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Im Interview: böse Aliens

7. August 2016

CLOWNS

Lesen Sie ein Interview von Rainer Hermann und Jasper von Altenbockum mit Michael Müller (Berlins Bürgermeister) und der stellvertretenden Außenamtssprecherin Sawsan Chebli von „FAZ.NET“ (1).

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„… als würden Muslime für Aliens gehalten“

Fast jeder zehnte Einwohner Berlins ist muslimisch, jeder zweite davon ein Deutscher. Wie geht die Stadt damit um?

Frau Chebli, Herr Müller, in Deutschland wird sehr viel über Muslime und den Islam gesprochen, aber sehr wenig über Religion. Warum?

Chebli: Wir dürfen die Integrationsdebatte nicht mit der Diskussion über Muslime und Islam oder Religion insgesamt vermengen. Mein Vater ist ein frommer Muslim, spricht kaum Deutsch, kann weder lesen noch schreiben, ist aber integrierter als viele Funktionäre der AfD, die unsere Verfassung in Frage stellen.

Müller: Wir brauchen in der Tat eine offensivere Diskussion darüber, welchen Stellenwert Religion in unserer Gesellschaft hat. Das gilt für den Islam, aber genauso für Christentum oder das Judentum. Wir sind ein säkularer Staat, aber Religion hat eine wichtige, ja auch eine stabilisierende Funktion.

Es wird aber doch ständig versucht, Religion zu verdrängen. Hat sich Deutschland nicht längst von einem säkularen in einen laizistischen Staat verwandelt?

Müller: Nein, das sehe ich nicht so. Meine Wahrnehmung ist eher, dass sich viele Leute zurückziehen aus Parteien, Gewerkschaften und eben auch Kirchen. Vielleicht entsteht so der Eindruck, dass die Kirchen nicht mehr zu den Säulen der Gesellschaft gehören. Das ist schade und politisch ganz sicher nicht gewollt. Die Trennung von Religion und Staat ist richtig, aber wir brauchen die christlichen Kirchen, die jüdischen Organisationen und auch die muslimischen Gemeinden als Partner für Dialog und Verständigung. Wir haben in den vergangenen Jahren vor allem in unseren Beziehungen zu den Muslimen wichtige Meilensteine wie das Integrationsgesetz zurückgelegt.

Ist das Berliner Neutralitätsgesetz, also das Kopftuchverbot im öffentlichen Dienst, nicht Ausdruck einer schleichenden Abkehr vom Säkularismus und einer Hinwendung zum Laizismus?

Müller: Nein. Das Neutralitätsgesetz hat nichts mit Gleichgültigkeit gegenüber Religion oder der Einschränkung von Religionsfreiheit zu tun. Das Gesetz verhindert ja nicht Religion in unserem Zusammenleben oder dass im Roten Rathaus auch Frauen mit Kopftuch arbeiten. Es heißt Neutralitätsgesetz, weil es Bereiche wie Schulen, Gerichte und Polizei gibt, in denen der Staat strikte Neutralität wahren muss. Das gilt für Kopftücher ebenso wie für die Kippa oder das Kreuz-

Chebli: Die Realität ist doch, dass Frauen mit Kopftuch als potentiell unterdrückt gelten, als Frauen, die man aus den Zwängen ihrer Väter oder Ehemänner befreien muss. Meine Mutter und meine fünf Schwestern tragen ein Kopftuch, einige auch gegen den Willen ihrer Männer, und berichten von wachsenden Anfeindungen auf der Straße. Im „Juma“Projekt, das ich ins Leben gerufen habe („Juma“ steht für das Freitagsgebet, aber auch für „jung, muslimisch, aktiv“), tragen neunzig Prozent der Mädchen ein Kopftuch. Fast alle studieren, sind talentiert und wollen etwas leisten für die Gesellschaft. Es tut mir weh zu sehen, wie viel Potential wir einfach so vergeuden.

Berlin hat ein Integrationsgesetz, das ohne „Leitkultur“ auskommt. Bayern geht jetzt einen anderen Weg. Brauchen wir Leitkulturgesetze?

Müller: Der Begriff „Leitkultur“ ist mir zu eng gefasst und wird auch gerne politisch zur Ausgrenzung missbraucht. Wenn wir aus den Versäumnissen der vergangenen Jahrzehnte lernen wollen, dann doch, dass wir konkret formulieren müssen, was wir wollen. Im Berliner Integrations- und Partizipationsgesetz regeln wir Dinge wie Bestattungen oder auch Feiertage, aber vor allem anerkennen wir die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen in unserer Stadt. Es geht darum, dass jeder dazugehört und mitwirken kann. Wir alle – in unserer Vielfältigkeit – sind Berlin, und jeder soll die Möglichkeit haben, sich bei der gemeinsamen Gestaltung unserer Stadt einzubringen. Das bayrische Gesetz ist mir zu dünn. In Berlin setzen wir der Abgrenzungskultur eine offene Kultur entgegen.

Unter muslimischen Jugendlichen der dritten Generation steigt der Anteil derer, die im Zweifel die Scharia über das Grundgesetz stellen. Wie kommt das?

Chebli: Manchmal habe ich das Gefühl, wir würden für Aliens gehalten. Fakt ist: Auch Muslime hungern nach mehr Demokratie. Für mich und für die allermeisten Muslime gilt das Grundgesetz ohne Wenn und Aber. Für Muslime hat es auch deshalb einen besonderen Wert, weil es sie als Minderheit schützt und ihnen Religionsfreiheit gewährt – die sie in vielen islamisch geprägten Ländern nicht genießen würden. Und dennoch halte ich diese Gegenüberstellung – Identifikation mit Deutschland und dem Grundgesetz versus Islam – für künstlich und auch lebensfern. Warum wird das immer als Widerspruch konstruiert? Alle reden über Scharia, aber kaum jemand weiß, was Scharia bedeutet. Scharia heißt auf Deutsch: Weg zur Quelle, also der Weg zu Gott. Sie regelt zum größten Teil das Verhältnis zwischen Gott und den Menschen. Es geht um Dinge wie das Gebet, um Fasten, um Almosen. Das stellt mich als Demokratin doch vor kein Problem im Alltag, sondern ist absolut kompatibel, wie es für Christen, Juden und andere auch der Fall ist.

Müller: Für mich ist klar: Es gilt immer das Grundgesetz. Punkt. Für alle, die hier leben. Ich liebe unser Grundgesetz. Es regelt für uns alle unteilbar, wie wir zusammenleben wollen – gleichberechtigt, gewaltfrei, offen und tolerant jeder Religion gegenüber, jedem Menschen gegenüber. Das ist die Grundlage für jeden, der hier lebt. Auf dieser Grundlage ist Integrationsarbeit zu leisten – über Bildung, Teilhabe für alle und gute Arbeit.

Chebli: Für Muslime ist der islamistische Extremismus eine große Bedrohung. Terroristen treffen mitten ins Herz der islamischen Gemeinden. Und wenn Sie sich die Opferzahlen terroristischer Anschläge anschauen, dann sehen sie: Die große Mehrheit unter den Toten sind Muslime. Es liegt also im ureigenen Interesse von Muslimen, der Radikalisierung in ihren Reihen entgegenzutreten. Aber nicht nur Muslime, jeder von uns entscheidet mit darüber, wohin es junge Menschen treibt. Wir alle, auch wir Muslime müssen unsere Hausaufgaben machen.

Was nutzt uns aber das Grundgesetz, wenn es im Kindergarten heißt, wir können Weihnachten nicht mehr feiern, weil es so viele muslimische Kinder gibt, oder wenn das Kreuz im Klassenzimmer abgehängt wird, weil der Staat es so will. Reicht da der Hinweis, das sei alles in Ordnung, weil es sich auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung vollziehe?

Müller: Deutschland ist seit Jahrzehnten ein Einwanderungsland, man kann diese Veränderungsprozesse nicht wegdiskutieren. Meine Kinder sind 18 und 20 Jahre alt, sie gehen ganz selbstverständlich damit um und haben keine Vorurteile. Ich finde, unterschiedliche Kulturen und auch Religionen haben unsere Gesellschaft positiv geprägt. Das heißt nicht, dass man sich nicht mehr traut, seine eigene Geschichte und Biographie zu leben. Das wäre fatal. Warum soll ich nicht mit meinem türkischen Freund essen und leben und beten, genau wie er ja auch meine Lebensweise teilt? Es geht um gegenseitigen Respekt.

Chebli: Sie haben recht. Wenn wir als Muslime wollen, dass andere unsere Religion respektieren, müssen wir Andersdenkenden auch Respekt zollen! Ich bin deshalb auch dagegen, dass im Kindergarten aus Rücksicht auf muslimische Kinder kein Weihnachten gefeiert wird. Ich komme aus einem religiösen Elternhaus. Das Gebet fünfmal am Tag war Pflicht, und das Auswendiglernen des Korans nach der Schule gehörte zum Alltag. Mein Bruder war mit einer Christin verheiratet. Gemeinsam mit ihrer Familie haben wir Weihnachten gefeiert. Zu Nikolaus standen die Stiefel vor der Tür, und zu Ostern haben wir Eier bemalt. Ich finde, wir könnten die Kirche mal im Dorf lassen und alle ein wenig entspannter miteinander sein.

Müller: Natürlich wird in einem Kindergarten weiter Weihnachten gefeiert! Zum gegenseitigen Respekt gehört auch, sich darauf einzustellen, dass muslimische Kinder nicht alles essen. Wo ist da der Widerspruch? Ich möchte ein soziales Gemeinwesen, in dem sich alle Menschen unabhängig von ihrer kulturellen oder religiösen Identität friedlich und frei entfalten können.

Chebli: Schrecklich ist nur, dass die AfD diese Beispiele nutzt, um gegen Muslime zu hetzen. Da müssen wir klar Stellung beziehen und Rassismus mit aller Vehemenz zurückweisen. Wenn Minderheiten diffamiert, sie zu Sündenböcken gemacht oder ihnen Verfassungsrechte aberkannt werden sollen, dann müssen wir Demokraten unsere Stimme erheben.

Warum ist es der AfD aber gelungen, sich einen solchen Resonanzraum zu verschaffen?

Müller: Zuerst will ich festhalten, dass ja ganz offensichtlich die übergroße Mehrheit der Gesellschaft anderer Meinung ist als die AfD. Viele Dinge kommen zusammen: die Lage in der Welt, die Flüchtlingskrise, Europa ist in der Krise. Die Menschen erleben neue Unübersichtlichkeiten und einige reagieren darauf, indem sie sich zurückziehen und die anderen einfach machen lassen. Nationales Denken wird als Lösung für alle diese Probleme propagiert. Das sehen wir leider in ganz Europa. Die AfD schürt diesen nationalistischen Virus. Doch unsere Gesellschaft ist stärker: Wir sollten nicht wie das Kaninchen auf die Schlange starren und glauben, die AfD dominiere die Politik. Das tut sie nicht.

Wie verändern die Flüchtlinge den Islam in Deutschland? Bisher war er eher türkisch geprägt, jetzt kommt der arabische stärker zur Geltung.

Chebli: Bisher stellten die Türkeistämmigen die größte Gruppe unter den Muslimen dar. Araber bildeten eine kleine Minderheit. Traditionell sind die arabischen Gemeinden in Berlin weniger religiös aufgestellt. Insgesamt wissen wir aber noch zu wenig über die Gruppe der neuzugewanderten Araber, um was Belastbares sagen zu können. Was wir mit Sicherheit sagen können, ist, dass die muslimischen Gemeinden massiv gefordert sein werden, all diese Menschen in ihren Reihen zu integrieren.

Brauchen wir einen Euro-Islam? Oder ist der nur der Wunsch-Islam der Deutschen?

Chebli: Es gibt seit Ende der neunziger Jahre eine Debatte in Europa über die Frage, wie Muslime ihr Muslimsein in einem nichtislamischen Umfeld als Minderheit ausleben können, wie man muslimisches Leben in Einklang bringen kann mit dem Leben in westlichen Gesellschaften. Hier geht es um eine zeitgemäße Auslegung der Religion und der islamischen Quellen, Koran und Sunna. Das finde ich gut. Vom Begriff Euro-Islam halte ich aber dennoch nichts. Im Übrigen ist das ein innerislamischer Prozess, der auch nicht von außen bestimmt werden sollte.

Müller: Es ist doch normal, dass man sich und wie man seine Religion praktizieren möchte, den Lebensumständen anpasst. Das ist deswegen aber doch keine neue Religion, die entsteht oder gar aufgezwungen werden muss.

Aber vielleicht anpassungsfähiger.

Chebli: Muslimische Gelehrte haben sich in der Geschichte stets den Kopf darüber zerbrochen, wie man auseinandergehende Meinungen – sogar innerhalb von Rechtsschulen – aushalten kann. Das ist also keine Neuerung, das ist islamische Tradition. Extremisten wie die des „Islamischen Staats“ wischen diese islamische Tradition einfach weg. Für sie ist der Koran eine Art Kochbuch. Sie interpretieren das Geschriebene im wortwörtlichen Sinne und beschäftigen sich mit Fragen wie: Wie lang muss mein Bart und wie lang muss meine Hose sein? Sie pervertieren unseren Glauben und nehmen die ganze muslimische Gemeinschaft in Geiselhaft.

Sie haben von einer „Muslimisierung“ der Integrationsdebatte gesprochen. Was meinten Sie damit?

