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Unsere Eliten hofieren nur die Extremisten

31. Januar 2018

Auf ihrer Plakette steht: „Stop Extremism“

Lesen Sie einen Beitrag von Regina Mönch aus der „FAZ“ über eine Intervention von Seyran Ates (1).

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Seyran Ateş kontra Universität

Liberale Muslime werden ausgegrenzt

Die Frauenrechtlerin Seyran Ateş protestiert bei Berlins Regierendem Bürgermeister und der Hochschulpräsidentin gegen den Beirat des Instituts für Islamische Theologie an der Humboldt-Uni. Sie hat Gründe.

Seyran Ateş, Gründerin und Geschäftsführerin des Vereins der liberalen Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin, hat in einem offenen Brief scharf gegen die geplante Besetzung des Beirates für ein Institut Islamische Theologie an der Humboldt Universität protestiert. Der Brief ist an den Regierenden Bürgermeister und Wissenschaftssenator Berlins, Michael Müller, die Präsidentin der Universität, Sabine Kunst, und Gründungsdirektor Michael Borgolte gerichtet. Ateş kritisiert, der Plan sehe trotz Protesten immer noch vor, ausschließlich Vertreter der traditionell-konservativen Islamverbände einzuladen, jedoch keinen, der für den liberalen Islam steht.

Für sie sei dies auch ein unmissverständliches politisches Zeichen, „die wachsende Bewegung liberaler Muslime in Deutschland weder unterstützen noch in politische Prozesse einbeziehen zu wollen“. Mit der Entscheidung für diesen Beirat werde ignoriert, schreibt Ateş, dass der Islam auch hier „deutlich pluraler ist, als er von den Islamverbänden repräsentiert“ werde, die nur einen Bruchteil der Muslime vertreten.

Das gilt auch für die von der türkischen Religionsbehörde Diyanet gesteuerte und von allen Reformern gesäuberte Ditib, die gerade erst wegen des Vorwurfs, kritische Muslime bespitzelt zu haben, im Mittelpunkt eines Skandals stand. Im Sommer 2017 hatte die Berliner CDU das Beharren der Humboldt Universität und des rot-rot-grünen Berliner Senats, liberale Stimmen aus dem Beirat auszuschließen, ebenfalls scharf, aber folgenlos kritisiert. Seyran Ateş, die nach abgründiger Diffamierung aus der Türkei, aus Ägypten und von fundamentalistischen Muslimen hier sowie diversen Islamverbänden nur unter Polizeischutz arbeiten kann, verweist auf die Zukunft: Diese einseitige Entscheidung stelle die Weichen für viele Jahre, antiradikale religiöse Vielfalt könne sich so jedoch nicht entfalten.

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Time am 31. Januar 2018

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1) http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/islambeirat-seyran-ate-kritisiert-15423211.html

Aus der Hauptstadt (38)

2. Juli 2017

Regina Mönch berichtete für „FAZ.NET“ von der Hassindoktrination palarabischer Kinder und der staatlich geschützten antijüdischen Hassdemo in Berlin (1).

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Palästinensische Schulbücher

Lektionen in Hass

Wer Antisemitismus sehen will, muss in Berlin nur auf die Straße gehen oder in palästinensischen Schulbüchern blättern, mit denen auch an UN-Schulen gelehrt wird. Israel kommt dort nicht vor. Auch nicht der Holocaust. Dafür wird der Terror verherrlicht.

Schulbücher sollen zum Verständnis der eigenen und anderer Kulturen beitragen, indem sie gesichertes Wissen und humanistische Werte vermitteln, so wünscht es sich die Unesco. Wer in Schulbücher schaut, die vom Bildungsministerium der palästinensischen Autonomiebehörde herausgegeben werden, der wird eines Schlechteren belehrt. Fünfzehn dieser Schulbücher – für die Fächer Geschichte, Geographie, Mathematik und Nationale Erziehung – hat das „Mideast Freedom Forum Berlin“ (MFFB) im Auftrag von Bundestagsabgeordneten untersucht.

Einmal abgesehen davon, dass in diesen Büchern der Geschichte der Palästinenser eine antike Dimension verliehen wird, kommt der Staat Israel in keinem vor, weder als Gebiet, etwa auf Karten, noch mit dem Lebensalltag seiner Bevölkerung. Zweitausend Jahre jüdische Kultur und Religion werden genauso ignoriert wie die Schoa. Die Zwei-Staaten-Lösung gehört eindeutig nicht zum Lernziel, dafür wird der „Märtyrertod“ von Palästinensern und damit der Terror verherrlicht.

Immer sind Juden, so sie überhaupt erwähnt werden, Widersacher Mohammeds; islamische Religionsstätten würden heute judaisiert, heißt es, sogar die palästinensische Mode werde als israelische ausgegeben. Hinzu kommen Verschwörungstheorien von der „zionistischen Bewegung“, die in den Vereinigten Staaten Medien und die Wirtschaft beherrsche, und antisemitische Karikaturen. Es sind Schulbücher, die zwar bei Nachfragen als sogenannte Versuchsauflagen bezeichnet werden, die jedoch, das ergab die Studie des MFFB, seit der Jahrtausendwende zum palästinensischen Kerncurriculum gehören. Mit ihnen werden Kinder in Gaza und im Westjordanland in staatlichen Schulen und den etwa 340 Schulen des UN-Hilfswerkes für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) unterrichtet. Die UNRWA hatte jetzt endlich verlangt, diese diskriminierenden Inhalte zu ändern. Das Bildungsministerium lehnt das aber ab, die Hamas sprach von einem „politischen Verbrechen“.

Friedenserziehung sieht anders aus

Die Abgeordneten Michael Leutert (Linke), Volkmar Klein (CDU) und Sven-Christian Kindler (Grüne), alle Mitglieder im Haushaltsausschuss des Bundestages, erinnerten am Mittwoch in Berlin daran, dass allein Deutschland die Autonomiebehörden mit 150 Millionen Euro im Jahr unterstützt. Sie versuchen seit Jahren, die Öffentlichkeit und das Parlament zu bewegen, genauer hinzuschauen, wofür diese Gelder verwendet werden. Friedenserziehung, die immer wieder angeführt werde, sehe anders aus, diese Bücher trügen stattdessen zu einer Eskalation des Konfliktes bei. Die Abgeordneten wollen keine Kürzung der Hilfsgelder; es gebe andere Wege, wenigstens der nächsten Schülergeneration diese Erziehung zum Hass zu ersparen.

Ein (abgelehnter) Änderungsvorschlag der UNRWA betrifft Jerusalem: Im Arabischunterricht solle künftig gelehrt werden, dass die Stadt „den drei abrahamitischen Religionen heilig“ sei. Die deutsche Hauptstadt hat gerade wieder das Gegenteil erleben dürfen, am sogenannten Al-Quds-Tag, den Ajatollah Chomeini 1979 zum Kampftag für die endgültige Eroberung Jerusalems ausrief. Wegen einiger Polizeiauflagen wurde 2017 in Berlin nicht mehr „Tod, Tod, Israel“ skandiert, sondern lediglich auf Plakaten behauptet, die Zionisten Israels hätten den IS erfunden, und israelische Waren müssten boykottiert werden – die moderne Form von „Kauft nicht beim Juden“. Der aggressiv aufgeladene Strom von deutschen und arabisch-muslimischen Demonstranten wogte, gut beschützt von der Bereitschaftspolizei, wieder über den Kurfürstendamm. Am Tag davor hatten Aktivisten der Kauft-nicht-beim-Juden-Bewegung in der Humboldt-Universität die israelische Schoa-Überlebende Dvora Weinstein und Jugendliche der Partei „Yesh Atid“ („Es gibt eine Zukunft“) mit wüsten Israel-Beschimpfungen überzogen.

Am Kurfürstendamm wurden junge Quds-Männer, die trotz offensichtlicher Verbote mit einem Juden diskutieren wollten, vom Veranstalter bedrängt, der sie schließlich anschrie, sie sollten schweigen und über diesen „Fehler“ nachdenken. Die kaum sichtbare Gegendemonstration hatte zuvor stattgefunden, und zum Glück riefen dieses Mal nicht nur deutsche Juden und Israelis zur Versöhnung auf, sondern auch Berliner Politiker aller Parteien. Die Autorin dieses Beitrags wurde von der Polizei jedoch bald aufgefordert, sich hinter weit entfernte Sperrgitter zurückzuziehen, andernfalls bestehe Gefahr, die Quds-Demonstranten könnten sich provoziert fühlen. Bürgersteig also für den Hass reserviert. Vor allem mein kleines Israel-Papierfähnchen musste weg. Hätte ich mich nicht gefügt, wäre ich abgeführt worden.

Der Bürgermeister von Berlin-Charlottenburg, durch das der Kurfürstendamm führt, hatte, ohne viel zu fragen, an diesem Tag auf seinem Rathaus die israelische Flagge gehisst. Die Traurigkeit älterer Berliner Juden, die dem hasserfüllten Treiben auf Berlins Prachtstraße zuschauten, konnte die zivilcouragierte Geste nicht trösten – zu offensichtlich war die Gleichgültigkeit der Berliner, diesem bösen Spuk durch demonstrative Anwesenheit endlich ein Ende zu machen.

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Time am 2. Juli 2017

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1) http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/in-palaestinensischen-schulbuechern-existiert-israel-nicht-15081678.html

Unterjochung der Wissenschaft

14. März 2016

Dröge

Heute klärte Regina Mönch bei „FAZ.NET“ detailliert über SA-lafistische Connections und Zielsetzungen bei der Okkupation von Räumlichkeiten der TU Berlin zwecks Umwandlung in mohammedanistische Kaderschmieden auf (1), ein Vorgang, der an sehr vielen deutschen Universitäten beobachtet werden kann (2).

