fernsehbilder produziert. Solche Gedanken sind oft zu hören.

Die CSU nimmt diese Stimmungen mit ihrer scharfen Kritik an Merkels Entscheidung auf. Sie habe die CSU mit der Aufenthaltsbewilligung einfach überrollt, sagen CSU-Politiker – ein schmerzhafter Beweis dafür, dass die Schwesterpartei in Berlin derzeit nur wenig zu melden hat, wenn es darauf ankommt.

Die Stimmungen vermischen sich mit der Angst von SPD, Linkspartei, CSU (und genauso auch französischer, polnischer oder dänischer Parteien), die massenhafte Einwanderung könne den Arbeitsmarkt ins Chaos stürzen. Sie vermischen sich mit der Angst, der Islamische Staat könne in den Flüchtlingszügen Attentäter nach Deutschland schleusen.

Schröders Kalkül in der Serbienkrise 1999

In die seelische Gemengelage hinein wirkt auch das Trauma des ganzen historischen Europas, die unterschwellige Erinnerung an die Invasionen der Hunnen, Araber, Mongolen und Türken. Ungarns Grenzzaun, Frankreichs Abwehrhaltung, Polens Wunsch nur nach christlichen Flüchtlingen entspringen nicht zuletzt dieser Gedächtniswelt. Deutschland ist das Gefühl nicht fremd.

Gerhard Schröder drängte 1999 auf das militärische Vorgehen der Nato gegen Belgrad, weil er ohne den Regimewandel in Slobodan Milosevics Serbien eine Flüchtlingswelle aus dem Balkan fürchtete. Und nun öffnet Angela Merkel aus einer Eingebung heraus Europas Tore?

Der Eindruck täuscht. Die Flüchtlingswelle kam plötzlich, aber keineswegs überraschend. Seit Jahren schaut Merkel argwöhnisch auf manche nur äußerlich stabile Mittelmeeranrainer. Da lauert Potenzial für noch viel mehr Flüchtlingsströme. Der Einsatz für eine diplomatische Lösung in der Ukraine entspringt derselben Sorge.

Ruhe in die Aufregung bringen

Merkels scheinbare Ad-hoc-Entscheidungen sind oft das Ergebnis jahrelanger stiller Planspiele. Das ist keine Verklärung von Fehlentscheidungen, die es selbstverständlich gibt; es ist in diesem Fall aber der Grund für die Entschlossenheit, mit der sie das Ruder herumreißt. Ihr Satz gegenüber der „Rheinischen Post“, für das Grundrecht auf Asyl gebe es keine Obergrenze, ist nicht einfach dahergesagt.

Ein Zuwanderungssturm auf ein mental unvorbereitetes Europa bringt die ganze Konstruktion der EU in ungutes Schwingen, so wie 1989 die DDR-Flüchtlingswelle. Wie damals Helmut Kohl, so will Merkel heute Führungsstärke zeigen, und zwar nicht durch Krieg, sondern dadurch, dass mit Selbstvertrauen Ruhe in die Aufregung kommt.

Merkels simple Botschaft „Wir schaffen das“ ist an ganz Europa gerichtet. Ihr öffentliches Vertrauen in Deutschlands Stärke soll in der EU dieselbe Wirkung erzielen wie eine Zusicherung Barack Obamas in der Nato. Gleichzeitig soll die Bevölkerung nicht glauben, sie müsse mit ihrer Hilfsbereitschaft ein Staatsversagen kompensieren.

Noch ist die Finanzierung gesichert

Im Gegenteil. Staat und Wähler sollen eine Einheit sein. Ob das funktioniert, ist völlig offen. Bei den Lichterketten gegen Übergriffe hat das vor zehn Jahren geklappt. Die Sorge, Herostraten würden das politische Establishment nun von Anschlagsort zu Anschlagsort hetzen, war grundlos. Stattdessen wandelte sich Deutschland weiter zur positiven Weltoffenheit.

Ob das diesmal auch so ist? Auf die Notlage antwortet Merkel nicht mit dem Drängen nach mehr Luftangriffen auf den Islamischen Staat, sondern mit Häusern und Lehrern für Flüchtlinge. Das kostet Milliarden. Noch ist die Finanzierung gesichert. Wenn die Flüchtlingszahl aber weiter zunimmt, werden eines Tages vielleicht Steuererhöhungen denkbar.

Sie würde nur Merkel durchsetzen können, denn auf der linken Seite des politischen Spektrums gilt in Notlagen weithin der psychologisch verräterische Satz: Wir müssen die Reichen zur Kasse bitten. Im Klartext heißt das: Sollen doch andere helfen. Unbedingte Solidarität zum deutschen Markenzeichen machen – das kann derzeit nur Angela Merkel.

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Gefunden bei Leo „Bulldog“ Brux (6):

Ich war in den vergangenen Tagen im Flüchtlingslager am Hauptbahnhof, ich habe dort als Dolmetscherin geholfen, weil ich selbst seit drei Jahren als Flüchtling in Deutschland bin.

“Menschlichkeit …” – Der Begriff Menschlichkeit bezieht sich in seiner Bedeutung auf “alles, was Menschen zugehörig oder eigen ist”, insbesondere auf das, was den Menschen vom Tier unterscheidet. In diesem Sinne bedeutet “menschliches Verhalten”, wie sich ein ganz normaler Mensch verhalten soll.

Und dieses menschliche Verhalten haben wir Syrer nur von den Deutschen gesehen, dafür sind wir sehr dankbar.

Als ich vor circa drei Jahren nach Deutschland kam, habe ich erwartet, dass die Deutschen nicht so offen sind, um mit den Ausländern auf Englisch zu sprechen.

Aber als ich in einem Flüchtlingslager für drei Tage untergebracht wurde, habe ich gemerkt, dass die freiwilligen Helfer, Ärzte und Polizistgen sogar bereit waren, ein paar Wörter auf Arabisch zu lernen, wie zum Beispiel: Herzlich Willkommen, hier gibt es Essen, auf der anderen Seite befinden sich die Getränke, Schmerzen, Familien zusammenbleiben, und so weiter.

Die Deutschen haben mir etwas ganz Wichtiges beigebracht, und zwar, dass die Menschlichkeit gar nichts mit Sprache, Kultur, Staatsangehörigkeit, Ort, Beruf oder Religion zu tun hat, und dass man nicht wegen des Aussehens einen Menschen verurteilen darf!

Ich habe dort viel erlebt. Etwa auch, dass eine deutsche Polizistin wegen eines dreijährigen Mädchens geweint hat. Oder wie die Deutschen sich warmherzig um Kinder gekümmert haben, Spielzeuge verteilt haben und sogar mit denen gespielt haben, wie schnell und gut die Ärzte in Notfällen reagiert haben.

Ich war auch überrascht, dass so viele von den gespendeten Schuhen und viel Kleidung neu gekauft war – etwas, das wir selbst in unserem Heimatland leider nicht hatten.

Sie geben einfach ihr Bestes, damit sich Flüchtlinge wohl fühlen.

Ich habe auch gesehen, wie sie immer versucht haben, dass die Plätze möglichst sauber blieben, was wahrscheinlich kein anderes Volk tun würde.

Ich habe immer das schönste Lächeln von ihnen gesehen, während andere Länder nur ihre schmutzigen Zähne zeigen.

Die Flüchtlinge brauchen keine Krokodilstränen. Sie benötigen Hilfe, und das ist genau das, was Deutschland für sie getan hat.

Jetzt weiß ich ganz genau, warum ich München so liebe.

Im Namen meines Volkes, Deutschland, wir schätzen dein Willkommen, dein Verhalten, deinen Frieden, deine Sicherheit und deine medizinische Versorgung.

Danke, dass wir jetzt auf die Straße gehen ohne Angst vor dem Tod, dass wir hier keine Geräusche von Waffen hören.

Wir werden unseren Kindern erzählen, dass du uns in deinen warmen Händen in diesem Winter umarmt hast, während die reichen arabischen Länder ihre Tore zu gemacht haben.

Das werden wir nie vergessen.

Rwaida Seraj aus Syrien, Studentin an der LMU München

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Flüchtling an Saudis: „Ihr seid keine Muslime!“

Flüchtling stellt Golfstaaten bloß (7)

Unbewohnte Luxuszelte, aber kein Asyl für Schutzsuchende. Ein syrischer Flüchtling schimpft auf Saudi Arabien, Katar und Kuwait. Er lobt Deutschland und sagt in einem Video, dass die Saudis „keine Muslime“ seien, weil sie Flüchtlinge aussperren.

Die Golfstaaten weigern sich, Flüchtlinge aufzunehmen, obwohl sie nicht nur genügend Ressourcen, sondern auch eine moralische Verpflichtung hätten. Ein hochmodernes Zeltlager für Pilger steht an 360 Tagen im Jahr leer und könnte drei Millionen Flüchtlingen Platz bieten.

Der Mann aus Syrien war früher Journalist und hat eine klare Meinung zur Flüchtlingsthematik. In Syrien wäre er für diese Meinungen verhaftet worden. Er spuckt in dem Video auf die Golfstaaten, die viel zu wenige Flüchtlinge aufnehmen.

„Ich spreche zu Saudi Arabien. Zu Saudi Arabien und Katar! (spuckt) Ihr seid keine Muslime! Muslime schaut: Ich grüße euch Deutschen!“, sagt er im Video. „Die ganzen Golfstaaten. Sie tun so, als seine sie Muslime. Doch sie sind keine Muslime.“

Er lobt Deutschland und bedankt sich für die Nächstenliebe, die er erfahren hat: „Sie sagen, dass Deutschland ein Staat der Ungläubigen sei. Doch kommt und seht, was Deutschland für uns Muslime tut. Die Deutschen öffnen ihr Herz und ihr Haus für uns. Geben uns Essen, Trinken und ein Zuhause. Und was geben die Golfstaaten, die Saudis?! Ich spreche nicht von den Menschen, ich spreche von den Regierungen. Ich schwöre: Wenn ich könnte, würde ich jeden einzelnen Deutschen küssen. Saudi-Arabien und Katar schließen ihre Grenzen für uns. Doch im Islam ist ein Muslim ein Muslim. Im Islam gibt es keine Grenzen. Deutschland ist nicht muslimisch. Und hier gibt es vielleicht Ungläublige. Doch schaut, was sie trotzdem für uns tun.“

In Saudi Arabien gibt es laut UNHCR derzeit nur 661 Flüchtlinge. Katar hat sogar nur 221 Menschen aufgenommen, in Kuwait leben immerhin 1.652.

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Time am 19. September 2015

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1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2015/09/18/rational-in-die-finsternis/#comment-10064
2) http://michael-mannheimer.net/2015/09/18/der-unmut-ueber-die-politik-merkels-hat-neben-dem-militaer-nun-auch-polizeikreise-erreicht-offener-brief-eines-polizeibeamten-ueber-die-untragbare-politik-merkels/
3) http://michael-mannheimer.net/2015/09/16/es-formiert-sich-bereits-widerstand-unter-spitzenmilitaers-gegen-merkels-wahnsinnige-politik/
4) https://madrasaoftime.wordpress.com/2015/09/18/rational-in-die-finsternis/
5) http://www.welt.de/debatte/kommentare/article146316975/Die-Blitzwende-der-Fluechtlingskanzlerin.html
6) http://blog.initiativgruppe.de/2015/09/18/fluchtingskrise-2015-19-das-dankeschon-einer-syrerin-an-deutschland-und-an-all-die-freiwilligen-helfer/
7) http://www.heute.at/news/welt/art23661,1211025

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Soundtrack: „Who am I telling You“ von J.J. Cale (mit E. Clapton) unter
https://www.youtube.com/watch?v=j5y7UW4jr84

Hier der Text:

Who Am I Telling You?

It don‘t take no fool to love you
You stand out in any crowd
And I know men who want to own you
I can hear them talking loud
There ain‘t no point in just me talking
Who am I telling you?

But you don‘t got yourself together
And you can bet whithin in you
I just realised
I just realised
Who am I telling you?

You never lose, you are a winner
It‘s a simple thing for you
If I‘m standing at a crossroad
You know exactly what to do
From this moment on I loved you
Somewhere in between I learned
I‘m just reaching out to touch you
It‘s the point of no return
I just realised
I just realised
And I just realised
Who am I, who am I, who am I telling you?

I just realised
I just realised
And I just realised
Who am I, who am I, who am I telling you?

Nicht-islamistische Kräfte fördern

2. Februar 2015

Pappnasen

Das Zentralkommittee gibt bekannt…

„FAZ.NET“ bringt heute einen Gastbeitrag von Alice Schwarzer (1), in dem sie unsere Bundeskanzlerin kritisiert, so wie Hamed Abdel-Samad vor ihr (2).

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Alice Schwarzer zum Islamismus

Hier irrt die Kanzlerin

Für Angela Merkel beginnt Islamismus da, wo Gewalt angewendet wird. Doch er fängt schon früher an. Auch in deutschen muslimischen Verbänden gibt es Unterdrückung. Ein Gastbeitrag.

