Posts Tagged ‘Ulrich W. Sahm’

Sie können nicht gewinnen

20. Mai 2018

Acht im Jihad verheizte Deppen

Ulrich W. Sahm berichtete bei „Audiatur“, dass es der ägyptische Geheimdienst war, der die Invasionsversuche der Hamas gestoppt hat (1).

Es sieht wirklich nicht gut aus für den Naziran und seine Spießgesellen.

Auch die aktuelle Rammeltagschlachtopferliste (2), die am 5. Tag erst 73 Tote zählt, weist darauf hin, dass sogar die Orksphäre die zahllosen Morde und die mohammedanistische Gewalt allmählich satt hat.

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Ägypter stoppten die Gaza-Grenzunruhen

Am Montag, auf dem Höhepunkt der Konfrontationen an der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Israel, als am Abend die Palästinenser etwa 60 Tote und über Tausend Verletzte vermeldeten, wurde der Hamas-Führer Ismail Haniyeh zu einem dringenden Besuch nach Kairo „eingeladen“.

Der ägyptische Geheimdienst hatte ihn gerufen. Beim Grenzübergang in Rafah stand sogar ein Hubschrauber bereit. Dieser brachte ihn unverzüglich nach Kairo. Palästinensische Medien behaupteten, dass die Ägypter dem früheren Hamaschef einen „roten Teppich“ ausgerollt hätten.

Doch inzwischen stellt sich heraus, dass der ägyptische Geheimdienst den Hamaschef in Kairo „erniedrigt, gedemütigt und bedrängt“ hätte. Israelische Medien berichteten, dass die Ägypter den Hamas-Führer ultimativ aufgefordert hätten, die Konfrontationen mit den Israelis zu stoppen. Sie drohten ihm, keinen Finger zu rühren, falls Israel die Hamas-Leitung abschiesse, „einen nach dem Anderen“.

Wie die ägyptische Zeitung Al Akhbar meldete, sei Haniyeh angeboten worden, dass Ägypten den Grenzübergang in Rafah öffnen werde, aber nur unter der Bedingung, dass die Hamas den “Rückkehrmarsch” sofort stoppt. Die vermeintlich „friedlichen“ und „spontanen“ Proteste würden andernfalls zu einem „umfassenden Militärkonflikt mit Israel führen“, hieß es weiter in Al Akhbar.

Die Zeitung „Israel Hayom“ berichtete, dass der ägyptische Geheimdienst Haniyeh vorgeladen habe, nachdem die Israelis „Beweise“ dafür geliefert hätten, wie die Hamas Organisation die Bewohner des Gazastreifens gezwungen habe, sich zum Grenzzaun zu begeben und an den gewalttätigen Protesten zu beteiligen. Die Hamas habe dafür Familien Bargeld angeboten. Das haben die Israelis unter anderem von einem Palästinenser erfahren, der verhaftet worden war, nachdem er am Grenzzaun eine Bombe gelegt hatte.

Die Ägypter befürchteten eine „unkontrollierte Anarchie“ im Gazastreifen so der Bericht. Zudem halte Kairo die Hamas (und nicht Israel) verantwortlich für die vielen Toten bei den Unruhen. Ein ägyptischer Offizieller habe gesagt: „Haniyeh kam innerhalb von einer Stunde nach Kairo, in Begleitung von zwei Leibwächtern. Ein Hubschrauber hat sie auf schnellstem Weg nach Kairo gebracht. Das war keineswegs als Ehrung für Haniyeh gedacht. Es erwartete ihn sehr viel Wut.“ Erst musste Haniyeh vor dem Gebäude warten, was peinlich war. Im Gebäude konnte man dann laute Schreie hören, die Haniyeh schweigend über sich ergehen liess. Die Ägypter hätten ihm lautstark vorgeworfen, das Blut der toten Palästinenser vergossen zu haben. Sie zeigten Haniyeh Fotos von Hamas-Aktivisten, wie sie jungen Leuten und Familien zehntausende Dollars zahlten, um am Grenzzaun zu sterben. „Die Geschichte wird ihnen nicht verzeihen für soviel sinnlose Tote bei den Unruhen“, wurden die ägyptischen Offiziellen weiter zitiert. Mit der Warnung, dass Israel die Hamas-Spitze ausradieren werde, wurde Haniyeh wieder heimgeschickt. Ob diese in den israelischen Medien verbreiteten Berichte sich tatsächlich genau so zugetragen haben, lässt sich nicht nachprüfen.

Am Dienstag herrschte weitgehend Ruhe

Tatsache ist aber, dass ausgerechnet am Dienstag, dem sogenannten Nakba-Tag, als der Staat Israel vor 70 Jahren ausgerufen worden war und die Palästinenser aus ihren Heimatdörfern vertrieben worden waren, herrschte weitgehend Ruhe am Grenzzaun. Ursprünglich hatte die Hamas für diesen Tag einen „Marsch der Millionen“ angekündigt, um mit Frauen und Kindern die Grenze nach Israel zu stürmen.

Ohne jede zusätzlich Erklärung hiess es in europäischen Medien wie der NZZ, dass ausgerechnet dem Dienstag die Minarette bei den Moscheen geschwiegen hätten, während sie in den Tagen zuvor die Menschen angetrieben hätten, sich an den Protesten zu beteiligen.

Im Vergleich zu über 60 Toten allein am Montag meldete das Hamas-Gesundheitsministerium am Dienstag „nur“ 2 Tote und wenige hundert Demonstranten. An den Tagen zuvor waren es teilweise Zehntausende.

Der israelische Militärsprecher veröffentlichte derweil gefilmte „Beweise“ für Waffen im Besitz der „friedlichen“ Demonstranten, Zerstörungen am Grenzzaun und Bomben. Ebenso wurden wieder mehrere Brände auf der israelischen Seite gemeldet. Wälder, Felder und Heu wurden entzündet durch Drachen mit Molotowcocktails, die mit dem Wind nach Israel geschwebt waren. Angeblich haben die Israelis in aller Eile Drohnen entwickelt mit messerscharfen Flügeln, mit denen die Haltekabel der Drachen durchgeschnitten wurden, damit sie mitsamt ihrer brennenden Fracht noch im Gazastreifen abstürzen.

Weiter heißt es in israelischen und arabischen Medien, dass von den 62 getöteten Palästinensern etwa 50 als Hamas-Kämpfer oder Aktivisten gewesen seien. Die Hamas im Gazastreifen ehrt ihre „Märtyrer“ mit Namen, Rang und anderen Beschreibungen auf ihren Internetseiten. Dieses allein bestätigt, dass nicht nur „unschuldige Zivilisten“ an der Grenze protestieren. Die plötzlich eingekehrte Ruhe deutet darauf hin, dass die scharfen Warnungen der Ägypter unerwartet schnell Wirkung gezeigt haben und dass die Hamas-Organisation zuvor die Demonstrationen straff organisierte und lenkte. Wie sonst lässt sich erklären, dass die vermeintlich so „spontanen“ ausgerechnet stoppten, als der grösste Protest stattfinden sollte?

Derweil veröffentlichte die Hamas im Internet per Video Aufrufe an die Bewohner der grenznahen Ortschaften in Israel, unverzüglich ihre Häuser zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen. „Die Drachen mit den Brandsätzen sind nur die Spitze des Eisbergs. Wer zurückbleibt, trägt alle Verantwortung für die Folgen, denn wir werden die Grenze durchbrechen, eure Städte erreichen und dann nicht mehr alleine sterben.“

Am Mittwoch waren die Unruhen entlang der Grenze wie durch ein Wunder völlig aus den Schlagzeilen verschwunden.

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Time am 20. Mai 2018

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1) http://www.audiatur-online.ch/2018/05/16/aegypter-stoppten-die-gaza-grenzunruhen/
2) https://www.thereligionofpeace.com/

Ebenso dreist wie dumm

11. Oktober 2017

Die Hamas hat zwecks Neubebauung alle Überreste einer Stadt vernichtet, die auf die Zeit von vor 6.500 Jahren zurückgeht. Anschließend forderte sie die Anerkennung der Stätte als Weltkulturerbe.

Ulrich W. Sahm berichtete für „Audiatur“ (1).

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Hamas zerstört älteste kanaanäische Stadt

Tel Es-Sakan, die antike Stadt an der Mittelmeerküste zwischen Gaza und Dair al-Balah existiert nicht mehr. Sie war einst die größte kanaanäische Stadt. Mit Bulldozern ebnete die islamistische Terrororganisation Hamas das Gebiet ein. Der Abraum wurde mit Lastwagen entfernt.

Anders als der Islamische Staat (IS), der zahlreiche archäologische Stätten, Museen und ganze Städte wie Palmyra aus ideologischen Gründen zerstörte, vernichtet die Hamas archäologische Stätten in ihrem Herrschaftsgebiet im Gazastreifen schlicht aus Gier: Nach Angaben der Hamas sei der Hügel gebraucht worden, um hochrangige Beamte der Hamas zu kompensieren, weil die wegen der andauernden Finanzkrise nur einen Teil ihrer Gehälter erhalten hätten.

Viele Jahre Arbeit landen im Schutt

„Hier wurde eine sehr bedeutende archäologische Stätte zerstört“, sagte der palästinensische Archäologie- und Geschichtsprofessor Mouin Sadeq, der zusammen mit dem französischen Archäologen Pierre de Miroschedji drei Ausgrabungsperioden auf Tel Es-Sakan durchgeführt hatte. Auf dem 10 Hektar grossen Hügel haben die Archäologen die erste und älteste mit einer Stadtmauer befestigte Stadt gefunden, eine 6.500 Jahre alte Ansiedlung aus der Bronzezeit. Sie existierte schon vor den ersten Pharaonen Ägyptens und 1.000 Jahre vor der ersten Pyramide. Die Stadt lag an der Handelsroute zwischen Ägypten und der Levante. Der Hügel mit den Überresten der alten Stadt wurde 1998 durch Zufall entdeckt und ab 2000 von französischen und palästinensischen Archäologen wissenschaftlich erforscht und teilweise ausgegraben. Die Ausgrabungen mussten wegen der zweiten Intifada und den militärischen Spannungen 2002 abgebrochen werden. Seitdem ruhte das Projekt. Nach ihrer Machtübernahme 2007 begann die Hamas, die Fundstätte Stück für Stück zu okkupieren. Es war nicht die einzige antike Stätte, die den Machthabern im Gazastreifen zum Opfer fiel: Auch der 3000 Jahre alte Hafen Anthedon sowie byzantinische Kirchen und Klöster im Gebiet der Stadt Gaza wurden ein Raub der Hamas.

Jetzt fiel der letzte Teil der Stadtmauer

Als die Bulldozer der Hamas schon im Einsatz waren und Archäologen versuchten, das Zerstörungswerk zu stoppen, konnte als erster Experte Jean-Baptiste Humbert von der Jerusalemer Ecole Biblique den Ort erreichen. Er hatte zuvor schon an anderen Stätten in Gaza ausgegraben. „Heute wurde die komplette südliche Befestigungsmauer abgerissen,“ sagte der Archäologe vor einigen Tagen. Damit sei die älteste kanaanäische Stadtmauer rundum zerstört worden. Auch ein Vertreter der UNESCO-Kulturorganisation, Junaid Sorosh-Wali, inspizierte die zerstörte Stätte, konnte aber nichts ausrichten gegen die Landverwaltungsbehörde unter Hamas-Kontrolle.

Die palästinensische Autonomiebehörde fordert gleichwohl, diese und andere historische Stätten unter den Schutz der UNO zu stellen: als Weltkulturerbe.

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Time am 11. Oktober 2017

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1) http://www.audiatur-online.ch/2017/10/09/hamas-zerstoert-aelteste-kanaanaeische-stadt/

Ein zweites Israel

26. September 2017

Es wird einen kurdischen Staat geben.

Er wird frei und offen und gleichberechtigt und demokratisch sein.

Ich glaube daran!

Ich glaube an Jahwe, und ich glaube, dass Jahwe will, dass auch die Kurden einen unabhängigen Staat haben sollen.

Sie haben so lange darum gerungen!

Jahwe will, dass alle Menschen FREI sind, weil er alle LIEBT!

Jahwe ist der grenzenlose Gott, nicht ein beschränkter!

Fliegt! Fliegt! Fliegt!

Lesen Sie einen Aufsatz von Ulrich W. Sahm von „Audiatur“ (1).

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Israel und der künftige kurdische Staat

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat als einziger Staatschef die Volksbefragung unter den Kurden begrüßt.

Die palästinensische Autonomiebehörde hingegen äußerte Kritik an dem Bestreben der Kurden, ihr „Selbstbestimmungsrecht“ mit einem eigenen Staat zu verwirklichen. Denn die Palästinenser sind gegen ein Zerbrechen arabischer Staaten wie Irak und Syrien, auf deren Kosten der künftige kurdische Staat errichtet würde.

Israel verbindet mit den Kurden eine lange Geschichte

Das Bewusstsein, dass die Kurden ein separater Volksstamm sind mit eigener Kultur, Sprache und Herkunft, ist in Israel seit jeher präsent. Es gibt eine große Gemeinschaft kurdischer Juden in Israel. Sie kamen aus allen kurdischen Gebieten der Türkei, aus Syrien, Iran und Irak. Im Gefolge der marokkanischen Juden, die am Tag nach Pessach das beliebte Maimuna-Fest begehen mit leckeren Speisen und Gastfreundschaft, haben die Kurden ihr eigenes Volksfest mit viel Musik geschaffen, den Saharani. Kurdische kulinarische Spezialitäten wie Kubeh sind längst zu einer israelischen Nationalspeise geworden.

