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Die Kunststunde V. – Vom Dimmi zum Ork

9. Januar 2010


Keine archaische Textsammlung
sondern modern und top-aktuell: Der „Birkloran“.

Gegner des Counterjihad sind leider nicht nur die Orks, sondern auch ein Haufen von Leuten aus den eigenen Reihen. Damit meine ich nicht Agenten vom Schlage Todenhöfers, Roths oder Verheugens. Ich meine z.B. die, die vom Leben so verwöhnt wurden, dass sie für Bedrohungen blind geworden sind. Oder die, die durch die Schrecken des Nationalsozialismus und des Vietnamkrieges an unserer grandiosen Zivilisation verzweifelt sind, und die nun zwanghaft unsere Feinde unterstützen müssen.

Und dann gibt es da einen ungeheuer von sich selbst eingenommenen Typus, der sich als Fixstern des gesamten Universums begreift. Diese Leute können alles und wissen alles, alles fällt ihnen zu, zu allem können sie ein profundes Urteil abgeben, auf das die Menschheit gewartet hat, und weil das nach ihrer Ansicht so ist, brauchen sie sich auch nie irgendeine Mühe machen, z.B. die, ein oder gar zwei Bücher zu einem Thema zu lesen. Dimmi-Dummie Jordan Mejias von der FAZ scheint einer dieser Typen zu sein, und er hat in der heutigen Ausgabe einen langen Artikel über einen anderen Dimmi namens Sandow Birk untergebracht, der auf den ersten Blick zu den anderen Kategorien zu gehören scheint. Beide leisten sich Fehler, die den Zorn der Orks hervorrufen könnten, aber Birk ist vermutlich raffinierter, als es zunächst den Anschein hat.

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Was WÜRDE Allah wohl dazu sagen?
(Ohoh, diese Formulierung impliziert, dass es ihn NICHT gibt, T.)

Der amerikanische Künstler Sandow Birk hat den KORAN mit Alltagsszenen seines Landes BEBILDERT. Herausgekommen ist ein eindringlicher metaphorischer Bericht über die Befindlichkeit DES Menschen.

(Im Kloran – 5/92, Recl. S.124 – ist ein eindeutiges Bilderverbot ausgesprochen: „O ihr, die ihr glaubt, siehe, der Wein, das Spiel, die BILDER und die Pfeile sind ein Gräuel von Satans Werk. Meidet sie; VIELLEICHT ergeht es euch wohl.“ T.)

In Sure 61 des Korans geht es um den AMERIKANISCHEN WAHLKAMPF. „O ihr Gläubigen“, lesen wir in Versen 1 und 2, „warum sagt ihr, was ihr nicht tut? Es ist vor Gott höchst verabscheuenswert, da ihr sagt, was ihr nicht tut.“ Dazu sehen wir eine Szene, wie sie uns aus den Nominierungsparteitagen für einen Obama und McCain vertraut ist. Blau abgetönt, schweben Luftballons durch die Halle, recken Delegierte und Parteifans die Namensschilder ihrer Heimatstaaten in die Höhe und garnieren Sternenbanner die Bühne, auf der sich der Präsidentschaftskandidat samt Familie feiern lässt.

Wer müsste sich nun MEHR ärgern? MUSLIME, die mit einigem Recht darauf hinweisen könnten, dass Sure 61 keinen direkten Bezug auf Amerika und seine demokratischen Gepflogenheiten enthält? Oder sollte die Zornesröte nicht eher in die Gesichter amerikanischer PATRIOTEN steigen, die MITANZUSEHEN HABEN, wie ihre HEILIGEN politischen RITEN in einen wenig schmeichelhaften Zusammenhang gebracht werden?

(Hier haben wir die erste Absage an das westliche, freie, demokratische System, das mit einem Kloranvers als Haus der Lüge verunglimpft wird. Mohammedanisten, die sich wohl über die bildliche Darstellung ärgern mögen, jedoch die Ablehnung des Westens gutheißen, werden am demokratischen Prozess beteiligte „zornesrote “ Patrioten gegenübergestellt. Diese werden ebenso wie das demokratische Verfahren ins Lächerliche gezogen („heilige Riten“). T.)