Die „Trennlinie zwischen Islam und Islamismus“ definiert die Bundeskanzlerin so: „Der Islamismus findet statt, wo unter Berufung auf die Religion Gewalt angewendet wird oder zur Gewaltanwendung aufgerufen wird, um andere zu unterwerfen.“ Gesagt hatte sie dies in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Doch mit Verlaub, Frau Bundeskanzlerin: An diesem Punkt ist es bereits zu spät. Viel zu spät. Denn die Gewalt ist nur die Spitze des Eisberges des politisierten Islam, des Islamismus. Ihr geht eine ideologische Indoktrinierung voraus, der Drill der Gläubigen zur Selbstgerechtigkeit und Verachtung der „Anderen“, als da sind: Frauen, Juden, Homosexuelle, Kreative, „Ungläubige“. Dieses Schüren von Hass auf die Anderen ist die Saat der Gewalt. Mit der Kalaschnikow in der Hand geht die Saat auf.

In allen totalitären (Denk-)Systemen ist die Entmenschlichung der Anderen die Voraussetzung dafür, dass die Einen sich zu Herren über Leben und Tod der Anderen aufschwingen. Der Kadavergehorsam der Indoktrinierten beginnt in der patriarchalen Familie, in Koranschulen und in den orthodoxen oder gar islamistischen Moscheen. Und da reden wir nicht nur von salafistischen Moscheen. Wir reden unter anderem auch von den heute etwa 1000 Ditib-Moscheen in Deutschland, die finanziell wie personell von der Türkei abhängig sind. Vor der Machtergreifung Erdogans waren das Stätten eines echten Dialogs, heute weht da ein anderer Wind.

Die Islamisten missionieren seit den achtziger Jahren

Die frühe Unterwerfung von Söhnen, Töchtern und Frauen findet ihre konsequente Fortsetzung in den Schmieden der Gottesstaatler, die aus Ich-schwachen jungen Männern waffenstarrende Gotteskrieger formen und aus verlorenen jungen Frauen hörige Bräute. Die Islamisten missionieren seit den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, seit der Ausrufung des Iran zum Gottesstaat. Erstes Ziel dieser mit Petrodollars aus Saudi-Arabien und Qatar ausgestatteten Gottesstaatler waren die islamischen Länder, doch sind sie auch sehr rasch in den muslimischen Communities der westlichen Welt angekommen.

Dennoch zeigen aktuelle Umfragen, dass die überwältigende Mehrheit der Menschen aus dem muslimischen Kulturkreis in Deutschland die Demokratie schätzen. 90 Prozent aller Muslime halten laut Bertelsmann-Studie nicht etwa den Gottesstaat, sondern die Demokratie für „eine gute Regierungsform“; ebenso viele haben „regelmäßigen Freizeitkontakt“ zu Nichtmuslimen. Und 60 Prozent bejahen nicht nur die Homosexualität, sondern sogar die Homoehe – was für Islamisten des Teufels ist.

Das sind wirklich gute Nachrichten! Die Muslime in Deutschland sind also mehrheitlich integriert. Doch genau darum sind sie die ersten Opfer der Islamisten, nicht wir. Sie sind es, die in den Augen der Fanatiker „Verräter“ sind. Sie sind es, die von den Islamisten agitiert, unter Druck gesetzt und bedroht werden. Sie sind es, deren Söhne sie vergiften und deren Töchter sie entrechten. Sie sind es, die wir im Stich gelassen haben.

Ausgerechnet die freiheitsliebenden Muslime haben wir in den vergangenen Jahrzehnten alleingelassen. Stattdessen hat die Politik den Islamisten nach dem Mund geredet. Sie hat es zugelassen, dass leichtfertig einem Kulturrelativismus das Wort geredet wurde, bei dem die Menschenrechte zwar für uns gelten – aber nicht für muslimische Männer und schon gar nicht für muslimische Frauen. Höchste Zeit also, dass sich das ändert! Denn die Gefahr wächst.

Die Saat geht auf

Aus Frankreich ist zu hören, dass nach den Attentaten auf „Charlie Hebdo“ und den jüdischen Supermarkt keineswegs alle erschrocken waren. Schulen mit hohem Muslim-Anteil melden, dass manche Schüler in der verordneten Schweigeminute „Allahu Akbar“ riefen, aufklärende Lehrerinnen und Lehrer anpöbelten und drohten: „Das war erst der Anfang.“

Sicher, Frankreich, wo die Söhne, Enkel und Urenkel der einst Kolonialisierten leben, hat ein noch größeres Problem als Deutschland. Doch auch aus Berlin oder Köln ist seit Jahren, ja Jahrzehnten zu hören, dass unverschleierte Mädchen als „Nutten“ beschimpft werden und Lehrerinnen als „Huren“. Die Saat geht auf. Es ist zu befürchten, dass die nächste Generation der Muslime nicht mehr zu 90 Prozent die Demokratie bejahen wird.

Die einzige sinnvolle Antwort darauf ist eine wirklich konsequente Trennung von Staat und Religion. Es darf in den staatlichen Schulen keine Extraregelungen wegen Glaubenszugehörigkeit geben; Deutsch muss Sprache für alle sein; wir brauchen Aufklärung über Rechtsstaat und Gleichberechtigung der Geschlechter in den Klassen. Schluss mit der falschen Toleranz!

In den Tagen nach dem Attentat in Paris demonstrierten deutsche Politiker gemeinsam mit Muslimen gegen die islamistische Gewalt. Was im Prinzip eine gute Sache ist. Doch mit wem demonstrierte die Kanzlerin da Arm in Arm?

Mit Aiman Mazyek, dem Vorsitzenden des Zentralrates der Muslime. Weiß die Kanzlerin wirklich nicht, dass der Zentralrat der Muslime (dessen Namensgleichheit mit dem Zentralrat der Juden Kalkül ist) 1994 von einem deklarierten Islamisten, dem Konvertiten und Ex-Botschafter Wilfried Murad Hofmann mitgegründet wurde?

Der Zentralrat ist eng verbandelt mit den ägyptischen Muslimbrüdern, die die historische Keimzelle des Islamismus sind. Weiß das die Kanzlerin nicht? Ist ihr entgangen, dass die Stimme des gerne „beleidigten“ Zentralrates vor den Anschlägen in Paris kaum je zur Verteidigung der Pressefreiheit oder Ermutigung innerislamischer Reformen zu hören war? Dafür aber häufig, wenn es zum Beispiel um „das Recht“ von Lehrerinnen auf das Kopftuch oder die „Befreiung“ von Mädchen vom Schwimmunterricht oder von Ausflügen geht.

Scheidungsregeln auf islam.de

Auf der Internetseite islam.de, Redaktion Ayman Mazyek, wird dargelegt, wie ein Muslim zu leben hat. Denn der traditionelle Islam regelt nicht nur Glaubensfragen, sondern das ganze Leben des Mulims, bis ins letzte Detail. Hier eine exemplarische Kostprobe:

„Punkt 2: Scheidung seitens des Mannes. Stufe 1: Wenn der Mann den Entschluss gefasst hat, sich scheiden zu lassen, muss er erst einmal warten, bis die Frau sich in einer blutungsfreien Phase befindet, in der sie keinen Beischlaf hatte. Erst dann darf er mündlich und in besonnenem Zustand die Scheidung aussprechen. Nachdem er dies getan hat, ist die Scheidung noch nicht vollzogen. Die Frau soll weiterhin zu Hause wohnen. Es beginnt eine Zeit, die drei Monatsblutungen der Frau (oder drei Monate, falls keine Monatsblutung mehr vorkommt) dauert und während derer der Mann die Scheidung zurücknehmen kann. Tut er dies, gilt die Ehe als nicht geschieden. Tut er es nicht, ist die Ehe nach Ablauf der Frist geschieden.“

Für die „Scheidung seitens der Frau“, Punkt 8, genügen drei Zeilen: „Ist die Scheidung seitens der Frau gewollt, so muss sie sich an ein Gericht oder einen Schiedsrichter wenden. Dieser kann die Ehe aufheben gegen Rückzahlung des Brautgeldes.“

An dem Punkt „Islamische Trauung in Deutschland“ versäumt Mazyek nicht den Hinweis, dass hierzulande die Eheschließung auch standesamtlich durchgeführt werden müsse, damit sie gesetzlich gilt. Für den Fall empfiehlt er einen Ehevertrag mit den „typisch islamischen Klauseln der Ehe“, als da sind: die Morgengabe, die islamische Erziehung der Kinder und das (Frauen schwer benachteiligende) Erbrecht. So weit die Welt des Zentralrates.

Zum Glück sind weder der Zentralrat noch die übrigen drei Verbände im Koordinationsrat repräsentativ für die Muslime in Deutschland. Experten schätzen die Zahl der Mitglieder in den Moscheevereinen, die dem Zentralrat angehören, auf maximal 20000. Das ist nicht einmal ein Prozent der in Deutschland lebenden Muslime. Trotzdem ist der ZMD seit Jahren der Hauptansprechpartner für die Politik. Warum? Warum demonstriert die Kanzlerin den Schulterschluss nicht mit Repräsentanten der restlichen 99 Prozent?

Keine Stellungnahme zu Pierre Vogel

Zum Beispiel mit Mouhanad Khorchide. Der muslimische Religionsprofessor könnte das bestens gebrauchen. Er lehrt seit fünf Jahren in Münster islamische Theologie. Er bildet künftige Religionslehrer an deutschen Schulen aus; zurzeit hat er 650 Studenten. Der „Koordinationsrat der Muslime in Deutschland“, in dem auch der Zentralrat Mitglied ist, hatte der Lehrerlaubnis für den Theologen zunächst schriftlich zugestimmt. Doch seit 2013 steht Khorchide unter Polizeischutz. Der Grund sind Morddrohungen von Salafisten.

Aber nicht nur sie machen ihm das Leben schwer. Dem Koordinationsrat passt Khorchide nun nicht mehr. Er hat im Dezember 2013 ein 75 Seiten langes Gutachten gegen den Theologen verfassen lassen, um zu verhindern, dass er weiter lehrt. (Übrigens gibt es gegen den Salafisten Pierre Vogel keine einzige Stellungnahme der Verbände.) Die organisierten Orthodoxen wollten den von Khorchide vertretenen aufgeklärten Islam und seine Annäherung an Europa verhindern. Sie erklärten dessen Interpretation des Islam darum kurzerhand als „unwissenschaftlich“. Es geht also um Deutungshoheit. Und die wollen die Orthodoxen und Islamisten behalten.

Nicht zuletzt darum sollte die Mehrheit der nicht organisierten Menschen aus dem muslimischen Kulturkreis auch ein dringendes eigenes Interesse daran haben, sich zu organisieren: um Ansprechpartner für Politik und Medien zu sein. Bisher gibt es in Deutschland keinen sowohl von der Türkei als auch von den Muslimbrüdern unabhängigen Verband der Muslime, der einen aufgeklärten Islam verträte. Was es den bestehenden Organisationen leicht macht, für alle zu sprechen.

Die Stimmung ändert sich

Einen Tag vor dem unglücklichen Schulterschluss am Brandenburger Tor war der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu zu Besuch bei der Kanzlerin. Unwidersprochen konnte Davutoglu in Berlin die in Dresden demonstrierende „Pegida“-Bewegung mit den in Syrien mordenden Söldnern des „Islamischen Staates“ vergleichen. Meine 14 Jahre alte Nachbarin würde sagen: „Hallo? Geht’s noch?!“ Ausgerechnet die Türkei, die bisher mit logistischer Unterstützung und Waffenlieferungen eine Komplizin des IS war.

In dem zitierten Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hatte die Kanzlerin auch erklärt, sie wolle „die übergroße Mehrheit der Muslime in Deutschland vor einem Generalverdacht schützen“.

Das ist gut und nötig. Denn in der Tat verändert sich gerade die Stimmung. Aggressive Akte gegen Moscheen sind in Deutschland zum Glück selten, aber sie werden mehr. Und fanden 2012 noch 52 Prozent aller Befragten, der Islam passe „nicht zu Deutschland“, meinen das jetzt schon 61 Prozent. Wobei noch zu klären wäre, was mit dem Satz „Der Islam gehört zu Deutschland“ überhaupt gemeint ist.

Denn „den Islam“ gibt es nicht. Es gibt tausend Interpretationen und Lebensweisen von Muslimen in der islamischen wie der westlichen Welt. Aber es gibt den Islamismus. Und der kommt eindeutig daher: Er will eine wörtliche, fundamentalistische Auslegung des Koran zum Gesetz machen, zum Gottesgesetz.

Auch die Politik sollte darum endlich den Unterschied zwischen Islam und Islamismus begreifen, zwischen Glauben und Ideologie. Das heißt, Frau Bundeskanzlerin, die Politik sollte die nicht-islamistischen Kräfte gezielt fördern und unterstützen. Damit die Saat der Gewalt nicht mehr auf fruchtbaren Boden fällt.

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Time am 2. Februar 2015

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1) http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/islamismus-debatte-hier-irrt-die-kanzlerin-13388949.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2
2) https://madrasaoftime.wordpress.com/2015/01/17/nicht-qualifiziert/

Enthauptungen als Massenspektakel

20. Oktober 2014

PierreVogel

Pierre Vogel in seinem IS-IS-Pullover. Das Foto stammt angeblich von seiner eigenen Facebookseite und ist demnach keine Montage (1). Indes bestehen Zweifel darüber, ob Vogel ein gemäßigter oder ein moderater SA-lafist ist.