Wer aber protestiert gegen die Versuche der Universitäten, ihre Räume als säkulare Stätten der Wissenschaft gegen die Inbesitznahme durch den satanischen Nazislahm zu verteidigen? Natürlich die Riege der sogenannten „moderaten“ Mohammedanisten, die sich verfassungskonform geben aber ganz offensichtlich nur auf den Moment zum Zuschlagen warten. Und wer ist ihnen dabei willfährig zu Diensten? Natürlich die christlichen Kirchen (im Bild Bischof Dröge), die bald drastische Veränderungen erleben werden, weil ihre Schleimerei einfach unerträglich geworden ist. Lesen Sie nach dem Artikel von Frau Mönch ein Statement von Nazyeks „islam.de“ (3).

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Die Universität als Moschee?

Über Monate hinweg war eine Sporthalle im Hauptgebäude der TU Berlin vor allem freitags überfüllt: Sie wurde von muslimischen Studenten als Gebetsraum, aber auch von Imamen genutzt. Jetzt wird der Raum geschlossen.

Vom heutigen Tag an wird die Technische Universität Berlin weder einen Gebetsraum für fromme Muslime anbieten noch wird sie dulden, dass eine Sporthalle im Hauptgebäude als Freitagsmoschee von jedermann genutzt wird. Eine Vereinbarung darüber bestand immer nur informell und war offenbar ständig ausgeweitet worden, ohne die Universitätsleitung zu informieren. Die ließ lange gewähren. Bereits zu Beginn des Wintersemesters 2002 war einer „Islamischen Studentenvereinigung“ gestattet worden, ihr Freitagsgebet in der Halle abzuhalten, nachdem sich nicht-muslimische Studenten über das öffentliche Gebet muslimischer Kommilitonen beschwert hatten. Das neue Angebot wurde, wie Zeitungsberichte belegen, sofort auch von zahlreichen Gläubigen genutzt, die nicht an der TU eingeschrieben waren. Bis dahin hatten Studenten freitags immer einen Flur im Hauptgebäude der Universität blockiert. Längst ist die große Halle freitags überfüllt. Hunderte Gläubige, ausschließlich Männer, finden sich dort ein, darunter durchaus Studenten, aber auch sehr viele universitätsfremde Personen.

Vor dreizehn Jahren war die Technische Universität in die Schlagzeilen geraten, weil sie Beschwerden von Muslimen, die das Treiben einer extremistischen Studentenvereinigung dort bedrohlich fanden, lange ignoriert hatte. Dieser Verein, das wusste nicht nur der Verfassungsschutz, war eng verflochten mit der radikal-islamistischen Gruppierung „Hizb ut-Tahrir“, die wenige Monate später endlich vom Bundesinnenminister verboten wurde – unter anderem wegen ihrer Umtriebe an der Universität. Beide Gruppen waren damals an der TU mit Veranstaltungen antisemitischen und dschihadistischen Inhalts aufgefallen.

Drohung mit „Konflikten“

Jetzt erst stellte sich heraus, dass in der Sporthalle freitags längst nicht mehr nur gebetet wurde, sondern auch Imame predigten. Die Universität beherbergte also einmal in der Woche eine Art informelle Freitagsmoschee. Unter den Imamen befand sich zum Beispiel Abdul Adhim Kamouss, der inzwischen zwar angibt, sich vom Salafismus abgewendet zu haben, aber viele Jahre zu den deutschlandweit bekannten Predigerstars der extrem-salafistischen Berliner Al-Nur-Moschee gehörte. Inzwischen predigt er unter anderem im Berlin-Neuköllner „Islamischen Kultur- und Erziehungszentrum“, das von radikalen Hamas-Anhängern sehr geschätzt wird und vor dem der Berliner Verfassungsschutz vor allem Helfer und Betreiber von Flüchtlingsheimen warnt.

Der Prediger vom letzten Freitag drohte der Universitätsleitung laut „Tagesspiegel“, dem er seinen Namen nicht nennen wollte, wütend mit nicht näher beschriebenen „Konflikten“. Zu den harmloseren gehört das Unbehagen frommer muslimischer Studenten, die angeben, ohne große Räume für das gemeinsame Freitagsgebet in der Universität aus Zeitgründen gar nicht studieren zu können. Anders als in Dortmund, Essen oder zuvor Bochum war es an der TU nie um einen sogenannten Raum der Stille gegangen, den jeder Universitätsangehörige zum Rückzug hätte nutzen können, der jedoch an vielen Universitäten rasch von Muslimen okkupiert worden ist.

Gefährdung der Religionsfreiheit

Ohne sich genauer mit dem Fall befasst zu haben, vertrat der „Tagesspiegel“ Anfang März vehement die Auffassung, ohne Gebetsraum (für muslimische Männer) verspiele die Universität die Chance zu einer „Geste der Wertschätzung“, aus der sich ein „Vertrauensverhältnis von Universitätsleitung und Studierenden entwickeln“ könnte, „wenn es gut läuft“. Und wenn nicht? Es fällt auf, dass die Universität als eine Institution behandelt wird, die ihren strengreligiösen muslimischen Studenten ein solche Geste schulde, und nur diesen. Doch viele Studenten, darunter auch Muslime, teilen die Haltung der Universitätsleitung zur säkularen Verfasstheit unserer Gesellschaft, also die Trennung von staatlicher Institution und Religion.

Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg, Markus Dröge, sieht trotzdem die Religionsfreiheit gefährdet. In einem Artikel für die „BZ“ argumentiert er, die Schließung der „Gebetsräume“ an der TU, über deren Art und Gebrauch er offenkundig nichts weiß, schränke die Ausübung der Religion ein. Mit dem Verweis auf Flughäfen und Krankenhäuser, die solche Räume anbieten, folgert er: „Dieses Religionsrecht gilt selbstverständlich nicht nur im privaten Bereich, sondern auch in der Öffentlichkeit.“

Dröge behauptet, die Universität verdränge die „Religionsausübung in die Hinterhöfe“, was irritieren muss, denn Berlin hat nicht nur viele Kirchen, sondern längst auch jede Menge gut sichtbarer Moscheen. Dröges Argumentation erinnert an das fatale Kopftuch-Urteil und die Klage eines radikalislamischen Schülers, der das Recht forderte, in seiner Schule öffentlich und kollektiv zu beten. Die tolerante Schule gewann zwar vor Gericht, aber zuvor hatte religiöser Eifer irreparablen Unfrieden gestiftet.

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Kritik an Abschaffung muslimischer Gebetsräume an der Technischen Universität Berlin wächst – Mazyek: „Kleinkariert“

ZMD und evangelischer Bischof Dröge rufen zu Weltoffenheit und Gelassenheit im Umgang mit Vielfalt und Religionen auf

Die Abschaffung der Gebetsräume für Muslime an der Technischen Universität (TU) Berlin stößt auf wachsende Kritik. Nach dem evangelischen Berliner Bischof Markus Dröge verurteilte am Donnerstag auch der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, die Entscheidung als Einschränkung der grundgesetzlich garantierten Religionsfreiheit. TU-Präsident Christian Thomsen begründete den Beschluss unterdessen mit dem Neutralitätsgebot für eine staatliche Hochschule.

Dröge hatte die Entscheidung in einem Gastbeitrag für die Boulevardzeitung „B.Z.“ gerügt. „Eine offene und freie Gesellschaft darf die Religionsfreiheit nicht einschränken“, warnte der Bischof. Dabei müsse vor allem eine Bildungseinrichtung Vorbild sein. „Sie muss Raum und Gelegenheit geben, Religion auszuüben und einen kultivierten Umgang mit Religionsvielfalt im öffentlichen Leben einzuüben.“ Die freie Religionsausübung gehöre zu den Grundrechten, betonte der Bischof. Das Grundgesetz garantiere auch positive Religionsfreiheit. „Das heißt, niemand darf an der Ausübung seiner Religion gehindert werden“. Wer Religionsausübung in die Hinterhöfe verdränge, diene nicht dem friedlichen Zusammenleben unterschiedlicher Religionen.

Auch Mazyek kritisierte die Haltung der TU. „Anstatt als Hochschule in der Hauptstadt Akzente für Weltoffenheit und Gelassenheit im Umgang mit Vielfalt und Religionen zu setzen, gibt man sich lieber ängstlich und sieht sich aufs Juristische mit der Neutralität zurück“, sagte der Zentralrats-Vorsitzende. Mazyek kritisierte einen Trend zur Abschottung, „Das ist nicht modern, das ist kleinkariert und beschreibt den derzeitigen Trend von Abschottung, der letztlich auch die vom Grundgesetz garantierte positive Religionsfreiheit empfindlich einschränkt.“

In einem „Offenen Brief“ an Dröge bestätigte Thomsen, dass die TU ab dem kommenden Montag keine Räume mehr für das muslimische Freitagsgebet mit einem Imam sowie für das tägliche Gebet von Muslimen bereit hält. Am Freitagsgebet in einer Turnhalle hätten regelmäßig mehr als 500 Männer teilgenommen, in einen kleinen Gebetsraum seien täglich mehr als 100 Männer gekommen. Schon mit Blick auf Versammlungsrecht und Brandschutz dürften diese Räume von so vielen Personen nicht genutzt werden, betonte der TU-Präsident. (KNA)

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Time am 14. März 2016

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1) http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/tu-berlin-die-universitaet-als-moschee-14122316.html
2) https://madrasaoftime.wordpress.com/2016/03/08/milieustudien-52-keine-trennwaende/
3) http://www.islam.de/27268

Das Buch des Antichristen

12. März 2016

Monsterkloran

In einem Artikel bei „FAZ.NET“ lässt Regina Mönch ihren Lesern die Wahl, den Kloran für „unreformierbar“ oder „reif für die Aufklärung“ zu halten (1).