Stellen wir die Antwort noch einen Augenblick zurück, wenden wir uns dafür Sure 95 zu. In ihr geht es um BÖRSENGESCHÄFTE. „Wir haben doch den Menschen in schönstem Ebenmaß erschaffen“, heißt es da. „Wirkt er dann aber Böses, so verwerfen wir ihn als den Niedrigsten der Niedrigen. Doch so sind die nicht, die glauben und GUTE Werke üben, denn ihrer ist unendlicher Lohn.“ Ob die Trader dazugehören, die vor ihren Bildschirmen LAUERN, um sich auf die nächste PROFITGELEGENHEIT zu stürzen?

(Natürlich werden DIE nicht dazugehören, die „Kapitalistenschweine“. Wir werden sehen, wie Birk darin fortfährt, einerseits den Kloran für seine antiwestliche Gesinnung auszuschlachten, andererseits ihn als eine Textsammlung erscheinen zu lassen, die mitnichten archaischer Unfug sondern von Bedeutung für unsere heutige Zeit sei. T.)

Sure 96, die IHNEN ebenfalls zugedacht ist, weckt in dieser Hinsicht beträchtliche Zweifel, wenn sie DEN MENSCHEN als aufsässig und selbstherrlich schildert und ihm voraussagt, beim Jüngsten Gericht an der lügnerischen, sündigen Stirnlocke gepackt zu werden, hört er mit seinem Tun nicht auf.

(DER Mensch ist SCHLECHT, da ist Birk dann aber schon fast auf der anderen Seite angelangt und Mejias mit ihm. T.)

Und in Sure 105 geht es um einen PANZER, aus dem SOLDATEN gekrochen sind. Behelmt und schwer bewaffnet, durchstreifen sie in Tarnanzügen eine unwirtliche Gegend, es könnte AFGHANISTAN sein. Umrahmt werden sie von Vögeln. Was mag das bedeuten? „Hast du nicht gesehen, wie dein Herr mit den Leuten des ELEFANTEN verfahren ist? Hat er nicht ihre List MISSLINGEN lassen und Scharen von VÖGELN über sie gesandt, die sie mit BRENNENDEN STEINEN bewarfen und sie so wie ABGEFRESSENE HALME machten?“

(Düstere Prophezeihungen gegen die amerikanische Militärmacht. Da es nicht die Taliban sind, die die US-Streitkräfte bombardieren sondern umgekehrt, kann dieses Arrangement nur als Wunschtraum Birks aufgefaßt werden. Vom hippiehaften „Frieden schaffen ohne Waffen“ hat er sich damit weit entfernt, das ist dann schon echter linksradikaler „Antiimperialismus“ alter Schule. T.)

Wieder kann das kein Trost für AMERIKANER gleich welcher Art sein (Doch, die Selbsthasser lieben so etwas, T.). Aber viele MUSLIME dürften sich über den Panzer, in den sich der Elefant verwandelt hat, auch nicht gerade begeistern (Nur die nicht, die grundsätzlich gegen Bilder sind. T.). Mit Kontroversen aber hat Sandow Birk, der Erfinder der Bilder und aktuellen Umdeutungen, gerechnet und sich von der Gewissheit, dass es sie geben wird, nicht von seinem Projekt abschrecken lassen. Vor vier Jahren schon begann er, den Koran nicht nur auszumalen, sondern einen „AMERIKANISCHEN Koran“ (Scheint aber eher ein ANTI-amerikanischer Kloran zu werden, T.) daraus zu machen. Bis vor einem Jahr wusste allerdings noch kaum jemand davon. Birk wollte ERST EINMAL in der Lage sein, eine gehörige ANZAHL von Bildern vorzulegen und so, wie er hoffte, die Angriffe, die allein die Ankündigung einer solchen Unternehmung hervorrufen könnte, besser zu entkräften.

(Nein, es geht um das Geschäft. Es geht darum, genug Material für ein oder besser noch mehrere Ausstellungen zur Verfügung stellen zu können. Den Galeristen muss auch bedeutet werden, dass der Künstler in der Lage und Willens ist, sie unaufhörlich weiter zu beliefern. Die Wahl des Klorans als Thema ist geschickt, insofern es in aller Munde ist. Wenn er sich den Zorn der Orks zuziehen sollte, würde das umso mehr die Kasse klingeln lassen, seine Sicherheit trüge der Steuerzahler. T.)

