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Übrigens: Es sind Moslems

11. August 2018

Im Knast können manche doch am besten denken…

Rüdiger Soldt schrieb für „FAZ.NET“ über straffällige jugendliche Orkinvasoren (1).

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Flüchtlinge im Jugendgefängnis

In der U-Haft wird der Kopf klar

Seit 2015 sitzen in den Jugendgefängnissen auch immer mehr Flüchtlinge. Ihre oft traumatischen Erfahrungen stellen die Sozialarbeiter und Psychologen vor Probleme – nicht nur organisatorisch.

Auf dem linken Oberarm sind zwei Herzen mit Sinuskurven tätowiert. „Das bedeutet, dass mein Herz noch schlägt“, sagt der syrische Flüchtling. Hinter ihm liegt ein weiter Weg. Damaskus, Libanon, Izmir, Griechenland, Mazedonien, Serbien, Ungarn, Freiburg, Heidelberg, Schwetzingen – Jugendgefängnis Adelsheim im Odenwald. Ende September 2015 kam der Syrer in Deutschland an. Jetzt sitzt er in der JVA-Mensa.

Im Mai 2017 verhaftete ihn die Polizei, ein paar Wochen später verurteilte eine Jugendkammer ihn zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren. „Trinken. Drogen. Ich war nicht so richtig in meinem Kopf“, sagt er. Immer mal wieder habe er Smartphones gestohlen, dann sei er erwischt worden. Verurteilt ist er nicht allein wegen Raub. Ob er noch andere Straftaten begangen habe? Der Häftling spricht plötzlich sehr leise. Die Frage ist ihm unangenehm. „Nein, nein.“ Die Sozialarbeiterin schaut ungläubig. Von einer Belästigung eines Mädchens will er nichts mehr wissen. „Wenn man in U-Haft ist, wacht man auf, dann wird der Kopf klar“, sagt er verlegen.

Keine Familie und kein soziales Umfeld

Seit Herbst 2015 müssen sich Vollzugsbeamte, Gefängnispsychologen und Sozialarbeiter in den deutschen Jugendvollzugsanstalten mit einer neuen Klientel beschäftigen: geflüchteten jungen Männern, die kaum Deutsch sprechen, häufig sogar Analphabeten sind und nach ihrer Haftentlassung oftmals noch schlechtere Perspektiven haben als Häftlinge ohne Fluchtgeschichte, weil sie draußen keine Familie, kein soziales Umfeld und fast immer einen ungeklärten Aufenthaltsstatus haben. Zwei Drittel aller Häftlinge im Jugendstrafvollzug in Adelsheim entstammen Einwandererfamilien. 23 Prozent sind junge Flüchtlinge, sie kommen aus Marokko, Algerien, Gambia oder Syrien. In einigen deutschen Gefängnissen verdoppelte sich die Zahl der Häftlinge ohne deutsche Staatsbürgerschaft seit Beginn der Flüchtlingskrise. Katja Fritsche, die Leiterin der Justizvollzugsanstalt in Adelsheim, sagt: „Flüchtlinge werden wegen der Fluchtgefahr schneller in U-Haft genommen. Die Haftdauer ist bei den klassischen Delikten aber kürzer. Das widerspricht dem öffentlichen Bild, dass mit den Flüchtlingen hier Monster zu uns gekommen sind. Es gibt mehr Untersuchungshaftfälle. Einen überproportional hohen Anteil an Mördern gibt es unter den Flüchtlingen im Jugendvollzug bei uns nicht.“

Die Flüchtlinge sind aufwendiger zu betreuen, doch die Jugendkriminalitätsstatistik der Haftanstalt hat dieser neue Häftlingstypus nicht grundstürzend verändert: Die meisten Flüchtlinge sind wegen Unterschlagung oder Diebstahl inhaftiert, dann folgen Körperverletzungsdelikte und Raub – vor allem von Smartphones, dem wichtigsten Statussymbol. 22 Prozent sitzen wegen Körperverletzungsdelikten. Bei den Flüchtlingen sind Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz und gegen das Ausländerrecht geringfügig höher als bei den anderen Insassen. Der Anteil der wegen Sexualdelikten Verurteilten in Adelsheim liegt – trotz Flüchtlingskrise – weiterhin bei sechs Prozent, bei den wegen Tötungsdelikten Verurteilten schwankt er zwischen 1,4 und drei Prozent. Schon Haftstrafen von zwei Jahren können ein Ausweisungsgrund sein, in Adelsheim liegen die Haftstrafen bei zwei Dritteln aller Häftlinge aber unter einem Jahr.