Frederike Haupt geht heute auf „FAZ.NET“ der Frage nach, inwieweit die Massenhinrichtungen des IS-IS als Volksbelustigung goutiert werden (2).

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Terrormiliz „Islamischer Staat“

Soziale Netzwerke als Waffen

Die Dschihadisten des „Islamischen Staat“ zeigen, wie soziale Netzwerke zum Medium des Terrorismus werden: Sie inszenieren Hinrichtungen nicht maximal blutrünstig – sondern als makabere Unterhaltungsshow.

Die IS-Terroristen lieben die sozialen Netzwerke. Sie benutzen sie als Waffe – und treffen damit Menschen auf der ganzen Welt. Es ist sogar so, dass diese Menschen sich freiwillig vom Terror treffen lassen.

Die Terroristen enthaupten Geiseln und stellen Videos davon ins Netz. Allein die Hinrichtung von James Foley wurde auf einer Internetseite, die solche Filme duldet, bisher 1,3 Millionen Mal angesehen. Plus die Klicks bei anderen Portalen. Warum wollen so viele Menschen so etwas Schreckliches sehen?

Menschen haben schon immer gern bei Enthauptungen zugeschaut – unter bestimmten Bedingungen. Uns gefällt alles, was eine „besondere Dramatik“ hat, deswegen muss heute alles „besonders dramatisch“ sein: Dschungelcamps, Autodesign, Joghurt. Eine sehr dramatische Hinrichtungsart ist das Köpfen. Nicht nur das Opfer steht im Mittelpunkt, sondern auch der Henker. Jemandem den Kopf abzuschlagen kostet eigentlich übermenschlich viel Überwindung, außerdem enorme Körperkraft. Erschießen, Vergiften, Ertränken oder Steinigen sind anders – man macht sich die Hände nicht blutig. Die Belohnung für den Henker ist der Kopf. Eine krassere Trophäe gibt es nicht.

Hinrichtungen sind ein altbewährtes Mittel

Menschen köpfen einander, seit sie das Werkzeug dafür haben. Erst nahmen sie das Beil, später, als sie schmieden konnten, auch das Schwert. Im alten Rom war es ganz normal, Verurteilte zu köpfen. Deswegen hält Justitia, die Göttin der Gerechtigkeit, das Richtschwert in der Hand. Es hat allerdings einen guten Grund, dass es gerade ein Schwert ist und nicht, nur zum Beispiel, eine Säge. Die öffentliche Enthauptung sollte möglichst schnell geschehen, mit einem einzigen Streich. Wie das Publikum reagierte, wenn das nicht gelang, beschreibt der Autor Karl Bruno Leder in seinem Buch über die Todesstrafe: Die Leute quengelten, randalierten oder warfen Steine auf den Henker. Wer sich eben noch auf die Show gefreut hatte, fühlte nun das verdrängte Mitgefühl in sich aufsteigen. Man wollte sich keine unberechenbaren Grausamkeiten zumuten. Es konnte schon reichen, dass der Henker den Todgeweihten grob schubste.

Die Henker wiederum machten Fehler, weil sie Angst hatten, Fehler zu machen. Sie soffen sich vor den Hinrichtungen Mut an, und so besoffen hauten sie gelegentlich daneben. Leder erwähnt einen Fall aus dem Jahr 1641, bei dem der Henker fast gesteinigt worden wäre. In Nürnberg sollte er eine Frau köpfen. Doch er verfehlte den Hals und schlug ihr stattdessen „ein Stück so groß wie ein Taler von dem Kopf weg“. Schwer verwundet begann die Sünderin auf einmal, um ihr Leben zu betteln. Aber es half nichts. Der Henker schlug sie auf den Boden und schnitt ihr den Kopf auf der Erde ab. Das Volk raste vor Wut. So hatte es sich die „besondere Dramatik“ nicht vorgestellt. Die Erfindung der Guillotine wurde euphorisch gefeiert, weil das Fallbeil Unfälle unwahrscheinlicher machte.

Zu brutale Videos schrecken ab

Terroristen wollen ihre Opfer nicht schonen. Sie wollen Schrecken verbreiten. Allerdings konzentrierten sie sich bisher stärker auf den Schrecken als auf dessen Verbreitung. Sie begingen zwar die grausamsten Verbrechen – aber bedachten oft nicht, dass vielen Menschen der Anblick zu brutal war. So war es zum Beispiel bei der Enthauptung des israelisch-amerikanischen Journalisten David Pearl vor zwölf Jahren. Er war in Pakistan entführt worden. In Internetforen warnen Leute bis heute davor, das Video seiner Hinrichtung anzuschauen. Nicht, weil da ein Mensch vor aller Augen ermordet wird. Sondern, weil es „extrem gewalttätig und grausam“ sei und vor allem mit verstörenden Geräuschen. So beschreibt es ein Nutzer auf der amerikanischen Seite Reddit. Andere berichten von kaum bekannten Hinrichtungsfilmen, bei denen die Geräusche das Schlimmste gewesen seien.

Ein Mann schildert, wie es war, sich die Enthauptung von Eugene Armstrong 2004 im Irak anzugucken. „Zehn Jahre ist das her, und ich sehe immer noch vor mir, wie das Blut aus seinem Hals strömt, höre immer noch das dumpfe Stöhnen.“ Sein Fazit: Wer das anklickt, wird seines Lebens nicht mehr froh. Ein paar Freaks klicken dann natürlich erst recht. Aber viele, die solche Videos gucken, ticken so wie die Leute im Mittelalter: Sie wollen eine Show sehen, aber keine Todesqualen. Das haben die IS-Terroristen verstanden.

Schwester Tooba ist keine Kriegerin

Vor zwei Wochen verbreitete sich auf Twitter die Nachricht, dass die IS-Leute ein neues Hinrichtungsvideo ins Netz gestellt haben. Darin werde der Brite Alan Henning geköpft. Auch Schwester Tooba las davon. Sie ist 20, studiert Anglistik in London und zeigt als Profilbild bei Twitter eine Burka. „Alhamdulillah“, twitterte sie, das heißt Gott sei Dank. Außerdem schrieb sie, dass die meisten Muslime heute viel zu weich zu den Ungläubigen seien. Schwester Tooba suchte den Film im Internet. „Ist das neue Material verfügbar?“, fragte sie einen anderen Twitterer. Der antwortete: „Wenn ich es poste, wird mein Profil gesperrt.“ Wo könne sie es denn sonst finden, fragte Schwester Tooba. Auf Youtube war es auch schon gesperrt worden. Sie suchte weiter.

Das ist eigentlich irrsinnig, denn wenn man sich anguckt, was Schwester Tooba sonst schreibt, steht da nichts von Folter und Mord. Sie träumt von Kindern und twittert ein Foto von kulleräugigen Zwillingen. Dazu einen Smiley mit Herzchenaugen. Oder sie schreibt auf der Seite ask.fm. Da können Leute ihr anonym Fragen stellen: ob man als Muslima Piercings haben darf (Ohren und Nase, aber nur unter der Bedingung, dass sie in der Öffentlichkeit verhüllt bleiben) oder wie man über den Tod der Mutter hinwegkommt (Geduld und Gebet).

Schwester Tooba ist keine Kriegerin. Die meisten anderen, die sich solche Videos anschauen, auch nicht. Viele der Millionen Zuschauer verabscheuen die Terroristen und können auf einen „Islamischen Staat“ gut verzichten; das schreiben sie in die Nutzerkommentare unter die Videos. Aber es fasziniert sie, wie die IS-Kämpfer das Köpfen inszenieren. Nicht maximal blutrünstig, sondern als Unterhaltungsshow.

Wie ein Bösewicht aus einem Comic

Der Henker tritt als eine Art Popstar auf. Man nennt ihn „Jihadi John“, nach John Lennon. Ja, genau: Imagine all the people, living life in peace. Seine Terrorzelle heißt „The Beatles“. Das haben sich ehemalige Geiseln ausgedacht, die lebend davongekommen sind, wegen des britischen Akzents ihrer vier Peiniger. John, Paul, Ringo, George. Mehr als die Stimmen kannten die Geiseln nicht, die „Beatles“ waren vermummt. Ringo Starr, der echte, sagte der Zeitung „Daily Mail“, die Spitznamen seien Bullshit. Was die IS-Terroristen täten, verstoße gegen alles, wofür die Beatles stünden. Die Terroristen konnten sich freuen: Ein Weltstar hatte sie zu seinen größten Feinden erklärt. Als wären die Namen nicht schlimm genug, schrieben Journalisten später noch das „Jihadi“ vor „John“. Nun klang es wie der Böse in einem Superheldencomic.

In den Videos steht dieser Mann irgendwo in der Wüste; wahrscheinlich in Syrien, in der Nähe der Stadt Raqqa. Er trägt schwarze Kleidung, und auch sein Kopf ist schwarz verhüllt, nur ein Sehschlitz bleibt frei. In der Hand hält er die Mordwaffe: ein schlichtes Messer. Neben ihm kniet sein Opfer. Immer trägt es ein orangefarbenes Gewand, so wie die Muslime in Guantánamo. Diese Kostümierung nützt dem IS vor allem in den sozialen Netzwerken. Sie hilft dabei, den Terror zu verbreiten.

Hunderte Fans der Terroristen veröffentlichen täglich die immergleichen alten Bilder aus den Gefängnissen Guantánamo und Abu Ghraib. Besonders beliebt sind die Horrorfotos, die zeigen, wie amerikanische Soldaten ihre Gefangenen folterten und demütigten. Nackt an der Wand, angeleint auf dem Boden, blutend, kotverschmiert. Ein Bild kommt besonders oft: das World Press Photo von 2003. Es wurde in einem Lager der Amerikaner in Nadschaf aufgenommen. Ein gefangener Iraker sitzt auf dem Boden, sein Kopf steckt in einem schwarzen Plastiksack. Die Arme hat er tröstend um seinen kleinen Sohn geschlungen. Völlig erschöpft lehnt der Vierjährige an der Brust des Vaters. Wenn wieder ein neues Hinrichtungsvideo aufgetaucht ist, posten die Leute noch mehr solcher Bilder.

Kein Blutvergießen und kein Todeskampf

Die IS-Kämpfer tun so, als seien die Hinrichtungen eine gerechte Strafe. Sie zwingen ihre Geiseln sogar dazu, kurze Texte zu sprechen. Alle müssen sagen, dass Barack Obama oder David Cameron verantwortlich seien für ihren Tod. Die Terroristen sorgen dafür, dass ihre Opfer sie öffentlich von jeder Schuld freisprechen. Und sie bringen noch etwas zusammen, was nicht zusammenpasst: Ihre Mordvideos zeigen den Mord nicht. Sie wissen schon, warum.

Die Enthauptung mit einem Messer ist äußerst qualvoll für das Opfer. Viele Zuschauer wären empört, wenn sie das sehen müssten – so wie das Publikum bei den misslungenen Enthauptungen mit dem Schwert. Deswegen zeigen die IS-Terroristen in ihren Filmen zwar, wie der schwarze Mann das Messer an die Kehle des Opfers setzt. Jeder begreift sofort, wie kalt der Mörder ist. Aber dann wird der Bildschirm schwarz. Kein Blutschwall, kein Ton, kein Todeskampf. Kürzlich postete ein IS-Mann auf Twitter ein schwarzes Bild. „Imagine“, schrieb er.

Ein Kind mit einem abgeschlagenen Kopf

Am Ende der Videos kommt doch noch ein Bild: der Kopf des Ermordeten. Das ist grauenvoll genug. Aber für viele nicht zu grauenvoll. Für alle anderen hat sich einer der Terroristen etwas Besonderes ausgedacht. Vor einigen Wochen twitterte er ein Foto. Der Mann, ein Australier, war zum Islam konvertiert und IS-Kämpfer geworden. Seinen siebenjährigen Sohn hatte er mit nach Syrien genommen. Das Twitterfoto zeigt das Kind: ein süßer, dunkelblonder Junge mit Schirmmütze und bunter Plastikuhr. In den Händen hält er den abgeschlagenen Kopf eines syrischen Soldaten. Der Vater textete dazu: „Das ist mein Junge!“

Zeitungen verbreiteten das Foto, zum Beispiel die „Bild“ und die „Daily Mail“. Den Kopf des Toten überdeckten sie zwar mit einem schwarzen Rechteck. Doch dem Motiv konnten sie nicht widerstehen. Millionen Menschen auf der ganzen Welt sahen, dass die Terroristen wieder jemanden geköpft hatten. Diesmal keinen Ausländer, sondern einen Syrer. Diesmal ohne Video, dafür mit einem Foto. Und doch zeigten die Terroristen, was sie immer zeigen: ihren Willen, Unschuldige zu vernichten. Und sie zeigten es wie immer: so, dass die Welt es sieht. Das Schlimmste stand im Gesicht des kleinen Jungen. Er lächelte fast.