Das erweist sich nun als klug und richtig. In der Catharine Clark Gallery in San Francisco und der Koplin Del Rio Gallery in Los Angeles hat der im südlichen Kalifornien lebende Künstler seine Koranillustrationen vor kurzem ausgestellt, nächsten Herbst wird er in der New Yorker P.P.O.W. Gallery zeigen, was bis dahin dazugekommen ist. In zwei Jahren, schätzt er, wird er mit allen 114 Suren fertig und der gesamte Koran bebildert sein. Die Reaktionen auf seine bisherige Arbeit haben ihm Auftrieb gegeben.

(Und jetzt kommt’s, T.:)

GERADE von MUSLIMISCHER Seite hat er manche ANERKENNUNG erfahren und auch Dank, dass sich da einer mit dem Koran ERNSTHAFT (ernsthaft = antiwestlich, T.) und jenseits ALLER SCHABLONEN auseinandersetzt. Sicher, nicht ALLE Muslime, die davon Wind bekamen, waren ENTZÜCKT, aber die GARSTIGSTEN Beschimpfungen, die über die beiden Galerien hereinbrachen, stammten von evangelikalen CHRISTEN. Sie waren WÜTEND darüber, dass dem Koran überhaupt so viel künstlerische Aufmerksamkeit geschenkt wurde.

(Manche Mohammedanisten waren nicht entzückt, o.k, aber wer mal wieder garstigst geschimpft hat und wütend war, das waren natürlich mal wieder die Christen (1). Immer diese Christen! T.)

Birk unterstreicht im Gespräch immer wieder, dass er es nicht darauf anlegt, den clash of civilizations zu bestätigen oder zu verleugnen. Er nimmt an der Debatte als Künstler teil, nicht als Islamwissenschaftler, nicht als Politiker, nicht als Kulturkritiker. Und als Künstler, durch und durch vom prototypisch südkalifornischen LIFESTYLE der SURFER und Skateboarder geprägt, will er einfach HERAUSFINDEN, was IN IHM und um ihn herum vorgeht, genau darum aber auch, was in dem folgenschweren Buch, das so vielen Menschen heilig ist, steht. Er LIEST es und reagiert darauf in seinem ureigenen Jargon, ganz SPONTAN, ganz PERSÖNLICH, ohne jede Mithilfe von Satire, Ironie, IDEOLOGISCHER Überzeugung oder missionarischer Gewissheit.

(Typisch für den Surfer-Lifestyle, dass die immer alles herausfinden wollen. Toll! Mit geschäftlichen Interessen und der Idee, sich an ein globales Mega-Pop-Thema anzuhängen hat das natürlich gar nichts zu tun. Birk will einfach nur rausfinden, was in ihm selbst vorgeht. Er liest den Kloran und reagiert dann ganz spontan darauf, indem er ein Bild dazu malt. Dass Birk das westliche Gesellschaftssystem ablehnt, wie Mejias bereits mehrmals erwähnt hat, ist übrigens völlig unideologisch. T.)

Bevor ihn jetzt jemand als NAIV und weltunerfahren abstempeln kann, sei auf ein paar Stationen seines Lebens verwiesen, seines künstlerischen wie seines privaten. Im letzteren ist Birk etwa in Marokko, Indien, Indonesien und auf den Philippinen zu finden, wo er als SURFER auch nach der richtigen Woge Ausschau hält, deshalb aber das kulturelle Umfeld nicht übersieht. Zu Hause bietet sich ihm NICHT WENIGER ABWECHSLUNG. Dort lässt er sich von Graffiti inspirieren, wie sie die CHOLOS, die HIPHOPPER mexikanisch-amerikanischer Prägung, als identitätsstiftende Handschrift entwickelt haben (sehr abwechslungsreich, sich an der Bildersprache eines sehr speziellen Downtown-Teeny-Styles zu orientieren, T.) An deren grafische Elemente angelehnt, breitet Birk die FEIN gerahmten Surentexte in schwarzer Tinte über jedem Bildblatt aus und taucht sie dabei in eine KALLIGRAPHISCHE PRACHT (Wann immer Schrift im Zusammenhang mit dem Mohammedanismus erwähnt wird, handelt es sich um „kalligrafische Pracht“, T.), die gleichwohl auch arabische Schriftzüge heraufbeschwört. Ein Mashup im Multikultiformat, revoluzzerhaft und traditionshörig in einem (Was für ein hemmungsloses Geschleime, vermutlich kriegt Mejias Prozente, T.).