Etwa seit 1960 pflegt Israel diskrete Kontakte mit den Kurden im Norden des Irak, wo am Montag die Volksbefragung zur Schaffung eines eigenen Staates stattgefunden hat. Angeblich hat Israel Waffen und militärische Berater geschickt. Die offiziellen Stellen halten sich bedeckt.

In der Knesset herrscht seltene Einigkeit

Reporter in der Knesset haben dieser Tage festgestellt, dass es unter den Abgeordneten von extrem rechts bis links einen einhelligen Konsens zugunsten der Kurden gebe. Welche Folgen das für die Kurden selbst und dann auch für Israel haben wird, lässt sich nicht abschätzen. Diese klare israelische Haltung ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass sich Israel sogar in der Frage zum Völkermord an den Armeniern bis heute nicht geäußert hat, aus Rücksicht auf türkische Empfindlichkeiten.

Was bedeutet das für die Beziehung zu Ankara

Bis 2010 gab es sehr enge Beziehungen zwischen Ankara und Jerusalem, touristisch, militärisch und politisch. Doch mit den osmanischen Großmachtträumen des Recep Tayyip Erdogan zerbrachen diese Beziehungen fast völlig. Immerhin war die Türkei das erste und jahrelang einzige muslimische Land, das Israel diplomatisch anerkannt hatte. Andererseits gab es Gerüchte, wonach der Mossad dem türkischen Geheimdienst in Kenia geholfen habe, den kurdischen PKK-Chef Abdullah Öcalan zu fangen. In der Türkei wurde er 1999 zu lebenslänglicher Haft verurteilt, nachdem die Türkei die Todesstrafe abgeschafft hatte.

In der Türkei bekämpft

Bekanntlich führt die Türkei einen unerbittlichen Kampf gegen die sogenannten „Bergtürken“, also die Kurden. Dabei gab es neben schwerem Blutvergießen im Osten der Türkei auch immer wieder militärische Übergriffe auf die kurdischen Gebiete in Nordirak. In der ganzen Region hat es in den vergangenen Jahren gewaltige Kräfteverschiebungen gegeben, die letztlich auch Israel betreffen.

Kurden sitzen im Norden Syriens in geschlossenen Gebieten sowie im Irak, wo sie aktiv am Kampf gegen Daesch (IS oder ISIS) beteiligt sind. Die kurdischen Peschmerga-Kämpfer spielen beim Kampf gegen die Islamisten durchaus eine entscheidende Rolle.

Die Unterstützung ist nicht ungefährlich

Die Feindseligkeiten zwischen der Türkei und Israel, aber auch die Rolle Syriens, des Irak oder auch des Iran als Erzfeinde Israels dürften dazu geführt haben, dass die Israelis sich voll hinter die Kurden stellen und das zur öffentlichen Politik erklärt haben. “Israel unterstützt die legitimen Bemühungen des kurdischen Volkes, einen eigenen Staat zu erlangen”, verlautete aus dem Büro des israelischen Ministerpräsidenten in einer schriftlichen Mitteilung an die Auslandskorrespondenten. Der Irak, die Nachbarstaaten Türkei und Iran, aber auch die USA haben sich gegen das Referendum ausgesprochen. Sie sind sich da einig mit den Palästinensern, allerdings aus anderen Gründen: Es würde, so sagt man, den gemeinsamen Kampf gegen die Terrormiliz IS erschweren.

Mehrere Israelis leben und arbeiten im autonomen irakischen Kurdistan. Wegen der Volksbefragung halten sich dort sogar Journalisten auf. Der Iran nutzt das, um gegen die Kurden wegen ihrer engen Beziehungen zu Israel zu hetzen. „Kurdistan werde ein zweites Israel werden“, hieß es in Teheran, also ein von der Vernichtung bedrohter aussätziger Staat.

Angeblich hat die Türkei am Montag Verkehrsflugzeuge daran gehindert, nach Irbil im Irak zu fliegen. Das bedeutet, dass diese Kurdengebiete von der Außenwelt faktisch abgeschnitten waren, zumal die Türkei auch die Grenzübergänge auf den Landwegen geschlossen habe.

Der türkische Präsident Erdogan drohte, dass die einzige Erdöl Pipeline vom Norden des Irak zum Mittelmeer durch die Türkei verläuft. „Wir haben die Hand am Schalter und können jederzeit die Öllieferungen stoppen“, sagte Erdogan. Für die Kurden hätte das katastrophale Folgen, denn Erdöl ist ihre einzige Einnahmequelle. Gemäss israelischen Medienberichten werde darüber nachgedacht, ein Rohr quer durch den Norden Syriens bis zum Mittelmeer zu verlegen, um sich vom türkischen Druck zu befreien.

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Time am 26. September 2012

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1) http://www.audiatur-online.ch/2017/09/26/israel-und-der-kuenftige-kurdische-staat/

Kein Appeasement

18. August 2017

Lesen Sie einen Aufsatz von Ulrich W. Sahm von „Audiatur“ (1).

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Israels Terrorabwehr aus Sicht eines Dozenten der ETH Zürich –
Eine kritische Betrachtung

Dr. Mauro Mantovani, Dozent für strategische Studien an der Militärakademie der ETH Zürich, hat in der Zeitschrift „Finanz und Wirtschaft“ einen Kommentar zum Thema „Wie Israel den Terrorismus abwehrt“ veröffentlicht.

Die darin gesammelten Informationen bieten einen guten Überblick. Mantovani erwähnt „landestypische Faktoren“ wie „überdurchschnittlichen Patriotismus“ und Militärdienst – auch für Frauen. Er stellt fest: „Beides äußert sich bei Terroranschlägen in einem hohen Maß an Zivilcourage.“.

„Gleichwohl tragen nur 4,17% der Israelis eine Waffe“, schreibt er, wegen einer „restriktiven Gesetzgebung“. Weiter erwähnt er lobend „eine flache, flexible Hierarchie des Sicherheitsapparats, eine durchlässige Nachrichtengewinnung und -Auswertung.“ Die Flugsicherheitsmaßnahmen seien um die Befragung der Passagiere erweitert und Flugzeuge gegen Boden-Luft-Raketen geschützt. Auch sein grundsätzliches Resümee ist richtig: „Gewiss darf auch die Widerstandsfähigkeit der israelischen Bevölkerung als grundsätzlich erstrebenswert gelten.“ So habe das israelische Vorgehen „Vorbildcharakter“.

Der europäische Blick sieht zu kurz

Solange sich der Dozent der ETH aus Zürich auf rein militärische oder technische Details beschränkt, sind seine Bemerkungen sachlich korrekt. Auch in Bezug auf die Zivilbevölkerung Israels liegt er richtig. Bedauerlicherweise lässt er aber in seinen Artikel politische Ansichten einfließen, die in der sachlichen Analyse eines Militärexperten nichts zu suchen haben.

In der Einleitung zu seinem Artikel vergleicht er die Zahl der Terroranschläge und die Todesopfer in den USA und Europa einerseits und in Israel andererseits. Mantovani zählt allein islamistische Organisationen wie IS, Hamas oder die Hisbollah im Libanon auf. Doch Israel ist keineswegs nur mit diesen Gruppen, mit Islamismus und der Ausrufung des Kalifats im Juni 2014 konfrontiert. Beim Terror gegen Juden und Israel vermischen sich palästinensischer Nationalkampf, „legitimer Widerstand“, Antisemitismus, innerpalästinensische Machtkämpfe und vieles mehr.

Mantovani vergisst die PLO

Die schlimmsten Terroranschläge führte die PLO, die Nationalbewegung der Palästinenser, unter der Führung von Jassir Arafat durch: Die Flugzeugentführungen ab Ende der 1960er Jahre, das Massaker bei den olympischen Spielen in München 1972, das Blutvergießen unmittelbar nach der Unterzeichnung der Osloer Verträge ab 1994 und schließlich die Zweite Intifada ab Herbst 2000.

Das alles hatte mit „Islamismus“ überhaupt nichts zu tun. Der palästinensische Terror flankierte eher den Kalten Krieg und den Machtkampf zwischen Ost- und West. Dabei war die PLO mit Moskau verbündet und Mitglied der „Sozialistischen Internationale“.

Das von Mantovani aufgezählte „Maßnahmenbündel“ Israels führte zweifellos zum Erfolg beim Kampf gegen jeglichen Terror. Der Überlebensinstinkt ist in Israel durch jahrelange Übung besonders ausgeprägt. So wird an jeder Bushaltestelle eine „vergessene“ Tasche sofort der Polizei gemeldet, die dann die Straße absperrt, bis Feuerwerker das „suspekte Objekt“ entschärft haben.

Doppelte Standards im Terrorkampf

Sehr richtig schreibt Mantovani, Israels Umgang „mit der islamistischen Bedrohung“ stoße in Europa auf Kritik. Doch hier verlässt Mantovani den Beobachterstandpunkt, indem er moniert, dass Israels „Sicherheitsapparat resolut nach taktischem Erfolg“ strebe – „was tendenziell allerdings zu Lasten der strategischen Ebene geht“.

Es ist aber die Aufgabe eines „Sicherheitsapparats“, taktisch erfolgreich zu sein. Strategie und Suche nach Lösungen ist allein die Aufgabe der Politik und nicht des Militärs, Geheimdienstes oder der Polizei. Genauso reagieren Sicherheitsapparate in aller Welt nach jeglichen Anschlägen. Erwähnt seien hier der „Schuhbomber“ (Richard Colvin Reid) und der bisher einmalige Versuch, eines El Qaida Netzwerkes, mehrere Flugzeuge durch Flüssigsprengstoff zum Absturz zu bringen. Die „Ursachen“ wurden inzwischen ausgeschaltet, indem Reid verhaftet und verurteilt worden ist. Dessen Vorbild Osama bin Laden wurde ausgeschaltet. Dennoch müssen seitdem Millionen Fluggäste bei den Sicherheitskontrollen ihre Füße heben und gelegentlich sogar die Schuhe durchleuchten lassen.

Mantovani verwendet hier einen doppelten Standard, indem er schreibt: „Auch wird Israel wohl nicht zu Unrecht vorgeworfen, es verzichte darauf, die Ursachen des Terrorismus anzugehen, nämlich das Fehlen eines politischen Ausgleichs mit den Palästinensern und deren Mangel an bürgerlichen Freiheiten und wirtschaftlichen Entfaltungsmöglichkeiten, geschweige denn dieses endemische Defizit in der islamischen Welt.“

Was er als Kritik zur „strategischen Ausrichtung“ Israels schreibt und „politischen Ausgleich“ nennt, bedeutet wahrscheinlich eine Erfüllung aller Forderungen der Palästinenser. Im Klartext: Wenn man palästinensische Forderungen wörtlich nimmt, bedeutet das ein Verschwinden aller Juden aus dem vorderen Orient und eine Abschaffung des jüdischen Staates. Dass sich damit der Terror eindämmen ließe, ist ein frommer Wunsch. Der Weg, den die Schweiz 1970 ging, ist für Israel nicht gangbar.

Mantovani hätte eigentlich auffallen müssen, dass die schlimmsten Terroranschläge trotz eines verkündeten Gewaltverzichts begannen, nachdem Arafats PLO 1994 mit den Osloer Verträgen eine Selbstverwaltung erhielt, die Autonomie. Der vermeintliche „Mangel an bürgerlichen Freiheiten und wirtschaftlichen Entfaltungsmöglichkeiten“ als Ursache für Terror anzugeben, ist eine propagandistische Behauptung, die weder auf die israelischen Araber noch auf die Bewohner der Autonomiegebiete oder auf die meisten „islamistischen“ Terroristen aus Großbritannien, Australien und sonstigen Länder zutrifft.

Mantovani wiederholt seine Kritik an Israel ein weiteres Mal am Ende seines Artikels: „In manchen Fällen muss sich die israelische Terrorismusabwehr vorwerfen lassen, unverhältnismäßig oder gar kontraproduktiv zu sein. Auch verdient die Vernachlässigung der Wurzeln des Übels aus europäischer Sicht gewiss keine Zustimmung.“

Hier vermischt er wieder palästinensische Propaganda-Klagen und politische Ansichten. Er verrät nicht, was er mit „Unverhältnismäßigkeit“ oder mit „Wurzeln des Terrors“ meint. Auf eine Anfrage dazu per E-Mail hat er dazu geschwiegen. Er hat lediglich betont, dass es aus seiner Sicht keine Rechtfertigung für Terror gebe. Doch wenn tatsächlich, aus seiner Sicht, Israel mit einem „politischen Ausgleich“ die „Wurzeln des Übels“ abschaffen könnte, scheint es doch etwas zu geben, was zumindest als Rechtfertigung für Terror behauptet wird. In Europa werden da Vertreibung, Flüchtlinge, Besatzung, mangelnde Unabhängigkeit usw. angeführt. Gleichgültig welches Argument man da herausgreift, so müsste der Autor auf jene Teile der Palästinenser hinweisen, die sie ihrer eigenen korrupten und aufhetzenden Führung zu verdanken haben. Außerdem gibt es unzählige Völker und Regionen, die vertrieben, besetzt oder unterdrückt sind, aber trotzdem keinen Terror verüben wie die Palästinenser.

Von einigen wird es als „unverhältnismäßig“ angesehen, dass sich alle Palästinenser aus Gaza und dem Westjordanland scharfen Sicherheitskontrollen an den Grenzübergängen zu unterziehen haben. Sollte Mantovani diese Einschätzung teilen, so nimmt er selber solche „Unverhältnismäßigkeit“ widerspruchslos hin, ehe er in Zürich ins Flugzeug steigt. Nach dieser „Logik“ kann man alle Anti-Terror-Maßnahmen als „kontraproduktiv“ bezeichnen, weil sie in jedem Fall eine Einschränkung der Freiheiten und „Erniedrigung Unbeteiligter“ bedeuten.