Chebli: Soziale Konflikte – Bildungsprobleme, Jugendgewalt, Arbeitslosigkeit – werden zunehmend religiös aufgeladen und mit der Kultur und Religion erklärt. Menschen, deren Eltern aus einem islamisch geprägten Land stammen, die mit dem Islam aber sonst nichts am Hut haben, werden zu Muslimen erklärt. Das Ergebnis ist ganz häufig eine Überidentifikation mit dem Islam, auch mit negativen Folgen.

Was ist dafür ausschlaggebend gewesen?

Chebli: Bis in die späten neunziger Jahre hinein war der Islam in Deutschland unsichtbar. Es gab hier und da eine Hinterhofmoschee, aber in der Öffentlichkeit spielte diese Gruppe keine Rolle, da stand die Wahrnehmung als ethnische Gruppe – Türken, Araber – im Vordergrund. Mit den Anschlägen vom 11. September hat sich das schlagartig verändert. Jeder, der Wurzeln im Nahen Osten oder in der Türkei hat, ist plötzlich, ob er wollte oder nicht, zum Muslim und zum Sprecher der muslimischen Community erklärt worden.

Kann das denn so falsch sein, wenn doch klar ist, dass Religion identitätsstiftend ist? Christen sind auch oft nur „Kulturchristen“, müssen sich aber trotzdem sagen lassen, sie seien Christen.

Chebli: Das Christentum ist hierzulande die Mehrheitsreligion, und die Zugehörigkeit zum Christentum ist kein Stigma. Der Islam dagegen gilt als rückwärtsgewandt, gewaltbereit, undemokratisch, und Muslime werden als schwer integrierbar wahrgenommen.

Hat es nicht auch damit zu tun, dass das Christentum seit Jahrhunderten selbstverständlicher Teil des Lebens ist in Deutschland, der Islam aber nicht?

Müller: Wir haben in Berlin eine sehr selbstbewusste muslimische Mittelschicht, die sagt: Wir gehören zu Deutschland, wir gehören zu Berlin – warum sollen wir unsere Religion verstecken? In der öffentlichen Diskussion wird daraus eine einseitige Reduzierung auf das Muslimsein. Dabei wollen die Muslime nur sagen: Religion spielt nicht allein, aber eben auch eine Rolle für uns. Geht es nicht vielen Christen in Deutschland auch so?

Auf wen hören die Muslime? Auf die Verbände? Auf Prediger im Inland? Auf Prediger im Ausland?

Chebli: Der Islam kennt keinen Klerus. Als Muslim ist man nur Gott gegenüber zu Rechenschaft verpflichtet. Das ist ein Segen, macht es zugegebenermaßen aber auch schwieriger, die Zusammenarbeit mit dem Staat zu organisieren.

Haben Muslime denn wirklich niemanden, auf den sie hören?

Chebli: Für viele Muslime sind Moscheevereine und Verbände wichtige Ansprechpartner, wenn es um religiöse und rituelle Fragen geht. Das gilt auch, wenn man keinem Verband offiziell angehört. Das Beharren auf religiöser Autorität und klaren Hierarchien bringt uns aber nicht weiter.

Müller: Dass sich Menschen einem Verband oder einer Gemeinde anschließen, ist ja kein eigenständiges Merkmal des Islams. Wo Deutsche in der Fremde waren, haben sie erst einmal eine Kirche gebaut oder Traditionsvereine gegründet. Wo ich fremd bin, suche ich Halt in Vertrautem. Aber Respekt vor der Kultur der neuen Heimat ist genauso wichtig.

Haben wir davon im Fall der Muslime zu viel oder zu wenig? Die muslimischen Verbände sind nicht unbedingt repräsentativ, und wir wissen immer noch zu wenig über sie.

Müller: Ja, deshalb ist es gut, dass wir seit zehn Jahren das Berliner Islamforum haben, einen Ort des Dialogs und der Verantwortung. Da sitzt der Staat mit Sunniten, Schiiten, Aleviten, Christen und Juden an einem Tisch. Hier wird deutlich, dass es eben nicht die eine muslimische Stimme gibt, sondern viele und nicht selten auch untereinander um Positionen gerungen wird. Auch der Tag der offenen Moscheen ist eine schöne Tradition. Wir brauchen noch viel mehr solcher Foren der Begegnung, wo wir einander besser kennenlernen. In Berlin funktioniert es ganz gut, auch wenn nicht alles reibungslos verläuft.

Warum ist es so schwierig, Staatsverträge mit den Verbänden zu schließen?

Müller: Verträge mit muslimischen Verbänden und Vereinen können einen Beitrag dazu leisten, um Rechte und Pflichten zu definieren. Vieles haben wir bereits geregelt. Aber es gibt natürlich noch offene Fragen. Deswegen haben wir in Berlin einen runden Tisch geschaffen. Ziel ist es, ein klareres Bild darüber zu haben, wer unsere Ansprechpartner und was ihre Vorstellungen sind oder was wir im Sinne verbindlicher rechtlicher Regelungen vereinbaren könnten.

Chebli: Und bei aller Kritik an den Verbänden dürfen wir nicht vergessen, dass ihre Arbeit größtenteils ehrenamtlich ist. Zudem sind sie auf Spenden angewiesen, was angesichts der sozioökonomischen Lage der Muslime hierzulande das Ganze nicht einfacher macht. Es fehlt also ganz häufig an Ressourcen, um den vom Staat an sie herangetragenen Aufgaben als Sozialarbeiter, Kämpfer gegen Radikalisierung, Jugendhelfer professionell nachkommen zu können.

Müller: Genau das wollen wir mit Verträgen regeln, um so auch eine bessere Arbeit zu ermöglichen. Außerdem richten wir das Institut für islamische Theologie an der Humboldt-Universität ein. Das sind alles Schritte hin zu dieser Professionalisierung. Natürlich lösen solche Verträge allein nicht alle Probleme. Es gibt Grenzen.

Welche Grenzen meinen Sie?

Müller: Ein praktisches Beispiel: Wir haben immer mehr muslimische Bestattungen in Berlin. Das ist schön, weil es uns zeigt, dass Muslime Deutschland als ihre Heimat sehen. Aber wo sollen wir die Flächen für die Bestattungen finden? Wir haben den Verbänden und Glaubensgemeinschaften Flächen angeboten, die von den christlichen Kirchen nicht mehr genutzt werden. Die einen haben gesagt: Eine anständige Lösung. Andere haben gesagt: Das ist doch nicht euer Ernst! Das ist unreine Erde! Wir kommen also an Grenzen, weil wir nicht nur einen, sondern mehrere Vertragspartner haben, die sich nicht immer einig sind. Am Berliner Islam-Institut wiederum richten wir mehrere Professuren ein, auch um unterschiedliche Richtungen abbilden zu können, da gibt es keine Kontroverse.

Hängen die Lehrstühle nicht in der Luft, wenn die Moscheegemeinden die ausgebildeten Imame nicht akzeptieren?

Müller: Wir wünschen uns natürlich, dass das funktioniert. Es wäre jedenfalls ein großer Fortschritt, dass hier aufgewachsene, hier ausgebildete Imame in den Moscheen auch predigen können. Ein in Berlin angebotener muslimischer Religionsunterricht von in Berlin ausgebildeten Lehrkräften: das ist ein weiteres Signal religiöser Integration.

Chebli: Das sieht auch die Mehrheit der Muslime so. Es ist wichtig, dass junge Menschen Ansprechpartner in den Moscheen haben, die ihre Sprache sprechen und sich auch in ihre Gefühlswelt hineinversetzen können.

Wer soll die Imame eines Tages bezahlen? Wer gut ausgebildet ist, will auch ein ordentliches Gehalt haben.

Chebli: Richtig. Und ich glaube nicht, dass die Verbände oder die Moscheen in der Lage sind, ein solches Gehalt zu zahlen.

Müller: Auch hierüber müssen wir diskutieren und gemeinsame Lösungen finden. Beim Religionsunterricht funktioniert es ja auch gut, indem wir eine Mischfinanzierung zwischen staatlichen Anteilen und Finanzierung durch die Religionsgemeinschaften haben.

Sind das alles Ergebnisse eines Lernprozesses auf beiden Seiten?

Müller: Wir hatten zu lange, auch in der SPD, die Haltung: Wenn Menschen zu uns kommen, ist das gut, und irgendwie wird sich das Zusammenleben dann schon ergeben. Das war ein Irrtum. Für das Zusammenleben muss es einen klar benannten und für alle nachvollziehbaren Rahmen geben. Es gibt keinen Automatismus, sondern wir müssen in einem Geben und Nehmen aktiv mit den Herausforderungen von Integration umgehen. Die für alle verbindlichen Regeln müssen ausgesprochen werden.

Chebli: Wir haben schon einiges erreicht, wenn man bedenkt, dass wir vor gar nicht allzu langer Zeit kaum etwas übereinander wussten. Es ist revolutionär, wie schnell sich muslimisches Leben in Deutschland emanzipiert hat.

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Time am 7. August 2016

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1) http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/gespraech-ueber-unsere-gesellschaft-und-den-islam-14368816.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

Sieg des Counterjihad: Medina

5. Juli 2016

Arschlochplatz

Lang erwartet: Anschlag
auf die A*schl*chmoschee in Medina

Der Nazislahm ist die Religion Satans – des Antagonisten von Jahwe – und er muss daher vollständig dekonstruiert werden – d.h. für jeden Menschen als inakzeptable Haltung verständlich gemacht werden. Dies ist die Hauptaufgabe!

Sie wird flankiert von polizeilichen, geheimdienstlichen, militärischen und sonstigen Maßnahmen, die unsere offene und freie Gesellschaft schützen, und die die Eliminierung von nazislahmischen Gewalttätern einschließen.

Das aktuelle Attentat in Medina, der Zentrale des ruchlosen Klo H. Metzel, der zum Schaden und zur Provokation der Menschheit von Satan in die Welt gesetzt und ausgebildet wurde, ist KEINE solcher Maßnahmen.

Hier wird vielmehr die Agonie des Nazislahm deutlich, der sich aus maßloser Gier und Mangel an Opfern am Ende selbst frisst (1)

Die Orks dies selbst evident werden zu lassen, ist ein Sieg des Counterjihad.

Lesen Sie einen Artikel von Rainer Hermann von „FAZ.NET“ (2).

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Nicht einmal das Grab des Propheten ist dem IS heilig

Der „Islamische Staat“ erklärt nun auch Saudi-Arabien den Krieg. Mit dem Anschlag auf die Prophetenmoschee kehrt er zu den Wurzeln des wahhabitischen Islams zurück.

Die Terrorserie am vorletzten Tag des Fastenmonats Ramadan enthält das Programm des „Islamischen Staats“. An einem Tag griffen Attentäter das amerikanische Generalkonsulat in der saudischen Hafenstadt Dschidda an, eine schiitische Moschee in Qatif im Osten des Landes und danach die Prophetenmoschee in Medina. Die Ziele stehen für die Hauptfeinde der Terrororganisation: die Vereinigten Staaten in Vertretung für die westliche Welt, die schiitischen Muslime und die religiöse Praxis der meisten sunnitischen Muslime. Denn die Ideologie des IS lehnt den Bau von Moscheen über Gräbern ab.

Die große Kriegserklärung gilt jedoch dem Königreich Saudi-Arabien. Bereits in den ersten Ausgaben des IS-Propagandamagazins „Dabiq“ hatte die Destabilisierung und Eroberung von Saudi-Arabien einen breiten Raum eingenommen. Da sich die Terrororganisation den Namen „Islamischer Staat“ gab und sich ihr Anführer Kalif, Oberhaupt aller Muslime, nennen lässt, strebt sie nach der Herrschaft über die Heiligen Stätten des Islams, Mekka und Medina. Die Ideologie des IS ist auch deswegen nicht mit dem Staat Saudi-Arabien vereinbar, weil der IS ein Königreich als unislamisch ablehnt.

2500 Saudis beim IS

Der IS ist damit für Saudi-Arabien eine existentielle Gefahr. Aus keinem arabischen Land sind mehr Kämpfer für den IS nach Syrien und in den Irak aufgebrochen, als aus Saudi-Arabien. Mindestens 2500 Saudis haben sich dort dem IS angeschlossen. Ein Gesetz stellt in Saudi-Arabien die Mitgliedschaft im IS unter Strafe. Dennoch bilden sich im Untergrund Zellen. Wer als Rückkehrer oder Sympathisant des IS verdächtigt wird, wird gnadenlos verfolgt. In der saudischen Führung teilen sich die beiden Kronprinzen die beiden wichtigsten Aufgaben: Der erste Kronprinz, Muhammad Bin Nayef, ist als Innenminister für die innere Sicherheit und die Bekämpfung des Terrors verantwortlich, der zweite Kronprinz, Muhammad Bin Salman, für die großen anstehenden Wirtschaftsreformen.

Bei dem ersten Anschlag, der sich in Dschidda gegen das festungsartig gesicherte amerikanische Generalkonsulat gerichtet hatte, waren zwei Wachleute verwundet worden, der Selbstmordattentäter sprengte sich selbst in die Luft. Die Vereinigten Staaten verkörpern für die Dschihadisten den „fernen Feind“.

Wenige Stunden später handelte ein weiterer Selbstmordattentäter nach dem gleichen Muster, als er in Qatif, im Osten Saudi-Arabiens, nahe einer schiitischen Moschee den Sprengstoffgürtel auslöste. Da die Betenden die Moschee bereits zum Fastenbrechen verlassen hatten, wurde außer ihm niemand getötet, niemand wurde verletzt. Dieser Anschlag galt einem „nahen Feind“, den Schiiten.