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Islamkritik

Wie soll man den Koran auslegen?

Der Islam – unreformierbar oder reif für die Aufklärung? Ein Gespräch zwischen dem Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide und dem Islamkritiker Hamed Abdel-Samad zeigt den schwierigen Stand der Islamkritik hierzulande.

Wenn sich Mouhanad Khorchide, Theologe aus Münster, und Hamed Abdel-Samad, Autor islamkritischer Bücher, treffen, gibt es Streit. Sie streiten über und für den Islam, den der eine für unreformierbar hält, zumindest noch, und den der andere, Khorchide, mit in die Aufklärung führen möchte. Sie sind sich selten einig und demonstrieren doch eine Diskussionskultur, die in der entweder abgehobenen oder aber brachialen öffentlichen Auseinandersetzung mit dieser Religion heraussticht.

Es ist keine gegenseitige Belehrung, es geht nicht darum, wer recht hat oder die entscheidenden Suren im Koran besser und schneller aufzählen kann. Khorchide kommt ohne die therapeutischen Beschwichtigungsformeln und absurden Unterstellungen aus, mit der Islamkritik gern abgewürgt wird, zumal er selber ein Kritiker ist. Er verteidigt vehement seine These vom barmherzigen Islam, der den historischen Ballast der Gewalt und der Verachtung aller Andersdenkenden abwerfen wird. Abdel-Samad ist ein radikaler Denker, der seinen Gesprächspartner respektvoll herausfordert und ihn konfrontiert mit den gewaltverherrlichenden, antimodernen und seiner Ansicht nach konstitutiven Quellen, die nicht nur für den IS moralische Richtschnur geblieben sind.

Im Unterschied zu den Christen, die das, was im Alten Testament steht, kaum noch für das unverrückbare Wort Gottes nähmen, so Abdel-Samad, glaubten nicht nur Salafisten oder der IS, sondern der muslimische Mainstream, dass alles, was im Koran stehe, das absolute Wort Gottes sei. Khorchide hält dagegen, diese Religion werde in der Realität von den meisten anders gelebt, der heikle Punkt seien unter anderem die Lehrbücher, die in Kairo und anderswo in der islamischen Welt verwendet würden. Doch wachse gerade wegen der Untaten des IS weltweit die Kritikfähigkeit vieler Muslime, die schmerzhaft begriffen, dass es nicht weiterhelfe, wenn sie behaupten, der IS habe mit dem Islam nichts zu tun.

Darauf, sagt Khorchide, setze er seine Hoffnung, aber er erwarte nicht, dass das schnell gehe, auch die Aufklärung sei ein langwieriger Prozess gewesen. So ging es eine Stunde lang hin und her am Mittwoch in Berlin, wo Abdel-Samad und Khorchide ihre im Herder Verlag erschienene Streitschrift „Zur Freiheit gehört, den Koran zu kritisieren“ vorstellten. Zwei unterschiedliche Temperamente, scharfzüngig der eine, sanft selbstbewusst der andere, führten vor, wie eine Islamreform gehen könnte, die ein anderes Ziel verfolgt als die um politischen Einfluss buhlenden orthodoxen Islamverbände. Die wiederum bekämpfen erbittert den Professor aus Münster genauso wie den gelehrten Polemiker, und sie sind nicht die einzigen. Was wenig über Khorchide und Abdel-Samad aussagt, sehr viel jedoch über den Zustand unseres Landes, wo Islamkritik nur noch möglich zu sein scheint, wenn die Polizei Kritiker wie diese unter Schutz stellt.

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Time am 12. März 2016

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1) http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/islam-modernisierung-durch-aufklaerung-oder-unreformierbar-14115152.html

Der Kumpel vom Pfau

6. Februar 2016

Schiffauer

Werner Schiffauer ist ein Kumpel von Süperdimmi Klaus J. „Pfau“ Bade (1), und er scheint ein fast ebenso guter Hetzer und Verschleierer wie jener zu sein.

Bei „FAZ.NET“ rechnet Regina Mönch mit seinem jüngsten Elaborat ab, das er offenbar im Dienste der orkischen Unterwandererverbände erstellt hat (2).

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Schule und Integration

Die Grenzen der Zumutung

Moscheevereine als Retter bei Problemen in der Schule? Werner Schiffauer leistet sich eine ethnologische Intervention zu einem religionspolitischen Konflikt, von dem er nichts versteht.

Es sollte ein Versuch sein, einander skeptisch bis misstrauisch gegenüberstehende Gruppen zusammenzubringen: Werner Schiffauers Projekt „Brücken im Kiez“. Das Wunschziel des Kulturanthropologen, die Moscheegemeinden in den Schulen so weit zu installieren, dass sie konservative muslimische Eltern in die Lage versetzen, mit den Lehrern und Schulleitern „auf Augenhöhe“ – ein Bild, das häufig auftaucht – zu kommunizieren, wurde nicht erreicht.

Zum Glück, möchte man sagen, schaut man sich die Auswahl der angesprochenen Islamverbände und Gemeinden an. Störend wirkt von Anfang an, dass muslimische Eltern als Opfer dargestellt sind, die sich „verletzenden Zuschreibungen“ ausgesetzt sahen, sich nicht respektiert und oft diskriminiert fühlten – wobei diese Gefühlszustände kaum näher ausgeführt werden. Den Pädagogen wiederum wird eine Überlegenheit als Vertreter des säkularen Staates zugeschrieben, obwohl sie ja gerade diese Autorität in problematischen Schulen zum Teil verloren haben.

Das Leberwurstbrötchen war nicht halal

Liest man die Berichte mühsamer Diskussionen, die ab und an über ein paar Jahre doch zustande kamen und von denen dieses Buch vor allem handelt, so drängt sich der Eindruck auf, einige Lehrer und Schulleiter hätten sich auf dieses von Schiffauer entwickelte Experiment – ein „Projekt der ethnologischen Aktionsforschung“ – gerade darum überhaupt eingelassen. Das Schulversagen muslimischer Schüler oder die Schwierigkeiten, gemeinsamen Schwimmunterricht oder Klassenfahrten durchzusetzen, ist eine Belastung, die dazu führt, dass Pädagogen angesichts der Vergeblichkeit ihrer Bemühungen resignieren.

Schiffauer nimmt dies zwar zur Kenntnis, doch gehört sein Herz den seiner Ansicht nach Schwächeren, den Eltern, die oft in prekären Verhältnissen leben, gering gebildet sind und das komplizierte System Schule kaum zu verstehen imstande sind. Denen vor allem wollte er Brücken bauen. Doch verhaken sich die Diskussionen dann doch immer wieder im Leberwurstbrötchen, das nicht halal war, in „Blicken“, die man zu spüren meinte, in Verdachtsmomenten, die Kinder konservativer Muslime würden wegen ihres Glaubens benachteiligt – ohne je einen tragfähigen Befund anführen zu können. Den Schulleiterwunsch, endlich einmal über Rassismus gegen deutsche Kinder zu reden, über Beleidigungen von Lehrerinnen und Erzieherinnen, über aggressives Verhalten von Eltern, konnte man nicht erfüllen.

Fragwürdige Moscheevereine in der Bildungsarbeit

Zudem verblüfft dann doch, dieses Projekt unter anderem mit der salafistischen Al-Nur-Moschee in Berlin-Neukölln zu versuchen, deren radikal-religiöse, vor allem religionspolitische Ziele mehr als bedenklich sind. Wie immer beschreibt Werner Schiffauer nur die Oberfläche der Gemeinde, völlig wertfrei und voller Empathie. In der Al-Nur-Moschee genössen vor allem „größere Veranstaltungen von bekannten Predigern oder prominenten Gelehrten (meistens sonntags), die aus anderen Städten oder aus den Herkunftsländern der Gläubigen kommen“, besondere Aufmerksamkeit, schreibt er. In der Tat, die Liste skandalöser Auftritte radikal-islamistischer Prediger dort ist lang und interessiert nicht nur, wie Schiffauer glaubt, den Verfassungsschutz, sondern vor allem die darum sehr beunruhigten Schulen im Umfeld. Dass fragwürdige Moscheevereine wie diese in die Bildungsarbeit eingestiegen sind, ist aus deren Perspektive schlau, rekrutieren sie doch auf diese Weise ihren Nachwuchs.

al nur moschee

Nazislahmische Kaderschmiede:
Al-Nur-Moschee in Berlin

Eine Referentin für ein Elternseminar von Schiffauers „Brücke“-Projekt in der Al-Nur-Moschee sagte dann doch ab. Sie hatte sich, wie Schiffauer tadelnd schreibt, bei Neuköllner Migrationsarbeitsgruppen erkundigt, die ihr dringend und begründet abrieten. Nur der Kulturanthropologe ist überzeugt, dass eine Gemeinde wie diese, der man von Seiten des Staates zu Recht und bestens belegt „parallelgesellschaftliche Tendenzen“ vorwirft, solche Seminare als Chance der Öffnung zur Gesellschaft nutzen will. Ihnen die Schulkinder auch noch zuzuführen wäre jedoch eine Katastrophe. Zwar gibt es längst viele Schulen, in denen türkische und arabische Migrantenkinder die deutliche Mehrheit stellen. Doch heißt das keinesfalls, dass deren Eltern sich gern und mehrheitlich in extremen Moscheegemeinden wie dieser organisieren.