Terror ist, gleichgültig wegen welcher „Motivation“, wenn man ein Messer zückt und willkürlich beliebige Zivilisten ermordet oder überfährt. Egal ob der Anschlag in Berlin, Nizza oder Jerusalem stattfindet. Hier anzunehmen, dass sich in Israel durch Appeasement irgendetwas zum Guten verbessern ließe, widerspricht jeder Erfahrung. Der Rückzug aus dem Gazastreifen mitsamt dem Abbau von Siedlungen war von Ariel Scharon auch als Friedensgeste gedacht, brachte aber nur massiven Raketenbeschuss und mehrere Kriege. Ein Militärexperte sollte mit nüchterner Präzision die jeweilige Faktenlage darstellen und nicht zu politischen Spekulationen hinreissen lassen, die allzu leicht widerlegt werden können.

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Time am 18. August 2017

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1) http://www.audiatur-online.ch/2017/08/16/israels-terrorabwehr-aus-sicht-eines-dozenten-der-eth-zuerich-eine-kritische-betrachtung/

Deutschland: Feind Israels

18. Juli 2017

Ulrich W. Sahm berichtet bei „Audiatur“ über die antijüdische deutsche Medienlandschaft (1).

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Nachrichten aus Nahost: Tausend und eine Falschmeldung

Die Debatte um die zensierte Fassung des Antisemitismusfilms von WDR und Arte ist noch nicht verstummt, da gibt es schon wieder merkwürdige Veröffentlichungen zu Nahost.

Darunter eine kleine, aber typische Notiz bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Unter der irreführenden Headline: “ Israelische Luftwaffe greift wieder syrische Ziele an“ wurde da ein Text rausgehauen, bei dem noch nicht mal das Gegenteil stimmt. So heisst es: „Wiederum seien zuvor fehlgeleitete Geschosse auf israelischem Gebiet niedergegangen, die bei Kämpfen in Syrien abgefeuert worden seien.“ Die vorausgegangenen „syrischen Angriffe“ werden also hier von FAZ via Deutsche Presse-Agentur (dpa) im Konjunktiv vermerkt. Israelische Angriffe auf Syrien sind jedoch bei der FAZ ein Fakt. Aber syrischer Beschuss auf Israel steht im Konjunktiv, als handle es sich um eine unbewiesene und deshalb von den deutschen Reportern angezweifelte Behauptung. Weiter schreibt die FAZ, als stünde ihr Reporter direkt an der Front: „Seit Jahren unterstützt Israel syrische Rebellen“. Diesen „Fakt“ gibt es exklusiv nur in der deutschen Presse. Er wird in britischen und anderen Medien als Spekulation mit vielen Fragen dargestellt und ist von Israel bislang nicht bestätigt worden. Ob man diese völlig ungesicherte Behauptung direkt im deutschen Nachrichten- Hauptquartier in Tel- Aviv als „fake news“ erfunden, oder als syrische Propaganda 1:1 übernommen hat, wird aus dem Text nicht klar.

Harte „Spielregeln“

Bisher hat sich Israel aus dem seit sechs Jahren tobenden Bürgerkrieg in Syrien weitgehend herausgehalten. Die Spekulationen blühen, aber Damaskus wie Jerusalem hüllten sich in Schweigen. Gemäss ausländischen Quellen habe Israel eine Atomfabrik im Norden Syriens zerstört. Hätte die eine oder andere Seite diesen Schlag zugegeben, wäre das eine klassische Kriegserklärung gewesen. Der Staat Syrien hätte militärisch antworten müssen, was sich Präsident Assad wegen der Kämpfe gegen eine Vielzahl Rebellen im eigenen Land gar nicht leisten kann. Mehrfach hat Israel bestätigt, Waffenlieferungen an die Hisbollah im Libanon bombardiert zu haben, ohne dass es zu einer syrischen Reaktion gekommen wäre. Das sind alles „diplomatische Spielregeln“ mit „Roten Linien“ und entsprechender gewaltsamer Reaktion, wenn wieder einmal Syrien als Plattform dient, um die libanesische Miliz mit Raketen zu bewaffnen. Diese Raketenstellungen stellen eine akute Gefahr für Israel dar.

Keiner hat Interesse an einem Krieg

Syrien, einer der schlimmsten „Erzfeinde“ Israels, hat seit 1974 strikt darauf geachtet, entlang der gemeinsamen Grenze auf den Golanhöhen keine Kriegsanlässe zuzulassen. Trotz der tiefen politischen Gegensätze haben beide Länder nicht das geringste Interesse an einem Krieg. Syrien wäre dazu heute kaum mehr fähig, und im demokratischen Israel wäre ein militärischer Feldzug gegen das Assad-Regime nicht zu rechtfertigen. Weder die Massenmorde des Assad-Regimes, der Einsatz von Giftgas gegen die Zivilbevölkerung, noch die Kooperation mit der Hisbollah oder mit Iran lieferten Israel bisher einen Vorwand, aktiv in das Geschehen im Nachbarland militärisch einzugreifen.

Israel greift nie von sich aus an

Um die syrische Regierung an ihre Verantwortung zu erinnern, entlang der Grenze für Ruhe zu sorgen, reagierte Israel auf Querschläger oder eben Granatenbeschuss aus Syrien mit Angriffen auf Stellungen und Panzer der offiziellen syrischen Armee. Aus israelischer Sicht spielt es dabei keine Rolle, ob die Rebellen oder die syrische Armee für den Beschuss israelischen Territoriums verantwortlich waren.

Das alles ist ein delikates und diplomatisch kompliziertes Spiel mit festen Regeln. Deshalb ist es problematisch und sogar kriegsschürend, wenn eine der wichtigsten Zeitungen Deutschlands ungeprüft eine verfälschende dpa-Meldung übernimmt und mit dieser Überschrift veröffentlicht.

Falsche Fakten bleiben deutschlandweit in Stein gemeißelt

Mehrere Anrufe bei der Redaktion der FAZ haben noch keine offizielle Reaktion und „Erklärung“ für diese „Falschmeldung“ ergeben, geschweige denn eine Korrektur. Ein „verantwortlicher“ Redakteur hatte eine Antwort für Freitag versprochen, war dann aber nicht mehr erreichbar. Ein anderer Redakteur bestätigte, dass die Schlagzeile dem Inhalt der Meldung widerspreche und dass es tatsächlich keine handfesten Beweise für eine Eingreifen Israels an der Seite der Rebellen gebe. Er erklärte, dass die dpa doch eine „angesehene“ Agentur sei und dass deren Meldungen ungeprüft übernommen würden. Doch sei er nicht befugt, diese kleine Meldung zur „fake news“ zu deklarieren. Deshalb könne er den Text, obwohl er ihn selbst als falsch erkannt hat, nicht entfernen. Inzwischen steht der Text seit einer Woche online. Und nicht nur bei der FAZ:

Meldungen aus dem Hause dpa werden üblicherweise sofort von Dutzenden Zeitungen aufgegriffen und ungeprüft veröffentlicht. Das Ergebnis des faktischen Meinungsmonopols der Nachrichtenagentur ist dann bundesweit eine verheerende Meinungsmache, die am Ende auch die Regierungen und Entscheidungsträger beeinflusst.

Drohnen-Deal mit Israel von SPD blockiert

Kaum beachtet wurde ein von der SPD im deutschen Bundestag eingelegtes Veto gegen den schon abgesprochenen Deal, mehrere israelische Heron-Drohnen für die Bundeswehr zu leasen.

Einige Abgeordnete hatten den israelischen Stützpunkt besucht, wo Soldaten der Bundeswehr an Simulatoren trainiert werden sollten, die ferngelenkten unbemannten Flugzeuge zu bedienen. Da bemerkten die SPD-Leute, dass die israelischen Geräte auch bewaffnet, also nicht nur mit Kameras zur Aufklärung, eingesetzt werden könnten. Ein kurzer Anruf in Berlin bewirkte die Stornierung des Geschäfts. In seiner letzten regulären Sitzung vor der Sommerpause – und damit vor der Bundestagswahl – hat der Haushaltsausschuss des Bundestages die ersten bewaffnungsfähigen Drohnen für die deutschen Streitkräfte für diese Legislaturperiode endgültig gestoppt.

Dabei ist dieser Entscheid höchst fragwürdig und sogar inkonsequent.

Denn „bewaffnet“ sind nicht nur jeder Panzer und Soldat der Bundeswehr. Jedes Fahrgerät kann bewaffnet werden: Kinderwagen, Fahrräder, Autos und alle Fluggeräte. Offenbar glaubt die „friedliebende“ SPD, mit diesem Veto Wählerstimmen im kommenden September zu sammeln. So gesehen müssten die SPD Abgeordneten aber alles abschaffen und sogar Schuhe verbieten – siehe Schuhbomber – und uns alle barfuss herumlaufen lassen.

Hinzu kommt eine deutsche Ur-Angst vor Drohnen. Ähnlich wie Satelliten oder sehr hoch fliegende Aufklärungsflugzeuge, können Drohnen ohne jede Gefährdung des oft hunderte oder gar tausende Kilometer entfernten Lenkers Ziele des Feindes auskundschaften. Und wenn die Drohnen bewaffnet sind, können sie mit unglaublicher Zielgenauigkeit Panzer, Autos oder Kämpfer ausschalten, ohne die eigenen Soldaten zu gefährden. Die SPD Abgeordneten wollen wohl lieber ihre eigenen Soldaten in die Schlacht schicken. Sie scheinen dabei antiken Vorstellungen anzuhängen, als „echte Männer“ in Kriegen einander mit Schwertern umbrachten, man mit Rammbock und kochendem Pech hantierte und ganze Dörfer und Städte buchstäblich in Flammen aufgingen. Das war natürlich ritterlicher, männlicher und ehrenwerter. Aber diese Zeiten sind längst vorbei. Im Grunde schon seit der Erfindung von Kanonen, die Ziele jenseits des Horizonts zerstören können. Dank der Präzision der Drohnen können heutzutage auch zivile Opfer eher verhindert werden, als bei konventionellen Flächen- Bombardements aus der Luft oder beim Einsatz herkömmlicher Artillerie.

Der Widerstand der SPD gegen die israelischen Drohnen kann deshalb im Vorfeld der Neuwahlen in Deutschland ganz andere Hintergründe haben.

Israel-Bashing haben Spitzenpolitiker der SPD, darunter Außenminister Sigmar Gabriel und der Bundespräsident gerade erst bei ihren letzten Besuchen in Israel vorexerziert. Die USA sind wegen Trump auch nicht populär, aber vielleicht akzeptabler, wenn deren Drohnen angeblich nicht bewaffnet werden können. In jedem Fall wäre das ein Eingriff in ein laufendes Gerichtsverfahren, das der Hersteller der US-Aufklärungsdrohne Triton angestrengt hat, um den Zuschlag zu seinem (unbewaffneten) Fluggerät zu erhalten und die israelische Konkurrenz auszuschalten. Das kann als Versuch der SPD betrachtet werden, mal wieder Israel auch wirtschaftlich zu schaden.

Hinzu kommt, dass die SPD den Drohnen-Deal im Wahlkampf gegen die CDU und gegen die derzeitige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) benutzt. Dabei ginge es dann nur um Wählerstimmen und nicht um die Frage, welche Drohne gut für die Bundeswehr wäre. Die SPD hat schon gezeigt, dass eine anti-israelische Politik bei ihren Wählern populär zu sein scheint.

Nachdem von der Leyen im Januar 2016 dem Jahre zuvor geäusserten dringenden Wunsch der Bundeswehr gefolgt ist, die israelische Drohne zu beschaffen und das mehrfach im Bundestag ausgiebig beraten worden war, hat das telefonische Schnellschussveto der SPD beim Besuch ihrer Vertreter in Israel einen ähnlichen Beigeschmack wie Gabriels Aktion mit Breaking The Silence.

Palästinensische Geschichte – garantiert „fakefrei“

Der Judaistik-Dozent Assaf Voll von der Universität Haifa veröffentlichte eine „Geschichte der Palästinenser seit dem Altertum bis heute“. Bei Amazon erreichte das Buch innerhalb kürzester Zeit den Platz Nr. 1 in der Rubrik nahöstliche Geschichte. Dennoch nahm der Internet-Großbuchhändler nach wenigen Tagen schon das Buch aus dem Programm. Empörte Kunden hätten sich beschwert: Sie sprachen von „Betrug“. Denn neben dem Titelblatt und der üblichen Warnung, keinen Teil des Buches zu kopieren oder elektronisch zu verbreiten, enthielt das Werk in der Hebräischen Ausgabe 120 leere Seiten. Obgleich der Autor laut Vorspann bei Amazon jahrelang in aller Welt in Archiven und Bibliotheken geforscht habe, war es ihm nicht gelungen, das Buch mit Inhalt zu füllen. Denn nirgendwo konnte etwas zum „Beitrag der Palästinenser zur Menschheit“ in der alten Zeit finden. Bis in die Neuzeit seien die „Palästinenser“ nirgendwo erwähnt. Aber: Eine englische Fassung mit 132 Seiten gebe es schon, und eine deutsche Ausgabe sei in Vorbereitung!

Im Internet hat die Rücknahme des Buches durch Amazon widersprüchliche Reaktionen ausgelöst: Verärgerung bei Pro-Palästinensern, die sich bei ihrer eigenen Propaganda und Geschichtsklitterung ertappt fühlten und Hohnlachen bei Pro-Israelis. Ein Leser verlangte Übersetzungshilfe und einer kündigte sogar eine baldige „Lesereise“ des Autors an. Das Buch solle, so hieß es, einen Ehrenplatz im (noch leeren) Museum für palästinensische Geschichte in Bir Zeit bei Ramallah erhalten.