Verstoß gegen den Monotheismus

Die Ideologie des IS verabscheut sie noch mehr als die Christen und die Juden. Denn die vom originären wahhabitischen Islam inspirierten Ideologen des IS denunzieren die schiitischen Muslime als „Polytheisten“, als „mushrikin“ oder „Beigeseller“. Denn sie sollen Ali, den Schwiegersohn des Propheten, und dessen elf Nachfolger, also die 12 Imame, als nahezu göttlich verehren. Das sei aber ein Verstoß gegen das strenge islamische Gebot des Monotheismus, den tauhid.

Daher haben sich seit 2014 die meisten Terroranschläge des IS auf saudischem Boden gegen Moscheen der Schiiten in der ölreichen Ostprovinz Saudi-Arabiens gerichtet, wo die Schiiten eine Mehrheit stellen. Zuletzt hatten im Januar jedoch Betende einen Attentäter in al Ahsa überwältigt, der in der Moschee schießen wollte. Im vergangenen Oktober hatte ein Bewaffneter fünf Moscheebesucher erschossen, bevor er getötet wurde. Am 7. August 2015 verschaffte sich ein Selbstmordattentäter des IS in Abha, nahe der Grenze zu Jemen, Zugang zu einem Militärkomplex und sprengte sich dort in die Luft. Nach diesem Terroranschlag, bei dem 15 Militärangehörige getötet wurden, hat Saudi-Arabien seinen Kampf gegen den IS ausgeweitet.

Ein Schock war nun für die muslimische Welt, als ein Selbstmordattentäter sich in Medina vor der Prophetenmoschee, dem zweitheiligsten Ort des Islams, in die Luft gesprengt und dabei vier Sicherheitsleute getötet und fünf weitere verletzt hat. Er hatte sich von einem der vielen Parkplätze um den weitläufigen und gut gesicherten Komplex genähert. Augenzeugen zufolge habe er dem Sicherheitspersonal an einem Kontrollpunkt angeboten, mit ihnen das Fasten zu brechen. Als sie misstrauisch geworden seien, habe der Angreifer den Sprengstoffgürtel gezündet.

Muhammad und direkte Nachfolger in Prophetenmoschee begraben

Die saudischen Behörden identifizierten den Attentäter als einen pakistanischen Staatsbürger, der seit 12 Jahren in Saudi-Arabien gelebt und als Fahrer gearbeitet habe. Wenig später betete der Gouverneur der Provinz, Faisal Bin Salman Al Saud, ein Sohn des Königs, in der Prophetenmoschee, um den mehreren zehntausend muslimischen Gläubigen, die sich in der Moschee aufgehalten haben, ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln.

In der Prophetenmoschee sind der im Jahr 632 verstorbene Muhammad sowie seine zwei direkten Nachfolger, die Kalifen Abu Bakr und Omar, bestattet. In unmittelbarer Nähe befindet sich der al Baqi genannte Friedhof, auf dem zahlreiche Gefährten Muhammads begraben liegen. Das Grab Muhammads wurde bereits im siebten Jahrhundert überbaut, und auch auf dem Friedhof Baqi entstanden in der Folge zahlreiche Kuppelbauten.

In Frage gestellt wurde diese Überbauung der Gräber erst vom späten 18. Jahrhundert, als in Zentralarabien der Reformtheologie Muhammad Ibn Abdalwahhab (1703 bis 1792) eine puritanische Auslegung des Islams entwickelt hat. Sie konnte sich auf der Arabischen Halbinsel durchsetzen, weil dieser Ibn Abdalwahhab eine Allianz mit dem noch unbedeutenden Haus Al Saud, einging. Dabei legitimierte Ibn Abdalwahhab die politische Herrschaft des Hauses Al Saud, das im Gegenzug das neue Islamverständnis von Ibn Abdalwahhab verbreitete. Dessen Anhänger nannten sich „die strengen Monotheisten“, al Muwahiddun. Durchgesetzt hat sich für sie jedoch, in Anlehung an ihren Gründer, der Begriff Wahhabiten.

Einen bedingungslosen Monotheismus herstellen

Die heutigen Dschihadisten des IS kehren zur ursprünglichen Lehre des Ibn Abdalwahhab zurück. Der hatte im 18. Jahrhundert beklagt, dass sich die Bewohner der Arabischen Halbinsel von der ursprünglichen Reinheit ihrer Religion weit entfernt hätten, er forderte eine umfassende Reform des Islams. Er wollte einen bedingungslosen Monotheismus, den „tauhid“, herstellen.

Aus diesem Grund lehnte er die als übertrieben empfundene Verehrung Muhammads ebenso ab wie auf den Friedhöfen die Verehrung der Heiligen und deren Gräber. Das sei „Polytheismus“ (schirk) und somit der größte Frevel gegen das Bekenntnis zur Einheit Allahs, urteilte Ibn Abdalwahhab. Eine „unerlaubte Neuerung“ (bidaa) war ihm sogar, wenn bekannt war, wo ein Leichnam bestattet wurde. Saudische Könige werden daher bis heute an einem unbekannten Ort in der Wüste beigesetzt.

Bereits zu Lebzeiten von Ibn Abdalwahhab wurden Gräber zerstört. So hatte er selbst veranlasst, dass das Grab des Prophetengenossen Zaid Ibn al Chattab, der 633 in Zentralarabien starb, und die darüber gebaute Moschee zerstört werden. Er begründete seinen Vandalenakt damit, dass Grab und Moschee Pilger angezogen hätten.

Ein Politikum wurde die Zerstörung von Gräbern aber erst, als das die vom wahhabitischen Islam beseelten Krieger des Hauses Al Saud das in den Jahren 1803 bis 1805 sowie 1924 und 1925 auch an heiligen Stätten wie Mekka und Medina sowie im südirakischen Karbala praktizierten, wo der dritte Imam der Schiiten begraben liegt, Ali. Innerhalb des sunnitischen Islams regte sich massiver Widerstand gegen den neuen wahhabitischen Islam, als Saudis und Wahhabiten kurz nach ihrer ersten Eroberung von Medina das Grab von Muhammad plünderten.

Plünderung löste Diskussion in der sunnitischen Welt aus

Einige Historiker datieren das Ereignis auf das Jahr 1806, andere auf das Jahr 1809. Quellen waren damals Pilger, die aus der ganzen islamischen Welt nach Mekka und Medina pilgern wollten, von den neuen Machthabern dort aber daran gehindert wurden. Sie berichteten, dass wahhabitische Eiferer das Grab geöffnet hätten und dass sie die Wertgegenstände – darunter Edelsteine und Gold – als Beutegut an sich gerissen und auch verteilt hätten. Die Frevler hätten ihre Untat damit gerechtfertigt, dass Muhammad dieser Gaben als Lebender nicht bedurft habe und danach auch nicht als Toter im Jenseits.

Die Plünderung des Prophetengrabs, also jenes Ort, dem der Terroranschlag galt, hatte damals in der sunnitischen Welt eine lebhafte Diskussion ausgelöst, ob diese Wahhabiten überhaupt Muslime sein könnten – ebenso wie heute die meisten Muslime in Abrede stellen, dass sich die Kämpfer des IS noch auf dem Boden des Islams befänden. Lange hatte Plünderung des Prophengrabs der Anerkennung Wahhabiya durch den sunnitischen Islam im Wege gestanden.

Nicht geringer als bei der Grabesplünderung von Medina waren die Klagen über die Zerstörungen an den Gräbern und den Bauten über diesen durch die Wahhabiten. So haben sie 1926 in Medina den wichtigsten Friedhof für die Schiiten, al Baqi, überhaupt zerstört. Bereits bei der ersten Eroberung von Mekka und Medina wurden dort von 1803 bis 1805 alle Grabkuppeln auf den Gräbern zerstört. Ob sich unter ihnen auch das Grab des Propheten befunden hatte, darüber schwiegen sich die Historiker aus.

1926 jedoch, als al Baqi abermals eingeebnet wurde, soll der spätere König Abdalaziz Al Saud seine Eiferer daran gehindert haben, Hand auch an der Prophetenmoschee anzulegen. Nachdem er die Arabische Halbinsel erobert hatte, musste er nun Rücksichten auf andere nehmen. Der IS aber, das zeigt der Angriff gegen die Prophetenmoschee, kehrt zu den Ursprüngen der Wahhabiya zurück.

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Time am 5. Juli 2016

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1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2010/12/28/guten-appetit/
2) http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/der-is-erklaert-saudi-arabien-den-krieg-14325566.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

Ork-Demokratie

2. Mai 2016

Indonesien

Schariapolizei

Bei „FAZ.NET“ durfte Rainer Hermann einmal mehr ein ausführliches Hohelied auf den Nazislahm ausbringen, das nach der Behauptung, die meisten „islamistischen Parteien“ seien für die Demokratie, mit den folgenden sybillinischen Zeilen endete (1):

„In der arabischen Welt gibt es, von Tunesien und dem Sonderfall des Libanons abgesehen, keine liberale Demokratie. Die Mehrheit der Muslime lebt aber in Demokratien, ob in der Türkei oder Malaysia, in Indien oder Indonesien, in Bosnien-Hercegovina oder Senegal, in Amerika oder Europa. Und die meisten Muslime sind so demokratisch wie die Länder, in denen sie leben.“

Also in Wirklichkeit doch keine Demokratie, jedenfalls keine „liberale“, was immer damit gemeint sein soll.

Schauen wir mal mit Till Fähnders nach Indonesien, diesem „demokratischen“ Musterland der Orks (2).

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Scharia-Polizei in Indonesien

Erst Berührung, dann Bestrafung

Mit der Moralpolizei auf Streife: Seit dem vergangenen Jahr wird die Scharia in der indonesischen Region Aceh schärfer ausgelegt. Wie kommt die Bevölkerung damit zurecht?

Im Scheinwerferlicht taucht das Gesicht einer jungen Frau auf. Wie ein scheues Reh schaut sie in Richtung des Pick-up-Trucks. Ihr Haar ist mit einem senffarbenen Kopftuch verhüllt. Neben ihr sitzt ein junger Mann auf einem kleinen Motorrad. Er guckt ebenso erschrocken in Richtung des Autos, auf dem sechs Männer mit Springerstiefeln, dunkelgrünen Uniformen und Schirmmützen sitzen.

Die Mützen der Männer tragen den Aufdruck „POL WH“, die Abkürzung für „Polisi Wilayatul Hisbah“. Es ist der Name der Religionspolizei in Aceh, der einzigen Region in Indonesien, in der die Scharia, die islamische Rechtsprechung, ebenso gilt wie das nationale Gesetzbuch.

Eingeführt wurde die Scharia in dem Gebiet am nördlichen Zipfel Sumatras schon im Jahr 2001. Nachdem der Tsunami das Ende des langjährigen Bürgerkriegs beschleunigt hatte, gewährte die Zentralregierung der Region im Jahr 2005 autonome Sonderrechte, darunter die Erlaubnis, an der Scharia festzuhalten. Im liberal-muslimischen Indonesien, dem Land mit der größten muslimischen Bevölkerung der Welt, ist Aceh seither die Ausnahme.

Nach der Entdeckung des jungen Paars liegt nun Ärger in der Luft. Sofort sind einige der Polizisten aus dem Auto gesprungen. Sie nähern sich dem Paar mit drohender Haltung. Die beiden Studenten sind unverheiratet, jung und stehen allein in einer dunklen Ecke auf dem Campus ihrer Universität. Nach dem „Qanun Jinayat“, dem islamischen Regelwerk für die Region, ist das ein Problem.

„Khalwat“ nennt sich das Vergehen, wenn unverheiratete Paare allein miteinander sind und ihre Körper zu nah aneinander sind. Die beiden Studenten reagieren nervös. „Seht, ich bin gar nicht nah an ihr dran“, sagt der Junge auf dem Motorrad.

Tatsächlich stehen die beiden mindestens einen Meter voneinander entfernt. Die Polizisten scheint das zu besänftigen. Einer von ihnen macht eine ruckartige Bewegung. „Verschwindet hier“, ruft er. Eilig fahren die beiden mit dem Motorrad in der Dunkelheit davon. Doch nicht immer geht es so glimpflich ab, wenn unverheiratete Paare allein erwischt werden. Seit dem Oktober des vergangenen Jahres gilt eine verschärfte Version des „Qanun Jinayat“. So drohen für Ehebruch, homosexuelle Handlungen und die öffentliche Zurschaustellung von Zuneigung bei unverheirateten Paaren bis zu hundert Schläge mit dem Stock.

Am vergangenen Dienstag wurden in dem Ort Takengon in Zentralaceh ein junger Mann und eine junge Frau geprügelt, weil sie zu nah aneinander gestanden hatten. Sie bekamen jeweils drei Schläge. Zum ersten Mal seit Änderung des Gesetzes wurde dort unter den Blicken von mehr als Tausend Zuschauern auch die Höchststrafe verabreicht. Ein Mann und eine Frau, die des Ehebruchs beschuldigt waren, bekamen die hundert Schläge von jeweils zehn Beamten abwechselnd verabreicht.

Keine kurzen Hosen

Ebenfalls ein Novum war die erste Auspeitschung einer Nichtmuslimin. Eine sechzig Jahre alte Christin wurde 28 Mal geprügelt, weil sie Alkohol verkauft haben soll. Beinahe hätte auch eine deutsche Touristin den Arm der Islam-Gesetzgebung zu spüren bekommen. Die Frau soll im Bikini am Strand gelegen haben, hatte sich aber schon wieder angezogen, als die Scharia-Polizei eintraf.