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Time am 20. Oktober 2014

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1) https://www.facebook.com/1455782671361187/photos/p.1458823204390467/1458823204390467/?type=1&theater
2) http://www.faz.net/aktuell/politik/is-nutzt-soziale-netzwerke-als-medium-des-terrorismus-13216504.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

Die Chorknaben vom ISIS

27. Juni 2014

ISIS

In den MSM gibt man sich entsetzt, weil die mohammedanistischen Avantgardisten der Terrororganisation ISIS bei zwei Massenexekutionen „mindestens 160 Menschen getötet“ hätten (1).

Die FAZ nennt die Täter ob ihrer abscheulichen Grausamkeit denn auch nicht „Mohammedanisten“ oder „Muslime“ sondern „Islamisten“, so als ob sie mit dem Mohammedanismus und dessen Begründer Klo H. Metzel nichts zu tun hätten. 

Die SA-lafisten vom Schlage Pierre Vogels übrigens sind demnach keine „Islamisten“ sondern eben die gemäßigte Variante, die unter Kosten von zig-Tausenden Euro für Polizeischutz in unserem Land für den Nazislahm hetzen darf, obwohl der Verfassungsschutz wiederum festgestellt hat, dass sie Kämpfer, Henker und Folterknechte für die „islamistische“ ISIS in Deutschland rekrutieren.

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Islamisten-Vormarsch im Irak

Human Rights Watch: Isis begeht Massenexekutionen

Die Menschenrechtsorganisation hat Fotos und Satellitenaufnahmen ausgewertet und spricht von starken Hinweisen auf „schreckliche Kriegsverbrechen“ im Irak.

Kämpfer der extremistischen Isis-Milizen haben nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) im Nordirak bei Massenexekutionen mindestens 160 Menschen getötet. Ausgewertete Fotos und Satellitenaufnahmen aus der Stadt Takrit gäben starke Hinweise auf ein „schreckliches Kriegsverbrechen„, teilte HRW am Freitag mit. Es seien jedoch weitere Untersuchungen notwendig. (…)

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160 feige Ermordete sind natürlich ein zutiefst zu verabscheuendes Verbrechen, das nicht relativiert werden darf.

Es muss aber darauf hingewiesen werden, dass der Mohammedanismus insofern aus seiner eigenen Perspektive heraus mit der These Recht hat, dass nach Klo H. Metzel alles schlechter wurde (2), insofern dieser viel, viiiiiiel, viiiiiiiiiiiiiel effektiver im Ermorden gefangener Gegner war als die Chorknaben vom ISIS. Lesen Sie, wie er die kriegsgefangenen 600 bis 900 Männer des jüdischen Stammes Banu Quraiza enthaupten ließ, nachdem die sich zuvor ergeben hatten, beschrieben von den Mohammedanisten selbst in der offiziellen Prophetenbiografie („Sira“) von Ishak und Hisham („Das Leben des Propheten“ von Ibn Ishak, übersetzt von Gernot Rotter, Spohr-Vlg., 1999, S. 176 – 181). Sie ist neben Kloran und Hadithen einer der drei von den Mohammedanisten als 100%ig wahr erachteten Grundlagentexte des Mohammedanismus. SIE ist DER Mohammedanismus.

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Zur Zeit des Mittagsgebetes kam, wie mir Zuhri berichtete, Gabriel zum Propheten. Der Engel trug einen Turban aus Brokat, und auch der Sattel des Maultiers, auf dem er ritt, war mit Seidenbrokat bedeckt. Er fragte den Propheten: „Hast du die Waffen bereits niedergelegt?“ – „Ja“, antwortete Muhammad, und Gabriel fuhr fort: „Die Engel haben dies noch nicht getan, und ich komme gerade von der Verfolgung der Feinde zurück. Alla – Er ist erhaben und mächtig – befiehlt dir, Muhammad, gegen die Banu Quraiza zu ziehen. Ich begebe mich jetzt zu ihnen und werde sie erbeben lassen.“ Sogleich ordnete der Prophet an, unter den Muslimen auszurufen: „Alle diejenigen, die hören und gehorchen, sollen ihr Nachmittagsgebet nicht verrichten, bevor sie sich nicht bei den Banu Quraiza eingefunden haben.“

Er schickte Ali mit der Fahne voraus, und die Muslime folgten ihm eilends nach. Als sich Ali den befestigten Häusern der Quraiza näherte, vernahm er hässliche Worte über den Propheten. Er kehrte um und sprach zum Propheten, als er ihn unterwegs traf: „Gesandter Allas! Du solltest dich diesen schändlichen Menschen nicht nähern.“ – „Weshalb? Du hast wohl Schmähungen gegen mich gehört?“ – „So ist es.“ – „Wenn sie mich sähen, würden sie nicht so über mich reden.“ Und als er ihren Häusern näher kam, rief er: „Ihr Brüder der Affen! Hat Alla euch jemals erniedrigt und seine Rache über euch gesandt?“ – „Du bist nicht so töricht, uns, dies anzutun, Abu L’Quasim!“ antworteten ihm die Quraiza.

Der Prophet belagerte sie fünfundzwanzig Tage, bis sie erschöpft waren und Alla ihre Herzen mit Angst erfüllte. Huyayy ibn Akhtab war nach dem Abzug der Quraiza und Ghatafan und entsprechend seiner Abmachung mit Kab ibn Asad in die Schutzfestung der Quraiza geflüchtet. Als sie sich bewusst wurden, dass der Prophet die Belagerung nicht aufheben würde, bevor er sie vernichtet habe, sprach Kab: „Volk der Juden! Ihr seht, was über euch gekommen ist. Ich mache euch drei Vorschläge. Entscheidet euch für einen!“ – „Nämlich?“ – „Entweder wir folgen und glauben diesem Mann. Es ist wahrlich deutlich geworden, dass er ein gesandter Prophet ist und dass er es ist, den ihr in euerer Schrift vorausgesagt findet. Dann werden euer Leben, euer Besitz, euere Kinder und euere Frauen sicher sein.“ – „Niemals werden wir das Gesetz der Thora aufgeben und es gegen etwas anderes eintauschen!“ – „Wenn ihr diesen Vorschlag nicht annehmt, so mache ich euch einen zweiten, nämlich, dass wir unsere Frauen und Kinder töten und dann unbelastet mit gezücktem Schwert gegen Muhammad und seine Gefährten ziehen. Gehen wir zugrunde, so lassen wir keine Nachkommenschaft zurück, um die wir uns sorgen müssten. Siegen wir aber, werden wir andere Frauen und Kinder haben.“ – „Wir sollen diese Armen töten?! Was wäre dann noch Schönes am Leben?“ – „Wenn ihr auch dies ablehnt, so schlage ich euch als letztes folgendes vor: Heute nacht ist die Nacht zum Sabbat, und Muhammad und seine Gefährten werden sich wahrscheinlich vor uns sicher fühlen. Steigt deshalb hinunter; vielleicht können wir ihn und seine Leute überraschen.“ – „Wir sollen unseren Sabbat schänden und tun, was keiner vor uns getan hat, ohne dass er, wie du weißt, (in einen Affen) verwandelt worden ist?“ – „Ihr habt euch, seit euch euere Mutter gebar, noch nie zu etwas entschließen können!“

Daraufhin ließen sie dem Propheten durch einen Boten die Bitte überbringen, er möge ihnen den Abu Lubaba, einen Bruder des Stammes Auf, schicken, damit sie sich mit ihm über ihre Lage beraten könnten. Der Prophet sandte Abu Lubaba zu ihnen, und als sie ihn sahen, kamen die Männer herbei, und ihre Frauen und Kinder weinten so sehr, dass er Mitleid für sie empfand. „Glaubst du“, fragten sie ihn, „wir sollten uns Muhammads Urteil unterwerfen?“ – „Ja!“ antwortete er und deutete auf seine Kehle, womit er ihnen andeutete, dass sie (in jedem Fall, T.) niedergemetzelt würden.

Abu Lubaba erzählte später, er habe den Ort noch nicht verlassen gehabt, als er bereits erkannte, dass er Alla und Seinem Gesandten gegenüber treulos gehandelt hatte. Er kehrte deshalb nicht zum Propheten zurück, sondern band sich in der Moschee an eine Säule und schwor, er werde dort so lange verweilen, bis Alla ihm sein Tun verziehen habe, und er werde nie mehr die Banu Quraiza und jene Stelle aufsuchen, wo er sich Alla und Seinem Gesandten gegenüber ungetreu verhalten habe. Der Prophet hatte lange auf Abu Lubabas Rückkehr gewartet. Als er dann erfuhr, was mit ihm geschehen war, sprach er: „Wäre er zu mir gekommen, hätte ich für ihn um Vergebung gebetet. Jetzt aber werde ich ihn nicht aus seiner Lage befreien, bevor ihm Alla nicht verziehen hat.”

Die Vergebung für Abu Lubaba – so überlieferte mir Yazid ibn Abdallah – wurde dem Propheten zur Zeit der Morgendämmerung geoffenbart, als er sich im Zimmer seiner Frau Umm Salama aufhielt. Diese erzählte später: „Als es dämmerte, hörte ich den Propheten lachen und fragte ihn nach dem Grund dafür. Er erklärte mir, daß dem Abu Lububa verziehen worden sei. Ich bat ihn, diesem die frohe Nachricht bringen zu dürfen, und der Prophet willigte ein. Von der Tür meines Zimmers aus rief ich zur Moschee hinüber: Freue dich, Abu Lubaba, Alla hat dir vergeben!’ Da eilten die Leute herbei, um ihn zu befeien, doch er sprach: Nein, bei Alla, erst, wenn mich der Prophet selbst losbindet!’ Auf dem Wege zum Morgengebet befreite ihn dann der Prophet.“

An diesem Morgen unterwarfen sich die Quraiza dem Urteil des Propheten. Da wandten sich die Aus an Muhammad und sprachen: „O Gesandter Allas! Die Quraiza sind unsere Verbündeten und nicht die der Khazradj. Du weißt, wie du vor einiger Zeit mit ihren Verbündeten verfahren bist.“ Damals hatte der Prophet die jüdischen Banu Qainuqa, Verbündete der Khazradj, belagert. Diese hatten sich seinem Urteil unterworfen, doch war der Khazradjit Abdallah ibn Ubay für sie eingetreten, und der Prophet hatte sie ihm überlassen. Als nun die Aus um das gleiche Recht hinsichtlich der mit ihnen verbündeten Quraiza baten, fragte sie der Prophet: „Seid ihr damit zufrieden, wenn einer von euch das Urteil über sie fällt?” – „So lasst Saed ibn Mu’adh entscheiden!”

Der Prophet hatte Saed, der am Graben von einem Pfeil getroffen worden war, auf den Gebetsplatz in das Zelt einer Frau vom Stamme Aslam, namens Rufaida, bringen lassen, die sich um die Verwundeten kümmerte und die verletzten Muslime versorgte. Nachdem ihn der Prophet nun zum Richter über die Banu Quraiza ernannt hatte, kamen seine Stammesgenossen zu ihm und hoben ihn auf einen Esel. Da Saed recht beleibt war, legten sie ihm ein Lederkissen unter. Auf dem Weg zum Propheten baten ihn seine Stammesgenossen: „Abu Amr, lass Milde mit deinen Verbündeten walten, denn eben deswegen hat dich der Prophet mit dieser Entscheidung beauftragt.“

Als sie ihn immer mehr bedrängten, sagte er: „Für mich ist die Zeit gekommen, da es mich nicht mehr rührt, wenn ihr mich wegen einer Entscheidung tadelt, die ich im Sinne Allas fälle.“ Beim Propheten und den Muslimen angelangt, fragte sie Saed: „Verpflichtet ihr euch bei Alla, die Entscheidung, die ich über die Quraiza fällen werde, anzunehmen?“

Und nachdem sie ihm dies versprochen hatten, fuhr er fort: „So entscheide ich, dass die Männer getötet und die Kinder und Frauen gefangengenommen werden und ihr Besitz aufgeteilt wird.“ Schließlich mußten sich die Quraiza ergeben, und der Prophet ließ sie im Gehöft der Bint Harith, einer Frau vom Stamme Nadjar, einsperren. Sodann begab er sich zum Markt von Medina, dort, wo heute noch der Markt ist, und befahl, einige Gräben auszuheben. Als dies geschehen war, wurden die Quraiza geholt und Gruppe um Gruppe in den Gräben enthauptet. Darunter befanden sich auch der Feind Allas Huyayy ibn Akhtab und das Stammesoberhaupt Ka’b ihn Asad. Insgesamt waren es sechs- oder siebenhundert Männer; einige behaupten sogar, es seien zwischen acht- und neunhundert gewesen. Als sie damals in Gruppen zum Propheten geführt wurden, fragten sie Ka’b: „Was glaubst du, wird man mit uns tun?“ – „Werdet ihr es denn nie begreifen?“ rief Ka’b: „Seht ihr denn nicht, dass der Rufer niemals aufhört zu rufen und dass diejenigen, die hinweggebracht werden, nie mehr zurückkehren. Es ist der Tod, bei Jahwe!“

Als der Feind Allas, Huyayy ihn Akhtab, herangebracht wurde, war er mit einem bestickten, rötlichen Gewand bekleidet, in das er überall fingerkuppengroße Löcher geschnitten hatte, damit man es nach der Hinrichtung nicht von seiner Leiche rauben würde. Die Hände waren ihm mit einem Strick an den Hals gebunden. Als er den Propheten sah, sprach er: „Ich tadle mich nicht dafür, dass ich dir meine Feindschaft gezeigt habe, aber der, der Jahwe verlässt, wird verlassen.“ Und an die Leute gewandt, fuhr er fort: „O ihr Menschen! Gegen diesen Befehl Jahwes ist nichts einzuwenden. Er hat den Kindern Israels eine Schrift, ein Verhängnis und ein Gemetzel geoffenbart.“ Nach diesen Worten setzte er sich und wurde enthauptet.