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Time am 18. Juli 2017

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1) http://www.audiatur-online.ch/2017/07/03/nachrichten-aus-nahost-tausend-und-eine-falschmeldung/

Im Interview: Berndt Georg Thamm

9. Juni 2017

Bei „Audiatur“ habe ich einen Text von Ulrich W. Sahm gefunden, der ein ausführliches Interview mit Herrn Thamm enthält (1).

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Terror gegen Zivilisten:
„Es wird wohl noch schlimmer werden!“

England 2017 – In der Nacht zum 4. Juni erschüttert ein schwerer Terroranschlag London. Es ist dies der 3. Vorfall in Grossbritannien innerhalb kürzester Zeit. Ähnlich wie auf dem Breitscheidplatz in Berlin waren die Opfer auch diesmal keine hochrangigen Politiker oder Militärs, sondern fröhlich feiernde Zivilisten. Auf was also zielt der Terror ab? (…)

In dem uralten Kulturraum des Nahen Ostens hat ein Vielfrontenkrieg zum grössten Exodus seit dem Zweiten Weltkrieg geführt. Hundertausende Menschen sind gestorben, Millionen auf der Flucht. Zu den Kombattanten dieses Krieges zählen diverse Kämpfer des islamistischen Terrorismus, Djihadisten der al-Qaida in Syrien und des aus al-Qaida im Irak entstandenen „Islamischen Staates“ (IS). Im „Kalifat“ des IS entstand ein Machtzentrum, das seinen „Heiligen“ Glaubenskrieg (Djihad) mit brutaler Effizienz in alle Welt trägt.

Anfang 2016 warnte der Bundesnachrichtendienst (BND) eindringlich vor der „Bedrohung durch islamistischen Terrorismus“. Die Lage sei „für die westliche Staatengemeinschaft heute ungleich gefährlicher“ als noch 2001, dem Jahr der 9/11-Terroranschläge der al-Qaida in den USA. Die Front hat sich nach Europa verlagert: Terroranschläge mit IS-Hintergrund in Paris, Brüssel, Nizza, Berlin, Istanbul, Manchester und London werden mit jedermann zugänglichen Mordmitteln begangen, vom Küchenmesser bis zum Auto. Und die Täter werden immer jünger: Die Kindersoldaten des Terrors sind nicht mehr nur im Nahen Osten, sondern schon in Deutschland.

Zu den Hintergründen dieser Entwicklung äusserte sich der Berliner Terrorismusexperte Berndt Georg Thamm im März 2017 in einem Interview mit Ed Koch, dem Redakteur von „paperpress“, das wir hier gekürzt wiedergeben. Schon im Mai 2009 war Thamm um eine Einschätzung der Lage gebeten worden. Damals berührte der weltweit operierende (militant islamistische) Terrorismus Deutschland nur in Ausläufern. Wir seien ihm bis dahin mit viel Glück entgangen. Aber Glück sei keine verlässliche Grösse. Der Terroranschlag in Berlin am 19. Dezember 2016 auf dem Weihnachtsmarkt gab seiner Einschätzung Recht.

(…)

Seit Osama bin Laden verlagerte sich der Terror von ausgeklügelten und wohlorganisierten Anschlägen wie 9/11 in New York auf den Terror Einzelner mit jedermann zugänglichen Waffen wie Küchenmessern und Autos. „Man wechselte zur „Strategie der Zerstörung durch jedermann“. Mit dieser neuen „Strategie des individuellen Djihad“ sollte der Westen in eine Art des permanenten Alarmzustandes durch einfachste Terrorattacken von Einzelpersonen geführt werden. Nach Anschlägen mit hohem Organisationsgrad wurde nun auf niedrigschwellige Anschläge gesetzt. Zu derartigen „einfachen“ Mordtaten rief der IS-Sprecher Mitte September 2014 auf: „Tötet sie, wie ihr wollt. Zertrümmert ihnen den Kopf, schlachtet sie mit dem Messer, überfahrt sie mit dem Auto, werft sie von einem hohen Gebäude, erwürgt oder vergiftet sie“.

Bürgerkrieg als Brandbeschleuniger des globalen Dschihad

Die von der Arabellion ausgelösten Bürgerkriege wurden zu Brandbeschleunigern djihad-terroristischer Gewalt. „Im ersten Kriegsjahr 2011 war der Bürgerkrieg in Syrien wohl noch kein Glaubenskrieg. Weder führten Muslime, Christen und Drusen einen Konfessionskrieg um wahre religiöse Identitäten, noch waren Araber, Kurden, Turkmenen und andere kleinere Völker in multiethnische Kämpfe verstrickt. Im Schwerpunkt war es am Anfang noch ein Krieg zwischen dem Assad-Regime und denen, die von diesem Machthaber unterdrückt wurden. Als quasi dritte Gruppierung traten dann zunehmend Kräfte auf, die Syrien „im Namen Gottes“ verteidigten – die einen „Verteidigungs-Djihad“ mit dem Ziel führten, auf syrischem Boden einen Gottesstaat zu errichten.“

Die Gruppen verfolgten auch strategische Ziele, wie direkten Zugang zum Mittelmeer und durch die Nähe Israels auch ein „Sprungbrett zur Eroberung Jerusalems“. Der Qaida-Führer Zawahiri fasste die Ziele schon Anfang April 2013 in einer von islamistischen Websites verbreiteten Audio-Botschaft zusammen: „Führt euren Kampf im Namen Allahs und mit dem Ziel der Schaffung von Allahs Scharia als herrschendes System“. Endziel war und ist bis heute ein Kalifat globalen Ausmasses. Die territoriale Entgrenzung dieser geographischen Utopie führte zu einem Namen ohne jeglichen Länderbezug: „Islamischer Staat“ (ad-Daula al-islamiya).

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Die Entwicklung des „individuellen Dschihad“

paperpress: Was ist denn neu an diesem neuen Kalifat?

Berndt Georg Thamm: Das in Mossul proklamierte Kalifat stellt sich als Islamischen Staat für alle sunnitischen Muslime dar. Zur vormodernen Weltsicht dieses „Gottesstaates“ gehört dessen religiös-politische Lehre, einen neuen sunnitisch-islamischen Menschen zu schaffen. Die aufgebaute autoritär-staatliche Herrschaft des Kalifen darf wohl als klerikal-faschistisch bezeichnet werden, sucht man doch im totalitären IS das Denken einer jungen Muslimgeneration möglichst früh zu beeinflussen. In militärischen Ausbildungslagern versuchen IS-Erzieher eine quasi neue Djihadistengeneration „vom Tag der Geburt an“ mit dem Ziel zu formen, sie zu noch besseren Kämpfern zu sozialisieren. Systematisch werden Minderjährige als Selbstmordattentäter eingesetzt. „Löwenjungen des Kalifats“ nennt der IS seine Kindersoldaten. Im grossen Djihad für den Auf- und Ausbau des Kalifats in Nahost kämpften auf Seiten des irakisch-syrischen Kernpersonals von 2012 (für den ISI/ISIS/ISIL als IS-Vorläufer) bis heute aus allen fünf Kontinenten der Welt mit ihren rund 200 Staaten um die 30.000 Foreign Fighters aus 115 Ländern.

paperpress: War sich Europa dieser Bedrohung nicht bewusst?

Berndt Georg Thamm: Kaum war das Kalifat ausgerufen, da kündigte die IS-Führung im Juli 2014 eine Expansion nach Europa in den nächsten fünf Jahren an. Der britische Geheimdienst sah darin ein „klares strategisches Konzept“ des IS, der deshalb „mehr als ernst“ genommen werden sollte. Nach Vorstellungen des IS würde das Kalifat Europa von allen Seiten umzingeln und einnehmen – im Westen Spanien, im Zentrum Italien und im Osten die Türkei.

paperpress: Standen die Briten mit ihrer Warnung – die IS-Terrorankündigungen zu banalisieren – alleine da? Sahen nicht auch andere Sicherheitsorgane in Europa die aufkommenden Gefahren?

Berndt Georg Thamm: In einem Bericht EUROPOLS von Ende Januar 2016 in Amsterdam, hiess es, dass die Djihadisten „insbesondere Europa im Visier“ hätten. Der IS hätte „neue, gefechtsartige Möglichkeiten“ entwickelt, um weltweit eine Reihe „gross angelegter Terroranschläge“ zu verüben. Kommandos sollen völlig frei in der Wahl der Orte und Ziele ihrer Anschläge, sowie der Begehungsmodalitäten und Zeitabläufe sein. Als „Modell“ für diese neuen gefechtsartigen Möglichkeiten diente wahrscheinlich ein mehrtägiger Anschlag im indischen Mumbai (Bombay) 2008.

paperpress: Eine Terroraktion in einer Millionenmetropole wurde zur Blaupause für organisierte Terroreinsätze in Ballungszentren?

Berndt Georg Thamm: Vom 26. bis 28. November 2008 war eine Terrorgruppe aus Pakistan in der indischen Küstenmetropole Mumbai im „Einsatz“. Von der Terrororganisation „Lashkar-i-Toiba“ (Armee der Reinen) ausgebildet, stürmten nach der Überfahrt auf See Todeskommandos, insgesamt fünf Zweier-“Hit-Teams“, fünf zuvor ausgemachte Anschlagsorte: Hotel Oberoi, ein Touristen-Cafe, Hotel Taj Mahal, Victoria Railway Station und das jüdische Nariman-House. In diesen drei Tagen töteten die mit Sturmgewehren, Handgranaten und Sprengsätzen ausgestatteten LiT-Terroristen insgesamt 166 Menschen (darunter 26 Ausländer) und verletzten über 300. Zur ersten terroristischen Anwendung kam es Jahre später in Afrika, wo vom 21. bis 24. September 2013 in Kenias Metropole Nairobi ein vielköpfiges Hit-Team somalischer Djihadisten der „al-shabaab“ den viergeschossigen Gebäudekomplex der Westgate Mall überfiel und Besucher zu Geiseln machte. Über 200 Menschen wurden verletzt und 72 getötet.

paperpress: Terrorattacken nach diesem „Modell Mumbai“ wären doch dann aber auch für europäische Metropolen vorstellbar?

Berndt Georg Thamm: Der IS ließ der Expansionsankündigung 2014 djihad-terroristische Taten nach dem „Modell Mumbai“ inmitten europäischer Hauptstädte folgen. So attackierten am 13. November 2015 in Frankreichs Hauptstadt drei Hit-Teams mit IS-Hintergrund drei Anschlagsziele: das Fussballstadion „Stade de France“, Cafés und Restaurants der Bistroterrassen und das Konzerthaus „Bataclan“. Die mit Sturmgewehren und Sprengsätzen ausgerüsteten Djihadterroristen töteten 130 Menschen und verletzten über 350. Die Opfer stammten aus 19 Staaten. „In einer gesegneten Schlacht haben die Soldaten des Kalifats die Hauptstadt der Prostitution und des Lasters angegriffen, die Speerspitze des Kreuzes in Europa – Paris“, verkündete danach der IS. Nach weiteren Anschlägen, etwa in Belgien, warnten Innenpolitiker der betroffenen Staaten davor, den IS zu unterschätzen: „Auch wenn der IS militärische Niederlagen auf dem syrisch-irakischen Kampfgebiet hinnehmen muss, sei die Terrororganisation weiterhin in der Lage, logistisch komplizierte Terroroperationen mit Tätern an mehreren Orten in Europa zu organisieren.“

Terrorsympathisanten in Europa

paperpress: Was muss Europa über die zurückgekehrten Djihadisten hinaus befürchten?

Berndt Georg Thamm: Die Rückkehrer finden in ihren Heimatländern keine Tabula rasa vor, sondern einen – über lange Jahre gewachsenen – „islamistischen Untergrund“. Inmitten der grossen Muslimgemeinden in Europa erwuchsen, insbesondere nach den 9/11-Anschlägen, kleine radikalislamische Bewegungen. Unter diesen war die Splittergruppe des politischen Salafismus die am schnellsten wachsende Bewegung.

paperpress: Warum wird der Salafismus zu den radikalislamischen Bewegungen gezählt?

Berndt Georg Thamm: Welche Gefahren mit salafistischen Bestrebungen verbunden sind, machten bei uns schon Verfassungsschützer 2011 deutlich: „Ziel von politischen und djihadistischen Salafisten ist die vollständige Umgestaltung von Staat, Rechtsordnung und Gesellschaft nach einem salafistischen Regelwerk, das als gottgewollte Norm angesehen wird. Sie streben die Errichtung einer islamistischen Ordnung an, in der wesentliche Verfassungsprinzipien des deutschen Grundgesetzes keine Gültigkeit haben sollen. Die parlamentarische Demokratie soll als vermeintlich unislamisch und unvereinbar mit der Idee einer Gottesherrschaft abgeschafft werden“.

paperpress: Gibt es ein Konzept für eine Art Bürgerkrieg zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen in Europa?

Berndt Georg Thamm: Das Konzept militanter Islamisten, durch djihadterroristische Aktionen „gewaltsame Gegenreaktionen der Mehrheitsgesellschaft zu provozieren“, zum Beispiel Brandanschläge auf Moscheen, zeigte schon nach den Pariser Anschlägen 2015 „Erfolge“. Der Muslim lebt wie ein „Geheimagent“, da er in den nicht-muslimischen Ländern sowohl ein öffentliches als auch ein „geheimes“ Leben zu führen hat, eben ein Doppelleben – und dies über Jahre. Durch das Studium der „Überlebensschrift“ soll gelernt werden, wie man zur „Schläferzelle“ wird, die zur richtigen Zeit aktiviert wird, wenn die Muslimgemeinschaft dies braucht. Nun, die Verschleierung der eigenen Identität und die der wirklichen Absichten hat in der muslimischen Welt eine lange Tradition und einen Namen – Takiya.

paperpress: Takiya – ist das eine Art Kriegslist?