Bittere Erfahrungen mit extremen Sittenwächtern

Die Aleviten Berlins wiederum zogen sich nach einigen Elternseminaren aus dem Projekt zurück. Schiffauer beschreibt gerade diese erfolgreiche, autarke und selbstbewusste Gemeinde als zu stark auf ihre furchtbaren Gewalterfahrungen in der Türkei fixiert. Aber das Problem sind eher die unbestraften Mörder, von denen einige mitten unter uns leben. Denn neun der frommen Attentäter des Pogroms von Sivas im Jahr 1978 erhielten in Deutschland politisches Asyl. Aleviten kennen die Täter und wissen auch, welchem Islamverband sie zuzurechnen sind. Trotzdem klagt Werner Schiffauer, der Allesversteher, es sei „lähmend“ gewesen, dass sie „im Kontakt zu den anderen Gemeinden sehr zurückhaltend sind“.

Er erwähnt auch nicht die anderen guten Gründe, die sie für ihre Zurückhaltung haben, nämlich ihr von den orthodoxen Verbänden mit Argwohn beobachtetes freiheitliches Verständnis von Zivilgesellschaft, Toleranz und Religion und ihre bitteren Erfahrungen in deutschen Schulen mit extremen muslimischen Sittenwächtern, deren bevorzugtes Mobbingziel etwa kopftuchlose alevitische Mädchen sind. Die Aleviten mit der islamischen Gemeinde Millî Göruş zusammenschweißen zu wollen, wie es das Projekt vorsah, ist absurd.

Die Aufsteiger und die Absteiger

Nicht verwunderlich ist dagegen, dass die Vertreter von Millî Göruş bei „Brücken im Kiez“ am besten abschneiden, hat doch Werner Schiffauer deren vermeintlicher Modernisierung ein ganzes Buch gewidmet. Auch wenn Millî Göruş nicht mehr vom Verfassungsschutz beobachtet wird, gehört sie weder für Lehrer noch für die Mehrheit der Muslime in Deutschland zu den Verbänden, denen sie Reformen und Integrationshilfen zutrauen, im Gegenteil. Da auch in diesem Buch keinerlei Aufklärung über die klandestine Organisationsstruktur und ökonomische Potenz dieser religionspolitischen Bewegung zu finden ist, muss sich der Leser auch hier mit den Früchten von Schiffauers „beobachtender Teilnahme“ begnügen: Man redet miteinander und glaubt einander alles, es sei denn, es handelt sich um einen Lehrer.

So scheiterte der Versuch, den Studentenverband der Millî Göruş in eine Kreuzberger Hauptschule zu implantieren, zuerst für Nachhilfe, dann aber auch für religiöse Botschaften zur rechten Lebensführung, vor allem aus zwei Gründen. Zum einen wäre die Nachhilfe kostenpflichtig gewesen – das Berliner Bonusprogramm für Kinder aus schwierigen Verhältnissen bietet das kostenlos und ohne jede Missionierung an, von ehrenamtlichen Patenschaften ganz zu schweigen. Schiffauers muslimische Eltern verweigern sich solchen Engagements, sie seien doch keine „Dienstleister“ für Mängel im Schulsystem. Außerdem habe es „zu wenig Überschneidung in der Klientel“ gegeben. Aus der Perspektive von Millî Görüş heißt das, die Aufsteiger konnten mit den Absteigern nichts anfangen.

Das Gerücht zur Tatsache gewandelt

Als zweiter Grund wird „das Selbstverständnis der säkularen, nationalen und staatlichen Schule“ angeführt. Die Lehrer hielten dieses Selbstverständnis für schwer mit Millî-Göruş-Zielen vereinbar, was Werner Schiffauer kaum verstehen will. Dafür versteht er, warum sich streng religiöse Eltern im Elterncafé der Schule fremd fühlen: Dort engagieren sich fast immer säkular gesinnte (auch muslimische) Eltern. Was eigentlich eine gute Nachricht ist.

Schiffauer möchte gegenseitiges Misstrauen abbauen. Doch worauf das gründet, ist in endlosen Projektbeschreibungen nur schwer zu finden. Bei ihm reagieren Lehrer mehrheitlich „gereizt“ oder „gekränkt“, etwa wenn die Mütter ihnen den Handschlag verweigern. Für Schiffauer nur „habituelles Unbehagen“. Oder wenn ein Gerücht die Runde macht, ein Lehrer habe auf der ohnehin hochumstrittenen Klassenfahrt Schnaps besorgt, was auf die „mündliche Mitteilung einer Verwandten eines der Betroffenen“ zurückging. Wenige Seiten weiter hatte sich dieses Gerücht zur Tatsache gewandelt und stützt die Forderung frommer muslimischer Eltern von Kindern mit Schulnöten nach einem generellen Rauch- und Alkoholverbot für Lehrer. So geht das weiter, und die armen „verunsicherten“ Eltern bleiben vermeintliche Opfer einer sie ablehnenden Mehrheitsgesellschaft – wobei die in den Schulen ihrer Kinder kaum noch vertreten ist. Warum das so ist, wie diese Segregation sich entwickelt hat, ist nicht Thema des Buches, das überhaupt daran krankt, dass die Situation in den Schulen und das kräftezehrende Dasein der Lehrer darin kaum eine Rolle spielen.

Einigen Pädagogen wurde es schließlich zu viel, sie zogen sich zurück, auch weil sie den Eindruck hatten, dass Eltern eher als Verbandsvertreter agierten und im Namen der Religion politische Ziele vertraten, insbesondere die von Millî Görüş. So gesehen, war das Projekt „Brücken im Kiez“ für die orthodoxen Islamverbände ein mäßiger Erfolg und für die Pädagogen ein heilsames Lehrstück über Grenzen der Zumutung. Und am Ende der zähen Lektüre dieses Buches ist man schon froh, dass das Neutralitätsgebot für Schulen noch irgendwie intakt ist und gegen den Einfluss paralleler bis islamistischer Lebensentwürfe wirkt.

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Time am 6. Februar 2016

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1) https://madrasaoftime.wordpress.com/2016/02/03/was-macht-eigentlich-18/
2) http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/sachbuch/werner-schiffauers-schule-moschee-elternhaus-14052345.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

Alle Wege führen nach Rom (#2)

13. April 2015

Ayaan Hirsi Ali

Am 8. April brachte „FAZ.NET“ einen Aufsatz von Regina Mönch (1) zu Ayaan Hirsi Alis neuestem Buch „Reformiert euch! Warum der Islam sich ändern muss“ (2).

Außerordentlich bemerkenswert finde ich folgende einleitende Zeilen von Frau Mönch:

„Denn die Zeit drängt, auch weil die mit dieser Religion legitimierte Gewalt zunimmt, weil der Dschihad endgültig als Gefahr ins Bewusstsein des Westens gedrungen ist und das einfältige Argument, die meisten Muslime seien doch ganz anders, nämlich friedlich, diesen sich ausbreitenden ,Heiligen Krieg’ weder erklärt noch eindämmen wird.“

Wesentliche Argumente des Counterjihad werden hier transportiert.

Erstens: Der Jihad breitet sich global aus. Zweitens: Er ist eine Gefahr für den freien Westen. Drittens: Die Zeit drängt für den Counterjihad. Viertens: Der sogenannte „heilige Krieg“ ist in Wirklichkeit ein unheiliger und satanischer. Fünftens: Der Blick auf die schweigende und friedliche Mehrheit verstellt das Verständnis des lebensbedrohlichen Problems, welches die stetig und rasant anwachsenden nihilistischen Eliten und Avantgarden des Mohammedanismus (3) darstellen.

Ich bin in vielerlei Hinsicht nicht mit Frau Ali einer Meinung. Mich interessiert z.B. die Rettung des „islamischen Hauses“ nicht – Ich will seinen Rückbau. Dennoch ist Frau Ali zweifelsohne eine hervorragende Counterjihada. Und gibt es nicht ein Sprichwort, das sagt: „Alle Wege führen nach Rom“?

So man denn nach Rom reisen will…

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Ayaan Hirsi Ali

Der Dschihad bedroht das islamische Haus

Nach dem Arabischen Frühling wird eine Reform des Islams kommen, sagt Ayaan Hirsi Ali. In ihrem neuen Buch erklärt sie ihren Optimismus. Und warum es dafür Dissidenten braucht.

BuchDer Islam ist keine Religion des Friedens. Das ist einer dieser Sätze, die in dem zumeist ruhig argumentierenden Text ab und an aufblitzen. Klare Ansagen, die niemand anders verstehen soll als eine Aufforderung zur öffentlichen Debatte über den Islam und seine Reformierbarkeit. Denn die Zeit drängt, auch weil die mit dieser Religion legitimierte Gewalt zunimmt, weil der Dschihad endgültig als Gefahr ins Bewusstsein des Westens gedrungen ist und das einfältige Argument, die meisten Muslime seien doch ganz anders, nämlich friedlich, diesen sich ausbreitenden „Heiligen Krieg“ weder erklärt noch eindämmen wird. Ayaan Hirsi Ali lässt keinen Zweifel daran, dass die Zeit nun drängt, und sie ruft uns auf, die Zeichen, die für eine Reform, ja eine Reformation des Islams sprechen, richtig zu deuten und endlich jene zu ermutigen, die sich längst auf den Weg dahin gemacht haben, nicht selten unter Lebensgefahr.

