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Das Recht auf schlecht

3. März 2011

„Gehirnwäsche“ von Rüdiger Geisler. Gehirnwäsche beruht u.a. auf der Leugnung des Evidenten oder der Behauptung seines Gegenteils.

Wenn sich Islamkritikgegner treffen, hagelt es Parolen, und man erfährt, wo es lang gehen soll, aber man erfährt wenig Neues. Ich will die Orkagentin Naika Foroutan keineswegs als Wissenschaftlerin adeln – Tangsir hat sie ja bereits mehrfach gekonnt „zerlegt“ (1) -, aber sie  hat immerhin begriffen, dass es so ganz ohne Daten, Fakten und Statistiken im kultivierten, wissbegierigen Westen nicht mehr geht, dass der mündige Bürger keine Weisungen des Politbüros entgegennimmt, sondern eine argumentative Debatte voraussetzt.

In der heutigen FAZ fügt Leser Bünyamin Ak dem gestern vorgestellten Gespensterchor (2) eine weitere Stimme hinzu, die sich leider von den vielen anderen in nichts unterscheidet.

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Islamkritiker sind keine Dialektiker

(Islamkritiker sind auch keine Diabetiker und froh darüber, so what? T.)

Zu „Erdogans Ghostwriter“ (3): Dass Ihre Zeitung Thilo Sarrazin und Necla Kelek tatkräftig unterstützt, ist mir als treuem Leser ja bekannt. Aber nun dieser Beitrag von Sarrazin!

Abgesehen von tendenziösen Schreckensszenarien enthält der ganze Text ausnahmslos Versuche, die Person von Patrick Bahners zu diskreditieren, was in diesem Fall – intellektuell betrachtet – ziemlich eigenartig erscheint.

(Sarrazin will Paddel Pahners nicht diskreditieren, sondern er weist dessen unsachliche und persönliche Anwürfe gegen diverse Kritiker des Mohammedanismus mit einer Vielzahl von Argumenten und Schlüssen aus dem von Panik-Paddel geschriebenen Text zurück. Ziel ist die Rückkehr zu einer faktenbasierten Diskussion, die der Feuilletonchef der FAZ verweigert. T.)

Da Bahners Fehlverhalten in seinem von Sarrazin rezensierten Buch „Die Panikmacher“ ja laut Sarrazin darin besteht, dass er all diejenigen diffamiere, die sein Weltbild nicht teilen, ist es unerfindlich, warum Sarrazin wiederum auf einer ganzen Seite Ihren Redakteur herabwürdigt.

(Das Fehlverhalten Paddels besteht für Thilo Sarrazin nicht im Versuch, Thilos Thesen zu widerlegen, sondern im unwissenschaftlichen, persönlich herabsetzenden und demagogischen Vorgehen des Journalisten. Thilo kritisiert diese Methode Paddels, aber nicht ihn als Menschen, Mitbürger oder Denker. T.)

Für mich sind Bahners‘ Beiträge stets Lichtblicke in den aufgeheizten, unsachlichen „Diskursen“; mit Personen wie Henryk M. Broder, Kelek oder Sarrazin ist es unglaublich schwer, ein Thema zu erörtern. Mit Ersterem, da seine wichtigste argumentative Waffe die Fäkalsprache ist, mit den beiden Letzteren, da sie allwissend sind. Kein Argument ist gut genug für sie, um auch nur einen Deut von der eigenen Meinung abzugehen, ja um wenigstens andere Sichtweisen zu akzeptieren. Jeder Versuch, positive Aspekte zu beleuchten, ist ein Versuch, die Realität zu beschönigen. Entweder man ist „politisch inkorrekt“, wie die selbsternannten Islamkritiker, oder man ist ein Multikulti-Fanatiker, der Schuld am Untergang des Abendlands trägt. Von Dialektik keine Spur.

(Da hat Herr Ak nun quasi festgestellt, dass „Kritiker des Mohammedanismus doof“ sind, aber warum er das findet, bleibt wie gewohnt ohne argumentative Herleitung, bleibt „Pinkelparole“ (4). Broder wird wegen seiner angeblichen Fäkalsprache als erster verworfen, so als ob der gelegentliche Gebrauch deftiger Ausdrücke – für die nicht nur Martin Luther und W.A. Mozart bekannt sind – die inhaltliche Bedeutung von Texten in der kleinsten Weise schmälern könnten. „Kein Argument ist gut genug für sie, um auch nur einen Deut von der eigenen Meinung abzugehen, ja um wenigstens andere Sichtweisen zu akzeptieren. Jeder Versuch, positive Aspekte zu beleuchten, ist ein Versuch, die Realität zu beschönigen.“ Diese Worte Herrn Aks zeigen deutlich, dass er die Bedeutung einer „Debatte“ nicht begriffen hat. Sein Verhaltensmodell ist das Geschacher auf dem Bazar, es geht ihm nicht um Wahrheit und Wissenschaft sondern um eine Art Handel. Herr Ak bietet dabei imaginäre „positive Aspekte“ des Mohammedanismus an, ohne sie jedoch aufzuzeigen und zu benennen. Hierfür verlangt er von Kelek und Sarrazin ein Nachlassen in ihrer Kritik am Mohammedanismus, die allerdings alles andere als fundamental ist. T.)