Berndt Georg Thamm: Takiya ist jedem Muslim erlaubt, nach einigen Gelehrten sogar Pflicht. Um „auf dem Weg Allahs“ erfolgreich zu sein, gilt auch die Takiya, das „Verhüllen“, als strategisches Mittel. Die Takiya hat die Funktion einer „Notlüge“ im Sinne einer erzwungenen Verleugnung des Islam, um sich letztlich für die „Sache des Glaubens“ erhalten zu können. Nach Auffassung nicht weniger Fundamentalisten ist Takiya gegenüber Ungläubigen keine Täuschung oder Lüge, da zu diesen grundsätzlich kein Vertrauensverhältnis besteht. Djihadisten kämpfen eben nicht immer mit offenem Visier. Ob als ziviler Helfer, Journalist, Geistlicher oder Polizist getarnt, das Täuschen und Verstellen dient der „Optimierung der Märtyreroperationen“ mit einer ganzen Bandbreite von Tarnlegenden. Vielleicht noch gefährlicher ist wohl die „Verschleierung der Muslimidentität“, beispielsweise durch die Annahme des „westlichen Lebensstils“ mit Alkohol- und Drogenkonsum, auch durch das Eintauchen in das Kleinkriminellenmilieu des „dekadenten Westens“ – was die Erkennung des Djihadisten als Djihadisten immer schwieriger werden lässt, im Idealfall verunmöglicht. „Gefährder“ sind plötzlich nicht mehr von sicherheitspolitischer Relevanz.

paperpress: Und was bedeuten engere Verbindungen zwischen islamistischen Terroristen und kriminellen Milieus?

Berndt Georg Thamm: Die bedeuten eine Zunahme der Gewaltbereitschaft und der Gewaltanwendung. Wie hochgefährlich Djihadisten mit kriminellem Hintergrund sind, wurde uns Europäern durch deren Terrorattacken in unseren Metropolen in den letzten Jahren vor Augen geführt. Weitere werden wohl folgen, und sind doch, einer Studie des European Counter Terrorism Centre EUROPOLs Ende 2016 zufolge, vor allem Frankreich, Belgien, Deutschland, die Niederlande und das Vereinigte Königreich „Ziele einer anhaltend hohen Bedrohung“. Doch sind auch Terrorattacken anderer Natur sind nicht nur möglich, sondern auch wahrscheinlich, ist doch die „Erforschung neuer modi operandi“ nach Einschätzung EUROPOLs „ein Kennzeichen des IS“.

„Radikalisierung in Deutschland – jeder 6. Gefährder ist ein Konvertit“

paperpress: Neue „modi operandi“?

Berndt Georg Thamm: Ganz pragmatisch weist EUROPOL auf die Möglichkeit anderer hochgefährlicher Attacken hin. Da wären zum einen mobile Sprengstoffanschläge durch „Autobomben“ oder Geiselnahmen grösseren Ausmasses, wie es sie schon vor Jahren in Russland·gegeben hat. Selbst die Anwendung chemischer Kampfmittel wollen die polizeilichen Experten nicht ausschliessen und weisen darauf hin, dass es schon Indizien für IS-Experimente mit biologischen Kampfmitteln gebe. Und vielleicht müssen wir uns auch darauf einstellen, dass der IS Drohnen in Europa einsetzt. Zu den stark gefährdeten Staaten zählt die europäische Polizeibehörde auch Deutschland.

paperpress: Deutschland als Terrorziel des IS?

Berndt Georg Thamm: Über 15 Jahre nach den 9/11-Anschlägen gilt unter den rund vier Millionen hier lebenden Muslimen die Splittergruppe des politischen Salafismus als die am schnellsten wachsende radikalislamische Strömung. Als politisch-missionarische Bewegung gab es den Salafismus mit einigen 100 Anhängern schon 2001. Ende März 2017 ging das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) von mehr als 10.000 Salafisten aus. Der Propaganda dieser radikal-islamistischen Strömung, deren harter Kern den militanten Djihad zu einem untrennbaren Bestandteil muslimischer Glaubenspraxis erklärte, unterlag auch ein junger Muslim, der am 2. März 2011 „den ersten vollendeten, islamistisch motivierten Terroranschlag auf dem Boden der Bundesrepublik verübte“, so der Vorsitzende Richter des 5. Strafsenats des OLG Frankfurt/Main am 10. Februar 2012. Der 21-jährige Kosovo-Albaner Arid Uka war von den Richtern wegen Mordes an zwei US-Soldaten und versuchten Mordes an drei weiteren Amerikanern in einem Bus am Flughafen Frankfurt/M. zu lebenslanger Haft verurteilt. Die salafistische Szene hatte sich in Deutschland schon so radikalisiert, dass es zu Gewaltaktionen in der Öffentlichkeit kam. So am 5. Mai 2012 in Bonn, wo bei einer islamfeindlichen Kundgebung der rechtspopulistischen Splitterpartei Pro NRW gewaltbereite Salafisten auch Polizisten angriffen und zwei Beamte durch Messerangriffe schwer verletzten. Kein Wunder, dass aus diesem islamistisch-salafistischen Umfeld ab 2012 die Mehrheit der Freiwilligen stammte, die in den Nahen Osten reiste, um hier an djihadistischen Fronten zu kämpfen. Anfang März 2017 zählte das BfV mehr als 910 (darunter 110 aus Berlin) Islamisten, die von Deutschland in den Terrorkampf in Nahost gezogen waren. Rund ein Fünftel davon waren Frauen, mehr als die Hälfte hatte die deutsche Staatsangehörigkeit. Etwa 145 der Djihadfreiwilligen hatte bis dahin den Tod in Syrien/Irak gefunden. Über 300 der ausgereisten Djihadisten sollen wieder zurück nach Deutschland gekommen sein. Knapp die Hälfte der Djihad-Rückkehrer bleibt, einer Studie des Hessischen Informations- und Kompetenzzentrums gegen Extremismus, des BKA und des BfV zufolge, ihrer Gesinnung treu und ist weiterhin im extremistischen oder salafistischen Milieu unterwegs. Jeder vierte Rückkehrer soll aktive Kampferfahrungen haben. Kein Wunder, dass gerade diese zum Personenkreis „islamistischer Gefährder“ gezählt werden.

paperpress: Was haben wir uns unter „islamistischen Gefährdern“ vorzustellen?

Berndt Georg Thamm: Unsere Strafverfolgungsbehörden verstehen unter „Gefährdern“ Personen, die als „potenzielle Terroristen“ erfasst sind und von denen graduell abgestufte Gefahren für unsere Sicherheit ausgehen. Das BKA, so der Stand Ende 2016, listete 548 Islamisten auf, denen Anschläge und weitere „politisch motivierte Straftaten von erheblicher Bedeutung“ zugetraut werden. Zu den als Gefährder eingestuften Personen zählte seit Februar 2016 auch der Tunesier Anis Amri, der am 19. Dezember den Terroranschlag in Berlin auf dem Weihnachtsmarkt beging. Seit einem halben Jahrzehnt steigen die Zahlen der Gefährder kontinuierlich. Anfang 2011 stufte die Polizei „nur“ 131 als Gefährder ein. In der jüngsten Listung des BKA wurden Anfang März 602 Islamisten als Gefährder eingestuft. Das Bundesinnenministerium zählte unter diesen 352 EU-Bürger und 250 Angehörige von Drittstaaten. Rund 300 halten sich derzeit nicht in Deutschland auf, etwa 100 befinden sich in deutschen Justizvollzugsanstalten. Fast jeder sechste Gefährder ist ein Konvertit.

paperpress: Ist Deutschland in der Zielauswahl des IS?

Berndt Georg Thamm: Zunächst die Kurzfassung: 2014 die Ankündigung des Kommens; 2015 ein Jahr voller Terrorwarnungen; 2016 ein Jahr praktizierter Terroranschläge; 2017 – ein Jahr, in dem es noch schlimmer kommen könnte.

paperpress: Wie sieht Ihre Langfassung der Terrorwarnungen aus?

Berndt Georg Thamm: Im Juli 2014 hatte die IS-Führung eine Expansion nach Europa in den nächsten fünf Jahren bis 2020 angekündigt. Nach dem ersten Terroranschlag in Europa in Paris, schien auch die Gefährdungslage in Deutschland bedrohlicher. Noch im Januar wurde eine Pegida-Demonstration in Dresden verboten. Ob der zu erwartenden Islamfeindlichkeit hatten im Vorfeld Salafisten mit Störungen gedroht. Im Februar 2015 sagte die Braunschweiger Polizei den traditionellen Karnevalsumzug „Schoduvel“ wegen einer Terrorwarnung ab. Ende April war ein türkisches Ehepaar wegen des Verdachts, einen Terroranschlag vorzubereiten festgenommen worden. In der Folge wurde ein für den 1. Mai 2015 geplantes Radrennen rund um Frankfurt/Main abgesagt. Nach dem Terroranschlag in Paris am 13.11.15 sollte vier Tage später das Fussball-Länderspiel Deutschland-Niederlande in Hannover zur Solidaritätsveranstaltung mit Frankreich gegen den Terror werden. Zeitnahe Anschlagswarnungen eines ausländischen Nachrichtendienstes (Mossad?) führten dazu, dass die Begegnung kurzfristig abgesagt und das Stadion wegen einer unmittelbar bestehenden Gefahr geräumt wurde. Last not least gab es, wie schon in Februar in Bremen, zum Jahreswechsel Terroralarm in der bayerischen Landeshauptstadt. Am Silvesterabend hatten die Sicherheitsbehörden Hinweise auf geplante Anschläge auf die Münchener Fernbahnhöfe bekommen, die in der Folge geräumt und gesperrt wurden. Waren die Anschlagsgefahren bis dahin mehr „abstrakt“, sollten sie mit fünf praktizierten Anschlägen 2016 ganz konkret werden.

paperpress: Fünf Anschläge in Deutschland 2016?

Berndt Georg Thamm: Der Terroranschlag eines IS-Selbstmordattentäters am 12. Januar in Istanbuls Stadtteil Sultanahmet traf eine Touristengruppe aus der Bundesrepublik und riss 12 Deutsche in den Tod. Am 26. Februar griff in Hannover eine 15-Jährige deutsch-marokkanische Schülerin im Hauptbahnhof einen Bundespolizisten mit einem Messer an und verletzte diesen lebensgefährlich. Das Mädchen war schon früh mit extremistisch-religiösen Kreisen in Kontakt gekommen, soll die Tat unter Anleitung und im Auftrag des IS begangen haben. Die 16-Jährige aus Hannover war die erste wegen einer Terrorattacke in Deutschland verurteilte IS-Sympathisantin. Am 16. April verübten drei muslimische 16-Jährige mit afghanisch-türkischen Wurzeln in Essen einen Anschlag auf einen Tempel der Sikh-Gemeinde mit einem selbstgebauten Sprengsatz. Die Explosion der ferngezündeten Bombe verletzte zwei Gemeindemitglieder und einen Priester, letzteren schwer. Nach Überzeugung der Richter hatten die Jugendlichen vor der Tat einen „intensiven Kontakt zur salafistischen Szene aufgebaut“. Ihr Motiv sei Hass auf andere Religionen gewesen. Am 18. Juli attackierte ein 17-Jähriger afghanischer Asylbewerber aus Ochsenfurt in einem Regionalzug nahe Würzburg Fahrgäste mit Axt und Messer, verletzte vier Menschen (eine Familie aus Hongkong) schwer. „Im Namen des allmächtigen Gottes: Ich bin ein Gotteskrieger des Islamischen Staates und heute werde ich einen Selbstmordanschlag in Deutschland verüben“, hiess es in seinem von der IS-Agentur Amiq veröffentlichten Videobekenntnis. Nach der Tat flüchtete der junge Djihadist aus dem notgebremsten Zug, fiel noch über eine Spaziergängerin her, bevor ihn zwei Polizeibeamte erschossen. Am 24. Juli waren am letzten Tag des „Ansbach-Open“-Musikfestivals nochmals über 2.500 Besucher gekommen. Am Abend versuchte ein 27-Jähriger abgelehnter Asylbewerber aus Syrien auf das Gelände zu kommen. Da er keine Einlasskarte hatte, wurde er von der Security abgewiesen. Danach sprengte der Mann eine in seinem Rucksack verbrachte Nagelbombe. Mit dem selbstgebauten Sprengsatz tötete sich der mutmassliche Djihadist selbst und verletzte 15 Menschen. Als Impulsgeber für die Tat gilt der IS, hatte der Attentäter doch einen „Treueeid“ auf den Kalifen erneuert, ein Indiz für eine länger andauernde IS-Mitgliedschaft des Flüchtlings. Diese Tat im fränkischen Ansbach stellte eine Zäsur dar, handelte es sich doch um den ersten „vollendeten“ Selbstmordanschlag mit islamistisch-djihadistischer Motivation in Deutschland.

„Nicht aus heiterem Himmel“

paperpress: Der fünfte Anschlag fand in unserer Stadt, in Berlin, statt. Kam er aus heiterem Himmel oder mussten wir damit rechnen?