In ihrem neuen Buch „Reformiert euch! Warum der Islam sich ändern muss“ holt Hirsi Ali weit aus und widmet ganze Kapitel der islamischen Geschichte. Deren Kennern mag das überflüssig erscheinen, aber vielen dürften die Fakten unvertraut sein. Hirsi Alis Ausführungen zur scheinbar unauflösbaren Verquickung von „Moschee und Staat“, zum Leben Mohammeds, zur Prophetenverehrung oder zur Entstehung des Korans, zur Scharia und zur muslimischen Lebensart dienen einzig ihrer Grundthese, wonach der Konflikt zwischen Gewissen und Glauben, zwischen Moderne und tradierten Glaubens- und Verhaltensregeln, in dem so viele Muslime gefangen sind, anders als mit einer globalen Erneuerungsbewegung nicht zu lösen ist. Die Autorin ist überzeugt davon – und führt jede Menge Hinweise dafür an –, dass sich viele Muslime und auch jene, die nur in diese Kultur hineingeboren sind, danach sehnen, „die letztlich unerträglichen Anforderungen dieser Ideologie infrage zu stellen“.

Gilt vielen, vor allem Intellektuellen im Westen, der Arabische Frühling längst als gescheitert, so sieht Ayaan Hirsi Ali in dieser Massenbewegung immer noch die große Hoffnung. Sie habe bewiesen, dass islamische Gesellschaften das Potential zur Erneuerung hätten. Die Arabellion habe einen Prozess in Gang gesetzt, der durchaus in eine islamische Reformation oder „islamische Renovierung“ münden könne. Hirsi Ali glaubt nicht, dass deren Erfolg allein davon abhängt, dass ihn nur möglichst viele Muslime tragen. Sie appelliert darum immer wieder an die aufgeklärte nichtmuslimische Weltgemeinschaft, Muslime dabei zu unterstützen und zu erkennen, dass der Aufstand gegen die Despoten der arabischen Welt längst übergegangen ist in einen anderen Konflikt.

Den Islam mit der Moderne versöhnen

Der wird zwischen jenen ausgetragen, die die Unvereinbarkeit des Islams mit der Moderne bis zum bitteren Ende verteidigen wollen (der „Islamische Staat“, Boko Haram, die Taliban, Al Qaida oder islamistische Milizen wie Al Shabab), und jenen, die ihren Glauben neu definieren wollen. Noch scheinen die Kräfte ungleich verteilt, bleibt vielen Oppositionellen nur die Flucht ins Ausland, haben viele für ihre Ideen – das Buch ist reich an bewegenden Beispielen – mit dem Leben bezahlt. Aber warum sollte man sich nicht Religionskritikern wie Ayaan Hirsi Ali anschließen, die zuversichtlich daran glaubt, dass der erfolgreichen Weigerung, sich korrupten, unfähigen weltlichen Machthabern zu unterwerfen, dereinst „eine generelle Weigerung folgen wird, sich auch der Autorität der Imame, Mullahs, Ajatollahs und der Ulama zu unterwerfen“?

Sie stellt fünf Thesen auf, wie eine solche „Reformation“ in Gang gesetzt werden könnte, und vergleicht dieses Projekt mit seinem historischen Vorbild, der lutherischen Reformation. Was damals der Buchdruck dazu getan habe, so Hirsi Ali, verbreite sich heute über das Internet und ähnliche technische Revolutionen. Die brutalen Terrormilizen machen es ja vor. Hirsi Ali stellt immer wieder klar, sie wolle mit ihrem Buch, das sie ihr optimistischstes nennt, nicht in theologische Dispute mit der ganzen gelehrten Welt treten. Aber es soll als Streitschrift verstanden werden, als Aufforderung, sich der Realität der muslimischen Welt endlich zu stellen: Wir könnten es uns nicht mehr leisten, die Bereitschaft zum Wandel zu übersehen. Dieses Buch, betont sie, sei darum auch an westliche Liberale gerichtet, an jene, die sich tolerant glauben, aber die Intoleranz der Orthodoxie unterstützen.

Ihre Analyse der Hemmnisse für eine Reform, die der Islam in sich trägt, ist kurz und bündig: Der Koran als letztgültiges Gotteswort brauche eine historisch-kritische Interpretation wie die heiligen Bücher der anderen großen Religionen, die sich vom Islam nicht nur dadurch unterscheiden. Zweitens müsse die Überhöhung des Jenseits als Lebensziel durch ein anderes Menschenbild ersetzt werden. Die Jenseitsverklärung nütze nicht nur todbringenden Milizen, sondern fördere auch fortschrittshemmenden Fatalismus gegenüber dem irdischen Leben. Die Scharia, die sich über geltendes Recht stelle, ermögliche Menschenrechtsverletzungen, und die erstickenden Regeln für den Alltag diskriminierten nicht nur Frauen, sondern auch Andersgläubige und Minderheiten wie Homosexuelle. Schließlich bremse das Konzept des Dschihad. Die Reformthesen Hirsi Alis zielen darauf ab, diese antimodernen Konzepte so abzuwandeln, dass sie muslimisches Leben „mit der Welt des 21. Jahrhunderts“ versöhnen.

Kritik am kraftlosen Relativismus

Ayaan Hirsi Ali schreibt über die Zustände und Umstände des Islams seit fast anderthalb Jahrzehnten. Für ihre deutliche Kritik hassen sie die einen und bedrohen ihr Leben, während andere sich darin gefallen, die schwere Kindheit und Jugend der Autorin dafür verantwortlich zu machen, dass sie immer schon vor dem gewarnt hat, was inzwischen blutige Realität geworden ist. Ihre biographischen Reflexionen führen uns noch einmal vor, wie blind und feige sich viele, die es besser wissen müssten, an ihrer Kritik abgearbeitet haben. Sie geißelt islamische Frauen-Apartheid, deren Bekämpfung mehr Engagement verdiene in der aufgeklärten Welt, und den „kraftlosen Relativismus“ westlicher Eliten, die Menschen wie sie als öffentliche Ruhestörer diskreditierten, deren Ignoranz Unterdrückung hinnehme und die soziale Kontrolle islamischer Sittenwächter erst ermögliche.

Mutig wie immer durchbricht Hirsi Ali das schematische Muster für Islamismuserklärungen. Sie besteht darauf, dass Extremisten den Islam nicht einfach „gekapert“ haben für ihre unguten Zwecke, sondern dass dieser Religionskrieg ein Teil des unhinterfragten islamischen Großkonzeptes sei, das auch darum eine grundstürzende Reform brauche.

Anders als in der hiesigen Terrordebatte beschreibt sie keine armen Jungen, die, weil perspektivlos und „Opfer des Internets“, dem IS in die Arme getrieben würden. Nein, das sei zu einfach. Sie erzählt von jungen muslimischen Amerikanern aus gutbürgerlichem Haus, in privaten Islamschulen erzogen, die sich voller Überzeugung und aus Verachtung für Freiheitswerte dem Dschihad verschrieben. Darunter der Propagandachef des IS, ein syrisch-amerikanischer Doppelbürger, Elitestudent wie auch eine Wissenschaftlerin vom MIT, die als „Lady Al Qaida“ bekannt wurde und jetzt eine lebenslange Haftstrafe verbüßt. Die Präventionsprogramme in Europa überstehen Hirsi Alis Evaluation allesamt nicht, vor allem macht sie auf eine noch unbekannte Seite der Terroristenwerbung aufmerksam: auf jene muslimischen Jungen, die sich verweigern und darum sogleich „Opfer physischer und virtueller Einschüchterung“ werden.

Zum Schluss zieht Ayaan Hirsi Ali einen kühnen Vergleich zu Dissidenten wie Václav Havel oder Andrej Sacharow, die einen Wandel vorbereiteten, den damals viele für undenkbar hielten. Sie tut dies, um eine lange Liste von Dissidenten des Islams aufzuzählen, die unseren Schutz und unsere Empathie brauchten, auch wenn diese Gruppe noch klein und in vielen Punkten uneins sei: Nur so könne der Islam eine Religion des Friedens werden.

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Time am 13. April 2015

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1) http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/neues-buch-von-ayaan-hirsi-ali-13525901.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2
2) http://www.amazon.de/Reformiert-euch-Warum-Islam-ändern/dp/3813506924/ref=sr_1_fkmr0_1?s=books&ie=UTF8&qid=1428944541&sr=1-1-fkmr0&keywords=ayan+hirsi+ali+Reformiert+euch%21+Warum+der+Islam+sich+ändern+muss
3) https://madrasaoftime.wordpress.com/2015/01/09/die-friedliche-mehrheit/

Offene Gesellschaft? Nee, lieber Nazislahm!

16. März 2015

Graber

Faces of nazislam: Die muslimische Grund- und Hauptschullehrerin Doris Graber will auch im Dienst die Symbole der nazislahmischen Bewegung tragen dürfen  

Die politischen und medialen Eliten bejubeln überwiegend die Aufhebung des Kopftuchverbots. Nicht so Regina Mönch in der „FAZ“ (1).

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Kopftuch-Urteil

Eine Gefahr für die offene Gesellschaft

Der Kopftuchbeschluss des Bundesverfassungsgerichtes bedroht unser emanzipiertes Selbstverständnis. Vor allem für muslimische Schülerinnen ist er das falsche Signal.

Vor elf Jahren, das Bundesverfassungsgericht hatte gerade über die aus Afghanistan stammende Lehrerin Fereshta Ludin entschieden, schrieb der Publizist Namo Aziz in der „Zeit“, er würde sein Kind nicht von einer Kopftuchträgerin unterrichten lassen. Aziz stammt aus dem Irak, und er begründete sein Urteil, so wie es jetzt wieder nicht nur viele liberale, aufgeklärte Muslime begründen: Das Kopftuch ist ein Symbol des politischen Islam. Es transportiere ein Frauenbild, das „keinem zivilisierten Mitteleuropäer gefallen“ könne. Er hat sich geirrt, zum Teil jedenfalls.