Seit 12 Jahren rückläufige Zahlen

Wolfgang Stelly ist der hauseigene Soziologe und Kriminologe in Adelsheim, er kennt die Statistik und hat sich seit Beginn der Flüchtlingskrise einen Überblick verschafft, wie sich die Gefängnisklientel verändert hat. Wegen des Rückgangs von Gewalterfahrungen in der deutschen Gesellschaft und aus demographischen Gründen ist der Zugang in den Jugendstrafvollzug allgemein seit zwölf Jahren rückläufig. 2015 erreichte man mit 451 Neuzugängen in den Justizvollzugsanstalten sogar einen neuen Tiefststand – dann kam die Flüchtlingskrise, und 2016 mussten hundert Häftlinge zusätzlich aufgenommen werden.

Die Justizvollzugsanstalt Adelsheim wurde zu Beginn der siebziger Jahre in einen alten Steinbruch gebaut. Die Hafthäuser, Werkstätten, Versorgungsgebäude und die Krankenabteilung sind wie Baracken über eine Hangfläche verteilt. Manches Gebäude erinnert eher an eine Maschinenfabrik. Aus fast allen Gebäuden und von fast allen Plätzen aus schauen die Häftlinge ins Tal und in den Odenwald hinab, sehen den Kirchturm der Kleinstadt. Sie sollen immer das Leben in Freiheit als anspornendes Lebensziel vor Augen haben.

„Im Vollzug der Jugendstrafe sollen die jungen Gefangenen dazu erzogen werden, in sozialer Verantwortung ein Leben ohne Straftaten zu führen“, heißt es im baden-württembergischen Justizvollzugsgesetz. Der Auftrag des Jugendstrafvollzugs ist Erziehung. Im Vordergrund steht nicht die Resozialisierung, sondern erst mal das Ankommen in der Gesellschaft. Generalprävention zur Abschreckung von Straftätern spielt im Jugendstrafrecht so gut wie keine Rolle.

Keine Menschen zweiter Klasse

Für Sozialarbeiter, Justizvollzugsbeamte und die Meister in den Werkstätten ist es gar nicht so einfach, diesen erzieherischen Auftrag zu erfüllen. Der Wille der Gefängnisleitung ist da, aber die Möglichkeiten sind begrenzt. „Man kann nicht sagen, die werden ohnehin abgeschoben. Wir packen sie nicht in Watte, wir verharmlosen oder beschönigen nichts, aber wir behandeln sie nicht wie Menschen zweiter Klasse“, sagt Katja Fritsche. Die Entwurzelung, die Bindungslosigkeit, die Perspektivlosigkeit, das mangelnde Vertrauen in den Staat, das fehlende Unrechtsbewusstsein, der Verlust der Heimat tragen dazu bei, dass die geflüchteten Jugendlichen zu Straftätern werden. Sie sind aber auch der Grund dafür, dass eine Sozialisierung viel schwerer ist als bei deutschen Straftätern im Jugendalter. „Ich kann diesen Häftlingen wegen der Sprachbarriere nur in einem sehr eingeschränkten Umfang eine Verhaltens- oder tiefenpsychologische Therapie anbieten.“ Manch ein Flüchtling brauchte dringend eine Suchttherapie, auch um die Chancen des Rückfalls zu minimieren, aber weil die Mehrzahl keine unbefristete Aufenthaltserlaubnis hat, zahlen das die Krankenkassen nicht. Leider sei in den meisten Fällen, erzählt die JVA-Leiterin, auch nur die Unterbringung im „geschlossenen Regelvollzug“ möglich. Das heißt, für die Häftlinge gibt es feste Schließzeiten der Zelle, sie haben keine Entscheidungsgewalt über ihren Tag. Die Unterbringung in Wohngruppen scheitere auch wieder an den mangelnden Sprachkenntnissen.