Berndt Georg Thamm: Es war keine Frage ob, sondern wann es uns auch hier treffen könnte. Und es traf uns am 19. Dezember, als der 24-jährige Tunesier Anis Amri einen – mit Ladung 32 Tonnen schweren – Sattelschlepper, dessen polnischen Lkw-Fahrer er zuvor ermordet hatte, in den Weihnachtsmarkt auf den Charlottenburger Breitscheidplatz steuerte. Der schon in seiner Heimat als gewalttätig bekannte Amri kam im April 2011 als Bootsflüchtling über Lampedusa nach Sizilien. Wegen diverser Straftaten sass er hier vier Jahre im Gefängnis. Nach seiner Entlassung im Frühjahr 2015 setzte er sich nach Deutschland ab, wurde hier im Sommer in Nordrhein-Westfalen als Flüchtling registriert, ging schliesslich nach Berlin. Bundesweit war er wohl unter mindestens 14 Identitäten erfasst. Wann, wo und wie sich der Kleinkriminelle zum Islamisten radikalisierte, ist nicht eindeutig, Einfluss darauf hatte wohl aber der Hassprediger Ahmed Abdelasis Abdullah A. alias Abu Walla. Zum Netzwerk des 32-jährigen IS-Repräsentanten gehörte wohl auch der Berlin-Attentäter Anis Amri. Nur einen Tag nach dessen Terrortat reklamierte der IS dessen Anschlag für sich.

paperpress: Und was erwarten Sie für 2017?

Bernd Georg Thamm: Die Polizei stellt sich auf eine grössere „Rückreisewelle“ europäischer und damit auch deutscher Djihadisten ein, wenn der IS weiter geschwächt und erst recht, wenn das Kalifat im Irak und Syrien militärisch geschlagen werden sollte. Rückkehrer mit Kampferfahrungen, die die Anzahl der Gefährder noch erhöhen würden, treffen auf eine hochaktive salafistische Szene, die in Dutzenden deutscher Städte mit „Lies!“ (den Koran)-Kampagnen und anderen Aktivitäten ihren Teil zur Radikalisierung beitragen. (Die Gruppierung welche die Koranverteilungskampagne organisierte, wurde am 15. November 2016 vom Bundesministerium des Innern verboten. Anm. d. Red.)

paperpress: Bei den von Ihnen genannten Anschlägen erwähnten Sie auch Flüchtlinge als Täter.

Berndt Georg Thamm: Als der IS im Juli 2014 seine Expansion nach Europa ankündigte gab er auch zu verstehen, dass als Flüchtlinge getarnt eingesickerte IS-Kämpfer hier früher oder später Anschläge begehen könnten, was auch – wie in Paris – geschah. Es ist auch richtig, dass insbesondere unter den unbegleiteten jugendlichen Flüchtlingen für die Sache des Islamismus, des Djihad, geworben werden kann und wohl auch geworben wird. Aber es ist nicht richtig, aus meiner Sicht auch völlig falsch, die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung verantwortlich für eine Eskalation der Terrorgefahren in unserem Land zu machen.

paperpress: Können Sie uns ein Beispiel zur IS-Fernradikalisierung von Kindern nennen?

Berndt Georg Thamm: Im letzten Jahr versuchte ein 12-jähriger Deutsch-Iraker in Ludwigsburg gleich zweimal eine selbstgebaute Bombe zu zünden. Am 26. November auf dem Weihnachtsmarkt der Stadt und ein paar Tage später, am 5. Dezember, nahe dem Rathaus. Beide Male kam es wegen eines technischen Fehlers nicht zur Explosion, der Zünder funktionierte nicht. Die Radikalisierung des „mutmasslich jüngsten islamistischen Terrorverdächtigen“ in Deutschland erfolgte wohl über die sozialen Netzwerke. Die Rekrutierung eines Kindes war für den IS „ein Sieg“ seiner psychologischen Kriegsführung.

Christenverfolgung „im Stil ethnischer Säuberungen“

paperpress: Wir führen dieses Interview kurz vor Ostern, dem höchsten Fest der Christen. Was wünschen Sie sich als Katholik in terroristischen Zeiten?

Berndt Georg Thamm: Mit Palmsonntag beginnt im christlichen Kalender die Karwoche vor Ostern, auch für die koptisch-orthodoxe Kirche in Ägypten, der vermutlich ältesten christlichen Gemeinschaft. An diesem Palmsonntag, den 9. April, töteten IS-Selbstmordattentäter mit einem verheerenden Doppelanschlag in der Mar-Girgis-Kirche in Tanta und nahe der St.-Markus-Kathedrale in Alexandria mindestens 44 Gläubige, über 120 wurden verletzt. Der IS-Vorläufer ISI verübte schon vor Jahren Terroranschläge auf christliche „Götzendiener“, beispielsweise am 30. Oktober 2010 in der katholischen Sayid ad-al-Nebjab-Kathedrale in Bagdad (58 Menschen fanden den Tod) und in der Nacht zum 1. Januar 2011 vor der koptischen Allerheiligen-Kirche St.Markus-Petri in Alexandria (23 Tote, fast 100 Verletzte). Nach ihren Untaten stellten die ISI-Terroristen eine Drohung ins Netz, in der es hiess, alle christlichen Kirchen und Einrichtungen, alle Kirchenführer und ihre Anhänger seien „legitime Ziele für heilige Krieger“. Ein halbes Jahrzehnt später, am 26. Juli 2016, drangen so zwei 19-Jährige „Soldaten des IS“. in eine katholische Kirche in Saint-Etienne-du-Rouvray bei Rauen in Nordfrankreich ein, ermordeten den 85-Jährigen Priester während der Frühmesse und nahmen Gläubige als Geiseln. Die jüngsten Anschläge in Ägypten machen deutlich, dass Christen vielleicht die grösste verfolgte Glaubensgemeinschaft weltweit ist. Einem Exodus gleich verlassen bedrohte Christen den Nahen Osten, wo insbesondere der IS sie „im Stil ethnischer Säuberungen“ verfolgt.

paperpress: Und was wünschen Sie sich persönlich?

Berndt Georg Thamm: Ich wünsche mir, dass ich mich in meinen Einschätzungen künftiger bedrohlicher Entwicklungen irren möge.

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Time am 9. Juni 2017

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1) http://www.audiatur-online.ch/2017/06/07/terror-gegen-zivilisten-es-wird-wohl-noch-schlimmer-werden/

Keine Verneigung vor Terroristen

21. Mai 2017

Listen, Mr. Trump: nazislam = terrorism (1).

And please don’t listen to the german schweinepresse.

Ulrich W. Sahm schreibt bei „Audiatur“ über Trumps bevorstehenden Besuch in Israel (2).

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Trump will Steinmeiers Fehler vermeiden

Am 22. Mai tritt der neue amerikanische Präsident Donald Trump einen zweitägigen Besuch in Israel und in den palästinensischen Autonomiegebieten an. Trump wird mit seiner Air Force One direkt von Saudi-Arabien zum Ben-Gurion-Flughafen bei Tel Aviv fliegen. Zuvor trifft er den Papst im Vatikan.

In Israel fällt der Besuch mit den Feierlichkeiten zur Wiedervereinigung Jerusalems vor genau 50 Jahren während des 6-Tage-Krieges von 1967 zusammen.

Keine Verneigung vor Arafat

Es hat sich inzwischen eingebürgert, dass Staatsbesucher in Israel immer auch einen Abstecher nach Ramallah machen um dort den palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas zu treffen. Nach Angaben der israelischen Zeitung Israel Hayom sollte Trump in der Mukata, dem Hauptquartier von Abbas, zu Fuss zur Empfangszeremonie mit rotem Teppich und Ehrengarde laufen.

Dem Vorbereitungsteam des US-Präsidenten fiel auf, dass Trump so hätte abgelichtet werden können, wie er am Mausoleum Arafats am Eingang der Mukata vorbeiläuft. Für die Palästinenser wäre das nach eigenen Angaben eine Chance gewesen, daraus eine Ehrerweisung für die Ikone des „palästinensischen Widerstands“ zu machen. Diese Planung der Ankunft Trumps sei kein „Zufall“ gewesen, bestätigten Berater von Abbas gegenüber der israelischen Zeitung. Doch die amerikanischen Beamten des Vorbereitungsteams durchschauten das palästinensische Manöver und machten dem einen Strich durch die Rechnung. Es hätte dem Präsidenten in den USA eine „unangenehme Zumutung“ eingebracht und zudem eine „diplomatische Krise mit Israel“ ausgelöst. Die Geheimdienstleute und der Sicherheitsdienst von Trump wurden beauftragt, eine „alternative Route“ zu finden.

Diese amerikanischen Rücksichtsnahmen sind umso erstaunlicher, als doch erst vor wenigen Tagen erstmals ein deutscher Bundespräsident ohne Rücksicht auf israelische und vielleicht sogar deutsche Empfindlichkeiten das Grabmal Jassir Arafats besucht hat, sich dort verbeugt und einen Kranz niedergelegt hat.

Olympia 1972 in München: Folter und Mord auf Befehl Arafats

2015 erhielten die Witwen der 1972 bei den olympischen Spielen bestialisch ermordeten israelischen Sportler erstmals Einsicht in 43 Jahre lang von den deutschen Behörden zurückgehaltene Akten von dem Terrorüberfall des von Jassir Arafat befehligten Kommandos „Schwarzer September“. Dabei erfuhren die Frauen, dass ihren Männern die Knochen gebrochen und dass Ilan Romano gar bei lebendigem Leibe die Genitalien abgeschnitten worden waren, ehe sie ermordet worden waren.

Man darf davon ausgehen, dass auch der damalige Außenminister Frank Walter Steinmeier vor zwei Jahren die entsprechenden Artikel beim Spiegel und anderswo gelesen hat. Dennoch pilgerte das Staatsoberhaupt Deutschlands jetzt zum Grab Arafats und neigte sein Haupt.

So eine Geste könne sich der amerikanische Präsident nicht erlauben, ohne daheim einen Proteststurm auszulösen.

Wie die Jerusalem Post berichtete, wird Trump mit dem Helikopter vom Flughafen nach Jerusalem fliegen. Er will die Altstadt Jerusalems besuchen, wobei angeblich unsicher ist, ob er dabei auch zur Klagemauer gehen wird. Palästinenser meldeten schon Proteste an und behaupteten: „Die gehört euch nicht“. Eine heftige diplomatische Kontroverse brach aus, als Beamte des pro-palästinensischen amerikanischen Konsulats erklärten, dass Trump die Klagemauer im Rahmen einer „privaten“ Visite besuchen werde. Ein Angebot des israelischen Premierministers, Trump zu der Heiligsten Stätte des Judentums zu begleiten, wurde von den Amerikanern ausgeschlagen, weil die Klagemauer nach deren Ansicht „zur Westbank“ gehöre, und nicht zu Israel. Das Premierministeramt wollte diese Erklärung nicht akzeptieren und versagte augenblicklich den Amerikanern jegliche Unterstützung bei den Vorbereitungen zum Besuch an der Klagemauer. Ebenso funkte Jerusalem Anfragen an die amerikanische Regierung, ob das nun die offizielle Position des Präsidenten sei.

Kurz zuvor begab sich der frisch akkreditierte neue US-Botschafter David Friedman zur Klagemauer, wo er ein Gebet für seine Familie und für den Präsidenten (Trump) sprach und die verwitterten Steine küsste. Friedman ist in den USA als Freund und Unterstützer von israelischen Siedlungen umstritten.

US-Präsident Trump plant auch Abstecher nach Bethlehem und zur Festung Massada am Toten Meer. 10.000 israelische Sicherheitsleute, darunter Polizei, Geheimdienst, Anti-Terroreinheiten und weitere Sicherheitskräfte werden Trump in Absprache mit dem israelischen und dem amerikanischen Geheimdienst beschützen.

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Time am 21. Mai 2017

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1) http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/trump-rede-in-riad-vertreibt-die-terroristen-aus-euren-laendern-15026690.html
2) http://www.audiatur-online.ch/2017/05/16/trump-will-steinmeiers-fehler-vermeiden/

Im Interview: Fethi Benslama

2. Mai 2017

Karen Krüger hat das Ork Fethi Benslama, einen Psychoanalytiker, für „FAZ.NET“ interviewt (1). In mancher Hinsicht gibt es in seinen Darlegungen Parallelen zu den Beobachtungen Ulrich W. Sahms, die dieser in Israel machte (2).

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Dschihad als Ausweg

Der Psychoanalytiker Fethi Benslama ist einer der wichtigsten Islamismusforscher Frankreichs. Ein Gespräch über die psychischen Ursachen für Radikalisierung, Houellebecq und die Wahl.

Als Reaktion auf die Terrorbedrohung hat der Bundestag gerade ein Sicherheitspaket verabschiedet. Sind mehr Gesetze der richtige Weg im Kampf gegen Extremismus?

Der Terrorismus macht es notwendig, dass eine Demokratie viele Ausnahmen macht und die Bürger stärker überwacht. In Frankreich ist man dabei viel weiter gegangen. Es herrscht ja immer noch der Ausnahmezustand, der viele Rechte einschränkt, und sicherlich wird er noch andauern. Die Bedrohung ist einfach größer als in Deutschland.

Woran liegt das?

Frankreich ist stärker als Deutschland an militärischen Interventionen im Nahen Osten beteiligt. Deutschland bildet Soldaten aus, Frankreich bombardiert. Auch die kaum aufgearbeitete Kolonialgeschichte spielt eine Rolle. Viele französische Politiker glauben immer noch, dass die Kolonialzeit eigentlich eine gute Sache war. Sarkozy hat das so gesagt. Für Muslime mit Wurzeln in ehemaligen Kolonien ist das schmerzhaft.

Emmanuel Macron hat die Kolonisierung Algeriens als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ bezeichnet. Frankreich müsse sich entschuldigen.

Viele junge Franzosen denken mittlerweile wie Macron. Aber um Vergebung zu bitten genügt nicht. Das schafft nur ein gutes Gewissen. Anerkennung bedeutete dagegen, dass es eine Verantwortung zur Aufarbeitung gibt. Während des Algerienkrieges haben Algerier an der Seite der Franzosen gekämpft. Als sie Algerien verließen, wurden viele dieser Menschen massakriert. Der Front National erkennt diese Algerier als französische Soldaten an. Deshalb wählen einige Muslime Marine Le Pen. Auch manche Juden tun das. Sie denken, sie schütze sie vor Islamisten.