Das Kopftuch gefällt inzwischen vielen Mitteleuropäern, und das Bundesverfassungsgericht legt uns allen nahe, es auch so zu sehen. Man muss dem nicht folgen, nicht einmal dann, wenn noch mehr Politiker ins Schwärmen geraten, mit der jüngsten Entscheidung des Gerichtes sei Deutschland in der „Wirklichkeit“ angekommen. Welche Wirklichkeit eigentlich? Die, wonach es gut ist, die kulturelle Differenz, die polarisiert, das Anderssein, bedrohte Keuschheit und Unterwerfung unter Gott und seine Männer möglichst demonstrativ und öffentlich zu betonen? Was immer die beiden beschwerdeführenden Frauen anführen mögen, warum ihnen das Schamtuch, der Schleier, der vor frivolen Blicken schützen soll, so unverzichtbar ist – wichtig ist vor allem das Signal, das sie damit aussenden. Es zielt auf unser Grundvertrauen in die Gleichheit der Geschlechter, unser emanzipiertes Selbstverständnis.

Religionsneutral war gestern

Immerhin, man darf darauf bestehen, dass ein liberaler Islam ohne Kopftuch auskäme, dass mit dem Kopftuch ein sexualisiertes Frauenbild demonstriert wird. Man muss nur aushalten können, dafür von Kulturrelativisten und Islamfunktionären rabiat angegriffen zu werden; die Denunziationen reichen von Islamophobie bis zu „Hassprediger“ für Kritiker. Halten Kinder das aus? Denn sie sollen wieder einmal die „Lokomotiven der Integration“ sein. Eine Anmaßung, eine Überforderung zudem, die vor allem dort noch mehr sozialen Druck erzeugen wird, wo Mädchen ohne Kopftuch – egal, ob religiös oder atheistisch erzogen – heute schon ausgegrenzt und drangsaliert werden.

Mit seiner Entscheidung hat das Bundesverfassungsgericht den gesellschaftlichen Konflikt, welcher Islam zu Deutschland gehört – worüber noch lange zu streiten wäre –, ausgerechnet in jenen Teil des öffentlichen Raumes verlegt, in dem gerade nicht offen und fair und folgenlos darüber gestritten werden kann: in die Schulen. Weil Schüler und Lehrer in einem anderen Verhältnis zueinander stehen als Erwachsene, die sich mit, nur zum Beispiel, muslimischen Verbandsfunktionären oder eifernden salafistischen Müttern oder den irritierenden Wünschen der türkischen Religionsbehörde Diyanet auseinandersetzen müssen. Religionsneutral? Das war dann gestern, denn eine Lehrerin mit Kopftuch will das ja gerade nicht sein. Und es handelt sich nicht um Religionsunterricht, über dessen Lehrpersonal hier gestritten wurde, auch nicht um konfessionelle Schulen, an denen Nonnen ihre Berufsbekleidung oder jüdische Lehrer ihre Kippa tragen.

Natürlich diskutieren, heute wie beim Ludin-Urteil, Eltern darüber, was sie tun könnten, um ihre Kinder vor einer Auseinandersetzung zu bewahren, die sie kaum bestehen können. Es wird nicht nur im Internet heftig debattiert, ob und wie man die staatliche Garantie der weltanschaulich neutralen Schule einfordern könnte. Doch vielleicht gibt es die gar nicht mehr? Im Karlsruher Beschluss ist es nachzulesen: „Ein etwaiger Anspruch, die Schulkinder vom Einfluss solcher Lehrkräfte fernzuhalten, die einer verbreiteten religiösen Bedeckungsregel folgen, lässt sich hieraus nicht herleiten.“ Gemeint ist Artikel 6 Absatz 2 des Grundgesetzes.

Störung des Schulfriedens

„Privatschulen – wir kommen!“, twitterte am Samstag ein Vater. Wer diese Wahl aber nicht hat? Wer zum Beispiel seine alevitischen, barhäuptigen Töchter in eine Schule schicken muss, in der selbsternannte muslimische Sittenwächter, Jungen wie Mädchen, sie mobben, weil sie angeblich religiöse Regeln verletzen? Was tun, wenn Patriarchenväter in Schulen mit einem hohem Anteil muslimischer Schüler den kopftuchlosen Lehrerinnen nicht mehr nur den Handschlag und die Klassenfahrtzusage für die Töchter verweigern, sondern auf einer sichtbar frommen Lehrerin bestehen? Das könnte man vielleicht als Störung des Schulfriedens ansehen. Doch was unter diesem schwammigen Begriff zu verstehen ist, bleibt auch nach dieser Entscheidung der jeweiligen Perspektive überlassen.

Die Geschichte jener Berliner Schule, die sich lange weigerte, einem radikalislamischen Schüler das öffentliche Gebet auf dem Schulflur zu gestatten, und ihm schließlich einen (dann selten benutzten) Gebetsraum zuwies, ist heute fast vergessen. Bevor jedoch das Urteil damals gefällt wurde, bevor es überhaupt vor Gericht ging, war ein mühsam errungener Schulfriede empfindlich gestört. Eine egalitäre, tolerante Schulgemeinschaft, dafür geschätzt gerade von säkularen Muslimen und Familien mit Dutzenden anderen Weltanschauungen, drohte am religiösen Eifer einiger weniger zu zerbrechen, und es hat empörend lange gedauert, bis sie Gehör fand.

Die Segregation wird zunehmen

Lebensfremd sei das, was da in Karlsruhe beschlossen wurde, sagt eine Schulleiterin, die anonym bleiben will, weil ihr eine radikale Moscheegemeinde in der Nähe ohnehin schon schwer zusetzt. Aber lebensfremd ist das leider nicht, sondern nur Alltag, den viele irgendwie ertragen, aber nicht schätzen. Dieser Beschluss wird unser Leben verändern, er polarisiert und entsolidarisiert. Vor allem da, wo religiöse Gebote des Islam schon heute über allen Vereinbarungen einer säkularen Gesellschaft stehen. Eltern, die ihren Kindern die Freiheit der Wahl lassen wollen, mit oder ohne Kopftuch zu leben, geraten noch mehr unter Anpassungsdruck. Lehrer können davon ein trauriges Lied singen. Es ist ein sozialer Druck, der vor allem auf den Mädchen und Frauen in vielen muslimisch geprägten Vierteln lastet. Wer sich entziehen kann, wird das tun und weggehen. Wer bleiben muss, kann nur auf Solidarität hoffen, die aber hierzulande noch nie groß war. Und die Segregation wird noch einmal zunehmen – in die eine und die andere Gesellschaft.

Sie wünsche sich, dass die Freiheit, selbstbestimmt zu leben, irgendwann einmal kein harterkämpftes Privileg mehr sei, schrieb die Schauspielerin Sibel Kekilli vor einer Woche in der F.A.Z.. Sie sprach für die Frauen, die die Zwangsgemeinschaft der strengen muslimischen Regeln gern verlassen würden, es aber nicht schaffen, weil der Preis so hoch ist, weil sie fürchten, verstoßen zu werden. Wer den Kopftuchbeschluss für einen Meilenstein der Integration und ein Bekenntnis zur offenen Gesellschaft hält, wird das nie verstehen.

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Time am 16. März 2015

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1) http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kopftuch-urteil-eine-gefahr-fuer-die-offene-gesellschaft-13484485.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

Thanx again, Necla!

30. Mai 2013

NeclaKelek

Auf  „FAZ.NET“ findet sich eine aktuelle Kritik von Regina Mönch zur Talkshow von Anne Will (1) mit dem Thema Jihad, die der sehr lesenswerten von PI schon recht nahe kommt (2).

Dies liegt in der Natur der Sache. Wenn man – anders als Dimmi-Leo – davon mal absieht, dass 1,5 Mrd. Menschen diesem Schwachsinn anhängen, und dass das Problem also alles andere als klein ist, und wenn man sich mit den mohammedanistischen Grundlagentexten auseinandersetzt, und also zum Kern vordringt, so wird man feststellen, dass sie die perfekte Vorlage für die Jihad-Mörder sind. Peter von PI:

„Grotesk wurde es dank Illi (Ork-Kommissarin, T.) gleich mehrfach, aber der Höhepunkt ihrer skurrilen Aussagen bestand darin, dass es doch gerade der Islam sei, der festlege, dass man keine andere Menschen ohne Erlaubnis einer anerkannten Institution töten dürfe. Niemand in der Runde kam auf die Idee, sie darauf hinzuweisen, dass sich islamische Attentäter üblicherweise auf den Propheten Mohammed berufen und dieser im Islam nicht nur irgendeine anerkannte Institution darstellt – sondern die höchste.“

Bei aller hier in der MoT geäußerten Kritik an Frau Kelek, die in der Runde mitdebattierte, wurde offenbar wieder einmal deutlich, dass sie einer der bedeutendsten Denker des gegenwärtigen Counterjihad in Deutschland ist. Auch wenn sie die Debatte nicht in die richtige Richtung lenken konnte, wurde dies von Deutschlands bester Zeitung zumindest registriert.

Danke, Necla!

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Verschleierte Toleranz

Regina MönchWie verhindert man, dass noch mehr junge Muslime radikalisiert werden? Bei Anne Will war sich nur eine vollverschleierte Schweizerin ganz sicher, dass der Mangel an Toleranz an allem schuld ist. In der Politik hingegen scheint vor allem große Ratlosigkeit zu herrschen.