Der Prophet verteilte den Besitz, die Frauen und die Kinder der Banu Quraiza unter den Muslimen. Er legte fest, welche Anteile an der Beute jeweils den Reitern und den Unberittenen zustanden, und behielt selbst ein Fünftel ein. Jeder Reiter erhielt drei Teile, nämlich zwei Teile für das Pferd und einen Teil für sich selbst. Jeder Unberittene bekam einen Teil. Am Tag des Sieges über die Quraiza gab es sechsunddreißig Pferde. Es war dies die erste Beute, die auf diese Weise aufgeteilt und aus der ein Fünftel einbehalten wurde. Diese Regelung des Propheten wurde auch in den folgenden Feldzügen bei der Aufteilung der Beute angewandt. Die gefangenen Frauen und Kinder aus dem Fünftel schickte er mit dem Helfer Sa’d ibn Zaid in den Nadjd und tauschte sie gegen Pferde und Waffen ein.

Eine der gefangenen Frauen, Raihana bint Amr, behielt der Prophet für sich selbst. Sie blieb in seinem Besitz, bis er starb. Als er ihr vorschlug, sie zu heiraten und sie aufforderte, den Schleier zu tragen, bat sie ihn, er möge sie lieber als Sklavin in seinem Besitz behalten, da dies für beide einfacher sei. Der Prophet kam ihrem Wunsche nach. Bei ihrer Gefangennahme zeigte sie ihre Abneigung gegenüber dem Islam und hielt am Judentum fest. Der Prophet beachtete sie deshalb eine Zeitlang nicht und war darüber sehr enttäuscht. Eines Tages aber, als er mit seinen Gefährten zusammensaß, hörte er hinter sich das Geräusch zweier Sandalen und sprach: „Dies ist Thalaba, der mir die frohe Kunde bringt, daß Raihana den Islam angenommen hat.“ So war es in der Tat, und der Prophet freute sich darüber.

Im Grabenkrieg fanden nur sechs Muslime den Tod – von den Ungläubigen (Von wegen „Volk der Schrift“: Hier werden die Juden eindeutig als „Ungläubige“ bezeichnet, T.) fielen drei Männer.

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Time am 27. Juni 2014
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1) http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/islamisten-vormarsch-im-irak-human-rights-watch-isis-begeht-massenexekutionen-13013992.html
2) https://madrasaoftime.wordpress.com/2012/09/06/das-ende-naht/

The Beginning of the End

5. Februar 2014

DTJ

Um die Loyalität der Redakteure des „Deutsch Türkischen Journals“ braucht sich the Fuhrergan keine Sorgen zu machen. Anders sieht es in Bezug auf eine Handvoll Aleviten und Kommunisten aus, die in Berlin gegen ihn protestierten (1).

So ganz wenige scheinen sie aber denn doch nicht zu sein, die von seinen Anmaßungen die Nase volle haben, denn bei den Kommunalwahlen wird die AKP vermutlich auf 36% abrutschen (2). Aber wenn Ratze gestürzt ist, wer wird dann kommen? Fethullah Gülen oder Pierre Vogel?

Lesen Sie einen Bericht aus der gestrigen „taz“ von Ebru Tasdemir.

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Protest in Berlin

Alle Anti-Erdogan

Der türkische Premier weilte am Dienstag auf Staatsbesuch in Berlin. Zwei Demonstrationen machten gegen die Stippvisite mobil.

Türkische Protestmusik schallt durch das Regierungsviertel: „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Rechte klaut“, skandiert der Redner im Takt über das Megafon. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan weilte gestern in Berlin – und die Proteste gegen den Staatsbesuch fielen lautstark aus.

Während Erdgğan mit Kanzlerin Angela Merkel beim gemeinsamen Mittagessen saß, sammelten sich am späten Vormittag die ersten rund 300 Demonstrierenden am Washingtonplatz vor dem Hauptbahnhof, um sich dann in Richtung Regierungsviertel in Bewegung zu setzen. Die Veranstalter, der „Verein zur Förderung der Ideen Atatürks“ (ADD) sowie der linksnationalistische Bund türkischer Jugendlicher (TGB), hatten mit deutlich mehr ProtestlerInnen gerechnet: auf etwa 2.000 TeilnehmerInnen hoffte TGB-Mitglied Kurtulus Özkökdemir im Vorfeld.

Immer wieder skandierten die Demonstrierenden „Wir sind die Soldaten Atatürks“. Radikale Sprüche wie dieser sind einer der Gründe, warum es gestern mehrere Demonstrationen gegen den türkischen Staatspräsidenten gab. „Vielen sind wir zu radikal“, sagt Özkökdemir. „Wir sind hier genauso gespalten wie die Opposition in der Türkei.“

Am Brandenburger Tor startete um 13 Uhr denn auch bereits die nächste Demonstration. Zu der Protestaktion hatten mehrere alevitische und linke türkische Verbände aufgerufen. Hier herrschte deutlich mehr Zulauf: Rund 1.300 Menschen hatten sich eingefunden, Fahnen der Türkischen Kommunistischen Partei (TKP) werden geschwenkt. Manche recken leere Schuhkartons in die Höhe: in der Affäre um Bestechungsgelder an ranghohe türkische Politiker, die im Januar ans Licht kam und in die auch die Söhne des Premiers verwickelt sein sollen, fanden die Ermittler das Schmiergeld in eben solchen Kartons.

Am Abend sollte Erdogan im Berliner Tempodrom zu mehreren tausend Landsleuten sprechen – der Berlin-Besuch war für den Premier auch Wahlkampf: Im März finden in Erdogans Heimat Kommunalwahlen statt, im August soll ein neuer Staatspräsident gewählt werden. Eine Protestaktion direkt vor dem Tempodrom war hingegen nicht geplant: man wolle „keine Zusammenstöße mit seinen Anhängern provozieren“, erklärte Ali Onur Firat, Vorstandsmitglied der alevitischen Gemeinde.

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Time am 5. Februar 2014

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1) http://www.taz.de/Protest-in-Berlin/!132349/
2) http://www.deutsch-tuerkische-nachrichten.de/2014/02/498151/stimmungsbarometer-akp-wird-bei-kommunalwahlen-auf-36-prozent-rutschen/

Im Interview: Aiman Mazyek

6. November 2013

Mazyek13

Das Bild stammt von der Extremistenseite „Ahlu-Sunna“ (1). Dort ist man mit Ork-Kommissar Mazyek unzufrieden. Man will offenbar lieber schon jetzt zu den Waffen greifen.

Die „Islamische Zeitung“ bringt aktuell ein Interview mit Aiman „eigentlich verfassungstreu“ Mazyek, das die „Katholische Nachrichten-Agentur“ mit ihm geführt hat (2).

Mazyek kritisiert die Positionen des Reform-Mohammedanisten Mouhanad Khorchide (Der bereits mehrfach – unfreiwilliger – Gast in der MoT war). Natürlich gefällt ihm auch nicht die starke Position, die Khorchide am „Zentrum für Islamische Theologie“ (ZIT) in Münster innehat.

Mazyek, dem sehr wichtig ist, „was hinten rauskommt“, ist vielmehr der Ansicht, dass die vier im „Koordinationsrat der Muslime“ (KRM) verbandelten Ork-Organisationen, welche nur fünf bis acht Prozent der Mohammedanisten in Deutschland vertreten (3), die am Zentrum gelehrten Inhalte bestimmen sollten, welche aber keinesfalls historisch-kritische sein dürften.

Vielmehr möchte er als Hauptaufgabe die Übertragung von Legionen mohammedanistischer animistischer Texte ins Deutsche und natürlich ihre Würdigung als grandiose Leistungen mohammedanistischer „Geistesgeschichte“ sehen.

Mazyek schämt sich nicht, diese durch akademische Weihen geadelte Propaganda als „Wissenschaft“ zu bezeichnen, und er wirft schließlich Khorchide vor, sich gegenüber dem SA-lafisten Pierre Vogel genauso zu verhalten wie sich jener gegenüber Khorchide verhält: Vogel bezeichnet Khorchide als „Glaubensverweigerer“ und erklärt ihn damit für vogelfrei. Auch Khorchide habe Vogel als „Glaubensverweigerer“ bezeichnet. Bezeichnend finde ich es, dass Mazyek die Unterschiedlichkeit der mutmaßlichen Konsequenzen der beiden Aussprüche gar nicht in Rechnung stellt.

Khorchide muss nun mit Anschlägen auf sein Leben rechnen, Vogel mit einer Belohnung aus Riad.

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KNA: Dennoch sind Sie nicht einverstanden damit, wie es derzeit in Münster läuft.

Mazyek: Die vier im Koordinationsrat (KRM) zusammengeschlossenen muslimischen Religionsgemeinschaften sind besorgt über das, was da in Münster passiert. Wir bekommen täglich Briefe von unseren Gemeindemitgliedern, die sich beschweren. In Münster werden Inhalte beschlossen und Professoren bestellt – über die Köpfe der Religionsgemeinschaften hinweg. Münster agiert nicht entsprechend den verfassungsrechtlichen Vorgaben, wonach Lehrinhalt und Lehrpersonal in Abstimmung mit den Religionsgemeinschaften festgelegt werden sollten. ZIT-Leiter Mouhanad Khorchide will ja offenkundig diese Mitsprache auch noch ganz kappen. Aber sein Mandat ist explizit auf diese Zustimmung aufgebaut, weil bekenntnisorientierter Glaube vermittelt werden soll und keine Orientalistik. Khorchide redet, schreibt und handelt aber wie ein Orientalist und nicht wie ein Islamlehrer. Und das ist die Krux aller Probleme.

KNA: Tragen die muslimischen Verbände nicht selbst Schuld an der Misere? Die Uni hat ihre vier Mitglieder für den Beirat nominiert. Der KRM hat mit der Besetzung seiner vier Kandidaten dagegen Probleme, weil der Bundesverfassungsschutz bei dem einen oder der anderen eine zu große Nähe zum Islamrat (Milli Görüsch, T.) moniert.

Mazyek: Zwischenzeitlich ist eine von der Uni bestellte Person des Beirats aus Protest über das Vorgehen in Münster zurückgetreten. Es muss so schnell wie möglich Handlungsfähigkeit des Beirats hergestellt werden. Taktische Spielchen können wir uns nicht leisten, dass sage ich in alle Richtungen. Ich kann auch nicht ganz nachvollziehen, dass der Vertreter des Islamrats im nordrhein-westfälischen Beirat sitzen darf, der die Inhalte für den schulischen Religionsunterricht festlegt, in Münster aber nicht. Der Islamrat sucht jetzt aber dennoch eine neue Person. Und ich hoffe, dass bald eine verträgliche Lösung gefunden wird, mit der alle leben können.

KNA: Soll das ZIT seine Arbeit ruhen lassen, bis der Beirat steht?

Mazyek: Für Münster hätte dies den größten Vorteil. Die Uni würde auf einen Schlag den Geruch los, die Situation auszunutzen und ohne die Religionsgemeinschaften Fakten zu schaffen.

KNA: Khorchide selbst ist gegen die Beiratslösung und den Einfluss der islamischen Verbände. Aus seiner Sicht gibt es im Islam keine amtliche Lehrerlaubnis.

Mazyek: Damit stellt er sich gegen die Verfassung. Diese sieht vor, dass die Lehrerlaubnis durch die Religionsgemeinschaft begründet wird. Khorchides Vorstoß bedeutet im Umkehrschluss, dass er sich selbst diese Befähigung geben und alleiniger Master islamischer Rechtsprechung werden will. Es ist unhaltbar, dass solch ein Konsortium, das sich explizit gegen die Vorgaben des Wissenschaftsrates setzt, weiter Bundesgelder bekommt. Solche Vorstöße sind in der Öffentlichkeit vielleicht schick, weil sie gegen muslimische Verbände gerichtet sind. Sie gefährden aber nachhaltig den Standort Münster.

KNA: Was stört Sie denn so sehr an der Arbeit von Khorchide?

Mazyek: Wie gesagt, er argumentiert wie ein Orientalist und nicht wie ein Vertreter einer bekenntnisorientierten Religion. Der KRM wird in Kürze ein Gutachten herausgeben, das ausgewiesene Theologen erstellen, in dem wir sachlich Punkt für Punkt seine sogenannte Theologie vor dem Hintergrund des reichen Fundus der 1.400-jährigen islamischen Geistesgeschichte genauer unter die Lupe nehmen.