Die Polizisten sollen dafür sorgen, dass die islamischen Gesetze eingehalten werden. Alkohol und Glücksspiel sind laut „Qanun Jinayat“, streng untersagt. Musliminnen müssen ein Kopftuch tragen. Nach 23 Uhr dürfen Frauen nur noch in Begleitung eines männlichen Verwandten auf die Straße. Auch auf die Kleidung der Frauen achten die Polizisten: Sie sollte nicht zu enganliegend sein. Männer dürfen keine kurzen Hosen tragen, die über dem Knie enden.

Zwei Schichten gibt es am Abend. Die erste beginnt um 17 Uhr am Hauptquartier der Polizei in der Innenstadt von Banda Aceh. Sechs Polizisten besteigen das Gefährt, auf dessen Ladefläche zwei Metallbänke montiert sind, vier hinten, zwei in der Fahrerkabine. Es sind überwiegend junge Männer im Alter zwischen 25 und dreißig. Grünschnäbel, die sich nur mit Vornamen anreden.

„Bitte gehen Sie nach Hause“

Der 25 Jahre alte Muhaddis sagt, sie würden vor allem Studenten bei Regelverstößen erwischen. Banda Aceh ist eine Universitätsstadt, die auch junge Leute aus anderen Regionen anzieht. Doch zunächst fährt die Patrouille an diesem Abend in das Gebiet von Ulee Leu, einem Ort, der von dem Tsunami am zweiten Weihnachtstag 2004 besonders schwer getroffen worden war. Dort verbringen viele Bewohner von Banda Aceh heute gerne ihre freien Stunden.

Familien, kleinere und größere Jugendgruppen sitzen auf einem kleinen Steindamm, der den Strand von der Straße trennt. Sie schauen der Sonne beim Untergehen zu, angeln, picknicken, plaudern. Am Rand stehen die Autos, Mopeds und Motorräder der Ausflügler. Im Schritttempo fährt der Pick-up die Straße entlang.

Der Kommandeur der Patrouille spricht in ein Handmikrofon. Durch einen knarzenden Lautsprecher dröhnt seine Stimme. „Wir fordern alle Besucher auf, den Strand zu verlassen. Er wird um 18 Uhr 30 geschlossen. Bald wird zum Gebet gerufen. Bitte gehen Sie nach Hause und bereiten sich auf das Gebet vor!“, ruft der Kommandeur.

„Das sind keine guten Mädchen“

Die Menschen auf dem Damm drehen sich um und schauen herüber. Manche springen sofort auf. Andere nähern sich nur zögerlich ihren Zweirädern. Nach kurzer Zeit herrscht Stau auf der Küstenstraße. Dann entdeckt die Patrouille ein paar Frauen und Männer, die sich demonstrativ Zeit lassen. Sie stehen auf dem Steindamm und fotografieren sich weiter mit ihren Handys. Noch dazu tragen die Frauen Hosen, die am Bein eng geschnitten sind. „Dies sind keine guten Mädchen“, sagt Muhaddis. Der Kommandeur lässt den Pick-up stoppen. Die Polizisten steigen vom Auto und nähern sich den jungen Leuten. Fünf grün uniformierte Männer stehen auf der anderen Straßenseite und schauen herüber, während der Kommandeur weiter seine Durchsage macht.

Doch auch diesen jungen Leuten gegenüber zeigt sich die Scharia-Polizei an diesem Abend nachgiebig. Sie dürfen auf ihren Rollern und Motorrädern in die Abendsonne düsen. Auch die anderen Leute knattern mit ihren Mopeds zurück in die Stadt. Von dort schallt schon der Ruf der Muezzine herüber. Die Scharia-Polizisten fahren ebenfalls zu einer der Moscheen. Am Eingang streifen sie ihre schweren Stiefel und ihre Socken ab. Dann gesellen sie sich zu den anderen Gläubigen, die schon im Gebetsraum versammelt sind. Die Frauen sind durch einen Vorhang im hinteren Viertel der Moschee abgetrennt.

Die vielen Pausen während der Streife geben Zeit, die Anwohner ein wenig nach ihrer Meinung zu fragen. „Ich finde sie gut, weil sie mich davon abhalten, schlechte Dinge zu tun“, sagt der 18 Jahre alte Dedi Rolia. Er sitzt in einem der Cafés von Banda Aceh und unterhält sich mit seiner ebenfalls 18 Jahre alten Freundin. Das Paar ist seit zwei Jahren zusammen. Es achte peinlich darauf, nichts Verbotenes zu tun, sagt Dedi Rolia. „Wir gehen nur an öffentlichen Plätzen zusammen aus“, sagt er. Die Gelegenheiten dazu seien selten, da die Freundin ohnehin ihr Wohnheim an der Universität nach 18 Uhr nicht mehr verlassen dürfe.

Bei Zugezogenen verhasst

Die Gesetzgebung passe zu den örtlichen Gepflogenheiten, sagt auch der 27 Jahre alte Riansyah, der mit seiner Verlobten ebenfalls in dem Café sitzt. Für eine flächendeckende Einführung ist der Mann aber nicht. „Es gibt so viele Ethnien und Religionen, das würde nur zu Konflikten führen“, sagt er. Eine Sache störe ihn außerdem. Die Scharia-Polizei fange meist nur die kleinen Fische. „Sie wagen nicht, die Mächtigen zu schnappen“, sagt er.

Gerade bei Zugezogenen sei die Scharia-Polizei sehr verhasst, sagt auch der 63 Jahre alte Tamtawi Alba. Der Mann arbeitet als Chauffeur und kennt sich damit aus, wie man die Dinge, die eigentlich verboten sein sollen, dennoch bekommen kann: Alkohol, Prostituierte, Glücksspiel. Man braucht nur ein bisschen Geld und Verbindungen, sagt Tamtawi Alba. Etwa im Luxushotel „Hermes Palace“ wo manchmal Zimmer angemietet würden, um illegale Kartenspiele zu organisieren.

Wie einer der Scharia-Polizisten später berichtet, gab es im vergangenen Jahr allerdings auch im „Hermes Palace“ eine Razzia. Dabei wurden mehrere Muslime beim Spielen und Alkoholtrinken erwischt. Die Strafe: vierzig Schläge mit dem Rohrstock. Auch für Nichtmuslime sind solche Aktivitäten nicht mehr ganz ungefährlich, nachdem seit dem vergangenen Jahr das neue Gesetz gilt. Bei normalen Vergehen können sie sich aussuchen, ob sie vor ein Scharia-Gericht wollen oder vor ein weltliches. Bei Verstößen, die nur im „Qanun Jinayat“ stehen, werden aber auch sie in jedem Fall den islamischen Regeln nach verurteilt.

„Frauen haben hier keine Rechte“

Menschenrechtler kritisieren, dass das Vorgehen gegen die Verfassung verstoße und die Menschenrechte verletze. Die Leidtragenden seien vor allem Frauen, sagt Ratna Saris. „Frauen haben hier keine Rechte“, sagt die Muslimin, die für eine örtliche Nichtregierungsorganisation für Frauenrechte arbeitet. Im Falle einer Vergewaltigung müssten sie vier Zeugen benennen können, damit es überhaupt zu einem Verfahren komme. Zudem würden sie häufig doppelt bestraft. Denn nachdem sie verurteilt wurden, würden die Frauen von der Familie verbannt und von Nachbarn und Freunden geächtet.

Zudem lasse das Gesetz viele Graubereiche offen. So biete es Gelegenheit zum Missbrauch, sagt die Frauenrechtlerin. Zum Beispiel habe es im vergangenen Jahr einen Fall gegeben, in dem eine Frau nach einer Vergewaltigung abermals und mehrfach vergewaltigt worden sei – von Scharia-Polizisten. Nur ein Teil der Übeltäter sei dafür belangt worden. „Sie können ungestraft machen was sie wollen“, sagt Ratna Saris. Auch der Anteil der Frauen unter denen, die mit Peitschenhieben bestraft werden, sei deutlich höher als die der Männer, sagt Ratna Saris.

Die Scharia-Polizisten in Banda Aceh finden allerdings nicht, dass Mitleid angebracht ist. Die Strafen seien zwar hart, aber die Menschen wüssten ja, worauf sie sich einließen, sagt ein junger Polizist mit dem Namen Iqbal. Zudem seien die Schläge weniger dazu da, um Schmerzen zu bereiten. Wichtiger sei der Schameffekt, da die Prügelstrafe in der Regel öffentlich vollstreckt werde, sagt der junge Mann.

Öffentliche Auspeitschungen

Da die öffentlichen Auspeitschungen in der Regel nicht angekündigt werden, ist es schwer, sich selbst ein Bild davon zu machen. Aber es gibt Videoaufnahmen. Sie zeigen etwa den Fall einer Frau, die gegen die Bekleidungsvorschriften verstoßen haben soll. Die für die Bestrafung in ein weites, weißes Gewand gekleidete Frau wird unter dem Jubel der Schaulustigen auf ein Podest geführt. Ihr Kopf ist von einem Tuch umhüllt. Mit gesenktem Haupt muss sie auf dem Boden niederknien.

Der Vollstrecker trägt ein dunkles Gewand am Körper und eine Maske über dem Kopf. Er lässt dreimal einen dünnen Rohrstock auf den Rücken der Frau niedersausen. Das peitschende Geräusch des Stocks, der auf dem Fleisch landet, geht einem durch Mark und Bein.

Nach dem Gebet in der Moschee gehen die Religionspolizisten in ein Restaurant zum Essen. Dann geht es noch einmal in eine andere Moschee; es ist das letzte Gebet für diesen Tag. Erst zum Schluss beginnen die Polizisten ihre Streife durch das Universitätsviertel. Jede Person, die im Dunkeln am Straßenrand sitzt, wird genau inspiziert.

„Wenn es nur Männer sind, ist es o.k.“, sagt Muhaddis. Doch außer dem jungen Paar, das sich auf dem Motorrad davon macht, finden sie an diesem Abend sonst keine Verdächtigen. Erschöpft fahren die Polizisten danach in ihr Hauptquartier zurück. Eine zweite Streife ist noch etwa eine Stunde länger unterwegs. Sie prüft, dass auch nach der Ausgangssperre keine unbegleiteten Frauen mehr auf der Straße sind.
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Time am 2. Mai 2016

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1) http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/ist-der-islam-mit-demokratie-dem-grundgesetz-vereinbar-14202942.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2
2) http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/asien/auf-streife-mit-der-scharia-polizei-in-aceh-indonesien-14183815.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

Ist er dement?

11. Dezember 2015

Salman

Auf „FAZ.NET“ wagt Rainer Hermann einen Blick in das Reich des Bösen (1).

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Die Last des Herrschers

Vor dem saudischen König Salman türmen sich die Probleme: Kriege im Norden und Süden des Königreichs, in Syrien und im Jemen; die Gefahr des IS und der niedrige Ölpreis. Aber ist der 80 Jahre alte König noch handlungsfähig? Oder längst dement?

Saudische Könige sind alt, wenn sie ihr Amt antreten. Abdullah Bin Abdalaziz Al Saud war 79 Jahre alt, als er den Thron bestieg. Sein Nachfolger und Halbbruder Salman Bin Abdalaziz Al Saud hatte das gleiche Alter erreicht, als er im Januar König wurde. In Zeiten, in denen sich die Welt weniger schnell verändert hat, war die Seniorität absolut herrschender Monarchen wenig ins Gewicht gefallen. Heute aber sieht sich Saudi-Arabien im Inneren wie im Äußeren Herausforderungen ausgesetzt, die sich zu einer existentiellen Bedrohung entwickeln könnten, wird nicht rechtzeitig gegengesteuert.

Kriege im Norden und Süden des Königreichs, in Syrien und im Jemen; im Osten das sich hegemonial gebärdende Iran; im Äußern wie im Inneren die Gefahr des islamistischen Terrors; das Königreich selbst ist ein Wohlfahrtsstaat, der kaum mehr zu finanzieren ist; und zu allem Überdruss liegt der Ölpreis bei weniger als der Hälfte dessen, was nötig wäre, um den Staatshaushalt zu finanzieren, der sich fast ausschließlich aus den Öleinnahmen speist. Dass der Ölpreis so tief gefallen ist, war eine Entscheidung des Königreichs Saudi-Arabien, das darunter aber weniger leidet als jene, gegen die es seine Ölwaffe einsetzt.

Heute ist Salman alt und krank. Zumindest einen Schlaganfall hat er hinter sich. Gerüchte halten sich, dass erste Anzeichen von Demenz zu erkennen seien. In Gesprächen sei er zu Beginn noch aufmerksam, dann lasse die Konzentration aber nach. Dabei war Salman einer der wirkungsvollsten Macher im Haus Saud. 1955, er war damals 20 Jahre alt, wurde er Gouverneur seiner Geburtsstadt Riad, und er blieb es – mit kurzen Unterbrechungen – bis 2011, als er, der mit der Armee nie viel zu tun hatte, anstelle seines verstorbenen Vollbruders Sultan Bin Abdalaziz Al Saud Verteidigungsminister wurde und, wie Sultan, zweiter Kronprinz. Also der dritte Mann im Königreich.

Als Salman 1955 den wichtigsten Posten Riads übernahm, lebten in der Hauptstadt gerade einmal 100.000 Einwohner, und Riad war eher eine kleine, staubige Oase in der Mitte der Wüste. Als er den Posten 2011 abgab, war die Zahl der Einwohner auf mehr als 5 Millionen gewachsen, und Riad war eine moderne Metropole der arabischen Welt geworden. Die Petrodollars halfen, die der Ölpreisanstieg von 1973 an in die Staatskasse spülte.