Anne Will hatte die Soziologin Necla Kelek, den Politologen und Dokumentarfilmer Asiem El Defraoui, den bayrischen Innenminister Joachim Herrmann (CSU), den Parlamentarischen Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Thomas Oppermann und die Schweizerin Nora Illi eingeladen. Frau Illi, die einmal Punkerin war, ist heute die Frauenbeauftragte des Islamischen Zentralrates der Schweiz. Sie ließ keinen Zweifel daran, dass die fehlende Akzeptanz der Vollverschleierung der muslimischen Frau ein  ernsthaftes Hindernis für diese ist, sich toleriert und angenommen zu fühlen. Sie selbst ist vollverschleiert, nach eigener Aussage das Ergebnis einer „intensiven“ Auseinandersetzung, auch mit der Rolle der Frau: „Dann gab es für mich nur noch diese Option“. Obwohl im Laufe des Abends noch viel von Frau Illis verqueren Ansichten zu Toleranz und Ausgrenzung (immer werden natürlich Muslime ausgegrenzt) zu hören war, ging es doch eigentlich um etwas anderes: Wie kann es gelingen, die Radikalisierung junger Muslime zu stoppen und müssten auch darum Hassprediger konsequenter ausgewiesen werden?

Da in wenigen Monaten Bundestagswahl ist, musste Herr Oppermann, bevor er etwas zur Sache sagte, erst einmal einen wahlkämpferischen Schlagabtausch mit dem Innenminister von der Gegenseite inszenieren. Warum, fragte also Oppermann, legt der Bundesinnenminister denn jetzt, kurz vor der Wahl, einen Gesetzentwurf zur Ausweisung von Hasspredigern vor und nicht schon früher? Wie erwartet machte Joachim Herrmann die SPD-Landesminister als daran schuldig aus. Wenig hilfreich also. Zumal, das wussten alle, viele radikale Islamideologen keine „Gäste“ in diesem Land sind, sondern Deutsche. Der Einwurf, solche Leute müsste man hier einsperren, erhielt zwar Beifall, doch wie schwierig und fragwürdig es ist, jemanden für seine Gesinnung zu verurteilen, es sei denn, er riefe tatsächlich zu Mord und Krieg auf, erfuhr keine Vertiefung.

Asiem El Defraoul, der in radikalen Moscheevereinen recherchierte, glaubt, nur koordinierte Prävention könne verhindern, dass diese „Rattenfänger“ noch mehr Zulauf bekommen. Auch verstärke die Polarisierung das Gefühl der Ausgrenzung. Aber wie man sich das vorstellen darf, ließ er leider offen. Zu oft werde über Muslime nur im Zusammenhang mit Terror gesprochen, beklagte Thomas Oppermann, das verweise sie an den Rand. Also drängt die Mehrheitsgesellschaft junge Muslime in die Radikalität? Und allen Ernstes empfiehlt der SPD-Politiker mehr Aufklärung, es müsse viel mehr über den Islam geredet werden. Sieht er nie Talkshows, liest er keine Zeitung, hat er all die Debatten und Konferenzen darüber verpasst?

Necla Kelek versuchte vergeblich, die Diskussion auf die Ideologie zu lenken, die hinter diesen Gewaltausbrüchen steht, das andere Menschenbild, die Verachtung der offenen Gesellschaft des Westens und die Missachtung der Frau. Man könne diese Gefahr nicht herunterrechnen auf ein paar tausend Salafisten. „Und warum gehen die Islamverbände nicht auf die Straße, wenn so etwas Furchtbares wie in London geschieht?“

Frau Illi, darauf angesprochen, dass auf ihrer Website zwar allerlei Ratschläge für Muslime zu lesen sind, wie sie sich vor eventuellen Übergriffen empörter Mitbürger nach dem brutalen Mord in London schützen könnten, jedoch kein Wort der Trauer, weiß auch darauf eine Antwort: „Wir haben eine klare Haltung zu Gewalt“. Erst als sie routiniert abspult, was alles verboten ist im Islam und dass eigentlich die Muslime die Opfer seien, fällt ihr Asiem El Defraoui ins Wort. Das sei nun tatsächlich die dschihadistische Standardrhetorik. Es gelingt Anne Will auch an diesem Abend nicht, Nora Illi aus der Reserve zu locken, ob es zur Sexualaufklärung oder zur Homosexualität ist, die Frau hinter dem Schamtuch hat die immergleiche Antwort: Das würde sie halt tolerieren, aber vor allem müsse man endlich sie tolerieren. Der zaghafte Einwand von Joachim Herrmann, ums Tolerieren ginge es nun mal nicht nur, verhallt. Die fromme Muslimin stellt sich unser Zusammenleben offenbar als trautes Nebeneinander vor, zu dem dann wohl auch gehören würde, eine Lehrerin oder eine Beamtin ohne Gesicht zu ertragen.

Zum Schluss geht es um Deutschland und seine Toleranz gegenüber dem Islam. Was bedeutet es, wenn auf eine Bertelsmann-Umfrage nach dem Islam als Bereicherung die Hälfte aller Befragten mit Nein antwortet? Der Politologe sieht die Ursache in allgemeiner Unkenntnis, was wohlfeil und eine schwammige Unterstellung ist. Auch die Kämpfe zwischen Populisten und Islamisten, die er anführte, haben ja vor allem auf einer Seite, nämlich jener der Islamisten zu gefährlichen Übergriffen geführt. Thomas Oppermann wartet auf muslimische Richter und Polizisten, auf die Aufsteiger aus dem Migrantenmilieu, so wie in den Vereinigten Staaten, als könnten sie Extremismus und Terror verhindern. Einzig Necla Kelek versuchte, die andere Perspektive einzunehmen: Warum empfinden so viele Deutsche den Islam und viele Muslime als fremd? Weil sie Parallelgesellschaften erleben, deren Wertvorstellungen und Frauenbild uns tatsächlich sehr fremd geworden sind, so Kelek. Und weil es den säkularen, liberalen Muslimen nicht gelungen sei, den orthodoxen Islamverbänden die Deutungshoheit über muslimisches Leben hierzulande zu entreißen. Warum das so ist und welche Rolle Politiker dabei spielen, die ihre „Ansprechpartner“ immer nur bei den Orthodoxen suchen, wäre eine eigene Talkshow wert.

Eine fruchtlose Diskussion, wieder einmal. Sie mündete schließlich in artige, ja fromme Wünsche. Der Sozialdemokrat Oppermann rief nicht etwa dazu auf, diesen verführten Jungen, deren Verführtwerden auch an diesem Abend weitgehend im Dunkeln bleiben sollte, die Freiheit des Westens näher zu bringen. Er empfiehlt Religionsunterricht und bessere Imame. Na denn. Warten wir auf die nächste Bertelsmann-Umfrage.

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Time am 30. Mai 2013

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1) http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/faz-net-fruehkritik/faz-net-fruehkritik-verschleierte-toleranz-12201076.html
2) http://www.pi-news.net/2013/05/tv-kritik-anne-will-muslime-in-der-opferrolle/

To know him is to hate him (#10)

15. April 2013

Gülen

Ein ganz übler Mastermind der Orks ist Fethullah Gülen (1), der die Erde mit einem Netzwerk von Stützpunkten seiner Sekte, überwiegend getarnt als Schulen, überzogen hat.

Die heutige FAZ brachte den ausführlichen Hinweis von Regina Mönch zu der Fernsehsendung „Der lange Arm des Imam – Das Netzwerk des Fethullah Gülen“ über den verschlagenen Nazislahmisten, die heute um 22:00 Uhr im WDR ausgestrahlt werden wird.

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Sekte oder Segen?

Ein Film über das Netzwerk des Fethullah Gülen

Die Deutschen wissen inzwischen viel über den Islam. Und fast nichts über den wohl wirkmächtigsten Prediger dieser Religion, den türkischen Imam Fethullah Gülen. Millionen Muslime in aller Welt verehren ihn, halten ihn für einen islamischen Gandhi, einen Heilsbringer und Modernisierer des Islam. Am bekanntesten ist noch seine Botschaft: „Baut Schulen, nicht Moscheen.“ Bildungsbewusste deutsche Muslime schicken ihre Kinder gern in diese Schulen, die seit Jahren überall entstehen. Woher das Geld dafür stammt, bleibt unklar. Gülens Kritiker wiederum glauben, dass sein weltweites Netzwerk, auch das in Deutschland, eine wichtige islamistische Bewegung sei. Es ist kein Streit mit allzu viel belastbaren Fakten; Gülen-Lobbyisten sind Meister des unklaren Wortes. Wer ausgestiegen ist, verschweigt lieber seinen Namen. Gülen-Kritiker in der Türkei aber leben gefährlich. Journalisten und sogar Staatsanwälte, die wegen Korruption ermitteln, sind nicht mehr sicher, sobald sie sich mit den Machtstrukturen dieses Netzwerkes beschäftigen.

In der Reihe „die story“ zeigt der WDR heute die Reportage „Der lange Arm des Imam – Das Netzwerk des Fethullah Gülen“. Cornelia Uebel und Yüksel Ugurlu haben begeisterte Anhänger des Predigers getroffen und hochmotivierte Unternehmer, die Gülens Bildungsideen für eine neue muslimische Elite umsetzen wollen. Sie versuchen zu erfahren, wofür die Bewegung steht, und erleben schon eine etwas ratlose Kölner Stadträtin, die eine dieser Schulen mit genehmigt hat. Rita Süssmuth sitzt im Beirat des Berliner Vereins „Forum für Interkulturellen Dialog“ (FID), dessen Ehrenvorsitzender Fethullah Gülen ist. Sie ist überzeugt, der Prediger trete für Demokratie und Dialog ein. Als man ihr eine Gülen-Rede zur Religionsfreiheit vorlegt, in der der Prediger betont, dass Apostasie, der Abfall vom Glauben, mit dem Tode bestraft werden müsse, ist sie zwar schockiert, will darüber aber allenfalls diskutieren, nicht handeln. Fethullah Gülens märchenhafter Aufstieg in der Türkei der neunziger Jahre, Seite an Seite mit seinem Freund Recip Erdogan, wird 1999 jäh unterbrochen. Offiziell heißt es, er sei aus gesundheitlichen Gründen in die Vereinigten Staaten gegangen.