KNA: Khorchide ist dagegen, den Islam auf rechtliche Regelungen zu reduzieren und will juristische Aussagen – etwa, dass Dieben die Hand abzuhacken sei – nicht wörtlich verstehen, sondern im historischen Kontext. Ist Ihnen der Professor zu liberal?

Mazyek: Gar nicht, nur muss diese Liberalität auch mit Substanz gefüllt sein. Längst stellen zum Beispiel viele Gelehrte die drakonischen Hadd-Strafen unter ein Moratorium. Damit wird man doch nicht gleich liberal. Khorchide benutzt bekannte mutazilitsche Ansätze (eine islamische Denkrichtung, Anm. d. Red.), verwoben mit autobiografischen Erlebnisberichten. Auch manch Alttestamentarisches ist dabei, wenn man mal bestimmte Begriffe heranzieht. Wirklich Neues ist nicht zu erkennen. Daran ändert auch nichts, wenn man sich als besonders liberal oder als Reformer preist, was zugegeben hierzulande geradezu elektrisiert. Was aber hinten raus kommt, ist wichtig. Und das ist theologisch und wissenschaftlich ziemlich dünn?

KNA: Was soll Khorchide denn anders machen?

Mazyek: Der Islam ist in Deutschland eine junge Wissenschaft. Da brauchen wir Professoren, die zunächst einmal die 1.400-jährige muslimische Geistesgeschichte aufarbeiten. Und das heißt: Monografien und analytische Bibliografien sprachlich und kulturell in den deutschen Sprachraum zu bringen. Vor dem Experiment kommt die Bestandsaufnahme, sonst bleibt das Experiment eine Luftblase. Im Bereich Monografien und Bibliografien haben bislang nur Orientalisten gearbeitet, die aber anders an die Texte herangehen als bekenntnisorientierte Wissenschaftler.

KNA: Khorchide setzt aus Ihrer Sicht die falschen Prioritäten?

Mazyek: Ich denke schon. Ich will das an einem Beispiel erklären. Vorbildlich, obwohl ohne bekenntnisorientierten Anspruch, ist das Projekt „Corpus Coranicum“ der Berliner Arabistik-Professorin Angelika Neuwirth. Sie bemüht sich um eine der Überlieferung entsprechende Übersetzung des Korantextes in die heutige Zeit. Nicht alles würde ich kritiklos hinnehmen. Aber an ihrer Art erkennt man einen wissenschaftlichen Ethos und eine gewisse Demut, die ich mir bei Khorchide wünsche. Neuwirth zeigt: Man kann frei forschen, ohne die wissenschaftliche Würde zu verraten. Es geht mir gar nicht um Linientreue oder so. Aber eine Jahrhunderte alte Geistesgeschichte mit exzellenten wissenschaftlichen Arbeiten plus Glaubensvermittlung lässt sich nicht in den Kategorien liberal oder konservativ beschreiben. Das suggeriert aber Khorchide. Er macht sich so zwar populär, aber wissenschaftlich angreifbar, weil oberflächlich.

KNA: Khorchides Vorgänger, der Islamtheologe Muhammad Sven Kalisch, hat die Zustimmung der islamischen Verbände verloren, nachdem er die Existenz Mohammeds angezweifelt hatte. Droht nun auch Khorchide eine Abberufung?

Mazyek: Nochmals, es geht hier nicht um Orientalistik, sondern um die Glaubenslehre. Hier muss es ein Mindestmaß an Authentizität geben. Dieses zu beurteilen, obliegt weder dem Staat, der neutral bleiben muss, noch dem einzelnen Wissenschaftler. Was authentisch ist, müssen die Gläubigen sagen, – allerdings plausibel. Warten wir erst mal, was das Gutachten des KRM ergibt.

KNA: Spielen Sie nicht das Spiel des radikalen Salafisten Pierre Vogel? Er fordert im Internet vollmundig, Khorchide von der Universität zu vertreiben.

Mazyek: Noch schlimmer, er erklärt ihn zum Glaubensverweigerer. Diese Äußerungen sind extrem populistisch und gleichsam hochgefährlich. Jemanden kraft irgendwelcher Autorität zum Kafir, also zum Ungläubigen oder Glaubensverweigerer zu erklären, lehnen wir rundweg ab. Übrigens hat Khorchide in seinem Buch die Neo-Salafisten ebenso zu Glaubensverweigerer erklärt. Damit hat er, vielleicht ohne es zu merken, das Geschäft der Fundamentalisten bedient.

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Time am 6. November 2013
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1) http://www.ahlu-sunnah.com/threads/45350-Integration-macht-Fortschritte 
2) http://www.islamische-zeitung.de/?id=17323
3) https://madrasaoftime.wordpress.com/2013/07/06/sie-sprechen-nur-fur-sich-selbst/

Deutschland sucht den Superstar

15. Mai 2012

In der FAZ vom 11. Mai hatte der Terrorismusexperte F.W. Horst, der am Interdisciplinary Center Herzliya (IDC) studierte und über Salafismus am International Institute for Counterterrorism (ICT) in Israel forscht, einen Überblick über die deutsche SA-lafistenszene gegeben (1).

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Gewalttätige Gegenkultur

(…) Mitte der neunziger Jahre hatte der in Bonn ansässige Prediger Mohamed Benhsain gemeinsam mit dem Leipziger Imam Hassan Dabbagh begonnen, überregionale Islam-Seminare zu organisieren. Es waren die ersten Versuche in Deutschland, mit der „Dawa-Arbeit“, also der Werbung für einen Islam salafistischer Prägung, ein größeres Publikum zu erreichen. Von 2002 an (9/11 hatte den Boden beackert, nun sollte die Saat ausgebracht werden. T.) intensivierte sich die Arbeit einiger Prediger, die überwiegend aus Marokko, Ägypten und Syrien stammten und von dem Gelehrtennetzwerk zweier Schüler al-Albanis dominiert waren. Neue, salafistisch geprägte Moscheegemeinden entstanden, einige bestehende Gemeinden wurde „salafistisiert“. Die wachsende Zahl auch jüngerer Prediger fand vor allem unter Jugendlichen großen Zuspruch. Manch ein Moscheevorstand war froh über die Veranstaltungen mit den publikumswirksamen Predigern, welche die Sprache der jüngeren Generation zu sprechen schienen. Einer von ihnen war Pierre Vogel, zweifellos das bekannteste Gesicht des Salafismus in Deutschland.

2001 war er konvertiert, hatte seine mäßig erfolgreiche Boxkarriere beendet, ein paar Semester in Mekka studiert und war dann ins heimatliche Bonn zurückgekehrt. 2005 traf er den palästinensischen Geschäftsmann Ibrahim Abou Nagie (der Kloranverteiler, T.). Sie beschlossen, in die Debatte über das Kopftuchverbot für Lehrerinnen einzugreifen, produzierten und verteilten eine Video-CD, auf der sie das Kopftuch zur Pflicht erklärten. Bestärkt von der Resonanz, erstellten sie eine Website, auf der fortan eine wachsende Zahl salafistischer Vorträge dokumentiert wurde. Das war der Anfang der Gruppe „Die Wahre Religion“ (DWR), die fortan in Moscheen und Veranstaltungsorten in ganz Deutschland auftrat. (…)

Trotz der Querelen wuchs die Szene weiter. Heute ist es schwer, eine größere Stadt ohne salafistischen Treffpunkt zu finden. Unterstützung erhielt der Salafismus vor allem vom Golf, unter anderem durch die zahlreichen kostenlosen Publikationen saudischer Geistlicher, die zumeist von deutschen Salafisten übersetzt und dann verteilt wurden. Es floss aber auch Geld, zum Beispiel zur Errichtung der Al-Nur-Moschee in Berlin-Neukölln, aus deren Anhängerschaft ganze Freundeskreise ins afghanisch-pakistanische Grenzgebiet zum Dschihad aufgebrochen sind.

Es wäre jedoch zu einfach, die Ausbreitung des Salafismus als Ergebnis eines Propagandafeldzugs der Golf-Staaten zu betrachten. Sein Erfolg ist ebenso ein Ergebnis der Globalisierung. Der Salafismus spricht den Einzelnen unabhängig von Herkunft, Sprache oder Kultur an und bezieht sich auf kein bestimmtes Territorium. Das macht ihn attraktiv in einer Zeit, in der weltweite Migration und nie dagewesene Mobilität traditionelle Identitäten in Frage stellen. Zugleich etabliert der Salafismus eine Gegenkultur mit festen Regeln und Rollenbildern. Diese verspricht Halt in einer Welt, in der man sich im Zweifelsfall allein durchbeißen muss.

Während die meisten muslimischen Gemeinden in Deutschland nach Herkunft der Einwanderer getrennt organisiert sind, bieten salafistische Gruppen eine neue, vereinende Identität. Mehr noch – innerhalb kürzester Zeit dürfen sich die Anhänger berufen fühlen, gegen eine moralisch korrumpierte Welt zu kämpfen und der verirrten muslimischen Gemeinschaft den rechten Weg zu weisen. (…)

Wer allerdings von sich glaubt, unmittelbar das Gebot Gottes zu vertreten, und menschliche Vernunft als Teufelswerk ablehnt, mit dem ist schwer zu argumentieren – und doch geben sich die jungen Salafisten in den Fußgängerzonen betont offen und diskussionsfreudig. In Online-Vorträgen und Moschee-Seminaren können sie ihr Überzeugungshandwerk von den Großen der Szene lernen. In Kursen wie „Dawa für Muslime“ und „Dawa für Atheisten“ können sie gezielt die richtigen Argumente einstudieren. In der Tat ähneln sich Verkäufer und Salafist in einem Punkt: Es kommt ihnen weniger auf Vernunft und Stichhaltigkeit als auf das Ergebnis an – Konversion als Verkaufsabschluss. (…)

Solch pragmatisches Verhältnis zu Rationalität zeichnet das Vorgehen der Salafisten generell aus. Der Ruf zum Islam wird mit modernster Technik ins Werk gesetzt. Blumenwiesen, Wasserfälle, Weltraumaufnahmen dienen als Hintergrundbilder für Live-Bekehrungen per Internet. Auf der Facebook-Seite einer der Moderatoren des gewaltaffinen Ahlu-Sunna-Forums aus Hamburg sieht man die Bilder von grünen Kanarienvögeln, denn laut Koran werden die Märtyrer im Paradies um den Thron Gottes flattern. Die Profilbilder der Forum-User zeigen neben schwarzen Fahnen auch schwertschwingende, islamische Helden auf sich aufbäumenden Pferden. User-Namen gleichen oft den sagenumwobenen Gefährten Mohammeds. In ihrer Phantasie leben die Salafisten die Urgeschichte des Islam fort und träumen sich in eine goldene Vergangenheit, die zugleich auch Zukunft sein soll.

Salafismus ist neben allem auch Weltflucht. Das passt zur radikalen Abkehr von der Idee, der Einzelne an sich könne einen Wert haben. Dem Salafismus gilt menschliches Handeln und Denken als solches für nichtig oder gar Blasphemie. Nicht nur ist Allah der alleinige, allmächtige und allwissende Herr der Welt, der samt seinen Namen und Eigenschaften mit nichts verglichen werden kann, sondern auch alle Anbetung darf nur ihm gelten. Hierbei wird „Anbetung“ recht umfassend ausgelegt. Je nach Gelehrtem können auch Demokratie oder Gewinnstreben als Götzendienst darunter fallen. Abou Nagie: „Wenn Du einen Präsidenten anbetest, hast Du Allahu Akbar nicht verstanden. Wenn Du Deine Frau anbetest, hast Du Allahu Akbar nicht verstanden. Wenn Du das Geld anbetest, dann hast Du Allahu Akbar nicht verstanden.“ Mit ähnlichen Argumenten haben die Ideologen Al Qaidas ganze muslimische Regime zu Ungläubigen und damit legitimen Zielen des Dschihad erklärt.

Viel wurde in den vergangenen Jahren in der Bekämpfung der dschihadistischen Strömung des Salafismus erreicht. Mehrere zu Gewalt aufrufende Internetseiten wurden geschlossen, die Unterstützer militanter Gruppen im In- und Ausland verhaftet. Fast alle Anschläge konnten vereitelt werden. Doch kann die Aktivität der Sicherheitsbehörden weder Angriffe ausschließen, noch ist der salafistischen Bewegung durch Verbote allein beizukommen. Denn auch die Kreise, die strafrechtlich nicht belangt werden können, spielen bei der Radikalisierung späterer Dschihadisten eine wichtige Rolle. Von der Abwertung des Lebens und der angeblichen Bedrohung des reinen Islam ist es kein weiter Schritt, Andersgläubige zu Feinden zu erklären, für deren Vernichtung das eigene, an sich ohnehin wertlose Leben billiges Opfer ist.