Es soll auch Dschihadisten geben, die Marine Le Pen wählen.

Die Islamisten glauben, dass der Front National die Demokratie zerstört. Das ist in ihrem Sinn. Indem sie das Attentat in Paris kurz vor der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen für sich reklamierten, wurde Angst geschürt, die Le Pen Stimmen zugeführt hat. Es kommt den Islamisten gelegen, dass sie die Stimmung gegen Muslime anheizt. In ihren ideologischen Schriften steht, dass eine bürgerkriegsähnliche Atmosphäre von Wir gegen Sie ideal ist, um Jugendliche zu rekrutieren. Denn Diskriminierungserfahrungen machen Radikalisierungen wahrscheinlicher.

Einen Roman, der die Präsidentschaftswahlen als Szenario nutzt, hat zuletzt Michel Houellebecq geschrieben. „Unterwerfung“ spielt 2022, Frankreich wurde islamisiert, der Präsident ist ein Muslim. Das Buch war ein Erfolg. Haben Sie es gelesen?

Ja. Für mich ist es literarischer Dschihadismus (lacht). Man kann den Roman von zwei Seiten betrachten. Als Literatur, die ein Phantasma berührt, das viele Franzosen mit sich herumtragen – das Phantasma der Islamisierung Frankreichs. Es ist gut, dass „Unterwerfung“ das zum Thema gemacht hat. Denn erst wenn etwas ausgesprochen wird, lässt es sich entwaffnen. Der Roman wurde also aus einem existierenden Phantasma geboren, aber er nährt es auch, das ist die andere Seite. Er hat das Potential, bestehende Ängste zu verstärken. Ich finde, Houellebecq ist „Unterwerfung“ nicht besonders gut gelungen. Seine anderen Romane fand ich besser.

Houellebecq hat einmal gesagt, der Islam sei die bescheuertste Religion, die es gibt.

Vielleicht ist er ja selbst etwas bescheuert? (lacht) Das gibt es ja oft, dass Leute phantastische Bücher schreiben und selbst Idioten sind. Denken Sie nur an Céline. Er muss ein furchtbarer Typ gewesen sein, aber er war ein genialer Schriftsteller. Beim Thema Islam sind die Leute ja meistens ambivalent. Houellebecq ist da gar nicht der Schlimmste. Der Hass auf den Islam existiert mit und ohne ihn.

Sie sind Psychoanalytiker und beschäftigen sich mit islamistischer Radikalisierung. Was kann die Psychoanalyse da leisten?

Man weiß mittlerweile, dass politische und soziologische Ansätze nicht genügen, Radikalisierung zu verstehen. Selbst Soziologen haben eingesehen, dass das Problem für ihre Methoden zu komplex ist. Anfangs dachte man beispielsweise, Radikalisierungen gebe es nur in prekären Milieus. Heute weiß man, und das gilt nicht nur für Frankreich, dass etwa dreißig Prozent der Radikalisierten aus der Mittelschicht stammen und zehn Prozent aus der Oberschicht. Radikalisierung ist also keinesfalls nur eine Frage von Armut. Wenn man nicht die psychische, individuelle Dimension miteinbezieht, versteht man nicht, warum ein Jugendlicher zum Dschihadisten wird, aber andere, die unter gleichen Bedingungen leben, nicht. Hätte die Radikalisierung nur politische oder soziologische Ursachen, dann müsste es bei den heutigen Verhältnissen weitaus mehr Fälle von Radikalisierung geben. Sich zu radikalisieren ist immer eine individuelle Entscheidung. Oft hat sie viel mit Zufall zu tun.

Mit dem Zufall?

Unter den Radikalisierten, mit denen ich arbeite, sind viele, die in ihrem alten Leben unverschuldet eine traumatische Erfahrung gemacht haben. Sie wurden beispielsweise vergewaltigt oder erlebten einen schweren Unfall. Oder sie haben irgendwann eine schlechte Bekanntschaft gemacht. Stellen Sie sich eine Neunzehnjährige vor, die aus einer zerrütteten Familie stammt und plötzlich einen tollen Typen kennenlernt, mit dem eine harmonische Familie möglich scheint. Sie ist überzeugt davon, er ist die Liebe ihres Lebens, in Wirklichkeit ist er aber nur ein Köder des Dschihad.

Sie haben darauf hingewiesen, dass unter den Radikalisierten die Anzahl der 15- bis 25-Jährigen besonders hoch ist. Woran liegt das?

Es ist die Phase des Erwachsenwerdens. Sie beginnt heute schon mit elf, zwölf Jahren und hört immer später auf. Es ist eine psychologisch sehr turbulente Zeit. Heranwachsende haben oft ein geringes Selbstwertgefühl. Sie wollen bedeutsam sein, wissen aber nicht, wie das gelingen soll, es gibt so viele Möglichkeiten. Sich zu radikalisieren gibt einigen die Hoffnung, die Lösung zu finden.

Warum glauben Jugendliche das?

Die Rekrutierer des Dschihad setzen an zwei Punkten an: In der Phase des Erwachsenwerdens sucht man nach Bestätigung und Idealen, die den richtigen Weg weisen. Der Islamismus sagt: Komm zu uns, dann bist du bedeutsam, stark und wirst ein großer Krieger. Vielen jungen Leuten erscheint die Aussicht auf Krieg als Abenteuer. Sie haben keine Ahnung, was Krieg oder Töten wirklich bedeuten. Manche ziehen aber auch aus Altruismus in den Dschihad. Dieser Beweggrund betrifft vor allem Frauen, die mittlerweile dreißig Prozent der nach Syrien oder in den Irak Ausreisenden ausmachen. Früher gab es im Dschihad keinen Platz für sie, Al Qaida etwa lehnt Frauen in den eigenen Reihen ab. Erst der IS hat es mit seinem fest umrissenen Territorium Frauen möglich gemacht, Teil des Dschihad zu sein. In der westlichen Welt eine Frau zu sein ist nicht einfach. Die Rollenerwartungen sind immens; eine Frau soll attraktiv sein, leidenschaftliche Liebhaberin, gute Ehefrau, liebevolle Mutter, sie soll Karriere machen und das Heim in Ordnung halten. Die vielen Erwartungen wirken verunsichernd. Die jungen Frauen wollen einen festen Rahmen, der Sicherheit gibt und garantiert, respektiert und beschützt zu werden – Letzteres trifft vor allem auf junge Mädchen mit Gewalterfahrung zu. Sie glauben zudem, dass sie durch die Mutterschaft ihre weibliche Identität finden. Im Dschihad ist die Frauenrolle klar umrissen: Die Frau ist Ehefrau und Mutter.

Dürfen Frauen auch kämpfen?

Das wird in der Regel abgelehnt.

Warum?

Wenn auch die Frauen in den Kampf ziehen und sterben, dann haben die Männer nicht mehr dieselbe Macht. Es gibt eine bewaffnete Frauen-Brigade beim Daesh. Sie darf nicht in den Kampf ziehen. Dieser Tod ist den Männern vorbehalten.

Es gibt eine Hierarchie, wer im Kampf sterben darf?

Ja, da hält es der Daesh wie Hegel in seiner Theorie vom Meister und dem Sklaven: Der Meister darf in das Antlitz des Todes schauen, der Sklave nicht.

So wird man es den Frauen kaum vor ihrer Ausreise darlegen.

Natürlich nicht. Die Männer spielen weiße Ritter, die ihr Leben für Gutes riskieren. Sie ziehen Strahlkraft daraus, anders zu sein als die Männer von heute, die alle etwas feminisiert sind.

Es heißt, der Dschihad rekrutiere verstärkt im kriminellen Milieu.

Er ist dort sehr erfolgreich. Es liegt in der Natur des Menschen, zum Mörder werden zu können. Jeder trägt in unterschiedlichem Ausmaß Hass in sich. Der Dschihad autorisiert dazu, ihn rauszulassen. Er ermöglicht es Kriminellen, autorisierte Kriminelle zu werden.

Wieso jemand, der Gewalt ablehnt, plötzlich Ideale verehrt, die sie verherrlichen, ist trotzdem schwer zu verstehen.

Überhaupt nicht. Ein Jugendlicher ist ein Mensch, der gerade seine Kindheit verlassen hat. Als Kind hatte er tolle Ideale, die seine Eltern ihm beigebracht haben. Als Kind glaubt man, die Welt um einen herum liebe einen so wie die Eltern. Beim Übergang von der Kindheit zum Erwachsenwerden merkt man plötzlich, dass das nicht stimmt. Alles stürzt zusammen, muss neu geordnet werden. Neue Verhaltensweisen und Vorstellungen müssen her, die mit dem harmonisieren, was man zu begreifen beginnt: dass man nicht mehr geliebt werden kann, wie ein Kind geliebt wird. Kinder, die in schwierigen Verhältnissen aufwachsen, gelingt das oft nicht. Sie bleiben verunsichert. Da setzt das Radikalisierungsangebot an und bietet eine Mission.

Und die Gewalt schreckt nicht ab?

Viele Jugendliche sehen das wie ein theatralisches Spiel. Sie schlüpfen in eine Rolle. Einige merken, sie können das nicht, und versuchen zurückzukehren. Andere lieben es und werden sehr grausam.

Wenn die Radikalisierung ein psychologisches Problem ist, dann heißt das auch, dass man sie therapieren kann?

Manchmal ja. Doch aus Erfahrung weiß ich, dass man jenen, die wirklich gewalttätig geworden sind, meistens nicht helfen kann. Da hilft nur Repression.

Was kann sonst noch getan werden?

Die europäischen Staaten müssten sich zusammenschließen und gemeinsam die salafistischen Bewegungen bekämpfen. Es ist höchste Zeit, der Hass auf die Demokratie wächst. Zweitens brauchen wir gute Programme, die Jugendlichen helfen, die in die Falle der Dschihadisten geraten sind. Sie müssten einen psychoanalytischen Anteil haben und einen sozialen, der alltägliche Sicherheit gibt. Und drittens muss der Krieg im Nahen Osten beendet werden. Von ihm nährt sich die dschihadistische Ideologie am meisten. Der Fundamentalismus existiert in allen Religionen, doch der muslimische ist bewaffnet worden. So vieles ist schiefgelaufen. Afghanistan war die erste Schule für den Dschihadismus. Man nutzte ihn, um die Sowjetunion zum Einstürzen zu bringen. Aus dem Irak haben die Amerikaner eine große Dschihadisten-Universität gemacht. Mit der Auflösung der irakischen Armee wurden Hunderttausende Soldaten arbeitslos. Viele von ihnen, auch Generäle, schlossen sich dem IS an, um ihre Familien zu ernähren. In Syrien haben Saudi-Arabien und Qatar einzelne Gruppen bewaffnet, sobald es die Revolutionsbewegung gegen Assad gab. Solange der Krieg nicht endet, wird es immer junge Menschen geben, die bereit sind, zu kämpfen.

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Steuergelder für den Mörder von Hannah Bladon –
Wer profitiert vom Tod einer jungen Christin?

Am Karfreitag ist in der Strassenbahn nahe der Altstadt Jerusalems die 21 Jahre alte britische Studentin Hannah Bladon mit einem Messer tödlich verletzt worden. Die junge Frau starb kurz darauf im Krankenhaus. Ihr Mörder, der 57 Jahre alte Jamil Tamimi, wurde von einem Polizisten beobachtet. Der zog die Notbremse und überwältigte zusammen mit einem anderen Israeli den Mörder. Tamimi wurde dem Haftrichter vorgeführt.

Wer war das Opfer?

Die Deutsche Presseagentur (dpa) behauptete ohne jede Quellenangabe: „Die junge Frau soll auch die israelische Staatsbürgerschaft besessen haben.“ So sollte dem Palästinenser wohl das „Motiv“ untergeschoben werden, sich eine Jüdin oder Israeli als Opfer ausgewählt zu haben. Die Tendenz, Judenmord mit einer antizionistischen Tünche „politisch“ zu legitimieren, zieht sich ja auch sonst wie ein roter Faden durch die Berichterstattung. Tatsächlich ist die britische Studentin aber mit einem Touristenvisum nach Israel eingereist, wie ein Polizeisprecher bestätigte. Damit ist klar, dass Bladon keinen israelischen Pass besass. Zudem stellt sich heraus, dass sie in ihrer anglikanischen Kirchengemeinde in Staffordshire sehr aktiv war. Sie studierte Religionsstudien an der Universität Birmingham. Mit einem Stipendium war sie zur Hebräischen Universität gekommen, um Archäologie und Bibelkunde zu betreiben. Wie Augenzeugen aus der Strassenbahn berichteten, habe Bladon ihren Sitzplatz für eine Frau mit einem Baby auf dem Arm freigegeben und sich dann neben den Ausgang gestellt. Zufällig stand neben ihr an der Tür ein bewaffneter Soldat– in Israel kein ungewöhnlicher Anblick.

War der Täter Palästinenser?

Der „mutmassliche“ Täter wird in der deutschen Presse als „Palästinenser“ bezeichnet. In Wirklichkeit dürfte er, wie fast alle „Araber aus Ost-Jerusalem“, Inhaber eines jordanischen Passes und eines israelischen Ausweises sein. Denn „Palästinenser“ heissen nur die Bewohner der Autonomiegebiete. Die besitzen einen palästinensischen Pass und die palästinensische Staatsbürgerschaft, während die Jerusalemer Araber grundsätzlich Jordanier sind, oder Israelis, falls sie die ihnen angebotene israelische Staatsangehörigkeit akzeptiert haben.

Wer war der Mörder?