Dennoch wird für die Häftlinge im Vollzug viel getan, um sie auf einen normalen Lebensweg zu bringen: Damit eine Verständigung halbwegs möglich wird, bietet die JVA in den ersten drei Haftmonaten Sprachkurse an, fünf Schulstunden pro Tag. Erst danach sollen die Flüchtlinge in den Werkstätten der JVA regelmäßig arbeiten. Es gibt auch ein spezielles, arabischsprachiges Anti-Gewalt-Training. Zur besseren Verständigung im Alltag stellte Katja Fritsche einen arabischsprachigen Sprachmittler ein. Zusätzlich setzt die JVA Video-Dolmetscher eines privaten Dienstleisters ein, denn einen Mandinka-Übersetzer kann die Anstalt für zwei oder drei Häftlinge aus Westafrika nicht einstellen. Die Häftlinge können auch Rat bei ehrenamtlichen islamischen Seelsorgern suchen, eine Möglichkeit, die sie aus Syrien oder Afghanistan gar nicht kennen, die sie in ihrer Verzweiflung in der Fremde aber gern annehmen. „Anders als deutsche Häftlinge im Jugendvollzug, die aus einer übersättigten Gesellschaft kommen, sind Häftlinge, die eine Flucht hinter sich haben, auch bei uns noch sehr stark mit dem Überleben beschäftigt. Deshalb wollen sie arbeiten, viele sind sehr fleißig, vor allem die aus Gambia“, sagt die JVA-Leiterin.

In einigen deutschen Justizvollzugsanstalten, etwa in Bayern, berichten die Gefängnisleiter von der Bildung schwer beherrschbarer Subkulturen, die durch die neue Klientel entstanden seien. In der Regel versuchen JVA-Leiter, wenn sie denn genug freie Zellen haben, dies durch eine geschickte Belegung zu verhindern und problematische Gruppen zu trennen. Oft sind die Anstalten aber so überbelegt, dass das nicht möglich ist. Katja Fritsche hat diese Probleme nicht erlebt: „Ja, es gibt Konflikte, aber es bilden sich immer wieder unterschiedliche Koalitionen. Dass sich Gangs bilden oder Subkulturen, beobachten wir im Jugendvollzug nicht.“

Der syrische Flüchtling mit dem Tattoo muss noch anderthalb Jahre in Adelsheim bleiben, dann beginnt die Vorbereitung auf die Entlassung. Über sein Asylverfahren hat das Bamf noch nicht entschieden. Ob er wieder in die Flüchtlingsunterkunft in Schwetzingen zurückgeht, entscheiden der Landkreis und das Regierungspräsidium. Draußen wartet niemand auf die Flüchtlinge, wenn sie ihre Strafe abgesessen haben. Zurück in ihre Herkunftsländer wollen sie nicht. Denn in Algerien, Syrien oder Marokko werden Rückkehrer als Verlierer angesehen, weil schon der Aufenthalt in Europa mit persönlichem Wohlstand und Erfolg gleichgesetzt wird. Der junge Syrer arbeitet fünf Tage in der Küche der Vollzugsanstalt, er kocht ein arabisches Hackfleischgericht, das nicht nur bei den arabischstämmigen Häftlingen gut ankommt. „Vielleicht kann ich eine Ausbildung zum Koch machen“, sagt er.

Weniger Hilfe als für deutsche Häftlinge

Etwa die Hälfte der Häftlinge im Jugendstrafvollzug wird nach der Entlassung rückfällig. Ob er es einmal schafft, hängt davon ab, ob er, falls er eine Lehrstelle bekommen sollte, dort dann regelmäßig zur Arbeit kommt oder ob er sich nachts auf der Mannheimer Neckarwiese wieder mit Kumpels trifft. Weil die meisten Flüchtlinge, wenn sie aus der Haft entlassen werden, keine Bewährungsauflage haben, sondern nur zu einer „Endstrafe“ verurteilt sind, bekommen sie draußen weniger Hilfe als deutsche Häftlinge, obwohl sie eigentlich eine intensivere Betreuung brauchten. Die freiwillige Hilfe von Jugendprojekten nehmen sie ganz selten in Anspruch.

Die meisten aus dem Jugendvollzug entlassenen Flüchtlinge werden von den Städten oder Landkreisen in die Sammelunterkünfte zurückgeschickt, in denen sie vor der Festnahme gewohnt haben. Schnell geraten sie wieder in den Kreislauf von Perspektivlosigkeit, Drogenkonsum und Beschaffungskriminalität.

Auf dem Schreibtisch der Anstaltsleiterin liegt ein Buch zur Biologie des menschlichen Verhaltens mit dem Titel „Gewalt und Mitgefühl“. Der Vollzug müsse sich immer an die Veränderung der Gesellschaft anpassen, meint sie, aber „wir machen mit diesem Häftlingstypus keine signifikant anderen Erfahrungen als vor der Flüchtlingskrise.“ Dann erinnert sie daran, dass Anfang der neunziger Jahre 20 Prozent der Häftlinge im Jugendvollzug Russlanddeutsche waren. Damals befürchteten viele, dass sich diese Entwicklung verstetigen würde, dass die häufig gewalttätigen Jungs aus Kasachstan Dauergäste in Adelsheim werden könnten. Das bewahrheitete sich nicht. Heute machen Russlanddeutsche nur fünf Prozent der Jugendstrafgefangenen aus.