Doch Salman, der keine allzu große formale Schulausbildung genoss, tat, wie auch sein Vater Abdalaziz Al Saud, der Gründer des Königreichs, häufig mit einem beduinischen Instinkt das Richtige. Großzügig und schachbrettartig ließ er die schnell wachsende Stadt anlegen, mit Schnellstraßen und einem dichten Straßennetz, mit Schulen und Krankenhäusern. Als Hauptstadt des größten Ölexporteurs zog sie immer mehr wirtschaftliche Unternehmen an.

Salmans Riad ist keine klassische arabische Stadt geworden. Riad gleicht eher einer modernen amerikanischen Großstadt als Kairo oder Bagdad. Die Hauptstadt Saudi-Arabiens wurde für Autos geplant und nicht für Fußgänger, sie sieht keine öffentlichen Plätze vor, sondern klimatisierte Shopping Malls, in denen sich das öffentliche Leben abspielt.

Die Verdienste des Gouverneurs gingen weit über die Stadtplanung hinaus. Wann immer – meist berechtigte – Kritik an den vielen Prinzen des Hauses Saud geübt wurde: Salman war davon ausgenommen. Er stand für eine gute Regierungsführung und eine nicht korrupte Verwaltung. Die Untertanen attestierten ihm einen Gerechtigkeitssinn, den sie anderen Mitgliedern des Hauses Saud absprachen. Wohl wegen dieser Fähigkeiten wurde er im Jahr 2000, als der damalige Kronprinz Abdullah zur Beilegung offener Fragen der Al Sauds einen Familienrat einrichtete, an dessen Spitze berufen. Salman wurde damit der wichtigste Mann bei der Schlichtung von Interessenkonflikten im Haus Saud mit seinen vielen tausend Prinzen.

Als ein Reformer wie sein Vorgänger im Amt, Abdullah, galt Salman aber nie. Eher als ein pragmatischer, unideologischer Macher. Auch für ihn gilt, wie für die meisten Mitglieder des Hauses Saud, dass er „fortschrittlicher“ ist als die Mehrheit der Untertanen, die weiter dem Glauben huldigen, dass das Leben im Königreich und darüber hinaus den Regeln ihres intoleranten wahhabitischen Islams zu unterwerfen sei. Er befürwortet zwar gesellschaftliche Veränderungen, forderte aber 2007, dass der Reformprozess nicht zu schnell und zu tief verlaufen dürfe, weil sonst ein Aufstand der – reaktionären – Geistlichkeit drohe, die um ihre Macht fürchtet.

Als er im Januar 2015 vom Kronprinzen zum König aufstieg, trug er seinem hohen Alter Rechnung und leitete den Übergang in die Generation der Enkel des 1953 verstorbenen Gründers des Königreichs, Abdalaziz Al Saud, ein. Erster Kronprinz wurde der 1959 geborene Innenminister Muhammad Bin Nayef Al Saud, zweiter Kronprinz sein 1985 geborener Lieblingssohn Muhammad Bin Salman Al Saud. Während der Erste für die innere Sicherheit verantwortlich ist, übertrug Salman seinem Sohn weitreichende Vollmachten in der Verteidigungs- und Wirtschaftspolitik.

Denn als neuer Verteidigungsminister führt dieser die saudische Armee, als Präsident des neu eingerichteten Hohen Wirtschaftsrats bestimmt er die Linien der Wirtschaftspolitik, als Aufsichtsratsvorsitzender des Ölkonzerns Aramco formuliert er die Ölpolitik mit, als Chef des königlichen Hofs entscheidet er, wer Zugang zu seinem Vater, dem König, bekommt – und wer nicht. Auf den als unbeherrscht geltenden Muhammad Bin Salman war die Aussage des Bundesnachrichtendienstes gemünzt, die lange berechenbare saudische Politik sei „impulsiv“ geworden und damit eine Gefahr für die Stabilität.

Während König Abdullah eine panarabische Agenda verfolgte, stehen für Salman und seinen Sohn Muhammad allein saudische Machtinteressen auf dem Spiel. Die Kriege im Jemen und in Syrien gelten dem Zurückdrängen des iranischen Einflusses. Die aggressive Ölpolitik, also die Weigerung, die Ölproduktion trotz des Überangebots an Öl auf dem Weltmarkt zu drosseln, soll unbotmäßige Länder wie Iran und Russland in die Knie zwingen und den amerikanischen Frackern zeigen, dass die Saudis am längeren Hebel sitzen.

Diese Politik hat ihren Preis: Die Reserven schmelzen rasch dahin. Allein der Krieg im Jemen soll bereits mehr als 70 Milliarden Dollar gekostet haben, ein Zehntel der offiziell angegebenen Reserven. Im November reiste des IWF-Chefin Christine Lagarde nach Riad und mahnte rasche Reformen an. Nichts deutet darauf hin, dass der alt gewordene König Salman die Mahnung verstanden haben könnte.

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Time am 11. Dezember 2015

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1) http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/die-last-des-saudischen-herrschers-salman-in-riad-13959405.html

Steine sind stumm

5. September 2015

Palmyra

Warum eigentlich ereifern sich unsere MSM so über die Abtragung von ein paar Steinen, die vor ein paar hundert Jahren übereinandergeschichtet wurden?

Jeden Tag werden weltweit an die 300 Christen wegen ihres Glaubens ermordet (1), die meisten von ihnen von Mohammedanisten. Dennoch herrscht bei uns unter der Mehrheit der Bürger der Konsens, dass sie nicht besonders schutzbedürftig seien, beim Asyl nicht bevorzugt werden sollten, und dass statt ihrer vielmehr eine Million mohammedanistischer, jungmännlicher Wirtschaftsflüchtlinge und Jihadisten ohne Wenn und Aber bei uns aufgenommen werden sollen. Das Leben von mehr als Hunderttausend jährlich ermordeter anständiger Menschen ist völlig egal, aber ein paar umgestoßene Steine eines längst vergangenen heidnischen Kultes in einem syrischen Kaff namens Palmyra rühren zu Tränen?

Die Innenstadt von Würzburg ist im Krieg gegen den deutschen Nationalsozialismus zu 95% zerstört worden. Heute aber sieht sie schmuck aus wie eh und je. Es wäre kein Problem, all die Steine wieder kunstvoll übereinanderzuschichten, wenn der IS-IS zerschmettert würde. Da braucht es auch gar keine Science-Fiction-Lösung wie die von Lena Bopp von der „FAZ“, die „Mit 3-D-Druckern gegen das Vergessen“ kämpfen will (2). Das geht schon jetzt und ist nicht schwer, nur eben muss der IS-IS vernichtet werden – aber nicht unbegründeterweise vertritt z.B. der arabische Dichter und Counterjihadi Adonis die Ansicht, dass dieses widerwärtige Terrorregime vom Westen gewollt ist (3).

In der FAZ faselt Rainer Hermann ausgehend von den Zertörungen in Palmyra von der Inspiration der Moderne für den IS-IS. Nach 1.400 Jahren ununterbrochener mohammedanistischer Eroberungs- und Vernichtungskriege hat er die Borniertheit zu formulieren (4): „Der ,Islamische Staat‘ setzt in Palmyra sein Zerstörungswerk fort. Mit der Tradition des Islam hat das nichts zu tun. Es ist ein Produkt der Moderne.“

Tja, wenn man es sich auf einem Berg von 400 Millionen durch Mohammedanisten Ermordeter bequem gemacht hat, kann man leicht die Ausrottung der Christen und Juden in Arabien durch Mohammed, die Zerstörung der Weltbibliothek von Alexandria oder die Vernichtung der indischen Nation Sind (5) aus dem Blick verlieren.

„Sie haben da was missverstanden, Herr Hermann“, meint denn auch FAZ-Leser Albert Schultheis und schreibt:

„,Der ,Islamische Staat‘ setzt in Palmyra sein Zerstörungswerk fort. Mit der Tradition des Islam hat das nichts zu tun. Es ist ein Produkt der Moderne.‘ – Nein, die Moderne steht für ein Aufblühen der Kunst, der Literatur, der Freiheit des Geistes und des Körpers und sie stellt sich damit in die Tradition der Renaissance und der Aufklärung. Nichts könnte abwegiger sein, als die Halsabschneider der vormittelalterlichen Allah-Krieger in die Tradition der Moderne zu stellen, denn diese war zuallererst das Aufbegehren gegen die jahrhundertealte Abhängigkeit der Menschen von religiösen Dogmen und überlieferten Traditionen – übrigens egal ob christliche, jüdische oder islamische. Aber gerade auf diese Moderne haben die Allah-Krieger des IS ihre Zerstörungswut gerichtet, weil die Moderne und der säkulare Staat, der aus ihr hervorging, ihren primitiven Glaubensgrundsätzen diametral und unvereinbar gegenüberstehen. Das hindert sie freilich nicht, all die ,geilen‘ Produkte der Moderne zu nutzen.“

Was also soll das Gejammer um die Zerstörung der alten römisch-griechisch-syrischen Tempel?

Ich habe das Gefühl, dass hier Kritik am Mohammedanismus bequem und wohlfeil ist. Wie viele andere fanatische oder gekaufte Lakaien in den MSM ist Herr Hermann der Ansicht, dass es eine gute Sache ist, wenn der Nazislahm zur herrschenden Ordnung in Europa wird, aber ganz so deutlich traut man sich denn doch noch nicht zu sprechen.

Da macht es sich gut, wenn man zur Tarnung der eigentlichen Agenda auch mal ein bißchen auf Extremformen des Mohammedanismus schimpfen kann und dicke Krokodilstränen über den Rückbau antiker Gebäude vergießt.

Das wirkt objektiv, tut niemand weh und weckt keinen Widerstand, denn:

Steine sind stumm.

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Palmyra

Der Kulturvandalismus der Islamisten

Der „Islamische Staat“ setzt in Palmyra sein Zerstörungswerk fort. Mit der Tradition des Islam hat das nichts zu tun. Es ist ein Produkt der Moderne.

Die Liste der vom „Islamischen Staat“ begangenen Zerstörungen wird immer länger: Sie beginnt im Irak mit dem Museum und der Stadtmauer von Mossul, setzt sich in Nimrud und Hatra fort und hat nun im syrischen Palmyra einen vorläufigen Tiefpunkt erreicht. Neben vorislamischen antiken Stätten machen die Barbaren des 21. Jahrhunderts Moscheen und Grabmäler dem Erdboden gleich, Kirchen und Klöster. Mit diesem Kulturvandalismus und der Orgie der Gewalt will uns der IS provozieren, uns unsere Ohnmacht vor Augen führen und zeigen, wer in der Levante das Schwert führt.

Doch der Terror hat mit dem primitiven dualistischen Weltbild des IS auch eine theologische Dimension. Die Ideologen des IS verherrlichen einen idealisierten frühen Islam, und sie negieren damit die 1400 Jahre lange Geschichte ihrer Religion mit all den Traditionen, in denen sie sich manifestiert hat: den mystischen Islam ebenso wie den schiitischen, die Volksfrömmigkeit ebenso wie die Vielfalt der theologischen Lehrmeinungen. Der IS-Terror löscht diese Manifestationen des historischen Islams aus und liquidiert diejenigen, die diese Ausprägungen leben.

Zeitalter der Unwissenheit

Opfer des IS-Terrors sind daneben jene, die ihr Weltbild nicht (allein) mit dem Islam begründen. Denn der IS kennt nur zwei Zustände der Welt: das Ideal des frühen Islams und die sogenannte „Welt der Unwissenheit“. Die Muslime bezeichnen gewöhnlich die Zeit vor dem Islam als das „Zeitalter der Unwissenheit“. In der Moderne aber hat sich der Blick auf die Zeit vor dem Islam verändert. So führte gerade die vorislamische arabische Dichtung, die Tugenden wie Ehre, Tapferkeit und Milde gegenüber dem Feinde pries, zur Herausbildung eines nichtreligiösen arabischen Nationalstolzes – was nicht im Sinne des IS ist.

Kategorisch verwirft der IS auch die nationalen Identitäten der wenigen nahöstlichen Staaten mit stabilen Grenzen, die in vorislamischen Kulturen gründen: Das moderne Ägypten leitet seine Identität von der pharaonischen Kultur ab, das moderne Tunesien von Karthago, der Libanon von den Phöniziern, Iran von den Achämeniden in Persepolis. In diesen Ländern entwickelte sich ein Nationalbewusstsein, das nicht des Islams bedarf. Die Verherrlichung der vorislamischen Geschichte ist somit stets Merkmal eines säkular orientierten Nationalismus.

Nationalstolz jenseits der Religionen

Gerade die Oasenstadt Palmyra hat zur Entstehung eines arabischen Nationalstolzes jenseits der Religionen beigetragen. So hatte Zenobia, die legendäre arabische Herrscherin Palmyras, Rom herausgefordert und vorübergehend die Araber mächtig werden lassen. In ihrem Jahrhundert, dem dritten nach Christus, wurde in Rom ein Araber Kaiser, Palmyra war eine bedeutende arabische Handelsstadt – alles vor dem Islam. Erst Palmyras Niedergang leitete Mekkas Aufstieg ein und damit die Entstehung des Islams.

Die Islamisten, die als Identität nur die Gemeinschaft der Muslime akzeptieren, lehnen nationale und ethnische Referenzen kategorisch ab. Sie lassen keine andere Identität als ihre islamische zu. So haben die Saudis beim Export ihres puritanischen Islams stets alte Moscheen abgerissen, um damit lokale Traditionen zu zerstören. An ihrer Stelle bauten sie gleichförmige, angeblich moderne Moscheen, über die sie dann ihren extremistischen Islam verbreiten.