Die Autoren zeigen noch einmal das Video, in dem er dazu aufrief, den türkischen Staat zu unterwandern, um dereinst die Macht zu übernehmen, und damit den Bogen wohl überspannte. Eine Manipulation, sagen seine Anhänger. Wie sie überhaupt alles, was offiziellen Gülen-Verlautbarungen widerspricht, als „aus dem Kontext gerissen“ abtun. Das zu zeigen ist ein großes Verdienst des Filmes. Die vielen ins Leere laufenden Fragen der Reporter bei Lobbyisten, etwa nach den Lichthäusern, angeblich ganz normale Wohngemeinschaften, und die eindrücklichen Berichte der Aussteiger, die dort indoktriniert wurden, die Erfahrungen des Integrationsbeauftragten Cakir, der beschreibt, wie diese Parallelwelt sich am Rande der Legalität etabliert hat – das alles vermittelt eindrücklich, wie das Netzwerk funktioniert: als gut organisierte Sekte, deren Schulen nur Fassade sind.

Den Rahmen der Geschichte bildet ein Interview mit Fethullah Gülen, zu dem es nie kommt. Das Hinhalten der Journalisten vor und in Gülens Haus in Pennsylvania, das unermüdliche Verunklaren seiner Mitstreiter sind das eine, die Blicke hinter diese freundliche Barriere des Verbergens aber zeigen vor allem eines: eine religiöse Parallelwelt, ein schwer durchschaubares Netzwerk, das aber offensichtlich großen Einfluss auf Staat und Gesellschaft hat, auch in Deutschland.

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Time am 15. April 2013

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1) http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/bil-schulen-in-deutschland-gebildet-hoeflich-muslimisch-12110894.html

Tote, zu tief begraben

9. November 2011

Michelangelo: Auferstehung der Toten

Einen wie stets exzellenten Beitrag lieferte Regina Mönch für die FAZ vom 7. November. Thema: Der Völkermord der Torks an den Armeniern und der Umgang der Orkeliten damit. Einmal mehr wird darin u.a. die überaus verdiente Rolle von Frau Necla Kelek für den Counterjihad deutlich. Und es wird deutlich, dass es sehr wohl sehr viele vernünftige und freundliche Menschen in der Türkei gibt, dass jedoch ihr Einfluss schwindet.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich das ganz sicher als negativ bewerten kann. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das offensichtliche Umschlagen der „Arabellion“ in Schariaismus ganz sicher als negativ bewerten kann.

Einmal mehr teilt sich die Menschheit in zwei Lager – wieder wird es zu einer finalen Auseinandersetzung kommen und zu einem überlegenen und überlebendem Sieger. Glaubt jemand im Ernst, das könnte das verlumpte mohammedanistische Lager sein, welches sich den Rest der Welt unterwürfe?

Nein, dumm wie die Orks durch ihre geisteskranke Ideologie sind, haben sie dem Westen und dem Rest der Welt den Fehdehandschuh hingeworfen, und wir nehmen ihn auf unsere Weise an, setzen Zug um Zug, auch mal einen vor und zwei zurück, kein Problem, am Ende wird der Mohammedanismus gehen, mit ein paar Knällchen und dem ihm eigenen Winseln des Wüstenschakals.

Die 270 Millionen Opfer der mohammedanistischen Mörder steigen aus den Gräbern, treiben die Orks in den Wahnsinn und bringen sie dazu, sich gegenseitig selbst zu erwürgen, wie dies täglich in der Orksphäre beobachtet werden kann.

Das Wort hat Regina Mönch:

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Schwarze Löcher der Türkei

Von armenischen Großmüttern und brutaler Assimilation

Sie hätten sich treffen können in Deutschland, der türkische Verleger Ragip Zarakolu und sein Ministerpräsident Recep Erdogan. Beide waren eingeladen, wenn auch zu absolut unterschiedlichen Veranstaltungen. Doch der hochangesehene Intellektuelle aus Istanbul, dessen Bücher Erdogans Zensurbehörde immer mal wieder verbieten lässt, erreichte sein Flugzeug nicht. Er wurde verhaftet. Zarakolu sollte in Berlin und am Potsdamer Lepsiushaus Vorträge halten über die türkische Zivilgesellschaft und ihre Haltung zum Völkermord an den osmanischen Armeniern 1915. Anders als früher werden Aktivisten wie Zarakolu nicht mehr wegen Beleidigung des Türkentums verfolgt, sondern nach den diffusen Bestimmungen der Anti-Terror-Gesetze. Die Polizei beschlagnahmte in seiner Wohnung Bücher und Manuskripte zum Armeniermord und zur Christenverfolgung im Osmanischen Reich. In einem Brief an die Potsdamer Konferenz erklärt Zarakolu, seine Verhaftung sei Teil einer Einschüchterungskampagne gegen Intellektuelle und Demokraten in der Türkei.

Mit dem Verleger wurden achtundvierzig kritische Intellektuelle verhaftet, darunter auch die Verfassungsrechtlerin Büsra Ersanli (Marmara-Universität) und zuvor sein Sohn Deniz, Geschäftsführer des Belge Verlages. Seine Festnahme, schreibt Zarakolu, sei Teil der türkischen Verleugnungspolitik, die als „Maßnahme gegen die Bedrohung der eigenen Sicherheit betrachtet“ werde. Er habe in Potsdam über eine „Industrie der Völkermordverleugnung“ berichten wollen und pseudowissenschaftliche Studien, von der Regierung und ihrem „Koordinationsrat gegen die haltlosen Genozidanschuldigungen“ in Auftrag gegeben. Ob ein anderer Wissenschaftler seine Teilnahme an der Konferenz kurzfristig absagte, weil die Einschüchterung wirkt, bleibt Spekulation. Gewiss ist nur: Wer sich diesem Thema in der Türkei stellt, riskiert immer noch viel.

Für Zarakolu sprang kurzfristig die Berliner Osmanistin Elke Hartmann ein, die verschiedene Phasen der Verleugnung referierte, von der Zeit unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg bis heute. Immer wieder sei jedoch das verordnete Schweigen durchbrochen worden, etwa nach Erscheinen von Franz Werfels „Musa Dagh“ oder 1965, als überall auf der Welt Armenier auf die Straße gingen. Doch kamen die Proteste auch immer wieder zum Stillstand. Als vor einigen Jahren jedoch Fethiye Cetins Roman „Meine Großmutter“ erschien, begann das betonierte Vergessen empfindliche Risse zu bekommen. Tote, die man zu tief begräbt, sagt ein Sprichwort, kommen als Gespenster wieder. Die Türkin Cetin hatte entdeckt, dass ihre Großmutter Armenierin war. Ihr Buch wurde ein Bestseller; die Politik reagierte mit Propagandakampagnen und Geschichtsmythen. Doch die Wahrheit, so Hartmann, entfalte eigene Kräfte. Plötzlich tauchten überall in der Türkei diese „armenischen Großmütter“ auf und bevölkerten die schwarzen Löcher der Erinnerung.

Die Historikerin Ayse Gül Altinay (Sabanci-Universität Istanbul) forscht seit Jahren zu den überlebenden Frauen des Völkermords von 1915. Deren Enkel brechen wie Cetin das Schweigen und holen diese vergessene Gruppe ans Licht: Viele Frauen und Kinder wurden nach dem Morden und den Deportationen vergewaltigt, als Lust- oder Zweitfrauen in muslimische Familien oder Waisenhäuser gesteckt und dort zu wahren Türken umerzogen. Die erzwungene „Assimilation“ ging einher mit Zwangsislamisierung, Zwangsverheiratung – Auslöschung durch Konversion nennt Altinay diese Tragödie. Ein noch kaum erforschtes Kapitel des Völkermordes und des türkischen Nationalismus, das aber ahnen lässt, warum, bewusst oder unterbewusst, „Assimilation“ für türkische Politiker und deutschtürkische Großfunktionäre ein Kampfbegriff ist.

Die Soziologin Necla Kelek appellierte in Potsdam an die deutschen Türken, sich hier, ungefährdet und sicher, der Erinnerung an den grausamen Massenmord zu stellen. Wer seine Vergangenheit verliere, sagte sie, György Konrád zitierend, verliere sich selbst. Der deutsche Umgang mit der eigenen Vergangenheit sei ein Vorbild dafür. Auch Kelek konnte von einer Großmutter berichten, die zwar keine Armenierin, aber Augenzeugin der entsetzlichen Gewalt war. Augenzeugen, von denen es viele gebe, die auch zu berichten wüssten, wie sie einst unverhofft und sehr rasch zu Wohlstand gekommen waren: Sie durften den Besitz der ermordeten oder vertriebenen Armenier übernehmen.

Rober Koptas, der junge Chefredakteur der armenisch-türkischen Zeitschrift „Agos“, erinnerte an Hrant Dink, den Gründer seiner Zeitung. Viele hätten begonnen nachzudenken und die eigene Herkunft etwas genauer zu erforschen, seit Hrant Dink ermordet worden sei, weil er an 1915 erinnern wollte. Die Türkei, sagte Koptas, brauche jetzt einen Willy Brandt, um mit sich endlich ins Reine zu kommen.
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Time am 9. November 2011