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Time am 11. August 2018

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1) http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/fluechtlinge-im-jugendgefaengnis-in-der-u-haft-wird-der-kopf-klar-15723229.html?printPagedArticle=true#pageIndex_0

Ihm ist jedes Mittel recht

14. Dezember 2017

Ratze Fuhrergan ist ein Freund des IS und Nazirans, und er ist ein Judenfeind. Er macht aus der autoritären Torkei eine waschechte Nazidiktatur. In Deutschland unterhält er eine Vorform der damaligen SA, einen „Rocker“-Trupp namens „Osmanen Germania“, deren Logo ebenso bescheuert ist wie ihr Name.

Lesen Sie einen Bericht von Rüdiger Soldt von „FAZ.NET“ (1).

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Osmanen Germania

Türkische Rocker als Handlanger Erdogans

Ist die türkische Rockerorganisation „Osmanen Germania“ der verlängerte Arm Erdogans in Deutschland? Die Hinweise verdichten sich und es gibt erste Festnahmen.

Bei den Sicherheitsbehörden in Hessen, Baden-Württemberg, Hamburg sowie Berlin verdichten sich die Hinweise, dass die nationalistische türkische Rockerorganisation „Osmanen Germania BC“ auf Anweisung der türkischen Regierungspartei AKP einen Bandenkrieg gegen Gegner Recep Tayyip Erdogans geführt und als Handlanger des türkischen Staatspräsidenten in Deutschland fungiert haben könnte. Das ergeben Recherchen dieser Zeitung. Zuvor hatten die „Stuttgarter Nachrichten“ und das ZDF darüber berichtet.

Im Mittelpunkt der Vorwürfe stehen der 46 Jahre alte ehemalige „Osmanen-Weltpräsident“ Mehmet B., der ehemalige „Osmanen-Vizepräsident“ Selcuk S. sowie der Chef der Stuttgarter „Osmanen“-Gruppe Levent U.; alle drei Personen sollen über Kontaktleute der „Union der Europäisch-Türkischen Demokraten“ (UETD) möglicherweise instruiert worden sein und auch um finanzielle Unterstützung für ihre regimetreue Arbeit in Deutschland sowie für Waffenkäufe gebeten haben. Die UETD ist die Auslandsorganisation der AKP, die drei prominenten Führungspersonen der „Osmanen“ sollen engen Kontakt zu einem ranghohen UETD-Funktionär gehabt haben, der zu den Vertrauten Erdogans zählt.

Waffentransport beschlagnahmt?

Die „Osmanen“-Funktionäre sollen nach den Recherchen von ZDF und „Stuttgarter Nachrichten“ auch Kontakte zu dem früheren Leiter der UETD-Regionalgruppe Rhein-Neckar gehabt haben. Um die Nähe zwischen „Osmanen“ und UETD zu belegen, verweisen Ermittler auf ein Gruppenfoto aus dem Mai 2016, auf dem UETD-Mitglieder, „Osmanen“ und AKP-Mitglieder zu sehen sind. Im Oktober 2016 veröffentlichte der damalige Osmanen-Vizepräsident Selcuk S. zudem ein Bild mit dem Erdogan-Berater Ilnur Cevik in einem sozialen Netzwerk.

Ermittlern der Landesverfassungsschutzämter ist seit Bestehen der „Osmanen“ im Jahr 2015 aufgefallen, dass sie sich nicht nur durch Drogengeschäfte und Prostitution finanzieren, sondern dass sie sich als „Sicherheitspersonal“ für die UETD betätigen und an Erdogan-freundlichen politischen Demonstrationen beteiligen, zum Beispiel nach dem Putsch-Versuch in der Türkei 2016 und nach der Armenien-Resolution im Bundestag. Auch der ZDF–Moderator Jan Böhmermann soll gefährdet gewesen sein. Die hessische Polizei soll 2016 nach dem Bericht des ZDF sogar einen Waffentransport an die Osmanen beschlagnahmt haben, die hessischen Ermittler sprechen von einem intensiven „Kontaktaufbau“ zwischen Funktionären der AKP/UETD, dem türkischen Geheimdienst MIT sowie den Angehörigen der „Osmanen Germania“.