In vielen Ländern haben die lokalen Islamisten jedoch die historischen Kontinuitäten, die in vorislamische Zeiten zurückreichen, längst akzeptiert. In Ägypten stellt niemand die Pyramiden in Frage, in Tunesien niemand Karthago, in Iran niemand mehr die Residenzstadt Persepolis, nachdem zu Beginn der Revolution von 1979 die dortige Bevölkerung einige Bilderstürmer daran gehindert hatte, das Weltkulturerbe Persepolis einzuebnen. In Ländern, die sich über den Islam legitimieren, hat Archäologie aber stets einen schweren Stand. Denn sie zeigt ja, dass die Welt nicht erst mit dem Islam begonnen hat.

In der Tradition des Islams kann das radikale dualistische Weltbild des IS kaum an Vorbilder anknüpfen; es ist ein Produkt der Moderne. Erst der ägyptische Denker Sayyid Qutb, der 1966 hingerichtet wurde, machte die radikale Trennung von Islam und „Unwissenheit“ populär. Er erhob zur „islamischen Pflicht“, Krieg gegen alle zu führen, die, wie die Herrscher Ägyptens, in „Unwissenheit“ verharrten. Qutb hielt die Rückkehr der „Unwissenheit“ – darunter fiel bei ihm auch der säkulare NationaIismus – für das größte Problem des zeitgenössischen Islams. Dafür hatte er nur eine Lösung: Die Herrschaft des Islams müsse überall auf der Welt durchgesetzt werden, und sei es mit Gewalt.

Islamistische Eiferer lehnen selbst islamische Altertümer ab. So hatte Ibn Baz, der dem saudischen König Fahd als Religionsminister und Großmufti diente, die Restaurierung von Altertümern in Mekka und Medina mit dem Argument abgelehnt, sie führe nur dazu, dass die Muslime diese Bauten verehrten, was ein Zeichen von Götzendienst sei, und lenke von der Unterwerfung unter den Einen Gott ab. Ibn Baz predigte in seinem Kampf gegen die „Unwissenheit“ auch, dass sich die Sonne um die Erde drehe. Wenn der IS in einer Tradition steht, dann in dieser.

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Time am 5. September 2015

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1) http://www.katholisches.info/2011/06/09/alle-5-minuten-wird-ein-christ-ermordet-osze-vertreter-legt-zahlen-zur-christenverfolgung-vor/
2) http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst/mit-3d-ausdruck-gegen-die-zerstoerung-der-is-13782242.html
3) https://madrasaoftime.wordpress.com/2014/12/29/im-interview-nochmal-adonis/
4) http://www.faz.net/aktuell/politik/islamischer-staat-will-mit-palmyra-zerstoerung-provozieren-13778591.html
5) https://madrasaoftime.wordpress.com/2014/09/15/naipaul-zur-vernichtung-von-sind/

Dreht Ratze durch?

26. Juli 2015

Ratze

In der FAZ beleuchtete Rainer Hermann gestern die Situation in der Torkei (1). Nach seiner Einschätzung unterlag der IS-IS einer Fehleinschätzung:

„Ein zweites Kalkül geht indes nicht auf: Die neue Auseinandersetzung zwischen dem türkischen Staat und der kurdischen PKK lenkt nicht vom IS ab, und sie erweitert nicht den Spielraum des IS. Im Gegenteil: Ankara erklärt dem IS den Krieg.“

Ob Herr Hermann hier richtig liegt, wird die Zukunft zeigen. Ist nicht vielleicht das angebliche Engagement gegen den IS-IS eher vorgeschoben, während es in Wirklichkeit gegen die Kurden und somit indirekt für den IS-IS geht? Jedenfalls erfolgten die Luftschläge gegen die Kurden zeitgleich mit den Aktionen gegen den IS-IS. Ideolologisch liegt man auch auf gleicher Linie, es geht daher vermutlich nur um die Frage, wer der größte Führer des neuen mohammedanistischen Großreiches wird. Gemessen an seinem Wahnsinn müsste dies Ratze Fuhrergan werden.

Der Führer der Torks, der derzeit alle Voraussetzungen schafft, um sein Land als Diktator beherrschen zu können, was Hermann mit dem Terminus „vorgezogene Neuwahl“ umschreibt, hatte im letzten Jahr durch die Behauptung Aufmerksamkeit erregt, es seien die Türken gewesen, die Amerika entdeckt hätten (2).

Anfang Juli dieses Jahres erfuhr die staunende Weltöffentlichkeit nunmehr vom osmanischen Weltraumprogramm, das den Tork Lagâri Hasan Çelebi 1635 auf dem Mond landen ließ (3).

Wer jetzt glaubt, Ratze sei vollkommen verrückt geworden, liegt vielleicht gar nicht so falsch, aber doch daneben. Zumindest, wenn einer glaubt, Wahnsinn würde die Chancen auf Herrschaft vermindern. Mit dem Wahnsinn bei Orks ist es wie mit ihren evidenten Lügen. Jeder durchschaut sie, jeder sieht die Krankheit, aber alle machen mit, um die Zugehörigkeit zum Schwarm zu demonstrieren. Noch der allergrößte und gefährlichste Schwachsinn wird heilig gesprochen, und dafür sind die mohammedanistischen Grundlagentexte Kloran, Sira und Hadithe der beste Beleg. Ob Urin trinken, mit Tieren Sex haben oder Mäuse aus der Butter fischen, die „heiligen“ Schriften der Mohammedanisten lassen keine Perversion aus.

Ob der Mohammedanismus deshalb zu Deutschland gehört und die Torkei zu Europa?

Ja warum eigentlich nicht, gehören zu Deutschland doch auch ganz offensichtlich Millionen Syrer, Torks, Libyer, Albaner und andere Orks aus aller Welt (4).

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„Islamischer Staat“ und PKK

Der Terror erfasst die Türkei

Nach einem Jahrzehnt weitgehender Ruhe kehrt der Terror gleich an zwei Flanken in die Türkei zurück. Es hätte nicht so weit kommen müssen.

Ein Jahrzehnt war die Türkei weitgehend von Terror verschont. Jetzt kehrt er zurück, gleich an zwei Flanken: Zu Wochenbeginn verübte der „Islamische Staat“ in der Grenzstadt Suruç seinen ersten Anschlag in der Türkei. Bis dahin hatte der IS das Land von seinem Terror verschont. Und am Samstag kündigte die kurdische PKK den Waffenstillstand mit dem türkischen Staat auf; zuvor hatten türkische Jets ihre Stellungen im Nordirak bombardiert. Damit ist der Friedensprozess zwischen Ankara und den Kurden gescheitert; er war sehr weit gediehen.

Es hätte nicht so weit kommen müssen. Die Türkei schien aus ihrer blutigen Geschichte gelernt zu haben. Eine Lektion der neunziger Jahre war, dass der Konflikt mit den Kurden nur politisch und nicht militärisch beigelegt werden kann. Eine zweite Lektion war, dass es gefährlich ist, Islamisten als Waffe gegen die Kurden zu akzeptieren. Der türkische Staat hatte im kurdischen Südosten eine türkisch-kurdische Hizbullah gefördert, um die PKK in die Zange zu nehmen. Dann ging die Hizbullah eigene Wege und terrorisierte auch ihre Schöpfer.

Heute sind Frieden und Wohlstand wieder gefährdet. Eine Terrorzange bedroht die Türkei. Auf der einen Seite steht wieder der Kampf zwischen türkischem Staat und kurdischer Bewegung. Dafür mitverantwortlich ist die PKK, die ihre Racheakte für den Anschlag von Suruç nicht gegen den IS verübt, sondern gegen Vertreter des türkischen Staats, dem sie Kollaboration mit dem IS vorwirft. Es kommt der PKK entgegen, dass sie mit dem Wechsel an der Spitze des türkischen Generalstabs im August wieder einen Armeechef als Gegenspieler haben wird, der den Konflikt mit den Kurden als einen militärischen sieht.

Gefährlicher ist jedoch die andere Seite der Terrorzange. Das Kalkül des IS geht auf, dass der Einsatz eines kurdischen Selbstmordattentäters in Suruç die türkische Gesellschaft aus Türken und Kurden spaltet. Ein zweites Kalkül geht indes nicht auf: Die neue Auseinandersetzung zwischen dem türkischen Staat und der kurdischen PKK lenkt nicht vom IS ab, und sie erweitert nicht den Spielraum des IS. Im Gegenteil: Ankara erklärt dem IS den Krieg.

Vorausgegangen war, dass der IS wichtige Grenzübergänge zur Türkei an die syrischen Kurden verloren hat – also an die erfolgreichsten Bodentruppen, die gegen den IS kämpfen. Damit büßte die Türkei für den IS Bedeutung ein; parallel ging Ankara stärker gegen IS-Kämpfer in der Türkei vor. Das alarmierte die schlafenden IS-Zellen in der Türkei. In ihnen sollen sich 7000 Sympathisanten zusammenfinden. Lange galten sie dem türkischen Staat als nützliche Idioten, da sie ja – wie auch Erdogan – den Sturz des Regimes von Baschar al Assad wollen. Ankara ließ sie in Ruhe.

Die IS-Zellen sind auch die Fortsetzung der nie ganz ausgerotteten Hizbullah, die sich ideologisch wenig vom heutigen IS unterschied. Die Hizbullah ist der dschihadistische Geist, der aus der Flasche ist und nicht zurück will. Akut ist heute die Gefahr, dass sie als Vergeltung für die türkischen Luftschläge Anschläge vorbereitet. Eine wiedergeborene Hizbullah könnte sich gegen den türkischen Staat erheben, sie könnte einen türkischen Ableger des IS bilden und mit Selbstmordanschlägen – auch in türkischen Städten – Chaos erzeugen. Früher hatte sich der Terror der PKK gegen Einrichtungen des türkischen Staats gerichtet, heute richtet sich der Terror des IS gegen die Zivilbevölkerung.

Die Türkei wird in den syrischen Bürgerkrieg hineingezogen. Das allein ist schlimm genug. Aber es geschieht auch noch auf türkischem Boden. Der Krieg greift auf die Türkei über. Der politische Gewinner könnte Staatspräsident Erdogan sein. Bei der Parlamentswahl vom 7. Juni hatte seine AKP die absolute Mehrheit verpasst. Immer deutlicher sind am Horizont die Zeichen einer vorgezogenen Neuwahl zu sehen, die dieses Missgeschick korrigieren soll. Erdogan wird argumentieren, nur eine starke Regierung könne das Chaos in Griff bekommen. Damit die AKP die absolute Mehrheit zu bekommen kann, muss die kurdische HDP diesmal an der Sperrklausel von zehn Prozent scheitern. Sollte Ankara es erreichen, dass die HDP den Ruf einer friedlichen Partei verliert, könnte das Spiel aufgehen. Der Verlierer einer solchen Politik wäre die Türkei.

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Time am 26. Juli 2015

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1) http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/tuerkei/islamischer-staat-und-pkk-der-terror-erfasst-die-tuerkei-13720142.html
2) http://armenianweekly.com/2015/07/21/erdogans-dangerous-actions/
3) http://worldnewsdailyreport.com/ottomans-were-the-first-to-reach-the-moon-says-turkish-president/
4) http://www.pi-news.net/2015/07/flutung-mit-invasoren-ist-ein-elitenprojekt/#more-472399

Flüchtlinge? Invasoren!

21. April 2015

Orkarsch

Auf „FAZ.NET“ verfolgt Volker Zastrow heute das Thema „IS-IS“ weiter (1).

Sein sehr lesenswerter Kommentar krankt an der üblichen Stelle: Er weigert sich, die mohammedanistischen Grundlagentexte verantwortlich zu machen. Weil Zastrow selbst unideologisch denkt und auch nicht religiös ist, kann er die Macht einer ausgefeilten Lehre nicht begreifen und spüren. Marxistisch geprägt setzt er voraus, dass „das Sein das Bewusstsein“ bestimmt, dass die einsickernden Orks durch die Segnungen des Kapitalismus und der offenen Gesellschaft „schon irgendwie integriert“ werden. Ein Blick auf die zutiefst ideologisch geprägte mohammedanistische Sphäre lässt aber diese Hoffnung unwahrscheinlich wirken.

Im Interesse des Appeasements gegenüber 1,5 Milliarden Wahnsinnigen würde er die Grundlagentexte weiterhin auch dann nicht verwerfen, wenn er ihre Niedrigkeit, Bosheit und ungeheure Wirkungsmacht erkannt hätte. Der Erfolg des IS-IS beruht aber nicht vor allem auf einer intelligenten Führung, sondern auf einer Führung, die die mohammedanistische Lehre für jedes Ork ganz offensichtlich korrekt im Sinne ihres Begründers interpretiert. Die SA-lafisten und Jihadisten können jedes Streitgespräch für sich entscheiden. Sie haben, aus Richtung des Mohammedanismus gesehen, schlicht recht.

Insofern die mohammedanistische Religion die mohammedanistische Kultur formt, also die Lebensart von der Kleidung über die Ernährung zur Erziehung der Kinder, wird der Einfluss der Jihadisten total. Das macht sie unglaublich stark und erschließt ihnen alle Ressourcen der mohammedanistischen Sphäre.

Das mangelnde Verständnis für die Religion verschließt Herrn Zastrow leider auch das Erkennen der eigentlichen Gefahr: Das massenhafte Eindringen von sogenannten „Flüchtlingen, die bei uns eine Zuflucht vor dem Horror suchen“ in Europa ist tatsächlich die Invasion durch Scharen von Jihadisten, welche unsere Territorien in den Geltungsbereich der Scharia überführen wollen.