So waren auch die von Dabbagh und Benhsain organisierten Islam-Seminare ein Schritt auf dem Weg der Radikalisierung einiger Militanter. Bekkay Harrach (erledigt, T.), ein späterer Al-Qaida-Kämpfer, der vor der Bundestagswahl 2009 Deutschland mit Attentaten drohte, hielt auf den Seminaren Vorträge. Auch Eric Breininger (erledigt, T.), der sich innerhalb weniger Monate radikalisierte und der „Islamischen Dschihad Union“ anschloss, war als Besucher dort. In einigen Fällen wurden juristische Mittel überstrapaziert, die politische Isolation des Salafismus aber vernachlässigt. 2008 etwa ermittelte die Polizei gegen Hassan Dabbagh und andere Prediger wegen Verdachts auf Bildung einer kriminellen Vereinigung. Ende 2010 durchsuchte sie die Einrichtungen von EZP. Straf- und Verbotsverfahren mussten („mussten“? T.) jedoch eingestellt werden.

Auf der anderen Seite wurden Vogel und Dabbagh in Talk-Shows wie Maischberger und Sabine Christiansen Podien geboten, in denen sie sich als moderate Vertreter des wahren Islam darstellen konnten. Noch gravierender scheint allerdings die Zusammenarbeit mit salafistischen Gruppen auf lokaler Ebene, insbesondere dort, wo sie die muslimische Gemeinde weitestgehend dominieren. Im Bonner „Rat der Muslime“, aber auch in einigen ostdeutschen Städten dominieren Prediger, die dem Salafismus verbunden sind. Der salafistische Imam des Dabbagh nahestehenden Erfurter Moscheevereins arbeitet als Seelsorger in der größten Thüringer Justizvollzugsanstalt. Die Stadt Rostock stiftete 2010 gar einen Architekturwettbewerb für den örtlichen Islamverein, dessen Türen in der Vergangenheit immer wieder salafistischen Predigern offenstanden und für dessen Moscheebauprojekt nach Angaben des Vereinsvorstands die „Muslimische Weltliga“ aus Saudi-Arabien 75 Prozent der Mittel bereitstellen will. Die konsequente, politische Isolation des Salafismus und seiner Ideologen steht noch am Anfang.

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Leider muss man feststellen, dass Typen, die der Bildung krimineller Vereinigungen verdächtigt wurden und an gewalttätigen Unruhen beteiligt sind, nicht nur „Podien geboten wurden“, sondern ganz aktuell geboten werden, nämlich heute um 22:45 Uhr im Ersten („Menschen bei Maischberger“), wie ich gestern bei Fred Alan Medforth erfuhr (2).

Sturmbannführer Dabbagh wird für den Mohammedanismus hetzen, schön verpackt in süßen Worten, unterstützt von der Orka Renan Demirkan („Natürlich gehört der Islam zu Deutsch­land“), dem jüdischen Dimmie Michael Friedmann („Dass die Gruppe radikalisierter Muslime wächst, liegt nicht im Islam an sich begründet“) sowie der Konvertitin Kristiane Backer („Vom Islam geht keine Gefahr aus, er bedeutet Frieden und Gottesunterwerfung“).

Counterparts sind Matthias Matussek („Der Islam gehöre nicht zu Deutschland“) und Wolfgang Bosbach („Das Recht muss konsequent angewendet werden. Dazu müssen auch Verbote salafistischer Vereine gehören“).

Damit besteht ein Verhältnis von 5:2 (Maischberger zähle ich schon mal zu den Orks), und wir verstehen, wie das in Zukunft für uns aussehen wird. Die Frauenrechte werden nebenbei bemerkt von zwei älteren, katholischen Herren gegen eine Front aus Karriereweibern, Dimmie-Schleimern und Orkkommissaren verteidigt.

Deutschland sucht den Superstar? Wir haben ihn längst gefunden. Es ist das unappetitliche, verfilzte Monster oben im Bild, das aussieht wie der Teufel aus der Puppenkiste und angeblich nunmehr zu mir gehört.

Würg…

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Time am 15. Mai 2012

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1) http://www.faz.net/aktuell/politik/die-gegenwart/salafismus-gewalttaetige-gegenkultur-11746897.html
2) http://medforth.wordpress.com/2012/05/14/salafist-spricht-bei-maischberger/

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160512, Nachtrag: Bericht von der TV-Sendung unter
http://www.welt.de/fernsehen/article106320086/Chaotischer-Salafisten-Talk-mit-aggressivem-Katholiken.html

Kairo vs. Teheran

26. April 2012

Ihm kann man nicht entkommen: Der Kuscheltierhase „Felix“ zeigt auf allen Kanälen im Auftrag der Multikultimafia den Kindern die Buntheit der Welt, wo diese doch häufig denken, sie sei schwarz-weiß.

Wenn er nicht über Israel schreiben soll, liefert Joseph Croitoru meist recht brauchbare Texte über den Orient ab. Heute befasste er sich in der FAZ mit der allaistischen Aktion „Lies!“. Hatte N-TV am Freitag, den 13. April, den Schwerstbescheidwisser Dirk Hartwig von der FU Berlin verkünden lassen (1):

„Bei den Verteilexemplaren handelt es sich um die Übersetzung zweier Muslime namens Abu ar-Ridaa und Ahmad ibn Rassul. ‚Die Übersetzer stehen der Pierre-Vogel-Gruppe nahe’, sagt Dirk Hartwig, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Arabistik der Freien Universität Berlin, im Gespräch mit n-tv.de. Pierre Vogel ist ein deutscher Konvertit, der den Namen Abu Hamza angenommen hat. Er wird seit Jahren vom Verfassungsschutz beobachtet.“

So klärt Herr Croitoru nunmehr auf, dass es sich nicht um zwei sondern einen Übersetzer, nämlich Abu-r-Rida Muhammad ibn Ahmad ibn Rassoul, handele. Er hat auch einen Blick in den übersetzten Text getan und dabei festgestellt, dass Abu-r-Rida…Rassoul ihn offenbar abgemildert hat. Das Beispiel, das Croitoru für besonders auffällig hält, ist aber eher eine der harmloseren Passagen, so dass man auf weitere Vergleiche gespannt wäre. Interessant ist für mich auch die Feststellung, dass die Salafisten sich nicht der Tarnbezeichnung „Gott“ bedienen, sondern konsequent „Alla“ sagen, wenn sie „Alla“ meinen. Diese Absage an den Hokuspokus mit dem angeblich „abrahamitischen“ Gott gereicht ihnen zur Ehre, das klärt die Fronten.

Schiitenmastermind Yavuz Özoguz (der Mann von Hexe Özoguz, welche wiederum bei Leo gern gesehener Gast ist), hält die Salafisten ebenso wie die „liberalen Muslime“ übrigens für Agenten des Kapitalismus aka USA aka Israel. Er schreibt (2):

„Warum hat JEDE aber auch wirklich JEDE der Taten der Salafisten dazu geführt, dass sie den USA genutzt haben? Und warum lassen sie sich so leicht vom weltweiten Kapitalismus kaufen?… Jedes Verbrechen, das sie begehen, dient dazu, dass der weltweite Imperialismus im missbrauchten Namen der Menschenrechte ‚zur Hilfe’ eilt, so geschehen in Afghanistan, so geschehen in Libyen, so geschehen im Irak und jetzt in Syrien… Die Befreiungstheologie ausgehend von der Islamischen Revolution (d.i. das naziranische Terrorregime, T.) ist nicht mehr aufzuhalten. Sie stellt die größte Bedrohung für den kapitalistischen Unterdrückungswahn dar… So versucht die Tyrannei einen anderen Weg. Er stellt sich an die Spitze von zwei “islamischen“ Bewegungen: Den Salafismus und den “liberalen Islam“. Die Menschheit soll die Befreiungstheologie des Islam ausgehend von der Islamischen Revolution übersehen und nur noch zwei extremistische Arten des Islam kennen lernen: Den Salafismus und den “liberalen Islam“.

Wenn man diesen Irren so schwadronieren liest, könnte man glatt Salafist werden. Womit weder Sunniten noch Schiiten zu rechnen scheinen: Da gibt es noch die Torks, die zwar auch Sunniten sind aber doch vor allem Torks.

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Alle Spuren führen nach Ägypten

Wer steckt hinter der Verteilung von Koran-Exemplaren? Nicht nur der Blick auf die Übersetzung und ihren Verfasser verweist auf Zusammenhänge mit dem Erstarken der ägyptischen Salafisten.

Für die Aufregung um die Aktion „Lies!“ ist es bezeichnend, dass bislang Einzelheiten über die verteilte Koran-Ausgabe und ihren Übersetzer kaum bekannt wurden. Die Fassung der von den Salafisten massenhaft verteilten Gratis-Korane trägt den Titel „Der edle Quran. Die ungefähre Bedeutung in der deutschen Sprache“. Vorgelegt hat sie bereits in den achtziger Jahren ein deutsch-ägyptischer Rechtsgelehrter aus Köln unter dem Namen Abu-r-Rida Muhammad ibn Ahmad ibn Rassoul. Wie mehrere andere hierzulande zirkulierende deutsche Koranausgaben – dazu gehört ebenso eine vom saudischen Staat autorisierte Übersetzung wie eine aus Kreisen der Ahmadiyya-Bewegung – dient auch sie missionarischen Zwecken. Wie die beiden erwähnten Versionen, verwendet auch Rassoul in Abgrenzung von zeitgenössischen deutschen Orientalisten, die den Begriff „Gott“ bevorzugen, konsequent den Terminus „Allah“.

Das hat keineswegs nur stilistische Gründe. Mit dem Wort „Allah“ ist man bereits beim Arabischen, der Sprache der islamischen Offenbarung. Damit meint man wohl gerade bei spirituell suchenden Nichtmuslimen auf fruchtbaren Boden zu treffen. Auch Rassouls Bezeichnung des islamischen Gottes als der „Allwissende“, „Allhörende“, „Allsehende“ oder „Allweise“ soll den empfänglichen Leser näher an das Arabische heranführen: Gezielt wird damit auf die „99 Namen Allahs“, die fromme Muslime zu rezitieren pflegen. Im Arabischen beginnen sie allesamt mit dem bestimmenden Artikel „al-“, wodurch phonetisch eine Affinität zur deutschen Vorsilbe „all-“ erzeugt wird.

Nicht ohne Grund haben deutsche Koranübersetzer mit wissenschaftlichem Anspruch wie Peter Paret oder neuerdings Hartmut Bobzin diese Termini ebenso gemieden wie eine weitere Praxis Rassouls. Um Authentizität zu suggerieren, werden von ihm nämlich etliche religiöse Leitbegriffe in der Originalsprache belassen und lediglich ins Deutsche transkribiert: etwa Dschahiliya (vorislamische Zeit der „Unwissenheit“), Aya (Koranvers) oder besonders gern auch Dschahanam (Hölle).

Die Drohung mit dem „Dschahanam“ ist derzeit bei salafistischen Aktivisten denn auch eine besonders beliebte Taktik. Den Koran bei der Übersetzung zu verfälschen ist indes kaum die Intention von islamischen Missionaren. Nichtsdestotrotz erweckt Rassoul als Übersetzer bisweilen den Eindruck, als versuche er manch militantem Koranspruch die Schärfe zu nehmen. Besonders auffällig in diesem Zusammenhang ist Rassouls Übersetzung von Vers 9:30, in dem es um die Konfrontation mit Juden und Christen geht und der von Islamkritikern als direkte Kriegserklärung ausgelegt wird. Rassouls Version lautet „Allahs Fluch über sie!“, während Orientalisten und sogar die saudische Version mit „Allah bekämpfe sie!“ eine deutlich schärfere, weil offensivere Variante vorziehen.

Über Rassoul ist nur so viel bekannt, dass er, zumindest als die erste Auflage seiner Koranübersetzung erschien, Imam einer Moschee in Köln war. Dort soll er damals auch den Verlag „IB Islamische Bibliothek“ gegründet haben, der bis heute aktiv ist. Aufgefallen war Rassoul, dessen Koranversion sich seit ihrem Erscheinen in hiesigen Konvertitenkreisen großer Beliebtheit erfreut, im Jahr 1993, als er unter dem etwas kompakteren Namen Muhammad Ahmad Rassoul im eigenen Verlag seine programmatische Schrift „Das deutsche Kalifat“ veröffentlichte. Rassoul (arabisch für Gesandter) zog darin gegen die Staatsform der Demokratie zu Feld, prophezeite ihren Untergang und propagierte die Errichtung eines deutschen Kalifats. Er plädierte dafür, die „Herzen der Deutschen für den Islam schlagen zu lassen und das Kalifat… auf dem deutschen Boden als leuchtendes Beispiel für Europa und die übrige Welt entstehen zu lassen“. Dass der Verfasser wegen des Pamphlets von staatlicher Seite sanktioniert wurde, ist nicht bekannt. Auch heute wird es hierzulande von mehreren islamischen Online-Shops angeboten. Auf Ebay ist es für 6,50 Euro verlagsfrisch zu haben.

Nicht nur über den Koranübersetzer Rassoul führt die salafistische Spur nach Ägypten, sondern auch über in Deutschland wirkende ägyptisch-muslimische Missionare. Zumindest einer von ihnen unterstützt aktiv die aufsehenerregenden Koranschenkungen. Es handelt sich um den in Berlin lebenden Deutschägypter Reda Seyam, dem – nachdem er sich für die Gotteskrieger in Bosnien eingesetzt und sich kurz vor den verheerenden Anschlägen von 2002 auf Bali aufgehalten hatte – Kontakte zu Al Qaida nachgesagt werden. Nachweisen konnte man ihm diese bislang aber nicht.