Anführer in Haft

Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte schon im Oktober einen Bericht veröffentlicht, in dem er die „Kontakte zwischen den Führern der ,Osmanen Germania‘ und Vertretern der AKP sowie Beratern von Staatspräsident Erdogan“ kritisiert hatte. Der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (CDU) wollte sich zu den Aktivitäten türkischer Organisationen und den neuen Rechercheergebnissen nicht äußern. Ein Sprecher seines Ministeriums sagte: „Ganz grundsätzlich ist zu sagen, dass Einmischungen durch die türkische Regierung in Baden-Württemberg nicht zu akzeptieren sind. Bezüglicher aller notwendigen Maßnahmen stehen wir in einem engen Austausch mit dem Bund und anderen Bundesländern.“ Deshalb werde man Einzelheiten nicht kommentieren.

„Die politische Ebene spielte bei uns eine untergeordnete Rolle“, sagte ein Sprecher des Landeskriminalamtes in Stuttgart. „Wir hatten konkrete Straftaten zu verfolgen und den Konflikt zwischen den Osmanen und der kurdischen-Rockergruppe Bahoz zu befrieden.“ Nach Informationen dieser Zeitung hat die Staatsanwaltschaft Stuttgart mittlerweile Anklage gegen insgesamt acht Mitglieder des „Osmanen Germania BC“ erhoben. Die Tatvorwürfe reichen von versuchtem Totschlag, Unterstützung von Zwangsprostitution, gefährlicher Körperverletzung bis zur Zuhälterei. Von den drei prominenten „Osmanen“-Funktionären hat nur der frühere „Weltpräsident“ Mehmet B. die deutsche Staatsbürgerschaft.

Ermittlungen von Beamten des Stuttgarter Landeskriminalamtes hatten dazu geführt, dass die Führung der rockerähnlichen Gruppierung Anfang des Jahres zerschlagen werden konnte. Alle Anführer der „Osmanen“ befinden sich derzeit in Untersuchungshaft. Nach Einschätzung von Ermittlern organisieren sich die „Osmanen“ gerade neu, sie operieren teilweise wie autonome Räte.

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Time am 14. Dezember 2017

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1) http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/osmanen-germania-arbeiten-sie-fuer-erdogan-und-die-akp-15339437.html

Özkan-Watch, Number 4

10. Mai 2010

Während die sozialistischen Netzwerke in der ehemaligen „DDR“ bei uns zu Recht abschätzig „Seilschaften“ genannt wurden, handelt es sich bei eben jenen im Fall der deutschen Mohammedanisten um „Talentschuppen“.

Interessant ist auch, dass die Bezeichnungen „türkischstämmige Deutsche“ und „Deutsche mit Migrationshintergrund“ scheinbar nunmehr Synonyma geworden sind, die entweder aus rein stilistischen Gründen abwechselnd gebraucht werden mögen oder aber im Wechsel bei gleichgesetzter Bedeutung die Aussage transportieren: Die türkischstämmigen, mohammedanistischen Immigranten sind die einzigen, die zählen.

Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist übrigens auch die sehr moderne Vokabel „Migranten“, die Ein- und Auswanderer zusammenzieht, verallgemeinert (sprich verschleiert) und jenes vermeidet auszusprechen, um was es geht, nämlich um die Einwanderer, die „Immigranten“ (ein Begriff, der, wie die Geschichte lehrt, im Fall der Mohammedanisten tatsächlich synonym gebraucht werden kann mit dem Begriff „Invasoren“).

Lesen Sie jetzt einen Bericht von Rüdiger Soldt aus der heutigen FAZ über ein weitverzweigtes türkisch-mohammedanistisches Netzwerk in Deutschland.

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Ein Schuppen für Talente

Förderung für Abgeordnete mit Migrationshintergrund

Der 19. April 2010 war für das „Netzwerk türkischstämmiger Mandatsträgerinnen“ ein ganz besonderer Tag: An diesem Tag gab Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) bekannt, dass er die Juristin Aygül Özkan zur Ministerin für Soziales und Integration in Niedersachsen machen werde. Frau Özkan ist Mitglied des „Netzwerks“, das sich zum Ziel gesetzt hat, die Zahl türkischstämmiger Mandatsträger in Gemeinderäten, Landtagen und im Bundestag zu erhöhen und Einwanderer besser zu repräsentieren. „In gewisser Weise haben wir zu ihrem Aufstieg einen Beitrag geleistet“, sagt Ergun Can, Sprecher des „Netzwerks“ und selbst Mandatsträger für die SPD im Stuttgarter Gemeinderat.