Doch auch der westliche HOCHKUNSTKANON kommt bei Birk nicht zu kurz. Zum Koran ist er überhaupt erst vorgestoßen, nachdem er sich jahrelang im Geiste kalifornischer STADTGUELLEROS und zugleich auf den Spuren Gustav Dorés (Doré ist nicht DER KANON, und Stadtguelleros sind keine westliche Hochkunst. T.) mit Dante und seiner „Göttlichen Komödie“ auseinandergesetzt hatte. Mohammed kommt darin als ZWIETRACHTSTIFTER ja bekanntlich NICHT GUT WEG (ein Massenmörder kommt m.E. schon gut weg, wenn er nur als Zwietrachtstifter dargestellt wird. T.), aber in einem Film, der sich auf Birks Buchillustrationen stützt, wollten das die Filmproduzenten lieber unterschlagen. Hätten sie gewusst, dass Birk schon damals am Koran arbeitete, wären sie vielleicht noch viel ängstlicher gewesen.

Jedenfalls bestärkten ihre HEMMUNGEN (Es war die Angst, wie Theo van Gogh zu enden, T.) ihn nur in seinem Entschluss, sein Vorhaben voranzutreiben, und auch all die Kontroversen, die zwischen WESTLICHEN BRANDSTIFTERN und MUSLIMISCHEN TRADITIONSHÜTERN aufloderten, vermochten nicht, ihn von dem LANGEN, GEFÄHRLICHEN Weg abzubringen (Gefährlich? Ja, Sie wissen doch, immer diese westlichen Brandstifter, immer diese Christen. T.). Bei der Lektüre des Korans, wie er erzählt, sind dann die ÜBERRASCHUNGEN nicht ausgeblieben. Verwundert hat ihn NICHT die FREMDHEIT, sondern vor allem die ÄHNLICHKEIT mit der BIBEL und anderen religiösen Schriften (welchen? T.). ZWAR fand er KEINE Geschichten vor, wie die BIBEL sie erzählt, aber in den predigtartigen Passagen und poetischen Unschärfen SPÜRTE er DENNOCH Geschichten auf (mit der Wünschelrute vermutlich, T.), die er nun zeichnet und malt.

(Was ist das für ein ungeheurer Unfug, für ein unerträgliches, hohles Geblubber der beiden! Zwar ist die Bibel völlig anders als der Kloran, aber dennoch habe Birk, so Mejias, poetische Unschärfen aufgespürt, in denen Geschichten enthalten seien, die er nun malt? Geschichten über den Afghanistankrieg und die Börse? Und wo ist nun das abgeblieben, was die angebliche so verwundernde so große Ähnlichkeit ausmacht? Können Sie das entdecken? Es ist doch eher so: Birk ist mit einigen Aspekten unserer realen Gesellschaft nicht einverstanden und bemüht sich, sie mit Hilfe des Kloran, den er absolut spontan und ohne wissenschaftlichen Hintergrund persönlich auslegt, zu verdammen. T.)