Seyam, der schon in Bosnien als Dschihadisten-Filmer unterwegs war, hat sich in den letzten Jahren auf die Missionsarbeit verlegt und als Medienexperte und Verleger in der hiesigen arabischen Salafistenszene einen Namen gemacht. Die auf ihn registrierte Internetseite „Al-Risala“ (Die Botschaft) begleitet ebenso intensiv die Koranverteilungen wie die von Ibrahim Abou Nagie unterhaltene Website „Die wahre Religion“. Im Übrigen leben beide, im Fall von Seyam war dies zuletzt 2007 dokumentiert, von Sozialhilfe.

Auf Seyams „Al-Risala“ finden sich Videos und Berichte, die die Koranaktion dokumentieren. Für die Videoclips zeichnet der „As-Sunna-Verlag“ verantwortlich, der ebenfalls über einen Internetauftritt verfügt und islamisch-missionarische Literatur in deutscher Sprache vertreibt. Eines der Bücher ist mit dem offensiven Titel versehen „Du’a (Anrufung Gottes) – Die Waffe des Gläubigen“. Seyam, der 2007 nicht nur in Berlin Aufsehen erregte, als er allen Protesten zum Trotz seinen Sohn „Dschihad“ nannte, beherrscht die Kunst der Tarnung. Während er sich im arabischen Ausland als Inhaber des „As-Sunna-Verlags“ präsentiert, ist auf dessen Internetseite im Impressum ein Konvertit mit deutschem Namen angegeben.

Bei seinen Auftritten im Ausland – außer in arabischen Ländern neuerdings auch etwa in Spanien – begleitet Seyam häufig ein weiterer in Deutschland aktiver ägyptischer Salafist, der Berliner Imam Hossam El-Gabry. Im vergangenen Herbst war das Salafisten-Duo beim arabischen Satellitensender „Al-Khalijia“, den konservative saudische Kreise betreiben, zu Gast. Der ebenfalls aus Ägypten stammende Moderator interessierte sich für die Lage der islamischen Missionsbewegung in Deutschland. In vertrauter Gesprächsatmosphäre beklagten seine Gäste die negative Darstellung der Muslime in den deutschen Medien, die aus El-Gabrys Sicht wie generell im Westen „von den Juden beherrscht“ würden.

Seyam vertrat die Auffassung, man sollte deutsche Nichtmuslime weniger mit wissenschaftlichen Argumenten ansprechen, sondern sich vielmehr auf die Propagierung des islamischen Einheitsglaubens konzentrieren. Entschlossenheit sei gefragt, denn die Deutschen seien häufig infantil und ihre Charakterstruktur weise schwere Defizite auf: Schätzungen zufolge, so Seyam, litten einundvierzig Prozent der Deutschen an psychischen Störungen.

Beide Salafisten waren sich einig, dass sich die islamische Missionierung in Deutschland nach wie vor schwierig gestalte. Verleger Seyam klagte darüber, dass es noch immer an geeigneter islamischer Literatur auf Deutsch mangele, weshalb er nun mit Gesinnungsgenossen aus Ägypten zusammenarbeite; dort habe man mehr Erfahrung mit der Übertragung missionarischer Schriften in europäische Sprachen. Vor diesem Hintergrund darf die Verteilung von Gratisexemplaren des Korans, die kurz nach diesem Fernsehauftritt startete, als Versuch einer an sich überschaubaren Salafisten-Gruppe gewertet werden, sich im deutschsprachigen Raum mit einer spektakulären Aktion aus dem Schattendasein ins öffentliche Bewusstsein zu katapultieren.

Mit derartigen Unterfangen wird man in Zukunft wohl häufiger rechnen müssen, denn offenbar feuert das Erstarken der Islamisten in Ägypten den Eifer der deutsch-arabischen Missionare zusätzlich an. Wer nach einer Verbindung zwischen diesen beiden Gruppen sucht, wird schnell fündig. So ist der Ägypter Hossam El-Gabry Mitglied der Organisation „Europäisches Institut für islamische Angelegenheiten“, die ihren Sitz in Antwerpen hat. Auf ihrer offiziellen Facebook-Seite lächelt den Besucher ein mittlerweile weltweit bekannter bärtiger Mann freundlich an: Es ist der salafistische ägyptische Präsidentschaftskandidat Hazem Abu Ismail, für dessen Wahl hier geworben wird, auch wenn er seit kurzem nicht mehr kandidieren darf.

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Time am 26. April 2012

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1) http://www.n-tv.de/politik/Behoerden-erwarten-Streit-article6018581.html
2) http://www.muslim-markt-forum.de/t73f2-Syriens-Situation-hilft-der-Entwicklung-zur-Wahrheit.html

Im Wesentlichen dasselbe

15. April 2012

Das ist ja toll: Die Taliban nehmen Afghanistan wieder in Besitz und zeigen uns, wie sich die Mohammedanisten die Zukunft Deutschlands vorstellen. Von der Titelseite N-TVs ist die salafistische Offensive in unserem eigenen Land aber schon wieder verschwunden, und wichtig ist nunmehr ein hartes Vorgehen gegen „übermütige Zweiradbenutzer“.

Bei N-TV war die Kloranverteilaktion ohnehin schnell aufgeklärt und damit ad acta gelegt worden. Bei den verteilten Kloranen handele es sich nämlich, so Nora Schareika, um Fehlübersetzungen (1)

„Salafisten nutzen speziellen Koran – Übersetzung ist entscheidend. Die Koranaktion einer islamistischen Splittergruppe sorgt in Deutschland für Aufsehen. An diesem Wochenende verteilen Salafisten wieder Korane in Fußgängerzonen. Nach Ansicht von Experten handelt es sich um eine Art Self-Made-Exemplar, das das arabische Original besonders streng auslegt.“

Sogar ein Arabistik-Professor wird aufgefahren (2): „Der Arabistik-Professor Thomas Bauer rechnet jedoch nicht damit, dass ein durch Salafisten übersetzter Koran viele Deutsche überzeugen wird. ‚Es gibt sehr schöne Übersetzungen. Aber die schönen sind in der Regel nicht die salafistischen’, sagte der Wissenschaftler vom Forschungsverbund Religion und Politik an der Universität Münster.

Bei den Verteilexemplaren handelt es sich um die Übersetzung zweier Muslime namens Abu ar-Ridaa und Ahmad ibn Rassul. ‚Die Übersetzer stehen der Pierre-Vogel-Gruppe nahe’, sagt Dirk Hartwig, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Arabistik der Freien Universität Berlin, im Gespräch mit n-tv.de. Pierre Vogel ist ein deutscher Konvertit, der den Namen Abu Hamza angenommen hat. Er wird seit Jahren vom Verfassungsschutz beobachtet.

Die verschiedenen Lesarten des Koran und sich daraus ableitende Interpretationen sorgen auch in der islamischen Welt dafür, dass es zum Teil weit voneinander abweichende Meinungen gibt, welcher Islam der ‚wahre’ Islam ist.“

Moooment mal! Es gibt „schöne Übersetzungen“ des Kloran und unschöne? Sollte es nicht eher richtige Übersetzungen geben? Was ist das für ein Text, der so dermaßen beliebig sein soll, dass die politischen Intentionen seiner Übersetzer über seine Qualität bzw. Korrektheit entscheiden sollen? Nein, nein, hier kommt es in erster Linie darauf an, ob der Übersetzer des Deutschen und des Arabischen in hohem Maße mächtig ist.

„‚Wissenschaftlich ist so eine Übersetzung nicht so bedeutsam’ urteilt der Koranforscher Dirk Hartwig von der Freien Universität Berlin. Allerdings sei der Salafisten-Koran vermutlich leicht lesbar und enthalte inhaltlich andere Nuancen.“

Soso, „wissenschaftlich“ unbedeutsam und inhaltlich verändert im Sinne der Salafisten, die wie die Taliban eine extreme und demokratiefeindliche Gesinnung haben bzw. mit ihnen identisch sind, ist diese Kloranübersetzung.

Aber welche ist denn „wissenschaftlich bedeutsam“ und „schön“? Doch sicher die von Friedrich Rückert (3) oder die von Rudi Paret (4) oder die von Max Henning (5), die wesentliche Grundlage meiner eigenen Untersuchungen ist. All diese Übersetzungen unterscheiden sich tatsächlich nur in „Nuancen“. Sie alle lassen aber unisono deutlich werden, dass Klo H. Metzel ein psychopathischer Gewaltherrscher war und der Kloran das Machwerk eines gierigen und kleingeistigen Sadisten – dass er ganz unmöglich das Werk eines weisen Menschen sein kann, geschweige denn das eines Wesens, welches auch das gesamte Universum geschaffen haben soll.

Paret: „Und kämpfet wider sie, bis kein Bürgerkrieg mehr ist und bis alles an Allah glaubt.“ (8. Sure, Vers 39)

Henning: „Und kämpft wider sie, bis kein Bürgerkrieg mehr ist und bis alles an Allah glaubt.“ (8. Sure, Vers 40, Recl. S. 176)

Das ist in der Tat in Nuancen unterschiedlich, in der Sache jedoch völlig eindeutig. Dennoch meint der Hassprediger und Initiator der Aktion „Lügen“ (engl.: lies), eine Verschwörung aufgedeckt zu haben. Abu Nagie: „Wir haben festgestellt, dass in vielen Bibliotheken gefälschte Übersetzungen des Korans sind“ (6). Aber was für Übersetzungen werden denn nun in deutschen Bibliotheken stehen? Doch wohl die blutrünstigen von Paret und Henning… und die sind ihm offenbar noch nicht blutrünstig genug, die sind „gefälscht“…

Also haben entweder Rückert, Paret und Henning den Kloran gefälscht oder aber Nagie tut es. Geht das? Ist das erlaubt? Ist Kloranfälschung halal?

Oder ist Kloranfälschung nicht vielleicht noch schlimmer als Kloranverbrennung? Mazyeks „islam.de“ (7):

„In diesem Sinne hat sich die deutsche Koranwissenschaft in den letzten Jahrhunderten viele Verdienste erworben. Mehr noch versuchte beispielsweise der Dichter und Orientalist Friedrich Rückert bereits Anfang des Neunzehnten Jahrhunderts durch seine hervorragende Arbeit den Rhythmus, Klang und die die Muslime bezaubernde sprachliche Tiefe, dem deutschsprachigen Leser zugänglich zu machen.“

Der ZMD hat sich also für Rückert & Co. entschieden. Abu Nagie ist mithin ein KLORANFÄLSCHER!!! Wie ist die Reaktion des ZMD auf dieses unerhörte Verbrechen?

„In so einer Situation ist es sicher berechtigt zu fragen, was bei aller Legitimität mit der großflächigen Verteilung des Korans durch die Aktion ‚Lies‘ bezweckt werden soll. Insbesondere ist zu hoffen, dass Einzelne darin nicht eine werbewirksame Aktion für ihre Gruppe sehen. Eine Instrumentalisierung des heiligen Buches zu diesem Zweck ist unbedingt abzulehnen.“

Üblicherweise bei jedem Schatten, der aus Versehen auf den Fuß eines Mohammedanisten fällt zu lautstarkem Protest inklusive Nazivorwurf hingerissen, fragt der ZMD im Falle einer vielhunderttausendfachen KLORANFÄLSCHUNG schüchtern bei dem notorischen KLORANFÄLSCHER nach, was er mit seiner KLORANFÄLSCHUNG bezweckt. Das ist erstaunlich! Darf eigentlich jeder Klorane fälschen oder dürfen das nur Mohammedanisten? 

Frederike Haupt, die in der heutigen FAZ unter der Überschrift „Die Sache mit der Wahrheit“ über die Angelegenheit berichtet, hat sich mit einer SPD-Politikerin unterhalten, die regelmäßig persönlich vor Ort gegen die Salafisten protestiert. Bezeichnenderweise hat Frau Haupt offenbar dennoch keinen Salafistenkloran an sich genommen, denn sie zitiert nicht daraus. Dies ist bisher überhaupt noch nicht geschehen, an keiner Stelle und natürlich erst recht nicht durch die deutschen sogenannten „Koranforscher“ und „Orientalisten“, was bei 300.000 Exemplaren doch sehr verwundert. Ich bin sicher, dass man einem Textvergleich zwischen Nagie und Paret nur zu gern aus dem Weg gehen möchte, denn er würde ergeben, dass sich beide Übersetzungen nur in Nuancen unterscheiden.

In ihrem Hass auf alles Nicht-Mohammedanistische und der Verpflichtung der Orks zur gewaltsamen Eroberung der ganzen Welt jedoch stimmen sie überein.

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Time am 15. April 2012
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1) http://www.n-tv.de/politik/Salafisten-Koran-ist-Eigenuebersetzung-article6018511.html
2) http://www.n-tv.de/politik/Behoerden-erwarten-Streit-article6018581.html
3) http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Rückert
4) http://de.wikipedia.org/wiki/Rudi_Paret
5) http://de.wikipedia.org/wiki/Max_Henning
6) http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/koranverteilungen-in-deutschen-staedten-die-sache-mit-der-wahrheit-11717904.html
7) http://www.islam.de/20184