Zur weiteren Professionalisierung der Arbeit eröffnete das schon 2004 mit Hilfe der Körber-Stiftung gegründete „Netzwerk“ im Stuttgarter Europahaus nun ein Büro. Der Erfahrungsaustausch der Abgeordneten mit Migrationserfahrung soll noch intensiver werden, politisch positionieren will sich die Organisation aber auch künftig nur zu Fragen der Integrationspolitik. Mittlerweile sind achtzig Mandatsträger Mitglied der Organisation, sechzig davon stammen aus Kommunalparlamenten. „Unsere Aufgabe ist es, vor allem die Strukturen der Parteien für potentielle Mandatsträger zu öffnen und als Lobbyisten bei Bundes-, Landes- und Kommunalpolitikern dafür zu werben, mehr türkischstämmige Migranten in die Parlamente zu schicken“, sagt Can. Das „Netzwerk“ versteht sich als „Talentschuppen“ für künftige Parlamentarier mit Migrationshintergrund. Sobald es in den Kommunen, in den Ländern oder im Bund um Integrationspolitik gehe, sei die Kompetenz von Abgeordneten mit Migrationshintergrund gefragt. Nach den Erfahrungen der Organisation haben es türkischstämmige Politiker, die für einen Landtag kandidieren wollen, besonders schwer, vor allem in den großen Flächenländern. In Baden-Württemberg und bislang auch in Nordrhein-Westfalen gab es keine türkischstämmigen Abgeordneten in den Landtagen. Bislang gelang es Deutschen mit Migrationshintergrund vor allem in den Stadtstaaten – in Bremen, Berlin und Hamburg -, in die Parlamente gewählt zu werden.

Angesichts der großen Zahl von türkischstämmigen Wählern in diesen Großstädten fällt es den Volksparteien auch leichter, Kandidaten mit einer Einwandererbiographie aufzustellen – der Erfolg am Wahlabend ist ihnen sicher. In den Flächenländern ist es sehr schwer, als türkischstämmiger Bewerber einen sicheren Listenplatz oder einen sicheren Wahlkreis zu bekommen. Die Kandidaten haben sich bis zum Landtagsmandat in der Regel über die Ochsentour hochgearbeitet und gehörten vor ihrem Einzug mindestens zehn Jahre einem Kommunalparlament an. Dieser Erfahrungsvorsprung fehlt vielen türkischstämmigen Parteimitgliedern, die sich um ein Landtagsmandat bewerben wollen. Hinzu kommt noch ein weiteres Handicap: „In den Landes- und Bundesverbänden der Parteien haben die Migranten so gut wie keine Hausmacht“, sagt Can. Der SPD-Gemeinderat aus Stuttgart muss es wissen, seine Bewerbung um einen der zwei Stuttgarter Bundestagswahlkreise zog er zurück, nominiert wurde schließlich die frühere SPD-Landesvorsitzende Ute Vogt.

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Die Forderung der Orks, die sich Herr Soldt – durch das Gejammer von Herrn Can offenbar zu Tränen gerührt – zu eigen macht, ist klar: Unverzögerter Aufstieg und direkte Ernennung in hohe Ämter ohne die Verpflichtung zur Basisarbeit in einer Partei und die Notwendigkeit, sich dort Respekt zu verschaffen und einen Freundeskreis aufzubauen. Das Muster liefert Özkan.

Wiki (1): „Aygül Özkan trat 2004 der CDU bei. Der damalige Hamburger CDU-Chef Dirk Fischer platzierte Özkan – mit einer sogenannten wild card jenseits der Hierarchien der Kreis- und Ortsverbände – auf dem sicheren 15. Platz der Landesliste zur Bürgerschaftswahl 2008. Im März 2008 wurde sie Fachsprecherin für Wirtschaft und Industrie ihrer Fraktion und saß im Sozial- und Gleichstellungsausschuss sowie im Wirtschaftsausschuss.“

Nur zwei Jahre später, schlappe sechs Jahre nach dem Parteieintritt, ist Frau Özkan dann schon Landesministerin: eine glänzende Karriere, ein fürwahr effektiver „Talentschuppen“.

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Time am 10. Mai 2010

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1) http://de.wikipedia.org/wiki/Aygül_Özkan

auch: http://www.freiewelt.net/blog-1841/wie-eine-muslimin-zur-christlichen-ministerin-mutierte.html