Innerhalb kurzer Zeit war die Identität des Mörders der Britin öffentlich. Der 57 Jahre alte „Palästinenser“ Jamil Tamimi stammt aus dem Jerusalemer Viertel Ras el Amud. Tamimi habe im Gefängnis Rasierklingen geschluckt, um Selbstmord zu verüben. Kein Zweifel also, dass der Mann „psychisch labil“ war. Der „mutmassliche“ Täter erzählte dem Haftrichter weiter, dass er die Studentin angegriffen habe, weil er hoffte, dass der neben ihr stehende Soldat ihn erschiessen würde. Tamimi war 2011 in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen worden, nachdem er seine Tochter sexuell belästigt hatte. Er befand sich nach seiner Entlassung auf dem Heimweg und hatte zuhause angerufen. Doch sein Sohn hatte ihm gesagt, dass die Familie ihn nicht mehr sehen wolle. Mit dem Gefühl, nichts mehr zu verlieren zu haben, kaufte er sich am Damaskustor in Jerusalem ein Küchenmesser, bestieg die Strassenbahn und stach auf die britische Studentin ein.

Wie werden solche Taten möglich?

Für den israelischen Polizeisprecher ist das nicht einfach nur die Tat eines psychisch Kranken. Oft genug haben Araber aus Ostjerusalem ihre „persönlichen Probleme“ gelöst, indem sie ein Küchenmesser griffen und loszogen, Juden zu ermorden. Es ist das eine „bewährte“ Methode, mit Hilfe bewaffneter israelischer Polizisten „Selbstmord“ zu verüben und trotzdem nicht als Verlierer da zu stehen. Bekanntlich schießen die Israelis scharf, wenn sie oder andere von Messerstechern bedroht werden und es darum geht, andere Menschenleben zu retten.

Die „politische Motivation“ zu solchen suizidalen Anschlägen liefert die palästinensische Autonomiebehörde oder auch die islamistische Hamas Organisation mit Hetzpropaganda und dem Versprechen, „Selbstmordattentätern“ und ihren Familienangehörigen finanziell großzügig zu helfen. Dafür stehen Gelder der EU zur Verfügung.

Inzwischen wurde bekannt, dass Tamimi für seine „Heldentat“ von der palästinensischen Autonomiebehörde monatlich fast 1000 Dollar erhalten wird, das Doppelte eines Durchschnittgehalts in den Palästinensergebieten. Die Behörde habe 2016 das Budget für die Auszahlungen an palästinensische Mörder von Juden auf 180 Mio. US-Dollar erhöht, unter anderem dank Zuwendungen der britischen Regierung. Das bedeutet: auch Hannahs Eltern müssen künftig mit ihren Steuern den Mörder ihrer Tochter alimentieren.

Und ein neuer Fall von Selbstmord

Am Montag, dem israelischen Holocaust-Gedenktag, sollte schon wieder „irgendein“ Jude für Familienkrach bei Palästinensern mit dem Leben bezahlen:

Am Qalandia-Checkpoint zwischen Ramallah und Jerusalem hat Asya Kabaneh, 41, aus Duma bei Nablus eine israelische Soldatin mit Messerstichen im Oberkörper verletzt. Sie wollte „eine Frage stellen“ und zog dann ein Messer aus ihrer Handtasche. Die Frau konnte von anderen Sicherheitsleuten „neutralisiert“ werden.

Kabaneh ist verheiratet und Mutter von neun Kindern. Sie erzählte beim Verhör, dass sie in einem langen Konflikt mit ihrem Ehemann stehe. Sie fühlte sich bedroht, weil er sich scheiden lassen und sie zurück zu ihrer Familie nach Jordanien bringen wolle. In der Nacht vor der Attacke am Checkpoint habe sie sich mit ihrem Mann über die Erziehung ihrer Kinder gestritten. Infolgedessen beschloss sie, einen Terroranschlag zu begehen, damit die Sicherheitskräfte sie erschiessen würden, weil sie in ihren Worten „ihr Leben satt“ hatte.

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Time am 2. Mai 2017

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1) http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/islamismusforscher-im-gespraech-dschihad-als-ausweg-14993788.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2
2) http://www.audiatur-online.ch/2017/04/24/steuergelder-fuer-den-moerder-von-hannah-bladon-wer-profitiert-vom-tod-einer-jungen-christin/

Sie vermehren sich zu sehr

4. Februar 2017

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Ulrich W. Sahm berichtete bei „Audiatur“ über eine Meerwasserentsalzungsanlage, die die EU den Pallies spendiert hat (1).

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Wo Wasseraufbereitung und Terrorausbildung Nachbarn sind

Vertreter der EU und des UNO-Kinderhilfswerks UNICEF weihten am 19. Januar eine Entsalzungsanlage im Gaza-Streifen ein. Sie soll Erleichterung bringen in einem Gebiet, wo 97 % des Wassers ungeniessbar ist. Die Europäische Union finanzierte die Anlage mit EUR 10 Mio. Sie habe die Kapazität, täglich 6.000 m³ Trinkwasser zu produzieren, um 75.000 Palästinenser mit sicherem Trinkwasser im Süden des Gazastreifens zu versorgen, etwa 35.000 Menschen in Khan Younis und 40.000 Menschen in Rafah. Der Transport der Bauteile für die gesamte Anlage wurden mit Hilfe der israelischen „Zivilverwaltung“ Cogat ermöglicht. Die Entsalzungsanlage soll teilweise mit Solarstrom betrieben werden.

Wasser eigenhändig weggepumpt

Seit jeher versorgten sich die Menschen im Gazastreifen mit Wasser aus einem flachen Aquifer (Grundwasserschicht) unter seinem sandigen Boden. Dieser Aquifer wurde bereits vor 1967 überbeansprucht, als Ägypten den Gaza-Streifen noch kontrollierte und eine erste Kontamination durch salziges Meerwasser auftrat. Doch bis in die 1990er Jahre war das Wasser in Gaza überwiegend trinkbar. Nach dem israelischen Rückzug 2005 wurden in Gaza Tausende Brunnen gebohrt – was dazu führte, dass die Wasserqualität weiter sank. Die Menschen wollten sich kostenlos mit Wasser versorgen, zerstörten so aber eigenhändig die Grundwasserschicht. Gazas schnell wachsende Bevölkerung nutzt pro Jahr mehr als das Dreifache dessen, was durch Niederschläge gewonnen wird. Nur 10% der Bevölkerung Gazas haben Zugang zu sicherem Trinkwasser, im Vergleich zu 90% im Westjordanland. Zurzeit sind 95 % des Grundwassers wegen der Verseuchung durch Meerwasser, Dünger und Abwasser ungeniessbar. Israel pumpt derzeit etwa 5 Mio. m³ pro Jahr in den Gazastreifen und will die Menge erhöhen, sowie im Gazastreifen die dafür notwendigen Auffangbecken fertig sind. Gleich wohl können diese Mengen den Bedarf nicht stillen.

Abwasserplage stört auch Israel

Die Abwasserkrise ist die andere Seite des hydrologischen Albtraums von Gaza: Täglich fliessen einige Millionen Kubikmeter Abwasser ungeklärt von Gaza ins Mittelmeer. Israels Meerwasserentsalzungsanlage in Aschkelon ist nur ein paar Kilometer nördlich von Gaza entfernt. Ein Zaun kann terroristische Infiltration verhindern, aber nicht den Zufluss von Fäkalien und Plastikmüll stoppen. Damit wird die Krise in Gaza auch ein Problem für Israel, zumal die Meeresströmungen die Abfälle von Gaza nach Norden, entlang der Küste Israels, transportieren.

Die Europäische Union hat bereits eine zusätzliche Finanzierung in Höhe von 10 Mio. EUR gewährt, um die Kapazität der neuen Entsalzungsanlage zu verdoppeln. Die Arbeiten der zweiten Phase haben bereits begonnen. Sie soll täglich zusätzliche 150.000 Palästinenser mit rund 12.000 m³ Trinkwasser versorgen.

Robert Piper, Koordinator der Vereinten Nationen für humanitäre und entwicklungspolitische Aktivitäten, sagte, dass für den Gaza-Raum weitere Grossprojekte für Wasser und Energie dringend erforderlich seien. Die Verhältnisse haben sich jedoch in den letzten zehn Jahren stark verschlechtert, seitdem die radikalislamische Hamas an die Macht kam. Die Hamas nahm an dem Projekt nicht teil und war bei der Einweihungszeremonie nicht vertreten. Die palästinensische Wasserbehörde (Palestinian Water Authority PWA) ist eines der wenigen Organe der Autonomiebehörde, das von der Hamas in Gaza geduldet wird.

Militärstellung bei Entsalzungsanlage

Doch noch steht eine militärische Ausbildungsstätte der Hamas auf einem Teil des Grundstücks, wo die zweite Phase der Anlage errichtet werden soll. Mazen Ghunaim, der Chef der palästinensischen Wasserbehörde, sagte, dass die Hamas versprochen hätte, dieses Trainingscenter zu verlegen. Ob sich die Hamas an die Absprachen hält, ist ungewiss.

Die Nähe dieser Militäreinrichtung der Hamas stellt den Erfolg des ganzen Projekts infrage, und wurde wohl deshalb von der UNO verschwiegen.

Islamistischer Terror und innerpalästinensische Machtfragen sind bei den Vereinten Nationen kein Thema. Nicht erwähnt wurde auch, dass die propalästinensische NGO „Ewash“ kurze Zeit auf ihrer Homepage dringend von der Errichtung einer Entsalzungsanlage im Gazastreifen abgeraten hatte. Denn das Wasserwerk sei ein vorzügliches Ziel für das israelische Militär, wenn es darum ginge, die zivile Infrastruktur im Gazastreifen mutwillig zu zerstören. Tatsache ist, dass Israel Militärstellungen und Trainingslager der Hamas erst nach Vorwarnungen angreift, auch wenn diese neben Hospitälern, vor Schulen oder eben bei Einrichtungen ziviler Infrastruktur errichtet werden. Laut Völkerrecht verlieren Krankenhäuser und Schulen ihren „geschützten“ Status, sowie sie als militärische Stellungen missbraucht werden. Die Hamas hat das in der Vergangenheit oftmals zynisch ausgenutzt und Zivilisten als Schutzschilde missbraucht.

Das Thema war akut während des letzten Gazakriegs 2014, als Journalisten von ihren Hotelzimmern aus Raketenstellungen der Hamas filmten und die Hamas-Spitze ihren Befehlsstand in den Kellern unter dem Schifa-Krankenhaus eingerichtet hatte. Israel wurde dann bezichtigt, dort angegriffen zu haben.

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Time am 4. Februar 2017

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1) http://www.audiatur-online.ch/2017/02/02/wo-wasseraufbereitung-und-terrorausbildung-nachbarn-sind/

Ein radikaler Islamist

19. Juli 2016

Ratze

Wie Ulrich W. Sahm bei „Audiatur“ berichtet, zeigt the Fuhrergan demonstrativ Solidarität mit der Muslimbruderschaft (1).

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Erdoğan grüsst Muslimbruderschaft

Als die Muslimbruderschaft in Ägypten gegen die Absetzung von Präsident Muhammad Mursi durch den Militärputsch des derzeitigen Präsidenten Al Sisi protestierte, sah man es tausendfach auf den Strassen: Statt der zwei Finger des säkularen „Victory“ wurden 4 Finger gezeigt, eine schwarze Hand mit eingeschlagenem Daumen auf gelbem Grund.

Es war das Zeichen der Muslimbrüder. 2013 wurde der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan gefilmt, als er weinend über den Tod von Asmaa el Beltagy trauerte. Die junge Demonstrantin war vor der Rabaa al-Adawiya Moschee in Kairo erschossen worden. „Rabaa“ bedeutet auf Arabisch „vier“ und deshalb die vier Finger als Zeichen der Solidarität für die Muslimbrüder und die Islamisten. Das Symbol verbreitete sich in der ganzen muslimischen Welt.

Jetzt, nach dem erfolgreichen Niederschlagen des Militärputsches, trat Präsident Erdoğan auf, im Massanzug und mit einem karierten Arbeiterhemd ohne Krawatte. So demonstrierte er „Volksnähe“. Und wieder zeigte der türkische Präsident für alle sichtbar seine Solidarität mit den islamistischen Muslimbrüdern. Zu Beginn seiner Rede, als er sich an „meine lieben Brüder“ wandte, winkte er mit seiner Hand, mit vier ausgestreckten Fingern und einem weggedrehten Daumen.

Erdogan hat das Symbol in seiner Rede mehrfach verwendet und gewiss nicht zufällig. In arabischen Medien wird Erdogans stilles Zeichen ausführlich diskutiert. Im Gazastreifen, wo die Hamas, Ableger der ägyptischen Moslembrüder, herrscht, gab es Jubelfeiern nach dem gescheiterten Putsch in der Türkei. In Ägypten hingegen reagierte Präsident Al Sisi ungehalten.

Auch im Westen spielen solche Symbole eine grosse Rolle, wie das V-Zeichen für „Victory“, von Winston Churchill nach dem 2. Weltkrieg und später von „Friedensbewegten“ in aller Welt verwendet.

In Deutschland kennt jeder die ausgestreckte Hand als Symbol für den Hitlergruss, heute bewusst von der Hisbollah in Beirut und der Hamas sogar mitten in Jerusalem verwendet. Nach der Entführung von drei jungen Israelis im Westjordanland im Juni 2014 war es bei Palästinenser populär, drei Finger hochzuhalten, als Symbol für die drei entführten und ermordeten jungen Israelis.

Und nun macht Erdogan unübersehbar klar, wo er steht. In der arabischen Welt gibt es viele Analphabeten, aber symbolische Handzeichen werden von jedem verstanden. Ob der Westen diese Zeichen der Zeit begreift?

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Time am 19. Juli 2016

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1) http://www.audiatur-online.ch/2016/07/18/erdogan-gruesst-seine-muslimbrueder/