Auch da ist er VORBILDERN gefolgt. Europäische Historienmalerei hat er sich ebenso sorgfältig zu Gemüte geführt wie persische und fernöstliche Miniaturen. Herausgekommen ist eine in hoher und niederer Kunst verankerte, in Aquarellen und Gouachen, Acryl- und Metallfarben aufleuchtende Bildsprache (Mischtechnik also. Das ist ebenso originell wie die Bildertitel moderner Bilder, die ja meist „o.T.“, also „ohne Titel“ heißen. T.), die den COMIC (Jetzt sind wir bei dem angekommen, was wir vor uns haben, nachdem die ganze Kunstgeschichte bemüht wurde: Der KLORAN als COMIC! T.) mit dem feierlichen Glanz mittelalterlicher Illuminationen durchwebt. Gold, Rot und Blau hat er aus historischen Prachtausgaben des Koran übernommen und diese HERRLICHKEIT in einem zweidimensionalen, zeitgenössischen POPIDIOM verarbeitet, das er nicht als ILLUSTRATION (bzw. Comiczeichnung, T.), sondern MEDITATION verstanden haben will (Zum Glück war Walt Disney bescheidener und hat nicht verlangt, dass wir über Donald meditieren. T.). Die BIBLIA pauperum sendet herzliche Grüße aus transatlantischer Ferne (Keineswegs, das tut sie nicht! Jedem, der die Bibel liebt und verehrt, müssen sowohl Kloran als auch Comic-Kloran ein Greuel sein. T.).

Jedes Verständnis wird freilich dem abgehen, der nie ZUGESTEHEN wollte, dass es überhaupt so etwas wie einen „AMERICAN Qur’an“ geben könnte, der hingegen darauf BESTEHT, dass diese Worte als Offenbarung Gottes (gemeint ist „Alla“s, T.) durch den Erzengel Gabriel gegenüber dem Propheten Mohammed NUR auf Arabisch ihren Wert und ihre Kraft behalten und ganz gewiss keiner PERSÖNLICHEN oder gar PRIVATEN Auslegung, sei es in Wort oder Bild, BEDÜRFEN.

(Der Kloran selbst sagt dieses: „Und demzufolge sandten wir ihn als ARABISCHEN Koran nieder und durchsetzten ihn mit Drohungen…“ (20. Sure, Vers 112; Recl. S. 301) – „Und demgemäß sandten wir ihn als eine Vorschrift in ARABISCHER Sprache nieder.“ (11. Sure, Vers 37; Recl. S. 238) – „Und Allahs Worte ÄNDERT niemand ab…“ (6. Sure, Vers 34; Recl. S. 133). Aber das ist Mejias natürlich egal, er weiß ja schon alles und glaubt, dass die Welt nur kraft seiner Gedanken existiert. Was Birk indessen tut ist, den Kloran PERSÖNLICH und ÖFFENTLICH auszulegen, und sicher wird er auch versuchen, seine Arbeit als Buch zu vermarkten. T.)

Kunst wäre so nichts als Häresie. Aber auch der nationalen Häresie nähert sich Birk, wenn er die Sure 44 mit Amerikas jüngstem Schicksalsdatum koppelt: 9/11. „Der Rauch“ ist die Sure überschrieben, und schwarze Rauchfahnen quellen aus einem der Zwillingstürme über die beiden Zeichenblätter, an deren unterem Rand eine Menschenmenge verängstigt, aufgeregt, entsetzt, erstarrt, ratlos den Beginn die noch unverständlichen Katastrophe verfolgt.

Sure 44, Verse 10 und 11: „Du aber erwarte den Tag, an dem der Himmel einen sichtbaren Rauch hervorbringt, der die Menschen einhüllen wird. Das wird eine schmerzliche Qual sein.“ Womöglich hätten die Terroristen diese Sure gelesen, bevor sie in die Flugzeuge eingestiegen seien, spekuliert Birk. Aber verleiten uns Bilder und Sure zusammen nicht dazu, die Anschläge als Strafe Gottes (gemeint ist „Alla“s, T.) zu verstehen? Das wäre eine Auslegung, die Birk nie ins Auge gefasst hätte. Er BESTEHT auf der VIELDEUTIGKEIT der Aussage.

(Wie bitte? Birk montiert ein Straf- und Qualsure, in der Rauch vorkommt, mit einem Bild der vernichteten WTC-Türmen (und 3.000 qualvoll Ermordeten) und weist dann die Interpretation als „Strafe Allas“ zurück? Er besteht auf der Vieldeutigkeit seiner Aussage? Wo soll die herkommen, da seine Montage an Eindeutigkeit, Plattheit und Niedertracht so ungemein eindeutig ist? T.)