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„Islamischer Staat“

Ein Krieg der Intelligenz

Warum blieben die Terroristen des „Islamischen Staats“ so lange im Verborgenen? Weil er höchst professionell im Verborgenen operierte und erst zuschlug, als er stark genug war. Die Fäden zogen Geheimdienstler.

In den letzten Monaten sind mehr und mehr Analysen und Deutungen des „Islamischen Staats“ erschienen, die dieses Phänomen verständlicher gemacht haben. Das war um so wichtiger, als der IS praktisch aus dem Nichts aufgesprungen ist. Inzwischen ist er kenntlicher. Und er hat Niederlagen hinnehmen müssen. Es bleibt aber erklärungsbedürftig, warum diese Gefahr so spät auf den Bildschirmen politischer Wahrnehmung auftauchte. Und das nicht nur im Westen – in der Wissenschaft und Politik, bei Geheimdiensten und Medien -, sondern auch an den Orten des Geschehens. Gerade darin liegt ja das Geheimnis der IS-Erfolge. Niemand war vorbereitet. Es gab anfangs kaum nennenswerten Widerstand.

Rainer Hermann, unser langjähriger Korrespondent, hat in zahlreichen Artikeln und nun auch in einem Buch („Endstation Islamischer Staat?“) das apokalyptische Programm des IS in den Zusammenhang eines Religionskriegs zwischen Sunniten und Schiiten gestellt; er hat die These auch in dieser Zeitung vorgestellt. Der welterfahrene Journalist Eugen Sorg (2) wiederum beschreibt das propagandistische Konzept des IS: ein „Management der Barbarei“, das auf den ehemaligen Chefdenker von Al Qaida zurückgeht, einen gebildeten Intellektuellen. Die planerische Absicht, die konzeptionelle Intelligenz, das durchdachte Kalkül: All das ist hinter dem schreckenstiftenden Furor dieser Verbrecher immer deutlicher geworden. Ebenso wie die offen erklärte Absicht, einen Staat zu errichten, der keine Grenzen anerkennt.

Nun fügt der kenntnisreiche Christoph Reuter in einem Buch („Die schwarze Macht“) und einem „Spiegel“-Artikel (3) einen Eckstein der Analyse hinzu. Der Reporter belegt mit Dokumenten und Zeugenaussagen, dass der IS unter seiner schwarz spiegelnden Dschihad-Oberfläche einen kalten politischen Kern besitzt, nämlich einen mächtigen, infiltrativen Geheimdienst. Reuter nennt daher den IS verdeutlichend ein „Stasi-Kalifat“.

Dazu kam es nicht von ungefähr. Denn der Architekt dieser Struktur war ein Geheimdienst-Mann mit dem Tarnnamen Haji Bakr. Sein Handwerk hatte er im Spitzel- und Unterdrückungsapparat Saddam Husseins gelernt. Die Strukturen des IS und seine Strategie entstanden mithin nicht naturwüchsig, etwa aus einer sozialpolitischen „Bewegung“, sondern aus der Anwendung der alten Methoden im Umfeld einer zerfallenden Ordnung.

Es begann mit der Infiltration syrischer Ortschaften über scheinbar unverdächtige islamische Missionszentren – Tarneinheiten des IS. Sie sickerten in die örtliche Gesellschaft ein und erhoben nach detailliertem Plan Informationen über die dort lebenden Personen, Familien und Gruppen. So wurden die Voraussetzungen geschaffen, durch Erpressung oder Gewalt, Zug oder Druck, zu gegebener Zeit in örtlichen Zentren die Macht zu ergreifen. Häufig genügten dafür ein paar gezielte Morde, zu offenen Schlachten kam es erst gar nicht. Weil der IS planvoll und synchron zuschlug, konnte er nach dieser Vorbereitung so schnell große Erfolge erzielen.

Eine straff organisierte Kadertruppe

Reuter beschreibt, dass Dschihad und Scharia sowie die verordnete Frömmelei im IS nur vorgeschoben sind und einem einzigen Ziel dienen: Überwachung und Herrschaft zu etablieren. Haji Bakr wurde Anfang des vergangenen Jahres erschossen, in seinen Räumen fand sich kein Koran. Auch sein Begriff für Bekehrung, „takwin“, sei nicht religiös, sondern aus dem Bauwesen. Der IS wird also, folgt man Reuter, nicht von religiösen Fanatikern beherrscht – übrigens auch nicht vom „Kalifen“ al Bagdadi -, sondern von einer „straff organisierten Kadertruppe“. An deren Spitze steht ein Geheimzirkel, die „Männer des Lösens und Bindens“. Der sogenannte Schura-Rat als nominell höchstes Gremium trifft in Wirklichkeit nicht die wesentlichen Entscheidungen. So wird die gesamte Organisation des IS von einer parallelen Befehlsstruktur kontrolliert.

Was Reuter hier nachzeichnet, ist der Doppelstaat, ein Kadersystem, wie man es von allen totalitären Formen der Herrschaft kennt. Angst und Schrecken nutzt sie nur als Instrumente. Ihr eigentliches Wesen ist die planvolle Durchdringung der gesamten Gesellschaft zwecks verdeckter Machtausübung. Das Herz einer solchen Struktur ist immer eine Mördergrube: ein Geheimdienst. Und das erklärt – bei Reuter genau nachzulesen – endlich überzeugend, warum der IS uns so lange verborgen blieb. Weil er eben höchst professionell im Verborgenen operierte und erst zuschlug, als er stark genug war. Noch ist er keineswegs besiegt, trotz aller Niederlagen, die er in letzter Zeit einzustecken hatte. Reuter fürchtet, der IS könne durch den heraufziehenden Krieg zwischen Sunniten und Schiiten schließlich sogar zur zentralen Macht im Nahen Osten aufsteigen.

All das geht uns entschieden an. Die Welt ist verknüpft – unmittelbar verkörpert durch die Flüchtlinge, die bei uns eine Zuflucht vor dem Horror suchen. Es ist eine ganz eigene Gefahr, dass sich währenddessen in Europa selbst unter den Gebildeten eine Liebe zu einfachen Lösungen auszubreiten scheint. Denn der Krieg, der schon stattfindet, ist ein Krieg der Intelligenz.

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Time am 21. April 2015

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1) http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/naher-osten/warum-blieb-der-islamische-staat-so-lange-im-verborgenen-13546063.html
2) http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/naher-osten/handbuch-des-dschihadismus-kein-unglaeubiger-soll-sich-mehr-sicher-fuehlen-13546097.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2
3) http://www.spiegel.de/politik/ausland/haji-bakr-der-terror-planer-des-islamischen-staats-is-a-1029289.html

Krebsgeschwür Mohammedanismus

21. März 2015

Flucht

Allmählich dämmert es den aberwitzigsten Islamverstehern, dass da etwas sehr Grausames und Gefährliches Meter für Meter an Boden gewinnt.

Die Erkenntnis, dass der Terror nicht in Tunesien haltmachen wird sondern die Menschheitsvernichtung vollenden will, und die Erkenntnis, dass das Problem nicht nur die Avantgarde des Nazislahm sondern die gesamte verfluchte Religion des Nihilismus ist, bleiben einstweilen leider immer noch Alleinstellungsmerkmale des Counterjihad.

Lesen Sie einen Artikel von Rainer Hermann aus der gestrigen „FAZ“ (1).

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Anschlag von Tunis

Das Krebsgeschwür Terror

Der islamistische Terror hat Tunis erreicht, die Hauptstadt der einzigen funktionierenden Demokratie in der arabischen Welt. Die ganze Region steht vor einer gewaltigen Herausforderung.

Was lange nur befürchtet wurde, wird Wirklichkeit: Der islamistische Terror schwappt von Syrien und vom Irak auf andere Länder über. In Europa war Anfang Januar Paris das Ziel, in Nordafrika war es jetzt Tunis, die Hauptstadt der einzigen funktionierenden Demokratie in der arabischen Welt. Auch dieses Mal haben sich die Terroristen ihre Ziele mit Bedacht ausgesucht: Erst stürmten sie das Parlament und somit die Kerninstitution der Demokratie, die ihnen verhasst ist; dann gingen sie gegen das Nationalmuseum vor, das zu den schönsten seiner Art um das Mittelmeer zählt, und zeigten damit abermals ihre Verachtung für Geschichte und Kultur – wie zuletzt in Ninive, Mossul und anderen Orten des Iraks.

Offenbar wird, dass diese mordenden Extremisten vor allem eines anstreben: Sie wollen die Zivilisation zerstören. So drohte einer ihrer Führer, Tunesien werde erst zur Ruhe kommen, wenn der Islam – womit er natürlich „seine“ Version des Islams meint – über das Land herrsche.

Diesem Terror hat der tunesische Präsident Essebsi in klaren Worten den Krieg erklärt, und er weiß die Welt an seiner Seite. Eigentlich wollte Essebsi vor allem Arbeitsplätze schaffen und die neuen Freiheiten sichern. Nun haben sich die Prioritäten verschoben, und es ist zu wünschen, dass die politische Klasse das nicht als Aufforderung versteht, einen Rückfall in autoritäre Verhaltensweisen einzuleiten. Es stimmt hoffnungsvoll, dass die tunesische Gesellschaft zuletzt Reife gezeigt und jedweden Extremismus zurückgewiesen hat.

Nicht allein Tunesien, die ganze Region steht vor der gewaltigen Herausforderung, den Terror zu bekämpfen und zu besiegen, der vom „Islamischen Staat“ (IS) befeuert wird. Bereits fest im Griff hat dieser Terror das Nachbarland Libyen, das immer mehr zerfällt. Von dort greift er nach Ägypten, wo Terroristen, die sich zum IS bekennen, Polizisten und Soldaten angreifen. In Tunesien haben sie sich sicher genug gefühlt, aus den Bergen hinabzusteigen, wo sie sich Gefechte mit der Armee geliefert hatten, um mitten in der Hauptstadt zuzuschlagen. Zum Anschlag hat sich der IS bekannt, die Identität der Attentäter ist aber nicht von Belang. Denn die Terroristen des IS und der Al Qaida konkurrieren immer weniger miteinander, sondern verschmelzen, zumindest in Nordafrika – was die Gefahr, die von ihnen ausgeht, nur weiter erhöht.

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Time am 21. März 2015

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1) http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/afrika/anschlag-von-tunis-das-krebsgeschwuer-terror-13494051.html

Das hat doch keinen Sinn

8. März 2015

IS-IS

Rainer Hermanns Auffassung vom Mohammedanismus hat einen großen Sprung nach vorne getan. In einem aktuellen Artikel auf „FAZ.NET“ weist er die Propagandalügen zurück, der „IS-IS“ sei per se „unislamisch“, habe „nichts mit dem Islam zu tun“ und sei auch gar kein Staat (1). Solche Behauptungen seien „Augenwischerei“.

Doch dann begeht er einmal mehr einen entscheidenden Fehler, indem er schreibt:

„Den Aufrufen zu kämpfen stehen im Koran aber mehr Aufrufe gegenüber, Frieden zu schließen; auch gibt es im Koran mehr Stellen, die von Vergebung handeln als von Vergeltung. Für heutige Leser ist der Koran, der im Verlauf von 22 Jahren entstand, ein Buch der Widersprüche, so wie andere vormoderne Texte auch. Seine Auslegung wird dadurch erschwert, dass er sich meist kurzfasst. Mohammeds Zeitgenossen wussten ja noch, auf welche Ereignisse sich eine Sure bezieht. Spätere Generationen wussten das nicht mehr.“

Es hat keinen Sinn, den Orks die Hand reichen zu wollen, indem man sagt, der Kloran müsse im Kontext seiner Zeit gelesen werden. Die Orks wollen diese Hand nicht. Für sie ist der Kloran das klar verständliche, originale und für alle Zeiten gültige Wort des Wesens, welches das gesamte Universum geschaffen hat. Dieses Wort ist für sie zu allen Zeiten gleich und unveränderbar. Es bedeutet für sie dasselbe wie für ihre Glaubensgenossen vor 1.400 Jahren. Es steht außerhalb jeden Kontextes. Diese Auffassung teilen ALLE Mohammedanisten mit Ausnahme von möglicherweise Dr. Mouhanad Khorchide. Die Behauptung der Zeitgebundenheit widerspricht der Auffassung von der Absolutheit des Wortes, und die hat für die Orks absolute Priorität. Sie wissen, dass die Anwendung der historisch-kritischen Methode zweifellos zur totalen Dekonstruktion des Nazislahm führen wird, und sie lehnen sie daher ab.

Es hat auch keinen Sinn, die Perversionen und Verbrechen Klo H. Metzels mit dem Verweis darauf, dass sie vor 1.400 Jahren ausgeübt wurden, schönzureden. Zu allen Zeiten gab es Menschen, die zu Gewalt neigten und Menschen, die lieber eine konsensuale Lösung anstrebten. Auch zu Klo H. Metzels Zeiten gab es mit Sicherheit absolut freundliche und friedliche Menschen, Dattelbauern, Handwerker, Intellektuelle usw. Klo H. Metzel gehörte, wie wir aus den mohammedanistischen Grundlagentexten wissen, zu den bösartigen und grausamen, den extrem kleinkarierten und rachsüchtigen. Die Behauptung, dass es im Kloran mehr Texte gäbe, die zum Frieden aufrufen, als Texte, die zum Kampf aufrufen, ist dahingesagt und unbelegt. Hierbei geht es zudem auch nicht nur um ein quantitatives sondern vor allem um ein qualitatives Verhältnis. Wenn es zehn laue und ambivalente Stellen geben mag, in denen das Wort „Frieden“ vorkommt, dann haben diese kein Gewicht gegen eine Passage von extremer Klarheit und Wucht wie z.B. 2/187, Recl. S. 49:

„Und erschlagt sie, wo immer ihr auf sie stoßt… denn Verführung ist schlimmer als Totschlag.“

Dennoch, Rainer Hermann ist auf dem richtigen Weg, und ich wünsche ihm – und uns – alles Gute!