Ayaan Hirsi Ali, Ralph Giordano oder Broder – sie alle sind Vertreter von sehr radikalen Meinungen. Die übrigens immer populärer werden, so dass es äußerst mutig von Bahners ist, sich argumentativ gegen die inzwischen salonfähige Islamkritik zu stellen, besonders in einem konservativen Umfeld. Ich hoffe, dass der geschätzte Herr Bahners noch zahlreiche Beiträge zur Debatte liefern wird.

(Die Meinungen einiger Kritiker des Mohammedanismus, zu denen ich mich selbst zähle, nicht aber z.B. Frau Kelek (5), scheinen sehr radikal zu sein. Diese Wahrnehmung beruht indessen einzig und allein auf der extremen Radikalität des Mohammedanismus. Die Gegenthese zum deutschen Nazismus wurde unter immensen Opfern an Menschenleben im 2. WK bewiesen. Die Alliierten bekämpften ihn entschlossen, aber er war es, der inhärent radikal war, nicht seine Gegner. Und eben deshalb, wegen seiner Radikalität, hatte er keine Existenzberechtigung auf diesem Planeten, wurde radikal bekämpft und vernichtet. T.)

Noch ein letzter Punkt: Sarrazin, der stets versucht zu betonen, wie gebildet und informiert er sei, hätte vielleicht wissen sollen, dass Erdogan der Ministerpräsident der Türkei ist und nicht etwa ihr Präsident. Schließlich sind die Türken ja sein Hauptanliegen.

(Na, da hat er aber ein tolles Ding gelandet und den Sarrazin überführt, meint er, so als es irgendwen interessieren würde, ob die Orks ihre Chefs „Ajatolla“, „Sultan“, „Kalif“ oder sonstwie nennen. Und übrigens: „Die Türken“ interessieren auch niemanden, unsere Anliegen sind Deutschland und die Zivilisation des Westens. T.)

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Da die Kritik des Mohammedanismus bei Sarrazin und Kelek dessen Existenzberechtigung nicht in Frage stellt, muss sie als nicht-radikale eingeschätzt werden. Schon diese ist für Herrn Ak jedoch als „radikal“ und nazi-affin („immer populärer“, „mutig von Bahners“,  „salonfähig“) abzulehnen, was darauf hindeutet, dass für ihn eigentlich jegliche Kritik am Mohammedanismus abzulehnen ist.

Dies bedeutet nichts anderes, als dass die ganze Gespensterwolke von Herrn Ak über Feridun Zaimoglu bis zu Paddel Pahners auf dem Recht besteht, einen gemeingefährlichen Gangsterboss, Kinderschänder und Kriegsverbrecher (Klo H. Metzel) als vorbildlichsten Menschen aller Zeiten hinzustellen. Sie besteht auch auf dem Recht, das unerträgliche, geistlose und kleinkarierte Gesabbel des Klorans als Originalwort ihres Gottes, der noch dazu als der einzige behauptet wird, anzusehen sowie als größte Poesie aller Zeiten. Sie besteht auf dem Recht, die absurden und lächerlichen Hadithe als Grundlage ihrer Rechtsprechung zu erhalten. Diese Orks bestehen auf dem irrsinnigen Recht, an dem allerläppischsten Murks festhaltend unter uns leben zu dürfen. Im stillen Kämmerlein mag jeder seinen privaten Irrsinn leben, aber den Orks geht es darum, FÜR diesen bösartigen Schwachsinn gesellschaftlich geachtet zu werden. Mehr noch, sie verlangen, dass die ganze Welt ihren Dreck heiligt und verehrt und sich jeglicher Kritik enthält. Mehr noch, in der langfristigen Perspektive erwarten sie, dass wir ihre Überlegenheit weltweit anerkennen und uns unterwerfen, wie das traurige Beispiel der Minderheiten in den Orkländern zeigt (6).

Nicht nur dort übrigens leider, oder wie würden Sie den Fall des Orks interpretieren, der vom Bundesarbeitsgericht Recht bekam, seinen Job, die Regale eines Supermarktes mit Alkohol-Flaschen zu bestücken aus mohammedanistischen Gründen nicht auszuführen aber gleichwohl bezahlt zu bekommen (7)?