Seine Koranbebilderung begreift er als großen metaphorischen Bericht über die Befindlichkeit des Menschen, auch wenn die Bilder uns in ganz konkrete amerikanische Alltagszenen versetzen, in den Supermarkt, den städtischen Straßendschungel, ins Büro. Ein ferner Krieg mag sich bisweilen dazwischendrängen, aber es fehlt jede offene Anklage oder gar Verurteilung.

Über mehr als dreihundert Blätter wird sich am Ende Birks RESPEKTVOLLE (wem gegenüber? T.), NIE POLITISCH ZUGESPITZTE (Rechts ist links, oben ist unten und Mejias ein kritischer Journalist. T.) oder RELIGIÖS EINGEGRENZTE Vision des Korans erstrecken. Manchmal kommt er sich vor wie ein Mönch, der in seiner Zelle Tag für Tag an seinem Lebenswerk arbeitet. Aber kein Mönch ist je, wie Birk es sich immer noch regelmäßig erlaubt, aufs SURFBOARD gestiegen. Auch heute Morgen wieder.

(Das Mammutprojekt, das denn doch stark an die Bibelcomics diverser christlicher Sekten erinnert, bringt den Zwang zu einer monastischen Lebensweise mit sich, weiter nichts. Mohammed lehnte das Mönchtum ab: „Sie nehmen ihre Rabbinen und Mönche… zu Herren an.” (9. Sure, Vers 31, Recl. S. 184) “… viele der Rabbinen und Mönche fressen das Gut der Leute unnütz und machen abwendig von Allahs Weg.” (9. Sure, Vers 34; Recl. S. 185) “Das Mönchtum jedoch erfanden sie selber; wir schrieben ihnen nur vor, nach Allahs Wohlgefallen zu trachten, und das nahmen sie nicht in acht…” (57. Sure, Vers 27, Recl. S. 519), es ist dem Mohammedanismus fremd. T.).

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Im August vergangenen Jahres hatte ich einen Leserbrief der berüchtigten Ork-Agentin Sabine Schiffer in der FAZ gebracht (2). In diesem erhebt sie sich über eine Entscheidung der Yale-Universität, in einem Druckerzeugnis über die Klohamett-Cartoons selbige wegzulassen, um Ärger zu vermeiden. Sie warf Yale vor, die Mohammedanisten in eine negative Rolle zu drängen und schrieb u.a.: „WIR haben in unserem Beitrag zum Karikaturenstreit im Sammelband „Das Jahrhundert der Bilder“ SELBSTVERSTÄNDLICH die „,Jyllands-Posten“-BILDCHEN mit abgedruckt – schließlich muss man im wissenschaftlichen Sinne sehen, worum es geht. Trauen die Verantwortlichen der Yale University Muslimen nicht zu, dass sie den Kontext und die Intention einer solchen Veröffentlichung wahrnehmen können?“

Ich denke, dass Birk in einer ähnlichen Weise agiert. Zwar verstößt er gegen das Bilderverbot, aber das tut im engeren Sinn jeder, der z.B. einen Fotoapparat benutzt. Die Orks können schon unterscheiden, wer auf ihrer Seite steht und wer nicht. Deshalb braucht Frau Schiffer mit ihren parteiischen Publikationen auch nichts zu befürchten, Yale jedoch schon. Es kann gut sein, dass Birk in seiner Privatauslegung des Kloran eklatante Fehler unterlaufen, die den Zorn dieses oder jenes Mullas hervorrufen. Vielleicht aber hat er sich auch mehr durch Orks beraten lassen, als er derzeit preisgibt. Seine Anklage gegen den Westen, untermauert durch den Kloran, scheint auch derartig grundsätzlich zu sein, dass ihm das im Zweifel sicher den Hals retten wird. Sicher ist er zudem schlau genug, allerlei Relativierungen à la Karimi (3) vorzunehmen. Zur Not kann er immer noch konvertieren, falls das nicht schon geschehen ist. Die Unterschiede zwischen Dimmi und Ork sind bei ihm jedenfalls kaum mehr sichtbar, was fehlt ist allein das Bekenntnis.

Time am 9. Januar 2010

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1) http://www.youtube.com/watch?v=HxsCxtzJEdM

2) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/08/28/sabine-agentin/

3) https://madrasaoftime.wordpress.com/2009/11/26/projekt-kloranwasche/