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Islamischer Staat

Nach der Methode des Propheten

Am „Islamischen Staat“ ist vieles islamisch, denn er basiert auf einer engen Auslegung der Quellen. So sieht er sich als Teil des Countdown der Apokalypse, was junge Extremisten gerade aus Europa besonders anzieht.

Es ist Augenwischerei, zu behaupten, der „Islamische Staat“ habe nichts mit dem Islam zu tun und er sei auch kein Staat. Denn der „Islamische Staat“ basiert auf nichts anderem als einer – zugegebenermaßen engen und von der großen Mehrheit der Muslime abgelehnten – Auslegung der Quellen des Islams. Zudem ist der „Islamische Staat“ auch mehr als eine Terrormiliz, als die ihn viele bezeichnen und damit unterschätzen: Er ist ein Staat. Auch das gehört zum Selbstverständnis des Islams. Denn den Muslimen ist seit dem frühen Islam aufgetragen, in einem Staat zu leben. So hat der „Islamische Staat“ viele Institutionen, die einen Staat ausmachen. Nur in einem unterscheidet er sich von allen anderen, klassischen Staaten: Er lehnt Grenzen ab und kennt als einzigen Bezug zur Außenwelt nur den offensiven Dschihad.

Damit knüpfen die Ideologen des „Islamischen Staats“ nahtlos an den Koran an. Wenn im Koran vom Dschihad als dem „Kämpfen auf dem Weg Gottes“ die Rede ist, dann ausnahmslos im Kontext von Kriegen, die mal defensiv, mal offensiv waren. Auf diese Stellen beruft sich der „Islamische Staat“. Den Aufrufen zu kämpfen stehen im Koran aber mehr Aufrufe gegenüber, Frieden zu schließen; auch gibt es im Koran mehr Stellen, die von Vergebung handeln als von Vergeltung. Für heutige Leser ist der Koran, der im Verlauf von 22 Jahren entstand, ein Buch der Widersprüche, so wie andere vormoderne Texte auch.

Wo steht der Islam im 21. Jahrhundert?

Seine Auslegung wird dadurch erschwert, dass er sich meist kurzfasst. Mohammeds Zeitgenossen wussten ja noch, auf welche Ereignisse sich eine Sure bezieht. Spätere Generationen wussten das nicht mehr. Deshalb entwickelte sich eine Tradition der Auslegung, welche diese Geschichtskenntnis weitertrug. Die Theologen des „Islamischen Staats“ lehnen diese Tradition der Exegese ab, sie legen den Koran buchstabengetreu aus, Wort für Wort. Sie rechtfertigen damit die Sklaverei (auch wenn die islamische Theologie diese längst verworfen hat), und so begründen sie auch die Kreuzigung ihrer Gegner.

Über Jahrhunderte war im Alltag der Muslime eine Praxis entstanden, die eine buchstabengetreue Lesart vieler Suren nicht mehr für relevant hielt. Nun zwingt sie die Auseinandersetzung mit dem „Islamischen Staat“ zu einer Standortbestimmung, wo der Islam zu Beginn des 21. Jahrhunderts steht. Das schließt neben der Exegese des Korans die Überlieferungen des Propheten Mohammed ein. Denn zu den Standardformulierungen zur Rechtfertigung vieler Einzelheiten im „Islamischen Staat“ gehört, dass man der „Methode des Propheten“ folge. So berufen sich jene, die archäologische Kulturschätze erst in Mossul und nun in Nimrud zerstört haben, auf das Vorbild des Propheten, der in der Kaaba von Mekka die Darstellungen vorislamischer Götter zerstört hatte.

Es ist die Endzeiterwartung im „Islamischen Staat“, die auf potentielle Rekruten eine magnetische Anziehungskraft ausübt. Auch sie ist im Koran angelegt, geriet aber in Vergessenheit. Die frühen Suren sind noch voller Warnungen vor dem unmittelbar bevorstehenden Jüngsten Gericht. Spätere Suren regeln indes detailreich das Erbrecht; das tut nicht, wer von der Idee des Zeitenendes besessen ist. Der „Islamische Staat“ behauptet hingegen, er beschleunige das Kommen des nahenden Jüngsten Gerichts.

Countdown der Apokalypse

Auch dabei beruft er sich auf einen Ausspruch Mohammeds. Der soll gesagt haben, im Norden Syriens werde die „Armee des Westens“ nahe der Stadt Dabiq die „Muslime“ angreifen: Die Muslime schlügen sie vernichtend und eroberten (Ost-)Rom; ein falscher Messias verführe danach kurz die Menschheit, bevor der Messias von Damaskus aus die Menschheit zum Jüngsten Gericht führe.

Der „Islamische Staat“ sieht sich als Teil des Countdown der Apokalypse. Dazu, so lautet sein Selbstverständnis, bedürfe es eines Kalifats. Dessen Aufgabe sei es, den letzten Kampf gegen das „Böse“ einzuleiten und die Welt von allem zu reinigen, was vom „wahren Islam“ abweiche. Groß ist der Abscheu vor dem sadistischen Horror im „Islamischen Staat“ auch unter den Muslimen. Die Barbarei hat auch den Zweck, eine Intervention des Westens zu provozieren, damit die Endschlacht endlich beginnen könne.

Dieser apokalyptische Islam zieht offenkundig junge Extremisten gerade aus Europa besonders an, solche, die dort am Rande der Gesellschaft leben und in ihrem Dasein keinen Sinn sehen. Im „Endkampf gegen das Böse“ unter einem charismatischen Führer glauben diese Jugendlichen, einem „göttlichen Auftrag“ zu folgen. Diese Verheißung dürfte der Hauptgrund dafür sein, dass der „Islamische Staat“ in kurzer Zeit mehr fremde Kämpfer mobilisiert hat als jede andere Terrorbewegung vor ihm.

Leicht wird es der vom Westen geführten Allianz gegen den „Islamischen Staat“ nicht fallen, diesen militärisch in die Knie zu zwingen; denn er ist gut bewaffnet, wird von erfahrenen Offizieren geführt und greift auf eine steigende Zahl von Rekruten aus aller Welt zurück. Um den islamischen Terror dauerhaft zu besiegen, müssen in erster Linie dessen theologische Grundlagen neutralisiert werden. Das aber können nur die Muslime tun.

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Time am 8. März 2015

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1) http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/naher-osten/islamischer-staat-nach-der-methode-des-propheten-13468412.html

Gegenmittel? Totale Quarantäne!

22. Januar 2015

Galgenbaum

„Der Galgenbaum“ von Jacques Callot

Ein ungewöhnlich pessimistisches Bild der Zukunft des europäischen freien Westen zeichnete Rainer Hermann gestern auf „FAZ.NET“ (1).

Welche Konsequenzen mag er sehen? Noch ein paar Zigmillionen Orks in unsere Sozialsysteme einwandern zu lassen? Noch mehr Sonderrechte für die Mohammedanisten zu ermöglichen? Noch härter gegen den Counterjihad vorzugehen?

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Arabische Abgründe

Der „Dreißigjährige Krieg der Araber“ hat erst begonnen.
Wo sind die Gegenmittel?

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte für die gewaltigen Verwerfungen im Nahen Osten, dann liefern ihn die Flüchtlingszahlen. Scheinbar unaufhaltsam erreichen sie immer neue Rekordwerte: Jeder zweite der fünfzig Millionen Menschen, die weltweit in ein anderes Land geflohen sind, kommt aus Arabien; erstmals stellen die Syrer die größte Gruppe, und erstmals ist nicht mehr Asien die größte unmittelbare Aufnahmeregion, sondern der Nahe Osten einschließlich Nordafrika. Die meisten Flüchtlinge können nicht in ihre Heimatländer zurückkehren – und sie wollen das auch nicht.

Eine Umkehr des Trends ist nicht abzusehen. Denn der Staatszerfall in Syrien und im Irak, in Libyen und im Jemen treibt immer mehr Menschen in die Flucht. Die Massen, die sich absetzen, gefährden die Stabilität der Länder, die ihnen (noch) Zuflucht gewähren. Im Libanon ist bereits mindestens jeder vierte Einwohner ein Flüchtling. So besteht die Gefahr, dass der Zerfall von Staaten zum Kollaps anderer Staaten führen wird; dass (noch) funktionierende Staaten mit in den Abgrund gerissen werden.

Erst ein kleiner Teil dieser Flüchtlinge hat bisher Europa erreicht. Das allein hat bereits genügt, den Kontinent in Unruhe zu versetzen. Instrumente, den Staatszerfall in der arabischen Welt zu stoppen und umzukehren, gibt es indes nicht. Alles, was die Staatengemeinschaft kurzfristig tun kann, ist zu versuchen, das Übergreifen der zerstörerischen Konflikte auf andere Länder zu verhindern. Dabei hat die Bekämpfung des Terrors Vorrang – mit der Folge, dass mit Regimen zusammengearbeitet werden muss, deren Repression selbst neuen Terror ausbrütet, so lange jedenfalls, wie es dem Westen nicht gelingt, diese Regime von der Notwendigkeit von Reformen zu überzeugen.

Es wird Jahrzehnte dauern, bis im Nahen Osten eine neue Ordnung entsteht, in der sich die Menschen mit neuen, stabilen Staaten identifizieren werden. Der aktuelle Staatszerfall hat einen Punkt erreicht, an dem es keine Umkehr mehr gibt: Zu viele Menschen halten nichts von Staaten, die nur Werkzeuge parasitärer Eliten waren und sind; sie wollen diese Staaten einfach nicht mehr.

Anfang 2015 gibt es einen zweiten Grund zur Sorge: Der Zerfall gleich mehrerer Staaten schafft den Nährboden für eine weitere Eskalationsstufe des islamistischen Terrors. So wächst in Syrien und im Irak eine neue Generation von Terroristen heran. Sie tragen den Terror in den Westen. In der Vergangenheit hatte ein Zehntel der Dschihadisten nach der Rückkehr Terroranschläge in den westlichen Heimatländern verübt; heute kämpfen im Namen des Dschihads allein in Syrien 3000 Westeuropäer – und die meisten werden zurückkehren, sie wollen das jedenfalls.

Die Terrorgruppe, die sich „Islamischer Staat“ (IS) nennt, ist eine weitere Eskalationsstufe des islamistischen Terrors, und sie muss nicht die letzte sein. Schon lange werden Terrorgruppen bekämpft; jedes Mal musste man erkennen, dass sie nur scheinbar zerstört wurden, dass die jeweiligen Nachfolger eine noch größere Gefahr darstellten. Jede Etappe bereitete die nächste vor, stets wuchs das Ausmaß des Terrors. Die Ungeheuer wuchsen im Rhythmus von einem Jahrzehnt heran.

1979 hatte eine puritanisch-fanatische Gruppe um den Saudi Dschuhaiman al Utaibi die Große Moschee von Mekka besetzt. Sie hatte jegliche Verwestlichung abgelehnt, sie rief zum Sturz der „dekadenten“ saudischen Königsfamilie auf und rief den Mahdi, den Messias, aus. Die Al Saud reagierten auf den islamisch motivierten Aufstand mit „mehr Islam“, den sie nun auch exportierten. Auf dieser Welle gelangte Bin Ladin nach Afghanistan. Dort koordinierte er die Rekrutierung von Arabern für den Dschihad gegen die Rote Armee, dort gründete er 1988 Al Qaida, bevor er sich schließlich gegen den Westen wandte. Zielscheibe waren nicht mehr die saudischen Prinzen, sondern jene, die Bin Ladin „Kreuzzügler und Zionisten“ nannte. Er schwor den Taliban Treue und sanktionierte deren „Islamisches Emirat“ in Afghanistan.

Bin Ladin führte Krieg gegen die „Kreuzzügler“, Bagdadi, der Führer des IS, führt Krieg gegen alle „Feinde Allahs“. Bin Ladin billigte ein „Islamisches Emirat“, Bagdadi errichtet ein totalitäres Reich, das sich schon über eine Fläche erstreckt, die so groß ist wie Großbritannien; als „Kalif“ fordert er die Loyalität aller Muslime.

Nicht viel Phantasie gehört dazu, sich vorzustellen, dass es nach dem IS noch schlimmer kommt; wenn etwa ein Nachfolger des IS versuchen wird, seine Herrschaft über die Levante hinaus auszudehnen und dem Rest der Welt den Krieg erklärt. Es wird nicht reichen, den IS allein militärisch zu besiegen. Dazu ist die Ideologie des Dschihads zu weit entwickelt und verbreitet, dazu gibt es bereits zu viele „Krieger“. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 war die Zahl der Dschihadisten auf achthundert geschätzt worden. Heute kämpfen allein für den IS 50.000 Krieger. Diesen Krieg gegen den IS kann der Westen nicht allein gewinnen. Wie er sind auch die gemäßigten Muslime bedroht. Der „Dreißigjährige Krieg der Araber“ hat erst begonnen. Und er wird begleitet sein von weiteren Flüchtlingsströmen.

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Time am 22. Januar 2015

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1) http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/kommentar-arabische-abgruende-13383626.html


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