Zwei Leserbriefe in der heutigen FAZ beschäftigten sich mit dem Fall. Lesen Sie zunächst den von Timor Kaul, sodann den von Klaus Bunke.

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Ein Beispiel falsch verstandener Toleranz

Zu „Muslim muss Bierflaschen nicht einräumen“ (F.A.Z. vom 25. Februar): Bei dem Urteil des Bundesarbeitsgerichts handelt es sich um ein Beispiel falsch verstandener Toleranz. Ein Arbeitgeber kann auch von einem strenggläubigen Mitarbeiter verlangen, dass er mit alkoholischen Getränken arbeitet. Zum einen verbietet der Koran lediglich den Genuss von Alkohol. Hier lebenden Muslimen, gleich ob sie fundamentalistisch oder liberal eingestellt sind, muss darüber hinaus die interkulturelle Kompetenz abverlangt werden, die hiesige soziale Praxis anzuerkennen. Ihnen selbst steht es natürlich frei, entsprechend ihrem jeweiligen Verständnis des Islam zu handeln, solange dies innerhalb des gesetzlichen Rahmens geschieht. Bei konsequenter Fortsetzung der Logik des Urteils könnten besonders fromme Muslime übrigens auch nicht in Bereichen arbeiten, wo Schweinefleisch verpackt, transportiert oder verkauft wird oder wo Frauen ohne Schleier zu finden sind.

Dies alles ist aber vor allem keine Frage von Religionsfreiheit, denn die garantiert lediglich das Recht, die eigene Religion zu wählen und frei auszuüben – übrigens nicht nur Muslimen, sondern allen Menschen -, und sie beinhaltet sogar das Recht, gar keiner Religionsgemeinschaft anzugehören. Durch eine Ausweitung der Religionsfreiheit, wie sie in dem aktuellen Urteil geschehen ist, und seine inzwischen beinahe inflationäre Verwendung wird dieses zentrale Grundrecht in seinem Kern sogar geschwächt. Integration ist keine Einbahnstraße, bei der unter Berufung auf die Religionsfreiheit alles gestattet werden muss. Vielmehr ist allen Beteiligten die zumindest formale Anerkennung von Pluralismus abzuverlangen.

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So schaffen wir uns ab

Die Leitglosse „Rücksicht“ von Reinhard Müller (F.A.Z. vom 25. Februar) ist moderat und wohlausgewogen, wie sich das für eine seriöse Zeitung gehört. Dennoch erlaube ich mir, „einen draufzusetzen“: Wenn der Ladengehilfe keine Bierflaschen in die Regale stellen will, möge er sich doch eine andere Arbeit suchen. Er soll das Bier ja nicht trinken. Stattdessen werden Mehrkosten zur Vermeidung von übertriebenen Empfindlichkeiten wieder einmal dem Arbeitgeber aufgehalst. Wenn ich Betreiber einer Bibliothek wäre, würde ich keinen Muslim einstellen, denn ich müsste befürchten, dass nach diesem Urteil ein Richter dekretieren könnte, ein Muslim müsse keine Bücher einräumen, die sich kritisch mit dem Islam auseinandersetzen. Deutschland schafft sich offensichtlich doch ab.

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Ob Deutschland sich abschafft, ist die eine Frage, ob es erneut von einer totalitären Ideologie unterworfen wird die andere. Man kann jedenfalls sicher sein, dass die „Bescheidenheit“ des mohammedanistischen Klägers, der vorerst nur gegen eine Arbeit mit Alkoholflaschen geklagt hatte, vorläufig ist. Denn eigentlich brauchen sie doch überhaupt nicht zu arbeiten, das tun vielmehr, wie das Beispiel Saudi-Arabien zeigt, nur die „Ungläubigen“.

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Time am 3. März 2011

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1) http://tangsir2569.wordpress.com/2011/01/07/dalghak-foroutan-schlagt-wieder-zu/
2) https://madrasaoftime.wordpress.com/2011/03/02/gespenster-treff/
3) https://madrasaoftime.wordpress.com/2011/02/19/thilo-vs-panik-paddel/
4) https://madrasaoftime.wordpress.com/2011/02/18/pinkelparolen/
5) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/12/13/die-nadel-rausziehen/
6) http://der-schwarze-spiegel.blogspot.com/2011/03/der-islam-duldet-keine-blasphemie.html
7) http://www.mopo.de/news/politik—wirtschaft/moslem-muss-keine-bierflaschen-einraeumen/-/5066858/7408310/-/index.html